Walter Koch Rückblick auf ein unvergleichliches Fliegerleben - Thomas Seel

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Walter Koch Rückblick auf ein unvergleichliches Fliegerleben - Thomas Seel
Ve re i n s z e i t s c h r i f t d e r M o t o r f l u g s p o r t g r u p p e D o n a u w ö r t h - G e n d e r k i n g e n e . V. | A u s g a b e 1 | J a n u a r 2 0 1 9 | S c h u t z g e b ü h r 0 , 9 0 E U R

                                                                                                                                                              Walter Koch
                                                                                                                                                              Rückblick auf ein
                                                                                                                                                              unvergleichliches
                                                                                                                                                              Fliegerleben

                                                                                                                                                              Thomas Seel
                                                                                                                                                              Familienausflug nach
                                                                                                                                                              Juist und Langeoog

                                                                                                                                                              Andreas Koch
                                                                                                                                                              Der spannende Tag
                                                                                                                                                              der PPL-Prüfung
Walter Koch Rückblick auf ein unvergleichliches Fliegerleben - Thomas Seel
Neue Mitglieder
Neue Mitflieger
Liebe Fliegerkameraden/innen,                                          Mit dem weiteren Wachstum von Fami-
                                                                    lie und Beruf war dann auch die Möglich-
mein Name ist Christian Heinrich, ich bin 51 Jahre alt, verheira-   keit gegeben, den PPL-A in Beilngries zu
tet mit Petra, wir haben zwei Kinder und wohnen in Feldkirchen-     machen. Dort konnte ich erste Erfahrun-
Westerham, das in der Nähe von Rosenheim liegt. Seit 1995           gen auf der Diamond DV-20, der Cessna
arbeite ich in der Luft- und Raumfahrt, bei Airbus, in verschie-    C172 und später auch mit der Piper PA-
denen Aufgabenbereichen.                                            28 und der Socata TB-10 sammeln.

  Meine Begeisterung für die Fliegerei gründet sich, in meiner         Obwohl die Fliegerei alleine durchaus
Jugend, im Modellfliegen und in den ersten Schritten des Se-        ihre Reize hat, kann man nur beim gemein-
gelfliegens in Eichstätt. Während meines Studiums, konnte ich       samen Fliegen die Begeisterung auch teilen. Deshalb konnte
die Grundlagen für den Motorseglerschein legen. Dies war dann       mich einer meiner Kollegen im vergangenen Jahr sehr leicht
auch für einige Zeit das bevorzugte fliegerische „Fortbewe-         für eine Mitgliedschaft in der MDG gewinnen. Bei den bisheri-
gungsmittel“. Die ersten Ausflüge, unabhängig von Schleppflug-      gen Pilotenabenden, einem Dienst am Turm und einem Mitflug
zeug und Thermik, durchzuführen und dabei die beabsichtigten        konnte ich bereits einige von Euch kennenlernen und freue mich
Stecken wie geplant und weitestgehend unabhängig vom Wetter         nun darauf, alle kennenzulernen und die Zeit am Boden und im
zu fliegen, waren für mich begeisternde Erlebnisse.                 Flugzeug gemeinsam zu verbringen.

                     Liebe Fliegerkameraden/innen,                  Ich möchte mich bei Euch für die Aufnahme in den Verein herz-
                     mein Name ist Thomas Schneider, ich            lich bedanken. Von Anfang an fühlte ich mich sehr gut aufge-
                     wohne in Binswangen bei Wertingen und          nommen. Ich habe sofort mit der PPL-A Ausbildung begonnen
                     bin im IT-Bereich tätig. Seit August 2018      und habe bereits meine ersten Flugstunden absolviert.
                     bin ich Mitglied im MDG. Ich möchte mir        Ich freue mich auf viele tolle Flüge und eine tolle Kamerad-
                     hier einen sehr, sehr lange gehegten           schaft und Wünsche allen
                     Wunschtraum erfüllen, selber fliegen. So       Always Happy Landings
                     habe ich mich nach einem Schnupperflug
                      direkt um die Mitgliedschaft hier in die-     Herzliche Grüße
                      sem Verein beworben.                          Thomas Schneider

Hallo liebe Fliegerkameraden/innen,                                 dem europäischen Festland – wie die kanarischen und grie-
                                                                    chischen Inseln. Letztere stellten sich langsam als Limit der
mein Name ist Stephan Strobel, ich bin 44 Jahre alt und im          VFR-Fliegerei dar.
baden-württembergischen Dischingen, an der Grenze zu Bay-
ern zu Hause. Beruflich beschäftige ich mich als Teamleiter ERP     Seit April 2017 lande ich jetzt regelmäßig auf der schönsten al-
in der Abteilung Informationsmanagement mit Verbesserungen          ler Inseln: „unserer Insel der Glückseligen“*, der MDG am Flug-
von Unternehmensprozessen eines Fahrzeugaufbauers.                  platz EDMQ. Dort habe ich die vorhandenen Weiterbildungen
                                                                    CVFR und Kunstflug um ein Instrument Rating im Rahmen der
                                                                                                                                       Fotos: aus dem Privatbesitz der neuen Mitglieder

Mit dem Fliegen habe ich 2002 begonnen und im selben Jahr           Vereinsausbildung ergänzt. Mit der D-EDKY, einer von mehre-
meinen PPL-A erhalten. Gleich im darauffolgenden Jahr                                            ren IFR Maschinen des MDG konnte
flog ich nach Borkum. Die Faszination Inseln fliegerisch                                         ich dann 2018 das Nordkap deutlich
zu erreichen war geboren. Dies führt mich seitdem jähr-                                         einfacher erreichen als es VFR mög-
lich im Rahmen einer „großen“ Tour auf weitere Inseln.                                          lich gewesen wäre. Auf eine weitere
Zunächst nach Norden u. a. auf die Inseln Helgoland und                                         sehr gute Zeit mit den Vereinsmit-
Lolland (Dänemark). Als ich dann die französische Luft-                                         gliedern des MDG und den Möglich-
fahrkarte mit den unzähligen Sperrgebieten entschlüsselt                                        keiten der MDG-Flotte neue Horizon-
habe, waren die südlichen Ziele Korsika und Mallorca er-                                        te zu erreichen freue ich mich sehr.
reichbar. Elba und Sardinien finden sich jetzt in meinem
Flugbuch ebenso wie Ibiza – neben vielen Flugplätzen auf                                      *Zitat Matthias Obermayer (2017)
Walter Koch Rückblick auf ein unvergleichliches Fliegerleben - Thomas Seel
Inhalt
                                                                                                     reas Koch (nicht verwandt) seine
Neue Mitglieder –
Neue Mitflieger                                                                                      Eindrücke von seinem PPL-Prü-
Mit Christian Heinrich,                                                                              fungsflug „live“ schildert. So kön-
Thomas Schneider und                                                                                 nen wir nicht nur Fliegergeschich-
Stephan Strobel  . . . . . . . . . . . . 2                                                           ten aus alten Zeiten, sondern auch
Grußwort,
                                                                                                     aus der allerjüngsten Vergangen-
Gratulationen und Infos                                                                              heit erfahren.
Aktuelles zum Verein, zum Flug-                                                                          Welch schöne Reisen so eine
platz und zur Zeitschrift  . . . . . . 3                                                             Pilotenlizenz ermöglicht, schildert
Walter Koch                                                                                          wieder einmal Thomas Seel in ei-
Am 12. März wäre                                                                                     nem Fotobericht. Diesmal flog er
Walter Koch 90 Jahre                                                                                 zu einigen deutschen Nordsee-
alt geworden. Aus die-                                                                               Inseln – also dorthin, wo Walter
sem Anlass führten                                          Liebe Leser und Freunde                  Koch vor rund einem halben Jahr-
wir mehrere Interviews mit ihm.
                                                            des Flugplatzes Donauwörth-              hundert viele Jahre lang in den
Am 19. Dezember 2018 starb Wal-
ter leider vor seinem runden Ge-                            Genderkingen!                            Sommerferien als Inselflieger ein-
burtstag. Mit einem umfangreiche                                                                     gesetzt war.

