Wenn die Ernte ausbleibt - INKOTA-netzwerk eV

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Wenn die Ernte                    inkota-
                            hintergrund
Ausbleibt                        feb 2014

Wie Menschen in Nicaragua
die Landwirtschaft klima-
fest machen
Wenn die Ernte ausbleibt - INKOTA-netzwerk eV
Wenn die Ernte
Ausbleibt
Wie Menschen in Nicaragua
die Landwirtschaft klima-
fest machen




     Der Klimawandel ist längst keine Theorie mehr:
  Wir stecken mittendrin. Als Folge der globalen Erwär­
  mung schmelzen die Polkappen und Gletscher, die
  Häufigkeit und Intensität von Unwettern nehmen
  zu, gleichzeitig steigt der Meeresspiegel. Stürme und    Klimawandels sind vor allem im Globalen Süden zu
  Überflutungen zerstören Infrastruktur und Häuser,        beobachten, obwohl dieser am wenigsten zum Klima­
  steigende Temperaturen begünstigen die Ausbrei­          wandel beigetragen hat1. Ursächlich für den Kli­ma­
  tung von gefährlichen Krankheiten wie Malaria und        wandel ist die intensive Nutzung und Aus­beutung fo­­s­-
  immer häufiger auftretende Dürren oder sintflut­artige   siler Brennstoffe wie Kohle oder Erdöl zur Energie­
  Niederschläge zerstören Ernten. Die Versorgung der       gewinnung, für industrielle Zwecke und im Verkehrs­
  Menschheit mit ausreichend und guten Nahrungsmit­        sektor. Dahinter steht ein nicht nachhaltiges globales
  teln wird durch die Folgen des Klimawandels weiter       Wirtschaftssystem.
  gefährdet. Auch dadurch steigende und schwankende
  Preise für Grundnahrungsmittel machen es für in Ar­         Trotz des weit verbreiteten Wissens über die fata­
  mut lebende Menschen schwer, ausreichend Nahrung         len Folgen der globalen Erwärmung wachsen die
  einzukaufen.                                             klimaschädlichen Treibhausgasemissionen weltweit
                                                           unaufhörlich weiter. Innerhalb von nur 40 Jahren –
  Die Folgen des Klimawandels sind daher                   zwischen 1970 und 2010 – hat sich ihr Ausstoß um
  eine der größten Herausforderungen im welt­              110 Prozent erhöht2. Im Jahr 2012 wurden weltweit
  weiten Kampf gegen Hunger und Armut.                     34,5 Milliarden Tonnen CO2 ausgestoßen – so viel,
                                                           wie noch nie zuvor3. Selbst, wenn alle gegenwärtigen
    Seit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhun­     Klimaschutzzusagen, die die Regierungen auf den
  dert ist die globale Durchschnittstemperatur um cir­-    UN-­Klimakonferenzen gemacht haben, umgesetzt
  ca 0,85°C angestiegen. Die schlimmsten Folgen des        werden, ist eine Erderwärmung von 3 bis 4°C bis zum
                                                           Ende des Jahrhunderts mehr als wahrscheinlich. ­Da-­
                                                           bei ist es wissenschaftlicher Konsens, dass be­reits
                                                           ein Temperaturanstieg von 1,5 bis 2°C unumkehrbare
                                                           und katastrophale Folgen für die weltweiten Öko­
                                                           systeme mit sich bringen wird4.




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Kleinbauer Modiba Keita aus
 Mali steht in seinem vertrockneten
 Hirsefeld. Die armen Länder
 des Südens sind besonders von
 den Folgen des Klimawandels
 betroffen.




Hunger in einer                                         verlieren ihre Existenzgrundlage, weil hoch subven­

­reichen Welt                                           tionierte Exporte von Nahrungsmittelüberschüssen
                                                        aus Europa und den USA die lokalen Märkte in den
                                                        Ländern des Südens zerstören. Immer mehr indi­gene
                                                        Gemeinschaften, Hirt/innen, Fischer/innen und Klein­
                                                        bäuerinnen und Kleinbauern verlieren ­infolge von
Es ist unglaublich, aber wahr: In einer Welt,           Land Grabbing – das Kaufen oder Pachten von rie-­
in der genügend Nahrungsmittel für alle                 sigen Landflächen in meist armen Ländern durch
produziert werden, leiden 842 Millionen                 Staaten, transnationale Agrarkonzerne oder Invest­
­Menschen immer noch an Hunger5.                        mentfonds – den Zugang zu Wäldern, Wasser, Fisch­
                                                        gründen, Weideflächen und Ackerland. Darüber
   Fast 80 Prozent leben in ländlichen Regionen im      hinaus verlieren sie das Recht, darüber mit zu ent­
Globalen Süden – also dort, wo viele Nahrungsmittel     scheiden, wann, wie und von wem diese Ressourcen
angebaut werden. Die Gründe dafür sind vielfältig       genutzt werden dürfen7.
und mitunter komplex: Die politisch forcierte Produk­
tion von Agrarkraftstoffen aus nachwachsenden Roh­-     Bei alledem wirkt der Klimawandel wie eine
stoffen wie Mais, Soja oder Zuckerrohr tritt mit dem    Art Katalysator und droht Hunger und Armut
Anbau von Nahrungsmitteln um die begrenzt zur Ver-­     weiter zu verschärfen.
fügung stehenden landwirtschaftlichen Flächen in
Konkurrenz6. Die Spekulation mit Grundnahrungs­           Er hat Auswirkungen auf alle Sektoren der Land­
mitteln an den Warenterminbörsen verstärkt unbe­        wirtschaft. Die Folgen variieren jedoch sehr stark
rechenbare Preisschwankungen und überhöht Preis­-       von Region zu Region und von Kontext zu Kontext.
steigerungen – Menschen in armen Regionen, die oft
schon bis zu 75 Prozent ihres Einkommens für Nah­
rung ausgeben, können sich ihr Essen schlichtweg
nicht mehr leisten. Kleinbauern und Kleinbäuerinnen




3                                                       Wie Menschen in Nicaragua die Landwirtschaft klimafest machen
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Klimawandel gefährdet
Ernährungssicherheit



       Die Ernteerträge von wichtigen Grundnahrungs­
    mitteln wie Reis, Weizen, Mais und Soja werden
    nach den Prognosen zahlreicher Studien als Folge
    des Klimawandels zurückgehen8. Besonders der
    afrikanische Kontinent sowie Teile Lateinamerikas       Weltweit müssen 1,2 Milliarden Menschen
    und Asiens werden von den negativen Auswirkungen        mit weniger als 1,25 US-Dollar am Tag
    betroffen sein. Für Afrika wird bis zum Jahr 2050 ein
                                                            ­auskommen. Sie leben in extremer Armut
    Rückgang der Ernteerträge um zehn bis 20 Prozent
                                                             und können daher selbst geringe oder
    prognostiziert9. Wenn die Ernteerträge zurückgehen,
    sind Kleinbäuerinnen und Kleinbauern gezwungen           nur kurzfristige Anstiege der Nahrungs­
    mehr Nahrungsmittel zuzukaufen, weil ihre Produk­        mittelpreise kaum verkraften10.
    tion nicht mehr ausreicht, um ihre Familien zu ernäh­
    ren. Da gleichzeitig durch den Rückgang der Ernten         Etliche Beispiele11 der letzten Jahre zeigen, dass
    auch die Weltmarktpreise für Nahrungsmittel anstei­     Extremwetterereignisse in wichtigen Nahrungsmit­
    gen, können sich viele Menschen auch den Zukauf         tel produzierenden Ländern mit dazu beigetragen
    nicht mehr leisten.                                     haben die Grundnahrungsmittelpreise kurzfristig in
                                                            die Höhe zu treiben. Wegen des Klimawandels dürfte
                                                            der Anstieg der Weltmarktpreise wichtiger Grund­
                                                            nahrungsmittel zwischen 2010 und 2030 langfristig
                                                            um 50 bis 90 Prozent höher ausfallen als in einem
                                                            Szenario ohne Klimawandel12.



Ein Maisfeld während einer Dürre
in Honduras. Immer mehr Extrem­
wettereignisse verringern die
Ernten.




