Schumann Frühe Werke in zweiter Ausgabe II - Florian Uhlig - Chandos Records

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Schumann Frühe Werke in zweiter Ausgabe II - Florian Uhlig - Chandos Records
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                                                         Schumann
                                                         Early Works in Second Editions II

                                                         Impromptus über ein Thema von Clara Wieck op. 5
                                                         Etudes en forme de Variations op. 13
                                                         Grande Sonate f-Moll op. 14

   Florian Uhlig
                                              Schumann
                   Frühe Werke in zweiter Ausgabe II
Schumann Frühe Werke in zweiter Ausgabe II - Florian Uhlig - Chandos Records
Robert Schumann (1810-1856)                 r   Variation II                       3:11
                                                t   Variation III                      1:01
    CD                                  67:46   z   Variation IV: Scherzando           1.21
                                                u   Variation V: Agitato               0:52
    Frühe Werke in zweiter Ausgabe II           i   Variation VI: Allegro molto        1:10
    Early Works in Second Editions II           o   Variation VII:
                                                    Sempre marcatissimo                2:25
    Impromptus über ein Thema                   p   Variation VIII:
    von Clara Wieck op. 5                           Con energia sempre                 1:17
    (1833, Neue Ausgabe 1850 |                  ü   Variation IX: Con espressione      2:55
    1833, new edition 1850)                     a   Finale: Allegro brillante          5:57
    1 Ziemlich langsam – Thema           1:24
    2 I                                  0:40   Grande Sonate f-Moll op. 14
    3 II Lebhafter                       0:41   (1835/36, Deuxième Edition
    4 III Sehr präcis                    0:42   [des „Concert sans Orchestre“] 1853)
    5 IV Ziemlich langsam                1:16   s Allegro                              8:03
    6 V Lebhaft                          1:19   d Scherzo: Molto commodo
    7 VI Schnell                         0:47       Quasi Variazioni                   6:25
    8 VII Tempo des Themas               0:36   f Andantino de Clara Wieck (Thema)     0:45
    9 VIII Mit großer Kraft              2:12   g Var. 1                               0:45
    0 IX                                 0:59   h Var. 2: In Tempo                     1:39
    q X Lebhaft                          4:18   j Var. 3: Passionato                   0:56
                                                k Var. 4: Espressivo                   3:25
    Etudes en forme de Variations op. 13        l Prestissimo possibile                7:49
    (1834-1837, Edition nouvelle
    revue par l’Auteur 1852)
    w Thema: Andante                     1:20   Florian Uhlig, Klavier
    e Variation I: Un poco più vivo      1:16

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Robert Schumann                             Werke sowie Fragmente, die sich ohne

                                                                                        DEUTSCH
Sämtliche Werke für Klavier 15              waghalsige Spekulationen leicht er-
                                            gänzen lassen, bisher nur in Ausnahme-
Seit über 60 Jahren sind immer wieder       fällen berücksichtigt.
Versuche unternommen worden, Robert
Schumanns Gesamtwerk für Klavier zu         Die auf 17 CDs (in 15 Ausgaben) ange-
zwei Händen, einen faszinierenden           legte erste wirkliche Gesamtaufnahme
Kosmos von großer Vielfältigkeit und        der zweihändigen Klavierwerke von
Bandbreite zwischen hochvirtuosen           Robert Schumann durch Florian Uhlig
Stücken für den Konzertsaal und wert-       versucht erstmals, mit thematisch sinn-
voller Literatur für den Klavierunter-      voll konzipierten CDs (z.B. „Robert
richt, auf Tonträgern festzuhalten. Diese   Schumann und die Sonate“, „Der junge
ebenso reizvolle wie schwierige Aufga-      Klaviervirtuose“, „Schumann in Wien“,
be wurde leider, ganz abgesehen von         „Schumann und der Kontrapunkt“,
rein künstlerischen Mängeln, nicht im-      „Variationen“) alle originalen Klavier-
mer mit der gebotenen Sorgfalt an-          werke zwischen 1830 (Abegg-Variatio-
gegangen, so dass keine dieser Auf-         nen op. 1) und 1854 (Geister-Variationen)
nahmen das Prädikat „Gesamtauf-             nach den neuesten textkritischen Aus-
nahme“ zu Recht trägt. Da Schumann          gaben und/oder Erstausgaben zu prä-
eine Reihe von Werken (Impromptus           sentieren. Mehrere dieser CDs enthal-
op. 5, Davidsbündlertänze op. 6, Sym-       ten auch Erstaufnahmen. Die Booklets
phonische Etüden op. 13, Concert sans       von Joachim Draheim, der einige der
Orchestre bzw. Sonate f-Moll op. 14         Werke entdeckt und/oder ediert hat,
und Kreisleriana op. 16) in zwei mehr       erhellen die biographischen und musik-
oder weniger divergierenden Fassun-         geschichtlichen Hintergründe der jewei-
gen publiziert hat, ist es sehr proble-     ligen Werkgruppe.
matisch, unter dem Etikett „Gesamt-
aufnahme“ nur eine dieser Fassungen         Frühe Werke in zweiter Ausgabe II
einzuspielen oder sie gar in unseriöser
Weise miteinander zu verquicken. Da-        In den Jahren 1850-1853, also seiner
bei wurden auch an entlegenen Stellen       letzten Dresdener und der Düsseldorfer
veröffentlichte oder unveröffentlichte      Zeit, brachte Robert Schumann fünf

                                                                                        3
seiner wichtigsten frühen Klavierwerke     am 20. November 1849 an den neuen
    aus den Jahren 1833-1838 (Impromptus       Verleger Whistling in Leipzig schrieb:
    op. 5, 1833; Davidsbündlertänze op. 6,     „Die Kreisleriana sind stark revidirt. Ich
    1838; XII Etudes Symphoniques op. 13,      verdarb mir leider in früheren Zeiten
    1837; Concert sans Orchestre op. 14,       meine Sachen so oft, und ganz muth-
    1836; Kreisleriana op. 16, 1838) und       williger Weise. Dies ist nun alles aus-
    den Liederkreis von Eichendorff op. 39     gemerzt.“ Diese Bemerkung diente
    (1842) in neuen Ausgaben und zum Teil      wohl vor allem dazu, dem gelegentlich
    bei anderen Verlegern heraus. Die da-      zahlungsunwilligen, aber mit Schumann
    bei erfolgten teils gravierenden, teils    gut befreundeten Verleger den teuren
    eher marginalen Änderungen des Not-        Neustich und das dafür geforderte
    entextes bzw. in der Menge des Noten-      Honorar plausibel zu machen. Die Än-
    textes sowie der verbalen Teile sind       derungen, darunter einmal 20 weitere,
    in der Schumann-Literatur nicht selten     aber bereits bekannte Takte, sind bei
    ganz übersehen, unter- und überschätzt     diesem Werk jedoch eher gering, aber
    und in ihrer Intention oft falsch ein-     gerade so eingreifend, dass der Neu-
    geschätzt worden.                          stich nötig wurde.

    Die Gründe für die Neuausgaben liegen      Die Gründe für die neuen Ausgaben
    nicht – wie bei dem Klaviertrio op. 8      der Davidsbündlertänze op. 6 und der
    von Johannes Brahms, einem Jugend-         Kreisleriana op. 16 (1850, auf der CD
    werk, das vom Komponisten in der zwei-     Frühe Werke in zweiter Ausgabe I mit
    ten Ausgabe von 1891 zum Teil radi-        Florian Uhlig, hänssler classic 17038)
    kal umgearbeitet wurde – in einer          sowie der Impromptus op. 5 (Neue
    Unzufriedenheit des Komponisten, der       Ausgabe 1850), der XII Etudes Sym-
    seine „unreifen“ Jugendwerke in ver-       phoniques op. 13 (Etudes en forme de
    besserter und geläuterter Form der         Variations, Edition nouvelle revue par
    Nachwelt hinterlassen wollte, wie manch-   l’Auteur, 1852), des Concert sans Or-
    mal geargwöhnt wurde. Leider hat           chestre op. 14 (Grande Sonate op. 14,
    Schumann selbst diese Spekulatio-          Deuxième Edition, 1853) sind nicht in
    nen genährt, als er in Bezug auf die       künstlerischen Selbstzweifeln zu su-
    Neue Ausgabe der Kreisleriana op. 16       chen, sondern zeugen von Schumanns

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nüchternem Pragmatismus, einer Eigen-          den Jahren 1832-1849 heraus, die meist
schaft, die ihm in der immer noch gras-        zu größeren, zyklischen Werken gehört
sierenden Trivialmusikschriftstellerei weit-   hatten, aber aus formalen, nicht musi-
gehend abgesprochen wird, die er aber          kalischen Gründen aussortiert worden
auch bei der Redaktion der Neuen Zeit-         waren, Albumblätter und Gelegenheits-
schrift für Musik und im Umgang mit            werke für Familie und Freunde sowie
zahlreichen Verlegern immer wieder             frühe Skizzen, die er überarbeitete
bewies.                                        und/oder vollendete.