                                                          E
Nachruf aus seinem bewegten und                                                                          Nachdem dieses Heft einen so
besonderen Fliegerleben ehren wir                                 igentlich hatten wir geplant,      weiten Bogen spannt von der Zeit
ihn ab dieser Ausgabe  . . . . . .  4                             mit diesem Heft unser Ehren-       vor der Gründung unseres Vereins
                                                            mitglied Walter Koch, der als stolzer    bis zur Jetztzeit, möchte ich diese
Langeoog
und Juist                                                   Do27-Pilot auf unserem Titelbild         Gelegenheit nutzen, unsere Mit-
Passt alles,                                                zu sehen ist, zu seinem 90. Ge-          glieder ehrend und dankbar zu
was der klei-                                               burtstag am 12.03.2019 zu feiern.        erwähnen, die schon länger als 40
ne Valentin so                                              Nun ist er leider am 19.12.2018 für      Jahre Vereinsmitglied sind. Dies
braucht – vom Schnuller über das                            immer von uns gegangen und hat           sind Rudolf Laurer mit 46 Jahren,
Kuscheltier bis hin zum Buggy – in
                                                            eine große Lücke in unserem Ver-         Peter Kleiner mit 43, Peter Leckel
die DA40? Jawohl: das tut es! Und
ab geht es zum Familienausflug an                           ein hinterlassen. So soll dieses Heft    mit 42, Gerald Thanhäuser mit 41
die Nordsee, damit Valentin die                             jetzt einen Teil der Erinnerungen        Jahren sowie Werner Mühlhäuser,
ersten Robben seines Lebens nicht                           wiedergeben, die er uns im Herbst        der am 01.01.2019 40-jähriges
im Zoo ansehen muss ! . . . . . . 12                        2018 in mehreren Sitzungen hinter-       Vereinsjubiläum feiert und uns
                                                            lassen hat. Da aber ein solch reiches    zusammen mit Peter Kleiner als
PPL-A
Prüfung                                                     Fliegerleben – vor 75 Jahren hatte       „Rentner-Truppe“ mit jahrzehnte-
Was einem in                                                er seine Segelflug- und vor 55 Jah-      langer Erfahrung heute noch hilft,
der PPL-Prüfung                                             ren seine Motorfluglizenz erwor-         wo immer nötig.
so alles passieren kann, auch                               ben – den Rahmen einer einzelnen             Nun wünsche ich Ihnen eine
wenn es am Ende doch gut geht:                              Ausgabe sprengen würde, wollen           interessante Lektüre der Gen-
Andreas Koch erinnert sich,
und wer würde hier nicht mit-
                                                            wir auch noch in weiteren Heften         dAIRkinger News, einen angeneh-
fiebern?  . . . . . . . . . . . . . . . . . 10              über das Leben des auf vielen Flug-      men Aufenthalt in EDMQ sowie
                                                            zeugtypen erfahrenen Piloten und         auch für das neue Jahr uns allen
                                                            äußerst kompetenten Technikers,          schöne Flüge und allzeit glückli-
                                                            aber vor allem des bei Jung und Alt      che Landungen
Impressum
Redaktion: Matthias Obermayer, Georg Leh-                   beliebten Menschen Walter Koch
macher, Renate Lehmacher (Repros), Walter Koch,
Thomas Seel, Andreas Koch, Christian Heinrich,
                                                            berichten.
Thomas Schneider, Stefan Strobel Fotos: Matthias
Obermayer, Georg Lehmacher (Repros), Walter Koch,
                                                                Der Zufall will es, dass im sel-
Thomas Seel, Andreas Koch, Christian Heinrich, Tho-         ben Heft sein Namensvetter And-                        Ihr Matthias Obermayer
mas Schneider, Stephan Strobel Titelfoto: Archiv
Walter Koch Layout, Produktion & Li-
tho: Renate und Georg Lehmacher [Atelier Georg
Lehmacher, Augsburg/Friedberg] GendAIR-
kingerNews: Die GendAIRkinger News
sind die Vereinszeitschrift der Motorflugsportgruppe      Wir gratulieren herzlich
Genderkingen. Beiträge geben nicht die Meinung des
Vereins wider, sie sind lediglich persönliche Stellung-   Zum 80. Geburtstag              Zum 90. Geburtstag
nahmen der einzelnen Redakteure. E-Mail: redaktion@       Peter Eisner am 21.02.          Walter Koch am *12.03. ( † 19.12.2018)
flugplatz-genderkingen.de Anzeigen: Anzeigen
in den GendAIRkingerNews können Sie über den Vor-         Zum 85. Geburtstag              Zur neu erworbenen Lizenz
stand des Vereins buchen oder bei Georg Lehmacher:        Paul Stein am 13.02.            Frank Gottfried zum FI (LAPL)
0172 / 8644749. Gerne senden wir Ihnen unsere An-
                                                                                          und CRI SEP/TMG
zeigenpreisliste zu. Über Anfragen freuen wir uns.
Walter Koch Rückblick auf ein unvergleichliches Fliegerleben - Thomas Seel
Walter
                                               Rückblick

     Koch                                    Ein Leben voller Fliegerei
                                             und Kameradschaft

                                   Rund 75 Jahre lang war Walter Koch in der Luft: als Segelflugschüler, als Küs-
                                   tenpilot bei der Beförderung von Passagieren an der Nordsee und als Pilot der
                                   Luftrettungsstaffel. Am Boden baute er nach dem Krieg mit an einem eigenen Flug-
                                  zeug, kümmerte sich als brillianter Techniker darum, Vereinsmaschinen zu war-
                                  ten und zu pflegen und schaffte auch das ein oder andere Mal den Sand aus dem
                                  Getriebe, wenn es in einem „seiner“ beiden Vereine menschelte. Noch in seinem
                                  letzten Lebensjahr begleitete er jüngere Piloten, nahm ihnen den Sprechfunk ab
    oder unterstützte sie mit seinen wachen Augen bei der Navigation oder der Luftraumbeobachtung. Er bot sich in
    Genderkingen an, auf dem Tower bei Diensten auszuhelfen, wenn mal für ein paar Stunden Not am Mann war.
    Wie kein anderer prägte er dabei als „gute Seele“ mit seiner ruhigen Art und mit seinen „Rentnertreffen“ das
    Zusammensein am Platz: Noch auf seinem Sterbebett galt seine wichtigste Frage dem Verein, er erkundigte sich
              danach, wer alles den letzten Pilotenabend besucht habe und was es Neues am Platz gebe.

    Im vergangenen Jahr haben wir mit Walter an zwei Tagen ein Interview geführt, das wir ursprünglich zu seinem
    90sten Geburtstag veröffentlichen wollten. Schnell stellte sich heraus, dass sein Rückblick mehr als ein einzelnes
    Heft füllen würde. Mit den Worten „Immer wird auch ein kleines Stück von ihm mit uns in seine geliebten
    Flugzeuge steigen“ haben sich seine Fliegerkameraden von ihm verabschiedet. In diesem Bericht möchten
      wir nun einen Rückblick beginnen, um Walter Kochs Werdegang als Mensch und Pilot zu würdigen.

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Walter Koch Rückblick auf ein unvergleichliches Fliegerleben - Thomas Seel
Foto: jetpowerevent.com

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Walter Koch Rückblick auf ein unvergleichliches Fliegerleben - Thomas Seel
Walter Koch

