Waldes lust - Jahresausstellung des BBK Oberfranken 2021

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Waldes lust - Jahresausstellung des BBK Oberfranken 2021
Waldes
     lust

    Jahresausstellung
des BBK Oberfranken 2021
Waldes lust - Jahresausstellung des BBK Oberfranken 2021
Waldes
                                                                         lust
                                                                        Jahresausstellung
                                                                    des BBK Oberfranken 2021

                                                                      Ausstellungskatalog

Impressum

Waldeslust. Jahresausstellung des BBK Oberfranken 2021
Ausstellungskatalog
Redaktion: BBK Oberfranken
              Gestaltung und Produktion:
              sehdition, Verlag für Sehenswertes,
              Gerhard Hagen, Arnd Rüttger, Alexandra Baier GbR
              www.sehdition.de

© für die abgebildeten Bilder bei den Künstlerinnen und Künstlern
(wenn nicht anders angegeben)

bbk-oberfranken.de
Waldes lust - Jahresausstellung des BBK Oberfranken 2021
Grußwort                                                                                                       Grußwort

Sehr geehrte Damen und Herren,                                                                                 Liebe Freundinnen und Freunde der Kunst und des Waldes,

Bayern ist nicht nur Kulturstaat, sondern besitzt       Innovationen. Bereits dank der deutschen Dichter       meinen herzlichen Gruß zur „Waldeslust“, der             tischen Verlust an Artenvielfalt? Wie bewahren wir
zugleich auch die größte Waldfläche aller Bundes-       und Denker der Romantik wurde die Liebe zur Na-        Jahresausstellung des Berufsverbandes Bildender          Wälder vor dem Absterben?
länder. Mit seiner diesjährigen Jahresausstellung       tur neu entfacht. Sie erschufen Werke, die unsere      Künstlerinnen und Künstler Oberfranken! Es ist eine      Die Jahresausstellung steht unter dem Motto
verbindet der Berufsverband Bildender Künstlerinnen     Vorstellung vom Wald bis heute prägen. Beson-          große Freude, dass endlich wieder eine Ausstellung       „Waldeslust“. In der Romantik als Sehnsuchtsort
und Künstler Oberfranken diese beiden Aspekte auf       ders eindrucksvoll haben dies die Märchenbände         stattfinden kann. Corona hat uns gezeigt, was wir        verehrt, machte der Wald Ende des letzten Jahr-
hervorragende Weise miteinander. Zudem ist die          der Gebrüder Grimm getan. Die Idee der Kultur-         in Pandemie-Zeiten schmerzlich vermisst haben:           hunderts mit Borkenkäferplagen, Waldsterben und
Ausstellung „Waldeslust“ in der Villa Dessauer in       landschaft wurde zudem entscheidend durch die          Kunst und die Auseinandersetzung mit ihr. Denn           saurem Regen eher mit „Waldesfrust“ Schlagzeilen.
Bamberg ein gelungenes Beispiel kultureller Ver-        Land­schaftsmalerei des 19. Jahrhunderts gefördert.    Kunst ist kein Luxus. Kunst ist systemrelevant. Wir      Dank Umweltschutz sind unsere Wälder heute wieder
mittlungsarbeit. Die Besucherinnen und Besucher         Heute widmen sich diesen Themen neue künstleri-        brauchen sie zum Leben – auch und besonders in           gesünder. Sie bringen Naturerholung mit frischer
erhalten wertvolle Impulse für den verantwortungs-      sche Ausdrucksformen wie Fotografie                    schweren Zeiten. Kunst spiegelt gesellschaftliche        Luft und sattem Grün. Wald ist in – Stichwort: forest
vollen Umgang mit natürlichen Ressourcen, eine          und Environment.                                       Debatten wider, bietet Reibungsflächen zur Aus-          bathing! Diese neue Waldeslust gilt es zu erhalten,
nachhaltige Lebensweise und die ökologisch-soziale                                                             einandersetzung mit der Wirklichkeit, weist über         gegen Klimawandel und Artensterben zu verteidigen:
                                                        Ich danke allen Künstlerinnen und Künstlern des
Transformation.                                                                                                das Alltägliche hinaus. Kunst legt den Finger in die     Sie ist ein großer Schatz. Diesen Schatz spiegeln die
                                                        BBK Oberfranken für ihre ausdrucksstarken Beiträge
                                                                                                               Wunde.                                                   Künstlerinnen und Künstler in ihren Werken und erin-
Als Deutschland im 18. Jahrhundert durch den rück-      zur Ausstellung „Waldeslust“. Sie bereichern unser
sichtslosen Eingriff des Menschen fast vollständig      Kulturerbe und helfen, unsere bayerische Heimat zu     Auch Umweltschützer legen den Finger in die Wunde.       nern uns damit immer wieder: an den Wert der Natur,
entwaldet war, entwarf Hans Carl von Carlowitz          bewahren und das Bewusstsein für die Herausforde-      Auch sie erinnern die Gesellschaft daran, was falsch     an ihre Zerbrechlichkeit, an unsere Verantwortung.
sein wegweisendes und vorausschauendes Prinzip          rungen des Klimawandels zu steigern. In diesem Sinne   läuft, und weisen auf die drängenden Fragen der
der Nachhaltigkeit. Heute hat dieses Prinzip als        wünsche ich allen Besucherinnen und Besuchern          Zeit hin. Und derer gibt es aktuell viele: Wie bremsen   Freuen Sie sich jetzt auf die vielen künstlerischen
„Sustainability“ seinen weltweiten Siegeszug an-        anregende Gespräche und inspirierende Eindrücke,       wir den Klimawandel? Wie stoppen wir den drama-          Schätze – ich wünsche Ihnen dabei viel „Waldeslust“!
getreten und zwingt die Ökonomie zu umfassenden         die Lust auf Wald machen.

Bernd Sibler                                                                                                   Thorsten Glauber, MdL
Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst                                                          Bayerischer Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz

