Programmheft August 2017 bis Januar 2018 - Kunstmuseum Thun
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Inhaltsverzeichnis Es lächelt der See, Events. Ich nehme mir deshalb in diesem Jahr vor, mehr
zu sehen und weniger gesehen zu werden und freue mich,
er ladet zum Bade … erst im Spätsommer in die Lagunenstadt zu fahren. Vorin-
formiert durch die vielen in der Zwischenzeit erschienenen
Ausstellungen / Exhibitions Kunstvermittlung
Kunstkritiken und die Tipps von Kollegen werde ich durch
5 Aus dem Museumsalltag 18 Mitmischen: Kreative die Pavillons schlendern, mir alles in Ruhe anschauen und
die leeren Giardini geniessen, die dann zu dem werden, was
6 Neue Blicke mit dem Werkstatt für alle … wer jetzt nicht aufblüht, muss sich nun beeilen! So könnte sie eigentlich sein sollten: eine Kunstoase, etwas abseits
man Rainer Maria Rilkes Gedicht saisongerecht weiter- vom Touristen-Inferno Venedig. Dieses Mal verpasse ich die
Audioguide im 19 Ein Kinderrätsel zur dichten. Wir schlüpfen wieder in leichte Sommerkleider vielen versteckten und kleineren Nebenausstellungen
Thun-Panorama Ausstellung Bilder erzählen und Sandalen. Das glasklare Wasser des Thunersees
lädt zum Baden ein und die grünen Berghänge animieren
nicht. Die Umwege durch die Stadt lohnen sich und überall
lassen sich neue Entdeckungen machen.
7 Grüne Oase im Wandel 20 Schulen erobern den zum Wandern. Wir sind gut gelaunt und freuen uns auf Auch Ihnen wünsche ich viele spannende Entdeckun-
einen Grillabend im Garten oder ein Feierabendbier in der gen. Geniessen Sie ruhige und wertvolle Kunstmomente
8 Bilder erzählen Schadaupark lauschigen Gartenbeiz. und machen Sie sich ab und zu auch auf den Weg zu uns
Gerne lasse ich mich von der sommerlichen Leichtig- ins Kunstmuseum und Thun-Panorama. Es lohnt sich nicht
9 Cantonale Berne Jura keit anstecken. Obwohl: der Sommer 2017 ist mit grossen nur wegen des lächelnden Sees!
Kunstevents geradezu überladen. Die documenta 14 in
Kommission für bildende Kunst
Athen und Kassel, die 57. Biennale Venedig, die Art Basel Helen Hirsch
Fokus 21 Die KobiK empfiehlt oder Skulptur Projekte 2017 in Münster! Es ist nicht ein- Direktorin Kunstmuseum Thun
fach (und auch etwas hoffnungslos), alle Eröffnungen im
10 Von Sinn und Sinnen. Kalender einzuplanen. Deshalb werde ich dieses Jahr
nicht an den Vernissagen dieser Grossevents dabei sein.
30 Jahre Kunstvermittlung Aussenblick Es macht zwar Spass dort zu sein, man sieht viele
22 Tränen und Perlen der bekannte Gesichter und plaudert links und rechts. Doch
vor lauter Plauderei kommt die Kunst meist zu kurz. Ganz
Agenda Architektur extrem empfinde ich das jeweils an den Eröffnungen der
Biennale in Venedig. Ich freue mich zwar über die Begeg-
12 August 2017 bis Januar 2018 nungen mit den anwesenden Kunstschaffenden und
Kolleginnen und Kollegen, aber die langen Schlangen vor
Programm den Länderpavillons mindern das Vergnügen erheblich,
Sammlung 23 August 2017 bis Juli 2018 ganz zu schweigen von den überfüllten Restaurants und
16 Eine geheime VerSammlung
With a smile, the lake
invites you to bathe …
Foto: Pascale Amez
The one who doesn’t bloom now needs to hurry up! In this city only in late summer. Informed in advance by the many
way one could poetise Rainer Maria Rilke’s poem further art criticisms and the tips from my colleagues, I will be
according to the season. We slip back into light summer strolling through the pavilions, looking at everything in
dresses and sandals. The crystal-clear waters of Lake peace and enjoying the empty Giardini (gardens) which
Thun invite you to bathe and the green mountain slopes then become what they should be: an oasis of art, a little
prod you to hike. We are in a good mood and look forward off the beaten track of the tourist inferno that is Venice.
to an evening with barbecue in the garden or a beer in This time I will not miss the many hidden and smaller side
Impressum Bildnachweis / Credits Kunstmuseum Thun the cosy beer garden. shows. The detours through the city are worthwhile and
Thunerhof, Hofstettenstrasse 14, 3602 Thun I gladly get infected by summer ease. However, the new discoveries can be made everywhere.
Direktorin: Helen Hirsch Cover: Aus Ausstellung Bilder erzählen. T +41 (0)33 225 84 20, F +41 (0)33 225 89 06 summer of 2017 is virtually overloaded with big art events. I also wish you many exciting discoveries. Enjoy quiet
Redaktion: Geraldine Wullschleger Literarische Begegnungen mit der Sammlung kunstmuseum@thun.ch
Konzept: Helen Hirsch, Anja Seiler, des Kunstmuseum Thun (2017): Max Matter, Di – So 10 – 17 Uhr, Mi 10 – 19 Uhr / Tue – Sun The documenta 14 in Athens and Kassel, the 57th Venice and precious art moments, and also make your way to the
Sara Smidt, Geraldine Wullschleger Schnelle Landschaft, 2003 / 05, Kunstmuseum 10 a.m. – 5 p.m., Wed 10 a.m. – 7 p.m. Biennale, the Art Basel, or Skulptur Projekte 2017 in Kunstmuseum and Thun-Panorama. It is worthwhile not
Texte: Helen Hirsch, Gabi Moshammer, Thun, Schenkung des Künstlers Montags geschlossen / Closed on Mondays Münster! It is not easy (and also somewhat hopeless) to only because of the lake that smiles!
Marc Munter, Johannes Saurer, Anja Seiler, Backcover: Aus Ausstellung Jeppe Hein. THIS Eintrittspreise / Admission: CHF 10.– / 8.–
Sara Smidt, Geraldine Wullschleger WAY (Kunstmuseum Wolfsburg 15.11.2015 – schedule all openings in the calendar. This means I will not
Lektorat: Gecko lingua, Helen Hirsch, 13.3.2016): Light Pavilion, Foto: Marek Kruszewski Thun-Panorama participate in the openings of these great events this Helen Hirsch
Anja Seiler, Sara Smidt, Geraldine Schadaupark, 3602 Thun year. It is fun to be there, you can see many well-known Director Kunstmuseum Thun
Wullschleger Mit grosszügiger Unterstützung von / T +41 (0)33 223 24 62, F +41 (0)33 221 18 74
Übersetzung: Gecko lingua With the generous support of: panorama@thun.ch faces and chat left and right. But due to all the talking, art
Gestaltung: B&R, Bern Di – So 11 – 17 Uhr / Tue – Sun 11 a.m. – 5 p.m. usually misses out. I find this very extreme at the openings
Druck: Stämpfli AG Montags geschlossen / Closed on Mondays of the Venice Biennale. I am delighted to be able to meet
Eintrittspreise / Admission: CHF 9.– / 8.–
the artists and colleagues who are present, but the long
© 2017 Kunstmuseum Thun Ausführliche Informationen auf unserer queues in front of the country pavilions considerably
© 2017 Texte/Texts: AutorInnen / Authors Webseite: / Detailed information on our reduce the pleasure, not to mention the crowded restau-
© 2017 Abbildungen/Illustrations: website: www.kunstmuseumthun.ch
Kunstmuseum Thun, FotografInnen / Förderverein rants and events. I therefore plan to see more and be
Photographers Kunstmuseum Thun Finde uns auf Facebook! / Find us on Facebook! seen less this year and look forward to visit the lagoon
2 3Ausstellungen / Exhibitions
Auf Kurs sein Aus dem
Marktgasse 17
Museumsalltag
3600 Thun
Telefon 033 221 44 61
www.vhs-thun.ch
Foto: David Oesch
Die Kunsthistorikerin Gabriele Moshammer ist seit über
20 Jahren als leidenschaftliche Kunst- und Kulturvermittlerin
in verschiedenen Museen tätig und führt seit 2015 auch im
Thun-Panorama die Besucherinnen und Besucher an die
Entstehungsgeschichte des Rundbildes heran. Das Bild zum
Leben erwecken ist ihr dabei ein besonderes Anliegen.
