Paradigmenwechsel in der chirurgischen Therapie der gutartigen Parotistumoren: 19 Jahre Erfahrung mit fast 3000 Fällen

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Paradigmenwechsel in der chirurgischen Therapie der gutartigen Parotistumoren: 19 Jahre Erfahrung mit fast 3000 Fällen
Paradigmenwechsel in der chirurgischen Therapie der
gutartigen Parotistumoren: 19 Jahre Erfahrung mit fast
                       3000 Fällen

                Der Medizinischen Fakultät

   der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

         zur Erlangung des Doktrogrades Dr. med

                      vorgelegt von

                    Bianca Berner geb.Bär

                            aus

                      Neumarkt i.d.Opf
Paradigmenwechsel in der chirurgischen Therapie der gutartigen Parotistumoren: 19 Jahre Erfahrung mit fast 3000 Fällen
Als Dissertation genehmigt von der
    Medizinischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität
                       Erlangen-Nürnberg

Vorsitzender des Promotionsorgans: Prof. Dr. med. Markus Neurath

Gutachter:                          PD Dr. Konstantinos
                                    Mantsopoulos

Gutachter:                          Prof. Dr. Heinrich Iro

Tag der mündlichen Prüfung:         27. April 2021
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Ich widme diese Arbeit meinem Vater, der mich stets gelehrt hat, wie wichtig es ist
                             Disziplin zu haben .
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Inhaltsverzeichnis
1.Zusammenfassung ................................................................................. 2
1.1 Hintergrund und Ziele .......................................................................... 2
1.2. Material und Methoden ...................................................................... 3
1.3. Auswertung und Ergebnisse .............................................................. 4
1.4. Schlussfolgerung ................................................................................ 6
2. Einordnung in den wissenschaftlichen Kontext ..................................... 8
2.2. Topographische Anatomie, Gefäßversorgung und Innervation der
Glandula parotidea .................................................................................... 8
2.3. Histologie der großen Kopfspeicheldrüsen ........................................ 9
2.4. Physiologie der Glandula parotidea ................................................. 10
2.5. Der Nervus facialis ........................................................................... 12
2.6. Histopathologische Klassifikation der benignen Parotistumore ....... 17
2.7. Operative Therapieverfahren ........................................................... 21
2.8. Leitidee und Ausblick ....................................................................... 21
3. Publikationsschrift ............................................................................... 23
4. Literaturverzeichnis ............................................................................. 29
5. Danksagung ........................................................................................ 34
6. Curriculum Vitae .................................................................................. 35
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1.Zusammenfassung

1.1 Hintergrund und Ziele

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts überwog in Bezug auf die Glandula

parotidea das Therapiekonzept der intrakapsulären Enukleation des Tumors.

Dabei handelte es sich um eine operative Methode, bei der die Kapsel des

Tumors eingeschnitten und der Tumor herausgekratzt wurde1. Allerdings kam

es bei der Enukleation des pleomorphen Adenoms häufig zu Rezidiven. Man

nahm an, dass die zurückgebliebenen Kapsel- und Tumorreste dafür

verantwortlich seien, da der Tumor somit nie gänzlich entfernt werden konnte2-
4
    . Mitte des 20. Jahrhunderts stellte McFarland fest, dass die Rezidivrate nach

dieser Operationsmethode mit ca. 45 % inakzeptabel hoch war5,6. Daraufhin

setzte sich der Chirurg Hamilton Bailey für die obligate operative Darstellung

des Hauptstamms und aller Äste des Nervus facialis bei allen Eingriffen an der

Glandula parotidea ein. Das bedeutete, dass ausnahmslos zumindest der

äußere Teil der Drüse, wenn nicht gar die ganze Drüse entfernt wurde. Bei

diesem Verfahren kam es u.a. zu einer inakzeptabel hohen Anzahl

permanenter iatrogener Paresen des Nervus facialis. Trotzdem galt für einen

längeren Zeitraum die Dissektion des Nervus facialis bei der Behandlung der

gutartigen Parotistumoren als Goldstandard, was zur Ansicht führte, die

Parotischirurgie sei einer vollständigen Facialisdissektion gleichzusetzen7,8.

In den letzten drei Jahrzehnten hat das Konzept der Erhaltung größtmöglicher

postoperativer Lebensqualität der Patienten zunehmend an Bedeutung

gewonnen. Hieraus entwickelte sich das Prinzip, benigne Parotistumoren

vollständig zu resezieren, die Drüse gleichzeitig aber möglichst anatomisch
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sowie funktionell zu erhalten. Auf diese Weise können unter anderem weitere

Komorbiditäten wie das Frey‘sche Syndrom oder auch kosmetische

Veränderungen vermieden werden. Daraus entstand der Ansatz der

extrakapsulären Dissektion, welcher die Entfernung des Tumors zusammen

mit einem Randsaum von gesundem Gewebe unter elektromyographischer

Kontrolle des Nervus facialis umfasst1,9. Die ideale Indikation einer

extrakapsulären Dissektion besteht in einer gut verschieblichen solitären

Läsion mit präoperativen Eigenschaften eines gutartigen Tumors im äußeren

Parotislappen1,10. Außerdem kann dieses Verfahren bei Konglomeraten von

multiplen Zystadenolymphomen im kaudalen Parotispol10 oder bei geringer

Anzahl von gut tastbaren, im Parotisparenchym diffus lokalisierten

Zystadenolymphomen        angewendet     werden11.    Die    Methode     der

extrakapsulären Dissektion ist bei parapharyngealen Tumoren schon lange

etabliert12-14. Bei Verdacht auf Zystadenolymphom kann das Ausmaß der

chirurgischen Behandlung durchaus auf eine kapsuläre Dissektion reduziert

werden (wie z. B. bei einem Lymphknoten oder einer Zyste)15. Ziel dieser

Studie war, die Erfahrungen einer einzelnen universitären Einrichtung mit der

operativen Behandlung gutartiger Tumoren der Glandula parotidea über einen

Zeitraum von 19 Jahren (2000–2018) darzustellen.

