ZAHNÄRZTLICHE NACHRICHTEN SACHSEN-ANHALT - 07/2017 Juli 2017 27. Jahrgang

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ZAHNÄRZTLICHE NACHRICHTEN SACHSEN-ANHALT - 07/2017 Juli 2017 27. Jahrgang
ZAHNÄRZTLICHE NACHRICHTEN SACHSEN-ANHALT

                                      Juli 2017
                                  27. Jahrgang

                                    07/2017
ZAHNÄRZTLICHE NACHRICHTEN SACHSEN-ANHALT - 07/2017 Juli 2017 27. Jahrgang
25. Fortbildungstage
           der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt

                         Parodontologie
                      versus Implantologie
          Vom 15. bis 17. September 2017 in Wernigerode
      Harzer Kongresshotel, Pfarrstraße 41, 38855 Wernigerode

WISSENSCHAFTLICHES PROGRAMM                         PROGRAMM FÜR
                                                    PRAXISMITARBEITERINNEN
zwölf Vorträge, drei Seminare
Wissenschaftliche Leitung:
Prof. Dr. Ralf Roessler, Heidelberg                 sieben Vorträge, vier Seminare

Referenten:                                         Referenten:
Univ.-Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas, Halle (Saale)   Univ.-Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas, Halle (Saale)
Dr. med. Thomas Barth, Leipzig                      DH Sylvia Fresmann, Dortmund
Dr. Christina Erbe, Mainz                           Prof. Dr. Georg Gaßmann, Köln
Prof. Dr. Georg Gaßmann, Köln                       RA Torsten Hallmann, Magdeburg
Dr. Gorden John, Düsseldorf                         Prof. Dr. Lutz Jatzwauk, Dresden
ZA Frederic Kaufmann, Würzburg                      Ute Rabing, Dörverden
PD Dr. Christoph A. Ramseier, MAS, Bern             Sabine Urban, Bremen
Prof. Dr. Ralf Roessler, Heidelberg                 Sylvia Wuttig, Heidelberg
Prof. Dr. Dr. Ralf Smeets, Hamburg
Priv.-Doz. Dr. Dirk Ziebolz, M.Sc., Leipzig

FESTVORTRAG                                         AUSKUNFT/ANMELDUNG:
Gerlinde Kaltenbrunner, Oberösterreich:             Veranstalter: Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt
„Die hohen Berge – meine Lehrmeister“               Postfach 39 51, 39104 Magdeburg

                                                    pro Tag erhalten Sie 6 Fortbildungspunkte
                                                    Gesamttagung: 15 Punkte

RAHMENPROGRAMM                                      Für Zahnärzte
                                                    Stephanie Hofmann, Telefon 0391 7393914
Bierabend im Hotel                                  hofmann@zahnaerztekammer-sah.de
Grillabend im Hotel
Dental-Schau                                        Für Praxismitarbeiterinnen
                                                    Astrid Bierwirth, Telefon 0391 7393915
                                                    bierwirth@zahnaerztekammer-sah.de
ZAHNÄRZTLICHE NACHRICHTEN SACHSEN-ANHALT - 07/2017 Juli 2017 27. Jahrgang
INHALT
                      ZAHNÄRZTLICHE NACHRICHTEN 07/2017

KulTOUR SACHSEN-ANHALT                                                            FORTBILDUNGSINSTITUT E. REICHENBACH

Ausstellung über Gesellschaftsspiele                                             Fortbildungsprogramm für Zahnärzte.......................... 24
aus Ost und West auf dem Petersberg....................Seite 4                   Fortbildungsprogramm für Praxismitarbeiterinnen.... 26
EDITORIAL                                                                        Vorschau 25. Fortbildungstage in Wernigerode........... 28

(K)ein schattiges Plätzchen!                                                      MITTEILUNGEN DER ZÄK SACHSEN-ANHALT
von Dr. Jochen Schmidt...................................................... 5   92 ZFA-Azubis starten ins Berufsleben.......................... 31
BERUFSSTÄNDISCHES                                                                Kammer wirbt bei „Vocatium“ um Azubis................... 33

Verbesserung der Mundgesundheit als oberstes                                     Aus der Vorstandssitzung................................................ 35

Ziel: KZBV-Vertreterversammlung in Köln.................... 6                    Neue Meldeordnung der ZÄK........................................ 36

Auf Zahnärzte warten viele Aufgaben: Bericht                                      MITTEILUNGEN DER KZV SACHSEN-ANHALT
von der Kammerversammlung......................................... 8             Leserbrief und Aushang zum vdek................................ 39
Schlechte Karten für die Bürgerversicherung:                                     Fragen und Antworten zur Telematik........................... 40
Podiumsdiskussion vor der Bundestagswahl.............. 12                        Der Zulassungsausschuss informiert............................. 43
Viele Besucher beim Tag der Offenen Tür                                          Seminarprogramm der KZV Sachsen-Anhalt............... 44
bei der KZV in Magdeburg.............................................. 18
                                                                                  MITTEILUNGEN DES FVDZ SACHSEN-ANHALT
KOLLEGEN
                                                                                 Da müsst Ihr doch was tun!............................................. 46
Alexander Klatte ist jüngster Delegierter
                                                                                  SACHSEN-ANHALT
in der Kammerversammlung.......................................... 20
                                                                                 Termine/Service................................................................ 47
NACHRICHTEN UND BERICHTE
                                                                                 Zum Titelbild: Lutherorte – Schloss Annaburg............ 48
Bild des Heilberuflers wandelt sich............................... 21
Sieben Sachsen-Anhalter unter Top-Zahnärzten.......... 22                        Titelbild: Fredi Fröschki,
Lehrpreis für Prof. Dr. Hans-Günter Schaller............... 23                   Schloss Annaburg

                                                       In eigener Sache
  Liebe Leserinnen, liebe Leser,                                                                                                WWW.ZA
                                                                                                                                         EK-SA .DE

                                                                                                                                                                                                                              WWW.KZ
                                                                                                                                                                                                                                       V-LSA .DE

  nach knapp einem Jahr Vorarbeit ist es soweit: Ab Heft 8/2017 präsen-
                                                                                                                                                                                            JAHRG ANG
                                                                                                                                                                                                        27 // AUGUST
                                                                                                                                                                                                                       2017   08 / 2017

  tieren die Zahnärztekammer und die Kassenzahnärztliche Vereinigung                                                   ZAHNÄRZ
                                                                                                                                 TLICHE N

  Sachsen-Anhalt als Herausgeber ihr Mitteilungsblatt mit amtlichen Be-
                                                                                                                       SACHSEN              ACHRICH
                                                                                                                               - A N H A LT         TEN

  kanntmachungen, die Zahnärztlichen Nachrichten, in einem neuen, fri-                                               THEMA S.06

  schen Gewand.                                                                                                    WOHLKLINGE
                                                                                                                   24. ZAHNÄR NDES ZUM
                                                                                                                             ZTETAG
                                                                                                                      Zahnärztetag
                                                                                                                                            Sachsen-Anhalt
                                                                                                                                                                  mit interessant
                                                                                                                                                                                 en Vorträgen
                                                                                                                                                                                                und viel Unte

  Keine Sorge: Mit dem neuen Layout wird sich an Inhalten und Blatt-
                                                                                                                                                                                                             rhaltung

  struktur Ihrer zn nichts ändern. Wohl aber soll das Heft mit neuen
  Schriften, mehr Bildern und einem einheitlichen Farbkonzept an Über-
  sichtlichkeit, Lesefreundlichkeit und Modernität gewinnen. Ob dieser
  Plan aufgeht, wollen wir zeitnah mit einem Barometer erfragen. Bis da-
  hin viel Vergnügen beim Lesen und einen erholsamen Sommer,
                                                                                                                 Lutherorte:
                                                                                                                               Sterbehaus
                                                                                                                                            Martin Luther
                                                                                                                                                            s in Eisleben

  Ihre Redaktion

                                                                                           Zahnärztliche Nachrichten Sachsen-Anhalt 07/2017                                                                                                        3
ZAHNÄRZTLICHE NACHRICHTEN SACHSEN-ANHALT - 07/2017 Juli 2017 27. Jahrgang
KulTOUR

                     „Spiel mit!“ auf dem Petersberg
                Ausstellung über Gesellschaftsspiele aus DDR und BRD

