Caritas - Vertrauen leben. Vertrauen lernen. Vertrauen schaffen.

Die Seite wird erstellt Nicolas Hahn
 
WEITER LESEN
Caritas - Vertrauen leben. Vertrauen lernen. Vertrauen schaffen.
Caritas
             Diözese St. Pölten

Vertrauen leben.
Vertrauen lernen.
Vertrauen schaffen.
             Jahresbericht
             2018 Wir >Ich
Caritas - Vertrauen leben. Vertrauen lernen. Vertrauen schaffen.
Inhalt
    Rückblick 2018 ......................................................................... 4
    Familie und Pflege ...................................................................... 6
    youngCaritas.............................................................................. 12
    Sozialberatung.Nothilfe ............................................................. 14
    PfarrCaritas................................................................................ 16
    Menschen mit Behinderungen .................................................. 18
    Menschen mit psychischen Erkrankungen............................... 22
    Club Aktiv................................................................................... 24
    Berufliche Integration................................................................. 26
    Auslandshilfe ............................................................................. 28                                       Solidarität und
    Freiwilligenarbeit ....................................................................... 32
    Fundraising Highlights .............................................................. 33                                             Nächstenliebe –
    Wirtschaftliche Lage 2018 und Ausblick 2019.......................... 34
    Dienste und Hilfen ..................................................................... 38
                                                                                                                                         darauf kommt es an
    Organigramm ............................................................................ 39
    Einkaufen & Stöbern.................................................................. 40
    Inserate ..................................................................................... 41

                                                                                                                                         Vor Ihnen liegt unser Jahresbericht 2018. Er zeigt einen        Dieses große Engagement wärmt unsere Gesellschaft.
                                                                                                                                         Ausschnitt unserer Angebote und Aktivitäten des ver-            Der Einsatz gibt Menschen Perspektive und Hoffnung

    Hinweis zu „Leichter Lesen“                                                                                                          gangenen Jahres. Inhaltlich orientiert sich dieser Jahres-
                                                                                                                                         bericht an dem, was wir als Caritas bewirken möchten:
                                                                                                                                                                                                         und das sichere Gefühl, nicht vergessen zu sein. Gerade
                                                                                                                                                                                                         weil es uns miteinander gut geht, dürfen wir nicht ruhen,
                                                                                                                                         Vertrauen leben, Vertrauen lernen, Vertrauen schaffen.          wenn es auch bei uns Menschen gibt, denen es schlecht
    Barrierefreiheit ist der Caritas ein wichtiges Anliegen. Damit alle Menschen                                                                                                                         geht. Solidarität und Nächstenliebe – darauf kommt es
    (auch Menschen mit Behinderungen, Menschen mit Lernschwäche,                                                                         Die Caritas hat die Aufgabe, Menschen in schwierigen            an.
    Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit geringer Lesekompetenz)                                                             Lebenssituationen zu beraten, zu begleiten und zu
    Texte in unserem Jahresbericht lesen können, haben wir diese                                                                         unterstützen. Sie sieht sich als Anwältin für alle, die unter   Vieles in der Caritas wäre ohne Spenderinnen und
    in Leichter Lesen (A2-Niveau) verfasst. Diese Texte sind mit dem Vermerk                                                             sozialer Ungerechtigkeit leiden. Ihre Arbeit ist getragen       Spender sowie Sponsorinnen und Sponsoren nicht
    „Text in leichter Sprache“ gekennzeichnet.                                                                                           von den Grundsätzen des Evangeliums, vom Glauben                möglich. Dafür möchte ich mich sehr herzlich bedanken!
                                                                                                                                         an die Würde jedes Menschen, von Vergebungs- und                Mein Dank gilt ebenso allen öffentlichen Stellen, den
                                                                                                                                         Versöhnungsbereitschaft als Ausdruck der Gottes- und            Subventions- und Fördergeberinnen auf Landes- und
                                                                                                                                         Nächstenliebe.                                                  Bundesebene, denn ohne ihre Unterstützung könnten
                                                                                                                                                                                                         wir viele Dienste nicht anbieten. Unsere Caritas ist in den

    Impressum                                                                                                                            Im Jahr 2018 haben rund 4.800 Freiwillige und über 2.000
                                                                                                                                         hauptberufliche MitarbeiterInnen wertvolle und hoch
                                                                                                                                                                                                         vergangenen Jahrzehnten gewachsen und hat sich den
                                                                                                                                                                                                         Veränderungen und Herausforderungen gestellt. Mit
    Medieninhaber und Herausgeber:
    Caritas der Diözese St. Pölten                                                                                                       professionelle Arbeit in der Caritas St. Pölten geleistet.      Ihnen allen an unserer Seite werden wir unseren Weg
    3100 St. Pölten, Hasnerstraße 4                                                                                                      Dieses gemeinsame Engagement stärkt vielen Menschen             fortsetzen, Caritas als gelebte Mitmenschlichkeit und
    T 02742 844-0, F 02742 844-180
    info@caritas-stpoelten.at | www.caritas-stpoelten.at
                                                                                                                                         den Rücken und gibt ihnen eine neue Lebensperspektive:          Nächstenliebe zu leben!
    www.facebook.com/CaritasStPoelten                                                                                                    Mehr als 800 Menschen mit Behinderungen haben in
    Caritas St. Pölten Aktuell
                                                                                                                                         Caritas-Werkstätten eine sinngebende Arbeit gefunden.
    Datenschutzbeauftragter: Peter Mossgöller
                                                                                                                                         Knapp 500 davon begleiten wir zusätzlich in unterschied-

                                                                                                        Spendenkonto:
    Spendenkonto: Raiba St. Pölten                                                                                                       lichen Wohnformen.
    IBAN: AT28 3258 5000 0007 6000
    BIC: RLNWATWWOBG                                                                                                                     Rund 3.000 Menschen mit psychischen Beeinträchtigun-
    Spendenhotline: 02742 844-455                                                                                                        gen wurden von unserem PsychoSozialen Dienst betreut,
    Redaktion: Leitung: Petra Riediger-Ettlinger
    Mitarbeit: Simone Modelhart, Erich Pfaffenbichler, Christoph Stieber,
                                                                                                        IBAN: AT28 3258 5000 0007 6000   1.757 Personen mit Suchtproblemen sowie ihre Angehö-
    Renate Baier, Peter Mossgöller, Anita Thür, Kerstin Kienberger
    Für den Inhalt verantwortlich: Christoph Riedl                                                      BIC: RLNWATWWOBG                 rigen fanden Hilfe. Unglaubliche 644.702 Einsatzstunden
    Grafik und Design: Roland Jedenastik                                                                                                 haben die MitarbeiterInnen in der Hauskrankenpflege und         Hannes Ziselsberger
    Anzeigenredaktion: Michele Kirchweger                                                                                                Heimhilfe geleistet. 6.995 Menschen konnte durch die            Caritas-Direktor der Diözese St. Pölten
    Fotos: Franz Gleiß, Karl Lahmer, Simone Modelhart
    Druck: Gradwohl Melk
                                                                                                                                         Sozialberatung.Nothilfe in sozialen und finanziellen
    P.b.b. Erscheinungsort: Verlagspostamt St. Pölten                                                   www.caritas-stpoelten.at         Notlagen geholfen werden.

