WESTFALISCHES ARZTEBLATT - Ärztekammer Westfalen-Lippe

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WESTFALISCHES ARZTEBLATT - Ärztekammer Westfalen-Lippe
H 11235 E
                                          „„
WESTFALISCHES
 „„
ARZTEBLATT 7/05
Mitteilungsblatt der Ärztekammer Westfalen-Lippe und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe

 ÄRZTEKAMMER

„Wer die Qualität anderer
prüft, muss seine eigene
darlegen können“                                                ZERTIFIZIERTE QUALITÄT

 KVWL-VERTRETERVERSAMMLUNG

Erneute Diskussion
um Hausarztverträge

Die Unternehmensstrategie
der KVWL

 GESUNDHEITSKONFERENZEN

Kommunale Gesundheits-
politik mitgestalten

 GENDER MAINSTREAMING

Gender-Aspekt ist wichtiges
Qualitätsmerkmal in der
Medizin
                                                                  Checkliste für den
                                                                  „Idealen Arbeitsplatz“
                                                                                           Seite ll
WESTFALISCHES ARZTEBLATT - Ärztekammer Westfalen-Lippe
2   Westfälisches Ärzteblatt 7/2005
WESTFALISCHES ARZTEBLATT - Ärztekammer Westfalen-Lippe
INHALT
                              EDITORIAL
                                                                                   Qualitätssicherung
                        Wenig Begeisterung                                         „Wer die Qualität anderer prüft,
                                                                                   muss seine eigene darlegen

B        egeistert ist eigentlich keiner, wenn es
         um die Umsetzung der den Kranken-
         kassen per Gesetz vorgeschriebenen
Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung
nach § 73 b SGB V geht. Die Krankenkassen
                                                                                   können“
                                                                                   Zitronen falten mit QM
                                                                                   QM sorgt für Erfolgserlebnisse
                                                                                   Die Abteilung Qualitätssicherung
                                                                                                                        7
                                                                                                                        8
                                                                                                                        9

                                                                                   – Zahlen, Daten, Fakten            10
müssen solche Verträge mit zusätzlichem Geld
beitragsrelevant finanzieren und sollen den-
noch den Beitragssatz absenken. Die BEK um-                                        Arbeitsplatz Krankenhaus
geht den § 73 b und legt werbewirksam eine                                         Checkliste hilft bei der Suche
bundesweite Variante auf, indem sie auf die                                        nach dem idealen Arbeitsplatz        11
Anschubfinanzierung der 140er-Verträge zu-
rückgreift. Sie lässt sich den Vertrag zulasten                                    KVWL-Vertreterversammlung
der Vertragsärzte und der Krankenhäuser fi-                                        Erneute Diskussion um Haus-
nanzieren. Wie der Spiegel berichtet, scheint       Dr. Ulrich Thamer              arztverträge                       14
die BEK sich dennoch zu verheben und hat            1. Vorsitzender der            Die Unternehmensstrategie
Probleme mit dem Geld und dem Beitragssatz.                                        der KVWL                           16
                                                    Kassenärztlichen Vereinigung
Eine erste Studie des Robert-Koch-Institutes
belegt, dass das System durch die hausarztzen-      Westfalen-Lippe                Gesundheitskonferenzen
trierte Versorgung teurer wird.                                                    „Kommunale Gesundheitspoli-
    Nur behutsam wagen sich die meisten Kassen deshalb an diesen teuren
                                                                                   tik mitgestalten“                  18
Gesetzesauftrag und legen zunächst Modellprojekte auf, so den VdAK-Ver-
trag in Westfalen-Lippe. Damit genügen sie dem Gesetz. Denn keiner weiß,
                                                                                   KVWL Consult
wie sich die Verträge langfristig auswirken werden. Sie wurden vom Gesetz-
                                                                                   Liquiditätsplanung schafft
geber in das deutsche Gesundheitssystem implementiert, ohne dass es dazu
Versorgungsdaten gibt.                                                             Sicherheit und Zukunftsperspek-

    Viele Hausärzte unterschreiben die Verträge mit der geballten Faust in der     tive                               19
Tasche, weil die Patienten drängen. Denen sind zehn Euro mehr wert, als wir
gedacht haben, und manche würden deshalb sogar ihren vertrauten Arzt               Gender Mainstreaming
wechseln. Doch die Hausärzte wollen sich nicht von den Krankenkassen se-           Gender-Aspekt ist wichtiges Quali-
lektionieren lassen. Das Aufrüsten auf die geforderte Qualität kostet Zeit und     tätsmerkmal in der Medizin           8
Geld. Und in den Verträgen sind auch Haftungsrisiken verborgen.
    Fachärzte fühlen sich durch die Verträge aus dem System gedrängt und
möchten sich mit ihren Interessen einbringen: Nur in einer geregelten Zu-
sammenarbeit zwischen Haus- und Fachärzten ließen sich die Patienten nach          Magazin
den geltenden Standards behandeln.                                                 Informationen aktuell               4
    Kassenärztliche Vereinigungen schließlich sehen sich gezwungen, Verträge       Persönliches                       21
nach § 73 b abzuschließen. Tun Sie das nicht, müssen sie befürchten, dass die      Ankündigungen der Akademie
Krankenkassen an ihnen vorbei agieren und die Anschubfinanzierung der in-
                                                                                   für ärztliche Fortbildung der
tegrierten Versorgung zulasten der Gesamtvergütung anzapfen.
                                                                                   ÄKWL und KVWL                      23
    Wenn also außer Ulla Schmidt und wenigen Funktionären keiner wirklich
                                                                                   Fortbildung in den
Interesse an den Verträgen hat und niemand weiß, wie die hausarztzentrierte
Versorgung sich auswirkt, sollten alle Beteiligten das Gesetz schlank umset-       Verwaltungsbezirken                49
zen, regionale Modellversuche durchführen und die Evaluation abwarten. Po-         Ankündigungen des Instituts
litikfolgenforschung heißt der Auftrag! Es gibt ganz sicher auch andere Mo-        für ärztliches Management 22, 42
delle einer vernünftigen Versorgung. Die KVWL z. B. will Honorarnetze för-         Bekanntmachungen der ÄKWL     43
dern und ihnen einen Versorgungsauftrag geben bis hin zu einer Capitation,         Bekanntmachungen der KVWL 45
die die Gesamtversorgung einer Region umfasst. Ein Versorgungsverbund mit
weitgehender Autonomie könnte die Rivalitäten zwischen Haus- und Fach-             Impressum                          46
ärzten und den Krankenhäusern beenden und die Versorgung für die Patien-
ten effizient machen. Auch das ließe sich modellhaft erproben.

Westfälisches Ärzteblatt 7/2005
WESTFALISCHES ARZTEBLATT - Ärztekammer Westfalen-Lippe
INFORMATIONEN AKTUELL

