WESTFALISCHES ARZTEBLATT - Ärztekammer Westfalen-Lippe
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H 11235 E
WESTFALISCHES
ARZTEBLATT 7/05
Mitteilungsblatt der Ärztekammer Westfalen-Lippe und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe
ÄRZTEKAMMER
„Wer die Qualität anderer
prüft, muss seine eigene
darlegen können“ ZERTIFIZIERTE QUALITÄT
KVWL-VERTRETERVERSAMMLUNG
Erneute Diskussion
um Hausarztverträge
Die Unternehmensstrategie
der KVWL
GESUNDHEITSKONFERENZEN
Kommunale Gesundheits-
politik mitgestalten
GENDER MAINSTREAMING
Gender-Aspekt ist wichtiges
Qualitätsmerkmal in der
Medizin
Checkliste für den
„Idealen Arbeitsplatz“
Seite llINHALT
EDITORIAL
Qualitätssicherung
Wenig Begeisterung „Wer die Qualität anderer prüft,
muss seine eigene darlegen
B egeistert ist eigentlich keiner, wenn es
um die Umsetzung der den Kranken-
kassen per Gesetz vorgeschriebenen
Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung
nach § 73 b SGB V geht. Die Krankenkassen
können“
Zitronen falten mit QM
QM sorgt für Erfolgserlebnisse
Die Abteilung Qualitätssicherung
7
8
9
– Zahlen, Daten, Fakten 10
müssen solche Verträge mit zusätzlichem Geld
beitragsrelevant finanzieren und sollen den-
noch den Beitragssatz absenken. Die BEK um- Arbeitsplatz Krankenhaus
geht den § 73 b und legt werbewirksam eine Checkliste hilft bei der Suche
bundesweite Variante auf, indem sie auf die nach dem idealen Arbeitsplatz 11
Anschubfinanzierung der 140er-Verträge zu-
rückgreift. Sie lässt sich den Vertrag zulasten KVWL-Vertreterversammlung
der Vertragsärzte und der Krankenhäuser fi- Erneute Diskussion um Haus-
nanzieren. Wie der Spiegel berichtet, scheint Dr. Ulrich Thamer arztverträge 14
die BEK sich dennoch zu verheben und hat 1. Vorsitzender der Die Unternehmensstrategie
Probleme mit dem Geld und dem Beitragssatz. der KVWL 16
Kassenärztlichen Vereinigung
Eine erste Studie des Robert-Koch-Institutes
belegt, dass das System durch die hausarztzen- Westfalen-Lippe Gesundheitskonferenzen
trierte Versorgung teurer wird. „Kommunale Gesundheitspoli-
Nur behutsam wagen sich die meisten Kassen deshalb an diesen teuren
tik mitgestalten“ 18
Gesetzesauftrag und legen zunächst Modellprojekte auf, so den VdAK-Ver-
trag in Westfalen-Lippe. Damit genügen sie dem Gesetz. Denn keiner weiß,
KVWL Consult
wie sich die Verträge langfristig auswirken werden. Sie wurden vom Gesetz-
Liquiditätsplanung schafft
geber in das deutsche Gesundheitssystem implementiert, ohne dass es dazu
Versorgungsdaten gibt. Sicherheit und Zukunftsperspek-
Viele Hausärzte unterschreiben die Verträge mit der geballten Faust in der tive 19
Tasche, weil die Patienten drängen. Denen sind zehn Euro mehr wert, als wir
gedacht haben, und manche würden deshalb sogar ihren vertrauten Arzt Gender Mainstreaming
wechseln. Doch die Hausärzte wollen sich nicht von den Krankenkassen se- Gender-Aspekt ist wichtiges Quali-
lektionieren lassen. Das Aufrüsten auf die geforderte Qualität kostet Zeit und tätsmerkmal in der Medizin 8
Geld. Und in den Verträgen sind auch Haftungsrisiken verborgen.
Fachärzte fühlen sich durch die Verträge aus dem System gedrängt und
möchten sich mit ihren Interessen einbringen: Nur in einer geregelten Zu-
sammenarbeit zwischen Haus- und Fachärzten ließen sich die Patienten nach Magazin
den geltenden Standards behandeln. Informationen aktuell 4
Kassenärztliche Vereinigungen schließlich sehen sich gezwungen, Verträge Persönliches 21
nach § 73 b abzuschließen. Tun Sie das nicht, müssen sie befürchten, dass die Ankündigungen der Akademie
Krankenkassen an ihnen vorbei agieren und die Anschubfinanzierung der in-
für ärztliche Fortbildung der
tegrierten Versorgung zulasten der Gesamtvergütung anzapfen.
ÄKWL und KVWL 23
Wenn also außer Ulla Schmidt und wenigen Funktionären keiner wirklich
Fortbildung in den
Interesse an den Verträgen hat und niemand weiß, wie die hausarztzentrierte
Versorgung sich auswirkt, sollten alle Beteiligten das Gesetz schlank umset- Verwaltungsbezirken 49
zen, regionale Modellversuche durchführen und die Evaluation abwarten. Po- Ankündigungen des Instituts
litikfolgenforschung heißt der Auftrag! Es gibt ganz sicher auch andere Mo- für ärztliches Management 22, 42
delle einer vernünftigen Versorgung. Die KVWL z. B. will Honorarnetze för- Bekanntmachungen der ÄKWL 43
dern und ihnen einen Versorgungsauftrag geben bis hin zu einer Capitation, Bekanntmachungen der KVWL 45
die die Gesamtversorgung einer Region umfasst. Ein Versorgungsverbund mit
weitgehender Autonomie könnte die Rivalitäten zwischen Haus- und Fach- Impressum 46
ärzten und den Krankenhäusern beenden und die Versorgung für die Patien-
ten effizient machen. Auch das ließe sich modellhaft erproben.
Westfälisches Ärzteblatt 7/2005INFORMATIONEN AKTUELL
16-STÜNDIGER QUALIFIKATIONSKURS
Fortbildung zu neuen nen. Innerhalb dieser Zeit können sie ren, die inhaltlich den Vorgaben der
die notwendige Qualifikation nach- Anlage 1 der Richtlinien entspricht,
Rehabilitations-
weisen. 16 Stunden umfasst, mit Erfolg abge-
richtlinien Die Qualifikation gilt als erfüllt schlossen wird und von der Kassen-
und die Genehmigung wird erteilt, ärztlichen Vereinigung entsprechend
Nach Ablauf einer Übergangsrege- wenn der/die Vertragsarzt/-ärztin: anerkannt ist.
lung müssen ab 01.04.2006 die Vor- • die Gebietsbezeichnung „Physikali- Die Akademie für ärztliche Fortbil-
aussetzungen nachgewiesen werden, sche und rehabilitative Medizin“ be- dung der ÄKWL und der KVWL
um auch zukünftig Rehabilitations- sitzt oder führt solche Fortbildungen in Biele-
maßnahmen im Rahmen der Gesetz- • über die Zusatzbezeichnung „Sozi- feld, Dortmund und Münster durch.
