2020 unigesellschaft.de - Münchener Universitätsgesellschaft

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2020 unigesellschaft.de - Münchener Universitätsgesellschaft
2020
9 9 . J AH RES B E RICH T

unigesellschaft.de
2020 unigesellschaft.de - Münchener Universitätsgesellschaft
»Als einer der ältesten und         »Eine der besten Universitäten        »Universitäten brauchen            »Ich möchte die MUG darin
     größten Fördervereine              Deutschlands kennen und             Unterstützung, um Best-           unterstützen, Gelegenheiten
   Deutschlands wollen wir             neue Facetten kennenlernen.          leistungen in Forschung          zu schaffen, die unsere Alum-
  ­Freiräume schaffen, Wege            Geschichte aufarbeiten, aber       und Lehre zu erbringen. Sie         ni mit unseren Studierenden
bahnen und Türen öffnen und            auch aktuelle Fragen unserer       brauchen den Austausch mit         und Forschenden zusammen-
den Stolz auf die LMU weiter-          Zeit zu Gesundheit, Medien,         der Zivilgesellschaft. Enga-      zubringen und dabei Innovati-
tragen, indem wir Wirtschaft,         Wasser oder den Klimawandel        gierte Stifterinnen und Stifter,    onen an der Schnittstelle zwi-
   Kultur und Wissenschaft              kritisch diskutieren. Das ist      Freundinnen und Freunde            schen Grundlagenforschung
      zusammenbringen.«                die Münchener Universitäts-        sind in der Gesellschaft von        und gesellschafts-relevanter
    Prof. Dr. Dr. Peter Höppe,           gesellschaft für mich. Für       Freunden und Förderern der              Anwendung fördern.«
          I. Vorsitzender             Alumni und Freunde der LMU          Ludwig-Maximilians-Univer-              Prof. Dr. Anke Friedrich
                                      fakultätsübergreifend agieren      sität München – kurz: unserer           Mitglied des Vorstands,
                                         und Mehrwert schaffen.«         Universitätsgesellschaft – seit     Department für Geo- und Umwelt-
                                              Thomas Loster,              1922 herzlich willkommen.«          wissenschaften Geologie, LMU
                                              I. Schriftführer,              RA Prof. Dr. Stefan Stolte,
                                         ehem. Geschäftsführer der               I. Schatzmeister,
                                          Münchener Rück Stiftung        Mitglied der Geschäftsleitung des
                                                                          Deutschen Stiftungszentrums

 »Die LMU München ist dank-
  bar für die langjährige und
kontinuierliche Unterstützung
durch die MUG, die durch ihre                                                                                 »Die Siemens AG verbindet
Zuwendungen eine Vielzahl an                                                                                   als Technologieunterneh-
  Projekten in Forschung und                                                                                 men eine lange Tradition mit
 Lehre erst möglich macht und         »Die Münchener Universitäts-                                           Universitäten in Deutschland.
für das universitäre Leben eine         gesellschaft ist in ihrer bald   »Jeder braucht Freunde! Auch        Dieser Tradition verpflichtet,
große Bereicherung darstellt.«        einhundertjährigen Geschichte        eine exzellente Universität!       ist es mir eine Ehre als Vor-
        Prof. Dr. Bernd Huber,            zu einem ganzheitlichen         Die Münchener Universitäts-         standsmitglied der Münche-
II. Vorsitzender, Präsident der LMU    Partner der Ludwig-Maximi-        gesellschaft ist ein Freund der      ner Universitätsgesellschaft
                                        lians-Universität geworden.        LMU und unterstützt sie vor        Forschung und Lehre in der
                                       Ihre Arbeit unterstützt nicht      allem dort, wo andere Förde-            Ludwig-Maximilians-
                                         nur unmittelbar die Berei-       rung nicht greift. So hilft sie       Universität zu fördern.«
                                         che der Wissenschaft und         der LMU, besondere Akzente                   Dr. Ralf Franke,
                                       Lehre, sondern leistet zudem         zu setzen, zum Beispiel im          Corporate Medical Director,
                                       nachhaltige Impulse für das       weiten Bereich des Studiums,            Corporate Vice President,
                                         gesellschaftliche Leben in       der Lehre und der Auszeich-            Leitung HR Environmental
                                            ­­­und um München.«           nung von Nachwuchswissen-          ­Protection, Health, Management
                                            Dr. Christoph Mülke,         schaftler/-innen. Als Professor          and Safety, Siemens AG
                                              II. Schriftführer,           der LMU arbeite ich auch in
                                        Vizepräsident für den Bereich      der MUG mit, um zu helfen,
                                            der Wirtschafts- und          diese Freundschaft ins Werk
                                        Personalverwaltung der LMU                  zu setzen.«
                                                                               Prof. Dr. Oliver Jahraus,
                                                                          II. Schatzmeister, Mitglied des
»Die Universitätsgesellschaft                                            Vorstands, Vizepräsident der LMU
  fördert insbesondere den                                                    für den Bereich Studium,
fakultäts- und generationen-                                               Lehrstuhl für Neuere deutsche
 übergreifenden Austausch.                                                      Literatur und Medien
  Davon, das ist meine feste
  Überzeugung, profitieren
nicht nur alle direkt Beteilig-
ten, sondern auch die Gesell-
      schaft als Ganzes.«
  Dr. Manuel Prinz von Bayern,
     Mitglied des Vorstands
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VORWORT            3

Liebe Mitglieder, Freunde und Freundinnen der
Münchener Universitätsgesellschaft!

Das Jahr 2020 war für uns alle ein sehr herausforderndes. Viele gewohnte Dinge waren
durch die verschiedenen Lockdowns und Vorsichtsmaßnahmen nicht möglich. Wir
mussten unsere privaten Verhaltensweisen aber auch unsere Arbeitsprozesse den
jeweiligen Bedingungen stark anpassen.
Sehr bedauert haben wir, dass wir eine nach der anderen geplanten Veranstaltung mit
unseren Mitgliedern absagen mussten. Sogar unsere Mitgliederversammlung konnte leider
nicht stattfinden. Die Mitgliederversammlung ist für den Vorstand und die Geschäfts­
führung immer eine tolle Gelegenheit, mit Ihnen, unseren geschätzten Mitgliedern, in
per­sönlichen Austausch zu treten.
Die Münchener Universitätsgesellschaft hat das Jahr 2020 aber auch gut genutzt, um in vie-
len Online-Treffen – sowohl im Vorstand aber auch in einzelnen Arbeitsgruppen – unsere
Gesellschaft noch besser aufzustellen. Wir haben ein neues, zeitgemäßes Logo entwickelt
und unser Leitbild geschärft. Über ein Briefwahlverfahren konnte der neue, breit aufge-
stellte Vorstand gewählt werden. Daneben haben wir selbstverständlich die Forschung
und Lehre an der LMU weiterhin in vielen Projekten unterstützt. Beispiele finden Sie in
diesem Jahresbericht. Ein ganz besonderes Förderprojekt war für uns die Unterstützung
von ­Studierenden, die wir in Zusammenarbeit mit dem Studentenwerk realisieren konnten.
Jetzt haben Studierende, die wegen fehlender Computer-Ausstattung oder eingeschränk-
tem Zugang zu Online-Angeboten der LMU, abgeschnitten waren, wieder einen Zugang zur
Lehre. Ich möchte allen unseren Mitgliedern herzlich danken, die spontan für diese Aktion
gespendet und uns damit die rasche Unterstützung ermöglicht haben.
Großen Raum nahmen im vergangenen Jahr die Planungen für den 100. Geburtstag unserer
Gesellschaft im nächsten Jahr 2022 ein. Um die Finanzierung einer Reihe herausragender
Jubiläumsveranstaltungen zu sichern, haben wir in einer groß angelegten Aktion unsere
Gründungsmitglieder und die heutigen Firmenmitglieder um Unterstützung gebeten. Die
Aktion war sehr erfolgreich. Dank vieler Sponsorings und Spenden haben wir nun eine
gesicherte Finanzierung für das Jubiläumsjahr. Wir können unsere Sichtbarkeit signifikant
erhöhen und neue Mitglieder und Förderer gewinnen. Mit einem breiten Spektrum von
Veranstaltungen hoffen wir, die verschiedenen Interessen unserer Mitglieder, aber auch
verschiedene Altersgruppen anzusprechen. So wird es nicht nur einen speziellen Studien-
tag des Seniorenstudiums geben. Wir planen einen „Science Slam“ für Studierende, die in
verschiedenen Disziplinen gegeneinander antreten können. An unserem großen wissen-
schaftlich ausgerichteten „Science Day“ mit vielen herausragenden Referenten/-innen
werden die größten Risiken unserer Zeit adressiert. Auch freuen wir uns auf ein Fest-
konzert des Universitätschors. Eine festliche Veranstaltung mit viel Prominenz im Alten
Rathaussaal wird ein weiteres Highlight. Dort wollen wir den Geburtstag unserer Gesell-
schaft gebührend feiern. Mehr Details zu den Veranstaltungen finden Sie schon in diesem
Jahresbericht und dann auch auf einer speziellen Jubiläums-Website. Ich hoffe, viele von
Ihnen bei ­unseren Veranstaltungen begrüßen zu können.
Wir wünschen uns sehr, dass wir im Laufe dieses Jahres wieder mit Präsenzveranstal­
tungen beginnen können und wir vor allem Sie auch wieder bei unserer Mitgliederver-
sammlung persönlich begrüßen können. Für das nächste Jahr, unser Jubiläumsjahr, sind
wir sehr optimistisch. Wir meinen, dass es uns möglich sein wird, die geplanten Veran­
staltungen für Sie, aber auch potenzielle neue Mitglieder in vollen Sälen durchzuführen
zu können. Darauf freue ich mich schon sehr.
Bitte bleiben Sie zuversichtlich, ich denke Ihre Münchener Universitätsgesellschaft
­befindet sich auf einem sehr guten Weg in eine erfolgreiche Zukunft.