G     esellschaftsspiele aus Deutsch-
      land-Ost und -West laden der-
zeit im Museum Petersberg zum
Würfeln, Rausschmeißen oder Kno-
beln ein. „Spiel mit!“ heißt es noch
bis 22. Oktober 2017 in einer Son-
derausstellung auf dem 250 Meter
hohen Petersberg, der auf seinem
Breitengrad die höchste Erhebung
zwischen Harz und Ural ist. Das
dortige Museum befindet sich in ei-
nem geräumigen Vierseitgehöft, das
mehr als 220 Jahre lang als königlich
preußisches Forsthaus der Domäne
Petersberg diente. Mit vielfältigen
und interessanten Sonderausstellun-
gen lockt das vom Förderverein Er-
holungsgebiet Petersberg getragene          Noch bis Ende Oktober auf dem Petersberg bei Halle zu sehen: Gesellschaftsspiele aus
Museum immer wieder Besucher                Ost- und Westdeutschland.      Foto: Förderverein Erholungsgebiet Petersberg e.V.
auf den nördlich von Halle die Land-
schaft prägenden Petersberg.
   Derzeit heißt es dort: „Spiel mit!“      stellungsbesuchern nostalgische Er-        wie zu Zeiten der alten Förster mit
In Petersberg zu sehen sind Spiele          innerungen, wie Spiele zu Sendun-          Holz geheizt und nach überliefer-
aus der DDR und der Bundesrepu-             gen wie „Lassie“, „Fury“ „Dallas“          ten Rezepturen Brot gebacken. Seit
blik, die mit ihren reich und fanta-        oder dem „Denver-Clan“.                    1998, dem damals 900. Geburtsta-
sievoll illustrierten Verkaufskartons         Das Motto „Spiel mit!“ darf in der       ges Konrads von Wettin, ist auf dem
und Spielbrettern nicht nur den da-         Ausstellung durchaus wörtlich ge-          Peterberg zudem die ständige Aus-
maligen Zeitgeist dokumentieren             nommen werden: Verschiedene Spie-          stellung „Konrad von Wettin. Das
und schön anzuschauen sind, son-            le, darunter auch Klassiker, die einst     Augustiner-Chorherrenstift auf dem
dern auch Unterschiede und Berüh-           in beinahe jedem Haushalt zu finden        Petersberg“ zu besichtigen. Seit ver-
rungspunkte der beiden unterschied-         waren, können ausprobiert und Kin-         gangenem Jahr vermittelt eine wei-
lichen politischen Systeme aufzeigen.       dern oder Enkeln so vermittelt wer-        tere Dauerausstellung über „Die
   So ging es für DDR-Bürger in den         den, dass in der heutigen digitalen        Blechspielwarenfabrik Josef Kraus &
1950er Jahren zumindest per Würfel          Welt auch althergebrachte Spielfor-        Co, Nürnberg“ einen interessanten
und Spielfigur noch „Rund um die            men immer noch großen Spaß berei-          Einblick in die Zeit- und Wirtschafts-
Welt“. Einige Jahre später blieben          ten können.                                geschichte der 20er, 30er und 40er
sie dann vorwiegend in heimischen                                                      Jahre des 20. Jahrhunderts.
Gefilden und inzwischen „wandern“           Historischer Hügel                           Der Petersberg ist Ausgangspunkt
Spielbegeisterte durch Sachsen-An-                                                     der ersten menschlichen Besiedlung
halt, Brandenburg oder Thüringen.           Die Dauerausstelllung im Museum            in dieser Region. Heute hat sich
Durch reizvoll mit zeitgenössischen         Petersberg, dessen Gebäude – die           der Ort Petersberg als Zentrum des
Autotypen bebilderte „Verkehrs-             ehemalige Försterei – als kulturge-        sanften Tourismus etabliert. Zu den
spiele“ sollten Kinder einst mit den        schichtlich und städtebaulich bedeu-       Anziehungspunkten gehören ne-
Gefahren des damals schnell zuneh-          tendes Baudenkmal geschützt ist,           ben dem Museum ein Tierpark mit
menden Straßenverkehrs vertraut             widmet sich der Geschichte des his-        weißen Wölfen als besonderer At-
werden und selbst der Wettlauf zum          torischen Saalkreises, einer der ältes-    traktion, ein Walderlebnispark, eine
Mond wurde thematisiert: „Welt-             ten historisch gewachsenen Gebiets-        Sommerrodelbahn sowie zahlreiche
raumspiele“ entführten die Spieler          körperschaften Mitteldeutschlands.         Reit- und Wanderwege. Wer nur
per Sputnik und Apollo-Mondrakete           „Kultur- und Sozialgeschichte des          Stille und Ruhe sucht, ist bei den
in die unendlichen Weiten des Welt-         19. Jahrhunderts“ ist im Stallraum         Brüdern der Christusbruderschaft
raums.                                      des früheren Wirtschaftsgebäudes           in Petersberg gut aufgehoben. Sie
   Gesellschaftsspiele, die sich um be-     zu sehen. An der Stirnseite des Ge-        kümmern sich um den Erhalt des
kannte Fernsehserien und TV-Shows           bäudes steht den Besuchern die Tür         romanischen Klosters mit der Fürs-
drehen, gab es zwar nur in der Bun-         zu einer historischen Backstube of-        tengrabstätte der Wettiner und er-
desrepublik, wecken auch bei vielen         fen. An manchen Sonntagen im               möglichen Besichtigungen der Kir-
in der DDR aufgewachsenen Aus-              Jahr wird der altdeutsche Backofen         che St. Petrus.                    oe

 4     Zahnärztliche Nachrichten Sachsen-Anhalt 07/2017
ZAHNÄRZTLICHE NACHRICHTEN SACHSEN-ANHALT - 07/2017 Juli 2017 27. Jahrgang
EDITORIAL

                        (K)ein schattiges Plätzchen!
Liebe Kolleginnen und Kollegen,         Plakativ folgte das Totschlagsargu-
                                        ment des möglichen (oder doch nur
  der längste Tag des Jahres ist        eingebildeten) Potentials zur Kos-
auch schon wieder vorbei, der Ur-       teneinsparung. Solche Milch-Mäd-
laub steht vor der Tür!                 chen-Rechnungen kennen wir
                                        ja schon zur Genüge. Wirklich
   Normalerweise hat die Politik in     schlimm dabei ist: Wir wissen, wer
dieser Jahreszeit Sommerpause,          sie am Ende auszubaden hat.
gleichwohl läuft sie derzeit auf
Hochtouren. Die Bundestags-               Im Schattenwurf der Politik ste-
wahlen am 24. September werfen          hen auch die elektronische Ge-
bereits ihre Schatten voraus. Ge-       sundheitskarte und der Start ihrer
wöhnlich treibt es uns gerade bei       Online-Funktionen. Das Bundesge-
allzu hitzigen Aktivitäten an schat-    sundheitsministerium hat sich den
tige Orte – Schutz und Ruhe finden      Erfolg der Einführung schon auf die
wir im Schatten der Wahlverspre-        Fahnen geschrieben. Sie wird die
chen des linken Parteilagers jedoch     Einführung daher auch weiter mit
nur wenig.                              aller (Gesetzes-)Macht forcieren.
                                        Auch wenn die anfallenden Kos-
  Bei der politischen Diskussions-      ten für die technische Ausstattung
runde in der Zahnärztekammer am         durch die Krankenkassen finanziert
                                                                                                      Von
21. Juni mit den Gesundheitsex-         werden sollen, bleibt uns statt des           Dr. Jochen Schmidt
perten von CDU, FDP, SPD und            versprochenen Effizienzgewinns                    Vorsitzender der
den Linken – auch andere Parteien       am Ende ein deutlicher personeller
waren eingeladen, zeigten jedoch        und zeitlicher Mehraufwand!
                                                                                    Kassenzahnärztlichen
kein Interesse an einer Teilnahme                                                             Vereinigung
– wurde uns wieder einmal mit-            Die Erprobung der Telematikinfra-               Sachsen-Anhalt
geteilt, dass endlich Schluss sein      struktur ist im Dezember 2016 mit
muss mit der Zwei-Klassen-Me-           500 Erprobungsteilnehmern gestar-
dizin in Deutschland. SPD und           tet. Die für die so genannte „Last-
Die Linke zeichneten ein düsteres       phase“ geforderten 80 Prozent an
Bild vom Gesundheitssystem und          Testteilnehmern waren vor dem
der medizinischen Versorgung in         Quartalswechsel 1/2017 erreicht!        Ihnen gerne weiter!
unserem Land. Auf ihrem Rezept          Aber: zertifizierte eHealth-Kar-
steht deswegen erneut die Bür-          tenterminals sowie für ein für den        In diesem Sinne wünsche ich
gerversicherung. Vertreter der FDP      Wirkbetrieb zertifizierter Konnektor    Ihnen einen wohlverdienten und
und der CDU würdigten dagegen           werden erst im Sommer verfügbar         erholsamen Urlaub für einen kraft-
die Erfolgsgeschichte der dualen        sein! Mobile Kartenterminals kön-       vollen Start danach in einem der
Patientenversorgung. Nicht die gro-     nen gar nicht erprobt werden, da        schönsten Berufe, die es gibt.
ße Reform, sondern die Stärkung         es sie noch nicht gibt.
des Zwei-Säulen-Systems steht                                                     Ihr
im Wahlprogramm dieser beiden             Liebe Kolleginnen und Kolle-
Parteien.                               gen, wir werden Sie rechtzeitig
                                        und umfassend über die weitere
  Über den Begriff der Bürger-          Entwicklung und die notwendigen
versicherung lässt sich trefflich       Handlungsschritte informieren! Bit-
streiten, allerdings konnten selbst     te lassen Sie sich von der Industrie
die Befürworter in dieser Runde         nicht verunsichern und zu unnöti-
seinen Inhalt – abseits der bekann-     gen „Prüfverfahren“ oder „Checks“
ten Plattitüden – nicht verifizieren.   treiben. Bei Unklarheiten helfen wir

                                                                   Zahnärztliche Nachrichten Sachsen-Anhalt 07/2017   5
ZAHNÄRZTLICHE NACHRICHTEN SACHSEN-ANHALT - 07/2017 Juli 2017 27. Jahrgang
BERUFSSTÄNDISCHES

Verbesserung der
Mundgesundheit
 als oberstes Ziel

     Vertreterversammlung
       der KZBV in Köln

                                                   Die Delegierten der Vertreterversammlung der KZBV verabschiedeten
                                                   im Juni in Köln die Agenda Mundgesundheit 2017-2021.