             16-STÜNDIGER QUALIFIKATIONSKURS

            Fortbildung zu neuen                      nen. Innerhalb dieser Zeit können sie     ren, die inhaltlich den Vorgaben der
                                                      die notwendige Qualifikation nach-        Anlage 1 der Richtlinien entspricht,
            Rehabilitations-
                                                      weisen.                                   16 Stunden umfasst, mit Erfolg abge-
            richtlinien                                  Die Qualifikation gilt als erfüllt     schlossen wird und von der Kassen-
                                                      und die Genehmigung wird erteilt,         ärztlichen Vereinigung entsprechend
               Nach Ablauf einer Übergangsrege-       wenn der/die Vertragsarzt/-ärztin:        anerkannt ist.
            lung müssen ab 01.04.2006 die Vor-        • die Gebietsbezeichnung „Physikali-         Die Akademie für ärztliche Fortbil-
            aussetzungen nachgewiesen werden,           sche und rehabilitative Medizin“ be-    dung der ÄKWL und der KVWL
            um auch zukünftig Rehabilitations-          sitzt oder                              führt solche Fortbildungen in Biele-
            maßnahmen im Rahmen der Gesetz-           • über die Zusatzbezeichnung „Sozi-       feld, Dortmund und Münster durch.
            lichen Krankenversicherung verord-          almedizin“ oder „Rehabilitations-       Nähere Informationen zu den Veran-
            nen zu können. Der Nachweis hat             wesen“ verfügt oder                     staltungen finden Sie auf den gelben
            gegenüber der Kassenärztlichen Ver-       • über die fakultative Weiterbildung      Fortbildungsseiten dieser Ausgabe,
            einigung zu erfolgen.                       „Klinische Geriatrie“ verfügt oder      Seite 28 sowie im Online-Fortbil-
               Die Richtlinien des Gemeinsamen        • eine mindestens einjährige Tätigkeit    dungskatalog der Akademie für ärztli-
            Bundesausschusses über Leistungen           in einer stationären oder ambulanten    che Fortbildung der ÄKWL und der
            zur medizinischen Rehabilitation se-        Reha-Einrichtung nachweist oder         KVWL unter http://www.aekwl.de
            hen vor, dass die Verordnung von          • im Jahr vor Antragstellung auf Ge-
            Leistungen zur medizinischen Reha-          nehmigung mindestens 20 Reha-
            bilitation zulasten der Gesetzlichen        Gutachten erstellt hat.                    Ansprechpartner Fortbildungskurse:
            Krankenversicherung nur solchen              Die Kassenärztliche Bundesverei-          Akademie für ärztliche Fortbil-
            Ärzten/innen vorbehalten ist, die eine    nigung (KBV) hat zwischenzeitlich            dung der ÄKWL und der
            besondere Qualifikation nachweisen        klargestellt, dass nur solche Gutach-        KVWL, Münster, Elisabeth
            können. Mit Wirkung vom 01.03.            ten anerkannt werden können, deren           Borg, Melanie Dreier,
            2005 ist die Qualitätssicherungsmaß-      Inhalt und Umfang einem Reha-Gut-            Tel. 02 51/929-22 01
            nahme zur Verordnung von Leistun-         achten nach Vordruckmuster 61 (Teil
            gen zur medizinischen Rehabilitation      A – D) entspricht. Diese können auch         Ansprechpartner Genehmigungen:
            gemäß § 135 Abs. 2 SGB V in Kraft,        für die Renten- oder Unfallversiche-         Kassenärztliche Vereinigung
            die im Nachgang zu den Bundesaus-         rungen erstellt worden sein. Einfache        Westfalen-Lippe, Dortmund,
            schuss-Richtlinien das Genehmigungs-      Befundberichte für Rentenversiche-           Hedwig Pflanz, Sabine Venja-
            verfahren zur Verordnung von Reha-        rungsträger, z. B. im Zusammenhang           kob, Tel. 02 31/94 32-344
            bilitation regelt. Die Rehabilitations-   mit Kurmaßnahmen, reichen nicht
            Richtlinien sehen eine Übergangsfrist     aus.                                         Kassenärztliche Vereinigung
            bis zum 31.03.2006 vor, in der Ärz-          Für Ärzte/innen, die keine dieser         Westfalen-Lippe, Münster,
            te/innen auch ohne Genehmigung            Voraussetzungen erfüllen, besteht die        Maike Kaufmann,
            weiterhin Leistungen zur medizini-        Möglichkeit, sich durch die Teilnah-         Tel.: 02 51/929-15 57
            schen Rehabilitation verordnen kön-       me an einer Fortbildung zu qualifizie-

               Das mibeg-Institut Medizin startet     Unter Mitwirkung von                     Beginn: 4. November 2005
               im November 2005 zum vierten Mal       Dr. med. Thomas Beushausen, Dr.
               das                                    med. Enno Bialas, Dr. med. Rainer        Dauer: Sieben Wochenendeinhei-
                                                      Brase, Dr. med. Dietmar Herber-          ten im Zeitraum eines Jahres
               Intensivseminar                        hold, Prof. Dr. med. Thomas Ker-
               Krankenhausleitung                     sting, Dr. med. Robert Schäfer, Dr.      Interessenten wenden sich bitte an:
               für Ärztliche Direktoren               med. Andreas Tecklenburg, Dr. med.
               und Chefärzte                          Jörg Weidenhammer                        mibeg-Institut Medizin
                                                                                               Dipl. Päd. Barbara Rosenthal
                                                      Das Intensivseminar transportiert        Sachsenring 37–39, 50677 Köln
               Postgraduierte Fortbildung des mi-     praxisnah Wissen zu den operativen,      Tel. 02 21/33 60 46-11/-10
               beg-Instituts Medizin und der Ärz-     dispositiven und strategischen Ent-      Fax: 02 21/33 60 46-66
               tekammern Nordrhein und Westfa-        scheidungen, die Ärztliche Direkto-      E-Mail: medizin@mibeg.de
               len-Lippe                              ren realisieren und verantworten         www.mibeg.de
                                                      müssen.

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INFORMATIONEN AKTUELL

 14. SYMPOSIUM DES VEREINS ANWÄLTE FÜR ÄRZTE
Mehr Freiheit – aber die Grenzen bleiben eng                                       sierte in seinem Vortrag, dass die
                                                                                   Freiberuflichkeit des Arztes ständig
                                                                                   weiter eingeschränkt werde – jeden-
   „Ärztliche Berufsrecht im Um-         ordnung von Ärzten als Einzelkämp-        falls gelte dies für den Vertragsarzt.
bruch – grenzenlose Freiheit für Ärz-    fern ausging, galt es durch die neue      Laut Dr. Steinhilper fehlen dem Arzt
te?“: Mit dieser Frage beschäftigte      Muster-Berufsordnung die Struktu-         entscheidende Merkmale einer Frei-
sich jetzt das 14. Symposium des Ver-    ren ambulanter ärztlicher Versorgung      beruflichkeit. So könne er Arbeitsum-
eins Anwälte für Ärzte e. V. in Mün-     weiter zu entwickeln und so die Wett-     fang und den Preis seiner Leistung
chen. Hintergrund, so der Verein in      bewerbsfähigkeit gegenüber neueren        nicht selbst bestimmen und werde zu-
einer Pressemitteilung, seien die Neu-   Versorgungstypen      sicherzustellen.    sätzlich durch den Einheitlichen Be-
erungen in der Muster-Berufsord-         Nach Ansicht Kochs habe die Stan-         wertungsmaßstab eingeengt. Steinhil-
nung, die erhebliche Auswirkungen        desvertretung in vorbildlicher Weise      per stellte darüber hinaus anschaulich
auf die Berufsausübung der Ärztin-       als Vorreiter die Initiative ergriffen    dar, welche Beeinträchtigungen Ärzte
nen und Ärzte haben. Zu diesem The-      und die Novellierung beschlossen.         bei ihrer vertragsärztlichen Tätigkeit
menkreis hatte der Verein auch Fach-     Hierbei habe man in Kauf genom-           hinzunehmen haben.
leute aus Westfalen als Referenten       men, dass zur vollen Wirksamkeit der         Prof. Dr. Ingwer Ebsen (Frank-
eingeladen.                              geänderten Vorschriften jetzt Kolli-      furt/M.) und Prof. Dr. Dr. Klaus Ul-
   Bertram F. Koch, Justitiar der Ärz-   sionen etwa mit dem Kassenarztrecht       senheimer (München) referierten
tekammer Westfalen-Lippe, bezeich-       zu lösen seien.                           über verfassungsrechtliche und euro-
nete in seinem Referat die derzeitige       Rechtsanwalt Dr. Gernot Steinhil-      päische Vorgaben für das Berufsrecht
Situation im ärztlichen Berufsrecht      per, Justitiar der Kassenärztlichen       sowie die aktuelle Rechtsprechung
als außergewöhnlich. Eine derartige      Vereinigung Westfalen-Lippe, hielt        zum Untreuetatbestand.
Entwicklung sei noch vor zwei bis        der vom Ärztetag beschlossenen grö-          Eine Zusammenfassung der Vorträ-
drei Jahren völlig undenkbar gewe-       ßeren Berufsfreiheit für Ärzte den        ge gibt es im Internet unter
sen. Während die bisherige Berufs-       Spiegel der Wirklichkeit vor. Er kriti-   www.afae.de

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WESTFALISCHES ARZTEBLATT - Ärztekammer Westfalen-Lippe
6   Westfälisches Ärzteblatt 7/2005
WESTFALISCHES ARZTEBLATT - Ärztekammer Westfalen-Lippe
ÄRZTEKAMMER

„Wer die Qualität anderer prüft,
muss seine eigene darlegen können“
Wer eilig ins Ärztehaus Münster hineingeht, könnte ihn glatt übersehen – doch der schlichte silberne Bilderrahmen gleich am
Eingang zur Ärztekammer ist etwas Besonderes: Er enthält die Zertifizierungsurkunde, mit der TÜVmed der Kammer beschei-
nigt, in ihrer Abteilung Qualitätssicherung ein Qualitätsmanagement-System eingeführt zu haben und dieses auch anzuwenden.
Die Ärztekammer Westfalen-Lippe ist damit die bisher einzige Kammer im Bundesgebiet, die sich selbst auferlegt hat, was sie
auch von ihren Mitgliedern erwartet: Qualitätvolle Arbeit transparent und überprüfbar machen.