lichen Krankenversicherung verord- almedizin“ oder „Rehabilitations- Nähere Informationen zu den Veran-
nen zu können. Der Nachweis hat wesen“ verfügt oder staltungen finden Sie auf den gelben
gegenüber der Kassenärztlichen Ver- • über die fakultative Weiterbildung Fortbildungsseiten dieser Ausgabe,
einigung zu erfolgen. „Klinische Geriatrie“ verfügt oder Seite 28 sowie im Online-Fortbil-
Die Richtlinien des Gemeinsamen • eine mindestens einjährige Tätigkeit dungskatalog der Akademie für ärztli-
Bundesausschusses über Leistungen in einer stationären oder ambulanten che Fortbildung der ÄKWL und der
zur medizinischen Rehabilitation se- Reha-Einrichtung nachweist oder KVWL unter http://www.aekwl.de
hen vor, dass die Verordnung von • im Jahr vor Antragstellung auf Ge-
Leistungen zur medizinischen Reha- nehmigung mindestens 20 Reha-
bilitation zulasten der Gesetzlichen Gutachten erstellt hat. Ansprechpartner Fortbildungskurse:
Krankenversicherung nur solchen Die Kassenärztliche Bundesverei- Akademie für ärztliche Fortbil-
Ärzten/innen vorbehalten ist, die eine nigung (KBV) hat zwischenzeitlich dung der ÄKWL und der
besondere Qualifikation nachweisen klargestellt, dass nur solche Gutach- KVWL, Münster, Elisabeth
können. Mit Wirkung vom 01.03. ten anerkannt werden können, deren Borg, Melanie Dreier,
2005 ist die Qualitätssicherungsmaß- Inhalt und Umfang einem Reha-Gut- Tel. 02 51/929-22 01
nahme zur Verordnung von Leistun- achten nach Vordruckmuster 61 (Teil
gen zur medizinischen Rehabilitation A – D) entspricht. Diese können auch Ansprechpartner Genehmigungen:
gemäß § 135 Abs. 2 SGB V in Kraft, für die Renten- oder Unfallversiche- Kassenärztliche Vereinigung
die im Nachgang zu den Bundesaus- rungen erstellt worden sein. Einfache Westfalen-Lippe, Dortmund,
schuss-Richtlinien das Genehmigungs- Befundberichte für Rentenversiche- Hedwig Pflanz, Sabine Venja-
verfahren zur Verordnung von Reha- rungsträger, z. B. im Zusammenhang kob, Tel. 02 31/94 32-344
bilitation regelt. Die Rehabilitations- mit Kurmaßnahmen, reichen nicht
Richtlinien sehen eine Übergangsfrist aus. Kassenärztliche Vereinigung
bis zum 31.03.2006 vor, in der Ärz- Für Ärzte/innen, die keine dieser Westfalen-Lippe, Münster,
te/innen auch ohne Genehmigung Voraussetzungen erfüllen, besteht die Maike Kaufmann,
weiterhin Leistungen zur medizini- Möglichkeit, sich durch die Teilnah- Tel.: 02 51/929-15 57
schen Rehabilitation verordnen kön- me an einer Fortbildung zu qualifizie-
Das mibeg-Institut Medizin startet Unter Mitwirkung von Beginn: 4. November 2005
im November 2005 zum vierten Mal Dr. med. Thomas Beushausen, Dr.
das med. Enno Bialas, Dr. med. Rainer Dauer: Sieben Wochenendeinhei-
Brase, Dr. med. Dietmar Herber- ten im Zeitraum eines Jahres
Intensivseminar hold, Prof. Dr. med. Thomas Ker-
Krankenhausleitung sting, Dr. med. Robert Schäfer, Dr. Interessenten wenden sich bitte an:
für Ärztliche Direktoren med. Andreas Tecklenburg, Dr. med.
und Chefärzte Jörg Weidenhammer mibeg-Institut Medizin
Dipl. Päd. Barbara Rosenthal
Das Intensivseminar transportiert Sachsenring 37–39, 50677 Köln
Postgraduierte Fortbildung des mi- praxisnah Wissen zu den operativen, Tel. 02 21/33 60 46-11/-10
beg-Instituts Medizin und der Ärz- dispositiven und strategischen Ent- Fax: 02 21/33 60 46-66
tekammern Nordrhein und Westfa- scheidungen, die Ärztliche Direkto- E-Mail: medizin@mibeg.de
len-Lippe ren realisieren und verantworten www.mibeg.de
müssen.
4INFORMATIONEN AKTUELL
14. SYMPOSIUM DES VEREINS ANWÄLTE FÜR ÄRZTE
Mehr Freiheit – aber die Grenzen bleiben eng sierte in seinem Vortrag, dass die
Freiberuflichkeit des Arztes ständig
weiter eingeschränkt werde – jeden-
„Ärztliche Berufsrecht im Um- ordnung von Ärzten als Einzelkämp- falls gelte dies für den Vertragsarzt.
bruch – grenzenlose Freiheit für Ärz- fern ausging, galt es durch die neue Laut Dr. Steinhilper fehlen dem Arzt
te?“: Mit dieser Frage beschäftigte Muster-Berufsordnung die Struktu- entscheidende Merkmale einer Frei-
sich jetzt das 14. Symposium des Ver- ren ambulanter ärztlicher Versorgung beruflichkeit. So könne er Arbeitsum-
eins Anwälte für Ärzte e. V. in Mün- weiter zu entwickeln und so die Wett- fang und den Preis seiner Leistung
chen. Hintergrund, so der Verein in bewerbsfähigkeit gegenüber neueren nicht selbst bestimmen und werde zu-
einer Pressemitteilung, seien die Neu- Versorgungstypen sicherzustellen. sätzlich durch den Einheitlichen Be-
erungen in der Muster-Berufsord- Nach Ansicht Kochs habe die Stan- wertungsmaßstab eingeengt. Steinhil-
nung, die erhebliche Auswirkungen desvertretung in vorbildlicher Weise per stellte darüber hinaus anschaulich
auf die Berufsausübung der Ärztin- als Vorreiter die Initiative ergriffen dar, welche Beeinträchtigungen Ärzte
nen und Ärzte haben. Zu diesem The- und die Novellierung beschlossen. bei ihrer vertragsärztlichen Tätigkeit
menkreis hatte der Verein auch Fach- Hierbei habe man in Kauf genom- hinzunehmen haben.
leute aus Westfalen als Referenten men, dass zur vollen Wirksamkeit der Prof. Dr. Ingwer Ebsen (Frank-
eingeladen. geänderten Vorschriften jetzt Kolli- furt/M.) und Prof. Dr. Dr. Klaus Ul-
Bertram F. Koch, Justitiar der Ärz- sionen etwa mit dem Kassenarztrecht senheimer (München) referierten
tekammer Westfalen-Lippe, bezeich- zu lösen seien. über verfassungsrechtliche und euro-
nete in seinem Referat die derzeitige Rechtsanwalt Dr. Gernot Steinhil- päische Vorgaben für das Berufsrecht
Situation im ärztlichen Berufsrecht per, Justitiar der Kassenärztlichen sowie die aktuelle Rechtsprechung
als außergewöhnlich. Eine derartige Vereinigung Westfalen-Lippe, hielt zum Untreuetatbestand.
Entwicklung sei noch vor zwei bis der vom Ärztetag beschlossenen grö- Eine Zusammenfassung der Vorträ-
drei Jahren völlig undenkbar gewe- ßeren Berufsfreiheit für Ärzte den ge gibt es im Internet unter
sen. Während die bisherige Berufs- Spiegel der Wirklichkeit vor. Er kriti- www.afae.de
Westfälisches Ärzteblatt 7/2005 5ÄRZTEKAMMER
„Wer die Qualität anderer prüft,
muss seine eigene darlegen können“
Wer eilig ins Ärztehaus Münster hineingeht, könnte ihn glatt übersehen – doch der schlichte silberne Bilderrahmen gleich am
Eingang zur Ärztekammer ist etwas Besonderes: Er enthält die Zertifizierungsurkunde, mit der TÜVmed der Kammer beschei-
nigt, in ihrer Abteilung Qualitätssicherung ein Qualitätsmanagement-System eingeführt zu haben und dieses auch anzuwenden.
Die Ärztekammer Westfalen-Lippe ist damit die bisher einzige Kammer im Bundesgebiet, die sich selbst auferlegt hat, was sie
auch von ihren Mitgliedern erwartet: Qualitätvolle Arbeit transparent und überprüfbar machen.
von Klaus Dercks, Ärztliche Pressestelle Westfalen-Lippe
W
er die Qualität anderer
prüft, muss seine eigene
Qualität darlegen kön-
nen“: Das klingt einfach, ist aber
längst nicht überall selbstverständ-
lich. „Wir stehen bei unserer Arbeit
täglich neu in einem Spagat“, bringt
es Karoline Tiemann auf den Punkt:
Auf der einen Seite stehen die Inter-
essen und Erwartungen der Ärzte und
Krankenhäuser an die Ärztekammer
als Standesvertretung. „Andererseits
wird von uns erwartet, dass wir Kon-
trolle ausüben und zu Sanktionen be-
reit sind.“ Transparenz, Berechenbar-
keit und Nachvollziehbarkeit der
Leistungen seien deshalb in den Au- Lead-Auditorin Dipl.-Pflegepädagogin FH Gisela Kirsch von RWTÜV Systems (M.)