    Begegnungen                             seren Pilotenabenden vorbei. Da         Als wir uns alle zusammen an den
                                            kriegst dann einen genaueren Ein-       Tisch setzen, wird mir bewusst,
    Ich habe in meinen Unterlagen           druck von allem und kannst auch         dass ich sicher nicht der einzige
    nachgesehen. Es muss wohl ein           gleich deinen Antrag abgeben“,          bei uns im Verein bin, der es Wal-
    Samstagabend im Sommer 2009             verabschiedet er mich.                  ter mit zu verdanken hat, dass „da-
    gewesen sein, an dem ich aus                                                    bei“ ist. „Wann hast du denn mit
    Augsburg nach Genderkingen              Es ist wieder ein Samstag,              dem Fliegen begonnen?“, frage ich
    flog, weil ich mir wenigstens einen     aber dieses Mal im Jahr 2018, als ich   ihn, und er beginnt zu erzählen.
    kleinen Ausflug gönnen wollte.          mich mit Walter am Flugplatz treffe.
    Ich habe noch gut in Erinnerung,                                                Ein Ausflug in ein anderes
    dass ich eigentlich nur ein paar        Er hat mir so oft von früher erzählt.   Zeitalter
    Platzrunden dort machen woll-           Wie er das Fliegen als junger Mann
    te, wo die Bahn etwas kürzer und        empfunden hat, was er in der Luft       Bei Ansbach sei er 1943 das erste
    schmaler ist, als in EDMA, wo ich       erlebt hat. Wann hier wer im Ver-       mal in einer SG38, einem Segelflug-
    damals charterte.                       ein Mitglied war, welche Maschi-        zeug gesessen. Da sei er 14 Jahre alt
        Aber dann komme ich ins Ge-         nen geflogen wurden, was er wäh-        gewesen. Die SG38 aber war ein
    spräch mit diesem freundlichen          rend seiner Dienste auf dem Tower       Einsitzer, etwas anderes habe man
    älteren Herrn, der mit einigen Leu-     erlebt hat. Wie er Maschinen zu-        nicht zur Verfügung gehabt. Also
    ten an dem blauen Tisch sitzt, der      sammen mit „Schorsch“ gewartet          sei er ohne Lehrer in das Flugzeug
    am Rand des Vorfelds steht. „Setz                                               gestiegen. Der Lehrer habe ihm
    di halt kurz dazu, von uns beißt                                                erklärt, was zu tun sei, und dann
                                                Sein erstes Flugzeug
    keiner“, habe ich ihn bis heute im                                              habe man ihn mit dem Gummiseil
                                               ist die einsitzige SG38:
    Ohr. Ich rede ihn zunächst mit                                                  ein Stück weit gezogen, und Walter
                                              Ohne Lehrer im Cockpit
    „Sie“ an, aber er erklärte mir: „Ich                                           habe, ohne abzuheben, die Aufga-
                                              lernt Walter im Alter von
    bin der Walter“. Er steht auf, stolz                                            be gehabt, das Flugzeug gerade zu
    zeigt er mir zwei der Flugzeuge
                                                vierzehn das Fliegen.               halten. Nach einigen, geglückten
    der MDG, und meint: „Ja, da in                                                  Versuchen habe er dann „kleine
    Augsburg, wo du charterst, da ist       und repariert hat. Zu all diesen        Sprünge“ gemacht, bei denen er
    das schon gut. Aber wenn’s mal          Dingen wollte ich ihn schon früher      für wenige Meter ein paar Zenti-
    nimmer passt, dann kommst halt          interviewen, aber stets hat er abge-    meter über dem Boden geschwebt
    zu uns.“ Zurück bleibt bei mir ein      lehnt. „Des is ned so wichtig, ver-     sei, um dann wieder auf der Wie-
    positiver Eindruck dieses älteren       stehst,“ meinte er, „I will mi da ned   se zu landen. Schritt für Schritt
    Herrn – und damit auch des Ver-         so in den Vordergrund drängen“,         habe man die Distanz erhöht, bis
    eins und des Flugplatzes.               hatte er immer wieder bescheiden        er schließlich alleine erste Flüge
        So ist es auch Walter, der mir      erklärt. Dass wir nun doch ein In-      machte: nach wie vor aber immer
    wieder einfällt, als ich Jahre spä-     terview mit Walter machen, haben        nur geradeaus fliegend und nach
    ter tatsächlich eine neue Möglich-      wir Matthias zu verdanken, der          einigen Minuten in einer Wiese
    keit zu fliegen suche. Ich steige an    nicht mehr locker ließ. Walter wird     landend. „Nach einer bestimmten
    einem Samstag Anfang 2013 in            2019 neunzig Jahre alt, und wir         Anzahl von Minuten bekam ich
    Augsburg in die 150er Cessna und        sind uns einig, und lassen keine        dann dafür den A-Schein.“ erklärt
    melde mich mit „VFR to EDMQ             Ausreden mehr gelten: Spätestens        mir Walter. „Und erst danach durf-
    via Departure Route Lima“, und          zu Walters Geburtstag möchten           te ich dann Kurvenflüge üben und
    treffe dort eine gute Viertelstunde     wir ihn entsprechend würdigen.          erhielt dafür den B-Schein.“
    später tatsächlich auch Walter, der     Aber vielleicht schwingt auch jetzt
    mich nun wieder ermuntert, doch         schon etwas anderes mit: die Sorge,     Donnergrollen im Hintergrund:
    Mitglied bei der MDG zu werden,         dass uns die Zeit davonläuft. Seine     Der Krieg ist in vollem Gang
    und mir einen Zettel mit Matthi-        Krankenhausaufenthalte wurden
    as Obermayers Telefonnummer in          häufiger, und es ist bereits zu spü-    Während er jede freie Minute da-
    die Hand drückt. Mit den Worten         ren: die gemeinsame Zeit mit Wal-       mit verbringt, seine Fähigkeiten
    „Und dann schaust amol bei un-          ter ist endlich.                        und Fertigkeiten als junger Segel-

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Walter Koch Rückblick auf ein unvergleichliches Fliegerleben - Thomas Seel
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Walter Koch Rückblick auf ein unvergleichliches Fliegerleben - Thomas Seel
flieger zu verbessern, macht er in     blöd: Wenn man schoss , konnte       Zu Fuß flieht Walter Koch zusam-
    Ansbach eine Ausbildung an der         man immer genau die Rauchspur        men mit seinem Freund „Schmidt“
    „Maschinenbauschule für Maschi-        in der Luft sehen, und die führte    und kommt bis nach Neuburg an
    nenbau und Elektrotechnik“. Doch       zu dem, der geschossen hatte. Und    der Donau, wo die ursprüngliche
    der Zweite Weltkrieg hat längst be-    dann wurde man fast immer selbst     Brücke gesprengt worden war.
    gonnen. Einmal im Monat muss           abgeschossen.“                       „Der Fluss musste hier über ein
    Walter für eine Woche in die Ka-          Nach einer relativ kurzen Zeit    US-Brückenprovisorium        über-
    serne „Orangerie“ in Ansbach, um       an der Front kommt Ende April        quert werden.“, erklärt Walter. Wo
    sich als Soldat ausbilden zu lassen.   1945, wenige Tage vor der Ka-        immer sie aufgehalten wurden,
        Anfang 1945 – Walter ist jetzt     pitulation der Befehl der deut-      hatten die beiden angegeben, an
    knapp 16 Jahre alt, wird er in die-    schen Wehrmacht, das Lager, in       der     Kinder-Landverschickung
    sen irrsinnigen Krieg eingezogen,      dem Walter untergebracht war zu      teilgenommen zu haben. Aber
    der sinnlos begonnen und nun ei-       sprengen. Sein Feldwebel erlaubt     das glaubt die Military-Police in
    gentlich schon längst verloren ist.                                         Neuburg an der Donau nicht. „Die
    Seine Kameraden sind dabei größ-                                            nahmen uns fest. Wir sind dann
                                               „Ich bin geflogen,
    tenteils lange vor ihm eingezogen                                           aber aus einem Toilettenfenster
                                            bis sie mich eingezogen
    worden und an der Front.                                                    abgehauen, haben unsere ganzen
                                               haben – dann war
    Walter schaut an mir vorbei, und                                            Sachen ausgezogen und auf den
    meint: „Da hab ich wohl durch
                                                    Schluss.“                   Kopf gebunden, damit sie trocken
    meine technische Ausbildung a                                               blieben, und sind dann in der
    wenig an Dusel g’habt. Mit einem       den meist jugendlichen Solda-        Nacht über die Donau geschwom-
    Freund hab ich einen Bulldog fürs      ten: „Nehmt vorher für euch mit,     men. Von da aus liefen wir, was wir
    Militär reparieren sollen. Bei der     was ihr tragen könnt, und dann       konnten, nach Ansbach.“
    Firma Unkel. Und wie der nicht         haut ab und schaut, dass ihr nach
    fertig wurde, angeblich wegen feh-     Hause kommt.“ Er habe vor allem
    lender Ersatzteile – was aber gar      einen Volksempfänger mitgenom-       b Anfang der 50er Jahre wechselt Walter
    nicht gestimmt hat – da durfte ich     men. Den habe er dann kurz nach      zur Landpolizei. Beruflich und privat
    noch da bleiben.“ Aber schließlich     der Entlassung noch in Tirol ge-     beschäftigt er sich dort unter anderem
    muss er die Reparatur des Bulldogs     gen Zivilkleidung getauscht und      mit Motorrädern.
    doch fertigstellen, und er wird mit-   anschließend habe er seine Ent-
    samt seinem Freund zum Brenner         lassungspapiere vernichtet, um
    geschickt. „Unser Auftrag war, mit     für den Fall, dass er aufgehalten
    der Panzerfaust amerikanische          wurde, nicht als ehemaliger Soldat
      Panzer abzuschießen. Aber ich        gefangengenommen zu werden.
         schoss nie. Ich war doch nicht

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Walter Koch Rückblick auf ein unvergleichliches Fliegerleben - Thomas Seel
v Beruflich bildet sich Walter ständig weiter und besucht Fortbildungen
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                                                     m Fliegen ist nach dem Krieg zunächst verboten. Walter zieht es in seiner
                                                     Freizeit in die Berge, die er mit seinem Motorrad bereist.

