SPIELEN WIR BERICHTEN ÜBER SPIELECLUBS SPIELGRUPPEN SPIELORTE /-PLÄTZE SPIELELÄDEN U.V.M - Stadt Rheinfelden
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59 | Juli/August 2018 | gratis erhältlich
SCHWERPUNKT
SPIELEN
WIR BERICHTEN ÜBER Rheinfelden (Baden) | Vale of Glamorgan
Städtepartnerschaft
SPIELECLUBS
Twinning towns
1968 - 2018
SPIELGRUPPEN
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2Liebe Leserin, lieber Leser,
Rheinfelden
i
n der letzten Ausgabe
Lebenswert. Liebenswert. porträtierten wir eine
passionierte Gamerin, in
der aktuellen Sommeraus-
IMPRESSUM
gabe geht es ums „analoge“
Spielen. Denn entgegen den
Herausgeber
Stadt Rheinfelden (Schweiz), Stadt Rheinfelden (Baden) Unkenrufen von Kulturpessimisten werden weiterhin
Legosteine zusammengebaut, wird in geselliger Run-
Redaktion Heft 59
de gewürfelt, im Park Fussball oder Kubb gespielt, auf
Claudius Beck, Stephanie Braun, Brigitte Brügger,
Michelle Geser, Eduardo Hilpert, Peter Löwe
Laienbühnen geprobt. Und auch die Spielwarenläden
finden trotz online Handel immer noch ihre Kund-
Fotos Inhalt Autoren, wenn nicht anders vermerkt schaft, wie Sie in diesem Heft lesen können.
Titelfoto Hans Raab, Sparkasse Lörrach-Rheinfelden
Realisation Peter Löwe, www.Loewe-Werbeagentur.com Der Mensch ist ein „Homo Ludens“ und der Historiker
Druck Poppen & Ortmann Druckerei und Verlag KG Freiburg Johan Huizinga war gar der Meinung, „ohne seine
Auflage 6.000 Exemplare
Lust und Fähigkeit zum Spielen hätten sich ganze
ISSN 1664-4778 Bereiche seiner Kultur nicht entwickelt: die Dichtung,
Verteilung das Recht, die Wissenschaft, die bildende Kunst, die
Auslage in Gemeindeverwaltungen, Geschäften,
Philosophie und viele andere“. Kultur entsteht also
Bibliotheken, Schulen und Kultureinrichtungen
Bezug im Abo möglich: Infos auf der vorletzten Seite „spielend“; durch eine zweckfreie und eher unver-
Rheinfelden (Schweiz): Verteilung an Abonnenten nünftige Tätigkeit. Was für ein schöner Gedanke.
der Neuen Fricktaler Zeitung
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September/Oktober: 31. Juli 2018
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Schwerpunkt: Spielen EDITORIAL 3FACE TO FACE und
noch ganz analog
Spielernaturen, von links:
Karin Erni, Regula Geering, Roland
Orzech, Ralph Kreztschmar und
Holger Dozsa.
Der Fricktaler Spielclub besteht seit 33 Jahren. In seinen Reihen sind Spieler «Mensch ärgere dich nicht» könnte wohl
naturen, die es über alles lieben, gemeinsam an einem Tisch zu sitzen und jeder auf Anhieb spielen, ohne Einführung.
ihrer Leidenschaft zu frönen: 2018 nicht anders als 1985. Doch ein bisschen Aber von den einfachen Würfelspielen sind
sie schon lange abgekommen und «Mono-
B
digital sind sie inzwischen auch.
poly» hat Emmenegger, immerhin schon
seit Anfang der 90er-Jahre beim Spielclub
is heute ist alles bestens doku- kann sich noch an den Spielablauf erin- dabei, bei den Freitagstreffs überhaupt
mentiert, in den Annalen der nern. Aber den Anderen, die heute Abend noch nie gespielt. In den 33 Jahren seit
Clubgeschichte. Zehn Spieler zum Spielen vorbeigekommen sind, sagt Gründung hat sich bei den Gesellschafts-
waren sie beim ersten Treffen das nichts mehr. Max Emmenegger, seit spielen so einiges getan. «Die grosse Wen-
am 12. April 1985. Sie spielten 15 Jahren Präsident des Clubs: «Wir haben de zu raffinierteren Spielen kam mit «Die
von sieben Uhr abends bis 2 Uhr in der rund 100 Gesellschaftsspiele in unserem Siedler von Catan», 1995», berichtet Em-
Früh. Und sie spielten so ziemlich alles, was Sortiment, aber nur bei rund der Hälfte menegger. «Village», 2011 erschienen, ist
eben Mitte der 80er-Jahre in war: Bekann- weiss ich noch, wie sie gespielt werden. sein Liebling, weil «toll und abwechslungs-
tes wie «Scotland Yard» und «Hase und Bei der anderen Hälfte müsste ich erst die reich». In einem fiktiven Dorf müssen die
Igel», Vergessenes wie «Can‘t Stop» und Anleitung studieren.» Spieler die Geschicke einer Familie lenken.
«Focus», immerhin «Spiel des Jahres 1981». Die Lebenszeit der Dorfbewohner ist aber
Bis heute liegen die Schachteln in den
Schränken im Vereinslokal im Waldhof im
Augarten, wo sich die rund 20 Mitglieder
B eim Spiel, das sie sich heute vorgenom-
men haben – «Camel up» – brauchen
sie die Anleitung nicht zu lesen. Ralph
begrenzt und alle Tätigkeiten, denen sie
nachgehen, kosten Zeit. Ziel des Spiels ist
es, durch geschicktes Güter- und Zeitma-
des Fricktaler Spielclub bis heute treffen, Kretzschmar, seit 2008 Mitglied, erklärt nagement die meisten Siegpunkte zu er-
einmal im Monat, immer am ersten Frei- den Ablauf. Er hat das Spiel gekauft, von reichen. «Eile mit Weile» spielen sie zwar
tag. Gründer Erich Manz war seinerzeit der dem Geld, das sie mit den 20 Franken Mit- nicht, dafür aber eine Weiterentwicklung
erste Präsident. Er ist heute noch Mitglied, gliedsbeitrag pro Jahr einnehmen. Miete des Klassikers namens «Brändi Dog». Die
kommt aber zu den Monatstreffen nicht brauchen sie für das Clublokal keine zu be- Figuren werden hier nicht durch würfeln
mehr. Manz hat seinerzeit selbst ein Spiel zahlen. So bleibt noch genug Geld übrig für bewegt, sondern mit Spielkarten. Alles
erfunden: «Verzauberte Eulen» hiess es. die Getränke und die Knabbereien, die bei in allem ein variantenreicheres und tak-
den Spielabenden auf den Tisch kommen. tischeres Spiel als das Original und das
E ines der Gründungsmitglieder, das bis
heute dabei ist, ist Markus Mosimann.
Er holt «Can‘t Stop» aus dem Schrank und K lassiker wie «Monopoly», «Eile mit
Weile» oder das damit verwandte
einfach auf zusammengesteckten Holz-
teilen. Bei «Zug um Zug» geht es darum,
Eisenbahnlinien quer durch die USA zu
4 FRICKTALER SPIELCLUBDas gemeinsame Spiel verbindet die Mitglieder des Fricktaler Spielclub, vorne Markus Mosimann und Beat Stoll.
Der Fricktaler Spielclub hat rund 100 Gesellschaftsspiele in seinem Sortiment.
legen. «Es ist einfach aber lustig und bei
den Mitgliedern sehr beliebt», sagt Em-
menegger. Holger Dosza aus Stein ist ei-
nes davon. Seit drei Jahren dabei, sucht
er bei den freitäglichen Treffen Erholung
von der Arbeit und, weil aus Deutschland
stammend, Integration in der Schweiz.
«Die Spielkultur geht doch immer mehr
verloren», meint er.
