Patagonien Vegan unterwegs am Ende der Welt - Vegan Cruises & Tours

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Patagonien Vegan unterwegs am Ende der Welt - Vegan Cruises & Tours
Patagonien
 Vegan unterwegs am Ende der Welt

 Eine vegane Kreuzfahrt durch die Fjord-Landschaft von Feuerland an der Südspitze Südamerikas?
 Als Dirk Bocklage, Inhaber des auf vegane Kreuzfahrten spezialisierten Reiseveranstalters Vegan
 Travel, mich mit dieser Idee konfrontierte, waren Ungläubigkeit und Zweifel die natürliche Reaktion.
 Flüge ans Ende der Welt, eine Kreuzfahrt, und das auch noch vegan im Fleischesser-Land Chile?
 Kann das was werden, muss das sein?

 Ü
          ber die grundsätzliche Frage-      uns dieser Handlungsoptionen beraubt,       bei einem Angebot berücksichtigt wer-
          stellung, ob und unter wel-        eingepreiste Umweltkosten zu einer          den. Zudem stellt sich bisweilen heraus,
          chen Bedingungen Flug- und         massiven Verteuerung und damit einem        dass der Teufel im Detail steckt, aber
 Fernreisen sowie Kreuzfahrten über-         erzwungenen Rückgang von Fernreisen         dazu später in diesem Artikel über eine
 haupt noch ökologisch und ethisch ver-      (wie von Fleischkonsum) führen wer-         Reise nach und durch Chile und einen
 tretbar sind, lässt sich trefflich strei-   den, ist nur noch eine Frage der Zeit,      Zipfel Argentiniens.
 ten. Die Entscheidung darüber ist einer-    wobei Fernwehkranke zumindest die
 seits eine individuelle Angelegenheit,                                                     Feuerland ist Teil Patagoniens, des-
 ein klassischer Fall von Verstand gegen                                                 sen südlichster Zipfel, an dem wiede-
 Emotion, und surft man zu dieser The-                                                   rum jene kleine Insel hängt, zu der das
 matik durchs Netz, stößt man auf den                                                    legendäre Kap Hoorn gehört, um das
 noch neuen Begriff „Flugscham“. Ande-                                                   vor Eröffnung des Panamakanals alle
 rerseits steckt der Drang zum Reisen                                                    Schiffe fuhren, die nicht den Weg durch
 tief im Menschen drin, ob nun –heute –                                                  die etwas nördlicher gelegene Magellan-
 aus „rekreativen“ Gründen oder – einst                                                  straße nehmen wollten, um von Europa
 – aus Forscherdrang und Abenteuerlust.                                                  aus nach Asien sowie an die Westküste
 Konsequent mag es wohl sein, nur noch                                                   von Süd- und Nordamerika zu gelan-
 mit Rad und Bahn zu verreisen, auf dem                             Santiago de Chile    gen. Bei genauer Betrachtung erweist
 eigenen Kontinent, oder idealerweise                                                    sich Feuerland als eine wild zerklüftete
 wandernd die heimische Region zu            Hoffnung hegen dürfen, dass dereinst        Insellandschaft, der Westküste Norwe-
 erkunden, doch so wie eine rein regio-      mit ausschließlich erneuerbaren Ener-       gens nicht unähnlich. Und Feuerland –
 nale und saisonale Ernährung ein wün-       gien betriebene Flugzeuge und Schiffe       Tierra del Fuego klingt noch abenteuer-
 schenswerter und erstrebenswerter           ein ökoverträglich(er)es (Fern-)Rei-        licher – selbst ist wiederum nur der süd-
 Aspekt der eigenen Lebensweise sein         sen ermöglichen werden. Bis dahin ist       lichste Zipfel von Patagonien, der rie-
 mag, wird dieses Ideal eben nicht von       die Entscheidung eine individuelle, was     sigen Südspitze Südamerikas, aufge-
 jedem geteilt oder ist nur mit gefühlt      man tut und was man lässt, muss jede*r      teilt in einen größeren, östlichen Teil
 großen persönlichen Einschränkungen         selbst entscheiden. Und wenn dann           und einen kleineren, westlichen, der zu
 umsetzbar. Dass der Zeitpunkt kommen        gereist wird, ist es zumindest hilfreich,   Chile gehört. Feuerland wiederum ist
 wird, an dem die Macht des Faktischen       wenn ökologische und ethische Aspekte       zum größten Teil chilenisch, der andere

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ist argentinisch, doch wo genau die         etwas vor. So abgelegen und dünn besie-     überall auf deutschem Niveau und man
                        Grenze läuft, welche Inselchen zu wel-      delt Patagonien und Feuerland also sein     ahnt, dass sich das nicht jeder leisten
                        chem Land gehören, ist bis heute Teil       mögen, die Spuren des Menschen sind         kann. Dank Happy Cow, dem Standard-
                        eines Streites zwischen den beiden Län-     allgegenwärtig. Teile der Region stehen     Handwerkszeug des veganen Travel-
                        dern, der jedoch durchaus das Zeug zum      zwar unter Naturschutz, doch im rei-
                        regionalen bewaffneten Konflikt hat,        chen Chile mit seiner neoliberalen Wirt-
                        geht es doch um Anteile an der von Kap      schaftspolitik wird sowohl den Agrar-
                        Hoorn gerade mal noch 1.000 Kilometer       sektor wie Fischfang und -zucht als
                        entfernten Antarktis.                       auch die Ausbeutung von Bodenschät-
                                                                    zen betreffend eine recht harte Linie
                          Wie „unlocker“ die Nachbarn Chile         gefahren. Gegen die, wie wir auf unserer
                        und Argentinien in dieser Hinsicht sind,    Reise feststellen mussten, ein nachhal-
                        erkennt man an der massiven Militär-        tiger Tourismus eine Möglichkeit zum
                        präsenz beiderseits der Grenze, spezi-      Erhalt unberührter Natur sein kann.