von Klaus Dercks, Ärztliche Pressestelle Westfalen-Lippe

W
             er die Qualität anderer
             prüft, muss seine eigene
             Qualität darlegen kön-
nen“: Das klingt einfach, ist aber
längst nicht überall selbstverständ-
lich. „Wir stehen bei unserer Arbeit
täglich neu in einem Spagat“, bringt
es Karoline Tiemann auf den Punkt:
Auf der einen Seite stehen die Inter-
essen und Erwartungen der Ärzte und
Krankenhäuser an die Ärztekammer
als Standesvertretung. „Andererseits
wird von uns erwartet, dass wir Kon-
trolle ausüben und zu Sanktionen be-
reit sind.“ Transparenz, Berechenbar-
keit und Nachvollziehbarkeit der
Leistungen seien deshalb in den Au-       Lead-Auditorin Dipl.-Pflegepädagogin FH Gisela Kirsch von RWTÜV Systems (M.)
gen der „Kunden“ die wichtigsten          überreichte die Zertifizierungsurkunde und gratulierte zur erfolgreichen
Gütekriterien, um die Arbeit der          Einführung eines QM-Systems (v. l.: Abteilungsleiter Dr. Jochen Bredehöft,
Kammer zu beurteilen. Karoline Tie-       ÄKWL-Präsident Prof. Dr. Ingo Flenker, Vizepräsident Dr. Hans-Jürgen Thomas
mann arbeitet als Ärztin und Quali-       und ÄKWL-Geschäftsführer Dr. Michael Schwarzenau.                  Fotos: Dercks
tätsmanagerin in der Abteilung Quali-
tätssicherung und ist mit fünf Stunden
pro Woche auch für das Qualitätsma-      strie, „aber sie ist auch für unsere       Ärztliche Stelle nach der Röntgenver-
nagement als Beauftragte zuständig.      Zwecke wie für den Klinik- und Pra-        ordnung, die externe Qualitätssiche-
                                         xisbereich wunderbar anzuwenden.“          rung nach § 137 Sozialgesetzbuch,
Entscheidung für                                                                    das Referat „Sucht und Drogen“ und
umfangreichsten Ansatz                   QM-Handwerk                                die Qualitätssicherung Onkologie in
                                                                                    Westfalen-Lippe. „Ein ungewöhnlich
   Der Auftrag der Landesregierung,         „Jetzt geht es los, jetzt fangen wir    breites Aufgabenspektrum, fast jeder
die Zertifizierung für die Brustzen-     an“, das sei die Stimmung nach dem         Mitarbeiter hat mehrere Aufgabenge-
tren zu übernehmen, gab 2004 für den     „Kick off“, einer Auftaktveranstal-        biete zu betreuen.“
Kammervorstand den letzten Anstoß,       tung für die Einführung des Qualitäts-
ein Qualitätsmanagementsystem in         management-Systems gewesen, er-            Besonderes Augenmerk
der Ärztekammer einzuführen. „Die        innert sich Karoline Tiemann. Was          auf Kundenorientierung
Ärztekammer hat sich dabei für das       danach kam, war zunächst „QM-
Qualitätsmanagementsystem      nach      Handwerk“. „Was tun wir hier?“ war            Eine weitere Aufgabe sei es gewe-
DIN EN ISO 9001:2000 entschie-           die Frage, anhand derer die Mitarbei-      sen zu vermitteln, dass alle Mitarbei-
den“, berichtet Karoline Tiemann.        ter der Abteilung Arbeitsprozesse be-      ter ihre Arbeit für die ,Kunden' ver-
„Die hat den umfangreichsten Ansatz      nennen und analysieren mussten. Ei-        richten, erläutert die Qualitätsma-
und ist am besten kompatibel mit an-     ne umfangreiche Aufgabe: In nur ei-        nagement-Beauftragte weiter. Auf
deren QM-Systemen.“ Zwar komme           ner Abteilung finden sich so unter-        diese „Kundenorientierung“, eine
die Norm ursprünglich aus der Indu-      schiedliche Arbeitsbereiche wie die        weitere Säule des Qualitätsmanage-

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ÄRZTEKAMMER

                 Zitronen falten mit QM
                 von Dr. Jochen Bredehöft, Abteilungsleiter                  Verantwortlichkeiten. Auch für das Spiel selbst gibt es
                 Qualitätssicherung der ÄKWL                                 klare Spielregeln. Die Leitung muss sich natürlich bei
                                                                             Aufgaben und Terminen auf das Maß an Verbindlich-
                    „Wer glaubt, dass Abteilungsleiter Abteilungen lei-      keit einlassen, das sie von den Mitarbeitern fordert.
                 ten, glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten“.     Hier sind die Spieße exakt gleich lang, wenngleich die
                 In diesem bekannten Spruch wird ein vernichtendes           Mitarbeiter den Chefs manchmal (noch) einen gewis-
                 Urteil über die Führung gefällt. Die Arbeitsprozesse        sen Leitungsbonus einräumen (müssen).
                 laufen aus Sicht der „da unten“ auch ohne „die da              So wie die Leitung selbstverständlich Mitarbeiter be-
                 oben“. Und die Frage müsste eigentlich heißen: Was          urteilen darf und muss, so muss diese sich auch der
                 macht überhaupt eine Abteilungsleitung?                     Führungsbeurteilung durch die Mitarbeiter stellen. Die
                    QM hilft hier weiter. Die Leitungsaufgaben sind im       Rückmeldungen sind oft kritisch - QM fordert auch der
                 QM-System klar definiert. Die besonders wichtigen:                                       Leitung einiges ab, aber
                 • Ziele planen und vermitteln                                                            wir stehen alle gemeinsam
                 • Kunden- und Mitarbeiterorientierung sicherstellen                                      in einem fortdauernden
                 • Verantwortlichkeiten und Kompetenzen festlegen                                         Lern- und Verbesserungs-
                 • Ressourcen zur Verfügung stellen                                                       prozess. QM hört nicht ei-
                 • Ergebnisse bewerten und Folgerungen ableiten                                           nen Meter vor dem
                    Zielplanung und -verfolgung sowie die einmal jähr-                                    Schreibtisch der Leitung
                 lich systematisch durchgeführte Bewertung der Ergeb-                                     auf.
                 nisse sind auf der Ebene der Dienstleistungserbringung                                      Auch wenn manches
                 das Kernstück der Leitungsaufgabe. Beim so genannten                                     Gesagte für Menschen in
                 Managementreview kommen alle Zahlen und Ergeb-                                           Leitungspositionen      zu-
                 nisse aus dem abgelaufenen Jahr auf den Tisch und                                        nächst beängstigend klin-
                 werden bewertet: Was haben wir erreicht, was hat nicht          Dr. Jochen Bredehöft     gen mag – die Mitarbeiter
                 gut geklappt und wie soll es weitergehen? Dabei wer-                                     wollen keinesfalls eine
                 den auch Verbesserungsmöglichkeiten ausgelotet.             Basisdemokratie. Mitbestimmen heißt nicht bestim-
                    Die Arbeitsprozesse selbst gehören den Mitarbeitern      men. Sie erwarten vielmehr, dass die Leitung leitet und
                 und nicht den Chefs. Wer sich als Leitung traut, das        ihre Leitungsaufgaben zuverlässig erledigt, als Coach
                 umzusetzen, wird mit (wieder) engagierten Mitarbei-         und Ansprechpartner zur Verfügung steht und die erfor-
                 tern und einer Flut von guten Ideen belohnt: Keiner von     derlichen Ressourcen herbeischafft. Und sie erwarten,
                 uns ist so schlau wie wir alle zusammen! Welche Funk-       dass die Leitung sich in die Routine nur ganz aus-
                 tion Leitung dabei hat, hat Otto Rehagel nach dem Sieg      nahmsweise einmischt. Dieses positive Menschenbild
                 der griechischen Mannschaft bei der Fußball-EM 2004         mit einem von gegenseitiger Anerkennung und Wert-
                 so formuliert: „Als ich die Mannschaft übernommen           schätzung getragenen Rollenverständnis für beide –
                 habe, hat jeder gemacht, was er wollte. Jetzt macht je-     Mitarbeiter und Leitung – spiegelt sich in einem ande-
                 der, was er kann.“ Das ist nichts anderes als gezielter     ren Spruch, der neuerdings gelegentlich bei uns zu hö-
                 Personaleinsatz und das Festlegen von Positionen auf        ren ist: „Eine gut geführte Abteilung läuft auch dann
                 dem Spielfeld, also von Rollen mit Kompetenzen und          reibungslos, wenn der Chef da ist.“

              ments, habe die Ärztekammer beson-        ließen sich gleich Maßnahmen zur          tung der Abteilung unter dem Ge-
              deres Augenmerk richten müssen.           Verbesserung der Kundenzufrieden-         sichtspunkt der Führungsqualität auf
              „Schließlich haben wir fast aus-          heit ableiten.                            den Prüfstand.
              schließlich ,unfreiwillige Kunden', sei      Auch      „Mitarbeiterorientierung“       Ihren Abschluss fanden die Vorbe-
              es, dass sie als Pflichtmitglieder der    steht im Pflichtenheft eines Qualitäts-   reitungen für das QM-System dann
              Kammer angehören, sei es, dass sie        management-Systems. „Wer macht            mit dem Besuch des „Auditors“. Er
              per Gesetz verpflichtet sind, ihre Ar-    was? Wie wird es gemacht?“ waren          prüfte nicht nur, ob die Organisation
              beit zu dokumentieren.“ Folgerichtig      hier die Fragen – die Antwort geben       des Qualitätsmanagements mit den
              sei deshalb eine Befragung zur „Kun-      Verfahrens- und Arbeitsanweisungen,       Vorgaben des DIN-ISO-Systems über-
              denzufriedenheit“ gewesen – und aus       die die Qualitätssicherungs-Abteilung     einstimmte, sondern auch, ob all die
              den Antworten von Kliniken und Ra-        für zahlreiche Tätigkeiten erarbeitete    dokumentierten Verfahren tatsächlich
              diologen, die mit der Abteilung Qua-      und in einem Handbuch zusammen-           so wie im eigenen QM-Handbuch be-
              litätssicherung zusammen arbeiten,        fasste. Schließlich kam auch die Lei-     schrieben in der täglichen Arbeit um-

