Pares für die Schweizer Kirche +++ pour une Eglise suisse - Bulletin de la Société Pastorale Suisse Bulletin des Schweizerischen Reformierten ...

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                         Bulletin de la Société
                         Pastorale Suisse

       pares
                         Bulletin des Schweizerischen
                         Reformierten Pfarrvereins

        für die Schweizer Kirche +++
          pour une Eglise suisse +++

www.pfarrverein.ch   3
                     2020
                             www.pasteursetdiacres.ch
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                                                                                       www.pasteursetdiacres.ch

Impressum                        Vorstand SRPV / Comité SPS

                                 Präsidentin / Présidente
Herausgeber                      Sibylle Peter                    Charpentiers 13                            021 331 56 64
Editeur:                                                          1110 Morges                    sibylle.peter@pfarrverein.ch
Vorstand des SRPV
Comité de la SPS

                                 Vizepräsident / Vice-président
Verantwortlich
für die Publikation
                                 Hansjakob Schibler               Grüningerstrasse 36                       044 946 42 54
Responsable
                                                                  8624 Grüt                hansjakob.schibler@pfarrverein.ch
de la publication:
Jean-Eric Bertholet
(coordonnées ci-contre)
                                 Vorstandsmitglieder / membres du comité
Uebersetzung
Traduction:
                                 Jean-Eric Bertholet              Schützengasse 19                           032 323 46 11
Jean-Paul Käser
                                                                  2502 Biel-Bienne         jean-eric.bertholet@pfarrverein.ch
Madeleine Kobel
                                 Verena Salvisberg                Dorfstrasse 8                              062 929 11 55
                                                                  4914 Roggwil              verena.salvisberg@pfarrverein.ch
Nachlesung Deutsch:              Kurt Veraguth                    rte de Bellebouche 158                     078 788 99 82
Madeleine de Salis                                                1254 Jussy                    kurt.veraguth@pfarrverein.ch

Secrétariat de rédaction,
photos et PAO:                   Personen mit einem Auftrag des SRPV
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                                 Kassier + Adressenverwaltung | Caissier + gestion des adresses
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Impression:
                                 Arnold Wildi                     Matte 149A                                079 961 51 30
Imprimerie de l’Ouest SA                                          3803 Beatenberg                arnold.wildi@pfarrverein.ch
2036 Cormondrèche
                                 Stiftung Pfarrsolidarität / Fondation de solidarité des pasteur-e-s
Erscheint                        Werner Habegger                  Ch. des Dahlias 10                      032 489 18 09
Parution:                                                         2503 Bienne               werner.habegger@pfarrverein.ch
4 x Jahr/ an

Auflage
Tirage:                          Adressänderungen / Changements d’adresses
2’200 ex.                        So schnell wie möglich an Arnold Wildi (Adresse oben)
                                 A communiquer au plus vite à Arnold Wildi (adresse ci-dessus)
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                                                                                         Editorial
Und jetzt?                                  Et alors?

Skepsis? Gleichgültigkeit? Empörung?        Scepticisme? Indifférence? Indignation?
Hoffnung? Wie reagieren wir auf das         Espoirs? Comment réagissons-nous
Thema Kirche Schweiz? Nach all den          à l’idée d’une Eglise suisse? Après les
Kontroversen vom letzten Frühling ha-       controverses du printemps dernier,
ben wir fünf AutorInnen gebeten, sich       nous avons demandé à cinq auteurs de
während des Sommers Gedanken zur            réfléchir cet été à une Eglise suisse.
Kirche Schweiz zu machen.                   Il ne faut pas jeter le bébé avec l’eau du          Schweizer Kirche
Wir sollen das Baby nicht mit dem Ba-       bain, dit Peter Schmid, Dr. Theol. h.c.            Eglise suisse +++
dewasser ausschütteln, meint Peter          et ancien membre du Conseil. Christina
Schmid, Dr. Theol. h.c. und ehemali-        Aus der Au nous invite avec humour à            Das Kind nicht mit dem         4
ges Mitglied des Rates. Christina Aus       nous souvenir des innombrables ini-                  Bade ausschütten!
der Au lädt uns schwungvoll und ver-        tiatives si créatrices de nos paroisses.       Ne pas jeter le bébé avec       5
spielt dazu ein, uns an so viele kreative   Mais nous devons aussi ne pas oublier                      l’eau du bain!
Initiativen unserer Kirchgemeinden zu       les 95% de nos paroissiens que nous
erinnern. Wir sollen aber die 95% un-       n’atteignons pas ainsi. Hansjakob Schi-                      Selber denken     8
serer Gemeindeglieder auch nicht ver-       bler se réclame de Friedrich Dürrenmatt                 miteinander reden
gessen, die wir damit nicht erreichen.      pour interpréter dans une grotesque                  gemeinsam glauben
Hansjakob Schibler bemüht Friedrich         parabole les péripéties du protestan-          Être soi; rester en dialogue;   9
Dürrenmatt selbst, in einem grotes-         tisme suisse. Il se souhaite plus de                        croire ensemble
ken Gleichnis die Krise des Schwei-         poids pour les laïcs et peut-être aussi
zer Protestantismus zu deuten. Er           l’élection directe du synode suisse par             Die Evangelische Kirche 12
wünscht sich mehr Gewicht für die           le peuple! Elio Jaillet, doctorant à Ge-       Schweiz auf der Neonatologie
Laien und vielleicht eine Volkswahl der     nève, apporte les perspectives d’une              Une naissance difficile 13
Schweizer Synode! Elio Jaillet, Dokto-      plus jeune génération, et Sibyllle Peter
rand an der Genfer Universität, bringt      nous convie à rêver l’Eglise.                            In Erwartung einer 18
Perspektiven einer jüngeren Generati-       Plusieurs numéros d’Inter Pares sur                       Schweizer Kirche
on und Sibylle Peter lädt uns ein, die      www.pasteursetdiacres ont thématisé                       Espérances d’une 19
Kirche doch zu träumen.                     l’Eglise suisse (1/2020 et entre autres                        Eglise suisse
Verschiedene Nummern von Inter Pares        4/2014 avec beaucoup de renvois à
auf www.pfarrverein haben die Schwei-       cet endroit), afin que nous aussi ap-                Kirche denken und 22
zer Kirche thematisiert (1/2020 und u.a.    portions une contribution constructive                   träumen, heute
4/2014 mit vielen Hinweisen dort), da-      à une Eglise suisse.                              Penser et rêver l’Eglise 23
mit auch wir einen konstruktiven Beitrag                                                               aujourd’hui…
an die Schweizer Kirche leisten.                                   Jean-Eric Bertholet

                                                                                 3 . inter pares . 2020
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                              Das Kind nicht mit dem Bade ausschütten!
                              Die jüngsten Nachrichten aus der          und noch immer ist: die Schaffung
                              Evangelisch-reformierten     Kirche       eines nationalen Ortes des gemein-

“
                              Schweiz (EKS) sind bitter. Der            samen Nachdenkens über unsere
                              ehemalige Ratspräsident Gottfried         Kirche auf dem Weg zu einem er-
                              Locher fügte ihr Schaden zu; nicht        kennbaren Willen der Mitgliedkirchen.
                              nur der Institution, sondern - ge-        Die neue Verfassung sieht keinen
Euer Alltag ist euer          mäss einem ernsthaften Verdacht           direkten, hierarchischen Durchgriff
Tempel und eure               - einer nicht geringen Zahl von be-       bis hinein in das Leben einer Kirch-
Religion.                     troffenen Frauen. Das muss gründ-         gemeinde vor. Sie schafft die recht-
                              lich untersucht und das Ergebnis          lichen Voraussetzungen, damit der
Khalil Gibran,                offen gelegt werden. Darum geht           schweizerische Protestantismus in
Schriftsteller                es in meinem Beitrag nicht.               wesentlichen Fragen demokratisch