                        ell der Marine. Und sowieso stand Pata-                                                                                 Valparaiso
                        gonien schon seit seiner Entdeckung           Los ging unsere Reise in der Haupt-
                        1520 unter anderem durch den portu-         stadt Santiago de Chile mit seinen über     lers, sind die Restaurants und Cafés mit
                        giesischen Seefahrer Ferdinand Magel-       5 Millionen Einwohnern. Laut WHO ist        veganem Angebot oder zumindest vega-
                        lan – auf den auch die Namensgebung         die Luftqualität dort im weltweiten Ver-    nen Optionen schnell gefunden und es
                        Patagonien und Feuerland zurückgeht         gleich sehr schlecht, wir jedoch hatten     geht weniger darum, ob es hier vegane
                        – im Fokus von Machtpolitik. Das Wis-       das Glück, dass Anfang bis Mitte Okto-      Angebote gibt, sondern man hat die Qual
                        sen um Seefahrtsrouten, die Erstellung      ber zu Beginn des Frühlings die Wetter-     der Wahl. Wir entscheiden uns gleich
                        von Karten, die Kontrolle darüber waren                                                 zweimal für El Huerto, etwas außerhalb
                        und sind bis heute pure Machtpolitik.                                                   der Altstadt. Ein recht großes Restau-
                        Dass hierbei die Ureinwohner nur eine                                                   rant mit vegetarischem, aber überwie-
                        Statistenrolle spielten, wird nicht über-                                               gend veganem Angebot, sowohl regi-
                        raschen und speziell vor Ort, bei der                                                   onal inspiriert wie auch international.
                        Lektüre von Reiseführern und durch die                                                  An Guacamole kommt man im Avocado-
                        Erklärungen von Guides wird klar, dass                                                  land Chile (die heißen hier Palta) nicht
                        die europäischen Eroberer auch im kar-                                                  vorbei, aber auch Falafel und mexika-
                        gen Süden des Kontinents eine brutale                                                   nisch inspiriertes Essen wird geboten,
                        Vernichtungsstrategie gegenüber der                                                     sowie einheimisches, ja sogar patagoni-
                        einheimischen Bevölkerung verfolgten –                                                  sches Bier. Und im Ausgehkomplex Bel-
                        so gründlich, dass von jenen heute nur                                                  lavista, so eine Art „Düsseldorfer Alt-
                        noch wenige Spuren und kaum Nach-                                                       stadt“ im Kompaktformat, gibt es nicht
                        fahren geblieben sind. Genauso brutal                                                   nur leckere Cocktails, auch Veggie-Bur-
                        wurde die Ausbeutung der natürlichen                                                    ger stehen ganz selbstverständlich auf
                        Ressourcen vorangetrieben, im Meer                          Allende-Denkmal vor dem     der Karte. Mehr zu veganen Angeboten
                        etwa Wal- und Fischfang betreffend, und              Ministerium für Menschenrechte     in Santiago später, denn erst mal fuh-
                        an Land geht bis heute die nicht nach-                                                  ren wir für einen Tag in die Zwillings-
                        haltige Nutzung etwa durch Schaf- und       lage günstig war. Die Stadt, die wir zu     städte Valparaíso und Viña del Mar, rund
                        Rinderzucht weiter sowie speziell an der    Beginn und zum Schluss unserer Reise        eine Stunde Autobahnfahrt westlich von
                        chilenischen Küste Patagoniens durch        erkundeten, wirkt sehr europäisch,          Santiago am Meer gelegen, auf dem Weg
                        extrem umweltschädliche Aquakulturen        zumindest was die historische Altstadt      durchquert man riesige Anbaugebiete
                                                                    betrifft, in der viele imposante Wohn-      für allerlei Gemüse und Wein.
                                                                    und Geschäftshäuser aus dem 19. und
                                                                    frühen 20. Jahrhundert überlebt haben.         Viña del Mar ist so was wie die „Som-
                                                                    Die modernen Stadtviertel wirken dage-      merfrische“ jener Bewohner von Santi-
                                                                    gen eher austauschbar, Glas, Beton und      ago, die es sich leisten können, im Som-
                                                                    Stahl dominieren hier, wie überall in der   mer aus der Hauptstadt zu flüchten.