S ie könnten «Die Siedler von Catan»,
und wie die noch neueren Spiele heu-
te alle heissen, auch in digitaler Form, als
App, auf einem Tablet oder Smartphone gegen die Schnelligkeit der modernen zu haben und es darauf zu spielen. «Aber
spielen, mit Mitspielern aus Amerika oder Welt, gegen die Hektik des Internetzeit- eigentlich nur so mal zwischendurch, beim
sonstwo, die übers Internet zugeschaltet alters, gegen die Vereinzelung des Men- Warten auf den Zug oder von unterwegs.»
sind. Aber die Mitglieder des Fricktaler schen vor seinen elektronischen Appara- Sonst gebe ihm das Analoge mehr, das
Spielclub machen es lieber auf die altmodi- ten wollen sie ihren Club nicht begreifen. Anfassen der Spielfiguren, die Interaktion,
sche Art an einem Tisch bei Bier und Chips, Emmenegger: «Wir sind keine Weltver- die nur das gemeinsame Spiel in einem
vor sich das bunt bedruckte Spielfeld, face besserer, keine Missionare, wir haben ein- Kreis von Gleichgesinnte bietet, die sich
to face, noch ganz analog und wie vor 33 fach einen Plausch daran.» Die einen sind allfreitäglich in Rheinfelden versammeln,
Jahren. Einer der rund 20 besucht auch Mitglied des Fricktaler Spielclub, weil sie aus einem Umkreis, der von Basel bis Frick
immer die Schweizer Meisterschaft im vom Spielen nicht genug bekommen – reicht. Und wenn sie die Digitaltechnik
Siedler-Spielen, wo sich die Enthusiasten Emmenegger jasst und spielt auch Skat – dazu nutzen, dann auch dazu, herauszu-
in noch grösseren Gruppen einfinden. 2017 die anderen, weil Partner und Familie die finden, was aus dem Spiel von Vereins-
wurde Kretzschmar Dritter. Leidenschaft dafür eher weniger teilen. gründer Erich Manz geworden ist – «Ver-
zauberte Eulen». Ralph Kretzschmar sucht
E in bisschen wie aus der Zeit gefal-
len wirkt das schon, anachronistisch.
Schön, dass es so etwas heute noch gibt,
A ber so ganz offline sind sie dann auch
wieder nicht. Emmenegger räumt
ein, «Die Siedler von Catan» tatsächlich
danach auf seinem Smartphone und kann
noch Spuren davon ausfindig machen.
möchte man meinen. Aber als Statement als App auf seinem Smartphone installiert Hans Christof Wagner
FRICKTALER SPIELCLUB 5„SPIELE-KLASSIKER sind voll im Trend“
Es darf gespielt werden in Rhein 2011 war’s, als er im Zuge der Schließung auch Monopoly sind seiner Erfahrung
felden. Denn es gibt ihn noch, den des Kaufhauses Blum mit einem eigenen nach immer gefragt und weiter beliebt.
kleinen Spieleladen, in dem sowohl Spielwarengeschäft startete. Zuvor war Und a propos Monopoly: Adlberger hat ei-
er im einschlägigen Online-Handel tätig. ne spezielle Ausgabe für Rheinfelden mit
Kinder als auch Erwachsene eine
Immer wieder sei er auf ein Spielzeug- hiesigen Straßen und Plätzen kreiert. Am
große Auswahl an Spielen und Uten geschäft von den Kunden angesprochen Weihnachtsmarkt will er an einem Stand
silien finden, deren Nutzung Freude worden. „Der Bedarf war also da, und mit dem Verkauf starten.
und Spaß bereiten. Ingo Adlberger Rheinfelden ohne echtes Spielwarenge- Neben all den Spielen, und zwar die am
betreibt sein Geschäft in der Wer schäft, das geht gar nicht“, dachte er da- liebsten „Made in Germany“ aufweisen,
derstraße 1 in der Rheinfelder Innen mals bei sich. Und so kaufte er vor rund mit teilweise zehn Jahren Garantie, wes-
sieben Jahren alle Regale der Blum’schen halb auch Billigprodukte bei ihm nichts
stadt. Unter dem Namen „Mons
Spielzeugabteilung auf und eröffnete in im Regal zu suchen haben, findet man
terspaß – der Spieleladen“ hat der
der Folge einen eigenen Laden. Der war hier auch allerlei Partybedarf. Dazu gesel-
41-Jährige allerhand für Groß und zunächst in der Zährigerstraße beheima- len sich eine top-Auswahl an Kontaktlin-
Klein auf Lager. tet. Später eröffnete er sogar in der Wer- sen, Kunstblut sowie Bühneschminke und
derstraße ein zweites Geschäft. Ende De- Profi-Make up. Fündig wird man zudem in
zember 2013 entschied er sich allerdings Sachen Spaß und Horror. „Und so was ha-
dafür, nur noch einen einzigen Laden zu ben wir nicht nur zu Halloween vorrätig“,
betreiben, und zwar jenen in der Werder- lacht der Geschäftsmann.
straße am heutigen Standort. „Hier hat es
nicht nur eine größere Ladenfläche, son- Und: Da wäre ja auch noch die Sparte Bal-
dern auch noch ein Lager und Kelleräu- lon. Diese Sparte war bislang schon gut
me“, so Adlberger. bestückt, soll aber künftig noch deutlich
Und keine Frage: Auswahl und Sorti- aufgewertet werden. Geschenkballons
ment sind reichhaltig. Da gibt es Kinder- aller Art und für jeden Anlass, lautet die
fahrzeuge, ein kleines Angebot an Kin- Devise. Ob Taufe, Geburtstag, Jubiläum,
derbüchern, Puzzles sowie Vieles, was die Feste jeglicher Art und Hochzeiten:
Kinder zur Kreativität animiert und wo „Monsterspaß“ baut den passenden und
sie etwas lernen können ebenso wie Spie- inspirierenden Ballon für die Kunden. „Ich
le aller Art, und zwar dies für Kinder und fahre extra für ein Ballon-Seminar nach
Erwachsene. Belgien, um noch Neues zu lernen“, sagt
„Gerade Gesellschaftsspiele und Klas- Adlberger. Denn während das Thema Bal-
siker sind wieder voll im Trend“, hat der lon hier eher stiefmütterlich daherkom-
Geschäftsmann festgestellt. Ein „Spiel me, seien die Belgier in Sachen Ballons
des Jahres“ verliere bald seine Magie, federführend. Man darf also gespannt
doch Spiele wie Mensch ärgere dich nicht, sein, was der Geschäftsmann demnächst
Ingo Adlberger betreibt in der Werderstraße das Spiel-
Rommé, Skat, Jass, Uno, Dam und Mühle, für Ballons hier aufbläst.
zeuggeschäft „Monsterspaß“ und weiß, was angesagt ist Skibbo, Mikado, ganze Spiele-Sets oder Gerd Lustig
6 SPIELELADEN MONSTERSPASSTV Rheinfelden und Sparkasse Lörrach-Rheinfelden rufen seit 27 Jahren zum Spielfest ins Europastadion
Die 27. Auflage findet am 8. Juli statt
Dem SPIELTRIEB freien Lauf lassen
Einen Tag lang spielen, spielen und nochmals spielen sowie nach Herzenslust dem Spieltrieb frönen: Dafür steht
seit weit über 2 Jahrzehnten das Sparkassen-Spielfest im Rheinfelder Europastadion. Was 1991 von der Sparkasse
Lörrach-Rheinfelden als Sponsor und dem TV Rheinfelden als Ausrichter aus der Taufe gehoben wurde, besitzt
längst Kultcharakter.