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Waldes lust - Jahresausstellung des BBK Oberfranken 2021
Einleitung                                                                                                       tigste Ressource, es wurde zum Bauen von Fach-          den Fichten nicht konkurrieren konnten, so daß aus
                                                                                                                 werkhäusern, für den Schiffsbau, aber auch zum          ökonomischem Kalkül heraus natürliche Mischwäl-
WALDESLUST                                                                                                       Heizen und Kochen benötigt. Die expandierenden          der Fichtenmonokulturen weichen mussten. 1929
                                                                                                                 Handelsflotten in den Niederlanden verschlangen         stellte ein Forstmeister in einem Fichtenwald eine
                                                                                                                 Unmengen an Holz und trugen zum Niedergang der          Warntafel auf mit der Inschrift „Willst du den Walde
                                                                                                                 Wälder bei. Am schwersten jedoch wog die Nutzung        bestimmt vernichten, so pflanze nichts als reine
Ueber allen Gipfeln                                     schließlich von der Jagd und den Früchten, die der       des Waldes als Weidegrund, weil die Bauern nach         Fichten.“
Ist Ruh’,                                               Wald ihm bot. Mit den ersten menschlichen Siedlun-       der Einführung der Stallhaltung vermehrt Blätter        Infolge der Verstädterung entwickelte sich in der Ro-
In allen Wipfeln                                        gen wurde der Wald gerodet und bereits zu Christi        und Nadeln als Einstreu im Stall verwendeten. Die       mantik des beginnenden 19. Jahrhunderts eine neue
Spürest du                                              Geburt hatte sich die Waldfläche um ein Viertel          Streunutzung führte zu schweren Schäden durch           Sehnsucht nach der Natur und nach Erholung im
Kaum einen Hauch;                                       reduziert. Den Germanen bot der Wald im Kampf mit        die Auslaugung des Bodens und die Verarmung der         Wald, die Idee der „Waldeslust“ war geboren. Nicht
Die Vögelein schweigen im Walde.                        den Römern einen sicheren Rückzugsort, in seiner         Wälder. Hohe Wildbestände gaben der Verjüngung          nur Goethe suchte auf seinen Wanderungen durch
Warte nur! Balde                                        Beschreibung der Schlacht im Teutoburger Wald            des Waldes und vor allem den Laubbäumen keine           den Wald Inspiration, auch die Gebrüder Grimm
Ruhest du auch.                                         schrieb Tacitus in De Germania, daß dieses Land „mit     Chance. Die wachsende Bevölkerung und der Druck         prägten durch ihre Märchenbände die deutsche Kul-
                                                        seinen Wäldern einen schaurigen, mit seinen Sümp-        durch die einsetzende Industrialisierung wie z.B. den   turgeschichte und unsere Vorstellung vom Wald bis
Das Wandrers Nachtlied, das später auch von Franz       fen einen widerwärtigen Eindruck“ mache. Raubtiere       Bergbau, Glashütten und Salinen führten zu einer        heute. Er bedeutete Schutz und Gefahr zugleich, „der
Schubert vertont wurde, schrieb Johann Wolfgang         durchstreiften dichte Urwälder, die völlig sich selbst   weitgehenden Entwaldung in Deutschland. Anfang          Weg in den Wald“ wurde im Märchen zur Metapher
von Goethe 1780 auf die Holzwand der Jagdaufse-         überlassen waren. Diese dunkle und gefährliche           des 18. Jahrhunderts führte diese Entwicklung zu        für die Herausforderungen des Erwachsenwerdens.
herhütte auf dem Kickelhahn bei Ilmenau. Goethes        Wildnis war für die Germanen Wohnort von Dämo-           einer Holznot, die dem Menschen die Endlichkeit         Auch Friedrich Schiller mit seinem Drama Die Räu-
Verse gehören seitdem zum literarischen Kulturerbe      nen und Fabelwesen, mächtige Baumriesen waren            natürlicher Ressourcen vor Augen führte. Der säch-      ber und Carl Maria von Weber mit seiner Oper Der
Deutschlands genauso wie die Kulturgeschichte des       den Göttern geweiht, denen sie in heiligen Hainen        sische Bergmann Hans Carl von Carlowitz verfasste       Freischütz setzten dem deutschen Wald ihre eigenen
Waldes und die Beziehung der Deutschen zu ihm.          Opfergaben brachten. Die Esche Yggdrasil verehrten       angesichts verkahlter Landschaften 1713 seine Na-       Denkmäler. Die romantische Vorstellung vom Wald
Der Wald ist Sinnbild für Erholung und Entschleuni-     sie als Weltenbaum, die als Weltachse Himmel, Erde       turgemäße Anweisung zur Wilden Baum-Zucht, die          war allerdings eine Entwicklung städtischer Intellek-
gung und sein fragiles ökologisches Gleichgewicht       und die Unterwelt miteinander verband, während die       das Prinzip der Nachhaltigkeit erstmals formulierte.    tueller, Dichter und Maler machten ihn nicht nur zum
ist die sichtbare Metapher für die natürliche Lebens-   Baumkrone das Himmelsgewölbe trug.                       Das Gleichgewicht von Entnahme und Nachwuchs            Symbol einer verlorengegangenen Welt, der Seelen-
grundlage des Menschen, die wir im 21. Jahrhundert                                                               wurde zur Grundmaxime der modernen Forstwirt-           landschaft, sondern unter Berufung auf die Französi-
zu zerstören drohen. Der BBK Oberfranken widmet         Schon im Mittelalter wurde der Wald in Deutsch-          schaft und prägt heute inzwischen alle Bereiche der     sche Revolution auch zum Symbol nationaler Einheit
seine Jahresausstellung 2021 Waldeslust einem bri-      land auf ein Drittel seiner ursprünglichen Größe         Ökonomie. Infolgedessen wurde der Wald in einen         und Freiheit. Die Entfremdung von der Natur ließ den
santen komplexen Thema, das in Zeiten der Corona-       zurückgedrängt, was in etwa seiner heutigen Fläche       bewirtschafteten Forst umgewandelt. Um unter dem        Dichter Joseph von Eichendorff immer wieder den
Pandemie noch an Aktualität gewonnen hat.               entspricht. Durch Rodungen wurden besonders              Druck der zunehmenden Industrialisierung einen          „rauschenden“ Wald als „eine Art Hallraum der Seele“
                                                        die fruchtbaren Laubwaldböden, wo Eichen, Lin-           sicheren Nachschub an Holz zu gewährleisten,            beschwören. Und nicht zuletzt C.D. Friedrich erhob
Bis vor 7000 Jahren bedeckten ausgedehnte Wälder        den, Ulmen und Eschen dominierten, zerstört, so          wurden großflächig Fichten angepflanzt, die schnell     die in der Rangfolge der Genres ganz unten stehende
fast ganz Mitteleuropa. Bevor der Mensch Ackerbau       daß sich schon damals der Anteil des Nadelwalds          und gerade wachsen. Laubbäume wurden dadurch            Landschaftsmalerei zum sakralen Andachtsbild und
und Viehzucht entdeckte, lebte er in Europa fast aus-   erhöhte. Bis zum 14. Jahrhundert war Holz die wich-      zusätzlich dezimiert, da diese im Wachstum mit          schuf so eine Ikone der deutschen Romantik.

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Waldes lust - Jahresausstellung des BBK Oberfranken 2021
Die altgermanische Kulturgeschichte und romanti-
schen Vorstellungen vom Wald wurden im Dritten
                                                      führte zu einer tiefgreifenden Veränderung der
                                                      politischen Landschaft in Deutschland durch die
                                                                                                            Infolge der Verstädterung ent­
Reich schließlich für die Blut-und-Boden-Ideologie
der Nationalsozialisten missbraucht. Die deutsche
                                                      Entstehung der grünen Parteien. Der Wald ist damals
                                                      nicht gestorben, doch war das Waldsterben nur ein     wickelte sich in der Romantik des
Eiche wurde zum völkischen Symbol des „Tausend-       Vorbote für die Umweltkatastrophe des Klimawan-
jährigen Reiches“, Förster ließen junge Eichen so
angeordnet pflanzen, daß sie aus der Luft gesehen
                                                      dels, der wir heute gegenüberstehen. Die dramati-
                                                      schen Auswirkungen des Klimawandels bleiben für
                                                                                                            beginnenden 19. Jahrhunderts
Hakenkreuze bildeten. Zugleich wurden der Kriegs-
wirtschaft riesige Waldflächen geopfert und auch
                                                      viele Menschen abstrakt und zweifelhaft, doch die
                                                      Dürrejahre der letzten Jahre, die Wälder in Mond-     eine neue Sehnsucht nach der
nach dem Zweiten Weltkrieg gingen die Rodungen        landschaften mit Baumgerippen verwandelt haben,
weiter, um Holz als Reparationsleistung an die Sie-
germächte zu liefern. Doch auch die Bundesrepublik
                                                      sind der sichtbarste Beweis, daß die menschenge-
                                                      machte Klimakatastrophe wirklich stattfindet. Die
                                                                                                            Natur und nach Erholung im
                                                                                                            Wald, die Idee der „Waldeslust“
übernahm die Eiche als nationales Symbol, Eichen-     Einschränkung des Reisens während des Lockdowns
laub zierte nach der Währungsreform jede Münze        in Coronazeiten haben zu einer Wiederentdeckung
vom Pfennig bis zur Mark. Auf der 50-Pfennig-Münze    des Waldes geführt und einen neuen Heimatbegriff
wurde die Eichenpflanzerin verewigt zu Ehren all
jener Frauen, die eigenhändig die ausgeplünderten
                                                      etabliert. Wanderungen und Spaziergänge in der
                                                      nahen Umgebung haben den Blick für die Sehens-
                                                                                                            war geboren. Nicht nur Goethe
Wälder wiederaufforsteten.                            würdigkeiten und Naturschönheiten vor Ort, und die

In den 80er Jahren wurden erstmals großflächige
                                                      kleinen, bisher unbedeutenden Dinge geschärft. Das
                                                      Ausstellungsthema Waldeslust stieß bei den Mit-
                                                                                                            suchte auf seinen Wanderungen
Schädigungen der Wälder in Deutschland und Mit-
teleuropa festgestellt, die Beziehung der Deutschen
                                                      gliedern des BBK Oberfranken auf großes Interesse,
                                                      vierunddreißig Künstler*innen stellen ihre Werke in   durch den Wald Inspiration, auch
zum Wald wurde bezeichnenderweise in Frankreich       der Villa Dessauer in Bamberg aus und zeigen eine
besonders klar herausgestellt, wo man „le Wald-
sterben“ eher für eine deutsche Gemütskrankheit
                                                      große Bandbreite künstlerischer Darstellungsmög-
                                                      lichkeiten, zu denen sie die Auseinandersetzung mit
                                                                                                            die Gebrüder Grimm prägten
hielt. Der Untergangsmythos des Waldsterbens          dem Wald inspiriert hat.
                                                                                                            durch ihre Märchen­bände die
                                                                                                            deutsche Kulturgeschichte und
Thomas Michel
für den BBK Oberfranken                                                                                     unsere Vorstellung vom Wald
                                                                                                            bis heute.
8                                                                                                                                               9
Waldes lust - Jahresausstellung des BBK Oberfranken 2021
Susanne Braun

In den Wäldern sind Dinge
Über die nachzudenken
man jahrelang im Moos liegen könnte.
(Franz Kafka)

Ich steh’ im Wald und seh’ ihn vor lauter Bäumen
nicht mehr, der Himmel zeigt sich nur in kleinen
Stückchen, ich tauche ein ins flirrende, glitzernde,
durch die Baumkronen gebrochene Licht, der Wind
rauscht, es wispert, zwitschert, raschelt und knackt
um mich herum, Blätter fallen, Gedanken kommen
und gehen, ...