1.2. Material und Methoden

In die Studie „Veränderungen der Parotischirurgie bei gutartigen Tumoren: 19

Jahre   Erfahrung   mit   fast   3000   Patienten“   sind   2988   Patienten

(Durchschnittsalter: 55 Jahre, 1-94 Jahre) eingeschlossen, die im oben
4

genannten Zeitraum in der Hals-Nasen-Ohren-Klinik, Kopf- und Halschirurgie

des Universitätsklinikums Erlangen an einem benignen Parotistumor operiert

wurden. Alle Patienten wurden präoperativ klinisch, sowie mittels Sonografie

der Kopf- und Halsregion untersucht. In selektierten Fällen wurde eine

Computertomographie       oder    Magnetresonanztomographie          durchgeführt.

Präoperativ wurde die Funktion des Nervus facialis mit der House-Brackmann-

Skala bewertet und mittels Elektromyographie untersucht. Postoperativ

wurden alle Patienten für mindestens 12 Monate nachgesorgt. Zu

Studienzwecken        wurde    eine   temporäre      Facialisparese      als   die

Gesichtsschwäche definiert, die sich innerhalb eines Zeitraums von 12

Monaten vollständig erholt hat. Eine Persistenz der Facialisparese über 12

Monate wurde als permanente Facialisparese definiert. Die statistische

Analyse wurde mithilfe des Chi-Quadrat-Tests durchgeführt und p-Werte <

0.05 wurden als statistisch signifikant betrachtet. Die Software SPSS Version

21 für Windows (SPSS, Inc., Chicago, IL, USA) wurde für die Analyse

verwendet.

1.3. Auswertung und Ergebnisse

Zunächst fiel den Autoren der Studie ein massiver Anstieg der Anzahl der

Operationen an der Glandula parotidea über diesen Zeitraum von 19 Jahren

auf.   Das   konnte    fast   ausschließlich   auf   die   erhöhte    Anwendung

extrakapsulärer Dissektionen in dieser Klinik zurückgeführt werden: Diese

Verfahren nahmen bis 2008 stark zu, wobei sich ihr prozentualer Anteil
5

zwischen 2001 und 2004 verdoppelte (von 25,6 % auf 50,4 %). Die

extrakapsuläre   Dissektion    wurde       zunächst         nur   bei    solitären,   gut

verschieblichen, oberflächlich liegenden Läsionen durchgeführt, deren

benigne Entität präoperativ durch klinische Untersuchung (Anamnese,

Palpation) und Bildgebung (Ultraschall, MRT) nachgewiesen worden war.

Später verlangsamte sich diese Tendenz mit einem Anstieg auf 71,6 % im Jahr

2010; seither hat sich der Prozentsatz bei über 70 % stabilisiert. Im Laufe der

Jahre wurde die Indikationsstellung dieses Verfahrens auf Konglomerate von

Zystadenolymphomen des kaudalen Parotispols erweitert.                  Extrakapsuläre

Dissektionen wurden erfolgreich bei sorgfältig ausgewählten Fällen von diffus

im   Parenchym     lokalisierten      Zystadenolymphomen              angewendet      und

problemlos bei tiefsitzenden Tumoren mit Kontakt zum Venter posterior des

M. digastricus durchgeführt.

Diese Reduzierung der chirurgischen Invasivität widerspiegelte den Wunsch

von Patienten und Operateuren nach weniger invasiver Chirurgie der Glandula

parotidea.   Außerdem      unterstützt          die     prozentuale     Zunahme       der

extrakapsulären Dissektion sowie das „70-%-Plateau“ die Aussage, dass mehr

als zwei Drittel der gutartigen Parotistumoren mit weniger invasiven

chirurgischen    Verfahren         suffizient         behandelt    werden       können.

Interessanterweise blieb die absolute Anzahl der Facialisdissektionen relativ

stabil (61 Fälle im Jahr 2000 und 70 Fälle im Jahr 2018). Das zeigt, dass die

Dissektion des N. facialis durchaus einen gewissen Stellenwert sowie

eindeutige, feste sowie relativ breite Indikationen in der Behandlung benigner

Parotistumoren    behält   (diffuse     multilokuläre       Zystadenolymphome,         im

Parenchym der Glandula parotidea zentral gelegene Tumoren, Läsionen des
6

tiefen Parotislappens, parapharyngeale Läsionen mit „sanduhrförmiger“

Kontur oder großflächigem Kontakt zum N. facialis).

Bemerkenswert ist jedoch, dass das Umdenken in der Parotischirurgie hin zu

weniger invasiven Techniken (Vermeidung der Dissektion des N. facialis) vor

allem aus der geringeren Anzahl von postoperativen Komplikationen resultiert.

Das gilt insbesondere für die schwerwiegendste, die iatrogene Facialisparese.