Als er endlich zu Hause ankommt,       Maschinenbauschule für Maschi-            dort in der Versuchsabteilung ein-
fehlt Walters Segelfluglizenz. „Bis    nenbau und Elektrotechnik wie-            gesetzt sei, die trotz der schlechten
ich nach dem Krieg heim kam,           der öffnet, möchte Walter kündi-          Wirtschaftslage betriebswichtig
hatte die Mutter alle Segelflug-       gen, um dorthin zurückzukehren.           sei. Da nach dem Krieg kein Diesel
Lizenzen vernichtet, weil da Ha-       Walter ist aber inzwischen als            mehr verfügbar ist, schickt man
kenkreuze drauf waren und die          Mitarbeiter so geschätzt, dass man        Walter nach Mannheim zur Firma
Amerikaner eine Hausdurchsu-           seine Kündigung nicht akzeptiert.         Lanz, wo er sich die Technik der
chung machten.“ Und nicht nur          „Wir beurlauben dich, damit du an         Holzvergaser ansieht, die er dann
das: Auch Walters Lieblingsbild        die Schule kannst, aber die Kün-          in ähnlicher Weise für die Firma
von ihm mit dem „Grunau Baby“          digung kannst du gleich wieder            Unkel entwickeln soll.
am Hesselberg ist – wegen des Ha-                                                    1949 verlässt Walter das Unter-
kenkreuzes auf dem Flugzeug – im                                                 nehmen aber dennoch. Schon lan-
                                        Walters hohe, technische
Ofen gelandet. An Fliegen ist aller-                                             ge möchte man ihn als Mitarbeiter
                                           Kompetenz, die er
dings ohnehin zu dieser Zeit nicht                                               der Landespolizei gewinnen, um
                                         auch dem Verein über
zu denken: Die Alliierten haben                                                  dort Führerscheinprüfungen ab-
                                       Jahrzehnte zur Verfügung
für die deutschen Besatzungszo-                                                  zunehmen, eine Aufgabe, die Wal-
                                           gestellt hat, ist das
nen ausnahmslos ein Flugverbot                                                   ter zu einseitig ist. Als dort jedoch
festgesetzt, das auch für den ge-
                                       Ergebnis eines vielseitigen               jemand gesucht wird, der Autos
samten Flugsport gilt.                        Werdegangs                         und Motorräder repariert, ent-
                                                                                 schließt er sich zum Wechsel. Wal-
Ein bewegter, beruflicher              mitnehmen, die nehmen wir nicht           ter wird zu BMW und Zündapp
Werdegang                              an“, habe ihm der Chef gesagt.            geschickt, wo er zusätzliches Wis-
                                       1948 legt Walter die Prüfung in           sen erwirbt.
Die Maschinenbauschule in Ans-         Maschinenbau und Elektrotech-
bach ist geschlossen: sie wird jetzt   nik ab, und kehrt zur Firma Unkel         1950: endlich darf wieder
von den Amerikanern als Übungs-        zurück. Dort behält man ihn sogar,        geflogen werden!
gelände genutzt. Walter geht nun       als während der Währungsreform
zur Firma Unkel nach Gunzen-           die meisten anderen Arbeiter – die        1950 wird der Flugsport wieder
hausen und beginnt ersatzweise         zum Teil viel länger als Walter im        erlaubt. Walter wird am 1. Dezem-
eine Ausbildung zum Landma-            Betrieb sind – entlassen werden.          ber 1956 Mitglied im Flugsport-
schinenmechaniker. Als 1947 die        Mit der Begründung, dass Walter           verein in Ansbach. Die Flugzeuge

                                                                                                                                 9
Walter Koch Rückblick auf ein unvergleichliches Fliegerleben - Thomas Seel
vWalter in dem, von ihm selbst
                                                                                 mitgebauten Motorspatz SF24

     dort müssen allesamt selbst ge-        auch seine Eltern in Thalmässig.     Die Motorfluglizenz kann Wal-
     baut werden und Walter erwirbt         Und er wird bald frech: Er fliegt    ter, der nach einem Pädagogik-
     am 27. August 1957 den B-Schein        häufig die mit BRENDEL-Moto-         Studium mittlerweile beamteter
     wieder, nachdem er vorher eine         ren ausgerüsteten Flugzeuge zum      Berufschullehrer in Donauwörth
     Winde mit Stahlseil gebaut hat.        Hersteller SCHEIBE in Oberwie-       ist, von seinem Arbeitgeber aus
     Außerdem beteiligt er sich auch        senfeld. Eines Tages regt sich der   damals nur während der Ferien-
     mit seinem Wissen und seinen           Flugleiter dort am Flugplatz auf.    zeit im Sommer erwerben. Da der
     handwerklichen Fähigkeiten beim        Walter freut sich noch an diesem     Zeitraum sehr begrenzt ist, findet
     Bau einer SG38 und einer Baby‑2        Tag: „Weil ich neben der Halle ge-   sich dazu keine Flugschule. Wal-
     und Baby‑3. Das Material dazu          landet bin und nicht auf der Lan-    ter schreibt 1963 kurzerhand alle
     „schnorrte“ sich Walter zusam-         debahn. Ich habe ihn dann ange-      Flugschulen in Deutschland an,
     men, das verwendete Holz war           lächelt und gesagt: „Ja. Das kann    um in den Ferien die Ausbildung
     Abfallholz, das er an verschiede-      halt nicht jeder.’“                  und Prüfung machen zu können.
     nen Stellen mitnehmen durfte.
         Auch das Flugzeug, bei dem                                                           mb  Den Begriff Ausflug
     Walter als Miteigner in einer Hal-                                                       nimmt Walter wörtlich: An
     tergemeinschaft beteiligt ist, muss                                                      den Wochenenden und in den
                                                                                              Ferien geht es raus und per
     erst einmal selbst gebaut werden.
                                                                                              Flugzeug in die freie Natur.
     Walter baute es mit seinem Freund                                                        Abwechselnd fährt er und sein
     Brendel zusammen, der beruflich                                                          Freund Brendel und bringt
     als Ingenieur in Nürnberg Motor-                                                         Proviant und das Zelt mit dem
     radmotoren und später auch Flug-                                                         Auto hinterher.
     zeugmotoren für die Firma Scheibe
     entwickelte. In Abenberg nahe bei
     Roth hatte dieser einen eigenen,
     kleinen Flugplatz. Walter erwirbt
     die Motorsegler-Lizenz und unter-
     stützt seinen Freund beim Motor-
     bau, dieser wiederum hilft Walter
     bei der Montage der Zelle des „Mo-
     torspatz“, der als Bausatz von der
     Firma Scheibe geliefert wird.
         Walter beherrscht bald das flie-
     gen mit dem Motorspatz wie kaum
     ein anderer. Oft besucht er damit

10
vn  1957 erwirbt Walter seine Segelfluglizenz, die im Krieg
vernichet wurde, ein zweites Mal.

Als einzige Flugschule antworte-             Platzrunde zu drehen, zu starten,     klärt: „Das mit dem Hotel durfte
te ihm daraufhin die Flugschule              und am Ende der Bahn wieder si-       ich aber nicht annehmen, denn
„Westküstenflug in St. Michaelis-            cher aufzusetzen. „Der Herr Pro-      das wäre Beamtenbestechung ge-
donn“, wo zu dieser Zeit der Va-             fessor hat dann schön das Mittag-     wesen. Also habe ich am Platz im
ter von Werner Rühmann Schäfer               essen bezahlt.“ strahlt er über das   Zelt übernachtet, und diese Aus-
am Flugplatz ist. Während des                ganze Gesicht.                        bildung noch drangehängt. Spä-
Aufenthalts dort, an einem Tag,                 Den PPL hat Walter schon           ter habe ich dann etwa zwölf Jah-
bei dem starker Wind herrscht,               nach einer Woche in der Tasche.       re lang Küstenfliegerei gemacht
gewinnt Walter dort gleich eine              Und das Unternehmen dort, das         und dabei auch den Vater von
Wette. Schmunzelnd erinnert er               Passagiere zwischen den Nord-         Werner Rühmann gut kennenge-
sich: „Ich habe gesagt: ,Da flie-            seeinseln und dem Festland be-        lernt: Er war nämlich der Schäfer
ge ich vorwärts und rückwärts                fördert und dringend Piloten          vom Flugplatz, an dem auch der
und lande wieder.‘ Da saß einer,             sucht, schlägt Walter vor: „Sie       Werner seine Pilotenausbildung
er hat gesagt, er sei ein Professor          haben doch noch 14 Tage Urlaub.       machte.“
für Physik und so – und das geht             Da können Sie gleich Küstenflie-      Bericht: Georg Lehmacher, Alle Fotos sind aus
gar nicht.“ Walter bleibt unbe-              gerei machen. Wir bezahlen auch       dem Archiv von Walter Koch; Das Interview
eindruckt. Bei 30 Knoten Wind                das Hotel, da brauchen Sie nicht      führten Georg und Renate Lehmacher sowie
                                                                                   Matthias Obermayer. Die Fortsetzung von
auf der Bahn, schafft er es auf der          mehr im Zelt übernachten.“ Wal-       Walters Lebens- und Fliegergeschichte folgt in
kurzen Landebahn, ohne eine                  ter hebt den Zeigefinger und er-      der nächsten Ausgabe der Gendairkinger News.