Susanne Braun
Kleberstr. 37 c
96047 Bamberg
susannebraunbamberg@web.de                             MaiMorgen, Collage, 43 x 33 cm, 2020 a

10
Waldes lust - Jahresausstellung des BBK Oberfranken 2021
Thomas Brix

Der Wald ist Schutzraum, Lebensraum, Quelle des
Lebens. Schöpfungsort. Verwandlungsraum. Gottes-
spielplatz. Zauberwesen. Weltbeleber.
Trostspender, Fantasiebeflügler, Wohltäter, Luftfabrik,
Ruhepol.
Er schickt uns einige seiner Waldeslustwesen, eine
kleine Abordnung seiner neuesten Kreation, immer
zu Späßen aufgelegt.
Gerade noch rechtzeitig.

Thomas Brix
Reuthbergstr. 20
95488 Eckersdorf/Oberwaiz                                 Waldeslustwesen, Figuren aus Pappkarton und Holz,
th-brix@t-online.de                                              geklebt, mit Acrylfarben und Filzstift bemalt,
brix-kunst.de                                                            ca. 150 x 150 x 170 cm, 2020/2021 a

12
Waldes lust - Jahresausstellung des BBK Oberfranken 2021
Andrea Buckland

Andrea Buckland befasst sich schon seit vielen       „Die Natur wächst auch nicht kontrolliert. Wir erleben
Jahren mit dem Wald als Thema ihres künstlerischen   einen wild gewachsenen Garten als chaotisch. Je
Schaffens. Mit auf die Leinwand geworfenen Linien    nach Mentalität wollen wir dort mehr oder weniger
und Klecksen erschafft sie ‘Kunstlebensräume’, die   Ordnung schaffen, um damit und darin leben zu kön-
an Urwälder erinnern, zum Verweilen einladen und     nen. Mich interessiert aber gerade das Ursprüngliche,
Sehnsüchte wecken.                                   das scheinbar Willkürliche. Beim Malen habe ich
Während des Malens liegen die Leinwände auf dem      fast das Gefühl Förster zu sein – die Art von Förster,
Fußboden des Ateliers und werden mit Farbe be-       die in das natürliche Geschehen wenig eingreift. Ich
worfen. Manchmal tropft es direkt aus der Flasche,   pflanze Bäume auf meine Leinwand, die während des
manchmal entstehen durch größere Bewegungen          Arbeitsprozesses Blätter treiben, umwuchert werden
Linien. Oder der halbnasse große Pinsel wird über    von Farbe, genährt von Licht. Und mit einem Mal
den Leinwänden ausgeschüttelt. Durch schichtwei-     beginnen sie zu leben.”
ses Überarbeiten entsteht Räumlichkeit. Der Zufall
malt mit.

Andrea Buckland
Zum Fischerberg 18
93183 Kallmünz                                                           Wald, Acryl auf sechs Leinwänden,
andrea@buckland.de                                                             150 x 240 cm (ohne Lücke) /
andrea.buckland.de                                           ca. 150 x 290 cm (mit Lücke gehängt), 2021 a

14
Waldes lust - Jahresausstellung des BBK Oberfranken 2021
Harald Burger

Letztendlich ist mir wichtig, eine Spannung von Far-       zu ordnen, anzupassen bzw. sie zu respektieren. Mit
be und Struktur zu erzeugen. Dabei übt die Ästhetik        Profitgier und Superkapitalismus ist er dabei, aus-
des Vergänglichen und Unvollkommenen einen gro-            gewogene Systeme und damit Lebensgrundlagen zu
ßen Reiz aus. Abgewetztes, Verrostetes, Steinreste         zerstören. So ist z.B. der Wald im Beuys’schen Sinne
in griechischen Marmorbrüchen aber auch im ersten          ein weiteres Organ des Menschen und wird dies wie
Moment nichtssagende einfache Strukturen liefern           die Menschheit selbst kaum überleben, sollte soziales
die Grundlage zu meiner Malerei.                           Denken nicht zur Maxime werden.
Der Begriff „Waldeslust“ transportiert eine romanti-       Meine Arbeiten Waldstruktur I und II zeigen zwei
sche, unproblematische, idealistische und antiquierte      Zustände bzw. Farbstrukturen des Waldes oder eines
reine Sehnsuchtsvorstellung des Menschen, stammt           Baumes. Das Grünblau steht für das Werden (Wach-
aus einer „anderen“ Zeit und hat in Deutschland eine       sen, Frühling, Leben), das Gelborange für das Ver-
besondere eigene Wichtigkeit.                              gehen (Vergehen, Herbst, Verdorren, Wüste, Hitze,
Die Natur sendet uns deutliche Zeichen. Der Mensch         Bedrohung).
ist nicht in der Lage oder willens, sich dieser Fragili-   Jeder Mensch muss ein Künstler werden.
tät und Ästhetik des Werdens und Vergehens unter

Harald Burger
Veitlahm 19
95336 Mainleus
hb@haraldburger.de                                                           Waldstruktur II, Acryl auf Leinwand,
haraldburger.de                                                                              130 x 90 cm, 2021 a

16
Waldes lust - Jahresausstellung des BBK Oberfranken 2021
Tina Deininger / Gerhard Jaugstetter

Seit vierzig Jahren haben wir den Steigerwald auf      schlimme Orkane dazu, die stellenweise radikale
allen möglichen Wegen durchstreift, fotografiert und   Kahlschläge im Steigerwald hinterließen. Diese
dabei gut kennengelernt. Besonders beeindruckend       Verletzungen konnten unserem heimatlichen Forst
war für uns schon immer seine Vegetation mit den       auf Dauer aber nichts anhaben – nicht einmal die un-
prächtigen Mischwäldern und den wertvollen Bu-         säglichen Diskussionen pro und contra Nationalpark!
chenbeständen. Wir entdeckten bei unseren Streifzü-    All das hat er ausgehalten und sich ein fürs andere
gen auch versteckte Winkel mit kleinen Siedlungen,     Mal erholt. Doch durch den Klimawandel scheint
in denen Menschen leben, deren Vorfahren durch         er in den letzten Jahren ganz erheblich geschädigt
den Wald ihr Auskommen hatten.                         worden zu sein. Wir hoffen sehr, dass die mahnenden
Dann die imposanten Höhenzüge: der Hohe Lands-         Worte des Fotografen Sebastião Salgado sich nicht
berg, der Schwanberg, Friedrichsberg, Knetzberg        bewahrheiten: „Erst wenn die Erde sich von den
und der Zabelstein. Karlheinz Deschner hat sie in      Menschen befreit hat, kann unsere Natur überleben.“
seinem Buch „Dornröschenträume und Stallgeruch“        Diese Gedanken waren der Anlass, uns fotografisch
beschrieben. „Sieht man vom Maintal über Maria         mit der Natur unserer fränkischen Heimat und der
Limbach, eine der letzten Schöpfungen Balthasar        unserer Wahlheimat Italien zu befassen. Wichtig ist
Neumanns, zum Steigerwald, stehn dessen Rücken         uns vor allem, die Schönheit und Verletzlichkeit von
lang und ruhig, wie blaue Wale, am Horizont.“          „unberührter“ Natur zu zeigen und sie der Verletz-
Wir mussten beobachten, wie die stetig wachsende       lichkeit des Menschen gegenüberzustellen. Wir
Umweltbelastung „unserem“ Wald zusetzte. War es        arbeiten ausschließlich mit analoger Fotografie, die
zu Beginn der achtziger Jahre das „Baumsterben“,       mit ihrem Rhythmus am besten unserem Lebensstil
verursacht durch den „sauren Regen“, kamen 1990        entspricht.