Seit der Mitte der vierziger Jahre des         Einige der frühen Werke, die sich zum
19. Jahrhunderts stieg sein Ansehen als        Teil nur langsam durchsetzten, aber
Komponist stetig an, er musste sich zum        dann schließlich doch ein größeres
Teil keine Verleger mehr suchen, son-          Publikum fanden, waren in diesen Jah-
dern diese traten an ihn heran, verlang-       ren vergriffen und mussten ohnehin
ten aber fast immer nur Klavierwerke,          neu aufgelegt werden. Die Impromptus
wenn möglich mit nicht allzu großem            op. 5 und die Davidsbündlertänze op. 6
technischen Anspruch, und Lieder mit           waren mehr oder weniger im Selbstver-
Klavierbegleitung. Schumann aber hat-          lag erschienen, fanden nun aber ohne
te sich inzwischen dem Orchester, der          größere Mühe einen Verleger, der auch
Kammermusik, Chorwerken mit und                bereit war, ein Honorar zu zahlen. Der
ohne Begleitung und schließlich der            Verleger Tobias Haslinger, ein Freund
Oper (Genoveva) zugewandt – alles              Beethovens, der 1836-1838 die Opera
Werke, deren Absatz nicht unbedingt            13, 14 und 16 herausgebracht hatte, war
und meist nur auf längere Sicht gesi-          1842 gestorben, sein renommierter und
chert erschien. Um seine Verleger, zu          erfolgreicher Verlag hatte inzwischen
denen er oft ein gutes und freund-             seinen Zenit überschritten, so dass es
schaftliches Verhältnis hatte, nicht im-       angebracht erschien, eine besser po-
mer wieder zu enttäuschen, brachte             sitionierte Firma zu suchen. Schumann
Schumann unter den Titeln Bunte Blät-          fand sie in Julius Schuberth, der in die-
ter (op. 99) und Albumblätter (op. 124)        ser Zeit neben Hamburg und Leipzig
1851 und 1853 Sammlungen von kür-              eine Dependance in New York eröff-
zeren und leichteren Klavierstücken aus        nete und der in dieser Sache selbst bei

                                                                                           5
Schumann anfragte, nachdem er mit           später in einer autobiographischen
    dem Album für die Jugend op. 68             Skizze: „Die meiste Zeit [1832/33, nach
    (1848) einen Verkaufsschlager erzielt       dem Kompositionsunterricht bei Hein-
    hatte. Dass Schumann die Gelegenheit        rich Dorn, verbunden mit intensiven
    nutzte, bei den Neuausgaben bzw. Neu-       kontrapunktischen Studien] fast be-
    auflagen kleinere Fehler und Unstim-        schäftigte ich mich mit Bach; aus solcher
    migkeiten zu beseitigen, für ein kla-       Anregung entstanden die Impromptus
    reres Notenbild zu sorgen, die Propor-      op. 5, die mehr auf eine neue Form zu
    tionen leicht zu verändern – sowohl         variiren angesehen werden mögen.“
    durch Streichungen wie durch Hinzufü-       Der hochoriginelle Variationszyklus ba-
    gungen – und die Werke, die er zum          siert auf einem Thema, das der Kom-
    Teil zu seinen besten zählte, in jeder      ponist von der jungen Klaviervirtuosin
    Hinsicht den neuen Gegebenheiten an-        Clara Wieck übernommen hatte, die
    zupassen, ohne dabei in der Substanz        über dieselbe Romanze ein virtuoses
    und im Anspruch irgendwelche Kom-           Variationswerk schrieb (Romance variée
    promisse zu machen, ist eigentlich          op. 3) und Ende Juli 1833 ihm widmete,
    selbstverständlich. Wie sich das im Ein-    das aber schon 1830 in seinem Tage-
    zelfall auswirkte, wird an der jeweiligen   buch erstmals notiert worden war.
    Stelle zu erläutern sein.
                                                Das Thema scheint somit ein musika-
    Impromptus über ein Thema von               lisches Gemeingut der 13jährigen Clara
    Clara Wieck op. 5. Neue Ausgabe             Wieck und ihres neun Jahre älteren
                                                Freundes und Bewunderers Robert
    Über die im Mai und Juni 1833 nach ei-      Schumann gewesen zu sein, die schon
    ner längeren und komplexen Vorge-           damals intensive musikalische Kontakte
    schichte komponierten und noch im           pflegten, lange bevor sie ein Liebespaar
    selben Jahr bei Friedrich Hofmeister in     wurden. Sie musizierten miteinander
    Leipzig und seinem Bruder Carl Schu-        und tauschten sich im Gespräch und in
    mann in Schneeberg erschienenen und         Briefen über Musik aus. Es war auch
    seinem Lehrer Friedrich Wieck gewid-        geplant, die Impromptus op. 5 Friedrich
    meten Impromptus sur une Romance            Wieck zu seinem Geburtstag am 18.
    de Clara Wieck op. 5 schrieb Schumann       August in gedruckter Form zu überrei-

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chen, was gelang und dem Widmungs-         verlag führte, weist daraufhin, dass
träger große Freude machte. Das neue       Schumann den Druck selbst finanziert
Werk brachte dem 23jährigen Kompo-         hatte, da er das Werk unbedingt zu
nisten wenig Erfolg, da die auf Wirkung    Friedrich Wiecks Geburtstag vorlegen
bedachte gefällige Brillanz fehlte.        wollte. Ein Nachdruck 1834 bei Richault
                                           in Paris brachte zunächst auch kaum
Ein konservativer Kritiker wie Gottfried   Resonanz. Nachdem alle Versuche, eine
Weber wusste in seiner Sammelrezen-        Neuauflage mit kleineren Korrekturen,
sion von Schumanns Klavierwerken op.       die man in den gestochenen Druckplat-
1-3 und 5 nicht mehr als sein Befrem-      ten anbringen konnte, zunächst bei
den zu äußern, ohne auf Einzelheiten       Hofmeister, dann bei Whistling in Leip-
überhaupt einzugehen: „Nicht versagen      zig und Luckhardt in Kassel gescheitert
darf ich aber dem (wie ich wiederholt      waren und die Schumann gehörenden
voraussetze, jungen) Componisten das       Platten wohl verloren gingen, brachte
Zeugnis, dass aus seinen – nicht sowohl    eine Anfrage des rührigen Hamburger
unreifen, als vielmehr im Treibhaus        Musikverlegers Schuberth vom 19. März
vorzeitigen Haschens nach Ausser-          1850 die Wende. Dieser bot dem in-
ordentlichkeit gereiften Productionen      zwischen als Komponisten etablierten
dennoch so viel Genialität hervorblickt,   Schumann an, Neuauflagen einiger ver-
dass man gar nicht wissen kann, ob er      griffener früherer Werke, u.a. der
nicht, aus dem gegenwärtigen Gewirre       Abegg-Variationen op. 1, der Impromp-
abentheuerlicher Tongebilde, seiner        tus op. 5 und der Davidsbündlertänze
Zeit den Weg zur Einfachheit und           op. 6 herauszubringen. Während Schu-
Natürlichkeit zurück, und von da zur       mann dies für op. 6 und später für die
Höhe der Kunst finden wird.“               Symphonischen Etüden op. 13 und die
                                           Grande Sonate op. 14 (vorher Concert
Im Jahre 1842 war die praktisch im         sans Orchestre, beide auf dieser CD)
Selbstverlag erschienene kleine Auflage    akzeptierte, einigte er sich für die
der Impromptus op. 5 vergriffen – die      Impromptus op. 5 nun doch mit Hof-
Erwähnung auf dem Titelblatt von           meister, der Schumann sogar ein gutes
Schumanns Bruder Carl, der in Schnee-      Honorar zahlte und die Neue Ausgabe
berg einen Buch-, aber keinen Musik-       im Juli 1850 publizierte.