In den letzten beiden Jahren habe ich so manche Gruppe
mit dem Panoramabild der Stadt Thun von 1814 in die
uldry.ch
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Vergangenheit mitgenommen. Schon beim Aufstieg der
Wendeltreppe taucht man mit jedem Stufentritt nach oben
zurück in eine Zeit ein, in der Thun noch ein beschauliches
Städtchen war, am Eingang zum Berner Oberland. Als
Kulturvermittlerin möchte ich für die Besucherinnen und
Besucher die Geschichte des Städtchens zum Leben
erwecken – mit Geschichten, Anekdoten, aber auch mit
den Augen. Klar hat uns der Maler des Rundbildes,
Marquard Wocher, ein Stadtbild präsentiert, dass es in
dieser Form sicher nie gegeben hat. Wer läuft denn schon
bei der Arbeit in der Sonntagstracht herum? Aber all die
vielen Details – Gebäude, die heute noch das Stadtbild
prägen und solche, die schon lange verschwunden sind,
das Leben und Treiben auf den Strassen, hinter den
INNENDEKORATION WERBEBANNER WANDGESTALTUNG WALLPAPER PLANUNG Fassaden und Fenstern – machen dieses Bild so lebendig
KLEBER POS ROLL UP DISPLAY DESIGN PLAKATE HANDWERK BILDER AUFZIEHEN und sind auch für mich jedes Mal wieder faszinierend.
BESCHRIFTEN FAHRZEUGE KONZEPT SIGNALETIK AUSSENWERBUNG GLASDEKOR Wird es mir gelingen, die Touristen mit den Geschichten
SERVICE LAMINIEREN UNIKATE KLEBEFOLIEN LAYOUT DIGITALPRINT MONTAGE zu packen? Ein Lächeln oder Schmunzeln ins Gesicht zu
zaubern? Oder ein zustimmendes Nicken zu erhalten, weil
WERBETAFELN KREATIVITÄT FINE ART PRINT GESTALTUNG SCHAUFENSTERBE- bestehendes Wissen bestätigt oder ergänzt wurde?
SCHRIFTUNG ÖKOLOGISCH MAGNETFOLIEN WERBEMITTEL BODENKLEBER BERA- Jeder «Rund»gang ist eine neue Herausforderung – eine,
TUNG FIRMENSCHILDER TECHNIK SCHNEIDPLOTTEN IDEE SELBSTKLEBESCHRIFTEN die mir viel Spass bereitet.
Kontaktieren Sie uns, wir beraten Sie gerne.
Dorfstrasse 23 | 3032 Hinterkappelen | 031 909 19 19 | info@uldry.ch
Foto: Beny Hofer
5 Ausstellungen / ExhibitionsNeue Blicke mit dem Audioguide “... Delicate minds should stop listening,” by means of
the new audioguide visitors hear about the world’s oldest
im Thun-Panorama preserved cyclorama. Here is an extract on the Pulver-
turm (Powder Tower) from one of the 16 stories (delicate
11.3. – 26.11.2017 minds just turn over):
“... In the course of time the building also had to assume
some other functions and thus different names – Bad
stubenturm (Bathhouse Tower) or Schmittenturm (Smiths
Tower). Once it was also called Folterturm (Torture Tower).
Thun-Panorama The method was horrible. Again look at the lake and the
homeland from the lookout of the tower. Then they were
«… zarte Gemüter sollten nicht weiterhören», so verneh- thrown into the depths through a trapdoor, and cut into
men es die Besucherinnen und Besucher im neuen Audio- pieces by sharp knives. The flesh and blood were swept
guide zu Wochers Rundbild. Hier ein Ausschnitt zum away by the Aare. Today the tower has disappeared from
Pulverturm aus einer der 16 Geschichten (zarte Gemüter the cityscape – the demolition took place due to danger of
blättern einfach um): collapse in 1896. The debris served to widen the Aare
«… Im Laufe der Zeit hatte das Bauwerk noch einige banks.”
andere Funktionen und damit wechselnde Namen – Bad- The use of the audioguide is included in the entry fee
stubenturm oder Schmittenturm. Einst wurde er auch and is very easy. English and French versions are available
Folterturm genannt. Die Methode war grauenhaft – zarte for guests from abroad.
Gemüter sollten nicht weiterhören. Man erzählt sich, dass
die zum Tode Verurteilten beim Ausguck im Turm noch-
mals den See und die Heimat betrachten konnten. Dann
seien sie durch einen Fallboden in die Tiefe gestürzt und
unten von scharfen Messern zerschnitten worden. Das
Fleisch und Blut habe die Aare weggeschwemmt. Heute
ist der Turm aus dem Stadtbild verschwunden – der
Abriss wegen Einsturzgefahr erfolgte 1896. Der Schutt
diente zur Verbreiterung des Aareufers.»
Der Audioguide ist im Eintrittspreis inbegriffen und
sehr einfach zu bedienen. Für fremdsprachige Gäste gibt
es auch eine englische und französische Version. Ausstellungsansicht, Grüne Oase im Wandel. Der Thuner Schadaupark, Foto: David Oesch
Grüne Oase im Wandel. The Thun Schadaupark is an oasis for lingering, strolling,
picnicking or for a snowball fight in winter. The exhibition in
Der Thuner Schadaupark the extension building of the Thun-Panorama takes up
the eventful history of this unique place with its castle, park
11.3. – 26.11.2017 and former nursery and tells in three short chapters, among
other things, of strange sounds in the English park, an
estate with a power position and tennis fever in the Schadau.
In addition to the focus on the historical change of the
Schadau, seven selected personalities cast a glance at the
present. Moreover, artist Eva-Fiore Kovacovsky deals with
a botanical peculiarity in the park, the sequoia planted in
Thun-Panorama 1865. Also, school classes from Thun are working with the
park in different ways. Traces of their projects, such as
Es ist eine Oase zum Verweilen, Flanieren, Picknicken giant insects, will be temporarily visible in the exhibition.
oder im Winter für eine Schneeballschlacht: Der Thuner
Schadaupark. Die Ausstellung im Erweiterungsbau des
Thun-Panoramas nimmt sich der bewegten Geschichte
dieses einzigartigen Ortes mit Schloss, Park und ehe
maliger Gärtnerei an und erzählt in drei kurzen Kapiteln
unter anderem von fremden Klängen im englischen Park,
einem Landgut mit Machtstellung und dem Tennisfieber
in der Schadau. Neben dem Fokus auf den historischen
Wandel der Schadau werfen sieben ausgewählte Persön-
lichkeiten einen Blick in die Gegenwart. In Ergänzung
beschäftigt sich die Berner Künstlerin Eva-Fiore K
ovacovsky
mit einer botanischen Besonderheit im Park, dem 1865
gepflanzten Mammutbaum. Zudem arbeiten Thuner Schul-
kassen anhand unterschiedlicher Herangehensweisen
mit dem Park. Spuren ihrer Projekte, wie beispielsweise
Rieseninsekten, werden in der Ausstellung temporär
Pulverturm, Detail aus dem Rundbild von Marquard Wocher, Foto: Christian Helmle sichtbar sein.
