TANDEMAusgabe 113 | Juni 2021 - Das Magazin der - Autismus erkennen und verstehen - Lebenshilfe Neuss

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TANDEMAusgabe 113 | Juni 2021 - Das Magazin der - Autismus erkennen und verstehen - Lebenshilfe Neuss
TANDEM
                                 Ausgabe 113 | Juni 2021

Autismus erkennen
und verstehen

Sonderseiten Freunde
und Gemeinschaft

Beschäftigte loben
Arbeitgeberqualitäten

               Das Magazin der
TANDEMAusgabe 113 | Juni 2021 - Das Magazin der - Autismus erkennen und verstehen - Lebenshilfe Neuss
Inhaltsverzeichnis

                 EDITORIAL                                 WOHNEN
                 04	Vorwort der                           UWO –
                     Vorstandsvorsitzenden                 Ambulant Unterstütztes Wohnen

                 05	Grußwort der                          20	Käthe Kr. und Elke Kr. feiern
                     Geschäftsführung                          10-jähriges UWO-Jubiläum

                                                           21    Mit dem UWO zum
                 LEBENSHILFE                                     Kinder-Bauernhof
                 WISSENSWERT
                                                           Wohnhäuser
                 06      Wir im Gespräch
                         mit 1LIVE                         36	Gedanken aus dem Wohn-
                                                               haus Weckhoven zum
                 08	Autismus erkennen und                     Corona-Ausbruch
                     verstehen – die Lebenshilfe
                     Neuss berät, stützt und er-           37	Backaktion und gemütliches
                     möglicht Teilhabe                         Beisammensein im Wohn-
                                                               haus Gnadental
                 11	Start der langersehnten Imp-
                     fungen
                                                           THEMENSEITEN
                 12      Danke für die Spende!             FREUNDE UND GEMEINSCHAFT
                 14	Neuer Bus für das Wohnhaus            24    Kita-Kontakt über Video
                     Gnadental
                                                           25	„Freundschaft ist...“ –
                 15	Beschäftigte loben Arbeitge-              Meinungen von Kita-Kids
                     berqualitäten der Lebenshilfe
                                                           26	Freundschaft in der Pan-
                     Neuss
                                                               demie: Gedanken von
                 16      Wir gratulieren zum                   UWO-Nutzerinnen und
                         25-jährigen Dienst-                   Nutzern
                         Jubiläum!                         29	Über das Miteinander im
                 17	Neubau Kinder- und Jugend-                Familienzentrum Marienburg
                     wohnhaus geht voran
                                                           30	Anders spielen in Corona-
                 18      Infos zur                             Zeiten im Abenteuerland
                         Corona-Impfung                    31	Gastbeitrag von Pfarrer
                 19       reffen vor Ort oder online im
                         T                                     Sebastian Appelfeller
                         Lebenshilfe-Center                34	Best Friends – trotz Corona

02   TANDEM: INHALTSVERZEICHNIS
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OFFENE HILFEN                       Texte in Leichter Sprache
38    in Blick aus den Offenen
     E
     Hilfen zurück – und immer      stehen in einem blauen Kasten.
     wieder nach vorne
                                    Leichte Sprache Bilder
40	Neues Freizeitprogramm der      markieren diese Text-Kästen.
    Offenen Hilfen
                                    Im Inhalts-Verzeichnis sind
41	Ambulant Unterstützender
    Dienst hilft auch in diesen
                                    die Titel dieser Texte blau
    Zeiten                          hinterlegt.

KINDER & JUGENDLICHE                IMPRESSUM

42	Das Hundertwasserhaus im        Herausgeber:
    Familienzentrum Marienburg      Lebenshilfe Neuss gGmbH
                                    Hamtorwall 16, 41460 Neuss
43	Danna Benjumea im Dualen        kontakt@lebenshilfe-neuss.de
    Studium der Kindheitspäda-      www.lebenshilfe-neuss.de
    gogik                           02131-369 18 0

44	Kita Wimmelgarten feiert 1.     Geschäftsführer:
    Geburtstag                      Gesine Eschenburg, Winfried Janßen

45   1 Jahr im neuen Haus           Redaktionsleitung: Marion Stuckstätte

47    sterprogramm bei strahlen-
     O                              Realisation: © 2021 Katja Maßmann, Neuss
     dem Sonnenschein               www.iD-Signs.de

                                    © Grafiken: Created by Freepik

                                    Die gezeichneten Bilder in den Leichte
                                    Sprache Kästen sind übernommen von:
                                    © Lebenshilfe für Menschen mit geisti-
                                    ger Behinderung Bremen e.V.
                                    Illustrator: Stefan Albers, Atelier Fleetin-
                                    sel, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

                                    © Fotos: Lebenshilfe Neuss gGmbH
                                    Titelfoto: Käthe Kr. und Elke Kr. im
                                    UWO-Ausflug zum Kinderbauernhof

                                    Druck: Teamdruck GmbH, Neuss

                                                                  TANDEM: INHALTSVERZEICHNIS   03
TANDEMAusgabe 113 | Juni 2021 - Das Magazin der - Autismus erkennen und verstehen - Lebenshilfe Neuss
Editorial
                  Liebe Freundinnen und Freunde der
                  Lebenshilfe Neuss,

                  ein „Editorial“ zu schreiben, ist in diesen
                  Tagen nicht leicht. Es steht unter dem
                  nicht enden wollenden Eindruck eines ein-
                  zigen bestimmenden Themas – Corona.
                  Wenn das ein schönes wäre – kein Pro-
                  blem. Aber eigentlich sind alle nur noch
                  genervt. Im besten Falle mit Geduld,
                  meistens aber mit Ärger über all die Zu-
                  mutungen, die dieses Virus über uns ge-
                  bracht hat.
                                                                – bekommt hiermit eine neue Vielfalt.
                  Wie also kriegen wir die Kurve? Nun,          Das Wohnangebot im Weißenberger
                  ein Blick auf das Erreichte ist hilfreich –   Weg ergänzt bestehende Möglichkeiten,
                  ebenso wie ein Blick auf die Pläne, die       die vom „ganz allein mit Unterstützung“
                  wir haben. Zu ersterem dürfen wir zäh-        wohnen bis zum „Wohnhaus“ (heute
                  len, dass wir nach Allerheiligen schauen      „Wohnen in der besonderen Wohn-
                  und das Kinder- und Jugendwohnhaus            form“) mit allen denkbaren Zwischen-
                  nun bereits im Rohbau steht. Der Ein-         stufen reichen.
                  zug zum Jahresende ist in greifbarer
                  Nähe. Wir freuen uns sehr. Aber auch          Entscheidend ist für uns dabei, verschie-
                  im Weißenberger Weg haben wir vor-            denste Möglichkeiten anzubieten, damit
                  beigeschaut und uns am Baufortschritt         jede/r so ganz nach seinem Geschmack
                  erfreut.                                      leben kann.

                  Und damit sind wir schon bei den Plä-         Bis wir uns an diesen unterschiedlichen
                  nen: Die Erwachsenen aus Grimling­            Orten hoffentlich wieder treffen, bleiben
                  hausen begeben sich auf einen Weg.            Sie gesund und zuversichtlich!
                  Künftig wohnen sie nicht mehr in einem
                  gemeinsamen Wohnhaus, sondern in              Ihre
                  einem Projekt, das aus mehreren klei-
                  nen Wohnungen besteht. Hinzu kommt
                  natürlich auch dort Fläche für gemein-
                  schaftliche Aktivitäten für alle, die es      Angelika Quiring-Perl
                  mögen.                                        Vorsitzende des Lebenshilfe Neuss e.V.
                                                                Vorsitzende des Aufsichtsrates der
                  Das, was man im Zuge des Bundesteil-          Lebenshilfe Neuss gGmbH
                  habegesetzes      „Personenzentrierung“
                  nennt – und was von der Lebenshilfe           im Namen von Vorstand und Aufsichtsrat
                  Neuss seit vielen Jahren umgesetzt wird