gen der „Kunden“ die wichtigsten überreichte die Zertifizierungsurkunde und gratulierte zur erfolgreichen
Gütekriterien, um die Arbeit der Einführung eines QM-Systems (v. l.: Abteilungsleiter Dr. Jochen Bredehöft,
Kammer zu beurteilen. Karoline Tie- ÄKWL-Präsident Prof. Dr. Ingo Flenker, Vizepräsident Dr. Hans-Jürgen Thomas
mann arbeitet als Ärztin und Quali- und ÄKWL-Geschäftsführer Dr. Michael Schwarzenau. Fotos: Dercks
tätsmanagerin in der Abteilung Quali-
tätssicherung und ist mit fünf Stunden
pro Woche auch für das Qualitätsma- strie, „aber sie ist auch für unsere Ärztliche Stelle nach der Röntgenver-
nagement als Beauftragte zuständig. Zwecke wie für den Klinik- und Pra- ordnung, die externe Qualitätssiche-
xisbereich wunderbar anzuwenden.“ rung nach § 137 Sozialgesetzbuch,
Entscheidung für das Referat „Sucht und Drogen“ und
umfangreichsten Ansatz QM-Handwerk die Qualitätssicherung Onkologie in
Westfalen-Lippe. „Ein ungewöhnlich
Der Auftrag der Landesregierung, „Jetzt geht es los, jetzt fangen wir breites Aufgabenspektrum, fast jeder
die Zertifizierung für die Brustzen- an“, das sei die Stimmung nach dem Mitarbeiter hat mehrere Aufgabenge-
tren zu übernehmen, gab 2004 für den „Kick off“, einer Auftaktveranstal- biete zu betreuen.“
Kammervorstand den letzten Anstoß, tung für die Einführung des Qualitäts-
ein Qualitätsmanagementsystem in management-Systems gewesen, er- Besonderes Augenmerk
der Ärztekammer einzuführen. „Die innert sich Karoline Tiemann. Was auf Kundenorientierung
Ärztekammer hat sich dabei für das danach kam, war zunächst „QM-
Qualitätsmanagementsystem nach Handwerk“. „Was tun wir hier?“ war Eine weitere Aufgabe sei es gewe-
DIN EN ISO 9001:2000 entschie- die Frage, anhand derer die Mitarbei- sen zu vermitteln, dass alle Mitarbei-
den“, berichtet Karoline Tiemann. ter der Abteilung Arbeitsprozesse be- ter ihre Arbeit für die ,Kunden' ver-
„Die hat den umfangreichsten Ansatz nennen und analysieren mussten. Ei- richten, erläutert die Qualitätsma-
und ist am besten kompatibel mit an- ne umfangreiche Aufgabe: In nur ei- nagement-Beauftragte weiter. Auf
deren QM-Systemen.“ Zwar komme ner Abteilung finden sich so unter- diese „Kundenorientierung“, eine
die Norm ursprünglich aus der Indu- schiedliche Arbeitsbereiche wie die weitere Säule des Qualitätsmanage-
Westfälisches Ärzteblatt 7/2005 7ÄRZTEKAMMER
Zitronen falten mit QM
von Dr. Jochen Bredehöft, Abteilungsleiter Verantwortlichkeiten. Auch für das Spiel selbst gibt es
Qualitätssicherung der ÄKWL klare Spielregeln. Die Leitung muss sich natürlich bei
Aufgaben und Terminen auf das Maß an Verbindlich-
„Wer glaubt, dass Abteilungsleiter Abteilungen lei- keit einlassen, das sie von den Mitarbeitern fordert.
ten, glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten“. Hier sind die Spieße exakt gleich lang, wenngleich die
In diesem bekannten Spruch wird ein vernichtendes Mitarbeiter den Chefs manchmal (noch) einen gewis-
Urteil über die Führung gefällt. Die Arbeitsprozesse sen Leitungsbonus einräumen (müssen).
laufen aus Sicht der „da unten“ auch ohne „die da So wie die Leitung selbstverständlich Mitarbeiter be-
oben“. Und die Frage müsste eigentlich heißen: Was urteilen darf und muss, so muss diese sich auch der
macht überhaupt eine Abteilungsleitung? Führungsbeurteilung durch die Mitarbeiter stellen. Die
QM hilft hier weiter. Die Leitungsaufgaben sind im Rückmeldungen sind oft kritisch - QM fordert auch der
QM-System klar definiert. Die besonders wichtigen: Leitung einiges ab, aber
• Ziele planen und vermitteln wir stehen alle gemeinsam
• Kunden- und Mitarbeiterorientierung sicherstellen in einem fortdauernden
• Verantwortlichkeiten und Kompetenzen festlegen Lern- und Verbesserungs-
• Ressourcen zur Verfügung stellen prozess. QM hört nicht ei-
• Ergebnisse bewerten und Folgerungen ableiten nen Meter vor dem
Zielplanung und -verfolgung sowie die einmal jähr- Schreibtisch der Leitung
lich systematisch durchgeführte Bewertung der Ergeb- auf.
nisse sind auf der Ebene der Dienstleistungserbringung Auch wenn manches
das Kernstück der Leitungsaufgabe. Beim so genannten Gesagte für Menschen in
Managementreview kommen alle Zahlen und Ergeb- Leitungspositionen zu-
nisse aus dem abgelaufenen Jahr auf den Tisch und nächst beängstigend klin-
werden bewertet: Was haben wir erreicht, was hat nicht Dr. Jochen Bredehöft gen mag – die Mitarbeiter
gut geklappt und wie soll es weitergehen? Dabei wer- wollen keinesfalls eine
den auch Verbesserungsmöglichkeiten ausgelotet. Basisdemokratie. Mitbestimmen heißt nicht bestim-
Die Arbeitsprozesse selbst gehören den Mitarbeitern men. Sie erwarten vielmehr, dass die Leitung leitet und
und nicht den Chefs. Wer sich als Leitung traut, das ihre Leitungsaufgaben zuverlässig erledigt, als Coach
umzusetzen, wird mit (wieder) engagierten Mitarbei- und Ansprechpartner zur Verfügung steht und die erfor-
tern und einer Flut von guten Ideen belohnt: Keiner von derlichen Ressourcen herbeischafft. Und sie erwarten,
uns ist so schlau wie wir alle zusammen! Welche Funk- dass die Leitung sich in die Routine nur ganz aus-
tion Leitung dabei hat, hat Otto Rehagel nach dem Sieg nahmsweise einmischt. Dieses positive Menschenbild
der griechischen Mannschaft bei der Fußball-EM 2004 mit einem von gegenseitiger Anerkennung und Wert-
so formuliert: „Als ich die Mannschaft übernommen schätzung getragenen Rollenverständnis für beide –
habe, hat jeder gemacht, was er wollte. Jetzt macht je- Mitarbeiter und Leitung – spiegelt sich in einem ande-
der, was er kann.“ Das ist nichts anderes als gezielter ren Spruch, der neuerdings gelegentlich bei uns zu hö-
Personaleinsatz und das Festlegen von Positionen auf ren ist: „Eine gut geführte Abteilung läuft auch dann
dem Spielfeld, also von Rollen mit Kompetenzen und reibungslos, wenn der Chef da ist.“
ments, habe die Ärztekammer beson- ließen sich gleich Maßnahmen zur tung der Abteilung unter dem Ge-
deres Augenmerk richten müssen. Verbesserung der Kundenzufrieden- sichtspunkt der Führungsqualität auf
„Schließlich haben wir fast aus- heit ableiten. den Prüfstand.
schließlich ,unfreiwillige Kunden', sei Auch „Mitarbeiterorientierung“ Ihren Abschluss fanden die Vorbe-
es, dass sie als Pflichtmitglieder der steht im Pflichtenheft eines Qualitäts- reitungen für das QM-System dann
Kammer angehören, sei es, dass sie management-Systems. „Wer macht mit dem Besuch des „Auditors“. Er
per Gesetz verpflichtet sind, ihre Ar- was? Wie wird es gemacht?“ waren prüfte nicht nur, ob die Organisation
beit zu dokumentieren.“ Folgerichtig hier die Fragen – die Antwort geben des Qualitätsmanagements mit den
sei deshalb eine Befragung zur „Kun- Verfahrens- und Arbeitsanweisungen, Vorgaben des DIN-ISO-Systems über-
denzufriedenheit“ gewesen – und aus die die Qualitätssicherungs-Abteilung einstimmte, sondern auch, ob all die
den Antworten von Kliniken und Ra- für zahlreiche Tätigkeiten erarbeitete dokumentierten Verfahren tatsächlich
diologen, die mit der Abteilung Qua- und in einem Handbuch zusammen- so wie im eigenen QM-Handbuch be-
litätssicherung zusammen arbeiten, fasste. Schließlich kam auch die Lei- schrieben in der täglichen Arbeit um-
8 Westfälisches Ärzteblatt 7/2005ÄRZTEKAMMER
gesetzt werden. Mit Erfolg: Im Mai ben der Qualitätsmanagement-Beauf- gen Weg nutzen. Wer es allerdings
übergab eine Vertreterin des TÜVmed tragten. „Der Aufbau des Systems nur als lästige Pflicht sieht, wird sich
das Zertifikat an die Präsidenten der braucht, auch wenn er schnell ge- damit schwer tun."