                 ”
                                                                        legitimiert mit einer und erst noch mit
                              Leider sind Stimmen zu verneh-            einer verständlichen Stimme spre-
                              men, die gleich die Sinnhaftigkeit        chen kann. Das Ratspräsidium hat
                              der EKS - der nationalen Ebene der        bedingt durch das Vollamt durchaus
                              reformierten Kirche in Frage stellen.     Gewicht, es bleibt allerdings an die
                              Die Selbstverzwergung der Refor-          Beschlüsse des Rates und der Sy-
                              mierten feiert Urständ (Althoch-          node gebunden. Die Synode kann
                              deutsch: Auferstehung). Wichtig           in allen Belangen wesentlich mitwir-
                              sind die Gemeinden, alles übrige          ken. Sie soll es mit Augenmass und
                              „ist Beilage“. So einfach liegen die      Entschlossenheit zugleich tun. Ich
                              Dinge m.E. nicht.                         sehe bei Synode und Rat erhebliches
                                                                        Potential - der Geist der neuen Ver-
                                                                        fassung weht nach meiner Wahrneh-
                                                                        mung noch nicht deutlich genug.
                 Überlegung

                              Am Anfang stand nicht
                              Gottfried Locher
                              Gottfried Locher ist keineswegs der
                              Urheber der Verfassungsrevision.          Themen des gemeinsamen
                              Diese wurde unter dem Präsidium           Nachdenkens
                              seines verdienstvollen Vorgängers         Was wären mögliche Themenfelder?
                              Thomas Wipf in die Wege geleitet.         Die EKS ist - erstens - das Bindeglied
                              Die wesentlichen Grundlagenarbeiten       zur internationalen Gemeinschaft der
                              stammen aus jener Zeit. Erst danach       Kirchen, der evangelischen und der
                              leistete Gottfried Locher seinen Bei-     christlichen überhaupt, dazu zu den
                              trag. Es lohnt sich, die ursprünglichen   weiteren Weltreligionen. Was ist der
                              Dokumente zu lesen, damit deutlich        Beitrag der schweizerischen Refor-
                    4         bleibt, was das Hauptanliegen war         mierten? Da gibt es Erwartungen an
5

                                                                                       Réflexion
Ne pas jeter le bébé avec l’eau du bain!
Les dernières nouvelles de l’Eglise         réflexion commune sur notre Eglise,
évangélique réformée de Suisse              en vue d’identifier et d’exprimer la vo-
(EERS) laissent un goût d’amer-             lonté de ses communautés membres.
tume. L’ancien président du                 La nouvelle constitution ne conduira
Conseil, Gottfried Locher, lui a fait       pas à une ingérence de la hiérarchie
du mal. Pas seulement à l’institu-          dans la vie des paroisses. Elle consti-
tion, mais aussi – comme de sérieux         tue la base juridique qui donne au
soupçons le laissent présumer - à           protestantisme suisse la légitimité
bon nombre de femmes. Cela exige            démocratique de s’exprimer d’une
une enquête approfondie, dont le            seule voix, qui plus est, d’une voix

                                                                                        “
résultat doit être rendu public. Mais       compréhensible, sur des ques-
cela n’est pas mon propos ici.              tions essentielles. La présidence du
                                            Conseil étant un poste à un plein
Des voix s’élèvent malheureusement          temps, la personne qui l’occupe
pour remettre en question l’exis-           a sans conteste un certain poids.             Votre vie quotidienne
tence même de l’EERS, autrement             Mais elle reste liée aux décisions du         est votre temple et
dit, l’utilité d’une plateforme natio-      Conseil et du Synode. Ce dernier              votre religion.
nale pour l’Eglise réformée. L’humi-        peut exercer une influence déter-
lité toute protestante resurgit de plus     minante à tous les égards. Il doit le         Khalil Gibran, écrivain
belle: l’important est la vie dans les      faire, avec mesure et détermination.

                                                                                                           ”
paroisses, le reste n’est que «gar-         A mes yeux, le Synode et le Conseil
niture». A mon avis, les choses ne          ont un grand potentiel – l’esprit de la
sont pas si simples.                        nouvelle constitution ne se fait, selon
                                            moi, pas encore suffisamment sentir.

Pas l’initiateur!
Gottfried Locher n’est aucunement à         Réflexion commune
l’origine de la révision de la Consti-      Quels sont les thèmes de réflexion
tution. Ce projet a été lancé sous la       potentiels? L’EERS est, premiè-
présidence de son prédécesseur,             rement, l’instance qui nous relie à
Thomas Wipf, dont les mérites sont          la communauté internationale des
largement reconnus. Le concept a            Eglises – évangéliques, certes, mais
été élaboré pour l’essentiel à cette        aussi chrétiennes en général – et aux
époque et Gottfried Locher n’y a            autres religions du monde. Quelle
contribué que plus tard. Il vaut la peine   est la contribution des protestants
de lire les documents initiaux pour         suisses? Les attentes en la matière
garder à l’esprit quel était et est en-     existent, mais sont rarement com-
core l’enjeu principal: créer un lieu de    blées. La rupture avec la tradition

                                                                               3 . inter pares . 2020
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                                  uns, die oft nicht ausreichend erfüllt    wird sie die erhoffte Aufgabe erfüllen
                                  werden. Der Traditionsabbruch trifft      können. Die Schritte können klein
                                  die christlichen Kirchen tief. So geht    sein, wenn die Gedanken gross sind.
                                  es - zweitens - um Zukunftsmodel-

“
                                  le der reformierten Kirche. Die leise                                  Peter Schmid
                                  Hoffnung, es gehe alles wie bisher
                                  weiter, einfach etwas kleiner und bil-    Dr. theol. h.c., geb. 1951, war von 2003 bis
                                  liger, könnte sich als böser Irrtum er-   2017 Mitglied des Rates des Schweizerischen
Alle Probleme der                 weisen. Wie sieht z. B. unsere Kirche     Kirchenbundes. Er war von 1989 bis 2003
Religion reduzie-                 aus, wenn sie sich nicht mehr den         Regierungsrat (SP) des Kantons Baselland-
ren sich letztlich                staatlichen Territorien entlang glie-     schaft. Später war er Gründungspräsident
auf ein einziges:                 dern lässt?                               der Fachhochschule Nordwestschweiz. Heute
Der Gott, der sich                Die kirchliche Arbeitswelt könnte         wirkt er in Verwaltungsräten und ehrenamt-
in mir offenbart ist              sich - drittens - grundlegend verän-      lich in Vereinsvorständen und Stiftungsräten
anders als jener,                 dern. Kirchliche Arbeitsplätze wer-       mit. Zusammen mit seiner Ehepartnerin lebt
den ich im Univer-                den möglicherweise Teilzeitaufgaben       er in Muttenz/BL und in Latsch/GR
sum erahne.                       und Nebenämter, so wie wir es bei
                                  einigen kirchlichen Berufen schon
Albert Schweitzer,                heute kennen; vergleichbar mit der
Arzt und Pfarrer                  Lebenswirklichkeit vieler hervorra-