b   Im Endanflug mit dem Grunau Baby

                                                                                                                                    11
Ostfriesische Inselwelt zu dritt genießen :-)

                                  Juist und
 Langeoog                                                Bericht und Fotos von Thomas Seel

     Ihr kennt den Reisebericht von mir
      nach Helgoland und Hamburg in
      der letzten Genderkinger News?
     Dieses Mal will ich euch einen kur-
     zen Bildbericht des ersten Fluges
                                            natürlich, flexibel auf die Anforde-
                                            rungen der Mitflieger einzugehen.
                                               Der Hinflug nach Juist erfolgte
                                            mit einem Z Plan mit einem langen
                                            VFR Leg und einem eher kürzeren
                                                                                   nach Juist geflogen. Pünktlich zur
                                                                                   Landung auf Juist hat uns auf der
                                                                                   Insel dann auch die Sonne begrüßt
                                                                                   und die vorhandene Bewölkung
                                                                                   ist genau so schnell verschwun-
     mit unserem Sohn Valentin geben.       IFR Leg, das lediglich wegen dem       den, wie diese aufgezogen war.
     Die Herausforderungen lagen dabei      erforderlichen Cloudbreak in Em-           Die Insel Juist zeigte sich dann
     eher auf der logistischen Ebene, als   den geplant wurde. Von Emden           wie vorhergesagt für die nächsten
     der flugbetrieblichen Umsetzung.       sind wir dann gemütlich in 1000 ft     fünf Tage von ihrer schönsten Seite
     Die Flugdurchführung erforderte        Ground unter der Wolkenbasis           und ermöglichte uns ausgedehnte

     n Hautnah: Freundliche Inselbewohner
     begrüßten uns auf den Nordseeinseln.

12
v Beide Inseln bieten weitaus mehr,
                                                                                 als nur Möglichkeiten zum Baden
                                                                                 und Spazierengehen.

                                                                                 m Neben Kindersitz, Windeln,
                                                                                 Schnuller und Fläschchen passte
                                                                                 auch Valentins Buggy problemlos in
                                                                                 unsere DA40.

Strandspaziergänge, Robbenbe-         dings hat uns ein regionales Wet-     lich im Urlaub und hat keinen
obachtungen, Wattwanderungen          terphänomen eine kleine Verzöge-      Zeit- und Termindruck. Zu Guns-
und ausgiebiges Planschen und         rung beschert. Es ist recht spontan   ten besserer Sichtweiten verscho-
Spielen im Sand für unseren Sohn      und unvorhergesagt ein Seenebel-      ben wir unseren kurzen Hüpfer
am Strand.                            gebiet von der offenen Nordsee        zum Inselwechseln von Juist nach
Nach fünf Tagen stand dann ein        über die Inseln bis zur Küste auf-    Langeoog auf den Nachmittag und
Unterkunftswechsel an. Wir woll-      gezogen. Einen Flug um ein paar       hatten deutlich besseres Wetter. Zu
ten uns noch eine zweite ostfriesi-   Stunden verschieben, bringt einen     beachten ist beim Anflug auf Lan-
sche Insel anschauen und von Juist    oft in den Genuss von deutlich bes-   geoog die Mittagspause von 13.00
nach Langeoog wechseln. Aller-        serem Wetter. Man ist ja schließ-     bis 15.00 Uhr. In dieser Zeit sind

                                                                                                                       13
Reise

     keine Anflüge möglich. Sonst           Auch Langeoog ist eine sehr        lassen. Wir werden sicher nicht
     sind die Inselflieger ein guter In-    schöne Nordseeinsel. Juist und     das letzte Mal da gewesen sein!
     dikator, ob man an der Nordsee         Langeoog sind beide mit tollen
     fliegen kann. So lange diese vom       Sandstränden ohne Buhnenver-       Der Rückflug von Langeoog
     Flugplatz Norddeich starten und        bauungen besonders schön. Lan-     erfolgte dann auf einem sehr
     Touristen auf den ostfriesischen       geoog ist im Vergleich zu Juist    schönen Sichtflug mit einem
     Inseln abliefern, ist eigentlich       etwas größer und bietet eine ab-   Tankstopp in Emden und einem
     jede Insel VFR erreichbar. Das         wechslungsreichere Restaurant-     Nachmittagskaffee bei unseren
     Inselflugtaxi hört erst auf zu flie-   auswahl. Beide Inseln sind aber    Verwandten in Kulmbach. Ge-
     gen, wenn sehr dichter Seenebel        klein genug, um richtiges Insel-   nau diese Flexibilität ist doch die
     aufzieht.                              flair und Feeling aufkommen zu     schönste Seite unseres Hobbys.

14
Kurztrip Helgoland

Natur und ländliche Nordseeumgebung tragen
auch während eines Kurztrips zu einem schönen
Urlaubsfeeling bei. Mit weniger als drei Flugstunden hat
man ein echtes Urlaubserlebnis.

                                                                                15
Fluglizenzflug PPL-(A) PRÜFUNG ANDREAS KOCH, 30.8.2018

     Mit der Aquila AT01 D-EAQN zur Prüfung

     Nachdem ich den D-Check vor              Ich erkläre ihm, dass ich schaue,       Plan, überlegen, welche Strecke ich
     Prüfungsanmeldung mit zwei               ob Flugzeug und Fluglehrer ver-         als Flugdurchführungsplan ausar-
     Fluglehrern (Burkhard Ryska und          fügbar seien. Herr Uhl meinte, es       beiten kann. Dann noch ein Wet-
     Rolf Drescher) geflogen war, wur-        ginge auch ohne Fluglehrer, er sei      tercheck: Morgen – Wochenende
     de ich zwei Wochen später beim           ja da, das Wetter wäre noch flieg-      – nächste Woche, die Vorhersagen
     Luftamt zur Prüfung gemeldet.            bar ... ;-) und er würde direkt nach    waren allesamt schlecht. An die-
                                              Donauwörth-Genderkingen kom-            sem Tag ist es noch am besten: am
     Ein Tag, wie jeder andere?               men. Er bot mir mehrere Alter-          späten Nachmittag soll die Sonne
     Nur anderthalb Wochen später:            nativtermine an. Am besten wür-         durchkommen, aber es wird böig
     Ich dachte, es würde ein normaler        de ihm aber heute passen, Ende          werden und thermische Ablösun-
     Arbeitstag werden. Wie gewohnt           nächster Woche sei er im Urlaub.        gen geben. Höhe und Kurs zu hal-
     fahre ich ins Büro. Das Wetter ist           Also, alles aufgeschrieben –        ten könnte knifflig werden.
     alles andere als schön. Es regnet,       und wir verbleiben erstmal so: ich      Ahh, genau: der vorzubereiten-
     Gewitter in der Nacht, in der Früh       schaue, ob der Flieger, die Aquila      de Flugdurchführungsplan ist ja
     nur noch +12 °C warm, geschlos-          AT01 D-EAQN verfügbar ist und           auch noch anzufertigen.
     sene Wolkendecke OVC012-014.             versuche trotzdem einen Flugleh-            In der Arbeit kläre ich, ob ich
     Aber der normale Bürotag nimmt           rer zu erreichen. Puhhh ... eine ra-    früher gehen kann. Das ist das
     gegen halb 10 abrupt eine Wende.         sche Wende, tausend Dinge gehen         kleinste Problem, aber auch schon
         Das Telefon klingelt, am Ap-         mir durch den Kopf.                     eines weniger. Eine Stunde später
     parat ist Herr Michael Uhl vom               Burkhard erreiche ich, er sei       rufe ich Herrn Uhl zurück: Flieger
     Luftamt Süd. Ich bin baff: so eine       aber terminlich in seiner Praxis        sei verfügbar, der Fluglehrer auch,
     schnelle Reaktion auf die Anmel-         gebunden und könne nicht weg.           der spätere Nachmittag sei opti-
     dung! Und dann seine Frage, ob es        Dann noch Burkhards Bemer-              mal – und ich frage nach, was ich
     denn heute(!) für den Prüfungster-       kung, bei dem Wetter will er die Prü-   vorbereiten soll.
     min bei mir klappt. Puhhh: der Blick     fung fliegen, na das wird spannend...       Treffen um 14:00 Uhr? Da be-
     aus dem Bürofenster mit Regen und        Jepp, das finde ich allerdings auch.    komme ich jetzt echt Bammel,
     tiefer Wolkenuntergrenze, GAFOR              Als nächstes rufe ich Rolf an.      die Zeitschiene wird immer klei-
     mit Status D1-D2 ist nicht prickelnd.    Er habe Zeit. Wir schmieden einen       ner, erst von FFB nach Gröbenzell