2                                                                                                                                                                                                                                                                      3
Caritas - Vertrauen leben. Vertrauen lernen. Vertrauen schaffen.
Rückblick 2018
                                                                         Start der Caritas-Haussammlung 2018
                                                                         Unter dem Motto „helfen>wegschauen“ wurde am 17. Mai
                                                                         die landesweite Haussammlung mit Caritas-Direktor Hannes
                                                                         Ziselsberger, Pfarrer Hans Lagler und Landesrätin Christiane
                                                                         Teschl-Hofmeister sowie Haussammlerin Marianne Kreutner im
                                                                         Schloss Pöggstall gestartet. Mehr als 4.000 Haussammlerinnen
                                                                         und Haussammler klopften im Juni an über 100.000 Türen in
                                                                         der Diözese St. Pölten. Im Jahr 2018 hat diese Aktion für Men-
    500 Luftballons für Kinder in Not                                    schen in Not in Niederösterreich 854.000 Euro eingebracht. Die
    Zum Start der Caritas-Kinderkampagne „Träume>Tränen“ für             Spenden aus der Caritas-Haussammlung werden ausschließ-
    notleidende Kinder in Krisenregionen ließen Caritas-Direktor         lich für Projekte in Niederösterreich verwendet.
    Hannes Ziselsberger, der Direktor der Pastoralen Dienste Jo-
    hann Wimmer sowie Caritas-Bereichsleiter Christoph Riedl im
    Jänner gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern am                    Wachaumarathon für Menschen in Not
    St. Pöltner Rathausplatz Luftballons mit Wünschen steigen.           Zufrieden und dankbar bilanzierte die Caritas der Diözese
    Um auf die Armut und deren Auswirkungen auf Kinder auf-              St. Pölten die Charity-Partnerschaft mit dem Wachaumarathon
    merksam zu machen, zogen rund 100 SchülerInnen aus dem               2018. Angefeuert wurden die LäuferInnen am Charitypoint von
    Mary-Ward-Gymnasium und dem BORG in St. Pölten durch                 Caritas-Bereichsleiter Christoph Riedl, den DJs Johannes Kopf
    die Innenstadt von St. Pölten und ließen am Rathausplatz 500         und Helmut Niessl, Caritas-Direktor Hannes Ziselsberger, Berfin
    Luftballons mit Kärtchen starten. Auf die Kärtchen schrieben         Sönmez, Simone Modelhart, Alexandra Zehetner und Lukas
    die SchülerInnen Wünsche und Träume für Kinder in Not. Die           Steinwendtner. In Summe konnten 4.655 Euro für armutsgefähr-
    Caritas St. Pölten unterstützt allein 21 Projekte in Albanien,       dete bzw. von Armut betroffene Familien in Niederösterreich
    darunter auch das Straßenkinderzentrum EDEN in Tirana.               gesammelt werden.
                                                                         Zu diesem Ergebnis haben die Spenden-Glocke powered by
                                                                         Salomon auf der Strecke, das Einsammeln nicht mehr benötig-
                                                                         ter Laufkleidung bei den Starts und der Caritas-Stand bei der
                                                                         EXPO, wo T-Shirts der vorangegangenen Wachaumarathons
    40 Jahre Betreuen und Pflegen                                        gegen eine Spende ausgegeben wurden, beigetragen.
    Im April 2018 feierte die Caritas der Diözese St. Pölten 40 Jahre
    Pflege und Betreuung hilfsbedürftiger Menschen zu Hause.
    Beim Festakt in der Fachhochschule St. Pölten dankten Bischof        Stationen im Jahr 2018
    Klaus Küng und Soziallandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister
                                                                         Jänner Neueröffnung der Caritas-Sozial-          krankungen finden dort Arbeit und Beschäf-      finden und sich einbringen können, stand im
    der Caritas mit Direktor Hannes Ziselsberger sowie den beiden        station in Haag: Im neuen Stützpunkt leisten     tigung.                                         Zentrum der ersten gemeinsamen Pressekon-
    Altdirektoren Werner Scholz und Friedrich Schuhböck für die          21 Caritas-Mitarbeiterinnen unter der Leitung                                                    ferenz des neuen St. Pöltner Diözesanbischofs
    Pionierarbeit in der mobilen Pflege.                                 von Rosemarie Westermayr und Stellvertre-        Mai Neueröffnung carla Amstetten: Zahl-         Alois Schwarz mit Caritas-Direktor Hannes Zi-
    Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch das Buch „Leben               terin Monika Detter monatlich 1.500 Einsatz-     reiche Gäste folgten der Einladung zur Eröff-   selsberger im carla Krems, dem Secondhand-
    ist Veränderung – Erinnerungen eines Quereinsteigers“ von            stunden in den Gemeinden Haag, Strengberg        nung nach der Renovierung im neu gestal-        Laden der Caritas. Als Christen dürfen wir
                                                                         und Wolfsbach.                                   teten carla am Hauptplatz in Amstetten. Nach    niemanden übersehen oder zurücklassen.
    Caritas-Altdirektor Werner Scholz präsentiert. Darin beschreibt
                                                                                                                          13 Jahren war eine Erneuerung des Platzan-
    er unter anderem die Entstehung der mobilen Hauskranken-             Februar Eröffnung Caritas-Werkstatt in           gebotes im carla Amstetten notwendig. In den    Oktober 40 Jahre Werkstatt Horn: Vor 40
    pflege in der Caritas der Diözese St. Pölten.                        Gars: Caritas Direktor Hannes Ziselsberger       letzten zehn Jahren hat sich die Anzahl der     Jahren wurde die Caritas-Werkstatt in Horn,
                                                                         und Landesrätin Barbara Schwarz haben im         Kundinnen und Kunden verfünffacht.              damals noch unter der Bezeichnung Tages-
                                                                         Gewerbepark der ehemaligen Baufirma Buhl                                                         heim, mit vier MitarbeiterInnen mit Behinde-
                                                                         die neue Caritas-Werkstatt für Menschen          Juni 30 Jahre Club Aktiv: Seit 30 Jahren        rungen eröffnet. Heute arbeiten 46 Menschen
    Jubiläen der Beruflichen Integration                                 mit Behinderungen und den Verkaufsladen          bietet die Caritas der Diözese St. Pölten mit   mit Behinderungen in sechs Abteilungen.
    Im Rahmen eines Festaktes und eines Tages der offenen Tür            „Unser Gschäftl” eröffnet.                       dem Club Aktiv einen Treffpunkt und ein Frei-
    wurden im Juni gemeinsam mit Karl Wilfing, Präsident des NÖ                                                           zeitangebot für Menschen mit psychischen        November BotschafterInnen der Nächsten-
    Landtages, Günther Widy, Sozialministerium Service, Sven Her-        März 10 Jahre carla Vitis: Mehr als 400          Problemen und Erkrankungen.                     liebe: Am Elisabethsonntag, dem „Weltag der
    govich, Arbeitsmarktservice NÖ und Caritas-Direktor Hannes Zi-       zahlende Kundinnen und Kunden kommen                                                             Armen” waren rund 40 MitarbeiterInnen der
                                                                         pro Woche in das carla Vitis im Gewerbege-       Juni Für eine Zukunft ohne Hunger:              Caritas in den Pfarren der Diözese St. Pölten
    selsberger, Carina Membir, Leitung BBO, Christian Fried, Leitung
                                                                         biet Holzpark 6. Noch stärker gestiegen sind     Bei einem Aktionstag am Wochenmarkt             als „BotschafterInnen der Nächstenliebe” zu
    Caritas-Jobcoaching, Susanne Karner, Caritas- Bereichsleiterin       die Sachspenden. 70 Tonnen Textilspenden         am Domplatz in St. Pölten haben Caritas-        Gast und informierten die Gottesdienstbesu-
    PsychoSoziale Einrichtungen sowie Rudolf Dörr-Kaltenberger,          werden hier jährlich verarbeitet. Neben Be-      Direktor Hannes Ziselsberger, der St. Pöltner   cherInnen über die Arbeit der Caritas.
    Fachbereichsleiter Berufliche Integration die Jubiläen der           kleidung gibt es im carla auch eine Kinderab-    Bürgermeister Matthias Stadler und Caritas-
    Beruflichen Integration der Caritas St. Pölten gefeiert. Seit mehr   teilung sowie Hausrat, Kleinmöbel, Elektronik,   ProjekpartnerInnen aus dem Senegal auf die      Dezember Caritas im Gespräch: Caritas-
    als zwei Jahrzehnten bietet die Caritas St. Pölten professionelle    Schuhe, Taschen und Bücher.                      dramatische Situation in Afrika aufmerksam      Direktor Hannes Ziselsberger besucht im
                                                                                                                          gemacht.                                        Rahmen der Veranstaltungsreihe „Caritas
    Beratung, Begleitung und Beschäftigung für Jugendliche und
                                                                         April Caritas-Tagesstätte in Zwettl eröffnet:                                                    im Gespräch“ von Oktober bis April Pfarren
    Erwachsene mit Behinderung. Weiters werden Unternehmen in            Eine neue PsychoSoziale Tagesstätte hat die      September Nächstenliebe kann nie zu             in der Diözese St. Pölten und möchte mit
    Fragen der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen              Caritas in Zwettl im Betriebsgebiet Oberhof      groß sein: Der Appell, eine Gesellschaft zu     den Menschen über aktuelle Themen ins
    beraten und bei der beruflichen Integration unterstützt.             eröffnet. 25 Menschen mit psychischen Er-        gestalten, in der alle Menschen einen Platz     Gespräch kommen.