04   TANDEM: EDITORIAL
TANDEMAusgabe 113 | Juni 2021 - Das Magazin der - Autismus erkennen und verstehen - Lebenshilfe Neuss
Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,

in unserem Sonderteil dieser Ausgabe
geht es um Freunde und Gemeinschaft.
Natürlich haben wir dieses Thema auch
deshalb in den Mittelpunkt gerückt, weil
es einen besonderen Bezug zu dem lei-
digen „Corona-Virus“ hat. Freundschaft
musste sich notgedrungen anpassen,
ändern – oder auch nicht? Die Wahrneh-
mung ist sicher sehr unterschiedlich.       reits guten der vorherigen sind, sondern
Aber den meisten fehlen die Begegnun-       auch, dass fast 45 Prozent aller Beschäf-
gen mit Freund(inn)en, die häufig in-       tigten teilgenommen haben – laut Rietz
zwischen nur noch virtuell stattfinden,     ein außerordentlich hoher Wert.
sowie Umarmungen, Gespräche und ge-
meinsame Erlebnisse.                        Den Mitarbeiter(inne)n gilt auch das vor-
                                            letzte Wort dieses Editorials. Unseren
Wir hoffen sehr, dass sich dies bald wie-   Dank wiederholen wir gern erneut – die
der ändern kann. Die Lebenshilfe tut je-    bei uns zu leistenden Aufgaben sind in je-
denfalls viel dafür, die Einschränkungen    dem Fall anspruchsvoll, aber in Corona-
so gering wie möglich zu halten. Auch       Zeiten deutlich belastender. Dennoch
deshalb wurde bereits lange vor der ge-     erleben wir auch nach mehr als einem
setzlichen Vorgabe ein Testkonzept ent-     Jahr motivierte, engagierte und tatkräf-
wickelt. Viele Mitarbeiter/-innen haben     tige Mitarbeiter/-innen, die die Situation
sich schulen lassen, um Kolleg(inn)en,      annehmen und Großartiges leisten!
Bewohner/-innen und Besucher/-innen
testen zu können. Gleichwohl hat uns        Das letzte Wort soll nun Ihnen, unseren
das Virus im Januar und Februar noch        Leser(inne)n gelten: Bleiben Sie gesund
einmal sehr getroffen. Nun sind wir aber    und uns gewogen! Wir wünschen Ihnen
zuversichtlich, dass Besserung in Sicht     und uns einen Sommer voller Fröhlich-
ist – die Impfungen der Mitarbeiter/-in-    keit.
nen sowie Bewohner/-innen und Nut-
zer/-innen haben gemäß Verordnung im
März begonnen. Voraussichtlich sollen
diese im Juni abgeschlossen sein.
                                            Gesine Eschenburg
In dieser besonderen Situation des ver-     Geschäftsführerin
gangenen Jahres haben wir wie geplant
unsere     Mitarbeiter/-innen-Befragung
durchgeführt. Mit Unterstützung von
Professor Christian Rietz von der PH Hei-
delberg wurde eine vergleichbare Ana-
lyse zu der von vor drei Jahren erstellt.   Winfried Janßen
Uns freut daran nicht nur, dass die Er-     Geschäftsführer
gebnisse noch einmal besser als die be-

                                                                                  TANDEM: EDITORIAL   05
TANDEMAusgabe 113 | Juni 2021 - Das Magazin der - Autismus erkennen und verstehen - Lebenshilfe Neuss
Wir im Gespräch mit 1LIVE

      1LIVE ist ein beliebter Radio-Sender.
      Viele junge Menschen hören dort täglich Musik.
      Es gibt auch kurze Beiträge bei 1LIVE.
      Dann geht es um aktuelle Themen.
      Geschichten aus der Politik.
      Oder aus der Gesellschaft.
      Der Sender behandelt wichtige Inhalte.

      Im Januar gab es einen besonderen Themen-Tag.
      Den ganzen Tag sprach man über Menschen mit Behinderung.
      Das Thema hieß:
      Wie erleben Menschen mit Behinderung Corona?
      1LIVE hat dazu viele Menschen befragt.

      Das macht ein Journalist.
      Ein Journalist arbeitet für die Presse.
      Somit für die Zeitung, das Radio oder für das Fernsehen.
      Er bearbeitet Themen.

06   TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT
TANDEMAusgabe 113 | Juni 2021 - Das Magazin der - Autismus erkennen und verstehen - Lebenshilfe Neuss
Das heißt Inhalte.
Und bringt sie dann als Beitrag ein.

Der Journalist von 1LIVE hat sich gut informiert.
Er heißt Philip Strunk.
Er hat die Gespräche für den Radio-Sender geführt.
Auch in der Sendung hat er gesprochen.
Vorher hat er Fragen gestellt.
An Betroffene.
Auch im Wohnhaus Grimlinghausen.

Philip stellte Daria einige Fragen.
Daria N. wohnt im Erwachsenen-Bereich Grimlinghausen.
Sie hört gerne 1LIVE.
Das Gespräch lief über das Telefon.
Und wurde mit dem Handy aufgenommen
Laura Brömmel kam auch zu Wort.
Sie ist die stellvertretende Leitung.
Im Kinder- und Jugend-Bereich in Grimlinghausen.

Das ganze Gespräch ging dann an den Sender.
Dort wurde es ausgewertet.
Und in kleine Aussagen geschnitten.
Während der Sendung spielt man diese dann ab.
Man nennt dies Mit-Schnitte.

Lange Vorbereitung für kurze Mit-Schnitte

Am Themen-Tag hörte man viele Infos.
Wie Menschen mit Behinderung in der Pandemie leben.
Was ihnen fehlt.
Was sie jeden Tag so machen.
Wovor sie Angst haben.
Wie sie arbeiten.

                                                TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT   07
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Und vieles mehr.

      Zu allen Infos gab es Mit-Schnitte.
      Die von Daria und Laura waren auch dabei.
      Das war sehr spannend.
      Auch die Vorbereitung auf das Gespräch.
      Die dauerte aber deutlich länger.
      Auch wurde viel mehr aufgenommen.
      Am Ende hört man aber nur einen ganz kleinen Teil.
      Denn der Sender schneidet nur das Wichtigste rein.

      Das war alles richtig aufregend.
      Und einige haben nachher noch bei uns angerufen.
      Sie hatten Daria und Laura im Radio gehört.
      Und fanden es klasse.
      Wir auch!!!

      Man kann auch jetzt noch reinhören.
      Über unsere Website unter:
      www.lebenshilfe-neuss.de/wir-auf-1live

                 Autismus erkennen und verstehen – die Lebenshilfe Neuss berät, stützt
                 und ermöglicht Teilhabe

                 „Ich bin kein Rain Man“
                 M. Th. arbeitet, nutzt Bus und Bahn,         mit Dustin Hoffmann Autismus inter-
                 fährt gerne in den Urlaub, bezahlt seine     national bekannt gemacht hat. Er spielt
                 Miete und erledigt Einkäufe. All das ist     einen Autisten, der sein Leben nicht al-
                 nicht ungewöhnlich. Oder doch? – Denn        lein steuern kann; einen Menschen, den
                 M. Th. ist Autist; und Autismus hat viele    nicht exakt geregelte Abläufe komplett
                 Ausprägungsformen. Manches ist be-           aus der Bahn werfen. Er versteht Emo-
                 kannt, vieles eher nicht. Jedes Jahr am      tionen nicht, zwischenmenschliche Be-
                 2. April ist Welt-Autismus-Tag; seit 2007.   ziehungen kann er nicht knüpfen, aber
                 Er dient dazu, mehr Aufmerksamkeit           sein Gehirn ist hochfunktionell und
                 auf das Thema zu lenken und darüber          in bestimmten Bereichen weit über-
                 zu informieren. Noch heute wissen vie-       durchschnittlich: Berge von Zahnsto-
                 le kaum etwas damit anzufangen, auch         chern kann er zahlenmäßig in Sekun-
                 wenn das Hollywood-Drama von 1988            denschnelle erfassen, die Nummern im

08   TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT
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Autismus umfasst ein breites Spektrum an Störungen, von leichten Verhaltensauffälligkeiten
bis zu schweren Behinderungen. Teils werden diese erst spät oder manchmal bei geringer
Auffälligkeit gar nicht erkannt. Frühe und richtige Diagnosen können jedoch zu großen Fort-
schritten führen.
Telefonbuch lernt er im Nu auswendig            gebissen oder sich über sein Kinn ge-
und das Kartenzählen im Kasino ist für          strichen. Das mache er ab und zu heute
ihn ein Kinderspiel. „Rechnen wie ein           noch. Aber auch andere hätten ähnliche
Taschenrechner kann ich nicht“, sagt            seltsame Gewohnheiten.
M. Th. Auch blitzschnell Streichhölzer,
Zahnstocher oder Spielkarten aufaddie-          M. Th. hat das Asperger-Syndrom. Kenn-
ren sei nicht seins. „Ich bin kein ‚Rain        zeichnend dafür ist, dass Betroffene im
Man‘ – und will es auch nicht sein.“ M.         sozialen Miteinander mit anderen Men-
Th. ist auch Autist, aber das beschreibt        schen Defizite aufweisen. Sie sind oft
ihn wenig. Denn Autismus umfasst ein            Einzelgänger, können Emotionen ande-
breites Spektrum an Störungen. Diese            rer nicht deuten. Einfühlungsvermögen
können von leichten Verhaltensauffällig-        und Kommunikation sind eingeschränkt,
keiten bis zu schweren Behinderungen            Interaktion erschwert. Einige entwickeln
reichen. Ursächlich ist eine Veränderung        zwanghafte Verhaltensweisen. Doch bei
der Wahrnehmungs- und Informations-             geringer Ausbildung wird das Asper-
verarbeitung des Gehirns.                       ger-Syndrom oft nur schwer, spät oder
                                                mitunter gar nicht erkannt. Betroffene
Erschwerte Interaktion                          sind häufig normal intelligent (teils mit
M. Th. lebt seit April 1995 in einer WG,        Inselbegabungen und ungewöhnlichen
einer Wohngruppe der Neusser Lebens-            Sonderinteressen).
hilfe. Als 22-Jähriger hat er sein Eltern-
haus verlassen. „Ich lebe ganz normal,          „Mein Kind ist anders
wie jeder andere auch.“ Früher habe             als andere.“
sich sein Autismus mehr bemerkbar ge-           Aber auch andere autistische Störungen
macht. Wenn er ängstlich oder nervös            werden oft nicht sofort wahrgenom-
gewesen sei, habe er sich in den Finger         men, wie bei Familie M. Auf der Suche