Tina Deiniger / Gerhard Jaugstetter
Kirchberg 7
96185 Schönbrunn                                                           Im Wald, analoge SW-Fotografie,
photosbygut@aol.com                                                                     49 x 60 cm, 2019 a

18
Chris Engels

Heutzutage „teilen“ sich Tier und Mensch den be-         des imposanten Geweihs, das zum Imponiergehabe
grenzten Lebensraum Wald. Da kommt es immer              und zum Kampf der Hirsche um ihr Revier und um
wieder zu unnötigen Konflikten.                          die Rangfolge benutzt wird.
Viele Menschen nutzen den Wald zur Erholung und          Jedes Jahr im Frühjahr werfen die Hirsche ihr Ge-
zur sportlichen Betätigung.                              weih ab. Im Laufe des Sommers wächst ihnen dann
Leider wird der Wald vom Menschen auch zunehmend         ein neues, größeres Geweih nach. Während des
als Müllkippe missbraucht. Von kompletten Wohn-          Wachstums ist es von der so genannten Basthaut
zimmereinrichtungen (manchmal auch nebst den             überzogen, die die nötigen Nährstoffe transportiert.
jeweiligen Ehepartnern), über Autoreifen, Gift- und      Ist das neue Geweih fertig ausgewachsen, stirbt
Sondermüll, bis zu „normalem“ Hausmüll und anderen       diese Haut ab. Um sie zu entfernen versuchen die
menschlichen Hinterlassenschaften ist alles dabei.       Tiere diese tote Haut loszuwerden, indem sie sich an
Schon immer, aber besonders auch zu Zeiten dieser        Gehölzen und anderen Möglichkeiten scheuern.
Pandemie, in der Hotels und andere lauschige Orte        Dabei bleibt es nicht aus, dass die Tiere dabei das ein
geschlossen sind, wird der Wald auch gerne als Platz     oder andere Überbleibsel der oben genannten „Tref-
für ein Stelldichein oder als Liebesnest benutzt. Auch   fen“ mit auf die Geweihspitzen nehmen, aufspießen,
dabei fällt „Müll“ in Form von benutzten Kondomen        so dass es unter Umständen sogar daran hängen
an, die dann vorsichtshalber auch gleich vor Ort ent-    bleibt.
sorgt werden.                                            Und so wird das Tier des Waldes, das als Symbol für
Der Hirsch gilt als der König des Waldes. Er steht       Männlichkeit gilt, mit den Hinterlassenschaften der
unter anderem auch für Manneskraft. Auch wegen           Lust des Menschen konfrontiert.

Chris Engels
Koldestraße 10 B
91052 Erlangen
chris.engels@gmx.de                                                     Waldeslust, Geweih, (Fake-) Kondome,
art-engels.de                                                                        120 x 100 x 55 cm, 2021 a

20
Henrike Franz

Sinnliches und Besinnliches im Wald? Nicht nur der       Die drei Zeichnungen weisen auf eine Beziehung
Mensch lebt durch seine Sinne. Auch der Wald als         des Waldes, genauer des Baumes mit dem Men-
Ganzes und seine Bäume jeweils einzeln für sich sind     schen hin. Die Früchte und Samen als vitales,
mit Sinnen ausgestattet. Nur haben wir dafür wenig       lustvolles Lebenszeichen des Baumes treffen auf
Sinn, weil jene nicht die Sinne unserer Art gebrau-      die vom Menschen geprägte Landschaft mit
chen. Dass die Bäume des Waldes sich fortpflanzen        Häusern, Straßen und Grünanlagen.
macht Sinn. Dass wir Menschen uns fortpflanzen, ob-      Beide Spezies nutzen einen gemeinsamen
wohl wir nicht zur Botanik zählen, macht weniger Sinn.   Lebensraum, der im Idealfall gemeinsam genutzt
Lust wird vermutlich auch beim Wald mit dabei sein.      und gelebt wird.

Henrike Franz
Burgbergstr. 25
91054 Erlangen
henrike.franz@wahrzeichnen.de                                       Waldeslust 1, Zeichnung und Mixed Media
wahrzeichnen.de                                                             auf Papier, je 43 x 62 cm, 2021 a

22
Thomas Gröhling

Wolfsgeschichten

Wölfe streifen durch die Villa Dessauer. Sie sind ein-   der graue Wolf“, hier ist der Wolf der starke und zu-
gebrochen in die Kunstwelt schauen sich mal um,          gleich kluge Ratgeber des Märchenhelden. Auch in
was in der Villa gerade passiert. Es wirkt eher so,      der heutigen Zeit kennt man Wölfe aus verschiede-
dass sie nicht lange bleiben und dann wieder weiter      nen Artikeln: „Wolf vor dem Kindergarten gesehen
ziehen. Zwei Wölfe stehen auf dem Fensterbrett, einer    worden – Gefährdung für Kinder“, „Schafsherde
schaut in den Straßenzug der Hainstraße und einer in     gerissen – Wolf kennt keine Grenzen“. Er kommt aus
die Villa. Wenn man das Wort „Wolf“ hört, denkt man      den Wäldern zu uns in die Stadt. BetrachterInnen,
automatisch an Märchen:                                  die die Ausstellung besuchen, müssen sich wohl
„Rotkäppchen“, wo er ein gefräßiger, niederträchtiger    überlegen, welche Geschichten sie für sich her-
und hinterhältiger Geselle ist, „Der Wolf und die sie-   holen, wenn sie dem Wolf gegenüber treten, Ge-
ben Geißlein“, hier sind seine Opfer auf der Hut, weil   dankengänge aus der heutigen Zeit oder vielleicht
sie den Wolf fürchten müssen, oder „Iwan Zarewitsch,     Märchen. Oder vielleicht etwas ganz anderes?

Thomas Gröhling
Wiesenteich7
96049 Bamberg
thomas.groehling@gmx.de
thomasgroehling.de                                                     Wölfe, Eichenholz, lebensgroß, 2021 a

24
Barbara Gröne-Trux

Der Druidenhain liegt in einem Wald in der Nähe
von Muggendorf.
Nach dem Volksglauben treffen sich dort in der
Walpurgisnacht die Hexen zu exzessiven, lustvollen
Ritualen.
Mich hat gereizt, die zweifellos magisch-mystische
Atmosphäre der Kultstätte einzufangen.

Barbara Gröne-Trux
Schloßstr. 10
91289 Schnabelwaid
b.groene-trux@web.de                                 Druidenhain, Mischtechnik/Leinwand, 99 x 116 cm, 2011 a

26
Christine Gruber / Ingrid Stanglmeier

Der Wald, die Versammlung großer Pflanzen, schließt     Wir haben die Freiheit der Gestaltung: das Ragen der
seine Landschaft ein in einen geschlossenen, da-        Stämme, die bühnenhafte Lichtung, die Farbe Grün,
durch dunklen Raum. Das Licht, das in Kaskaden          die bis zu ihrem Komplementär Rot reicht. Wir malen
hinein flutet, malt geheimnisvolle, nicht zu deutende   das Licht, die Dunkelheit und den menschlichen Ein-
Bilder. Das erscheint uns symptomatisch für unsere      griff.
begrenzte Existenz.

Christine Gruber Kleberstr. 53
96047 Bamberg
vannna@arcor.de
christinegruber.wordpress.com

Ingrid Stanglmeier
Von-Rotenhan-Str. 4                                                                         Christine Gruber,
96049 Bamberg                                                                     Poetischer, kritischer Wald,
istanglmeier@web.de                                                   Öl auf Leinwand, 150 x 150 cm, 2021 a

28
Gerhard Hagen

Fast jeder zweite industriell gefällte Baum weltweit    papier, beschichtetes Papier, unbeschichtetes Papier,
wird laut WWF zu Papier verarbeitet. Meine Interpre-    um nur einige zu nennen.
tation des Themas Waldeslust geht der Frage nach,       Allerdings werden dem Altpapier beim Recycling
was nach unsrer Lust am Lesen, Schreiben, Drucken,      immer auch neue Fasern aus Holz, aus Bäumen und
Verpacken, Putzen mit dem Papier geschieht.             somit aus Wald zugesetzt. Nach maximal sieben
Wir verschwenden tonnenweise Ressourcen, man            Recyclingprozessen wird es endgültig weggeworfen,
bedenke nur die unzähligen Drucksachen, die un-         eine unendliche Wiederaufbereitung ist nicht mög-
gelesen wieder im Recycling Kreislauf verschwinden      lich. Es wäre also deutlich besser, den Papierver-
oder die zahllosen Verpackungen, die von Amazon         brauch zu reduzieren!
und Co täglich verschickt werden.                       Ich zeige meine Altpapierballen in einheitlicher Größe,
Altpapier ist aber auch ein Wertstoff, denn es kann     unabhängig von ihrem wahren Format, isoliert vom
recycelt werden. Ich war zu Besuch in einer Firma für   Hintergrund, als Skulpturen auf goldenem Unter-
Altpapierrecycling und habe dem Wertstoff Altpapier     grund. Die Fotografie ist sachlich, die Ballen sind
nachgeforscht. Zuerst wird das Papier nach den ver-     sauber ausgeleuchtet, ohne dass sich die Fotografie
schiedenen Sorten sortiert, dann sortenrein zu Ballen   selbst in den Vordergrund stellt. Im Vordergrund ste-
gepresst und weiterverarbeitet. Somit gibt es Ballen    hen die Altpapierballen, monumental stehen sie dem
aus den verschiedensten Arten von Papier: Zeitungs-     Betrachter gegenüber, zusätzlich erhöht durch den
papier, Hygienepapier, Kraftpapier, Karton, Druck-      goldenen Hintergrund.