                                                                                     7
Da einige Nummern teilweise tiefgrei-      ebenso wie das Vorbild von Beethovens
    fend bearbeitet wurden, eine (Nr. 4,       Eroica-Variationen op. 35, mit dem
    jetzt III) ganz neu gefasst wurde und      witzigen Einfall, zunächst nur den Bass
    das 11. Impromptu wegfiel, musste          des Themas vorzustellen. Darauf wies
    eine neue Stichvorlage erstellt werden.    bereits Franz Liszt in seiner kurzen, aber
    Aus begreiflichen Gründen wurde die        sehr anerkennenden Rezension des
    Widmung an Friedrich Wieck auf dem         Werks im November 1837 in der Revue
    Titelblatt gestrichen, obwohl es eine      et Gazette Musicale de Paris hin.
    oberflächliche Versöhnung gegeben          Schumann gelang es aber, durch den
    hatte. In dieser Version fand das Werk     Rückgriff auf Bach (und Beethoven)
    immer mehr Anklang, so dass man 1863       und den Verzicht auf jegliche äußere
    eine weitere Ausgabe „mit einem An-        Bravour „eine neue Form zu variiren“
    hange, die Varianten der ersten Aus-       erstmals in überzeugender Weise zu
    gabe enthaltend“, veröffentlichte. Clara   erproben. Dies zeigt sich nach vielen
    Schumann nahm die Impromptus op. 5         harmonischen, rhythmischen und kla-
    allerdings erst 1866 in ihr Repertoire     viersatztechnischen Überraschungen in
    auf und spielte sie eher selten. Der       den Impromptus 1-9 vor allem in dem
    Verleger legte sogar 1871 eine sehr gut    letzten (zehnten) und längsten, das
    gemachte Bearbeitung für Klaviertrio       Finalcharakter hat. Es weist mit einem
    (von Friedrich Hermann) vor – zu den       fulminanten Fugato, das sich drama-
    populären Werken Schumanns zählten         tisch steigert, mehr als deutlich auf
    die Impromptus op. 5 aber nie.             barocke Vorbilder, wächst zu orches-
                                               traler Klangfülle, um dann – nur in der
    Die hier nach der Neuen Ausgabe von        Druckversion von 1833! – in von Pausen
    1850 eingespielten Impromptus über         durchsetzten Themenfetzen leise und
    ein Thema von Clara Wieck op. 5 ge-        langsam zu verklingen, ohne eine Dur-
    hören zu den eindrucksvollsten frühen      Terz in den letzten drei Takten. Die
    Klavierwerken Schumanns. Dass der          Fassung von 1850 bietet hier einen
    Dreiundzwanzigjährige inzwischen Kom-      vergleichsweise viel konventionelleren
    positionsunterricht (bei Heinrich Dorn)    Schluss in drei leisen C-Dur-Schluss-
    genommen hatte und über eine überle-       akkorden.
    gene Satztechnik verfügte, merkt man

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Etudes en forme de Variations op. 13        ein und entwickelt dabei zugleich
                                            seine Vorstellungen von der Gattung:
Schumanns Symphonische Etüden op.           „...Auch gegen das Material zum The-
13 gehören heute zu den bekanntesten,       ma hab’ ich einzuwenden, daß es schon
beliebtesten und am häufigsten auf          zu variationsmäßig ist... Gegen Themas
Tonträgern eingespielten seiner revo-       war ich von jeher sehr streng, weil sich
lutionären frühen Klavierwerke. Sie         der ganze Fortbau darauf gründet...
existieren in drei zum Teil erheblich       Was die Variationen selbst anlangt, so
voneinander abweichenden Fassungen,         mach’ ich Ihnen den Vorwurf, den die
die den Zeitraum vom Herbst 1834            neuere Schule gern anführt, daß zu viel
(Beginn der nur handschriftlich überlie-    Charakterähnlichkeit drinnen herrscht.
ferten Fantaisies et Finale bzw. Varia-     Das Object bei Variationen soll zwar
tions pathétiques), dem Erstdruck als XII   immer fest vor einem liegen, aber das
Etudes Symphoniques op. 13 von 1837         Glas, mit dem man es ansieht, ein ver-
bis zu dessen Neuausgabe von 1852           schieden gefärbtes sein, ähnlich wie es
unter dem neuen Titel Etudes en forme       in Parken aus buntem Glase zusammen-
de Variations umfassen – erst in dieser     gesetzte Scheiben giebt, wodurch die
letzten Version fand das Werk rasch         Gegend jetzt rosaroth wie im Abend-
Eingang ins Repertoire.                     glanz, jetzt golden wie bei einem
                                            Sonnenmorgen erscheint u. dgl. Ich
Die Anregung zu diesem von Anfang an        spreche hier eigentlich gegen mich
groß angelegten Variationszyklus ver-       selbst, da ich selbst über Ihr Thema in
dankte Schumann dem Hauptmann von           diesen Tagen Variationen geschrieben
Fricken, dem Adoptivvater seiner dama-      habe, die ich ‚pathetische’ nennen will;
ligen Braut Ernestine, der als Amateur      doch hab’ ich versucht, das Pathetische,
Flöte blies und komponierte. Fricken        wenn etwas davon drinnen ist, in
hatte ihm Variationen über ein eigenes      verschiedene Farben zu bringen.“
Thema in cis-Moll zur Begutachtung
überlassen. In einem Brief vom 19. Sep-     Am 28. November 1834 meldete Schu-
tember 1834, der allerdings nur als         mann: „Mit meinen Variationen steh‘
Konzept überliefert ist, geht er ausführ-   ich noch am Finale. Ich möchte gern
lich auf dieses (leider verlorene) Werk     den Trauermarsch [das Thema von

                                                                                       9
Fricken, das in einem Entwurf mit            neuen Titel Variations Symphoniques
     „quasi Marcia funebre“ überschrieben         herauszugeben, scheiterte, blieb das
     ist] nach und nach zu einem recht            ambitionierte Projekt zunächst liegen;
     stolzen Siegeszug steigern u. überdieß       auch der renommierte Leipziger Verlag
     einiges dramatisches Interesse hinein-       Peters wollte es – mit einer Widmung
     bringen, komme aber nicht aus dem            an den neuen erfolgreichen Leiter der
     Moll u. mit der ‚Absicht‘ beim Schaffen      Gewandhauskonzerte, den von Schu-
     trifft man oft fehl u. wird zu materiell.    mann bewunderten Freund Mendels-
     Erfaßt mich abermal der günstige Au-         sohn – im April 1836 nicht drucken.
     genblick, so will ich mich wie ein Kind      Schließlich erklärte sich Haslinger in
     ihm hingeben. Ich würde diese Compo-         Wien, der sich zuvor ablehnend verhal-
     sition meine beste nennen, wüßt‘ ich         ten hatte, doch bereit, das Werk unter
     nicht, daß man meist gerade seine            dem Titel Etüden im Orchestercharakter
     letzte Arbeit für die beste hielte.“ Am      von Florestan und Eusebius zu ver-
     18. Januar 1835 beendete Schumann            öffentlichen – so heißt es in einer Ver-
     das Werk, das im Autograph zunächst          lagsanzeige im Mai 1836.
     tatsächlich mit Variations pathetiques,
     dann mit Fantaisies et Finale überschrie-    Doch den entscheidenden Impuls zur
     ben war und trotz vieler Streichungen,       endgültigen Gestalt verdankt Schu-
     Korrekturen und Umstellungen in der          mann erst der inspirierenden Begeg-
     Reihenfolge der Stücke durchaus einen        nung mit Chopin in Leipzig am 12. Sep-
     geschlossenen Werkcharakter besitzt,         tember 1836. Damals spielte Chopin im
     was auch die Widmung an die Gattin           kleinen Kreis, zu dem auch Mendels-
     des Barons von Fricken beweist. Die          sohn und die Gebrüder Hermann und
     Einspielung dieser Fassung (auf der          Raymund Härtel, seine wichtigsten
     Doppel-CD Variationen mit Florian            Verleger, gehörten, die Balladen g-Moll
     Uhlig, hänssler classic 17040) erlaubt so-   op. 23 und F-Dur op. 38 und einige der
     mit einen aufschlussreichen Blick in         noch ungedruckten Etüden op. 25 vor
     Schumanns Werkstatt.                         und beeindruckte sowohl durch seine
                                                  Kompositionen wie sein Spiel alle
     Da ein Angebot an Breitkopf & Härtel         sehr. Am 18. September 1836 notierte
     im Dezember 1835, das Werk unter dem         Schumann in seinem Tagebuch: „Etu-

