Zu nass zu trocken! Wie wir uns in unseren Projekten für den Schutz des Planeten - einsetzen. Seite 4 - Mission 21

Die Seite wird erstellt Ariane Noll
 
WEITER LESEN
Zu nass zu trocken! Wie wir uns in unseren Projekten für den Schutz des Planeten - einsetzen. Seite 4 - Mission 21
Zu nass…

        Nr. 1, März 2022

… zu trocken!
Wie wir uns in unseren
Projekten für den
Schutz des Planeten
einsetzen. Seite 4
                           Es ist nie zu spät: Wie
                           Frauen in Peru lesen und
                           schreiben lernen. Seite 9
Zu nass zu trocken! Wie wir uns in unseren Projekten für den Schutz des Planeten - einsetzen. Seite 4 - Mission 21
Inhalt

                                        Vorwort des Direktors                                          3

                                        Fokus Klimawandel                                              4
                                           Bewahrung der Schöpfung auf allen Ebenen                    4
                                           Der Moringabaum spendet Schatten, Nahrung und Hoffnung      7
                                           Ein zweites Leben für Altglas und Co.                       8

                                        Projekt aktuell                                                9
                                           Unser Alphabetisierungsprogramm in Peru                     9
                                           Die gute Nachricht von Aurora Luna, Peru                    11

                                        Kurz gesagt                                                   12
                                           Dalai Lama und Friedensnobelpreisträger würdigen Mission 21 12
                                           Nigeria: Friedensförderung stösst auf Resonanz              12
Impressum                                  Schulmahlzeiten für Kinder im Südsudan                      13
begegnen Nr. 1                             Rezepte: Von Älplermagronen bis Reispudding                 13
März 2022
Herausgeberin: Mission 21,
                                           Archiv: Neue Bestände erschlossen und zugänglich            13
Evangelisches
Missionswerk Basel,
Missionsstrasse 21,                     Lebenswelten                                                  14
4009 Basel
«begegnen» erhalten
Gönnerinnen und Gönner                  Internationale Lerngemeinschaft                               16
von Mission 21 viermal
                                           Konf-Tage und Kurse zum Thema Klimagerechtigkeit           16
jährlich ab einem Beitrag
von 25.– im Jahr.
Auflage: 14 050 Ex.
                                        Engagiert: Abiud Dikasa, Jugendkoordinator Afrika             17
Redaktion: Miriam Glass
Layout: Miriam Glass und
bombasel.ch                             Archiv: Ein Bild, eine Geschichte                             18
Gedruckt in der Schweiz:
Gremper AG, Basel
                                        Agenda                                                        19
ISSN: 2673-8635
Titelbild: Überschwemmung
in Jakarta 2019, Foto
Dani Kancil, istockphoto. u:
Dürre, Foto Seaq68,
Pixabay

Trägervereine von
Mission 21 sind die Basler
Mission, die Evangelische
Mission im Kwango und
die Herrnhuter Mission.
Die in diesem Heft vorge-
stellten Programme und
Projekte werden von der
DEZA (EDA) mitfinanziert.

Spendenkonto:
PC 40-726233-2

2   begegnen 1 | 2022
Zu nass zu trocken! Wie wir uns in unseren Projekten für den Schutz des Planeten - einsetzen. Seite 4 - Mission 21
Vorwort des Direktors

              Liebe Leserin, lieber Leser
              «Ist das nicht ein ungeheurer Luxus?» fragen manche Spenderinnen oder Spender, wenn sie
              hören, dass Mission 21 neben Projekten der Ernährungssouveränität, der Gesundheits- und
              Friedensförderung auch die theologische Ausbildung in Afrika, Asien und Lateinamerika
              unterstützt. «Sollte man nicht erst elementare Bedürfnisse der Menschen wie sauberes Trink-
              wasser, Nahrung und Gesundheit decken, bevor man sich mit Glaubensfragen beschäftigt?»

              In unserer Erfahrung sind dies typische Fragen aus einem säkularen Kontext in Europa,
              in dem Religion – zur Freude der einen und zum Bedauern der anderen – in der Weiterent-
              wicklung unserer Gesellschaft kaum mehr eine Rolle spielt. In den nach wie vor stark religiös
              geprägten Kontexten unserer Partner ist dies jedoch völlig anders: Hier ist nachhaltige Ent-
              wicklung ohne eine religiöse Begründung und «Ownership» der Menschen oft undenkbar.

              Theologische Ausbildung ermöglicht Menschen eine seriöse theologische Reflexion von bren-
              nenden Fragen der Gesellschaft, stellt sie mit der eigenen religiösen Identität in Beziehung
              und stösst damit eine eigenverantwortliche nachhaltige Entwicklung an. Der Einsatz für
              den Schutz der Umwelt, gegen den Klimawandel oder für Bildung von Frauen, wie sie bei-
              spielhaft in diesem Heft beschrieben sind, werden damit von x-beliebigen Themen zu einem
              zentralen Ausdruck des eigenen Glaubens. In solcher Weise sensibilisierte und motivierte
              Menschen in unseren Partnerländern erforschen Hintergründe, identifizieren Handlungs-
              felder und entwickeln Lösungen. Zugleich wirken sie in ihren Dörfern, Städten, Schulen und
              Arbeitsplätzen als Vorbilder, auch über ihre eigene religiöse Gemeinschaft hinaus.

              Während meiner Zeit als Programmverantwortlicher für Nigeria durfte ich dies am Beispiel
              eines theologischen Fernkurses zum Thema «Klimawandel» beobachten. Im Anschluss an
              den Kurs äusserte sich etwa eine der Teilnehmerinnen so: «Früher war der Klimawandel für
              mich einfach ein Thema im Radio. Und ich betrachtete ihn als eine Strafe Gottes. Jetzt habe
              ich verstanden, dass er menschengemacht ist. Dass Gott uns eine Verantwortung übertragen
              hat für unsere Umwelt und dass wir etwas für sie tun können und müssen.»

              In diesem Heft stellen wir Ihnen am Beispiel Umweltschutz Projekte vor, in denen theolo-
              gische Ausbildung zu nachhaltigem Engagement beiträgt. Ich wünsche Ihnen eine anregende
              Lektüre und danke Ihnen sehr für Ihre Unterstützung.

              Mit herzlichen Grüssen

              Pfarrer Jochen Kirsch, Direktor Mission 21

                                            Lesen Sie dieses Heft bequem per App
                                            Diese Zeitschrift ist auch digital erhältlich. Sie finden sie in einem
                                            Online-Kiosk, den sie bequem an ihrem Computer oder auch per App
                                            auf Ihrem Smartphone anwählen können.
                                            Dort finden Sie neben der Zeitschrift «begegnen» von Mission 21
                                            auch Publikationen unserer Partnerorganisationen aus Deutschland
                                            und Österreich.
                                            Digitaler Kiosk: app.missionspresse.org

                                                                                                    begegnen 1 | 2022   3
Zu nass zu trocken! Wie wir uns in unseren Projekten für den Schutz des Planeten - einsetzen. Seite 4 - Mission 21
Fokus Klimawandel

Bewahrung der
Schöpfung auf allen
Ebenen
Mission 21 setzt sich dafür ein, dass alle Menschen ein Leben in Würde
führen können. Immer öfter spielt in unseren Projekten auch der Klima-
wandel eine Rolle. Beispiele aus Bolivien, Nigeria, Kamerun und Tansania
zeigen, wie wir gemeinsam mit unseren Partnern für Klimagerechtigkeit
und gegen fortschreitende Umweltprobleme arbeiten. Oft hängen
dabei Projekte zur (theologischen) Bildung eng mit konkreten Aktivitäten
im Umweltbereich zusammen.
                                                                                                          Fundawi
Text: Miriam Glass, Mission 21

                                 Es sieht aus wie eine riesige Wassertonne: Ein     ernähren. Und es fehlt das Geld, um Nahrungs-
                                 rundes Betonbecken, es fasst 100 000 Kubikme-      mittel zu kaufen. «Wenn dann noch die Ernte-
                                 ter Wasser. Fast die gesamte Gemeinde von So-      Erträge schwinden, weil das Klima trockener
                                 rata in den bolivianischen Anden hat sich ver-     wird, sind die Lebensgrundlagen der Menschen
                                 sammelt, als der Bau endlich fertig ist. Er soll   bedroht», sagt Erik Nijland, bei Mission 21 Ko-
                                 das Leben der Menschen verbessern, zu einer        ordinator für die Projekte zur Ernährungssou-
                                 ausgewogeneren Ernährung und einem besse-          veränität in Lateinamerika.
                                 ren Einkommen beitragen.
                                    Bei dem Becken handelt es sich um einen         Abhängigkeit von Regen und Chemie
                                 Wasserspeicher, den die Bevölkerung 2021 mit       Die Wasserknappheit ist ein Grund dafür, dass
                                 Unterstützung von Fundawi gebaut hat, einer        die Kleinbauern und -bäuerinnen immer mehr
                                 Partnerorganisation von Mission 21. Bedingt        Pestizide und Düngemittel einsetzen, denn im
                                 durch die Klimaerwärmung nehmen die Nie-           veränderten Klima treten neue Schädlinge auf.
                                 derschläge in der Region ab. Die Menschen in       Durch die Chemikalien sinkt die Wasser- und
                                 Sorata, auf über 2600 Metern über Meer, kämp-      Bodenqualität weiter, zugleich werden die Bau-
                                 fen mit Schwierigkeiten. In anderen Gemeinden      ernfamilien immer abhängiger von grossen
                                 in den Anden ist die Lage ähnlich.                 Agrochemiekonzernen.
                                                                                       Der Wasserspeicher in Sorata wird Verbesse-
                                 Lebensgrundlagen sind bedroht                      rungen bringen. In niederschlagsreichen Zeiten
                                 Viele Kinder und auch Erwachsene in der Re-        wird Wasser gesammelt, das in trockenen Peri-
                                 gion sind krank. Sie leiden an Mangelerschei-      oden auf tiefer gelegene Felder geleitet werden
                                 nungen, weil die Ernährung nicht ausgewogen        kann. Die Erträge landen auf dem Tisch der
                                 ist und Nährstoffe fehlen. Die kargen Böden ge-    Bauernfamilien, Überschüsse können auf loka-
                                 ben nicht genug her, um die Menschen gut zu        len Märkten verkauft werden.

