JAHRES BERICHT 2019/2020 - INSTITUT FÜR WELTKIRCHE UND MISSION - Institut für Weltkirche ...
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JAHRESBERICHT
2019/2020
INSTITUT FÜR
WELTKIRCHE
UND MISSION
Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt GeorgenIMPRESSUM Institut für Weltkirche und Mission Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen Offenbacher Landstraße 224 60599 Frankfurt am Main Redaktion: Dr. Roman Beck, P. Dr. Markus Luber SJ (V. i. S. d. P.) Telefon: +49 69 6061-710 Telefax: +49 69 6061-777 E-Mail: sekr@iwm.sankt-georgen.de www.iwm.sankt-georgen.de www.facebook.com/weltkircheundmission www.twitter.com/kirche_mission © November 2020 Institut für Weltkirche und Mission. Alle Rechte vorbehalten. Wenn nicht anders vermerkt, liegen die Rechte der verwendeten Fotos und Grafiken beim IWM. Nachdruck, Vervielfältigung und Verleih nur mit Genehmigung.
GRUßWORT
JAHRESBERICHT 2019/2020
Liebe Leserin, lieber Leser,
die weltweite Ausbreitung der CoViD19-
Pandemie seit Beginn des Jahres hat gra-
vierende Folgen für unser Leben und be-
lastet uns zunehmend, seitdem die Schutz-
maßnahmen von Monat zu Monat verlän-
gert werden. Dass auch die Arbeit am In-
stitut für Weltkirche und Mission davon
betroffen ist, davon zeugen diesmal die ge-
schriebenen und ungeschriebenen (!) Arti- übergreifend zum Nachdenken an. Im No-
kel in unserem Jahresbericht. Denn die vember nahm ich an einem virtuellen in-
massiven Auswirkungen auf die Kultur- ternationalen Austausch teil, bei dem es
und Veranstaltungsbranche hierzulande um die postpandemische Zukunft der
zeigten sich im kleineren Maßstab auch bei theologischen Bildung und Forschung im
unseren Tagungen und Workshops: globalen Süden ging. Organisiert wurde
dieser Austausch von einem ökumeni-
Der für den April geplante Workshop zum
schen Theolog*innen-Netzwerk. Hierbei
Forschungsprojekt „Kirchliche Antworten
wurde zum einen deutlich, dass der von
auf HIV/AIDS in Afrika“ in Harare, der im
der Pandemie katalysierte Umstieg von
Rahmen der deutsch-afrikanischen Bi-
der analogen zur digitalen Lehre bei feh-
schofskonsultationen stattfinden sollte,
lender Infrastruktur oder Hardware eine
musste verschoben werden. Die für den
Herausforderung für die betreffenden Län-
Oktober geplante IWM-Jahrestagung und
dern darstellt. Zum anderen wurde die
der jährlich im September vorortete Theo-
Frage diskutiert, wie eine nachhaltige
logische Basiskurs des Bildungspro-
theologische Ausbildung an Fakultäten des
gramms Weltkirche konnten in diesem
globalen Südens gestaltet werden kann.
Jahr nicht stattfinden. Daher bin ich froh,
Vor diesem Hintergrund wurde die Vor-
dass wir unsere regulären Veranstaltungen
stellung des Stipendienprogramms Alber-
im Albertus Magnus-Programm mutatis
tus Magnus mit großem Interesse aufge-
mutandis durchführen konnten: Die Kurs-
nommen. Wobei allerdings erneut bewusst
woche „Einführung in die kirchliche und
wurde, wie sehr weltkirchliches Leben auf
gesellschaftliche Situation in Deutschland“
der Möglichkeit physischer interkultureller
war im August mit einer begrenzten Teil-
Begegnung beruht.
nehmerzahl als Präsenzveranstaltung
möglich; die Jahresakademie 2020 im Ok- Mit der Hoffnung, dass unser nächster
tober wurde aufgrund der Teilnehmenden- Jahresbericht wieder unter anderen Vor-
zahl (über 40 Personen) als virtuelle Kon- zeichen veröffentlicht werden kann, wün-
ferenz durchgeführt. sche ich Ihnen für die nächsten Monate al-
les Gute und Gottes Segen!
Die Auswirkungen der Pandemie fallen je
nach Land und Herkunftskontext sehr un- Ihr
terschiedlich aus, doch sie regen kontext-
3INHALTSVERZEICHNIS
JAHRESBERICHT 2019/2020
DAS INSTITUT
▪︎ Profil des IWM 6
▪︎ Mitarbeitende und Aufgabenfelder 7
▪︎ Arbeiten in Zeiten von Corona 10
AUS FORSCHUNG UND LEHRE
▪︎ Papst Franziskus und die päpstlichen Missionswerke 13
▪︎ Politischer Pentekostalismus 15
▪︎ Bildung und Ecclesia in Africa 17
▪︎ Publikationen 19
VERANSTALTUNGEN
▪︎ Studientag 2019 22
PROGRAMME
▪︎ Stipendienprogramm Albertus Magnus 26
PERSONALIA
▪︎ Neue Mitarbeitende 29
▪︎ Das IWM haben verlassen 29
▪︎ Gäste am IWM 30
4PROFIL DES IWM
DAS INSTITUT
Das Institut für Weltkirche und Mission Auftrag, zwei strukturierte Programme zur
(IWM) ist ein Forschungsinstitut an der Unterstützung der weltkirchlichen Arbeit
Philosophisch-Theologischen Hochschule in Deutschland durchzuführen (Theologi-
Sankt Georgen in Frankfurt a. M. zur theo- sches Stipendienprogramm Albertus Ma-
logischen Reflexion über die weltkirchliche gnus, Bildungsprogramm Weltkirche).
und missionarische Dimension der Kirche. Im ökumenischen Geist arbeitet das IWM
Es gehört zu den wenigen wissenschaftli- eng mit missionswissenschaftlichen Insti-
chen Einrichtungen in Deutschland, in de- tutionen in Afrika, Asien, Europa, Ozeani-
nen die Disziplin der Missionswissenschaf- en und Amerika zusammen. Kooperations-
ten bzw. Missionstheologie institutionell partner in Deutschland sind die missions-
an den Hochschulen verankert ist. Das theologischen universitären Lehrstühle
IWM wurde 2009 von der Deutschen Bi- und Institute sowie die weltkirchlichen
schofskonferenz gegründet. Hilfswerke und Diözesen mit ihren Abtei-
lungen für Weltkirche und Mission.
Neben der Zielsetzung, die missionswis-
senschaftliche Forschung und Lehre
in Deutschland zu stärken, verfolgt
das Institut die Absicht, die theolo-
gische Auseinandersetzung mit
weltkirchlichen Themen anzuregen.
Weltkirche und Mission werden als
zwei aufeinander bezogene Aufga-
benfelder verstanden: Missionari-
sche Fragestellungen werden stets
in ihrem weltkirchlichen Bezug er-
örtert, wobei der deutsche Kontext
als Bestandteil der Weltkirche nicht
ausgeschlossen wird; umgekehrt
werden Fragen der Weltkirche und
weltkirchlichen Arbeit im Kontext
missionarischer Anstrengungen der
Kirche untersucht.
Die Realisierung dieser Vorhaben
erfolgt durch Forschungsprojekte,
Jahrestagungen und Studientage,
Vorträge und Publikationen. Dar-
über hinaus hat das Institut den Kapelle des Maha Pattaya Convention Centers in Thailand.
6KOMMISSARISCHER DIREKTOR
DAS INSTITUT
DR. MARKUS LUBER SJ
E-Mail: luber@iwm.sankt-georgen.de
Telefon: +49 69 6061-701
MITARBEITENDE UND AUFGABENFELDER
STIPENDIENPROGRAMM ALBERTUS MAGNUS
Das Stipendienprogramm stellt eine postgraduale
Studienförderung für ausländische Studierende
der Theologie und Philosophie dar, die sich in
Deutschland qualifizieren möchten. Die Stipendi-
en werden von deutschen Hilfswerken und Diöze-
sen finanziert.