V
on Beginn an war der sportlich- wird betreut von insgesamt 100 eh- einig und spricht damit auch den Besu-
fröhliche Event ein Renner. Der renamtlichen Helfern vom TVR und chern und dem vielköpfigen Helferteam
zweite Sonntag im Juli ist Spiel- auch von anderen Vereinen. Stets sind aus der Seele. Glücklich schätzt sich die
festtag. Am 8. Juli in diesem Jahr jährt er aber wieder neue Angebote dabei, die TVR-Chefin auch über das Mittun zahl-
sich zum 27. Mal. Von 10 bis 17 Uhr ist al- für Abwechslung beim Spielen, To- reicher Vereine. Verlässliche Partner beim
les rund um den grünen Rasen auf Spiel ben, Hüpfen und Springen sorgen. Spielfest sind seit vielen Jahren THW, Ju-
eingestellt. Auch der Oberbürgermeister gendfeuerwehr Warmbach, MSV Kloster-
schaut regelmäßig vorbei, wenn mehr als Ob beim Sackhüpfen, Apfelfischen, Becher weiher und seit einigen Jahren auch die
500 Kinder an mehr als 20 Spielstationen tragen über Luftmatratzen und Blindgang Eichendorffschule und die Schillerschule.
glänzende Augen bekommen. über diverse Gegen- Und letztlich noch das
stände, ob bei der Was- »Der Name Spielfest ist i-Tüpfelchen. Wer von
Und mehr noch: „Das Spielfest ist in al- serspritze, Schwamm- einfach Programm.« den Kindern einen
lererster Linie eine Veranstaltung für die wurf, Stelzenlauf oder komplett ausgefüllten
ganze Familie“, betont Ina Heidemann aus letztlich beim Bierkistenklettern: Überall Mitmachzettel der Spielstationen ablie-
dem Vorstandsteam des TVR. Groß und kommt schnell Freude und Begeisterung fert, der bekam am Ende noch einen der
Klein kommen hier zwanglos zusammen auf. Ähnlich dem olympischen Gedanken, zahlreichen von der Sparkasse gestifteten
sowie Alt und Jung. „Familienfreundlich- ist hier beim Spielfest im Europastadion Preise. Und wenn mit den Kindern gleich-
keit gehört schon immer zu unserer Ver- Dabeisein ganz wichtig und geradezu zeitig auch die Eltern mitgemacht hatten,
einsphilosophie“, erklärt Klaus Romeike, alles. Action und Spielfreude löst immer gibt’s für die Kleinen zur Belohnung noch
bei dem seit drei Jahren die Fäden der wieder auch das Wäscheaufhängen ge- ein Eis. Und im Stadionrund sieht man
Organisation zusammenlaufen. Mit Lob gen Mutti oder Papi aus. Begehrt sind na- in aller Regel viele Eis schleckende Kids.
spart daher auch Hans Raab, zuständig für türlich bei großer Hitze die zahlreichen „Dass Eltern oder auch Omas und Opas
Presse- und Öffentlichkeit bei der Sparkas- Wasserspiele. Ein Übriges tun Schubkar- mitmachen, daran haben wir wirklich
se Lörrach-Rheinfelden nicht: „Ich kann renstaffel oder Torwandschießen. ganz große Freude“, tönt es aus der TVR-
mir keinen besseren Partner als den TV Vorstandsetage. Keine Frage: Nicht nur so
Rheinfelden für das Spielfest vorstellen.“ „Der Name Spielfest ist einfach Pro- mancher Papa entdeckt hier beim Spiel-
Das Gros der knapp zwei Dutzend gramm“, ist sich Ina Heidemann mit ih- fest das Kind im Manne. Auf geht’s!
Spielstationen ist alljährlich gleich, rem Vorstandskollegen Klaus Romeike Gerd Lustig
SPIELELADEN MONSTERSPASS 7Seit 30 Jahren spielen Kinder in der Spielgruppe «Hoigümper» in Rheinfelden
«SPIELEN ist der kindliche
Zugang zur Welt» Beim Guten-Morgen-Ritual kommt
K
die Gebärdensprache zum Einsatz.
napp 50 Kinder besuchen Mittlerweile ist es kurz vor 8.30 Uhr. da haben wir etwas für die Mamis gebas-
regelmässig die Spielgruppe Die ersten Papis und Mamis treffen mit telt. Jetzt basteln wir für die Papis», sagt
«Hoigümper» an der Kupfer- ihren Kleinen ein. Es gibt keine langen die Leiterin. Bei den «Hoigümper» werden
gasse in Rheinfelden. Für das Abschiedsszenarien. Die Kinder kennen viele Rituale und Traditionen gelebt und
Vorschulkind steht das Spiel sich aus und fühlen sich hier wohl. Schon gefeiert. So basteln sie im November Later-
im Zentrum seines Lebens. haben sie ihre Finken angezogen und be- nen für den Martinstag, bereiten sich im
Die Spielgruppenleiterinnen Noelia ginnen irgendwo an einem Tisch etwas Dezember auf den Samichlaus vor und fei-
De la Cruz und Patricia Böni empfangen zu spielen. Bald sind alle Kinder da, und es ern Weihnachten. Und Anfang Jahr basteln
die Journalistin sehr herzlich. Im freund- geht los mit dem Morgenritual. Die Klei- sie für die Fasnacht und für Ostern. «Lueg
lichen Raum der Spielgruppe «Hoigüm- nen sitzen im Kreis und singen das «Guten e Schlange», sagt ein kleiner Bub zur Jour-
per» ist es so früh am Morgen noch ganz Morgen-Lied» mit entsprechenden Gebär- nalistin. Immer und immer wieder macht
ruhig. Es wird nicht lange dauern, da kehrt den. Noelia De la Cruz betont, dass Gebär- sich die Schlange selbständig, und er muss
hier Leben ein. «Wir reden lieber jetzt ein den bei diesem Ritual wichtig seien, da nur die einzelnen «Chrälleli» wieder vom Bo-
bisschen, nachher wird es laut», empfiehlt ein Teil der Kinder hauptsächlich deutsch den aufheben. Er findet das aber lustig,
Noelia De la Cruz. Sie ist Hauptleiterin der spricht. «13 Kinder sind Schweizer Kinder, und lacht jedes Mal, wenn die Kette, die er
Spielgruppe und engagiert sich bereits seit 33 verfügen über eine Doppelnationalität liebevoll für Papa gebastelt hat, wieder auf
17 Jahren für die «Hoigümper». Die Mexi- oder einen Migrationshintergrund», er- den Boden fällt.
kanerin arbeitete früher in ihrer Heimat an klärt De la Cruz. Ergänzend zur Spielgruppe Nachdem die Kinder ihre Kunstwerke
der «American School». Auch in Japan hat bietet der Hoigümper auch eine Krabbel- vollendet haben, ist es wieder Zeit fürs
sie während eines Praktikums mit Kindern gruppe sowie eine «English Playgroup» für freie Spielen und fürs Bewegen. Jetzt toben
gearbeitet. Sie ist davon überzeugt, dass die Englisch-Muttersprachige und -Interessier- die Kinder, springen herum, klettern und
Spielgruppe Kindern die Spiel- und Lebens- te an. nutzen die Rutschbahn. Je wilder die Kin-
räume bietet, welche für ihren Entwick- der werden, desto höher wird der Lärmpe-
lungs-, Tätigkeits- und Erforschungsdrang Ein Geschenk für Papa gel. Jetzt erst begreift die Journalistin rich-
förderlich sind. «Zudem haben sie hier die Nach dem Morgenritual und dem Spielen tig, was die Spielgruppenleiterin anfangs
Möglichkeit, langsam erste Freundschaften sitzen die Kinder an den Tisch und begin- des Treffens gemeint hat. «Die Kinder
zu schliessen», erklärt die erfahrene Spiel- nen zu basteln. Sie basteln ein Geschenk müssen sich bewegen. Für Erwachsene ist
gruppen-Leiterin. für ihren Papa. «Kürzlich war Muttertag, Spielen meist nur ein unterhaltsamer Zeit-
8 SPIELGRUPPE HOIGÜMPERDie Kinder beim Bei der Spielgruppe «Hoigümper» wird
Balancieren. viel Wert auf die Bewegung gelegt.
Die Kinder basteln ein Für die Kinder sind die Spiel
Geschenk für ihren Papi. sachen alle sichtbar versorgt.
vertreib. Für Kinder ist Spielen die ‹Haupt- Jahr. Die Begleitung beinhaltet Weiterbil- besonders stark, denn in Rheinfelden gibt
sache›. Es ist ein Grundbedürfnis und für dungen sowie verschiedene Austausch- es viele Migrantenkinder, für welche die
ihre Entwicklung genauso wichtig wie treffen. Es werden Inhalte und Angebote Spielgruppe eine Möglichkeit zur Integrati-
Schlafen, Essen und Trinken. Und das gilt zu Bewegung und Ernährung vermittelt. on ist.» Brigitte Rüedin findet es ideal, dass
für jedes Kind gleichermassen, unabhän- Noelia De la Cruz freut sich sehr, mit den auch beim Leiterteam drei von fünf Frauen
gig von Kultur und Herkunft und davon, «Hoigümpern» bei diesem Projekt mit da- Migrantinnen sind.
ob es eine Behinderung hat. Im Spiel sam- bei zu sein. Sie spricht von den finanziellen Heraus-
melt das Kind grundlegende Erfahrungen, forderungen der Spielgruppe und der wert-
erlebt Gefühle wie Stolz, Enttäuschung, Als Verein organisiert vollen Arbeit aller Beteiligten, die zu einem
Freude und Wut. Spielen ist der natürliche Die Spielgruppe «Hoigümper» ist als Ver- grossen Teil ehrenamtlich geleistet wird.