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Auswirkungen des Klimawandels
  auf die Weltmarktpreise wichtiger
  Nahrungsmittel bis 2030 (Prognose)




*
          Steigerung des Weltmarkt-
          Exportpreises (Angaben in %)
          Basis: Exportpreise 2010
                                                                                                                  Reis (roh)




                                           Andere
                                         Feldfrüchte                            Mais




                        Weizen
                                                                                                                Andere verarbeitete
                                                                                                                  Lebensmittel




                                                                                     Vieh
                                                                                                        Fleischprodukte

                   Reis                                                                       ohne Berücksichtigung des Klimawandels
                (geschält)
                                                                                          unter Berücksichtigung des Klimawandels




Quelle IDS und Oxfam (2011): Exploring Food Price Scenarios Towards 2030 with a Global Multi-Region Model.
  5
[ www.oxfam.org/en/grow/policy/exploring-food-price-scenarios-towards-2030-global-multi-region-model ]
                                                                             Wie Menschen in Nicaragua die Landwirtschaft klimafest machen
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Anteil verschiedener Sektoren am Ausstoß
klimaschädlicher Emissionen weltweit
(Angaben in %)



               Abfall und
               Abwasser                                                           Industrie




  Wohnhäuser und
  Gewerbeflächen
                                        Energieversorgung
                                                                                           Forstwirtschaft



                                                                             Quelle IPCC (2007): Energy, Emissions and Trends
                                                                             in Research and Development – Are We on Track?
                    Transport                                                [ www.ipcc.ch/publications_and_data/ar4/wg3/
                                                                             en/ch1s1-3.html ]
                                               Landwirtschaft


Landwirtschaft als
Treiber des Klimawandels
                                                               Landwirtschaftlich bedingte Emissionen entste­
                                                            hen zudem durch die Umwandlung von Landflä­chen
       Der Agrarsektor ist nicht nur vom Klimawandel        in landwirtschaftlich nutzbare Areale, insbeson­dere
    betroffen, sondern er trägt auch in großem Um­          bei der Rodung von Wäldern oder Trockenlegung
    fang zum Ausstoß klimaschädlicher Emissionen            von Mooren. Schätzungen gehen davon aus, dass
    bei. Rund ein Drittel der weltweiten Treibhausgas­      70 bis 90 Prozent der weltweiten Abholzungen auf
    emissionen gehen direkt bzw. indirekt auf die Land­     die Ausweitung von Agrarflächen zurückzuführen
    wirtschaft zurück. Sie entstehen durch Bodenbear­       sind15. Grund dafür sind Nutzungsänderungen der
    beitung, Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden,       industriellen Landwirtschaft zugunsten des Anbaus
    Ge­brauch von Maschinen, der Verbrennung von            von Energiepflanzen wie Palmöl oder Futtermitteln
    Ernte­rückständen oder infolge bestimmter Anbau­        wie Soja in Monokulturen, die für mehr als 50 Pro­
    methoden wie dem Nassreisanbau, bei dem erheb­          zent aller landwirtschaftlichen Emissionen verant­
    liche Mengen Methan freigesetzt werden13. Die in­-      wortlich sind16. Bis zum Jahr 2030 wird ein weiterer
    dustrielle Landwirtschaft ist dabei hauptverant­        Anstieg dieser Emissionen um bis zu 60 Prozent
    wortlich für die Emissionen in der Landwirtschaft.      prog­­nostiziert17.
    Sie nutzt heute im Durchschnitt zwei bis drei­
    mal mehr Düngemittel und anderthalbmal mehr                Die Landwirtschaft bietet auch viele Möglichkei­
    ­Pesti­zide für die Produktion von einem Kilogramm      ten, um zum Schutz des Klimas beizutragen. Ins­
     Reis als noch vor 40 Jahren. Die Herstellung von       besondere die kleinbäuerliche, nach ökologischen
     agra­rischen Inputs wie Düngemitteln und Pestizi­      Standards wirtschaftende Landwirtschaft erhöht
     den ist besonders energie- und damit treibhaus­        nicht nur langfristig die Erträge, weil sie die Boden­
     gasintensiv14.                                         fruchtbarkeit dauerhaft verbessert, sondern auf­
                                                            grund des höheren Humusaufbaus wird auch mehr
                                                            CO2 im Boden gespeichert.


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Menschen in ländlichen Regionen
des Globalen Südens besonders
betroffen



   Eine besondere Herausforderung ist der Klima­
 wandel für die rund 1,7 Milliarden Kleinbauern und
 Kleinbäuerinnen, Fischer/innen und Viehzüchter/in­
 nen. Sie haben oft keine ausreichenden materiellen
­Ressourcen, um sich an die unvermeidbaren Folgen
 des Klimawandels anzupassen und ihre Lebensgrund­
 lagen hängen direkt von der Landwirtschaft und         Frauen sind in besonderer Weise von
 Natur ab. Deshalb sind sie umso mehr auf funktionie­   den Folgen des Klimawandels betroffen:
 rende und verlässliche Ökosysteme angewiesen18.
                                                        Ihr Anteil an den in Armut lebenden
                                                        ­Menschen ist überproportional hoch.




Die Landwirtschaft hat nicht nur in
Nicaragua meistens ein weibliches
Gesicht.                                                   Zugleich sind sie in vielen Gesellschaften für die
                                                        Versorgung der Familien mit Essen, Trinkwasser und
                                                        Brennmaterialien zum Kochen und Heizen verant­
                                                        wortlich. Wegen vielfältiger sozialer, politischer und
                                                        ökonomischer Marginalisierung haben sie in vielen
                                                        Kontexten weniger Ressourcen zur Anpassung an den
                                                        Klimawandel als Männer19.




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Folgen des Klima-
wandels konkret




     Der Weltklimarat (IPCC) prognostiziert, dass die
  Häufigkeit und Intensität von extremen Wetterereig­
  nissen wie Stürme oder Dürren als Folge des Klima­
  wandels zunehmen werden20. In Teilen Asiens wird
  eine Intensivierung des Sommer-Monsuns erwartet,            direkt vom Regenfeldbau abhängig24. Heutzutage
  bei der die jährlichen Niederschlagsmengen um zehn          werden 80 Prozent der Ackerflächen im Regenfeldbau
  bis 20 Prozent ansteigen könnten. Dadurch steigt die        bewirtschaftet und 60 Prozent der weltweiten Nah­
  Gefahr, dass Überschwemmungen die Ernten von den            rungsmittelerträge erzeugt25.
  Feldern spülen und fruchtbarer Ackerboden durch
  Erosion verloren geht21. Und selbst, wenn eigentlich           Die trockenen und halbtrockenen Gebiete werden
  ausreichend Nahrungsmittel in einer Region zur Ver­         weltweit wegen steigender Temperaturen und sich
  fügung stehen, können Unwetter lebensnotwendige             verändernder Niederschlagsmuster weiter wachsen.
  Infrastruktur in einem solchen Maß zerstören, dass          Bereits heute leben zwei Milliarden Menschen in tro­
  Nahrungsmittel entweder gar nicht oder nur zu im­           ckenen Regionen, die durch den Klimawandel noch
  mens hohen Preisen auf die lokalen Märkte kommen.           trockener werden. Rund 25 Prozent der Nahrungsmittel­
  Ein Beispiel bietet Kolumbien: Während den Über­flu­        produktion findet in Gebieten statt, die von Wasser­
  tungen im Jahr 2011 stiegen die Preise für Bohnen in        knappheit betroffen sind26. Alleine in Afrika könnten
   manchen Regionen zeitweise um bis zu 50 Pro­zent           bis 2020 bis zu 250 Millionen Menschen zusätzlich
  an, da die Transportwege aufgrund von Erdrutschen           einen schlechteren Zugang zu Wasser bekommen.
  nur schwer passierbar waren22.                              Gerade nomadisch lebende Gemeinschaften werden
                                                              noch größere Distanzen zurücklegen müssen, um
      Eine erhöhte Niederschlagsvariabilität ist eine wei­-   aus­reichend Wasser und Futter für ihre Viehherden
  ­­
  tere  Folge des Klimawandels. Das heißt, sowohl die         zu finden27.
  Niederschlagsmenge als auch die räumliche und zeit­-
  liche Verteilung des Regens werden zunehmend                  Steigt der Meeresspiegel, dann droht er frucht­
  stark schwanken. Kommt beim Regenfeldbau23 der              bare Regionen an den Küsten, in den Flussdeltas und
  ­Regen ein paar Wochen zu früh oder zu spät, kann das       ganze Inseln zu überfluten oder zur Versalzung des
   verheerende Folgen für die Ernten haben. Auf dem           Bodens und des Grundwassers beizutragen. Bis zum
   afrikanischen Kontinent sind 650 Millionen Menschen        Ende des 21. Jahrhunderts wird der Meeresspiegel
                                                              voraussichtlich um 26 bis 55 cm ansteigen28. Riesige
                                                              Küstengebiete werden nicht mehr für die Produktion
                                                              von Nahrungsmitteln nutzbar sein. Die dort leben­den
                                                              Menschen werden sich einen neuen Ort zum Leben
                                                              suchen müssen.