                                                                    Welt. Dass der Wohlstand auch in Chile      Viele Ferienwohnungen, viele Hotels,
                                                                    recht ungleich verteilt ist, erkennt man    wir waren nicht beeindruckt, vom
                                                                    schon von der Autobahn vom Flughafen        nebenan gelegenen Valparaíso dafür
                                                                    in die Innenstadt aus – ärmliche Wohn-      umso mehr. Über zig Hügel erstrecken
                                  Die endlose Weite Patagoniens     viertel ziehen sich entlang der Trasse,     sich hier alte, oft sehr gepflegte und tra-
                                                                    auch an Slums erinnernde Behausun-          ditionell in zig Blau-, Rot-, Gelb- und
Fotos: Joachim Hiller

                        – unter anderem Lachs für den europä-       gen sieht man, aber insgesamt gesehen       Grünschattierungen gestrichene Häu-
                        ischen Markt kommt von hier. Glaubt         ist Chile im regionalen Vergleich wohl-     ser, oft aus Holz. Mit den vielen histo-
                        man also, besäuselt durch Reiseführer       habend. Was man auch an den Preisen         rischen Schrägaufzügen – eine Art Seil-
                        und Filmdokus, in eine heile Naturwun-      in der Gastronomie feststellt: das Preis-   bahn – hat die Stadt etwas von Lissa-
                        derwelt zu reisen, macht man sich selbst    niveau ist, nicht nur für Touristen, fast   bon, aber auch an San Francisco

                                                                                                                                                          27
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erinnert die einst reiche Hafen-          unter Führung eines erfahrenen Expe-         ist. Respekt vor der Natur steht hier im
 stadt. Sehr wuselig, sehr verwinkelt, mit    ditionsleiters den Passagieren – Expe-       Vordergrund, der hier ziemlich reale
 spektakuläre Blicke über die Stadt bie-      ditionsteilnehmer wäre doch etwas zu         Fußabdruck der Touristen wird auf eng
 tenden Aussichtspunkten, viel histori-       dick aufgetragen – bei den Landgängen        umgrenzte Bereiche der besuchten Orte
 scher Bausubstanz, politischen Wand-         und auch an Bord fachkundig Detail-          inmitten der Wildnis beschränkt, denn
 malereien überall und recht „alternativ“     wissen zu Kultur, Flora und Fauna der        Australis als Veranstalter hat erkannt,
 wirkenden Cafés und Läden. Hier kann         Region vermitteln. Diese Schiffe sind
 man es aushalten, schätze ich – schade,      die Antithese zu den monströsen Kreuz-
 dass wir nicht mehr Zeit hatten. Denn        fahrt-Partybombern mit tausenden Pas-
 wir mussten zurück nach Santiago, um         sagieren, das wird schnell klar, nach-
 früh am nächsten Morgen in viereinhalb       dem wir an Bord sind. Die grellrote
 Stunden in den Süden nach Punta Are-         Schwimmweste hängt gut sichtbar an
 nas zu fliegen, aus dem Frühling in den      der Garderobe und wird in den nächs-
 Winter.                                      ten sieben Tagen zu unserem Dauerbe-
                                              gleiter. Ein Fernseher? Nicht vorhan-
    Schon auf dem Flughafen der               den, braucht hier keiner. WLAN? Inter-
 125.000-Einwohner-Stadt, die sich als        net? Gibt’s nicht, nicht für Geld und gute                     Ureinwohner-Laubhütte
 das Tor zur Antarktis bezeichnet, fal-       Worte, „digital detox“ ist hier angesagt                vs. Darwins Forschungsstation
 len dort geparkte Forschungsflugzeuge        sowie ein zweckmäßiger, angenehmer,
 auf. In der Stadt sind es das rasselnde      aber nicht luxuriöser Stil.                  dass nur ein starkes Engagement für
 Geräusch mit Spikes versehener Auto-                                                      das Bewahren dessen, was den Reise-
 reifen und eine beißend kalte Brise,           Warum auch sollte man auf einen            teilnehmern gezeigt wird, langfristig
 etwas Schneetreiben, ein seltsam kla-        Bildschirm starren, wenn doch draußen        die Geschäftsgrundlage sichert – und
 res Licht und das vom scharfen Süd-          vor dem großen Fenster in den nächs-         das ist die weitgehende Unberührtheit
 wind aufgewühlte Meer, die uns deut-                                                      der Natur.