4                                                                                                                                                                                                                         5
Caritas - Vertrauen leben. Vertrauen lernen. Vertrauen schaffen.
Pflege

    Volles
    Engagement
    seit 40 Jahren
    Seit 40 Jahren engagiert sich die Caritas der
    Diözese St. Pölten in der Pflege und Betreuung
    hilfsbedürftiger Menschen zu Hause.
    In 35 Sozialstationen arbeiten mehr als 800
    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich
    Betreuen und Pflegen.

6                                                    7
Caritas - Vertrauen leben. Vertrauen lernen. Vertrauen schaffen.
nicht dazu kommt. Auch eine Physiothe-       verschlechtert hat. Und auch die dreiwö-         664.706 Einsatzstunden
                                                                                                                                           rapeutin der Caritas kommt regelmäßig        chige Kontrolle durch den Chirurgen mit               für 4.255 KundInnen in
                                                                                                                                           ins Haus, um Übungen für eine bessere        Wundsanierung ist besonders wichtig.               35 Sozialstationen im Bereich
                                                                                                                                           Durchblutung der Beine durchzuführen.        „Auf das gute Zusammenspiel aller                 Betreuen und Pflegen zu Hause
                                                                                                                                           Unterstützung erhält die 70-Jährige          kommt es an“, betont Thomas Krückel.
                                                                                                                                           auch durch ihren Sohn und ihre Schwie-       „Und wir wollen dazu eine professionelle           165 BewohnerInnen
                                                                                                                                           gertochter, die für sie Behördenwege         Begleitung durch die Hauskrankenpflege          im Pflegeheim Haus St. Elisabeth in
                                                                                                                                           erledigen. Frau Pamperls Ehemann             bieten, auf die man sich zu 100 Prozent           St. Pölten, 89 BewohnerInnen im
                                                                                                                                           kocht trotz zweier erlittener Herzinfarkte   verlassen kann.“                                   Rahmen der Übergangspflege
                                                                                                                                           noch regelmäßig für sie und auch eine        Bis jetzt hat sich die Wundheilung recht
                                                                                                                                           Nachbarin unterstützt, so gut es geht.       gut entwickelt und Margit Pamperl ist           53.742 warme Mahlzeiten
                                                                                                                                                                                        sehr zuversichtlich. Zu verdanken ist das     für 341 KundInnen bei Essen auf Rädern
                                                                                                                                                                                        auch einer exakten Pflegedokumentati-
                                                                                                                                            «Wir wollen professionelle                  on: eine genaue Pflegeplanung, bei der
                                                                                                                                                                                                                                                321 Beratungen
                                                                                                                                               Begleitung durch die                     jeder einzelne Schritt eingehalten und
                                                                                                                                                                                                                                         durch die Kompetenzstelle Demenz
                                                                                                                                                                                        aufgezeichnet werden muss. Ebenso
                                                                                                                                            Hauskrankenpflege bieten,
    Im vergangenen Jahr haben die Mitar-        automatisch in verschiedene Positionen       den an den Füßen, entstanden infolge                                                       wird eine detaillierter Wunddokumentati-
                                                                                                                                               auf die man sich zu                                                                            135 ehrenamtliche
    beiterinnen und Mitarbeiter knapp 4.255     verstellen kann. Aufgrund der Wund-          einer Keiminfektion nach einer Operation.                                                  on mit Wundfotos geführt.
                                                                                                                                                                                                                                               MitarbeiterInnen
    Kundinnen und Kunden in 664.706             infektion an ihren Füßen muss sie den        Die Caritas kommt jeden Tag zu Margit         100 Prozent verlassen kann.»                 Dennoch entstehe für viele Kundinnen
                                                                                                                                                                                                                                       des Mobilen Hospizdienstes begleiteten
    Einsatzstunden zu Hause betreut. Eine       ganzen Tag in diesem Sessel bzw. in          Pamperl, um die Wunderversorgung                                                           und Kunden oft auch eine schwierige Si-
                                                                                                                                                       Thomas Krückel                                                                  in 8.891 Einsatzstunden 340 Menschen
    dieser Kundinnen ist Margit Pamperl.        einem Rollstuhl verbringen, denn gehen       durchzuführen und bei der Körperpflege                                                     tuation, sagt Sozialstationsleiter Krückel.
                                                                                                                                                                                                                                             in der letzten Lebensphase
    Sie wird heuer 70 Jahre alt, doch die       soll sie zurzeit wegen der Wundheilung       zu helfen. Mit den diplomierten Pflege-                                                    „Zu den gesundheitlichen Problemen,
    Jahre sieht man der rüstigen Dame nicht     nicht. Dennoch wirkt Margit Pamperl sehr     kräften (medizinische Hauskrankenpfle-        Ein gutes Umfeld wirkt sich auch immer       die Kundinnen und Kunden haben, kom-
    an. Als wir sie gemeinsam mit Thomas        positiv und beginnt zu erzählen:             ge) und auch den Pflegeassistentinnen         positiv auf die Heilung aus, freut sich      men auch noch die finanzielle Belastung
    Krückel, Leiter der Caritas-Sozialstation   „2017 ist die Caritas das erste Mal zu mir   (Körperpflege) ist sie sehr zufrieden.        Thomas Krückel. „Wichtig ist, dass die       für Pflegematerialien bzw. die umständ-
    St. Pölten-Süd, zu Hause besuchen, um       nach Hause gekommen“, erinnert sich          „Außerdem freue ich mich sehr, mit den        Wunde genau beobachtet wird“, weiß           lichen und komplizierten Behördenwege
    zu erfahren, wie es pflegebedürftigen       Frau Pamperl, „mit Unterbrechungen seit      Caritas-MitarbeiterInnen ins Gespräch zu      Sozialstationsleiter Krückel. Es findet      für Bewilligungen. Die Caritas versucht,
    Menschen zu Hause geht, sitzt sie in        August 2018 wieder durchgehend.“ Der         kommen und zu plaudern. Denn außer            eine regelmäßige Wundbegutachtung            dabei so gut wie möglich zu informieren
    einem bequemen Liegesessel, den man         Grund sind offene und entzündete Wun-        meinem Ehemann Franz habe ich in              mit dem Hausarzt statt, ob sich nichts       und zu unterstützen.“
                                                                                             meiner Situation nur wenig Ansprache“,
                                                                                             erzählt Frau Pamperl. „Besonders freut
                                                                                             es mich auch, wenn Schwester Micha-
                                                                                             ela wieder neue Bücher zum Lesen
                                                                                             mitbringt. Das ist besonders nett und            Betreuen und Pflegen zu Hause                                                              Text in Leichter Sprache
                                                                                             aufmerksam.“
                                                                                             „Wir haben eine genaue Pflegeplanung              Die Caritas pflegt und betreut alte und kranke Menschen zu Hause.
                                                                                             sowie eine ärztliche Anordnung zur                Ausgebildete Pflege-Personen unterstützen die alten Menschen.
                                                                                             Wundversorgung“, berichtet Sozialsta-
                                                                                             tionsleiter Thomas Krückel. „Die Wund-            Bei allem, was sie für ihre Gesundheit brauchen.
                                                                                             versorgung muss täglich geschehen.                Zum Beispiel: bei der Wund-Versorgung, beim Essen,
                                                                                             Alle drei Wochen fährt Frau Pamperl zur
                                                                                             Kontrolle zum Arzt und auch zu einer
                                                                                                                                               beim Anziehen, bei der Körper-Pflege
                                                                                             speziellen Therapie“, so der Sozialsta-           Diese Menschen sollen zu Hause ein gutes Leben haben.
                                                                                             tionsleiter. Dass die Füße wieder gut             Die Caritas St. Pölten betreut und pflegt viele Menschen.
                                                                                             heilen und keine Infektion mehr auftritt,
                                                                                             ist Margit Pamperls größtes Ziel und              Im Jahr 2018 waren es 4 255 Menschen.
                                                                                             auch ihre größte Hoffnung. Sie möchte             Immer mehr Menschen brauchen Pflege.
                                                                                             unbedingt wieder gehen können. Denn
                                                                                             sie stand schon einmal kurz vor der Am-
                                                                                                                                               Deshalb werden mehr Pflege-Personen gebraucht.
                                                                                             putation beider Beine, erzählt sie mit Trä-       Die Caritas sucht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
                                                                                             nen in den Augen: „Da war ich wirklich
                                                                                                                                               für den Bereich Betreuen und Pflegen.
                                                                                             total verzweifelt.“ Nun setzt sie mithilfe
                                                                                             eines neuen Arztes alles daran, dass es

8                                                                                                                                                                                                                                                                              9
Caritas - Vertrauen leben. Vertrauen lernen. Vertrauen schaffen.
sie sich mit ihren Kindern richtig be-
                                                                                                                                         schäftigen können, oder wenn die Kinder
                                                                                                                                         dann regelmäßig, jeden Tag eine warme
                                                                                                                                         Mahlzeit bekommen“, betont Stocker.
                                                                                                                                         Für sechs Monate ist Elisabeth Stocker
                                                                                                                                         durchschnittlich in den Familien und wird
                                                                                                                                         oft zu einer sehr wichtigen und zentralen
                                                                                                                                         Bezugsperson für Kinder und Eltern.
                                                                                                                                        „Manchmal spüre ich bei meinen ersten
                                                                                                                                         Besuchen zwar noch eine gewisse
                                                                                                                                         Skepsis, die dann aber meistens schnell
                                                                                                                                         verfliegt.“