D     ie Unwetter im Norden und
      Osten der Republik hatten
auch Auswirkungen auf die Früh-
                                           nehmigt wurden. Außerdem hat der
                                           Satzungsausschuss getagt und die
                                           Ergebnisse werden in der nächsten
                                                                                    für eine Richtlinie zur Verhältnis-
                                                                                    mäßigkeitsprüfung vor Erlass neuer
                                                                                    Berufsreglementierungen“. Es wird
jahrs-Vertreterversammlung (VV)            Versammlung bekanntgegeben und           befürchtet, dass die zunehmend
der Kassenzahnärztlichen Bundes-           beraten.                                 wirtschaftlich orientierten Ansätze
vereinigung (KZBV) in Köln. So ka-            Anschließend betonte der Vor-         sowohl die Patienten als auch die
men Delegierte zu spät bzw. konnten        standsvorsitzende Dr. Wolfgang Eßer      Gesundheitsberufe gleichermaßen
gar nicht anreisen, da Bahnstrecken        energisch den Willen des Vorstandes,     vernachlässigen. Zum Schluss wies
gesperrt waren. Leider traf es auch        alles im Kampf um das Recht auf          er auf das Bundesschiedsamt hin,
die schon wegen Krankheit dezi-            Selbstverwaltung zu tun. Er infor-       welches dieses Jahr noch tagt und
mierte Delegation aus Sachsen-An-          mierte nochmals die VV-Delegierten       dessen Entscheidungen die Arbeit
halt. Trotz allem war die VV be-           über die Arbeitsverteilung der Vor-      der KZVen beeinflussen wird. Zu-
schlussfähig und konnte pünktlich          standsmitglieder und die Aufgaben        sammen mit dem Präsidenten der
beginnen.                                  für die Zukunft. Dabei legte er einen    BZÄK, Dr. Peter Engel, gratulierte er
  Der Vorsitzende der Vertreterver-        großen Wert auf eine engere Zusam-       Prof. Dr. Rainer A. Jordan zu dessen
sammlung, Dr. Karl-Friedrich Rom-          menarbeit mit dem Beirat und den         Berufung zum Professor an der Uni-
mel, begrüßte die Teilnehmer und           Arbeitsgruppen der KZBV. Weiter-         versität Witten/Herdecke.
wies nochmals darauf hin, dass die         hin ging er auf die sich bildende Al-
VV notwendig geworden war, um              lianz Gesundheitskompetenz ein.          Hilfe bei Heilmitteln
aktuelle Fragestellungen zu beraten        Sehr erfreut zeigte er sich, dass der
und Beschlüsse zu fassen, welche für       Erste Bericht zum Stand der zahn-        Anschließend übernahm Vorstands-
die Herbstvertreterversammlung zu          ärztlichen Patientenberatung vorliegt    mitglied ZA Martin Hendges den
spät kommen würden. Im Hinblick            und in einer bundesweiten Presse-        Bericht und ging nun genauer auf die
auf die Finanzsituation der KZBV           mitteilung vorgestellt wird. Dr. Eßer    vorliegenden Entscheidungen des
im Frühjahr und den damit verbun-          wies auf die Wichtigkeit der Zusam-      Bundesschiedsamtes ein. Er verdeut-
denen Sanktionshaushalt wurde die          menarbeit mit der Bundeszahnärzte-       lichte, dass es bester Vorbereitung
VV als eintägige Arbeitssitzung ein-       kammer (BZÄK) bei der Bewertung          auf die Auseinandersetzung bedarf,
berufen.                                   und Bearbeitung von Problemen der        wenn solche Themen wie Gleichbe-
  Rommel wies in seinem Bericht            Europapolitik hin, so aktuell die Be-    rechtigung von MDK-Gutachtern
darauf hin, dass die neuen Vor-            denken der deutschen Zahnärzte-          oder Einbehaltungsrecht der Kran-
standsverträge am 11. April 2017 ge-       schaft hinsichtlich des „Vorschlags      kenkassen im Mittelpunkt stehen.  ▶

 6    Zahnärztliche Nachrichten Sachsen-Anhalt 07/2017
ZAHNÄRZTLICHE NACHRICHTEN SACHSEN-ANHALT - 07/2017 Juli 2017 27. Jahrgang
BERUFSSTÄNDISCHES

  Dr. Wolfgang Esser           ZA Martin Hendges

                                                                Die Delegation der KZV Sachsen-Anhalt (v.l.): Dr. Bernd
  Dr. Karl-Georg               Dr. Karl-Friedrich               Hübenthal, Dr. Kay-Olaf Hellmuth und KZV-Vorstandsvor-
  Pochhammer                   Rommel                           sitzender Dr. Jochen Schmidt.   Fotos: KZBV/Darchinger

Weiter ging er auf die neuen Heilmit-       über die Grundsatzfinanzierungsver-     wird als Chance zur Stärkung der
telrichtlinien ein und stellte klar, dass   einbarung, also die Finanzierung der    Patientenkompetenz gesehen, unter
auch für die KZVen die Verordnung           technischen Einführung in den Pra-      Gewährleistung von Datenschutz-
von Heilmitteln Neuland ist. Er kün-        xen, diskutiert. Angedacht ist eine     standards und Datensicherheit. Ein
digte Hilfestellung für den Umgang          Pauschal-Vereinbarung, die Finanzie-    pluralistisches Gesundheitswesen
damit an, so z. B. Ausfüllhinweise          rung des günstigsten Standard-Aus-      mit freiberuflicher Struktur, frei-
für die neuen Formulare. Es wird            stattungspaketes, wahrscheinlich        er Arztwahl des Patienten und ein
eine Broschüre dafür erarbeitet, die        in Höhe von 2640 Euro. Weiter ging      selbstverwaltetes System müsse das
sowohl digital als auch als Printver-       Dr. Pochhammer auf die Finanzen         Ziel politischen Handelns sein.
sion zur Verfügung gestellt wird. Es        im Allgemeinen und den Sanktions-         ZA Martin Hendges übernahm
folgten Informationen zur elektroni-        haushalt im Speziellen ein und ver-     die Aufgabe, den Plan zur Um-
schen Gesundheitskarte (eGK) und            kündete, dass dieser vom Tisch sei.     stellung der Kostenstrukturanaly-
die Diskussion über Ersatzverfah-           Anschließend wurde der Bericht des      se auf eine Panelerhebung „ZäPP“
ren bei Nichtfunktion derselben, der        Vorstandes diskutiert und die vorlie-   (Zahnärzte-Praxispanel) zu erklären.
Qualitätsprüfung im Einzelfall, wo-         genden Anträge beschlossen.             Grund dafür ist die wesentliche hö-
bei die Stichprobengröße bleiben soll          Einen großen Zeitraum nahmen         here Akzeptanz dieser Erhebungs-
und den zu bildenden Datenannah-            die Vorstellung und anschließende       form und deren Ergebnisse bei den
mestellen QS.                               Diskussion der Agenda Mundge-           Punktwertverhandlungen mit den
  Dr. Karl-Georg Pochhammer als             sundheit 2017-2021, des Grundsatz-      Krankenkassen. Starten soll das
dritter Vorstand im Bunde ging auf          programmes der KZBV, durch Dr.          ZäPP 2018 mit der Teilnahme von
die Problematik der Telematik, also         Eßer in Anspruch. Die obersten Ziele    idealerweise 15 Prozent der Praxen
der eGK, ein. Der Online-Produktiv-         sind die Verbesserung der Mundge-       bundesweit, was bedeutet, dass ca.
betrieb ist vom 1. Juni 2017 an freige-     sundheit der Bevölkerung sowie die      100 Praxen in kleineren KZVen und
geben, aber das Jahr bis zum 30. Juni       Sicherstellung einer wohnortnahen       500 Praxen in größeren KZVen teil-
2018 werde für die Umsetzung nicht          flächendeckenden Versorgung vor         nehmen müssten. Die nächste Ver-
ausreichen, vor Oktober sei keine           dem Hintergrund des demografi-          treterversammlung der KZBV fin-
Installation möglich. Deshalb, so           schen Wandels. Die Konzentration        det am 8. und 9. November 2017 in
Pochhammer, gebe es Verhandlun-             liegt auf der weiteren Eindämmung       Frankfurt/Main statt.              n
gen, um die technische Umsetzung            der Karies und erfolgreichen Be-
in den Praxen um ein weiteres Jahr          kämpfung der Parodontitis. Die Di-                      Dr. Kay-Olaf Hellmuth,
zu verschieben. Außerdem wird               gitalisierung im Gesundheitswesen                         KZV Sachsen-Anhalt