Professor Dr. Dr. Peter Höppe
1. Vorsitzender des Vorstands der Münchener Universitätsgesellschaft e.V.
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4   INHALT

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INHALT                    5

                                                               02 Vorstand
                                                               03 Vorwort
                                                               06 Bericht des Präsidenten

                                                               FÖRDERUNGEN
                                                               08	Feministische Bewegungen in München
                                                               11	Philosophische Tagung – Aufklärung, Vernunftkritik
                                                                  und Wirklichkeit
                                                               12	Studierendenexkursion nach Australien
                                                               14	Geschütze DNA durch TDG: Eine Frage der Taktik
                                                               16	Tansania – Ein Land im Wandel
                                                               20	
                                                                  Offene Diskussion über die Auswirkungen digitaler
                                                                  Technologien im Herzen Chinas

                                                          26
                                                               22	
                                                                  Lernen auf Guadeloupe und Dominica – Verwundbarkeit,
                                                                  Resilienz und ­Nachhaltigkeit
                                                               24	Die historischen Bücherbestände der judaistischen
                                                                  Fächergruppen – Restaurierung und Provenienzerfassung
                                                               26	
                                                                  Tempel Amenophis' III. von Wadi es-Sebua: lost and found

                                                          16
                                                               28	
                                                                  Tagung am Graduiertenkolleg – The Political Uses of Literature
                                                               31 Abschlussbericht des SoDoc Workshop 2020 am Lehrstuhl
                                                                  für Sozialpsychologie
                                                               32	
                                                                  Auslandssemester – Internationale Mobilität in Zeiten der
                                                                  Corona-Pandemie

                                                               VERANSTALTUNGEN /
                                                               AUSSERORDENTLICHE FÖRDERUNGEN
                                                               34	
                                                                  LMU Einblicke! • Führung durch das Philologicum
                                                                  • Über eine Führung durch den ­Botani­schen Garten

                                                               36	Botanisches Institut – Die Rekonstruktion der Dachziervasen
                                                               37	Codex Maximilianeus Bavaricus Civilis
                                                               38	Die Corona Lectures im WS 2020/21
                                                               39	Der Notfallfonds zur Teilnahme an der digitalen Lehre der LMU
                                                               40	Zwei Semester digitale Lehre am Zentrum Seniorenstudium
                                                               41	Die Vortragsreihe „Munich History Lecture“
                                                               42	Zentrum Seniorenstudium • Studium Generale
                                                               44	Gentherapie-Forschung an der Augenklinik der LMU München
                                                               46	Stiftungsfest und Förderpreise 2020
                                                               49	Lehre@LMU
                                                               50 LMU aktuell • Einsichten • MünchnerUni Magazin
                                                               51 Deutschlandstipendium
                                                               52	
                                                                  Im Zeichen der Hundert – Die Münchener Universitäts­
                                                                  gesellschaft feiert 2022 ihr Jubiläum

Aktuelle und ausführliche Informationen rund um die
Münchener Universitätsgesellschaft finden Sie, liebe
                                                               INTERNA
Mitglieder und Interessierte, unter                            54 Mitgliederversammlung 2020
www.unigesellschaft.de
                                                               55 Impressum
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www.unigesellschaft.de/Newsletter                              56	Jubiläumsmitglieder • Neueintritte
                                                               58	Verwendung der Mittel • Kassenbericht 2020
                                                               60	Zukunft vererben. Spuren hinterlassen.
                                                               61	Merkblatt für Anträge, Satzung, Beitrittserklärung
                                                               63	Vorstand
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6                 BERICHT DES PRÄSIDENTEN

Die Ludwig-­Maximilians-Universität 2020/2021
von PROF. DR. BERND HUBER

Im aktuellen Jahresbericht für die Münchener Universitäts-
gesellschaft blicken wir auf ein Jahr zurück, das durch die
Corona-Pandemie gekennzeichnet war und uns vor sehr
große Herausforderungen gestellt hat.
Es ist dem außerordentlichen Engagement von unseren Studie-
renden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wie auch
von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Verwaltung und
Technik zu verdanken, dass es in den zurückliegenden zwei Se-
mestern gelungen ist, Forschung und Lehre trotz aller Einschrän-
kungen aufrechtzuerhalten. Die Umstellung auf virtuelle Lehrfor-
mate hat das Studierendenleben in gravierender Weise verändert
und das in einer Situation, in der viele durch Pandemie und
Lockdown in existenzielle Nöte gebracht wurden. Auch hier hat
die Universität gemeinsam mit verschiedenen Unterstützenden
versucht, schnelle und unbürokratische Hilfe zu leisten.

An dieser Stelle möchte ich auch der Universitätsgesellschaft für
die Unterstützung von Studierenden in Problemlagen danken.

Auch wenn wir das vergangene Jahr im weitgehend digitalen
Modus gut gemeistert haben, wünschen wir uns doch alle                      »Die ausgezeichneten
wieder einen universitären Betrieb mit Präsenzveranstaltungen
und persönlichen Begegnungen. Aufgrund der andauernden                  ­Rankingergebnisse der LMU
Pandemie wird jedoch aller Voraussicht nach auch das Sommer-           sind nicht nur Gradmesser für
semester wieder zu großen Teilen virtuell stattfinden müssen.
Sobald das Infektionsgeschehen und die rechtlichen Rahmen-             kontinuierlichen wissenschaft-
bedingungen Ausweitungen des Präsenzbetriebes zulassen,
werden wir diese Möglichkeiten in enger Absprache mit den
                                                                        lichen Erfolg, sondern erhal-
Fakultäten prüfen und entsprechend umsetzen.                             ten das weltweite Interesse
Doch trotz der Pandemie ist die Zeit an der LMU nicht stehen            von Studierenden an unserer
geblieben. Die Umsetzung der Ideen aus dem im Rahmen der                    ­Universität aufrecht.«
Exzellenzstrategie von Bund und Ländern prämierten Konzept
LMUexcellent – A New Perspective ist in vollem Gange. Darüber
hinaus konnte das erfolgreiche Tenure-Track-Modell der LMU
durch die Einwerbung von Mitteln im Rahmen des Bund-
Länder-­Programms zur Förderung des wissenschaftlichen Nach-
wuchses nochmals zusätzlich gestärkt werden. Mit der durch
die bayerische Landesregierung aufgesetzten Hightech Agen-
da ­Bayern hat sich eine weitere Tür für den zukunftsfähigen
Ausbau unserer Universität geöffnet. Im Rahmen der Hightech         Forschungsallianz im Bereich der Quantenwissenschaften, die
Agenda werden an der LMU 54 neue Professuren in unterschied-        von der Bayerischen Landesregierung, der LMU, der TUM, der
lichen Wissenschaftsgebieten eingerichtet. Hinzu kommen             Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der Fraunhofer
15 Professuren, die sich speziell auf das Feld der Künstlichen      Gesellschaft und der Max-Planck-Gesellschaft ins Leben gerufen
Intelligenz und deren Anwendungen in den unterschiedlichen          wurde. Ziel ist es, München zu einem weltweit führenden Stand-
Disziplinen fokussieren. Um diesen Ausbau möglichst zukunfts-       ort für Quantenforschung zu machen. Der Freistaat Bayern stellt
fähig zu gestalten, wurde im vergangenen Jahr ein Strategie-        hierfür in den nächsten Jahren insgesamt rund 300 Millionen
prozess eingeleitet, in dessen Rahmen alle 18 Fakultäten einen      Euro zur Verfügung.
Entwicklungsplan für die nächsten Jahre erarbeitet haben, der
in das Zukunftskonzept der Universität eingebettet ist.             Dieser und alle anderen Erfolge unserer Universität sind, das
                                                                    kann man nicht oft genug betonen, Ergebnisse der Leistungen
Die Fakultätskonzepte erschließen auch wissenschaftliche            unserer ausgezeichneten Wissenschaftlerinnen und Wissen-
Zukunftsfelder. Beispielhaft hierfür steht die Gründung des         schaftler. So konnten im vergangenen Jahr erneut vier presti-
Munich Quantum Valley, das am 4. März 2021 feierlich er-            geträchtige und hoch dotierte Advanced Grants des European
öffnet wurde. Dabei handelt es sich um eine gemeinsame              Research Council (ERC) gewonnen werden, neben sechs ERC
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BERICHT DES PRÄSIDENTEN                     7