                                                                                                                                          «Ich sehe direkt was mei-
                                                                                                                                         ne Arbeit bewirkt und freue
                                                                                                                                          mich, wenn durch mein Zu-                  Müssen für die Behörde Formulare              45 Frauen und Kinder
                                                                                                                                         tun das Leben der Familien                  ausgefüllt werden? Ist noch genügend       erfuhren Geborgenheit und Begleitung
                                                                                                                                                                                     Geld für den Wocheneinkauf vorhanden?               im Mutter-Kind-Haus
                                                                                                                                          ein Stück einfacher wird.»                 Der zu Beginn der Betreuung erarbeitete
                                                                                                                                                    Elisabeth Stocker                Haushaltsplan wird nochmals überprüft         13.372 Einsatzstunden
                                                                                                                                                                                     und die wichtigsten Fragen bis zum              für 134 Familien im Rahmen
                                                                                                                                        Das Vertrauen und das gute Einverneh-        nächsten Besuch abgeklärt. In zwei                    der Familienhilfe
                                                                                                                                        men zwischen Elisabeth, Mutter Tanja         Tagen wird Elisabeth Stocker wieder zu
 Familie                                                                                                                                und ihren beiden Töchtern sind spürbar.      Tanja und ihren zwei Töchtern kommen,          81 betreute Familien

 Schritt für Schritt zu einem
                                                                                                                                        Sie sitzen gemeinsam mit den beiden          um weiter mit der Familie zu arbeiten.          mit 12.841 Einsatzstunden
                                                                                                                                        Mädchen im Wohnzimmer und legen              Abschließend meint Stocker: „Ich kann        praktischer Lebensunterstützung
                                                                                                                                        Wäsche zusammen. Auch Jana hilft             mir keinen besseren Job vorstellen. Ich          durch Familienhilfe Plus

 geregelten Familienalltag
                                                                                                                                        schon fleißig mit und präsentiert Elisabe-   sehe direkt, was meine Arbeit bewirkt,
                                                                                                                                        th Stocker stolz ihre Fähigkeiten.           und freue mich, wenn durch mein Zutun                442 Kinder
                                                                                                                                        Die Familienhelferin bespricht mit der       das Leben der Familien ein Stück ein-        wurden von 75 Tagesmüttern und
                                                                                                                                        Mutter den Plan für die nächsten Tage.       facher wird und die Kinder in einem lie-         Mobilen Mamis betreut
                                                                                                                                        Welche Haushaltstätigkeiten stehen an?       bevolleren Zuhause aufwachsen können.“
 Die Familienhilfe PLus unterstützt Familien, die nicht nur vorübergehend in einer
 Akutsituation Unterstützung brauchen, sondern die grundsätzlich mit den
 täglichen Aufgaben im Familienleben nur schwer zurechtkommen.
                                                                                                                                            Hilfe für Familien                                                                     Text in Leichter Sprache

 „Heute ist Waschtag, deshalb ist es ein bisschen chaotisch“,       Seit über 30 Jahren arbeitet Elisabeth Stocker als Familienhel-         Die Familien-Hilfe PLus hilft Familien mit Kindern in schwierigen Situationen.
  erklärt Tanja. Im Eingangsbereich des Hauses türmen sich Wä-      ferin, zuerst in der klassischen Familienhilfe und seit zehn Jah-
  scheberge. Die junge Frau räumt schnell den Weg frei zu der       ren in der Familienhilfe PLus. „Ich war schon immer ein sozialer
                                                                                                                                            Damit die Familien ihr Leben gut schaffen können.
  Treppe, die zum Wohnbereich führt, und sagt: „Die Elisabeth ist   Mensch und wusste schon früh, dass ich in diesem Bereich                Eine Familien-Helferin kommt in die Familie.
  schon oben mit den Kindern.“                                      tätig sein möchte. Außerdem wollte ich einen Job, in dem ich            Und unterstützt die Familie ein halbes Jahr lang.
  Elisabeth Stocker ist Familienhelferin der Familienhilfe PLus     auch mit Kindern arbeiten kann“, erzählt sie. An der klas-
  und zweimal in der Woche für drei Stunden bei Tanjas Familie.     sischen Familienhilfe habe ihr zu Beginn gefallen, dass man             Eine Familien-Helferin bei der Caritas ist Elisabeth Stocker.
  Gerade hilft sie der älteren Tochter Jana (6) bei der Haus-       kurzfristig für die Mutter einspringe, wenn diese zum Beispiel          Sie unterstützt die Eltern bei verschiedenen Dingen:
  übung, während die jüngere Lena (2) auf ihrem Schoß sitzt         krankheitsbedingt ausfalle. Jetzt schätzt sie die langfristige
  und spielt. „Meine zentrale Aufgabe ist es, die Familie dabei     Arbeit gemeinsam mit der Familie.
                                                                                                                                            • beim Erziehen der Kinder.
  zu unterstützen, eine Tagesstruktur zu finden, damit ein guter    Die Familienhilfe PLus hilft Familien in schwierigen Lebenssitu-          Zum Beispiel: Sie spielt mit den Kindern, hilft bei Schul-Aufgaben.
  Familienalltag gelingen kann“, erklärt Elisabeth Stocker. Dazu    ationen und wird durch die niederösterreichische Kinder- und
                                                                                                                                            • beim Umgang mit Geld.
  gehöre unter anderem, den Eltern zu zeigen, wie ein Haushalt      Jugendhilfe beauftragt. Am Beginn eines Einsatzes werden in
  organisiert und ein hygienisches Umfeld geschaffen wird oder      einem gemeinsamen Gespräch von Seiten der Behörde, der                    Zum Beispiel: Sie erklärt, wie viel Geld da ist.
  welche Ernährung für Kinder am gesündesten ist. Sie begleitet     fachlichen Leitung von Familienhilfe PLus, der Familienhelferin           Und wie viel Geld die Familie ausgeben kann.
  die junge Mutter auch bei Amtswegen, gibt Erziehungstipps         und der Familie selbst konkrete Ziele gesteckt. „In den fol-
  oder hört bei Beziehungsproblemen zu. Oft kann Hilfe ganz         genden Monaten versuche ich Schritt für Schritt mit der Familie
                                                                                                                                            • Sie zeigt den Eltern, wie man einen Haushalt führt.
  einfach sein: dass jemand da ist, der auf die Kleinen schaut,     an den Problemen zu arbeiten. Dabei zählen schon kleine                 • Sie macht Wochenpläne. Zum Beispiel: für Kochen, Waschen, Putzen
  damit die Mutter in Ruhe kochen kann. Oder duschen.               Erfolge. Ich freue mich, wenn die Mütter und Väter lernen, wie

10                                                                                                                                                                                                                                                                     11
Caritas - Vertrauen leben. Vertrauen lernen. Vertrauen schaffen.
youngCaritas

     Solidarität ohne
     Kompromiss!
     Die youngCaritas ist Anlaufstelle für Kinder,
     Jugendliche und junge Erwachsene, die etwas
     bewegen möchten. Sie bietet zahlreiche unter-
     schiedliche Möglichkeiten, sich sozial zu enga-
     gieren und aktiv zu werden.