10
den componirt mit großer Lust u. Aufre-      Leipzig kennengelernt, als das Finale
gung. Den ganzen Tag am Clavier.“            längst fertig war, so dass dies keine
Es handelte sich um die Etüden 3, 6-9        Absicht, sondern vielleicht ein hübscher
und 11 der Druckversion von 1837, die        Zufall war, wie man ihn damals in
zum Teil extrem schwierig, zum Teil          Musikerkreisen zu schätzen wusste.
ausgesprochen orchestral konzipiert sind     Bennett seinerseits, ein heute sehr zu
und Chopin nur im technischen und mu-        Unrecht fast gänzlich vergessener Kom-
sikalischen Anspruch, aber keineswegs        ponist, war über das ihm gewidmete
im Stil nacheifern. Wegen Arbeitsüber-       Werk entzückt; er schrieb am 26. Au-
lastung beider Seiten konnte die Aus-        gust 1837 aus Cambridge an Schumann:
gabe unter dem endgültigen Titel XII         „Mein lieber Freund, Sie sind wirklich
Etudes Symphoniques op. 13 (in die-          ein recht guter Mensch, weil sie solcher
ser Version auf der Doppel-CD Varia-         ein schoner Brief an mich geschrieben
tionen mit Florian Uhlig, hänssler classic   haben. Nun, lieber Kerl, wie geht es mit
17040) erst im Juni 1837 erscheinen.         ihnen... ich bitte Sie, kommen und woh-
                                             nen bei mir für ein halbes Jahr, wenn
Lange wurde behauptet, dass Schu-            sie ja saggen, werde ich Sie abholen –
mann im glanzvollen Finale in Des-Dur,       Coventry & Hollier [Londoner Musikver-
das in der ersten Fassung schon fast         lag] werden gleich ihre Etuden drücken,
vollständig ausgereift war, eine Ro-         ich habe sie sehr viel gespielt und viele
manze aus Heinrich Marschners Erfolgs-       vergnugen gehabt – “
oper Der Templer und die Jüdin (Ur-
aufführung Leipzig 1829) mit den Wor-        Im Februar 1852 kam bei Schuberth &
ten „Du stolzes England, freue dich“         Comp. in Hamburg, Leipzig und New
als Huldigung an den Widmungsträger          York eine Edition nouvelle revue par
William Sterndale Bennett (1816-1875)        l’Auteur mit der neuen Bezeichnung
zitiert habe. Schumann hatte den hoch-       Etudes en forme de Variations heraus.
begabten englischen Pianisten und Kom-       Diese Firma zählte zu Schumanns wich-
ponisten, von dem er einmal schrieb,         tigsten und eifrigsten Verlegern, wie
er sei „Engländer durch und durch, ein       bereits erwähnt, und hatte die Rechte
herrlicher Künstler, eine poetische schö-    an dem Werk bereits 1850 von Haslin-
ne Seele“ aber erst im Herbst 1836 in        ger erworben. Heute wird meistens die

                                                                                         11
neue Fassung gespielt, in der neben        heber hingewiesen: „Les notes de la
     kleineren Eingriffen in den Notentext,     melodie sont de la Composition d’un
     vor allem im Finale, die Etüden 3 und 9,   Amateur.“ In den Variationen, die sich,
     wohl wegen ihrer enormen technischen       seinen eigenen Ausführungen im Brief
     Schwierigkeiten und ihrer Ferne zum        an Hauptmann von Fricken folgend,
     Thema, gestrichen sind, wobei man          bald weit vom Thema entfernen, bald
     allerdings meist nicht auf die beiden      sich ihm wieder nähern oder Teile
     eliminierten Stücke verzichtet. Fünf       daraus verarbeiten, entwirft Schumann
     weitere, von Schumann nicht veröffent-     sowohl in der vorläufigen wie in der
     lichte, aber musikalisch sehr reizvolle    endgültigen Fassung einen farbigen
     Variationen aus dem Autograph von          Kosmos klaviertechnischer Möglichkei-
     1835 wurden erst 1873 bei Simrock in       ten und zeigt sich zugleich als Meister
     Berlin von Johannes Brahms publiziert,     der Klavier- und Satztechnik, womit der
     allerdings mit zahlreichen Eingriffen in   (spätere) Titel „Etüde“ gerechtfertigt
     den Notentext und mehr oder weniger        erscheint. Da er aber zugleich alle
     sinnvollen Ergänzungen der Dynamik         klanglichen Register des Instruments
     und Phrasierung. Der Versuch, diese        ausschöpft, lässt sich auch das Attribut
     vom Komponisten ausgeschiedenen            „symphonisch“ erklären, das ja keines-
     Stücke nachträglich in eine der beiden     wegs eine Abkehr von den Möglichkei-
     Druckfassungen einzufügen, ist zum         ten des Klaviers, sondern eine phanta-
     Scheitern verurteilt, weil so nur ein      sievolle, Orchesterfarben evozierende
     viel zu langer, falsch proportionierter    Erweiterung signalisiert. Peter Tschai-
     Mammutzyklus entstehen kann, was           kowski hat als Student am Konserva-
     gar nicht im Sinne des Komponisten         torium in St. Petersburg 1863/64 eine
     ist.                                       kongeniale Orchestration der 11. und
                                                12. Etüde (= Finale) geschaffen. Dass
     Das cis-Moll-Thema, das Schumann 1848      Schumann die Erstfassung noch mit
     im Geisterbannfluch aus seiner Musik       Fantaisies et Finale überschrieben hat,
     zu Byrons Manfred (op. 115) noch ein-      ist dadurch zu erklären, dass fast alle
     mal aufgreift, ist von schlichter und      diese „Variationen“ und ganz beson-
     ernster Schönheit. In der Erstausgabe      ders das Finale sich wesentlich mehr
     wird durch eine Fußnote auf den Ur-        Freiheiten gegenüber dem Thema her-

12
ausnehmen als dies in den später kom-      Ausgabe (1853), bei op. 17 (Große
ponierten Stücken der Fall war.            Sonate) nur in Autographen. Beide
                                           sind eindrucksvolle Zeugnisse von Schu-
Die Symphonischen Etüden haben (in         manns tiefem Leiden an der erzwunge-
der Druckfassung von 1837) auch ein-       nen völligen Trennung von Clara Wieck,
mal in Schumanns Leben eine entschei-      zu der er nach dem Willen ihres Vaters
dende Rolle gespielt: Clara Wieck setzte   noch nicht einmal brieflichen Kon-
drei von ihnen auf das Programm ihres      takt haben durfte. Das Concert sans
Leipziger Konzerts am 13. August 1837      Orchestre op. 14 kreist um einen Varia-
und gab damit Schumann nach langer         tionszyklus über ein Andantino de
schmerzlicher Zeit der vom Vater Wieck     Clara Wieck, über die Fantasie op. 17
erzwungenen Trennung ein unmiss-           schrieb Schumann am 18. März 1838 an
verständliches Zeichen ihrer noch nicht    Clara: „Der erste Satz davon ist wohl
erloschenen Neigung, das von diesem        mein Passionirtestes, was ich je gemacht
voller Freude empfangen wurde, so          – eine tiefe Klage um Dich –“
dass es kurz darauf zu einem erneuten
gegenseitigen Treuegelöbnis kam.           Beide Werke sind von ungewöhnlicher
                                           technischer Schwierigkeit und daher
Grande Sonate f-Moll op. 14                konsequenterweise zwei der bedeu-
                                           tendsten Pianisten der Zeit gewidmet:
Innerhalb eines Jahres, zwischen Ende      das Concert sans Orchestre op. 14 Ignaz
1835 und Ende 1836, komponierte            Moscheles (1794-1870), dem Lehrer und
Schumann zwei seiner bedeutendsten         Freund Mendelssohns und Vertreter
frühen Klavierwerke, das Concert sans      der älteren Pianistik in der Nachfolge
Orchestre f-Moll op. 14 und die Fantasie   Mozarts und Beethovens, und die
C-Dur op. 17, die neben ihrer groß         Fantasie op. 17 Franz Liszt (1811-1886),
angelegten kühnen Konzeption noch          dem revolutionären Protagonisten ei-
viele weitere Gemeinsamkeiten haben.       ner neuen Form von grenzenloser Virtu-
Beide sind eigentlich als Sonaten ange-    osität, die das Publikum in staunendes
legt, werden aber im Erstdruck nicht       Verzücken versetzte. Es ist wohl auch
so genannt. Der Titel Grande Sonate        kaum ein Zufall, dass der Anfang des
erscheint bei op. 14 erst in der zweiten   Andantino de Clara Wieck aus op. 14,