Consolidator Grants, sechs ERC Starting Grants und einem Proof       Universitätsnetzwerks „EUGLOH – European University Alliance
of Concept Grant, die ebenfalls an die LMU gingen. Auch bei der      for Global Health“, das die LMU seit 2019 mit den U
                                                                                                                       ­ niversitäten
Einwerbung von Drittmitteln der Deutschen Forschungsgemein-          Paris-Saclay, Lund, Porto und Szeged bildet. Die Angebote
schaft (DFG) ist die LMU weiterhin äußerst erfolgreich. Derzeit      werden kontinuierlich ausgebaut, pandemiebedingt aktuell vor
liegt die Sprecherschaft von 13 Sonderforschungsbereichen und        allem das virtuelle Kursprogramm. Zudem hat das Netzwerk
Transregio-Verbünden der DFG an der LMU, bei weiteren 30 die-        unter der Federführung der LMU erfolgreich zusätzliche Förder­
ser großen Forschungsverbünde sind wir als Partner beteiligt.        mittel der EU für das Teilprojekt „EUGLOHRIA“ (European Alli-
Dazu kommen zahlreiche Forschergruppen, Graduiertenkollegs           ance for Global Health – Transformation through joint Research
und Schwerpunktprogramme.                                            and Innovation Action) einwerben können, um gemeinsame
                                                                     Forschungsaktivitäten zu finanzieren.
Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben des
Weiteren eine Vielzahl an Preisen und Auszeichnungen erhal-          Ich darf Ihnen zudem berichten, dass die LMU nicht nur perso-
ten, deren Aufzählung hier tatsächlich den Rahmen sprengen           nell und wissenschaftlich, sondern auch baulich weiter wächst.
würde. Die Spannweite reicht vom renommierten Schader-Preis          So wurde der Neubau der Umwelt- und Geowissenschaften
für Gesellschaftswissenschaften der Schader-Stiftung über den        in der Schillerstraße bewilligt. Hierdurch wird einerseits eine
Baron Preis für wissenschaftliche Exzellenz bis hin zu zahlrei-      zeitgemäße Infrastruktur für Forschung und Lehre an dieser
chen fachwissenschaftlichen Medaillen und Mitgliedschaften.          Fakultät geschaffen, andererseits ermöglicht die Bündelung der
Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass der Nobelpreisträger         Institute mit den geowissenschaftlichen Staatssammlungen und
für Physik 2020, Herr Prof. Dr. Reinhard Genzel, und auch sein       dem „Forum für Geowissenschaften“ ganz neue Wege für die
Kollege und Gewinner des Gottfried Wilhelm Leibniz-Preises,          wichtige Wissensvermittlung an eine breite Öffentlichkeit. Ein
Herr Prof. Dr. Volker Springel, beide Honorarprofessoren an          weiterer wichtiger Schritt wird der Neubau der Pathologie und
unserer Fakultät für Physik sind.                                    Anatomie der Tierärztlichen Fakultät sein, dessen Finanzierung
                                                                     nunmehr durch den Landtag freigegeben ist, und der einen
Als Ergebnis all dieser herausragenden Leistungen ist die LMU        zentralen Bestandteil der Fortentwicklung des Campus Ober-
im World University Ranking des Times Higher Education (THE)         schleißheim der LMU darstellt. Von ähnlich großer Tragweite
Magazins auch im Jahr 2021 die bestplatzierte deutsche Uni-          ist die Wahl der Siegerentwürfe für den Neubau des Klinikums
versität. Weltweit liegt die LMU wie im Vorjahr auf Platz 32,        Großhadern, der die Modernisierung des Uniklinikums der LMU
in Europa auf Platz 8. Betrachtet man nur Kontinentaleuropa,         wesentlich voranbringen wird.
liegt die LMU nach der ETH Zürich sogar auf dem zweiten Platz.
Die ausgezeichneten Rankingergebnisse der LMU sind nicht             Sie sehen, die LMU tut – mit der kontinuierlichen Unterstützung
nur Gradmesser für kontinuierlichen wissenschaftlichen Erfolg,       des Freistaats – alles, um ihren Studierenden wie auch ihren
sondern spielen vor allem auch eine Rolle, wenn es darum geht,       Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ausgezeichnete
das weltweite Interesse von Studierenden an unserer Universität      Rahmenbedingungen und beste Voraussetzungen für Studium
aufrecht zu erhalten.                                                und Forschung zu bieten. Dass wir hierfür auch weiterhin auf
                                                                     Ihre großzügigen Spenden und Zuwendungen bauen dürfen,
Die Studierendenmobilität und die Zusammenarbeit inner-              dafür danke ich Ihnen von Herzen. Ich hoffe, Sie bleiben gesund
halb Europas zu erhöhen, ist auch das Ziel des Europäischen          und der LMU auch in Zukunft gewogen!

                                                   Studierende vor dem Hauptgebäude der LMU am Geschwister-Scholl-Platz.
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8                 FÖRDERUNGEN

                       »In Bezug auf feministische Errungen­schaften
                      und Gleichberechtigung gibt es in dieser Zeit sehr
                         unterschiedliche Gesellschaftsdiagnosen.«

                         EIN DIGITALES FORSCHUNGS- UND AUSSTELLUNGSPROJEKT

                   Feministische Bewegungen
                          in München
                                        von DR. BIRGIT ERBE und DR. MIRIAM GUTEKUNST

Die Rede ist von einem Backlash und einer Retraditio­nalisierung
der Geschlechterverhältnisse – gerade in Zeiten der Pandemie
(Allmen­dinger 2020), von einem postfeministischen Zeitalter im
Sinne einer Phase der vermeintlich erreichten Gleichberechti-
gung, in der Femi­nismus nicht mehr benötigt werde (McRobbie
2010), von einer Neoliberali­sierung des Feminismus, wodurch
dieser im Mainstream angekommen, jedoch seines emanzipa­
torischen Anliegens beraubt wurde (Rottenberg 2018).
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FÖRDERUNGEN
                                                          9

Grafik: Carina Müller und Marisa Müller von studio mllr
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10                FÖRDERUNGEN

                                                                VERNISSAGE AM 13. MÄRZ 2021
                                                                Zur Ausstellung: www.feministisch-veraendern.de
                                                                Kontakt: info@feministisch-veraendern.de
                                                                Projektleitung: Dr. Birgit Erbe und Dr. Miriam Gutekunst
                                                                Projektteam: Simone Beigel, Theresa Brunnhuber,
                                                                Enea Cocco, Helena Eisenburg, Felix Gaillinger,
                                                                Georg G­ ampenrieder, Ilona Gerdom, Elena Höck Ciprés,
                                                                Anna Klaß, Michaela Kugler, Laura Lefèvre, Noreen
                                                                ­Osterlehner, Alina Siewert, Kerstin Thost, Elena Zendler.

