WIEN ViennaUP'22: 10.000 Besucher aus 67 Nationen - Industriellenvereinigung
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DAS MAGAZIN DER INDUSTRIE Juli | August 2022
Vereinigung der österreichischen Industrie,
Schwarzenbergplatz 4, 1030 Wien
Herausforderungen
Österreichische Post AG,
MZ 03Z034897 M
Fordernde Zeiten
für Menschen & Unternehmen
BUNDESVORSTANDSSITZUNG BESUCH IN DEN USA WIEN
AUSBLICK
Anregende Diskussion Transatlantische ViennaUP’22: 10.000 Besucher
Wie Industrieunternehmen die
mit BDI-Präsident Russwurm Seite 2 Zusammenarbeit fördern Seite 4 aus 67 Nationen
Fachkräfte-Situation einschätzen Seite
Seite10
5international corner
v.l.n.r. hinten: Mitterbauer, Neumayer, Birtel, Koren, Löwy; v.l.n.r. vorne: Kocher, Gewessler; Habeck, Klor-Berchtold
Deutscher Vizekanzler Habeck zu Gast
im Haus der Industrie
Gipfeltreffen der Politik und Wirtschaft zum Austausch über die aktuelle Energiekrise.
A
uf Einladung der Deutschen frastruktur standen im Mittelpunkt der te Delegationsleiter und Vizepräsident der
Handelskammer in Österreich Gespräche, an auch Energieministerin Le- Industriellenvereinigung F. Peter Mitterbau-
(DHK) und der Industriellenver- onore Gewessler und Wirtschaftsminister er abermals eine fossile Übergangsstrategie:
einigung (IV) kam Vizekanzler, Martin Kocher teilnahmen. Denn die ak- „Deutschland ist nicht nur die größte euro-
Wirtschafts- und Klimaschutz- tuelle Situation ist für die österreichische päische Volkswirtschaft, sondern auch unser
minister der Bundesrepublik Deutschland, Industrie im höchsten Maße bedrohlich. In wichtigster Handelspartner. Die Politik, ge-
Robert Habeck zu einem Energie-Round- Österreich gehen rund 50 Prozent des Ge- rade auch die Energiepolitik der deutschen
Table in exklusiver Runde mit den Spitzen samtgasbedarfs – anders als in Deutsch- Bundesregierung, ist für den ganzen Konti-
der österreichischen wie deutschen Indust- land mit rund 30 Prozent – in die Industrie. nent maßgeblich, insbesondere in der aktuell Vizekanzler Habeck beim Gipfeltreffen
rieunternehmen zusammen. Der Austausch Dazu kommt, dass der Anteil an russi- sehr angespannten und sich vermutlich wei-
fand im Rahmen seines eintägigen Wien- schem Gas in Österreich rund 80 Prozent ter zuspitzenden Energieversorgungs- und terbauer, denn: „Niemand kann heute sagen
Besuches Mitte Juli im Haus der Industrie beträgt. In anderen Worten: Die heimische Energiepreissituation. Es braucht für Öster- ob, wann und in welchem Ausmaß die rus-
am Schwarzenbergplatz statt. Industrie ist anteilsmäßig noch mehr von reich eine fossile Übergangsstrategie, mittels sischen Gaslieferungen in gewohnter Form
den drohenden Entwicklungen betroffen derer auch im Falle eines Gas-Lieferstopps aufrechterhalten werden können. Diese Si-
Aktuelle Themen, wie die Energieversor- als die deutsche Industrie in ihrer Ge- die Energieversorgung für die nächsten Mo- tuation ist für die österreichische Industrie
gungssicherheit und der Ausbau der In- samtheit. Vor diesem Hintergrund forder- nate und Jahre sichergestellt wird“, so Mit- in höchstem Maße bedrohlich.“
Anregende Diskussionen und Ehrungen im Bundesvorstand im Juni
D
ie Sitzung des Bundessvor- zu bleiben und möglichst die Katastrophe
standes im Juni stand dieses zu vermeiden“.
Mal unter dem Zeichen der
Halbzeit – so wurde die Zeit Staffelübergabe in Oberösterreich:
genutzt, um gemeinsam über Pierer folgt auf Greiner
Erreichtes Resümee zu ziehen, über aktu- Im Rahmen des BUVO wurde der langjährige
elle Herausforderungen zu diskutieren und Präsident der IV-Oberösterreich Axel Greiner
Visionen für die Zukunft vorzustellen. geehrt und sein Nachfolger Stefan Pierer als
neuer Präsident herzlich willkommen gehei-
Als Gast durften wir Siegfried Russwurm, ßen. Die Industrie-Familie nutzte die Gelegen-
Präsident des Bundesverbandes der deut- heit, um Axel Greiner für sein Engagement und
schen Industrie in Wien begrüßen. Die ak- seine Verdienste als Präsident der IV-Oberös-
tuelle Situation und das Krisenmanagement terreich zu danken. Während seiner Amtszeit
der beiden Regierungen dominierte die De- sind zahlreiche Erfolge gelungen, wie etwa
batte. So meinte IV-Präsident Georg Knill: eine massive Steigerung der F&E-Ausgaben,
„Wir würden uns mehr Habecks wünschen der Ausbau von MINT-Ausbildungsplätzen
hier in Österreich“, also konkret ein Krisen- und der Startschuss für die TU Linz.
management, das mehr Kommunikation be-
inhaltet, Pragmatismus und mehr Lösungs- 50 Jahre BuVo-Mitgliedschaft
ansätze. Auch der Chef des deutschen Ehrenpräsident Peter Mitterbauer
Schwesternverbandes Russwurm meinte, Eine weitere Ehrung ging an Ehrenpräsident
seine Regierung mache es „für die Rahmen- Peter Mitterbauer für sein außergewöhn-
bedingungen ganz gut“. Jedoch lehnte er liches Engagement in den vergangenen 50
den Vergleich beim Abbau der Abhängigkeit Jahren. Auch als IV-Landespräsident und
Fotos: Voice Agency, IV/Schweitzer
von Gas zwischen Österreich und Deutsch- Präsident der Bundesorganisation hat Ehren-
land ab, da dürfe man „nicht Äpfel mit Bir- präsident Peter Mitterbauer die Industriel-
nen vergleichen“ und solle „nicht mit Zah- lenvereinigung und den Wirtschaftsstandort IV-Präsident Georg Knill mit Siegfried Russwurm IV-Präsident Georg Knill mit Ehrenpräsident
len spielen“. Es gehe darum, „im Gespräch entscheidend geprägt. Peter Mitterbauer
2 Juli | August 2022 | iv-positionenLeitartikel/Aktuelles
Der Standort WIR GRATULIEREN ZUR
VERLEIHUNG DER EHRENZEICHEN
braucht Energie
Ein umfassendes Konzept für den Notfall und ein
Energiemasterplan sind alternativlos.
D
as standort- und energiepoli- ökonomisch zu denken, weil die Auswir-
IV-MEINUNG
tische Zukunftsszenario lässt kungen auf alle Bereiche gravierend sein
sich in wenigen Worten be- werden. Moderne Energiepolitik muss Kli- Großes Goldenes Ehrenzeichen der Republik
schreiben: Fließen nur mehr maschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Ver- Österreich für Vizepräsidentin Dipl.-Ing.
reduzierte Mengen oder gar sorgungssicherheit gleichermaßen berück- Dr. Sabine Herlitschka, MBA
kein Gas mehr nach Europa und Österreich, sichtigen. Sonst können ehrgeizige, aber
dann befinden wir uns in einer Krise, wie wir grundsätzlich richtige Ziele nicht erreicht
sie seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr erlebt werden. Strategien, wie etwa die präsentier-
haben. Inklusive massiver Konsequenzen für te Wasserstoff-Strategie sind erste Schritte,
Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Lebens- die rasch konkretisiert und in die Realität
bedingungen in Österreich. Da reicht es umgesetzt werden müssen. Wenn wir bis
nicht, wenn die Regierung die Entwicklung 2030 100 Prozent des elektrischen Stroms
nur beobachtet. Und da ist es vollkommen aus erneuerbarer Energie beziehen wollen,
inakzeptabel, wenn sich manche über den dann muss der Startschuss jetzt fallen – und
vermeintlichen Turbo-Effekt der Versor- nicht irgendwann.