                                                                        TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT   09
TANDEMAusgabe 113 | Juni 2021 - Das Magazin der - Autismus erkennen und verstehen - Lebenshilfe Neuss
nach einem geeigneten Kita-Platz für         Zusammenarbeit von Eltern, Thera-
                 ihren Sohn A. kam die Familie zu einem       peut(inn)enteam, pädagogischen Fach-
                 Vorgespräch in eine Lebenshilfe-Kita.        kräften und Kitaassistenz machte A.
                 Die mit Behinderungen erfahrene Päda-        große Fortschritte. Saß er anfangs fast
                 gogin bemerkte rasch, dass A. in vielen      nur allein auf dem Boden und drehte
                 Entwicklungsbereichen auffällige Merk-       Gegenstände, so spielt er heute Ball,
                 male zeigte. So berichtete die Mutter u.     klettert oder tanzt. Zeitweise nimmt er
                 a., dass er in Spielgruppen eher für sich    auch am Tisch in der Gruppe an den
                 alleine sei und Spaß daran habe, Gegen-      gemeinsamen Mahlzeiten teil.
                 stände zu drehen. Eigentlich interessie-
                 re er sich vornehmlich an allem, was sich    Wie A. kann zahlreichen Kindern und
                 drehe. Er gehe nicht auf andere zu, nur,     Menschen geholfen werden. Eltern und
                 wenn er etwas brauche. Mehrere der           Angehörige sind oft erstaunt, wie sich
                 Beschreibungen machten die Pädagogin         Probleme wandeln und Fähigkeiten er-
                 hellhörig, so dass sie der Familie einen     öffnen. Wichtig hierbei ist, wachsam
                 Hausbesuch anbot, um A. besser ken-          Auffälligkeiten wahrzunehmen, um über
                 nenzulernen. Die Familie nahm dankend        frühe und gezielte Diagnostik angepass-
                 an. Hierbei stellten sich noch weitere       te wie interdisziplinäre Förderung anzu-
                 Auffälligkeiten heraus, beispielsweise       wenden.
                 wurden Mahlzeiten nicht am Tisch ein-
                 genommen, da A. nicht länger als zwei        Weit verbreitet, doch wenig
                 Minuten auf einem Stuhl sitzen konnte.       bekannt
                 Die Mutter lief verzweifelt hinter ihm her   Rund ein Prozent der deutschen Ge-
                 und versuchte, ihm auf diese Weise Es-       samtbevölkerung ist von einer Autis-
                 sen zukommen zu lassen. Schnell war          mus-Spektrum-Störung betroffen. In
                 der Fachkraft daher klar, dass A. Unter-     den Einrichtungen der Lebenshilfe Neuss
                 stützung braucht. So wurde eine Ent-         gGmbH weisen aktuell 15 bis 20 Prozent
                 wicklungsdiagnostik von Fachärzt(inn)en      eine Autismus-Diagnose auf, unklare
                 veranlasst, die den Verdacht auf eine        Diagnosen ausgeschlossen. So leben
                 Autismus-Spektrum-Störung (ASS) be-          mehr als 30 Menschen mit Autismus in
                 kräftigte.                                   den verschiedenen Wohnhäusern der
                                                              Lebenshilfe Neuss, u. a. im Kinder- und
                 Aus Erschütterung wird                       Jugend-Wohnhaus in Grimlinghausen,
                 Dankbarkeit                                  in den Erwachsenen-Wohngruppen der
                 Wie der Familie M. geht es vielen. Eltern    Wohnhäuser in Weckhoven, Gnaden-
                 machen sich Sorgen, verzweifeln am           tal, Grimlinghausen und Furth sowie im
                 Verhalten ihrer Kinder oder bezweifeln       Wohnhaus Bauerbahn, welches beson-
                 ihre eigenen Fähigkeiten. Eine Diagno-       deren Schutz bietet.
                 se auf Autismus kommt dann oft über-         In allen Einrichtungen und Diensten
                 raschend und erschreckend. Später            der Lebenshilfe Neuss wurden indivi-
                 nehmen Eltern diese jedoch meist mit         duelle Förderprogramme entwickelt,
                 Dankbarkeit auf. Denn vieles gestal-         basierend auf heilpädagogischen Kon-
                 tet sich auf einmal klarer; vorhandene       zepten. Zudem wurde vor knapp drei
                 Schuldgefühle klingen ab. So auch bei        Jahren die ambulante Autismus-The-
                 Familie M. Für A. wurde eine geeignete       rapie in den Wohnhäusern implemen-
                 Kindertagesstätte der Neusser Lebens-        tiert. Besonderen Wert wird hier – wie
                 hilfe gefunden, die er – unterstützt         bei allen Förderungen der Lebenshilfe
                 durch eine Kita-Assistentin – besuchte.      Neuss gGmbH – auf ein koordiniertes
                 Dank der Lebenshilfe-Therapiekoordi-         Zusammenspiel aller beteiligten Be-
                 natorin und der damit gut verzahnten         zugssysteme gelegt, das Familie, Ärzte,

10   TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT
Pädagog(inn)en, Wohnhausteam, Schu-        „Eigentlich bin ich ganz normal“
len, Werkstätten etc. umfasst. Dabei       M. Th. arbeitet heute in den Gemeinnützi-
stehen die Stärkung der Selbstständig-     gen Werkstätten an der Hammer Brücke.
keit, die Gestaltung des eigenen Lebens    Früher war er Bauarbeiter, aber hier fühlt
oder Arbeitens sowie das Entwickeln        er sich wohler. Einmal im Jahr fliegt oder
von Kontakt- und Beziehungsfähigkei-       fährt er von seinem Ersparten in den Ur-
ten im Vordergrund. So werden z. B.        laub; bevorzugt auf seine Lieblingsinsel
Tagesstrukturen entwickelt und sozia-      Mallorca. Seine finanziellen Angelegenhei-
le Einbindung in den Gruppenalltag in      ten regelt er eigenständig. Manchen fällt
den Wohngemeinschaften gefördert.          seine Behinderung nicht auf. Andere stö-
Ein Leitgedanke der Lebenshilfe Neuss      ren sich daran, wenn er sich über sein Kinn
ist, Menschen mit Autismus dazu zu be-     fährt oder laut vor sich hin „summt oder
fähigen, ihr individuelles Entwicklungs-   brummt“, wie er es nennt. Und er gesteht,
potenzial zu entdecken und im Alltag zu    dass er sich häufig wiederholt. „Aber das
entfalten. Auch wenn eine autistische      macht meine Mutter auch – und andere
Behinderung bis heute nicht heilbar ist,   ältere Menschen ebenso.“ Da passt seine
können Betroffene unter Einsatz spezi-     Meinung zum Slogan der Neusser Lebens-
alisierter therapeutisch-pädagogischer     hilfe: „Es ist normal, verschieden zu sein.“
Methoden in einem hohen Maße geför-        Denn M. Th. ergänzt: „Eigentlich ist man
dert werden und einen hohen Grad an        als Autist ganz normal.“
Selbstbestimmung erlangen.

Start der langersehnten Impfungen

Lichtblick im Kampf
gegen die Pandemie
Rund ein Jahr nach dem ersten Coro-
na-Ausbruch im Wohnhaus Weckhoven
starteten am 2. März die Impfungen für
die Mitglieder der Wohnhaus-Teams.
Kurz zuvor waren die Mitarbeiter/-in-
nen vom Pflegedienst dran. Weite-
re Mitarbeiter/-innen, die im direk-
ten Kontakt mit Bewohner(inne)n und
Nutzer(inne)n standen, sowie die Be-
wohner/-innen folgten. Aufgrund über-
arbeiteter Priorisierung ging es dann
auch schnell mit den Impfungen an die
Beschäftigten unserer Kitas, Familien-
zentren, in den Offenen Hilfen und im
UWO voran. Ebenso die Ehrenamtler/-in-
nen, die regelmäßig in unseren Betriebs-
stätten tätig sind, konnten geimpft wer-
den. Endlich, nach langem Warten und
extrem belasteten Zeiten, kam Licht ins
Dunkel der Pandemie.