     Das Angebot reicht von informativen, interaktiven Workshops
     über kreatives Umsetzen von Ideen bis hin zu kleinen und
     großen sozialen Aktionen. So fand im Oktober 2018 bereits
     zum neunten Mal das Projekt „72 Stunden ohne Kompromiss“
     von Katholischer Jugend, youngCaritas und Hitradio Ö3 statt,
     bei dem sich Hunderte Jugendliche mit viel Ehrgeiz freiwillig
     engagierten.
     So errichteten zum Beispiel die TeilnehmerInnen des Projektes
     „72 Stunden ohne Kompromiss” im Caritas-Wohnhaus für Men-
     schen mit Behinderungen in Loosdorf zwei „lebendige Weiden-
     tipis“. Im Frühjahr werden nun die Weidenruten, die im Herbst
     in den Boden gesteckt wurden, austreiben und den Menschen
     mit Behinderungen einen heimeligen Schattenplatz bieten.
     Jugendliche und junge Erwachsene können sich bei der
     youngCaritas außerdem als „Solidaritäterinnen” im actionPool
     engagieren. Im Jahr 2018 wurden von der youngCaritas 4.654
     Jugendliche erreicht, 352 Workshops wurden in Schulen abge-
     halten.

12                                                                   13
Caritas - Vertrauen leben. Vertrauen lernen. Vertrauen schaffen.
nicht schafft, das kleine gemietete Haus      finanziell wieder auf die Füße komme,         ten, er will etwas tun, er will etwas leisten,
 Sozialberatung.Nothilfe                                                                                                                 sechs Monate durchzuheizen. Vor drei          werde ich selbst spenden, das habe ich        er will sich in die Gesellschaft einbringen.

 Ich habe mich geschämt,
                                                                                                                                         Jahren war Wolfgang Doleschall das            mir ganz fest vorgenommen“, versichert        2021 kann er die Pension antreten, die
                                                                                                                                         erste Mal bei Martina Floh in der Caritas-    Wolfgang Doleschall.                          drei Jahre bis dahin versucht er, durch-
                                                                                                                                         Sozialberatung.Nothilfe in Waidhofen/         Auf die Frage, wie es ihm dabei er-           zukommen und positiv zu denken. Was

 Hilfe anzunehmen ...
                                                                                                                                         Thaya. Er hat alle Unterlagen offengelegt     gangen ist, um Hilfe zu bitten, antwortet     dann ist, was dann kommt, das weiß er
                                                                                                                                         und es war schnell klar: Das kann sich        Wolfgang Doleschall:                          nicht …
                                                                                                                                         nicht ausgehen. Die Rechnung für das         „Ja, man schämt sich, zur Sozialberatung
                                                                                                                                         Holz zum Heizen wurde ihm von der             gehen zu müssen, Hilfe annehmen zu                      6.995 Personen
                                                                                                                                         Caritas-Sozialberatung aus Spendenmit-        müssen. Es soll keiner sehen, dass man                 wurden im Rahmen der
 In der Caritas-Sozialberatung.Nothilfe wurden 2018 insgesamt 6.995                                                                      teln bezahlt, auch Caritas-Gutscheine für     dort hingeht. Noch schlimmer war es für          Sozialberatung.Nothilfe Unterstüt-
 Beratungsgespräche geführt. Doch wer sind die Menschen, die in                                                                          das carla Krems hat er erhalten. Im So-       mich beim soma. Niemand sollte wissen,              zung und Beratung gewährt,
                                                                                                                                         zialmarkt in Krems konnte er mit einem        dass ich dort einkaufen muss, dass ich              davon 1.995 Klientinnen und
 unsere Beratungsstellen kommen? Welche Schicksale stecken dahinter?                                                                                                                                                                     Klienten und 5.000 mitbetroffene
                                                                                                                                         Einkaufspass Lebensmittel beziehen.           froh bin, dort ein Brot um 50 Cent kaufen
                                                                                                                                        „Früher habe ich oft selbst dem carla          zu können.“                                      Familienangehörige. Diese Perso-
 Wolfgang Doleschall ist 62 Jahre alt und geschieden. Er lebt                                                                            Krems gespendet, Kleidung oder Möbel          Mit einem Arbeitsplatz schaut es in Zu-          nen erhielten Überbrückungshilfen
 alleine mit zwei Katzen im Waldviertel. Die familiäre Situation                                                                         hingebracht. Nun gehe ich dorthin, um         kunft für Herrn Doleschall eher schlecht              im Wert von 558.967 Euro
 ist nicht ganz einfach, zu seiner Tochter hat er jedoch Kontakt.                                                                                                                      aus. Er versucht zurzeit, selbstständig für
 Wir besuchen ihn zu Hause, die Wohnung wirkt sauber und                                                                                                                               eine deutsche Firma auf Provisionsbasis
 aufgeräumt. Er bietet uns Kaffee und Butterkekse an. Die Katze                                                                            «Es ist schwer noch eine                    als Vertreter zu arbeiten. Wenn er einen                  71 Haushalte
 schmiegt sich während unseres Gesprächs eng an ihn, er                                                                                    Perspektive für sich zu fin-                Verkauf abschließt und 100 oder 200               wurden zur Wohnungssicherung
