TANDEMAusgabe 105 | Mai 2017 - 50 Jahre - Lebenshilfe Neuss
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TANDEM
Ausgabe 105 | Mai 2017
Von der Elterninitiative
zur gemeinnützigen
Gesellschaft
Erinnerungen an die
Gründerjahre
Unser Leitbild
Freundinnen seit
40 Jahren
Jubiläumsmagazin der 50
JahreInhaltsverzeichnis
EDITORIAL 24 Unser Auszubildender
im Pflegedienst
04 Vorwort der
Vorstandsvorsitzenden
WOHNEN
05 Grußwort der Geschäftsführung
25 Wir bauen – neu und um
LEBENSHILFE WISSENSWERT 27 Fürsorglich betreut, ob daheim
oder im Wohnhaus
06 Von der Elterninitiative
zur gemeinnützigen UWO –
Gesellschaft Ambulant Unterstütztes Wohnen
09 Erinnerungen an die 29 Interview mit der UWO-Nutzerin
Gründerjahre Sonja G.
12 „Wir laufen mit beim Firmen- 30 15 Jahre Ambulant Unterstütztes
puls!“ Wohnen
13 In Gold auf dem
Kappessonntagszug
14 Tolle Stimmung bei
„Jeck op Jeckerei“
IMPRESSUM
16 Entwicklung unseres Leitbildes
Herausgeber:
17 Starkes Interesse an Infoveran- Lebenshilfe Neuss gGmbH
staltungen der Lebenshilfe Hamtorwall 16, 41460 Neuss
kontakt@lebenshilfe-neuss.de
18 Neues vom Kunstworkshop: ein www.lebenshilfe-neuss.de
Bild für die „Engelausstellung“ 02131-369 18 0
19 Eindrücke zweier Geschäftsführer:
Lebenshilfe-Künstlerinnen Gesine Eschenburg, Winfried Janßen
20 13 Jahre KoKoBe Redaktion: Marion Stuckstätte
21 Tandem-Beratung in der KoKoBe Realisation:
© 2017 Katja Maßmann, Neuss
22 lnklusiver Lauftreff ist wieder www.iD-Signs.de
gestartet
© Fotos: Lebenshilfe Neuss gGmbH
22 Das Lebenshilfe-Center: ein Ort Titelfoto mit Marcel Gräwert (Leiter
der Beratung, des Austausches UWO) und Sonja G. (UWO-Nutzerin)
und zum Feiern
02 TANDEM: INHALTSVERZEICHNISWohnhäuser 47 FZ Marienburg: vom Kinder
garten zum Familienzentrum
32 Freundinnen seit 40 Jahren aus
dem Wohnhaus Weckhoven 49 Chronik des Familienzentrums
Am Baldhof
33
Das Wohnhaus Furth… Anno 1989
51 Bericht einer
33 Bewohnerbeiratswahl Kindergartenmutter
Wohnhaus Furth
52 Kunterbuntes Familienzentrum
35 Wohnhaus Grimlinghausen –
Erinnerungen 53 Wie viele Zuckerstückchen sind
im Fruchtjoghurt?
36 Weihnachten im Wohnhaus
54 Von ‚Mensch ärgere dich nicht!‘
38 ein Ausflug in das Restaurant
M zum ‚Schach‘
„Extrablatt“
54 Vater-Kind-Nachmittag im
39 Wohnhaus Bauerbahn: eine FZ Am Baldhof: Die Kugel muss
Oase des Rückzugs rollen
Kitas
OFFENE HILFEN
55 „Ich bin jetzt schon drei, so alt
40 ffene Hilfen: Wer wir sind
O wie die Kita Hammfeld“
und was wir machen
56 Kita Abenteuerland: vom provi-
41 ie Kegelgruppen „Pudelkönig“
D sorischen Pavillon in den kom-
und „Alle Neune“ im Hermkes Bur fortablen Neubau
42 Die Pudelkönige verabschieden 58 Projekt KiKü in der Kita
Herrn Bosniak Wimmelgarten: Was gibt es
heute zu essen?
42 Neues Programmheft für die
Freizeitgruppen der Offenen 58 Die fünfzügige moderne Kita
Hilfen Farbenland
43 www.familienratgeber.de Kinder- und Jugendzentrum
Das Internet-Angebot für Men-
schen mit Behinderung und ihre 61 Das Lebenshilfe-KiJuZe: Hier
Familien haben die Kids das Sagen
KINDER & JUGEND
Familienzentren
44 Die „Sonnenblume“ als Vorreiter
46 „O‘zapft is“
TANDEM: INHALTSVERZEICHNIS 03Editorial
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde/-innen der Lebenshilfe Neuss,
seit Anfang des Jahres hängt nun ganz kann Verstärkung gut gebrauchen. Wir
offiziell ein großes Plakat an unserer laden Sie deshalb herzlich ein, Mitglied
Lebenshilfe-Zentrale am Hamtorwall zu werden bzw. neue Mitglieder zu
mit der Aufschrift: „50 Jahre“. Wir feiern werben. Der Verein nimmt sehr wich
unser Jubiläum – ein ganzes Jahr lang! tige Aufgaben wahr. So ist er – auch und
Angefangen haben wir mit dem tradi gerade heute – Wegbereiter und enger
tionellen Jazz-Frühschoppen in unserem Begleiter der Inklusion. Wir mischen
Familienzentrum Sonnenblume. Golden uns ein, stellen Forderungen, geben Im-
präsentiert haben wir uns beim Kap- pulse, informieren und beraten unsere
pessonntagszug mit einer fröhlichen Mitglieder und sind schließlich auch
Hundertschaft aus Bewohner(inne)n, Gesellschafter der Lebenshilfe gGmbH
Nutzer(inne)n, Mitarbeiter(inne)n und sowie Mitgesellschafter der Gemeinnüt-
Freund(inn)en der Lebenshilfe. Höhe- zigen Werkstätten gGmbH. Kommen Sie
punkt wird das große Familienfest am dazu und verstärken unseren Verein!
20. Mai 2017 auf dem Markt und Freit
hof sein, zu dem Sie dieses Tandem Mit freundlichen Grüßen Ihre
frisch in den Händen halten. Sie sind
herzlich eingeladen!
Aber selbstverständlich wird nicht nur
gefeiert: Unsere Bauprojekte schrei-
ten voran – mehr dazu auf Seite 25. Angelika Quiring-Perl
Und auch das im Dezember nach Vorsitzende des Lebenshilfe Neuss e.V.
langen Diskussionen verabschiedete Vorsitzende des Aufsichtsrates der
Bundesteilhabegesetz enthält für uns Lebenshilfe Neuss gGmbH
viele Aufgaben. In unserer Vorstands-/
Aufsichtsratsklausur im Februar haben im Namen von Vorstand und Aufsichtsrat
wir uns deshalb ganz besonders diesem
Thema gewidmet. Im Frühjahr haben
wir bereits erste Informationsveranstal-
tungen angeboten und werden diese
kontinuierlich fortführen. Denn nicht
nur für uns als Träger ändert sich viel,
sondern vor allem für Menschen mit
Behinderungen und deren Angehörige/
Betreuer/-innen. Die Lebenshilfe wird
Sie in diesem Prozess eng begleiten.