                                                                    TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT   11
Danke für die Spende!

      Wir wollen helfen.
      Wir unterstützen im Alltag.
      Auch generell im Leben.
      Wir sind für alle Alters-Gruppen da.
      Wir beraten.
      Und gestalten Freizeit.

      Alle Menschen sollen Teil der Gesellschaft sein.
      Jeder soll mitreden können.
      Und mitmachen.
      Und sein Leben selbst bestimmen.
      Im Beruf.
      Im geeigneten Wohn-Umfeld.
      Unter Freunden.
      In der Gemeinschaft.

      Spenden helfen uns.
      Zum Beispiel können wir Wohnen noch verbessern.
      Oder unsere Kinder-Gärten noch weiter ausstatten.
      Oder den Jugendbus.
      Und vieles mehr.

12   TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT
Das nutzbare Geld ist sehr begrenzt.
Aber wir können noch so viel machen.
Und haben tolle Ideen.

Hilfe hilft!
Darum arbeiten viele Menschen als Freiwillige für uns.
Das heißt: Sie arbeiten ohne Bezahlung.
Sie wollen auch anderen helfen.
Das tun sie so.

Andere Menschen spenden uns Sachen.
Wieder andere Geld.
Auch Firmen tun das.
All das hilft uns sehr.
Und vor allem unseren Bewohnern und Nutzern.

Herzlichen Dank dafür!
An alle helfenden Menschen.

Auch an diese Unterstützer!
Für großzügige Spenden in diesem Halb-Jahr von:

- Catering Pütz
- Dänisches Bettenlager
- Ikea
- Lions Club Neuss Quirinus
- Rohr Frei Achternbosch
- TK Maxx

                                                 TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT   13
Neuer Bus für das Wohnhaus Gnadental

                 Dank Stiftungsmittel
                 Große Freude unter den Bewohnerin-       gestattet. So ließ die erste Fahrt an den
                 nen und Bewohnern sowie im Team des      Rhein nicht lange auf sich warten...
                 Wohnhauses Gnadental bereitete die
                 Anschaffung eines neuen geräumigen       Auch der Jugendbus profitiert durch Stif-
                 Mercedes Sprinters: Der mit großzügi-    tungsmittel: Im Rahmen einer Digitalisie-
                 ger Unterstützung der Aktion Mensch      rungsaktion bewarb sich die Lebenshilfe
                 angeschaffte Bus hat ausreichend Raum    Neuss mit mehreren Projekten. Den Zu-
                 für Gruppenausflüge und ist zudem        schlag erhielt der JuB, für den neue Ge-
                 noch mit einer Rollstuhlhebebühne aus-   räte angeschafft werden konnten.

14   TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT
Großer Zusammenhalt trotz Corona-Belastung

Beschäftigte loben Arbeitgeber­
qualitäten der Lebenshilfe Neuss

Überaus zufrieden und dankbar zeigte      Entspannungskurse, Schichtzulagen,
sich die Geschäftsführung der Lebens-     Fortbildungen, Fahrradleasing, exter-
hilfe Neuss gGmbH Anfang des Jahres       ne psychosoziale Beratung u. v. m. zu
aufgrund der Ergebnisse der aktuellen     den Sonderleistungen. Im vergange-
Mitarbeiter/-innen-Befragung: 95 Pro-     nen Jahr kam noch die Anpassung an
zent der Beschäftigten bescheinigen       tarifliche Vergütung in Anlehnung an
dem gemeinnützigen Unternehmen            den TVöD dazu.
gute Arbeit und die richtige Ausrich-
tung in Werten und Zielen. „Natürlich     Hohe Mitarbeiteridentifikation
freuen wir uns sehr über die hohe         „Auch wenn wir viel Arbeit in die Zufrie-
Zustimmung unserer Mitarbeiterin-         denheit unserer Beschäftigten stecken“,
nen und Mitarbeiter“, erklärt Gesine      so Geschäftsführer Winfried Janßen, „die
Eschenburg, Geschäftsführerin der         Pandemie verlangt viel ab, fordert jetzt
Neusser Lebenshilfe. Mit Wissen um        schon seit über einem Jahr enormen
die derzeit extrem starke Belastung ist   Einsatz und großen Zusammenhalt.“
das für sie keinesfalls selbstverständ-   Letzteres attestiert nun erneut deutlich
lich. Auch wenn sich das Unterneh-        das Ergebnis der Mitarbeiter/-innen-Be-
men seit Jahren für die Zufriedenheit     fragung, die für Herbst 2020 anvisiert
von Mitarbeiterinnen und Mitarbei-        war – und auch gehalten wurde. Unter-
tern in besonderer Weise einsetzt: Be-    stützt, organisiert und ausgewertet wur-
triebsvereinbarungen zur Arbeitszeit,     de sie, wie schon drei Jahre zuvor, von
zum Beschäftigtenschutz und zum           Prof. Christian Rietz von der Fakultät für
Betrieblichen    Gesundheitsmanage-       Erziehungs- und Sozialwissenschaften
ment (BGM) sind betriebliche Pfeiler.     der PH Heidelberg, der im Nachgang im
Ebenso zählen die Eigenanteilserstat-     Rahmen mehrerer Videokonferenzen
tung von kassenärztlichen Vorsorge-       die Ergebnisse den Mitarbeiter(inne)n
maßnahmen, Supervision, Sport- und        präsentierte.

                                                                  TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT   15
Schwerpunkte der Befragung waren die      Stehen Pflege, Beratung und Unterstüt-
                 allgemeine Arbeitssituation, die Aus-     zung in diesen Zeiten unter außeror-
                 richtung des Unternehmens, die interne    dentlich erschwerten Bedingungen, so
                 Zusammenarbeit und die beruflichen        sind gerade jetzt Zuspruch und Hilfestel-
                 Perspektiven. Mehr als 90 Prozent der     lung für Menschen mit geistiger Behin-
                 Mitarbeiter/-innen erleben ihre Arbeit    derung gefordert. Für sie sind die um-
                 als interessant. Auch mit dem Arbeits-    fangreichen wie lebensbeschneidenden
                 druck und den psychischen Belastungen     Schutzmaßnahmen und Konsequenzen
                 kommt der deutlich überwiegende Teil      oft weitaus schwieriger zu verstehen
                 gut zurecht. Eine Aussage, die die Ge-    und zu akzeptieren. Beschäftigungsver-
                 schäftsführung gerade im „Corona-Jahr     lust, Krankheit und Isolation müssen in
                 2020“ zuversichtlich stimmt.              besonderer Weise aufgefangen werden.
                                                           Dass es gemeinsam geht, wenn Werte,
                 Teamgeist und leitbildkonform             Arbeitsgestaltung und familiäre Situatio-
                 Ebenfalls sehr gut wird die Zusammen-     nen im Leitbild wie im Alltag verankert
                 arbeit mit den Kolleg(inn)en sowie mit    sind, zeigt die aktuelle Auswertung der
                 Vorgesetzten bewertet. Mit 95 Prozent     Neusser Lebenshilfe.
                 deutlich gestiegen gegenüber 2017 ist
                 der Anteil der Mitarbeiter/-innen, die    „Wir sind gut aufgestellt“, resümiert die
                 sich der Ausrichtung und den Zielen der   Geschäftsführung. Dank Angebot und
                 Lebenshilfe Neuss in Gänze verbunden      Betriebsklima den Wettbewerb nicht
                 sehen. Ein weiteres Ergebnis, das das     fürchten zu müssen, beruhige. Doch
                 Unternehmen in Hinblick auf die Arbeit-   lässt das die Lebenshilfe-Doppelspit-
                 geberqualität und in Anbetracht auf die   ze nicht ruhen: „Noch besser werden,
                 Weiterempfehlung sehr begrüßt.            bleibt unser Bestreben.“

      Wir gratulieren!
      Viele Menschen arbeiten bei der Neusser Lebenshilfe.
      Das tun sie gerne.
      Das beweist auch die aktuelle Mitarbeiter-Befragung.
      Viele empfehlen die Neusser Lebenshilfe weiter.
      Nicht nur die Angebote.
      Auch einen Arbeits-Platz bei der Lebenshilfe.

      Einige arbeiten schon sehr lange hier.
      Darüber freuen wir uns.
      Daher feiern wir jetzt oft Jubiläum.
      Wir gratulieren allen Jubilaren herzlich!