Weg, sich mit der Welt vertraut zu machen, ein organisiert. Als Präsidentin fungiert die «Die Spielgruppe wird von der Stadt nicht
sie zu begreifen und auf sie einzuwirken. ehemalige Rheinfelder Stadträtin Brigitte unterstützt», so Rüedin.
Spielen ist der kindliche Zugang zur Welt», Rüedin. Mit Frühförderung befasst sie sich Zwischenzeitlich sind die Kinder ein biss-
beschreibt Noelia De la Cruz. bereits seit vielen Jahren. Aus ihrer Sicht chen unruhig geworden. «Jetzt ist höchste
gibt es einige Gründe, warum Spielgruppen Zeit für das Znüni», stellt Noelia De la Cruz
Als Purzelbaum Spielgruppe ausgewählt wie die «Hoigümper» sehr wichtig sind. fest. Sie, Patricia Böni und die Kinder sitzen
Die Spielgruppe «Hoigümper» ist als eine Der Aargauer Regierungsrat hat im Mai wieder in den Kreis und beginnen mit dem
von sechs Spielgruppen im Kanton Aargau 2016 beschlossen, sich der frühen Förderung Znüniritual. Geht der Spielgruppenleiterin,
für das Projekt «Purzelbaum Spielgruppe» anzunehmen und die Angebote in den Ge- nach so vielen Jahren, die Energie für die Ar-
ausgewählt worden. Fachpersonen haben meinden zu unterstützen. Er erachtet auch beit mit den Kindern nie aus? «Nein, es ist
aufgrund verschiedener Kriterien, die auf die Spielgruppen als sehr wichtig in seiner umgekehrt. Die Kinder geben mir Energie,
vielseitiger Bewegung und ausgewogener Familienperspektive. So werden die Ge- sie nehmen sie mir nicht. In dieser Zeit, in
Ernährung im Spielgruppenalltag beruhen, meinden in der Umsetzung aufgefordert, welcher die Kinder bei uns sind, entwickeln
«Purzelbaum Spielgruppen» ausgewählt. Projekte in der frühen Kindheit ebenfalls sie sich gewaltig. Und es ist sehr schön, dies
Der Schwerpunkt des Projekts liegt bei der zu unterstützen. mitzuerleben», erklärt Noelia De la Cruz mit
praxisorientierten Prozessbegleitung der Zudem findet Brigitte Rüedin: «In der einem Leuchten in den Augen.
Spielgruppenleiterinnen und dauert ein jetzigen Zeit braucht es den ‹Hoigümper› Janine Tschopp
SPIELGRUPPE HOIGÜMPER 9Spielorte in der Innenstadt
WASSERSPIELE im Kastanienpark
B
ei schönem Sonnenwetter
zieht es zahlreiche Familien
auf die Spielplätze oder ins
Freibad. Auch die Spielgeräte
bei den Wohnhäusern und in
Hinterhöfen sind Treffpunkt für zahlreiche
Kinder und ihre Eltern. Für ältere Kinder
und Jugendliche sind auch der Adelberg
und die städtischen Parkanlagen beliebte
Treffpunkte und zum Schwimmen und
Grillen gehen viele Familien an den Rhein
zwischen Adelberg und Industrie oder
auch ins Hertener Loch. Auch der Spazier-
gang im Wald gehört für viele Familien
noch immer zum Ausflugsprogramm, wo
Kinder in Berührung mit der Natur kom-
men. Das grüne Umland der Stadt verlockt
die Menschen zur Aktivität und zwischen
Warmbach und Herten kann man Rad-
fahrer und Spaziergänger sowie manches
Kind auf Inlinern sehen.
Das Café Metamorphose liegt in einem grünen Innenhof in der Hebelstraße
Sobald sich ein Sonnenstrahl zeigt ist auch
der Kastanienpark mit Müttern, Vätern man muss immer raus und vielbefahrene „Wir gehen auch gerne zum sogenannten
und Kindern belebt. Die auf dem Hügel Straßen überqueren, egal ob zum Herbert Abenteuerspielplatz am Gymnasium, aber
über der früheren Tiefgarageneinfahrt King-Park, zum Abenteuerspielplatz oder an heißen Tagen ist der extrem überfüllt
stehenden Wipptiere werden von Kin- zur alten Rheinbrücke.“ Für die Stadtkinder und man hat keinen Überblick mehr“, kri-
dern geradezu belagert, genauso wie der fände er einen Abenteuerspielplatz wie in tisiert Zerepski. „Es braucht irgendetwas in
große Rathausbrunnen, der im Sommer Schweizer Rheinfelden im Herbert-King- der Stadt, wo man beim Eisessen ein Päu-
auch schon als Pool für Kinder herhalten Park wünschenswert. schen machen kann.“
»Im Kernstadtbereich fehlt die Auch der dreijährige Jayden tollt oft durch Unweit des Rathauses kurz hinter der Nol-
Naherholung für kleine Kinder, den Kastanienpark, wo ihn besonders der linger Straße liegt das Café Metamorphose
man muss immer raus und vielbe- Brunnen als Wasserspielplatz begeistert von Dorothee Rottmann in einem Hinter-
fahrene Straßen überqueren.« und er auch gerne seine Kletterkünste aus- hof in der Hebelstraße. Das Café hat sie erst
probiert. An den wenigen Wipptieren ver- Ende April eröffnet. „Da sind immer Kinder
musste. Allerdings reicht vielen Eltern das liert er in der Regel schnell das Interesse, er- unterwegs“, lautete der Tipp einer Mutter.
Angebot nicht. Marisa Pertler meint, dass klärt seine Mutter Ismena Zerepski. „Mehr Die Betreiberin bestätigt das: „Das hat sich
Klettermöglichkeiten und eine Schau- Kinderspielzeug“, wünscht sich die junge von Anfang an so entwickelt. Tatsächlich
kel fehlen. Mit ihren drei Kindern Lean (7 Mutter. „Das fehlt, finde ich, aber etwas Ver- sind hier viele Familien, aber auch Rent-
Jahre), Leia (4 Jahre) und Linus (2 Jahre) nünftiges und nicht nur diese Wipptiere.“ ner kommen, mein ältester Kunde ist 92
kommen sie und ihr Ehemann Marc re- Sie merkt an, dass in der Fußgängerzone Jahre alt und kommt immer wieder. Es ist
gelmäßig in den Kastanienpark, da sie in noch andere Spielgeräte stehen, fände es schon gut gemischt.“ Das besondere Café
der Innenstadt wohnen. „Wir sind oft hier aber an einem Ort konzentriert besser. „Für verkauft in Kooperation mit dem AWO-
um den Brunnen herum oder wir gehen die Stadtkinder gibt es nichts in der Nähe. Schatzkästlein seine Einrichtungsgegen-
zum Lebküchle im Nollinger Wald oder Man muss immer zehn bis fünfzehn Mi- stände und Second-Hand-Kleidung. In der
Laufen am Rhein. Oft gehen wir auch zu nuten hinlaufen“, sagt Zerepski, die wie so genannten Blumenbude verkauft Rott-
den Ziegen und zum Spielplatz im Schwei- Pertlers mit dem Nachwuchs gerne ins Frei- mann auch Blumengestecke. Für Kinder
zer Rheinfelden“, erzählt Marisa Pertler bad oder zum Inseli geht. Ein Highlight für bietet das Café ein eigenes Spielzimmer
und Marc ergänzt: „Im Kernstadtbereich den Kleinen ist auch immer der Besuch des und im großen, von Bäumen beschatteten
fehlt die Naherholung für kleine Kinder, Spielplatzes im benachbarten Rheinfelden. Hof, wo kleine Kinder auf Dreirädern und
10 SPIELORTE INNENSTADTBobbycars umhersausen, steht ein Kinder- das Bienenprojekt des Imkers
spielhaus mit Rutsche und Sandkasten. Martial Chateauvieux, wo die
„Das Café ist aber nicht nur für Familien Kinder die fleißigen Tiere in
mit Kindern gedacht. Im Grunde sollen Aktion erleben können. „Die
sich hier alle austoben können“, sagt Rott- Kinder bleiben in Beziehung
mann, die auch Aktionstage wie beispiels- zur Natur und sehen, wie ihr
weise das Bedrucken von Kleidern oder das Essen wächst und gepflegt
Upcycling von Tetrapaks zu Geld- wird. Das ist für sie eine wun-
beuteln anbieten möchte. Im Ca- derschöne und bereichernde
fé Metamorphose gibt es leckere Erfahrung“, meint Bewernick.