gungskrise für das Projekt der Energiewen-
de freuen. Österreich muss den Tatsachen Wir müssen endlich vom Reden und Analy- Großes Silbernes Ehrenzeichen der Republik
ins Auge sehen: 1. Der Standort braucht sieren ins strategisch fundierte Tun kommen. Österreich für Mag. Elisabeth Eva Engel-
brechtsmüller-Strauss
für Wertschöpfung und Arbeit Energie. Mit der Änderung des Gaswirtschaftsgeset-
2. Gas aus Russland ist kurz- und mittel- zes und der Novelle des Energielenkungs-
fristig definitiv nicht vollständig substituier- gesetzes haben Bundesregierung und
bar. 3. Die Klima- und Energiewende kann Nationalrat erste Schritte in Richtung
nur als Transformationsprozess mit der und Rechtssicherheit gesetzt. Aber ohne klares
nicht gegen die Wirtschaft gelingen. Was Notfallkonzept und ohne einen ökonomisch
Österreich jetzt (endlich) braucht, sind ein abgesicherten Energie-Masterplan steht
kurzfristiger Notfall- und ein mittelfristiger unsere Energiezukunft auf mehr als wacke-
Energie-Masterplan. ligen Beinen. Das können und dürfen wir
uns im Interesse von Wertschöpfung und
Kurzfristig gilt: Ein Gaslieferstopp muss auf Arbeitsplätzen in Österreich nicht leisten.
jeden Fall vermieden werden. Wenn es zu
Goldenes Ehrenzeichen des Landes OÖ für
einer Energiemangellage kommt, braucht Ihr
DDr. Rauscher
es klare Prioritäten auch im Interesse des
Standorts und seiner Arbeitsplätze. Öster-
reich muss alle Hebel in Bewegung setzen,
damit die Industriebetriebe nicht Opfer der
Krise werden.
Mittelfristig geht es darum, das Projekt Christoph Neumayer,
der Klima- und Energiewende endlich IV-Generalsekretär
Die Redaktion weist darauf hin, dass Redaktionsschluss der vorliegenden Ausgabe der iv-positionen der 13. Juli war.
Aktuelle Informationen über spätere Entwicklungen im Zusammenhang mit der russischen Invasion in der Ukraine finden Sie unter: www.iv.at Goldenes Ehrenzeichen des Landes OÖ für
Dipl.-Chem. Dr. Axel Greiner
AKTUELLES IN KÜRZE
POSTING DES MONATS GRAFIK DES MONATS ZAHL DES MONATS
Laut einer Schnellschätzung der Statistik Aus- Einführung des Euro erreicht. Der harmoni-
48.300
tria klettert die Inflation in Österreich weiter sierte Verbraucherpreisindex (HVPI) stieg laut
und erreicht voraussichtlich ein neues Hoch vorläufiger Schnellschätzung gegenüber dem
von 8,7 Prozent. Das ist der höchste Wert Vorjahresmonat ebenfalls um 8,7 Prozent.
seit September 1975 - also seit fast mehr als Gegenüber dem Vormonat stieg das Preis-
47 Jahren. In der Eurozone sind die Verbrau- niveau laut HVPI um 1,2 Prozent. Die wesent- OFFENE STELLEN
cherpreise im Juni um 8,6 Prozent gestiegen, lichen Treiber der Inflation sind insbesondere IM PRODUZIERENDEN SEKTOR
damit wurde die höchste Inflation seit der Gastronomie und Beherbergung.
Der Fachkräftemangel wird zunehmend zu
einem Arbeitskräftemangel und zieht sich
mittlerweile durch fast alle Branchen. Wenn
man den Vergleich zieht, so haben sich die
Inflationstreiber
Quelle: Statistik Austria, Handelspartner, Jänner – Dezember 2020
offenen Stellenangebote im produzieren-
Periode 2011-2020, Teuerung in % den Sektor in den letzten zehn Jahren bei-
nahe vervierfacht.
30
25 Derzeit sind im produzierenden Sektor beim
AMS über 48.300 offene Stellen und ca.
20 3.250 offene Lehrstellen gemeldet. Im Ver-
gleich dazu waren vor zehn Jahren (2012)
15 noch circa 12.800 offene Stellen und ledig-
Fotos: Philipp Horak, BMDW/Holey, Land OÖ/Mayrhofer, IV OÖ
10 lich circa 750 offene Lehrstellen gemeldet.
Technische Berufe und Jobs in der Industrie
5 sind dabei äußerst attraktiv. Es handelt sich
dabei um zukunftsfitte und sehr gut be-
0 zahlte Arbeitsplätze. Es gibt außerdem gute
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Juli | August 2022 | iv-positionen 3Wirtschaftspolitik
Transatlantische Zusammenarbeit forcieren
Bei Gesprächen mit hochrangigen US-Vertretern betonte IV-Vizepräsident F. Peter Mitterbauer die Wichtigkeit eines
transatlantischen Handels- und Investitionsabkommens.
I
m Rahmen der zweitägigen Washing- Enge Beziehungen zwischen
ton-Reise von IV-Vizepräsident Peter USA und Österreich
Mitterbauer standen neben fairem Han- Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen
del, Klimaschutz und WTO-Reform u.a. den USA und Österreich sind eng: Die USA
auch die politischen und ökonomischen sind nach Deutschland und Italien der dritt-
Auswirkungen der Invasion Russlands in der wichtigste Warenexportmarkt für Öster-
Ukraine im Mittelpunkt der Gespräche mit reich (11,10 Mrd. Euro). Exportiert werden
Vertretern aus Wirtschaft und Politik. hauptsächlich Maschinen, Fahr-zeuge und
Getränke; importiert unter anderem phar-
mazeutische Erzeugnisse, Fahrzeuge und
Maschinen. Von den 800 in den USA aktiven
INFORMATION österreichischen Unternehmen, sind etwa
250 in der verarbeitenden Industrie tätig.
Die USA sind nach Deutschland und Ita- Rund 335 US-Unternehmen sind in Öster-
lien der drittwichtigste Warenexportmarkt reich präsent, US-Investitionen in Österreich
für Österreich. Rund 50.000 Arbeitsplätze sichern 16.600 Arbeitsplätze.
F. Peter Mitterbauer absolvierte mehrere
in den USA werden durch österreichische Arbeitstermine in Washington, D.C. Jayme White (US-Handelsbehörde USTR)
Investitionen gesichert. Der Abschluss Exporte fördern und
eines transatlantischen #Handelsabkom- Standards setzen transatlantischen Handelsab-kommens bleibt Technologierates (TTC) aus, um eine Beseiti-
mens bleibt daher wesentliches Ziel für die „Die engen Beziehungen zwischen den USA wesentliches Ziel für die heimische Indust- gung von Handelsschranken und eine besse-
heimische #Industrie. Es würde Exporte und der Europäischen Union bilden das rie. Es würde Exporte fördern und weltweit re Abstimmung in Fragen des internationalen
weiter fördern und weltweit Standards stabile Fundament für die ausgezeichnete Standards in vielen Bereichen setzen. Die Wettbewerbs zu ermöglichen. Aktuell hat
in vielen Bereichen setzten. Auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit von Mil- internationale Zusammenarbeit mit den USA die EU 46 aktive Handelsabkommen mit
internationale Zusammenarbeit mit den lionen von Menschen. Auch für Österreich sollte verstärkt werden. Es gilt mehr denn 74 Ländern. Derzeit finden Verhandlungen
USA sollte verstärkt werden, denn es gilt sind die USA von enormer wirtschaft-licher je, globale Herausforderungen gemeinsam unter anderem mit Australien, Neuseeland
mehr denn je, globale Herausforderungen Bedeutung, wie die Handels- und Investi- zu lösen“. Mitterbauer sprach sich in diesem und Indonesien statt. Mit Indien sollen die
gemeinsam zu lösen. tionszahlen zeigen“, so Mitterbauer. Er stell- Zusammenhang auch für die Unterstützung Gespräche nach neun Jahren Pause wieder
te einmal mehr klar: „Der Abschluss eines der Gespräche im Rahmen des Handels- und aufgenommen werden.