Aber auch die Mitgliedergewinnung für
unseren Verein war ein zentrales The-
ma der Klausur. Und deshalb gestatten
Sie mir ein wenig Werbung in eigener
Sache. Unser nun 50 Jahre alter Verein
04 TANDEM: EDITORIALEditorial
Liebe Leserinnen und Leser,
bei Erscheinen dieses Heftes haben die 16). Dafür setzen sich unsere Mitarbei-
Landtagswahlen gerade stattgefunden, ter/-innen tagtäglich mit großem En-
die Bundestagswahlen stehen 2017 gagement ein.
noch bevor. Wir haben uns deshalb an
einem Projekt des Büros für Leichte Auch wir möchten Sie abschließend
Sprache Ruhrgebiet beteiligt, mit dem herzlich zum Jubiläumsjahr der Lebens
ein Film in Leichter Sprache erstellt wur- hilfe in Neuss ganz besonders grüßen.
de, um die Bedeutung der Wahlen zu Kommen Sie zu unseren Festen oder
vermitteln und die Selbstbestimmung jederzeit ins Lebenshilfe-Center am
auch in dieser Frage zu stärken. Hamtorwall 14 und lernen unsere
Arbeit kennen. Unterstützen Sie uns –
Leichte Sprache ist dabei ein Thema, ehrenamtlich oder hauptamtlich. Wir
mit dem wir uns verstärkt auseinan- freuen uns auf Sie!
dersetzen. So haben wir u.a. die In-
klusionsbeauftragte der Stadt Neuss
unterstützt. Unser Lebenshilfe-Rat liest
ehrenamtlich erste Formulare gegen,
die die Stadt Neuss in Leichter Sprache
erstellt hat. Gesine Eschenburg
Geschäftsführerin
Im Juli finden in Neuss die NRW-Aus-
scheidungskämpfe von den Special
Olympics statt, zu denen mehr als 1.000
Athleten erwartet werden. Wir freuen
uns auf diese Veranstaltung und un-
terstützen sie nach Kräften. So werden
wir u.a. unsere Kita Baldhof als „Haupt- Winfried Janßen
quartier“ zur Verfügung stellen können. Geschäftsführer
Angesichts von aktuellen Berichter-
stattungen ist es uns ein besonderes
Bedürfnis, auch die Haltung unserer
Mitarbeiter/-innen in ihrer täglichen
Arbeit anzusprechen. Sie findet Aus-
druck in unserem Leitbild, das wir in
einem Zeitraum von knapp einem
Jahr in mehreren Veranstaltungen mit
Mitarbeiter(inne)n, Vertreter(inne)n des
Lebenshilfe-Rates, der Eltern und den
Vereinsmitgliedern entwickelt haben.
Zentrales Thema war hier einvernehm-
lich der sorgsame, wertschätzende und
respektvolle Umgang miteinander in
allen Bereichen (mehr dazu ab Seite
TANDEM: EDITORIAL 0550 Jahre Lebenshilfe Neuss
Von der Elterninitiative
zur gemeinnützigen 50
50
Gesellschaft
Jahre
Jahre
die Gründung eines Lebenshilfe-Ver-
eins vor, wie es diese schon in anderen
Städten zu finden gab. Anfängliches Ziel
war das Sammeln von Geldern, um den
Aufbau von Angeboten für Kinder und
Menschen mit geistiger Behinderung
finanziell zu unterstützen.
Geburt und Weg der Lebenshilfe
Neuss
Gesagt, getan – auch wenn sich die Fin-
dung der sieben Gründungsmitglieder
nicht einfach gestaltete: 1967 wurde der
Lebenshilfe Neuss e.V. als Selbsthilfe-
vereinigung für Menschen mit geistiger
Behinderung aus einer Elterninitiative,
angeregt durch Liesel und Klaus Mi-
chels, gegründet.
Was dann folgte, war ein langer Weg,
mit vielen Errungenschaften, aber auch
schweren Bürden und Hürden. Es wur-
den Wohnhäuser errichtet, Anlauf- und
Beratungsstellen bereitgestellt sowie in-
tegrative Kindertagesstätten, Bildungs-
veranstaltungen, ambulante Dienste
und Freizeitangebote aufgebaut. Die
Besprechungen in Wohnzimmern und
Es war die Not betroffener Eltern, die Gaststätten der Elterninitiative in der
die Lebenshilfe entstehen ließ. Ange- Pionierzeit waren längst vergessen, nun
hörige von Menschen mit geistiger standen Expansion, Differenzierung,
Behinderung, die mit ihren Sorgen und betriebswirtschaftliches Denken und
Problemen allein auf sich gestellt wa- Handeln sowie die Weiterqualifizierung
ren. Denn in den 60er-Jahren gab es von Mitarbeiter(inne)n auf dem Plan.
weder Beratungs- oder Betreuungsstel- Kommunikation musste geschaffen und
len noch Wohnmöglichkeiten oder Son- Transparenz gewahrt werden, die Aus-
derkindergärten in Neuss. Der Bedarf richtung, Aufgaben und Zielsetzungen
und die Anfragen waren groß, Angebote wurden spezifiziert und definiert und
jedoch nicht vorhanden. die Qualitätsstandards gesichert.
So erkannte auch die Stadt die dringen- War es anfangs das immense Engage-
de Handlungsnotwendigkeit und schlug ment Einzelner, die mit Durchsetzungs-
06 TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERTkraft, Enthusiasmus und Emotion die
Lebenshilfe ins Laufen brachten, muss-
ten zunehmend die Aufgaben unter
professionellen Standards gehandhabt
werden. Sozialpolitische Arbeit und
Öffentlichkeitswirken traten verstärkt
nach vorne. Der rasch fortlaufende
Entwicklungsprozess und die damit
verbundenen veränderten Geschäfts-
prozesse erforderten erhöhte Verant-
wortungsbereiche sowie steigende
Leitungs- und Koordinationsaufwände.
„Es ist normal, verschieden zu sein.“
Die Bemühungen der Pionierzeit und
der Expansionsphase tragen reife
Früchte. Heute gehören dem gemein-
nützigen Verein fast 600 Mitglieder an;
Menschen mit (geistigen) Behinderun-
gen, deren Eltern, Angehörige, Freunde
und Förderer.
Mit dem Ziel, Menschen mit Behinde-
rung als vollwertige Mitglieder unserer
Gesellschaft anzusehen, haben sich die
Herausforderungen potenziert. Daher
werden die vielfältigen Dienstleistun-
gen seit 2014 in einer gemeinnützigen
GmbH erbracht, deren alleiniger Gesell-
schafter der Verein ist. In ihr sind mehr
als 450 Mitarbeiter/-innen im Einsatz,
um Menschen mit primär geistiger
Behinderung eine gleichberechtigte
Teilhabe zu ermöglichen. Die Lebens-
hilfe setzt sich nicht nur für ihre Rechte
ein, sondern lässt ihnen – im partner-
schaftlichen Miteinander – genau die men über offene Hilfen sowie inklusive
Unterstützung und Hilfe zukommen, die Kitas und Familienzentren bis hin zur
sie für ein selbstbestimmtes Leben in Jugendarbeit und einem Pflegedienst.
unserer Gemeinschaft benötigen.
#TeilhabeStattAusgrenzung
Die Neusser Lebenshilfe unterstützt Mitbestimmung und Wahlrecht der Be-
und begleitet sie von der Geburt über wohner/-innen und Nutzer/-innen sind
alle Lebensphasen bis ins hohe Alter. wesentliche Aspekte in allen Einrichtun-
Die Angebote gestalten sich den Alltag gen der Lebenshilfe Neuss; Fortbildung
umfassend und sind individuell wie für die Mitarbeiter/-innen ein etablierter
fachkundig angepasst. Sie reichen von Bestandteil zur Sicherung von fachkun-
der Beratung, der ambulanten und diger Leistung und qualifiziertem Know-
stationären Wohnunterstützung, von how.