16   TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT
Bis Stich-Tag 1. Juni feierten 2021 in der Lebenshilfe Neuss

   25-jähriges Dienst-Jubiläum:

   Marita Dongo, Verwaltung
   Sabine Haardt, Wohnhaus Weckhoven
   Andreas Kasperowicz, Wohnhaus Furth
   Lilia Rudy, Wohnhaus Furth

Neubau Kinder- und Jugendwohnhaus geht gut voran

Stein auf Stein
Jetzt nimmt das neueste Bauprojekt des
Lebenshilfe Neuss e.V., der Neubau des
Kinder- und Jugendwohnhauses an der
Will-Hall-Straße, gut Gestalt an. Da lässt
sich schon erahnen, was hier für ein viel-
fältiges und großzügiges Haus mitten
in Allerheiligen entsteht, das genügend
Raum für Gemeinschaft und ebenso für
Privatsphäre eröffnet. Zum Jahresende
soll es bezogen werden.

                                                    TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT   17
Infos zur Corona-Impfung

      Das Corona-Virus ist gefährlich.
      Viele werden krank.
      Einige sterben.
      Das Virus verteilt sich sehr schnell.
      Es ist sehr ansteckend.

      Gegen das Virus helfen Impfungen.
      Sie sollen einen schützen.
      Auch andere.
      Dann breitet sich das Virus weniger aus.
      Viele freuen sich darüber.

      Antworten in Leichter Sprache

      Viele haben sich schon impfen lassen.
      Andere sind sich noch unsicher.
      Sie haben Fragen:
      Was passiert bei einer Impfung?
      Wie unterscheiden sich die Impf-Stoffe?
      Gibt es Neben-Wirkungen?

18   TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT
Kann ich trotz Impfung krank werden?
  Und viele weitere Fragen mehr.

  Daher gibt es erklärende Seiten zur Impfung.
  Im Netz über den Computer.
  Auch in Leichter Sprache.
  Wie bei der Bundes-Lebenshilfe.
  Hier findet man viele Infos zur Impfung:
  www.lebenshilfe.de/corona-impfung-leichte-sprache

Neues vom Lebenshilfe-Center

Treffen vor Ort oder online
Leider kann das Lebenshilfe-Center we-
gen der Pandemie nur eingeschränkt ge-
öffnet werden. Aber Besuche sind den-
noch – unter geltender Verordnung und
Schutzbestimmung – möglich. Maximal
4 Personen aus einem Haushalt, einer
WG oder aus einem Wohnhaus dürfen
kommen (Stand zu Redaktionsschluss
Anfang Mai).

So ist das Lebenshilfe-Center weiterhin
Anlaufstelle für Beratungen zu unter-
schiedlichen Angeboten der Lebenshilfe
sowie für Information zur Ehrenamts-
arbeit bzw. für den Einsatz von freiwil-
ligen Mitarbeiter(inne)n. Auch die Han-    Montag bis Freitag von 13:30 bis 17:30
dy-Beratung findet weiter statt; jeden     Uhr. Am besten vorab einen Termin
Mittwoch zwischen 14:00 und 17:00 Uhr.     vereinbaren, damit keine Wartezeiten
Hier erfährt man einiges darüber, was      entstehen. Seit dem 01. Februar 2021
ein Handy alles kann. Die Urlaubsbera-     arbeitet Angelika Paprotny im Lebens-
tung darf ebenfalls in Anspruch genom-     hilfe-Center. Vielen Nutzer(inne)n vom
men werden. Außerdem kann gemein-          UWO ist sie schon bekannt, denn sie hat
sam gekniffelt oder anderes gespielt       vorher im UWO als Betreuerin gearbei-
werden. Eingeladen ist ebenso der, der     tet. Sie freut sich über Kontakt oder ei-
einfach nur mal reden möchte. Und          nen Besuch!
wem der Weg zu unsicher ist oder wer
lieber zuhause bleibt, der kann ein neu-    i   Ihre Ansprechpartnerin:
es Angebot nutzen: das Online-Treffen.          Angelika Paprotny
                                                Tel.: 02131 - 369 18 40
Das Lebenshilfe-Center hat geöffnet             Mail: a.Paprotny@lebenshilfe-neuss.de

                                                                  TANDEM: LEBENSHILFE WISSENSWERT   19
Käthe Kr. und Elke Kr. feiern 10-jähriges UWO-Jubiläum

                Froh, in der eigenen
                Wohnung zu leben
                                                               Leuchtenhof (GWN Betriebsstätte) hat
                                                               uns damals von der Lebenshilfe erzählt“,
                                                               sagt Elke Kr. Dafür sind sie heute noch
                                                               dankbar. Für den Kontakt – und die Op-
                                                               tion, in ihrer eigenen Wohnung leben zu
                                                               können.

                                                               Freude und Traurigkeit
                                                               am Ehrentag
                                                               Elke Kr.: „Die Ehrung auf dem Sommer-
                                                               fest ist ausgefallen, das war sehr schade,
                                                               wegen Corona. Da waren wir ein biss-
                                                               chen enttäuscht, aber nicht viel.“

                                                               Käthe und Elke Kr.: „Wir haben dann
                                                               Leute eingeladen, für eine ganz kleine
                                                               Feier im Lebenshilfe-Café, für das 10-jäh-
                                                               rige Jubiläum. Dann hat Marcel uns ge-
                                                               sagt, dass das wegen Corona leider nicht
                                                               stattfinden kann. Das war so schade, wir
                                                               haben uns so darauf gefreut, die ande-
                                                               ren mal wiederzusehen.“

                                                               Käthe Kr.: „Ich fand das schade, dass
                                                               alles zu war, dass wir nichts mehr unter-
                Käthe Kr. (links) und Elke Kr. mit ihren       nehmen konnten.“
                Geschenken zum Jubiläum
                                                               Elke und Käthe Kr.: „Dann kam Sabine
                In dieser Zeit ist so einiges anders, als es   und hat uns erzählt, dass Marcel zu uns
                normalerweise ist. So wurden die Zwil-         hinkommt. Das war spitze, wir haben
                lingsschwestern Käthe und Elke Kr. für         uns sehr gefreut! Marcel kam und hat
                ihr 10-jähriges UWO-Jubiläum nicht auf         uns die Geschenke überreicht. Sabine
                dem Sommerfest geehrt. Dafür erhiel-           und Cordula, die haben das sehr schön
                ten sie ihre Gratulation höchstpersönlich      gebastelt. Finden wir gut, dass die Be-
                vom Leiter des Ambulant Unterstützten          treuer auch mal was basteln.“
                Wohnens (UWO), Marcel Gräwert, bei
                sich zu Hause.                                 Elke Kr.: „Wir haben dann noch ein Foto
                Lange ist es her, dass sie den ersten Kon-     mit den Geschenken gemacht. Einen
                takt zum UWO der Lebenshilfe Neuss             Gutschein haben wir gekriegt. Wir gehen
                suchten. Aber sie können sich noch gut         dann lecker Eis essen in unserem Lieb-
                daran erinnern, als Ortrud (eine ehe-          lings-Café Roma.“
                malige UWO-Mitarbeiterin) vor über
                zehn Jahren ihnen ihren ersten eigenen         Käthe Kr.: „Wir sind froh, dass es die Le-
                Wohnungsschlüssel überreicht hat. „Der         benshilfe gibt! Die sind für uns da.

20   TANDEM: WOHNEN
Beitrag von Elke Kr. und Käthe Kr.

Mit dem UWO zum Kinder-Bauernhof

Im Oktober war es toll.
Endlich konnten wir wieder einen Ausflug machen.
Mit dem UWO.
Das ging ja lange nicht wegen dem Virus.
Wir haben den Kinder-Bauernhof besucht.

Dort haben wir Pferde, Schweine und Esel gesehen.
Und Hühner.
Sogar einen Pfau.
Wir durften auch ein Pferd und einen Esel streicheln.
Das war schön.

Bei den Schwänen und Enten war es sehr lustig.
Einer aus unserer Gruppe machte ein lautes Geräusch.
Dann haben alle Schwäne und Enten zurück geschnattert.
Gleichzeitig und ganz laut.
Das war zum Lachen!

                                                         TANDEM: WOHNEN   21
Nach dem Spaziergang waren wir im Hof-Café.
      Das macht jetzt die GWN.
      Das hat uns sehr gut gefallen.
      Die haben alles neu gemacht.
      Kaffee und Kuchen haben sehr gut geschmeckt.
      Das war ein sehr schöner Ausflug.

      Da können wir gerne noch einmal hin.