Ärztekammer – äußeres Zeichen der schieht, viele Monate. Da kommt es Ausruhen auf ihren Lorbeeren kön-
Anerkennung nach mehr als einem auch mal zu einem Durchhänger.“ nen sich die Qualitätssicherer der
Jahr Arbeit in Sachen QM. Hat sich der Aufwand für die Ein- Ärztekammer im Übrigen nicht. „Das
richtung des QM-Systems gelohnt? Zertifikat gilt drei Jahre, aber schon
„Motivation war „Davon sind wir überzeugt“, ist Karo- im nächsten Jahr kommt der Auditor
von Anfang an hoch“ line Tiemann sicher und zählt die Vor- erneut zu uns“, haben die Mitarbeiter
teile des Qualitätsmanagements auf: der Abteilung schon jetzt als nächsten
Dass die „Kunden“ der Ärztekam- • QM erhöht die Transparenz der Ar- Termin vor Augen. Motiviert zum
mer nichts gegen eine verbesserte beit nach innen und außen Weitermachen seien die Kolleginnen
Qualität der Kammerarbeit haben, • QM macht Arbeitsprozesse verbind- und Kollegen aber auch so: „Bei der
darf getrost vorausgesetzt werden – lich und effizient Analyse der Arbeitsprozesse kam un-
und die Mitarbeiter? „Die Motivation • QM ist eine Methode zur kontinu- ter anderem heraus, dass einige noch
war von Anfang an hoch, auch ierlichen Verbesserung der Arbeit nicht optimal gestaltet sind. Auch im
Grundkenntnisse waren schon vor- • QM ist auch Fehlermanagement. Rahmen der Zertifizierung haben wir
handen“, konnte Karoline Tiemann Ihr Fazit nach über einem Jahr QM- noch viele wertvolle Hinweise zur
gleich zu Anfang ihrer Arbeit als dik- Vorbereitung: „Qualitätsmanagement Optimierung unserer Arbeitsabläufe
kes Plus auf der Haben-Seite verbu- ist wichtig und bringt Nutzen. Wer in erhalten. Daran müssen wir arbeiten –
chen. Motivation gehörte und gehört seiner Arbeit besser werden will, ganz im Sinne des kontinuierlichen
trotzdem zu den wichtigsten Aufga- kann es als Instrument auf dem richti- Verbesserungsprozesses.“
„QM sorgt für Erfolgserlebnisse“
Monika Hagedorn arbeitet in der „Ärztlichen Stelle nach der Röntgenverordnung“ bei der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Als in
ihrem Arbeitsbereich die Vorbereitungen zur Einführung eines Qualitätsmanagements (QM) begannen, hatte sie „keinerlei
Vorkenntnisse“ – doch mittlerweile gehört QM ganz selbstverständlich zu Ihrer Arbeit.
WÄB: Wie hat die Einführung des
QM-Systems Ihre tägliche Arbeit ver-
ändert?
Monika Hagedorn: Zunächst musste
ich Zeit investieren, um mich in die
Materie einzuarbeiten und das Sy-
stem zu verstehen. Neben Schulun-
gen, Vorträgen und persönlichen Vor-
bereitungen lief der tägliche Betrieb
natürlich weiter. Und die „Meilenstei-
ne“, die wir als Termine bei der Ein-
führung des Systems halten wollten,
haben den Druck noch erhöht. Prak-
tisch wirkt sich das QM-System mitt-
lerweile dadurch aus, dass in unserem Jeden Tag Qualitätsmanagement: Monika Hagedorn hat die QM-Prinzipien in
Arbeitsbereich einige Arbeitsabläufe ihre Arbeitsabläufe in der Ärztlichen Stelle übernommen.
überdacht und verfeinert wurden.
WÄB: Profitieren Sie bei Ihrer Ar- fe, die wir nun miteinander vereinbart zum Weitermachen?
beit vom QM-System? haben, geben Sicherheit. Auch weil MH: Das QM-System sorgt für Er-
MH: Ganz bestimmt. Nicht nur da- sie im Team vereinbart wurden, jeder folgserlebnisse. Ein aktuelles Beispiel
durch, dass die Arbeit noch besser als kann sich darin wiederfinden. Ganz ist die Einarbeitung einer neuen Kol-
zuvor läuft. Schon das Formulieren nebenbei: Die Fähigkeit, Prozesse zu legin: Für diese Aufgabe hatten wir
der Prozessbeschreibungen und Ver- analysieren, ist nicht nur im Berufsle- im Rahmen des Qualitätsmanage-
fahrensanweisungen war eine gute ben nützlich... ments neue Strukturen entworfen.
Gelegenheit, die eigene Arbeit für WÄB: Was ist nach der langen Vor- Jetzt sehen wir, dass dieses Verfahren
sich und mit den Kolleginnen zu re- bereitungszeit und der erfolgreichen auch in der Praxis tatsächlich hervor-
flektieren. Die Strukturen und Abläu- Zertifizierung für Sie jetzt Motivation ragend funktioniert. kd
Westfälisches Ärzteblatt 7/2005 9ÄRZTEKAMMER
Die Abteilung Qualitätssicherung
– Zahlen, Daten, Fakten
D
ie Abteilung Qualitätssiche-
rung der Ärztekammer
Westfalen-Lippe nimmt ei-
ne Vielzahl unterschiedlichster Auf-
gaben wahr. Sie stellt für die Kammer
selbst und externe Partner eine breite
Palette von Dienstleistungen in der
Qualitätssicherung, der Schulung, im
Qualitätsmanagement und der Zertifi-
zierung zur Verfügung.
Sieben Arbeitsbereiche für
unterschiedlichste Aufgaben
Im Arbeitsbereich 1 Ärztliche Stel-
le werden nach den Vorschriften der
Röntgenverordnung jährlich etwa
1.600 Betreiber mit 3.800 Röntgenge-
räten überprüft, die Hälfte davon im
Vertragsarztbereich. Für die Kassen-
ärztliche Vereinigung Westfalen-Lip-
pe übernimmt die Ärztliche Stelle
Prüfungen nach dem SGB V für ca.
2.000 Praxen/ermächtigte Ärzte.
Auch in den Bereichen Strahlenthera- 26 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bei der Ärztekammer in Münster mit
pie und Nuklearmedizin wird die zahlreichen Aufgaben der Qualitätssicherung befasst.
Ärztliche Stelle tätig.