 streichelt sie liebevoll.                                                                                                                den, positiv zu bleiben und                  Euro verdient, wird das nachher wieder           kostenlos beraten, davon konnten
                                                                                                                                                                                       von der Mindestsicherung abgezogen.              65 Wohnungen gesichert werden
                                                                                                                                          noch Motivation zu finden.»
  Herr Doleschall ist gelernter Kaufmann, nach der Konsumplei-                                                                                                                         Unterm Strich bleibt also nicht mehr
  te in den 80er-Jahren hat er sich in der Werbe- und Messe-                                                                                       Wolfgang Doleschall                 Geld übrig.
  branche selbstständig gemacht. Das lief einige Zeit sehr gut,                                                                                                                       „Es ist schwer, noch eine Perspektive für                    180 Kinder
  Wolfgang Doleschall konnte ein angenehmes Leben führen.                                                                               mit Gutscheinen Kleidung oder Hausrat          sich zu finden, positiv zu bleiben und             aus sozial schwachen Familien
  Doch dann kam der erste Tiefschlag: Ein Kunde konnte nicht                                                                            einzukaufen“, erzählt Herr Doleschall.         Motivation aufzubringen. Viele, denen es              erfuhren Lernbegleitung
  zahlen, eine beachtliche Summe Geld blieb aus. Danach war                                                                             Erst vor Kurzem hat ihm Martina Floh           so geht wie mir, geben auf“, hat Wolf-                   in den 5 Lerncafès
  Herr Doleschall in einem großen Verein angestellt, dieser ging                                                                        wieder mit Gutscheinen für den OBI-            gang Doleschall beobachtet. Eines hört
  jedoch in Konkurs. Es folgten Arbeitslosigkeit und Scheidung.                                                                         Markt geholfen. Damit konnte er für den        man im Gespräch mit ihm sehr deutlich
  Über das Arbeitsmarktservice wurde Wolfgang Doleschall gut                                                                            Winter Holz zum Heizen einkaufen. „Die         heraus: Sein größter Wunsch ist es, noch
  betreut. Eine Umschulung zum Zimmerer wurde ihm ermögli-                                                                              Caritas hat mir sehr geholfen. Wenn ich        einmal einen Job zu finden. Er will arbei-
  cht: für Herrn Doleschall ein wirklicher Neuanfang, und ein voll-
  kommen neuer Berufsweg. Anfangs hat es mit seinem neuen
  Job sehr gut funktioniert, auch Arbeit für einen Zimmerer war
  genug da. Dann bekam er allerdings gesundheitliche Probleme
  mit der Wirbelsäule und musste seinen Beruf aufgeben.
 „Aufgrund meines Alters habe ich bis heute keinen Arbeitsplatz                                                                             Sozial-Beratung und Nothilfe                                                                 Text in Leichter Sprache
  mehr gefunden. Seitdem halte ich mich mit der Mindestsiche-
  rung über Wasser. Es reicht allerdings hinten und vorne nicht“,                                                                           Die Sozial-Beratung bietet Unterstützung für Menschen in einer Notlage.
  erzählt Wolfgang Doleschall.
                                                                                                                                            Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter der Caritas beraten Menschen.
  Sein Auskommen hat er auf das absolute Minimum reduziert,                                                                                 Damit sich ihre Notlage verbessert.
  für Miete und Essen. Es sind keinerlei zusätzliche Ausgaben                                                                               Diese Menschen können manchmal auch durch Geld unterstützt werden.
  möglich: keine Kleidung, keine Kultur, keine Freizeitaktivitäten.
  Manchmal borgt er sich Geld aus oder verrichtet kleine Arbei-       Also blieb wieder nur der Weg zum Sozialamt. „Dort habe ich           Zum Beispiel: Die Strom-Rechnung wird bezahlt, die Heiz-Rechnung wird bezahlt.
  ten, wie Ausmalen oder Gartenarbeit, zum Beispiel im Tausch         vor drei Jahren auch erstmals von der Möglichkeit der Unter-          Die Sozial-Beratung unterstützt Menschen, wie Wolfgang Doleschall.
  gegen einen gebrauchten Laptop. Außerdem baut er Gemüse             stützung durch die Sozialberatung der Caritas erfahren, dass
  und Erdäpfel selbst an, um kein Essen kaufen zu müssen.             ich es da mal versuchen könnte“, erinnert sich Wolfgang Dole-
                                                                                                                                            Wolfgang Doleschall ist in einer Notlage.
 „Vergangenes Jahr habe ich gedacht, ich schaffe es doch              schall. „Davor habe ich das nicht gewusst. Ich habe die Caritas       Er hat seinen Arbeitsplatz verloren.
  noch“, erzählt er weiter. „Ich hatte eine Jobzusage beim Hilfs-     eher als internationale Hilfsorganisation wahrgenommen, Zum
                                                                                                                                            Und hat zu wenig Geld zum Leben.
  werk im Rahmen der Aktion 20.000. Ich war supermotiviert und        Beispiel bei großen Katastrophen. Dass einem als Einzelperson
  glücklich, dass ich nun doch einen Job bis zur Pension haben        im Kleinen auch geholfen wird, war mir nicht bewusst.“                Zum Beispiel: für die Heizung, für Kleidung
  würde. Einen Tag bevor der Vertrag unterzeichnet wurde, hat         Ein großes Problem für Herrn Doleschall ist im Winter das Hei-        Lebens-Mittel kauft er im Sozialmarkt.
  die Regierung die Aktion 20.000 gestrichen. Ich war am Boden        zen. Deshalb wohnt er auch im Winter zeitweilig bei einer gut
  zerstört.“                                                          bekannten Familie in einem anderen Ort, weil er es finanziell