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WESTFALISCHES ARZTEBLATT - Ärztekammer Westfalen-Lippe
ÄRZTEKAMMER

gesetzt werden. Mit Erfolg: Im Mai       ben der Qualitätsmanagement-Beauf-        gen Weg nutzen. Wer es allerdings
übergab eine Vertreterin des TÜVmed      tragten. „Der Aufbau des Systems          nur als lästige Pflicht sieht, wird sich
das Zertifikat an die Präsidenten der    braucht, auch wenn er schnell ge-         damit schwer tun."
Ärztekammer – äußeres Zeichen der        schieht, viele Monate. Da kommt es           Ausruhen auf ihren Lorbeeren kön-
Anerkennung nach mehr als einem          auch mal zu einem Durchhänger.“           nen sich die Qualitätssicherer der
Jahr Arbeit in Sachen QM.                   Hat sich der Aufwand für die Ein-      Ärztekammer im Übrigen nicht. „Das
                                         richtung des QM-Systems gelohnt?          Zertifikat gilt drei Jahre, aber schon
„Motivation war                          „Davon sind wir überzeugt“, ist Karo-     im nächsten Jahr kommt der Auditor
von Anfang an hoch“                      line Tiemann sicher und zählt die Vor-    erneut zu uns“, haben die Mitarbeiter
                                         teile des Qualitätsmanagements auf:       der Abteilung schon jetzt als nächsten
   Dass die „Kunden“ der Ärztekam-       • QM erhöht die Transparenz der Ar-       Termin vor Augen. Motiviert zum
mer nichts gegen eine verbesserte          beit nach innen und außen               Weitermachen seien die Kolleginnen
Qualität der Kammerarbeit haben,         • QM macht Arbeitsprozesse verbind-       und Kollegen aber auch so: „Bei der
darf getrost vorausgesetzt werden –        lich und effizient                      Analyse der Arbeitsprozesse kam un-
und die Mitarbeiter? „Die Motivation     • QM ist eine Methode zur kontinu-        ter anderem heraus, dass einige noch
war von Anfang an hoch, auch               ierlichen Verbesserung der Arbeit       nicht optimal gestaltet sind. Auch im
Grundkenntnisse waren schon vor-         • QM ist auch Fehlermanagement.           Rahmen der Zertifizierung haben wir
handen“, konnte Karoline Tiemann            Ihr Fazit nach über einem Jahr QM-     noch viele wertvolle Hinweise zur
gleich zu Anfang ihrer Arbeit als dik-   Vorbereitung: „Qualitätsmanagement        Optimierung unserer Arbeitsabläufe
kes Plus auf der Haben-Seite verbu-      ist wichtig und bringt Nutzen. Wer in     erhalten. Daran müssen wir arbeiten –
chen. Motivation gehörte und gehört      seiner Arbeit besser werden will,         ganz im Sinne des kontinuierlichen
trotzdem zu den wichtigsten Aufga-       kann es als Instrument auf dem richti-    Verbesserungsprozesses.“

„QM sorgt für Erfolgserlebnisse“
Monika Hagedorn arbeitet in der „Ärztlichen Stelle nach der Röntgenverordnung“ bei der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Als in
ihrem Arbeitsbereich die Vorbereitungen zur Einführung eines Qualitätsmanagements (QM) begannen, hatte sie „keinerlei
Vorkenntnisse“ – doch mittlerweile gehört QM ganz selbstverständlich zu Ihrer Arbeit.

   WÄB: Wie hat die Einführung des
QM-Systems Ihre tägliche Arbeit ver-
ändert?
   Monika Hagedorn: Zunächst musste
ich Zeit investieren, um mich in die
Materie einzuarbeiten und das Sy-
stem zu verstehen. Neben Schulun-
gen, Vorträgen und persönlichen Vor-
bereitungen lief der tägliche Betrieb
natürlich weiter. Und die „Meilenstei-
ne“, die wir als Termine bei der Ein-
führung des Systems halten wollten,
haben den Druck noch erhöht. Prak-
tisch wirkt sich das QM-System mitt-
lerweile dadurch aus, dass in unserem     Jeden Tag Qualitätsmanagement: Monika Hagedorn hat die QM-Prinzipien in
Arbeitsbereich einige Arbeitsabläufe      ihre Arbeitsabläufe in der Ärztlichen Stelle übernommen.
überdacht und verfeinert wurden.
   WÄB: Profitieren Sie bei Ihrer Ar-    fe, die wir nun miteinander vereinbart    zum Weitermachen?
beit vom QM-System?                      haben, geben Sicherheit. Auch weil           MH: Das QM-System sorgt für Er-
   MH: Ganz bestimmt. Nicht nur da-      sie im Team vereinbart wurden, jeder      folgserlebnisse. Ein aktuelles Beispiel
durch, dass die Arbeit noch besser als   kann sich darin wiederfinden. Ganz        ist die Einarbeitung einer neuen Kol-
zuvor läuft. Schon das Formulieren       nebenbei: Die Fähigkeit, Prozesse zu      legin: Für diese Aufgabe hatten wir
der Prozessbeschreibungen und Ver-       analysieren, ist nicht nur im Berufsle-   im Rahmen des Qualitätsmanage-
fahrensanweisungen war eine gute         ben nützlich...                           ments neue Strukturen entworfen.
Gelegenheit, die eigene Arbeit für          WÄB: Was ist nach der langen Vor-      Jetzt sehen wir, dass dieses Verfahren
sich und mit den Kolleginnen zu re-      bereitungszeit und der erfolgreichen      auch in der Praxis tatsächlich hervor-
flektieren. Die Strukturen und Abläu-    Zertifizierung für Sie jetzt Motivation   ragend funktioniert.                kd

Westfälisches Ärzteblatt 7/2005                                                                                                        9
WESTFALISCHES ARZTEBLATT - Ärztekammer Westfalen-Lippe
ÄRZTEKAMMER

Die Abteilung Qualitätssicherung
– Zahlen, Daten, Fakten

              D
                        ie Abteilung Qualitätssiche-
                        rung der Ärztekammer
                        Westfalen-Lippe nimmt ei-
              ne Vielzahl unterschiedlichster Auf-
              gaben wahr. Sie stellt für die Kammer
              selbst und externe Partner eine breite
              Palette von Dienstleistungen in der
              Qualitätssicherung, der Schulung, im
              Qualitätsmanagement und der Zertifi-
              zierung zur Verfügung.

              Sieben Arbeitsbereiche für
              unterschiedlichste Aufgaben

                 Im Arbeitsbereich 1 Ärztliche Stel-
              le werden nach den Vorschriften der
              Röntgenverordnung jährlich etwa
              1.600 Betreiber mit 3.800 Röntgenge-
              räten überprüft, die Hälfte davon im
              Vertragsarztbereich. Für die Kassen-
              ärztliche Vereinigung Westfalen-Lip-
              pe übernimmt die Ärztliche Stelle
              Prüfungen nach dem SGB V für ca.
              2.000 Praxen/ermächtigte Ärzte.
              Auch in den Bereichen Strahlenthera-      26 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bei der Ärztekammer in Münster mit
              pie und Nuklearmedizin wird die           zahlreichen Aufgaben der Qualitätssicherung befasst.
              Ärztliche Stelle tätig.
                 Im Arbeitsbereich 2, den Qualitäts-
              sicherungsmaßnahmen der Ärzte-           fangreiches Beratungsangebot zu al-       Anbindung an das Epidemiologische
              kammer, wird die Qualitätssicherung      len Suchterkrankungen und offeriert       Krebsregister NRW entwickelt.
              in Laboratorien sowie die Qualitätssi-   spezielle Fortbildungsveranstaltungen.       Für all diese Aufgaben greift die
              cherung Hämotherapie betreut. Letz-         Der Arbeitsbereich 5 ist der jüngste   Ärztekammer auf 26 Mitarbeiterin-
              tere umfasst die jährliche Überprü-      der Abteilung: Bei der Zertifizierung     nen und Mitarbeiter zurück: Unter
              fung von 210 Krankenhäusern und          von Brustzentren werden die ca. 50        den sechs Fachärzten und -innen mit
              190 Praxen.                              Einrichtungen dieser Art in NRW in        Qualitätsmanagement-Ausbildung
                 Der Arbeitsbereich 3, die Ge-         dreijährigem Abstand geprüft.             finden sich MPHs, Medizininformati-
              schäftsstelle       Qualitätssicherung      Zuständig für die Fortbildung ist      ker, Gesundheitsökonomen, EFQM-
              NRW, bereitet Ergebnisse aus über        der Arbeitsbereich 6: Er betreut u. a.    Assessoren und QEP-Trainer. Eine
              260.000 Fällen aus 2.200 Kranken-        den 200-Stunden-QM-Kurs nach dem          Dipl.-Sozialarbeiterin ist MPH, Qua-
              haus-Abteilungen statistisch auf. Im     Curriculum der Bundesärztekammer.         litätsmanagerin und Auditorin. Zu
              strukturierten Dialog stößt die Ge-         Die Qualitätssicherung Onkologie       den Sachbearbeiterinnen der Abtei-
              schäftsstelle in den Krankenhäusern      bildet den Arbeitsbereich 7. Hier wur-    lung zählen MTRA, Arzthelferinnen,
              Verbesserungsprozesse an.                de wird derzeit u. a. ein transsektora-   Krankenschwestern, eine Qualitäts-
                 Das Referat Sucht und Drogen (Ar-     les sektorübergreifendes Qualitätssi-     managerin und drei Auditorinnen.
              beitsbereich 4) bietet u. a. ein um-     cherungsverfahren zur Onkologie mit