Forschungsprämie: IV-Forderung
„Teilbescheid“ erfolgreich umgesetzt!
D
ie Forschungsprämie ist zusam- IV nachdrücklich die Umsetzung des
men mit der direkten F&E-För- „Teilbescheids“ und damit die Schaf-
derung ein wesentliches Instru- fung der Möglichkeit einer Auszahlung
ment zur Stärkung des FTI-Standortes. unstrittiger Teile des Forschungsprä-
Durch sie werden F&E-Aktivitäten in mienantrags. Dies konnte nun mit dem
Österreich forciert und zusätzlich F&E Anfang Juli im Nationalrat beschlosse-
aus dem Ausland nach Österreich ge- nen Abgabenänderungsgesetz 2022
holt. F&E ist entscheidend, um Unter- erfolgreich umgesetzt werden. Gerade
nehmen zukunftsfit und krisenresilien- in wirtschaftlich angespannten Zeiten
ter zu machen. Ein Standort braucht ist dies eine erhebliche Hilfestellung,
innovative Unternehmen, um die Tech- um die Liquidität der Unternehmen
nologiesouveränität voranzutreiben und zu erhöhen. Erfreulicherweise wird es
erhebliche Beschäftigungs- und Wert- darüber hinaus künftig möglich sein,
schöpfungssteigerungen zu erzielen. einen fiktiven Unternehmerlohn in
die Bemessungsgrundlage der For-
Um mehr Planungs- und Rechtssicher- schungsprämie einzubeziehen, was
heit zu erlangen sowie Verwaltungs- insbesondere jungen und kleineren
verfahren zu reduzieren, forderte die Unternehmen zugutekommt.
Klimaschutz als oberste Prämisse des Rechtsstaats?
Hochkarätige Juristen-Runde diskutierte rechtspolitische Fragestellungen der Klima- und Energiewende.
D
ie Energiewende erfordert Rabl (ecolex), RA Dr. Zehetner (KWR Rechts- zahlreiche Problempunkte aufweist. Klima- ein Teil dieser Symboldebatte, die jedoch
neben technologischen Inno- anwälte) und Prof. Bergthaler (JKU Linz). Die ziele seien politisch und gesellschaftlich nichts an den CO2-Emissionen ändert. Laut
vationen auch die richtigen Veranstaltung am Juridicum fand in Koope- natürlich nachvollziehbar, deren Veranke- den Experten sei angesichts der langsamen
Impulse aus der Politik. Zu den ration mit IV, der Landwirtschaftskammer rung in der Verfassung wäre aus rechtlicher UVP-Verfahren und des schleppenden Fort-
Fotos: AdobeStock, IV/Löwy
rechtlichen Aspekten rund um und Wirtschaftskammer statt. Sicht jedoch bedenklich. Denn damit würde schritts in der Energiewende vielmehr De-
das Thema Klimaschutz diskutierten daher der Klimaschutz über andere, ebenso not- regulierung das Gebot der Stunde. Die Dis-
am 5. Juli die Juristen Prof. Piska (Uni Wien), Die Experten waren sich einig, dass der wendige Grundrechte gestellt werden. Die kutanten waren sich einig, dass man hier bei
RA Dr. Müller (Dorda Rechtsanwälte), RA Dr. aktuelle Entwurf des Klimaschutzgesetzes Klimaneutralität im Verfassungsrang sei der Wurzel des Problems ansetzen müsse.
4 Juli | August 2022 | iv-positionenBildung und Industrie
Kindertag der Industrie – wir verändern die Welt
mit Technologie und Digitalisierung!
1.100 Kinder zu Gast beim Kindertag der Industrie (KIDI): Zur spielerischen Vermittlung naturwissenschaftlicher und
technischer Inhalte veranstaltet die IV Jährlich den KIDI und bietet damit spannende Einblicke in die Welt der Technik.
K
ann man Strom selbst erzeugen? und Digitalisierung ergeben. Dies gilt nicht
Wie funktionieren eigentlich nur in persönlicher und beruflicher Hinsicht,
Spielkonsolen? Wie werden Me- wo große Chancen vor allem für interes-
dikamente hergestellt? Was ha- sierte Mädchen warten, sondern auch, was
ben Baustoffe mit einer besseren das Potenzial zur Lösung der großen gesell-
Welt zu tun? Wozu braucht man eigentlich schaftlichen Herausforderungen der Zukunft
Leiterplatten? Kann man mit flüssigem Stick- angeht. Ganz nach dem Motto: Wer MINT
stoff „Frozen Yogurt“ herstellen? Diesen und kann, kann die Welt verändern!
vielen weiteren spannenden Fragen gingen
über 1.000 Kinder in der letzten Schulwo- Ein besonderes Angebot gab es dieses Jahr
che vor den Sommerferien beim Kindertag auch für geflüchtete Kinder aus der Ukraine,
der Industrie (KIDI) auf den Grund. Der KIDI in Kooperation mit dem Österreichischen
fand heuer bereits zum 9. Mal im Haus der Integrationsfonds (ÖIF).
Industrie in Wien statt. Ursprünglich als rei-
ne Präsenzveranstaltung konzipiert, gibt es
den KIDI seit dem letzten Jahr auch in einer
ergänzenden digitalen Variante, die in den
Bundesländern umgesetzt wird.
Die Kernidee beider Konzepte ist, Kindern
und Jugendlichen im Alter von 6 bis 14
Jahren in verschiedenen, von Unternehmen
durchgeführten Junior-Labs die Welt der
Industrie näherzubringen und Wissen zu
verschiedenen Tätigkeitsfeldern in Unter-
nehmen zu vermitteln. Und zwar persön-
lich, hands-on und mit allen Sinnen. Haupt-
augenmerk der Junior-Labs liegt dabei auf
den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik,
Naturwissenschaften und Technik) sowie
auf „Industrie 4.0“ und den vielschichtigen
Möglichkeiten, die sich durch Technologie
MINT – Bildung als Schlüssel zur Zukunft
Knapp 500 Bildungseinrichtungen tragen bereits das begehrte MINT-Gütesiegel
M
itte Juni erstrahlte der große in Mathematik, Informatik, Naturwissen- „MINT-Schulen“ und „MINT-Kindergärten“ naturwissenschaftlich-technische Bildung
Festsaal im Haus der Indus- schaften und Technik (MINT) vergeben sind sie auf der MINT-Landkarte unter von morgen diskutiert. Das Kinderorches-
trie wieder ganz in „mint“, wird, ist auch nach sechs Ausschreibungs- www.mintschule.at sichtbar. ter der Johann Sebastian Bach Musikschule
als Bildungsminister Mar- runden ungebrochen hoch. Neben den 61 Wien sowie „Chemie on Tour“ bereicherten
tin Polaschek, IV-Präsident Bildungseinrichtungen, die zum ersten Mal Die jährliche MINT-Gala in Wien ist inzwi- das bunte Programm der MINT-Gala mit
Georg Knill, Vizerektorin Evelyn Süss-Ste- ausgezeichnet wurden und im Rampen- schen zur „Institution“ und zum Knoten- stimmungsvollen Showacts, bevor die anwe-
pancik (PH Wien) und Vizepräsident Ha- licht der MINT-Gala standen, konnten sich punkt des MINT-Geschehens in ganz Öster- senden Gäste mit einem exklusiven MINT-
rald Pflanzl (Wissensfabrik Österreich) das weitere 102 Kindergärten und Schulen für reich geworden. Ein Event, bei dem nicht nur Buffet und MINT-Bier überrascht wurden,
begehrte „MINT-Gütesiegel 2022-2025“ eine Re-Zertifizierung qualifizieren. Die- innovative Bildungseinrichtungen öffentlich ganz nach dem Motto: Mit MINT lässt sich
verliehen. Zum ersten Mal seit Beginn der se werden in den nächsten Monaten bei ausgezeichnet und zum leuchtenden Vorbild die Welt verändern!