BILDUNGSPROGRAMM WELTKIRCHE
DR. ROMAN BECK Das Bildungsprogramm richtet sich an Mitarbei-
Stellv. Direktor / Koordinator tende weltkirchlicher Einrichtungen in Deutsch-
beck@iwm.sankt-georgen.de land und unterstützt die berufsbegleitende Aus-
+49 69 6061-702 einandersetzung mit weltkirchlichen und (missi-
ons-) theologischen Themen.
MISSIONSGESCHICHTE
„Darum geht zu den Völkern und macht alle Men-
schen zu meinen Jüngern“ (Mt 28). Ohne das
Hingehen, ohne die Kontaktaufnahme ist christli-
che Mission nicht zu denken. Im Forschungsfeld
„Missionsgeschichte“ werden Formen des missio-
narischen Engagements von den Anfängen des
christlichen Glaubens bis hin zur Gegenwart un-
tersucht. Im aktuellen Forschungprojekt wird
FRIEDERIKE DILLENSEGER analysiert, welche Rolle die christliche Mission in
Wissenschaftliche Mitarbeiterin den historischen Prozessen der Globalisierung
dillenseger@iwm.sankt-georgen.de eingenommen hat, unter besonderer Berücksich-
+49 69 6061-712 tigung der weiblichen und lokalen Akteure.
7PENTEKOSTALISMUS
Gegenwärtig verändern die Pfingstbewegungen
DAS INSTITUT
weltweit ihr Gesicht: Sie setzen auf ein stärkeres
Engagement im sozialen und zivilgesellschaftli-
chen Bereich. Zu den pentekostalen Transfor-
mationsstrategien gehört insbesondere die Ein-
flussnahme auf politische Prozesse und Struktu-
ren. Das Forschungsprojekt „Pentekostalismus“
reflektiert diese Entwicklung und analysiert die
DR. LEANDRO BEDIN FONTANA theologischen Argumentationsformen, die jener
Wissenschaftlicher Mitarbeiter Einflussnahme zugrunde liegen. Dabei geht es
auch um die grundsätzliche Frage, was dies für
bedin-fontana@iwm.sankt-georgen.de
+49 69 6061-707 das Spannungsfeld von Religion und Politik be-
deutet.
MISSION UND GESUNDHEIT
Die Definition von Gesundheit, die von der
WHO als „der Zustand des vollständigen kör-
perlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens
und nicht nur als das „Fehlen von Krankheit
oder Gebrechen“ definiert wird, ist selbst in den
am weitesten entwickelten Ländern der Welt
schwer zu erreichen. Dennoch bleibt sie sowohl
als Ideal als auch als Versprechen für einen
DR. BRANKA GABRIC sehnsüchtigen und verletzlichen Menschen auf
der ganzen Welt bestehen. Welchen Beitrag
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
kann die Kirche und die theologische Reflexion
gabric@iwm.sankt-georgen.de
im Umgang mit den komplexen Gesundheits-
+49 69 6061-704
problemen der heutigen Welt leisten?
MISSION UND BILDUNG
Im Forschungsfeld wird der Zusammenhang
von christlichem Sendungsauftrag und der Bil-
dungsarbeit der Kirche reflektiert. Dabei ist ihr
Einsatz als größte nicht-staatliche Bildungsak-
teurin weltweit ein unverzichtbarer Ansatzpunkt
für den Dialog von Kirche und Welt, wie es etwa
im Hinblick auf eine globale Hermeneutik der
Bildung als menschliches Grundrecht erkennbar
DR. CHRISTIANA IDIKA DMMM
wird. Christliche Anthropologie spielt hier eben-
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
so eine Rolle wie politische, kulturelle und ethi-
idika@iwm.sankt-georgen.de
sche Aspekte oder die Thematik des weltkirchli-
+49 69 6061-706
chen Lernens.
8MISSION UND MIGRATION
DAS INSTITUT
Zuwanderung und Flucht bedingen eine Plurali-
sierung von Gesellschaft und Kirche. Ein gelin-
gendes Zusammenleben erfordert mehr als eine
vorübergehende Willkommenskultur. Die Begeg-
nung mit dem Fremden bringt große Chancen
mit sich, sie ruft jedoch auch Ängste hervor, die
es gleichermaßen ernst zu nehmen gilt. Für die
Kirche implizieren Migration und Flucht eine Ge-
DR. TOBIAS KEßLER CS M.A. legenheit, die Dimension ihrer Katholizität neu
Wissenschaftlicher Mitarbeiter zu entdecken und so mehr und mehr zum Zei-
kessler@iwm.sankt-georgen.de chen und Sakrament der Einheit der ganzen
+49 69 6061-703 Menschheit zu werden.
SEKRETARIAT UND ASSISTENZ
MARION WAIDLEIN, MBA
Assistentin des Direktors
Komm. Assistentin für die Programme
sekr@iwm.sankt-georgen.de
+49 69 6061-710
9ARBEITEN IN ZEITEN VON CORONA
DAS INSTITUT
20.03.2020 wir unserer Leben vor den „Herausforde-
Wir alle befinden uns gerade in einer so rungen einer Weltverantwortung“ (ebd.)
nie da gewesenen Situation. Innerhalb we- angesichts der Pandemie neu strukturie-
niger Tage hat sich der Alltag der Men- ren, die eigenen Bedürfnisse und das Allge-
schen in Deutschland fundamental verän- meinwohl gegeneinander abwägen? Wie
dert. Viele sehen sich angesichts der Coro- kann Kirche in der aktuellen Krise ihrem
na-Krise auf wesentliche Fragen ihres Le- missionarischem Auftrag nachkommen,
bens zurückgeworfen: die Liebe Gottes den Menschen erfahrbar
zu machen, wenn Mission „Dynamik [be-
• Werde ich eine Ansteckung unbescha-
deutet], aktives In-der-Welt-Sein durch
det überstehen?
Verkündigung, Taten der Barmherzigkeit
• Wie werde ich mit finanziellen Einbußen und die Feier der Auferstehung“ (Csiszar
zurechtkommen? Muss ich um meine 2016: 300)?
wirtschaftliche Existenz fürchten?
• Wie kann ich mich zu Hause um meine
Kinder kümmern und gleichzeitig mei-
ner Arbeit nachgehen?
• Welche inneren Konflikte und unausge-
sprochene Differenzen werden im Fall
einer häuslichen Quarantäne zum Vor-
schein kommen? Oder werden wir nä-
her zusammenrücken und uns auf das
Wichtige im Leben beschränken?
• Wie überstehe ich Wochen der Einsam-
keit?
Viele Mitarbeiter des IWM arbeiten zurzeit Vor einigen Tagen habe ich erfahren, dass
im Home-Office und versuchen weiterhin alle Eucharistiefeiern und die Ostergottes-
ihren missionswissenschaftlichen For- dienste, als gemeinschaftliche Erfahrung
schungsprojekten nachzugehen. Doch wo der Auferstehung, bis auf Weiteres abge-
liegt die Relevanz missionswissenschaftli- sagt sind. Ich schreibe diese Gedanken auf,
cher Forschung in dieser Krisensituation? während ich in meinem Wohnzimmer sitze
Wie kann man sich auf theologische Fra- und zwischendurch meine zweijährige
gen konzentrieren, wenn der Alltag um ei- Tochter tröste, die in ihrem Versuch eigen-
nen herum auseinanderbricht und neu ge- ständig zu spielen immer wieder Zuspruch
staltet werden muss? braucht. Vielleicht ist das unsere missions-
theologische Aufgabe für die nächsten Wo-
Unsere ehemalige Kollegin Klara Csiszar chen, unsere Aufgabe als Christen: nach
benennt die „Herausforderungen einer kreativen Wegen zu suchen trotz aller Ein-
Weltverantwortung“ (Csiszar 2016: 298) schränkungen und Herausforderungen un-
als tragende Säulen eines integralen, ganz- seren Alltag als „aktives In-der-Welt-
heitlich gedachten Missionsbegriffs – die Sein“ (ebd.) neu einzuüben und die Liebe
theologische Basis der missionswissen- Gottes den Menschen erfahrbar zu
schaftlichen Arbeit am IWM. Wie können machen.