14                                                                                                                                                                                                                                                                                15
Caritas - Vertrauen leben. Vertrauen lernen. Vertrauen schaffen.
Abneigung und Anschuldigungen gegen           Begegnungen. „Natürlich kommt man in                563 Personen
                                                                                                                                          die Caritas gerechnet hat. Ganz im            Haushalte, wo man sieht, dass es den           haben an den Veranstaltungen
                                                                                                                                          Gegenteil, hat doch eines der Kinder          Menschen hier nicht so gut geht, dass            (Studientage, Vorträge) der
                                                                                                                                          der Familie sogar eine Ausbildung an          Unterstützung notwendig ist“, berichtet         PfarrCaritas teilgenommen
                                                                                                                                          einer Caritas-Schule absolviert. „Bei         Monika Langgassner. „Diese aufmerk-
                                                                                                                                          der ersten derartigen Begegnung war           samen Rückmeldungen mit der Bitte
                                                                                                                                          ich schon vor den Kopf gestoßen und           noch einmal genauer Nachschau zu                    390 Personen
                                                                                                                                          wusste nicht recht, wie ich jetzt reagieren   halten, erhalte ich von unseren Haus-        haben an den Weiterbildungen zum
                                                                                                                                          soll“, erzählt Monika Langgassner. Von        sammlerinnen und Haussammlern immer            Besuchsdienst teilgenommen
                                                                                                                                          einem angeblichen Managergehalt des           wieder. Dann können wir auch mit dem
                                                                                                                                          Caritas-Präsidenten und Bereicherung          Geld aus der Haussammlung wieder
                                                                                                                                          durch Spendengelder war da die Rede.          direkt vor Ort helfen und den Betroffenen      564 TeilnehmerInnen
                                                                                                                                         „Alles Gerüchte, die gut entkräftet werden     unter die Arme greifen. Manchmal hilft              bei Veranstaltungen
                                                                                                                                          können. Seit Kurzem auch durch den            auch einfach nur ein gutes Gespräch.“               zur Haussammlung
                                                                                                                                          neuen Folder ‚Verschenkt die Caritas          Größte organisatorische Herausforde-
                                                                                                                                                                                        rung für die Pfarren bleibt aber trotzdem,
                                                                                                                                          «Natürlich kommt man in                       neue SammlerInnen zu finden, um die           Rund 4.000 Freiwillige
                                                                                                                                          Haushalte, wo man sieht,                      Caritas-Haussammlung auch für die               haben sich bei der Caritas-
                                                                                                                                         dass es den Menschen hier                      Zukunft zu sichern. Das bestätigt auch          Haussammlung engagiert
                                                                                                                                                                                        Monika Langgassner: „Manche hören
                                                                                                                                         nicht so gut geht, dass Un-                    aus Altersgründen auf, andere heiraten
                                                                                                                                         terstützung notwendig ist.»                    weg. Noch können wir genügend Per-
                                                                                                                                                  Monika Langgassner                    sonen finden und zum Sammelngehen
                                                                                                                                                                                        motivieren, weil es ein engagiertes Team
                                                                                                                                         Einhörner?’, den alle HaussammlerInnen         in der Pfarre gibt.“ Denn es hängt immer
                                                                                                                                         erhalten”, zeigt sich Frau Langgass-           auch ganz stark von dem Engagement
 PfarrCaritas                                                                                                                            ner für die diesjährige Haussammlung           einzelner Personen ab, ob die Haus-