Pandemie konnte die „MINT-Gala“ dabei Festveranstaltungen in den Bundesländern für andere werden. Die Veranstaltung bildet
wieder vor 250 geladenen Gästen über die durch IV-Landesgruppen und Bildungs- zunehmend auch den feierlichen Rahmen,
Bühne gehen. direktionen ausgezeichnet. In Summe innerhalb dessen die MINT-Community WEBTIPP
sind aktuell 492 Bildungseinrichtungen aus Politik, Unternehmen, Wissenschaft Mehr Informationen finde Sie unter
Die Nachfrage nach dem Qualitätslabel, in Österreich berechtigt, das MINT-Gü- und Verwaltung gemeinsam mit Praktikern www.mintschule.at
das für begeistertes Lernen und Lehren tesiegel zu tragen. Als ausgezeichnete aus Kindergärten und Schulen über die
Fotos: Hans leitner, Markus Prantl
Juli | August 2022 | iv-positionen 5Coverstory
Halbzeit!
Fordernd wie nie waren die Rahmenbedingungen für die Arbeit des 2020 angetretenen IV-Präsidiums.
Im Halbzeit-Interview zieht IV-Präsident Georg Knill Bilanz – und erklärt seine Pläne bis 2024.
Corona-Pandemie, Regierungsumbildungen, samen Maßnahmen wie die Strompreis- Das Problem weitet sich für den gesamten Reform der RWR-Karte ist ein wichtiger
Ukraine-Krieg, historische Teuerung, Energie- kompensation und der Direktzuschuss für Standort und über alle Branchen aus. Wenn Schritt in die richtige Richtung, damit die
krise, Arbeitskräftemangel – turbulentere energieintensive Unternehmen. Das sind Aufträge nicht angenommen werden kön- Betriebe zu Schlüsselkräften kommen. Dem
Rahmenbedingungen für ein IV-Präsidium gemeinsam über 700 Millionen, die jetzt müssen weitere Schritte folgen: Frauen und
als jene in den vergangenen zwei Jahren wirksam werden. Wir fordern natürlich ältere Personen müssen ebenso besser für
sind eigentlich nicht vorstellbar… eine Ausweitung über 2022 hinaus, denn
die Energiekrise ist mit Jahresende nicht
„Wir brauchen den Arbeitsmarkt mobilisiert werden, wie
Nein, wirklich nicht! Umso erfreulicher ist Jüngere für Berufsausbildungen. Knapp
es, dass wir in diesen beiden Jahren einiges beendet. Auch die steuerfreie Mitarbeiter- eine umfassende jedes dritte Unternehmen strebt laut aktu-
erreichen konnten, wie beispielsweise mas- prämie ist in Zeiten des Fachkräftemangels ellem IV-Konjunkturbarometer die Anstel-
sive Entlastungen für unsere Betriebe und als wertschätzendes Instrument durchaus Fach- und Arbeits- lung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbei-
deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. wesentlich. Zum anderen sind die struktu- ter an. Das heißt: Unsere Betriebe wollen
Durch einmalige Maßnahmen gab es be- rellen Maßnahmen, wie die Abschaffung der kräftestrategie Arbeitsplätze schaffen, finden aber nicht
reits eine Entlastung von über 37 Milliarden
Euro. Maßnahmen wie die schrittweise Sen-
kalten Progression mit einem Volumen von
16,5 Mrd. Euro bis 2026 und die weitere zur nachhaltigen die passenden Personen. Hier besteht auch
Handlungsbedarf bei der geplanten Ar-
kung der KÖSt und die Senkung der Lohn-
nebenkosten bringen ein jährliches Entlas-
Senkung der Lohnnebenkosten um drei bis
vier Milliarden Euro im gleichen Zeitraum
Bekämpfung des beitsmarktreform. Wir brauchen jedenfalls
eine umfassende Fach- und Arbeitskräfte-
tungsvolumen von circa 3,5 Milliarden Euro. wichtige Schritte. Bei den Lohnnebenkosten
sind natürlich weitere Senkungen geboten,
Fachkräftemangels.“ strategie zur nachhaltigen Bekämpfung des
Entlastung gerade in herausfordernden Zei- Mangels. Das ist auf unserer Agenda ganz
ten ist und bleibt das Gebot der Stunde für um auch zukünftig unsere Wettbewerbsfä- weit oben.
Georg Knill,
eine erfolgreiche Industrie. higkeit zu sichern.
IV-Präsident
Was erwarten Sie sich außerdem für
Das Entlastungspaket der Bundesregierung Sie haben den Fachkräftemangel angespro- die zweite Hälfte Ihrer Amtsperiode von
bringt weitere Maßnahmen, die die Hand- chen, der sich nach der Corona-Pandemie zu der Politik?
schrift der Industrie tragen. Was war Ihnen einem Arbeitskräftemangel weiterentwickelt. nen, weil das Personal fehlt, verschlech- Vor allem Augenmaß und wirtschaftspoli-
besonders wichtig? Wie kommen die Industriebetriebe zu den tert das unsere Wachstumschancen mas- tische Vernunft. Wozu es auf keinen Fall
Zum einen natürlich die kurzfristig wirk- Mitarbeitern, die sie brauchen? siv. Die von uns nachdrücklich geforderte kommen darf, sind neue Belastungen. Die
Foto: Alexander MüllerCoverstory
Vermögenssteuervorschläge der jüngeren mit Angela Merkel, Sebastian Kurz, allen
Vergangenheit sind ebenso unverantwort- Regierungsmitgliedern oder mit Ministern
lich wie Belastungen unter dem Vorwand in Zentral- und Osteuropa. Das persönli-
des Klimaschutzes. In der Energiepolitik che Gespräch ist und bleibt ein wichtiges
muss die Regierung endlich ihre Hausauf- Instrument unserer Interessenvertretung.
gaben machen. Zum raschen Ausbau der
Energieinfrastruktur gibt es keine Alterna- Wie wird sich die IV als Interessen-
tive. Wer Energiewende sagt, muss auch vertretung weiterentwickeln?
für eine rasche Beschleunigung bei den Unser Ziel sind Vertiefung und die Posi- Wichtige IV-Erfolge 2020-2022
Verfahren sorgen. Und natürlich muss die tionierung der IV als moderne Netzwerk-
Politik auch mehr Effizienz durch Struk- organisation. Deshalb werden wir auch auf einen Blick (Auswahl)
turreformen schaffen. Geld ist schließlich im Herbst das neue IV Media Center er-
nicht abgeschafft. öffnen. Bei aller notwendigen Verstärkung • Senkung der Körperschaftssteuer
der Kommunikation und Außenwirkung ist
• Senkung Lohnnebenkosten um insgesamt 0,3% (1,3 Milliarden Euro bis 2026)
Sie haben es in Ihrer bisherigen Amtszeit mir aber auch die inhaltliche Grundlagen-
mit drei Kanzlern und auch mit drei arbeit sehr wichtig. Deshalb haben wir uns • Abschaffung der kalten Progression (16,5 Millionen Euro bis 2026)
Gesundheitsministern zu tun gehabt. bereits zu Beginn meiner Amtszeit der Er-
Was bedeutet das für die politische stellung einer umfassenden Strategie für • Strompreiskompensation (235 Millionen Euro)
Interessensvertretung? den Standort Österreich gewidmet. Unsere • Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte
Wir sind als Industriellenvereinigung ex- Task Force zum Standortfaktor Energie hat
zellent aufgestellt und haben trotz aller ebenso wertvolle Grundlagen geschaffen, • Direktzuschüsse für energieintensive Unternehmen (500 Millionen Euro)
politischen Umbildungen immer einen in- die wir jetzt interessenpolitisch ausspielen. • Novellierung Energielenkungsgesetz für Klarheit im Notfall
tensiven Austausch mit möglichst vielen re- Wer aus der Industrie kommt, weiß: Erfolg
levanten Stakeholdern gepflegt. Ich selbst braucht ein starkes Fundament. Das bau- • Aus für existenzbedrohende Mehrfachstrafen im Lohn- und Sozialdumping-
habe in den vergangenen zwei Jahren rund en wir auch in der Industriellenvereinigung Gesetz (Kumulationsprinzip)
500 IV-Termine wahrgenommen – etwa stetig aus.
Juli 2022 | iv-positionen 7Bildung und Forschung
„Wir müssen uns auf die Zukunft vorbereiten
und sie gestalten!“
Axel Kühner, Vorsitzender des IV-Ausschusses für Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik im Gespräch
Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik ist der Staatswesens und der Zukunft des Human- wirtschaftlichen Regionen hin auszubauen.