Gerhard Hagen
Peuntstraße 3
96050 Bamberg
0951 – 32254
0171 – 5302705                                                            Nach der Lust, Eines von vier Fotos,
info@gerhard-hagen.de                                    quadratisch, gedruckt auf goldfarbenem Alu-Dibond,
gerhard-hagen.de                                                     145 x 145 cm, Auflage je 6 Stück, 2021 a

30
Gabriella Héjja

Seit ich mich mit der Photographie befasse, ist          der Zeit visuell darzustellen, ist ein weiteres zentrales
es mein Ziel, in meinen Arbeiten Stimmungen mit          Thema meiner Photographien.
Mitteln der Photographie so zu erfassen, dass sie        Wenn wir mit der Bahn oder mit dem Auto unter-
erlebte Gefühle auszudrücken und zu vermitteln           wegs sind, können wir oft die Einzelheiten der
vermögen: Gefühle, die unser Leben manchmal              vorbeiziehenden Landschaften nicht erfassen, so
nachhaltig bestimmen, aber für deren Ambiguität          bleiben in der Regel nur wenige konkrete Objekte
und Komplexität und vor allem für deren Faszina-         und Eindrücke in Erinnerung. Die gezeigten Bilder
tion ich keine angemessenen Worte hätte finden           sollen unterwegs vorbeifliegende flüchtige Ein­
können.                                                  drücke festhalten.
Bilder haben die Eigenschaft, Gefühle und Stimmungen     Verträumte Bilder von Wäldern und Landschaften,
anregen zu können, lassen aber gleichzeitig viel Raum    irgendwo an der Grenze zwischen Traumwelt und
für Interpretationen auf der Grundlage eigener Phanta-   Realität. Manche Motive sind märchenhaft, andere
sien und Projektionen individueller Lebensgeschichten.   wirken eher bedrohlich, manche Strukturen sprin-
Das Vergängliche in Bildern festzuhalten, die Spuren     gen hervor, andere wiederum werden komplett
des stetigen und unaufhaltsamen Voranschreitens          aufgelöst.

Gabriella Héjja
Kirschenstraße 16a
91077 Schellenberg
gabriellahejja@yahoo.de                                                          Waldimpressionen 1, Fotografie,
gabriellahejja.de                                                                 Fine Art Print auf Japanpapier,
galerie-treppenhaus.de                                                                40 x 60 cm, 2007/2020 a

32
Gerd Kanz

ES GIBT KEIN RICHTIGES LEBEN IM FALSCHEN.

Gerd Kanz
Zum Brauhaus 1
96190 Untermerzbach                                 In Hinteren Wäldern 1,
gerdkanz@web.de                             Öl auf Holz, 40 x 30 cm, 2020,
gerdkanz.de                                           Foto: Engelhardt a

34
Lucie Kazda

Wald in mir.
Grenzenlos ist die Natur, die ich bin.
Endlos ist der Wald, in dem ich bin.
Ziellos ist der Ort, an dem ich mich verliere.
Zeitlos ist der Ort, an dem ich mich finde.
Ich fühle mich getragen.
Meine Gedanken kommen zur Ruhe.
Stille.

Lucie Kazda
Steinachstr. 57
95448 Bayreuth
info@luciekazda.de                                                                       Waldesrausch,
luciekazda.de                                    Öl auf Transparentpapier, je 15 x 15 cm, 2020/2021 a

36
Friedolin Kleuderlein

Das schon vor zehn Jahren entstandene Bild stammt        des offenen Landschaftsraumes mit den zahllosen
aus einer Werkgruppe mit mittelformatigen Land-          Bäumen sind die künstlerische Hauptidee des Bildes.
schaftsbildern – fußend auf zahlreichen zeichneri-       Im Zentrum, dem gekippten Spiegel, trifft sich alles in
schen und malerischen Studien vor der Natur –            einem Punkt.
vornehmlich in Italien. Es verarbeitet sowohl die        Durch die Bildkonstruktion wird der Spiegel zur
Natureindrücke sommerlicher Landschaften als auch        Metapher des menschlichen Auges. Der unend-
Anregungen aus der Kunstgeschichte der florentini-       liche, wogende Formen- und Farbreichtum der
schen, toskanischen und umbrischen Malerei, beson-       waldigen Mittelmeerlandschaft macht den einen
ders der Fresken von Piero della Francesca in Arezzo.    Bildpol aus, der andere ist die nachtschwarze,
Die „Frau mit Spiegel“ ist ein Bild der „Reflexion“ im   monochrome Fläche des Vorhangs. Tag und Nacht,
wörtlichen Sinn: Der ganze kosmische Reichtum der        offene und geschlossene Augen – das sind zwei
Natur ist für die Frau hinter dem dunklen Vorhang nur    Möglichkeiten für den Menschen, der Welt zu be-
indirekt sichtbar – gebrochen durch eine gekippte        gegnen. Augen auf – Augen zu ... Hinausblicken in
spiegelnde Metallfläche. Der imaginative Betrachter      die Welt und In-sich-hineinsehen. Zwischen diesen
befindet sich im Innenraum – er hat die Möglichkeit,     beiden Zuständen kippt der menschliche Geist im-
die Frau zu betrachten oder den Blick in die Wei-        mer hin und her. Der Mensch ist „doppelköpfig“ –
te schweifen zu lassen, oder aber im Spiegel alles       wie der griechische Philosoph Heraklit sagte.
auf einmal zu sehen. Die architektonische Strenge        Vielleicht lässt sich das in der Wildnis der Wälder
der Komposition und die musikalische Bewegtheit          am besten erleben ...

Friedolin Kleuderlein
Karmelitenstr. 14                                                     „In den waldigen Hügeln von Cinqueterre:
96163 Gundelsheim                                                         Frau mit Spiegel“, Acryl auf Leinwand,
familie.kleuderlein@gmx.net                                                                  70 x 100 cm, 2011 a

38
Sepp Martin

Ich zitiere Paul Klee: „Kunst gibt nicht das Sichtbare     Rhön. Spaziergänge waren angesagt. Das Wetter
wieder, sondern macht sichtbar.“                           war grau und nebelig aber trocken und kalt. Früher
Der Wunsch, etwas auszudrücken, was über die reine         Vormittag. Die Kamera war dabei und es gelang,
Dokumentation hinausgeht, ist mir zu einem Leit-           den Wald wie Wald aussehen zu lassen und die
gedanken geworden. Vor der Bildgestaltung muss             Wetterstimmung einzufangen. Bei meinem Wald-
eine Idee da sein, die dann konsequent und durch-          Thema habe ich mich von den impressionistischen
aus arbeitsaufwändig bis zum ausgereiften Ergebnis         Malern inspirieren lassen und Strukturen im Wald
verfolgt wird. Häufig sind es Strukturen, ein grafischer   gesucht. „Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man
Blick auf die Dinge, die mich reizen.                      länger als eine Sekunde schaut.“ So formuliert es
Bei meinen ersten „Wald-Versuchen“ standen                 der berühmte französische Fotograf Henri Cartier-
Bäume einfach in der Landschaft herum. Nach                Bresson. Dieses Ziel habe ich mit meinen zahlrei-
vergeblichen Versuchen, Wald bildwirksam aufs              chen Wald-Bildern, von denen 6 ausgestellt sind,
Foto zu bannen, kam ein Urlaub im Herbst in der            verfolgt.