  8                                                           Wenn die Ernte Ausbleibt
Wenn die Ernte ausbleibt - INKOTA-netzwerk eV
Klimawandel in
Nicaragua



Obwohl Zentralamerika für weniger
als ein Prozent der globalen Treibhaus-­
gas­emissionen verantwortlich ist, ist
die Region besonders von den Folgen
des Klimawandels betroffen29.

   In Nicaragua zum Beispiel betragen die jähr­­li­chen
Pro-Kopf-Emissionen 2,9 Tonnen30 und sind ver­gli­
chen mit den Emissionen in Deutschland (11,3 t/Kopf),        Gleichzeitig hat Nicaragua nur begrenzte Ressour­
Italien (8,4 t/Kopf) oder Polen (9,7 t/Kopf) gering31.    cen, um seine Bevölkerung bei der Anpassung an
Trotzdem listet der Globale-Klima-Risiko-Index Ni­        den Klimawandel zu unterstützen. Das Land belegt
caragua auf Platz vier der weltweit am meisten von        im Human Development Index Platz 129 von insge­
Wetterextremen betroffenen Länder32. Im November          samt 186 gelisteten Ländern33. Nicaragua gilt als das
2005 hat zum Beispiel Hurrikan Beta auf 250 Hektar        ärmste spanischsprachige Land auf der Welt und
Land die Ernten und 240 km2 Waldfläche zerstört.          als das zweitärmste Land Lateinamerikas. 25 Prozent
Zwischen 1971 und 2010 stieg die Durchschnitts­           der kleinbäuerlichen Haushalte in den ländlichen
temperatur in Nicaragua um 1,1°C und die jährlichen       Gebieten des Landes gelten als extrem arm und sind
Temperaturschwankungen wurden immer größer                chronisch unterernährt oder zumindest temporär
und unberechenbarer.                                      von Ernährungsunsicherheit betroffen. ­Landwirtschaft
                                                          wird fast ausschließlich im Regenfeldbau betrieben,
                                                          was den Agrarsektor extrem anfällig für klimatische
                                                          Veränderungen macht34.




                                                                                     Der Klimawandel ist Realität.
                                                                                     Kleinbauernverbände und
                                                                                     andere zivilgesellschaftliche
                                                                                     ­Gruppen gehen in El Salvador
                                                                                      für Klima­gerechtigkeit auf
                                                                                      die Straße.




9                                                         Wie Menschen in Nicaragua die Landwirtschaft klimafest machen
Wenn die Ernte ausbleibt - INKOTA-netzwerk eV
langfristig sogar den Klimawandel weiter verschär­
                                                           fen, weil sie sehr treibhausgasintensiv sind. Auch das
                                                           Regierungsprogramm „Null Hunger“ (Hambre Cero)
                                                           versucht zwar die Bedürfnisse von Kleinbäuerinnen
   Fragt man nicaraguanische Kleinbäuerinnen und           und Kleinbauern zu berücksichtigen, indem ihnen kos-
-bauern nach konkreten Veränderungen des Klimas,           ­­tenlos Saatgut oder Tiere wie Hühner oder Kühe zur
beschreiben sie dies oft so: „Es hat sich alles verän-     Verfügung gestellt werden38. Es hat aber mehr den
dert. Man kann sich auf Regen- und Trockenzeiten nicht     Charakter einer „einmaligen Gabe“, statt eines nach-
mehr verlassen. Sie kommen und gehen zu ganz unter­        ­haltigen, zukunftsfähigen Ansatzes. Insgesamt lässt
schied­lichen Zeiten. Man weiß gar nicht mehr, wann         sich in den in Nicaragua bisher angewendeten Program-
und wie man sich auf die Aussaat vorbereiten soll. Heute    ­­men keine nachhaltige Strategie zugunsten einer klein­
ist manch­mal nur noch eine Ernte im Jahr möglich           bäuerlichen und an den Klimawandel angepass­ten
anstatt zwei wie früher.“ (Florentin López Martínez,        Landwirtschaft erkennen.
Kleinbauer im Landkreis San Dionisio, Nicaragua)
                                                              Somit bleibt als Fazit, dass es an einer substan­
Zwar werden in Nicaragua internationale                    ziellen Unterstützung ausgerechnet für diejenigen
wie nationale Programme zur Anpassung                      fehlt, die von den Folgen des Klimawandels am stärk­
an den Klimawandel durchgeführt, die                       sten betroffen sind und die unter prekären Bedin­
arme Landbevölkerung steht dabei aber                      gungen Nahrungsmittel anbauen und einem großen
                                                           Hungerrisiko ausgesetzt sind.
wenig bis gar nicht im Mittelpunkt.
                                                           Doch gibt es eine Reihe von nicaraguanischen
   Die „Globale Umweltfazilität“ (GEF) finanziert bei­
                                                           Nichtregierungsorganisationen (NRO), die in
spielsweise ein Programm35, das von der nicaragua­
nischen Umweltbehörde (MARENA) mit Pilotprojekten          ihren Programmen die Bedürfnisse von Klein­-
umgesetzt wird. Allerdings ist es strategisch mehr auf     ­bauern und Kleinbäuerinnen ins Zentrum ihrer
Exportförderung (zum Beispiel Kaffee, Rindfleisch,          Projekte stellen und sie sowohl bei einer nach­
Zucker oder Bananen) ausgerichtet und nicht auf die         haltigen Existenzsicherung als auch bei der An­-
Reduzierung von Armut und das Erreichen sozial-             passung an die unvermeidbaren Folgen des
ökologischer Gerechtigkeit36. Auf nationaler Ebene
                                                            Klimawandels unterstützen.
setzt Nicaragua einen Strategieplan zu Umwelt und
Klimawandel um37. Der Plan beschreibt zwar präzise
die Bedrohungen und die Vulnerabilität des Landes
gegenüber den Folgen des Klimawandels. Daraus ab­
geleitete Ansätze setzen aber auf großagrarindustri­
elle Lösungen, die kurzfristig wirtschaftlich sind, aber




10                                                         Wenn die Ernte Ausbleibt
1 San Dionisio – Klimaanpassung
im Kleinen

                          Projektgebiete von ODESAR und
                          Xochilt Acalt in Nicaragua


                                                                                                                                                 Bilwi
                                                                                                                         ATLÁNTICO NORTE
                                                                       Jalapa

                                                           Ocotal NUEVA SEGOVIA

                                                                                                            Malpaisillo-Larreynaga
                                                           MADRIZ
                                                                                                                  und Telica
                                                                                                               [XOCHILT ACALT]

                                                              Estelí      Jinotega


                                                                                   Matagalpa                                              San Dionisio
                                                                                                                                           [ODESAR]
                                       Chinandega
                                                                                                                        ATLÁNTICO SUR
                                            Chichigalpa
                                                                                           BOACO
                                                    León

                                                                           Tipitapa
                                                                                               Juigalpa
                                                             Managua Masaya                         CHONTALES
                                                                                                                                  Bluefields
                            km                              Diriamba       Granada
                                                                   Jinotepe
                            0         40       80              CARAZO                                              Nueva Guinea



                                                                                Rivas


                                                                                                                  RÍO SAN JUAN




                                Quelle Kartenmaterial basiert auf d-maps.com [ d-maps.com/pays.php?num_pay=148&lang=de ]