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ARBEITSPLATZ KRANKENHAUS

Checkliste hilft bei der Suche
nach dem idealen Arbeitsplatz
Unsere Telefonaktion Anfang April machte esdeutlich: An den Arbeitsbedingungen in den Kliniken gibt es aus Sicht der dort täti-
gen Ärztinnen und Ärzten noch vieles zu verbessern. Auch wenn die Ergebnisse der Befragung nicht repräsentativ sind - die von
den Kolleginnen und Kollegen geübte Kritik war ein Querschnitt dessen, was wir tagtäglich als Ärztekammer erleben.

Von Dr. Theodor Windhorst, Mitglied des Vorstands der Ärztekammer Westfalen-Lippe

D
           er Frust sitzt tief bei vielen   Ärztekammer nutzt Handlungs-              beit anzunehmen, müssen sich nicht
           Krankenhausärzten, die über      kompetenz in der Weiterbildung            mehr alles bieten lassen und haben in-
           die Vision vom „idealen Ar-                                                zwischen eine deutlich gestärkte Po-
beitsplatz“ nur milde lächeln können.          Uns ist klar, dass unsere Prüfsteine   sition am Arbeitsmarkt. Kurzum – Sie
Überfrachtung mit medizinfremden            für den idealen Arbeitsplatz im Kran-     sitzen am längeren Hebel. Deshalb
Tätigkeiten, zu wenig fachliche Be-         kenhaus nur appellativen Charakter        mein Appell: Nutzen Sie Ihre Markt-
treuung während der Weiterbildung           haben. So können wir etwa zu den Ar-      macht und schauen Sie sich die Stel-
und keine geregelten Weiterbildungs-        beitsbedingungen, zur Ausstattung         lenangebote und die Arbeitsbedin-
pläne, mangelnde Vereinbarkeit von          des Arbeitsplatzes oder zur angemes-      gungen in den Kliniken ganz genau
Familie und Beruf und fehlende Mög-         senen Vergütung Verbesserungen le-        an. Unterschrei-
lichkeiten zur Teilzeittätigkeit – hier     diglich fordern. Bei den Regelungen       ben Sie nicht
wird sich dringend etwas bewegen            der ärztlichen Weiterbildung indes        „blind“ den Ih-
müssen, wenn der Arbeitsplatz Kran-         haben wir als Ärztekammer die Ent-        nen vorgelegten
kenhaus nicht noch weiter an Anzie-         scheidungs- und Handlungskompe-           Arbeitsvertrag.
hungskraft verlieren soll. Ärztinnen        tenz. Und die nehmen wir im Interes-      Überlegen Sie,
und Ärzte wünschen sich deutlich            se der jungen Kolleginnen und Kolle-      was Ihnen be-
verbesserte Arbeitsbedingungen in           gen auch wahr. Wir erteilen Ärztinnen     sonders wichtig
den Kliniken, die Krankenhausleitun-        und Ärzten die Befugnis zur Weiter-       ist, und lassen
gen wiederum erkennen offenbar in           bildung und halten alle Informationen     diese      Punkte
zunehmenden Maße, dass bessere Ar-          zu Umfang und Dauer dieser Wei-           vertraglich fest-
beitsbedingungen und attraktive             terbildungsbefugnisse vor. Darüber        legen. Warum
Weiterbildungsmöglichkeiten            im   hinaus sind wir inzwischen – dank         nicht etwa die
Wettbewerb um motivierte und quali-         der jüngsten Änderung des Heilbe-         Facharztaner-         Dr. Theodor Windhorst
fizierte Ärztinnen und Ärzte zu ganz        rufsgesetzes – auch für die Zulassung     kennung        als
wesentlichen Faktoren geworden              eines Krankenhauses als Weiterbil-        Ziel vereinbaren, warum nicht überta-
sind.                                       dungsstätte zuständig. Wir haben soe-     rifliche Zulagen im Vertrag veran-
   Aus meiner Sicht gilt: Meckern al-       ben das ärztliche Weiterbildungsrecht     kern? Ihre Marktmacht stärkt Ihre
lein hilft nicht, nur konstruktive Kri-     umfassend novelliert – die Weiterbil-     Verhandlungsposition. Unsere Chek-
tik und gute Beispiele entfalten dau-       dung ist einfacher und übersichtlicher    kliste soll Ihnen dabei helfen, gut vor-
erhafte Wirkung. Deshalb haben wir          gestaltet. Und nicht zuletzt: Wir ha-     bereitet in Verhandlungen mit Ihrem
aus den Ergebnissen der Telefonak-          ben die Position der in Weiterbildung     künftigen Arbeitgeber zu gehen.
tion, aber zusätzlich auch aus Ange-        befindlichen Kolleginnen und Kolle-
botsprofilen aktueller Stellenaus-          gen durch Anspruch auf Dokumenta-
schreibungen einmal eine Reihe von          tion und regelmäßige Gespräche über
Punkten zusammengetragen, die aus           Weiterbildungsstand und -verlauf ge-
unserer Sicht zu einem idealen Ar-          stärkt.
beitsplatz gehören. Die Checkliste auf         Den zunehmenden Ärztemangel se-
der folgenden Seite, die selbstver-         hen wir mit Sorge, weil dadurch über
ständlich keinen Anspruch auf Voll-         kurz oder lang die flächendeckende
ständigkeit erhebt, soll sowohl unse-       und qualitativ hochwertige Versor-
ren ärztlichen Kolleginnen und Kolle-       gung der Patientinnen und Patienten
gen als auch den Krankenhausträgern         Schaden nimmt. Für die jungen Kolle-
Orientierung geben. Sämtlichen Kli-         ginnen und Kollegen hat diese Man-
niken in Westfalen-Lippe werden wir         gelsituation aber auch Vorteile: Sie
diese Liste an die Hand geben.              sind nicht mehr gezwungen, jede Ar-

Westfälisches Ärzteblatt 7/2005                                                                                                     11
ARBEITSPLATZ KRANKENHAUS

Checkliste „Idealer Arbeitsplatz“
                                                                     ein Service der
 Klinik:
 Gespräch am:
 Gespräch mit:

Arbeitsbedingungen und persönliche Planungssicherheit                                      ja          nein       unklar
Langfristiger oder unbefristeter Arbeitsvertrag                                            ‰            ‰             ‰
Unterstützung bei der Karriereplanung (Personalentwicklung)                                ‰            ‰             ‰
Geregelte Arbeitszeit unter Beachtung des Arbeitszeitgesetzes                              ‰            ‰             ‰
Elektronische Arbeitszeiterfassung                                                         ‰            ‰             ‰
Zumutbare Anzahl der Bereitschaftsdienste                                                  ‰            ‰             ‰
Sofortige Stellenbesetzung bei Ausscheiden einer Kollegin/eines Kollegen                   ‰            ‰             ‰
Dokumentation von Überstunden und Mehrarbeit                                               ‰            ‰             ‰
Freizeitausgleich bzw. angemessene Vergütung für Überstunden und Bereitschaftsdienste      ‰            ‰             ‰
Entlastung von administrativen Tätigkeiten                                                 ‰            ‰             ‰
Kinderbetreuung/Kindertagesstätte vorhanden oder geplant                                   ‰            ‰             ‰
Möglichkeit der Teilzeittätigkeit                                                          ‰            ‰             ‰
Anmerkung:

Qualifizierung und Qualifikationen
Chefarzt verfügt über volle Weiterbildungsbefugnis                                         ‰            ‰             ‰
Möglichkeit der Rotation                                                                   ‰            ‰             ‰
Strukturierte Weiterbildung mit dem Ziel der Facharztanerkennung                           ‰            ‰             ‰
Strukturierte Einarbeitung in diagnostische und therapeutische Techniken des Fachgebiets   ‰            ‰             ‰
Interne und externe Fortbildungsmöglichkeiten                                              ‰            ‰             ‰
Freistellung für externe Fort- und Weiterbildung                                           ‰            ‰             ‰
(anteilige) Übernahme von Kursgebühren                                                     ‰            ‰             ‰
Möglichkeit der Promotion/Habilitation gegeben                                             ‰            ‰             ‰
Anmerkung:

Arbeitsplatz und Arbeitsumfeld
Modern ausgestatteter Arbeitsplatz                                                         ‰            ‰             ‰
Moderne technisch-apparative Ausstattung im medizinischen Bereich                          ‰            ‰             ‰
Wissenschaftliche Bibliothek vorhanden                                                     ‰            ‰             ‰
Zugang zum Internet                                                                        ‰            ‰             ‰
Betriebliche Gesundheitsförderung                                                          ‰            ‰             ‰
Anmerkung:

Vergütung und geldwerte Vorteile
Übertarifliche Zulagen                                                                     ‰            ‰             ‰
Beteiligung an Einnahmen aus der Privatliquidation                                         ‰            ‰             ‰
Nebentätigkeiten/-einnahmen möglich                                                        ‰            ‰             ‰
Betriebliche Altersvorsorge                                                                ‰            ‰             ‰
(anteilige) Übernahme der Umzugskosten                                                     ‰            ‰             ‰
Hilfe bei der Wohnungssuche                                                                ‰            ‰             ‰
Anmerkung:

 12                                                                                        Westfälisches Ärzteblatt 7/2005
ÄRZTEKAMMER

Achtung: Wahlen!
Im September wird eine neue Kammerversammlung gewählt
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

    vom 28. August bis zum 28. September wird in diesem Jahr eine neue
Kammerversammlung gewählt. Dieses Organ der Selbstverwaltung, das Parla-
ment der 36.000 Ärztinnen und Ärzte im Landesteil Westfalen-Lippe, be-
stimmt den Weg unserer Ärztekammer in den kommenden
vier Jahren. Wir sollten uns immer vor Augen halten, dass un-
sere ärztliche Selbstverwaltung ein Privileg ist, das es – selbst
in Europa – so nicht oft gibt. Die Alternativen lauten: staatli-
ches Gesundheitswesen, Fremdbestimmung und mehr Büro-
kratie.
    Die Sozialsysteme unseres Landes befinden sich weiter in
einem Reformprozess und es ist wichtiger denn je, dass eine
starke Selbstverwaltung für unsere Interessen und die unserer
Patienten eintritt. Dazu brauchen Parlament und Vorstand der
Ärztekammer Westfalen-Lippe überzeugende Persönlichkei-
ten. Sie können bestimmen, wer dies in der kommenden Wahlperiode sein
wird. In der August-Ausgabe des Westfälischen Ärzteblatts werden die Wahl-
listen mit den Kandidatinnen und Kandidaten veröffentlicht.
    Je höher die Wahlbeteiligung ist, desto größer ist auch die Legitimation
und das politische Gewicht der ärztlichen Selbstverwaltung. Leider haben bei
der letzten Wahl im Jahr 2001 lediglich 54 Prozent der Wahlberechtigten ih-
re Stimme abgegeben. Lassen Sie sich dieses Mal motivieren: Mit Ihrer Stim-
me wählen Sie nicht nur einen Kandidaten, mit Ihrer Stimme treten Sie auch
für das Recht auf Selbstbestimmung unseres Berufsstandes ein!
    Wir beide, die wir für drei Wahlperioden Ihr Vertrauen als Wähler gewin-
nen konnten und als Präsident und Vizepräsident unsere Selbstverwaltung lei-
ten durften, werden für die nächste Kammerversammlung nicht mehr kandi-
dieren. Die ärztliche Selbstverwaltung, insbesondere die Geschicke unserer
Ärztekammer Westfalen-Lippe, liegen uns aber weiter am Herzen. Deshalb
möchten wir Sie heute noch einmal gemeinsam auffordern, Ihr Wahlrecht zu
nutzen und aus den zahlreichen kandidierenden Kolleginnen und Kollegen
Ihre Vertreter zu wählen, die unsere erfolgreiche Politik fortsetzen.
    Die Wahl ist eine Briefwahl – der Aufwand für Sie ist gering, der Nutzen
für uns alle groß. Machen Sie von Ihrem Wahlrecht Gebrauch!

Mit kollegialen Grüßen

Prof. Dr. Ingo Flenker, Präsident   Dr. Hans-Jürgen Thomas, Vizepräsident

Westfälisches Ärzteblatt 7/2005                                                        13
KVWL-VERTRETERVERSAMMLUNG

Erneute Diskussion
um Hausarztverträge
Die vom Sozialgesetzbuch V geforderten Hausarztverträge verursachen bei einem großen Teil der Delegierten der
Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung weiter Unbehagen. Ein vom Vorstand vorgestellter Rahmenvertrag mit
den Ersatzkassen im Landesteil – außer Barmer Ersatzkasse und Techniker Krankenkasse – führte erneut zu langen
Diskussionen.

von Andreas Daniel, Ärztliche Pressestelle Westfalen-Lippe

               M
                           it dem Paragrafen 73 b         • die Abwicklung und möglichst auch       des KV-eigenen Vertrages möglichst
                           des SGB V, mit dem der           die Vertragsgestaltung durch die        eng an denen des bereits bestehenden
                           Gesetzgeber die Kranken-         KVWL,                                   Barmer-Vertrages anzugleichen, um,
               kassen verpflichtet, Verträge über ei-     • der Teilnahmeanspruch für jeden         wie Thamer ausführte, „die Ärzte hier
               ne hausarztzentrierte Versorgung zu          Arzt,                                   nicht mit unterschiedlichen Verfah-
               schließen, hat Gesundheitsministerin       • adäquate Qualitätssicherungsanfor-      rensweisen zu belasten.“ Schließlich
               Ulla Schmidt offensichtlich einen            derungen, und                           wolle man im Sinne der Eckpunkte
               dicken Keil in die Vertragsärzteschaft     • möglichst eine Integration der Fach-    die fachärztliche Ebene klar integrie-
               getrieben. Während die eine Hälfte           ärzte.                                  ren. „Neben der allgemeinen Einbin-
               der Vertreterversammlung die soge-            „Wir haben die Verhandlungen           dung über Anschluss-Verträge auf
               nannten Hausarztverträge grundsätz-        über einen eigenen Vertrag zur haus-      Basis des § 140 (Integrierte Versor-
               lich begrüßt, lehnt die andere Hälfte      ärztlichen Versorgung vorangetrie-        gung) wollen wir eine quartalsüber-
               diese Verträge ebenso grundsätzlich        ben“, berichtete der 1. Vorsitzende Dr.   greifende Überweisung Schwerkran-
               ab. Am 4. Juni versuchten erneut bei-      Ulrich Thamer den 50 Delegierten.         ker ermöglichen“, so der 1. Vorsitzen-
               de Gruppen, die jeweils anders den-        Schließlich habe es den Auftrag der       de zu den Verhandlungen. „Darüber
               kenden Kolleginnen und Kollegen            Vertreterversammlung gegeben, Haus-       hinaus signalisieren einzelne Kassen,
               von der Richtigkeit ihrer Argumenta-       arztverträge seien eine gesetzliche       auch den Fachärzten eine Vertrags-
               tion zu überzeugen. Anlass war die         Vorgabe, die die Krankenkassen nicht      pauschale zu zahlen.“
               Vorstellung eines entsprechenden           ignorieren könnten, und letztlich sei        Mit diesen in Aussicht gestellten
               Vertrages zur hausärztlichen Versor-       es dem Vorstand auch darum gegan-         Beteiligungen waren die Vertreter der
               gung, den der Vorstand mit den Er-         gen, zusätzliches Honorar für die Mit-    Fachärzte in der Vertreterversamm-
               satzkassen des Landes schließen            glieder der KVWL zu erreichen. „Wir       lung keinesfalls zufrieden. Sie mo-
               wollte.                                    hielten es für sinnvoll“, führte Tha-     nierten einerseits, dass dem Parla-
                                                          mer weiter aus, „einen einheitlichen      ment zu wenig Zeit für „eine hinrei-
               Vorgaben der Vertreterver-                 kollektiven Vertrag mit möglichst vie-    chende Auseinandersetzung mit den
               sammlung berücksichtigt                    len Krankenkassen zu etablieren. Es       Inhalten“ des Vertrags geblieben sei.
                                                          hat sich aber gezeigt, dass die Kran-     Andererseits beklagten sie, dass der
                  Dabei hatte der Vorstand eigentlich     kenkassen unterschiedliche Interes-       vorgelegte Vertragsentwurf „nicht die
               alles richtig gemacht und die Vorga-       sen verfolgen, so dass die Einheitlich-   grundlegenden Prinzipien einer koor-
               ben der Vertreterversammlungen für         keit nicht zu halten ist.“ Verhandlun-    dinierten hausärztlich/fachärztlichen
               den Abschluss von Hausarztverträ-          gen mit dem Primärkassen zögen sich       Versorgung“ beinhalte. Die Fachärzte
               gen, an denen die Kassenärztliche          noch hin. Mit den Ersatzkassen stehe      beantragten daher, die Vertreterver-
               Vereinigung Westfalen-Lippe betei-         man nun kurz vor dem Abschluss:           sammlung möge den Vertrag ableh-
               ligt ist, berücksichtigt. In der Vertre-   „Der VdAK will – mit Ausnahme der         nen und in die Ausschüsse zurückver-
               terversammlung am 26. Januar hatte         BEK und der TK – einen Rahmenver-         weisen. Der Vorstand, für den Ab-
               sich die Diskussion am Vertrag zwi-        trag nach § 73 b abschließen, den er      schluss von Verträgen zuständig und
               schen der Barmer Ersatzkasse und           mit vier Kassenärztlichen Vereinigun-     verantwortlich, sollte aufgefordert
               dem Hausarztverband BDA entzün-            gen als großes Modellprojekt laufen       werden, dem Votum der Vertreterver-
               det. Für künftige Verträge hatten die      lassen will. Baden-Württemberg, Hes-      sammlung zu folgen. Der Antrag wur-
               Delegierten einen Vorschlag des Vor-       sen und Nordrhein sind mit im Boot.       de jedoch mit 22 zu 20 Stimmen ab-
               standes mit vier Eckpunkten zuge-          Dieser Vertrag wird extrabudgetär         gelehnt.
               stimmt, an denen weitere Hausarzt-         vergütet.“                                   Dr. Thamer erklärte für den Vor-
               verträge gemessen werden sollten              In seinen Verhandlungen strebe der     stand, dass man mit den Kassen über
               (vgl. WÄB 4/05, S. 7):                     Vorstand zudem an, die Modalitäten        einige der Punkte, die in der Vertre-