                ”
                                  gend ausgebildeten Musikerinnen
                                  und Musiker. Worauf zielt - viertens
                                  - aus reformierter Sicht nüchtern und
                                  ehrlich beschrieben die ökumenische
                                  Debatte? Muss die sogenannte Ein-
                                  heit nicht in einem weiten Raum der
                                  Verschiedenheit verwirklicht werden?
                                  Wie sähe eine freudig gelebte Vielfalt
                     Überlegung

                                  aus? Vielfältig eben, wie das Leben
                                  überhaupt! Theologie ist „beauftragte
                                  Wissenschaft“. (Hellmut Gollwitzer)
                                  Sie ist eine wissenschaftliche Haus-
                                  disziplin der Kirchen. Die EKS könnte
                                  sich - fünftens - um eine zeitgemässe
                                  Ekklesiologie bemühen, die sich we-
                                  niger an der Vergangenheit orientiert,
                                  sondern die aktuellen Eckwerte einer
                                  „Institutionslehre“ ernst nimmt.
                                  Denken wir die EKS von den zu-
                        6         kunftsweisenden Themen her - dann
7

                                                                                               Réflexion
affecte profondément les Eglises            tains professionnels dans les paroisses
chrétiennes. Deuxièmement, il s’agit        et comparable à la situation de nom-
donc de concevoir l’avenir de notre         breux musiciens de haut niveau. Qua-
Eglise. Le vain espoir que tout conti-      trièmement, il y aurait lieu de réfléchir
nue comme par le passé, seulement           de manière lucide et honnête à ce que,
en plus petit et moins cher, pourrait       dans la perspective protestante, l’on
s’avérer périlleux. A quoi ressemble-       attend du débat œcuménique. L’unité
rait notre Eglise si, par exemple, elle     invoquée de toute part ne devrait-elle
ne pouvait plus s’organiser autour          pas être réalisée en laissant place aux
des territoires cantonaux?                  divergences? A quoi ressemblerait
Troisièmement, les conditions de tra-       une diversité vécue avec joie? – à la
vail au sein de l’Eglise pourraient ra-     diversité de la vie, tout simplement!

                                                                                                “
dicalement changer, avec une géné-          La théologie est une science sous
ralisation des engagements à temps          mandat («beauftragte Wissenschaft»
partiel ou à titre d’activité accessoire.   [Hellmut Gollwitzer]) en service critique
Une réalité que connaissent déjà cer-       de la vie des Eglises. L’EERS pourrait,
                                            cinquièmement, œuvrer à une ecclé-                    Tous les problèmes
                                            siologie d’actualité, moins tournée                   de la religion se ra-
                                            vers le passé et prenant au sérieux les               mènent finalement
                                            valeurs fondamentales d’une «doctrine                 à un seul: le Dieu
                                            de l’institution» contemporaine.                      qui se révèle en
                                            C’est à partir d’une perspective                      moi est autre que
                                            d’avenir et de ses thèmes qu’il nous                  celui que je devine
                                            faut considérer l’EERS. Elle en sera à                dans l’univers.
                                            même de remplir sa mission. Qu’im-
                                            porte si c’est à petits pas, pourvu que               Albert Schweitzer,
                                            la vision soit grande.                                médecin et pasteur

                                                                                                                 ”
                                                                            Peter Schmid

                                            Docteur en théologie h.c., né en 1951, ancien-
                                            nement membre du Conseil de la Fédération
                                            des Eglises protestantes de Suisse. Conseiller
                                            d’Etat (PS) du Canton de Bâle-Campagne de
                                            1989 à 2003, puis président fondateur de la
                                            Haute École Spécialisée du Nord-Ouest de la
                                            Suisse. Actif dans divers conseils d’adminis-
                                            tration et membre bénévole de comités d’as-
                                            sociations et de conseils de fondation. Vit avec
                                            son épouse à Muttenz/BL et Latsch/GR

                                                                                      3 . inter pares . 2020
i
                         p
                               Selber denken – miteinander reden – gemeinsam glauben
                               Was waren wir Schweizer Refor-           chenferner, desto perplexer: Ste-
                               mierten stolz auf unsere föderalis-      hen die Reformierten nun vor einem

“
                               tisch organisierte Kirche! Huldrych      Scherbenhaufen?
                               Zwingli himself verbürgt seit 500        Niemand in dieser Öffentlichkeit in-
                               Jahren, dass die wahre Kirche in der     teressierte sich in diesem Moment
                               Kilchhöri realisiert ist, und dass je-   dafür, dass in den Kirchgemeinden
Wir haben gerade               der Christenmensch allein für seinen     herausfordernde Predigten gehal-
genug Religion,                Glauben zuständig ist. Selber den-       ten werden, wunderbare Projekte
um einander zu                 ken heisst unsere Devise, und so         gelingen und sich Menschen von
hassen, aber nicht             sind wir stolz darauf, nicht gegen die   Herzen engagieren. Niemand inter-
genug, um uns                  Megatrends der Individualisierung        essierte sich für die Kilchhöri, son-
gegenseitig zu                 und Pluralisierung zu schwimmen,         dern nur dafür, ob nach dem Fall
lieben.                        sondern mit ihnen.                       des Präsidenten «die Kirche» nun
                                                                        am Ende sei.
Jonathan Swift,                Und wir sahen mit Misstrauen die         Obwohl dort doch weiterhin tausend
Schriftsteller                 Bestrebungen des Kirchenbundes,          Blumen blühen, fromme und libera-

                  ”
                               die eidgenössische Ebene zu stärken      le, konservative und innovative, poli-
                               und gar eine Schweizer Kirche her-       tische und seelsorgerliche! Aber die
                               vorzubringen. Wehret den Anfängen,       Schweizerische Öffentlichkeit jen-
                               wo auch immer sich ein Bischofshut       seits der Kerngemeinde – und das
                               oder gar ein Bischofskreuz abzeich-      sind 95% der Kirchenmitglieder plus
                               nete. Die bodenständigen Eidgenos-       alle anderen – schaut nicht dorthin,
                               sen dulden auch in der Kirche keine
                               fremden Herren über sich – und auch
                               nicht die eigenen.
                               Und dann passierte es. Die noch
                  Überlegung

                               junge Evangelische Kirche der
                               Schweiz verlor ihren Präsidenten.
                               Nicht aus theologischen Gründen,
                               sondern aus sehr menschlichen.
                               Wer ohne Sünde ist, werfe den ers-
                               ten Stein. Nicht wenige sahen sich
                               allerdings bestätigt. Wussten wir’s
                               doch, Zentralismus ist schlecht.
                               Die Öffentlichkeit dachte anders.
                               Schlagzeilen, Anfragen von Journa-
                               listen und Freundinnen, links, rechts,
                     8         katholisch, evangelikal, und je kir-
9

                                                                                       Réflexion
Être soi – rester en dialogue – croire ensemble
Que nous étions fiers de notre            même sorti de ses propres rangs.
Eglise fédéraliste, nous, Réformés        Et puis, catastrophe: la toute jeune
suisses! Depuis 500 ans, Huldrych         Eglise évangélique réformée de
Zwingli en personne nous donnait          Suisse perd son président. Non pas
sa caution: les paroisses sont la         pour des motifs théologiques, mais
véritable Eglise et la foi relève de      pour des raisons très humaines.
la responsabilité individuelle. Pen-      Que celui qui est sans péché jette
ser par soi-même, telle est notre         la première pierre. Bon nombre de
devise, et nous nous flattons de ne       personnes se sont néanmoins vues
pas nager contre, mais avec les mé-       confortées dans leur certitude: la