                                                                    verortet sind. Jedoch sind ihre Diskurse keineswegs münchen­
                                                                    spezifisch, sondern reichen weit über Stadt- und Landesgren-
                                                                    zen hinaus. Das Kaleidoskophafte der Auswahl kommt auch in
                                                                    der Gestaltung der Online-Ausstellung zum Tragen: Die Räume
Zu beobachten sind außerdem sowohl ein Erstarken trans­             stehen gleichberechtigt nebeneinander und ordnen sich bei
nationaler feministischer Bewegungen als auch ein weltweiter        jedem Besuch neu an.
gesellschaftlicher Rechtsruck (Wichterich 2003), der sich so-       Diese Online-Ausstellung ist nicht nur ein Beitrag zur Zeitdia­
wohl durch einen offen artikulierten Antifeminismus als auch        gnose und Beforschung von Aktivismus und sozialen Bewegun-
durch die Vereinnahmung feministischer Anliegen für rassis-         gen, sondern auch selbst eine feministische Intervention: Denn
tische und nationalistische Politiken zeigt (Hark/Villa 2017).      Erinnerungspolitik passiert ebenfalls innerhalb von Geschlech-
All diese Tendenzen sind vorhanden und zeugen von einer             ter-Machtverhältnissen (Maurer 2009). Mit der Thematisierung
Gleichzeitigkeit widersprüchlicher gesellschaftlicher Entwick-      und Dokumentation feministischer Mobilisierung und Bewe-
lungen. Der Ausgangspunkt dieses Forschungs- und Ausstel-           gungserfahrungen erhöhen wir nicht nur deren Sichtbarkeit,
lungsprojekts war deshalb die Frage, wie sich die genannten         sondern schreiben ansonsten marginalisierte Erfahrungen in
gesellschaftlichen Tendenzen und Herausforderungen in               das „gesellschaftliche Gedächtnis“ mit ein. Es bleibt jedoch
konkreten lokalen Räumen, Kämpfen und Debatten feminis-             die Aufgabe, die Pluralität der feministischen Initiativen weiter
tischer Akteur/-innen zeigen und im Alltag ausgehandelt und         zu dokumentieren und zu beforschen. Zu nennen wären zum
bearbeitet werden. Dabei konzentrierten wir uns im Rahmen           Beispiel die Praxis des Frauenstreiks, die 2019 in München von
des Masterstudiengangs Empirische Kulturwissenschaft und            einigen Initiativen und Gruppen wiederbelebt wurde, die Kämp-
Europäische Ethnologie der LMU München in Kooperation mit           fe von geflüchteten Frauen, der Aktivismus von sozialistischen
der Frauenakademie München beispielhaft auf München: Wel-           Feministinnen oder von Schwarzen Frauen in der Black Lives
che feministischen Bewegungen, Initiativen und Gruppen gibt         Matter-Bewegung, aber auch darüber hinaus.
es gegenwärtig in der Stadt, wie gestaltet sich ihre politische     Die Texte der Ausstellungsräume sind bewusst in einer zugäng­
Praxis und was bedeutet für sie Feminismus?                         lichen Sprache gehalten. Wer mehr über die Bezüge zwischen
In der Zeit von Sommer 2020 bis Frühjahr 2021 entstand daraus       den Beispielfeldern, die übergreifenden Themen, die theore-
die digitale Ausstellung FEMINISTISCH VERÄNDERN: Räume,             tischen Überlegungen sowie die Einordnung in größere zeit­
Kämpfe und Debatten in München. Die von den Studierenden            historische und räumliche Kontexte erfahren möchte, findet
ausgewählten und ethnografisch untersuchten Beispielfelder          dazu Erläuterungen in der Rubrik „Themen und Bezüge“.
sind vielfältig und spannungsreich: Sie reichen von Protest         Wir möchten uns ganz herzlich bei der Münchener Universitäts­
und Bewegungsalltag aktivistischer Gruppen wie Ni Una M    ­ enos   gesellschaft bedanken, ohne deren finanzielle Förderung die
Munich, Slutwalk, catcallsofmuc und der Anti-sexistischen           Umsetzung der digitalen Ausstellung nicht möglich gewesen
Aktion München (ASAM) über Initiativen für mehr Sichtbar-           wäre.
keit und Wertschätzung von Care-Arbeit, dem politischen
Engagement von Frauen mit Behinderung und Praktiken eines           Literatur: Allmendinger, Jutta (2020): „Frauen werden entsetzliche Retraditionali­
                                                                    sierung erfahren“. In: Anne Will, Sendung am 03.05.2020 bei ARD. Das Erste.
feministisches Online-Magazins bis hin zu profeministischer         https://daserste.ndr.de/annewill/Frauen-werden-entsetzliche-Retraditionalisierung-­
Jungenarbeit, feministischen Interventionen in der Techno­          erfahren,videoimport31586.html (01.03.2021) Hark, Sabine/Villa, Paula-Irene (2017):
                                                                    Unterscheiden und Herrschen. Ein Essay zu den ambivalenten Verflechtungen von
szene und den Strategien von Unternehmensgründerinnen               Rassismus, Sexismus und Feminismus in der Gegenwart. Bielefeld. Maurer, Susanne
für ökonomische Selbstständigkeit. Gleichwohl stellen sie nur       (2009): Gespaltenes Gedächtnis? – „1968 und die Frauen“ in Deutschland. In:
                                                                    L'Homme 20(2), S. 118-128. McRobbie, Angela (2010): Top Girls. Feminismus und der
einen Ausschnitt des breiten und vielschichtigen Feldes von         Aufstieg des neoliberalen Geschlechterregimes. Wiesbaden. Rottenberg, Catherine
                                                                    (2018): The Rise of Neoliberal Feminism. Oxford. Wichterich, Christa (2020): Die
Akteur/-innen und aktuellen Feminismen in München dar.              neue feministische Welle: Brücken bauen, Kämpfe verbinden. In: Blätter für deut-
Vorgestellt werden vergleichsweise junge Initiativen, die lokal     sche und internationale Politik 3/2020, S. 67-72.

Institut für Empirische Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie, Oettingenstraße 67, 80538 München, Dr. Miriam Gutekunst,
Tel. +49 89 2180 3679, m.gutekunst@lmu.de, www.ethnologie.uni-muenchen.de
FÖRDERUNGEN                       11

                                                PHILOSOPHISCHE TAGUNG

                     Aufklärung, Vernunftkritik
                         und Wirklichkeit
                                                  von PD Dr. Michael Bastian Weiß

                                                                                           Prof. Dr. Günter Zöller
                                                                                           spricht über „Aufklärungen
                                                                                           über Aufklärungen“.