      Das fanden auch die anderen:

      Ellen O.: „Mir hat es sehr gut gefallen.“
      Marvin S.: „Schön war‘s.“
      Katja H.: „Das war super lustig.“

22   TANDEM: WOHNEN
Themenseiten mit Gastbeitrag

Freunde und Gemeinschaft
Sich treffen, sich austauschen und sich      gemeinsame Ausflüge und gemütliche
umarmen – das sind die Entsagungen,          Gruppentreffen verboten. Wie wirkt das
die in dieser Zeit vielen zu schaffen ma-    auf unsere Gemeinschaft? Ändern sich
chen. Schutzmaßnahmen minimieren             hierdurch die Beziehungen zu unseren
die Ausbreitung der Pandemie, doch           Freundinnen und Freunden? Eine Fra-
greifen sie zugleich tief in unseren All-    ge, die uns beschäftigt. So haben wir
tag. Viele Zusammenkünfte, wie wir           uns in den Einrichtungen und Bereichen
sie vor Corona kannten, finden derzeit       zum Thema umgehört. Auch danken wir
nicht statt. Besuche sind teils nicht mehr   Pfarrer Sebastian Appelfeller für seinen
oder nur sehr eingeschränkt möglich,         berührenden Gastbeitrag.

                                                                                        23
Kita-Kontakt über Video
     Freunde haben ist toll.
     Man kann gemeinsam Spaß haben.
     Zusammen lachen.
     Oder über Probleme sprechen.
     Und Hilfe bekommen.
     Freunde sind einfach für einen da.

     Man möchte sich gerne oft treffen.
     Jetzt bei Corona geht das oft nicht.
     Dann telefoniert man.
     Oder spricht über den Computer.
     Das machen manchmal auch die Kinder.

     Denn die Gruppen in der Kita sind jetzt klar getrennt.
     Die Kinder dürfen sich nicht mischen.
     Nicht im Haus.
     Auch nicht im Garten.
     Manche vermissen daher die Freunde.
     Wenn sie in anderen Gruppen sind.

     Manchmal tauschen sie sich aber aus.
     Per Video.
     Auch hin und wieder in der Kita.
     Denn Freunde haben viele Gespräche.
     Über viele Themen.
     Auch im Familien-Zentrum am Baldhof.
     Über Aktionen der anderen.
     Und oft auch über die Kuschel-Tiere!

24
Meinungen der Kids aus der Kita Wimmelgarten

    Freundschaft ist…

«   „…, dass man eine Freundin hat!“
    (Leyla, 5 Jahre)
                                                „…, wenn man Freunde hat und man
                                                fragt: ‚Können wir Freunde sein?‘ Dann
                                                ist es so.“
    „…bei mir so, dass man gut lieb sein soll   (Alexander, 4 Jahre)
    und aufeinander aufpassen soll.“
    (Henry, 3 Jahre)                            „…, dann hat man Spaß!“
                                                (Artin, 5 Jahre)
    „…, wenn jemand befreundet ist wie mit
    Ben. Ben hat mir geholfen. Er ist mein      „…, dass man sich mag!“
    bester Freund!“                             (Anna, 5 Jahre)
    (Jayden, 6 Jahre)
                                                „…, man kann zusammen spielen und
                                                sich besuchen!“
                                                (Hassan, 5 Jahre)

                                                „…, eine Freundin zu haben, das ist
                                                schön.“
                                                (Hannah, 4 Jahre)

                                                „…, dass man zusammen spielt und Spaß
                                                hat!“
                                                (Mia, 5 Jahre)

                                                                                         «
                                                „…, man kann zusammen nach Hause
                                                gehen.“
                                                (Lotta, 4 Jahre)

                                                                                             25
Freundschaft in Corona-Zeiten: Gedanken von UWO-Nutzerinnen und
     Nutzern

     Auch jetzt füreinander da sein

     Günter F.                                       Frederik Sch.

     Corona hat die Welt, wie wir sie kennen,        Was macht eine gute
     binnen kurzer Zeit verändert. Jeder, wirklich   Freundschaft aus?
     jeder ist auf seine Weise von der Pandemie      Viele Nutzer/-innen haben benannt,
     betroffen. Alle verbindet ein Gefühl der        gute Freunde/-innen zeichne aus, dass
     Sorge und Angst angesichts dieser überaus       sie auch und gerade in schlechten Zeiten
     gefährlichen Krankheit. Jeden Tag strömen       füreinander da seien und zusammen-
     neue Nachrichten auf uns ein, manchmal          halten würden.
     gute, oft schlechte. Wir hoffen und bangen
     im stetigen Wechsel und empfinden immer         Günter F.: „Ich habe schon seit langer
     wieder ein Gefühl: Ohnmacht. Wir können         Zeit eine sehr gute Freundin. Frau S. heißt
     nicht ändern, dass das Virus in der Welt ist    sie. Ohne sie würde ich nicht zurecht-
     und bleiben wird. Wir können nur versu-         kommen. Frau S. ist mir sehr wichtig!“
     chen, bestmöglich darauf zu reagieren und
     uns sowie die Menschen um uns herum so          Viele Freundschaften der UWO-Nut-
     gut es geht zu schützen.                        zer/-innen sind langjährig, teilweise dau-
                                                     ern sie über Jahrzehnte an und zeichnen
     Was können wir sonst noch tun?                  sich durch tiefe Verbundenheit aus. Das
     Im Gespräch mit den UWO-Nutzer(inne)n           „schweißt“ zusammen. So haben sie
     haben wir immer wieder ein Thema her-           im Laufe der Zeit auch schon andere
     ausgehört: Die Bedeutung des Kontakts           schwierige Situationen und Phasen zu-
     zu anderen Menschen, zur Familie und            sammen erlebt und „gemeistert“. Das
     zu Freundinnen und Freunden.                    verleiht Hoffnung, auch aus dieser Kri-
     Wir haben daher den intensiven Aus-             se irgendwann wieder herauszufinden;
     tausch mit den Nutzer(inne)n gesucht,           und hat bereits zum wiederholten Male
     wie sie „Freundschaft in Corona-Zeiten“         die Erfahrung mit sich gebracht:
     erleben und was sie ihnen bedeutet.             Zusammen kommt man leichter durch
                                                     die Krise!

26
Was hat sich hierbei in der                   Eheleute Patrick und Svenja B.: „Wir
Pandemie verändert?                           telefonieren jetzt viel mehr als früher
Der fortlaufende und enge Kontakt             oder machen Video-Telefonie. Das funk-
zwischen Nutzer/-innen und Mitar-             tioniert ganz gut. Das Gleiche, wie sich
beiter/-innen des UWO unter aktuell           zu treffen, ist das aber nicht.“
geltenden Corona-Hygieneschutz-Vor-
schriften ist allen sehr wichtig. Die sorg-   Hast Du neue Freundschaften
fältige Umsetzung dieser Vorschriften         gemacht?
ebenfalls.                                    Die bekannten Einschränkungen der
                                              Pandemie machen es zurzeit natür-
Frederik Sch.: „Jeder trägt auch selbst       lich schwierig, in der „realen Welt“
Verantwortung dafür, dass er sich und         Menschen kennenzulernen. Daher
die anderen gut schützt. Das kann le-         haben einige Nutzer/-innen, wie an-
benswichtig sein!“                            dere Menschen auch, ihre Aktivitäten
                                              im Internet, insbesondere in den So-
Gleichzeit erleben die Nutzer/-innen,         zialen Netzwerken, sozusagen „zum
dass die Umsetzung der Vorschriften           Ausgleich“ gesteigert. Auf diesem
auch für sie mit erheblichen Einschrän-       Wege haben sich hier und da auch
kungen, insbesondere im Bereich der           tatsächlich neue Kontakte ergeben,
sozialen Beziehungen, einhergeht.             die bei den Nutzer/-innen in der Re-
                                              gel mit dem Wunsch verbunden sind,
Domenik E.: „Ich durfte jemanden, der         sich irgendwann auch mal „richtig“ zu
mir sehr viel bedeutet, lange Zeit nicht      treffen, „wenn Corona vorbei ist“. Für
besuchen. Das war ganz schön hart und         manche, wenn auch nicht für alle Nut-
traurig für mich!“                            zer/-innen, haben sich daher trotz der
                                              Krise also auch neue Kontakte erge-
Viele Nutzer/-innen haben ähnliche Er-        ben, von denen sie sich erhoffen, dass
fahrungen sammeln müssen. Dies hat            sie auch später noch Bestand haben
oftmals dazu geführt, dass sie in der Fol-    werden.
ge auch ähnliche „Lösungs-Strategien“
gesucht und gefunden haben.

Domenik E.                                    Eheleute Patrick und Svenja B.