Im Arbeitsbereich 2, den Qualitäts-
sicherungsmaßnahmen der Ärzte- fangreiches Beratungsangebot zu al- Anbindung an das Epidemiologische
kammer, wird die Qualitätssicherung len Suchterkrankungen und offeriert Krebsregister NRW entwickelt.
in Laboratorien sowie die Qualitätssi- spezielle Fortbildungsveranstaltungen. Für all diese Aufgaben greift die
cherung Hämotherapie betreut. Letz- Der Arbeitsbereich 5 ist der jüngste Ärztekammer auf 26 Mitarbeiterin-
tere umfasst die jährliche Überprü- der Abteilung: Bei der Zertifizierung nen und Mitarbeiter zurück: Unter
fung von 210 Krankenhäusern und von Brustzentren werden die ca. 50 den sechs Fachärzten und -innen mit
190 Praxen. Einrichtungen dieser Art in NRW in Qualitätsmanagement-Ausbildung
Der Arbeitsbereich 3, die Ge- dreijährigem Abstand geprüft. finden sich MPHs, Medizininformati-
schäftsstelle Qualitätssicherung Zuständig für die Fortbildung ist ker, Gesundheitsökonomen, EFQM-
NRW, bereitet Ergebnisse aus über der Arbeitsbereich 6: Er betreut u. a. Assessoren und QEP-Trainer. Eine
260.000 Fällen aus 2.200 Kranken- den 200-Stunden-QM-Kurs nach dem Dipl.-Sozialarbeiterin ist MPH, Qua-
haus-Abteilungen statistisch auf. Im Curriculum der Bundesärztekammer. litätsmanagerin und Auditorin. Zu
strukturierten Dialog stößt die Ge- Die Qualitätssicherung Onkologie den Sachbearbeiterinnen der Abtei-
schäftsstelle in den Krankenhäusern bildet den Arbeitsbereich 7. Hier wur- lung zählen MTRA, Arzthelferinnen,
Verbesserungsprozesse an. de wird derzeit u. a. ein transsektora- Krankenschwestern, eine Qualitäts-
Das Referat Sucht und Drogen (Ar- les sektorübergreifendes Qualitätssi- managerin und drei Auditorinnen.
beitsbereich 4) bietet u. a. ein um- cherungsverfahren zur Onkologie mit
10 Westfälisches Ärzteblatt 7/2005ARBEITSPLATZ KRANKENHAUS
Checkliste hilft bei der Suche
nach dem idealen Arbeitsplatz
Unsere Telefonaktion Anfang April machte esdeutlich: An den Arbeitsbedingungen in den Kliniken gibt es aus Sicht der dort täti-
gen Ärztinnen und Ärzten noch vieles zu verbessern. Auch wenn die Ergebnisse der Befragung nicht repräsentativ sind - die von
den Kolleginnen und Kollegen geübte Kritik war ein Querschnitt dessen, was wir tagtäglich als Ärztekammer erleben.
Von Dr. Theodor Windhorst, Mitglied des Vorstands der Ärztekammer Westfalen-Lippe
D
er Frust sitzt tief bei vielen Ärztekammer nutzt Handlungs- beit anzunehmen, müssen sich nicht
Krankenhausärzten, die über kompetenz in der Weiterbildung mehr alles bieten lassen und haben in-
die Vision vom „idealen Ar- zwischen eine deutlich gestärkte Po-
beitsplatz“ nur milde lächeln können. Uns ist klar, dass unsere Prüfsteine sition am Arbeitsmarkt. Kurzum – Sie
Überfrachtung mit medizinfremden für den idealen Arbeitsplatz im Kran- sitzen am längeren Hebel. Deshalb
Tätigkeiten, zu wenig fachliche Be- kenhaus nur appellativen Charakter mein Appell: Nutzen Sie Ihre Markt-
treuung während der Weiterbildung haben. So können wir etwa zu den Ar- macht und schauen Sie sich die Stel-
und keine geregelten Weiterbildungs- beitsbedingungen, zur Ausstattung lenangebote und die Arbeitsbedin-
pläne, mangelnde Vereinbarkeit von des Arbeitsplatzes oder zur angemes- gungen in den Kliniken ganz genau
Familie und Beruf und fehlende Mög- senen Vergütung Verbesserungen le- an. Unterschrei-
lichkeiten zur Teilzeittätigkeit – hier diglich fordern. Bei den Regelungen ben Sie nicht
wird sich dringend etwas bewegen der ärztlichen Weiterbildung indes „blind“ den Ih-
müssen, wenn der Arbeitsplatz Kran- haben wir als Ärztekammer die Ent- nen vorgelegten
kenhaus nicht noch weiter an Anzie- scheidungs- und Handlungskompe- Arbeitsvertrag.
hungskraft verlieren soll. Ärztinnen tenz. Und die nehmen wir im Interes- Überlegen Sie,
und Ärzte wünschen sich deutlich se der jungen Kolleginnen und Kolle- was Ihnen be-
verbesserte Arbeitsbedingungen in gen auch wahr. Wir erteilen Ärztinnen sonders wichtig
den Kliniken, die Krankenhausleitun- und Ärzten die Befugnis zur Weiter- ist, und lassen
gen wiederum erkennen offenbar in bildung und halten alle Informationen diese Punkte
zunehmenden Maße, dass bessere Ar- zu Umfang und Dauer dieser Wei- vertraglich fest-
beitsbedingungen und attraktive terbildungsbefugnisse vor. Darüber legen. Warum
Weiterbildungsmöglichkeiten im hinaus sind wir inzwischen – dank nicht etwa die
Wettbewerb um motivierte und quali- der jüngsten Änderung des Heilbe- Facharztaner- Dr. Theodor Windhorst
fizierte Ärztinnen und Ärzte zu ganz rufsgesetzes – auch für die Zulassung kennung als
wesentlichen Faktoren geworden eines Krankenhauses als Weiterbil- Ziel vereinbaren, warum nicht überta-
sind. dungsstätte zuständig. Wir haben soe- rifliche Zulagen im Vertrag veran-
Aus meiner Sicht gilt: Meckern al- ben das ärztliche Weiterbildungsrecht kern? Ihre Marktmacht stärkt Ihre
lein hilft nicht, nur konstruktive Kri- umfassend novelliert – die Weiterbil- Verhandlungsposition. Unsere Chek-
tik und gute Beispiele entfalten dau- dung ist einfacher und übersichtlicher kliste soll Ihnen dabei helfen, gut vor-
erhafte Wirkung. Deshalb haben wir gestaltet. Und nicht zuletzt: Wir ha- bereitet in Verhandlungen mit Ihrem
aus den Ergebnissen der Telefonak- ben die Position der in Weiterbildung künftigen Arbeitgeber zu gehen.
tion, aber zusätzlich auch aus Ange- befindlichen Kolleginnen und Kolle-
botsprofilen aktueller Stellenaus- gen durch Anspruch auf Dokumenta-
schreibungen einmal eine Reihe von tion und regelmäßige Gespräche über
Punkten zusammengetragen, die aus Weiterbildungsstand und -verlauf ge-
unserer Sicht zu einem idealen Ar- stärkt.
beitsplatz gehören. Die Checkliste auf Den zunehmenden Ärztemangel se-
der folgenden Seite, die selbstver- hen wir mit Sorge, weil dadurch über
ständlich keinen Anspruch auf Voll- kurz oder lang die flächendeckende
ständigkeit erhebt, soll sowohl unse- und qualitativ hochwertige Versor-
ren ärztlichen Kolleginnen und Kolle- gung der Patientinnen und Patienten
gen als auch den Krankenhausträgern Schaden nimmt. Für die jungen Kolle-
Orientierung geben. Sämtlichen Kli- ginnen und Kollegen hat diese Man-
niken in Westfalen-Lippe werden wir gelsituation aber auch Vorteile: Sie
diese Liste an die Hand geben. sind nicht mehr gezwungen, jede Ar-
Westfälisches Ärzteblatt 7/2005 11ARBEITSPLATZ KRANKENHAUS
Checkliste „Idealer Arbeitsplatz“
ein Service der
Klinik:
Gespräch am:
Gespräch mit:
Arbeitsbedingungen und persönliche Planungssicherheit ja nein unklar
Langfristiger oder unbefristeter Arbeitsvertrag
Unterstützung bei der Karriereplanung (Personalentwicklung)
Geregelte Arbeitszeit unter Beachtung des Arbeitszeitgesetzes
Elektronische Arbeitszeiterfassung
Zumutbare Anzahl der Bereitschaftsdienste
Sofortige Stellenbesetzung bei Ausscheiden einer Kollegin/eines Kollegen
Dokumentation von Überstunden und Mehrarbeit
Freizeitausgleich bzw. angemessene Vergütung für Überstunden und Bereitschaftsdienste
Entlastung von administrativen Tätigkeiten
Kinderbetreuung/Kindertagesstätte vorhanden oder geplant
Möglichkeit der Teilzeittätigkeit
Anmerkung:
Qualifizierung und Qualifikationen
Chefarzt verfügt über volle Weiterbildungsbefugnis
Möglichkeit der Rotation
Strukturierte Weiterbildung mit dem Ziel der Facharztanerkennung
Strukturierte Einarbeitung in diagnostische und therapeutische Techniken des Fachgebiets
Interne und externe Fortbildungsmöglichkeiten
Freistellung für externe Fort- und Weiterbildung
(anteilige) Übernahme von Kursgebühren
Möglichkeit der Promotion/Habilitation gegeben
Anmerkung:
Arbeitsplatz und Arbeitsumfeld
Modern ausgestatteter Arbeitsplatz
Moderne technisch-apparative Ausstattung im medizinischen Bereich
Wissenschaftliche Bibliothek vorhanden
Zugang zum Internet
Betriebliche Gesundheitsförderung
Anmerkung:
Vergütung und geldwerte Vorteile
Übertarifliche Zulagen
Beteiligung an Einnahmen aus der Privatliquidation
Nebentätigkeiten/-einnahmen möglich
Betriebliche Altersvorsorge
(anteilige) Übernahme der Umzugskosten
Hilfe bei der Wohnungssuche
Anmerkung:
12 Westfälisches Ärzteblatt 7/2005ÄRZTEKAMMER
Achtung: Wahlen!