1017.09.2020
Wir leben nun seit über sechs Monaten mit
DAS INSTITUT
Covid-19. Wie hat sich unser Leben und
Arbeiten in dieser Zeit verändert? Wie
wirkt sich das Virus auf unser theologi-
sches Arbeiten am Institut für Weltkirche
und Mission aus?
Die offensichtlichen Veränderungen lassen
sich zunächst einfach beschreiben. Nach
einer Phase des intensiven Arbeitens im
Home-Office freuen wir uns als Mitarbei-
ter einander wieder persönlich im Team- nen? Die Krise als „Kehre“ (Delgado 2020:
Treffen oder in Kolloquien zu begegnen. 3) zu begreifen impliziert keine Antworten,
Gesegnet mit Räumlichkeiten, die einen aber stellt einen Ausgangspunkt für missi-
persönlichen Austausch mit dem Einhal- onstheologische Überlegungen in der aktu-
ten der Abstandsregeln ermöglichen, und ellen Situation dar: Mission als Dialog zu
technischen Möglichkeiten konnten wir verstehen, „(...) im lebendigen und von
flexible Lösungen für Veranstaltungen in den sozialen Fragen und dem Schrei der
Präsenz oder Videoübertragung finden. Armen und der verwundeten Schöpfung
Mit der schrittweisen Öffnung der Biblio- geprägten Gespräch mit den anderen
theken und der Hochschulen aber auch christlichen Konfessionen und Religionen,
der Kindergärten und Schulen kann sich im Dienst guten Lebens und der Sorge um
nun ein neuer Alltag etablieren – eine das gemeinsame Haus“ (Eckholt 2020:
Rückkehr zur Normalität? In „Missions- 111). Meine kleine Tochter geht mittlerwei-
wissenschaft in Zeiten des Coronavirus“ le wieder in die Kindertagesstätte, das täg-
fragt Mariano Delgado kritisch an, ob die liche Fiebermessen und Händedesinfekti-
Menschen die Krise als Wendepunkt ver- on am Eingang gehören wie selbstver-
stehen werden, hin zu einem „Humanis- ständlich zur neuen Normalität und wenn
mus, in dem wir Christen unsere genuine irgendetwas nicht funktioniert, schaut sie
Mission nicht vergessen: die universale mich beruhigend an: „Das ist eben so we-
Hoffnung auf die Rettung aller dank der gen Corona.“
unermesslichen, freien Hingabe des
Friederike Dillenseger
menschgewordenen Gottes wachzuhal-
ten“ (Delgado 2020: 4)?
Beinhaltet diese Umkehr Antworten auf Quellen:
die Fragen all jener Menschen, die durch Csiszar, Klara: Den Missionsbegriff mit dem
die Corona-Maßnahmen ihre Existenz- Lehramt integral (neu) denken, in: Verbum
grundlage verloren haben? Für Menschen, SVD, 3-4 57 (2016), 292–309.
die aufgrund ihrer gesundheitlichen Situa- Delgado, Mariano: Missionswissenschaft in Zei-
tion um ihr Leben fürchten, wenn andere ten des Coronavirus, in: ZMR 104 (2020), 3–4.
Hygiene- und Sicherheitsstandards leicht- Eckholt, Margit: Mit Papst Franziskus auf die
fertig umgehen? Für all diejenigen, welche Herausforderungen an die Mission der Kirche
seit Wochen unter der Isolation leiden, in Zeiten der Globalisierung antworten, in: ZMR
sich nach einer Umarmung sehnen oder 104 (2020), 108–13.
sich unverstanden fühlen, wenn sie ihre
Ängste nicht öffentlich artikulieren kön-
11AUS FORSCHUNG UND LEHRE JAHRESBERICHT
Papst Franziskus
an die Päpstlichen Missionswerke
AUS FORSCHUNG UND LEHRE
In seiner Botschaft an die Päpstlichen Mis- Alles zielt auf eine vitale Glaubenserfah-
sionswerke vom 21. Mai 2020 bietet Papst rung, die den Menschen umfassende Stim-
Franziskus eine Synthese seines Missions- migkeit erleben lässt. In biblischer Spra-
und Weltkircheverständnisses. Der Text che handelt es sich um das Wirken des
mit einem dringlichen Unterton nimmt Geistes. Diese Vitalität ließe sich als
zwar auch Talente in den Blick, doch die pfingstlich, charismatisch, enthusiastisch
Betonung liegt insgesamt auf Versuchun- charakterisieren, wenn diese Adjektive
gen und Krankheiten der missionarischen nicht mit kompetitiven christlichen Affilia-
kirchlichen Präsenz. tionen assoziiert wären. Das antiquierte
Wort Ergriffenheit bringt die passivische
Ein Kernelement seiner Missionstheologie,
Qualität dieser religiösen und genuin
wie bereits in Evangelii gaudium entfaltet,
christlichen Grunderfahrung vielleicht am
benennt das Begriffskonglomerat Freude–
unverfänglichsten zum Ausdruck. Vor die-
Attraktivität–Unverfügbarkeit. Jeglicher
sem Hintergrund erhellt sich die Bitte von
missionarischer Aktivität geht die Erfah-
Franziskus, das Gebet zum Heiligen Geist
rung passivischer Ergriffenheit voraus. Es
nicht nur als Formalität zu pflegen.
handelt sich um eine Erfahrung der Selbst-
überschreitung. Missionarinnen und Mis- Auf weltkirchlicher Ebene formuliert die
sionare sind Menschen, die von der bibli- Botschaft einen Gegensatz zwischen parti-
schen Botschaft, insbesondere der Gestalt kularistischer und universaler Orientie-
Jesu, ergriffen wurden. Die Anziehungs- rung. Die Universalität hebt die Besonder-
kraft besteht darin, dass sie eine Weitung heit einer kulturellen Situation nicht auf.
ihres Person- und Menschseins erleben. Sie behält aber ihre Eingebundenheit in
weitere und größere Zusammenhänge im
Die Attraktivität der christlichen Botschaft Blick. Auf diese Weise korrespondiert sie
äußert sich als Freude – das Leitmotiv im mit der Erfahrung der Selbstüberschrei-
Glaubensdiskurs von Franziskus. Dabei tung, denn die christliche Glaubenserfah-
spricht er sich nicht für eine Wohlfühl- rung ist immer auch mit einem Erleben
frömmigkeit aus, sondern er bezieht sich von Ganzheit verbunden. Im Widerspruch
auf die Trosterfahrung in der ignatiani- dazu stehen konkret nationalistische Ten-
schen Spiritualitätstradition, die sich trotz denzen und neokolonialistische Bestre-
der Konfrontation mit Widerständen und bungen, vor denen kirchliche Institutionen
im Berührenlassen durch die Realität des nicht gefeit sind. So kann die Kirche sich
Leids und des Unrechts einstellt. Dieser aus den postkolonialen Diskursen nicht
Trost ist nicht machbar und unter inner- herausnehmen. Das universale Glaubens-
weltlichen Maßstäben irreal. Er stellt sich fundament bietet jedoch die Chance, dass
ein als unverfügbares Ereignis. Christen sie nicht in der Kritik stecken bleiben.
haben für dieses Geschehen die Artikulati-
on des Paschamysteriums. Diese Sicht auf Franziskus versteht den weltkirchlichen
das Glaubenszeugnis ist weit entfernt von Universalismus nicht nur territorial. Des-
kirchlichen Besitzansprüchen und hege- halb ist es anachronistisch, wenn immer
monialen Erlösungs- und Fortschrittsstra- noch pauschal von afrikanischen oder
tegien. asiatischen Missionskirchen die Rede ist.
Weltkirche ist nicht primär eine geogra-
13phische Größe, sondern definiert sich an, wenn eine unangemessene Kompli-
durch die kirchliche Qualität der Katholizi- ziertheit der Prozesse zur Sprache kommt.