                                                                                        “
gatendances de l’individualisme et        centralisation n’est décidément pas
du pluralisme.                            une bonne chose.
                                          L’opinion publique a réagi autre-
C’est donc avec méfiance que nous         ment. Grands titres dans les médias,
avons vu la FEPS vouloir renfor-          questions de journalistes, d’amis, de           Nous avons tout
cer son assise nationale, voire créer     gauche, de droite, catholiques, évan-           juste assez de
une Eglise suisse. En garde! Faisons      géliques, tous d’autant plus perplexes          religion pour nous
d’emblée obstacle à toute mitre ou        qu’ils s’étaient éloignés du monde de           haïr, mais pas
crosse épiscopale qui se profilerait à    l’Eglise: l’heure du glas a-t-elle sonné        assez pour nous
l’horizon. Un fier confédéré ne saurait   pour les Réformés?                              aimer les uns les
accepter un maître étranger, pas plus     Parmi toutes ces personnes, au-                 autres.
dans son Eglise qu’ailleurs, serait-il    cune ne s’intéressait au fait qu’au
                                          même moment des prédications                    Jonathan Swift,
                                          courageuses étaient tenues dans les             écrivain

                                                                                                            ”
                                          paroisses, que des projets remar-
                                          quables y étaient menés à bien et que
                                          de nombreuses personnes s’y enga-
                                          geaient de tout leur cœur. Qu’importe
                                          ce qui se passe à la base, le point
                                          d’intérêt était de savoir si la chute du
                                          président signifiait la fin de «l’Eglise».
                                          Cela alors même que mille fleurs y
                                          fleurissent encore – pieuses et libé-
                                          rales, conservatrices et innovatrices,
                                          politiques et pastorales! Mais le
                                          grand public hors du noyau dur – c.-
                                          à-d. 95 % des paroissiens plus tous
                                          les autres – ne regarde pas à cela

                                                                               3 . inter pares . 2020
i
                            p
                                  wenn sie Kirche denkt. Sie setzt sich
                                  nicht mit der Vielfalt auseinander, die
                                  uns so wichtig ist, sondern für das-
                                  jenige, was «die Kirche» aus ihrer

“
                                  Tradition und ihrem Glauben heraus
                                  profiliert zu sagen hat.
                                  Was aber gesagt werden soll, das
                                  ist der zweite Grund, warum wir
Glaube bedeutet,                  nicht beim «jeder selber» stehenblei-
im Dunkel nie zu                  ben dürfen. Selber denken ist der
verleugnen, was                   erste Schritt. Dann aber nicht den
man bei Licht                     Lautesten reden lassen, sondern
erahnt hat.                       miteinander reden, ringen, singen
                                  und beten, was dann gemeinsam
Gustave Thibon,                   geglaubt, gehofft und gesagt wer-
Schriftsteller und                den soll, das erst ist Kirche. Zwingli
                                  hat die Bibel auch nicht alleine über-

                 ”
Philosoph
                                  setzt, sondern zusammen mit sei-
                                  nen Zürcher Kollegen. Deswegen
                                  heisst es Zürcher Bibel. Hätte er
                                  unsere Kommunikationsmöglichkei-
                                  ten gehabt, wäre es eine Schweizer
                                  Bibel geworden.
                                  Wir sind als Evangelische Kirche der
                                  Schweiz in der Öffentlichkeit gefragt
                                  und in unserer Vielfalt auf das theo-
                                  logische Ringen um- und miteinan-
                                  der angewiesen. Diese Kirche steht
                     Überlegung

                                  und fällt nicht mit einem Präsiden-
                                  ten. Aber ohne eine gemeinsame
                                  Stimme in der EKS fehlt nicht nur
                                  der Gesellschaft, sondern vor allem
                                  auch uns selber etwas.

                                                       Christina Aus der Au

                                  Schweizer Theologin und Philosophin, Sie
                                  war auch Präsidentin des deutschen Kir-
                                  chentags und unterrichtet jetzt an der päd-
                 10               agogischen Hochschule Thurgau.
11

                                            Réflexion
lorsqu’il pense «Eglise». Il ne cherche
pas à voir la diversité qui nous est
si chère, mais veut entendre ce que
«l’Eglise» a à dire sur le fond de sa
tradition et de sa foi.
Mais ce qui doit être dit, cela constitue
la deuxième raison pour laquelle nous
ne pouvons pas en rester au «chacun
pour soi». Penser par soi-même est
la première étape, qui ne doit cepen-
dant pas conduire à laisser la parole
à qui hausse le ton. Non, l’Eglise ne

                                             “
se réalise qu’ensemble, en discutant,
disputant, chantant et priant en com-
mun au sujet de ce que nous vou-
lons croire, espérer et dire ensemble.
Zwingli n’a pas traduit la Bible seul,         La foi consiste à
mais avec ses collègues zurichois.             ne jamais renier
C’est pourquoi on la nomme Bible de            dans les ténèbres
Zürich. Avec les moyens de commu-              ce qu’on a entrevu
nication actuels, il en aurait fait une        dans la lumière.
Bible de la Suisse.
Le grand public aussi attend                   Gustave Thibon,
quelque chose de l’Eglise évangé-              écrivain et philosophe

                                                               ”
lique réformée de Suisse et, compte
tenu de sa diversité, elle ne peut se
passer de la dispute théologique
dans ses rangs. La pérennité d’une
telle Eglise ne dépend pas d’un pré-
sident. Mais l’absence d’une voix
commune serait dommageable,
non seulement pour la société, mais
aussi pour nous-mêmes.

                    Christina Aus der Au

Théologienne et philosophe suisse, a été
présidente du Kirchentag allemand; elle
enseigne actuellement à la Haute école
pédagogique de Thurgovie.

                                    3 . inter pares . 2020
i
                           p
                               Die Evangelische Kirche Schweiz auf der Neonatologie
                               Friedrich Dürrenmatt lässt grüs-      Vor dem Spiegel nicht erstarren
                               sen: Es ist, als hätte Friedrich      Der Pfarrer im „Besuch“ räumt ein,

“
                               Dürrenmatt, der berühmteste Pfar-     dass er zu schwach ist, um gegen
                               rersohn der Schweiz, kurz vor sei-    die Käuflichkeit der Seelen anzu-
                               nem 100. Geburtstag, die tragisch-    kämpfen, und rät dem Angeklagten
                               komische Dramaturgie erfunden,        zur Flucht: „flieh, flieh!“
In der Liebe wie in            die zum Rücktritt von Gottfried Lo-   Da steht der Pfarrer – und das hat
der Religion ist der           cher und zuvor von Sabine Brändli     Dürrenmatt vermutlich gewusst – in
Zweifel des Glau-              führte. Man denkt an den „Besuch      fast absolutem Gegensatz zu Jesus
bens Krankheit.                der alten Dame“, wo die Titelhel-     in der Geschichte der Ehebrecherin,
                               din mit der Beschwerde eines nie      wo er die zum Ritualmord aufgelaufe-
Alfred Capus, Journa-          geahndeten sexuellen Übergriffs in
list und Schriftsteller        „Güllen“ auftritt und Gerechtigkeit

                ”
                               verlangt.