                                                                       Zahnärztliche Nachrichten Sachsen-Anhalt 07/2017   7
ZAHNÄRZTLICHE NACHRICHTEN SACHSEN-ANHALT - 07/2017 Juli 2017 27. Jahrgang
BERUFSSTÄNDISCHES

     Auf Zahnärzte
     kommen viele
     Aufgaben zu

   Kammerversammlung
  diskutiert über Telematik,
       Notdienst und
       ZFA-Vergütung
                                                   Die Kammerdelegierten verabschiedeten einstimmig eine Resolution im
                                                   Vorfeld der Bundestagswahlen.                  Fotos: Andreas Stein

E   in Jahr geht schnell vorbei –
    das stellten auch die Delegier-
ten der Kammerversammlung am
                                           den Prüfauftrag an die nationalen
                                           Gesetzgeber, ob diese hinsichtlich
                                           der freien Berufe nicht doch euro-
                                                                                    (vier bestanden), in diesem Jahr
                                                                                    bislang zwei. Dr. Hünecke hob in
                                                                                    diesem Zusammenhang die gute
21. Juni 2017 fest. Zur selben Zeit        päisches Recht umsetzen können           Zusammenarbeit mit dem Landes-
vor einem Jahr hatte sich die Kam-         – eine Bedrohung quasi „durch die        verwaltungsamt hervor, das bei der
merversammlung neu konstituiert            Hintertür“, warnte Dr. Hünecke.          Erteilung von Approbationen nicht
und einen neuen Vorstand um den              Ein weiteres Thema, das Europa         nur formal nach Aktenlage ent-
Präsidenten Dr. Carsten Hünecke            mitbringt, ist die Anerkennung von       scheide, sondern mit Blick auf den
gewählt. Nun war die Sitzung, bei          Berufsabschlüssen. Abschlüsse aus        Patientenschutz regelmäßig die
der urlaubsbedingt 41 von 48 De-           EU-Ländern werden überall aner-          Kenntnisprüfung anordne.
legierten anwesend waren, von              kannt, dazu kommt eine Drittstaa-
reichlich regionalen und überregio-        tenregelung.                             Wahl steht vor der Tür
nalen Arbeitsthemen geprägt.                 In Deutschland ist die Berufsan-
                                           erkennung Ländersache. Per Erlass        Mit Blick auf die nahende Bundes-
„EU durch die Hintertür“                   durch das Landesverwaltungs-             tagswahl im September stellte Dr.
                                           amt führt die Zahnärztekammer            Hünecke den Kammerdelegierten
Kammerpräsident Dr. Carsten                deshalb Gleichwertigkeits- und           anschließend ein Strategiepapier
Hünecke begann nach der Fest-              Sprachprüfungen durch, wobei die         mit zehn gesundheitspolitischen
stellung von Anwesenheit und Be-           Zahl letzterer spürbar zunimmt:          Kernforderungen der Bundeszahn-
schlussfähigkeit seinen Bericht mit        Waren es 2015 noch zwei Prüfun-          ärztekammer (BZÄK) für die Legis-
einem Blick nach Brüssel, wo die           gen, stieg ihre Zahl 2016 bereits auf    laturperiode bis 2022 vor, die das
EU-Kommission einen möglichst              11, im ersten Halbjahr 2017 wurden       deutsche Gesundheitssystem zu-
freien Austausch von Dienstleis-           bereits neun Prüfungen durchge-          kunftsfest machen sollen. Auf die-
tungen gewähren will. Obwohl               führt, berichtete Kammerpräsident        sen fußt auch die Resolution, die der
die freien Berufe in Deutschland           Dr. Hünecke. Die Teilnehmer kä-          Kammervorstand den Delegierten
bisher ausdrücklich nicht als reine        men überwiegend aus Syrien, aber         später zur Abstimmung vorlegte:
Dienstleistung galten, sollen nun          auch aus den GUS-Staaten.                  1. Patientenrechte wahren
Verhältnismäßigkeitsprüfungen                Auch Gleichwertigkeitsprüfun-            2. Freiberuflichkeit und Selbst-
übermäßige nationale Regulierung           gen nehmen zu, wenn auch in ge-                verwaltung schützen (die Bü-
verhindern, hofft die Kommission.          ringerem Maße: 2015 gab es zwei                rokratie belastet Praxen immer
Dies beinhaltet einen umfassen-            Prüfungen, 2016 sechs Prüfungen                mehr)                          ▶

 8    Zahnärztliche Nachrichten Sachsen-Anhalt 07/2017
ZAHNÄRZTLICHE NACHRICHTEN SACHSEN-ANHALT - 07/2017 Juli 2017 27. Jahrgang
BERUFSSTÄNDISCHES

  Der Notdienst sorgt weiter für Diskussionen unter den Zahn-    Dr. Jochen Schmidt, Kammerdelegierter und Vorstandsvor-
  ärzten.. „Wir müssen das umsetzen, was wir selbst festgelegt   sitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung, mahnte in
  haben“, forderte Kammerpräsident Dr. Carsten Hünecke.          Sachen Telematikinfrastruktur zur Gelassenheit.

 3.  Vergütung an wirtschaftli-            ell beschäftigt. Ein Beispiel, so Dr.    hört auch eine entsprechende Ho-
     che Entwicklung anpassen              Hünecke, sei die Approbationsord-        norierung, aber bei GOZ und GOÄ
     (die GOZ wurde seit 1991 nur          nung, die Bundesgesundheitsminis-        tue sich wenig. Bei der HOZ soll
     um 9,2 Prozent angehoben,             ter Hermann Gröhe (CDU) eigent-          es 2018 eine Aktualisierung geben,
     der Verbraucherpreisindex             lich noch vor der Wahl fertigstellen     kündigte Dr. Hünecke an. Sie bilde
     stieg im gleichen Zeitraum            wollte, die aber immer noch im Re-       weiterhin den „Goldstandard“, was
     um mehr als 50 Prozent, die           ferentenentwurf feststecke. Zuletzt      moderne Zahnheilkunde zu ange-
     Stromkosten haben sich mehr           habe es über 1000 Änderungsanträ-        messenen Honoraren leisten kann.
     als verdoppelt)                       ge vom Justizministerium gegeben.           Erfreulicheres gibt es auf Landes-
 4. Mundgesundheit: Präventive             Die Approbationsordnung wird             ebene zu berichten: Seit Ende Fe-
     Konzepte weiterentwickeln             deshalb frühestens Thema in der          bruar 2017 gibt es auf Wirken der
 5. Qualität in der Zahnmedizin:           letzten Bundesratssitzung kurz vor       Zahnärztekammer einheitliche Re-
     Fortschritt auch in der Ausbil-       der Bundestagswahl im September          gelungen zur Behandlung von Asyl-
     dung verankern                        sein, wahrscheinlich wandere das         bewerbern, das laufe offenbar pro-
 6. Krankenversicherung: Dua-              Thema aber in die neue Legislatur-       blemlos. Wenn es Schwierigkeiten
     les System patientenorientiert        periode, bedauerte Dr. Hünecke.          gebe, bitte melden, bat Dr. Hünecke
     ausbauen                                 Bei der Bundestagswahl sei die        die Delegierten.
 7. Zahnärztliche Versorgung:              Gesundheitspolitik zwar nur ein
     Richtige Weichenstellungen            Rand-                                    Telematikinfrastruktur
     vornehmen                             thema, sagte der Kammerpräsident.
 8. Junge Zahnärzte: Rahmenbe-             Dennoch seien Einheitsgebühren-          Viele Zahnärzte im Land bewegt
     dingungen für Beruf und Um-           ordnung und Bürgerversicherung,          zurzeit die bevorstehende Einfüh-
     feld verbessern                       wie sie ein rot-rot-grünes Regie-        rung der Telematikinfrastruktur. Der
 9. Praxis-Team: Durch attraktive          rungsbündnis auf den Weg bringen         Termin steht noch: Ab 1. Juli 2018
     Aus- und Fortbildung fördern          würde, aus seiner Sicht nicht das        muss das System in den Praxen lau-
 10. Europa: Aushöhlung des deut-          probate Mittel, um das deutsche          fen, sonst müsse die KZV pauschal
     schen Qualitätsniveaus ver-           Gesundheitswesen auf dem jetzigen        ein Prozent des Honorars abziehen.
     hindern                               hervorragenden Stand zu halten, er-      Bereits jetzt sollten Zahnärzte den  ▶
                                           klärte Dr. Hünecke (mehr zum The-
In den zehn Punkten findet sich            ma Wahlen ab S. 12 dieser zn).
vieles wieder, was die BZÄK aktu-             Zu guter zahnärztlicher Arbeit ge-                       Fortsetzung auf S. 10