   Wie es anders geht, zeigt das Beispiel der NRO
ODESAR (Verein für integrale städtische und länd-
liche Entwicklung39) im Landkreis San Dionisio im                           Die meisten Bäuerinnen und Bauern in der Region
Departement Matagalpa im Norden Nicaraguas.                              bauen Grundnahrungsmittel wie Mais und Bohnen,
                                                                         einige auch Kaffee an. In kleinerem Umfang findet
   Der Landkreis hat eine Ausdehnung von 152 km²                         Viehwirtschaft und Gemüseanbau statt. Die Produkte
und umfasst 18 Gemeinden. Das Klima der Region                           werden in den ländlichen Gemeinden oder auch auf
ist subtropisch. Im Landkreis San Dionisio wohnen                        den nahegelegenen Märkten der Städte San ­Dionisio
3.332 Familien (circa. 20.000 Menschen), die als Klein­                  und Matagalpa angeboten. Zur Sicherung oder Stei­
bäuerinnen und -bauern hauptsächlich von der Land­                       ge­r­ung ihres Familieneinkommens gehen immer mehr
wirtschaft leben. Auch wenn der ­überwiegende Teil                       kleinbäuerliche Betriebe dazu über, weitere Felder in
der Familien über eigenes Land verfügt, so handelt                       extremen Hanglagen anzulegen, was zur zunehmenden
es sich in der Regel um sehr kleine Parzellen. Rund
80 Prozent der Bäuerinnen und Bauern bewirtschaf­
ten eine maximale Fläche von bis zu 3,5 Hektar.



11                                                                       Wie Menschen in Nicaragua die Landwirtschaft klimafest machen
Wetterextreme und Schäden in San Dionisio,
Nicaragua zwischen 1998 und 2011                                                                                      2011

                                                                                                                               g
                                                                                                                       wemmun
                                                                                                               Überschs Cálico
                                                                                                                  Flus

                                                                                                             1 Tag
                                                                                                                    einden
                                                                      2011                                   2 Gem            ng
                                                                                                                    e Zerstöru
                                                                                                             Völlig äusern
                                                                                                               von 15 H
                                                                    Starkregen                                       0.000
                                                                                                              US$ 3
                                                           2 Tage
                                                           2 Gemeinden
                  2010                                     Schäden an Häusern
                                                            von 45 Familien
                        mung                               US$ 20.000
           Überschwem ejo
             Fluss Rio Vi

       3 Monate                                                                              2010
                    e
       2 Kreisstädt
                   hu ng der Ver­
       Unterbrec          wegen Brü­-
         bindungsstraße                                                                      El Niño*
                           zw ischen
         ckenzerstörung         quipulas
                     io un d Es                                                    22 Tage
          San Dionis                                      2010
                    000                                                            alle 18 Gemeinden
        US$ 2.000.
                                                                                   Verlust von 3.600 t ­Bohne
                                                       Starkregen                                              n
                                                                                   US$ 2.000.000
                                                  1 Monat                                                                         2009
                                                  5 Gemeinden
                                                  Zerstörung von Straßen                                          * Dürreper
                                                                                                                                El Niño*
                                                                                                                             iode – Wa
                                                  US$ 1.000.000                                                        aus dem        ssernotver
                                                                                                                                                 sorgung
                                                                                                                                 Nachbarl
                                                                                                                                           andkreis
                                                                                                                  5 Monate
                                                                                      2008                       alle 18 Ge
                                                                                                                             meinden
                                                                                                                 Austrock
Quelle Angaben der Stadtverwaltung San Dionisio.                                                                           nen von F
                                                                                                                 Wasserqu            lüss
                                                                             Überschwemmung                                ellen, Bru en,
                                                                                Fluss Cálico                    nicht                nnen
                                                                                                                       kalkulierb
                                                                                                                                 ar
                                                                         1 Tag
                                                                         1 Gemeinde
                                                                         Ernteverluste,
                                                                          Schäden an Häusern
                                    1998                                 US$ 20.000

                           Wirbelsturm M
                                         itch
                     3 Tage
                    15 Gemeind
                                   en
                    Zerstörte In
                                  frastruktur                                    Entwaldung und Erosion der Böden in der Region
                      (Häuser, Straße
                                      n, ­Brücken),                              bei­trägt. Das ökologische Gleichgewicht ist hierdurch
                     vernichtete Er
                                    nte,
                     getötetes Vieh                                              nachhaltig gestört. Da die Böden schnell ausgelaugt
                    US$ 500.00                                                  sind, müssen schon nach kürzester Zeit neue Flächen
                                0
                                                                                 erschlossen werden. Obwohl die Region eigentlich
                                                                                 über viele Wasserquellen verfügt, haben sich unter
                                                                                 anderem als Folge des Klimawandels die Wassermen­
                                                                                 gen der Quellen und Bäche in den letzten Jahren dra­-
                                                                                 matisch verringert.



         12                                                                      Wenn die Ernte Ausbleibt
Im Landkreis San Dionisio kam es in den letzten
  Jah­ren zu einer Anhäufung von Wetterextremen und
  Naturkatastrophen, die in ihrem Ausmaß die Schä-­
  den des bis dahin größten Wirbelsturms Mitch von
  1998 noch übertrafen. Außerdem sind in dem Land­
  kreis laut einer regionalen Studie die Erträge für Grund-     Darüber hinaus bringen Brandrodungen, das Ab­-
­nahrungsmittel wie Mais und Bohnen vor allem auf­­           holzen der Wälder für Baumaterialien und das Sam­
  grund der negativen Auswirkungen des ­Klimawandels          meln von Brennholz zum Kochen die natürlichen
 in den letzten 30 Jahren um mehr als die Hälfte ge­­-        Ökosysteme immer weiter aus dem Gleichgewicht.
 ­sunken und werden in den nächsten Jahren wohl wei­
  ter zu­rückgehen40. Konkret bedeutet das für klein­            In der Region San Dionisio arbeitet die ­Organisation
  bäuerliche Familien in San Dionisio beispielsweise,         ODESAR mit kleinbäuerlichen Familien zusammen und
  dass sie auf ihren kleinen Anbauflächen statt durch­        unterstützt die Bauern und Bäuerinnen dabei, sich
  schnittlich 2.480 kg Mais in den Jahren 2000 bis 2002       an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Gleich­
  zehn Jahre später nur noch 1.420 kg ernteten.               zeitig schulen die lokalen Mitarbeiter/innen von
                                                              ­ODESAR die bäuerlichen Familien dabei zukunfts­
                                                              fähige und nachhaltige Agrarpraktiken anzuwenden,
                                                              die die Ökosysteme schonen und zugleich die eigene
                                                              Ernährung sichern. Im Einzelnen nutzt ODESAR fol­
                                                              gende Instrumente und Strategien:




                                         Bauern und Bäuerinnen in Nicara­gua
                                         legen Terrassen an. Sie schützen
                                         vor Erosion, zum Beispiel nach Stark­
                                         niederschlägen.




13                                                            Wie Menschen in Nicaragua die Landwirtschaft klimafest machen
Aufforstungen an Hanglagen in
Nicaragua. Das spärliche Regen­
wasser kann besser einsickern
und fließt nicht ungebremst ins
Tal ab.