Kuchen, regionale Limonade und Mit Blick auf die Kernstadt
regionales Bier, da können Eltern sagt sie, dass es schön wäre,
Lugh und Melina im Stadtgärtle
eine Ruhepause auf dem Weg zum wenn die Stadt auch einen
Abenteuerspielplatz einlegen. zentral gelegenen Spielort für
Kinder schaffen würde. „Alle
Gerade die hinter dem Hauptfried strömen zum Kastanienpark,
hof, unweit des Abenteuerspiel- der sollte auf jeden Fall als
platzes gelegene Metzgergrube hat Treffpunkt für Kinder besser
sich zu einem regen Treffpunkt für ausgebaut werden. Das würde
Kinder entwickelt, seit die ehema- die Stadt attraktiver machen“,
lige Kiesgrube im Rahmen des IBA- meint Bewernick.
Projekts KIT für die Bevölkerung
erschlossen wurde. Im Jahr 2015, Im Sommer 2013 hatten die für
zur Teilnahme der beiden Rhein- die Jugendarbeit zuständigen
felden am europäischen Grünwett- Stellen beider Rheinfelden
Cafébetreiberin Dorothee Rottmann mit Sohn Kurti
bewerb Entente Florale, wurde dort zusammen mit dem Bera-
eine Urban-Gardening-Gruppe ins tungszentrum KOBRA aus
Leben gerufen, die sich heute als Kandern und 180 Grundschü-
Stadtgärtle organisiert hat, und ein lern beider Kommunen einen
gerne von Jugendlichen genutzter Kinderstadtplan für die bei-
Pump-Track für BMX-Biker ange- den Städte erstellt. „Die Karte
legt. Die Mitglieder der Stadtgärtle-Gruppe ist kindgerecht gestaltet mit
pflegen nicht nur eigene Beete, sondern einer Legende, die nicht nur
auch öffentliche Beete, wo jeder Besucher beschriftet ist, sondern auch
zum Probieren zugreifen darf. Die Gruppe symbolisch die Orte darstellt,
ist offen für jeden und alle am Gärtnern etwa eine Schaufel für Spiel-
Interessierten können nach Absprache mit platz oder der Ball mit Dach
Joachim Schlageter, dem Leiter der Gruppe, bedeutet Sporthalle“, erklärt Leia und Lean wippen zusammen im Kastanienpark
auch eigene Beete anlegen. Lars Lucas vom Jugendreferat.
Auf Exkursionen hatten die
„Die Kinder pflanzen das, was sie gerade be- Schülern den Planzeichnern
sonders begeistert. Mein Sohn Lugh hat ge- ihre Lieblingsorte gezeigt, die
rade ein Beet mit Mohnblumen und seine diese auf den detaillierten
ältere Halbschwester Melina hat ein Beet Karten für beide Rheinfelden
nur mit Erdbeeren und Petersilie bepflanzt“, sowie auf Einzelkarten für
erzählt Stephanie Bewernick von der Stadt- die Rheinfelder Ortsteile ver-
gärtle-Gruppe. „Es gibt auch viele Tiere zum merkten. Neben Kindergärten,
Bestaunen. Ein momentanes Highlight ist Schulen und Spielplätzen sind
die Blindschleichenfamilie, die sich ein dort Tipps der Kinder wie Orte
kuschliges Nest eingerichtet hat.“ Auch am Wasser, Treffpunkte zum
zahlreiche Insekten wie Bienen, Hornissen Spielen und Kletterbäume Kinderstadtplan beider Rheinfelden
und Ameisen beobachten die Kinder ger- eingetragen. „Zum Beispiel
ne, berichtet Bewernick und verweist auf die Drachenwiese finde ich
witzig, etwa in der Metzgergrube oder auf Aktualität verloren. Über das Jugendreferat
INFO der Richterwiese“, sagt Jugendreferentin können die Faltkarten noch bezogen wer-
Das Café Metamorphose in der Hebel- Stefanie Behringer. „Spannend finde ich den und online ist der Kinderstadtplan
straße 23a hat donnerstags bis sams- auch, dass Gefahrenpunkte an stark befah- über http://www.kinderplan.net abrufbar.
tags von 10 – 18 Uhr geöffnet. renen Straßen benannt wurden.“ Der Kin-
derstadtplan hat in fünf Jahren kaum an Horatio Gollin
SPIELORTE INNENSTADT 11Ferienspass im Swiss Mega Park.
So VIELE FERIENSPÄSSE wie noch nie
Im Bezirk Rheinfelden gibt es seit 40 Jahren Ferienspass. Der erste Ferienspass im Bezirk Rheinfelden wurde 1979
durchgeführt. Damals wurden 20 Kurse angeboten, heute sind es 266.
A
m 15. Juni 1979 war An- pass», wie er damals noch hiess, mit der Damals wurden 20 Spässe angeboten.
meldeschluss für den Idee ins Leben, Kindern «zwei kurzweilige Kurs Nummer 1 hiess «Seifenkistenbau»
ersten Ferienspass im und anregende Sommerferienwochen zu in Zeiningen. Von 9.30 bis 16 Uhr waren
Bezirk Rheinfelden. Pro Hause zu ermöglichen». So steht es in der die Kinder mit Bauen des Gefährts und
Juventute Bezirk Rhein- ersten Kursbroschüre von 1979. An dieser anschliessendem Rennen beschäftigt. Die
felden rief den «Ferien- Idee hat sich bis heute nichts verändert. originellsten Kisten wurden prämiert.
12 FERIENSPASS FÜR KINDERBei einem weiteren auf der Birs zu absolvieren, natürlich mit Kinder sind genauso begeistert wie früher
Spass wurde die Bata- einem selber gebauten Floss. «Auf den Gemäss Doris Salz haben sich seit Beginn
Schuhfabrik in Möhlin Spuren von Fischers Fritz» lädt die Fischer- vor 40 Jahren gegen 50 Personen für die
besichtigt. In Rhein- zunft Rheinfelden zum Angeln am Sal- Organisation des Ferienspasses eingesetzt.
felden hatten die Kin- menweiher ein. Wer will, kann auch ein Welche Veränderungen hat Doris Salz in
der die Möglichkeit, Fledermaus-Abenteuer erleben oder mit den letzten 20 Jahren erlebt? Sie erinnert
aus alten Strümpfen dem Vierbeiner eine Hundetrick-Schule sich, wie die Kurse anfangs noch von Hand
und Stoffresten einen besuchen. zugeteilt wurden. Heute ist es das Compu-
«Strumpfchasper» zu tersystem, welches die Kurse den Kindern,
basteln. Grosse Arbeit von Freiwilligen aufgrund ihrer Anmeldungen, Prioritäten
Neben Karin Mahrer und Doris Salz gehö- und durch Einbezug der Vorjahre, automa-
Seit 20 Jahren dabei ren auch Silke Büttiker (Kursprogramm, tisch zuteilt. «Einschneidend war die Ein-
Nicht von Anfang an, Kursleiter), Fabienne Heinz (Begleitper- führung der Homepage vor sieben Jahren.