                                                                                         27
Stefan N.                                  André B.

     Wann würdest Du eine                       Glaubst Du, dass man nach der
     Freundschaft beenden?                      Pandemie anders miteinander
     Für die Nutzer/-innen ist Freundschaft     umgeht?
     ein hohes und kostbares Gut. Dies          Die Nutzer/-innen teilen im Wesentlichen
     zeigt sich neben der langen Dauer          die Hoffnung, dass die Pandemie ihr Le-
     dieser ebenso durch hohe Hilfsbereit-      ben nicht dauerhaft verändern wird, son-
     schaft und Solidarität untereinander.      dern sie ihr „altes Leben“ eines Tages wie-
     So erleben wir immer wieder, dass sich     der fortsetzen können. Dies insbesondere
     die Nutzer/-innen ohne zu zögern in        auch in Hinblick auf ihre sozialen Kontakte.
     einer sehr engagierten und emphati-        So haben sie die Hoffnung, dass Treffen
     schen Weise umeinander kümmern             mit der Familie und mit Freund(inn)en,
     und sich gegenseitig helfen; sei es bei    aber auch gemeinschaftliche Ausflüge und
     einem konkreten Vorhaben, wie einem        Feste sowie Reisen ins Ausland, „nach Co-
     Umzug, oder auch in einer emotional        rona“ genauso möglich sein werden wie
     schwierigen Phase, wie einer Tren-         zuvor. Unsicherheit besteht allerdings in
     nung. Gerade in der jetzigen Situation     Hinblick auf die zeitliche Perspektive. Vie-
     sind die Nutzer/-innen in Gedanken oft     le Nutzer/-innen hatten gehofft, dass die
     bei ihren Freund(inn)en und denken         Pandemie und die mit ihr verbundenen
     darüber nach, wie sie sie bestmöglich      Einschränkungen nur ein Jahr andauern
     unterstützen und mit ihnen in Kontakt      würde. Dass ein Ende auch jetzt noch nicht
     bleiben können.                            konkret absehbar ist, erleben auch sie zu-
                                                nehmend als frustrierend und belastend.
     Stefan N.: „Freunde sind neben der Fa-     Dies ändert aber nichts an ihrer grundle-
     milie doch das Wichtigste, was es gibt.    genden Haltung, dass die Pandemie über-
     Und zu einer Freundschaft gehört, dass     wunden werden wird und sie ihr altes Le-
     man sich gegenseitig hilft. Das ist doch   ben dann wieder „aufnehmen“ können.
     selbstverständlich. Ich helfe meinen
     Freunden, wo ich nur kann. Sie helfen      André B.: „Ich bin vor Corona immer als
     mir aber auch, wo es geht. So gehört       DJ bei den Partys der Offenen Hilfen auf-
     sich das auch!“                            getreten. Das vermisse ich total. Ich hoffe,
                                                dass Corona bald vorbei ist und ich wieder
                                                als DJ auftreten kann. Das wäre super!“

28
Über das Miteinander im Familienzentrum Marienburg

Austausch über die Absperrung
Beschränkungen – das ist so ein Wort,      sorgen sich mit Hilfe und ggf. Erinne-
man mag es kaum mehr hören. Über-          rung darum und übernehmen Verant-
all sind sie in der Pandemie zu spüren.    wortung.
Natürlich auch im Familienzentrum Ma-
rienburg: Die Betreuungszeiten sind        Cloud eingerichtet
reduziert, viele Angebote dürfen nicht     Die Zeit während des ersten Lock-
gemacht werden, u. a. sportliche Akti-     downs haben wir neben Reinigungen
vitäten, gemeinsames Singen und Aus-       auch dafür genutzt, unsere Cloud ein-
flüge. Das stellt die Kinder, Eltern und   zurichten. Damit teilen wir in Bildern
Mitarbeiter/-innen vor die Frage: Was      und Videos die Erlebnisse der Kinder
können wir tun, um trotzdem Ziele zu       mit den Eltern oder stellen Arbeits-
erreichen, den Tag sinnvoll zu gestalten   und Bastelblätter zur Verfügung. Wir
und ein harmonisches Miteinander in        freuen uns über die positiven Rück-
den Gruppen zu leben?                      meldungen dazu.

Not macht erfinderisch
Da die Gruppen sich nicht mischen
dürfen, ist z. B. der Außenbereich mit
einem Absperrband in zwei Teile ge-
trennt. Geschwisterkinder werden ge-
meinsam in einer Gruppe betreut, was
mit veränderten Konstellationen ein-
hergeht. Auch wenn es für die Kinder
zunächst ungewohnt war, haben sie so
neue Freunde gefunden. Da zwei Grup-
pen den geteilten Außenbereich nutzen
können, findet manchmal Kommunika-
tion über die Absperrung hinweg statt.
Auch die Spielideen passen sich an die
neue Situation an. Not macht halt erfin-
derisch.
Die Morgenkreise und Ruhephasen nut-
zen wir z. B. für Geschichten, über die
wir uns austauschen. Diese Geschich-
ten gehen um Freundschaft, Rücksicht
aufeinander und gegenseitige Akzep-
tanz, wie z. B. in „Blauland“.

Hundertwasserhaus
In den Angebotsphasen wird natürlich
auch gebastelt. Die Kinder haben ge-
meinsam einen neuen Entwurf für das
berühmte Hundertwasserhaus in Wien
geliefert und als Modell fertiggestellt.
Mit Beginn des Frühlings wurden Blu-
men und Kräuter gepflanzt. Die Kinder

                                                                                    29
Mit Blick nach vorne
                                               Es werden sicher noch mehr Ideen kom-
                                               men und uns werden noch andere Be-
                                               sonderheiten auffallen. Es ist, wie es ist
                                               – und wir machen das Beste daraus. Alle
                                               sind aktiv, jeder macht sich Gedanken
                                               – und blickt nach vorne. Punkte, in de-
                                               nen sich alle einig sind, sind rar. Dafür
                                               sind alle zu agil und im konstruktiven
                                               Austausch. Einer dieser seltenen Vor-
                                               kommnisse, die weder Klärung noch
                                               Diskussion bedürfen: Wir wünschen uns
                                               alle ausnahmslos, dass es bald über-
                                               standen ist. Dass die Situation stabil ge-
                                               nug ist und wir wieder singen können,
                                               spazieren gehen, Ausflüge planen und
                                               vieles mehr. Bis dahin haben wir anders
                                               Spaß. Und lachen über andere Dinge.

     Anders spielen in Corona-Zeiten im Abenteuerland

     Freundschaft neu – und auf Distanz
     Da wir unsere Gruppen nicht mehr mi-
     schen dürfen und Geschwister sich in
     einer Gruppe befinden, wurden viele
     Freundschaften plötzlich auseinander-
     gerissen.
     Für alle war das keine einfache Situa-
     tion. Aber: In den neuen Gruppenkon-
     stellationen sind neue Freundschaften
     entstanden – und tolle gemeinschaft-
     liche Aktionen. Kinder haben zuein-
     ander gefunden, die sonst kaum Be-
     rührungspunkte hatten. Corona war
     somit auch eine Chance, sich neu zu
     orientieren; ebenso für kreative Ideen.
     Denn die „alten“ Freundschaften wur-
     den nicht vergessen. Die Kinder unter-
     halten sich auf Abstand und nehmen
     – soweit möglich – Teil am Geschehen
     der anderen, z. B. wenn die eine Grup-
     pe draußen spielt und die andere von
     drinnen zuschaut.

30
Gastbeitrag von Pfarrer
Sebastian Appelfeller

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist nun ein paar Wochen her, dass         Denke ich darüber nach, was mir am
ich einen alten Kollegen in Köln be-         meisten fehlt, dann ist es vor allem die
sucht habe. Es war die erste Fahrt mit       Gemeinschaft, in der wir hier in Neuss
der S-Bahn in diesem Jahr und das erste      zusammenleben. Denke ich etwa an
Mal, dass ich unseren Kreis seit Oktober     die Kontakte in der Lebenshilfe Neuss,
2020 verlassen hatte. Fast ein wenig ver-    dann habe ich zahlreiche schöne Be-
boten fühlte es sich an. Etwas, das mir      gegnungen vor Augen. Ich erinnere
vorher kaum vorstellbar war, bestimmt        mich, wie wir ökumenisch den Grund-
inzwischen meine Realität. Die Welt, in      stein hier in Gnadental für das neue
der ich lebe, sie ist klein geworden. Die    Wohnheim gelegt haben. Ich habe vor
immergleichen Menschen, denen ich be-        Augen, wie der Sekt zu schnell hoch
gegne, sie sind mir sehr vertraut, ande-     ging und alle freudig gelacht haben.
re Kontakte gibt es dafür außerhalb von      Ich erinnere mich an die Jugendlichen,
Skype und Zoom kaum noch. Und auch           die wir aus der Wohngruppe in Grim-
wenn ich als Pfarrer selbst im tiefsten      linghausen jedes Jahr mit auf Freizeit
Lockdown immer ein paar reale Kontak-        nehmen. Dabei habe ich den wohl
te durch Trauerfeiern und Seelsorgege-       weltbesten Kettcarfahrer kennenler-
spräche hatte, hat sich auch für mich viel   nen dürfen und den Jungen, bei dem
geändert. Viele Veranstaltungen gibt es      wir uns anfangs nicht sicher waren,
nicht mehr. Vieles, das wir zusammen         ob das trotz Asperger mit der Freizeit
geplant haben, mussten wir absagen.          klappen würde.