Bei den herkömmlichen invasiveren Methoden besteht ein 6,5-mal höheres

Risiko für eine permanente Facialisparese, wie unsere Analysen zeigen.

Allerdings muss auch erwähnt werden, dass das Ereignis der permanenten

Facialisparese in den letzten 19 Jahren generell relativ selten eingetreten ist,

und zwar, weil sich die meisten Paresen nach mehr als 12 Monaten

zurückgebildet haben. Die Zahl der temporären Fazialisparesen andererseits

ist durch die extrakapsuläre Dissektion signifikant zurückgegangen (von ca.

25 % im Jahr 2000 auf 8 % im Jahr 2018). Die Inzidenz der zweiten

schwerwiegenden Komplikation, des „Frey‘schen Syndroms“, hat in den

letzten 19 Jahren ebenfalls abgenommen. Bei der extrakapsulären Dissektion

ist das postoperative Risiko um 11,2-mal geringer als bei den invasiveren

chirurgischen Modalitäten.

1.4. Schlussfolgerung

Unsere Studie konnte zeigen, dass die extrakapsuläre Dissektion, definiert als

eine individualisierte, elektromyographisch kontrollierte Tumordissektion ohne

anatomische Landmarken, zur Routine für die Zukunft werden könnte. Hierfür

ist die richtige Indikationsstellung im Sinne einer sinnvollen Patientenauswahl

von großer Bedeutung und setzt eine ausreichende Erfahrung mit Klinik und
7

Bildgebung voraus. Die Reduzierung der chirurgischen Invasivität zugunsten

der extrakapsulären Dissektion kann nur dann zuverlässig erreicht werden,

wenn der Eingriff von Chirurgen mit Erfahrung in der Dissektion des N. facialis

und mit einer Möglichkeit zum intraoperativen Übergang zu traditionellen

Verfahren (z. B. laterale Parotidektomie) durchgeführt wird.
8

2. Einordnung in den wissenschaftlichen Kontext

2.2. Topographische Anatomie, Gefäßversorgung und Innervation der
Glandula parotidea

Die Glandula parotidea ist mit einem Gewicht von ca. 25-30 g die größte der

Speicheldrüsen16. Sie befindet sich in der präaurikulären Region dorsal und

lateral zur Mandibula. Der Nervus facialis (7. Hirnnerv) trennt die Glandula

parotidea in einen oberflächlich (oder lateral) gelegenen und einen tiefer (oder

medial) gelegenen Lappen. Am kranialen Teil der Glandula parotidea liegt das

Os zygomaticum. Kaudal reicht die Drüse nach ventral an den anteromedialen

Rand des M. sternocleidomastoideus und nach dorsal über den oberen Rand

des M. sternocleidomastoideus bis hin zum Mastoid. Der tiefer gelegene Teil

der Parotis erstreckt sich bis in den parapharyngealen Raum. Zusätzlich kann

in manchen Fällen eine akzessorische Parotis vorhanden sein. Diese liegt

anterior auf dem M. masseter zwischen dem Ductus parotideus und dem Os

zygomaticum. 17-19

Parasympathisch wird die Glandula parotidea präsynaptisch durch die

Jacobson-Anastomose, einen Ast des Nervus glossopharyngeus (IX) versorgt.

Nach dem Ganglion oticum verlaufen diese Fasern postsynaptisch mit dem N.

auriculotemporalis, einem Ast des Nervus mandibularis (3. Ast des Nervus

trigeminus) zusammen und sind für die Regulation der Speichelsekretion

zuständig. Die sympathische Versorgung verläuft vom Ganglion cervicale

superius über den Plexus caroticus externus bis zur Glandula parotidea. Als

Neurotransmitter fungiert Acetylcholin für sowohl die parasympathischen als

auch die sympathischen Nervenfasern. Das kann das Auftreten des
9

gustatorischen Schwitzens als Folge eines operativen Eingriffs an der

Glandula parotidea erklären (sog. Frey`sches Syndrom)20. Auf diese

postoperative Komplikation wird später genauer eingegangen.

Arteriell wird die Glandula parotidea durch die Äste der A. carotis externa (A.

transversa faciei, A. temporalis superficialis) versorgt19. Der venöse Abfluss

verläuft durch kleine Venen über die V. facialis, die mit der V. retromandibularis

zusammen in die V. jugularis externa drainiert21. Der Lymphabfluss erfolgt

durch die Nodi lymphatici parotidei profundi und die Nodi lymphatici parotidei

superficiales, welche sich intraglandulär sowie suprakapsulär befinden und

sowohl in submandibuläre als auch in tiefe juguläre Lymphstationen

drainieren.

2.3. Histologie der großen Kopfspeicheldrüsen

Die Speicheldrüsen gehören zu den exokrinen Drüsen. Das bedeutet, dass sie

ihr Produkt über ein Gangsystem an umliegende externe oder interne

epitheliale Strukturen abgeben. Der Speichel wird über Acini ausgeschieden.

Hierbei sind drei Varianten von Acini zu unterscheiden: Seröse Acini geben

einen eher wässrigen Speichel ab, welcher einen hohen Protein- und

Enzymgehalt (z. B. Ptyalin) hat. Die Glandula parotidea besteht aus rein

serösen Acini. Die zweite Form sind die mukösen Acini, welche eine eher

zähere Substanz ausscheiden, die sich aus antimikrobiellen Enzymen (z. B.