aber bereits seit 20 sonen, Akquisition Kurse) und Rita Keller Auch wenn noch viel administrative Arbeit
Jahren ist Doris Salz (Sponsoring, Inkasso) dem 5-köpfigen Feri- erledigt werden muss, ist die Erleichterung
bei der Organisation enspass-Team an. seither enorm. Der Papierberg entfällt. Und
des Ferienspasses mit die Teammitglieder, Kursleiter und Teil-
dabei. In den letzten Bis Anfang Sommer das dicke Kursbuch nehmer haben jederzeit Zugriff auf ihre
Jahren fungierte sie verschickt werden kann, gibt es jedes Jahr Daten, was die Kommunikation verein-
als Präsidentin. Die- viel zu erledigen. Das Ferienspass-Team be- facht», erklärt Doris Salz.
ses Amt übergab sie ginnt jeweils Anfangs Dezember mit dem Was sich laut Doris Salz nicht verändert
im März 2018 an ihre Eruieren neuer Kurse. «Mindestens 80 Pro- hat, ist die Begeisterung der Kinder. Das
Nachfolgerin Karin zent der Kurse sind Wiederholungen vom wird sich hoffentlich auch in den nächs-
Mahrer. Doris Salz Vorjahr», erklären Karin Mahrer und Doris ten Jahrzehnten nicht verändern. Es bleibt
bleibt aber dem Team Salz. Die beiden Frauen erzählen, dass sie auch zu hoffen, dass es noch viele Jahre
treu. «Ich mache jetzt Jahr für Jahr begeistert sind, die Freude Menschen wie Karin Mahrer, Doris Salz
einfach noch die Buch- glücklicher Kinder beim Ferienspass zu und ihre Kolleginnen vom Ferienspass-
haltung. So wie da- erleben. Bei Doris Salz ist die Faszination Team gibt, die sich in ihrer Freizeit voller
mals, als ich vor 20 Jah- in all den Jahren nicht geschwunden, und Begeisterung für den Ferienspass und das
ren angefangen habe», Karin Mahrer findet es schön, dass sie frü- Glück vieler Kinder einsetzen.
lacht sie. her selber am Ferienspass dabei war, und
diesen heute mitorganisieren darf. Janine Tschopp
Karin Mahrer freut
sich über ihre neue
Aufgabe als Präsiden-
tin. Beim Ferienspass-
Team ist sie bereits
seit vier Jahren mit
Begeisterung dabei.
Sie hat damals Doris
Salz angesprochen, ob
es möglich wäre, im
Team mitzuwirken.
«Ich organisiere gerne, und ich finde es
schön, dass wir den Kindern so viele Kurse
anbieten können.»
Aufgrund des 40-Jahr-Jubiläums stehen
2018 mit 266 Kursen so viele Ferienspäs-
se im Angebot wie bisher noch nie. 3500
Büchlein mit den Kursangeboten wurden
in 17 Gemeinden an die Erst- bis Sechst-
klässler verteilt. Heuer haben sich rund 750
Kinder für den Ferienspass angemeldet. Gemeinsam organisieren sie den Ferienspass: Fabienne Heinz (von links), Silke Büttiker, Doris Salz,
Karin Mahrer und Rita Keller.
Die Kinder haben in diesem Sommer zum
Beispiel Gelegenheit, einen Flösserkurs
FERIENSPASS FÜR KINDER 13Zehn Jahre Kulturpark Tutti Kiesi
SPIELEN für die PERSÖNLICHKEITSBILDUNG
Geduldig verzieren die Kinder ihre filigranen Schmetterlinge, die sie gerade noch aus buntem Bastelpapier gefertigt
hatten. Da braucht es gar nicht mehr viel, nur noch die Augen und den Mund schwungvoll gezogen und ein kleines
Kunstwerk ist geschaffen. Die Kinder, die ihre Bastelarbeit beenden, sausen vom Tisch vor dem ‚Treffpunkt Baden-
Württemberg‘ im Kulturpark Tutti Kiesi und suchen sich eine neue Beschäftigung auf dem weitläufigen Gelände mit
Abenteuerspielplatz, Zirkuszelt und Hüttenbauplatz. Viele Kinder springen auch durch die vielen Büsche und spielen
D
Verstecken oder stürzen sich in eigene fantasievolle Abenteuerspiele.
er Name Kulturpark Tutti Lörrach, aber die Stiftung ist auch in Gren- doch ganz ähnlich aufgebaut“, sagt Alexan-
Kiesi ist eng verbunden mit zach-Wyhlen, Maulburg, Steinen und Weil der Keil, Leiter im Tutti Kiesi, mit Verweis
der Dieter-Kaltenbach-Stif- am Rhein sowie seit zehn Jahren im Tutti auf das Ferienprogramm, die Schülerbe-
tung. Die 1965 gegründete Kiesi in Rheinfelden (Baden) aktiv. treuung, die verschiedenen Werkstätten
Stiftung geht auf den Unter- und den Hüttenbauplatz.
nehmer Dieter Kaltenbach zurück, der eine Zehn Jahre in Rheinfelden (Baden) Der ‚Treffpunkt Baden-Württemberg‘
ehemaligen Fabrik in Lörrach zum Wohle Seit Ende der Kleinen Gartenschau Grün war zur Grün 07 als Ausstellungsraum
der Bevölkerung zunächst mit Werkstätten 07 betreibt die Dieter-Kaltenbach-Stiftung genutzt worden. Im Anschluss sollte ein
wie Schlosserei, Schreinerei und Töpferei den Kulturpark Tutti Kiesi in der ehema- nachhaltiges Freizeitangebot für Kinder
ausbaute. Im Laufe der Zeit kamen weite- ligen Kiesgrube, die von der Stadtverwal- und Familien auf dem neu erschlossenen
re Räumlichkeiten und ein Bauspielplatz tung im Jahr 2007 zusammen mit der Gelände umgesetzt werden. Bei der Aus-
dazu. Heute wirkt die Dieter-Kaltenbach- Bevölkerung zur Grün 07 als stadtnaher schreibung vor zehn Jahren bekam die
Stiftung im ganzen Landkreis Lörrach in Naherholungs- und Freizeitraum wieder- Dieter-Kaltenbach-Stiftung den Zuschlag.
der offenen und mobilen Jugendarbeit, im belebt wurde. „Der Kulturpark Tutti Kiesi Anfänglich ging es um eine Belebung des
betreuten Wohnen, in der Erwachsenenbil- ist wie eine kleine Dieter-Kaltenbach-Stif- Platzes mit vielen offenen Angeboten auch
dung, Schülerbetreuung und Schulsozialar- tung mit vielen ähnlichen Bereichen, nicht auf der großen, öffentlichen Wiese vor der
beit. Der Schwerpunkt liegt immer noch in allen, aber mit unseren offenen Angeboten Open-Air-Veranstaltungs-Location Vacono-
14 SPIELORT TUTTI KIESIDome. Nach und nach entwickelte sich das zählt Keil auf. Die Angebote im Tutti Kiesi Tutti Kiesi bietet auch verlässliche Plätze
Gelände und die Angebote wurden ausge- ermöglichen den Kindern Bewegung an für angemeldete Wochenkinder.
I
baut. „Es ist heute schon fast Auftrag, das der frischen Luft, konzentriertes und kre-
man so etwas anbietet. Die Vereinbarkeit atives Tun, Selbsterfahrung und an den n Rheinfelden ist die Dieter-Kaltenbach
von Familie und Beruf ist ein großes The- eigenen Grenzen zu wachsen. Dabei las- schon weit vernetzt und pflegt neben
ma“, meint Keil, der vergangenes Jahr den sen sich die Betreuer auch immer wieder den Kooperationen mit Hans-Thoma-
langjährigen Leiter Frieder Kaltenbach ab- Neues einfallen und in den Pfingstferien Schule und Eichendorffschule auch gute
löste. haben sie mit den Kindern riesige Skulp- Kontakte zur Gewerbeschule, dem Famili-
turen aus Bambusstäben gebaut. enzentrum und dem Sankt Josefshaus so-
Spielerisch lernen „Ich bin der Meinung, der Bedarf liegt wie natürlich zum Jugendreferat und dem
„Meine beiden Söhne sind auch hier. Wenn darin, handwerkliche, spielerische, sportli- Kulturamt. „Kinder vom Sankt Josefshaus
die gefragt werden, was der Papa macht, che und künstlerische Angebote zu vermit- nehmen unser Betreuungsangebot wahr
sagen die, der spielt mit Kindern. Päda- teln“, führt Keil aus. „Man hört überall, das und in Planung für dieses Jahr ist, auf der
gogik ist mir eine Herzenssache und ich Gleichgewichtskoordination, Ausdauer, Markhof-Ranch zusammen mit Kindern
lasse mich nicht von Verwaltungsarbeit Konzentration und Motorik zunehmend
überschütten, sondern schaue, dass ich zurückgehen. Und gerade bei solchen An- »Der Bedarf liegt darin, hand-
auch selber Angebote durchführe, aber geboten merkt man, wie schnell Kinder werkliche, spielerische, sportliche
ich mache natürlich nicht nur das,“ erklärt frustriert sind, wenn sie es zunächst nicht und künstlerische Angebote zu
Keil. Der 36jährige stammt ursprünglich schaffen, aber die Erfolgserlebnisse kom- vermitteln.«
aus Waldshut-Tiengen und lebt in Herten. men, wenn man am Diabolo dran bleibt.“
Keil verweist auf den Hüttenbauplatz, wo
Kinder anfangs Werkzeuge einfach nur aus dem Sankt Josefshaus und unseren Kin-
»Man hört überall, das Gleichge-
ausprobieren und krumme Nägel einschla- dern eine Aktion zu starten“ berichtet Keil.