      ĴĴDiversifizierung der kleinbäuerlichen
      familienbasierten Produktion
                                                                ĴĴMaßnahmen des Bodenschutzes
          Statt nur Mais und Bohnen bauen die Kleinbäu­
                                                                und der Katastrophenprävention
      erinnen und Kleinbauern inzwischen bis zu zwanzig
      verschiedene Obst- und Gemüsesorten auf ihren               Bodenerosion wird beispielsweise durch das Anle­
      ­Parzellen an. Eine erhöhte Diversifizierung ­reduziert   gen von Antierosionsgräben, Dämmen und Hecken
      die Anfälligkeit der jeweiligen Agrarsysteme für ex­      an den Berghängen vorgebeugt. Diese ­Installierungen
      treme Bedingungen. Denn Anbausysteme, die auch            werden sowohl kollektiv und großflächig auf Gemeinde­­
      dann noch auskömmliche Erträge liefern, wenn ein­-        land vorgenommen als auch individuell auf kleinen
        zelne Pflanzen in einer Saison versagen, sind Mono­     Parzellen in angepassten Formen wie Terrassenanbau,
        kulturen überlegen. Hinzu kommt die Haltung von         erhöhtes Anlegen von Beeten oder geschützter Anbau
        Hühnern und Kühen. Dabei wird schrittweise von          durch Steineinfassungen. So kann verhindert werden,
        einer konventionellen auf eine biologische Anbau­       dass selbst nach Starkniederschlägen der fruchtbare
        weise umgestellt, bei der organischer Dünger und        Boden komplett weggespült wird.
       ­organische Pflanzenschutzmittel aus eigener Pro­
        duktion verwendet werden.
                                                                ĴĴWiederaufforstung
                                                                   Mit Wiederaufforstung soll das knappe Gut ­Wasser
                                                                wiedergewonnen und erhalten werden. Deshalb wird
                                                                sowohl großflächig an Flüssen, als auch ge­zielt an grö-­
                                                                ßeren oder kleineren Quellen und Brunnen auf­gefors­
                                                                tet. In den Parzellen wird Aufforstung auch unter dem
                                                                Gesichtspunkt der Ernährungssicherheit vorgenom­
                                                                men, indem dort Obstbäume angepflanzt werden. Ge-­
                                                                zielt werden auch Flächen mit schnell wachsenden
                                                                Bäumen für das dringend benötigte Brennholz ange­
                                                                pflanzt.




      14                                                        Wenn die Ernte Ausbleibt
ĴĴWeitergabe der Erkenntnisse
                                                          und positiven Erfahrungen
                                                             ODESAR arbeitet mit einem Netzwerk von ausge­
                                                          bildeten Promotor/innen für nachhaltige Produktion
ĴĴAn den Klimawandel angepasste
                                                          und Umweltschutz zusammen. Diese geben in ihren
­Anbauweisen und Technologien
                                                          Gemeinden ihr Wissen und ihre praktischen Erfahrun­
   Ein Schwerpunkt dabei ist die Gewinnung von            gen weiter. Inzwischen ist auch ein Ausbildungszen­
Was­ser für die ausreichende Bewässerung der Agrar­       trum entstanden, in dem vor allem Jugendliche zu
flächen während den Trockenzeiten. Dabei wird auf         staatlich anerkannten Agrartechniker/innen ausge­
einfache und angepasste Formen wie beispielsweise         bildet werden. „Das ist unser Zentrum. Wir haben alle
die Speicherung und Nutzung von Regenwasser oder          beim Bau mitgeholfen und nun hilft es vor allem un­
die Bewässerung durch Tröpfchenbewässerungs­              seren Kindern: Sie erhalten unentgeltliche Ausbildun-
systeme41 gesetzt. Der landwirtschaftliche Anbau er­      gen und haben schon jetzt mehr landwirtschaftliche
folgt stark diversifiziert und auf kleinen Flächen. Das   Kenntnisse und praktische Erfahrungen als wir Alten
hat zudem den Vorteil, dass wenig Boden und Wasser        je hatten.“ (Kleinbäuerin Luz Idalia aus El Corozo,
benötigt werden. Entsprechende Formen sind bei­           Landkreis San Dioniso, Nicaragua)
spielsweise der Anbau in aufgeschnittenen Autoreifen
oder das Anlegen von Permakulturen.


ĴĴAnlegen von Saatgutbänken
   Ein wesentlicher Schwerpunkt ist die Gewinnung
von einheimischem Saatgut. Dieses ist an die Bedin­
gungen des unmittelbaren Umfelds angepasst und so-­
mit widerstandsfähiger als Hochertragssorten. Um
Saatgut in ausreichendem Maß zur Verfügung zu ha­-
ben, werden Saatgutbänke angelegt, in denen das
Saatgut regelmäßig reproduziert wird. Damit machen
sich die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern unabhän­
gig von dem oft teuren Hybridsaatgut der Saatgut­
händler und erst recht von genverändertem Saatgut,
dessen Reproduktion für die eigene Aussaat nicht
möglich ist.




                                      Bäuerinnen und Bauern in
                                      Nicaragua nutzen Tröpfchen­
                                      bewässerung, um ihre Pflan­
                                      zen mit Wasser zu gießen.




15                                                        Wie Menschen in Nicaragua die Landwirtschaft klimafest machen
Kleinbauer Mercedes Menchu aus
Susulí im Landkreis San Dionisio,
Nicaragua berichtet über die Arbeit
von ODESAR.




                                                                Beim Anblick seiner Parzelle glaubt man ihm das
         Mercedes Menchu steht vor seinem Haus und            sofort. Dort, wo auch er vor einigen Jahren nur Mais
       zeigt mit ausgestreckter Hand über die Berge im        und Bohnen angebaut hat, wachsen jetzt unter ande­
       Umland des Dorfes Susulí: „Hier ist mein Zuhause.“     rem Kochbananen, Yuca, Tomaten, Kaffee, Orangen
       So­weit das Auge reicht sind die Hügel mit kleinen     und Mangos.
       Maisfeldern bedeckt. Die Hänge sind so steil, dass
       es unmöglich erscheint, dort etwas anzubauen.              Inzwischen gehört Mercedes Menchu schon längst
       An immer weniger Stellen ist Wald zu sehen.            zum „festen Stamm“ von ODESAR. Er hat ­jah­relang
                                                              als Promotor gearbeitet und betreute Kleinbäuerin­
          „Noch vor 30 Jahren waren fast alle Hänge durch-    nen und -bauern in den umliegenden Gemeinden
      gehend bewaldet“, erzählt er. Dann hielt Brand­         beim Anbau ihrer Parzellen. „Jetzt, da es hier viele
      rodung im großen Stil Einzug. Die gerodeten Hänge       gut ausgebildete Bäuerinnen und Bauern und vor
      werden durch die andauernde Bestellung mit Mais         al­lem das neue Ausbildungszentrum gibt, ist meine
      und Bohnen schnell ausgelaugt. Ebenso bedenklich        Ar­beit als Promotor nicht mehr nötig. Ich arbeite des-
      ist für Mercedes Menchu, dass durch die Brand­          halb heute zusammen mit vielen anderen im Umwelt-
      rodung der Grundwasserspiegel sinkt. „Viele Quel­­­-    komitee des Landkreises.“
      l­­en und Brunnen in der Gegend sind versiegt, weil
      das Regenwasser nicht mehr langsam an den Hängen          Zu guter Letzt zeigt er auf die „Barreras Muertas“
      versickern kann, sondern schnell ins Tal abfließt“,     und „Barreras Vivas“ an den Berghängen; Wälle aus
      berichtet er.                                           Steinen oder dichten Hecken, die den ­Wasserabfluss
                                                              bremsen und das Abschwemmen des Bodens ver­hin­
         „Das war auch der Grund, warum ich sofort zu­        dern. „Alles Werke, die wir gemeinsam mit ­ODESAR
       sagte, als ODESAR vor Jahren hier mit der Arbeit be-   an­gelegt haben“, lächelt Mercedes Menchu.
       gann und Seminare zu Grundwasserschutz, Wieder-
       aufforstung und ökologischer Landwirtschaft anbot.
       Mit ODESAR hat sich für mich und für viele aus den
       umliegenden Gemeinden das Leben völlig verändert“,
       fährt er fort.


      16                                                      Wenn die Ernte Ausbleibt
2 Malpaisillo-Larrynaga und Telica –
Kampf um Ernährungssicherheit
in einer Trockenzone mit aus­-
gelaugten Böden

                                                                      Einkommensmöglichkeiten er­
                                                                      weitern. Frauen erlernen mit
                                                                      Unterstützung von Xochilt Acalt
                                                                      die Ziegenzucht in Nicaragua.