                                                                                      13
eine von der Quinte zur Tonika herab-        hen, denn ein Konzert ohne Orchester
     steigende ganz einfachen Tonfolge,           macht eigentlich keinen Sinn, da das
     auch den ersten Satz der Fantasie            Prinzip des „Konzertierens“, also des
     op. 17 beherrscht.                           „Wetteiferns“ zwischen dem Solisten
                                                  und dem Orchester, nicht möglich ist.
     Im Winter 1835/36 komponierte Schu-          In Bachs Italienischem Konzert F-Dur
     mann eine fünfsätzige (!) Klaviersonate      BWV 971 gab es jedoch auch hierfür
     f-Moll (mit zwei Scherzi in Des-Dur und      ein berühmtes Vorbild, das im Jahre
     f-Moll an zweiter und dritter Stelle), die   1836(!) als Neudruck in Leipzig heraus-
     er am 3. Februar 1836 dem mit ihm            kam.
     befreundeten Verleger Tobias Haslinger
     in Wien anbot. Noch bevor dieser am          Dies geht auch aus einem Brief des Ver-
     30. März 1836 das Werk annahm, kün-          legers an Schumann vom 13. Juni 1836
     digte Schumann dem von ihm bewun-            deutlich hervor: „Ihre Idee mit dem
     derten Ignaz Moscheles am 8. März an,        Concert halte ich für die Zeit (mit der
     dass er ihm „eine neue Sonate“ wid-          man doch immer gehen soll) sehr pas-
     men wolle. Da der Verleger offenbar          send, und es soll mir lieb seyn, selbes
     mit der ungewöhnlichen Form und der          bald zu erhalten, um ganz nach Ihren
     damit verbundenen Länge des Werks            Wünschen damit vorzugehen. Ich hoffe
     Probleme hatte, strich Schumann beide        daß Sie zufrieden seyn werden, indem
     Scherzi sowie zwei Variationen im            ich dieß Ihr neues[tes(?)] Werk (trotz
     vierten Satz, Quasi Variazioni über das      der vielen im Zug habenden Artikel) so-
     Andantino de Clara Wieck, die erst 1984      gleich nach Empfang im Stich geben
     bei Henle in München im Druck erschie-       werde… Nach meiner unmaßgeblichen
     nen, und schrieb ein neues Finale. Die       verleger’schen Meynung dürfte wohl
     Idee, das nunmehr dreisätzige Werk           ein kurzes Vorwort (von einer Seite)
     Concert bzw. Concert sans Orchestre zu       zwekmäßig seyn, worinn angedeutet,
     nennen, kam aber sicher nicht, wie von       daß dieses Concert blos für das Pianof.
     Schumanns erstem Biographen Wasie-           allein componirt worden sey, wenn sich
     lewski behauptet wurde, vom Verleger,        dieses mit ein Paar Worte nicht auf
     sondern von Schumann selbst. Sie ist         dem Titel selbst ausdrük[en(?)] ließ. Der
     natürlich durchaus ironisch zu verste-       Gegenstand ist neu, soll neu seyn, und

14
die Bahn brechen.“ Das Vorwort wurde       kennen. In Concerten ist man (leider)
nicht geschrieben; doch folgte Schu-       gewohnt, neben der Einheit im Style
mann dem Verleger mit dem zunächst         einige Rücksichten auf glänzende Bra-
nicht vorgesehenen Zusatz sans Or-         vour oder cokettirende Eleganz des
chestre. Schon am 30. Juli 1836 konnte     Spielers genommen zu sehen, welche in
Schumann Moscheles melden, dass „ein       diesem Werk keinen Platz finden konn-
Concert für Clavier a l l e i n“ in vier   ten, ohne es von dem Standpuncte
Wochen in „Ihren Händen sein“ werde,       zu entfernen, den ihm Ihre Phantasie
„und dann mögen Sie sich nur wun-          eingeräumt hat. Der Ernst und die Lei-
dern, was man für tolle Einfälle haben     denschaft, die im Ganzen herrschen,
kann“. Die Ausgabe erschien tatsächlich    stehen sehr im Gegensatz mit dem, was
im September 1836.                         ein Concert-Auditorium unserer Zeit
                                           erwartet. Es will eines Theils nicht tief
Da Schumann sich in der von ihm be-        erschüttert werden, und andern Theils
gründeten und geleiteten Neuen Zeit-       fehlt es ihm an den Fähigkeiten und der
schrift für Musik, dem Organ des musi-     musikalischen Weihe, solche Harmo-
kalischen Fortschritts, nicht gut selbst   nieen und genialische Verschlingungen
rezensieren konnte, griff er im Februar    zu verstehen und aufzufassen, wie es
1837 auf den freundlich-kritischen Dan-    nur den Ohren und dem Gemüthe mög-
kesbrief von Moscheles (der sich für die   lich ist, welches bewandert ist in der
Widmung übrigens später mit seiner         höheren Sprache der Heroen der
Sonate E-Dur op. 121 für Violoncello       Kunst.“
und Klavier (1850) revanchierte) vom
20. Dezember 1836 zurück – leider          Franz Liszt kritisierte in seinem berühm-
hatte Moscheles die Ironie des Titels      ten, für Schumanns Reputation als Kom-
nicht ganz verstanden und schrieb u.a.:    ponisten wichtigen Artikel in der
„In Motivirung des Titels ließe sich       Pariser Revue et Gazette Musicale im
Einiges einwenden. Das Werk hat we-        November 1837 den Titel, bemerkte
niger die Erfordernisse eines Concertes,   dann aber: „Betrachtet man das Werk
und mehr die charakteristischen Eigen-     jedoch als ‚Sonate’, so ist es reichhaltig
heiten einer g r o ß e n Sonate, wie       und bedeutend. Der Anfang und die
wir einige von Beethoven und Weber         Melodik des ersten Allegro sind groß-