 lich darauf hinweisen, dass wir der Ant-
 arktis nahe sind. Punta Arenas ist der                                                      Entsprechend energisch reagierte
 chilenische Antarktishafen, uns fällt ein                                                 auch der Expeditionsleiter, als ich ihn
 US-amerikanisches      Forschungsschiff                                                   anlässlich seiner Aussage, dass die
 auf, das am Kai gerade für die anste-                                                     immer bessere touristische Erschlie-
 hende Sommersaison startklar gemacht                                                      ßung von Südpatagonien ein Fort-
 wird. Und direkt nebenan die Stella                                                       schritt sei, auf die sicher recht deut-
 Australis, eines von zwei Schiffen der                                                    sche Sichtweise hinwies, dass es für die
 chilenischen Australis-Reederei. Das                                                      Natur doch wohl am besten sei, wenn
 2010 gebaute und mit Marinediesel(öl)                           Kein Wind, keine Welle.   überhaupt keine Menschen, überhaupt
 betriebene Schiff bietet wie das 2018 in                                                  keine Touristen durch die empfindli-
 Dienst gestellte Schwesterschiff Ventus      ten Tagen die spannendsten Eindrücke         che Botanik stolpern. Er argumentiert,
 Australis in 100 Kabinen bis zu 210 Pas-     warten? Luxuriös fühlen sich hingegen        gerade wegen des touristischen Inte-
 sagieren Platz und beide werden, darauf      die großzügigen Lounges mit bequemen         resses und der Entwicklung eines ver-
                                              Sofas an, von denen aus man einen Pan-       träglichen, nachhaltigen touristischen
                                              oramablick auf die langsam vorüber-          Angebots in begrenztem Umfang sei-
                                              ziehende Landschaft werfen kann. Der         tens der Reederei und in Zusammen-
                                              Bordshop bietet gerade mal Zweckmä-          arbeit mit Forschungseinrichtungen sei
                                              ßiges gegen Regen und Kälte, einzige         es gelungen, den Alberto de Agostini-
                                              Animation ist die morgendliche Yoga-         und den Kap Hoorn-Nationalpark zu
                                              gruppe, und Pool und Sauna sucht man         etablieren und somit die Natur Feuer-
                                              auch vergeblich. Schnell wird klar, die-
                                              ses Expeditions-Ding ist durchaus wört-
                                              lich zu nehmen, wie auch die Reederei,
           Stella Australis in Punta Arenas   die diese Touren seit 1990 anbietet, ihre
                                              Verantwortung ernst nimmt. Schließ-
 legt die Reederei großen Wert, nicht als     lich gehen die Fahrten durch Meeres-
 Kreuzfahrt-, sondern als Expeditions-        und Naturschutzgebiete, entsprechend
 schiff bezeichnet. Die Schiffe sind klein    werden an Bord entstehende Abwässer
 genug, um in engen Fjorden manövrie-         aufbereitet und geklärt, sämtlicher Müll
 ren zu können, haben mehrere große           nur in den Häfen entsorgt. Im Gespräch
 Schlauchboote an Bord, die für Land-         mit den Guides und der Besatzung                           Kleines Schiff, große Berge.
 gänge zu Wasser gelassen werden, und         unterwegs wird deutlich, dass dies keine
 neben der nautischen Besatzung und           Lippenbekenntnisse sind, sondern ver-        lands an Land und im Wasser zu schüt-
 der Küchenmannschaft, gibt es noch ein       innerlichte Verhaltensweisen, was auch       zen. Die von der mächtigen Fischerei-
 internationales Team junger Guides, die      während der Landausflüge zu spüren           und Aquakulturlobby bevorzugte Nut-

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Patagonien Vegan unterwegs am Ende der Welt - Vegan Cruises & Tours
zung würde logischerweise anders aus-       in der man zwar Sojamilch für seinen       Landschaft von Fels zu Wald und tun-
sehen: noch mehr umweltzerstörende          Kaffee bekommen kann und wo man            draartigem Buschwerk. Flaches Murä-
Lachszuchtanlagen in einem sensiblen        auf Nachfrage auch anstandslos eine        nengeröll im Vordergrund, schneebe-
Ökosystem. In einer Welt, in der alles      vegane Pizza (also ohne Käse) serviert     deckte Gipfel im Hintergrund, davor
einen Wert haben muss, so die Logik,        bekommt, wo aber kaum ein paar hun-        mal aufgewühltes, sturmgepeitschtes
der man sich vor Ort nur schwer entzie-     dert Kilo Tofu irgendwo vorrätig sind?     Meer, mal eine völlig glatte Wasserflä-
hen kann, ist die Natur Feuerlands eben                                                che, gesprenkelt mit weiß-blauen Eis-
nur dann schützenswert, wenn sie sich                                                  blöcken, die auf einen kalbenden Glet-
– mittels Touristen – in Profit, in Steu-                                              scher weiter hinten in diesem Fjord
ereinnahmen, in Arbeitsplätze umwan-                                                   hindeuten. Da rumpelt es auch mal am
deln lässt. Nicht hinzufahren, so scheint                                              Schiffsrumpf beim Voprbeischrammen
es, ist auch keine Lösung – was mich                                                   eines Mini-Eisbergs, aber man vertraut
zu meiner zu Beginn des Artikels auf-                                                  dem Kapitän. Genau wie den Piloten der
geworfenen Fragestellung zurückführt,                                                  mächtigen schwarzen Zodiac-Schlauch-
ob ein Komplettverzicht auf Fernreisen                                                 boote, die je 14 Passagiere fassen und
eine Lösung im Kampf gegen CO2-Emis-                                                   mit denen es bei Regen und Schneetrei-
sionen und Erderwärmung sein kann.                                Unsere Reiseroute    ben, aber eben auch Sonnenschein, bei
Kann Reisen in begrenztem Umfang                                                       Temperaturen um die null Grad jeden
also doch die Welt „retten“, so im kon-     So was will geplant und organisiert        Tag ein, zwei Mal in wasserdichter, war-
kreten Fall? Sich solche Gedanken zu        sein, viele Hürdem galt es zu bewälti-     mer Kleidung aufs Meer hinaus ging.