                               Bei der EKS kam die Beschwer-
                               de relativ spät. Nachdem Sabine
                               Brändli, damals in einem Liebes-
                               verhältnis mit Gottfried Locher
                               verbunden, ihm in einer umstrit-
                               tenen Wiederwahl zum Sieg als
                               Präsident des Kirchenbundes
                               verholfen hatte, konnte er seinen
                               ehrgeizigen Plan, die Gründung
                               der Evangelischen Kirche Schweiz
                               weiter vorantreiben. Und die Grün-
                  Überlegung

                               dung fand zwar statt, konnte aber
                               wegen Corona nicht gefeiert wer-
                               den. Just in diesem Moment kam
                               wie die alte Dame auch die Be-
                               schwerde. Und sie kam zu Sabine
                               Brändli, welche – (vgl. F.D. „Eine
                               Geschichte ist dann zu Ende ge-
                               dacht, wenn sie ihre schlimmst-
                               mögliche Wendung genommen
                               hat“!) – ausgerechnet dem neu
                               eingerichteten Ressort Grenzver-
                 12            letzungen vorstand.
13

                                                                                  Réflexion
Une naissance difficile
Friedrich Dürrenmatt, le plus connu     Dans l’affaire de l’EERS, la plainte
des fils de pasteurs suisses, aurait-   est arrivée relativement tard. Après
il imaginé, peu avant son centième      que Sabine Brändli, qui avait alors
anniversaire, la tragi-comédie qui a    une relation amoureuse avec lui, eut
conduit à la démission de Gottfried     contribué à sa réélection controver-
Locher, et auparavant déjà, à celle     sée à la présidence de la Fédération
de Sabine Brändli? On se croirait       des Eglises protestantes, Gottfried
dans «La visite de la vieille dame»,    Locher put faire avancer son plan
dont l’héroïne revient à Güllen pour    ambitieux de création d’une Eglise
demander justice après les sévices      évangélique réformée de Suisse.

                                                                                   “
sexuels subis dans sa jeunesse.         L’EERS fut fondée, mais les festivi-
                                        tés prévues ne purent avoir lieu en
                                        raison de la crise du corona. C’est
                                        à ce moment précis que la plainte
                                        tomba – aussi inopinée que la visite         En amour comme
                                        de la vieille dame. Bien plus, elle ar-      en religion, le
                                        riva chez Sabine Brändli, nommée à           doute est une
                                        la tête du tout nouveau ressort «Pré-        maladie de foi.
                                        vention de la violation des limites»
                                        (cf. F. Dürrenmatt: «Une histoire n’est      Alfred Capus,
                                        pensée jusqu’au bout que lorsqu’elle         journaliste et écrivain

                                                                                                      ”
                                        a pris la pire tournure possible»!).

                                        L’Histoire ne s’arrête pas
                                        Dans «La visite de la vieille dame», le
                                        pasteur reconnaît qu’il est trop faible
                                        pour lutter contre la vénalité des
                                        âmes, et conseille à l’accusé de fuir:
                                        «Va-t’en, va-t’en!».
                                        Cette attitude – Dürrenmatt le savait
                                        sans doute – est en contradiction
                                        presque totale avec celle de Jésus
                                        dans l’histoire de la femme adultère,
                                        où les scribes et les pharisiens accou-
                                        rus pour un meurtre rituel sont sèche-
                                        ment renvoyés: que celui qui est sans
                                        péché jette la première pierre!

                                                                          3 . inter pares . 2020
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                           p
                                nen Schriftgelehrten und Pharisäer in
                                die Schranken weist: Wer sich ohne
                                Sünde weiss, werfe den ersten Stein!
                                Doch der Gerechtigkeit zuliebe,

“
                                die Dürrenmatt gerne in Anspruch
                                nimmt, sei es gesagt, auch in diesem
                                Fall gibt es ein Opfer, Jesus selber.
                                Doch das, – und wir sind wieder bei
Beten ist in der                der Kirche und an dem Punkt, wo wir
Religion, was Den-              vor dem Spiegel, den uns der Dichter
ken in der Philoso-             (und jetzt auch die Realität) vorhält,
phie ist. Beten ist             nicht erstarren mögen – der schein-
Religion machen.                bar gerechte Tod am Kreuz, hat eine
                                Fortsetzung. Die Kirche versteht sich
Novalis, Schriftsteller         als Gemeinschaft in der Nachfolge
und Philosoph                   dieses gekreuzigten und wieder-

                 ”
                                erstandenen Gerechtigkeitsopfers.
                                Und sie ist immer beides: vom Schei-
                                tern bedroht und zum Weitermachen
                                berufen.

                                Ist die EKS nicht mehr als
                                ihre Pfarrpersonen…
                                Einerseits muss das Scheitern auf-
                                gearbeitet werden. Wichtiger ist das
                                Wohl des Kindes, das nun wie eine
                                Frühgeburt auf der Neonatologie
                   Überlegung

                                liegt. Vielleicht ist es in erster Linie
                                das Kind von Gottfried Locher. Er
                                trieb diese Idee, dass die Kantonal-
                                kirchen in der Schweiz analog dem
                                Schweizerischen Bundesstaat in ei-
                                ner evangelischen Kirche Schweiz
                                organisiert sind, mit Vehemenz voran.
                                Die EKS, das ist gleichsam der kirch-
                                liche Bundesstaat mit einer Exekutive
                                entsprechend dem Bundesrat. Gott-
                                fried Locher hätte für das Präsidium
                  14            gerne den Begriff des Bischofs gehabt.
15

                                             Réflexion
Cependant, pour que la justice – sou-
vent invoquée par Dürrenmatt – soit
sauve, il convient de préciser qu’il y a
là aussi une victime: Jésus.
Mais la mort sur la croix, apparemment
justifiée, n’est pas la fin de l’histoire.
Et nous voilà ramenés à l’Eglise et au
miroir tendu par le poète (et par la réa-
lité, aujourd’hui), devant lequel nous
ne voulons pas rester figés. L’Eglise
se comprend dans la suivance de cet
homme victime de la justice, crucifié

                                              “
et ressuscité. Et elle est toujours les
deux: menacée d’échouer et vouée à
poursuivre sa mission.

                                                Prier est dans la
Rien de plus que ses ministres?                 religion ce que
L’échec doit certes être analysé, mais          penser est dans la
l’important est de s’occuper de l’en-           philosophie. Prier,
fant, prématuré et aux soins intensifs.         c’est créer de la
Cet enfant est peut-être en premier             religion.
lieu celui de Gottfried Locher. C’est
lui qui a prôné avec vigueur l’idée de          Novalis, écrivain et
réunir les Eglises cantonales en une

                                                                 ”
                                                philosophe
Eglise suisse organisée à l’image de
la Confédération.
L’EERS vue, en quelque sorte,
comme un Etat fédéral doté d’un
organe exécutif analogue au Conseil
fédéral. Gottfried Locher aurait volon-
tiers fait porter à son président le titre
d’évêque.
Jusqu’à présent, la FEPS était prési-
dée par un pasteur, mais les grandes
Eglises cantonales et leurs présidents
ont toujours veillé à ce qu’il ne puisse
pas s’arroger trop de pouvoir. Avec
Gottfried Locher comme président,
cela aurait changé.