                                                                       Zahnärztliche Nachrichten Sachsen-Anhalt 07/2017   9
ZAHNÄRZTLICHE NACHRICHTEN SACHSEN-ANHALT - 07/2017 Juli 2017 27. Jahrgang
BERUFSSTÄNDISCHES

                                                                                               Maik Pietsch

Dr. Carsten Hünecke und Öffentlichkeitsreferent Dr. Dirk Wagner würdigten das Engagement       Dr. Mario Dietze
von Dr. Eckart Bohley in der Patientenberatungsstelle Halle (Saale).

den elektronischen Heilberufeaus-                                                    Zahnarzt selbst für seine Patienten
weis beantragen, um sich zu legiti-
                                                 Die Beschlüsse der                  zuständig und könne auch nachts
mieren und die Hard- und Software               Kammerversammlung                    rausgeklingelt werden, betonte der
zu beantragen. Dr. Hünecke mahnte,                                                   Kammerpräsident. Vertretungen bei
                                                •    Resolution (Text siehe
Ruhe zu bewahren – entscheidend                                                      Schließzeiten und Urlaub müssten
                                                     rechts) – einstimmig
sei, dass das Einlesen der Karten und                                                benannt werden, auch an der Praxis-
damit die Abrechnung gesichert sei.             •    Antrag zur Änderung der         tür und auf dem Anrufbeantworter.
Das Thema führte unter den Kam-                      Meldeordnung (zn 7/2017,          Verweigerungen oder ein Nicht-
merdelegierten zu vielen Fragen                      S. 36-38) – einstimmig          antreten des Notdienstes seien kein
und Diskussionen, z. B. über Daten-                                                  Kavaliersdelikt, das die Kammer auf
schutz, Patientenrechte oder schlech-           •    Antrag zur Ausbildungsver-      sich beruhen lassen könne. „Nichts
te Internetanbindungen in manchen                    gütung – einstimmig             wäre abträglicher als eine Auflage
Regionen des Landes.                                                                 der Aufsichtsbehörde“, warnte Dr.
   Dr. Jochen Schmidt, Kammerdele-                                                   Hünecke. Man brauche keine neue
gierter und Vorstandsvorsitzender                                                    Ordnung, sondern müsse das um-
der für die Umsetzung verantwort-           versprach der Vorstandsvorsitzende       setzen, was wir selbst festgelegt ha-
lichen KZV, machte an dieser Stelle         (siehe auch Fragen und Antworten         ben, erklärte der Kammerpräsident.
Ausführungen zur Materie: Jede Pra-         auf den Seiten 40-42 dieser zn).         Allein 2016 gab es in Sachsen-Anhalt
xis bekomme zur Vorbereitung auf                                                     50.000 Notdienstfälle mit 1246 teil-
den Rollout einen USB-Stick oder ei-        Notdienst ist Pflicht                    nehmenden Praxen (Deutschland:
ne DVD mit einem Erklär-Video zu-                                                    1,4 Millionen zahnärztliche Not-
geschickt, das zurzeit im Auftrag der       Ein weiteres Thema, das den Kam-         dienstbehandlungen).
KZV Sachsen produziert werde. Das           mervorstand beschäftigt und bereits        Die Probleme mit der Erreichbar-
könne sich dann jeder so oft ansehen,       in der Vergangenheit die Gemüter         keit des Notdienstes wurzeln auch
wie er wolle. Da die Einführung der         erregte, ist die Sicherstellung des      auf der aus Wendezeiten stammen-
Telematik-Infrastruktur ein Jahr im         Notdienstes. „Grundsätzlich ist jeder    den Kreisstellenstruktur. Durch spä-
Verzug sei, geht Dr. Schmidt von ei-        Zahnarzt zur Sicherstellung des Not-     tere Kreisgebietsreformen sei es hier
ner Verschiebung des Rollout-Termi-         dienstes verpflichtet, das steht schon   zu Verzerrungen der Organisations-
nes aus. Ansonsten werde die KZV            in der Berufsordnung“, erklärte Dr.      strukturen gekommen, die Probleme
in Kürze noch einmal in allen Praxen        Hünecke. Wenn die Kreisstelle kei-       mit Kommunikation und Erreichbar-
die Internetverfügbarkeit abfragen,         nen Notdienst organisiere, sei jeder     keit verursachen.                ▶

 10    Zahnärztliche Nachrichten Sachsen-Anhalt 07/2017
BERUFSSTÄNDISCHES

                         Resolution der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt
  „Die Kammerversammlung der Zahn-         Gesundheitssystem zu bekennen,            wirtschaftlich unzureichende Gebüh-
  ärztekammer Sachsen-Anhalt stellt        welches die freiberufliche, unabhängi-    renordnung für Zahnärzte (GOZ) ste-
  fest:                                    ge und eigenverantwortliche Berufs-       hen dem entgegen.
                                           ausübung der Zahnheilkunde sowie
  Die zahnmedizinische Versorgung in       das vertrauensvolle Zahnarzt-Patien-      Statt einer Bürgerversicherung bedarf
  Deutschland belegt einen Spitzenplatz    ten-Verhältnis stärkt. Patientenrech-     es der Weiterentwicklung des dualen
  in der Welt. Im Bereich der Präventi-    te, wie das Recht auf freie Arztwahl,     Krankenversicherungssystems mit
  on setzt die Zahnmedizin international   dürfen nicht durch selektivvertragliche   seinen Säulen aus Gesetzlicher Kran-
  anerkannte Maßstäbe und ist damit        Strukturen beschränkt werden.             kenversicherung (GKV) und Privater
  beispielgebend für unser Gesund-                                                   Krankenversicherung (PKV). Es sichert
  heitswesen.                              Die zahnärztliche Selbstverwaltung        eine herausragende Leistungsfähig-
                                           muss in Zukunft stärker den notwen-       keit und eine zahnmedizinische Ver-
  Darauf aufbauend gilt es auch in Zu-     digen Stellenwert erhalten, um zum        sorgung auf einem aktuellen Stand
  kunft, die notwendigen politischen       Wohle von Patienten und Zahnärzten        der Wissenschaft für alle Versicherten.
  Rahmenbedingungen zu schaffen,           den zukünftigen Herausforderungen
  um die gewaltigen Herausforderun-        erfolgreich zu begegnen.                  Die Kammerversammlung Sach-
  gen, insbesondere durch den demo-                                                  sen-Anhalt begrüßt und unterstützt
  grafischen Wandel, die Zuwanderung       Zahnärztliche Therapiefreiheit und        die Gesundheitspolitischen Perspek-
  und die Herstellung gesundheitlicher     qualitativ hochwertige Leistungen         tiven der Bundeszahnärztekammer
  Chancengleichheit, zu lösen.             begründen das Vertrauensverhältnis        2017-2021 „Zehn gute Gründe für
                                           von Patientinnen und Patienten. Dazu      eine zukunftsfeste Zahnmedizin“ als
  Die Kammerversammlung der Zahn-          bedarf es eines ausreichenden finan-      notwendigen Beitrag des Berufsstan-
  ärztekammer Sachsen-Anhalt fordert       ziellen Rahmens und einer angemes-        des für die politische Debatte zum
  deshalb alle politisch Verantwortli-     senen Honorierung. Budgetierung und       Erhalt und Ausbau einer hochwertigen
  chen auf, sich zu einem freiheitlichen   eine nicht zeitgemäße und betriebs-       zahnmedizinischen Versorgung.“