Lysozymen), Immunglobulinen (IgA), Glykoproteinen, Lactoferrin und Mucin

zusammensetzt. Die Glandula sublingulalis besteht z. B. größtenteils aus
10

mukösen Acini. Zuletzt gibt es gemischte Formen wie die Glandula

submandibularis, die sowohl seröse als auch muköse Acini enthält22.

2.4. Physiologie der Glandula parotidea

Die Hauptaufgabe der Speicheldrüsen ist die Speichelproduktion. Pro Tag

wird ungefähr ein Liter Speichel sezerniert. In der nicht stimulierten Situation

übernimmt die Glandula submandibularis ca. 70 %, die Glandula parotidea ca.

25 % und die Glandula sublingualis ca. 5 % der Speichelproduktion. Sobald

jedoch die Drüsen durch Nahrung im Mund, den Kauvorgang oder auch

Nausea stimuliert werden, erfolgen ca. 2/3 der Speichelsekretion in der Gl.

parotidea. Die kleinen Speicheldrüsen produzieren unabhängig von der

Stimulation ca. 7 % des gesamten Speichels. Müdigkeit, Angst oder Schlaf

inhibieren den Vorgang der Salivation.

Speichel erfüllt mehrere wesentliche Aufgaben. Erstens ist das die Verdauung

von Nahrung. Kohlenhydrate und Fette werden im Mund durch zwei wichtige

Enzyme, Alpha-Amylase (Ptyalin) und Lipase gespalten. Ptyalin spaltet die

alpha-1,4-glycosidischen-Bindungen von Stärke. Es entstehen Maltose,

Maltotriose und Alpha-Limit-Dextrin. Der größere Anteil der Kohlenhydrate

(75 %) wird jedoch im Magen zersetzt, wenn der Nahrungsbrei gut

durchmischt und zusätzlich mit Magensaft vermengt wird. Am besten kann

Ptyalin seine Aufgabe bei einem pH-Wert von 7 verrichten. Sobald der pH-

Wert sinkt, wie zum Beispiel durch Kontakt des Nahrungsbreis mit der

Magensäure, denaturiert das Enzym. Lipase ist ein Enzym, welches
11

Triglyceride aufgliedert. Im Gegensatz zu Ptyalin ist die Funktion der Lipase

nicht durch einen geringen pH-Wert eingeschränkt, weshalb es bis in den

Magen und das proximale Duodenum wirken kann. Wie oben erwähnt werden

diese beiden Enzyme überwiegend in der Glandula parotidea bzw. von den

serösen Acini produziert. Kallikrein ist ein weiteres Enzym. Es wird bei

erhöhter metabolischer Aktivität in Speicheldrüsen produziert und aktiviert das

Plasmaprotein Bradykinin, einen Vasodilatator, der den Blutfluss zu den

Drüsen hin steigert.

Eine weitere Aufgabe des Speichels ist die Umwandlung der Nahrung zu

einem flüssigen Brei. So wird zum einen die Wand des Oropharynx und des

Magens geschützt, der Kauvorgang erleichtert und der Transport in den

Magen unterstützt. Zum anderen erreichen Nahrungsbestandteile die

Geschmacksknospen und erhöhen somit die Geschmackssensitivität.

Antibakterielle Eigenschaften sind ebenfalls Teil der Speichelfunktion.

Immunglobulin A verbindet sich mit einem Glykoprotein und formt einen

Komplex, welcher Viren und Bakterien bekämpft. Auch Lysozyme und

Lactoferrin unterstützen die Abwehr gegen Keime: Ersteres, indem es für eine

Agglutination der Bakterien sorgt und als Folge dessen die Autolyse einleitet;

Letzteres, indem es das bakterielle Wachstum verhindert. Die antibakteriellen

Substanzen werden von den mukösen Acini in der Glandula submandibularis

und Glandula sublingualis abgegeben. Zuletzt wirkt Speichel als Puffer gegen

sehr kalte oder sehr warme Nahrung sowie als Schutz vor der Magensäure,

und erfüllt eine Schutzfunktion für die Zähne.

In einer Speicheldrüse ist Kalium durchgehend höher, Natrium eher niedriger

konzentriert als im Plasma. Mit zunehmender Sekretionsrate steigt jedoch die
12

Natriumsekretion. Kalium fällt zu Beginn, bleibt dann aber konstant. Chlor

verhält sich wie Natrium. Bicarbonat (HCO 3-) ist im Vergleich zu Plasma

hyperton. Zu Beginn der Produktion sezerniert der erste Acinus den

Primärspeichel. Während des Transports durch das Gangsystem werden

Natrium und Chlor resorbiert, Kalium und Bicarbonat unterdessen an die

Speichelflüssigkeit abgegeben. Je schneller der Speichelfluss, desto geringer

ist die Abgabe von Kalium und Bicarbonat an den Speichel. Da die

Wiederaufnahme von Natrium und Chlor größer ist als die Ausscheidung von

Kalium und Bicarbonat, ist Speichel verglichen mit Plasma hypoton. Die

Osmolarität steigt bei vermehrter Sekretion23,24.

2.5. Der Nervus facialis

Die schwerwiegendste Komplikation der Parotischirurgie ist die iatrogene

Facialisparese. Der Nervus facialis ist der 7. von 12 Hirnnerven und besteht

aus    motorischen,     sekretorischen     und      sensiblen   Fasern   und

dementsprechenden Kernen. Der motorische Kern des Nervs (Nucleus n.

facialis) liegt im kaudalen Teil des Pons, dorsal des Corpus trapezoideum.