6 Ausstellungen / Exhibitions 7 Ausstellungen / ExhibitionsBilder erzählen. Colourful cow, black-and-white dream, fast landscape:
The autumn exhibition takes you through the collection
Literarische Begegnungen of the Kunstmuseum Thun in five stories. The three
well-known Swiss authors Tim Krohn, Esther Pauchard,
mit der Sammlung Christoph Simon and a youthful duo, have designed narra-
tive tours through the exhibition with a selection of art
des Kunstmuseum Thun works from the museum collection. Works, among others
2.9. – 19.11.2017 by Bendicht Friedli, Julia Steiner, Christian Helmle and
Max Matter, move the stories forward with funny, tragic,
sensuous or surprising twists. Every visitor can experi-
ence the individual stories in their own way via the audio-
guide or by reading texts, thus rediscovering parts of the
Thun museum collection. Children will experience art
Kunstmuseum Thun creatively and fascinatingly with a story trail, illustrated by
a Thun school class and at participating stations that can
Bunte Kuh, schwarz-weisser Traum, schnelle Landschaft: be found throughout the museum.
Die Herbstausstellung führt in fünf Geschichten durch die
Sammlung des Kunstmuseum Thun. Die drei bekannten Vernissage / Opening
Schweizer Autoren Tim Krohn, Esther Pauchard, Christoph 1.9.2017, 18.30 Uhr / 6.30 p.m.
Simon und ein Jugend-Duo schaffen mit einer Auswahl
von Kunstwerken aus der Museumssammlung erzählerische
Rundgänge durch die Ausstellung. Werke, u.a. von Bendicht
Friedli, Julia Steiner, Christian Helmle oder Max Matter,
treiben die Geschichten mit lustigen, tragischen, sinnlichen
oder überraschenden Wendungen voran. Jede Besuche-
rin, jeder Besucher kann die einzelnen Geschichten auf
eigene Weise per Audioguide oder mit Lesetexten erleben
und so Teile der Thuner Museumssammlung von neuem Zur Ausstellung erscheinen eine Publikation mit den
entdecken. Kinder erleben Kunst kreativ und spannend mit Geschichten der Autoren und der Jugendlichen sowie ein
einem Geschichtenpfad, illustriert von einer Thuner kleines Ausstellungsheft für Kinder.
A publication in German with the stories of the authors
Schulklasse und an Mitmachstationen, die sich durch die and by the youngsters, as well as a small exhibition booklet
Museumsräume ziehen. for children will be published. Ausstellungsansicht, Cantonale Berne Jura, 2016, Foto: David Aebi
Cantonale Berne Jura The Cantonale Berne Jura was launched seven years ago
and is dedicated to inter-cantonal cooperation. Spread
9.12.2017 – 4.2.2018 over different institutions, it offers to the artists an impor-
tant and broad platform and presents to the public the
diversity of art in Bern and Jura. Since 2014, the Kunstmu-
seum Thun puts further emphasis on the Thun art scene
and the in-house collection by offering selected artists
from the region the opportunity of a platform in the frame-
work of the Christmas exhibition. The exhibition in Thun
is curated thematically.
In cooperation with Kunsthaus Interlaken, Kunsthalle
and Stadtgalerie Bern, Kunsthaus Langenthal, Centre
PasquArt Biel, Jurassic Museum of Arts Moutier, La Nef
Kunstmuseum Thun Le Noirmont, Les Halles Porrentruy
Die Cantonale Berne Jura wurde vor sieben Jahren lanciert
und steht im Zeichen interkantonaler Zusammenarbeit. Vernissage / Opening:
Verteilt auf verschiedene Institutionen bietet sie den Künst- 9.12.2017, 11 Uhr / 11 a.m.
lerinnen und Künstlern eine wichtige und breite Platt-
form und präsentiert dem Publikum die Vielfalt des berni-
schen und jurassischen Kunstschaffens. Seit 2014 setzt
das Kunstmuseum Thun einen weiteren Schwerpunkt auf
die Thuner Kunstszene und die hauseigene Sammlung,
indem ausgewählten Kunstschaffenden aus der Region
die Möglichkeit einer Plattform im Rahmen der Weihnachts-
ausstellung geboten wird. Die Ausstellung in Thun wird
thematisch kuratiert.
In Kooperation mit: Kunsthaus Interlaken, Kunsthalle
und Stadtgalerie Bern, Kunsthaus Langenthal, Centre
PasquArt Biel, Musée jurassien des Arts Moutier, La Nef
Bendicht Friedli, Bunte Kuh, 1990, Kunstmuseum Thun Le Noirmont, Les Halles Porrentruy.
8 Ausstellungen / Exhibitions 9 Ausstellungen / ExhibitionsFokus
Von Sinn und Sinnen
30 Jahre Kunstvermittlung
Die Kunstvermittlung unseres Museums feiert im Oktober 2017
ihr 30-jähriges Jubiläum mit einer grossen Tagung in Kooperation
mit dem Fachverband mediamus. 2005 hat das Kunstmuseum
Thun eine feste Stelle für Kunstvermittlung eingerichtet. Doch
bereits davor gab es hier eine lange Tradition der Museumspäda-
gogik. Innerhalb der Schweiz gehört es damit zu den Pionieren
eines neuen Berufsfeldes.
«Lehret sie luege» tung eines Bildes von Samuel Buri praktische Erfahrungen
folgen zu lassen. Ein eigener Vermittlungsraum existierte
Das war die Aufforderung des Malers und Kunstpädago- damals noch nicht. Es gab Angebote für Kinder und ab
gen Gottfried Tritten (1923–2015) an seine Studentinnen und 1992 auch für Erwachsene, die immer auf zwei Teilen
Studenten am Lehrerseminar Thun. 1980 wurde am beruhten: Betrachtung von ein bis zwei Kunstwerken und
Kunstmuseum Bern der museumspädagogische Dienst anschliessend praktische Vertiefung einer Technik oder
eingerichtet, nachdem Tritten mit der Projektgruppe eines Themas. Künzi erinnert sich, wie ihr damals gedankt
«Kunstbetrachtung im Unterricht» dafür die Vorarbeit wurde: «Ich werde jetzt Schriftenmaler. Ihr seid schuld.»