machen, ist ein Luxusproblem, keine         gen, immer wieder musste erklärt und       Mal wurde ein schmaler Fjord erkundet,
Frage, aber widerspruchsfrei und ein-       definiert werden, was vegan ist und        um hinter einer Biegung plötzlich auf
deutig ist eben nichts im Leben, auch       wie vegan überhaupt geht. Dazu kam         die weißblaue Eiswand eines Gletschers
nicht im veganen, ökobewussten Leben.       die Erstellung eines abwechslungs-         zu stoßen, mal ging es an einen Strand,
                                            reichen, kulinarisch anspruchsvol-         an dem nur alle paar Wochen, Monate
  Womit wir bei dem „kuriosen“              len Menüplans, denn wie wir alle wis-      oder gar Jahre für ein, zwei Stunden
Nebenaspekt dieser Reise sind, die uns      sen, sind wir Veganer*innen mehr-          ein paar Menschen den Frieden stö-
überhaupt hierhin geführt hat: norma-       heitlich extreme Leckermäulchen, die       ren – sicher wie wir geblendet von der
lerweise ist auf diesen Fahrten die Ver-    neben der Ausbeutung von Tieren vor        unwirklichen Landschaft: mal üppig
köstigung so fisch- und fleischlastig,      allem eines nicht verzeihen: schlechtes    grüne Farne, Sträucher und Bäume, mal
                                            Essen. Und so war hier Vieles eine Pre-    felsig-eisige Wüste. Wir stolperten über
                                            miere, etwa die ganzen Backwaren, die      Trampelpfade, Geröll und einige wenige
                                            es ohne Eier und Milchprodukte zuzu-       Holzbohlenwege, auf Bitten der Guides
                                            bereiten galt – alles wurde frisch amn     immer leise und respektvoll. Über uns
                                            Bord gebacken, niemand kam auf die         kreisen bisweilen Kondore, mit etwas
                                            Idee, Tiefkühlprodukte zu verwenden –,     Glück waren Seelöwen zu beobachten,
                                            oder die schiere Menge an Gemüse und       Greifvögel ... Man ahnt, dass die Land-
                                            Hülsenfrüchten, die 200 vegan lebende      schaft zwar karg ist, aber durchaus das
                                            Menschen so verputzen können. Wehe,        Potenzial hat, Menschen wie einst die
                                            da geht 500 Kilometer vom nächsten         Ureinwohner zu ernähren. Die es wegen
                   Alles frisch gebacken!   Großmarkt entfernt der Vorrat aus!         der Ausrottungspolitik der Herrschen-
                                            Nun, die Australis-Leute sind Profis,      den in den beiden vorangegangen Jahr-
wie das eben „normalerweise“ der Fall       was man auch besser sein sollte, wenn
ist. Hier jedoch, und dank des Organi-      man in einem der rauhesten Seegebiete
sationstalents von Vegan Travel-Grün-       der Welt navigiert, und so wurde auch
der Dirk Bocklage, wird die ganze           der kulinarische Teil der Reise mit Bra-
Woche lang vegan gekocht. Von der nor-      vour absolviert – sonst hätten kaum der
malen Küchenmannschaft, verstärkt           Kapitän und seine Offiziere statt in der
um einen chilenischen veganerfahre-         Kombüse mit der Mannschaft (ja, die
nen Koch aus Santiago und unter Auf-        bereitete sich auch mal Fleisch zu ...)
sicht von Lena, ihres Zeichens Küchen-      jeden Tag mit den Passagieren im Spei-
chefin der Münchener Veganinstitu-          sesaal vegan gegessen. Eine Geste, die
tion Max Pett. Klappt die Veganisierung     Respekt und Interesse bewies.                Im Schneeregen zu Berge wir ziehen ...
des Menüs bei den „normalen“ vega-
nen Flusskreuzfahrten in Europa mitt-         Unsere Fahrt durch die Fjorde Feu-       hunderten hier freilich nicht mehr gibt.
lerweile reibungslos, waren die Her-        erlands war überwältigend: man stelle      Die einzigen Menschen hier sind ein
ausforderungen hier noch mal andere:        sich eine Schifffahrt durch eine alpine    paar Touristen und Fischer, auf man-
Punta Arenas ist zwar eine große Stadt,     Hochgebirgsregion vor – die Gletscher      chen der Inseln dort stationierte Solda-
aber eben am Ende der Welt. Woher           und Gletscherzungen, es sind allein in     ten, und etwa in der Nähe von Puerto
ausreichend Tofu und andere typische        Feuerland Dutzende, reichen bis an die     Williams im Sommer eine gewisse
Lebensmittel bekommen in einer Stadt,       Küste, aber direkt daneben wechselt die    Anzahl von Wanderurlaubern. Und

                                                                                                                              29
Patagonien Vegan unterwegs am Ende der Welt - Vegan Cruises & Tours
Einfach nur wow!