Kortikonukleäre Fasern aus dem motorischen Bereich des Cortex enden

beidseits im Nucleus n. facialis. Die motorischen Fasern sind für die Mimik

verantwortlich, wobei die obere Gesichtshälfte von beiden Seiten innerviert

wird. Die untere Gesichtshälfte wird von kortikonukleären Fasern der

kontralateralen Seite versorgt. In der Nähe des motorischen Kerns liegt der

Nucleus salivatorius superior (rostralis). Dieser versorgt die Glandulae
13

submandibulares und sublinguales, die Tränendrüse und die kleinen

Speicheldrüsen der Nase, des Gaumens und des Pharynx mit sekretorischen

(efferenten parasympathischen) Fasern. Als Nervus intermedius treten die

sekretorischen Fasern zwischen dem motorischen Facialiskern und dem 8.

Hirnnerven, dem Nervus vestibulocochlearis hervor. Der Nucleus solitarius

besteht in seiner oberen Hälfte aus dem sensiblen Kern des Facialis.

Geschmacksempfindungen aus dem vorderen Teil der Zunge und des

Gaumens gelangen über die Chorda tympani und den N. petrosus major über

den N. intermedius und enden im N. solitarius. Allgemein sensible Fasern wie

z. B. aus dem äußeren Gehörgang werden über die Chorda tympani und einen

Ast des 10. Hirnnervs (N. vagus), den R. auricularis, in den Nucleus spinalis

n. trigemini geleitet. Auch propriozeptive Fasern von Augen- und Kaumuskeln

ziehen über den N. facialis in den Nucleus mesencephalicus n. trigemini.

Zusammen mit dem 8. Hirnnerven (N. vestibulocochlearis) treten der

motorische Anteil („Wurzel“) des N. facialis und der N. intermedius, über den

Gehörgang verlaufend, in den Canalis facialis ein. Dort zieht er zwischen

Vestibulum und Cochlea und bildet das Genu n. facialis. Hier liegt das

Ganglion geniculi, in welchem sich motorische und sensible Fasern vereinen.

Zudem gelangen Geschmacksfasern der Chorda tympani und des N. petrosus

major über periphere und zentrale Nervenfortsätze in den N. intermedius.

Dieser leitet den Geschmack weiter an den N. solitarius. Auch afferente

Fasern, von den Gefäßen oder den Hirnhäuten kommend, treten durch das

Ganglion geniculi. Efferente Fasern des N. intermedius ziehen durch das

Ganglion und schließen sich dort der Chorda tympani und dem N. petrosus

major   an.   Im   weiteren   Verlauf   gelangen   sie   z. B.   zum   Ganglion
14

pterygopalatinum    und   werden    dort   umgeschaltet.   Die    entstandenen

postganglionären Fasern gelangen weiter in Drüsen und Gefäße, welche

durch sie innerviert werden.

Im inneren Gehörgang tauschen N. intermedius und N. vestibuchochlearis

Fasern aus. Diese und weitere Fasern aus dem Ganglion geniculi bilden den

Plexus tympanicus. Im weiteren Verlauf tritt der 7. Hirnnerv durch das

Foramen stylomastoideum. Die Chorda tympani geht kurz vor Eintritt in das

Foramen stylomastoideum vom Facialis ab. In der Nähe des Foramens

verbindet sich der N. facialis mit Ästen des N. vagus (10. Hirnnerv), N.

glossopharyngeus (9. Hirnnerv), dem Plexus caroticus sowie dem N.

auricularis   magnus   (sensibler   Spinalnerv   aus    C2-3)    und   dem   N.

auriculotemporalis (Ast des N. mandibularis – N. trigeminus / HN 5). Nach dem

Austritt aus dem F. stylomastoideum verläuft der N. facialis zwischen dem

Processus styloideus und dem M. stylohyoideus sowie dem Venter posterior

des M. digastricus. Der Nerv verläuft hinter dem äußeren Gehörgang weiter

nach oben; dann spalten sich ein kleiner Ast, der R. auricularis sowie der

größere R. occipitalis ab, welcher zum M. occipitofrontalis reicht. Des Weiteren

kreuzt der N. facialis kurz nach Austritt aus dem Foramen stylomastoideum

die A. carotis interna sowie die V. retromandibularis. Anschließend tritt er an

der posteromedialen Seite der Glandula parotidea in dieselbe ein. In der Drüse

teilt er sich in einen temporofazialen und einen zervikofazialen Hauptast.

Ersterer spaltet sich in den R. temporales und R. zygomaticus. Letzterer

spaltet sich in den R. buccalis, R. lingualis und R. marginalis mandibulae und

colli. Im Plexus intraparotideus bilden alle Äste Anastomosen miteinander.
15

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der N. facialis motorisch die

Muskeln des Gesichts, der Ohrmuschel sowie der Kopfhaut innerviert, zudem

auch den M. stapedius, den M. stylohyoideus und den Venter posterior des M.

digastricus. Er reguliert somit die Mimik sowie die Sprech- und Kaubewegung.

Von der sekretorischen Seite werden Unterzungen- und Tränendrüse sowie

andere Drüsen der Nasen- und Gaumenschleimhaut versorgt. Es ziehen

sowohl sensible Fasern wie Geschmacksfasern als auch propriozeptive

Fasern von Augen- und Kaumuskeln über den Facialis zum Hirnstamm.