Dass das Denken die eine Sache sei, die Realität aber eine           Grassieren von Verschwörungsideologien etwa erscheint in
andere, ist eine Binsenweisheit, der nicht nur der Philosoph         dieser Analyse förmlich antizipiert. In diesem Kontext absenter
fast täglich begegnet.                                               Aufgeklärtheit deckte Marcus Willaschek (Goethe-Universität
Für den späten Immanuel Kant war der damit implizierte Vor-          Frankfurt) eine frappierende Übereinstimmung heutiger und
wurf so prekär, dass er ihm in seiner Schrift „Über den Gemein-      historischer Diskurse auf, die sich am medizinethischen Beispiel
spruch: Das mag in der Theorie richtig sein, aber nicht für die      des Impfens zeigt. Zu Unrecht wird Kant als Impfgegner bezeich-
Praxis“ mit dem Aufweis konkreter Verbindungsmöglichkeiten           net und ideologisch vereinnahmt, indem man seine partikulare
konstruktiv begegnete. Bisweilen ist es jedoch die Geschichte        Skepsis falsch verallgemeinert. Konsistent mit seinem Denken
selbst, die ungeahnte Übergänge zwischen Reflexion und Wirk-         wäre es, wissenschaftlichen Fortschritt epistemologisch und
lichkeit herstellt.                                                  ethisch zu prüfen und gegebenenfalls, von einer freien Öffent-
In den letzten Wochen des Jahres 2019 fand im inspirierenden         lichkeit kontrolliert, durchzusetzen.
Ambiente der Carl Friedrich von Siemens Stiftung in München ei-      Scheint somit bereits umrisshaft das Kant´sche Systemganze
ne Tagung statt, deren Diskussionen sich im Nachgang teilweise       auf, wurde diese Totale durch die Überlegungen von Paul Guyer
geradezu prophetisch ausnehmen. Das hätte der Titel „Aufklä-         (Brown University) zum religiösen Pluralismus bei Kant und
rung über Aufklärung“ nicht unbedingt vermuten lassen. Aus           Mendelssohn weiter vervollständigt. Einen Ausblick auf die
Anlass des 65. Geburtstags von Günter Zöller hatten vier Schüler     Nachfolger Kants leistete Marco Ivaldo (Universität Neapel),
des langjährigen Münchner Universitätsprofessors international       indem er die Grundlinien der Transzendentalphilosophie Fichtes
renommierte Fachkollegen eingeladen, um über die „Aktualität         ins Hier und Jetzt verlängerte. Kant und Fichte gehören zu den
der klassischen deutschen Philosophie“ zu sprechen (Organi­sa­       zentralen Forschungsinteressen des Widmungsträgers dieser
tion: Dr. Manja Kisner, Dr. Giampiero Basile, Dr. Ansgar Lyssy,      Tagung, Günter Zöller (LMU München), dem es auch vorbehalten
PD Dr. Michael Bastian Weiß, alle München).                          blieb, in seinem Vortrag „Aufklärungen über Aufklärungen“ den
Als die Vorträge von einer erfreulich großen Hörerschaft disku-      Rahmen für die gemeinsame philosophische Arbeit zu eröffnen.
tiert wurden, war noch nicht abzusehen, dass wenige Wochen           Was solchermaßen methodologisch prinzipiell vorbereitet wur-
später eine virale Naturkatastrophe zu weltweiten Verwerfungen       de, zeichnete sich, in den gemeinsamen Gesprächen lebendig
führen – und Präsenzveranstaltungen wie diese für längere Zeit       weitergedacht, am Ende ergebnishaft ab: Aufklärung ist nicht
verunmöglichen würde. Die Leitfrage, ob wir in einer aufgeklär-      ein Projekt, das als abgeschlossen gelten kann. Vielmehr muss
ten Epoche leben, hatte sich aber tagungsintern und damit ante       der kritisch reflektierte und selbstreflektierte Vollzug autonomer
pandemiam als ihrerseits virulent abgezeichnet. So machte der        Vernunft fortlaufend und neu aktualisiert werden: theoretisch
Vortrag von Birgit Recki (Universität Hamburg) über die Wech-        wie praktisch, denkend und realitätskonstituierend.
selbeziehungen von Aufklärung und Vernunftkritik bei Kant            Dafür, dass die Teilnehmenden dieser Tagung zu dieser ­Aufgabe
sowohl Potential als auch Insuffienz menschlicher Rationalität       einen gemeinsamen Beitrag leisten konnten, möchten die
sichtbar. Denn Kant erkennt an, dass auch eine aufgeklärte Ver-      Ver­anstalter der Münchener Universitätsgesellschaft einen
nunft strukturellen Täuschungen unterliegen kann, die sie nicht      ­herzlichen Dank aussprechen, die das Projekt in großzügiger
vermeiden, wohl aber selbst reflektieren kann. Das aktuelle           Weise finanziell unterstützt hat.

Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft, Lehrstuhl für Philosophie II. Geschwister-Scholl-Platz 1,
80539 München, PD Dr. Michael Bastian Weiß, Tel. +49 89 2180 2488, www.aufklaerung2019.philosophie.uni-muenchen.de
12                    FÖRDERUNGEN

                       Teilnehmende der Exkursion Australien

                          »Prozesse des raum- und b
                                                  ­ austrukturellen ­Wandels
                           wurden in Sydney im Stadtteil ­Wooloomooloo in
                               ­Verbindung mit Gentrification sichtbar.«

                          Studierendenexkursion
                             nach Australien
                                                 (NEW SOUTH WALES UND VICTORIA)

                                                               von DR. ROBERT LEINER

Urban renewal:
­Sydney Green Square
FÖRDERUNGEN                    13

                                                                                Blue Mountains National Park

Blick auf Sydney Royal Botanic Gardens

Die Bundesstaaten New South Wales und Victoria standen             des UON Upper Hunter, einer Niederlassung der University
auf dem Programm der großen Exkursion nach Australien,             of Newcastle in Muswellbrook machte deutlich, wie eine
die im September 2019 von der Lehr- und Forschungsein-             ­Bildungseinrichtung dazu beitragen kann, den ökonomischen
heit für Wirtschaftsgeographie durchgeführt wurde.                  Transformationsprozess von einer rohstoffbasierten Ökonomie
Unter dem Leitthema „Nachhaltige Raumentwicklung“ waren             hin zu einer wissensbasierten Ökonomie zu fördern. Zahlrei-
siedlungsstrukturell sehr unterschiedliche Räume im Osten des       che Aspekte der Tourismusforschung wurden anschließend im
australischen Kontinents Gegenstand der inhaltlichen Betrach-       Blue Mountains National Park sowie in den Snowy Mountains
tung. Ausgangspunkt der Route war die global city Sydney. Am        vertieft.
Beispiel unterschiedlicher Projekte des urban renewal konnte        Der Zwischenstopp in Australiens Hauptstadt Canberra war
nachvollzogen werden, wie die Stadt und der Großraum Sydney         den Themen Stadtplanung und nachhaltige Stadtentwicklung
mit den Anforderungen eines hohen Bevölkerungszuwachses             gewidmet. Die Studierenden konnten dort das räumliche Ergeb-
der gesamten Metropolregion umgehen. Prozesse des raum-             nis und die räumlichen Strukturen einer nach dem Prinzip der
und baustrukturellen Wandels wurden in Sydney im Stadtteil          Funktions­trennung angelegten Stadt „erfahren“.
­Wooloomooloo in Verbindung mit Gentrification sichtbar.            Die nächsten Zielpunkte der Exkursion waren Phillip Island
 Mehrere Termine bei unterschiedlichen Abteilungen der Stadt-       und die östlich davon gelegene Region um Wonthaggi. Wäh-
 planung in Sydney gaben zudem einen fundierten Einblick in die     rend auf Phillip Island die touristische Entwicklungsstrategie
 Verfügbarkeit und Nutzung empirischer Daten zur Stadtentwick-      dieser Destination diskutiert wurde, konnte in Wonthaggi eine
 lung in Sydney sowie zur Zielsetzung und Vorgehensweise der        der weltweit größten Meerwasserentsalzungsanlagen besichtigt
 strategischen Stadtentwicklungsplanung.                            werden. Diese dient der Sicherstellung der Wasserversorgung
 Von Sydney aus führte die Exkursionsroute nach Norden bis zur      im Großraum Melbourne. Die Einbindung dieses Großprojektes
 Stadt Newcastle. Diese Stadt verfügt über den größten Hafen an     in das Landschaftsbild und die Renaturierung der umgebenden
 der australischen Ostküste, der gleichzeitig auch der weltweit     Flächen wurden im Rahmen einer dreistündigen Begehung in
 größte Exporthafen für Kohle ist. Neben Themen der Industrie-      Augenschein genommen. Naturrisiken wie Küstenerosion und
 geographie standen in Newcastle die Themen urban renewal,          Buschfeuer waren weitere Themen in der ländlichen Region
 Central Business District (CBD) development und smart city         ­um Phillip Island und Wonthaggi.
 und auf dem Programm. Landnutzungskonflikte zwischen dem            Den Abschluss der Exkursion bildete der Aufenthalt in
 Kohle-Tagebau und dem Weinanbau waren ein zentrales Thema,          ­Melbourne und umfasste neben Themen der Stadtentwicklung
 das im weiteren Verlauf der Route durch das Hunter Valley näher      auch eine Besichtigung der University of Melbourne. Dabei
 betrachtet wurde.                                                    wurde u. a. die Bedeutung Australiens als international renom-
 In der mining town Muswellbrook wurden dann die Heraus-              mierter Studien- und Forschungsraum insbesondere für den
 forderungen und die Strategie der künftigen regionalwirt-            asiatisch-pazifischen Raum erläutert.
 schaftlichen Entwicklung angesprochen, die mit dem Wunsch            Für die Förderung von der Münchener Universitätsgesellschaft
 nach einer stärkeren Diversifizierung der Wirtschaft in einer        möchten wir uns im Namen der Studierenden nochmals ganz
 vom Kohle­abbau geprägten Region einhergehen. Der Besuch             herzlich bedanken.

Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie und Tourismusforschung, Luisenstraße 37, 80333 München
Dr. Robert Leiner, Tel. +49 89 2180 4047, r.leiner@lmu.de, www.geographie.uni-muenchen.de
14                 FÖRDERUNGEN

                 DYNAMIK IN THYMIN-DNA-GLUKOSYLASE (TDG) DURCH NMR-SPEKTROSKOPIE

                          Geschütze DNA durch TDG:
                            Eine Frage der Taktik
                                           von DR. PETRA ROVÓ

 Röntgenstruktur der
­Thymin-DNA-Glykosylase
 in Wechselwirkung mit
 der DNA (PDB: 5HF7).

                              »Fehler sind menschlich, aber schon ein
                            kleiner Fehler kann spielentscheidend sein.
                            Gerade wenn es um Leben und Tod geht, tun
                              wir fast alles, um Fehler zu vermeiden.«
FÖRDERUNGEN                15

In unserer DNA sind wichtige Erbinformationen festgelegt,
die bestimmen, wie sich jede einzelne Zelle entwickelt und
was sie tut.
Wenn diese wichtigen Informationen in unserem Körper abge-
schrieben werden, um neue DNA zu produzieren, kann jeder
Fehler fatale Auswirkungen haben. Es entstehen Mutationen,
die verschiedene Krankheiten, wie Krebs auslösen können,
wenn sie nicht ständig korrigiert werden. Darum haben sich
komplexe Reparaturmechanismen entwickelt, um die Stabi-
lität unser DNA zu garantieren. Im ersten Schritt erkennen
dabei DNA-Glykosylasen falsche Basenpaare, sogenannte
mismatches, und schneiden die fälschlicherweise eingebaute
Base aus dem DNA-Strang. Eine DNA-Polymerase kann darauf
hin an der Leerstelle die passende richtige Base einbauen.
DNA-Glykosylasen sind auf Grund ihrer elementaren Funktion
ein mögliches Angriffsziel (drug target) für Wirkstoffe. Ein
tiefergehendes Verständnis der Strukturen und Mechanismen
von DNA-Glykosylasen ermöglicht die gezielte Suche nach
Medikamenten, die wirken, indem sie mit Glykosylasen genau         13
                                                                     C-markierte Glukose ist der Hauptbestandteil zur
definiert wechselwirken.                                           Herstellung von Protein-NMR-Proben.
In unserer Forschung wollen wir die Arbeitsweise des Pro-
teins Thymin-DNA-Glukosylase (TDG) besser verstehen. TDG
erkennt, wenn anstelle von Cytosin fälschlicherweise Thymin
mit Guanin ein Basenpaar gebildet hat. Dafür wandert TDG
den DNA-Strang entlang und flippt jeweils eine Base aus jeder
Basenpaarung nacheinander in seine aktive Tasche und prüft
dort, ob es eine ‘mismatched‘ Base ist. Ähnlich wie bei einem
Schloss, dass sich nur mit dem passenden Schlüssel öffnet,
entfernt TDG eine Base nur, wenn in der aktiven Tasche ein
mismatched Thymin erkannt wurde. Bisher ist der genaue
­Mechanismus von TDG noch nicht aufgeklärt. Es gibt zwar
 viele hochaufgelöste Strukturen des Proteins, doch diese zei-
 gen nur ein statisches Bild. Es ist so, als würde man bei einem
 Fußballspiel nur die Startaufstellung sehen und müsste dar-
 aus dann den Spielverlauf vorhersagen. Dadurch lässt sich nur
 eine gröbere Vorstellung entwickeln, wie TDG arbeitet. Um ein           Apparate für Festkörper-NMR-Rotoren.
 wirklich tiefgehendes Verständnis zu entwickeln, brauchen
 wir Einblicke in die Dynamik und Bewegung, die auf atomarer
 Ebene stattfindet.
 Computersimulationen der Molekular-Dynamik können dabei
 erste wertvolle Hinweise geben. Dabei muss allerdings immer
 beachtet werden, dass Computersimulationen mit vielen
 Vereinfachungen arbeiten. Daher sollten Ergebnisse aus Com-       mehrtätige Zuordnungsexperimente mit Proben des Proteins,
 putersimulationen immer mit Messwerten aus Experimenten           die über die gesamte Messzeit stabil bleiben müssen. Es ist
 verglichen werden und mit Hilfe dieser immer weiter optimiert     nicht trivial, ein Protein über längere Zeit in hoher Konzen-
 werden. Hochaufgelöste Magnet-Resonanz-Spektroskopie              tration in Lösung zu halten. Darum arbeitet unsere Arbeits­
 (NMR) ist dabei die einzige Methode, die mit speziell dafür       gruppe daran, systematisch nach hinreichend stabilisierenden
 designten Experimenten auf atomarer Ebene die Messung             Messbedingungen für NMR-Experimente mit TDG in Lösung
 von Bewegung erlaubt. Es kann dabei gemessen werden, wie          zu suchen. Mit einer erfolgreichen Untersuchung der Dyna-
 schnell sich einzelne Atome relativ zum Rest des Proteins         mik von TDG mit NMR-Methoden hoffen wir, einen wertvollen
 ­bewegen. Das ermöglicht, ähnlich einer Taktiktafel beim Fuß-     Beitrag leisten zu können, um den Mechanismus von TDG
  ball, wichtige Bewegungen nachzuvollziehen und so im Detail      aufzuklären.
  den Mechanismus zu begreifen.                                    Wir bedanken uns herzlich für die Förderung durch die
  Um die Dynamik eine Proteins mit NMR-Spektroskopie zu            ­Münchener Universitätsgesellschaft, die es uns ermöglichte,
  messen, müssen die gemessenen Signale den jeweiligen Ato-         13
                                                                       C-­markierte Glukose zu kaufen, die verwendet wurde, um eine
  men im Protein zugeordnet werden. Das erfordert aufwendige       NMR-aktive Form von TDG für Strukturstudien herzu­stellen.

Fakultät für Chemie und Pharmazie, Department Organische Chemie, Butenandtstraße 5-13, 81377 München
Dr. Petra Rovó, Tel. +49 (0)89 2180-77652, petra.rovo@lmu.de, www.rovolab.org
16                   FÖRDERUNGEN

Tansania ist mit einem
aktuellen Bevölkerungs-
wachstum von 3,0 %,
­eines der am schnellsten
 ­wachsenden Länder der
  Welt. Der stetig ­steigende
  Bedarf an ­Ressourcen, vor
  allem Land und Wasser,
  ­verschärft die ­Konflikte
   zwischen Mensch
   und ­Natur.

Kilimanjaro in der Abendsonne.
Blick von Süden. Im Vordergrund
­Kaffee- und Bananenpflanzen,
 die vom Volk der Chagga seit Gene­
 rationen dort kultiviert werden.
FÖRDERUNGEN              17

Capacity Building: Erfolgreiche Teilnehmende des Fernerkundungs-Workshops an der ARDHI Universität in Dar es Salaam.

  VOM INDISCHEN OZEAN DURCH DIE SAVANNE BIS ZU DEN REGENWÄLDERN
             DER USAMBARA BERGE UND DES KILIMANJAROS

                Tansania –
           Ein Land im Wandel
            von DR. CHRISTOPH HEINZELLER, DR. ROSWITHA STOLZ und PD DR. TOBIAS HANK
18                    FÖRDERUNGEN

                                                                                                   »Der Klimawandel
                                                                                                  und die damit immer
                                                                                                  häufiger auftretenden
                                                                                                 Extremwetterereignisse
                                                                                                     verstärken die
                                                                                                      Landflucht.«

                                                                                           Getreide soweit das Auge reicht. Auf der Simba-Farm am
                                                                                           Westrand des Kilimanjaros, dort wo der Wald in die Steppe
                                                                                           übergeht, wird Braugerste für den lokalen Markt angebaut.

Die Exkursionsleitung v. l. n. r.: Tobias Hank, Roswitha Stolz und Christoph Heinzeller.