Sepp Martin
Südhang 19
91301 Forchheim
sepp@martin.franken.de                                                              Herbstwald 6, Fotografien,
martin.franken.de                                                    Fine-Art-Baryt-Papier, 30 x 45 cm, 2016 a

40
Thomas Michel

Angesichts des dramatischen Fortschritts des Klima-    Mikro- und Makrokosmos, Biotop und Landschaft,
wandels und des drohenden Verlusts der deutschen       und prägt unsere Vorstellung vom Raum. Inspiriert
Wälder ist es Zeit für eine Wiederentdeckung der       von der deutschen Romantik thematisieren meine
Landschaftsmalerei. Der Wald steht zugleich für        Bilder die Grenze zwischen Urbanität und Natur
Erholung und Entschleunigung, die ich in Ansich-       sowie das Eingreifen und Vordringen des Menschen.
ten der fränkischen Schweiz und des Maintals zum       Spuren und Relikte menschlicher Zivilisation, die
Ausdruck gebracht habe. Sämtliche Bildmotive habe      sich die Natur wieder zurückholt und überwuchert,
ich gemeinsam mit einer Wandergruppe von Freun-        werden zum Zeugnis eines ewigen zyklischen Ge-
den selbst erwandert, wobei die Naturerfahrung         staltens und Vergehens. Verschiedene Jahres- und
mit Menschen, die einen schon lange durchs Leben       Tageszeiten sowie die damit verbundenen unter-
begleiten, ein besonders intensives archaisches Ge-    schiedlichen Lichtstimmungen stehen dabei im
meinschaftserlebnis darstellt. Der Wald ist zugleich   Vordergrund.

Thomas Michel
Adresse: Frutolfstraße 52
96049 Bamberg
thommic@t-online.de                                                 Kapelle der elenden Heiligen, Kemmern,
thomas-michel-contemporary-art.de                                     Öl auf Leinwand, 40 x 50 cm, 2021 a

42
Dagmar Ohrndorf

Thematisiert werden der Mensch und seine Bezie-     Sinntiefe erlangen und trotzdem eine Leichtigkeit und
hung zur Natur. Der ewige Drang und die Lust des    Verspieltheit suggerieren.
Menschen, alles neu zu formen und zu kultivieren.   Der Guckkasten nimmt den Betrachter mit in beweg-
So auch die Fundstücke aus dem Wald, die zu Arte-   te gemalte Tuschebilder.
fakten wurden, durch die Bearbeitung Dichte und

Dagmar Ohrndorf
Germanenstr.8
96146 Altendorf                                                                            Lichtkasten 1,
info@dagmar-ohrndorf.de                                                         Bearbeitete Fundstücke,
dagmar-ohrndorf.de                                                               ca. 30 x 40 cm, 2021 a

44
Christa Pawlofsky

In meiner künstlerischen Arbeit nehme ich vielfachen
Bezug zu Zeitgeschichte, Literatur und Musiktheater,
was sich in den Themen der Werke und Ausstellun-
gen spiegelt wie (Auswahl) „Erlkönig“ (Kulturetage
Bremerhaven), “Waldstein“ (Galerie Steingräber
Bayreuth, “Wotan in Bayreuth“ (Galerie Steingräber
Bayreuth), „Titanic und mehr“ (Galerie Raum Traum
Bayreuth), “Am Klavier“ (Art Box Mattersburg, Öster-
reich), „...Passion“ (Diözesanmuseum Regensburg),
„Winterreise“ (Städtebundtheater Hof), Staatsbe-
such“ (Gauck-Behörden Leipzig, Dresden, Berlin).

Christa Pawlowsky
Parsifalstraße 9
95445 Bayreuth
info@pawlofsky.com                                     Waldeinsamkeit. Hommage à Franz Schubert,
pawlofsky.com                                               Öl auf Leinwand, 100 x 130 cm, 2000 a

46
Gert Ressel

Die Motive zur „Waldeslust“ sind vielfältig wie die     Seine Lust feiert er sozusagen in den Bildern seiner
Geschichte des Waldes selbst. Der Wald ist Flucht-      Tiroler Heimat.
ort vor Krieg und privater Verstrickung, romantische    Die Birke, die in dem Bild hilflos dem Werben eines
Kulisse und Geheimnisträger von Riten und Sagen.        Menschen ausgeliefert ist, steht für die Platane, in
Darüber hinaus ist er Refugium und Inspirations-        deren Schatten sich Xerxes (5. Jhdt. v. Chr.) labte. In
quelle für Dichtung, aber auch Schabernack unzäh-       der Oper Serse von Friedrich Händel singt jener Per-
liger Waldgeister. In meinen Beispielen spiegeln sich   serkönig „Ombra mai fu ...“: eine Hymne auf diesen
linguistischer Spieltrieb, Hingabe an die Natur sowie   Baum. Die ganze Textzeile heißt in der Übersetzung
der Wald als Schauplatz einer ironischen Umdeutung      „Nie war der Schatten einer Pflanze süßer, lieblich
des berühmten Grimmschen Märchens vom Rot-              und angenehm.“
käppchen.                                               Das dritte Bild widmet sich dem klassischen Märchen
Den Wald wird man im Bild „Waldes Lust“ vergeb-         vom „Rotkäppchen“. Das brave Mädchen begegnet
lich suchen, da der Titel der Ausstellung durch eine    auf dem Weg zur Großmutter einem Wolf, dessen
kleine grammatische Modifizierung nicht den Wald,       böse Absichten Rotkäppchen nicht ahnt. Anders
sondern den Namen des Malers Alfons Walde               als im Original sind es hier zwei Wölfe. Einer an der
(1891-1958) im Blick hat. Waldes Lieblingsmotiv         Leine, der andere schaut eher ängstlich auf das Rot-
in seinen Bildern ist die schneebedeckte Berg-          käppchen. Der Wald als Kulisse einer harmlosen Sze-
landschaft, vorzugsweise mit Skifahrern illustriert.    nerie, die das Märchen vom „bösen Wolf“ entzaubert.

Gert Ressel
Bürgermeister-Püls-Straße 14
96264 Burkheim/Altenkunstadt                                                    Waldes Lust, Öl auf Leinwand,
gert-ressel@t-online                                                                    80 x 100 cm, 2021 a

48
Bernd Romankiewitz

Meine Auseinandersetzung mit dem Holzschnitt            den entstehenden Bruchstücken. Die Formen lassen
hat den Charakter einer künstlerischen Forschung        ihre florale Herkunft nur mehr erahnen. Die Farben
im Grenzgebiet zwischen Druck, Zeichnung und            sind dezent und „künstlich oder künstlerisch“ – denn
Malerei. Ich orientiere mich an der Natur die ich ins   Schwarz, Silber, Weiß und Anthrazit kommen in der
Holz schneide, konsequent reduziere und abstra-         Natur kaum vor.
hiere.                                                  Die Spannung der Arbeiten entsteht durch den Cha-
Es sind Schattenbilder von Pflanzen, Blättern, Stäm-    rakter der Holzschnitte und die Erinnerung an ihre
men, dabei löse ich die Elemente auf und spiele mit     botanische Vorlage.

Bernd Romankiewitz
Lisztstr. 11
95444 Bayreuth                                                         Waldeslust, Holzschnitt auf Leinwand,
bernd@romankiewitz.de                                                                  100 x 210 cm, 2020 a

50
Jürgen Schabel

Die Mythengeschichte des „deutschen Waldes“ als         mit der Natur aus. In der Zeit des aufkommenden
nationales Identitätssymbol lässt sich bis zu dem       Nationalismus wurde der deutsche Wald schließlich
römischen Historiker Publius Cornelius Tacitus          zunehmend als politischen Symbol instrumentali-
zurückverfolgen. Seine um das Jahr 100 unserer Zeit-    siert. Das Bild „Waldrand“ greift diese unterschied-
rechnung verfasste Schrift „Germania“ diente Gene-      lichen und teils widersprüchlichen Stränge auf und
rationen von Künstlern und Literaten als Inspirati-     verwebt sie neu miteinander: Chaos und Ordnung,
onsquelle. In der Epoche der Romantik entwickelten      Naturbelassenheit und wirtschaftliche Nutzung,
sich die Muster unseres heutigen Waldbewusstseins       privater Rückzugsort und Bühne künstlerischer
als Ergebnis einer städtischen Intellektuellenkultur.   Interventionen ... Mit seinem physischen Eingriff in
Es bedurfte erst der Sicherheit der Städte, um ein      die Landschaft liefert der Künstler einen Kommen-
Gefühl romantischer Natursehnsucht zu empfinden.        tar zum fragilen Gleichgewicht unserer aktuellen
Dieses Bild bestimmt bis heute unser Waldverständ-      Lebenssituation. Die Idylle ist gestört, eingetretene
nis. Über alle sozialen Konflikte und Klassengegen-     Pfade versperrt, vertraute Sehweisen werden in
sätze der Industrialisierungsepoche breitete sich im    Frage gestellt. Ein Gefühl der Verunsicherung greift
19. Jahrhundert die Vorstellung vom Wald als Ort der    Raum, neue Wege sind gefragt – im Denken und
Muße und als Symbol der menschlichen Eintracht          Handeln ...