AUS FORSCHUNG UND LEHRE
tät. Es geht um das ganze Volk Gottes. Alle In der spirituellen Matrix der Unterschei-
Getauften sind im Blick aufgrund ihrer dung der Geister ist es Kennzeichen des
gläubigen Sensibilität für die Präsenz Got- Ungeistes, Hindernisse aufzutürmen und
tes und ihre Empfänglichkeit für das Wir- Einwände zu formulieren.
ken des Geistes. Insbesondere den Armen
Mit seiner Botschaft versteht sich der
kommt diesbezüglich eine hermeneutische
Papst nicht als Analyst oder Berater der
Autorität zu.
kirchlichen Unternehmungen. Er bleibt
Neben dem Übel des Klerikalismus ver- konsequent auf der motivationalen Ebene
dient in diesem Zusammenhang Franzis- missionarischer Praxis. Mit Penetranz for-
kus’ Hinweis auf das Phänomen eines dert er die Selbstvergewisserung darüber
kirchlichen Elitismus besondere Beach- ein, dass die vitale Glaubenserfahrung den
tung. Die Diskriminierung zwischen Pro- Motor des weltkirchlichen Handelns
fessionellen und Amateuren betrifft nicht bildet. Sein Insistieren auf das Gebet qua-
allein die Scheidung von Geweihten und lifiziert sie als Erfahrung der Selbstüber-
Nichtgeweihten. Als Mittel der Subversion schreitung.
empfiehlt er eine marianische Spiritualität.
Markus Luber SJ
Provozierend ist die Deutung von Strate-
gieentwicklung und Unternehmensanalyse
Quelle:
als Selbstbespiegelung. Sie zielt weder auf
Botschaft von Papst Franziskus an die Päpstli-
eine prinzipielle Absage an die Einhaltung
chen Missionswerke vom 21. Mai 2020.
von Standards noch auf Indifferentismus. Im Internet unter: http://www.vatican.va/
Der beständige Rekurs auf die ignatiani- content/francesco/de/messages/pont-
sche Tradition lässt eine einseitige Auflö- messages/2020/documents/papa-francesco_
sung, die entweder in Apathie oder Akti- 20200521_messaggio-pom.html
vismus resultiert, nicht zu. Allerdings deu-
tet sich eine argumentative Stoßrichtung
Kurzfilm #Zusammenhalten als Botschaft der weltweiten Päpstlichen Missionswerke an die Menschen in der
Corona-Pandemie. Quelle: katholisch.de
14POLITISCHER PENTEKOSTALISMUS
AUS FORSCHUNG UND LEHRE
Ein neues Forschungsprojekt am IWM
Gegenwärtig kann beobachtet werden, nis der Pfingstkirchen, das sich in einer
dass der politische Diskurs in verschiede- verstärkten Präsenz in sozialen und politi-
nen Ländern zunehmend religiös gefärbt schen Bereichen äußert. In manchen Län-
wird. Politikerinnen und Politiker bedie- dern kann der unmittelbare Einfluss auf
nen sich der Wirkungskraft von Religion, Zivilorganisationen, Parteien und Regie-
um für Stimmen zu werben, eine Identi- rungen registriert werden. Auswirkungen
tätspolitik zu begründen oder eine be- auf ökumenische Prozesse, auf die Bestim-
stimmte politische Agenda mehrheitsfähig mung des Verhältnisses von Kirche und
werden zu lassen. Dadurch finden religiöse Staat, auf den Dialog mit anderen Religio-
Motive, Symbole und Argumentations- nen und säkularen Kräften unterstreichen
muster einen prominenten Platz in der Öf- die Tragweite bedeutender Verschiebun-
fentlichkeit. Bei dieser Tendenz scheinen gen innerhalb des Christentums.
insbesondere pfingstkirchliche Akteurin-
Leitfragen
nen und Akteure eine bedeutende Rolle zu
spielen, die sich verstärkt im politischen Aus dieser Problemanzeige heraus stellen
und sozialen Bereich engagieren und me- sich folgende leitende Fragen:
dial präsent sind. Zurückgeführt wird die- – Wie repräsentativ (auch quantitativ)
se Tendenz meist auf ein neues politisches sind diese Entwicklungen innerhalb der
Bewusstsein evangelikaler wie pfingst- Pfingstbewegung im internationalen Ver-
kirchlicher Akteurinnen und Akteure. gleich?
– Wie wird das gesellschaftliche und poli-
tische Engagement theologisch begründet
und inwieweit erweisen sich theologische
Inhalte als handlungsleitend? In welchem
Verhältnis steht die theologische Fundie-
rung insbesondere zur katholischen Sozial-
lehre?
– Welche ethischen Anfragen erwachsen
aus dem theologischen Begründungszu-
sammenhang und welche Konsequenzen
Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro wird vom ergeben sich für katholisch-pfingstkirchli-
selbsternannten pentekostalen „Bischof“ Edir Macedo che Dialoginitiativen auf gesamt- und orts-
gesalbt. © Igreja Universal do Reino de Deus
kirchlicher Ebene?
In einem neuen Forschungsprojekt des Methode
IWM, das von der Kommission Weltkirche Das Projekt durchläuft vier Phasen: In der
der Deutschen Bischofskonferenz geför- ersten Phase bedarf es einer Vergewisse-
dert wird, richtet sich das Forschungsin- rung über die Ausgangssituation ange-
teresse auf das gewandelte Selbstverständ- sichts einer nach wie vor vagen Bestim-
15mung der neuen Phänomenlage, die sich Durchführung einer mehrtägigen, interna-
in abweichenden Typologien und einer Va- tionalen Konferenz mit Wissenschaftlern
AUS FORSCHUNG UND LEHRE
riabilität der Nomenklatur zu erkennen und Bischöfen der untersuchten Länder.
gibt. Aufgrund der Internationalisierung Das Ziel der Konferenz besteht zum einen
und der Organisationsstruktur der Pfingst- in der Bekanntmachung und Diskussion
bewegung erfolgt die Erfassung als makro- der Studienergebnisse, die das Phänomen
analytischer Vergleich, der auf regionalen aus sozial-, religions- und politikwissen-
Literaturstudien aufbaut. schaftlicher Perspektive beschreiben. Zum
anderen stellen die Ergebnisse der Länder-
Aufgrund einer ausgeprägten pfingst-
Literaturstudien die Grundlage für einen
kirchlich-neocharismatischen Präsenz legt
Austausch der Verantwortlichen, vor allem
sich eine Schwerpunktsetzung auf die Re-
aus den untersuchten Ortskirchen, dar, um
gionen Brasilien, Nigeria und die Philippi-
einer Bewertung und Einordnung der be-
nen nahe, die zugleich drei Kontinente ab-
schriebenen Entwicklung näher zu kom-
decken. Für die Durchführung dieser Lite-
men, das Handlungsinteresse der katholi-
raturstudie sind ausgewiesene Expertin-
schen Kirche zu reflektieren und Hand-
nen und Experten für die jeweiligen Kon-
lungsperspektiven aufzuzeigen. Aufgrund
texte eingebunden worden: Prof. Dr. Bren-
der aktuellen COVID-19-Pandemie wird
da Carranza und Prof. Dr. José Luis Pérez
die Konferenz vom 28.–30. Juli 2021 als
Guadalupe (für Brasilien), Prof. Dr. Andre-
virtuelle Veranstaltung durchgeführt.
as Heuser und Prof. Dr. Ebenezer Obadare
(für Nigeria) und Prof. Dr. Jayeel S. Corne- In der vierten Projektphase erfolgen die Si-
lio (für die Philippinen). cherung der Ergebnisse und ihre Multipli-
kation durch die Erstel-
lung einer Publikation
als Tagungsband, deren
Veröffentlichung im
Frühjahr 2022 anvisiert
ist.
Das insgesamt zweijähri-
ge Forschungsprojekt
In der zweiten Projektphase findet eine
wird von Dr. Leandro L. Bedin Fontana
Auswertung der regionalspezifischen Lite-
koordiniert. Darüber hinaus untersteht es
raturstudien durch die Projektstelle „Pen-
einem Steuerungskreis, der bei der Ent-
tekostalismus“ am Institut für Weltkirche
wicklung der Projektschritte fachlich
und Mission statt, die sich methodisch des
berät. Ihm gehören Prof. Dr. Margit Eck-
systematisierenden Vergleichs bedient.
holt, Prof. Dr. Andreas Heuser und Prof.