neue Ort in der IV, um über die Fragen der kapitals gewidmet. Besonders interessant Österreich ist eine kleine Volkswirtschaft,
Zukunft, die Herausforderungen für Wirt- vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges hat aber eine wichtige Rolle, wenn es um
schaft und Gesellschaft und den Beitrag der war in unserer letzten Sitzung die Diskus- die unter Druck geratenen Werte in den
Industrie zu ihrer Bewältigung zu diskutie- sion mit drei hochkarätigen Speakern zur Nachbarstaaten und um die Integration der
ren. Gleichzeitig wollen wir einen guten Mix Frage „Zeitenwende in Europa. Wie kann die Westbalkan-Staaten geht.
aus aktuellen Entwicklungen und dadurch Zukunft gelingen?“
notwenigen Maßnahmen einerseits und Was nehmen Sie sich noch vor?
mittel- bis längerfristigen Strategien ande- Was ist Ihre Conclusio aus der Wir wollen grundsätzlich intensiver die
rerseits bearbeiten. Wir wollen uns mit dem Diskussionzur Zukunft Europas? notwendigen Voraussetzungen, sowie die
Ausschuss aber auch sehr grundsätzlichen Europa ist ein wichtiger und mächtiger Wirt- Wechsel- und Folgewirkungen, die von be-
Fragestellungen, die unseren Ordnungsrah- schaftsraum. Diese Marktmacht müssen wir stimmten Zielsetzungen in diversen Politik-
men betreffen, widmen. Es ist ein Ort zum im System- und Großmächtekonflikt klug feldern ausgelöst werden können, verste-
Nachdenken, Reflektieren und Planen über einsetzen und entschieden handeln. Um die hen und diskutieren. In der Herbstsitzung
das interessenspolitische Tagesgeschäft hin- wirtschaftliche Stärke Europas zu erhalten, werden wir uns der Inflation und dem Sze-
aus. Der Ausschuss verschränkt wirtschafts- sollten wir in der Technologie-Entwicklung nario Stagflation widmen und uns anschau-
und gesellschaftspolitische Themen und be- aufholen, auf Zukunftstechnologien setzen en, wie wir uns darauf wirtschafts- und ge-
trachtet sie nie getrennt voneinander. und unser Gewicht in der Standardsetzung sellschaftspolitisch vorbereiten können.
halten. Das ist wichtig, weil die Frage der
Auf welche Themen setzen Sie im Ausschuss? Regulierungskraft damit verbunden ist,
Zu Beginn hat der Ausschuss sehr intensiv welche Form der Gesellschaft, Wirtschaft ZUR PERSON
an der neuen Industriestrategie gearbeitet, und Demokratie wir im digitalen Zeitalter Axel Kühner steht seit 2010 als erster
mit einem Fokus auf Standort, Digitalisie- vor Augen haben. Eine der entscheidenden externer CEO an der Spitze des weltweit
Herr Kühner, Sie leiten seit Herbst rung, Arbeitsmarkt und Gesellschaftspolitik. Fragen für Europa wird außerdem sein, ob erfolgreichen Familienunternehmens,
2020 den Ausschuss für Wirtschafts- Die Auseinandersetzung mit Zukunfts- neue Energie-Technologien weltweit ex- des Kunst- und Schaumstoffproduzenten
und Gesellschaftspolitik. szenarien ist nach wie vor der rote Faden. portiert werden können. Insgesamt müssen Greiner AG. Seit Herbst 2020 ist er
Welche Ziele verfolgen Sie damit? Wir haben uns gemeinsam mit zahlreichen wir auf jeden Fall diversifizieren und exzes- Vorsitzender des Ausschusses für Wirt-
Unsere Wirtschaft und Gesellschaft be- Expertinnen und Experten aus verschie- sive Abhängigkeiten reduzieren. Das wird schafts- und Gesellschaftspolitik. Davor
finden sich in einer Transformation, die denen Fachrichtungen und durchaus auch etwas kosten. Was wir tun können, ist die lenkte er für zwei Jahre den IV-Ausschuss
durch die aktuellen multiplen Krisen noch mit unterschiedlichen Weltanschauungen Handelsliberalisierung, die preisdämpfend für Bildung und Gesellschaft.
weiter beschleunigt wird. Der Ausschuss für den Themen der Neuorientierung des und wohlstandsfördernd wirkt, zu anderen
AKTUELLES IN KÜRZE
Ausgezeichnete unternehmerische
Verantwortung
E
s klingt ein bisschen wie aus dem Mär- Menschen betroffen. Besonders in länd-
chen: Die Rabmer Gruppe verwandelt lichen Gebieten ist eine standardisierte
Abwasser in saubere Energie. Das geht Wundversorgung nach medizinischen
so: Abwasser aus Dusche, Küche und WC Mindestkriterien oft nicht gewährleistet.
fließt mit bis zu 30 Grad durch die Kanä- Werden Wunden nicht adäquat versorgt,
le. Das Unternehmen aus Oberösterreich kann das zu chronischen Erkrankungen
nutzt diese Wärme aus den Eingeweiden und im schlimmsten Fall zu Amputationen
der Städte, um Gebäude und ganze Siedlun- oder Tod führen. Wenn jedoch gut ausge-
gen zu heizen, zu kühlen und mit sauberem bildete Krankenpfleger ins Haus kommen,
Warmwasser zu versorgen. Das Gute daran: kann menschliches Leid verhindert und
Abwasser ist rund um die Uhr verfügbar und auch volkswirtschaftliches Vermögen er-
kostet nichts. Zu den Kunden gehören klei- spart werden. Lohmann & Rauscher bot
nere Gemeinden, aber auch die Stadt Wien. mit einer malaysischen Universität einen
Diese Innovation wurde in der Kategorie Postgraduierten-Diplomkurs Wundpfle-
Klimaschutz ausgezeichnet. ge-Management und einen Wundpflege-
Management-Grundkurs an.
In der Kategorie Internationales Engage-
ment gewann der Healthcare-Spezialist Der TRIGOS zeigte einmal mehr auf, wie
Lohmann & Rauscher mit seinem Projekt Unternehmensverantwortung in Kombi- Mittelbeschluss zu FTI-Schwerpunkten
„Empowerment und Training für Wund- nation mit Innovationskraft zu einer nach-
management in Malaysia”. Chronische haltigen Zukunft beiträgt. Die IV gratuliert des „Fonds Zukunft Österreich“ 2022
Wunden sind weltweit ein Problem, al- den Gewinnern sowie den Nominierten
D
lein in Malaysia sind rund 1,3 Millionen des TRIGOS sehr herzlich! er Fonds Zukunft Österreich hat schungsgesellschaft (CDG) 14,8 Mio. Euro
erstmals Mittel zur Finanzierung und die Austria Wirtschaftsservice Gesell-
von grundlagen- und anwen- schaft (aws) 12 Mio. Euro. Zudem wurden
dungsorientierter Spitzenforschung aus- 15,6 Mio. Euro für den Schwerpunkt "Dis-
geschüttet. Bereits zuvor hatten die drei ruptive/radikale Innovation" reserviert. Die-
für Forschung zuständigen Ministerien se Mittel sollen über FFG, FWF und aws
die strategischen Schwerpunkte für die vergeben werden.
Mittelverwendung festgelegt. Insgesamt
werden knapp 146 Mio. Euro für das lau- Erfreulich ist, dass für die Industrie beson-
Foto: Christiam Huber Fotografie , AdobeStock, Alex Gotter
fende Jahr zur Verfügung gestellt. Davon ders wichtige Schwerpunkte wie F&E im
gehen 42 Mio. Euro an die Forschungsför- Halbleiterbereich, Künstliche Intelligenz,
derungsgesellschaft FFG, 40 Mio. Euro an Digital Europe und CD-Labore gut dotiert
den Wissenschaftsfonds FWF und 13 Mio. wurden. Wichtig ist jetzt, bei den reservier-
Euro an die Österreichische Akademie der ten Mitteln themenoffene Erfolgsformate
Alle TRIGOS Gewinner v.l.n.r.: Sandra Weinberger (TELE Haase Steuergeräte GesmbH),
Wissenschaften (ÖAW). Weiters erhalten der angewandten Forschung zu berück-
Anja Haider-Wallner (FreuRaum eG), Meinrad Ettengruber (GLS Gemeinschaftsbank eG),
Ulrike Rabmer-Koller (Rabmer Gruppe), Diana Reuter (Gebrüder Woerle Ges.m.b.H), die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) sichtigen und die konkreten Ausschreibun-
Georg Votava (Lohmann & Rauscher GmbH), Kilian Kaminski (Refurbed GmbH) 8,56 Mio. Euro, die Christian Doppler For- gen rasch auf den Weg zu bringen.