Freizeit-, Reisen- und Bildungsprogram-
TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT 07Mit professioneller und fortschrittli- und dem Pflegedienst „Hand in Hand“.
cher Ausrichtung hat die Lebenshilfe Zudem werden sieben inklusive Kinder-
Neuss über fünf Jahrzehnte eines nie tagesstätten, darunter drei zertifizierte
außer Acht gelassen: die menschliche Familienzentren, und ein inklusives
Komponente ihres Wirkens. Das Arbei- Kinder- und Jugendzentrum von ihr
ten im Team und die Orientierung an betrieben, in der Kinder mit und ohne
gemeinsamen Werten schafft die Basis Behinderung im selbstverständlichen
für den Lebenshilfe-Erfolg. Der Prozess Zusammensein betreut und gefördert
der Leitbildentwicklung in diesem Jahr werden. Das neueste Angebot der
bekräftigt dies. Neusser Lebenshilfe ist der Jugendbus,
dessen gezielter mobiler Stadtteilein-
Spektrum der Lebenshilfe Neuss satz die inklusive Jugendarbeit der Stadt
2017 Neuss ausbaut.
Die Lebenshilfe Neuss gGmbH ist Trä-
ger von fünf Wohnhäusern und sechs In den 50 Jahren ihres Bestehens hat
weiteren Wohngruppen für geistig und sich die Lebenshilfe Neuss, die Mitglied
mehrfach behinderte Kinder, Jugendli- im Landesverband und der Bundes-
che und Erwachsene mit ca. 160 Wohn- vereinigung der Lebenshilfe sowie des
plätzen. Das „Ambulant Unterstützte Paritätischen Wohlfahrtsverbands ist,
Wohnen“ (UWO) betreut Menschen in zu einem wichtigen, komplexen und
der eigenen Häuslichkeit. Die „Offe- gesellschaftlich anerkannten Dienst-
nen Hilfen“ unterstützen mit ambulant leister für Menschen mit Behinderung
mobilen Dienstleistungsangeboten, sowie deren Eltern und Angehörige
wie dem „Ambulant Unterstützenden entwickelt. Zugleich zu einem aktiven
Dienst“ (AUD), der „Sozialpädagogi- Fürsprecher und Weichensteller. Die
schen Familienhilfe“ (SPFH) und der Errungenschaften im neuen Bundesteil-
Schulbegleitung. habegesetz (BTHG) sprechen für sich.
Darüber hinaus ist die Lebenshilfe Wir haben viel erreicht – und noch
Neuss gGmbH Träger von zwei Bera- einiges vor.
tungsstellen, einem Lebenshilfe-Center Herzlichen Dank für Ihre Hilfe zu helfen!
08 TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERTErinnerungen an die Gründerjahre von Liesel Michels
„Wenn wir helfen können, tun wir das.“
Als Liesel Michels mit ihrem Mann Klaus kamen aus Köln, da gab es bereits Son-
und den beiden Kindern Christoph, derkindergärten.“ Ihr sei schnell klar ge-
5 Jahre, und Ruth, 3 Jahre, 1965 nach wesen, dass sie für Ruth Hilfe brauche.
Neuss zog, ahnte sie nicht, was dieser „Ruth war fast taub bei der Geburt. Sie
Umzug für sie und für viele weitere Bür- hatte keine starke geistige Beeinträchti-
ger der Quirinusstadt einmal bedeuten gung. Aber ich wusste es anfangs nicht
würde. Ihre kleine Tochter hatte eine und konnte sie schwer erreichen.“
geistige Behinderung. Daher suchte sie
für Ruth einen Platz in einem Sonderkin- Dass es nicht ihr Weg sei, Ruth zu
dergarten. Doch die Auskunft des Sozial- verstecken oder ihr die nötige Unter-
dezernenten der Stadt war ernüchternd: stützung zu verwehren, wusste sie
Man denke zwar über einen solchen allerdings sofort. „Das war eine Zeit, da
Kindergarten für Neuss nach, aber es waren die Schrecken des Dritten Rei-
gebe noch keine konkreten Pläne. ches noch gegenwärtig. Geistig behin-
derte Menschen galten zur Hitlerzeit als
„Wenn wir helfen können, tun wir das“, nicht lebenswertes Leben. Viele wurden
hatte Liesel Michels im Telefonat mitge- aus den Familien geholt und umge-
teilt. Drei Wochen später besuchte Sozi- bracht. Nach dem Krieg gab es keine
aldezernent Franz-Josef Schmitt Familie Förderung für die Kinder oder Arbeit für
Michels und schlug die Gründung eines Erwachsene und keine Unterstützung
Vereins Lebenshilfe vor. für die Angehörigen.“
Aus der Not geborenes Handeln Tom Mutters und die Idee der
„Ja, das war vermutlich ein Angebot, Lebenshilfe
auf das man in Neuss gewartet hatte“, Es war ein Holländer, Tom Mutters,
erinnert sich die heute 88-Jährige. „Wir der 1958 die Not erkannte. Seine Idee
TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT 09war, Eltern in gemeinnützigen Vereinen waren Vertreter aus der Stadt, Ärzte
zusammenzuführen, um mit Unter- und Schuldirektoren.“ Daher dienten
stützung des Staates die Lebensbe- die anfänglichen Treffen in Wohnzim-
dingungen für Menschen mit geistiger mern dazu, weitere betroffene Familien
Behinderung und für ihre Familien zu ausfindig zu machen und zusammenzu-
verbessern. Angedacht war, Lebenshil- bringen. „Beim Jugendamt waren zwar
fe-Elternverbände auf Ortsebene ent- die Adressen bekannt, aber es gab kei-
stehen zu lassen, die in Landesverbän- nen Kontakt.“ Dass sich schließlich eine
den und in einer Bundesvereinigung Gruppe fand, war mit hohem Aufwand
zusammengefasst werden sollten. und vielen Telefonaten verbunden.
„Die ersten Zusammenkünfte in einer
„Damals gab es keine Anlaufstellen. Es Gaststätte waren hoch emotional. Wir
gab weder Fachbücher noch Elterngrup- waren anfangs 12 Eltern. Alle waren
pen und ebenso keine Erzieher für Kin- sehr erschöpft, einige kamen im Alltag
der mit Behinderungen. Keiner konnte kaum zum Schlafen. Es sind viele Trä-
helfen. Aber man wusste ja selbst auch nen geflossen. Das zeigte, wie sehr sich
nicht, was das Beste für sein Kind war, die Eltern in ihrer Situation überfordert
wie man gut Zugang finden konnte oder fühlten.“
was es für Bedürfnisse hatte.“
Inzwischen war bei der Stadt Neuss das
Außerdem trauten sich viele Eltern Bewusstsein einer notwendigen Hilfe
nicht, mit ihren Kindern vor die Tür zu für die Betroffenen gewachsen. Ein Son-
gehen. „Das war wie ein Spießruten- derkindergarten wurde eröffnet. Auch
lauf.“ Liesel Michels ist die Ablehnung eine kleine Werkstatt für Jugendliche
von außen noch lebendig im Gedächt- mit Behinderungen zog hier mit ein.
nis. „Wir wurden angestarrt. Oft schüt-
telten Passanten den Kopf. Es war Gute Zusammenarbeit zwischen
furchtbar. Man wollte nicht sehen, dass Stadt und Lebenshilfe-Verein
unsere behinderten Kinder liebevolle „Die meisten Eltern der Kinder dieser
Menschen mit ganz normalen Empfin- Einrichtungen wurden Mitglieder der
dungen sind.“ Lebenshilfe, weil sie sahen, dass die
Vereinsarbeit – in Kooperation mit
Aus dieser Not griffen die Michels die der Stadt – das Leben der Kinder und
Anregung der Stadt auf, einen Lebens- Jugendlichen mit Behinderungen ver-
hilfe-Verein zu gründen. Dieser sollte besserte.“
zunächst einmal Mittel sammeln, um
die Arbeit mit behinderten Kindern Eine erste große Vereinsaktion war
mitzufinanzieren, denn die zu erwarten- die Anschaffung eines Busses, der die
den Zuschüsse berücksichtigten nur das Kinder vom Elternhaus zur Einrichtung
Allernotwendigste. und zurück transportieren konnte. „Das
Geld hierfür sollte ein vom Oberbürger-
Erste Vereinstreffen in der Gaststätte meister vermitteltes Konzert der Bun-
„Es war schon nicht einfach, die sieben deswehr bringen. Der Verein übernahm
Gründungsmitglieder zu finden“, erklärt die Aufgabe, genügend Zuhörer zu
Liesel Michels, die selbst viele Jahre mobilisieren.“ Mit Erfolg.
Vereinsvorsitzende war und mittlerwei-
le Ehrenvorsitzende der Lebenshilfe Doch noch war die Lebenshilfe wenig
ist. „Neben meinem Mann gab es im bekannt. Eine pressewirksam bewor-
Vorstand nur noch eine Mutter mit bene Schiffstour auf dem Rhein sollte
einem behinderten Kind. Die anderen das ändern. „Diese Werbeaktion sprach
10 TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERTneben interessierten Neussern auch wuchs die Lebenshilfe Schritt für Schritt.