Unter anderem sollen die von Soziologen
Dr. Klaus Vellguth an.
und Religionswissenschaftlern vorge-
brachten Zusammenhänge mit theologi- Leandro L. Bedin Fontana
schen Erklärungen auf Kohärenz geprüft
werden.
Weitere Infos unter: https://iwm.sankt-
Die evaluative Diskussion schafft den georgen.de/projekt-politischer-pentekostalismus
Übergang zur dritten Projektphase, der
16Bildung und Ecclesia in Africa
AUS FORSCHUNG UND LEHRE
Das Forschungsprojekt „Bildung zur keno- Der afrikanische Kontinent war lange Zeit,
tischen Selbsttranszendenz: Für eine ganz- worauf die afrikanischen Bischöfe hinge-
heitliche menschliche Entwicklung in Afri- wiesen haben, ein Ort von Konflikten und
ka“, das im IWM-Forschungsfeld „Mission vielen Übeln, die entweder importiert oder
und Bildung“ verfolgt wird, beschäftigt durch soziale, politische und wirtschaftli-
sich mit einer transformativen Bildung, so- che Ungerechtigkeiten auf dem Kontinent
wohl auf der individuellen Ebene als auch verursacht wurden. Diese haben die Ent-
auf der des Gemeinwohls der Menschen in wicklung Afrikas sehr negativ beeinflusst
Afrika. Es nimmt dabei die Bildungsarbeit und die Menschenwürde verletzt. In dieser
der Kirche in Afrika als integralen Be- Hinsicht stimmt das Forschungsprojekt
standteil ihres Evangelisierungsauftrags in den Bischöfen Afrikas zu und fragt darüber
den Blick. In diesem kurzen Projektbericht hinaus, welche Aufgabe christliche Bildung
soll die afrikanische Ortskirche als auch zu erfüllen hat, damit das Evangelium auf
das Dokument Ecclesia in Africa betrach- einem Kontinent, auf dem negative und
tet werden. katastrophale Nachrichten täglich Schlag-
zeilen machen, von den Menschen als fro-
Die Kirche hat die Aufgabe,
he Botschaft wahrgenom-
die Botschaft des Evangeli-
men und verstanden wird
ums in das Herz der afrika-
(EA 40).
nischen Gesellschaften zu
bringen und die Menschen Die Entwicklung, von der
zur „Schau Gottes hinzu- hier die Rede ist, kann sich
führen“ (Africae Manus nicht auf das Wirtschafts-
15). Zu beachten sind zum wachstum beschränken.
einen die komplexen Dar- Denn allein die Anhäufung
stellungsformen Afrikas als von Vermögen, Gütern und
politische Idee einschließ- Dienstleistungen, wenn
lich der Verwendungszwe- auch zum Nutzen der
cke, die mit solchen Dar- Mehrheit, reicht nicht aus,
stellungen zusammenhän- um ein ganzheitliches men-
gen, und zum anderen die schliches Wohlergehen zu
Beschreibung Afrikas als verwirklichen. Aus diesem
einen Kontinent, der sich Grund darf eine christliche
vom Senegal bis Madagas- Vision von Entwicklung
kar, von Äthiopien und laut Kardinal Angelo Soda-
dem Horn von Afrika bis no (Weltgipfel für soziale
zum Kongo und dem Sub- Entwicklung 1995) der so-
sahara-Afrika erstreckt. Vor diesem Hin- zialethischen Reflexion nicht entbehren,
tergrund wird die katholische Kirche als denn eine Gesellschaft, die nicht in ver-
Ortskirche innerhalb dieses großen Gebie- lässlichen ethischen Werten verwurzelt ist,
tes bezeichnet. Als Bezugsdokument wird ist eine Gesellschaft ohne Orientierung. Es
hier das Nachsynodale Apostolische fehlt das notwendige Fundament, auf dem
Schreiben Ecclesia in Africa (EA) von die angestrebte soziale Entwicklung aufge-
Papst Johannes Paul II. an das Volk Gottes baut und getragen werden kann. Bildung
in Afrika genannt. wird überall als Schlüssel zum Wohlstand
17Bildung auf ein Instrument zur
Anhäufung von Zeugnissen, Ver-
AUS FORSCHUNG UND LEHRE
mögen, Gütern und Dienstleis-
tungen, das selbst zu einem Kon-
sumgut verkommt. In erster Linie
bezieht sich das Bildungsparadig-
ma auf das Wesen des Menschen.
Die „Entwicklung eines Men-
schen betrifft aber [auch] seine
Haltung und sein Handeln. Die
gute Haltung und das Handeln
des Menschen werden aber nicht
primär von dem Materiellen er-
zeugt, sondern durch die integrale [Ent-
angesehen, als das wirkungsvollste Instru- wicklung und] Kultivierung der Potentiale
ment, um die Menschen insgesamt für des Menschen, die die materielle Forde-
neue Aufgaben zu rüsten. Sie gilt als ein rung lediglich miteinschließt. Das Materi-
wesentlicher Faktor für die wirtschaftliche elle bildet eine wichtige Dimension, aber
und soziale Entwicklung. Wie ist die Lage ist nicht das Ziel. Als Haltung und Han-
diesbezüglich in den afrikanischen Län- deln des Menschen kann die Entwicklung
dern? Geht es tatsächlich nur um einen nur erreicht werden, wenn der Mensch als
Mangel an Bildung oder geht es um mehr Subjekt der Entwicklung gewisse Voraus-
als das? setzungen erfüllt“ (Mupepele 2014, 68).
Aus einer ethischen Perspektive kann Die Misserfolge zahlreicher Entwicklungs-
deutlich aufgezeigt werden, dass Hinder- projekte und Bildungsmaßnahmen sind
nisse für eine integrale Entwicklung auch m.E. auf fehlerhafte anthropologische Vor-
ethische Konsequenzen haben (Sollicitudo annahmen zurückzuführen. Diese proble-
Rei Socialis, SRS 35). „Man kann gewiss matische Anthropologie basiert nicht nur
von ‚Egoismus‘ und von ‚Kurzsichtigkeit‘ auf kolonialem Erbe, sondern auch auf der
sprechen; und auf ‚falsche politische Ein- Überbetonung des materiellen Fortschritts
schätzungen‘, und ‚unkluge wirtschaftliche und der utilitaristischen Prinzipien (Hand-
Entscheidungen‘ hinweisen. In jeder die- lungsfolgen und Nützlichkeit). Dem gegen-
ser Wertungen bemerkt man jedoch ein über muss jeder Entwicklungsansatz in
Echo ethisch-moralischer Natur. Die Lage afrikanischen Kontexten die Ganzheitlich-
des Menschen ist derartig, dass eine tiefere keit des Menschen in den Blick nehmen.
Analyse von Taten und Unterlassungen Denn „die ganzheitliche Entwicklung jedes
der Personen erschwert wird, wenn man Menschen, besonders der Ärmsten und
nicht in der einen oder anderen Weise Ur- Vernachlässigten in der Gemeinschaft,
teile oder Bezüge ethischer Natur mitein- steht im Mittelpunkt der Evangelisie-
schließt.“ (SRS 36) Dies ist insbesondere rung“ (EA 68).
wichtig, wenn man bedenkt, wie weit ver-
breitet die Korruption in den meisten afri- Mit Blick auf die Ortkirche bezeichnen die
kanischen Ländern ist. afrikanischen Bischöfe die Kirche in Afrika
als „Familie Gottes“. Diese Auffassung ba-
So konfrontiert Bildung zur kenotischen siert auf der Bedeutsamkeit von Familie in
Selbsttranszendenz, die auf einer Kenosis- afrikanischen kulturellen Kontexten. Die-
Christologie und einem afrikanischen Hu- ses Kirchenmodell entstand bei der Suche
manismus basiert, die Reduzierung der
18nach einer passenden Ekklesiologie für trum des afrikanischen Menschenver-
den afrikanischen Katholizismus, und dies ständnisses steht.