16
heim fahren, alle Unterlagen und         buch, Ausweis, BZF. Zum Glück           oder in der kleinen Utensilienkis-
Sachen zusammenpacken, dann              kein Zeitdruck vom Prüfer. Er           te im Gepäckraum ... also weiter
nach Genderkingen, Flugdurch-            hat auch noch einen Berg an Pa-         geht‘s mit dem ... Vorflugcheck.
führungsplan erstellen, Flieger          pierkram zu schreiben, geht noch            Ein paar Fragen kommen: „Wa-
vorbereiten ... Wir einigen uns          eine rauchen, gut, also alles erstmal   rum ist der Ölbehälter separat,
dann auf 15:00 Uhr. Ich solle            entspannt. Ich bin fast fertig, die     welche Aufgabe haben die Wing­
die Strecke EDMQ Donauwörth/             Start- und Landestreckenberech-         lets, was macht der Blechstrei-
Genderkingen – EDMA Augsburg             nung lässt Herr Uhl sich dann von       fen am Querruder, wofür ist die
(Kontrollzone Einflug über No-           mir anhand der Aquila Tabellen          Kante an der Nasenleiste neben
vember 1) - EDNE Erbach - EDNO           aus dem Flughandbuch erklären,          dem Stallwarner, besonderes Au-
Nördlingen – zurück nach EDMQ            Rolf kommz mit Jürgens Excelta-         genmerk erhält das Bugfahrwerk?
einschließlich des Flugdurchfüh-         belle auf fast die gleichen Werte,      Drainen macht direkt nach dem
rungsplans mit Spritberechnung,          sehr gut ;-)                            Tanken keinen Sinn mehr, um da
Weight&Balance und Start-/Lan-              Dann ist es soweit: der Papier-      etwas zu sehen, müssten wir eine
destreckenberechnung, wie ge-            kram ist erledigt, die Aquila hat       halbe bis Stunde warten.
lernt, vorbereiten.                      Rolf nachgetankt ... super Hilfe            Also rein ins Cockpit, weiter
                                         und hat die ganze Vorbereitung          mit der Checkliste, Motorstart, bei
Es wird ernst                            be- und mich entschleunigt.             Genderkingen-Info melden, für
Die Zeit läuft: Rolf meint, er sei ge-                                           den Run-Up zum Rollhalt Piste 26
gen 14:00 Uhr in Genderkingen.                                                   rollen, kurz den Flugplan ange-
                                              Der Prüfungsflug
Um 11:30 Uhr gehe ich noch in der                                                sprochen, Instrumentenkontrol-
                                           kommt schneller, als ich
Firmenkantine etwas essen, dann                                                  le, Startvorbereitung mit Sicher-
                                               erwartet habe.
kurz heim und gleich weiter nach                                                 heitsbriefing und ab geht’s in die
Genderkingen. Um 13:45 Uhr bin                                                   Luft. Herr Uhl stellte das GPS auf
ich schlussendlich am Platz.                 Es folgt eine kurze Einweisung      eine andere Anzeige, so dass ich
    Angekommen – und dann so-            zur Prüfung: ich solle ruhig blei-      keine Positionsangaben und Kar-
fort angefangen mit Wettercheck.         ben, wenn etwas nicht auf Anhieb        teninfo mehr sehen kann. Trotz
Schon auf dem Parkplatz ist es           klappt, ich hätte immer zwei Ver-       Seitenwind komme ich recht gut
ziemlich böig mit Wind aus NNW.          suche, ich solle mich nicht wun-        in die Luft (Rolf hatte mich noch
Das bestätigt sich dann auch im          dern, wenn Notizen gemacht wer-         eingeschworen ... und trete rechts
METAR/TAF mit Böen 15 – 19kt             den. Papierlage war in Ordnung,         richtig rein und Fläche bissl in den
um EDMQ, na wird schon, jeden-           Ausbildungshandbuch, Medical,           Wind), in der Platzrunde steige ich
falls die Wolkendecke ist aufge-         BZF, Flugbuch und zum Schluss           weiter und überquere den Platz
brochen und Wolkenuntergrenze            noch meinen Personalausweis.            Midfield in Richtung Augsburg.
ist auch angestiegen. Weiter mit         Also, ab zum Flieger und die Prüfung        Welches BZF ich hätte, fragt
der Flugdurchführungsplanung.            fliegen. An der Aquila angekom-         Herr Uhl, deutsch oder auch eng-
Rolf ist auch da, holt die NOTAMs        men Kniebrett, Flugdurchfüh-            lisch ... ähh ja, beides... „OK, gut,
der geplanten Flugstrecke ein und        rungsplan, Luftfahrtkarte parat         dann machen wir die Kontrollzo-
zieht die Aquila aus Halle 8.            legen. Das Gepäck verstauen und         ne auf Englisch“.
    Um 15:00 ist Herr Uhl pünkt-         Checkliste und Utensilien für den       Na super..., das letzte mal auf Eng-
lich da, Rolf und er halten Small-       Vorflugcheck        zusammensam-        lisch bei der BZF Prüfung gefunkt
talk und kommen zu mir in den            meln. Tollerweise fehlen nun ge-        ... na wird schon klappen. Mir fällt
Flugvorbereitungsraum, wo ich            rade jetzt an beiden Aquila Head-       das Wort für Prüfungsflug nicht
noch mit dem Flugdurchfüh-               sets die Schaumstoffabdeckungen         ein, und ich frage. Examination
rungsplan beschäftigt bin. WCA,          der Mikrofone, Herr Uhl hat sein        bekomme ich zur Antwort. ATIS
Flugzeiten, Kraftstoffberechnung,        eigenes Headset dabei. Super ...        Augsburg abgehört: „Information
Weight&Balance und Start- und            toll, wenn man fast jedes Ausat-        Tango RWY25 QNH1020“ okay,
Landestreckenberechnung.                 men im Intercom hört ... hmmm           nächster Gedanke, in Augsburg
    Ziemlich unter Druck über-           wird schon irgendwie funktionie-        bin ich beim Schulen immer auf
gebe ich alle Unterlagen: Ausbil-        ren. Ich finde leider keines der        die Piste 07 geflogen, Platzrunde
dungshandbuch, Medical, Flug-            Schaumstoffkäppchen im Flieger          also anders rum, der Ausflug über