                                                                                        15
artig; in der Folge finden wir die          diese Form ständig unterlaufen, durch
     gleichen Qualitäten des Stils wieder, die   die Verwischung der Grenzen von Form-
     wir schon an anderer Stelle bewundert       teilen, die dann wieder ein Eigenleben
     haben. Besonders das Finale, eine Art       entwickeln, durch die Vermeidung des
     von Toccata in sechs Sechzehnteln, ist      klassischen Themendualismus sowie
     ein außerordentlich interessantes Stück     durch harmonische, satztechnische und
     durch seine harmonischen Kombinatio-        rhythmische Experimente, die in der
     nen, deren Fremdheit ohne die außer-        Klaviermusik dieser Zeit einzig daste-
     ordentliche Schnelligkeit des Satzes        hen. Der Charakter einer ausweglosen
     nichtsdestoweniger unser Ohr ein we-        Leidenschaft, die im Gestus, nicht in der
     nig verletzen könnte.“                      Form auf Beethovens Appassionata (So-
                                                 nate f-Moll op. 57) zurückweist, ist auch
     Ungeachtet aller Diskussionen um die        im ähnlich strukturierten Finale zu
     ungewöhnliche Konzeption dieses Werks       erkennen, einem dämonischen, rhyth-
     steht in seinem Zentrum im wahrsten         misch verzwickten Perpetuum mobile
     Sinne des Wortes das Andantino de           im seltenen 6/16-Takt, das auch in der
     Clara Wieck, dessen Vorlage verschollen     Harmonik an eine barocke Toccata
     ist, mit ursprünglich sechs, später vier    erinnert, worauf schon Liszt hingewie-
     Variationen – (Quasi Variazioni lautet      sen hat. Obwohl ungewöhnlicherweise
     hier Schumanns etwas kryptische Über-       alle drei Sätze des Concert sans Or-
     schrift) –, bei denen das Thema wenig       chestre in derselben Tonart, f-Moll,
     verändert, sondern nur zart umspielt        stehen, kommt keine Monotonie auf,
     wird und dabei seinen traurig-resignati-    da Schumann sowohl in der Chromatik
     ven Charakter immer deutlicher aus-         als auch in den Modulationen weite
     prägt, bis zu den neun glockenartigen       und ungewöhnliche Wege geht.
     f-Moll-Akkorden, die am Schluss verhal-
     len. Der Anfang des Themas erscheint        Das Concert sans Orchestre gehört zu-
     im 1. Satz zunächst im Bass und durch-      sammen mit den Impromptus op. 5,
     dringt ihn in allen nur denkbaren Um-       den Davidsbündlertänzen op. 6, den
     gestaltungen. Mit einiger Mühe kann         Symphonischen Etüden op. 13 und der
     man einen ersten Sonatensatz erken-         Kreisleriana op. 16 zu jenen frühen
     nen – doch werden die Erwartungen an        Klavierwerken, die Schumann anlässlich

16
einer Neuauflage, meist bei einem neu-     Brahms edierte zweite Scherzo, die
en Verleger, mehr oder weniger grund-      zwei gestrichenen Variationen zum
legend umarbeitete. In diesem Fall         Andantino de Clara Wieck, eine Rekon-
handelte es sich um eine tiefgreifende     struktion des ursprünglichen Finale
Neugestaltung, denn die im Juli 1853       (Presto possibile f-Moll) zusammen mit
bei Julius Schuberth (Hamburg/Leip-        einer neu entdeckten Vorstudie dazu
zig/New York) als Grande Sonate            (Romanze f-Moll), beides Fragmente,
(Deuxième Edition) erschienene Neu-        die von Joachim Draheim und Florian
fassung setzt das erste Scherzo (Des-      Uhlig ergänzt wurden, zum Teil als
Dur) wieder an die zweite Stelle, der      Erstaufnahmen eingespielt. Dies lädt zu
erste Satz wurde u.a. im Tempo und in      reizvollen Vergleichen mit der Grande
der pianistischen Gestalt etwas überar-    Sonate op. 14 auf dieser CD ein, womit
beitet und das Finale statt im 6/16-Takt   sich der Kreis dieser ersten wirklichen
im 2/4-Takt notiert, aber ohne die musi-   Gesamtaufnahme aller zweihändigen
kalische Substanz zu verändern. Das        Klavierwerke von Robert Schumann
zweite Scherzo (Vivacissimo) in f-Moll     schließt.
mit kantablem Mittelteil in F-Dur, ein                            Joachim Draheim
rhythmisch widerborstiges Stück, aller-
dings ohne thematische Verklamm-
erung mit dem zentralen Andantino de
Clara Wieck, wurde erst 1866 anonym
von Johannes Brahms zusammen mit
der ursprünglichen Fassung des Schluss-
satzes der Sonate g-Moll (Presto passio-
nato) bei Rieter-Biedermann (Leipzig/
Winterthur) veröffentlicht.

Auf der CD Schumann und die Sonate I,
erschienen im Schumann-Jahr 2010
(hänssler classic 98.603), hat Florian
Uhlig das Concert sans Orchestre op. 14
in der Druckfassung von 1836, das von

                                                                                     17
Florian Uhlig                              ersten Klavierabend. Er studierte am
                                                Royal College of Music und an der Roy-
     „Florian Uhlig spielt meisterhaft. Die     al Academy of Music in London, wo er
     Interpretationen lassen sich mit aller-    seine Ausbildung mit dem Konzert-
     höchsten Beispielen vergleichen. Bei       examen abschloss. Weitere wichtige Im-
     dieser erstaunlich originellen CD han-     pulse erhielt er durch die Arbeit mit
     delt es sich um ein Ereignis.“ (Süddeut-   Peter Feuchtwanger und durch seine
     sche Zeitung)                              Promotion an der University of London
                                                über die Rolle des Interpreten im Kontext
     So urteilte der Kritikerpapst Joachim      des musikalischen Gattungsbegriffs.
     Kaiser über eine im Jahr 2009 erschiene-
     ne Einspielung von Florian Uhlig mit       Bei Florian Uhlig verbinden sich Gegen-
     Beethovens Klaviervariationen für das      sätze auf ungewöhnliche Art und
     Label hänssler CLASSIC. Seitdem veröf-     Weise. Einerseits ist er in der deutschen
     fentlichte Florian Uhlig bei diesem        Musiktradition verwurzelt, mit der man
     Label rund 15 weitere Aufnahmen, die       Ernsthaftigkeit, Stil und Struktur verbin-
     von der internationalen Fachpresse         det. Andererseits entwickelte er wäh-
     hoch gelobt und mit Auszeichnungen         rend seines jahrelangen Aufenthaltes in
     bedacht wurden (z.B. Preis der Deut-       London einen individuelleren Umgang
     schen Schallplattenkritik): das Gesamt-    mit dem musikalischen Werk als auf
     werk für Klavier und Orchester von         dem „Kontinent“ üblich: pointierte Frei-
     Robert Schumann und Dmitri Schosta-        heiten, exzentrische Repertoire-Kombi-
     kowitsch, Klavierkonzerte von Ravel,       nationen und Neugier auf musikalische
     Poulenc, Françaix, Debussy und Pende-      Raritäten.
     recki, sowie das Gesamtwerk für Klavier
     solo von Ravel und Schumann. Insge-        Sein Orchesterdebüt gab Florian Uhlig
     samt 17 CDs (in 15 Ausgaben) sind für      1997 im Londoner Barbican. Seitdem
     den Schumann-Zyklus geplant, 16 sind       führt ihn eine rege Konzerttätigkeit
     bislang erschienen.                        in die bedeutendsten internationalen
                                                Säle. Er konzertiert mit Orchestern wie
     Florian Uhlig wurde in Düsseldorf gebo-    dem BBC Symphony Orchestra, dem
     ren und gab mit zwölf Jahren seinen        Beijing Symphony Orchestra, der Deut-

18
schen Radio Philharmonie, der Dresdner      Im Jahr 2009 rief Florian Uhlig in Süd-
Philharmonie, der Hong Kong Sinfo-          afrika das Johannesburg International
nietta, dem Polnischen Radio-Sinfonie-      Mozart Festival ins Leben. Als Künst-
orchester, dem Simón Bolívar Youth          lerischer Leiter lenkt er seitdem die
Orchestra of Venezuela, dem National        Geschicke dieses zweiwöchigen Festi-
Symphony Orchestra of Taiwan, dem           vals, das zusätzlich zu hochkarätig
Kammerorchester des Bayerischen Rund-       besetzten Sinfonie-, Chor-, Kammer-
funks, dem Stuttgarter Kammeror-            und Solokonzerten wichtige Impulse im
chester und dem Wiener Kammeror-            Bereich interdisziplinärer künstlerischer
chester. Seine künstlerische Zusammen-      Projekte, zeitgenössischer Musik sowie
arbeit verbindet ihn mit Dirigenten wie     Jugendförderung und gesellschaftlicher
Krzysztof Penderecki, Josep Caballé,        Integration setzt.
Claus Peter Flor, Eivind Gullberg Jensen,
Kristjan Järvi, Michael Sanderling und      Zum Sommersemester 2014 wurde
Gerard Schwarz.                             Florian Uhlig auf eine Professur für
                                            Klavier an der Hochschule für Musik
Einladungen zu Festivals führten Florian    Carl Maria von Weber Dresden berufen.
Uhlig u.a. zu den Beethovenfestivals in     Seit 2019 nimmt er diese Position an der
Bonn und Warschau, zu Lorin Maazels         Musikhochschule Lübeck wahr. Er gibt
Castleton Festival, zum Menuhin Festi-      Meisterkurse in Deutschland, Großbri-
val Gstaad, zum Hong Kong Arts Festi-       tannien, Kanada, Hong Kong, Süd-
val, zu den Festspielen Mecklenburg-        korea, China und in der Schweiz.
Vorpommern, France Musique Paris,
zum Schleswig-Holstein Musik Festival,      Im Mai 2015 wurde Florian Uhlig in
zu den Schwetzinger Festspielen und         London die Ehrenmitgliedschaft der
den Wiener Festwochen.                      Royal Academy of Music verliehen.