AUS FORSCHUNG UND LEHRE
nicht, weil der christliche Glaube auf die
Daher besteht das zentrale Ziel des Pro-
Teilkirche reduzierbar wäre, sondern gera-
jekts darin, die Stellung des Individuums
de weil die besondere Erfahrung des uni-
in der „Wir-Existenz“ zu bestimmen, wo-
versell geteilten Glaubens nicht von den
durch das Individuum mittels des trans-
biographischen Zugängen der Gläubigen
formativen Erziehungsprozesses, der von
getrennt werden kann. Auch wenn sich der
der Idee der Christus-Kenosis geprägt ist,
Familienbegriff im heutigen Afrika verän-
seinen Platz innerhalb der „Wir-Existenz“
dert hat, prägt noch immer das Element
wiederentdecken und aus sich selbst her-
der Gemeinschaftsbezogenheit seine Kern-
aus seine Verantwortung wahrnehmen
bedeutung. Während seine theologische
kann. So wird das Individuum zu einem
und ekklesiologische Begründung nicht
verantwortungsvollen Mitglied der Gesell-
vernachlässigt werden darf, ist seine Eig-
schaft, zu einem Menschen mit und unter
nung für die praktische katholische Glau-
den Anderen. Wenngleich das Projekt
benserfahrung im Hinblick auf die Erzie-
noch nicht abgeschlossen ist, wurden be-
hung zur Selbsttranszendenz wichtig.
reits etliche Aspekte dessen auf Konferen-
Darüber hinaus findet dieses ekklesiologi- zen und Tagungen vorgestellt.
sche Modell Anschluss an das Prinzip des
Christiana Idika DMMM
afrikanischen Humanismus, in dessen
Zentrum die „Wir-Existenz“ steht. Die Quellen:
„Wir-Existenz“ setzt voraus, dass jeder Benedikt XVI., Nachsynodales Apostolisches
Einzelne über sich selbst und sein Eigenin- Schreiben Africae Munus, 2011.
teresse hinausgeht und sich für das Ge- Johannes Paul II., Enzyklika Sollicitudo Rei So-
meinwohl einsetzt. Wenn man also von der cialis, 1987.
Wiederentdeckung des Menschseins in Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches
Afrika (EA 41) spricht, setzt der Ansatz der Schreiben Ecclesia Africa, 1995.
Erziehung zur Selbsttranszendenz zweier- Paschal Mupepele, Die Entwicklungshilfe aus
lei voraus: zum einen eine Auseinanderset- philosophischer Sicht, Würzburg 2014.
zung der Christus-Kenosis mit dem Prin- Kardinal Angelo Sodano, Beitrag auf dem Welt-
zip des afrikanischen Humanismus, d.h. gipfel für soziale Entwicklung, 1995.
der „Wir-Existenz“, und zum anderen die Die kirchlichen Dokumente können abgerufen
Rückgewinnung des verloren gegangenen werden unter: http://www.vatican.va/content/
Sinnes für das Gemeinwohl, das im Zen- vatican/de.html
PUBLIKATIONEN
Neue Publikationen in der Reihe „Weltkirche und Mission“
In unserer wissenschaftlichen Buchreihe Im Februar 2020 wurde der Sammelband
„Weltkirche und Mission“, die im Verlag „Christentum Medial: Religiöse Kommuni-
Friedrich Pustet erscheint, sind in den ver- kation in digitaler Kultur“ publiziert, der
gangenen Monaten zwei neue Bände veröf- auf die IWM-Jahrestagung 2018 zurück-
fentlicht worden: geht. Die Mitherausgeberin, Dr. Ester Berg
19Chan, ist Religionswissenschaftlerin mit ei- sowohl media-
nem Forschungsschwerpunkt im Bereich l e I n s z e n i e-
AUS FORSCHUNG UND LEHRE
der pfingstlich-charismatischen und evan- rungen pente-
gelikalen Bewegungen und war bis Septem- kostaler und
ber 2018 wissenschaftliche Mitarbeiterin neocharisma-
am IWM. t i s c h e r G e-
staltnahmen
Dieser Band beschäftigt sich mit der Rolle des Christen-
und Bedeutung von Medialität und Medien- tums als auch
wandel im Christentum in Geschichte und die Transfor-
Gegenwart aus interdisziplinärer und welt- mation der
kirchlicher Perspektive. Wie gestaltet sich kommunikati-
die Wechselbeziehung zwischen sich wan- ven Performanz
delnden Medien auf der einen Seite und in den etablier-
christlichen Diskursen, Praktiken, Wahr- ten Kirchen. Der Band bietet Anregungen
nehmungserfahrungen sowie Vergemein- für einen veränderten Blick auf die Pastoral
schaftungsformen auf der anderen? Und in digitaler Kultur und thematisiert die Not-
wie sind besonders neuere und neueste wendigkeit ihrer ethischen Reflexion. Mit
Entwicklungen im gegenwärtigen digitalen Beiträgen u.a. von Robbie Goh, Peter Hors-
Zeitalter aus missionswissenschaftlicher field, Antonio Spadaro SJ und Paul Tighe.
Perspektive zu beurteilen? Im Fokus stehen
Im März 2020 ist die Dissertationsschrift Anden in Bildern mit christlicher Ikono-
von Dr. Dietmar Müßig, Leiter der Diöze- graphie versteckten. Mit dieser widerstän-
sanstelle Weltkirche im Bistum Hildes- digen Praxis retteten sie Teile ihrer eige-
heim, mit dem Titel „Die Jungfrau im Sil- nen Kultur und schufen zugleich eine hy-
berberg. Ein kolonialzeitliches Marienbild bride Bild-Theologie. Deren wichtigste
aus Potosí als Zeugnis andiner Theologie“ Elemente werden in der Arbeit mit Hilfe
erschienen. von Ansätzen aus den postcolonial studies,
Das Gemälde der Bild-Philosophie und der Ethnologie
der Virgen del entschlüsselt.
Cerro, der Jung- Dabei wird deutlich, dass die Verbindung
frau im Silber- von europäisch-katholischen Frömmig-
berg, aus Poto- keitselementen mit Konzepten aus der an-
sí in Bolivien dinen Kosmovision, wie den heiligen Ber-
dokumentiert, gen oder der Mutter Erde, die boliviani-
wie einheimi- sche Volksreligiosität bis heute prägt. Ab-
sche Künstler schließend weist der Autor nach, dass die-
während der se Art von andiner Theologie angesichts
Kolonialzeit gegenwärtiger Herausforderungen wie der
Motive aus der ökologischen Krise erstaunliche Aktualität
Tradition der besitzt.
20VERANSTALTUNGEN JAHRESBERICHT
IWM-Studientag 2019
Das Ringen von Migrierten und Geflüchteten um Anerkennung
VERANSTALTUNGEN
Unter dem Titel „Lebenslänglich! Das Rin- Rechtliche Gleichstellung ist eine wichtige,
gen von Migrierten und Geflüchteten um aber keineswegs ausreichende Vorausset-
Anerkennung und gleichberechtigte Parti- zung für gleichberechtigte Partizipation.
zipation“ fand am 24. Oktober 2019 an der Es gilt, neben kultureller Diversität auch
Philosophisch-Theologischen Hochschule die strukturelle Asymmetrie der Beziehung
Sankt Georgen der IWM-Studientag statt, in den Blick zu nehmen, die durch den ein-
an den sich ein eintägiger Expertenwork- seitigen Fokus auf Diversität häufig ver-
shop anschloss. schleiert wird. Das Gewahrwerden des
bleibenden Machtgefälles und die Frage
Das Anliegen des Studientags lässt sich am
nach dem Umgang mit dieser Schieflage
Statement einer jungen Frau aus Eritrea
standen im Zentrum des Studientags.