Familien mit behinderten Kindern und Aber nicht immer problemlos.
Angehörigen an. So wurde aus einer
fröhlichen Rheinfahrt ein erstes großes Das Ringen um Akzeptanz
Treffen dieser Familien, das mit dazu „Ab 1980 begann der Vorstand mit der
beitrug, dass sich allmählich ein Gefühl Planung des Wohnhauses Am Hasen-
der Zusammengehörigkeit entwickelte, berg 19. Es gab viel Widerstand zu über-
das im Laufe der folgenden Jahre im- winden, da die Vorbehalte der Nach-
mer mehr wuchs. Vielen gab das schon barn aus den umliegenden Häusern
Kraft zu sehen: Da sind ja noch andere. sehr groß waren. Doch durch Gesprä-
Wir sind nicht allein.“ che, die Feier zur Grundsteinlegung und
das ausgeklügelte Konzept des Hauses,
Ein nächster Schritt war die Finanzie- das ‚Außenleben‘ der Bewohner auf den
rung eines Urlaubs für die Kinder des Innenhof zu konzentrieren, gewann das
Sonderkindergartens im Ferienhaus der Projekt Akzeptanz.“
Stadt in Herchen an der Sieg.
Ein Konzept, das sich bewährte. Wie
Ein Zuhause in der Lebenshilfe viele Errungenschaften im Laufe der
„Schon bald erhob sich die Frage nach letzten 50 Jahre der Neusser Lebenshil-
einem Wohnhaus, in dem erwachse- fe. Dass aus einer Wohnzimmergruppe
ne Menschen mit Behinderung leben ein über 450 Mitarbeiter/-innen star-
konnten“, erinnert sich Liesel Michels. kes, im Angebot umfassend aufgestell-
„Der Vorstand entschloss sich, zunächst tes gemeinnütziges Unternehmen ge-
ein Haus anzumieten. Zur Bewältigung wachsen ist, das konnte Liesel Michels
der damit verbundenen Verwaltungsak- zu Beginn ihres großen Engagements
te brauchten wir jedoch professionelle nicht ahnen.
Hilfe, die uns die Stadt Neuss durch
einen Mitarbeiter des Rechnungsprü- „Wissen Sie, man muss im Leben das
fungsamtes stellte.“ tun, was das Leben von einem fordert.“
Ihr Antrieb war ihr Pragmatismus. Eine
Das erste Wohnhaus der Neusser Le- zielstrebige Frau, die früh Verantwor-
benshilfe war ein Mehrfamilienhaus in tung übernehmen musste. Schon als
Weckhoven. Auf 3 Etagen wohnten je 8 Heranwachsende, als sie für ihre jünge-
Menschen mit geistigen Behinderungen ren Schwestern sorgte, da die Mutter im
in familienähnlichen Gruppen zusam- Krieg ums Leben gekommen war.
men. Insgesamt 24 Menschen wurden
von Fachpersonal – unterstützt von „Mit dem Schicksal abfinden, das war
mütterlichem Hilfspersonal – betreut. nie mein Ding.“
Alle Bewohner/-innen waren Mitarbei-
ter/-innen der GWN.
„Schnell zeigte sich ein wachsender
Bedarf an Wohnhausplätzen. Durch die
positiven Erfahrungen mit dem ersten
Wohnhaus bestärkt, beschloss der Vor-
stand, ein zweites zu bauen.“ Kurz dar-
auf wurden zwei Eigentumswohnungen
erworben, in denen besonders selb-
ständige Bewohner/-innen in Wohn-
gruppen zusammenleben konnten. So
TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT 11Lebenshilfe-Team aktiv beim Firmenpuls
„Wir laufen mit!“
Eine Laufgruppe gibt es in der Neusser bei. Dieses Mal sogar mit 34 Anmeldun-
Lebenshilfe schon seit Jahren. Bewegung gen und beachtenswerter Verstärkung:
macht Spaß und ist gesund. Zudem wird Neben Lebenshilfe-Geschäftsführerin
Vielseitigkeit in der Lebenshilfe großge- Gesine Eschenburg liefen auch die
schrieben; genauso wie Inklusion. Men- prominenten Neusser Politiker Dr. Jörg
schen mit und ohne Behinderung gehen Geerlings und Arno Jansen im Lebens-
hier Hand in Hand. Da lag es nahe, dass hilfe-Team. Selbst widrige Höchsttem-
die Neusser Lebenshilfe ein Team für peraturen von 32 Grad minimierten
den Firmenpuls-Lauf aufstellte. Erstmals den Eifer nicht. Die Lebenshilfe-Teil-
2015 starteten 23 Lebenshilfe-Läufer, nehmer/-innen – Bewohner/-innen der
Nutzer/-innen wie Mitarbeiter/-innen Wohnhäuser, Nutzer/-innen der Offenen
samt Vorstandsmitglied Wolfgang Grüe, Hilfen sowie des Ambulant Unterstütz-
beim beliebten Neusser Firmenlauf im ten Wohnens mit M itarbeiter(inne)n und
Südpark. Mit Startnummern bestückt, Betreuer(inne)n der Lebenshilfe – ließen
ging es gemeinsam die 5 Kilometer rund sich das tolle Ereignis nicht entgehen.
um den Reuschenberger See. Nicht ohne Die Lebenshilfe schafft Lebensraum, in
Anstrengung, dennoch mit großer Freu- dem Menschen mit und ohne Behinde-
de und Begeisterung, arbeitete sich das rung selbstverständlich miteinander um-
Lebenshilfe-Team um Kapitän Carsten gehen. Menschen im Team; genau wie
Schmid ins Ziel. Vor allem die aufmun- beim Firmenpuls. So stellt sich weder die
ternden Zurufe der Zuschauer spornten Frage, noch gibt es irgendeinen Zweifel:
zur „Höchstform“ an. Daher zeigte sich
schnell, eine neue Leidenschaft war Am 12. September ist die Neusser
entbrannt. Lebenshilfe wieder mit am Start
Gedacht, getan – 2016 war die Neusser beim Firmenlauf 2017 im Südpark!
Lebenshilfe ohne zu zögern wieder da-
12 TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERTGroße Jubiläums-Karnevalstruppe
In Gold auf dem Kappessonntagszug
Themengebend für die Kappessonn-
tags-Verkleidung der Lebenshilfe Neuss
war in diesem Jahr das 50-jährige Jubilä-
um, welches dem Anlass entsprechend
mit goldenen Kostümen und Hüten
umgesetzt wurde. Auch der begleitende
Bus wurde festlich in Gold geschmückt.
Die Teilnehmerzahl war in diesem Jahr
mit 105 Beteiligten, davon 10 aus der
Tanzgarde „Delrather Piratess“, doppelt
so groß wie im letzten Jahr.
Im Vorfeld des Zuges trafen sich die
Teilnehmer/-innen im Lebenshilfe-Cen-
ter, um sich gemeinsam vorzubereiten,
zu schminken und zu frühstücken. Im Auf dem Zugweg trafen wir auf viele
Anschluss ging es dann zum Landes- bekannte Gesichter, die die Lebenshilfe
theater zum Aufstellen für den Kappes- Neuss freudig in Empfang nahmen. Der
sonntagszug. unmittelbar vor uns fahrende Wagen
sorgte durch Livemusik von „MaximNoi-
Unter dem Wurfmaterial befanden sich se“ für eine ausgelassene Stimmung.
neben einer Spende von 5.000 Tütchen Die Reaktionen der Zuschauer/-innen
Gummiherzen der Mediaagentur Frank und Teilnehmer/-innen waren durch-
Küpping, Veranstalter der 1. Neusser weg positiv und viele möchten nächstes
Kinder- und Familienmesse, auch Luft- Jahr mitgehen beim Karnevalsumzug.
ballons und diverse andere Süßwaren.
TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT 13Buntes Treiben in Gedenken an Jörg Fischer
Tolle Stimmung bei „Jeck op Jeckerei“
Im Laufe der letzten 15 Jahre ist es sondern auch ein toller Teamkollege im
schon zu einer festen Tradition gewor- Integrativen Freundeskreis.
den, dass die Nutzerinnen und Nutzer
sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Die diesjährige Sitzung war nicht nur
der Lebenshilfe Neuss mit vielen wei- eine sehr schöne Karnevalsfeier, son-
teren Besuchern an der integrativen dern auch eine wunderbare Gedenkfei-
Karnevalssitzung „Jeck op Jeckerei“ er für Jörg Fischer, denn auch in diesem
teilnehmen. Jahr hat der ausverkaufte Saal im Mar-
tin-Luther-Haus wieder gebebt. Hierzu
Geleitet wird die Karnevalssitzung vom beigetragen haben die ca. 200 Gäste
Integrativen Freundeskreis, dem Mitar- und die Künstler/-innen, die es sich
beiterinnen und Mitarbeiter der Le- nicht nehmen ließen, mit viel Musik,
benshilfe Neuss und der evangelischen Witz und Charme sowie einem bunten
Christuskirchengemeinde angehören. Programm den Saal „zum Kochen zu
bringen“.
In diesem Jahr wurde die Sitzung zu Eh-
ren von Jörg Fischer durchgeführt, der Latino-Rhythmen und krachende
Anfang Januar plötzlich und unerwartet Beats
verstorben ist. Jörg Fischer war nicht Auf der Bühne tanzten phantasievoll
nur ein guter Musiker, der mit seiner kostümierte Menschen mit Behinde-
Musik und humorvollen Art in den ver- rung zu heißen Disco-Rhythmen. Mit
gangenen Jahren durch das Bühnenpro- spürbarer Begeisterung zeigten die
gramm bei Jeck op Jeckerei geführt hat, Mitglieder der Tanzschule Dirk Reißer
14 TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERTaus Dormagen ihr Können. Das bunt
gemischte Publikum aller Generationen
bestehend aus Scheichs, Katzen, Frö-
schen, Wikingerinnen, Cowboys, Matro-
sen, Piratinnen und sogar FBI-Männern
brauchten zum Mittanzen nicht lange
überredet werden.
Boris Quest, alias Clown Bobori, brachte
sowohl die kleinen als auch die großen
Zuschauer mit Zaubereien und Späßen
zum Lachen.
Richtig eingeheizt wurde dem Publikum
von den Zumbamädels der TG Neuss
unter Leitung von Fibi. Mit ihrem Tanz
zu exotischen Klängen, kraftvollen
Latino-Rhythmen und internationalen
Beats brachten sie den Saal gehörig in
Stimmung.
Auch die Jungs der „Dreikönige Play- tollen Stimmung und Unterstützung aller
backdancers“ haben mit ihren Tanz- Beteiligten – einmal mehr ein voller Erfolg.
künsten zu bekannten Disco-Sounds die
Bühne gerockt. Dass Jeck op Jeckerei verbindet, hat
sich wieder bewiesen, weil Menschen
Wie sollte es anders sein – Höhepunkt mit und ohne Behinderung, groß oder
und eine schöne Tradition der Sitzung klein, dick oder dünn, gemeinsam dafür
war der Einzug des Neusser Prinzen- gesorgt haben, dass die Sitzung auch
paares, Prinz Dieter III. und seine No- in diesem Jahr wieder zu einem unver-
vesia Anita 1 und das Kinderprinzen- gesslichen Erlebnis wurde.
paar der Blauen Funken, Thomas I und
Mia I. Aber nicht nur die Prinzenpaare
sorgten dafür, dass alle aus dem Häus-
chen waren. Auch die Tanzmariechen
der Blauen und Roten Funken sowie
Heinz Langnitz und die Band 2nd Try,
die bei Jeck op Jeckerei ihren ersten
öffentlichen Auftritt hatte, begeisterten
das Publikum.
Sitzungspräsidentin Natalie Witte-Goo-
ren führte mit musikalischer Unter-
stützung von Martin Müller durch ein
abwechslungsreich gestaltetes Pro-
gramm. Die 15. Karnevalssitzung Jeck
op Jeckerei war durch das erprobte
Zusammenspiel von Moderation, Musik
und Künstler(inne)n – gepaart mit der
TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT 15Gemeinsame Entwicklung eines Leitbildes für die Lebenshilfe Neuss
Wir stehen für Wertschätzung,
Offenheit, Respekt und Akzeptanz
ergebnisoffen diskutiert und die Schwer-
punkte anschließend zusammengefasst.
In einer Gruppe wurde aus diesen Er-
gebnissen im Anschluss ein Leitbildent-
wurf entwickelt, der erneut den Mitar-
beiter/-innen und Vereinsmitgliedern
vorgestellt wurde.
Wir haben für den zweiten Schritt die
Form der sog. „Aktiven Mittags-Zeit“
genutzt. Hier wurde im Januar 2017 in
verschiedenen, zufällig zusammenste-
Die Lebenshilfe Neuss hat nunmehr henden Gruppen über die Ergebnisse
eine fünfzigjährige Tradition. Sie ist eine des Leitbildes diskutiert und Anmerkun-
besondere Organisation mit Zielen, gen gemacht.
die nicht nur mit der täglichen Arbeit
verbunden sind, sondern auch in die Wichtige Aussagen aus der Entste-
Gesellschaft wirken. Teilhabe von Men- hungsphase des Leitbildes
schen mit Behinderungen ist dabei ein „Eine wichtige Haltung ist der Schutz,
Grundprinzip, für dessen umfassende die Geborgenheit, die Wärme, die
Umsetzung die Lebenshilfe Neuss sich Sicherheit, die Akzeptanz und die Wert-
engagiert. schätzung gegenüber Kollegen/Nut-
zern/Kindern/Bewohnern…“
Um transparent darzustellen, welche „Der Respekt ist das A und O im Mitein-
gemeinsamen Überzeugungen wir in ander…“
der Lebenshilfe Neuss vertreten, wurde „Gemeinsam tragen die Mitarbeiter, trägt
unter großer Beteiligung ein Leitbild man ein positives Menschenbild und
entwickelt. dadurch entsteht eine Gemeinschaft…“
Es ist die Erklärung der Lebenshilfe „…füreinander da sein…“
Neuss über unser Selbstverständnis und „Ich werde trotz meiner Behinderung
unsere Grundprinzipien. Das Leitbild for- (empathisch) als normaler Mensch
muliert, wie wir uns sehen, wie wir sind behandelt. Man traut mir Intelligenz
und wie wir noch werden wollen. Es soll und Ideen zu und ich merke sehr, dass
Orientierung geben und deutlich ma- es dem Personal mehr um Hilfe und
chen, wofür die Lebenshilfe Neuss steht. Freude bei der Arbeit geht und nicht in
erster Linie um ihr eigenes Ego (Kohle
Um möglichst vielfältige Aspekte ein- und Karriere).“
fließen zu lassen, haben wir, die Mit- „Die Lebenshilfe orientiert ihre Arbeit
arbeiter/-innen und Vereinsmitglieder, an den Wünschen und Bedürfnissen
Elternvertreter/-innen und Nutzerver- der Klienten und Mitarbeiter…“
treter/-innen uns zu unserem World-Ca- „Wir sind Sprachrohr für Menschen mit
fé im April 2016 zu einem Austausch besonderen Bedürfnissen…“
getroffen. Dort wurden in wechselnden, „Das Miteinander verschiedener Religio-
kleinen Runden unterschiedliche Fragen nen und Kulturen/Nationen…“
16 TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERTUnser Leitbild
Das Leitbild gilt für alle, die mit der Lebenshilfe verbunden sind: Nutzer/-innen,
Bewohner/-innen, Mitarbeiter/-innen, Ehrenamtliche, Mitwirkende im Verein
und den Einrichtungen, die Unterstützer/-innen und Sympathisant/-innen.
Vor
Wir alle sind das „WIR“ der LebenshilfewNeuss;
ort füreinander und miteinander!
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Das Ergebnis – unser Leitbild – zeigt,
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Die Lebenshilfe ist Wegbegleiterin in allen Lebensphasen.