geleistet hatte. Diese gut vernetzte Projektgruppe wirkte Oder Jahre später hörte sie von einem ehemaligen Schüler:
weiter. Auch die Thuner Zeichenlehrerin und Malerin «Ihr habt mir so viel mitgegeben.» Die ersten beiden Jahr-
Marianne Baumann war Teil davon und initiierte in Thun zehnte der Kunstvermittlung waren von wenig Struktur
ein museumspädagogisches Angebot. Sie war damals und starkem Engagement Einzelner geprägt, welche oft
Mitglied der Kommission für bildende Kunst (KobiK), die in ehrenamtlich tätig waren. Ab 1983 wurden im Budget des
einem Arbeitspapier vom 25.6.1981 Arbeitsziele für einen Kunstmuseums Mittel für die Museumspädagogik bereit-
museumspädagogischen Dienst festhielt: «Zielsetzungen gestellt. Die Rechnung nennt Ausgaben über CHF 3109.40,
sind: lernen, sich zurechtzufinden und sich im Museum das sind 1,11 % des damaligen Gesamtbudgets. In den
wohlzufühlen sowie das Schauen lernen. Ein Weg dazu ist 1990er Jahren agierten neue Kräfte, die jeweils durch per-
die Kunstbetrachtung. Die Auseinandersetzung mit der sönliche Kontakte zur museumspädagogischen Aktivität
Kunst soll zur Selbstverwirklichung führen, zu eigener eingeladen wurden. Auf die Frage, ob sie sich als Aussen-
Kreativität.» 1982 setzte der damalige Direktor Georg stehende überhaupt mit dem Museum identifiziert haben,
Dolezal somit eine Gruppe ein, die diese Ziele umsetzen antworten einige Pioniere im Gespräch wie aus einem
sollte: Marianne Baumann, Gisèle Gilgien, Regula Hadorn, Munde: «Oh ja, sehr! Der damalige Direktor Georg Dolezal
Margret K ünzi, Jürg Hofer, Heinz Luginbühl, Hans war sehr grosszügig. Wir hatten Narrenfreiheit. Es war
Portenier. Es waren Lehrkräfte und Kunstschaffende. Sie grossartig. Allerdings hat er auch immer wieder verges-
entwickelten Dokumentationen und Kunstspaziergänge sen, uns über Ausstellungen zu informieren.» Dolezal selber
für Lehrkräfte. äussert sich heute so: «Der museumspädagogische
Später wurde das Angebot erweitert und die Kunstver- Dienst arbeitete getrennt von der Direktion. Ich habe es
mittlerinnen arbeiteten direkt mit dem Publikum. gewünscht und nicht nur zugelassen. Es hat mir so gefallen,
In einem Gespräch im April 2017 erinnert sich Margret das haben sie gut gemacht. Eine gute Sache in Eigen
Künzi, wie sie bei einer Sammlungsausstellung zu Spray regie!» Die damaligen Kunstvermittlerinnen bearbeiteten
dosen und Leintüchern gegriffen hat, um der Kunstbetrach- die ganze Palette an Möglichkeiten «nach eigenem
10 Fokus 11 Halbjahresbericht 17/1Agenda 9.9. 10.00 – 18.00 → Gymnasium Thun, Areal Seefeld 28.10. 16.00 / 17.00, 20.00 / 22.00 → Kunstmuseum Thun 9.12. 13.00 – 17.00 → Kunstmuseum Thun
Generationenfestival Thuner Kulturnacht Open Ateliers in Thun
August 2017 bis Kinderprogramm mit Stefanie Würz
Januar 2018
13.9. 18.15 → Kunstmuseum Thun (16.00 und 17.00) 11.12. 19.00 → Kunstmuseum Thun
Öffentliche Führung Lesung mit Esther Pauchard (20.00 und 22.00)
Café drunter & drüber
29.10. 15.00 – 17.00 → Kunstmuseum Thun
15.9. 19.00 → Kunstmuseum Thun
Mitmischen 14.12. 17.30 → Kunstmuseum Thun
Veranstaltung von und Einführung für Lehrkräfte
für Jugendliche 30.10. 9.00 → Kunstmuseum Thun
AUGUST Tagung Von Sinn und 17.12. 15.00 – 17.00 → Kunstmuseum Thun
17.9. 15.00 → Kunstmuseum Thun
Sinnen. Ausstellungen als Mitmischen
13.8. 15.00 – 17.00 → Kunstmuseum Thun Rundgang für Familien Vermittlungsformat
Mitmischen
18.9. 19.00 → Kunstmuseum Thun In Kooperation mit mediamus JANUAR
20.8. 11.15 → Thun-Panorama Café drunter & drüber 10.1. 18.15 – 19.15 → Kunstmuseum Thun
Kunst im Park – Werk NOVEMBER Öffentliche Führung
27.9. 15.45 → Thun-Panorama
gespräch mit dem Berner
Öffentliche Führung 17.1. 11.15 → Kunstmuseum Thun
Künstler Walter Kretz 5.11. 11.15 → Kunstmuseum Thun
Führung mit Gebärden Öffentliche Führung mit
25.8. 18.00 → Thun-Panorama
dolmetscherin Gebärdendolmetscherin
OKTOBER
Abschlussfest zu
12.10. 10.00 → Kunstmuseum Thun 28.1. 15.00 – 17.00 → Kunstmuseum Thun
«Schulen erobern den 5.11. 15.00 – 17.00 → Kunstmuseum Thun
Rundgang in Leichter Mitmischen Mitmischen
Schadaupark»
Sprache
27.8. 15.00 und 16.30 → Thun-Panorama 12.11. 11.15 → Thun-Panorama
Schauplatz Schadau –
15.10. 15.00 → Kunstmuseum Thun
Öffentliche Führung
Rundgang für Familien
ein theatralischer
12.11. 15.00 – 17.00 → Kunstmuseum Thun
Rundgang 18.10. 18.15 → Kunstmuseum Thun
Mitmischen
Werkgespräch mit Julia
SEPTEMBER Steiner 15.11. 18.15 → Kunstmuseum Thun
Lesung mit Christoph
1.9. 18.30 → Kunstmuseum Thun 22.10. 11.15 → Thun-Panorama
Simon
Vernissage Öffentliche Führung
Bilder erzählen
Kindervernissage ab 18.45 Uhr.
25.10. 18.15 → Kunstmuseum Thun DEZEMBER
Für Kinder ab 5 Jahren. Öffentliche Führung 9.12. 11.00 → Kunstmuseum Thun Veranstaltung für Kinder
Vernissage Cantonale
Veranstaltung für Gehörlose und Hörbehinderte
3.9. 11.15 → Kunstmuseum Thun Tipp / Speziell
26.10. 18.30 – 20.30 → Kunstmuseum Thun
Lesung mit Tim Krohn
Veranstaltung für Lehrer
Kreatives Schreiben mit Berne Jura 2017 An jedem ersten Samstag im Monat kann die Ausstellung im Kunst
museum und im Thun-Panorama gratis besucht werden.
6.9. 17.30 → Kunstmuseum Thun Esther Pauchard Kindervernissage ab 11.15 Uhr.
Für Kinder ab 5 Jahren. Die öffentliche Führung (mit Gebärdendolmetscherin) erläutert unter-
Einführung für Lehrkräfte
schiedliche Punkte in der Ausstellung, zeigt Hintergründe und Verlin
Weitere Daten: 2.11., 9.11. und 16.11. kungen. Die Teilnahme ist ohne Anmeldung und kostenlos.
In Kooperation mit der VHS. Information und
Ausführliche Informationen auf unserer Webseite:
Anmeldung: info@vhs-thun.ch www.kunstmuseumthun.ch / www.thun-panorama.ch
12 13Gutdünken»: Kunstbetrachtungen, Workshops, Atelier Standorten Thunerhof und Thun-Panorama in sehr breiter
besuche, mit Schere und Kleber zusammengestellte Perspektive, die nur durch das Einholen von bedeutenden
Dokumentationen für Lehrkräfte, Lehrerfortbildungen, Drittmitteln möglich ist: Die Angebote für Schulen und
Schulprojekte. «Wir suchten gemeinsam die Auseinan- Lehrkräfte bleiben selbstverständlich. Der Generationen-
dersetzung mit Kunst, entdeckten persönliche Herausfor- dialog wird in Kooperation mit «und» – das Generatio-
derungen und haben selber anders geschaut. Eigentlich nentandem kontinuierlich gepflegt. Das Kunstmuseum
war das der Lohn.» Sicherlich steckten sie mit ihrer entwickelt sich in langjähriger Partnerschaft mit Pro Infirmis
Begeisterung ihr Publikum an. «Man hat etwas gestreut. zu einem wichtigen Ort einer inklusiven Gesellschaft, in
Da hat etwas aufgehen können.» Barbara Luginbühl- der Behinderungen nicht behindern. Interkulturelle Begeg-
Sieber spricht von einer Tür, die Kunstvermittlerinnen auf- nungen bereichern das Angebot.