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                        p
                              Bis anhin war der Vorsitzende des        In der EKS, die wie die Schweiz
                              Kirchenbundes jeweils ein Pfarrer        anno 1848 (vom Staatenbund zum
                              gewesen. Aber die Kirchenratspräsi-      Bundesstaat) als Kirche nun vom
                              denten der grossen Kantonalkirchen       Kirchenbund zur EKS mutiert, sollte

“
                              sorgten dafür, dass dieser nicht zu      sich davon in der Synode (analog
                              mächtig wurde. Jedenfalls erschien       Nationalrat) etwas abzeichnen. Viel-
                              ihnen ihr eigenes Amt prestigeträch-     leicht wäre eine Volkswahl dieser
                              tiger zu sein. Dies hätte sich mit dem   Abgeordneten angemessener. Es
Alles muss, um                Präsidium von Gottfried Locher zu        müsste dann im Kirchenvolk, also in
wahr zu sein, zur             seinen Gunsten verändert.                den Ortsgemeinden, endlich darüber
Religion werden.              Böse Mäuler – oder aufrichtige? –        diskutiert werden, welches die Rolle
                              könnten sagen: Die Geschichte der        der EKS ist, wieviel Geld sie braucht,
Oscar Wilde,                  EKS war vor allem ein Rivalitätskampf    und in wessen Stimme sie sich auf
Schriftsteller                unter Pfarrpersonen und das muss         nationaler Ebene äussert.

                 ”
                              sich ändern!
                                                                                              Hansjakob Schibler

                              …und braucht sie deshalb                 Heute pensioniert, war Pfarrer in Graubün-
                              trotzdem?                                den, Basel-Land und Zürich, wo er jetzt ver-
                              Die berechtigte Macht der reformier-     schiedene Vertretungen macht. Er ist Mitglied
                              ten Pfarrpersonen liegt einzig im        des SRPV-Vorstands.
                              Bezeugen des Evangeliums, dass
                              Christus der Herr der Kirche ist und
                              wird.
                              Für die praktische Ausübung des
                              christlichen Glaubens in einer glo-
                              balisierten Welt macht es Sinn, dass
                              sich die reformierten Christen in un-
                 Überlegung

                              serem Land in einer überkantonalen
                              Kirchgemeinschaft organisieren. Die
                              Einheit trotz sprachlicher, sozialer
                              und kultureller Röschtigräben. Der
                              Ausgleich in den finanziellen Mög-
                              lichkeiten. Diese Einheit braucht es
                              in einer Zeit, wo der Zusammenhalt
                              der verschiedenen Bevölkerungs-
                              gruppen schwindet.

                 16           Stärkung der Laien
17

                                                                                            Réflexion
Les mauvaises langues – ou les               Renforcer le rôle des laïcs
francs parleurs? – pourraient le dire        Comme la Suisse, qui en 1848 est
ainsi: l’EERS était avant tout le résul-     passée d’une Confédération d’Etats
tat de rivalités entre ministres, et cela    à un Etat fédéral, le protestantisme
ne doit pas perdurer!                        suisse a remplacé son organisation
                                             fédérative par l’EERS. Cela devrait se
                                             refléter dans le synode (analogue au
Besoin pour cette raison même?               Conseil national). L’élection des repré-
Le seul pouvoir légitime des pasteurs        sentants par les fidèles devrait peut-
protestants est de témoigner du mes-         être être envisagée. Cela conduirait
sage de l’Evangile, selon lequel le Christ   enfin à un débat dans les paroisses sur
est et restera le maître de l’Eglise.        le rôle de l’EERS, sur les ressources

                                                                                             “
Dans l’optique de la pratique de la          dont elle doit disposer et sur la voix au
foi chrétienne dans un monde globa-          nom de laquelle elle doit s’exprimer.
lisé, il fait sens que les protestants de
notre pays s’organisent au sein d’une                               Hansjakob Schibler
communauté supra cantonale. L’unité                                                            Toute chose, pour
par-delà les différences linguistiques,      Aujourd’hui retraité, a été pasteur aux Gri-      être vraie, doit de-
sociales et culturelles et l’équilibre       sons, Bâle Campagne et Zurich, où il fait         venir une religion.
des ressources financières le justifient     maintenant nombre de remplacements. Il
d’autant plus en un temps où la cohé-        est membre du comité de la SPS.                   Oscar Wilde, écrivain
sion sociale tend à s’effriter.

                                                                                                               ”

                                                                                    3 . inter pares . 2020
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                                In Erwartung einer Schweizer Kirche

                                Das Risiko, dem sich die EKS aus-        Glück, mit Theologinnen und Theolo-

“
                                setzt, ist das Risiko jeder überört-     gen verschiedener Schweizer Fakul-
                                lichen Kirche: bloss eine Idee zu        täten zusammenzukommen. Solche
                                bleiben oder nur die Kirche ihrer        Treffen sind mir eine Ankündigung des-
                                Verwalterinnen und Verwalter zu          sen, was die EKS versprechen kann.
Glaube ist keine                sein. Sie verspricht der Ortskirche      Der Think Tank Theology und das
Meinung.                        Belebung durch die überörtliche          Collegium Emmaus ermöglichen mir,
                                Gemeinschaft. Hier folgt eine Me-        über kirchliche Redensweisen und
Henri Guillemin, Histo-         ditation über diese Spannung aus         Zugehörigkeiten        Glaubensbande
riker und Schriftsteller        einer persönlichen Haltung heraus.       zu knüpfen. Wir haben gemeinsam

                 ”
                                                                         gebetet, gesungen und gefeiert. Wir
                                                                         sind menschlich und intellektuell auf-
                                Leere                                    einander zugegangen, wir haben de-
                                Ich kenne die Evangelisch-reformier-     battiert. Waren wir Leib Christi? Ich
                                te Kirche Schweiz (EKS) nicht. Ich       kann es nur hoffen.
                                weiss, wo Informationen über sie zu      Mit der Zeit haben sich manche die-
                                finden sind. Ich halte sie durchaus      ser Beziehungen gefestigt, andere
                                für eine christliche Kirche. Ich weiss   gelöst. Der Grundtenor ist allerdings,
                                auch, dass sie existiert, irgendwo,      dass wir alle in unserer Ecke leben,
                                bei Gott. Aber ich kenne sie nicht.      mit unseren Problemen, mit unseren
                                Ich habe im Rahmen einer «Kirche         Kirchen.
                                Schweiz» noch nie gefeiert, gedient
                                oder gestritten. Als Mitglied der
                                evangelisch-reformierten Waadtlän-       Schwächen
                                der Kirche gehöre ich anscheinend        Letzthin haben sich im Zug des Lärms
                   Überlegung

                                dazu. Aber ich kenne sie nicht.          aus der EKS einige dieser Beziehun-
                                Was also kann ich über sie sagen,        gen wiederbelebt. Auf einmal wiegt
                                mir von ihr erhoffen? Was kann ich       die Situation schwer. Es gilt Allianzen
                                erwarten von etwas, das mir viel-        zu schmieden, über Strategien zu
                                mehr den Anschein eines abstrak-         reden, die auf dem Spiel stehenden
                                ten Konzepts, einer Idee macht als       Kräfte und Profile abzuwägen. Dabei
                                den einer lebendigen und konkreten       komme ich ins Grübeln: Auf was für
                                Wirklichkeit?                            ein Spiel läuft das hinaus? Geht es
                                                                         um das, womit wir uns bei unseren
                                                                         ersten Treffen beschäftigt hatten?
                                Erfahrung                                Im nicht gerade kleinen Kanton Waadt
                 18             In meiner Laufbahn hatte ich das         bringen wir kaum eine Kirche zustan-
19