Validierung gut gestartet                  begeistern. „Wir brauchen Azubis            Anstieg von 100 Euro pro Monat im
                                           und Personal“, sagte Dr. Dietze mit         ersten und zweiten Ausbildungs-
Seit kurzem bietet die Zahnärzte-          Blick auf viele Kollegen, die es im-        sowie 80 Euro im dritten Ausbil-
kammer den Praxen einen hilfrei-           mer schwerer hätten, geeignete und          dungsjahr.
chen Service an: Die Validierung           motivierte Mitarbeiter zu finden.              Ein dritter Antrag des Kammer-
der Aufbereitung von Medizinpro-             In Sachsen-Anhalt liege das durch-        vorstandes betrifft die Meldeord-
dukten. Vizekammerpräsident Maik           schnittliche ZFA-Bruttogehalt derzeit       nung: Hier soll die Zahnärzte-
Pietsch erläuterte den Kammer-             bei 1524,24 Euro pro Monat, damit           kammer berechtigt sein, die im
delegierten das neue Angebot. „Wir         sei Sachsen-Anhalt bundesweites             Meldebogen erfassten Daten künf-
können uns von einer einheitlichen         Schlusslicht. Der Delegierte Dr. Jo-        tig in begründeten Fällen auch an
deutschlandweiten Begehungs-               chen Schmidt bemerkte, es könne             die Kassenzahnärztliche Vereini-
grundlage verabschieden“, so Maik          nicht sein, dass Angestellte beim           gung weiterleiten zu dürfen. Die
Pietsch. Auch in Sachsen-Anhalt            Friseur mehr verdienten als in der          Delegierten gaben auch dafür ihr
werde sich künftig die Begehungs-          Zahnarztpraxis. Er warnte vor einem         einstimmiges Votum ab.
frequenz verstärken, warnte der            Absinken des Qualitätsniveaus. „Mit            Eine besondere Ehrung und Blu-
Vizepräsident. Vor diesem Hinter-          schlechtem Personal sägen wir un-           men gab es im Zuge der Kammer-
grund sei das Angebot der Kammer           seren eigenen Stuhl ab“, warnte Dr.         versammlung für den Delegierten
sehr attraktiv.                            Schmidt.                                    Dr. Eckart „Elle“ Bohley. Er ist seit
                                             Das sieht der Kammervorstand              langem in KZV und Kammer en-
Mehr Geld für Azubis                       ähnlich. Um den Beruf und die Aus-          gagiert, zuletzt auch als Patienten-
                                           bildung attraktiver zu machen, sol-         berater in der Beratungsstelle Hal-
Dr. Mario Dietze, Vorstandsreferent        len die Ausbildungsvergütungen              le (Saale). Aus gesundheitlichen
für das Praxispersonal, berichtete         für bisher bestehende Verträge und          Gründen gibt er dieses Ehrenamt
den Delegierten, dass viele Kollegen       neue Verträge ab dem 1. August              nun auf, was für den Kammerprä-
aktuell bezüglich der Azubi- und           2017 wie folgt aussehen:                    sidenten Dr. Hünecke und Öffent-
ZFA-Vergütung verunsichert seien.          • 1. Ausbildungsjahr: 650 Euro              lichkeitsreferent Dr. Dirk Wagner
Mit einer neuen Ausbildungsver-            • 2. Ausbildungsjahr: 700 Euro              Anlass war, ihm für seine Arbeit zu
gütung wolle die Kammer deshalb            • 3. Ausbildungsjahr: 760 Euro              danken. „Elle“ besitze großes Fach-
Klarheit schaffen und junge Leu-           Die Kammerdelegierten stimmten              wissen und viel Sozialkompetenz,
te für das Berufsbild des oder der         dem Antrag des Vorstandes ein-              sagte Kammervorstand Dr. Dirk
Zahnmedizinischen Fachangestellten         stimmig zu. Das entspricht einem            Wagner.                              n

                                                                         Zahnärztliche Nachrichten Sachsen-Anhalt 07/2017   11
BERUFSSTÄNDISCHES

 Schlechte Karten
  für die Bürger-
   versicherung

  Zahnärzte diskutieren bei
    Podiumsdiskussion
  vor der Bundestagswahl
  angeregt mit Kandidaten
                                                   Vertreter von CDU, SPD, FDP und der Linken waren der Einladung
                                                   der Zahnärztekammer zur Podiumsdiskussion gefolgt.  Fotos: G. Oelze

D    rei Tage und drei Monate vor
     der Bundestagswahl wollten
etliche von Sachsen-Anhalts Zahn-
                                                           Wahlprogramm der Parteien: CDU
                                               Die Christdemokraten                               Raum, heißt es im am 3.
ärztinnen und Zahnärzten erfahren,             sind der Meinung, das                              Juli veröffentlichten Wahl-
mit welchen gesundheitspolitischen             deutsche Gesundheits-                              programm. Die Regelver-
Zielstellungen die einzelnen Par-              wesen mit freiberuflicher                          sorgung soll durch eine
teien dieses Mal um Stimmen beim               Ärzteschaft, Selbstverwal-                         bessere Verzahnung der
Urnengang am 24. September wer-                tung, GKV und PKV habe sich be-          Versorgung durch niedergelassene
ben. Denn seit 20 Jahren habe er               währt, das Gesundheitssystem sei         Ärzte und Krankenhäuser sowie eine
das Gefühl, „dass die Politik nichts           stabil und leistungsfähig. Die Einfüh-   verstärkte Zusammenarbeit unter-
                                               rung einer Bürgerversicherung lehnt      schiedlicher Facharztrichtungen und
unversucht lässt, mir das Arbeiten
                                               die CDU ab. Die Partei bekennt sich      Berufsgruppen grundlegend weiter-
schwerer und unangenehmer zu
                                               zur Freiheit der Arztwahl und zum        entwickelt werden.
machen“, sprach einer aus, was vie-            Wettbewerb unter Krankenkassen
le der rund 40 Zuhörenden bei der              und -versicherungen.                     Weitere Schwerpunkte sind die
Podiumsdiskussion am 21. Juni in                                                        Stärkung der Pflege, die Nachwuchs-
Magdeburg dachten. Eingeladen                  Die Partei garantiere eine gute          gewinnung für Berufe im Gesund-
hatte die Zahnärztekammer neben                ärztliche Versorgung im ländlichen       heitswesen sowie die Digitalisierung.
Kolleginnen und Kollegen aus den
eigenen Reihen vor allem Repräsen-
tanten von CDU, SPD, FDP, Linke,
Grüne und AfD, aber auch die Spit-         im Landesfachausschuss Gesund-               ne brachte Dr. Eberhard Brecht
zen der anderen Heilberufler.              heit, Pflege und Verbraucherschutz           mit zum Forum nach Magdeburg.
  Während die Grünen und die               sowie im Bundesfachausschuss                 Der diplomierte und promovierte
AfD gar nicht reagierten, schick-          Gesundheit und Pflege seiner Par-            Physiker war Mitglied der letzten
te die CDU mit dem langjährigen            tei. Dort hatte er mitgewirkt am             Volkskammer, von 1990 bis 2001
Landeschef der Techniker Kran-             „Gesundheits“-Teil des CDU-Pro-              des Deutschen Bundestages und
kenkasse, Jens Hennicke, einen ge-         gramms zur Bundestagswahl.                   danach 14 Jahre lang Oberbürger-
sundheitspolitischen Insider – und           Keine gesundheitspolitischen,              meister von Quedlinburg.
dies nicht nur wegen seiner berufli-       wie er selbst eingestand, aber par-            Nun kandidiert er für die SPD,
chen Kenntnisse und Erfahrungen,           lamentarische Erfahrungen auf                die ihn auf Listenplatz 5 setzte, im
sondern auch seiner Mitwirkung             Bundes- und kommunaler Ebe-                  Harzkreis, in Aschersleben und         ▶

12    Zahnärztliche Nachrichten Sachsen-Anhalt 07/2017
BERUFSSTÄNDISCHES

 Jens Hennicke ist Leiter der TK-Landesvertretung und bringt    Dr. Eberhard Brecht saß bereits bis 2001 im Bundestag und
 als Vorsitzender des CDU-Landesfachausschusses Gesund-         war bis 2015 Oberbürgermeister von Quedlinburg. Der pro-
 heit, Pflege und Verbraucherschutz viel Fachwissen mit.        movierte Physiker will erneut für die SPD in den Bundestag.