8 Juli | August 2022 | iv-positionenJunge Industrie
Junge Industrie goes Brüssel
N
ach einer coronabedingten Implikationen die aktuellen Krisen und He- allem wieder einmal eine spannende Reise
Pause ging es im Juni für die rausforderungen haben. Generaldirektor ins Herz der EU, bei dem erneut festgestellt
Junge Industrie endlich wie- Markus Beyrer hat außerdem einen Einblick wurde, dass wir für zahlreiche Herausfor-
der einmal nach Brüssel. Dabei gegeben, wie Interessensvertretung auf derungen ein gemeinsames und starkes
konnten 14 Mitglieder der Jun- europäischer Ebene funktioniert. Alles in Europa brauchen.
gen Industrie einen Blick hinter die Kulissen
der EU-Institutionen werfen und europäi-
sche Politik hautnah miterleben. Gerade in
diesen herausfordernden Zeiten eine wich-
tige Reise, um Hintergründe und Funktions-
weisen der EU besser verstehen zu können.
Bei der zweitägigen Reise wurde mit unter-
schiedlichen Entscheidungsträgern von
BusinessEurope, dem Europäischen Rat
oder der Kommission, über europapoliti-
sche Vorhaben und Herausforderungen
diskutiert. Zentrales Thema war der russi-
sche Krieg gegen die Ukraine, dessen Im-
plikationen für Europa, aber natürlich auch
Wir sind
die energiepolitischen Auswirkungen und
Risken für Österreich. Besonders spannend
Teil der Lösung
in diesem Zusammenhang war der Aus-
Als Industrie – vom Start-up und
tausch zum Thema Versorgungssicherheit
der EU-Länder mit Piotr Serafin, Direktor Scale-up bis zum Großunternehmen
für Energie und Infrastruktur vom General- – leisten wir einen wesentlichen
sekretariat des Rates. Beitrag. Man muss uns nur lassen
Aber auch andere zentrale Themen wurden Im Juni hat nach coronabedingter Pause
diskutiert, zum Beispiel wie die strategische wieder einmal die JI-Reise nach Brüssel
Souveränität Europas mittels europäischer stattgefunden – ein großes Danke an das
Wettbewerbspolitik und Kartellrecht ge- IV-Büro Brüssel an dieser Stelle für die
sichert werden kann, wie der Triolog zwi- Unterstützung bei der Organisation. Der
schen Kommission, EU-Rat und Parlament zweitägige Einblick war eine spannende
funktioniert, oder welche budgetären Gelegenheit, hinter die Kulissen zu blicken
und zu erkennen, dass die EU nicht immer
das träge Konstrukt ist, das man oft vor
Augen hat. Es hilft enorm, im Herzen von
Weg mit Innovationsbarrieren – wie kann Brüssel zu sein, um Vorgänge besser ver-
stehen zu können – das heißt aber noch
nicht immer, dass man sie inhaltlich teilt.
Österreich Top-Gründerland werden? Mehr Fokus auf die wichtigen, strategi-
schen Themen würde definitiv nicht scha-
Drei wesentliche Rahmenbedingungen müssen durch den Staat geschaffen werden, um den. Das gilt gleichermaßen für die EU wie
für innovative Jungunternehmen als Standort attraktiv zu sein: Zugang zu Markt, Finanzierung für die österreichische Politik. Es scheint,
dass die geopolitischen Herausforderun-
und Humankapital, meint gruppe1031-Experte Jordan Georgiev, Gründer von Asemply gen immer mehr werden, die Antworten
D
der Politik aber immer vager und weniger
ie relativ kleine Marktgröße vereinfacht, würde sowohl die Prozesse be- des VS Fonds-Kapitals aus Pensionsfonds treffsicher. Es wird versucht, Verantwor-
Österreichs wird durch den schleunigen als auch zu einer effizienten stammen, sind es in den USA 20 Prozent. tung bei möglichst vielen Themen abzu-
Zugang zum EU-Markt und Verwaltung beitragen. schieben, andererseits werden Rahmenbe-
den traditionell starken Auf- Beim Zugang zum Humankapital braucht es dingungen immer starrer.
tritt in Osteuropa kompen- Im Bereich der Finanzierung punkten wir mit insbesondere verbesserte und digitalisierte
siert, zudem können wir unsere Stärke als Förderprogrammen und einer ausgebauten Prozesse rund um die Rot-Weiß-Rot-Kar- Als Industrie füllen wir Lücken im System
Testmarkt ausspielen. Dennoch sind wir Investoren-Community, die Mobilisierung te für Gründer und Mitarbeiter. Durch eine sowieso seit Jahren. Sei es bei der Schaf-
im Ranking der Weltbank in der Kategorie von Risikokapital insbesondere in Seed, und neue Gesellschaftsform für Start-ups soll fung zusätzlicher Elementarbildungsplätze,
„Starting a business“ nur auf Platz 127. So Late-Stage Runden ist aber noch nicht aus- zudem die Unternehmensgründung und die bei der Aus- und Weiterbildung unserer
dauert die Gründung einer GmbH in Est- reichend. Um in diesen kritischen Phasen Mitarbeiterpartizipation attraktiver werden Lehrlinge oder bei der betrieblichen Pen-
land durchschnittlich 3,5 Tage, während eine Abwanderung ins Ausland zu vermei- und Stock-Options Modelle erleichtern. sionsvorsorge. Wir überlegen uns Lö-
dieser Wert in Österreich bei 21 Tagen liegt. den, müssen steuerliche Barrieren abgebaut sungen, wo die Politik keine findet, und
Um hier aufzuholen, müssen Prozesse und werden. Die Abzugsfähigkeit einer Eigenka- investieren in Bereiche, die die Politik zu
Interaktionen einem „digital first“ Prinzip pitalrendite würde die Bereitstellung privaten WEBTIPP wenig beachtet.
folgen, zudem müssen Vergaberichtlinien Risikokapitals anregen. Ebenso sollten auch
Weitere Details zu den Forderungen
den Start-up-Markt besser berücksichti- institutionelle Investoren einen Teil des ver- Das gilt übrigens auch für die Energiewen-
der gruppe1031 finden Sie auf
gen. Ein „One-stop-Shop“ für Start-ups, walteten Vermögens in Risikokapital investie- de und den Klimaschutz. Als Unternehmen
www.gruppe1031.at
der alle Gründungsservices bündelt und ren dürfen. Während EU-weit acht Prozent sind wir an vorderster Front und überlegen
regelmäßig, wie wir unseren Beitrag leisten
können. Das gilt für viele unserer JI-Mit-
IMPRESSUM glieder. Und dazu zählen die Traditionsbe-
triebe der Jungen Industrie gleichermaßen
wie die jungen innovativen Start-ups mit
Herausgeber, Medieninhaber und Redaktion: Vereinigung der Österreichischen Industrie (Industriellenvereinigung), Schwarzenbergplatz 4, 1031 Wien, Tel.: 01/711 35-2308, E-Mail: positionen@iv.at,
Homepage: www.iv.at, ZVR: 806801248, LIVR-N.: 00160, EU-Transparenzregister Nr.: 89093924456-06, Vereinszweck gemäß § 2 Statuten: Die Industriellenvereinigung (IV) bezweckt, in Österreich Entwicklungspotential bzw. Scale-ups. Wir
tätige industrielle und im Zusammenhang mit der Industrie stehende Unternehmen sowie deren Eigentümer, Organmitglieder und Führungskräfte in freier und demokratischer Form zusammenzufassen;
ihre Interessen besonders in beruflicher, betrieblicher und wirtschaftlicher Hinsicht auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene zu vertreten und wahrzunehmen, industrielle Entwicklungen zu
sind Teil der Lösung. Dazu braucht es aber
fördern, Rahmenbedingungen für Bestand und Entscheidungsfreiheit des Unternehmertums zu sichern und Verständnis für Fragen der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zu verbreiten. den notwenigen Raum und Verständnis
– auf nationaler, vor allem aber auch auf
Chefredaktion: Maria Schmidt-Iankova, Marlena Mayer. Lektorat: Barbara Oberrauter-Zabransky. Verantwortlich für den Inhalt: Christian Zoll, Joachim Haindl-Grutsch, Johannes Höhrhan, Eugen Stark,
Claudia Mischensky, Gernot Pagger, Ingrid Puschautz-Meidl, Michaela Roither, Irene Schulte. EU-Ebene.