 14                                                                                                       Westfälisches Ärzteblatt 7/2005
KVWL-VERTRETERVERSAMMLUNG

terversammlung kritisiert oder be-
mängelt worden waren, weitere Ver-
handlungen führen werde. Er stellte
aber auch klar, dass Verhandlungen
und Vertragsabschlüsse allein Sache
des Vorstands seien, die nicht der Zu-
stimmung der Vertreterversammlung
bedürften. Es sei ihm aber deutlich
geworden, dass die notwendige An-
hörung der beratenden Fachausschüs-
se wegen des Zeitdrucks nicht umfas-
send genug erfolgt sei. Das werde
jetzt kurzfristig nachgeholt.
   „Ein solcher Vertrag“, fasste der 1.
Vorsitzende die Ansicht des Vorstan-
des zusammen, „ist ein wichtiger
Schritt. Er erfüllt nicht nur die gesetz-
liche Vorgabe, sondern unterzieht das
Modell der hausarztzentrierten Medi-
zin einem flächendeckenden Test.
Wie wird die Akzeptanz sein? Erge-
ben sich Vorteile für den Patienten?
Wie entwickeln sich die Kosten? Wir          SCHLINGMANN-MEDAILLE: Bei der Vertreterversammlung am 4. Juni ehrte die KVWL zwei Ärzte,
werden diese Fragen besser beant-            die sich um die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe besonders verdient gemacht haben.
worten können, wenn wir diesen Ver-          Vertreterversammlungs-Vorsitzender Dr. Bernhard Schiepe (l.) und 1. Vorsitzender Dr. Ulrich
trag in drei großen Bundesländern            Thamer (2. v. r.) gratulierten Dr. Wolfgang Bangen und Dr. Wolfgang Aubke (r.). Dr. Bangen, der
evaluieren können.“                          bis 2004 der Vertreterversammlung angehört hatte, war u. a. stellvertretender Leiter der
                                             Verwaltungsstelle Münster und langjähriger Vorsitzender des KVWL-Finanzausschusses. Dr.
Strategiepapier des Vorstands                Wolfgang Aubke, ebenfalls bis 2004 Mitglied der Vertreterversammlung, hatte bis 2004 als 2.
positiv aufgenommen                          Vorsitzender des Vorstands die Geschicke der KVWL mitbestimmt.                   Foto: Isa

   „Wir müssen unsere KV zukunfts-
fähig machen“. Mit diesem Anspruch          gungsformen – z. B. die Integrierte      richt. Besonders erfreulich: Die Ser-
hat der Vorstand der KVWL ein Stra-         Versorgung – nicht scheuen“, so Tha-     vice-Leistungen der KVWL kommen
tegiepapier erarbeitet, das von den         mer. „Der Schlüssel zur Versorgungs-     bei den Mitgliedern gut an. Jeden
Vorstandsmitgliedern Dr. Ulrich Tha-        steuerung ist nicht das Krankenhaus,     Monat wenden sich rund 9.000 Ärzte
mer und Dr. Thomas Kriedel der Ver-         sondern die Arztpraxis. Wenn es uns      oder Psychotherapeuten an die Servi-
treterversammlung vorgestellt wurde.        gelingt, Modelle zu entwickeln, die      ce-Center in Münster und Dortmund.
„Uns geht es um eine grundlegende           dies umsetzen, dann sind wir starke      Absolute Spitze war der Monat April
Weichenstellung“, erläuterte Thamer,        Wettbewerbe und dienen gleichzeitig      mit der Einführung des EBM mit
„damit die KVWL weiter erfolgreich          bestmöglich unseren Mitgliedern.“        16.625 Anrufen, die alle eine kompe-
für ihre Mitglieder arbeiten kann. Un-         Die Vertreterversammlung stimmte      tente Antwort erhielten.
ser Anspruch ist dabei: Die KVWL            dem neuen Kurs ohne Einschränkun-           Sehr positiv waren die Reaktionen
gestaltet das Gesundheitswesen auch         gen zu und beauftragte den Vorstand,     auf den Informationsstand der
in Zukunft entscheidend mit.“               die Strategien in dieser Richtung wei-   KVWL im Rahmen der Borkumer
   Die KV will nicht nur ihre körper-       ter voranzutreiben (vgl. den Artikel     Fortbildungswoche: „... endlich seid
schaftlichen Aufgaben kompetent             von Dr. Kriedel auf Seite 16).           ihr mal da“, wurde Dr. Dryden be-
wahrnehmen. Darüber hinaus soll sie            Vorstandsmitglied Dr. Wolfgang-       grüßt. Deshalb, so der 2. Vorsitzende,
sich als starker Teilnehmer im Wett-        Axel Dryden, zuständig für die Kern-     würden die Service-Angebote weiter
bewerb positionieren: „Wir wollen           bereiche Abrechnung und Qualitätssi-     ausgebaut und der Informationsstand
deutlich machen, dass wir einen fai-        cherung, gab der Vertreterversamm-       der KV sei künftig ein fester Bestand-
ren Wettbewerb um neue Versor-              lung eine detaillierten Sachstandsbe-    teil des Borkum-Programms.

Westfälisches Ärzteblatt 7/2005                                                                                                            15
UNTERNEHMENSSTRATEGIE

Die Unternehmensstrategie
der KVWL
Das Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG) hat das Selbstverständnis und die Rechtsstellung der Kassenärztlichen
Vereinigungen nachhaltig verändert. Notwendig ist deshalb eine Überprüfung der bisherigen Strategie und eine Erweiterung
auf Unternehmens- und Geschäftsbereichsziele. Diese strategische Neupositionierung soll die KVWL auf die erkennbaren
Herausforderungen ausrichten und damit in einem stärker wettbewerblich orientierten Gesundheitssystem zukunftssicher
machen.

von Dr. rer. pol. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KVWL

                            U
                                      m sich zu posi-       • die Politik und
                                      tionieren und an-
                                      gemessen auf die
                                                            • Einnahmeausfälle und der damit
                                                              verbundene Kostendruck.
                                                                                                                   „Neue
                            Zukunft vorbereitet zu                                                           Geschäftsfelder wer-
                            sein, bedarf es einer fun-      Umweltanalyse bis 2010                           den eine Ergänzung,
                            dierten Analyse, was diese
                            Zukunft      voraussichtlich         Die Analyse der Strategietreiber
                                                                                                             aber kein Ersatz für
                            bringen wird. Einwirken           lässt für den Zeitraum bis 2010 er-              die klassischen
                            auf die Entwicklung – als         warten, dass der eingeleitete Prozess             Aufgaben der
                            sogenannte Strategietreiber       der Deregulierung der Kassenärzt-
                            – werden für die KVWL             lichen Vereinigungen sich fortsetzt.
                                                                                                             Mitgliederbetreuung