                                                                                  Réflexion
Espérances d’une Eglise suisse

Le risque qu’encourt l’EERS est celui    rencontres entre théologiens·nes
de toute Eglise supra-locale: de ne      de différentes Facultés de Suisse.
rester qu’une idée, ou de n’être que     J’y trouve une annonce de ce que
l’Eglise des personnes qui l’adminis-    peut promettre l’EERS.
trent. Sa promesse est celle d’une       Le Think Tank Theology et le Col-
vivification de l’Eglise locale par la   legium Emmaus me permettent
communion supra-locale. Ce qui suit      de tisser des liens de foi au travers
est une méditation sur cette tension     des langues et des appartenances
à partir d’une posture personnelle.      ecclésiales. Nous avons prié, chan-

                                                                                   “
                                         té, célébré ensemble. Nous nous
                                         sommes rencontrés humainement
Vide                                     et intellectuellement, nous avons
Je ne connais pas l’Eglise évangé-       débattu. Avons-nous été corps du
lique réformée de Suisse (EERS).         Christ? Je l’espère.                        La foi n’est pas
Je sais où trouver des informations      Avec le temps, certaines de ces             une opinion.
à son sujet. Je la crois bel et bien     relations se sont maintenues,
Eglise du Christ. Je sais bien qu’elle   d’autres se sont défaites. Mais la          Henri Guillemin,
existe, quelque part, en Dieu. Mais      tonalité générale est la suivante:          historien et écrivain

                                                                                                      ”
je ne la connais pas.                    nous vivons chacun·e dans notre
Je n’ai encore jamais célébré, ni        coin, avec nos problèmes, avec
servi, ni disputé dans le contexte       nos Eglises.
d’une «Eglise Suisse». En tant que
membre de l’Eglise évangélique ré-
formée du canton de Vaud, j’en fais      Fragilités
apparemment partie. Mais je ne la        Ces derniers temps, avec le bruit
connais pas.                             qui vient de l’EERS, certaines de
Que m’est-il alors possible d’en         ces relations se sont réactivées.
dire et d’en espérer? Que puis-je        Soudainement, la situation est
attendre de ce qui m’apparaît plus       grave. Il faut tisser des alliances,
comme un concept abstrait, une           parler stratégie, évaluer les forces
idée, que comme une réalité vi-          et les profils en jeu. Alors, j’ai des
vante et concrète?                       doutes: à quel jeu jouons-nous au
                                         final? Est-ce là ce que nous avions
                                         joué au départ lors de nos pre-
Expérience                               mières rencontres?
Dans mon parcours personnel, j’ai        Dans le canton de Vaud, avec sa
eu la chance de participer à des         taille respectable, nous peinons à

                                                                          3 . inter pares . 2020
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                                de, die in der Vielfalt ihrer Mitglieder
                                eins wird. Diese Kirche ist in ihrer
                                Verwaltung und in ihrer Struktur eins.
                                Aber die Vielfalt der Glaubensreden

“
                                und -erfahrungen widersetzt sich ei-
                                ner allzu raschen Verbündung, die
                                die Langsamkeit der Begegnung, der
                                Konfrontation und des einander Zuhö-
Religion ist Teil der           rens, der Sorgfalt und der damit ver-
Kultur, nicht als               bundenen Askese ausser Acht lässt.
Dogma und auch                  Positive Begegnungserfahrung und
nicht als Glau-                 Verwaltungseinheit allein gewährleis-
be, sondern als                 ten die Existenz der Kirche nicht. Wie
Schrei.                         sollte das für eine schweizweite re-
                                formierte Kirche anders sein?
Maurice Merleau-

              ”
Ponty, Philosoph
                                Verheissungen
                                So weit meine Hoffnung: die EKS,           und sie selbst zur Totgeburt ver-
                                erfüllt von vielerlei Verheissungen        kommt.
                                – Einheit in Christus in der sprach-       Bloss weil sie eine Synode hat und
                                lichen, geschichtlichen, normativen,       Dokumente, existiert sie nicht. Bloss
                                institutionellen, theologischen Vielfalt   weil sie sich in der Öffentlichkeit äus-
                                – kann daran arbeiten, dass die Orts-      sert, existiert sie nicht. Sie wird aus
                                kirchen über ihre Grenzen hinausbli-       den konkreten Begegnungen jener
                                cken, sie kann landesweit Zeugnis          existieren, die sich ihrer radikalen Un-
                                vom Glauben an Jesus Christus ab-          terschiede noch gar nicht bewusst
                                legen, und zwar indem sie ihre Mit-        sind und die sich die Mittel geben, in
                   Überlegung

                                glieder dazu veranlasst, sich in ihrer     dieser Begegnung zu bestehen.
                                unumstösslichen und unerhörten             EKS, ich kenne dich nicht. Aber ich
                                Vielfalt zu begegnen.                      erhoffe mir dich, ich bete dafür, dass
                                Aber sie soll sich nicht allzu sehr be-    du zum Termin das Licht der Welt er-
                                eilen, lieber Gott, sondern sich Zeit      blickst.
                                zu ihrem Entstehen lassen. Nicht nur
                                ihren Amtsträgern (Synode, Synodal-                                         Elio Jaillet
                                rat, Kommissionen usw.), sondern
                                ihren Mitgliedern die Möglichkeit ge-      Doktorand in systematischer Theologie an
                                ben, sich zu begegnen. Sie soll sich       der Universität Genf und in der evangelisch-
                                Zeit nehmen, eins zu werden, damit         reformierten Waadtländer Kirche tätig. Unter
               20               ihr Zeugnis nicht zur Falschaussage        https://eliojaillet.ch betreibt er einen Blog
21

                                                                                          Réflexion
                                         – unité en Christ dans la diversité
                                         de langues, d’histoires, d’engage-
                                         ments, d’institutions, de théologies.
                                         Elle peut travailler au décentrement
                                         des Eglises locales, elle peut offrir
                                         un témoignage de la foi en Jésus-
                                         Christ à l’échelle de la Suisse. Elle
                                         peut le faire en cultivant la rencontre
                                         de ses membres dans leur diversité
                                         irréductible et inouïe.
                                         Mais, Seigneur, qu’elle n’aille pas
                                         trop vite. Qu’elle s’accorde le

                                                                                           “
                                         temps de sa naissance. Qu’elle
                                         laisse l’occasion à ses membres
                                         de se rencontrer – pas seulement
                                         son clergé (synode, exécutif, com-
                                         missions, etc.). Qu’elle prenne le                  La religion fait
                                         temps de faire corps, pour que                      partie de la culture,
former une Eglise qui fasse corps        son témoignage ne soit pas qu’un                    non comme
dans la diversité de ses membres.        mensonge, une idée avortée.                         dogme, ni même
Cette Eglise est une au niveau de        Ce n’est pas parce qu’elle a un                     comme croyance,
son administration et de sa struc-       synode et des documents qu’elle                     comme cri.
ture. Mais la diversité des langages     existe. Ce n’est pas parce qu’elle a
et des vécus de foi résiste à une fé-    une parole publique qu’elle existe.                 Maurice Merleau-
dération trop rapide qui fait abstrac-   Elle existera par les rencontres                    Ponty, philosophe