Jürgen Schabel
Atelier- und Galeriehaus Defet
Leopoldstr. 71
90439 Nürnberg                                                                           Waldrand, Fotografie,
09 11 - 33 33 88                                                 Fujicolor Crystal Archive Papier Digital Pearl,
lichtblick@juergenschabel.de                                              Aludibond, 120 cm x 180 cm, 2012 a

52
Heidrun Schimmel

Mich fasziniert der seit altersher existenziell und       „Waldeslust“ bedeutet für mich bewusstes Sich-Be-
symbolisch mit dem menschlichen Leben eng ver-            wegen, aufmerksames Gehen, Schritt für Schritt,
bundene textile Faden. Seine spezifischen Eigen-          Achtsamkeit, zielloses Wandern, überall und nirgend-
schaften formen meine Ideen: “material as matter”.        wo zu sein.
Das Konzept meiner Wandinstallation „überall und
nirgendwo“ ist das Thematisieren des sehr zeitin-
tensiven textilen Hand-Arbeit-Prozesses: Sticken,         Und ich erinnere mich immer wieder an das Haiku
Fadenheften, Stich für Stich sichtbar festgehalten, ist   von Basho (1644 – 1694, Japan):
ein rhythmischer Vorgang in der Zeit. Bewegung ist
dabei entscheidend, die ruhige Tätigkeit, einen Stich/    Wie herrlich, herrlich:
einen „Arbeits-Schritt“ an den anderen zu reihen,         Im Düster der Bäume selbst
immer gleich und immer verschieden.                       Die Sonnenstrahlen!

Heidrun Schimmel
Kloster Langheim-Str.5
96050 Bamberg
heidrun.schimmel@arcor.de                                             überall und nirgendwo, Wandinstallation,
heidrun-schimmel.de                                                               ca. 240 x 300 x 3 cm, 2021 a

54
Katrin Schinner

Spontan löste der Titel „Waldeslust“ eine romantische   Die Wahl meiner Materialien ist daher zum einen
Vorstellung in mir aus, welche aber sehr schnell von    nachhaltig und unterstreicht die Vulnerabilität des
den aktuellen Themen bzgl. des Klimawandels über-       Waldes und kann aber auch als Gleichnis für dessen
lagert wurde, der auch im deutschen Wald endgültig      Mitmenschen stehen. Die Stretchbinden wurden mir
angekommen ist.                                         geschenkt. Sie stammen von einem älteren Men-
Ich verstehe den Wald nicht als Umwelt, sondern als     schen, der 2020 an Corona verstorben ist, mit der
Mitwelt, mit dem wir Menschen eng verwoben sind.        Bitte des Sohnes, dass ich diese gerne kreativ ver-
Gerade 2020/21 wurde klar, dass Gesundheit kein         arbeiten darf.
selbstverständliches Gut ist.

Katrin Schinner
Atelier: Preuschwitzer Str. 37
95445 Bayreuth                                                                             Des Waldes Frust,
kunstinform@gmx.de                                                                 Foto Wald – als Acrylglas
instagram: katrinschinner                                                75 x 50 cm an der Wand, 2020/21 a

56
Peter Schoppel

„Unterholz / Waldrand“: Abstrakte „chaotische Strukturen“
bilden ein fast undurchdringliches Geflecht, angelehnt am
Unterholz des Waldes, des Waldrandes ...

– verdecken, schützen eine geheimnisvolle florale Welt,
– bewahren verwunschene Orte und ihre Geschichten,
– schemenhafte Andeutungen von verfallener Architektur,
– dazwischen banaler liegengelassener Zivilsationsmüll ...
... wer weiß ...
– oder doch nur ein freies künstlerisches Spiel, zwischen
Flechtengelb und Friedwald, thematisch, gedankenverloren
zwischen Zeit und Raum, ... lost in space ...

Peter Schoppel
96163 Gundelsheim                                            Unterholz, Radierungen von mehreren Platten,
Bamberger Straße 7                                              Plattengröße je 18,5 x 50 cm, Unikatdrucke
schoppel-peter@gmx.de                                                 aus einer Werkreihe von 12 Arbeiten,
schoppel.wordpress.com                                                       Rahmung: 60 x 80 cm, 2021 a

58
Gudrun Schüler

„Waldbaden“ mit den Augen (japanisch Shinrin-yoku)
zum „Eintauchen“ in die Atmosphäre des Waldes ...

WALD – für viele ist er ein Rückzugsort, ein Ort der Erholung,
der Stille und der inneren Einkehr, der Kindheitserinnerungen
und der Sehnsucht, aber auch der Geheimnisse, Mythen
und Märchen. Im Wald spüren wir unser existenzielles Bedürfnis
nach Natur.
Einer großformatigen atmosphärischen Tuschezeichnung
in Schwarz-Weiß stelle ich kleinere, formal reduzierte
Farbfeldlasuren in allen Grünschattierungen gegenüber.
Deren botanische Form ist nur angedeutet.

„Vor allem hab Zeit und nimm Umwege.
Lass dich ablenken. Mach sozusagen Urlaub. Überhör
keinen Baum und kein Wasser. Kehr ein, wo du Lust hast,
und gönn dir die Sonne.“

(Peter Handke: „Über die Dörfer“)

Gudrun Schüler
Markgrafenallee 44, 95448 Bayreuth                                              Serie WALD I,
gudrun.schueler@gudrunschueler.de                                Tusche, Pigment auf Bütten,
gudrunschueler.com                                                     je 56 x 77 cm, 2021 a

60
Michaela Schwarzmann

Bei diesem Selbstversuch werde ich drei Tage in mei-
nem eigenen Wald verbringen, nur mit dem Nötigsten
ausgestattet. Die Eindrücke und Erfahrungen werde
ich künstlerisch umsetzen und in der Ausstellung
installieren.
Am Bildschirm werden einige Eindrücke von der
Umgebung zu sehen sein.
Die drei Tage werden nicht als Film dokumentiert.

Michaela Schwarzmann
Am Schwedengraben 25
91330 Eggolsheim
info@mschwarzmann.de                                   Grenzsteine zu Flurstück Nr. 6187,
mschwarzmann.de                                                        Fotomontage a

62
Christiana Sieben

Betula – die Birke, der Tausendsassa unter den Bäu-         Ablösen äußerer dünner Schichten, das Aufbrechen
men! Sie ist eine wertvolle Ressource für Natur und         der Borke und das sich dadurch verändernde Farb-
Mensch, besiedelt als Pionierbaum Brachflächen              spiel, die Borke wird rissig, es erscheinen dunkle
und erleichtert die Ansiedlung weiterer Bäume und           Falten. Bezüge zur menschlichen Natur scheinen auf.
Pflanzen. Die Birke ist Lebensraum für eine Vielzahl        Die Materialschichtungen durch selbst hergestellte
an Organismen und bietet auch verschiedenen Vogel-          Pasten aus Steinmehlen, der Einsatz von Pigmenten
arten Schutz und Nahrung. Von den Wurzeln bis zu den        und Granulaten und die Spachteltechnik ermöglichen
Blättern, alles ist für den Menschen verwertbar, das ist    die Nachbildung der haptischen Oberfläche der Bor-
zugleich ihr Alleinstellungsmerkmal unter den Bäumen.       ke und das Eindringen in die Anatomie der Birke.
Der Name „Birke“ ist auf das althochdeutsche Wort           Künstlerisch wirksam sind: die Komprimierung des
„bircha“ zurückzuführen und bedeutet „weiß, glän-           Bildraumes, die Verdichtung des organischen Sys-
zend“, denn zu den Besonderheiten im Erscheinungs-          tems, die Eröffnung eines perspektivischen Raumes,
bild vieler Birken zählt ihre glänzende Borke, die          die Anmutung von Wald durch Geschlossenheit.
sehr glatt ist und im Farbspektrum von schneeweiß,
gelbweiß oder leicht rötlich bis zu schwarzbraun im         Ich sah in bleicher Silberpracht
Alter reicht. Anfangs ist die Borke glatt, im Alter lösen   Der Birkenstämme prangen
sich dünne papierartige Stücke ab, schließlich reißt        Als wär dran aus heller Nacht
sie horizontal auf. Dieser Alterungsprozess der Borke       Das Mondlicht blieben hangen
bildet den Schwerpunkt der bildnerischen Arbeit: das        (Nikolaus Lehnau, 1802 – 1850)

Christiana Sieben
Föhrenweg 6
96163 Gundelsheim                                                                Betula, Triptychon, Mixed Media,
christiana.sieben@gmx.de                                                                       je 200 x 60 cm, 2021
sieben-art.de                                                                           Foto: Monika Meinhart a

64
Maria Söllner

Anstelle einer Werkbeschreibung ein Gedicht von
Theodor Storm, das das Wesentliche meiner Arbeiten
zum Ausdruck bringt:

Ein grünes Blatt

Ein Blatt aus sommerlichen Tagen,
Ich nahm es so im Wandern mit,
Auf dass es einst mir möge sagen,
Wie laut die Nachtigall geschlagen,
Wie grün der Wald, den ich durchschritt.