                                                                                     ten die Ergebnisse am Wahlabend
              Wahlprogramm der Parteien: SPD                                         denen der „Sonntagsfrage“ vom
   Die Sozialdemokraten set-                    der Versicherungsart richten,
                                                                                     Juni ähneln.
   zen in ihrem am 25. Juni                     so die SPD.
   veröffentlichten Wahlpro-                                                         Interessierte Zahnärzte
   gramm auf eine paritätische                    Mit einer integrierten Be-
   Bürgerversicherung, in die                     darfsplanung der gesamten          zn-Redakteur Andreas Stein, der
   Arbeitgeber und Versicher-                     medizinischen Versorgung           die Diskussion moderierte, erin-
   te wieder den gleichen Anteil ein-     soll die Gesundheitsversorgung             nerte daran, dass die CDU nach
   zahlen. Auch Beamte und bislang        auch im ländlichen Raum sicher-            dieser Umfrage drei Monate vor
   privat Versicherte sollen wechseln     gestellt werden. Dazu brauche es           dem entscheidenden Urnengang
   können, Selbstständige mit gerin-      mehr Hausärzte, auch Apotheker             bundesweit auf 38, in Sachsen-An-
   gem Einkommen werden entlastet.        sollen verstärkt in die Versorgung
                                                                                     halt sogar auf 45 Prozent, und die
   Im Zuge dessen soll es eine einheit-   mit eingebunden werden. Weite-
   liche Honorarordnung für Ärzte ge-     re Themen sind ähnlich wie bei der
                                                                                     FDP auf jeden Fall in den Bundes-
   ben: Die Vergütung medizinischer       Union die Digitalisierung im Ge-           tag käme. Dass die Zahnärzteschaft
   Leistungen soll sich nach dem Be-      sundheitswesen und die Stärkung            in Sachsen-Anhalt interessiert ver-
   darf der Patienten und nicht nach      von Patientenrechten.                      folgt, was in Berlin geschieht, hatte
                                                                                     das jüngste zn-Barometer bewie-
                                                                                     sen: nur 3,2 Prozent der Befragten
                                                                                     räumten ein, dass sie sich gar nicht
Seeland erneut für den Bundestag.         land-Saalekreis – Wahlkreis 73 – an.       für die Bundespolitik interessier-
  Über reichlich parlamentarische         Direkt daneben, im Wahlkreis 72            ten. Die anderen „sehr“ (zur Erin-
Erfahrungen, bislang allerdings           mit Halle und Umland, hat Frank            nerung: 71 Prozent) und „weniger“
nur auf Landesebene, verfügt auch         Sitta, Landesvorsitzender der Frei-        (25,8 Prozent) an dieser Thematik
Birke Bull-Bischoff von der Partei        en Demokraten und auf Listenplatz          Interessierten erwarten in der kom-
Die Linke. Die langjährige Landes-        1 seiner Partei, gute Aussichten           menden Legislaturperiode gesund-
vorsitzende zieht es nun aber eben-       auf ein Bundestagsmandat in der            heitspolitisch vor allem eines: Er-
falls nach Berlin. Sie hat als Dritte     nächsten Legislaturperiode – wenn          halt von Selbstverwaltung und        ▶
auf der Landesliste auch einen der        die FDP im September die 5-Pro-
aussichtsreichsten Plätze. Als Di-        zent-Hürde überwindet. Die Chan-
rektkandidatin tritt sie im Burgen-       cen dafür sind nicht schlecht, soll-                         Fortsetzung auf S. 14

                                                                       Zahnärztliche Nachrichten Sachsen-Anhalt 07/2017   13
BERUFSSTÄNDISCHES

Der Hallenser Unternehmer Frank Sitta (38) ist seit 2015         Birke Bull-Bischoff sitzt bereits seit 1994 als Abgeordnete im
Landesvorsitzender der FDP Sachsen-Anhalt und hat mit            Landtag von Sachsen-Anhalt und war bis Mai 2017 Landes-
Listenplatz 1 gute Chancen, in den Bundestag einzuziehen.        vorsitzende der Linken. Nun will sie in den Bundestag.

 Fortsetzung von S. 13

 Freiberuflichkeit. Und wie stehen                         Wahlprogramm der Parteien: Die Linke
 die Vertreter der Parteien dazu?
    Die CDU hatte zum Zeitpunkt                  Für die Linke haben                                   len, alle Leistungen
 des Forums bei der Zahnärztekam-                sich die Ungerech-                                    sollen wieder ohne
 mer ihr Wahlprogramm zwar noch                  tigkeiten im Gesund-                                  Zuzahlung gewährt
 nicht veröffentlicht, aber „Mitautor“           heitssystem ver-                                      werden. PKVen sol-
 Hennicke konnte versichern, dass                schärft. Gesundheit                                   len auf Zusatzleis-
                                                 dürfe nicht zu einem Markt verkom-       tungen beschränkt werden.
 seine Partei festhalten wolle am bis-
                                                 men, in dem Profite mehr zählen als
 herigen, freiberuflichen System mit
                                                 Menschen – das Gesundheitssys-           Zur Sicherstellung der ambulanten
 Wettbewerb, und die Selbstverwal-               tem müsse deshalb als Teil des So-       Versorgung will die Linke Arztsitze
 tung weiter stärken wolle.                      zialstaats öffentlich organisiert wer-   gleichmäßiger verteilen und Über-
    Für das am 3. Juli dann offiziell            den, heißt es im Wahlprogramm.           versorgung abbauen. Neue Versor-
 vorgestellte Wahlprogramm von                                                            gungsformen wie Patientenbusse,
 CDU und CSU hatte ein 16 Seiten                 Die Partei setzt deshalb auf eine        Gemeinschafts- und Teilzeitpraxen
 starkes Papier zu gesundheitspoli-              solidarische Gesundheitsversiche-        oder MVZ in öffentlicher Hand sol-
 tischen Themen vorgelegen, berich-              rung, in die alle entsprechend ihres     len Ärzten die Arbeit im ländlichen
 tete Jens Hennicke. Er ließ vorab               gesamten Einkommens einzah-              Raum attraktiver machen.
 durchblicken, dass der Status Quo
 aufrechterhalten, es bei dem freien,
 selbstverwalteten System bleiben
 und hinsichtlich der Freiberuflich-         Veto. Warum aber will die Linke              stark, viele Menschen hätten das
 keit keineswegs an der Schraube             das System dann verändern, frag-             Gefühl, ihnen werde etwas vorent-
 gedreht werden solle. „Wir haben            te Moderator Stein. Soziologin               halten.
 eines der besten Gesundheitssys-            Bull-Bischoff, die sich selbst als             Gesundheitspolitisch sei die
 teme, das sich seit Jahrzehnten be-         „liberale Linke“ bezeichnete, kann           Bürgerversicherung für die Lin-
 währt hat“, so der Christdemokrat.          zwar „mit Wettbewerb viel anfan-             ke daher das zentrale Thema beim
                                             gen“, doch finde der derzeit nicht           Wahlkampf zum 19. Deutschen
 Das beste System                            zwischen PKV und GKV statt,                  Bundestag. Ihre Partei wolle die
                                             meinte sie, da die Rahmenbedin-              horizontale Zwei-Klassen-Medizin
 Dazu kam von den Parteienver-               gungen zu verschieden seien. Die             abschaffen, doch ein staatliches Ge-
 tretern aller Couleur kein direktes         sozialen Unterschiede seien zu               sundheitswesen könne sie in            ▶

  14    Zahnärztliche Nachrichten Sachsen-Anhalt 07/2017
BERUFSSTÄNDISCHES

  Nachdenklich: Gastgeber und Kammer-           Knapp 40 Zahnärzte und Heilberufler nahmen an der Podiumsdiskussion teil
  präsident Dr. Carsten Hünecke. Auch er        und diskutierten fleißig mit, darunter auch KZV-Vorstandsvorsitzender Dr.
  stellte Fragen an die Politiker.              Jochen Schmidt und Matthias Tamm, Landesvorsitzender des Freien Verbandes.

               Wahlprogramm der Parteien: FDP                                         keine überzeugende Antwort war.
                                                                                      Gänzlich schuldig bleiben müsse
   Die FDP will in der Ge-                           völkerung. Bürger sollen         sie diese auf die Frage nach dem
   sundheitspolitik das Di-                          künftig über Behand-             Standpunkt ihrer Partei zur Budge-
   ckicht aus Vorschriften                           lungen mitentscheiden            tierung zahnärztlicher Honorare,
   lichten. Außerdem soll es                         können, Leistungen und           räumte Bull-Bischoff ein.
   wieder mehr Wettbewerb                            Kosten sollen transparent          Ein klares Nein zur Bürgerversi-
   zwischen den Kranken-                             werden, Tarife und Selbst-
                                                                                      cherung kam von Frank Sitta. Der
   kassen geben. GKV und PKV sollen        beteiligungen frei wählbar sein.
                                                                                      diplomierte Politikwissenschaft-
   zukunftsfest weiterentwickelt wer-
   den, bei beiden gebe es Reformbe-       Die Budgetierung im Gesundheits-           ler aus Halle betonte, dass die
   darf, so die Liberalen.                 wesen will die FDP abschaffen. Die         FDP eine solche getarnte staatliche
                                           ambulante ärztliche Versorgung und         Zwangskasse ablehne. Eine Bürger-
   Einer „als Bürgerversicherung ge-       Niederlassung in eigener Praxis mit        versicherung wie von den Linken,
   tarnten staatlichen Zwangskasse“        Übernahme langfristiger, wohnortna-        den Grünen und auch der SPD fa-
   erteilt die FDP eine Absage, diese      her Verantwortung für Patientenver-        vorisiert, würde eine Verschlech-
   führe zu einer drastischen Versor-      sorgung soll wieder an Attraktivität       terung der Patientenversorgung
   gungsverschlechterung der Be-           gewinnen – wie, bleibt jedoch offen.       zur Folge haben, fürchtet die FDP.
                                                                                      Sachsen-Anhalts Landesvorsitzen-
                                                                                      der räumte auf dem Wahlforum bei
                                                                                      der Zahnärztekammer zwar einen
der Bürgerversicherung nicht er-           denen in gewisser Weise durchaus           gewissen Reformbedarf bei PKV
kennen, sagte die Linke-Politikerin.       Wettbewerb stattfinden und die             und GKV ein, doch sollten beide
                                           Versicherten auch Zusatzleistun-           bestehen bleiben. Seine Partei sei
Wer soll das bezahlen?                     gen in Anspruch nehmen könn-               dafür, den Weg in die private Kran-
                                           ten?, meinte sie. Auf die Frage: Wer       kenversicherung unabhängig von
„Zwang heißt nicht gleich Staat“,          soll das bezahlen? verwies sie auf         den Einkommensverhältnissen für
versicherte sie. Warum sollte es un-       Millionen zusätzlicher Versicher-          jedermann zu ebnen. Zudem             ▶
ter dem Dach der Bürgerversiche-           ter, die wie alle einen bestimm-
rung nur eine Einheitskasse und            ten Prozentsatz vom Einkommen
nicht zwei oder drei verschiedene          einzahlen müssten – was für die
Krankenkassen geben, zwischen              Zahnärzteschaft im Auditorium                                 Fortsetzung auf S. 16