Neben seiner solistischen Tätigkeit ist             www.florian-uhlig.com
Florian Uhlig ein vielgefragter Kammer-
musiker und Liedpianist. Er war der
letzte Partner des legendären Baritons
Hermann Prey.

                                                                                        19
Robert Schumann                             dacious speculation, have hitherto been
ENGLISH

               Complete Works for Piano 15                 taken into account only in exceptional
                                                           cases.
               For over 60 years, repeated efforts have
               been made to capture on sound carriers      The first true complete recording of
               (first vinyl, then CD) Robert Schumann’s    Robert Schumann’s works for piano solo
               Complete Works for Piano solo, a fascin-    on 17 CDs (in 15 volumes), played
               atingly broad and varied spectrum           by Florian Uhlig, seeks for the first time
               ranging from highly virtuosic pieces for    to offer imaginative compilations on
               the concert hall and valuable literature    CD (e.g. “Robert Schumann and the
               for teaching purposes. This attractive      Sonata”, “The Young Piano Virtuoso”,
               and yet challenging assignment was not      “Schumann in Vienna”, “Schumann
               always approached with the necessary        and Counterpoint”, “Variations”) con-
               intellectual rigour, quite apart from any   taining all original works for pianoforte
               purely artistic shortcomings, and so none   written between 1830 (Abegg Vari-
               of these sets can justly be deemed          ations op. 1) and 1854 (Ghost Variations)
               “complete”. Schumann had published a        according to the newest critical editions
               string of works (Impromptus op. 5,          and/or first editions. Several of these
               Davidsbündlertänze op. 6, Etudes Sym-       CDs include premiere recordings. The
               phoniques op. 13, Concert sans Orches-      booklets by Joachim Draheim, who
               tre or Sonata in F minor op. 14 and         discovered and/or edited a number of
               Kreisleriana op. 16) in two more or less    the works, shed light on the biographi-
               divergent versions, so that it is highly    cal and musicological background to
               questionable whether an edition can be      the works thus coupled.
               labelled “Complete Recordings” if it
               only contains one of those versions or      Early Works in Second Editions II
               worse still, makes a misguided attempt
               to combine two of them. Meanwhile,          Between 1850 and 1853, that is to say
               works that were published at remote         during his last few months in Dresden
               locations or remained unpublished,          and his years in Düsseldorf, Robert
               along with fragments that could easily      Schumann reissued five of his most
               be completed without resorting to au-       important early piano works from the

          20
years 1833-1838 (Impromptus op. 5,          leriana are much revised. I regret that
1833; Davidsbündlertänze op. 6, 1838;       in earlier times I spoiled my pieces so
XII Etudes Symphoniques op. 13, 1837;       often, and in such wilful manner. All
Concert sans Orchestre op. 14, 1836;        this is now eradicated.” This observa-
Kreisleriana op. 16, 1838) and the Lie-     tion must have been primarily intended,
derkreis von Eichendorff op. 39 (1842)      in Schumann’s dealings with a friendly
in new editions and partly from different   but sometimes slow-to-pay publisher, to
publishers. The resultant changes to the    justify the expensive engraving of new
printed music and to the texts, some-       plates and the fee due to the composer
times substantial, at other times more      for them. The changes, including 20 addi-
marginal, are not infrequently over-        tional but already familiar bars, are relati-
looked altogether in the Schumann           vely few, but nevertheless extensive
literature, or else under- or over-rated,   enough to justify the re-engraving.
and the intention behind such changes
is often misunderstood.                     The new editions of Davidsbündler-
                                            tänze op. 6 and Kreisleriana op. 16
The revised editions are not occasioned     (1850, on the CD Frühe Werke in zwei-
– as was the case with the Piano Trio       ter Ausgabe I with Florian Uhlig, hänss-
op. 8 of Johannes Brahms, a work of         ler classic 17038) and the Impromptus
his youth that the composer radically       op. 5 (Neue Ausgabe 1850), XII Etudes
rewrote for the second edition of 1891      Symphoniques op. 13 (Etudes en forme
– by any dissatisfaction felt by the com-   de Variations, Edition nouvelle revue
poser with “immature” juvenile works        par l’Auteur, 1852) and Concert sans Or-
that he might wish to leave for poster-     chestre op. 14 (Grande Sonate op. 14,
ity in improved and refined form,           Deuxième Edition, 1853) were not due
though such discontent has sometimes        to artistic self-doubt but to Schumann’s
been assumed. It has to be admitted         sober pragmatism, a quality that is
that Schumann himself fed such specu-       largely denied him by the many trivial
lation when he wrote to his new pub-        publications on music history, but con-
lisher Whistling in Leipzig on November     stantly demonstrated in his editorship
20, 1849 in respect of the New Edition      of the Neue Zeitschrift für Musik and by
of the Kreisleriana op. 16: “The Kreis-     his dealings with a variety of publishers.

                                                                                            21
Robert Schumann’s reputation as a          Some of the early works that took time
     composer had risen steadily since the      to establish themselves but eventually
     mid-1840s and so he rarely had to seek     found a larger audience had sold out in
     out a publisher, finding that they ap-     the meantime and had in any case to
     proached him themselves, though they       go into new editions. The more or less
     almost always wanted piano works,          self-published Impromptus op. 5 and
     provide they did not bristle with tech-    Davidsbündlertänze op. 6 now readily
     nical difficulties, and Lieder with        found a publisher ready to pay a fee for
     piano accompaniment. Schumann, for         the privilege. Tobias Haslinger, a friend
     his part, had meanwhile turned to mu-      of Beethoven’s, had published opp. 13,
     sic for orchestra, chamber music, choral   14 and 16 between 1836 and 1838, but
     works with and without accompani-          he died in 1842 and his renowned and
     ment and eventually opera (Genoveva)       successful publishing house had lost its
     – all works that were not guaranteed to    lustre, making it appropriate for Schu-
     sell and if so, then only in the long      mann to find a better-placed firm. Such
     term. So as not to keep disappointing      a publisher was Julius Schuberth, then
     his publishers, with whom he often had     based in Hamburg and Leipzig with a
     a close and friendly relationship, Schu-   newly-opened branch in New York, who
     mann issued collections in 1851 and        took the initiative in approaching Schu-
     1853 headed Bunte Blätter (“motley         mann after the commercial success of
     leaves”, op. 99) and Albumblätter (op.     Album für die Jugend op. 68 (1848).
     124) consisting of shorter and easier      Schumann naturally took the oppor-
     pieces for piano written between 1832      tunity to eliminate minor errors and in-
     and 1849, which had generally been         consistencies in the new editions and
     included in larger cyclical works but      reprints, ensuring clearly printed nota-
     had been weeded out not for musical        tion, adjusting the proportions slightly
     reasons but on formal grounds, along       – whether through abridgement or
     with “album leaves” and occasional         addition – and taking care to see that
     works for family and friends together      pieces he often considered among his
     with early sketches that he revised,       best were fully adapted to the new
     enlarged or completed.                     circumstances without compromise to
                                                the substance and inherent quality of