4    begegnen 1 | 2022
Zu nass zu trocken! Wie wir uns in unseren Projekten für den Schutz des Planeten - einsetzen. Seite 4 - Mission 21
Wasserspeicher für trockene
                                                                                                     Tage: In der Gemeinde
                                                                                                     Sorata in Bolivien ist im
                                                                                                     Rahmen der Projektarbeit
   Ein kleiner Tropfen auf den heissen Stein,     Bewahrung der Schöpfung als auch mit sozia-        ein Reservoir entstanden,
könnte man meinen – eine punktuelle Hilfe,        len Themen auseinander. Viele kehren nach ih-      aus dem Felder bewässert
die nichts ändern kann an Problemen wie Kli-      rer Ausbildung als Pfarrerinnen oder Entschei-     werden können.
mawandel oder sozialer Ungerechtigkeit. Doch      dungsträger in ihre Gemeinden zurück, stossen
Mission 21 arbeitet gemeinsam mit ihren Part-     dort Veränderungen an und setzen Projekte um.
nern in grösseren Zusammenhängen an diesen
Themen. In den Projekten zur Ernährungssouve-     Ressourcensparende Öfen in Nigeria
ränität in Lateinamerika liegt der Schwerpunkt    Aus der theoretischen und theologischen Ausei-
auf agroökologischen Anbaumethoden. Vermit-       nandersetzung sind zahlreiche konkrete Folge-
telt werden umweltfreundliche Anbautechniken,     projekte entstanden, nicht nur in Lateinameri-
die unter klimatisch schwierigen Bedingungen      ka. In Nigeria zum Beispiel entwickelte sich aus
anwendbar sind, sowie Möglichkeiten der politi-   dem theologischen Fernstudienprogramm der
schen Beteiligung. So erlangen Bäuerinnen und     «Kirche der Geschwister» ein Projekt für res-
Bauern mehr Wissen und Mitspracherechte zum       sourcenschonende Kochöfen.
Umgang mit Land und Ressourcen.                      In diesem Ausbildungsgang eignen sich je-
                                                  des Jahr rund 2000 Studierende theologische
Theologische Ausbildung für Veränderung           Kenntnisse an und diskutieren diese miteinan-
Grundsätzlich spielt im Lateinamerika-Pro-        der. Die Kurse berühren hochaktuelle gesell-
gramm auch die theologische Bildung eine          schaftliche Themen wie den interreligiösen Di-
wichtige Rolle. An der Theologischen Hoch-        alog zwischen Christ*innen und Muslim*innen,
schule UBL in Costa Rica und weiteren Partner-    häusliche Gewalt, Führungsverständnis oder
Institutionen ist Öko-Theologie fester Bestand-   Umweltschutz. Die Studierenden setzen das
teil der Ausbildung. Studierende setzen sich      Gelernte praktisch um. In einigen Dörfern ent-
sowohl mit Fragen des Klimawandels und der        standen so Kleinunternehmen zur Verbreitung

                                                                                                          begegnen 1 | 2022   5
Zu nass zu trocken! Wie wir uns in unseren Projekten für den Schutz des Planeten - einsetzen. Seite 4 - Mission 21
Fokus Klimawandel

                         Yakubu Joseph
                                                                                                                      Bildlegende, Bildlegende
                                                                                                                      lorem ipsum

    Projekte von Mission 21 in der
    Ökumenischen Kampagne
    Während der Fastenzeit läuft die Ökumenische Kampagne von HEKS
    (das mit «Brot für alle» fusionierte Hilfswerk der evangelisch-
    reformierten Kirche Schweiz), und der Fastenaktion. Im Rahmen dieser
    Kampagne können Kirchgemeinden, weitere Gruppen oder Privatper-
    sonen auch Projekte von Mission 21 unterstützen. Die Ökumenische
    Kampagne fordert mehr Klimagerechtigkeit weltweit. In diesem Heft
    finden Sie eine Auswahl unserer Projekte zu diesem Thema. Sie
                                                                                             begleitet. Er sagt: «Die Themen Umweltschutz
    können jedoch im Rahmen der Ökumenischen Kampagne auch für alle
                                                                                             und Klimawandel wurden neu zu zentralen
    weiteren Projekte von Mission 21 sammeln und spenden.
                                                                                             Aufgaben der Kirche, durch das entsprechende
    Auskünfte: Kevin Ischi, Tel. 061 260 23 37, kevin.ischi@mission-21.org                   Modul der theologischen Ausbildung. Und es
    www.mission-21.org/klima                                                                 zeigt sich, wie die Kirche durch ihr vielfältiges
                                                                                             Sozialkapital in der Lage ist, über ihre eigenen
                                                                                             Mitglieder hinaus in der Gesellschaft nachhal-
                                                                                             tige Veränderungen zu bewirken.»
                                         energieeffizienter Kochherde, die nicht nur mit
                                         Holz, sondern auch mit Feldabfällen befeuert        Gender-Gerechtigkeit und Umweltschutz
                                         werden können. Inzwischen ist daraus ein ei-        In unseren Projekten geht es stets um mehrere
                                         genes Projekt von Mission 21 geworden (Nr.          Dimensionen, die sich gegenseitig verstärken.
                                         162.1030, «Bildung für eine nachhaltige ökolo-      So kann mehr Bildung zu mehr Umweltschutz
                                         gische Entwicklung in Nigeria»). Es umfasst         beitragen, ein besserer Umgang mit natürlichen
                                         Baumschulen und fördert nachhaltige Land-           Ressourcen kann die Situation von Frauen ver-
                                         wirtschaft und nachhaltigen Umgang mit Res-         bessern. Die geschlechtsspezifische Dimension
                                         sourcen, was der Abholzung entgegenwirkt.           des Klimawandels ist offensichtlich. In Nigeria
                                            Holz ist in Nigeria die Hauptenergiequelle,      und Bolivien etwa, wo der Rückgang der Boden-
                                         insbesondere auf dem Land. Mit dem Bevölke-         fruchtbarkeit und die unregelmässigen Nieder-
                                         rungswachstum ist die Nachfrage gestiegen, Es       schläge zu geringen Erträgen führen, schwinden
                                         wird immer schwieriger, Holz zu beschaffen.         die Arbeitsmöglichkeiten in ländlichen Gebieten.
                                         Zum Beispiel für Suela. Sie lebt mit ihren Kin-     Männer wandern auf der Suche nach Jobs in die
                                         dern im Dorf Kala’a und sagt: «Heute sieht man      Städte ab. Zurück bleiben die Frauen, um für die
                                         viele Kilometer weit, kein Baum steht im Weg.       Landwirtschaft und ihre oft grossen Familien zu
                                         Das war früher anders.» Um Holz zu beschaffen,      sorgen, unter immer schlechteren Bedingungen.
                                         musste Suela immer weitere Strecken zurückle-          Aktivitäten für den Umweltschutz enthal-
                                         gen. Doch im Rahmen des Projekts stellte sie ei-    ten so oft auch Komponenten zur Stärkung von
                                         nen energiesparenden Ofen her, der viel weniger     Frauen und umgekehrt, ebenso wie die Förde-
                                         Holz benötigt, und sie lernte, Briketts aus land-   rung der Ernährungssicherung sowohl mit der
                                         wirtschaftlichen Abfällen anzufertigen.             Unterstützung von Familien als auch mit Um-
                                            Jochen Kirsch, Direktor von Mission 21 und       weltschutz zusammenhängt. Die Würde des
                                         früher Programmverantwortlicher für Nige-           Menschen und der Schutz des Planeten sind
                                         ria, hat das Projekt in dessen Entstehungszeit      untrennbar miteinander verbunden.