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Die Lebenshilfe steht für Wertschätzung, Offenheit, Respekt
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Die Lebenshilfe ist ein attraktiver Arbeitgeber. h
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Die Lebenshilfe ist eine solide, gesunde, zukunftsorientierte
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Die Lebenshilfe ist fester Bestandteil des öffentlichen Lebens.
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Die Lebenshilfe ist Vorreiterin für Inklusion.
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Unser Leitbild ist als Flyer erhältlich und auf unserer
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Starkes Interesse an
Infoveranstaltungen der Lebenshilfe
Fast 100 Interessierte folgten im März der liche Unterstützung zugesagt.
Einladung zu einem Themenabend zum
Bundesteilhabegesetz. Mit Christoph Es- Als Interessenvertreter vor Ort infor-
ser war dazu der Jurist des Landesverban- miert die Lebenshilfe fortlaufend aktiv
des der Lebenshilfe nach Neuss gekom- über neue Regelungen. Besonderer
men, um über das neue umfangreiche Schwerpunkt wird in den nächsten Jah-
Gesetz und dessen Folgen sehr frühzeitig ren weiterhin die Reform der Eingliede-
zu berichten. In seinem zweistündigen rungshilfe sein. Die Auswirkungen aus
Vortrag ging er auf die Veränderungen dem großen Gesetzespaket Bundesteil-
ein, die das neue Gesetz zur Folge haben habegesetz/ Pflegestärkungsgesetz III
wird. Weniger umfangreiche Neuerungen treten bis 2023 nach und nach in Kraft.
sind bereits seit dem 1.1.2017 in Kraft, Sie haben für Bewohner/-innen statio-
darunter die Pflicht zur Vorlage eines er- närer Einrichtungen, ambulant betreute
weiterten Führungszeugnisses für Mitar- Nutzer/-innen, deren Angehörige und
beiter/-innen im pädagogischen Bereich. gesetzliche Betreuer/-innen, aber auch
Ab dem 1.1.2020 wird es jedoch völlig für die Träger, erhebliche Veränderun-
neue Verfahren im Sinne der Umsetzung gen zur Folge.
der Personenzentrierung geben. Mit der
Veranstaltung wurde Verständnis für die Nähere Informationen unter:
Veränderungen geschaffen und persön www.lebenshilfe-neuss.de
TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT 17Neues vom Kunstworkshop der Offenen Hilfen
Unser Bild für die „Engelausstellung“
Die Offenen Hilfen der Lebenshilfe Neuss keiten wahrnehmbar verbessern und
bieten seit 5 Jahren Kunstworkshops für somit auch an Zutrauen gewinnen, sich
Menschen mit und ohne Behinderung an anspruchsvollere Bildideen zu wa-
an, die sich unverändert großer Beliebt- gen. So entstand in den letzten Mona-
heit erfreuen. Im Mittelpunkt steht dabei ten z.B. eine Serie von sehr schönen
das Malen von Bildern. Die bis zu fünf Landschaftsbildern zu verschiedenen
Teilnehmer/-innen pro Workshop treffen Jahreszeiten, die zusammen mit an-
sich hierfür an sechs Wochenenden im deren Bildern aus den Workshops im
Jahr, um sich in der Kunst des Malens zu Treppenhaus der Verwaltung der Le-
üben und gemeinsam neue Bildideen zu benshilfe Neuss ausgestellt werden.
entwickeln und umzusetzen.
„So stellen wir uns einen Schutzengel
Unterstützt werden sie hierbei von der vor. Der beschützt die Menschen, vor
Neusser Künstlerin Simone Klerx, die allem die Kinder. Wir haben lange an
durch ihre Ausbildung und Arbeit sehr dem Bild gemalt und uns viel Mühe
«
viel Geschick und Erfahrung in der kreati- gegeben. Ich finde das Bild schön.“
ven Förderung von Menschen mit Behin-
derung mitbringt. So vermittelt Simone Renate F.
Klerx zu Beginn eines jeden Workshops
den Teilnehmer(inne)n die wichtigsten Bestärkt durch den zunehmenden
Grundtechniken des Malens. Mit wach- Erfolg und die große Freude am ge-
sender Sicherheit gehen die Maler/-innen meinsamen Malen haben die Teilneh-
dann dazu über, eigene Bildideen mit Un- mer/-innen im Laufe der Jahre auch
terstützung der Kursleiterin umzusetzen. an verschiedenen, viel besuchten
Kunstausstellungen (z.B. in der Sparkas-
Auf diese Weise konnten die Teilneh- se Neuss oder im Romaneum) teilge-
mer/-innen ihre malerischen Fähig- nommen. Und das mit Erfolg, denn die
18 TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERTRückmeldungen der Besucher/-innen teiligen und das Kunstwerk den Apos-
waren durchweg positiv. telpfarren zu schenken.
Als die Maler/-innen des Kunstwork- i
Die „Engelausstellung – Mitmach-
shops von Gürcan Gövem, dem Leiter ausstellung für Berufskünstler und
des Kinder- und Jugendzentrums Aller- Laien“, bei der das Bild „Schutzen-
heiligen, von der „Engelausstellung – gel“ der Lebenshilfe-Künstler/-in-
Mitmachausstellung für Berufskünstler nen des Kunstworkshops gezeigt
und Laien“ der Apostelpfarren Neusser wird, findet vom 29.09.17 bis zum
Süden erfuhren, entschieden sie sich 14.10.17 in der kath. Kirche St.
daher einstimmig dafür, sich mit einem Peter Rosellen, Brunnenstraße,
eigenen Bild an der Ausstellung zu be- 41470 Neuss, statt.
Eindrücke zweier
Lebenshilfe-Künstlerinnen
Melanie F.: „Ich bin von Anfang an i
Falls Sie Interesse an der Teilnah-
mit dabei. Mir machen die Workshops me an den Kunstworkshops oder
großen Spaß. Die Simone macht das Fragen haben, rufen Sie gerne
super!“ Björn Vieregge unter der Rufnum-
Renate F.: „Am Anfang haben wir viel mer 02131-36918-0 an.
gezeichnet. Wir haben z.B. Rechtecke Neue Maler sind herzlich will-
und Kreise gezeichnet. Wir haben auch kommen!
geübt, Farben zu mischen. Das fand ich
immer spannend.“ Wenn Sie sich ein eigenes Bild
Renate F.: „Wir malen auch oft Ge- vom kreativen Schaffen unseres
meinschaftsbilder. Das ist gar nicht so Kunstkurses machen möchten, la-
einfach, wenn mehrere an einem Bild den wir Sie herzlich ein, uns beim
malen. Die Simone hilft uns aber dabei. Jubiläumsfest der Lebenshilfe
Dann klappt das.“ Neuss am 20. Mai zu besuchen.
Melanie F.: „Von mir sind auch schon
Bilder gezeigt worden. Da bin ich stolz Wir haben einen eigenen
„
drauf.“ Stand. Da zeigen wir unsere
Renate F.: „Ich mag vor allem die schönsten Bilder. Wir freuen
«
Winterbilder. Die sind uns wirklich gut uns auf alle Besucher!“
gelungen.“
Melanie F.
TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT 19Umfassende Beratung zu den Themen Wohnen und Freizeit
13 Jahre KoKoBe
ren kam dieser zu der Erkenntnis, dass
Menschen mit Behinderung umfassende
Beratung und Unterstützung bei der
Suche nach einer passenden Wohnform
benötigen. Zwar waren einige Träger der
Behindertenhilfe bekannt, aber jedoch
nicht alle. Ferner war es für viele Men-
schen nicht einfach zu erkennen, wie
man Anträge stellt und welche Unterla-
gen notwendig sind, um einen Platz in
einem Wohnhaus zu bekommen. Viele
Menschen mit Behinderung wussten
noch nicht von der Möglichkeit, dass man
auch mit Unterstützung in einer eigenen
Wohnung wohnen kann. Außerdem war
Im Jahr 2004 öffnete die KoKoBe im es nicht immer einfach für sie, eine inte
Rhein-Kreis Neuss ihre Türen. Damals war ressante Freizeitaktivität zu finden.
die KoKoBe, die sich in der Trägerschaft
der Lebenshilfe Neuss gGmbH befindet, Das Ergebnis war, dass es gut ist, wenn
auf der Drususallee im Martin-Luther- es im Rheinland Stellen gibt, die sich mit
Haus. Dort waren auch noch andere dem Thema „Wohnen“ und dem Thema
Abteilungen der Lebenshilfe. Die ersten „Freizeit“ auskennen und Menschen mit
beiden Menschen, die in der K oKoBe Behinderung beraten können. So ent-
gearbeitet haben waren Eva B ackus und stand die Idee, für ein flächendeckendes
Christian Huppert. Zusammen haben sie Netz von unabhängigen Beratungsstellen
die KoKoBe mit Engagement und Fach- im ganzen Rheinland. Diese Beratungs-
kompetenz aufgebaut. Danach folgten stellen sollten alle den Namen „KoKoBe“
weitere Kolleginnen und Kollegen, die die tragen; das ist die Abkürzung für Koordi-
Arbeit in der KoKoBe weiterentwickelt nierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle.
haben: Anja Rosskamp, Anja Peter, Marcel
Gräwert, Christiane Moes und Melanie Die KoKoBe hat in den vergangenen
Kraiczek. Von der Drususallee zog die 13 Jahren viele Menschen mit Behin-
KoKoBe dann in die Mainstraße in Neuss- derung, ihre Angehörigen und ge-
Norf. Im Jahr 2010 konnte die KoKoBe in setzlichen Betreuer beraten und dazu
die neuen Räumlichkeiten am Hamtorwall beigetragen, dass viele Menschen ein
umziehen; dorthin, wo auch heute noch Zuhause gefunden haben, in dem sie
die Verwaltung der Lebenshilfe Neuss sich wohl fühlen und die für sie passen-
gGmbH zu finden ist. Seit 2011 verfügt die de Unterstützung haben.
KoKoBe über eigene Räumlichkeiten in
der Erftstraße 56. Mehr erfahren auf informativen Ver-
anstaltungen
Mit KoKoBe-Hilfe die passende Wohn- Die Mitarbeiterinnen der KoKoBe sind
form finden regelmäßig bei den Werkstätten für
Die Idee für die Schaffung der KoKoBe‘s Menschen mit Behinderung, um auch
entstand beim Landschaftsverband dort vor Ort zu beraten und besuchen
Rheinland (LVR): Vor ungefähr 15 Jah- die Menschen ebenso zu Hause.
20 TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERTEs werden und wurden viele Informa- tungsreihe wurden bereits Ausflüge zu
tionsveranstaltungen durchgeführt; Polizei, Feuerwehr, in eine Brauerei oder
z.B. zu den Themen: Grundsicherung, auch zur Firma Teekanne unternommen.
Ich werde 18, Autismus, Behinderten
erbrecht und noch viele weitere. Eine Rückblickend lässt sich festhalten, dass die
besondere Informationsveranstaltung KoKoBe für viele Menschen eine kompe-
war die Wohnbörse im Jahr 2015: Hier tente Anlaufstelle geworden ist, die zu vie-
konnten sich Menschen mit Behinde- len Fragen rund um das Thema Wohnen,
rung über die unterschiedlichen Ange- Antragsstellung und Freizeit beraten kann.
bote im Rhein-Kreis Neuss informieren.
Koordinierungs-, Kontakt- und Bera-
Eine Vielzahl von inklusiven Freizeitange- tungsstelle für Menschen mit geistiger
boten hat bereits stattgefunden: z.B. ein Behinderung
Radioprojekt; ein Projekt, wie man gut
und kostengünstig leben kann („Ohne i
Anja Peter
Moos nix los“); die große Jubiläumsparty Erftstr. 56
zum 10-jährigen Bestehen der KoKoBe 41460 Neuss
im Jahr 2014. Seit dem Jahr 2016 gibt es Tel: 02131 - 13 30 322
die Veranstaltungsreihe „Die KoKoBe Fax: 02131 - 12 59 609
besucht…“ Im Rahmen dieser Veranstal- erftstrasse@kokobe-rkn.de
Tandem-Beratung in der KoKoBe
Von Erfahrungen anderer profitieren
Im Jahr 2017 startete die KoKoBe der
Lebenshilfe Neuss gGmbH mit der Tan-
dem-Beratung mit Ingo Baranski.
Ingo Baranski ist ein Mensch mit Behinde-
rung, der zukünftig in der Sprechstunde
der KoKoBe in der Erftstraße 56 in Neuss
gemeinsam mit den Beraterinnen der Ko-
KoBe Menschen mit Behinderung und ihre
Angehörigen berät. Der Vorteil ist, dass
Ingo Baranski aufgrund seiner langjährigen
und umfassenden Erfahrungen viel zum
Thema Wohnen und Selbstbestimmung Ingo Baranski unterstützt. Seit dem
zu erzählen hat und dieses auch gern den 30.04.2015 wohnt er in einer Wohnge-
Menschen weitergibt, die noch nicht so meinschaft, die vom Ambulant Unter-
viele Erfahrungen sammeln konnten. stützten Wohnen der Lebenshilfe Neuss
gGmbH betreut wird.
So hat Ingo Baranski im Laufe der letz-
ten 15 Jahre viele verschiedene Wohn- Ingo Baranski als ehrenamtlicher
formen kennengelernt und kann aus Tandem-Berater
erster Hand berichten. Er hat bei der Ingo Baranski hat im Laufe seines Le-
Lebenshilfe in Bochum in einem Wohn- bens nicht nur verschiedene Wohnfor-
haus und in einer Außen-WG gewohnt. men kennengelernt, sondern er ist sehr
Zudem hat er in einer Wohnung gelebt, hilfsbereit und hat immer da geholfen,
die in der Nähe einer Außen-WG lag. wo Unterstützung notwendig war: Er war
Die Mitarbeiter dieser Außen-WG haben Gründungsmitglied des Landeslebenshil-
TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT 21ferats und war dort zunächst als Schrift- der Lebenshilfe Neuss gGmbH und setzt
führer tätig. Danach war er 15 Jahre lang sich gemeinsam mit den anderen Mit-
1. Vorsitzender des Landeslebenshilfera- gliedern für die Belange von Menschen
tes. Im Rahmen dieser Tätigkeit hat er an mit Behinderung weiterhin erfolgreich
vielen Fachtagungen in Deutschland und ein.
im Ausland teilgenommen. Hier stand er
im intensiven Austausch mit Menschen Nun ist Ingo Baranski als Tandem-Bera-
mit und ohne Behinderung mit dem Ziel, ter ehrenamtlich in der KoKoBe tätig. Er
sich für Teilhabe und Selbstbestimmung freut sich auf seine neue Aufgabe und
behinderter Menschen einzusetzen. Die bringt viele interessante Ideen mit. Für
gewonnenen Kenntnisse konnte Ingo die Mitarbeiterinnen der KoKoBe ist die
Baranski erfolgreich umsetzen: Er hat Zusammenarbeit mit ihm eine wert-
viele örtliche Lebenshilfen beraten, wie volle Bereicherung für die Arbeit in der
man einen Lebenshilferat gründet und KoKoBe.
welche Aufgaben ein Lebenshilferat
übernehmen kann. Seit Mai 2015 ist Ingo Herzlich willkommen Herr Baranski!
Baranski Mitglied des Lebenshilferates
Der Winter ist vorbei!
lnklusiver Lauftreff ist wieder gestartet
Seit April trainiert der Lauftreff wieder tion und Training sorgen im Lauftreff
einmal in der Woche im Jahnstadion. Anke Olschowsky und Wolfgang Grüe.
Dabei steht nicht allein der Sport im Alle sind herzlich eingeladen mitzulaufen!