22
the works. How this was achieved in       although it was already inscribed in his
each case will be discussed at the        diary in 1830.
appropriate point.
                                          The theme thus seems to have formed a
Impromptus on a Theme by                  musical bond between the 13-year-old
Clara Wieck op. 5. New Edition            Clara Wieck and her older friend and
                                          admirer Robert Schumann; despite the
Schumann was to write of his Impromp-     nine years between them, they kept in
tus sur une Romance de Clara Wieck        close contact about matters musical
op. 5, composed in May and June 1833      long before they were lovers. They
after a long and complex period of        made music together and exchanged
gestation and published later that year   ideas about music in conversations and
by Friedrich Hofmeister in Leipzig and    letters. The plan was to present the
by his brother Carl Schumann in           Impromptus op. 5 to Friedrich Wieck as
Schneeberg and dedicated to his tea-      a present for his birthday on August 18;
cher Friedrich Wieck, in an autobio-      they successfully carried it out, to the
graphical sketch of that episode in his   great delight of the dedicatee. The new
life: “For most of the time [1832/33,     work was not much of a success for its
after composition lessons with Heinrich   23-year-old composer, because it lacked
Dorn, combined with intensive study of    the showy brilliance that was so popu-
counterpoint] I was almost always busy    lar.
with Bach; this was the stimulus that
generated the Impromptus op. 5, which     A conservative critic like Gottfried
may be seen as a new form of varia-       Weber was unable in his combined
tion.” This highly original variation     review of Schumann’s piano works opp.
cycle is based on a theme that the com-   1-3 and 5 to do more than show himself
poser had borrowed from the accom-        dismayed, without being specific in any
plished young pianist Clara Wieck, who    way: “However, I may not deny the (as I
wrote a technically demanding varia-      repeatedly note, young) composer the
tion work of her own on the same          testimonial, that from his productions –
Romance (Romance variée op. 3) and        not so much immature as rather forced
dedicated it to him in August 1833,       in the hothouse of a premature search

                                                                                     23
for the extraordinary – so much genius      Julius Schuberth offered him new
     nevertheless emerges that one cannot        editions of a number of out-of-print
     know whether he may not, from the           early works, among them the Abegg
     present jumble of adventurous for-          Variations op. 1, Impromptus op. 5 and
     mations in sound, in time find his way      Davidsbündlertänze op. 6. While Schu-
     back to simplicity and naturalness, and     mann accepted this offer for op. 6
     from thence to the height of the art.”      and later for his Symphonische Etüden
                                                 op. 13 and the Grande Sonate op. 14
     By 1842 the modest edition of the           (previously Concert sans Orchestre, both
     Impromptus op. 5, which had in effect       to be found on this CD), he eventually
     been privately published, was out of        placed the Impromptus op. 5 with
     print. A reference on the title page to     Hofmeister, who even paid Schumann a
     Schumann’s brother Carl, a book rather      generous fee and published the New
     than music publisher in Schneeberg,         Edition in July 1850.
     indicates that Schumann had financed
     publication himself in order to present     As some numbers were substantially
     the work to Friedrich Wieck on his          altered, one of them (No. 4, now III)
     birthday. An 1834 reprint by Richault in    entirely rewritten and the 11th
     Paris again attracted little attention at   Impromptu dropped, new plates had
     the time. All attempts to secure a new      to be engraved. The dedication to
     edition – first from Hofmeister, then at    Friedrich Wieck was understandably
     Whistling in Leipzig and Luckhardt in       dropped from the title page, even if
     Kassel – with minor corrections, which      there had meanwhile been a superficial
     could be made to the already engraved       reconciliation. The new version found
     printing plates, were in vain; the plates   increasing favour, leading to a reissue in
     themselves, which were Schumann’s           1863 “with an appendix, containing the
     property, were presumably lost or           variants of the first edition”. Clara
     destroyed. Relief came in the form of       Schumann, for her part, did not add
     an approach of March 19, 1850, by the       the Impromptus op. 5 to her repertoire
     enterprising Hamburg publishing house       until 1866 and played them relatively
     of Schuberth. Acknowledging Schu-           seldom. In 1871, the publisher even pre-
     mann as a fully established composer,       sented a well-crafted arrangement for

24
piano trio (by Friedrich Hermann); for     in a blazing Fugato, dramatically rising
all that, the Impromptus op. 5 were        to orchestral richness of sound, only for
never among Schumann’s more popular        the transfiguration – in the printed
works.                                     edition of 1833, that is – to die away
                                           slowly and softly in thematic fragments
The Impromptus über ein Thema von          interrupted by rests, without a major
Clara Wieck op. 5 presented here accor-    triad in the last three bars. The 1850
ding to the New Edition of 1850 are        version arrives at a far more convention-
among the most impressive of Schu-         al conclusion, by comparison, in three
mann’s early piano works. The fruits of    soft closing chords in C Major.
the twenty-three-year-old’s lessons in
composition (from Heinrich Dorn) are       Etudes en forme de Variations op. 13
clearly to be heard, as is his superior
composing technique; and so is             Schumann’s “Symphonic Studies” op. 13
the model provided by Beethoven’s          are now among the best known, best
“Eroica” Variations op. 35, with the       loved and most often recorded of his
bright idea of beginning with only the     revolutionary early works for piano.
bass of the theme. Franz Liszt had         They survive in three often sharply
alluded to this in November 1837 in his    divergent versions, occupying the
short but highly appreciative review of    period from the autumn of 1834 (when
the work in the Revue et Gazette           he began on the Fantaisies et Finale, or
Musicale de Paris. Schumann never-         Variations pathétiques, handed down
theless convincingly succeeded, with his   only in manuscript), by way of the
recourse to Bach (and Beethoven) and       publication of the work as XII Etudes
his avoidance of all outward pomp and      Symphoniques op. 13 of 1837, to the
show, in his essay at “a new form of       new edition which appeared in 1852
variation”. This is shown most clearly,    and – in this final form – promptly
after many harmonic, rhythmical and        entered the repertoire.
technical surprises in Impromptus 1-9,
in the last (tenth) and longest, which     The inspiration to write this large-scale
has the character of a finale. It proves   cycle of variations came from Capt.
its indebtedness to Baroque precedent      Baron von Fricken, the adoptive father

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of Ernestine, to whom Schumann was be-         On November 28, 1834, Schumann re-
     trothed at the time. The baron was an          ported: “I am now up to the Finale of
     amateur flautist and composer, and had         my variations. I should like to work up
     sent Schumann some variations on a             the Funeral March [Fricken’s theme, a
     theme of his own in C sharp Minor. In a        draft of which is headed “quasi Marcia
     letter of September 19, 1834, which has        funebre”] little by little into a truly noble
     survived only as a rough draft, Schumann       triumphal procession & also introduce
     gives his opinion of this (sadly lost) work,   some dramatic interest, but cannot
     enlarging in the process on his concept        shake off the minor key & with one’s
     of the genre: “…And I have this objec-         ‘intentions’ in composing, one often
     tion to the material of the theme, name-       misses the mark & grows too worldly.
     ly that it is already too variational…         Should the right moment catch me
     Where the theme is concerned I have al-        again, I will submit to it like a child.
     ways been very strict, because the whole       I would call this composition my best,
     elaboration is based upon it… As for the       did I not know that one generally holds
     variations themselves, I would make the        one’s last work to be the best.”
     criticism that the newer school likes to
     advance, that there is too much similarity     Early in the new year, on January 18,
     of character in them. In variations, the       1835, Schumann ended the work, the
     object should always remain firmly             autograph of which really was at first
     before one, but the glass through which        headed Variations pathetiques, then
     one sees it should be variously coloured,      Fantaisies et Finale; despite frequent
     like the stained-glass panes one sees in       crossings-out, corrections and changes
     parks, where the view appears now rosy         in the order of the pieces, it possesses
     as at sunset, now golden as on a sunny         the character of a finished work, as
     morning, and so on. I lay this charge          indicated by the dedication to the wife
     actually against myself, because in the        of Baron von Fricken. The recorded
     last few days I have given your theme          performance of this version (on the
     variations of my own, which I may call         double CD Variationen with Florian
     ‘pathetic’; yet I have sought to bring out     Uhlig, hänssler classic 17040) thus offers
     the pathos, if it is to be found within        an enlightening glimpse of Schumann’s
     them, in various colours.”                     workshop.

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