Eine Verletzung des Nervs führt zu einer Atonie aller Muskeln einer

Gesichtshälfte. Das zeigt sich unter anderem an einem hängenden

Mundwinkel oder der Unfähigkeit zum Lidschluss. Zudem liegt eine erhöhte

Empfindsamkeit für Geräusche (sog. Hyperakusis) vor. Zunächst muss

zwischen der temporären und der permanenten Facialisparese unterschieden

werden. Als temporär sind Ereignisse definiert, die sich innerhalb von 12

Monaten zurückbilden. Wenn die Lähmung länger als 12 Monate anhält,

spricht man von einer permanenten Facialisparese. Für die Einteilung des

Schweregrads einer Facialisparese gibt es mehrere Systeme. Am weitesten

verbreitet ist das Klassifikationssystem nach House-Brackmann, welches

1985 vorgestellt wurde25. Danach wird die motorische Funktion des N. facialis

anhand des Vergleichs zur gesunden Seite in sechs Grade eingeteilt: Grad I

ist als normale Facialisfunktion definiert. Im Grad II zeigt sich insgesamt eine

leichte Facialisschwäche, die nur bei genauer Beobachtung erkennbar ist: In

Ruhe sind keine Veränderungen an Stirn, Augenlid oder Mund festzustellen.

In Bewegung ist eine moderate bis gute Funktion der Stirnmuskulatur sowie

ein kompletter Lidschluss zu erkennen. Am Mund zeigt sich beim Lächeln eine
16

leichte Asymmetrie. Grad III entspricht einer nicht entstellenden, moderaten

Facialisparese: Hierbei ergibt sich ein erkennbarer Unterschied zwischen

beiden Gesichtshälften sowie eine deutliche, aber nicht schwere Synkinese.

In Ruhe besteht nach wie vor Symmetrie und ein normaler Tonus der

Muskulatur. Die Stirn kann kaum gerunzelt werden. Das Augenlid kann nur mit

Anstrengung geschlossen werden. Beim Mundwinkel lässt sich während der

Mimik eine leichte Schwäche der betroffenen Seite feststellen. Im Grad IV liegt

eine   offensichtliche   Schwäche    und   Asymmetrie     vor.   Werden    die

Gesichtsmuskeln bewegt, zeigt sich in der Stirn keine Regung. Trotz

Anstrengung kann das Auge nur unvollständig geschlossen werden und der

Mund ist asymmetrisch. In Ruheposition bleibt die Symmetrie jedoch

bestehen. Es handelt sich hierbei um eine mittelschwere Dysfunktion. Bei

Grad IV ist der Lidschluss unvollständig, bei Grad V ist zusätzlich kaum eine

Mundwinkelbewegung möglich. Bei der schweren Dysfunktion des N. facialis

(Stadium V) lässt sich generell kaum eine mimische Bewegung feststellen. Die

Stirn kann gar nicht, der Mund nur noch leicht bewegt werden. Grad VI ist als

komplette Paralyse definiert, dabei findet keine Bewegung der mimischen

Muskulatur mehr statt.
17

2.6. Histopathologische Klassifikation der benignen Parotistumore

Das pleomorphe Adenom ist mit einem Anteil von 60 % die häufigste

Tumorart der Speicheldrüsen26, wobei in den meisten Fällen (80 %) die

Glandula parotidea betroffen ist. In der Regel tritt das Adenom im äußeren

Lappen der Drüse und unilateral auf. Interessanterweise machen diese

Tumoren ca. 40 % der Krebserkrankungen im parapharyngealen Raum aus

(sog. „Eisbergtumor“). Das pleomorphe Adenom präsentiert sich meist als

schmerzlose, langsam progrediente Läsion. Das weibliche Geschlecht

erkrankt etwas häufiger und das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt

zwischen der 4. und 6. Lebensdekade.

Die Bezeichnung „pleomorph“ stammt von dem vielseitigen Aufbau, der diese

Tumorart kennzeichnet. Das pleomorphe Adenom besteht sowohl aus den

unterschiedlich   differenzierten   epithelialen   (z. B.   Plattenepithelzellen,

Onkozyten, Basalzellen) und myoepithelialen Zellen (z. B. polygonale,

spindelförmige) als auch den verschiedenartigen Komponenten des Stromas

(z. B. mukoide, myxoide, chondroide)27-29. Das Besondere am pleomorphen

Adenom ist seine Neigung zu Rezidiven, weshalb es auch als „semimaligne“

bezeichnet wird28. In diesem Kontext spielt die Kapsel des pleomorphen

Adenoms eine wesentliche Rolle. Dabei handelt es sich um eine

Pseudokapsel aus Bindegewebe, die das Tumorparenchym vom umliegenden

Drüsengewebe trennt. Zum einen weist die Kapsel manchmal ein

diskontinuierliches Muster mit Lücken und Herniation von Tumormaterial in

das umliegende Gewebe auf. Zum anderen kann die Ausbildung von

Pseudopodien sowie sekundären Satellittumoren dazu führen, dass das
18

pleomorphe Adenom nur subtotal reseziert werden kann und ein Rezidiv somit

vorprogrammiert ist30-35. Die Therapie des pleomorphen Adenoms besteht in

der vollständigen chirurgischen Exzision der tumorösen Läsion („im

Gesunden“). Tumorbiologisch kann aus einem pleomorphen Adenom in

seltenen Fällen ein echtes Karzinom entstehen (sog. „Karzinom ex

pleomorphem Adenom“)36-38. Diese Subgruppe von Tumorentitäten macht ca.