Im September wird eine neue Kammerversammlung gewählt
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
vom 28. August bis zum 28. September wird in diesem Jahr eine neue
Kammerversammlung gewählt. Dieses Organ der Selbstverwaltung, das Parla-
ment der 36.000 Ärztinnen und Ärzte im Landesteil Westfalen-Lippe, be-
stimmt den Weg unserer Ärztekammer in den kommenden
vier Jahren. Wir sollten uns immer vor Augen halten, dass un-
sere ärztliche Selbstverwaltung ein Privileg ist, das es – selbst
in Europa – so nicht oft gibt. Die Alternativen lauten: staatli-
ches Gesundheitswesen, Fremdbestimmung und mehr Büro-
kratie.
Die Sozialsysteme unseres Landes befinden sich weiter in
einem Reformprozess und es ist wichtiger denn je, dass eine
starke Selbstverwaltung für unsere Interessen und die unserer
Patienten eintritt. Dazu brauchen Parlament und Vorstand der
Ärztekammer Westfalen-Lippe überzeugende Persönlichkei-
ten. Sie können bestimmen, wer dies in der kommenden Wahlperiode sein
wird. In der August-Ausgabe des Westfälischen Ärzteblatts werden die Wahl-
listen mit den Kandidatinnen und Kandidaten veröffentlicht.
Je höher die Wahlbeteiligung ist, desto größer ist auch die Legitimation
und das politische Gewicht der ärztlichen Selbstverwaltung. Leider haben bei
der letzten Wahl im Jahr 2001 lediglich 54 Prozent der Wahlberechtigten ih-
re Stimme abgegeben. Lassen Sie sich dieses Mal motivieren: Mit Ihrer Stim-
me wählen Sie nicht nur einen Kandidaten, mit Ihrer Stimme treten Sie auch
für das Recht auf Selbstbestimmung unseres Berufsstandes ein!
Wir beide, die wir für drei Wahlperioden Ihr Vertrauen als Wähler gewin-
nen konnten und als Präsident und Vizepräsident unsere Selbstverwaltung lei-
ten durften, werden für die nächste Kammerversammlung nicht mehr kandi-
dieren. Die ärztliche Selbstverwaltung, insbesondere die Geschicke unserer
Ärztekammer Westfalen-Lippe, liegen uns aber weiter am Herzen. Deshalb
möchten wir Sie heute noch einmal gemeinsam auffordern, Ihr Wahlrecht zu
nutzen und aus den zahlreichen kandidierenden Kolleginnen und Kollegen
Ihre Vertreter zu wählen, die unsere erfolgreiche Politik fortsetzen.
Die Wahl ist eine Briefwahl – der Aufwand für Sie ist gering, der Nutzen
für uns alle groß. Machen Sie von Ihrem Wahlrecht Gebrauch!
Mit kollegialen Grüßen
Prof. Dr. Ingo Flenker, Präsident Dr. Hans-Jürgen Thomas, Vizepräsident
Westfälisches Ärzteblatt 7/2005 13KVWL-VERTRETERVERSAMMLUNG
Erneute Diskussion
um Hausarztverträge
Die vom Sozialgesetzbuch V geforderten Hausarztverträge verursachen bei einem großen Teil der Delegierten der
Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung weiter Unbehagen. Ein vom Vorstand vorgestellter Rahmenvertrag mit
den Ersatzkassen im Landesteil – außer Barmer Ersatzkasse und Techniker Krankenkasse – führte erneut zu langen
Diskussionen.
von Andreas Daniel, Ärztliche Pressestelle Westfalen-Lippe
M
it dem Paragrafen 73 b • die Abwicklung und möglichst auch des KV-eigenen Vertrages möglichst
des SGB V, mit dem der die Vertragsgestaltung durch die eng an denen des bereits bestehenden
Gesetzgeber die Kranken- KVWL, Barmer-Vertrages anzugleichen, um,
kassen verpflichtet, Verträge über ei- • der Teilnahmeanspruch für jeden wie Thamer ausführte, „die Ärzte hier
ne hausarztzentrierte Versorgung zu Arzt, nicht mit unterschiedlichen Verfah-
schließen, hat Gesundheitsministerin • adäquate Qualitätssicherungsanfor- rensweisen zu belasten.“ Schließlich
Ulla Schmidt offensichtlich einen derungen, und wolle man im Sinne der Eckpunkte
dicken Keil in die Vertragsärzteschaft • möglichst eine Integration der Fach- die fachärztliche Ebene klar integrie-
getrieben. Während die eine Hälfte ärzte. ren. „Neben der allgemeinen Einbin-
der Vertreterversammlung die soge- „Wir haben die Verhandlungen dung über Anschluss-Verträge auf
nannten Hausarztverträge grundsätz- über einen eigenen Vertrag zur haus- Basis des § 140 (Integrierte Versor-
lich begrüßt, lehnt die andere Hälfte ärztlichen Versorgung vorangetrie- gung) wollen wir eine quartalsüber-
diese Verträge ebenso grundsätzlich ben“, berichtete der 1. Vorsitzende Dr. greifende Überweisung Schwerkran-
ab. Am 4. Juni versuchten erneut bei- Ulrich Thamer den 50 Delegierten. ker ermöglichen“, so der 1. Vorsitzen-
de Gruppen, die jeweils anders den- Schließlich habe es den Auftrag der de zu den Verhandlungen. „Darüber
kenden Kolleginnen und Kollegen Vertreterversammlung gegeben, Haus- hinaus signalisieren einzelne Kassen,
von der Richtigkeit ihrer Argumenta- arztverträge seien eine gesetzliche auch den Fachärzten eine Vertrags-
tion zu überzeugen. Anlass war die Vorgabe, die die Krankenkassen nicht pauschale zu zahlen.“
Vorstellung eines entsprechenden ignorieren könnten, und letztlich sei Mit diesen in Aussicht gestellten
Vertrages zur hausärztlichen Versor- es dem Vorstand auch darum gegan- Beteiligungen waren die Vertreter der
gung, den der Vorstand mit den Er- gen, zusätzliches Honorar für die Mit- Fachärzte in der Vertreterversamm-
satzkassen des Landes schließen glieder der KVWL zu erreichen. „Wir lung keinesfalls zufrieden. Sie mo-
wollte. hielten es für sinnvoll“, führte Tha- nierten einerseits, dass dem Parla-
mer weiter aus, „einen einheitlichen ment zu wenig Zeit für „eine hinrei-
Vorgaben der Vertreterver- kollektiven Vertrag mit möglichst vie- chende Auseinandersetzung mit den
sammlung berücksichtigt len Krankenkassen zu etablieren. Es Inhalten“ des Vertrags geblieben sei.