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Whiskey 2 und 1 ist für mich neu,     Luft. Die zweite Platzrunde ver-       Stallwarning kommt ... okay, dass
     aber halb so wild: einfach über den   läuft besser und wesentlich ruhi-      auch geschafft. Wir machen weiter
     Müllberg drüber und an der Auto-      ger. Herr Uhl meint: „Bleib länger     mit Fliegen unter eingeschränk-
     bahn entlang.                         auf der Bahn … die ist lang genug      ten Sichtbedingungen. Ich setze
        Kontaktaufnahme mit Augs-          hier, stabilisier den Flieger, keine   die IFR-Brille auf, halte Kurs und
     burg Tower hat klappt, erster Mel-    Hektik, alles Schritt für Schritt,     Höhe, mache eine 180° Umkehr-
     depunkt November 1, melde mich        und dann wieder in die Luft.“          kurve und halte wieder Höhe und
     mit 5 Minuten vor November 1.            Ich bekomme die Freigabe            Kurs. „Jetzt wieder Kurs Erbach,
     Drei Minuten später sind wir dort,    zum Ausflug der Kontrollzone           alte Flughöhe einnehmen. – Wo
     den vordersten kleinen See (No-       über Whiskey 2 und 1, es klappt        sind wir jetzt?“ „Ähhh … wir müss-
     vember 1) finde ich gut, Herr Uhl     gut, einfach an der A8 Richtung        ten irgendwo in der Pampa neben
     möchte wissen, wo November 1 ist,     Westen entlang. Dann fliegen wir       der A8 Höhe Günzburg sein, wenn
     ich deute drauf, er nickt kurz zur    weiter nach Erbach, Höhe und           wir eine Bahnlinie sehen, sind wir
     Bestätigung. Er hakt nach: „Welche    Kurs einnehmen und erst einmal         querab von Günzburg.“ Es stimmt.
     Höhe fliegen?“– „3000ft“. Herr Uhl    Durchatmen. Das Durchatmen                 „In welchem Luftraum befin-
     korrigiert mich auf 2900ft. „Da ha-   hielt nur kurz für ein paar Noti-      den wir uns gerade?“ „In „Echo“.
     ben wir ein bisschen mehr Luft.“      zen an. „Wo sind wir jetzt auf der     „Gut, und warum, und was sind
        Vom Tower kommt die Auffor-        Karte?“ Die Orientierung habe ich      die Bedingungen und welche seit-
     derung direkt in den Traffic Cir-     noch, das passt soweit.                lichen und vertikalen Abstände
     cuit RWY 25 einzufliegen. Ich er-                                            zu Wolken sind zu beachten?“ Ich
     kläre, dass ich bis jetzt immer auf   Nach EDMA geht es zum Airwork          kann es beantworten, allerdings
     die Piste 07 geflogen bin und nicht   Es geht weiter mit Airwork. Ge-        gibt es ein Missverständnis auf-
     genau weiß wo man in die „nicht       schwindigkeit drosseln und eine        grund meiner Akustik vom Head-
                                           20° Kurve 90° nach rechts, mit         set. Abstände und Höhen kom-
                                           Klappen auf Startstellung. Dann        men falsch an, ich kann es aber
        Es gibt einen zweiten
                                           90° zurück, wieder Kurs Richtung       schnell richtigstellen.
      Versuch, wenn mal etwas
                                           Erbach, Überziehen mit und ohne
        nicht perfekt klappt.              Klappen ... rechtzeitig recovern,      Ziellandungen in Gundelfingen
                                           Gas rein, wieder steigen. Steilkur-    Herr Uhl gibt als nächstes Ziel
     vorgegebene“ Platzrunde einfliegt.    ve mit 30°, klappt – rechtzeitig       Gundelfingen vor. „Wie kommen
     „Da vorne bei dem Baggersee“. Su-     ausleiten. Die Steilkurve mit 45°      wir dahin, wie ist der Kartenkurs,
     per, Danke.                           will leider leider nicht so gut ge-    was können wir uns als Hilfsmit-
         „Ich habe noch in Erinne-         lingen, ich fliege eine Welle mit      tel nehmen?“ Den Kartenkurs
     rung, den Sportplatz und keine        200ft runter und wieder hoch ...       kann ich gut abstecken, Hilfsmit-
     Siedlungen zu überfliegen“, sage      nicht schön. „Na, die fliegen wir      tel? Querab vom Atomkraftwerk
     ich. Er nickt. Erster Anflug zum      nochmal, gibt ja 2 Versuche.“ Wie-     Gundremmingen liegt der Platz.
     Touch&Go. Vergesse prompt,            der Kurs auf Erbach. „Wo sind wir          „Wie sieht‘s mit VOR-Naviga-
     mich im Right Downwind zu mel-        jetzt?“ Ich finde mich auf der Karte   tion aus?“ „Kempten-VOR ist ab-
     den und hole es im Base nach, ich     sofort wieder zurecht.                 geschaltet, aber Walda-VOR auf
     verwechsele es dann auch noch             Es geht Weiter mit Airwork.        dem Radial 270° kann uns helfen“,
     und sehe nur das Kopfschütteln        Wir steigen auf 4000ft, überzie-       erkläre ich. „Sehr gut.“ Ich drehe
     rechts neben mir... ohhh mann         hen die Maschine mit stehender         das Walda-VOR auf 270° ein. Es
     Mist, melde mich dann im Final        Triebwerksleistung. Es klappt          funktioniert nur kurz, mehrfach
     und bekomme die Freigabe zum          gut, bis man die Turbolatoren          kommt die NAV-Flag … Also geht
     Touch&Go, die ich nicht richtig       spürt. Wieder ausleveln und Kurs       es mit Sichtflug und Kartennavi-
     zurücklese. Der Tower-Lotse wie-      und Höhe halten. „So, nun ma-          gation weiter. Wir überfliegen den
     derholt die Freigabe nochmal, nun     chen wir eine 20° Sinkflugkurve        Flugplatz Leipheim, vielmehr das,
     passt es. Danke für die Hilfe.        in Landekonfiguration …“. Das          was man noch von der ehemaligen
         Der erste Touch&Go ist viel zu    habe ich noch nicht durchflogen,       militärischen Teerbahn, jetzt mit
     hektisch, kaum am Boden, nach         aber gut, Querneigung 20°, Gas         Logistikhalle und Kreisverkehr auf
     nicht mal 100m wieder in der          raus und langsam ziehen bis die        der Runway, sieht.