Der Klimawandel und die damit immer häufiger auftreten-                           und sonst nicht von Touristen besuchte Stadtviertel führte. Bei
den Extremwetterereignisse, wie Dürren und Überschwem-                            einem Tagesausflug in das Marine Reserve von Sinda-Island er-
mungen, setzen die überwiegend von der Landwirtschaft                             fuhren die Teilnehmenden, wie es um den marinen Lebensraum
abhängige Bevölkerung Tansanias zunehmend unter Druck                             an der ostafrikanischen Küste bestellt ist und welche Probleme
und verstärken die Landflucht.                                                    beispielsweise durch Überfischung und die Einleitung von Ab-
Krankheiten, wie AIDS oder Malaria, erschweren das Leben der                      wässern entstehen. Im Zuge einer geplanten Capacity-Building-­
Menschen vor Ort. Trotz all dieser Probleme sind die Tansa-                       Maßnahme fand ein zweitägiger Fernerkundungs-Workshop mit
nier/-innen weit über die Grenzen ihres Landes hinaus bekannt                     Studierenden der ARDHI-University in DAR statt. Dabei lag die
für ihre Offenheit und Gastfreundschaft. Noch immer verfügt                       Betonung auf der Vermittlung von Methoden zur Umweltfern­
Tansania über eine atemberaubende Naturlandschaft, die man                        erkundung, wie sie an der LMU gelehrt werden.
an Orten wie der Serengeti, den Usambara Bergen, dem Kiliman-                     Auf dem Weg in die Usambara Berge besuchten die Studie-
jaro oder auf der Insel Sansibar bewundern kann. Im Span-                         renden eine der Trinkwasserversorgungsanlagen von Dar es
nungsfeld des globalen Wandels liefert Tansania der Geographie                    Salaam. Hier wurden die Anforderungen und Probleme beim
als Wissenschaftsdisziplin zahlreiche Forschungsthemen und                        Betrieb von I­ nfra­struktureinrichtungen im tropischen Klima
bietet damit auch zukünftigen Geographen/-innen eine ein-                         deutlich. In der abgelegenen Region der Usambara Berge stand
malige Chance der Fort- und Weiterbildung im Rahmen ihres                         das Thema Landwirtschaft in kleinbäuerlichen Strukturen im
Studiums. Dr. Christoph Heinzeller und seine Kollegen/-innen                      Vordergrund. Mehrere Gemeinden, in denen einheimische und
Dr. Roswitha Stolz und PD Dr. Tobias Hank, führten eine Gruppe                    ausländische NGOs erfolgreiche Projekte zum Thema Auffor-
von 12 Geographiestudenten/-innen der LMU auf der großen                          stung, nachhaltiges Landmanagement und Trinkwasserversor-
Exkursion 2019 nach Tansania.                                                     gung umsetzen, lagen auf der Reiseroute.
Die Exkursion startete in Dar es Salaam (DAR). Zuerst besuch-                     Im Kontrast zu den kleinbäuerlichen Betrieben standen die
ten die Teilnehmenden die Niederlassung der Gesellschaft für                      Machare Kaffeefarm sowie die Zuckerrohrplantagen von TPC
internationale Zusammenarbeit (GIZ), die seit Jahrzehnten                         in Moshi. Auf einer eintägigen Wanderung im Bananen-­Kaffee-­
erfolgreiche Projekte der Entwicklungszusammenarbeit in den                       Gürtel des Kilimanjaros sowie beim Besuch einer landwirt-
Sektoren Wasser, Gesundheit und Politikberatung leitet und                        schaftlichen Kooperative südlich von Moshi hatten die Studie-
koordiniert. Das Stadtgebiet erkundeten die Studierenden bei                      renden zahlreiche Möglichkeiten mit einheimischen Bauern zu
einer eintägigen Fahrradexkursion, die sie auch in abgelegene                     sprechen.
FÖRDERUNGEN                         19

                                                                                                     Ein Hot-Spot der Biodiversität:
                                                                                                     Der tropische Regenwald der
                                                                                                     Usambara Berge.

                         Exursionsteilnehmende in einem Wadi in der Region des Lake-Chala,
                         östlich des Kilimanjaros an der Grenze zu Kenia.

In sehr guter Erinnerung blieb auch der Besuch der Simba-Farm         an anderer Stelle aber auch sehr detaillierten und vor allem
am westlichen Rand des Kilimanjaros, wo europäische Farmbe-           unverfälschten Einblick in die mannigfaltigen Probleme und
sitzer seit Generationen auf riesigen Flächen Getreide anbauen        Konflikte des Landes Tansania, das sich trotz des rasanten
und mit den großen Viehherden der umherziehenden Massais              und unaufhaltsamen Wandels, ein Stück seiner Einzigartigkeit
um die Ressource Land konkurrieren.                                   bewahrt hat.
Mit der Exkursion erhielten die Studierenden des Master-Stu-          Wir danken der Münchener Universitätsgesellschaft für die
diengangs Geographie einerseits einen sehr umfangreichen,             finanzielle Unterstützung der Exkursion.

Fakultät für Geowissenschaften, Department für Geographie, Lehrstuhl für Geographie und geographische Fernerkundung
Luisenstraße 37, 80333 München, Dr. Christoph Heinzeller, Tel. +49 89 21806672, christoph.heinzeller@lmu.de
www.geographie.uni-muenchen.de/department/fiona
20       FÖRDERUNGEN

                      »Erlebnisse wie die lückenlose
                    technologische Observierung der
                    Bevölkerung im öffentlichen und
                    ­privaten Bereich demonstrierten
                   die Relevanz offener, unabhängiger
                          Forschung zu digitalen
                             Technologien.«

                             FORSCHUNG ZU DIGITALEN RÄUMEN

         Offene Diskussion über die
     Auswirkungen digitaler Technologien
             im Herzen Chinas
                                       von DR. JOSCHKA MÜTTERLEIN

                  Digitale Technologien schaffen neue Räume, z. B. für verteilte Zusammenarbeit.
FÖRDERUNGEN                                21

                                                                    Dr. Joschka Mütterlein                 Dr. Christoph Fuchs

                                                                    Ein Hauptbeitrag ihrer Arbeit liegt in der Herausarbeitung der
                                                                    zwei eingangs genannten Formen von digitalen Räumen und
                                                                    der Zuordnung vorheriger Studien aus unterschiedlichsten
                                                                    Disziplinen zu kohärenten Strängen. Auf diese Weise zeigen
                                                                    die Autoren, welche übergreifenden Themen sich identifizieren
                                                                    lassen und welche künftigen Arbeiten in diesem Forschungsfeld
                                                                    nötig sind.
                                                                    Die PACIS ist neben der ICIS, ECIS, HICSS und AMCIS eine der
                                                                    fünf renommierten internationalen Konferenzen der Wirt-
                                                                    schaftsinformatik und fand bereits zum 23. Mal statt. Neben
                                                                    Grundlagenarbeiten wie der von Mütterlein und Fuchs kamen
                                                                    aktuelle Themen zur Sprache, die sich offen und kritisch auch
Spannender Kontrast zum Konferenz-­Geschehen:                       um Datenschutz und Privatsphäre drehten – bemerkenswert
Die Terrakotta-Armee in Xi‘an.                                      angesichts des Veranstaltungsortes im Herzen Chinas, an dem
                                                                    kulturelle Schätze wie die Terrakotta-­Armee und modernste
                                                                    Überwachungstechnik koexistieren. Erlebnisse wie der von
                                                                    einem Scoring-System abhängige Zugang zum Fernverkehr oder
Online Meetings in Zoom, remote Zusammenarbeit in                   die lückenlose technologische Observierung der Bevölkerung
Microsoft Teams, virtuelle Kooperationen aus dem Home­              im öffentlichen und privaten Bereich ließen das auf sichere digi-
office hinweg über örtliche, zeitliche und kulturelle Gren-         tale Plattformen abstellende Konferenz­thema in einem anderen
zen – spätestens zu Beginn der Corona-Pandemie hat sich             Licht erscheinen und demonstrierten die Relevanz offener,
gezeigt, wie relevant digitale Räume für das Funktionieren          unabhängiger Forschung zu digitalen Technologien.
moderner Organisationen sind.                                       In diesem spannenden Umfeld freuten sich die beiden Nach-
Solche digitalen Räume existieren zum einen in einer m­ ateriell    wuchswissenschaftler ganz besonders über die Einladung, ihre
manifestierten Form, beispielsweise in der Gestaltung von           Forschung zusätzlich beim Paper Development Workshop des
Arbeitsplätzen. Digitale Räume können aber auch auf einer ab-       Management Information System Quarterly (MISQ) präsentieren
strakten Ebene betrachtet werden, z. B. durch die über digitale     und mit dessen Editor-in-Chief Andrew Burton-Jones weitere
Technologien geschaffenen Verbindungen bei den Mitgliedern          Schritte zur Publikation besprechen zu dürfen.
von Arbeitsgruppen.                                                 Sowohl kulturell als auch inhaltlich war die Teilnahme an der
Entsprechende Forschung gibt es bereits seit über zwei Jahr-        PACIS daher ein ungemein bereicherndes Erlebnis, das ohne
zehnten in verschiedenen Fachrichtungen, etwa Management,           die finanzielle Unterstützung der Münchener Universitätsge-
Geografie oder Psychologie. Eine erste umfassende und systema-      sellschaft nicht möglich gewesen wäre. Hierfür sind die Autoren
tische Übersichtsarbeit zu digitalen Räumen präsentierten nun       überaus dankbar.
Dr. Joschka Mütterlein und Dr. Christoph Fuchs bei der ­Pacific
Asia Conference on Information Systems (PACIS) in Xi‘an, China
im Juli 2019 dank finanzieller Unterstützung der Münchener
                                                                    Die Publikation wurde zwischenzeitlich in ihrer ursprünglichen Form im Tagungs-
Universitätsgesellschaft. Beide waren zu diesem Zeitpunkt           band veröffentlicht und ist zu finden unter https://aisel.aisnet.org/pacis2019/126/
                                                                    (Zitation: „Mütterlein, J., & Fuchs, C. (2019): Digital Technologies and Their Influence
­wissenschaftliche Mitarbeiter an Prof. Dr. Thomas Hess‘ Institut   on Spaces. Proceedings of the 23rd Pacific Asia Conference on Information Systems
 für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien der LMU München.         (PACIS), 8th-12th of July, Xi’an, China“).