5-15 % der Speicheldrüsenkarzinome aus39. In seltenen Fällen können

gutartige pleomorphe Adenome fernmetastasieren und sich biologisch wie ein

„Low-grade“-maligner Speicheldrüsentumor verhalten40,41. Häufig handelt es

sich dabei um eine Metastasierung durch mindestens ein lokal aufgetretenes,

postoperatives Rezidiv. Es wird vermutet, dass das Tumorgewebe durch die

Operation Zugang zu Blut- und Lymphbahnen erhält und so metastasieren

kann42.

Der zweithäufigste gutartige Tumor der großen Kopfspeicheldrüsen ist mit

einem Anteil von über 20 % das sogenannte papilläre Cystadenoma

lymphomatosum (Zystadenolymphom oder „Warthin-Tumor“). Er betrifft fast

ausschließlich die Glandula parotidea, insbesondere den kaudalen Parotispol

sowie die umliegenden Lymphknoten, und kann in bis zu 10 % der Fälle

sowohl bilateral als auch multifokal vorliegen10,11,43,44. In der Regel tritt das

Zystadenolymphom zwischen dem 6. und 7. Lebensjahrzehnt auf und betrifft

Männer häufiger als Frauen (2:1). Zudem wurde ein starker Zusammenhang

zum Rauchen festgestellt: Raucher haben demnach ein bis zu 8-fach erhöhtes

Risiko, an einem Zystadenolymphom zu erkranken45,46. Des Weiteren wird

vermutet, dass eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus ebenfalls zu einem

höheren Risiko für eine Erkrankung an dieser Tumorart führen kann47,48.
19

Histologisch lässt sich das Zystadenolymphom, je nach epithelialem und

stromalen Anteil, in vier Subtypen unterteilen. Beim Subtyp 1, der in 77 % der

Fälle vorliegt, befinden sich Epithel und Stroma im Verhältnis von 1:1. Subtyp

2 stellt eine relativ Stroma-arme Variante (13,5 %) dar. Hierbei macht das

epitheliale Tumorgewebe 70-80 % der Masse aus. Beim dritten Subtyp, der

mit 2 % sehr selten auftritt, besteht die Tumormasse zu 70-80 % aus

lymphoidem Stroma. Der letzte Subtyp wird auch als metaplastischer Warthin-

Tumor     bezeichnet.     Dabei    besteht     charakteristischerweise      eine

Plattenepithelmetaplasie der onkozytären Zellen, zum Teil mit Nekrosen und

Fibrosen49,50.   Die meisten Patienten beschreiben eine schmerzlose

Schwellung, deren Größe variiert51. Die Prognose nach chirurgischer Exzision

ist sehr gut. Die Rezidivrate (metachrone Läsionen) liegt bei 2-5 %10,11.

Das Basalzelladenom macht ca. 2 % der Speicheldrüsentumoren aus. Es tritt

überwiegend (zu ca. 75 %) in der Parotis auf. Es handelt sich hierbei um einen

gut abgekapselten Tumor, dessen Größe typischerweise zwischen 1-2 cm

beträgt. Basalzelladenome betreffen eher Frauen als Männer und treten meist

zwischen der 6. und 7. Lebensdekade auf. Histologisch wird das

Basalzelladenom in drei Subtypen unterteilt: den soliden, den tubulären und

den membranösen Subtyp52-54. In der Regel präsentieren sie sich als

schmerzlose, langsam wachsende Schwellung55. Generell rezidiveren die

Basalzelladenome selten. Nur der membranöse Subtyp weist eine Rezidivrate

von 25 % auf. Auch kann bei diesem Subtyp eher eine maligne Transformation

auftreten als bei den anderen56.

Das Onkozytom ist mit ca. 1 % der Speicheldrüsentumoren ein eher seltener

Tumor. Das Erkrankungsalter liegt meist im 6. Lebensjahrzent und Frauen sind
20

häufiger betroffen. Etwa 20 % der Erkrankten hatten anamnestisch eine

Strahlenexposition. Das Onkozytom kann als einzelne Läsion oder bilateral

auftreten. Die Parotis ist mit einem Anteil von 80 % am häufigsten befallen.

Die Prognose ist gut. Die Rezidivrate liegt bei ungefähr 10 %57-59.

Beim Myoepitheliom handelt es sich ebenfalls um einen seltenen Tumor. Er

macht ca. 1,5 % aller Speicheldrüsentumoren aus und kommt ebenfalls

hauptsächlich in der Parotis vor. In seltenen Fällen tritt er auch im Zahnfleisch

des Oberkiefers auf. Das Erkrankungsalter liegt durchschnittlich zwischen dem

3. und 4. Lebensjahrzehnt. Myoepitheliome imponieren als schmerzlose,

langsam wachsende Läsion. Die Prognose nach chirurgischer Exzision ist

sehr gut. Die Rezidivrate ist gering und auch die maligne Transformation ist

sehr selten.

Des Weiteren gibt es in seltenen Fällen Lipome, Hämangiome, Zystadenome,

Lymphadenome und andere Tumorarten, auf welche nicht im Detail

eingegangen wird.
21

2.7. Operative Therapieverfahren

Die unterschiedlichen Techniken bei der Behandlung der benignen Tumore

der Glandula parotidea orientieren sich an der zu erwartenden Lagebeziehung

sowie dem Abstand zwischen Tumor und Nervus facialis. Die superfizielle

(oder laterale) Parotidektomie umfasst die Entfernung des oberflächlich zum

N. facialis gelegenen Anteils der Glandula parotidea. Wird nach operativer

Darstellung des Hauptstamms und der entsprechenden Äste des Nervus

facialis nur ein Teil des äußeren Parotislappens entfernt, spricht man von einer

partiellen superfiziellen Parotidektomie. Die Entfernung der gesamten

Glandula parotidea unter Schonung des Nervus facialis entspricht der

kompletten Parotidektomie1.