Für den Inhalt der letzten drei Seiten zeichnet die jeweilige Landesgruppe verantwortlich.
Herzlichst Euer
Grafikdesign: des21 | Matthias Penz
Fotos: JI/Prant, Junge Industrie/Herwey
Druck: BULU - Buchdruckerei Lustenau GmbH, 6890 Lustenau. Erscheinungsort: Wien. Offenlegung nach § 25 des Mediengesetzes: iv-positionen erscheint 10x jährlich in einer Auflage von 8.300.
Unternehmensgegenstand: Information zu industrie- und gesellschaftspolitischen Themen für Mitglieder der Industriellenvereinigung und Meinungsträger in Österreich. Siehe auch unter www.iv.at
Fotos (Cover bzw. Coverstory): AdobeStock, IV-Burgenland, IV-Kärnten/Gert Eggenberger, IV-NÖ/Leyrer + Graf, IV-OÖ/JKU, Anita Grillnberger, Land OÖ,
IV-Salzburg/Wildbild, IV-Steiermark/Marija Kanizaj, IV-Tirol/Frischauf, IV-Vorarlberg/Frederick Sams, IV-Wien/Hannes Winkler
Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird auf geschlechtsspezifische Endungen verzichtet. Matthias Unger,
Die verwendeten Bezeichnungen beziehen sich auf alle Geschlechter gleichermaßen. Bundesvorsitzender der Jungen Industrie
Juli | August 2022 | iv-positionen 9iv-positionen
WIEN
ViennaUP’22: Wien als Business-
und Start-up Hotspot im Rampenlicht
Das achttägige internationale Start-up-Event lockte bis zu 10.000 Besucher aus 67 Nationen an.
Ü
ber 30 verschiedene Veranstal-
ter boten im Rahmen der von der
Wirtschaftsagentur Wien initi-
ierten und von der Industriellen-
vereinigung Wien unterstützten
ViennaUP’22 den Besuchern von 27. Mai bis
3. Juni ein abwechslungsreiches Programm.
Insgesamt 60 Einzelveranstaltungen in 28
unterschiedlichen Locations in elf Wiener
Gemeindebezirken drehten sich rund um
die Themenbereiche Technologie, Umwelt,
Soziales und Frauen als Business Leade-
rinnen. Zentrum des Großevents war die
Festival-„Homebase“ am Wiener Karlsplatz,
welche von den teilnehmenden Start-up-
Unternehmern zum Netzwerken und Aus-
tauschen von Erfahrungen genutzt wurde.
Im Vorfeld der ViennaUP’22 fand zudem
eine groß angelegte internationale Markt-
ingkampagne statt, um den Wirtschafts- und
Start-up-Standort Wien international ins
Rampenlicht zu rücken. „Die Stadt und die Die Studie identifizierte die Stärkung der
Wiener Start-up-Szene haben sich mit der Wiener Hochschulen als Quelle technolo-
ViennaUP‘22 einen fixen Platz unter den gischer Innovation sowie die Verbesserung
größten und relevantesten Start-up-Festi- der Kooperationen zwischen etablierten
vals in Europa erobert. Wir haben uns als Unternehmen und Start-ups als wichtige
Start-up-Hub in den letzten beiden Jahren Handlungsfelder, um im internationalen
enorm schnell entwickelt und zu den etab- Städtewettbewerb weiter aufzuholen.
lierten Start-up-Hubs aufgeschlossen“, be-
tonte Peter Hanke, Stadtrat für Finanzen, „Kooperationen und eine intensive Zusam-
Wirtschaft, Arbeit, Internationales und menarbeit zwischen etablierten Unter-
Wiener Stadtwerke anlässlich der Eröff- nehmen und innovativen Start-ups sind
nung des Festivals. in vielen globalen Technologie-Hotspots
schon lange ein wesentliches Erfolgs-
Derartige Großevents gehören zu den zen- rezept – man denke etwa an das Silicon
tralen Hebeln, um Wien international noch Valley oder an Singapur“, betont IV-Wien
stärker als Innovationsstandort zu positio- Geschäftsführer Johannes Höhrhan. Die
nieren. Zu diesem Ergebnis kam auch eine ViennaUP’22 ist in diesem Zusammenhang
von der IV-Wien 2021 initiierte Studie, die eine hervorragende Visitenkarte und leis-
allerdings punktuell noch Verbesserungs- tet einen wesentlichen Beitrag, Brücken
bedarf zu den europäischen Top-Start-up- zwischen den etablierten Akteuren des
Metropolen München, Amsterdam und Standorts und neuen innovativen Start-
Zürich feststellte. ups zu schlagen.
Die Junge Industrie feiert das jährliche Sommerfest
Am 25. Juni kamen die Mitglieder der JI-Wien und der JI-Niederösterreich/Burgenland an der Alten Donau
zum geselligen Austausch zusammen.
S
teven Blaha, Vorsitzender der Formaten wie die „Talk Around The World“ Mit Ausblick auf die kommenden Höhepunk-
JI-Niederösterreich/Burgen- Reihe der JI-NÖ/Burgenland blickten die te im Herbst – vor allem die JI-Bundestagung
land, eröffnete gemeinsam mit Mitglieder auf viele informative Podiumsdis- von 20. bis 22. Oktober in Wien – wurde das
JI-Wien Vorstandsmitglied Mar- kussionen und Politik-Talks im Rahmen der Sommerfest schließlich feierlich mit spannen-
kus Neubrand das traditionelle inhaltlichen JI-Schwerpunkte zurück. den „Leitergolf“-Partien eröffnet.
Sommerfest an der Alten Donau. Blaha hob
in seiner Ansprache die herausfordernden
letzten Monate hervor, insbesondere den
Krieg in Europa, die neuerlich steigenden
Infektionszahlen und die hohen Energie-
kosten gepaart mit anhaltenden Liefereng-
pässen. Umso wichtiger sei es, sich auf die
positiven Momente des angebrochenen
Fotos: Hannes Winkler, Lorenz Seidler, David Bohmann
Jahres zu besinnen.
Dabei wurde vor allem die hervorragende
Zusammenarbeit der beiden Landesgruppen
bei zahlreichen vergangenen Veranstaltun-
gen betont. Neben spannenden Betriebs-
besichtigungen in Wien, Niederösterreich
sowie im Burgenland und internationalen Steven Blaha und Markus Neubrand eröffnen das Sommerfest.