 Dr. Thomas Kriedel
                            • die eigenen Mitglieder,
                            • die Krankenkassen,
                                                              Kurz gesagt: Das „Versorgungsmono-
                                                              pol“ für vertragsärztliche Versorgung
                                                                                                                   sein.  “
                                                                       wird sukzessive aufgehoben,
                                                                       immer größere Bereiche wer-     zen und zunehmenden Anteilen am
                                                                       den in den „Wettbewerb“ ent-    Bruttosozialprodukt. Kann die KVWL
   Strategische Optionen                                               lassen. Eine vollständige De-   zukünftig neben der vertragsärzt-
                                                                       regulierung und damit voll-     lichen Versorgung eine erweiterte Pa-
                                                                       ständige     wettbewerbliche    lette medizinischer Dienstleistungen
                                                                       Orientierung des Gesund-        – ambulante und stationäre Versor-
                                                                       heitswesens ist allerdings      gung, Medikamentenversorgung, Heil-
                    A                        B         C               nicht zu erwarten. Wegen der    mittelversorgung – über Verträge an-
                                                                       großen sozialpolitischen Be-    bieten oder organisieren, erreicht sie
                                                                       deutung des Gesundheitssek-     damit für ihre Mitglieder höhere Ho-
                                                                       tors wird ein Teil an ord-      norare und Marktanteile. Gleichzeitig
                                                                       nungspolitischer Verantwor-     können Qualität und Effizienz der
   Bereich A:                                                          tung des Staates mit hoher      Versorgung steigen. Den Krankenkas-
   Kerngeschäft der KV als Basis auch in der Zukunft                   Wahrscheinlichkeit Aufgabe      sen und insbesondere den großen Ver-
   Bereich B: Mit Kompetenzen (Kerngeschäft) im Wettbe-                der Kassenärztlichen Vereini-   sorgerkassen können kollektive Ver-
   werb agieren                                                        gungen bleiben. Die Reduzie-    träge über integrierte Versorgung re-
   Bereich C:                                                          rung der Pflichtaufgaben der    gional oder lokal angeboten werden.
   Neue, zusätzliche Geschäftsfelder erschließen                       Kassenärztlichen Vereinigun-    Denkbar ist auch, dass in diesen Ver-
                                                                       gen – Sicherstellungsauftrag,   trägen gegen entsprechende Risikozu-
   Im eigentlichen Kerngeschäft (Strategiefeld A), das weiter          Interessenvertretung – führt    schläge das komplette Versorgungsri-
   Basis der KV sein wird, bekommen die Mitglieder besseren            zu einem spürbaren Verlust      siko (Morbiditätsrisiko) übernommen
   Service zu gleichen Kosten. Wo integrierte Versorgung ohne          an Einfluss und zu schwin-      wird.
   KV gemacht wird, will die KVWL zumindest die Abrechnung             dender Finanzkraft.                Keine andere Strategie bietet im
   übernehmen und sich so mit einem Kerngeschäft in den                   Neben Risiken bietet der     zukünftigen sozial- und wirtschafts-
   Wettbewerb begeben (Strategiefeld B). Insbesondere will             Prozess der Deregulierung       politischem Umfeld eine vergleichba-
   die KVWL nach Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedin-               der KVWL auch Chancen.          re Chance. Damit ist diese Strategie
   gungen auch selbst medizinische Versorgung über verschie-           Insgesamt ist das Gesund-       zum Vorteil sowohl der KV als Insti-
   dene Sektoren anbieten (Strategiefeld C).                           heitswesen ein Zukunfts-        tution als auch der wirtschaftlichen
                                                                       markt mit steigenden Umsät-     Interessen ihrer Mitglieder.

 16                                                                                                          Westfälisches Ärzteblatt 7/2005
UNTERNEHMENSSTRATEGIE

Besser als mögliche
Konkurrenten                                Beispiel-Portfolio
   Wettbewerb bedeutet für die KVen:
Sie müssen heutige Pflichtmitglieder,             hoch          • erweiterte Dienstleistungen             • Kollektive I. V.-Versorgung
wo sie Einzelverträge schließen kön-                            • Praxis-Beratungen                       • Globalbudget in eigener Ver-
nen, als Kunden an die KV binden                                • Ergänzungsgeschäft                        antwortung
und gleichzeitig neue Kunden im                                                                           • § 140 Management
Wettbewerb gewinnen. Konkurrenten                                                                         • vertragliche Sicherstellung
wie Krankenhäuser und externe                                                                             • IT-Infrastruktur
Dienstleister – Privatärztliche Ver-
rechnungsstellen, Berufsverbände –                              I                                         III
werden aktiver.                             Marktwachstum
   Im Vergleich mit möglichen Kon-
kurrenten hat die Kassenärztliche                               hoheitliche Aufgaben                      • Abrechnung
Vereinigung Westfalen-Lippe heute                               • Sicherstellung hoheitlich               • QS
den einzigartigen Vorteil, im gesam-                            • Gewährleistung (KV)                     • Notdienst
ten Kerngeschäft präsent zu sein und                            • Prüfungen                               • Schutz der Mitglieder
diese Leistungen qualifiziert anzubie-                          • Disziplinarwesen                        • Interessenvertretung
ten. Die KVWL muss ihre Position
des Komplettanbieters behaupten und
stärken. Sie muss sich allerdings aus             niedrig       II                                        IV
dem Kerngeschäft auch hin zu neuen
Erweiterungsgeschäften orientieren.
                                                                    niedrig                                                         hoch
Da die Konkurrenten primär Nischen
besetzen bzw. Kostenführerschaft auf                                                          Marktattraktivität
Teilmärkten anstreben werden, muss
die KVWL ihre strategische Ausrich-
tung in der direkten Konkurrenz, z. B.
um Abrechnungsleistungen entspre-        Unternehmensziele der KVWL                   Weiterhin attraktiv für die KVWL
chend der Marktausrichtung fokussie-                                               bleiben die Bereiche der Abrechnung,
ren.                                        Für die Festlegung der Unterneh-       der Qualitätssicherung, des Notdien-
   Bedrohlich kann werden, wenn die      mensziele muss das Leistungsangebot       stes, vor allem aber der Schutz der
Politik der KVWL weiterhin Ge-           der KVWL klassifiziert werden nach        Mitglieder und die Interessenvertre-
schäftstätigkeiten untersagt und kapi-   dem bis 2010 erwarteten Markt-            tung bzw. Gewerkschaftsfunktion für
talstarke Konkurrenten (Pharmafir-       wachstum und der Attraktivität dieser     die Mitglieder. Hieraus wird die
men, Klinikketten) in den Markt ein-     Geschäftsfelder. Bei der Attraktivität    KVWL auch weiterhin den Hauptteil
treten werden.                           geht es vor allem darum, inwieweit        ihrer Einnahmen generieren. Insofern
                                         diese Portfolio-Elemente einen Bei-       ist dieser Bereich attraktiv, selbst
Die Vision der KVWL                      trag zum langfristigen Unterneh-          wenn er unterdurchschnittliches
                                         menserfolg leisten. Marktwachstum         Wachstum aufweisen sollte.
   Aus dieser Analyse leitet sich die    alleine ist kein positives Kriterium,        Die KV Westfalen-Lippe macht Po-
veränderte Unternehmensphilosophie       sofern nicht eine entsprechende           litik für ihre Mitglieder: Deshalb
der Kassenärztlichen Vereinigung         Marktgröße hinzu tritt.                   müssen Interessenvertretung, Bera-
Westfalen-Lippe ab: Wir bieten und          Unter diesen Aspekten ist das Port-    tung und Service weiterentwickelt
organisieren umfassende und quali-       folio der KVWL klassifiziert (s.          werden. Die strategische Neuausrich-
tätsgesicherte Medizin.                  Abb.). Die Darstellung geht davon         tung ist nur als Ergänzung, nicht als
   Diese Vision geht über den bisheri-   aus, dass die eigentlichen gesetz-        Ersatz für klassische Aufgaben der
gen rechtlichen Status und Aufgaben-     lichen Aufgaben wie Sicherstellung,       Mitgliederbetreuung zu verstehen.
stellung der Kassenärztlichen Vereini-   Gewährleistung, Prüfung oder Diszi-       Die Stärken der Kassenärztlichen
gung mit dem Fokus in der Sicher-        plinarwesen eine geringere Attrakti-      Vereinigungen, die demokratische
stellung der ambulanten vertragsärzt-    vität für die KVWL haben, auch weil       Mitwirkung an der Willensbildung
lichen Versorgung hinaus. Konse-         sie von ihren Mitgliedern nicht nach-     und die Vertretung aller Arztgruppen
quenz erfordert die neue Unterneh-       gefragt werden. Für die Politik und       sind zu erhalten und weiterzuentwik-
mensphilosophie auch ein neues           ggf. die Krankenkassen können sie         keln. Erst vor diesem Hintergrund ist
Unternehmensleitbild. Aus dem            sehr attraktiv sein, weil keine andere    eine Strategie der Öffnung und Er-
Unternehmensleitbild sind dann die       Organisation diese Ordnungsfunktion       weiterung des Spektrums möglich
Unternehmensziele abzuleiten.            bieten kann.                              und Erfolg versprechend.

Westfälisches Ärzteblatt 7/2005                                                                                                            17
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