                                                       eine Hirseart. Zusätzlich halten viele der Kleinbäu­
                                                       erinnen und -bauern einige Tiere, vor allem Ge­flü­
                                                       gel und ein bis zwei Schweine, selten auch wenige
   Die Landkreise Malpaisillo-Larrynaga und Telica     Rinder.
liegen im Departement León und sind die Gebiete,
in denen das Frauenzentrum Xochilt Acalt42 arbeitet.   Die Verbesserung der familiären Ernährungs­
Sie befinden sich in der Trockenzone (Zona Seca) im    lage ist ein wichtiges Ziel der zahlreichen
 Nordwesten Nicaraguas in der Nähe des Pazifiks.       Aktivi­täten von Xochilt Acalt.
Die Region unterliegt wiederkehrenden klimatischen
Schwankungen, die regelmäßig zu Trockenperioden           Die NRO ist in 50 Gemeinden der beiden ­Landkreise
führen. Dies gefährdet in starkem Maß die Ernten und   tätig, in denen etwa 45.000 Menschen leben. Im Be­
führt immer wieder zu hohen (finanziellen) Einbußen.   reich der Ernährungssicherheit arbeitet Xochilt Acalt
Andererseits sind in der Regenzeit auch Überschwem­-   mit etwa 1.500 Frauen zusammen, vor allem in den
mungen möglich, insbesondere verursacht durch          Bereichen Gemüse- und Obstanbau sowie Tierhaltung
Hurrikane.                                             (vor allem Ziegen und Schafe, aber auch Rinder und
                                                       Hühner).
   Die ländlichen Gemeinden der beiden Landkreise
sind von Armut geprägt. Viele Kinder sind unterer­
nährt. Die Hauptanbauprodukte der Kleinbäuerinnen
und Kleinbauern sind Mais, Bohnen und Sorghum,




17                                                     Wie Menschen in Nicaragua die Landwirtschaft klimafest machen
Mertxe Brosa, Mitglied im Vorstand
 des Frauenzentrums Xochilt Acalt
in Malpaisillo, Nicaragua berichtet
     über die Arbeit des Zentrums




    „Der Anfang war schwer. Vor allem die Männer
 haben uns ausgelacht, als wir in den 1990er Jahren
 mit unserer Arbeit begannen. Damals, standen wir
 vor einem sozial-ökologischen Desaster. Die Region           „Wichtig war uns dabei, dass das Land, auf dem
 hatte es doppelt getroffen: Zuerst brach der Baum-       das alles passieren sollte, Eigentum der Frauen ist.
 wollanbau weg und dann setzte der Hurrikan Mitch         Deswegen haben wir ganz am Anfang Landtitel an
 Ende 1998 große Teile des Landes meterhoch unter         die Frauen vergeben. Denn es macht keinen Sinn,
 Wasser und verursachte enorme Zerstörungen. Die          ­Infrastruktur für die Wasserversorgung auf unsicher­
 Frauen, mit denen wir zusammenarbeiten, waren             em Grund und Boden zu installieren. Dann haben wir
 vorher fast durchgängig als Tagelöhnerinnen in der        versucht, mit Humus und organischem Dünger die
 Baumwollproduktion tätig. Von einem Tag auf den           Böden zu verbessern, die manchmal nur aus Steinen
 anderen brach ihre einzige Einkommensmöglichkeit          und Staub bestanden. Als die Männer uns dabei sa-
 weg und sie mussten sich auf ein völlig neues Leben       hen, haben sie sich fast totgelacht. Aber wir schafften
 einrichten und Alternativen zur Ernährung ihrer Fami-     es. Schritt für Schritt haben wir in den Parzellen das
 lien finden. Unter den schlechten Umweltbedingun-         Mikroklima verbessert: Mit aufgeforsteten Bäumen,
 gen konnten wir gar nicht anders: Wir mussten von An­-    die Schatten spenden, darunter auch Obstbäume für
 fang an Ernährungssicherheit mit Anpassung an den         die Ernährung, Büschen mit Früchten und kleinen
 Klimawandel verknüpfen. Unsere Ackerflächen waren         Gemüsebeeten. Wir legten von Anfang an viel Wert
 gebeutelt vom jahrelangen Anbau von Baumwolle in          auf kleinteilige, diversifizierte und angepasste For­
 Monokulturen. Der landwirtschaftliche Anbau wurde         men der Produktion, die vor vollständigen Erntever­
 ständig durch Naturkatastrophen bedroht.“                 lusten schützen und nicht so anfällig sind wie eine
                                                           Monokultur auf großer und freier Anbaufläche. Nach
   Im Mittelpunkt der Arbeit der Frauen von Xochilt        den Obst- und Gemüsegärten haben wir die Tierhal­
 Acalt standen zunächst zwei Dinge: Zugang zu Was­         tung aufgebaut. Vor allem haben wir auf die Ziegen­
 ser als überlebenswichtiges Gut in der Trockenzone        haltung gesetzt.“ Heute wird das Ziegenfleisch un-­
 und die Verbesserung der durch den Anbau der Baum­­       ter anderem von einer Kooperative, die die Frauen
 wolle in Mono­kulturen ausgelaugten Böden.                gegründet haben, vermarktet. Mit ihrem Gemüse,
                                                           Obst und den Ziegen haben die Frauen es inzwi­
                                                           schen nicht nur geschafft, die Ernährung ihrer Fa­-
                                                           mi­lien zu sichern, sondern auch durchgängig das
                                                           ganze Jahr über Einkünfte zu haben.


 18                                                       Wenn die Ernte Ausbleibt
Klima wirksam schützen,
­Anpassung ermöglichen


Der wirksamste Schutz gegen den Klima­
wandel ist seine größtmögliche Vermeidung.

   Um das zu erreichen, müssen die globalen Treib­
hausgasemissionen so schnell wie möglich ­drastisch
reduziert werden – um mindestens 85 Prozent bis       dieses Ziel von vornherein sehr niedrig angesetzt.
2050 gegenüber den Emissionen aus dem Jahr 199043.    Dabei müss­te die EU bis zum Jahr 2030 die eigenen
Hier muss die EU die eigenen Anstrengungen erheb­     E­missionen um mindestens 55 Prozent reduzieren,
lich erhöhen. Sie hat ihr geltendes Klimaschutzziel   damit die wichtige Zwei-Grad-Grenze nicht über­
einer 20 Prozent Treibhausgasreduktion bis zum        schritten wird44. Dies kann langfristig nur durch eine
Jahr 2020 zwar schon heute erreicht – jedoch war      umfassende Transformation zu einem Wirtschafts­
                                                      system, das nicht auf Übernutzung von fossilen Res­-
                                                      sourcen und hohen Emissionen beruht, erreicht wer­
                                                      den. An­gesichts der planetarischen Grenzen bedeutet
                                                      dies auch den Abschied von der Illusion des ewigen
Kleinbäuerin Pastora Flores baut                      Wirtschaftswachstums.
nun auch Tomaten an. Die Diversi­
fizierung des Anbaus ist ein wirk­
samer Schutz gegen die Folgen des
Klimawandels.




19                                                    Wie Menschen in Nicaragua die Landwirtschaft klimafest machen
kann eine adäquate Entwicklungsstrategie definiert
                                                           werden, in der die Betroffenen immer stärker zu ak­
                                                           tiven Akteur/innen eines selbstbestimmten Entwick­
                                                           lungsprozesses werden. ODESAR und Xochilt Acalt
Ebenso wichtig ist es die betroffenen                      sind sich bewusst, dass auch nur so nachhaltige und
Menschen im Globalen Süden zu unter­                       effektive Formen der Anpassung an den Klimawan­
                                                           del realisiert werden können. Beide Organisationen
stützen, sich an die unvermeidbaren
                                                           teilen aktiv ihre Erfahrungen mit anderen Organisati­
Folgen der globalen Erderwärmung an­
                                                           onen und verbreiten sie in Nicaragua. ODESAR reali­
zupassen.                                                  siert dies vor allem durch ein eigenes Ausbildungs­-
                                                           zentrum, in dem unter anderem Personal und Projekt­-
   Dies gilt umso mehr, da die Landbevölkerung in          beteiligte anderer Organisationen weitergebildet
den Ländern des Südens einen fast unbedeuten­­-            werden.
den Anteil an den globalen Treibhausgasemissionen
hat und demzufolge nicht in relevantem Maße Emis­          Zur langfristigen Verwirklichung des
sionen reduzieren kann. Daher sind in erster Linie         Menschenrechts auf Nahrung gilt es vor
die reichen Industrieländer als die Hauptverursacher
                                                           allem den Agrarsektor gegen die viel­-
des Klimawandels in der Pflicht die Länder des Sü­
dens auch finanziell dabei zu unterstützen.
                                                           fältigen negativen Folgen des Klima­-
                                                           wandels zu wappnen.
   Die Arbeit von ODESAR und Xochilt Acalt in Nica­­
ragua steht beispielhaft für Ansätze zukunftsfäh­­iger       Um das zu erreichen muss eine grundlegende Neu­
Landwirtschaft und Ernährung, die zugleich an lo­­­kale    ausrichtung des gesamten Agrarsystems umgesetzt
Kontexte angepasst sind, die Bedürfnisse der be­trof­      werden. Beide Organisationen zeigen mit ihrer Arbeit
fenen Bevölkerung berücksichtigen und sie aktiv in die     zudem Ansätze auf, in welche Richtung diese Verän­
Planung, Entwicklung und Umsetzung der Vorhaben            derungen zielen müssen.
einbeziehen. Beide Organisationen begannen ihre Ar-­
beit in den Projektregionen deshalb mit der Durch­
führung partizipativer Studien. Das war wichtig, um ei­-
nerseits Probleme und Hindernisse zu be­stimmen,
und andererseits die Bedürfnisse und Fähig­keiten der
lokalen Bevölkerung zu identifizieren. Auf diese Weise