10 Juli | August 2022 | iv-positionenWIEN
Kühler Kopf statt heißer Herbst
Die hohe Inflation hat zumindest einmal zu einer systemischen Reform in Österreich geführt. Das ist gut so,
die Menschen brauchen mehr Netto vom Brutto. Mit Blick auf die Lohnverhandlungen im Herbst wird nun aber
viel Vernunft und Augenmaß gefragt sein.
lens (man denke nur an manche Aussagen oder zukunftsorientiert zu wählen, die ei- Blick auf die internationale Wettbewerbs-
von Regierungsmitgliedern noch zu Jah- nem gerade am besten in den Kram passt. fähigkeit unserer Unternehmen, eine zen-
resbeginn…) auf eine wirklich nachhaltige, trale Rolle. Wir dürfen dabei das Gesamt-
weil systemische Reform geeinigt. Die kal- Damit kurz zurück an den Anfang: Das bild nicht aus dem Blick verlieren: Die
te Progression wird endlich abgeschafft - Leben wir teurer, die Menschen brauchen Preissteigerungen, etwa bei Energie und
zumindest größtenteils. mehr Geld. Daran ist nicht zu rütteln, und Rohstoffen treffen die Unternehmen der-
genau das wurde auch von unserer Seite in zeit ebenso mit voller Wucht. Das wirt-
Wird das alles aber reichen, um den Men- den vergangenen Monaten immer wieder schaftliche Umfeld bleibt jedenfalls weiter
schen in Zeiten der galoppierenden Teue- nachdrücklich gegenüber der Politik ver- volatil: Sollte der Ukraine-Krieg zu einem
rung spürbar zu helfen? Mit Blick auf den treten. Es geht hier also nicht darum, den Ende der Gaslieferungen nach Österreich
Herbst kommt dieser Frage inzwischen Menschen etwas wegzunehmen oder vor- führen, dann müssen manche Industriebe-
eine ganz besondere Bedeutung zu. Denn zuenthalten. Ganz im Gegenteil: Auch wir triebe ohnehin im Herbst ihre Tore schlie-
seitens der Gewerkschaften wird bereits haben stets gesagt, dass wir natürlich wol- ßen. Es ist also sicher nicht die beste Zeit
seit dem Vorjahr getrommelt, dass man len, dass von dem Geld, das unsere Mit- für weitere, nachhaltige Belastungen der
sich die hohe Teuerung über die KV-Ver- arbeiter verdienen, auch tatsächlich mehr Unternehmen. Vom Anheizen der Lohn-
handlungen „zurückholen“ werde. Das ist bei diesen in der Geldtasche landet. Und Preis-Spirale ganz zu schweigen.
aus Sicht der Gewerkschaften eine ver- nicht etwa beim Finanzminister – Stich-
ständliche Position. Auf den ersten Blick wort kalte Progression. Der sich weiter zuspitzende Arbeitskräfte-
klingt die Forderung auch plausibel. Aber mangel treibt das allgemeine Lohnniveau
die Wahrheit ist selten eindimensional – Nun wurden seitens der Bundesregierung ohnehin ständig weiter hinauf. Wie wäre
und im Herbst wird es entscheidend sein, zahlreiche Entlastungsschritte gesetzt. es in dieser Situation eigentlich mit einer
DEBATTE kühlen Kopf zu bewahren und die Gesamt- Die zu erwartenden Effekte dürfen wir stärkeren Differenzierung zwischen der
Teilen Sie uns Ihre Meinung mit – situation im Blick zu behalten. Ansonsten und auch die Gewerkschaften nicht aus Anpassung der Mindest-KVs und der Ist-
via E-Mail an debatte@iv.at könnte ein „heißer Herbst“ in einem Pyr- den Augen verlieren. Neben der Abschaf- Löhne und -Gehälter? In der aktuellen,
rhussieg enden: Überzogene Forderungen fung der kalten Progression werden die außergewöhnlichen Situation, flankiert
würden die ohnehin schwierige Lage der Sozialleistungen valorisiert und die Lohn- durch ebenso außergewöhnliche Unter-
Die Inflation ist mittlerweile für alle spür- Unternehmen in eine unmögliche verwan- nebenkosten gesenkt. Unternehmen kön- stützungsmaßnahmen, wäre es kontrapro-
bar. Steigende Preise machen das Leben deln, das hilft niemandem. nen heuer oder 2023 einen zusätzlichen duktiv, Lohnerhöhungen nicht nur in den
teurer, ob nun an der Tankstelle oder im Arbeitslohn von bis zu 3.000 Euro steuer- KV-Mindeststufen für ewig „einzuzemen-
Supermarkt. Die Menschen brauchen Aber eines nach dem anderen. Zuerst ein- und sozialversicherungsfrei auszahlen. tieren“, sondern auch bei jenen, die weit
mehr Geld. Aus genau diesem Grund ha- mal: Dass wir in Zeiten steigender Inflation Familien werden besonders unterstützt: mehr verdienen. Gerade wir in der Indus-
ben wir auch seitens der IV-Wien immer steuern, wussten wir bereits im Vorjahr – So werden im August 180 Euro pro Kind trie zahlen in der Regel massiv über den
und immer wieder gefordert, dass end- der schreckliche Krieg in der Ukraine mag zusätzlich zur Familienbeihilfe ausbezahlt, Mindest-KVs. Mittelfristig können aber
lich die kalte Progression abgeschafft und manches verschärft und beschleunigt ha- beim Klimabonus - 250 Euro plus weite- gerade diese Erhöhungen unsere Wettbe-
kleinere Einkommen über eine Senkung ben, die Ursache für die Teuerung ist er aber re 250 Euro Teuerungsbonus kommen pro werbsfähigkeit deutlich reduzieren – vor
der Lohnnebenkosten zusätzlich entlastet nicht allein. Bei den damaligen KV-Verhand- Kind weitere 250 Euro dazu und außerdem allem dann, wenn wir nun in eine Rezession
werden müssen. lungen wurden dann aufgrund der steigen- werden der erhöhte Familienbonus sowie rutschen. Hier braucht es somit das richti-
den Preise höhere Abschlüsse gefordert. der Kindermehrbetrag auf Jänner 2022 ge Augenmaß und einen sicheren Blick auf
Bei aller an dieser Stelle oft geäußerten Die KV-Abschlüsse waren also vom Blick vorgezogen. Menschen mit geringem Ein- das Gesamtbild. Gemeinsam werden wir
Kritik an der heimischen Politik sowie dem nach vorne, auf eine vermutete Zukunft kommen erhalten als weitere Einmalzah- kluge Lösungen finden müssen, damit wir
chronischen österreichischen Reformun- motiviert, anstatt wie sonst üblich von der lung im September 300 Euro. 2022 wird einen „heißen Herbst“ vermeiden können.
willen, wenn es um systemische Reformen durchschnittlichen Teuerungsrate der ver- obendrauf ein Teuerungsabsetzbetrag in
geht, muss man nun auch einmal festhal- gangenen zwölf Monate. Müsste man also Höhe von 500 Euro eingeführt.
ten: E pur si muove! Und sie bewegt sich ja in diesem Herbst nicht auch wieder den
doch, die Politik. Mit dem jüngsten Antiteu- Blick nach vorne richten – und damit in eine All dies muss auch im Rahmen der bevor- Ihr
erungspaket wurde ein ausgewogener Mix Zeit, in der wir von den hohen Teuerungsra- stehenden Lohnverhandlungen verant-
aus Maßnahmen für Menschen und Unter- ten zumindest teilweise wieder runterkom- wortungsvoll eingepreist werden! Gerade
nehmen gefunden, und vor allem: Die Poli- men werden? Es geht nicht an, sich immer in so krisenhaften wirtschaftlichen Zeiten Christian C. Pochtler,
tik hat sich trotz des anfänglichen Unwil- nur jene Betrachtungsweise, retrospektiv spielen Lohnabschlüsse, insbesondere mit Präsident der IV-Wien
WELCOME ON BOARD
Neue Mitarbeiterin im Team
der Industriellenvereinigung Wien
Doris Hirt folgt Edeltraud Bienenstein
D
oris Hirt übernimmt ab Juli zur IV-Wien unterstützte sie seit 2001 die
die Assistenz der Geschäfts- Bundesorganisation der Jungen Industrie,
führung der IV-Wien. Sie folgt die Geschäftsführung des Höldrichsmüh-
auf Edeltraud Bienenstein, len-Kreises und die gruppe1031, deren
die sich nach 31 Jahren in Geschäftsführung sie seit 2004 innehatte.
der IV-Wien in den wohlverdienten Ruhe-
stand verabschiedete. Doris Hirt hat ihre Wir danken Edeltraud Bienenstein vielmals
Tätigkeit in der Industriellenvereinigung für die langjährige hervorragende Zusam-
Fotos: Manuel Ortlechner
1991 als Assistentin in der Abteilung Bil- menarbeit und wünschen Doris Hirt alles Wir danken Edeltraud Bienenstein für die groß- Mit Doris Hirt übernimmt eine Mitarbeiterin mit
dungspolitik begonnen. Bis zum Wechsel Gute für die neue Herausforderung! artige Zusammenarbeit! viel Erfahrung.
Juli | August 2022 | iv-positionen 11Sie können auch lesen