6   begegnen 1 | 2022
Zu nass zu trocken! Wie wir uns in unseren Projekten für den Schutz des Planeten - einsetzen. Seite 4 - Mission 21
Fokus Klimawandel

Wie der Moringabaum Nahrung,
Schatten und Hoffnung spendet
Im Südwesten Tansanias leiden die Menschen unter
zunehmender Trockenheit. Der Anbau von Neem- und
Moringa-Bäumen soll die Situation entschärfen.
Text: Miriam Glass, Mission 21

Mariam Galahenga sagt: «Die Situation ist

                                                                                                                                      zVg
schlimm. Unser Vieh leidet, wir leiden, es gibt
kein Gras und kein Wasser.» Sie lebt im Mbara-
li District im Südwesten Tansanias. Die Dürre
plagt Menschen und Tiere. Mariam Galahen-
ga setzt grosse Hoffnungen in den Anbau von
Neem- und Moringabäumen. Sie sollen das Kli-
ma verbessern und Schatten spenden.
   Der Anbau der Bäume ist Teil eines Projekts,
das Mission 21 in Zusammenarbeit mit der lo-
kalen Partnerkirche durchführt, der «Moravian
Church in Tanzania». Noch steht es am Anfang,
in der laufenden Projektphase von 2022 bis
2025 werden die Pflanzungen vorangetrieben.
   Im Mbarali-Disktrikt arbeiten 83 Prozent
der Bevölkerung in der Landwirtschaft, so auch                                          Neues Projekt in Tansania
Mariam Galahenga. Die Bauernfamilien stehen
                                                                                        «Klima schützen, Frauen stärken: nachhaltige
jedoch vor Problemen: Um Land zu gewinnen,                                              Landwirtschaft in Tansania» ist ein Projekt der
wurden Wälder abgeholzt. Dies führt zu Wüs-                                             «Moravian Church in Tanzania» mit Mission 21.
tenbildung in der ohnehin trockenen Region.       Mariam Galahenga.                     Spenden: Konto PC 40-726233-2, 186.1505
Da die Fruchtbarkeit abnimmt, verwenden die                                             oder online: www.mission-21.org/spenden
Bauern mehr Agrarchemikalien, was die Böden
verseucht. Die Umweltprobleme sind für die Be-
völkerung lebensbedrohlich, weil das Wasser       Moringa-Pflanzen sowie den Gebrauch und
knapp ist und die Ernten schlecht ausfallen.      Verkauf diverser Produkte aus den Bäumen.
                                                     Nicht zuletzt ist das Umweltprojekt auch ein
Verbessertes Mikroklima                           Projekt zur Förderung von Gender-Gerechtig-
Auch Mariam Galahenga leidet darunter, ha-        keit: Frauen, die in Tansania schlechteren Zu-
tet bisher aber kaum Möglichkeiten, etwas zu      gang zu Bildung und zum Arbeitsmarkt haben,
unternehmen. Sie gehört zu den 44 Prozent         übernehmen die Projektleitung und erhalten
der Bevölkerung im Disktrikt, die weder lesen     Aus- und Weiterbildung in der Agroforstwirt-
noch schreiben können. Der durchschnittliche      schaft.
Verdienst liegt bei rund 50 Rappen täglich.
   Der Anbau von Neem- und Moringa-Bäumen
geht die Herausforderungen auf mehreren
Ebenen an. Beide Bäume gedeihen im heissen,         Produkte der Neem- und
trockenen Klima. Die Pflanzungen wirken den         Moringabäume
fortschreitenden Umweltproblemen entge-
                                                    Produkte des Neem-Baums helfen gegen Pilz-
gen. Sie halten die Bodenerosion auf und tra-
                                                    erkrankungen, Parasiten und Tierkrankheiten
gen dazu bei, den Grundwasserspiegel wieder         und finden als Antipilzmittel und Insektizid im
aufzubauen. Schatten und Kühlung sollen das         ökologischen Landbau Verwendung.
Mikroklima verbessern.                              Der Moringa-Baum (Bild rechts) liefert nähr-
   Die Bestandteile der Bäume können zu             stoffreiche Nahrung sowie effizientes Viehfutter,
Produkten für die Landwirtschaft und die            unter anderem zur Erhöhung der Milchpro-
Tierhaltung verarbeitet werden. Begünstigte         duktion von Milchvieh.
profitieren durch den direkten Verzehr der

                                                                                                              begegnen 1 | 2022   7
Zu nass zu trocken! Wie wir uns in unseren Projekten für den Schutz des Planeten - einsetzen. Seite 4 - Mission 21
Fokus Klimawandel

                 Ein zweites Leben für Altglas und Co.
                 Lehrpersonen und Studierende ergreifen in Kamerun die Initiative für mehr
                 Umweltschutz und einen bewussteren Umgang mit Abfällen. Die Protestantische
                 Universität in Yaoundé fördert dies mit einem Programm zur Öko-Theologie.
                 Text: Miriam Glass, Mission 21

                                                                                                      Genau darum – um die Bewahrung der Schöp-
Angelika Weber

                                                                                                      fung – geht es im Studiengang Öko-Theologie,
                                                                                                      der 2019 an der PUCA eingeführt wurde und von
                                                                                                      Mission 21 unterstützt wird. Er behandelt fä-
                                                                                                      cherübergreifend die Themen Agrarwirtschaft,
                                                                                                      Ökologie und Theologie in Theorie und Praxis.
                                                                                                         Die angehenden Theologinnen und Theolo-
                                                                                                      gen werden darauf vorbereitet, sich zu zentra-
                                                                                                      len gesellschaftlichen Fragen zu äussern und
                                                                                                      Lösungen zu entwickeln. Klimawandel und
                                                                                                      Umweltzerstörung spielen im Lehrplan eine
                                                                                                      wichtige Rolle. Sie werden als genauso gefähr-
                                                                                                      lich angeschaut wie die weiteren Krisen, mit
                                                                                                      denen das Land kämpft: Korruption, steigende
                                                                                                      Lebenshaltungskosten, Arbeitslosigkeit und
                                                                                                      terroristische Angriffe von Boko Haram bedro-
                                                                                                      hen den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Seit
                                                                                                      2016 sorgt in den anglophonen Regionen ein
                                                                                                      Konflikt zwischen Separatisten und der fran-
                                                                                                      kophonen Zentralregierung für bürgerkriegs-
                                                                                                      ähnliche Zustände.
                 Dr. Marcel Ngirinshuti in
                 seinem «Flaschenhaus»                                                                Klimawandel als Ursache für Konflikte
                 in Yaoundé, Kamerun.             Dr. Marcel Ngirinshuti hat ein sehr besonderes      Laut Mbouba Mbima, Rektor der PUCA, sind die
                                                  Büro: Die Wände bestehen aus leeren Flaschen,       Themen der Öko-Theologie eng mit den gesell-
                                                  die mit Zement eingefasst sind. Die Luft im         schaftlichen Herausforderungen in Kamerun
                                                  Raum ist frisch, die Sonne, die durch das Glas      verknüpft. Er sagt: «Wenn es um Fragen der
                                                  scheint, taucht alles in ein märchenhaftes Licht.   Unsicherheit in Kamerun geht, sind Klima-
                                                     Die Flaschen hat Dozent Marcel Ngirinshuti       wandel und klimatische Ungerechtigkeit keine
                                                  mit Studierenden der Protestantischen Uni-          Randthemen. Es ist nicht mehr zu leugnen, dass
                                                  versität Zentralafrikas (PUCA) in Kameruns          etwa die Ausdehnung der Wüste im Norden zu
                                                  Hauptstadt Yaoundé gesammelt. Theologie-            den Ursachen von klimabedingter Migration
                                                  Student Alfred Ondo sagt in den «Peace News»,       gehört. Die Migranten in ihrer schwachen Posi-
                                                  dem Studierenden-Magazin der PUCA: «Die             tion werden zu potenziellen Kandidaten für die
                                                  recycelten Flaschen hat mein Lehrer zum Bau         Rekrutierung durch terroristische Gruppen.»
                                                  eines Hauses verwendet. Das zeigt, dass Müll        Der Klimawandel sei zudem eine Ursache für
                                                  gut genutzt werden kann, um Gutes für die Ge-       Hunger, Arbeitslosigkeit und Konflikte. «Die
                                                  sellschaft und für die Bewahrung von Gottes         Schwachen und Armen leiden besonders unter
                                                  Schöpfung zu tun.»                                  den Folgen. Die Auseinandersetzung mit Klima-
                                                                                                      wandel und Klimagerechtigkeit durch konkrete
                                                                                                      Projekte ist auch ein Mittel, um Korruption,
                                                                                                      steigende Lebenshaltungskosten, Arbeitslosig-
                     Wir brauchen Ihre Unterstützung                                                  keit und sogar den vielgestaltigen Terrorismus
                     • Projekt «Kooperationsprogramm Kamerun»: Nummer: 134.1001                       zu bekämpfen.»
                     • Spenden: Konto PC 40-726233-2, 476.1001 oder online:                              Marcel Ngirinshuti bereitet Lektionen zu die-
                       www.mission-21.org/spenden                                                     sen Themen in seinem «Flaschenhaus» vor. Er
                     • Information: Projektdienst, Kevin Ischi,                                       hofft, dass es andere dazu inspiriert, achtsam
                       Tel. 061 260 23 03, kevin.ischi@mission-21.org                                 mit der Schöpfung umzugehen und Abfällen
                                                                                                      wenn möglich ein zweites Leben zu verleihen.