                                                                         Zahnärztliche Nachrichten Sachsen-Anhalt 07/2017   15
BERUFSSTÄNDISCHES

Skeptischer Blick: Dr. Jens-Andreas Münch, Präsident der        Ebenfalls Gast bei der Podiumsdiskussion: Dr. Burkhard
Apothekerkammer Sachsen-Anhalt.                                 John, Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt.

 Fortsetzung von S. 15

 sollte das Kostenerstattungsprinzip                Wahlprogramm der Parteien: Bündnis 90/Grüne
 auch bei gesetzlichen Kassen einge-
 führt werden, so ein weiteres ge-               Die Grünen wollen GKV                          Zuzahlungen für Me-
 sundheitspolitisches Anliegen der               und PKV ähnlich wie die                        dikamente und andere
 FDP.                                            Sozialdemokraten zu ei-                        Selbstbeteiligungen wol-
                                                 ner Bürgerversicherung                         len die Grünen abschaf-
 Wie die Versorgung sichern?                     weiterentwickeln. Alle                         fen.
                                                 Bürger, auch Beamte,
                                                 Selbständige und Gutverdienende,      Um auch dünner besiedelte Regi-
 Beim GKV-Patienten ein Kosten-Be-
                                                 sollen sich beteiligen. Auf Aktien-   onen besser zu versorgen, brau-
 wusstsein für die von ihm genutzten             gewinne und Kapitaleinkünfte wer-     chen Kommunen und Regionen
 medizinischen Leistungen zu entwi-              den ebenfalls Beiträge erhoben.       laut den Grünen mehr Einfluss und
 ckeln, dafür plädierte der SPD-Ver-             Die paritätische Finanzierung soll    sollten innovative Lösungen wie
 treter. In der von seiner Partei ange-          wieder eingeführt und Zusatzbei-      die Gründung lokaler Gesundheits-
 strebten Bürgerversicherung, in der             träge abgeschafft werden. Bei den     zentren vorantreiben. Stationäre
 Versicherte Zusatzleistungen in An-             Arzthonoraren soll nicht mehr zwi-    und ambulante Versorgung sollen
 spruch nehmen könnten, könne es                 schen gesetzlich und privat Ver-      besser vernetzt und gemeinsam
 auch zwei oder drei Krankenkassen               sicherten unterschieden werden.       geplant werden.
 geben – wenn diese nur gleich auf-
 gebaut seien. Eine Abschaffung der
 Budgetierung lehnt Dr. Brecht nicht
 grundsätzlich ab, fürchtet aber Kon-        der Telemedizin eine denkbare Vari-       im Bereich der Zahnmedizin viel-
 sequenzen und sieht daher derzeit           ante für die Gesundheitsversorgung        leicht etwas schwierig sei.
 keine Möglichkeit für ein Ende der          in strukturschwachen Regionen,              „Keinen Plan in der Schublade
 Budgetierung. Hinsichtlich der me-          was er sich für den zahnärztlichen        zur Lösung dieses schwierigen Pro-
 dizinischen Versorgung stellte der          Bereich allerdings nicht vorstel-         blems“ hatte Birke Bull-Bischoff da-
 Sozialdemokrat zunächst fest, dass          len könne, so Dr. Brecht. Auch der        bei. Die Linken-Politikerin verwies
 es in Deutschland derzeit so viele          FDP-Vertreter Sitta sprach sich dafür     auf Aufwertung ländlicher Räume,
 Ärzte pro Patient gebe wie nie zu-          aus, für die ambulante Versorgung         Schaffung von Anreizen für Nie-
 vor, räumte aber ein, dass ländliche        im ländlichen Raum die Chancen            derlassungen und auf Medizinische
 Bereiche nicht sehr attraktiv für Nie-      der Digitalisierung verstärkt zu nut-     Versorgungszentren. Es überrasche
 derlassungen seien. Die SPD sehe in         zen, was auch nach seinen Worten          sie nicht, dass Ärzte und Zahnärzte

  16    Zahnärztliche Nachrichten Sachsen-Anhalt 07/2017
BERUFSSTÄNDISCHES

  Miteinander lachen, den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen: Auch wenn es bei der Podiumsdiskussion mitunter hitzig zu-
  ging, ließen die Teilnehmer den Dialog nicht abreißen. Anders als Grüne und AfD, die der Veranstaltung fernblieben.

                Wahlprogramm der Parteien: AfD                                            dem Geld hinterhergelaufen werden
                                                                                          müsse. Am Vergütungssystem an
   Das deutsche Gesund-                                und Doppeluntersuchun-             sich wolle die CDU vom Grundsatz
   heitssystem ist laut AfD                            gen vermieden werden.              her jedoch nichts ändern, sei aber
   durch den demografischen                            Das Kostenbewusstsein              für eine sektorenübergreifende ein-
   Wandel und politische                               und die Eigenverantwort-           heitliche Vergütung im ambulanten
   Fehlentwicklungen be-                               lichkeit des Bürgers sollen        und stationären Bereich. Die Bud-
   droht. Die Partei will sich deshalb für   gestärkt werden. Die freie Arztwahl
                                                                                          gets werden nicht angefasst, sie blei-
   eine leistungsfähige, flächendecken-      müsse sichergestellt sein, so die AfD.
                                                                                          ben, betonte Jens Hennicke. Deren
   de und möglichst wohnortnahe Ver-         Ärzte und Therapeuten sollen über
   sorgung im ambulanten und statio-         gute Deutschkenntnisse verfügen.             Höhe aber sei Sache der Selbstver-
   nären Bereich einsetzen. Die AfD will                                                  waltung, da werde sich die Politik
   dazu beitragen, es für Ärzte attrakti-    Den Ausbau der Telematik-Infra-              nicht einmischen.
   ver zu machen, sich wieder vermehrt       struktur über eine zentrale Daten-              Welche Partei die Interessen der
   auf dem Land niederzulassen. Durch        bank lehnt die AfD ab. Stattdessen           Zahnärzteschaft in der kommenden
   das flächendeckende Angebot eines         sollen Daten wie z.B. eine Patien-           Legislatur wohl am besten vertreten
   Hausarztsystems sollen ambulan-           tenverfügung auf der eGK gespei-             werde, konnte bei der Podiumsdis-
   te Behandlungen besser koordiniert        chert werden.                                kussion sicher nicht abschließend
                                                                                          geklärt werden. Wir wollen nicht
                                                                                          mehr Staat und keine Budgetierung,
                                                                                          aber Erhalt von Freiberuflichkeit
von den MVZ nicht begeistert seien,          ches Problem. Er plädierte dafür,            und Selbstverwaltung, waren sich
doch ihre Partei stehe dennoch für           dass bei der Zulassung zum Medi-             die Teilnehmenden im Auditorium
derartige Einrichtungen.                     zinstudium nicht nur die Abitur-             einig. Für gute „weiche“ Standort-
                                             note zählen sollte. Für Studierende          faktoren, damit zahnärztliche und
Gesellschaftliches Problem                   müsse Sachsen-Anhalt attraktiver             ärztliche Niederlassungen auch auf
                                             werden, das Land insgesamt durch             dem Lande attraktiv werden, habe
Für den CDU-Politiker Hennicke               positivere Berichte sein „Schmud-            die Politik zu sorgen, so die einhel-
ist die Sicherung der medizini-              del-Image“ abstreifen. Das betreffe          lige Meinung. Wer auch dafür künf-
schen Versorgung auf dem Lande               auch Verhandlungen zu den ärztli-            tig zuständig ist, das werden die
kein rein gesundheitspolitisches,            chen Vergütungen. Es sei kein gutes          Ergebnisse der Bundestagswahl am
sondern ein gesamtgesellschaftli-            Aushängeschild für ein Land, wenn            24. September zeigen.               oe

                                                                            Zahnärztliche Nachrichten Sachsen-Anhalt 07/2017   17
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