                                                                                        31
Ich erinnere mich aber auch, wie er dem     zu dürfen, als man für möglich gehal-
     verdutzten Soldaten vor dem Palast in       ten hatte, und welche integrative Kraft
     Oslo seine Kamera in die Hand gab und       es hat, wenn jemand plötzlich nicht nur
     der dann sein Gewehr wegstellte und         betreut, sondern auch gebraucht wird.
     von beiden ein Selfie machte. Was für       Von da an war der Junge in der Gruppe
     ein gelungenes Foto einer gelungenen        angekommen. Was all unser Bemühen
     Freizeit.                                   im Einsatz für ihn nicht geschafft hatte,
                                                 schaffte der Umstand, dass der Junge
     In Erinnerung geblieben ist mir die Ge-     sich für andere einsetzen konnte.
     schichte eines Jugendlichen, den wir mit
     in Schweden hatten. Eine Woche lang         Ich habe die vielen wunderbaren Kon-
     hatten wir Mühe, ihn zu integrieren. Er     takte zum Jugendtreff in Allerheiligen
     selbst hatte vielleicht auch wegen seiner   vor Augen. Meine eigenen Kinder bei der
     emotionalen Verfassung kaum Kontakt         Rollstuhlralley und vieles mehr.
     zu anderen. Eines Tages flog ein Spielge-   Denke ich an all diese Kontakte, dann
     rät oben in einen Baum. Wir versuchten      weiß ich, was mir aktuell am meisten
     alles, um wieder an das Gerät zu kom-       fehlt: Es sind diese Begegnungen und die
     men, schossen Pfeile in den Baum, bis       Gemeinschaft, die aus ihnen erwachsen
     auch die Pfeile weg waren. Als er kam       ist. Vielleicht hat es etwas Gutes. Wäh-
     und seine Hilfe anbot, glaubte keiner,      rend mir sonst im Alltag bisweilen die
     dass das gelingen könnte. Jedenfalls        Zeit fehlt, all das wertzuschätzen und die-
     schnappte er sich einen Fußball, probier-   se Begegnungen schnell zu Terminen im
     te kurz und holte mit viel Geschick erst    Kalender werden, merke ich jetzt gerade,
     die Pfeile und dann das Spielgerät zu-      wie sie immer schon mehr waren. Näm-
     rück. Was für eine Lehre für alle Umste-    lich eben jene Gemeinschaft, in und von
     henden. Mehr in jemanden entdecken          der wir hier gemeinsam in Neuss leben.

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Anfangs hatte ich gedacht, so ein gesell-    Jahre auch für mich persönlich erleben
schaftliches Runterfahren hat neben sei-     durfte. Ich bin weit weg von der Idee,
ner absoluten Notwendigkeit bestimmt         dass wir alle die Pandemie brauchten,
auch sein Gutes für mich. Wer weiß nicht     um klüger zu werden, das Leben wieder
auch davon zu erzählen, dass Kontak-         zu schätzen und das Besondere am Le-
te, Begegnungen hin und wieder echte         ben zu entdecken. Ich halte das für zy-
Arbeit sein können. Gerade da, wo wir        nisch. Zu viel Mühsames mussten wir im
Menschen mit anderen Ansichten und           letzten Jahr miteinander teilen, dass es
Lebensgewohnheiten begegnen. Da              jetzt nicht schön zu reden gilt.
sind wir herausgefordert und vielleicht
auch selbst in Frage gestellt.               Aber ich weiß nach einem Jahr, mit dem
                                             Ende dieser Zeit im Blick, worauf ich
Doch so anstrengend all das ist, nach ei-    mich freue. Auf die Gemeinschaft mit
nem Jahr merke ich, wie sehr es mir fehlt    vielen, die anders sind als ich. Die hin
und wie sehr ich mich darüber freue,         und wieder auch eine Herausforderung
dass es bald hoffentlich wieder losgeht.     für mich bedeuten. Deren Gemeinschaft
Denn ich habe gemerkt, in all der Her-       aber auch für mich die schöne Botschaft
ausforderung, andere so anzunehmen,          enthält, auch ich bin in Ordnung, so wie
wie sie sind, steckte immer auch ein klei-   ich bin.
nes Versprechen an mich. Wenn andere
so in Ordnung sind, wie sie sind, dann       Auf dem Weg dahin wünsche ich Ihnen
bin ich das vermutlich auch.                 allen gute Nerven, noch ein wenig Aus-
                                             dauer und Gottes Segen.
Als evangelischer Pfarrer bin ich es ge-
wohnt, davon zu sprechen, dass Gott          Bis hoffentlich sehr bald
jeden Menschen liebt, wie er ist. Mit all    Pfarrer Sebastian Appelfeller
seinen Stärken und Schwächen. Viel-
leicht ist das die wesentlichste Aussage
allen Predigens und aller Seelsorge. Al-
len Arbeitens in der Diakonie und der
Pädagogik. Und ich vermute auch allen         Kurzvita:
Engagements im Haupt- und Ehrenamt
in der Lebenshilfe. Was uns aber gut ge-      Pfarrer Sebastian Appelfeller ist in
lingt, anderen zu sagen und zu zeigen,        Mönchengladbach geboren und in
fällt uns oft genauso schwer für uns          Krefeld aufgewachsen.
selbst in Anspruch zu nehmen. Gerade          Nach dem Studium der Theologie,
in diesem Jahr des Abstandes zu vielen        das er in Wuppertal und Heidelberg
merke ich, wie sehr ich andere brauche,       absolvierte, kam er über Stationen
die mir Ähnliches sagen, oder noch viel       in Remscheid und Mönchenglad-
besser spüren lassen.                         bach 2012 als Pfarrer nach Neuss.
                                              Sebastian Appelfeller ist Vorsitzen-
In der lebendigen Gemeinschaft viel-          der des Evangelischen Gemeinde­
leicht gerade in der Lebenshilfe mit ih-      verbands Neuss und Pfarrer der
rem großen Engagement für Menschen            Neusser Christuskirchengemeinde.
mit und ohne Behinderung spüre ich            Er ist verheiratet und hat vier
in diesem Jahr, wie sehr ich das all die      Kinder.

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Antworten von KiJuZe-Besucher/-innen

     Best Friends – trotz Corona

     Was ist uns wichtig? Worauf können wir        schen Luft wie beim „Skaten“. Wichtig sei
     verzichten? – Auf vieles, aber auf gute       der Zusammenhalt, das Wir-Gefühl, Spaß
     Freunde nicht. Da sind sich die meisten ei-   und der gleiche Humor. Außerdem legen
     nig. Doch jeder hat eine andere Vorstellung   viele Wert auf Vertrauen, Loyalität und
     davon, was einen guten Freund oder eine       Ehrlichkeit im Umgang. Eine Freundschaft
     gute Freundin ausmacht. Wir haben einen       beenden würden die Jugendlichen dann,
     Tag Fragebögen an unsere Kinder und Ju-       wenn sie der andere „schlecht behandelt“,
     gendlichen im KiJuZe verteilt. Dabei kamen    betrügt oder schlicht nicht mehr für sie da
     von den 9- bis 18-Jährigen interessante       ist.
     Meinungen zusammen. Hier ein paar da-
     von:                                          Neue Freunde, auch online?
                                                   Trotz der Kontaktbeschränkungen und
     Gleicher Humor und Loyalität                  dem eingeschränkten Schulbetrieb ha-
     sind wichtig                                  ben die meisten Kinder- und Jugendlichen
     In den Bögen tauchte häufig auf, dass         sogar neue Freundschaften geschlossen
     vor allem gemeinsame Aktivitäten den          – und das überwiegend online. Aber auch
     befragten Jugendlichen für eine gute          bei gemeinsamen Aktivitäten, im Sport
     Freundschaft wichtig sind – egal ob online    oder in der Schule gibt es nach wie vor
     beim „Zocken“ oder beim Sport an der fri-     Möglichkeiten.

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Einfluss der Pandemie                         Positiv gestimmt
Wie sich der Kontakt zu Freunden durch        Insgesamt blicken jedoch die von uns an
die Pandemie verändert hat, erleben die       einem sonnigen Osterferientag befragten
befragten Jugendlichen unterschiedlich.       Kinder und Jugendlichen optimistisch in
Teils haben sich „wahre Freundschaften        die Zukunft. Die meisten von ihnen glau-
herausgefiltert“, Kontakte sind entweder      ben nicht, dass die Pandemie den Umgang
seltener geworden oder man trifft sich ver-   miteinander langfristig verändert: „Freund-
mehrt in Online-Foren oder draußen an         schaft bleibt Freundschaft“, bringt Paul M.,
der frischen Luft.                            18 Jahre, es für sich auf den Punkt.

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