18
Den Segelflugplatz Gundelfingen          Kurze Orientierung, links neben        genanflug, behalte die Geschwin-
hatte ich bei meinem ersten So-          mir liegt die Donau, dann ein          digkeit im Auge, wir haben Sei-
loüberlandflug nicht gefunden            Waldstreifen, davor ein langes         tenwind von vorne rechts. Ich bin
– heute klappt es. Herr Uhl fliegt       Stoppelfeld. Ich bin am Eindrehen      ein wenig zu schnell im Endan-
dort, also machen wir hier auch          nach links. „Das gefällt mir nicht.    flug, beim Eindrehen überschieße
Ziellandungen mit High- und              Viel zu nah an Dillingen. Schau mal    ich ... Aufsetzen klappt erst nach
Low-Key. Aber warum mehrere? Ich         zur anderen Seite rüber ... da sind    dem ersten Drittel der Bahn, zum
habe die Information „Piste 28 in        viele Felder“, meint Herr Uhl. Gas     Durchstarten ist mir das zu eng.
Betrieb“ nicht mehr präsent und          rein und zurück auf Flughöhe.          Keine perfekte Landung, aber wir
drehe mich nach links zur Ziel-              Neuer Anlauf: Gas raus …, Vor-     sind heil geblieben, der Flieger
landung. Puhhh so ein Mist grrrrrr.      aus Wald und Strommasten, rechts       auch, passt. Im Debriefing wurde
Okay, neue Anweisung: „Steigen           kleine Felder, aber hinter uns ein     daraus dann eine „kreative Lan-
Sie nochmal zum High-Key ...             großes trapezförmiges dunkles ge-      dung“.
wieder in den Wind und rechts            eggtes Feld, eindrehen, Geschwin-         „Bitte Backtrack auf der Bahn
rum zur Betriebspiste 28 in 500ft        digkeit anpassen, nochmal nach         und wenn bereit, dann starten
Schritten. Es sieht ganz gut aus, ich    rechts drehen, Klappen erste Stu-      und noch eine Platzrunde mit
habe die Schwelle hinter dem land-       fe, weiterer Anflug... hmmm… wir
wirtschaftlichen Weg im Blick.           kommen zu hoch, am Ende ist eine
                                                                                 Permanente Orientierung
    Wir kommen hin, passt soweit,        lange Baumreihe quer zum Feld.
                                                                                über Position und Luftraum
also durchstarten ... kaum Höhe          Kommen wir da drüber? Ja, das
                                                                                       sind wichtig.
gewonnen zieht Herr Uhl das Gas          klappt, sage ich. Also weiter Glei-
raus ... öha denke ich mir... „Tun Sie   ten und Sinken, nach der Baum-
was!“ Höre ich ihn neben mir. Ähh,       reihe aufs dahintergelegene auch       Klappen, ganz normal, aufsetzen
Ja, nachdrücken, Geschwindigkeit         geeggte Feld, ja, wir kommen hin.      an der Schwelle, also kurz lan-
halten ..., Ich fliege zum Feld voraus   „Sehr schön!“ kommentiert Herr         den.“ Also geht es noch mal in die
links über der Straße auf ein geegg-     Uhl es. Durchstarten, Gas rein und     Luft: Centerline halten, Maschine
tes Feld ... „Gut, durchstarten, Gas     steigen, um die Ortschaft herum,       im Steigflug mit Nase im Wind
rein, steigen.“ „Und wie kommen          Klappen rein und wieder Kurs auf       und über der Bahn, keine Hektik
wir von hier nach Donauwörth?“           Donauwörth.                            mit Klappen rein im Querabflug,
Ich nenne die Richtung und Ge-               „Was ist das für eine blaue Zone   Geschwindigkeit aufnehmen auf
ländemerkmale: Die Bundesstraße,         um Donauwörth herum?“ „Das ist         Platzrundenhöhe im Gegenanflug.
Erhebungen, Türme, die Bahnlinie         eine RMZ, die von Airbus Helicop-      Kurz durchschnaufen, Landevor-
und die Donau, die sicher hinführt.      ter.“ „Was müssen wir dazu beach-      bereitung, Geschwindigkeit raus,
„Sehr gut, das passt.“                   ten?“ „Anfunken und fragen, ob         Klappen setzen auf Startstellung,
    „Auf welchem Radial befin-           Flugverkehr aktiv. Oder über Gen-      Position melden im Queranflug,
den wir uns beim Walda-VOR?“             derkingen Info bei der Anflugan-       Klappen auf Landestellung, Ge-
Ich drehe Radial 270° From ein.          meldung nachfragen. Oder über          schwindigkeit reduzieren, Ein-
Okay, passt … „Wir wollen auf das        FIS. Bei Airbus Info angefunkt         drehen in den Endanflug, dieses
Radial 290°“. Kurz orientiert mit        meldt sich niemand. Ich melde          mal nicht überschießen, Wind
Differenz 30° auf Kurs 120° zum          mich also bei Genderkingen Info        b Der erste Flug nach der Prüfung führt nach Vilshofen, wo
Anschneiden. Kurz, etwa eine Mi-         zur Landung.                           meine Mutter nach einer längeren, schweren Erkrankung
nute später sehe ich wieder die                                                 das erste Mal wieder eine gute Freundin besucht.
NAV-Flag, kein Signal mehr vom           Die Landung ohne Klappen
Walda-VOR ... „In Ordnung, The-          gelingt nicht gerade gut ...
orie und Prinzip erkannt, dann           „Wir müssen noch eine Lan-
bitte wieder auf direktem Kurs           dung ohne Klappen durchfüh-
nach Donauwörth.“                        ren, daran habe ich in Augsburg
    „Wir haben einen Motorausfall,       nicht gedacht, ob Landung oder
suchen Sie eine Landemöglich-            Touch&Go ist egal – wie es besser
keit…“ Gas raus, Vergaservorwär-         passt.“ Okay, Landung ohne Klappen
mung- und Kraftstoffpumpe an!            in EDMQ. Ich sinke schon im Ge-
kommt noch von vorne rechts,            laufen lassen und stabilisieren,      verstand, konnte ich nachfragen
     die Sinkrate passt zur Schwelle,        dann Start vorbereiten und sau-       und bekam eine vernünftige Ant-
     davor abfangen und auf Höhe der         ber abheben • Steilkurve 45° war      wort. Habe dabei den Rat von
     Schwelle aufsetzen, Höhenruder          nicht so gut, Zuviel sinken und       Rolf „Klappe Halten, Kurs halten,
     weiter halten und durchziehen,          steigen • Höhe halten, zweimal        Höhe Halten“ nicht durchgehend
     bis das Bugrad von selber aufsetzt.     fast die Grenze 150ft ausgereizt •    befolgt ;-) Ich bin zufrieden mit
     Ich muss auch nicht viel bremsen        Instrumenten- und Tankkontrol-        meiner Prüfung und Herrn Uhl als
     vor dem Abrollen ... super, ich bin     le, Motorinstrumente war gut •        Prüfer. Ich kann noch Dinge ver-
     erleichtert, dass diese Landung         Orientierung, Zeiten und Naviga-      bessern und sehe es als einen gu-
     gut war. Ich rolle ab und parke vor     tion war gut • Notlandungen/Ent-      ten Start, bei dem die Grundlagen
     der Halle 1. Puhhhh, ich bin echt ge-   scheidungen richtig, immer frei       geschaffen sind.
     schafft und meine Konzentration lässt   von Städten planen • bei Trieb-           Als ich nach dem Debriefing
     jetzt zu wünschen übrig.                werksausfall nach Start schneller     noch das Fahrtgeld an Herrn Uhl
         „Wie geht‘s weiter?“ Abstellen      reagieren • Nicht nur bei den ge-     entrichte, blicke ich das erste Mal
     nach Checkliste, Haube auf, Luft        planten Manövern Luftraum frei        wieder bewusst auf die Uhr.
     rein. Ich bin nun doch etwas ange-      sagen (nach Luftraumkontrolle),           Halb sieben durch, als ich an-
     schwitzt. Herr Uhl steigt aus und       sondern auch bei normalen Kurs-       fange, Bordbuch und Flugbuch zu
     meint, ich solle alles fertigmachen,    änderungen (hab gesehen, dass du      schreiben. Die Zeit ... der Tag ist
     er hat einiges zu schreiben und         den Kopf bewegt hast) aber bitte      rasend schnell verflogen. Daheim
     dann machen wir das Debriefing.         mit ansagen • der Anflug und          angekommen, ist Post von der Re-
     Er habe aber noch niemandem             Landung ohne Klappen... war           gierung von Oberbayern – Luft-
     den Kopf runter gerissen ;-)            eine „kreative Landung“, nochmal      amt-Süd im Briefkasten: Herr Uhl
         Hmmm… was heißt das jetzt ... ?     üben • Checklisten waren ok, am       sei als Prüfer für meine PPL-(A)
     Rolf und Herr Uhl gehen und un-         besten laut lesen, ist besser zur     Praxis Prüfung beauftragt, und ein
     terhalten sich angeregt. Ich mache      Kontrolle                             Termin solle unter beidseitigem
     den Flieger fertig, verstaue alles      Die Flugzeit war 1:35 Stunden         Einvernehmen vereinbart werden.
     und nehme mit, was nicht rein ge-                                             Das hat ja dann doch ziemlich schnell
     hört. Und gehe dann zum Debrie-         Ein fairer und freundlicher Prüfer    geklappt.
     fing. „Also als Erstes: Sie haben die   Ich empfand Herrn Uhl als sehr an-        Was für ein Tag, ich bin erst-
     Prüfung bestanden!!!“ Juhuuuu :-)       genehm, korrekt und keineswegs        mal platt ... Es war ganz besonders
     Super genial! Große Erleichterung!      zu penibel. Wenn etwas nicht auf      spannend und fordernd.
                                             Anhieb geklappt hat, dann gab es      Ganz, ganz herzlichen Dank beson-
     Punkte aus dem Debriefing               eine zweite Chance. Wenn er et-       ders an meine Fluglehrer Burkhard,
     Kontrollzone Augsburg nochmal           was genauer wissen wollte oder        Rolf und Christoph, Reinhold für die
     anschauen • Melden mit genauer          meine Antwort nicht gereicht hat      Fluganfänge und Jürgen für das ganze
     Zeit, 3 Min. sind keine 5 Min, dann     oder falsch verstanden wurde          organisatorische in der ATO. Ich freue

                                                                                                                            Text und Fotos: Andreaa Koch
     die Wahrheit sagen und mit 3 Min.       (Headset/Intercom), hat er nor-       mich sehr darauf, mit euch weiterma-
     melden • Höhe in der CTR, 2900ft        mal nachgefragt. Er war ein mir       chen zu dürfen, an der Exaktheit zu
     besser als 3000ft Obergrenze, bei       sympathischer Mensch. Beruflich       arbeiten, Einweisungen, Checkflüge
     3000ft fliegt der IFR Verkehr an,       ist er Fluglotse in Augsburg,fliegt   und die mir noch unbekannten Dinge.
     dann ist bissl mehr Luft dazwi-         selber in Gundelfingen Segel- und     Wirklich herzlichen Dank an alle, die
     schen • Downwind und Base ver-          Motor und hat wohl eine Bölkow-       mir zum Erreichen dieses Zieles gehol-
     wechselt • englisch Funken weiter       Junior.                               fen haben, Pilot zu werden.
     üben • erste Landung in EDMA                Herr Uhl achtet auf Basics, er
     war zu hoch abgefangen (breite          verbessert und gibt darüberhin-       Beste Grüße,
     Bahn…) • beim Touch&Go Zeit             aus Tipps. Die Prüfung hat mich       Andreas
     lassen, nicht hektiken, die Bahn        sehr gefordert, aber ich wurde fair
     ist lang genug (EDMA), Flieger          behandelt. Wenn ich etwas nicht

20                      Der Nasenbär: meine erste Schulungsmaschine
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