Vordergrund, sondern es geht auch um
die Freude am Laufen und das Mitei- Wir treffen uns:
nander in der Gruppe. Und dass es mittwochs um 17.15 Uhr.
gemeinsam mehr Spaß macht, konnten Wir trainieren etwa 1 Stunde,
die Läuferinnen und Läufer bereits beim auf der Sport-Anlage Jahnstadion,
Sommernachtslauf und Erftlauf zeigen. Jahnstraße, Neuss.
Für das ausreichende Maß an Motiva-
Unser Lebenshilfe-Center
Ein Ort der Beratung, des
Austausches und zum Feiern
2010 erfolgte der große Umzug der wurde schon das erste Fest hier aus-
Verwaltung, der Offenen Hilfen, des gerichtet: Karneval 2010 in den neuen,
Pflegedienstes und des UWOs von der bunt geschmückten Räumen. Sogar das
Mainstraße zum Hamtorwall 16 in der Kinderprinzenpaar gab uns die Ehre. Es
Innenstadt. wurde kräftig bei leckeren Speisen und
Getränken gefeiert, getanzt und gelacht.
Kurz vor dem Umzug wurde unser Weitere Karnevalsfeiern folgten.
neues Angebot, das Lebenshilfe-Cen-
ter am Hamtorwall 14, eröffnet. Doch Nach dem ersten großen Fest wurde
bevor noch die ersten Möbel da waren, das Lebenshilfe-Center behaglich ein-
22 TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERTgerichtet. Neben einer Küche und drei
Arbeitsplätzen ist im vorderen Bereich
ein gemütliches Café entstanden, ein
Treffpunkt für Menschen mit und ohne
Behinderung. Außerdem werden hier
Fragen zu den vielfältigen Angeboten der
Lebenshilfe Neuss gGmbH beantwortet.
Am 29.05.2010 gab es dann ein großes
Einweihungsfest und die Gäste hatten
die Möglichkeit, die neuen Räumlich-
keiten zu besichtigen. Musik, Essen und
Trinken sorgten für eine gute Stimmung
im Lebenshilfe-Center.
2011: Signet-Verleihung „barrierefrei“
Am 16.11.2011 wurde unseren Be-
triebsstätten Hamtorwall 16 und dem
Lebenshilfe-Center feierlich das Signet
„barrierefrei“ überreicht.
Inzwischen gab es einige Veranstaltun-
gen und Feste im Lebenshilfe-Center. So
fanden beispielsweise eine Informations-
veranstaltung zum Thema Ausbildung
und Beruf, Elternveranstaltungen für die
Eltern unserer Kindertageseinrichtungen
bzw. Familienzentren sowie eine Veran-
staltung zur Entwicklung des Leitbildes
der Lebenshilfe Neuss g GmbH statt.
Auch der Eifelverein war im Lebenshil-
fe-Center zu Gast und hat mit den Gäs-
ten gesungen. Ein Kreativkreis sowie ein
Spielenachmittag wurden initiiert und
ein Waffeltag eingerichtet.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch.
Das Lebenshilfe-Center war Treffpunkt Kommen Sie vorbei, wir beantworten
für unsere Sportler, die am Sommer- Ihre Fragen.
nachtslauf teilgenommen haben. Laut- Das Lebenshilfe-Center ist montags
stark wurden sie von Eltern und Ange- bis freitags von 10:00 bis 12:30 Uhr
hörigen angefeuert. und von 13:30 bis 17:30 Uhr geöffnet.
Also alles in allem war in den 7 Jahren i Eva Backus berät Sie gerne.
im Lebenshilfe-Center eine ganze Men- Kontakt auch unter:
ge los! 02131 - 369 18 40,
e.backus@lebenshilfe-neuss.de
TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT 23Unser Auszubildender im Pflegedienst „Hand in Hand“
Helfen aus Überzeugung
und mit Begeisterung
die er aufgrund seiner eingeschränkten
Deutschkenntnisse nicht beendete.
Während dieser Pflegeausbildung in
2014 hospitierte er beim ambulanten
Pflegedienst „Hand in Hand“ der Le-
benshilfe Neuss gGmbH. Diese Arbeit
am Menschen gefiel ihm so gut, dass er
sich entschloss, im Oktober 2015 eine
3-jährige Altenpflegeausbildung zu be-
ginnen. Diese besteht aus fünf Blöcken
à 6 Wochen Praxis beim ambulanten
Pflegedienste der Lebenshilfe Neuss
und aus acht Blöcken von je 4 Wochen
Pardeep Kumar wurde 1981 in Indien Theorie in der Hildegard Pautsch Schule.
geboren und wuchs mit drei Geschwis-
tern auf. Besonders schätzt Pardeep Kumar die
Er arbeitete bis zu seinem 17. Lebens- 1zu1-Betreuung durch seine Praxisan-
jahr in dem kleinen Milchproduktehan- leitung Ingrid Mathes. Sie steht wäh-
del seines Vaters mit. rend der Pflegetätigkeit helfend und
Als seine Mutter erkrankte, kümmerte erklärend neben ihm.
sich Pardeep Kumar liebevoll um sie.
“Ich freue mich jeden Tag aufs Neue,
In dieser Zeit entstand der Wunsch, in die Pflege zu gehen“, erklärt er. „Ich
beruflich eine Pflegetätigkeit auszu- mag den Kontakt mit den Menschen.
üben. Aus familiären Gründen kam er Sie zu versorgen und zu pflegen, ist eine
2007 nach Deutschland. Hier verfolgte anspruchsvolle wie dankbare Aufgabe.
er konsequent seine Idee und begann Zudem lerne ich viel hier.“
eine Krankenpflegehelferausbildung bei
der Kaiserswerther Diakonie in 2014, So hat Pardeep Kumar schon einen
Wunsch für die Zukunft: „Die Mitarbei-
ter sind sehr nett und hilfsbereit, ich
fühle mich sehr wohl hier und könnte
mir vorstellen, nach der Ausbildung
als examinierte Pflegefachkraft bei der
Lebenshilfe weiterzuarbeiten.“
i Unsere Pflegedienstleitung
Andrea Fuchs-Kahlki berät Sie
fachkundig. Nähere Infos unter
www.pflege-in-neuss.de.
Kontakt unter
Tel. 02131-369 18 55 oder
pflege@lebenshilfe-neuss.de
24 TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERTDie Lebenshilfe gibt
vielen Menschen ein Zuhause
Wir bauen –
neu und um
Als sich vor fünfzig Jahren die ersten
„Lebenshelfer“ zusammenfanden, wa-
ren das Eltern, die sich um die Zukunft
ihrer Kinder sorgten. Was passiert,
wenn wir nicht mehr können oder nicht
mehr da sind?, so die beängstigende
Frage.
Die Lösung lag in der Schaffung von Ein-
richtungsplätzen, in denen sich die nun
schon jungen Erwachsenen wohl fühlen
und bei denen die Eltern wissen, dass
ihre Kinder gut und fürsorglich aufge-
hoben sind. So wurde das erste Wohn-
haus der Lebenshilfe Neuss 1974 in
der Theresienstraße 18 in Weckhoven
eröffnet. Heute haben 160 Menschen
in unseren Wohnhäusern ein Zuhause
gefunden.
Die vergangenen Jahrzehnte brachten
einen großen Wandel in Sichtweisen
und Erkenntnissen. Die Bestimmungen
haben sich deutlich verbessert und
damit auch die Finanzierungsbedingun-
gen. Zum Glück. Heute ist vorgeschrie-
ben, dass jedem/jeder Bewohner/-in
(in Neubauten) ein Einzelzimmer mit
eigenem Bad zusteht. Zudem müssen
zu jeder Wohngruppe ein Aufenthalts-
raum, eine (Tee-)Küche und ein Balkon
(oder eine Terrasse) gehören. Eine
Ausstattung, die die Lebens- und Wohn-
qualität erhöht. Daher bauen wir – neu
und um.
Standard erhöhen, aber Geduld wah-
ren
Aktuell ist der Start des Umbaus des
Wohnhauses Theresienstraße 16 in
greifbarer Nähe. Die Voraussetzungen
sind geschaffen. Bewohner/-innen,
Mitarbeiter/-innen, Angehörige und der
TANDEM: WOHNEN 25Sie können auch lesen