2.8. Leitidee und Ausblick

Der erfolgreiche Einsatz von weniger invasiven chirurgischen Modalitäten in

der Behandlung der gutartigen Parotistumore basiert auf eine sorgfältige

Fallselektion   und   ein   gründliches   diagnostisches   „Working-up“.    Die

extrakapsuläre Dissektion ist eine individualisierte, elektromyographisch

kontrollierte Dissektion um den Tumor herum ohne chirurgische Landmarken.

Daher setzt die richtige Indikationsstellung hierfür genügend Erfahrung mit

Klinik und Bildgebung voraus. Außerdem ist die Reduzierung der

chirurgischen Invasivität nur zuverlässig, wenn sie von Chirurgen mit

Erfahrung in der Dissektion des N. facialis und Möglichkeit zum intraoperativen
22

Übergang    auf   traditionellen   Verfahren   (z.B.   laterale   Parotidektomie)

durchgeführt wird. Der routinemäßige Verzicht auf die Dissektion des N.

facialis könnte zukünftig die Regel werden, wenn die Indikationsstellung hierfür

dementsprechend beachtet wird.
23

3. Publikationsschrift
24
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26
27
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33

Andere Publikationen oder solche, an denen ich mitgewirkt habe, gibt es nicht.
Diese Publikation wurde für den Erhalt des Doktorgrades angefertig.
34

5. Danksagung

Ich danke von Herzen meinen Eltern - für ihr durchgehend offenes Herz und

Ohr. Ich danke insbesondere meiner Mutter, da sie stehts hinter mir steht.

Ich möchte auch meinem Doktrovater Herrn PD Dr. K. Mantsopoulos für die

Unterstützung und die gute Zudammenarbeit und Herrn Prof. Dr. H. Iro für die

Möglichkeit, diese Doktorabreit anzufertigen, danken.
35

6. Curriculum Vitae

Persönliche Daten :

      Name :                        Bianca Berner geb. Bär

      Geburtsdatum :               18.12.1989 in Erlangen

      Adresse :                     Innstraße 77a
                                    94036 Passau

      Staatsangehörigkeit :         deutsch

      Tel.:                         0175/ 2434938
                                    binci1@t-online.de

Persönlicher Werdegang:

02.11.2020     Rotation in die Zentrale Notaufnahme

24.10.2020     Eheschließung mit Herrn Ferdinand Berner

18.05.2020     Rotation in die 1. Medizinische Klinik mi Schwerpunkt
               Gastroenterologie und Nephrologie am Klinikum Passau

01.04.2019     Assistenzärztin der 2. Medizinischen Klinik mit
               Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie am Klinikum
               Passau

01.08.2018     Doktorandin in der Hals-, Nasen-, Ohrenklinik der Universität
               Erlangen

26.07.2018     Approbation zum MUDr.

10/2015 - 06/2018     Studium der Humanmedizin an der Medizinischen
                      Fakultät der Karls-Universität Prag in Plzen, Tschechien

10/2014 - 12/2015     Teilnahme am Erasmusprogramm an der Miguel-
                      Fernandez- Universität in Alicante, Spanien

10/2011- 09/2014      Studium der Humanmedizin an der Medizinischen
                      Fakultät der Karls-Universität Prag in Plzen, Tschechien
36

10/2010 - 07/2011    Studium der Orientalistik mit Nebenfach
                     Volkswirtschaftslehre an der Ludwig - Maximilians -
                     Universität in München

09/2009 - 07/2010    Ostendorf Gymnasium, Neumarkt i.d.Opf.
                     Abschuss : allgemeine Hochschulreife

09/2008 - 07/2009    d ` Overbroeck `s College in Oxford, England
                     Abschluss : A- und AS- Level

09/2000 - 07/2008   Ostendorf Gymnasium Neumarkt i.d.Opf.

09/1998 - 07/2000   Grundschule Illschwang, Birgland

09/1996 - 07/1998   Grundschule Schwend, Birgland

Berufliche Vorerfahrungen :

07/2016             Famulatur in der nephrologischen Abteilung, KH
                    Neumarkt i.d. Opf.

02/2015 - 03/2015   Praktikum in der Kardiologie am Klinikum Nürnberg Süd

12/2014 - 01/2015   Praktikum in der Pädiatrie am Klinikum Nürnberg Süd

02/2014 - 05/2014   Freiwillige Mitarbeit am Institut für Mikrobiologie an der
                    Medizinischen Fakultät der Karls - Universität Prag in
                    Plzen, Tschechien

03/2011             Praktikum in der Unfallchirurgie am Klinikum Nürnberg
                    Süd

04/2006             Praktikum in der Tierärztlichen Praxis Dr. Vogel in
                    Nürnberg
37

Persönliche Fähigkeiten:

Muttersprache              Deutsch

Fremdsprachen              Englisch : fließend in Wort und Schrift
                           Französisch : sehr gute Schulkenntnisse
                           (Leistungskurs )

                           Italienisch : A1
                           Griechisch : A1
                           Spanisch : A1
38

Bianca Bär, im Oktober 2020
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