     doch ist die Landschaft auf man-         Gletscher sich auch wieder ausdehnen,      in einem Café ein veganes Sandwich,
 chen der Inseln nicht so unberührt,          ist kein Grund für Entwarnung, son-        bekamen Kaffee mit Sojamilch. Auf der
 wie es scheint: eingeschleppte kanadi-       dern ein Effekt von Veränderungen –        anderen Seite der Bucht dann die Wie-
 sche Biber vermehren sich unkontrol-         insgesamt nimmt das Eisvolumen ab.         dereinreise nach Chile, beim Besuch im
 liert, verändern Landschaft und Vege-                                                   dörflichen Puerto Williams: eine kleine
 tation, es wird über „Populationskont-         Landgänge gibt es auch in der Zivili-
 rolle“ nachgedacht, und auch nicht jeder     sation, etwa im argentinischen Ushuaia,
 Baum, jeder Strauch ist hier heimisch.       wo wir für einen Vormittag anlegen. Mit
 Was man freilich nur mitbekommt,             Punta Arenas und dem auf der anderen
 wenn man den fachkundigen Ausfüh-            Seite der Magellanstraße gelegenen Ört-
 rungen der Guides folgt, die nebenher        chen Puerto Williams streitet man sich
                                              um den Titel der südlichsten Stadt der
                                              Erde. Doch wo Punta Arenas städtisch
                                              wirkt, wirkt Ushuaia provinziell und
                                              wirklich wie das Ende der Welt. Zudem
                                              sieht man hier deutlich, dass Argenti-                         Wind, Wellen, Wolken.
                                              nien wirtschaftlich erheblich schlechter
                                              dasteht als der Nachbar Chile – und wir    Marinebasis, eher armselig aussehende
                                              sind vor Beginn der Tourismus-Saison       Holzhäuser, ein paar Hostels für Wande-
                                              hier, die Outdoor-Läden und die Agen-      rer – und eine schicke Holzkonstruktion
                                              turen der Tourenveranstalter sind noch     mit einem mollig warm geheizten Café
               Autor vor Schiff in Ushuaia.   im Winterschlaf. Im Sommer boomt hier      darin, dessen Betreiberinnen für die
                                              der Wandertourismus – und die Marine       veganen Reisenden extra einen Kuchen
 für wissenschaftliche Studien Notizen        spielt eine starke Rolle. Im Hafenbe-      gebacken haben: Veganer Apfelstrudel
 machen, Wildkameras auslesen, Stand          reich erinnern martialische Gedenkta-      am Ende der Welt. Auch wenn wir satt
 und Entwicklung von Vegetation beob-         feln daran, dass viele der im von Argen-   waren, wir hätten es nicht übers Herz
 achten und dokumentieren für univer-                                                    gebracht, hier nichts zu essen..
 sitäre Forschungsprojekte.
                                                                                            Weiter ging es dann übers Meer,
   Hauptattraktion sind und bleiben                                                      Richtung Kap Hoorn, und der Kapitän
 freilich die Gletscher, in deren Nähe wir                                               hatte uns gewarnt: sobald wir uns aus
 mal zu Fuß gelangen, mal im Schlauch-                                                   der Deckung der Inselwelt hervorwa-
 boot, mal mit dem Schiff, immer auf                                                     gen, fällt der Wind erbarmunglos über
 respektvolle Distanz bedacht, denn                                                      unser Schiff her. Zeit für die Seekrank-
 die blauweißen Riesen kalben ständig:                                                   heitstabletten, denn je kleiner ein Schiff
 mal klingt es wie ein Schuss, mal wie                                                   ist, desto mehr schaukelt es auch. Man
 ein Gewittergrollen, wenn vorne an der                                                  gewinnt großen Respekt für die Men-
 Zunge Eisblöcke abbrechen und mit                                                       schen, die hier einst in Kanus manöv-
 Getöse ins Wasser stürzen, recht große                                                  rierten, später in immer noch erstaunlich
 Wellen erzeugend – man ahnt, dass das                                                   kleinen Segelschiffen – die Nässe, die
 schnell unangenehm werden kann in                                                       Kälte, der Wind, kein Essen ... Wir hin-
 so einem engen Fjord. Die Gletscher                                                     gegen reisen bequem und warm. Dann
 Patagoniens, auch das können die Wis-                                   Auf Exkursion   Kap Hoorn, morgens um halb sieben. An
 senschaftler und hier in Feuerland                                                      Landgang nicht zu denken, keine Wan-
 auch die Besatzungen der Expeditions-        tinien angezettelten Falklandkrieg getö-   derung die steilen Treppen hinauf zum
 schiffe beobachten, ziehen sich zurück,      teten Soldaten aus dieser Stadt stamm-     Leuchtturm, bewohnt von einem chile-
 das mächtige Inlandeis, das sie speist,      ten. Uns haben ein paar Stunden hier       nischen Marinesoldaten mit Frau und
 wird weniger. Dass ein paar wenige           gereicht – und selbst hier fanden wir      Kindern – ein Jahr in der Einsamkeit.

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Patagonien Vegan unterwegs am Ende der Welt - Vegan Cruises & Tours
Knapp 250 km/h Windgeschwindig-             Beiwerk, die Tiere ignorieren die Beob-
keit vermeldet der Kapitän, das Schiff      achter gefühlt noch nicht mal. Ein ein-
kreist vor der Insel Isla de Hornos, der    maliges Erlebnis kurz nach Sonnenauf-
Himmel reißt auf, dramatisches Licht,       gang bei strahlend blauem Himmel.