20                                                         Wenn die Ernte Ausbleibt
Kleinbäuerliche Landwirt-
schaft ist der Schlüssel
                                                                                            Zwei Frauen verkaufen ihre Pro­
                                                                                          dukte auf einem Markt in Montero,
                                                                                            Bolivien. Der Zugang zu lokalen
                                                                                            Märkten ist für Kleinbauern und
                                                                                                        -bäuerinnen wichtig.




   Das größte Potenzial, dies zu erreichen hat die klein­
bäuerliche, familienbasierte Landwirtschaft. Sie ist
in sozialer, ökonomischer und ökologischer Hinsicht,
das nachhaltigste Modell, um im Rahmen der plane­           dabei unterstützt werden, Zugang zu diesen produk­
tarischen Grenzen genügend Nahrung zu erzeugen und          tiven Ressourcen zu erhalten und so die ausreichen­­-
gleichzeitig Armut in ländlichen Räumen zu bekämp­          de Versorgung einer wachsenden Bevölkerung unter
fen45. Gerade kleinbäuerliche Produktionssysteme            den Bedingungen des Klimawandels im Globalen
sind emissionsarm, aber relativ arbeitsintensiv und         Süden zu sichern. Gerade Frauen sollten verstärkt ge­-
ermöglichen daher vielen Menschen in ländlichen             ­fördert werden, weil sich dadurch die Ernährungs­
Räumen Einkommens- und Beschäftigungsmöglich­               situation der ganzen Familie verbessert.
keiten.
                                                                Hierbei kommt es auch auf die Regierungen welt­-
  Jedoch haben viele Kleinbäuerinnen und -bauern            weit an. Sie müssen sich wieder stärker darauf konzen­-
keinen adäquaten Zugang zu Wasser, Land, Beratung,          ­trieren, mithilfe von öffentlichen Geldern die klein­-
lokalen Märkten, Krediten usw. Sie müssen stärker           bäuerliche Landwirtschaft und ökologisch nachhaltige
                                                            Anbauverfahren zu fördern und die richtigen Rahmen­-
                                                            bedingungen für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zu
                                                            schaffen.




21                                                          Wie Menschen in Nicaragua die Landwirtschaft klimafest machen
Endnoten

                                                                       14 UNCTAD (2011): Assuring Food Security in Developing Countries
                                                                          under the Challenge of Climate Change: Key Trade and Develop-
                                                                          ment Issues of a Fundamental Transformation of Agriculture.
                                                                          [ www.unctad.org/en/docs/osgdp20111_en.pdf ]
  1 IPCC (2013): Climate Change 2013. The Physical Science Basis.      15 GRAIN (2011): Food and Climate Change. The Forgotten Link.
     [ www.climatechange2013.org ]                                        [ www.grain.org/es/article/entries/4357-food-and-climate-
  2 Netherlands Environmental Assessment Agency and European              change-the-forgotten-link ]
     Union (2011): Long-Term Trends in Global CO2-Emissions.           16 Institute for Sustainable Development (2011):
     [ www.pbl.nl/en/publications/2011/long-term-trend-in-global-         Climate Change and Food Systems Resilience in Sub-Saharan
     co2-emissions-2011-report ]                                          Africa. [ www.fao.org/docrep/014/i2230e/i2230e00.htm ]
  3 Netherlands Environmental Asessment Agency (2013):                 17 IPCC (2007): Agriculture. [ www.ipcc.ch/pdf/assessment-report/
     Trends in Global CO2-Emissions: 2013 Report. [ www.pbl.nl/en/        ar4/wg3/ar4-wg3-chapter8.pdf ]
     publications/trends-in-global-co2-­emissions-2013-report ]        18 FAO (2011): Climate Change, Water and Food Security.
  4 Urhahn (Oxfam) (2012): Verdorrte Felder, leere Teller.                [ www.fao.org/docrep/014/i2096e/i2096e.pdf ]
     Wie der Klimawandel Ernährungssicherheit gefährdet.               19 UN WomenWatch (2009): Fact Sheet. Women, Gender Equality
     [ www.oxfam.de/publikationen/verdorrte-felder-leere-teller-          and Climate Change. [ www.un.org/womenwatch/feature/
     klimawandel-ernaehrungssicherheit ]                                  climate_change ]
  5 FAO (2013): The State of Food Insecurity in the World.             20 IPCC (2011): Managing the Risks of Extreme Events and
     The Multiple Dimensions of Food Security.                            Disasters to Advance Climate Change Adaptation.
     [ www.fao.org/docrep/018/i3434e/i3434e00.htm ]                       [ www.ipcc-wg2.gov/SREX ]
  6 High Level Panel of Experts (HLPE) (2013):                         21 FAO (2011): Climate Change, Water and Food Security.
     Biofuels and Food Security. [ www.fao.org/fileadmin/                 [ www.fao.org/docrep/014/i2096e/i2096e.pdf ]
     user_upload/hlpe/hlpe_documents/HLPE_Reports/                     22 Oxfam (2013a): Growing Disruption: Climate Change, Food,
     HLPE-Report-5_Biofuels_and_food_security.pdf ]                       and the Fight against Hunger. [ www.oxfam.org/en/grow/policy/
  7 FIAN et al. (2012): Der globale Landraub. Die Rolle der               growing-disruption-climate-change-food-hunger ]
     Europäischen Union. [ www.fian-deutschland.de/online/             23 Regenfeldbau bezeichnet eine Form des Ackerbaus, bei der der
     index.php?option=com_remository&func=fileinfo                        Wasserbedarf der Pflanzen aus den natürlichen Niederschlägen
     &id=539&Itemid=160 ]                                                 gedeckt wird und nicht künstlich bewässert wird.
  8 IAASTD (2009): Synthesis Report. Agriculture at a Crossroads.      24 World Bank et al. (o.J.): Policy Brief: Opportunities and Challenges
     [ www.unep.org/dewa/Assessments/Ecosystems/IAASTD/                   for Climate-Smart Agriculture in Africa. [ www.worldbank.org/en/
     tabid/105853/Default.aspx/reports/IAASTD/EN/Agriculture              topic/climatechange ]
     %20at%20a%20Crossroads_Global%20Report%20                         25 Brot für die Welt, Germanwatch, Diakonie Katastrophenhilfe
     %28English%29.pdf ]                                                  (2007): Klimawandel und Ernährungssicherheit. Trends und
  9 Smith und Thornton (2009): Croppers to Livestock Keepers:             zentrale Herausforderungen. [ www.germanwatch.org/klima/
     Livelihood Transitions to 2050 in Africa due to Climate Change.      klimern07.pdf ]
     Environmental Science and Policy 12: 427–437.                     26 World Ressource Institute (2013): One-Quarter of World’s
  10 World Bank (o.J.): Poverty and Equity Data.                          ­Agriculture Grows in Highly Water-Stressed Areas.
     [ povertydata.worldbank.org/poverty/home ]                           [ www.wri.org/blog/one-quarter-world%E2%80%99s-
  11 Dazu zählen unter anderem die Dürren in Russland                     agriculture-grows-highly-water-stressed-areas ]
     im Jahr 2010 oder in den USA im Jahr 2012.                        27 Commission on Sustainable Agriculture and Climate Change
  12 Willenbockel (2011): Exploring Food Price Scenarios                  (2011): Achieving Food Security in the Face of Climate Change.
     towards 2030. Oxfam und IDS.                                         [ www.ccafs.cgiar.org/sites/default/files/assets/docs/
  13 GIZ (2012): Themeninfo. Landwirtschaft im Klimawandel.               climate_food_commission-spm-nov2011.pdf ]
     [ www.giz.de/fachexpertise/downloads/giz2012-de-
     themeninfo-landwirtschaft-im-klimawandel.pdf ]