                 8    begegnen 1 | 2022
Zu nass zu trocken! Wie wir uns in unseren Projekten für den Schutz des Planeten - einsetzen. Seite 4 - Mission 21
Maissa Fall   Projekt aktuell

                                Peru
                                Projekt aktuell:
                                «Bildung und Frauenförderung
                                in Chile und Peru»
                                Viele Frauen in den Bergregionen Perus hatten nie die
                                Chance auf eine Schulbildung. Sie können nicht lesen,
                                schreiben und rechnen. Viele schämen sich dafür und
                                trauen sich kaum, am öffentlichen und politischen Leben
                                teilzunehmen. Bei unserer Partnerorganisation Alfalit
                                können sie die Schulbildung nachholen. Sie lernen, sich
                                auszudrücken und sich für ihre Bedürfnisse einzusetzen.
                                Während der Corona-Pandemie hat Alfalit das
                                Angebot ausgeweitet und unterstützt nun auch
                                Jüngere beim Lernen.

                                                                   begegnen 1 | 2022   9
Zu nass zu trocken! Wie wir uns in unseren Projekten für den Schutz des Planeten - einsetzen. Seite 4 - Mission 21
Projekt aktuell

              Buchstäblich zurück ins Leben
          In den peruanischen Anden leiden viele Frauen wegen ihrer verpassten Schul-
          bildung. Viele sind Analphabetinnen. Alfalit bietet ihnen Unterricht – nicht nur
          im Lesen und Schreiben, sondern auch in Kommunikation und zu Sachthemen.
          So können sie sich auch politisch einbringen. .
          Text: Samuel Rink Mission 21

                                                                                              Puno in Peru. Zum ersten Mal lernen die Frauen
Maissa Fall

                                                                                              lesen und schreiben.
                                                                                                 In den peruanischen Anden hatten viele
                                                                                              Frauen nie die Chance, zur Schule zu gehen.
                                                                                              «Wie gerne hätte ich einen anderen Beruf er-
                                                                                              lernt!», sagt die indigene Kleinbäuerin Francis-
                                                                                              ca Itusaca de Mullisaca. Stattdessen musste sie
                                                                                              zu Hause mithelfen, die Tiere zu versorgen und
                                                                                              das kleine Stück Land zu bebauen.
                                                                                                 Das Problem betrifft mehr Frauen als Män-
                                                                                              ner. Von den über 15-Jährigen sind 16 Prozent
                                                                                              Analphabetinnen und nur 4.7 Prozent Analpha-
                                                                                              beten. Viele können kaum rechnen und sind nie
                                                                                              mit digitaler Technik in Berührung gekommen.
                                                                                              Die meisten sprechen hauptsächlich Quechua,
                                                                                              eine Inka-Sprache, die von den früheren Ko-
                                                                                              lonialherren marginalisiert wurde. Wer die
                                                                                              Amtssprache Spanisch nicht spricht, wird heu-
                                                                                              te noch gesellschaftlich an den Rand gedrängt.

              Die Stimme der                                                                  Isolierende Angst
              indigenden, peru-                                                               «Wir trauen uns nicht, am öffentlichen Leben
              anischen Frauen             Behutsam umfasst die Lehrerin die Hand der          teilzunehmen», sagt María Marlen y Cora. Die
              ist wichtig. Dank
              Unterstützung
                                          Schülerin, zwischen deren faltigen Fingern          Angst, mit anderen zu reden, geschweige denn,
              melden sie sich             ein Bleistift steckt. Die Spitze gleitet über das   sich öffentlich zu äussern, isoliert die Frauen.
              mehr zu Wort.               Papier und nach ein paar Sekunden lässt die         In der Politik sind Frauen darum eine Selten-
                                          Lehrerin zufrieden los. Sie schaut noch einen       heit. Dabei wäre es gerade in der Region Puno
                                          Moment lang zu, bevor sie sich den anderen          wichtig, dass die ganze Bevölkerung sich für
                                          Schülerinnen im Schulzimmer zuwendet.               ihre Rechte und Interessen einsetzen kann.
                                             Im Raum hängen Poster mit Grammatik-             Rund um den Titicacasee-See gibt es über
                                          regeln an den bunt gestrichenen Wänden. Die         dreissig illegale Minen, die mit Schwermetall-
                                          Frauen sitzen an kleinen Holztischen vor auf-       Verschmutzungen die Menschen gefährden. Zu-
                                          geschlagenen Heften und schreiben. Alle sind        dem ist die Gewalt gegen Mädchen und Frauen
                                          hier aus der Umgebung und im mittleren bis hö-      ein grosses Problem. Darum ist die Stimme der
                                          heren Alter. Es ist Unterricht bei unserer Part-    peruanischen Frauen wichtig.
                                          nerorganisation Alfalit in Chupa in der Region         Mit dem Unterricht unterstützt unsere Part-
                                                                                              nerorganisation Alfalit die Frauen im Alltag
                                                                                              und fördert ihren Einfluss in der Lokalpolitik.
                                                                                              Neben Lesen und Schreiben stehen auch kom-
                   Bildung und Frauenförderung in Peru und Chile                              munikative Kompetenzen auf dem Lernplan,
                   Das Alphabetisierungsprogramm ist Teil des Projekts «Gestärkt              zum Beispiel Konfliktmanagement, Konsens-
                   in die Zukunft: Bildung und Frauenförderung in Chile und Peru»             suche und Durchsetzungsvermögen. «Viele
                                                                                              Frauen machen enorme Fortschritte und kön-
                   Spenden: Konto PC 40-726233-2, Vermerk 476.1020
                   oder online: www.mission-21.org/spenden                                    nen sich immer besser ausdrücken», sagt Al-
                   Information: Projektdienst, Tel. 061 260 23 37,                            falit-Mitarbeiteirn Dora Peña. Auch Francisca
                   kevin.ischi@mission-21.org                                                 traue sich nun mehr, fremde Menschen anzu-
                                                                                              sprechen. Und María sagt: «Bei Alfalit teilzu-

              10    begegnen 1 | 2022
nehmen, ist in jedem Sinne gut für uns». Die
              Frauen besprechen auch Alltagsthemen, die                                        Die gute Nachricht
              für Gesellschaft und Familie wichtig sind. So
              können sie sich für ihre Bedürfnisse einsetzen.

                                                                                         zVg
              Pandemie gefährdet die Schulbildung
              Bei der heranwachsenden Generation konnte
              Peru das Problem entschärfen. «In den letz-
              ten Jahren hat Peru im Bereich Bildung grosse                                                               Aurora Luna ist
              Fortschritte erzielt», sagt Claudia Quispe-                                                                 Direktorin der
              Rampa, Programmverantwortliche für Peru bei                                                                 Organisation
              Mission 21. «Mehr Menschen haben Zugang                                                                     «Alfalit en el Perú».
              zur Ausbildung und die Qualität ist gestiegen.
              Allerdings gab es wegen Corona Rückschläge.»

                                                                                               Wir teilen: Das Essen, die
                 Mit der Omikron-Welle wurde Anfang
              Jahr wieder hybrid unterrichtet. Doch vielen
              Schüler*innen in den andinen Regionen fehlen                                     Freude und unser Wissen
              die technische Ausrüstung und das nötige Inter-
              net-Guthaben oder sie haben Mühe mit selbst-                                     «Und alles Volk ging hin, um zu essen, zu trinken
              ständigem Lernen. Darum bietet Alfalit neu                                       und davon auszuteilen und ein grosses Freudenfest
                                                                                               zu feiern; denn sie hatten die Worte verstanden, die
              Nachhilfe für Kinder an und versorgt sie mit In-
                                                                                               man ihnen kundgetan hatte.» (Nehemia 8,12).
              ternet-Guthaben. So können sie Schulstoff nach-
              holen und sich neue Lernstrategien aneignen.                                     Dieses Zitat stammt aus dem biblischen Bericht
                 Der Nachwuchs soll von klein auf Selbstver-                                   über das Fest anlässlich der ersten öffentlichen Le-
              trauen aufbauen und lernen, sich zu äussern. So                                  sung der heiligen Schrift. Im Zentrum dieses Festes
                                                                 Es gibt keinen
              können sich die Kinder später zusammen mit         falschen Zeitpunkt            stand das Teilen, mit Freude und ohne Ausgrenzung.
              ihren Müttern für die Bedürfnisse der Menschen     um zu lernen: Kurs-           Das Ziel der Zusammenkunft war es, den heiligen
              in Puno einsetzen.                                 teilnehmerin von              Text bei der Lektüre zu verstehen.
                                                                 Alfalit in Begleitung         Die Menschen näherten sich dem Text mit dem
                                                                 eines Kindes.                 Wunsch, seine Botschaft zu verstehen. Es waren
                                                                                               Menschen aus dem Volk, die nicht lesen konnten,
Maissa Fall