tun. «Vielleicht gehen die Kinder durch diese Tür, vielleicht Auch das Wie der Kunstvermittlung konnte sich zeit
nicht. Aber sie haben die Möglichkeit.» Magdalena Kratzer gemäss entwickeln. Seit 2008 beteiligen sich Menschen
erzählte von der guten Vernetzung mit anderen Kulturver- der Region regelmässig gestaltend an Projekten, so dass
mittlerinnen (es waren und sind auch heute noch zum kulturelle Teilhabe gross geschrieben wird. Durch Laien
grössten Teil Frauen), die durch den Fachverband media- entwickelte Ausstellungen aus Beständen der Sammlung
mus organisiert wurde und wird. Wie es weiterging, ist sind aus dem Programm nicht mehr wegzudenken.
schnell erzählt: 1997 wurde Raum für ein eigenes Atelier
geschaffen. Nachdem diese Forderung fast seit Beginn
formuliert wurde. 2005, also 23 Jahre nach den ersten
Schritten, wurde die erste Stelle über 30 % für eine Kunst-
vermittlerin geschaffen. Diese erhielt Sara Smidt und
ist 2011 auf 60% aufgestockt, 2017 mit einer zusätzlichen
20%-Stelle ergänzt worden. Dazu kommt ein Team von
freien Mitarbeiterinnen, die vielfältige Impulse geben,
Gruppen empfangen sowie Projekte entwickeln und
umsetzen. Ebenfalls seit 2011 zügelte das Atelier Kunstver-
mittlung ins Nachbarhaus, um der AHV Spiez im Thuner-
hof Platz zu machen. Die sogenannte «Kunstküche» ist ein
grosszügiger heller Raum mit Aufenthaltsqualität und vie-
len Möglichkeiten. Insbesondere konnten durch die ver-
Gespräch mit (von links) Sara Smidt Bill, Gisèle Gilgien, Dorothea del
besserte Infrastruktur vielfältige Kooperationen eingegan- Carlo, Magdalena Kratzer, Barbara Luginbühl-Sieber und Margrit Künzi
gen werden. Heute agiert die Kunstvermittlung an beiden am 30.4.2017, Foto: Pascale Amez
WAS SEIT DEN ANFÄNGEN VON SINN UND SINNEN.
G EBLIEBEN IST AUSSTELLUNGEN ALS
VERMITTLUNGSFORMAT
Im Vergleich mit anderen Kunstorten
lassen sich Besonderheiten Eine Tagung am 30. Oktober 2017 in
festhalten: Kooperation mit mediamus
– Die Pioniere der Kunstvermittlung Früher war es normal: Zuerst wurde die
am Kunstmuseum Thun machten Ausstellung durch die Kuratoren
nicht nur aus der Kunst eine Her entwickelt und aufgebaut, dann kam
zensangelegenheit, sondern auch die Kunstvermittlung. Seit Jahren
aus dem Miteinander. Anders als praktiziert das Kunstmuseum Thun
an anderen Kunstmuseen gab es unterschiedlichste Ausstellungs
hier nie die einsame Etappe einer formate, so dass sich im Entwicklungs-
Einzelkämpferin. Immer schon prozess die Bereiche «Kuratieren» und
gehörte es dazu, Kunstvermittlung «Kunstvermittlung» auf Augenhöhe
aus unterschiedlichen Blickwin- begegnen und gegenseitig bereichern.
keln zu betreiben – ein Reichtum. Dies ergibt andere Ausstellungspers-
– Experimentieren gehörte von pektiven, wie ab 2. September in der
Anbeginn dazu. Dabei geht es Sammlungsausstellung Bilder erzählen.
gleichermassen kreativ und res- Literarische Begegnungen mit der
pektvoll zu und her. Sammlung des Kunstmuseum Thun
– Es gibt nur Angebote, die jeman- sichtbar wird. Aber auch im internatio-
dem am Herzen liegen. Flair und nalen Kontext wird eine engere Zusam-
Motivation wirken ansteckend und menarbeit angestrebt. Im Jubiläums
menschlich. jahr lädt das Kunstmuseum Kolleginnen
und Kollegen aus Dänemark, Deutsch-
land, Österreich und der Schweiz zu
einer Fachtagung ein, um Praktiken,
Erfahrungen und Reflexionen anderer
kennenzulernen und zu teilen.
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Augustin Rebetez, Ohne Titel, 2013, Kunstmuseum Thun Halbjahresbericht 17/1 www.kunstmuseumthun.ch 15 FokusSammlung Da das Kunstmuseum Thun keine permanente Samm-
lungspräsentation hat, verfügt es für seine beinahe 7000
Eine geheime VerSammlung
Kunstwerke über mehrere Lagerorte. Neben einem klei-
nen in den Museumsräumlichkeiten selbst ist der grösste
Lagerplatz das Sammlungsdepot. Dieses befindet sich
ausserhalb des Thuner Stadtzentrums an einem vertrauli-
chen Ort. Ein grosser Lift führt zu den zwei Etagen des
Kunstlagers: Hier gesellen sich auf über 280 m2 verteilt
Malereien, Grafiken, Videos und Skulpturen aus unter-
schiedlichen Epochen zueinander. Alles in friedlicher
Nachbarschaft: So hängt am Gitter mit den Gemälden ein
Werk von Alexander Egger direkt neben dem von Rein-
hard Rühlin. Bei den Grafiken geht es noch vertrauter zu:
Hier werden die Drucke jeweils kompakt in Kartonschach-
teln auf Regalen gelagert – gut vor dem Licht geschützt.
Die Skulpturen, Plastiken und Installationen haben je nach
Grösse auch eigene Lagerboxen oder sind in Regalen
untergebracht.
Jedes Kunstwerk bekommt, wenn es in die Sammlung
des Museums aufgenommen wird, einen fixen Platz im
Sammlungsdepot. Diesen verlässt das Werk nur, wenn es
für eine Ausstellung oder eine Ausleihe gebraucht wird.
So gibt es im Depot immer wieder scheinbar freie Stellen,
die aber trotzdem besetzt sind. Denn kehrt das Kunstwerk
zurück, dann braucht es wieder seinen Platz.
So ist es kein Wunder, dass es nun langsam eng wird.
Deshalb hat sich die Direktion des Museums unter Helen
Hirsch in diesem Jahr entschieden, die kommenden Jahre
einen Schwerpunkt auf die Sammlungspflege zu setzen.
Auftakt für die Öffentlichkeit ist dafür unter anderem die
Sammlungsausstellung im Spätsommer 2018. Von diversen
Recherche- und Nachforschungsarbeiten zur Sammlung
bis hin zu einzelnen, notwendigen Restaurationsarbeiten
führt bei diesem neuen Schwerpunkt der Weg am Samm-
lungsdepot nicht vorbei. Denn der neue Fokus hat auch
Auswirkungen auf diesen Ort: Mehr Platz und ein neues
Lagerungskonzept soll her. So wird 2018/19 fleissig
geplant und am Ende auch eine Erweiterung in der bereits
bestehenden Immobile eingerichtet. Denn ein Samm-
lungsdepot braucht spezifische Anforderungen, was das
Licht, die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit betrifft.
Gleichzeitig soll jedes Kunstwerk immer sofort zugänglich
sein, und zwar auch in Zukunft, wenn noch weitere Werke
durch Ankauf, Schenkung oder Dauerleihgaben auf
genommen werden, welche den Sammlungsrichtlinien
entsprechen.