veranschaulichen: „Du beginnst als Flücht-
ling […] Dann, irgendwann, wirst du viel- Studientag, 24. Oktober 2019
leicht Migrant, mit Dokumenten und ein
Im Anschluss an die Begrüßung durch den
paar Rechten, vielleicht mit dem interna-
Institutsdirektor P. Dr. Markus Luber
tionalen Gesetz auf deiner Seite, vielleicht
stellte Vanessa Lindl das Tagungskonzept
aber auch nicht. Und dennoch erfährst du
der Kombination von Studientag und Ex-
weiterhin Ungerechtigkeit und überall
pertenworkshop vor. Der darauf folgende
Einschränkungen: Arbeit, Gesundheitswe-
Impulsvortrag von Tobias Keßler unter
sen, Schule, was immer du willst. Für mich
dem Titel „Ich sehe was, was du nicht
fängt Gerechtigkeit an, wenn du endlich
siehst“ war darauf angelegt, sich dem An-
Staatsbürger am neuen Ort bist, mit allen
liegen der Tagung theoretisch anzunähern
Rechten. Doch auch dann magst du zwar
und eine Diskussion zur Thematik anhal-
das Recht auf deiner Seite haben, doch die
tender Ungleichheit und Diskriminierung
Diskriminierung wird weitergehen. Du
anzuregen in dem Bewusstsein, dass kei-
wirst der Ausländer bleiben. Und das be-
ner und keine für sich allein schon die gan-
deutet erneut ungerechte Behandlung,
ze Wahrheit besitzt. Eine zentrale Rolle bei
auch unter besten politischen Vorausset-
der theoretischen Rahmung spielte neben
zungen.“
P. Dr. Tobias Keßler CS bei seinem Impulsvortrag auf dem Studientag 2019.
22Überlegungen zur Bedeutung sozialer Ord-
nung das Entwicklungs- und Wertequa-
VERANSTALTUNGEN
drat von Friedmann Schulz von Thun, das
Tobias Keßler in eine Raute umformte, um
die Ungleichheit in Bezug auf die Definiti-
onsmacht zum Ausdruck zu bringen. Am
Ende seines Vortrags formulierte der Refe-
rent mehrere Fragen, die er an die anwe-
senden Expertinnen und Experten sowie
an das Publikum richtete. Austausch und
Diskussion fänden in dem Bewusstsein Den Keynote-Vortrag hielt Prof. Dr. Heimbach-Steins.
statt, dass keiner die ganze Wahrheit besit-
ze. Sie hätten das Ziel, die Wahrnehmung Reduktion (the danger of a single story)
in Sachen Diskriminierung zu schärfen, und zum anderen auf das Phänomen der
um entsprechend kompetenter handeln zu Standardeinstellung (default setting). In
können. ihren daran anschließenden theoretischen
Ausführungen bezog sie sich vor allem auf
Unter dem Titel „‚Anerkennung‘ und ‚Teil- die kritischen Anerkennungstheorie der
habe‘: Chiffren der Gerechtigkeit für die US-amerikanischen Philosophin Judith
Einwanderungsgesellschaft? Sozialethi- Butler, die in Deutschland insbesondere
sche Sondierungen“ griff Prof. Dr. Marian- durch Anna Maria Riedl rezipiert wurde.
ne Heimbach-Steins von der Westfälischen
Wilhelms-Universität Münster die Fragen Am Nachmittag trennten sich die Teilneh-
aus sozialethischer Perspektive auf und mer in vier Arbeitsgruppen, in denen un-
stellte dabei das Verhältnis zwischen „An- terschiedliche Projekte aus der Praxis vor-
erkennung“ und „Teilhabe“ in den Mittel- gestellt wurden. Die erste Gruppe leitete
punkt ihrer Reflexion. Zunächst machte der in der Flüchtlingshilfe engagierte
sie unter Rekurs auf entsprechende Beiträ- Hochschulpfarrer Burkard Hose. Der
ge von Chimamanda Ngozi Adichie und evangelische Theologe Dietrich Gerstner
David Foster Wallace auf zwei Probleme berichtete in einer weiteren Gruppe von
aufmerksam: zum einen auf die Gefahr der seiner Erfahrung in der Diakonischen Ba-
sisgemeinschaft „Brot und Rosen“
in Hamburg. Die am IWM tätige
Dr. Christiana Idika DMMM über-
nahm die dritte Arbeitsgruppe,
nachdem die Soziologin Hanna
Slowinski ihr Referat kurzfristig
hatte absagen müssen. Sr. Christia-
na diskutierte mit den Anwesenden
ihre philosophischen Reflexionen
zum Thema „Anerkennung“ sowie
ihre Erfahrung mit afrikanisch-
sprachigen Gemeinden in Deutsch-
land. In der vierten Arbeitsgruppe
Die Expert*innengruppe beim Workshop am IWM.
23berichtete der evangelische Pfarrer, Künst- ander ins Gespräch zu kommen und neue
ler und Theologe Johannes Weth von den Ideen und Einsichten zu generieren, die
VERANSTALTUNGEN
Initiativen auf dem von ihm mitgegründe- derzeit in den Beiträgen zum entsprechen-
ten Himmelsfels bei Spangenberg. den Tagungsband der Reihe „Weltkirche
und Mission“ verarbeitet werden. Der Ta-
Bei der abschließenden Podiumsdiskussi-
gungsband wird voraussichtlich im Früh-
on stellten sich Arnd Bünker vom Pasto-
jahr 2021 erscheinen.
ralsoziologischen Institut in St. Gallen, die
Professorin für Interkulturelle Theologie
in Hermannsburg Drea Fröchtling, die So-
zialethikerin Marianne Heimbach-Steins
und die Sozialwissenschaftlerin Katja
Winkler von der Katholischen Privat-Uni-
versität in Linz den Fragen des Plenums.
In der Diskussion wurden Kommentare
aufgeriffen, die die Teilnehmenden mittels
Computer oder Smartphone über die Platt-
form Mentimeter einspeisen konnten.
Workshop, 25. Oktober 2019
Graphic Recording
Dem Studientag folgte ein eintägiger
Workshop, an dem ein Großteil der gela- Ein Highlight bei Tagung und Workshop
denen Expertinnen und Experten aus war die Anwesenheit von Florence Dail-
Theorie und Praxis teilnahm. Moderiert leux, die alles, was sie „aufnehmen“
wurde der Workshop von Alexander Kalb- konnte, in Grafiken festhielt und sich auf
arczyk, dem Referenten der Deutschen Bi- diese Weise am Geschehen beteiligte.
schofskonferenz für politische und gesell- Tobias Keßler CS
schaftliche Fragen der Migration. Er dien-
te dazu, auf der Grundlage des Studientags Die Ergebnisse der Grafic Recordings können
und der je eigenen Erfahrungen und theo- abgerufen werden unter:
retischen Ansätze der Beteiligten mitein- https://iwm.sankt-georgen.de/studientag-2019
SAVE THE DATE !
Politischer Pentekostalismus
Das neue gesellschaftliche Engagement der
Pfingstkirchen und seine theologische Begründung
IWM-JAHRESTAGUNG 28.–30. Juli 2021
24PROGRAMME JAHRESBERICHT
Stipendienprogramm Albertus Magnus
PROGRAMME
Rückblick auf das vergangene Jahr
Das Theologische Stipendienprogramm die das Leben in Deutschland bereichern
Albertus Magnus (AMP) versteht sich als und dazu beitragen, sich hier wohl zu füh-
innovative Plattform für interkulturelle len. Entsprechende Auswirkungen hatte
philosophisch-theologische Reflexion und die Pandemie auch auf die Veranstaltun-
weltkirchliche Begegnung in Deutschland. gen, die im Rahmen des vergangenen
Aktuell werden im Programm 47 ausländi- AMP-Jahresprogramms geplant waren:
Einige der Bildungsveranstaltungen
mussten in der Zeit des sog. Lock-
Down ausfallen oder die Teilnehmen-
denzahl wurde begrenzt. Die jährlich
stattfindende AMP-Jahresakademie
wurde in diesem Jahr als virtuelle
Veranstaltung durchgeführt. Am 8.
und 9. Oktober 2020 trafen sich rund
Gesamtanzahl der geförderten Stipendiaten unterteilt nach 40 Stipendiat*innen sowie die Mitar-
Herkunftskontinent/-region (Stand: Oktober 2020). beitenden des IWM zu einer digitalen
Lern- und Gebetsgemeinschaft. Acht
sche Studierende bei der Durchführung ei- Studierende gewährten in Vorträgen Ein-
nes theologischen Promotions- oder Lizen- blicke in die eigenen Forschungsprojekte
tiatsstudiums in Deutschland bzw. bei der und stellten sich den Fragen der Kollegin-
Teilnahme an einem Deutsch-Sprachkurs nen und Kollegen. Die Präsentationen wa-
vor dem Studienbeginn gefördert. Stipen- ren vielseitig und widerspiegelten aktuelle
diengeber sind die Hilfswerke
Adveniat, missio Aachen/MWI
und Renovabis sowie die
(Erz-)Bistümer Bamberg, Eich-
stätt, Köln (über MWI), Lim-
burg, München-Freising, Müns-
ter und Trier.