                                                                                               denn zu jener Zeit war das Lesen ein Privileg der
                                                                                               Priester und der wohlhabenden Gesellschafts-
                                                                                               schichten. Zudem war es eine Lektüre, die die
                                                                                               Menschen zunächst nicht verstehen konnten, weil
                                                                                               ihnen das Gelesene fremd und unbekannt erschien.
                                                                                               Doch eine Gruppe von Leviten (Helfenden), die selbst
                                                                                               zum einfachen Volk gehörten, kam auf die Menschen
                                                                                               zu und erklärte ihnen das Gelesene in ihrer eigenen
                                                                                               Sprache und in ihrem eigenen Umfeld. Die Leviten
                                                                                               erleichterten es Frauen und Männern, Jung und Alt,
                                                                                               die Worte des Textes zu verstehen und zu begreifen.
                                                                                               Das machte es allen möglich, Zugang zur heiligen
                                                                                               Schrift zu finden und sie auf ihr Leben anzuwenden.
                                                                                               Das beschriebene Fest ist zu verstehen als Feier
                                                                                               eines Volkes, das Ausgrenzung hinter sich lässt,
                                                                                               als ein Fest aller Menschen. Das Teilen von Essen
                                                                                               ist ein Symbol für das Teilen von Wissen und Können.
                                                                                               Das Fest ist auch ein lebendiger Ausdruck des
                                                                                               Glaubens an einen Gott, der keine Unterschiede
                                                                                               zwischen den Menschen macht und den Ausge-
                                                                                               grenzten nahe steht.
                                                                                               Auch heute sehen wir Freude auf den Gesichtern
                                                                                               von Menschen, die zum ersten Mal einen geschrie-
                                                                                               benen Text in ihrer Muttersprache und in ihrer ei-
                                                                                               genen Kultur lesen und erklären. Diese Freude
                                                                                               spornt uns dazu an, dem Beispiel der levitischen
                                                                                               Helferinnen und Helfer zu folgen. Wir gehen auf die
                                                                                               Menschen in ihren Gemeinschaften zu. Wir ermutigen
                                                                                               sie, um ihnen das Verstehen ihrer eigenen Lebens-
                                                                                               und Glaubenserfahrungen sowie ihres Alltags zu
                                                                                               erleichtern. Und auch, um ein Teil des Fests zu sein,
                                                                                               das alle Menschen verbindet.

                                                                                                                               begegnen 1 | 2022   11
Kurz gesagt

                                                               Dalai Lama und Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege
                                                               äussern sich positiv zur Arbeit von Mission 21

                                                                                                                                                     Oberhaupt der Tibeterinnen und Tibeter. Im
 Christopher Michel/flickr.com

                                                                             © European Union 2014 - European Parliament
                                                                                                                                                     Rahmen der interreligiösen Friedensförderung
                                                                                                                                                     und des interkulturellen Austausches arbeitet
                                                                                                                                                     Mission 21 mit Vertreter*innen verschiedener
                                                                                                                                                     Religionen zusammen. Die Antwort des Dalai
                                                                                                                                                     Lama ist auch ein Zeichen für die Wichtigkeit
                                                                                                                                                     der interreligiösen Zusammenarbeit weltweit.

                                                                                                                                                     Einsatz für die Würde der Frauen
                                                                                                                                                     In einem Briefwechsel mit Johannes Blum, Vor-
                                                                                                                                                     standspräsident von Mission 21, drückt zudem
                                                                                                                                                     Professor Denis Mukwege seine Wertschätzung
                                                                                                                                                     aus. Mukwege wurde 2018 mit dem Friedensno-
                                 Der Dalai Lama (l) und Denis Mukwege (r).                                                                           belpreis ausgezeichnet. An Mission 21 schreibt
                                                                                                                                                     er: «Ich bewundere Ihren Einsatz zugunsten
                                                                                                                                                     der am meisten Benachteiligten und die Förde-
                                                               Im vergangenen Jahr erhielt Mission 21 gleich                                         rung der Würde der Frauen in mehreren Län-
                                                               von zwei wichtigen Stimmen Wertschätzung                                              dern der Welt.»
                                                               und Anerkennung für die Arbeit weltweit: In                                              Der Kongolese Denis Mukwege setzt sich für
                                                               einem Schreiben des Dalai Lama, höchster                                              Frauen und Mädchen ein. Als Gynäkologe behan-
                                                               Meister des tibetischen Buddhismus, heisst es:                                        delt er Frauen, die durch Vergewaltigungen oder
                                                               «Seine Heiligkeit schätzt Ihre Arbeit sehr, Ge-                                       gezielte Verstümmelungen schwer verletzt wur-
                                                               rechtigkeit, Frieden, Versöhnung und Bildung                                          den. Als Menschenrechtsaktivist macht er auf
                                                               zu fördern sowie Armut und Krankheit welt-                                            Tätergruppen aufmerksam und ruft immer wie-
                                                               weit zu bekämpfen. Er würdigt daher die Arbeit                                        der dazu auf, sexualisierte Kriegsgewalt zu ver-
                                                               Ihrer Organisation zur Schaffung von Frieden                                          urteilen und die Täter gerichtlich zu verfolgen.
                                                               und Entwicklung in der Welt.»                                                            Mission 21 sieht diese Worte als grosse Ehre
                                                                  Das Schreiben wurde vom persönlichen                                               an, als Zeichen von Ermutigung und als An-
                                                               Sekretär des Dalai Lama verfasst. Anlass war                                          sporn, uns weiter für die Verletzlichsten welt-
                                                               eine Nachricht von Mission 21 an das geistige                                         weit einzusetzen. | MG

                                                                    Nigeria: Friedensförderung stösst auf Resonanz
                                                                                                                           Die Stadt Jos und ihre Umgebung haben eine wechselvolle Geschichte von
Yakubu Joseph

                                                                                                                           ethnoreligiösen Konflikten hinter sich, die zahlreiche Menschenleben und
                                                                                                                           die Zerstörung von Eigentum gekostet haben. Wiederkehrende Gewaltaus-
                                                                                                                           brüche haben die Bevölkerung auseinandergerissen. Die Stadt, einst als
                                                                                                                           «Haus des Friedens» bekannt, wurde in nach Religionszugehörigkeit ge-
                                                                                                                           trennte Quartiere aufgeteilt, deren Grenzen kaum passierbar sind.

                                                                                                                           Vernetzung auf allen Ebenen und Öffentlichkeitsarbeit für den Frieden
                                                                                                                           Mission 21 arbeitet mit mehreren Partnerorganisationen vor Ort in der
                                                                                                                           Friedensförderung. Unter anderem fand im November 2021 ein fünftägiger
                                                                                                                           Workshop statt, an dem wichtige lokale Akteurinnen und Akteure ge-
                                                                                                                           meinsam arbeiteten, darunter Leitungspersonen aus Organisationen der
                                                                                                                           Zivilgesellschaft, Mitarbeitende von Justizbehörden, Mitglieder von An-
                                                                                                                           waltskammern, Journalist*innen und religiöse und kommunale Führungs-
                                                                                                                           personen. Sie diskutierten Strategien zur Konfliktlösung und vernetzten
                                                                                                                           sich untereinander. Ausgerüstet mit Wissen zu Konfliktsensibilität und
                                                                                                                           Versöhnungsarbeit tragen sie die Botschaft des Friedens weiter in ihre
                                                                                                                           Umgebung. | MG

                                 12   begegnen 1 | 2022
Rezepte: Von Älpermagronen
Silvano Yokwe

                                                                                                bis Reispudding
                                                                                                Young@mission21, unser Netzwerk für junge Er-
                                                                                                wachsene, wird immer wieder auf neue Art sichtbar
                                                                                                und aktiv. Ein Fixpunkt im Kalender ist die jährliche
                                                                                                Aktion «Joint Action» im November, während der
                                                                                                junge Erwachsene rund um den Globus sich mit
                                                                                                demselben Thema beschäftigen und dazu lokale
                                                                                                Aktivitäten durchführen. 2021 standen Fragen rund
                                                                                                um die Ernährung auf dem Programm: Foodwaste
                                                                                                und Nachhaltigkeit, aber auch Genuss und Gemein-
                                                                                                schaft gehörten dazu. Entstanden ist daraus eine
                                                                                                Rezeptsammlung der Teilnehmenden, die Rezepte
                                                                                                von Schweizer Älplermagronen über armenische ge-
                                                                                                füllte Kohlblätter bis zu kubanischem Reispudding
                                                                                                enthält. Dazu jeweils ein Foto der Absenderin oder
                                                                                                des Absenders mit einem Hinweis darauf, was diese
                                                                                                Mahlzeit ihnen bedeutet. Eine schöne Anregung, um
                                                                                                Neues auf den Tisch zu bringen und den Genuss mit
                                                                                                anderen zu teilen.
                Schulunterricht in
                Pochalla - er findet teils                                                      Die Rezeptsammlung ist abrufbar
                im Schulgebäude, teils
                im Freien statt.
                                             Schul-Mahlzeiten für                               unter www.mission-21.org/eat
                                                                                                oder mit dem QR-Code
                                             Kinder im Südsudan
                                             In der Region Pochalla im Südsudan wird ein
                                             Programm zur besseren Ernährung von Schü-
                                             lerinnen und Schülern aufgebaut. Mission 21
                                             unterstützt in der abgelegenen Region Pochalla
                                             seit mehreren Jahren ein Landwirtschaftsprojekt
                                             zur Existenzsicherung für die Bevölkerung. Die
                                             Bäuerinnen und Bauern haben ihre Erträge ge-
                                             steigert, finden jedoch zu wenig Absatzmärkte
                                             für ihre Produkte. Zugleich sind viele Kinder in
                                             der Region mangelernährt. Nun soll mit Erträgen
                                             aus der Ernte des Landwirtschaftsprojekts den
                                             Schülerinnen und Schülern in der Primarschule
                                             der Partnerkirche PCOSS eine ausgewogene und
                                             gesunde Ernährung angeboten werden.
                                             Für viele der Schulkinder wird es die einzig       Archiv: Neue Bestände
                                             warme Mahlzeit am Tag sein. Zudem werden mit
                                             dem neuen Projekt Arbeitsplätze geschaffen, in-    erschlossen und zugänglich
                                             dem Köchinnen und Köche für die Zubereitung
                                                                                                Forschende aus aller Welt nutzen das Archiv von
                                             der Mahlzeiten der 350 Schulkinder angestellt
                                                                                                Basler Mission und Mission 21 für ihre Recherchen.
                                             werden.
                                                                                                Das Archivteam ist daran, immer neue Quellen zu-
                                             Die ersten Schritte für den erfolgreichen Start
                                                                                                gänglich zu machen und hat in den vergangenen
                                             sind bereits abgeschlossen. Im Jahr 2021 wurde
                                                                                                Monaten weitere Bestände erschlossen. Neu sind
                                             ein Lagerraum gebaut, um die Ernten ordnungs-
                                                                                                alle vorhandenen historischen Zeitschriften mit Ti-
                                             gemäss lagern zu können und vor den immer
                                                                                                tel und Laufzeit auf unserer Website BMArchives
                                             wieder drohenden Heuschreckeneinfällen und
                                                                                                abrufbar. Neben eigenen Zeitschriften von Bas-
                                             klimatisch bedingten Gefahren wie etwa Dür-
                                                                                                ler Mission und Mission 21 umfasst die Sammlung
                                             re und Überschwemmungen zu schützen. Der
                                                                                                verschiedene Zeitschriften von anderen Missions-
                                             nächste Schritt ist nun der Bau der Küche für
                                                                                                gesellschaften in Europa. Zudem wurde ein erstes
                                             das Schulernährungsprogramm. | MG
                                                                                                Verzeichnis aller Akten der Basler Mission ab 1950
                                                                                                erstellt. Die Erschliessung dieser Dokumente ist ein
                                                                                                Grossprojekt, das uns noch mehrere Jahre beschäf-
                                                                                                tigen wird. Trotzdem ist es für Interessierte durch
                Unterstützen Sie unsere Projekte!                                               die Groberschliessung nun möglich, sich einen Über-
                • Spenden: Konto PC 40-726233-2                                                 blick über die vorhandenen Archivalien zu verschaf-
                  oder online: www.mission-21.org/spenden                                       fen. Viele dieser Akten sind für die Forschung frei
                • Information: Projektdienst, Tel. 061 260 23 37,                               verfügbar. | MG
                  kevin.ischi@mission-21.org                                                    Zum online-Archiv: www.bmarchives.org