Es ist ein Warten im Dunkeln – an einem geheimen Ort –, wo die Eine weitere Idee befindet sich bereits im Anfangs
stadium. Immer wieder wird nach einer Besichtigung des
Kunstwerke des Kunstmuseum Thun ausharren müssen. Im grossen Depots gefragt, was leider durch den aktuellen Aufbau
des Lagers kaum möglich ist. Es ist nicht so ausgerichtet
Sammlungsdepot finden etwa 7000 Museumswerke ihr Zuhause. wie im Basler Schaulager oder im Historischen Museum
Geordnet geht es dort zu und her, jedes Werk hat seinen eigenen, Luzern, wo man einen Teil der Sammlung in einem begeh-
baren Lager besuchen kann. Viele Werke sind im Thuner
fixen Platz. Dann und wann gibt es Lichtblicke: Wenn eine Muse- Depot in Schachteln und Boxen verstaut und können bei
einem Besuch nicht perfekt präsentiert werden. Durch
umstechnikerin oder ein -techniker den Auftrag bekommt, ein den Standort und die begrenzten Möglichkeiten wird auch
zukünftig kein Besuch möglich sein. Doch im Rahmen der
Sammlungswerk für eine Ausstellung vorzubereiten. Dann kommt Sammlungspflege ist geplant, eine Art der Zugänglichkeit
auch Leben ins Depot. Doch in Zukunft soll sich nicht nur der Ort zu schaffen. Das Museum wird diesbezüglich auf eine
virtuelle Lösung setzen, um mit einer Webpräsentation
ändern, sondern auch neue Möglichkeiten für die Sammlungsprä- eine grosse Reichweite zu erwirken.
sentation geschaffen werden. Ansichten des Sammlungsdepots, Fotos: Pascale Amez
16 Sammlung 17 SammlungKunstvermittlung Kunstvermittlung
Mitmischen: Ein Kinderrätsel zur
Kreative Werkstatt Ausstellung
für alle Mitmischen Nr. 1, 2.4.2017, Foto: David Oesch
Bilder erzählen
Auch Erwachsene schätzen es, kreativ sein zu können. Dies ist nun Muuuh! So werden Kinder in der Ausstellung Bilder erzählen
auch bei uns im Kunstmuseum möglich: Das neue MITMISCHEN empfangen. Eine tierische Geschichte führt sie durch die
richtet sich an alle Interessierten ab 15 Jahren. Zu jeder Ausstellung Museumsräume. Ausgewählte Bilder regen an, von einer bunten
gibt es eine Reihe von Werkstattangeboten, die einzeln – oder Kuh, schwarz-weissen Träumen und schnellen Landschaften
besser – nacheinander belegt werden können. Kunst- oder Gestal- zu erzählen. An Mitmachstationen werden Kinder selber tätig
tungskenntnisse werden nicht vorausgesetzt, nur Neugier und und zeichnen, kleben, bauen, riechen, tasten, spielen…
die Freude am sinnlichen Experimentieren. Das Angebot wird in Dieses Rätsel kannst du in der Ausstellung lösen.
Partnerschaft mit Pro Infirmis und dem ProjekteNetzwerkThun,
interkulturelle Begegnungen durchgeführt.
Ausstellung zeigt Fotos zum Spannungsfeld, die in 1. Dies ist die Hauptperson: Wie heisst die Kuh in der 4. Dass eine Kuh viel Gras und Heu frisst, ist ja klar.
MITMISCHEN entstehen oder die Sie persönlich einsen- Kindergeschichte? Aber wieviel Kilogramm frisst sie an einem Tag?
den können. Ausführliche Informationen zum Projekt im
enter-Raum finden Sie auch auf unserer Webseite.
In MITMISCHEN NR. 3 entstehen Comics, Bildergeschichten
oder andere gezeichnete Erzählungen. Lassen Sie sich
in der Ausstellung Bilder erzählen. Literarische Begegnun- 5. Eine Kuh sieht anders als wir Menschen. Welche
gen mit der Sammlung des Kunstmuseum Thun inspirieren, Farben erkennt die Kuh am besten?
Mitmischen Nr. 1, 2.4.2017, Foto: David Oesch verbinden Sie Personen, Ereignisse oder Gefühlswelten
und erleben Sie Kunst auf besondere Weise.
Die erste Werkstatt fand bereits zur ersten Ausstellung in MITMISCHEN NR. 4 wird zusammen mit einer Künstlerin
diesem Jahr statt: Den Einstieg gestaltete der Theater oder einem Künstler der Ausstellung Cantonale Berne
pädagoge André Roth mit Spiegelspielen. Die Ausstellung Jura entwickelt.
MIRROR IMAGES – Spiegelbilder in Kunst und Medizin 6. Einige Szenen spielen in der Stadt. Du kannst selber
inspirierte zu Experimenten mit dem Spiegel und dem eige MITMISCHEN NR. 3 eine bauen. Schicke uns ein Foto davon.
nen Körper. An einem weiteren Termin bot die Kunst Sonntag, 29. Oktober, 15 – 17 Uhr 2. Im zweiten Raum tummeln sich Pferde, Krähen, Hunde,
vermittlerin und Gestalterin Rut Reinhard die Möglichkeit, Sonntag, 5. November, 15 – 17 Uhr Katzen, Mäuse und sogar ein Koalabär. Wer von ihnen ist
Sinniges auf Spiegeln einzugravieren. Sonntag, 12. November, 15 – 17 Uhr der beste Freund der Kuh? 7. Es gibt einen dunklen Raum mit Nachtbildern.
Darin findest du eine Box mit Gegenständen zum Tasten.
Bei MITMISCHEN NR. 2 zur Ausstellung Aller-Retour. MITMISCHEN NR. 4 Welche? Nenne mindestens einen Gegenstand.
Schweizer Fotografie im Wechselspiel zwischen Fernweh Sonntag, 17. Dezember, 15 – 17 Uhr
und Heimat geht es natürlich um das Fotografieren. Sonntag, 28. Januar, 15 – 17 Uhr
Suzanne Müller und Chris Berner vom Fotohöck Thun
schärfen den Blick durch den Sucher. Sie greifen den Fokus Anmeldung (begrenzte Plätze): 3. Unsere Kuh hat Gefühle. Was macht sie, wenn sie
der Ausstellung auf und gehen mit Ihnen auf Entdeckungs kunstmuseum@thun.ch, T +41 (0)33 225 84 20. traurig ist?
Kosten: CHF 24.– pro Termin, CHF 54.– beim Besuch der ganzen Reihe
reise nach eigenen Bildern, die Heimat oder Fernweh Nr. 3, CHF 36.– beim Besuch der ganzen Reihe Nr. 4, CHF 7.– pro Termin Du kannst die Fragen auch auf der Homepage beantworten. Schicke
vermitteln. Vor dem Sommer wurden im Juni Heimatgefühle für IV / AHV / Kulturlegi (Infos: www.kulturlegi.ch) sowie für sie an kunstvermittlung@thun.ch. Aus den Einsendern mit den richtigen
geweckt und der Blick schweifte in die Ferne. Nach ProjekteNetzwerkThun (Gutschein). Antworten wird eine Gewinnerin oder ein Gewinner gezogen.
Haben Sie spezielle Bedürfnisse? Brauchen Sie eine Gebärden- Als Preis gibt es ein Kinderfest (2 h) im Kunstmuseum für maximal 12
den Sommerferien geht es um das Heimkehren (Sonntag, dolmetscherin? Geben Sie Ihre Bedürfnisse bei der Anmeldung an. Kinder ab 6 Jahren inklusive Getränke und Kuchen.
13. August, 15–17 Uhr). Der Projektraum enter in der Die Kunstküche ist rollstuhlgängig. Einsendeschluss: 19. November 2017.