Fakultät für Betriebswirtschaft, Institut für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien, Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München
Dr. Joschka Mütterlein, +49 89 2180 6390, joschka@muetterlein.com, www.wim.bwl.uni-muenchen.de
22   FÖRDERUNGEN

                        MÜNCHENER MASTER-STUDIERENDE DER GEOGRAPHIE
                            LERNEN AUF GUADELOUPE UND DOMINICA

               Verwundbarkeit, Resilienz
                  und ­Nachhaltigkeit
                                          von PROF. DR. JÜRGEN SCHMUDE

                   Die Exkursion war als komparative Studienreise konzipiert und analysierte die
                   Verwundbarkeit und Resilienz beider Inseln unter Berücksichtigung ihrer natürlichen
                   und historischen Rahmenbedingungen (z. B. Klima oder Kolonialzeit).

                                                                                                         Foto: Wikimedia / Filo gèn' Dégats Ouragan Maria (Aprés son Passage)
FÖRDERUNGEN                23

Damit stand das Thema Nachhaltigkeit im Zentrum des Interesses      hier behandelten Themen stellten zum einen Bezüge und Ver-
                              »Insbesondere der Hurrikan
der Exkursion. Entsprechend der „drei Säulen der Nachhaltig-
keit“ wurden ausgewählte Wirtschaftssektoren (z. B. Agrar- und
                                                                    gleiche zu Guadeloupe her, zum anderen wurden ausgewählte,
                                                                    für diese Insel spezifische Aspekte berücksichtigt. So wurde auch

                                Maria hat große Teile der
Tourismuswirtschaft), gesellschaftlich relevante Bereiche (z. B.
Sozialsysteme und Bildungssektor) sowie ökologische Themen
                                                                    auf Dominica die Bedeutung der Hauptstadt Roseau für die Insel
                                                                    untersucht (z. B. wirtschaftlich) und ihre Entwicklungsmöglich-
(z. B. im Rahmen des Desaster- und Recovery-Managements)            keiten (z. B. durch Kreuzfahrttourismus) mit Vertreter/-innen
                              Inselinfrastruktur zerstört.«
auf beiden Inseln behandelt. Auf Grund der auf beiden Inseln
sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart sehr un-
                                                                    der Politik diskutiert. Bei diesem und allen weiteren behandel-
                                                                    ten Themen spielten die Folgen des tropischen Sturms Erika
terschiedlichen Rahmenbedingungen (z. B. historisch, politisch      (2015) und des Hurrikans Maria (2017) eine zentrale Rolle, da
und gesellschaftlich) konnten die Studierenden viele im Hörsaal     insbesondere das zweite Wirbelsturmereignis große Teile der
gelernte Theorien und Modelle in der Praxis erleben.                Inselinfrastruktur (z. B. Gebäude oder Straßen) zerstört hat. Der
Die erste Woche der Studienreise konzentrierte sich auf die         Recovery-Prozess wurde am Beispiel ausgewählter Gemeinden
Insel Guadeloupe, einer ehemaligen französischen Kolonie, die       (z. B. Mero) und Unternehmen (z. B. Jungle Bay Resort) analy-
seit 1946 als Überseedépartement integraler Bestandteil des         siert. Weitere Themen auf Dominica, das sich selbst als „Nature
französischen Staates ist und somit der EU angehört. Damit          Island“ vermarktet, beschäftigten sich mit den Nationalparks
ist die Insel z. B. im Rahmen von EU-Programmen förderfähig.        und dem Naturschutz am Beispiel von UNESCO-Welt-Naturerbe­
Eine Sonderrolle hinsichtlich ihrer funktionalen Bedeutung und      stätten (z. B. Emerald Pool und Cabrits National Park) sowie
Entwicklung nimmt die auf der Insel wichtigste Stadt Pointe-­à-     dem Spannungsfeld von Tourismus und Tierschutz am Beispiel
Pitre ein, die de jure nicht Hauptstadt Guadeloupes ist, aber in    der Walpopulation an der Westküste der Insel. Schließlich war
vielerlei Hinsicht wichtigstes Zentrum. Neben der Stadtentwick-     ein weiterer Höhepunkt der Exkursion die Begegnung mit der
lung wurden in Pointe-à-Pitre u. a. auch die Entwicklung und        indigenen Bevölkerung (Kalinagos) und ihrer sozialen, politi-
Probleme des Kreuzfahrttourismus untersucht. Im Bereich der         schen und ökonomischen Situation. So konnte die Gruppe für
Agrarwirtschaft spielten insbesondere die ökonomischen und          zwei Tage in einer Kalinago-Familie an deren täglichem Leben
ökologischen Auswirkungen der Zucker- (Gardel) und Rum-             teilnehmen.
produktion sowie der Bananenwirtschaft eine zentrale Rolle.         Alle auf der Exkursion behandelten Themen wurden von den
Weitere Schwerpunkte der ersten Exkursionswoche bildeten die        Studierenden in Form von Vorträgen vor der Studienreise auf
Beschäftigung mit dem Nationalpark und dem Küstenschutz             Basis der einschlägigen Literatur aufbereitet. Die theoretischen
am Beispiel der Mangroven und des Regenwaldes sowie die             und methodischen Grundlagen wurden in einem Vorbereitungs-
Aus­einandersetzung mit der Entwicklung des klassischen Bade­       seminar erarbeitet, die praxisorientierten Ausführungen, die
tourismus (tourisme bleu) vor dem Hintergrund einer zuneh-          in der Regel mit Beispielen vor Ort belegt wurden, während der
menden Bedeutung des naturorientierten Tourismus (tourisme          Studienreise präsentiert, so dass eine anwendungsbezogene
vert). Die Behandlung dieser Themen wurde stets mit Besuchen        Vertiefung der behandelten Themen vorgenommen werden
von Unternehmen (z. B. Bananenplantage) und Einrichtungen           konnte. Im Nachgang zur Studienreise haben die Studierenden
(z. B. Université des Antilles) sowie Diskussionen mit einschlä­    jeweils einen wissenschaftlichen Beitrag über „ihr“ Thema
gigen Experten/-innen verbunden.                                    angefertigt, die in einem Buch veröffentlicht wurden.
Die zweite Woche konzentrierte sich auf die ehemals britische       Die Teilnahme der Studierenden an der „Großen Exkursion Guade-
Kolonie Dominica, die erst seit dem Jahr 1978 selbständig ist und   loupe – Dominica“ wurde im Jahr 2019 dankenswerterweise von
dem karibischen Wirtschaftsverbund CARICOM angehört. Die            der Münchener Universitätsgesellschaft finanziell unterstützt.

Unterbringung der Exkursionsgruppe bei einer Kalinago-­             Beispiel einer durch Hurrican Maria im Jahr 2017
Familie auf Dominica am Rande des Regenwaldes.                      zerstörten Immobilie auf Dominica.

Department für Geographie, Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie und Tourismusforschung, Luisenstrasse 37, 8033 München
Prof. Dr. Jürgen Schmude, Tel. +49 89 2180 4070, j.schmude@lmu.de, www.geographie.uni-muenchen.de
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