                                                                                                                                begegnen 1 | 2022   13
Lebenswelten

                         Sechs Fragen, drei Stimmen
                         aus drei Kontinenten
                         Wie leben Menschen anderswo? Menschen aus unseren
                         Projekten in Bolivien, Indonesien und dem Südsudan
                         berichten von den Veränderungen des Klimas in ihrer Region.

                         «Wir produzieren im Solarzelt ohne
                         Chemikalien und bekämpfen Schädlinge
                         mit natürlichen Produkten.»

                         Teodora Pérez Chamaca (46), El Alto, Bolivien.

                         Wie und wo leben Sie?
                         Ich bin Hausfrau und Ladenbesitzerin in El Alto. Ich lebe mit meinen
                         drei Söhnen Oliver (22), Juan (14) und Alexander (11).

                         Wie ist in Ihrer Region das Klima im März?
                         Es ist das Ende der Sommersaison mit Temperaturen von einem bis
                         13 Grad Celsicus.

                         Nehmen Sie Veränderungen des Klimas und der Umwelt wahr?
                         Aufgrund der Klimaveränderung gibt es zu jeder Jahreszeit Regen und
                         Frost. Im Herbst und Winter ernte ich nicht viel, die Kälte zerstört meine
                         Setzlinge. In der Regenzeit produziere ich gut, aber der Transport der
                         Produkte ist erschwert.

                         Engagieren SIe sich für Klimagerechtigkeit? Wenn ja, wie?
                         Wir produzieren im Solarzelt ohne Chemikalien, bekämpfen Schäd-
                         linge mit natürlichen Produkten und verwenden Küchenabfälle für
                         Kompost und Humus. In der Regenzeit reinigen wir die Siedlung, da das
                         Regenwasser den Müll aus höher gelegenen Orten mit sich führt.

                         Was müssten wir tun, um das Klima und unseren Planeten zu schützen?
                         Die Verschmutzung von Boden, Wasser und Luft vermeiden, keinen
                         Müll auf die Strasse werfen, organischen Dünger verwenden und auf
                         den Einsatz von Chemikalien in der Produktion verzichten.

                         Haben Sie Hoffnung, dass uns das gelingt?
                         Allmählich erkennen die Menschen, dass der Einsatz von Chemikalien
                         schlecht ist. Wir müssen mehr darüber informieren, wie wir produzieren.

14   begegnen 1 | 2022
Merilyn Yohannis (43), Palangka Raya, Indonesien

Wie und wo leben Sie?
Mein Mann und ich leben mit unserem 11-jährigen Sohn in der Stadt
Palangka Raya. Wir sind Pfarrpersonen der evangelisch-reformierten
Kirche GKE in Kalimantan. Ich arbeite als Theologie-Dozentin und bin
Aktivistin im theologischen Frauennetzwerk PERUATI.

Wie ist in Ihrer Region das Klima im März?
März ist in Indonesien das Ende der Regenzeit. Die Temperaturen liegen
zwischen 21 und 29 Grad Celsius.

Nehmen Sie Veränderungen des Klimas und der Umwelt wahr?
Es gibt seit einiger Zeit viele Überschwemmungen in Zentralkaliman-
tan. Der Grund liegt in der Abholzung für Minen, Palmölplantagen
und grosse Anbauflächen. Die Trockenperiode ist geprägt von Luftver-                   «Die Regierung muss
schmutzung, die die Gesundheit gefährdet.
                                                                                       streng gegen
Engagieren Sie sich für Klimagerechtigkeit? Falls ja, wie?                             Unternehmen vor-
Mit dem Netzwerk PERUATI verteilen wir Nahrungsmittel und sau-
beres Wasser bei Überschwemmungen und in der Trockenzeit versor-                       gehen, die die Umwelt
gen wir die Menschen mit Masken gegen den Smog.
                                                                                       beschädigen.»
Was müssten wir tun, um das Klima und unseren Planeten zu schützen?
Die Abholzung stoppen. Die Regierung muss streng gegen Unterneh-
men vorgehen, die die Umwelt beschädigen. Die Öffentlichkeit sollte
informiert sein über die Möglichkeiten juristischer Unterstützung.

Haben Sie Hoffnung, dass uns das gelingt?
Ja, wenn die Regierung die Abholzung ernsthaft reduzieren will und die
Konzerne die Regeln einhalten.

                                                   Gilo Otholi Oboya Gilo (39), Pochalla, Südsudan

                                                   Wie und wo leben Sie?
                                                   Ich lebe in Pochalla im Osten des Südsudans. Ich bin verheiratet, The-
                                                   ologe, aber leider arbeitslos. Die Situation ist nicht stabil, wir haben
                                                   keine finanzielle Unterstützung. Ich wohne bei meinen Eltern.

                                                   Wie ist in Ihrer Region das Klima im März?
                                                   Im März ist bei uns Trockenzeit.

                                                   Nehmen Sie Veränderungen des Klimas und der Umwelt wahr?
                                                   Die Überschwemmungen von Juni bis Oktober haben in den letzten
«Wir müssen viele                                  Jahren extrem zugenommen und zu Flüchtlingen und Toten geführt.
Menschen auf die                                   Engagieren Sie sich für Klimagerechtigkeit? Falls ja, wie?
Bedeutung von                                      Der Klimawandel hilft uns in einer Beziehung: In der Regenzeit haben
                                                   uns unsere Nachbarn (aus Äthiopien, Red.) früher oft überfallen, Nun
Bäumen, Gras und                                   kommen sie nicht mehr, da der Wasserstand des Flusses so hoch ist.
Wäldern hinweisen.»
                                                   Was müssten wir tun, um das Klima und unseren Planeten zu schützen?
                                                   Wir müssen viele Menschen für die Bedeutung von Bäumen, Gras und
                                                   Wäldern sensibilisieren, damit sie es vermeiden, zu viele Bäume zu fällen
                                                   oder Gras und Wälder zu verbrennen.

                                                   Haben Sie Hoffnung, dass uns das gelingt?
                                                   Ja, diese Hoffnung habe ich.