18 Kunstvermittlung 19 KunstvermittlungKunstvermittlung Kommission für bildende Kunst
Schulen erobern Die KobiK
den Schadaupark empfiehlt
KobiK-Sitzung im Mai 2017, Foto: Kunstmuseum Thun
Die Saison im Thun-Panorama wird von der Als Fachgremium der städtischen Kunstförderung entscheidet die
Grünen Oase Schadaupark geprägt. Kommission für bildende Kunst (KobiK) nicht etwa eigenmächtig
Schulen aus Thun wurden eingeladen, sich über die Geschicke der Kunst. Vielmehr berät sie sich gemeinsam
mit dem Thema der Sonderausstellung mit der Leitung des Kunstmuseums und der Kulturabteilung über
zu befassen und Spuren zu hinterlassen. Fotos: François Gribi Beitragsgesuche, Kunst im öffentlichen Raum, Sammlungsankäufe
und Schenkungen, die dem Gemeinderat als Empfehlungen
weitergereicht werden. Marc Munter schreibt nachfolgend als
Mitglied über seine Sicht auf die KobiK.
lang beschäftigen sie sich mit Insekten aus allen Blick Fünfmal im Jahr beurteilen und besprechen wir in der Andererseits erscheint es mir wichtig, die KobiK nicht als
winkeln, unter anderem vom Künstler Dan Reusser begleitet. Kunstkommission der Stadt Thun neu eingereichte Gesuche eingeschworenen Zirkel darzustellen, der in Eigenregie
Sie lauschen einem Dschungelmann, dichten, basteln zur Unterstützung künstlerischer und kuratorischer Pro- schaltet und waltet. Vielmehr gründet sie auf den Vorgaben
kleine Käfer und entwerfen riesengrosse Fantasieinsekten. jekte, für Beiträge zu Werkproduktionen, Ausstellungen des städtischen Kommissionsreglements und der KobiK-
Ob es beim Fest zum Projektabschluss auch Insekten oder Publikationen mit Bezug zu Thun. Regelmässig werden Verordnung. Gleich zu Beginn steht hier: «Die Kommission
zum Essen auf dem Buffet geben wird? auch Ankaufs- und Schenkungsanträge verhandelt: von für bildende Kunst ist eine ständige Kommission ohne
Eltern, Freunde, Kollegen und alle anderen Interessierten Dritten sowie von der Direktion des Kunstmuseums oder Entscheidbefugnis». Geregelt ist auch die Zusammenset-
sind dazu am Freitag, 25. August, 18 Uhr herzlich eingeladen. gemeinsam von allen Kommissionsmitgliedern auf ihrer zung aus neun Mitgliedern mit mindestens drei Kunst-
Die Klasse der Oberstufenschule Progymatte von Sandro alljährlichen Tour zum regionalen Kunstschaffen an der schaffenden sowie der Direktion des Kunstmuseums und
Santschi entwickelt ein Projekt mit dem Musiker und Cantonale Berne Jura. Nicht selten ergeben sich hier die der Kulturabteilung und weiteren Fachpersonen. Die
Tontechniker Samuel Baur. Die Schülerinnen und Schüler spannendsten Diskussionen. KobiK hat in erster Linie eine «beratende» Funktion, wobei
erarbeiten eigene Statements zum Thema Schadaupark. Einerseits könnte ich nun Bilanz ziehen über meine sie sich an den «Beurteilungskriterien für Beiträge und
Sie führen Interviews mit Personen, die etwas über den Park zweijährige Mitgliedschaft bei der KobiK und über grosse Defizitgarantien an kulturelle Projekte» orientiert.
zu sagen haben (z.B. Baumkletterer…), sie gehen blind auf und kleine Anträge, einfache und schwierige Beschlüsse Kritisch gefragt: Macht eine Kommission aus lauter
die Suche nach Geräuschen wie Wind in den Bäumen sinnieren. Oder ich könnte von den Besuchen bei Kunst- Fachleuten überhaupt Sinn, wenn diese lediglich beraten
Foto: François Gribi oder das Plätschern des Wassers am Ufer des Thuner- schaffenden in Thun berichten, die uns zur direkten Ausei- und empfehlen, aber nie entscheiden dürfen? Und wenn
sees. Die Jugendlichen begegnen ausserdem blinden Per- nandersetzung herausfordern: einmal im vollbehängten, ihr Handlungsspielraum durch Weisungen und Bestim-
sonen, die ihnen erzählen, wie sie die Welt wahrnehmen. ein andermal im eher leergefegten Atelierraum, ganz auf mungen eingegrenzt wird? Ja, gewiss. Die Frage ist zwar
Welche Farben hat der Schadaupark? Man könnte meinen, Nach der Erforschung der Welt der Geräusche, werden das Gespräch mit dem Künstler konzentriert. nicht unberechtigt, zumal bestimmte Entwicklungen durch
die Antwort sei eindeutig Grün. Doch Schülerinnen und diese zu neuen Klangwelten verarbeitet. Eine Hörstation die Vorgaben ausgebremst werden könnten. Gleichwohl
Schüler der 2. bis 4. Klasse verschiedener Primarschulen in der Ausstellung Grüne Oase im Thun-Panorama bringt möchte ich den demokratischen Prozess aus Beurteilung
schauten im Freifach Kunst im Pestalozzi-Schulhaus diese Arbeit ab September an die Öffentlichkeit. und Debatte, Empfehlung und Entscheidungsfindung,
genau hin. Begleitet von der Künstlerin Olivia Notaro und welcher die KobiK innerhalb der städtischen Kulturförde-
den beiden Lehrkräften Sarah Fuhrer und Brigitte Daeppen rung ausmacht, unbedingt bejahen.
sammelten sie Farben und Formen. Aus ihrer Auseinan-
dersetzung mit dem Schadaupark entstand eine Kunst-
Marc Munter (*1972 in Bern) studierte nach dem Sekundarlehramt weiter
Schnitzeljagd, die am Freitag, 9. Juni durch den Park Kunstgeschichte und Germanistik an der Universität Bern. Er arbeitet
führte. z.Z. an einem Dissertationsprojekt zur Sammlungsbewirtschaftung an
Die 2. Klasse von Beatrice Ammon und Lisa Schrepfer der Kunstmuseen und war von 2010–2013 u.a. als wissenschaftlicher Mit-
arbeiter am Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen und am Aargauer
Primarschule Obermatt sorgt nach den Sommerferien für Die Projekte werden durch das Programm Bildung und Kultur des Atelierbesuch im Mai 2017, Foto: Kunst Kunsthaus in Aarau angestellt und arbeitet seit 2017 in derselben
eine Insekteninvasion im Thun-Panorama. Zwei Wochen Kantons Bern unterstützt. museum Thun Funktion am Kunstmuseum Bern.
20 Kunstvermittlung 21 Kommission für bildende KunstAussenblick Programm 360° – EINE DAUERAUSSTELLUNG ZU MARQUARD
WOCHERS PANORAMA
August 2017 bis Juli 2018
Tränen und Perlen
11. März – 25. November 2018, Thun-Panorama
Die Ausstellung zeigt das Leben des Basler Kleinmeisters
Marquard Wocher, der sich vor rund 200 Jahren alleine an
der Architektur
BILDER ERZÄHLEN. LITERARISCHE BEGEGNUNGEN das Unternehmen heranwagte, das erste Rundbild der
MIT DER SAMMLUNG DES KUNSTMUSEUM THUN Schweiz zu malen. Sie präsentiert die Arbeit am Panorama
2. September – 19. November 2017, Kunstmuseum Thun und zeigt auf, wie das Bild von Basel über Umwege 1961
Alles beginnt mit einer Kuh: Die Sammlungsausstellung schliesslich in den Thuner Schadaupark gelangte.