hat sich aber gezeigt, dass die Kran- Andererseits beklagten sie, dass der
Dabei hatte der Vorstand eigentlich kenkassen unterschiedliche Interes- vorgelegte Vertragsentwurf „nicht die
alles richtig gemacht und die Vorga- sen verfolgen, so dass die Einheitlich- grundlegenden Prinzipien einer koor-
ben der Vertreterversammlungen für keit nicht zu halten ist.“ Verhandlun- dinierten hausärztlich/fachärztlichen
den Abschluss von Hausarztverträ- gen mit dem Primärkassen zögen sich Versorgung“ beinhalte. Die Fachärzte
gen, an denen die Kassenärztliche noch hin. Mit den Ersatzkassen stehe beantragten daher, die Vertreterver-
Vereinigung Westfalen-Lippe betei- man nun kurz vor dem Abschluss: sammlung möge den Vertrag ableh-
ligt ist, berücksichtigt. In der Vertre- „Der VdAK will – mit Ausnahme der nen und in die Ausschüsse zurückver-
terversammlung am 26. Januar hatte BEK und der TK – einen Rahmenver- weisen. Der Vorstand, für den Ab-
sich die Diskussion am Vertrag zwi- trag nach § 73 b abschließen, den er schluss von Verträgen zuständig und
schen der Barmer Ersatzkasse und mit vier Kassenärztlichen Vereinigun- verantwortlich, sollte aufgefordert
dem Hausarztverband BDA entzün- gen als großes Modellprojekt laufen werden, dem Votum der Vertreterver-
det. Für künftige Verträge hatten die lassen will. Baden-Württemberg, Hes- sammlung zu folgen. Der Antrag wur-
Delegierten einen Vorschlag des Vor- sen und Nordrhein sind mit im Boot. de jedoch mit 22 zu 20 Stimmen ab-
standes mit vier Eckpunkten zuge- Dieser Vertrag wird extrabudgetär gelehnt.
stimmt, an denen weitere Hausarzt- vergütet.“ Dr. Thamer erklärte für den Vor-
verträge gemessen werden sollten In seinen Verhandlungen strebe der stand, dass man mit den Kassen über
(vgl. WÄB 4/05, S. 7): Vorstand zudem an, die Modalitäten einige der Punkte, die in der Vertre-
14 Westfälisches Ärzteblatt 7/2005KVWL-VERTRETERVERSAMMLUNG
terversammlung kritisiert oder be-
mängelt worden waren, weitere Ver-
handlungen führen werde. Er stellte
aber auch klar, dass Verhandlungen
und Vertragsabschlüsse allein Sache
des Vorstands seien, die nicht der Zu-
stimmung der Vertreterversammlung
bedürften. Es sei ihm aber deutlich
geworden, dass die notwendige An-
hörung der beratenden Fachausschüs-
se wegen des Zeitdrucks nicht umfas-
send genug erfolgt sei. Das werde
jetzt kurzfristig nachgeholt.
„Ein solcher Vertrag“, fasste der 1.
Vorsitzende die Ansicht des Vorstan-
des zusammen, „ist ein wichtiger
Schritt. Er erfüllt nicht nur die gesetz-
liche Vorgabe, sondern unterzieht das
Modell der hausarztzentrierten Medi-
zin einem flächendeckenden Test.
Wie wird die Akzeptanz sein? Erge-
ben sich Vorteile für den Patienten?
Wie entwickeln sich die Kosten? Wir SCHLINGMANN-MEDAILLE: Bei der Vertreterversammlung am 4. Juni ehrte die KVWL zwei Ärzte,
werden diese Fragen besser beant- die sich um die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe besonders verdient gemacht haben.
worten können, wenn wir diesen Ver- Vertreterversammlungs-Vorsitzender Dr. Bernhard Schiepe (l.) und 1. Vorsitzender Dr. Ulrich
trag in drei großen Bundesländern Thamer (2. v. r.) gratulierten Dr. Wolfgang Bangen und Dr. Wolfgang Aubke (r.). Dr. Bangen, der
evaluieren können.“ bis 2004 der Vertreterversammlung angehört hatte, war u. a. stellvertretender Leiter der
Verwaltungsstelle Münster und langjähriger Vorsitzender des KVWL-Finanzausschusses. Dr.
Strategiepapier des Vorstands Wolfgang Aubke, ebenfalls bis 2004 Mitglied der Vertreterversammlung, hatte bis 2004 als 2.
positiv aufgenommen Vorsitzender des Vorstands die Geschicke der KVWL mitbestimmt. Foto: Isa
„Wir müssen unsere KV zukunfts-
fähig machen“. Mit diesem Anspruch gungsformen – z. B. die Integrierte richt. Besonders erfreulich: Die Ser-
hat der Vorstand der KVWL ein Stra- Versorgung – nicht scheuen“, so Tha- vice-Leistungen der KVWL kommen
tegiepapier erarbeitet, das von den mer. „Der Schlüssel zur Versorgungs- bei den Mitgliedern gut an. Jeden
Vorstandsmitgliedern Dr. Ulrich Tha- steuerung ist nicht das Krankenhaus, Monat wenden sich rund 9.000 Ärzte
mer und Dr. Thomas Kriedel der Ver- sondern die Arztpraxis. Wenn es uns oder Psychotherapeuten an die Servi-
treterversammlung vorgestellt wurde. gelingt, Modelle zu entwickeln, die ce-Center in Münster und Dortmund.
„Uns geht es um eine grundlegende dies umsetzen, dann sind wir starke Absolute Spitze war der Monat April
Weichenstellung“, erläuterte Thamer, Wettbewerbe und dienen gleichzeitig mit der Einführung des EBM mit
„damit die KVWL weiter erfolgreich bestmöglich unseren Mitgliedern.“ 16.625 Anrufen, die alle eine kompe-
für ihre Mitglieder arbeiten kann. Un- Die Vertreterversammlung stimmte tente Antwort erhielten.
ser Anspruch ist dabei: Die KVWL dem neuen Kurs ohne Einschränkun- Sehr positiv waren die Reaktionen
gestaltet das Gesundheitswesen auch gen zu und beauftragte den Vorstand, auf den Informationsstand der
in Zukunft entscheidend mit.“ die Strategien in dieser Richtung wei- KVWL im Rahmen der Borkumer
Die KV will nicht nur ihre körper- ter voranzutreiben (vgl. den Artikel Fortbildungswoche: „... endlich seid
schaftlichen Aufgaben kompetent von Dr. Kriedel auf Seite 16). ihr mal da“, wurde Dr. Dryden be-
wahrnehmen. Darüber hinaus soll sie Vorstandsmitglied Dr. Wolfgang- grüßt. Deshalb, so der 2. Vorsitzende,
sich als starker Teilnehmer im Wett- Axel Dryden, zuständig für die Kern- würden die Service-Angebote weiter
bewerb positionieren: „Wir wollen bereiche Abrechnung und Qualitätssi- ausgebaut und der Informationsstand
deutlich machen, dass wir einen fai- cherung, gab der Vertreterversamm- der KV sei künftig ein fester Bestand-
ren Wettbewerb um neue Versor- lung eine detaillierten Sachstandsbe- teil des Borkum-Programms.
Westfälisches Ärzteblatt 7/2005 15UNTERNEHMENSSTRATEGIE
Die Unternehmensstrategie
der KVWL
Das Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG) hat das Selbstverständnis und die Rechtsstellung der Kassenärztlichen
Vereinigungen nachhaltig verändert. Notwendig ist deshalb eine Überprüfung der bisherigen Strategie und eine Erweiterung
auf Unternehmens- und Geschäftsbereichsziele. Diese strategische Neupositionierung soll die KVWL auf die erkennbaren
Herausforderungen ausrichten und damit in einem stärker wettbewerblich orientierten Gesundheitssystem zukunftssicher
machen.
von Dr. rer. pol. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KVWL
U
m sich zu posi- • die Politik und
tionieren und an-
gemessen auf die
• Einnahmeausfälle und der damit
verbundene Kostendruck.
„Neue
Zukunft vorbereitet zu Geschäftsfelder wer-
sein, bedarf es einer fun- Umweltanalyse bis 2010 den eine Ergänzung,
dierten Analyse, was diese
Zukunft voraussichtlich Die Analyse der Strategietreiber
aber kein Ersatz für
bringen wird. Einwirken lässt für den Zeitraum bis 2010 er- die klassischen
auf die Entwicklung – als warten, dass der eingeleitete Prozess Aufgaben der
sogenannte Strategietreiber der Deregulierung der Kassenärzt-
– werden für die KVWL lichen Vereinigungen sich fortsetzt.