                                                                                                          begegnen 1 | 2022   15
Internationale Lerngemeinschaft

Klima-Krimi im Regenwald
Mission 21 bietet Konfirmationsgruppen die Möglichkeit, ein Thema einen Tag lang
zu vertiefen. Etwa mit dem «Planspiel Palmöl», das die Auseinandersetzung mit
Themen wie Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit anstösst und zugleich Spass macht.
Text: Miriam Glass, Mission 21

Selina ist für zwei Stunden Besitzerin einer

                                                                                                                                   Mauro Mellone
Palmölplantage. Im normalen Leben ist die
15-Jährige Schülerin, sie besucht den Konfirma-
tionsunterricht in Unterseen im Kanton Bern
und ist mit Pfarrerin Christine Sieber angereist.
Doch am Nord-Süd-Tag wechseln Selina und
ihre Mitschüler*innen die Rollen. Sie werden
zum Beispiel Lastwagen-Vermieter oder Besit-
zerin einer Plantage oder einer Mühle.
   Im «Planspiel Palmöl» setzen sie sich mit
dem Rohstoff Palmöl auseinander. Das Spiel
wurde an der ETH Zürich zur Erforschung der
Palmölproduktion entwickelt und später für
den Einsatz in der Sekundarstufe angepasst.
Die Schüler*innen erleben in ihrer Rolle, welche
Methoden auf dem Markt Vorteile bringen und
wie sich am schnellsten Geld verdienen lässt.
Sie reflektiren auch, was es für die Beteiligten be-                                                    Konfirmand*innen spielen
deutet, wenn Palmöl nachhaltig produziert wird.                                                         das «Planspiel Palmöl».
                                                        eine gute Ergänzung zu den Themen, die ich im
Fachlicher Input und feines Mittagessen                 Unterricht aufnehme.»
Die Jugendlichen machen engagiert mit und stel-            An Konftagen wie dem Nord-Süd-Tag
len sich auch Fragen zu ihrem eigenen Konsum-           schliessen sich Konf-Gruppen zusammen, um
verhalten und ihrem Beitrag zum Klimaschutz.            ein Thema zu vertiefen, für das im regulären
«Das Palmölspiel wurde von fast allen sehr gut          Unterricht zu wenig Platz ist. Der Tag dient
bewertet», sagt Pfarrerin Sieber bei der Evalua-        auch der Vernetzung und dem Kennenlernen
tion zum Nord-Süd-Tag der reformierten Kirchen          der Jugendlichen untereinander.
Bern-Jura-Solothurn, an dem das Spiel zum Ein-             Mission 21 übernimmt die Gestaltung des
satz kam. Auch Pfarrer Ueli Fuchs aus Burgdorf          Tages im Auftrag von Kantonalkirchen oder
zieht eine positive Bilanz: «Der Tag war eine run-      Kirchgemeinden. Wir bieten die fachliche Auf-
de Sache und ich bin froh, dass ich mit meinen          bereitung von Inhalten sowie den Rahmen von
Konfirmand*innen teilnehmen konnte. Es war              der Begrüssung bis hin zur Evaluation.

     Unser Kursangebot zum Thema Klimagerechtigkeit
     Mission 21 hat ein breites Angebot an Kursen für Jugendliche und Erwachsene. Das
     Thema Klimagerechtigkeit nehmen wir im Kurs «Führt der Klimawandel zu einem
     neuen Lebensstil?» und an Konftagen auf.
     Die Teilnehmer*innen lernen Neues über die Auswirkungen des Klimawandels und
     diskutieren Möglichkeiten, das eigene Leben nachhaltiger zu gestalten. Es geht auch
     darum, wie Menschen ihren christlichen Glauben als Motivation verstehen, sich zum
     Schutz des Planeten zu engagieren.

     Die Kurse führen wir bei Ihnen, bei uns oder online durch.
     Termine nach Absprache.
     Weitere Informationen: www.mission-21.org/kurse

16   begegnen 1 | 2022
Engagiert

«Ich möchte mich weiterbilden, damit
ich anderen Menschen helfen kann»
Abiud Dikasa aus Kinshasa in der Demokratischen Republik
Kongo ist gelernter Elektriker. Seit April 2019 arbeitet er auch

                                                                                                                                      Mission 21
ehrenamtlich als Jugendkoordinator Afrika für Mission 21.
Text: Jana Siebert, Mission 21

Die Begeisterung für seine Arbeit ist sogar         Die hohe Arbeitslosig-
über den Bildschirm spürbar, wenn man mit           keit und den Mangel an
Abiud Dikasa spricht. Der 31-Jährige hat viele      Arbeitsplätzen sieht er
Visionen und geht in seiner kirchlichen Arbeit      als die grösste Heraus-
gänzlich auf. Er ist Mitglied der Communauté        forderung für die Ju-
Evangelique du Kwango (CEK), Partnerkirche          gend der DR Kongo. Er
von Mission 21 in der DR Kongo. Als Jugend-         wünscht sich mehr Mög-
koordinator organisiert Abiud Aktivitäten für       lichkeiten zur Weiterbil-
junge Erwachsene und pflegt den Kontakt zu          dung: «Es gibt im Kon-
den anderen Partnerkirchen von Mission 21 in        go so viel ungenutztes
Afrika. Gemeinsam planen sie internationale         Land. Wenn die Men-
Jugendkonferenzen, Seminare und Projekte.           schen mehr Wissen zur
Aktuell entsteht in Kinshasa ein Jugendbüro, in     Landwirtschaft hätten,
dem Aus- und Weiterbildungsseminare veran-          könnten sie sich selbst
staltet werden sollen. Während der Pandemie         versorgen und hätten ein
hat Abiud mit seiner Jugendgruppe Schutzmas-        gutes Einkommen.»
ken für die Bevölkerung genäht.                        Er sieht nicht nur die
                                                    Regierung, sondern auch                             Abiud Dikasa, Jugendkoor-
Vorfreude auf Begegnungen in der Schweiz            die Kirche in der Verantwortung: «Ich möchte        dinator von Mission 21 in
                                                                                                        Afrika. Er lebt in Kinshasa
Die lange Zeit des Lockdowns sei schwer für ihn     mich selbst weiterbilden, um mein Wissen an
                                                                                                        in der Demokratischen
gewesen, sagt Abiud, aber er sieht in allem stets   andere weitergeben zu können.»                      Republik Kongo.
eine positive Seite: Die Beziehung zu seinen           Abiuds grosser Traum ist eine theologische
Freunden und seiner Familie ist enger gewor-        Ausbildung. Die Kirche sei zu sehr von der äl-
den. Sie haben ihm Halt gegeben.                    teren Generation geprägt und gebe der Jugend
   Nun freut er sich sehr auf die Teilnahme am      wenig Mitspracherecht. Die jungen Erwachse-
internationalen Jugendbotschaftsprogramm und        nen seien aber bereit, Verantwortung zu über-
am Youth Summit von Mission 21 in Davos und         nehmen, um Dinge zu verändern. Wenn Abiud
hofft, dass die Reise im Juni möglich sein wird.    Dikasa das sagt, glaubt man es ihm aufs Wort.

    «The future is now!»
    Der Youth Summit im Juni
    Junge Erwachsene aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa treffen
    sich zum Austausch über «Burning Issues» aus allen vier Kontinenten.
    Im Zentrum steht neben dem gegenseitigen Kennenlernen die Diskus-
    sion über die Herausforderungen von morgen und wie wir diese heute
    gemeinsam angehen. Die öffentliche Veranstaltung verspricht einen
    spannenden Austausch. Willkommen sind auch junge Erwachsene, die
    bisher nicht im Netzwerk von Mission 21 aktiv sind.

    Samstag, 11. Juni, 13 Uhr bis 18 Uhr,
    Pauluskirche, Bahnhofstrasse 9, Davos Platz                             Am Youth Summit lernen sich junge
    Infos/Anmeldung: young@mission-21.org und www.mission-21.org/young      Erwachsene aus vier Kontinenten kennen.

                                                                                                             begegnen 1 | 2022   17
Foto aus Diso: Adventures in Switzerland, Victoria 1952, S. 10   Ein Bild, eine Geschichte

                                                                                                                                                          Als Pastor Essoka im Juni 1951 in Basel an-
                                                                                                                                                       kam, erschrak er gleich über die unheimliche
                                                                                                                                                       Grösse des Missionshauses. In den folgenden
                                                                                                                                                       Monaten besuchte er mehr als 50 Kirchgemein-
                                                                                                                                                       den in der Schweiz und in Deutschland sowie
                                                                                                                                                       den Kirchentag in Berlin.
                                                                                                                                                          Was ihn in der Schweiz am meisten beein-
                                                                                                                                                       druckte, war die allgemeine Sauberkeit: «Die
                                                                                                                                                       Fussböden sind so sauber und glänzend wie
                                                                                                                                                       ein Spiegel und man muss aufpassen, dass man
                                                                                                                                                       nicht ausrutscht und zu Boden fällt». Auch die
                                                                                                                                                       Freundlichkeit in den Hotels und Läden hatte es
                                                                                                                                                       ihm angetan. Die Angestellten seien hilfsbereit,
                                                                                                                                                       egal, wer der Kunde sei.