                                                                                                            ”
tion de la lenteur de la rencontre, de   concrètes de personnes qui ne
la confrontation et de l’écoute mu-      connaissent pas encore leur diffé-
tuelle, du soin et de l’ascèse que       rence radicale et qui se donnent
cela implique.                           les moyens pour tenir dans cette
Une expérience positive de ren-          rencontre.
contre ou une unité administrative       EERS, je ne te connais pas. Mais je
n’assurent pas à elles seules l’exis-    t’espère, je prie pour que tu arrives
tence de l’Eglise. Comment en            à ton terme.
serait-il autrement pour une Eglise
réformée à l’échelle de la Suisse?                                         Elio Jaillet

                                         Doctorant en théologie systématique à l’Uni-
Promesses                                versité de Genève, actif dans l’EERV. Il écrit
Voici mon espérance: l’EERS est          sur son propre blog https://eliojaillet.ch
grosse de nombreuses promesses

                                                                                 3 . inter pares . 2020
i
                           p
                               Kirche denken und träumen, heute

                               2020 hat uns viel Zeit zum Nach-          Wer denkt Kirche heute, wer denkt an

“
                               denken beschert, als wir ein paar         die Kirche in unserer Gesellschaft?
                               Wochen lang mit dem Herumrennen           Ich will glauben, dass die Zeit, die wir
                               aufhören mussten; kirchliche Amts-        gerade erleben, für uns als kirchliche
                               träger hielt man ausser bei Abdan-        Amtsträger auch eine günstige Gele-
Eine Religion, die             kungen ja nicht für systemrelevant…       genheit ist, uns neu zu erfinden – für
nichts gibt, nichts                                                      unsere Gemeinden und in unserer Be-
kostet und nichts              Als Gemeindepfarrerin und Pfarrfrau,      ziehung zur Welt und zur Gesellschaft
erleidet, ist nichts           Theologin und SRPV-Präsidentin war        – und dabei unsere theologischen und
wert.                          ich auf einmal Hausfrau und Mutter im     Glaubensperspektiven einzubringen
                               Lockdown. Wie viele andere Kollegin-      und öffentlich zur Debatte zu stellen.
Martin Luther, Theologe        nen und Kollegen erlebte ich Höhen        Darüber würde ich gerne «inter pares»
und Professor                  und Tiefen, machte mir Sorgen um          diskutieren, wenn am 16. November
                               unsere alten Leute, freute mich aber      in Olten unsere alljährliche Delegier-

                ”
                               auch an der geschenkten Zeit zum          tenversammlung stattfindet.
                               Sein, Innehalten, Gärtnern, Denken
                               und Beten. Ich habe Gemeinschaft auf                                   Sibylle Peter
                               eine völlig neue Art erlebt, beim Beten
                               am Telefon etwa oder beim Abend-          Pfarrerin in Morges (VD). Sie ist auch die
                               mahl, das via Zoom übertragen wurde.      Präsidentin des SRPV-Vorstands.
                               Aus der Distanz, aber mitten im Alltag
                               habe ich diese Gemeinschaft, die uns
                               wirkmächtig verbindet, noch viel stär-
                               ker als üblich empfunden. Ich habe sie
                               intensiv erlebt und die Kirche als sehr
                  Überlegung

                               weit und offen wahrgenommen, als
                               sichtbare und unsichtbare Kirche…
                               Die Zeit des Lockdowns hatte etwas
                               Gutes, für die Menschen und für un-
                               seren Planeten, sie brachte konkrete
                               nachbarschaftliche Solidarität und
                               neue Ideen mit sich, machte aber auch
                               viele Schwächen offenkundig, sowohl
                               individuelle als auch systemische.
                               Trotzdem könnte uns der Wettlauf von
                               vorher leicht wieder erfassen, wenn wir
                 22            nicht herzhafte Entscheide treffen.
23

                                                                                    Réflexion
Penser et rêver l’Eglise aujourd’hui…

En cette année 2020 particu-             prier au téléphone ou prendre la
lière, il nous a été offert plus de      cène par zoom. A distance, au quo-
temps pour penser, lorsque, pour         tidien, j’ai ressenti et vécu encore
quelques semaines, nous avons            bien plus que d’habitude, ces liens
arrêté de courir. A part pour en-        de prière et de pensée qui nous
terrer, les ministres, n’ont pas été     unissent de façon bien réelle. j’ai

                                                                                     “
considérés comme essentiels…             vécu ces liens intensément et perçu
                                         l’Eglise de manière très large et ou-
Pasteure de paroisse et épouse de        verte, Eglise visible et invisible…
pasteur, théologienne et présidente      Cette période de confinement a eu
de la SPS, soudain j’étais surtout       du bon; pour les êtres et pour la pla-        Une religion qui
mère au foyer confinée! Comme            nète avec de vraies solidarités de voi-       ne donne rien,
tant d’autres collègues, j’ai vécu       sinage, des idées nouvelles. Mais elle        ne coûte rien et
des hauts et des bas, des craintes       a aussi montré beaucoup de fragili-           ne souffre rien,
pour nos aînés, mais j’ai aussi goûté    tés individuelles et de nos systèmes          ne vaut rien.
le cadeau de ce temps qui m’étais        en place, pourtant la course d’avant
offert pour être, me poser, cultiver     pourrait si facilement nous reprendre         Martin Luther, théologien
mon jardin, penser, prier... J’ai vécu   à moins de faire de vrais choix.              et professeur

                                                                                                        ”
des liens communautaires de ma-          Qui pense l’Eglise aujourd’hui, qui
nières nouvelles pour moi, comme         pense à l’Eglise dans notre société?
                                         Je veux croire que ce temps que
                                         nous vivons est aussi une chance
                                         de se réinventer pour nous mi-
                                         nistres, pour nos communautés et
                                         dans notre rapport au monde et à             Nächste Ausgabe:
                                         la société, d’apporter nos éclairages        20. November 2020
                                         théologiques et inspirés et d’en dé-
                                         battre sur la place publique!                Redaktionsschluss:
                                         Je me réjouirais d’en discuter «inter        21. September 2020
                                         Pares», le 16 novembre à Olten lors
                                         de la prochaine assemblée des délé-
                                         gués de la Société Pastorale Suisse.         Prochaine édition:
                                                                                      20 novembre 2020
                                                                    Sibylle Peter
                                                                                      Délai de rédaction:
                                         Pasteure à Morges (VD) et présidente du      21 septembre 2020
                                         comité de la SPS.

                                                                            3 . inter pares . 2020
COURS ÉTUDIER LA BIBLE 2020 - 2021

 Quand le malheur frappe
 Job : en-quête du Dieu juste

épreuve espoir
    ruineFoi
                      mort
                         famille
                                                                 
               Un jour tout va bien et le lendemain tout s’effondre.
 Les piliers de ma vie ne sont plus : conjoint-e, enfants, amis, logement, travail,
                         réputation, bien-être, réussite…
    Même Dieu reste silencieux à mes prières et je ne le comprends plus.
 C’est dans cette histoire que vous entrainent les 7 études que comprends ce cours.

    Inscription : avant le 18 octobre 2020 via etudierlabible.ch/inscription

                Infos : Office protestant de la formation
             info@protestant-formation.ch I 032 853 51 91
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