Maria Söllner
Mönchsleite 9                                                O. T., Eitempera,
96049 Bamberg                                               40 x 40 cm, 2014,
jsoellner@yahoo.de                                   Foto: Thomas Michel a

66
Hubert Sowa

Unzählige Wanderungen führten mich während            und dem unteren Bild gibt es immer offensicht-
des Seuchenjahres durch die Landschaften rund         liche oder verborgene Bezüge, die Betrachter ent-
um Bamberg: Wenn die Welt aus den Fugen gerät         decken können.
und jede Begegnung mit Menschen zur Bedrohung         Im Ganzen ist diese Arbeit ein Projekt mit offenem
wird, sind die heimatlichen Wälder für mich der       Ausgang. Ich werde meine Wanderungen fortsetzen
Flucht- und Sehnsuchtsort. Das war auch schon         und meine Zeichentätigkeit auch. Das Jahr wandelt
in der deutschen Romantik ein starkes Bedürfnis       sich – eine Narration in mehreren „Kapiteln“: Der
der wandernden Maler und Zeichner, ein zentrales      kalte Winter, dann der dunkle, feuchte Spätwinter, der
Movens für ihre Landschaftsmalerei. In Auseinan-      aufblühende Frühling, der aufsteigende Sommer ...
dersetzung mit diesen verehrten älteren Kollegen,     Hochsommer und Herbst werden folgen. Mit jedem
auch mit den großartigen Malern des Leibl-Krei-       Abschnitt (immer 10 Doppelbilder umfassend) ändert
ses und der Schule von Barbizon fertige ich seit      sich die Farbigkeit der Zeichnungen, aber auch das
einem Jahr Dutzende von Landschaftszeichnungen        Bildkonzept: Es ist so, als würde sich der im Dickicht
an, die ich immer mit einem Stillleben paare. So      der Wälder verstrickte Blick des Wanderers langsam
entsteht ein Jahreszyklus, der zugleich das psychi-   heben, bis der Himmel wieder offen vor Augen liegt.
sche Geschehen während der ungreifbaren Seu-          Ende Juni stand meine Arbeit bei der Doppelzeich-
chengefahr spiegelt. Während die Landschaftsbil-      nung Nr. 38. Die Menschheit trat zu diesem Zeitpunkt
der in toniger Distanz schweben, rückt die Natur in   „aus dem Dickicht“ der Lockdown ... Wie es wohl
den Stilleben radikal nahe. Zwischen den oberen       weiter geht?

Hubert Sowa
Ottostr. 17                                                             Aus dem Dickicht, Spätwinter Nr. 19,
96047 Bamberg                                                               Bleistift und Ölfarbe auf Papier,
sowa@ph-ludwigsburg.de                                                                   35 x 45 cm, 2021 a

68
Ute Westien

Da ich mich gerne auf eine Abenteuerreise der beson-    bewirken oft erstaunliche Assoziationen. Manchmal
deren Art begebe, nutzte ich bei den meisten Bildern    gelingt es, sich regelrecht verzaubern zu lassen und
als ersten Schritt im Malprozess die Monotypie. Diese   sich mit der Natur zu verbinden. Dann findet man Zu-
Methode ist ein Druckverfahren, bei dem ein einziger    gang zu den Schönheiten der Landschaft. Im Span-
Originaldruck entsteht. Die Vorgehensweise ist aber     nungsfeld zwischen Gegenständlichkeit und Abstrak-
nur der Ausgangspunkt für eine weitere Bearbeitung.     tion lassen sich manchmal besondere Stimmungen
Ich probiere aus, wie sich die entstandenen Arbeiten    oder Natureindrücke in meinen Bildern erahnen. Mich
experimentell weiter mit Frottagen, mit grafischen      fesseln nicht nur die strengen Anordnungen der Bäu-
Elementen oder mit Aquarellfarben kombinieren           me, sondern auch die kleineren wundervollen Wald-
lassen. Damit kann es meines Erachtens gelegent-        geheimnisse. Ich lasse gerne den Blick hoch in das
lich gelingen, das Motiv stimmungsmäßig treffend zu     Blätterwerk der Baumkronen schweifen, beobachte
erfassen.                                               die Wasseroberfläche eines Weihers, in dem sich
Mein Anliegen ist es, den Betrachter auf eine Wande-    Unterholz widerspiegelt oder lasse meinen Blick auf
rung durch den Wald mitzunehmen und mit ihm be-         einem fernen Waldpanorama ruhen. Es berührt mich,
wusst in diese besondere Atmosphäre einzutauchen.       dass sich die Strukturen, die man im Großen findet,
Der Wald ist ein friedvoller Ort zum „Seelebaumeln-     auch im Kleinen widerspiegeln. Die Formensprache
lassen“, ein Wohlfühlraum, in dem Sehnsüchte und        der Natur bietet für mich und meine künstlerische
Erinnerungen wach werden. Die Walddunkelheit, das       Arbeit einen unerschöpflichen Fundus an Ideen.
Wirrwarr der Äste und Zweige oder das Blätterspiel,     Aus der Begegnung mit der Natur ergibt sich oft wie
durch welches das blendende Sonnenlicht flimmert,       von selbst eine Begegnung mit sich selbst.

Ute Westien
Hugenottenstr. 9
95448 Bayreuth                                                                 Am Waldsee II, Mischtechnik,
ute.westien@gmx.de                                                               jeweils 29 x 21 cm, 2021 a

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Katja Wunderling

Die Pflanze als Urbild allen Lebens steht im Mittel-    und letztendlich dem Konservieren der Fundstücke.
punkt meiner künstlerischen Tätigkeit, angefangen bei   Der meditative Entstehungsprozess der Arbeiten ist
der naturbezogenen Zeichnung, über die Darstellung      für den Betrachter spürbar. Es entstehen Ausschnitte
organischer Formen des Mikro – und Makrokosmos,         und Momentaufnahmen der uns umgebenden Natur,
bis hin zum reinen pflanzlichen Materialbild/ Objekt.   deren Wandlung und Veränderung im natürlichen
Der kreative Prozess beginnt schon bei Streifzügen      Werden und Vergehen.
durch die Natur, mit Auswählen, Sammeln, Verwerfen

Katja Wunderling
Fallrohrstr. 119                                                              Baumschwingen, (natur-grün),
90480 Nürnberg                                                                      Assemblage, Eitempera,
info@katja-wunderling.de                                             Nadeln der Tränenkiefer und Zeichnung,
www.katja-wunderling.de                                                                  75 x 75 cm, 2019 a

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Jahresausstellung 2021 des                Mit freundlicher Unterstützung durch:
     Berufsverbandes Bildender Künstlerinnen
           und Künstler Oberfranken e.V.

                  bbk-oberfranken.de

                    16. 10. – 28. 11. 2021
             Do – So & feiertags 12 – 18 Uhr
             Villa Dessauer, Hainstraße 4a                Bayerisches Staatsministerium
                                                             für Wissenschaft und Kunst
                     96047 Bamberg

     Um die Ausstellung Waldeslust klimaneutral zu
     gestalten und unseren ökologischen Fußabdruck
     zu verbessern, hat Peter Schoppel sein Projekt
     101 Eichen gestartet, in dem er Eichelsämlinge
     großgezogen hat und im Rahmen von Baum­
     patenschaften zur Verfügung stellt. Wenn Sie
     eine Patenschaft übernehmen wollen, melden
     Sie sich bitte beim BBK Oberfranken.

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