Mitgliederbetreuung
Dr. Thomas Kriedel
• die eigenen Mitglieder,
• die Krankenkassen,
Kurz gesagt: Das „Versorgungsmono-
pol“ für vertragsärztliche Versorgung
sein. “
wird sukzessive aufgehoben,
immer größere Bereiche wer- zen und zunehmenden Anteilen am
den in den „Wettbewerb“ ent- Bruttosozialprodukt. Kann die KVWL
Strategische Optionen lassen. Eine vollständige De- zukünftig neben der vertragsärzt-
regulierung und damit voll- lichen Versorgung eine erweiterte Pa-
ständige wettbewerbliche lette medizinischer Dienstleistungen
Orientierung des Gesund- – ambulante und stationäre Versor-
heitswesens ist allerdings gung, Medikamentenversorgung, Heil-
A B C nicht zu erwarten. Wegen der mittelversorgung – über Verträge an-
großen sozialpolitischen Be- bieten oder organisieren, erreicht sie
deutung des Gesundheitssek- damit für ihre Mitglieder höhere Ho-
tors wird ein Teil an ord- norare und Marktanteile. Gleichzeitig
nungspolitischer Verantwor- können Qualität und Effizienz der
Bereich A: tung des Staates mit hoher Versorgung steigen. Den Krankenkas-
Kerngeschäft der KV als Basis auch in der Zukunft Wahrscheinlichkeit Aufgabe sen und insbesondere den großen Ver-
Bereich B: Mit Kompetenzen (Kerngeschäft) im Wettbe- der Kassenärztlichen Vereini- sorgerkassen können kollektive Ver-
werb agieren gungen bleiben. Die Reduzie- träge über integrierte Versorgung re-
Bereich C: rung der Pflichtaufgaben der gional oder lokal angeboten werden.
Neue, zusätzliche Geschäftsfelder erschließen Kassenärztlichen Vereinigun- Denkbar ist auch, dass in diesen Ver-
gen – Sicherstellungsauftrag, trägen gegen entsprechende Risikozu-
Im eigentlichen Kerngeschäft (Strategiefeld A), das weiter Interessenvertretung – führt schläge das komplette Versorgungsri-
Basis der KV sein wird, bekommen die Mitglieder besseren zu einem spürbaren Verlust siko (Morbiditätsrisiko) übernommen
Service zu gleichen Kosten. Wo integrierte Versorgung ohne an Einfluss und zu schwin- wird.
KV gemacht wird, will die KVWL zumindest die Abrechnung dender Finanzkraft. Keine andere Strategie bietet im
übernehmen und sich so mit einem Kerngeschäft in den Neben Risiken bietet der zukünftigen sozial- und wirtschafts-
Wettbewerb begeben (Strategiefeld B). Insbesondere will Prozess der Deregulierung politischem Umfeld eine vergleichba-
die KVWL nach Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedin- der KVWL auch Chancen. re Chance. Damit ist diese Strategie
gungen auch selbst medizinische Versorgung über verschie- Insgesamt ist das Gesund- zum Vorteil sowohl der KV als Insti-
dene Sektoren anbieten (Strategiefeld C). heitswesen ein Zukunfts- tution als auch der wirtschaftlichen
markt mit steigenden Umsät- Interessen ihrer Mitglieder.
16 Westfälisches Ärzteblatt 7/2005UNTERNEHMENSSTRATEGIE
Besser als mögliche
Konkurrenten Beispiel-Portfolio
Wettbewerb bedeutet für die KVen:
Sie müssen heutige Pflichtmitglieder, hoch • erweiterte Dienstleistungen • Kollektive I. V.-Versorgung
wo sie Einzelverträge schließen kön- • Praxis-Beratungen • Globalbudget in eigener Ver-
nen, als Kunden an die KV binden • Ergänzungsgeschäft antwortung
und gleichzeitig neue Kunden im • § 140 Management
Wettbewerb gewinnen. Konkurrenten • vertragliche Sicherstellung
wie Krankenhäuser und externe • IT-Infrastruktur
Dienstleister – Privatärztliche Ver-
rechnungsstellen, Berufsverbände – I III
werden aktiver. Marktwachstum
Im Vergleich mit möglichen Kon-
kurrenten hat die Kassenärztliche hoheitliche Aufgaben • Abrechnung
Vereinigung Westfalen-Lippe heute • Sicherstellung hoheitlich • QS
den einzigartigen Vorteil, im gesam- • Gewährleistung (KV) • Notdienst
ten Kerngeschäft präsent zu sein und • Prüfungen • Schutz der Mitglieder
diese Leistungen qualifiziert anzubie- • Disziplinarwesen • Interessenvertretung
ten. Die KVWL muss ihre Position
des Komplettanbieters behaupten und
stärken. Sie muss sich allerdings aus niedrig II IV
dem Kerngeschäft auch hin zu neuen
Erweiterungsgeschäften orientieren.
niedrig hoch
Da die Konkurrenten primär Nischen
besetzen bzw. Kostenführerschaft auf Marktattraktivität
Teilmärkten anstreben werden, muss
die KVWL ihre strategische Ausrich-
tung in der direkten Konkurrenz, z. B.
um Abrechnungsleistungen entspre- Unternehmensziele der KVWL Weiterhin attraktiv für die KVWL
chend der Marktausrichtung fokussie- bleiben die Bereiche der Abrechnung,
ren. Für die Festlegung der Unterneh- der Qualitätssicherung, des Notdien-
Bedrohlich kann werden, wenn die mensziele muss das Leistungsangebot stes, vor allem aber der Schutz der
Politik der KVWL weiterhin Ge- der KVWL klassifiziert werden nach Mitglieder und die Interessenvertre-
schäftstätigkeiten untersagt und kapi- dem bis 2010 erwarteten Markt- tung bzw. Gewerkschaftsfunktion für
talstarke Konkurrenten (Pharmafir- wachstum und der Attraktivität dieser die Mitglieder. Hieraus wird die
men, Klinikketten) in den Markt ein- Geschäftsfelder. Bei der Attraktivität KVWL auch weiterhin den Hauptteil
treten werden. geht es vor allem darum, inwieweit ihrer Einnahmen generieren. Insofern
diese Portfolio-Elemente einen Bei- ist dieser Bereich attraktiv, selbst
Die Vision der KVWL trag zum langfristigen Unterneh- wenn er unterdurchschnittliches
menserfolg leisten. Marktwachstum Wachstum aufweisen sollte.
Aus dieser Analyse leitet sich die alleine ist kein positives Kriterium, Die KV Westfalen-Lippe macht Po-
veränderte Unternehmensphilosophie sofern nicht eine entsprechende litik für ihre Mitglieder: Deshalb
der Kassenärztlichen Vereinigung Marktgröße hinzu tritt. müssen Interessenvertretung, Bera-
Westfalen-Lippe ab: Wir bieten und Unter diesen Aspekten ist das Port- tung und Service weiterentwickelt
organisieren umfassende und quali- folio der KVWL klassifiziert (s. werden. Die strategische Neuausrich-
tätsgesicherte Medizin. Abb.). Die Darstellung geht davon tung ist nur als Ergänzung, nicht als
Diese Vision geht über den bisheri- aus, dass die eigentlichen gesetz- Ersatz für klassische Aufgaben der
gen rechtlichen Status und Aufgaben- lichen Aufgaben wie Sicherstellung, Mitgliederbetreuung zu verstehen.
stellung der Kassenärztlichen Vereini- Gewährleistung, Prüfung oder Diszi- Die Stärken der Kassenärztlichen
gung mit dem Fokus in der Sicher- plinarwesen eine geringere Attrakti- Vereinigungen, die demokratische
stellung der ambulanten vertragsärzt- vität für die KVWL haben, auch weil Mitwirkung an der Willensbildung
lichen Versorgung hinaus. Konse- sie von ihren Mitgliedern nicht nach- und die Vertretung aller Arztgruppen
quenz erfordert die neue Unterneh- gefragt werden. Für die Politik und sind zu erhalten und weiterzuentwik-
mensphilosophie auch ein neues ggf. die Krankenkassen können sie keln. Erst vor diesem Hintergrund ist
Unternehmensleitbild. Aus dem sehr attraktiv sein, weil keine andere eine Strategie der Öffnung und Er-
Unternehmensleitbild sind dann die Organisation diese Ordnungsfunktion weiterung des Spektrums möglich
Unternehmensziele abzuleiten. bieten kann. und Erfolg versprechend.
Westfälisches Ärzteblatt 7/2005 17Sie können auch lesen