erzählt Geschichten, geschrieben von Autorinnen und
Autoren, Jugendlichen und Kindern. Unterschiedliche Blick- → Saisoneröffnung: Sonntag, 11. März, ab 11 Uhr
winkel führen so erzählerisch durch die Ausstellung: Ein
jedes Werk trägt mit lustigen, tragischen und sinnlichen
Wendungen zum Fortgang der Geschichte bei. Jede Besu- BERGWÄRTS – WOCHERS GIPFELWELTEN GESTERN
cherin, jeder Besucher kann die Geschichten der Aus UND HEUTE
stellung auf eigene Weise erleben und so Teile der Muse- 11. März – 25. November 2018, Thun-Panorama
umssammlung mit neuen Augen betrachten. Von 1809–1814 malte Marquard Wocher ein einzigartiges
Rundbild. Im Vordergrund entfaltet sich das Thuner Stadt-
→ Vernissage: Freitag, 1. September, ab 18.30 Uhr leben, während der Blick im Hintergrund bis zur impo
santen Berglandschaft mit Stockhorn, Niesen und Jung-
Johannes Saurer, Foto: Pascale Amez frau reicht. Diese damals schwer zugängliche und
CANTONALE BERNE JURA 2017 unbekannte Gipfelwelt hat zu Wochers Zeiten viel Anlass
9. Dezember 2017 – 4. Februar 2018, Kunstmuseum Thun zur Diskussion gegeben. Es herrschte Aufbruchsstim-
Die Cantonale Berne Jura wurde vor sieben Jahren lanciert mung, in der Erforschung der Gebiete ebenso wie im Touris-
und steht im Zeichen interkantonaler Zusammenarbeit. mus, der sich im 18. und 19. Jahrhundert erst entwickelte.
Die Ausstellung im Thun-Panorama zeigt Eindrücke und
«Es ist einer meiner Lieblingsorte – ein Kraftort», schwärmt Verteilt auf verschiedene Institutionen bietet sie Künstle-
rinnen und Künstlern eine wichtige und breite Plattform Erinnerungen von historischen Persönlichkeiten, die
Johannes Saurer von der Schadau. Im Folgenden erzählt er vom und präsentiert dem Publikum die Vielfalt des bernischen damals den abenteuerlichen Schritt in die Berge wagten.
Wie sehen die Menschen im Berner Oberland ihre Berge
und jurassischen Kunstschaffens.
Park, vom Schloss und vom Thun-Panorama aus seiner Sicht heute? Mit einem Vermittlungsprojekt gehen wir bergwärts
→ Vernissage: Samstag, 9. Dezember, ab 11 Uhr und entwickeln mit einigen von ihnen eine Ausstellung vor
als Architekt. Ort, die Werke der Sammlung des Kunstmuseum Thun
einbezieht. Sie ist reichhaltig mit Bergen, Seen und Land-
JEPPE HEIN. EINATMEN – INNEHALTEN – AUSATMEN schaften bestückt.
3. März – 29. Juli 2018, Kunstmuseum Thun
Mit EINATMEN – INNEHALTEN – AUSATMEN zeigt das → Vernissage: Sonntag, 11. März, ab 11 Uhr
Tränen der Architektur sind misslungene Bauwerke, die Karl Keller, der es 1955 auf dem Pausenplatz des Dürrenast- Kunstmuseum Thun die erste institutionelle Ausstellung
nicht auf den Ort eingehen und uns zum Weinen bringen. Schulhauses ausrollen und anschliessend fachgerecht res- des dänischen Künstlers Jeppe Hein in der Schweiz, die in
Perlen der Architektur sind einzigartige Bauwerke von taurieren liess. Speziell für dieses 200-jährige Rundge- enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entstanden ist.
höchster Qualität. In Thun gibt es beides, wobei Perlen die mälde baute Keller 1960–61 die Rotunde im Park neben Zum Auftakt werden bereits vor Ausstellungsbeginn die
Ausnahme bilden. Das Thun-Panorama ist eine solche dem Schloss Schadau. an ausgewählten Orten zwischen Bahnhof und Kunstmu
Perle. Vor vier Jahren liess die Stadt Thun den Rundbau sanie- seum positionierten Bänke eine Verbindung zwischen
Ich spaziere durch den Schadaupark. Beim kleinen ren und den Eingangsbereich attraktiver gestalten. Für Aussen- und Innenraum schaffen. Heins Werke regen
Turm ganz vorne verweile ich einen Moment und geniesse die Architekten war die Aufgabe äusserst schwierig. Galt alle Sinne an und sind eine Einladung zum Staunen, zur
die Ruhe und den atemberaubenden Ausblick auf den es doch, einen Solitärbau von höchster architektonischer Entschleunigung und auch zum Schmunzeln. In der
See und die Bergwelt. Es ist einer meiner Lieblingsorte – Qualität zu erweitern. Das Resultat erstaunt und überzeugt Ausstellung mit dem Themenschwerpunkt Atmen lädt
ein Kraftort. Es erstaunt nicht, dass dies im frühen 19. Jahr- auf der ganzen Linie. Die Architekten Graber & S teiger er uns zur Partizipation ein, macht uns Betrachter zu
hundert der erste Ort für die vornehme Welt im Berner aus Luzern gewannen den Architekturwettbewerb. Sie Akteuren und überrascht uns mit Unerwartetem.
Oberland war. 1846–1852 liess sich hier Alfred de Rouge- haben die inhaltlichen, architektonischen und landschaft-
mont seinen Sommersitz, das Schloss Schadau bauen lichen Aspekte des Vorgefundenen aufgenommen, neu → Vernissage: Freitag, 2. März, ab 18.30 Uhr
und setzte mit dem auffallenden Schloss neue Massstäbe interpretiert und atmosphärisch zu einem neuen Ganzen
für das internationale adlige Milieu. Zu den Schlossan verdichtet, ohne dass die Lesbarkeit der unterschiedlichen
lagen liess er auch den Landwirtschaftsbetrieb und die Gärt- Teile verwässert wird. Mit dem Anbau erhält der introver
nerei erbauen. Sie bilden zusammen mit der Kirche tierte Rundbau ein offen und einladend wirkendes Gegen-
Scherzligen ein Ensemble von hoher räumlicher und archi- stück, das den Park mit einbezieht.
tektonischer Qualität, das bis heute fast unversehrt blieb. Fazit: Architekturwettbewerbe lohnen sich immer,
Mich schaudert bei dem Gedanken, dass die Stadt auch für kleine und kleinste Aufgaben. Und, Thun braucht
Thun das Schloss Schadau im Jahr 1954 abreissen wollte. dringend einen Stadtbaumeister!
Sie war fest der Meinung, es sei ein abscheulicher, orts-
fremder Bau. Zum Glück hatten wir Karl Keller. Als frischer
Stadtbaumeister von Thun setzte er sich mit aller Kraft
für den Erhalt des Schlosses ein und konnte den Abbruch Johannes Saurer ist Architekt und führt seit 2000 ein eigenes Architek-
turbüro in Thun. Er ist Mitglied des BSA (Bund Schweizer Architekten).
knapp verhindern. Als Präsident des Architektur I Forum I Thun setzt er sich für die Förde-
Das 38 Meter lange und 7,5 Meter hohe Panorama rung der Baukultur und die Verbesserung der Lebensqualität ein. Der
gemälde von Marquard Wocher wurde 1920 zusammen- Dialog über Baukultur unter Fachleuten und mit der Öffentlichkeit steht
dabei im Zentrum der Aktivitäten. Als Architekt interessiert sich Saurer
gerollt in einem Turnhallenboden wiederentdeckt und unter anderem für die Bereitstellung von gutem und günstigem Wohn- Mehr Informationen zum Programm finden Sie auf unserer Webseite:
kam danach ins Stadtbauamt. Es war Stadtbaumeister raum für alle. www.kunstmuseumthun.ch / www.thun-panorama.ch
22 AussenblickDie nächste Ausgabe erscheint im Januar 2018. The next issue will be published in January 2018. www.kunstmuseumthun.ch www.thun-panorama.ch
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