  22                                                                   Wenn die Ernte Ausbleibt
40 Retière (2011): San Dionisio, Territorio en Crisis Socioecológica,
                                                                           Actuar antes de que sea Demasiado Tarde.
                                                                        41 Tröpfchenbewässerung ist eine sparsame Bewässerungstechnik,
                                                                           bei der über ein Schlauchsystem direkt die Wurzeln einer Pflanze
                                                                           bewässert werden. Die Technik reduziert zudem Auswaschungs­
28 IPCC (2013): Climate Change 2013. The Physical Science Basis.           verluste von Bodennährstoffen.
   [ www.climatechange2013.org ]                                        42 Mehr Informationen zu Xochilt Acalt in spanischer Sprache auf
29 World Bank (2009): Nicaragua. Country Note on Climate Change            der Webseite der NRO [ www.xochiltacaltmalpaisillo.com ]
   Aspects in Agriculture. [ documents.worldbank.org/curated/              oder in deutscher Sprache auf der Webseite von INKOTA
   en/2009/12/12069237/nicaragua-country-note-climate-change-              [ www.inkota.de/projekte/nicaragua/frauen-staerken/armut-
   aspects-agriculture ]                                                   ueberwinden/#c3130 ]
30 Emissionen ohne Berücksichtigung von Landnutzungs­                   43 Oxfam (2008): Climate, Poverty, and Justice.
   änderungen und Forstwirtschaft.                                         [ www.oxfam.org/en/policy/climate-poverty-and-justice ]
31 World Ressource Institute (o.J.): CAIT 2.0. Climate Data Explorer.   44 Oxfam (2013b): Weltklimakonferenz: Hat der Gipfel was gebracht?
   [ cait2.wri.org/wri/Country%20GHG%2Emissions?indicator=                 [ blog.oxfam.de/jan-kowalzig/weltklimakonferenz-hat-gipfel-
   Total%20GHG%20Emissions%20Excluding%20LUCF&indicator=                   gebracht ]
   Total%20GHG%20Emissions%20Including%20LUCF&year=2010                 45 Immer wieder bestätigen Studien die Produktionspotenziale
   &chartType=geo ]                                                        der kleinbäuerlichen Landwirtschaft. Hierzu seien stellvertretend
32 Der Globale-Klima-Risiko-Index von Germanwatch und CAN                  zwei Studien von UN-Organisationen genannt:
   zeigt, wie stark Länder von Wetterextremen wie Überschwem­              UNEP (2011): Towards a Green Economy: Pathways to Sustainable
   mungen, Stürmen, Hitzewellen etc. betroffen sind.                       Development and Poverty Eradication. [ www.unep.org/
   Germanwatch und CAN (2013): The Climate Change Performance              greeneconomy/Portals/88/documents/ger/ger_final_dec_2011/
   Index. Results 2014. [ germanwatch.org/de/7678 ]                        Green%20EconomyReport_Final_Dec2011.pdf ] und
33 UNDP (2013): Human Development Report 2013.                             UNCTAD (2013): Trade and Environment Review:
   The Rise of the South: Human Progress in a Diverse World.               Wake Up Before it is too Late. [ unctad.org/en/
   [ hdr.undp.org/en/content/human-development-report-2013 ]               PublicationsLibrary/ditcted2012d3_en.pdf ]
34 FAO (o.J.): Climate Change and Food Security in Nicaragua.              Eine weitere sehr umfassende Studie wertete die Leistung
   [ www.fao.org/climatechange/59732/en ]                                  von 286 ökologisch nachhaltigen Agrarprojekten in 57 Ländern
35 Cathalac, GEF und UNDP (2008): Síntesis Regional.                       aus und stellte im Schnitt eine Produktionssteigerung um
   Fomento de las Capacidades para la Etapa il de Adaptación               79 Prozent fest:
   al Cambio Climático en Centroamérica, México y Cuba.                    Pretty et al. (2006): Resource-Conserving Agriculture Increases
36 Marena (2012): Estrategia Adaptación Café y Ganado.                     Yields in Developing Countries. In: Environmental Science and
   [ www.magfor.gob.ni/prorural/IMesa2012/Estrategia_                      Technology, 40
   Adaptacion%20Cafe%20y%20Ganado.ppsx ]
37 Magfor (2013): Plan de Adaptación a la Varibilidad y el Cambio
   Climático. [ www.magfor.gob.ni/prorural/IIMesa2012/
   PlanAdaptacion2013.pdf ]
38 Ministerio de Economía Familiar, Comunitaria, Cooperativa
   y Asociativa (o.J.): Programa Hambre Cero.
   [ www.economiafamiliar.gob.ni/index.php?option=
   com_content&view=article&id=672&Itemid=228 ]                         Bildnachweis
39 Mehr Informationen zu ODESAR in spanischer Sprache auf der
   Webseite der NRO [ www.odesar.org ] oder in deutscher Sprache
   auf der Webseite von INKOTA [ www.inkota.de/projekte/                   3 Svenja Koch / Oxfam Deutschland
   nicaragua/selbstorganisation-staerken ]                                 4 Neil Palmer / CIAT
                                                                           7 / 20 ODESAR
                                                                           9 Trocaire
                                                                           13 / 14 Erika Harzer
                                                                           15 – 19 Willi Volks / INKOTA-netzwerk
                                                                           21 Lisa Söhn


23                                                                      Wie Menschen in Nicaragua die Landwirtschaft klimafest machen
COSPE – Cooperation for the
                                                Development of Emerging Countries
                                                Via Scipio Slataper 10
                                                50134 Florenz
Alliance of Associations Polish Green Network   Italien
ul. Slawkowska 12
                                                 +39 349 685 49 51
31-014 Krakau
                                                 www.cospe.org  puppo@cospe-fi.it
Polen

 +48 12 431 28 08  +48 12 431 28 08
 www.zielonasiec.pl  www.dlaklimatu.pl
 www.globalnepoludnie.pl
 wyzywic.swiat@zielonasiec.pl




                                                AIAB Associazione Italiana
                                                Agricoltura Biologica
                                                Largo Dino Frisullo, snc
INKOTA-netzwerk e.V.                            00153 Rom
Chrysanthemenstraße 1-3                         Italien
10407 Berlin
                                                 +39 06 45 43 74 85
Deutschland
                                                 www.aiab.it  cooperazione@aiab.it
 +49 30 42 08 20 20  +49 30 42 08 20 21 0
 www.inkota.de  inkota@inkota.de




                                                KOPIN (VO/0200)
                                                195, Suite 2, Naxxar Road
                                                San Gwann SGN 9029
CICMA – Comitato Italiano Contratto             Malta
Mondiale sull’Acqua onlus
                                                 +356 27 56 74 60  +356 21 37 22 66
Via Rembrandt 9
                                                 www.kopin.org  info@kopin.org
20147 Mailand
Italien

 +39 02 89 05 69 46
 www.contrattoacqua.it
 info@contrattoacqua.it



                                                Die Arbeit der Herausgeber zu diesem Thema wird von der
                                                Europäischen Union finanziell unterstützt. Für den Inhalt
                                                dieser Publikation sind alleine die Herausgeber verantwort­
                                                lich; der Inhalt kann in keiner Weise als Standpunkt der
                                                Europäischen Union angesehen werden.
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