wichtskoordination, Ausdauer,
Konzentration und Motorik zu- gen, sich aber bald zu wahren Baumeistern
nehmend zurückgehen.« immer ausgefeilterer Hütten entwickeln. Im Zirkuszelt wird fleißig jongliert. Da flie-
gen die Stäbe durch die Luft und Kinder
Verlässliche Angebote und Kooperationen mühen sich, sie wieder aufzufangen. Ge-
Der gelernte Sozialwirt sowie Jugend- und In Rheinfelden ist die Dieter-Kaltenbach- duldig sind die Kinder bei der Sache, und
Heimerzieher arbeitet seit 2005 in der Stiftung auch in die Schulsozialarbeit Zuwerfen und Auffangen klappen immer
Dieter-Kaltenbach-Stiftung, wo er in ver- und die Ganztagsbetreuung an der Hans- besser. Weitere Kinder üben das Balan-
schiedenen Bereichen wie Jugendarbeit, Thoma-Schule eingebunden und während cieren auf einem über eine Dose gelegten
Fachbereich Volkshochschule, Ferienpro- der Schulwochen nutzen auch Schüler der Brett, während andere eine Pause machen
grammleitung sowie Verwaltung und Or- Eichendorffschule das Gelände. Unter der und dem Treiben einfach nur zu schauen.
ganisation tätig war. Woche können Kinder zu kreativen Frei- Dabei haben alle viel zu lachen. Draußen
„Gerade das Thema Spielen ist elemen- zeitangeboten wie Holzwerkstatt, Mal- schaukeln die Kinder oder buddeln im
tar für die Dieter-Kaltenbach-Stiftung“, werkstatt oder Zirkusprojekt angemeldet Sandkasten, andere toben über das weit-
sagt Keil. Ein Ziel der Stiftung sei von Be- werden und in den Schulwochen ist der läufige Gelände. Das breitgefächerte Spie-
ginn an die Persönlichkeitsbildung gewe- Besuch des Tutti Kiesi freitags von 13.30 langebot im Tutti Kiesi lässt die Kids Tablet
sen. Keil beklagt, dass Kinder im Alltag bis 16 Uhr kostenfrei und ohne Anmeldung oder Smartphone gar nicht erst vermissen.
kaum von elektronischen Spielgeräten weg möglich. In den Sommerferien tummeln
zu bekommen seien und daher diese im sich dann schon einmal 120 Kinder auf Horatio Gollin
Tutti Kiesi verboten seien. „Auch Handys dem Bauspielplatz, dem Hüttenbauplatz
dürfen nur im Notfall benutzt werden, da- oder den Werkstätten. Zum gemeinsamen
KONTAKT: Kulturpark Tutti Kiesi,
für bieten wir andere Möglichkeiten, sich Mittagessen versammeln sich dann alle.
Werderstraße 49, 79618 Rheinfelden,
zu beschäftigen. Kreative Möglichkeiten Viele Kinder kommen in den Ferien un-
www.tuttikiesi.de
und Brettspiele, Straßen- und Hüpfspiele“, angemeldet und nur tageweise, aber das
SPIELORT TUTTI KIESI 15SPIELZEUG –
kein Geschäft wie
jedes andere
Haben einen bunten Arbeitsplatz, von links Andrea Wertmüller, Jolanta Baumann und Stephanie Pirker.
Jolanta Baumann hat sich im Einzelhandel selbständig gemacht. Mode, Lebensmittel, Schuhe? Nein – sie hätte sich
nie etwas anderes vorstellen können als Spielzeug. Nur das sollte ihre Branche sein, nur das sollte ihr Metier werden.
Ihr Geschäft «Zum Kinderland» besteht seit 23 Jahren.
I
m Jahr 1995 hörte sie davon, dass vorstellen konnte – Jolanta Baumann. «Das Einzelhandel. Ein «spontaner Entschluss»
das Geschäft Spreiermann + Co wäre doch total schade gewesen, wenn das sei die Übernahme gewesen. Mit 60 Qua-
Spiel und Hobby in der Brodlaube nicht weitergegangen wäre», sagt sie heu- dratmetern Verkaufsfläche fing es an. Sie
14 geschlossen werden soll. Die In- te. Seinerzeit war sie Mutter eines vierjäh- nannte ihren Laden «Zum Kinderland».
haber wollten altersbedingt aufhö- rigen Sohnes, mit einer kaufmännischen Dann kam 1999 der Umzug in ein 80-Qua-
ren, suchten schon gar keinen Nachfolger Lehre im Hintergrund, selbst Kundin der dratmeter-Geschäft ebenfalls in der Brod-
mehr. Doch es gab jemanden, der sich das Spreiermanns, aber sonst unerfahren im laube. Seit 2012 ist das Kinderland jetzt
16 SPIELZEUGLADEN KINDERLANDzeugs drauf, das sie kaufen wollen. Viel- Baumann täglich hört. Sicher gebe es da
leicht machen sie das so, weil sie sich nur manche, die sich von ihr oder ihren Mit-
auf diese Weise überhaupt merken kön- arbeiterinnen ausgiebig beraten liessen,
nen, was der Nachwuchs haben möchte, dann ohne Kauf aus dem Laden gehen, um
das «PJ Masks-Hauptquartier» zum Bei- das Produkt online billiger zu erwerben.
spiel. Darauf aufmerksam werden Kinder Dennoch: «Die Geiz-ist geil-Mentalität ist
heutzutage nicht mehr übers Fernsehen, bei meinen Kunden glücklicherweise we-
sondern übers Internet, über Kanäle wie nig verbreitet.» Und diese kommen sogar
Youtube. «Kinder werden heute extrem auch von der anderen Rheinseite zu ihr.
durch die Massenmedien gesteuert, das
gab es noch vor 15 Jahren nicht», weiss die Spielzeug – ein Geschäft wie jedes andere?