Der Berichtszeitraum war selbst-
verständlich von der Corona-
Pandemie geprägt, die für die
Stipendiatinnen und Stipenida-
ten eine besondere Belastung
gewesen sein dürfte: Durch die
Social Distancing-Maßnahmen
fielen viele Kontakte und Be-
gegnungsmöglichkeiten weg, Anzahl der aktuell geförderten Stipendiaten unterteilt nach Stipendiengebern.
26PROGRAMME
Diesmal digital: AMP-Stipendiatinnen und Stipendiaten bei der Jahresakademie 2020.
Themen und Fragestellungen in Theologie stellen unsere Alumni Christopher Chowa
und Philosphie: z.B. „Folge mir nach: Die und Marco Antonio González Bañuelos
Besonderheit des Imperativsatzes im Kapi- dar: Fr. Chowa wurde von 2014 bis 2019
tel 21 des Johannesevangeliums“ (Cristo- im Albertus Magnus-Programm vom Bis-
pher Cortés Pliego), „Sozialethische Her- tum Limburg gefördert und erwarb ein Li-
ausforderungen durch Digitalisierung – zentiat in Theologie an der Phil.-Theol.
Nigeria als Fall-beispiel“ (Valentine Ihim) Hochschule
und „Die Menschenrechte: Rezeption und Sankt Geor-
Kritik aus der Perspektive der Marginali- gen mit dem
sierten bei Jürgen Moltmann und Ignacio S c h w e r-
Ellacuría“ (Rafael da Silva Sampaio). Ne- punkt im
ben dem inhaltlichen Austausch war der Fachbereich
Tagesabschluss der Veranstaltung für das P a s t o r a l-
gemeinsame Gebet reserviert. Die Impulse theologie.
AMP-Alumnus Fr. Chowa (rechts).
von Pater Luber waren von Papst Franzis- © Diocese Ndola Im August
kus’ Enzyklika „Fratelli Tutti“ und der Bit- 2020 hat ihn
te um Solidarität zwischen den Menschen Bischof Dr. Phiri zum Generalvikar des
inspiriert. In diesem Sinne waren sich die Bistums Ndola (Sambia) ernannt.
StipendiatInnen einig, dass eine virtuelle
P. González Bañuelos wurde während sei-
Begegnung nicht die Realpräsenz bei der
ner Studienzeit in Deutschland (2014–
Jahresakademie ersetzen kann. So hoffen
2019) von Adveniat gefördert und im
wir darauf, dass das nächste Treffen im
Fachgebiet „Altes
Oktober 2021 wieder in Sankt Georgen
Testament“ promo-
stattfinden kann.
viert. Nach seiner
Angesichts der schwierigen Situation, die Rückkehr in die Erz-
Einfluss auf die Forschungs- und Studien- diözese Puebla de los
arbeiten der Stipendiat*innen hatte, freu- Ángeles (Mexico)
en wir uns darüber, dass im Berichtszeit- wurde er von Erzbi-
raum fünf Promovenden und fünf Lizenti- schof Sánchez Espi-
anden die postgraduale Qualifizierung er- nosa zum Rektor des
folgreich beenden konnten. Die Absolven- Priesterseminars Pal- P. Rektor González Bañuelos.
© Arquidiócesis Puebla
ten kehren anschließend in die Heimat zu- afoxiano ernannt, das
rück, um ihre Ortskirche mit den erworbe- über 270 Mitglieder
nen Kompetenzen zu unterstützen. Zwei umfasst. Wir gratulieren unseren Alumni
Beispiele für eine solche Unterstützung zu den verantwortungsvollen Aufgaben.
27PERSONALIA JAHRESBERICHT
NEUE MITARBEITENDE
PERSONALIA
DR. BRANKA GABRIC
Dr. Branka Gabric ist seit September 2020 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am IWM
tätig und verantwortet das Forschungsfeld „Mission und Gesundheit“.
Sie studierte Philosophie und Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät in
Djakovo, Kroatien. Im Jahre 2015 schloss sie an der Accademia Alfonsiana in Rom ihr
Lizentiatstudium mit dem Schwerpunkt in Moraltheologie ab, wo sie auch im Januar
2020 mit einer anthropologisch-ethischen Arbeit promoviert wurde („First thousand days
of life. Psychophysical Development of Person from Conception to Age Two.
Anthropological premises for ethical reflection“). Im Sommersemester 2019/2020 lehrte
sie in ihrem Fachgebiet am Theologisch-Katechetischen Institut der Diözese Subotica,
Serbien.
Darüber hinaus hat sich Dr. Gabric im Bereich der Bioethik am „Institute for Bioethics
and Medical Humanities“ an der Medizinischen Fakultät der „Università Cattolica del
Sacro Cuore“ in Rom spezialisiert.
DAS IWM HABEN VERLASSEN
YASEMIN (MINA) JUNG
Mina Jung war von März 2019 bis Oktober 2019 als Assistentin für das Theologische
Stipendienprogramm Albertus Magnus sowie das Bildungsprogramm Weltkirche am
Institut für Weltkirche und Mission tätig.
DR. KATHARINA PEETZ, M.A.
Dr. Katharina Peetz war von Juni 2019 bis März 2020 als wissenschaftliche Mitarbeiterin
am Institut für Weltkirche und Mission beschäftigt. Schwerpunktmäßig war sie für den
Forschungsbereich „Mission und Gesundheit“ verantwortlich. Seit April 2020 ist sie als
akademische Rätin im Bereich Fundamentaltheologie und Dogmatik am Institut für
Katholische Theologie der Unversität Koblenz–Landau tätig.
CAROLINE HERTER
Caroline Herter war von November 2019 bis April 2020 als Assistentin für die Programme
am IWM tätig.
29GÄSTE AM IWM
PERSONALIA
Im Dezember 2019 hatte das Institut für kulturalität und interkulturelles Lernen,
Weltkirche und Mission Besuch von Fr. afrikanische Christentümer und Geistesge-
Stan Chu Ilo, Professor am „Center for schichte, katholische Ekklesiologie und die
World Catholicism and Intercultural Theo- Weltkirche sowie Religion und soziale
logy“ an der DePaul Universität in Transformation. Er ist Autor zahlreicher
Chicago. Fr. Ilo forscht in verschiedensten Bücher und Herausgeber der Reihe „Afri-
Bereichen mit hoher Aktualität, u.a. Inter- can Christian Studies“.
Im Gespräch mit Dr. Roman Beck informier-
te sich Fr. Ilo über die Forschungschwer-
punkte, die derzeit am IWM verfolgt wer-
den. Inbesondere im Bereich der Pente-
kostalismusforschung bzw. bei der Erfor-
schung von neuen Phänomenen, die inner-
halb der pfingstlich-charismatischer Bewe-
gungen in Erscheinung treten, zeigten sich
deutliche Interessenüberschneidungen,
Fr. Dr. Stan Chu Ilo im Gespräch mit Dr. die auf eine zukünftige transatlantische
Roman Beck, stellvertretender Leiter des IWM. Zusammenarbeit hoffen lassen.
BLEIBEN SIE MIT UNS IN VERBINDUNG
www.iwm.sankt-georgen.de
www.facebook.com/weltkircheundmission
www.twitter.com/kirche_mission
www.youtube.com/user/weltkircheundmission
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