ein ständiger Wechsel von Sonne und
Wolken. Wir torkeln über das schwan-          Kurz darauf ist die Expeditionsfahrt
kende Deck, jeder schießt zig Fotos,        zu Ende. Der Abschied von vielen net-
denn weiter südlich gen Antarktis wer-      ten Menschen aus aller Welt, die meis-
den wir in unserem Leben nicht mehr         ten vegan lebend. Diese Kontakte, der
kommen. Weniger als drei Tage Fahrt         Austausch mit Amerikanern, Briten,
wären es, weniger als tausend Kilome-       Belgiern, Holländern, Kanadiern, Deut-
ter, bis zum nördlichsten Ausläufer des     schen ist immer wieder interessant und
vereisten Südkontinents. Wir denken an      schon aus dem Grund ist so eine Fahrt
die rund 10.000 toten Seeleute hier im      mit Gleichgesinnten immer so wohltu-
Meer, gehen unter Deck, genießen das        end und entspannend. Dazu muss es gar
Frühstück und lassen uns im Warmen in       nicht bis ans Ende der Welt gehen, dafür
ruhigeres Gewässer schippern.               tut es auch eine vegane Flusskreuzfahrt
                                            auf dem Rhein. Dann eben ohne Pingu-
   Mit kleinen Zwischenstopps geht es       ine und Gletscher.
über die „Gletscherallee“ zurück Rich-
tung Punta Arenas, im Viertelstunden-         Für uns und andere ging die Reise
takt passiert man hier die Eiszungen,       aber noch ein paar Tage weiter, denn
während man – die Absurdität der Situ-      von Punta Arenas ist man individuell
ation ist jedem bewusst – gemütlich in      oder per Bus in zwei bis drei Stunden in
der Panorama-Lounge sitzt, zwischen-
durch noch einem der Vorträge des
Expeditionsleiters lauscht, in denen es
etwa um Kartografie, Flora und Fauna
oder die Urbevölkerung geht. Die täg-
liche arte-TV-Doku „in echt“, vor
den Fenstern, wie beim Vortrag. Kurz
vor der Ausschiffung noch ein letz-
ter unwirklicher Ausflug zur Isla Mag-
dalena, nahe Punta Arenas: nur in der
Brutsaison versammeln sich auf die-                  Im Torres del Peine-Nationalpark
ser kahlen Grasinsel, die von einem
rotweißen Leuchtturm gekrönt wird,          Puerto Natales, einer quirligen, deutlich
hunderte, vielleicht tausende Magel-        von Backpacker- und Trekking-Touris-
lan-Pinguine, die sich durch das Feh-       mus beherrschten Kleinstadt rund 200
len jeglicher Scheu vor dem Menschen        km nordwestlich, von wo aus es wiede-
auszeichnen. Unter strenger Aufsicht        rum nur rund zwei Stunden Autofahrt
der Nationalpark-Ranger darf eine           zum Nationalpark Torres del Peine sind
                                            – dem touristischen Hotspot im Süden
                                            von Patagonien. Man kann wandernd
                                            und kletternd Wochen in diesem Nati-
                                            onalpark mit seinem wilden Wechsel
                                            von Wald, Seen, Hochgebirge und Glet-
                                            schern zubringen – oder wie wir nur
                                            einen Tag. Auf dem Weg dorthin – ent-
                                            weder in kleinen Reisegruppen oder im
                                            Mietwagen machbar – muss man an der
                                            beeindruckenden Riesenhöhle Cueva
                            ... Pinguine!   del Milodón halten. Im 19. Jahrhundert
                                            fand dort ein deutscher Auswanderer
begrenzte Anzahl Besucher über den          und Farmer ein mumifiziertes, tausende
angelegten Rundweg laufen – die Pin-        Jahre altes Riesenfaultier – spätestens
guine haben Vorfahrt – und die Tiere        dann weiß man, dass die Metallstatue
beobachten, die sich durch uns wirk-        im Kreisverkehr an der Ortseinfahrt von
lich nicht im Geringsten bei der Braut-     Puerto Natales nicht Godzilla darstellen
schau und Brüten in ihren Erdhöhlen         soll. Auf staubiger Schotterpiste ging es
stören lassen. Der Mensch ist hier nur      weiter zum Eingang des Nationalparks.

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Patagonien Vegan unterwegs am Ende der Welt - Vegan Cruises & Tours
Rund 27 Euro pro Person kostet der Ein-        nach zwei Nächten weiter, zurück nach           ter Seitan ist dabei – ich bekomme eine
 tritt – Tourismus in Chile ist nicht billig.   Punta Arenas, zum Flughafen und nach            Ahnung, wie chilenische Hausmanns-
                                                Santiago. Auch wenn es nur zwei Stun-           kost geht. Hier sind keine Vegan-Hips-
    Wir fuhren weiter zum Lago Grey, dem        den Fahrt sind, gewinnt man doch einen          ter am Werk, sondern Szene-Menschen,
 Schmelzwassersee an der Zunge des              wunderbaren Eindruck von der end-               das gefällt, und man erkennt das auch
 mächtigen Grey-Gletschers. Dort und            los wirkenden Weite und Leere der pat-          am Publikum. Und auch der Pisco Sour
 an anderen Stellen im Nationalpark fin-        agonischen Pampa – hier und da eine             ist exzellent und wie das Essen günstig.