Die Saturn-Mondlanderakete und der indische Palast Taj
Mahal aus Lego im Schaunfenster sind ein echter Hingucker. Inhaberin. «Damals kamen die Kunden Wie Mode oder Lebensmittel? Ja und nein,
noch spontaner in den Laden, sahen sich sagt die Inhaberin von «Zum Kinderland»
um und kauften etwas, was ihnen gefällt.» in Rheinfelden. Auch sie muss Geschäfts-
in der Geissgasse zuhause, mit einer Ver- frau sein, muss kalkulieren. Auch für sie
kaufsfläche von 120 Quadratmetern und Das Thema Internet beschäftigt Jolanta muss es sich rechnen. Aber: Die schönen,
220 Quadratmetern insgesamt, inklusive Baumann, aber im Gespräch mit ihr wird anrührenden und zu Herzen gehenden Be-
Büro und Lagerräumen. Und stand sie die deutlich, dass es sie nicht über die Mas- gegnungen mit Kindern hat sie eben nur in
ersten Jahre allein hinterm Tresen, bilden sen umtreibt. Umsatzmässig habe sich dieser Branche. Und Kunden, die sie fragen:
sie und ihre Ange- der Online-Handel «Kennen Sie mich noch?» Es sind die Kun-
stellten Stephanie eigentlich nie gross den der ersten Generation, die Mitte/Ende
«Was ist wirklich wertvoll? Was
Pirker und Andrea bemerkbar ge-
ist nur buntes Plastik? Was nützt
Wertmüller inzwi- macht, sagt sie. Und
meinem Kind tatsächlich?»
schen ein Team. Es im Grunde macht
ist eine bunte Fanta- sie 2018 auch nichts
siewelt, in der die drei arbeiten. In den anderes als 1995: den Menschen Begeg-
Augen ihrer kleinen Kunden ist es wohl nungen schaffen, mit Nähe, Beratung und
der coolste Job, den man sich überhaupt Kompetenz punkten, Lotse sein in einer
nur denken kann, in einem Spielzeugla- Welt, in der Spielzeug immer wichtiger
den, in einem Traumland, im Paradies. geworden ist – als Ausgleich für die feh-
lenden Geschwister, um Bildung und Wis-
«Wenn man jetzt eine Zeitreise ins Jahr sen zu vermehren, um Talente zu entde-
1995 unternehmen würde, wie würde sich cken und zu fördern. Da darf es dann auch
Seit 2012 ist das Kinderland in der Geissgasse zuhause.
dann Ihr Sortiment verändern?» Jolanta schon etwas mehr kosten.
Baumann: «Es gäbe kein Playmobil und
sicher wäre noch mehr Holzspielzeug im Was ist wirklich wertvoll? Was ist nur bun- der 90er-Jahre Kinder waren und heute,
Angebot. Aber Modelleisenbahnen führte tes Plastik? Was nützt meinem Kind tat- selbst Eltern, mit dem eigenen Nachwuchs
ich auch damals schon nicht. Heute wie sächlich? Das sind die Fragen, die Jolanta bei Jolanta Baumann einkaufen. 23 Jahre
damals setzte ich auf nachhaltige Spiel- Kinderland sind ja auch schon eine lange
waren.» Und auch das Lego sei anders ge- Zeit.
wesen, nicht so filigran und detailverliebt
wie heute mit Lego-Technik. Damit hat sie Und die Zukunft? Um die ist es der Ge-
eines der Schaufenster an der Geissgasse schäftsfrau nicht bange. An den Ruhe-
dekoriert. Eine Saturn-Mondlanderakete ist stand denkt sie noch lange nicht. Sie ist
darunter und das Modell des indischen Pa- überzeugt: Spielzeug wird immer seinen
lastes Taj Mahal, selbst zusammengebaut, Platz haben. Und auch das Einfache wird
wie sie unterstreicht, bei 2000 und 6000 nicht untergehen, das, was ohne Blinklich-
Teilen eine stramme Leistung. Jung und Alt ter oder Lautsprecher auskommt. Das, was
drücken sich an der Scheibe die Nase platt. Raum lässt für Phantasie und Kreativität.
INFO
Eines steckte 1995 noch in den Kinder- Und für die, die das suchen, möchte der
Zum Kinderland Spielwaren
schuhen, das Internet. Es hat den Online- Spielzeugladen in der Rheinfelder Geiss-
Geissgasse 15, 4310 Rheinfelden
Versandhandel hervorgebracht, gerade im gasse erste Anlaufstelle sein und bleiben.
Tel. 061 831 74 76
Spielwaren-Bereich eine grosse Heraus-
www.Zumkinderland.Ch
forderung. Heute hat Jolanta Baumann Hans Christof Wagner
Kunden, die in den Laden kommen und ihr Öffnungszeiten: Mo: 14–18 Uhr,
oder ihren Mitarbeiterinnen das Smart- Di–Fr: 9–12, 14–18:30 Uhr, Sa: 9–16 Uhr
phone zeigen mit einem Bild des Spiel-
SPIELZEUGLADEN KINDERLAND 17Kinder spielen mehr draussen, wenn das Wohnumfeld stimmt
»Ich spiele da, wo es STECKDOSEN gibt«
© Fotolia: EvgeniiAnd
© Fotolia: svetabezu
F
ür Kinder wird ja einiges getan: In Freiburg hat Professor Baldo Blinkert in Argument, dass wir uns alle mehr um das
aufwendige Spielplätze, betreute der „Freiburger Kinderstudie“ vor einigen Wohnumfeld der Kinder kümmern müs-
Spielgruppen, Kindergärten, Tut- Jahren das Freizeitverhalten der Freibur- sen. Es muss nicht gleich ein möblierter
ti Kiesi, Ferienspiele, Zeltlager, ger Kinder untersucht. Die Ergebnisse sind Spielplatz sein, ein Vorgarten, eine Freiflä-
Kindergruppen, Kinderkurse, überraschend schlicht: Ob Kinder in ihrem che vor dem Haus, ein Hof, ein Stück unge-
Kinderchöre, Kindersport, Kinderbüro, Mu- Wohnumfeld spontan und ohne Aufsicht fährliche (!) Straße kann ein interessanter
sikschule, Kindertheater, Kinderzirkus und Treffpunkt und Tummelplatz für Kinder
vieles mehr. Der Geburtstag eines Kindes sein. Eine Fußgängerzone, die diesen Na-
wird zum Riesenfest, das Einkaufszentrum
»“Achtung! Auto!“ men auch verdient. Nicht mal dort kann
macht eine Superspielparty. Kinder haben
lernen die Kinder bevor sie man Kinder laufen lassen, sie werden von
viele Wochentermine, alles ist organisiert,
„Mama“ sagen können. « rücksichtslosen Radfahrern niedergemäht.
die Eltern übernehmen den Fahrdienst. Die Mein Sohn kam in einer Fussgängerzone
Fachleute sprechen von der „inszenierten spielen, hängt nicht davon ab, ob die El- fast unter den Autoreifen einer Anwohne-
Kindheit“, während kaum jemand auf den tern viel Zeit für die Kinder haben, ob sie rin als er seinem Ball hinterherlief.
unschätzbaren Wert des unbeaufsichtigten reich oder arm sind, ob sie gebildet sind
Spiels achtet. Die Möglichkeit für Kinder oder nicht. Der Wert des Wohnumfeldes ist Kinder sind kreativ, wir müssen nur sor-
sich im Freien spontan und unbeaufsich- allein entscheidend. Wenn die Spielmög- gen, dass sie den Raum dazu haben, wo sie
tigt aufzuhalten, wird immer schlechter. lichkeit in direkter Nähe der Wohnung ungestört Kinder sein dürfen.
Besorgte Eltern verbieten das Spiel in Wald gut ist, spielen Kinder mehr als viermal
und Flur und Freiflächen werden überbaut so lange draußen ohne Aufsicht als unter Doch all das gilt nur noch eingeschränkt,
und exakten Funktionen zugeordnet, die schlechten Bedingungen. Sie müßen sich seit Smartphones und PC die Kinderzim-
Verkehrsbelastung macht jeden Aufenthalt das Ergebnis noch einmal auf der Zunge mer erobert haben. Heute möchten die
zur Gefahr. »Achtung! Auto!« lernen die zergehen lassen: Hat das Kind „vor der Kinder am liebsten da spielen »wo es
Kinder bevor sie »Mama« sagen können. eigenen Haustüre“ Platz zum Spiel, dann Steckdosen gibt«, wie ein Kind in einer
Wo vor Jahrzehnten noch gespielt werden spielt es täglich 90 Minuten draußen, ge- Umfrage freimütig erklärte. Das Smartpho-
konnte, verhindern andere Funktionen das genüber anderen Kindern, die nur auf ein ne fesselt und frisst die knappe Zeit und
Spiel. Ältere schwärmen von ihren wilden paar Minuten kommen. Gibt es Flächen, das Spiel hat es nochmal schwerer.
Spielen in ihrer Straße, den Kindern heute die nicht mit Autos verparkt sind? Die Un-
bleiben kleine Ecken, das Spiel wird auf die fallforschung zeigt leider, daß mehr als Claudius Beck
Kindergartenzeit oder auf den abgegrenz- 80 Prozent der Kinderunfälle vor der eige-
ten Spielplatz beschränkt. nen Haustüre passieren! Ein zusätzliches
18 SPIELENSie können auch lesen