                                                                                                                                                       Menschen als Teil einer Maschine
                                                                                                                                                       Ein Kapitel widmet Pastor Essoka der Bedeu-
                                                                                                                                                       tung der Zeit in Europa: «Die Tatsache, dass
                                                                                                                                                       fast alle eine Uhr am Handgelenk tragen, zeigt,
                                                                                                                                                       dass die Menschen Teil einer grossen Maschi-
                                                                                                                                                       ne sind, die nur dann gut läuft, wenn alle Räder
                                                                                                                                                       im Rahmen des grossen Ziels der Gemeinschaft
                                                                 Wie ein Korb an einem Stahlseil. Ein Foto von Pastor Essoka Disos Reise 1951.         reibungslos funktionieren. Verkehrsmittel,
                                                                                                                                                       Beginn und Beendigung der täglichen Arbeit,

                                                                 Pastor Essoka hält
                                                                                                                                                       Schulen und sogar das Familienleben folgen
                                                                                                                                                       einer strengen Routine. Die Menschen wissen,
                                                                                                                                                       was sie zu tun haben und warten nicht, bis man

                                                                 uns den Spiegel vor                                                                   es ihnen gesagt hat.»
                                                                                                                                                          Pastor Essoka war auch in den Bergen un-
                                                                                                                                                       terwegs: Gondeln schilderte er als Bahnkabi-
                                                                                                                                                       nen, die wie Körbe an einem Stahlseil hingen.
                                                                 Wie ein Besucher aus Kamerun die Schweiz in den 50er                                  Erstaunt war er über die Zoologischen Gärten,
                                                                 Jahren wahrnahm, erzählt uns das Buch von Peter Essoka                                in denen wilde Tiere in riesigen Käfigen gehal-
                                                                                                                                                       ten würden. Auch mit Schnee kam er in Berüh-
                                                                 Diso. Er beschrieb seine Reise-Eindrücke und zeigt uns                                rung und versuchte, ihn seinen Leserinnen und
                                                                 Bekanntes in neuem Licht.                                                             Lesern in Kamerun zu beschreiben: «Er ist eine
                                                                                                                                                       weisse, glänzende, weiche Substanz und lässt
                                                                 Text: Patrick Moser, Mission 21
                                                                                                                                                       die Hand fast gefrieren, so kalt ist er. Aber wenn
                                                                                                                                                       man ihn in der Hand behält, schmilzt er lang-
                                                                                                   «Adventures in Switzerland» – so lautet der         sam zu einem kleinen Tropfen reinen Wassers.»
                                                                                                   Titel eines dünnen Büchleins, das im Jahr 1952         Im Oktober 1951 verliess Pastor Essoka die
                                                                                                   in Kamerun erschien. Wer da so Abenteuer-           Schweiz und schrieb seine Erinnerungen auf:
                                                                                                   liches erlebt hatte, war Pastor Peter Essoka        Er wollte nicht nur über seine Erlebnisse berich-
                                                                                                   Diso, der ein Jahr zuvor als Präsident der Basler   ten, sondern «die Grösse der Werke Gottes auf
                                                                                                   Missionssynode in Kamerun durch Europa ge-          der ganzen Welt zeigen.» Es lohnt sich auch 70
                                                                                                   reist war. Ähnlich einem Ethnologen beschrieb       Jahre nach dem Erscheinen, einen Blick in sein
                                                                                                   er eine Welt mit ihren Verhaltensweisen, die        Büchlein zu werfen und zu sehen, welchen Spie-
                                                                                                   ihm sehr fremd vorgekommen sein muss.               gel uns Pastor Essoka vorhält.
                                                                                                                                                       Pastor Peter Essoka Diso: Adventures in Switzerland, Basel
                                                                                                                                                       Mission Treasury, Victoria Southern Cameroons, 1952

                                                                       Friends of the Archives
                                                                       Unser Archiv dokumentiert umfassend und in vielen Facetten mehr als 200 Jahre
                                                                       Missions- und Weltgeschichte. Menschen aus der ganzen Welt nutzen jedes Jahr
                                                                       unsere Bestände für ihre vielfältigen Forschungsfragen. Helfen Sie mit, das historische
                                                                       Kulturgut dieses einzigartigen Archivs zu bewahren und werden Sie Mitglied in
                                                                       unserem Gönnerclub «Friends of the Archives».
                                                                       Weitere Informationen: https://www.mission-21.org/forschungsarchiv

                                                                 18   begegnen 1 | 2022
Agenda

                  Wichtiger Hinweis zur ausserordentlichen Corona-Situation
                  Wir müssen unser Veranstaltungsangebot den Massnahmen zur Eindämmung
                  der Corona-Pandemie anpassen und je nach Situation flexibel reagieren.
                  Bitte informieren Sie sich vor Ihrem Veranstaltungsbesuch auf unserer Website
                  über allfällige Veränderungen: www.mission-21.org/agenda. Unsere Kurse können
                  sowohl online (als Webinare) als auch als Präsenzkurse stattfinden.

                                      33. Berner Werktag für Basararbeit                     heblichkeit? Ein Abend, der den Blick für
                                      Mittwoch, 9. März 2022, 8.45 Uhr bis 16 Uhr            die Verflechtungen von Religion, Kultur und
                                      Haus der Kirche, Altenbergstrasse 66, Bern             Dominanzansprüchen schärft.
                                      Am Werktag erhalten Sie Ideen für Ihre Basar-          Anmeldung: www.mission-21.org/agenda
                                      arbeit. Der Anlass steht allen Interessierten offen.
                                      Tagung inkl. Verpflegung: CHF 75.–. Reduzierter        Stadtgespräch:
                                      Beitrag für Mitarbeitende von Kirchgemeinden:          «Ein-Blick in die Lebensrealitäten anderer»
Miriam Glass

                                      CHF 50.–, zzgl. Materialkosten
                                                                                             Mittwoch, 8. Juni 2022, 14 Uhr bis 18 Uhr
                                      Weitere Informationen und Anmeldung:                   Martinskirche Chur
                                      Tel. 031 340 26 04, christof.hofer@mission-21.org      Frauen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und
                                                                                             Europa erzählen: von Macht, Widerstand, Mut und
                                      Fachtagung interreligiöse Friedensförderung            von Visionen für Gendergerechtigkeit weltweit. Ein
                                                                                             Erzählraum mit Musik, der zum Diskutieren einlädt.
                                      25. März 2022, 9.30 Uhr bis 17 Uhr, Hotel Odelya,
                                      Missionsstrasse 21, 4055 Basel/online über Zoom.
                                      Kunst kann eine Brücke zwischen Kulturen sein.         Internationale Missionssynode
                                      Jenseits von Klischees und Stereotypen themati-        Freitag, 10. Juni 2022, 9 Uhr bis 17.30 Uhr
                                      siert die Fachtagung, wie Kunst eingesetzt werden      Kongresszentrum Davos
                                      kann, damit sie Verständigung ermöglicht und zum       Die Missionssynode ist das höchste Entscheid-
                                      friedlichen Zusammenleben beiträgt.                    Gremium von Mission 21 mit Delegierten aus vier
www.bombasel.ch

                                      Anmeldung:                                             Kontinenten. Der Tag ist öffentlich und beinhaltet
                                      www.mission-21.org/fachtagung                          neben statutarischen Geschäften auch Vorträge
                                                                                             und Austausch zum Motto «Leben-heilen-teilen».
                                      Dialog International: «Anti-Rassismus in               Anmeldung: www.mission-21.org/agenda
                                      verschiedenen Religionen»
                                      Donnerstag, 28. April 2022, 18 Uhr bis 20 Uhr          Internationaler Youth Summit: «The future is now»
                                      Online-Veranstaltung via Zoom                          Samstag, 11. Juni 2022, 13 Uhr bis 18 Uhr
                                      Ein interreligiöses Gespräch zu Rassismus in Reli-     Pauluskirche, Bahnhofstrasse 9, Davos Platz
                                      gionen. Dabei ständig im Blick: wie Religionen eine    Junge Erwachsene aus Afrika, Asien, Lateiname-
                                      Ressource für Respekt sein können.                     rika und Europa treffen sich zum gegenseitigen
                                      Anmeldung: www.mission-21.org/agenda                   Kennenlernen und zum Austausch über «Burning
                                                                                             Issues» aus allen vier Kontinenten.
                                      Legate-Anlass                                          Anmeldung: young@mission-21.org
                                      Donnerstag, 19. Mai 2022, 10 Uhr bis 16 Uhr
                                      Missionsstrasse 21, 4055 Basel oder online             Begegnungstag an der Missionssynode
                                      Der Basler Anwalt Dr. Christoph Degen gibt In-         Samstag, 11. Juni 2022, 14.30 Uhr bis 17 Uhr
                                      formationen zu den Themen Testament/Legate/            Davos (Ort folgt online: mission-21.org/agenda)
                                      Nachlassplanung und beantwortet Fragen. Anwe-          Begegnung auf Augenhöhe: ein interkultureller
                                      send sind auch Ansprechpersonen von Mission 21.        Nachmittag mit den internationalen Delegierten
                                      Mit Archiv-Führung und Mittagessen.                    von Mission 21 in Davos.
                                      Information und Anmeldung:
zVg

                                      Tel. 061 260 22 28, stefanie.meier@mission-21.org      Missionsgottesdienst und Fest der Begegnung
                                                                                             Sonntag, 12. Juni 2022, 10.30 Uhr bis 17 Uhr
                                      Webinar: «Mission-Colonialism Revisited»
                                                                                             Kirche St. Johann, Davos Platz
                                      Donnerstag, 19. Mai 2022, 18 Uhr bis 20 Uhr            Ein feierlicher, festlicher und bunter Gottesdienst
                                      Online-Veranstaltung via Zoom                          beschliesst die Missionssynode 2022. Anschlies-
                                      War die Verbreitung des Evangeliums durch die          send: Fest der Begegnung mit «77 Bombay
                                      Missionen im 19. Jh. ein Akt der kulturellen Über-     Street» auf dem neuen Kulturplatz Davos.

                                                                                                                             begegnen 1 | 2022 19
Sie können auch lesen