 det man ein Hotel, doch auch hier gilt:        kleine Siedlung oder eine Farm entlang          Der Friseur nebenan ist weit über acht-
 billig geht anders. Erstaunt zur Kennt-        der schnurgeraden Straße, Himmel, Wol-          zig, man kann da auch T-Shirts bedru-
 nis genommen haben wir das expli-              ken und weit entfernte Berge bilden eine        cken lassen, und irgendwie haben ihn
 zit als vegan ausgewiesene Linsencurry         beeindruckende Kulisse.                         seine Nachbarn „übernommen“, denn
 im Ausflugslokal des Glacier Bay Bush                                                          hier bekommt man eine große Auswahl
 Camps, bevor durch die Schotterebene             Schnell waren wir zurück im Trubel            cooler veganer Motive.
 am Seeende zum Aussichtspunkt wan-             der chilenischen Hauptstadt, erkunde-
 derten. Anschließend fuhren wir weiter                                                            Am nächsten Morgen stürzen wir uns
 durch den Park, mussten gefühlt alle 500                                                       ein letztes Mal für ein paar Stunden in
 Meter vor der überwältigenden Aussicht                                                         den Großstadtrummel. Alle Reisefüh-
 kapitulieren und fotografieren. Erfreu-                                                        rer verweisen auf den Mercado Central,
 licherweise posierten auch Guanakos                                                            der aber letztlich nur eine Ansammlung
 (die wilden Verwandten der Lamas) und                                                          fleisch- und fischlastiger Restaurants
 Nandus (der kleine Bruder des Straußes)                                                        für Touristen ist. Interessant wird es erst
 für uns. Auch wenn auf der Karte alles                                                         auf der anderen Seite des Flusses: Hier
 größer aussah, schafften wir an einem                                                          ist das Vegan-Paradies! Auf einer Flä-
 Tag entspannt die Highlights des Parks,                                                        che von mehreren Fußballfeldern erstre-
 inklusive kleiner Wanderungen, und hat-                                                        cken sich die Markthallen, in denen man
 ten nicht das Gefühl, da „durchgehetzt“                                                        eine unfassbare Vielfalt an Gemüse und
 zu sein. Aber natürlich kann man hier                                                          Obst entdeckt (und ja, auch etwas Fisch
 auch Wochen verbringen.                                                                        und Fleisch). Nie habe ich so viele mir
                                                                                 Vorfreude!     unbekannte Früchte gesehen, alle For-
   Kaum zurück in unserem Hostel, mach-                                                         men und Farben – was immer der Boden
 ten wir uns ein zweites Mal auf in den         ten noch einmal die Altstadt, verharr-          in Chile hergibt, hier kann man es kau-
 Vegan-Hotspot von Puerto Natales, das          ten vor La Moneda, wo 1973 das chile-           fen, teilweise zu Spottpreisen. Restau-
                                                nische Militär unter den wohlwollen-            rants wie Endverbraucher kaufen hier
                                                den Augen von CIA und US-Regierung
                                                den linken Präsidenten Salvador Allende
                                                wegputschte und ermordete und statt-
                                                dessen den faschistischen Diktator Pino-
                                                chet einsetzte – die damals geschlagenen
                                                Wunden sind in der chilenischen Gesell-
                                                schaft bis heute nicht verheilt. In einer
                                                der beeindruckenden alten Einkaufs-
                                                passagen spüren wir das Restaurant
                   El Living, Puerto Natales    Soju vegan auf, das bei Happy Cow unser
                                                Interesse geweckt hat, weil hier güns-                                             Adios, Chile.
 vom Briten Jeremy betriebene El Living-        tige veganisierte chilenische Küche ver-
 Restaurant. „Homemade, healthy and                                                             ein, wir staunen über fünf verschiedene
 vegetarian“ lautet das Motto des gemüt-                                                        Sorten Paltas (wie Avocados hier heißen)
 lichen Cafés, das auch viele vegane Spei-                                                      an Ständen, die nur Paltas anbieten –
 sen anbietet – hier kann man es aushal-                                                        bergeweise! Wir bereuen es zutiefst, von
 ten. Wie auch in der Last Hope-Bar, die                                                        hier nichts mitnehmen zu können – über
 sich rühmt, den südlichsten Gin der Welt                                                       Wochen könnten wir uns hier durchtes-
 zu destillieren, natürlich mit patagoni-                                                       ten, Neues entdecken. Wir kaufen ein
 schen Botanicals wie der Calafate-Beere.                                                       paar Paltas, verpacken sie gut und neh-
 Eine beeindruckende Gin- und Whiskey-                                                          men ein Taxi zum Flughafen – mit dem
 Auswahl findet der Spirituosen-Gourmet                                                         Wissen, dass uns nun 24 Stunden Air-
 in der gemütlichen, von einem Austra-                                Paltas, überall Paltas!   line-Fraß erwarten.
 lier geführten Bar. Aufgrund des inter-
 nationalen, jungen Publikums ist Puerto        sprochen wird. In der Tat, Burger, Fala-        Joachim Hiller
 Natales während der Tourismus-Saison           fel und Co. bekommen wir überall auf                         www.vegan-cruises.co/de
 ein nettes Städtchen, wo man gerne ein         der Welt, also: eat local. Die Gerichte sind
 paar Tage verbringt. Wir mussten schon         eher „basic“, vleischlastig, selbstgemach-

              Offenlegung: Der Autor bekam vom Veranstalter Vegan Travel eine Kabine gestellt, die Anreise wurde selbst bezahlt.

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