 Begegnungen sammeln
                                                                                                                                         motiviert.                                     sammlung gelingt und als Bereicherung
                                                                                                                                         Darüber hinaus gibt es auch sehr be-           in der Pfarre empfunden wird.
                                                                                                                                         rührende und nachdenklich stimmende

 Die Caritas-Haussammlung ist eine der größten Spendenaktionen für
 Menschen in Not in Niederösterreich. In den Monaten Juni und Juli                                                                           Caritas in der Pfarre                                                                    Text in Leichter Sprache
 machen sich rund 4.000 Haussammlerinnen und Haussammler aus
 niederösterreichischen Pfarren auf den Weg und bitten um eine Spende.
                                                                                                                                             Für die Pfarr-Caritas arbeiten Frauen und Männer in den Pfarren.
  Das Geld, das bei der Haussammlung gesammelt wird, wird               sammeln gehen“, freut sich Frau Langgassner. Die Leute seien         Sie setzen sich für die Menschen in ihrem Wohnort ein.
  direkt in Niederösterreich verwendet und ermöglicht der               allerdings schon kritischer geworden, böswillige Gerüchte über       Zum Beispiel: für arme Menschen, für einsame Menschen, für alte Menschen
  Caritas, bedürftigen Menschen in ganz Niederösterreich Hilfe          die Caritas hielten sich hartnäckig. „Es gelingt mir aber ganz
  anzubieten.                                                           gut, mich auf die Füße zu stellen und diese Gerüchte zu ent-
                                                                                                                                             Sie arbeiten freiwillig in den Pfarren.
  Monika Langgassner ist Haussammlerin in der Pfarre Johan-             kräften und mit Argumenten entgegenzutreten“, weiß Monika            Freiwillig heißt, sie verlangen kein Geld für ihre Arbeit.
  nesberg im Wienerwald und eine hoch engagierte Frau. Das              Langgassner. „Andererseits gibt es aber auch viele Menschen,
                                                                                                                                             Die Freiwilligen machen 1 Mal im Jahr eine Haus-Sammlung.
  merkt man schon wenige Minuten nach dem Kennenlernen.                 die schon auf die Haussammler und Haussammlerinnen warten
  Das erste Mal „haussammeln“ ging sie schon als junges Mäd-            und sich auf ein gutes Gespräch freuen.“                             Sie gehen in den Pfarren von Haus zu Haus.
  chen während der Schulzeit. Ab 1989 hat sie als Pfarrsekretärin      „Wieder zu den Menschen direkt nach Hause zu kommen und               Sie sammeln Geld für Menschen in Niederösterreich, die Hilfe brauchen.
  und Mitglied des Pfarrcaritas-Kreises ihrer Pfarre die Haus-          sich zu erkundigen, wie es geht oder ob es vielleicht Pro-
  sammlung mit Ausgabe der Listen, Einteilung der Haussamm-             bleme gibt, zählt für mich zu den schönsten Momenten bei
                                                                                                                                             Und führen viele Gespräche bei den Haus-Sammlungen.
  lerInnen etc. organisiert. Seit fünf Jahren geht sie wieder selbst    der Haussammlung. Manchmal ist sogar schon der Tisch zum             Die Freiwilligen erkennen durch die Gespräche, wann jemand Hilfe braucht.
  von Tür zu Tür und ist mit großem Elan dabei. Dazu entschlos-         Kaffeetrinken gedeckt“, erzählt Frau Langgassner. „Denn der
  sen hat sie sich nach dem Tod ihrer Mutter, die selbst über           Kirchenbesuch wird generell weniger, man sieht sich ja nicht
                                                                                                                                             Und bieten diesen Menschen Hilfe an.
  viele Jahre begeisterte Haussammlerin war. „Diese Tradition           mehr so oft und weiß nicht, ob es der Person vielleicht gerade       Das ist eine ganz wichtige Unterstützung für viele Menschen.
  wollte ich unbedingt fortsetzen“, betont Monika Langgassner.          nicht so gut geht.“                                                  Deshalb ist es wichtig, dass viele Freiwillige die Haus-Sammlungen machen.
 „Die Haussammlung funktioniert in unserer Pfarre im ländlichen         Leider gibt es aber auch Begegnungen, die nicht so an-
  Raum sehr gut. Es gibt ein engagiertes Team und zum Glück             genehm verlaufen. In Erinnerung ist Frau Langgassner ein             Viele Pfarren suchen Freiwillige für die Haus-Sammlungen.
  noch genügend Pfarrmitglieder, die gerne für die Caritas haus-        Besuch bei einer Familie, bei der sie gar nicht mit so viel

16                                                                                                                                                                                                                                                                      17
Caritas - Vertrauen leben. Vertrauen lernen. Vertrauen schaffen.
Menschen mit Behinderungen

     Gemeinsam
     wachsen
     können
     Die Caritas St. Pölten betreut und begleitet in
     15 Werkstätten,16 Wohnhäusern, in teilbetreuten
     und begleiteten Wohngemeinschaften, mit der
     Wohnassistenz, in Recyclingbetrieben und in
     carlas (Secondhand-Läden) rund 1.000 Men-
     schen mit kognitiver Beeinträchtigung.
     Seit mehr als 40 Jahren bemühen sich Betreuer und Betreu-
     erinnen um eine Atmosphäre des Wohlfühlens und darum,
     Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen. Sie versuchen, die
     Bedürfnisse der Menschen mit Beeinträchtigung zu verstehen,
     und begleiten sie auf ihrem Weg. Das vorrangige Ziel ist es,
     dass Menschen mit Behinderungen sich in ihren vier Wänden
     zu Hause fühlen und auch mit dem Arbeitsangebot zufrieden
     sind. Sie sollen ihr Leben gestalten, soziale Beziehungen
     leben, wachsen, sich entwickeln können.

     Die Geschwister Jaqueline und Patrick Harm, beide Ende 20,
     leben seit einigen Jahren im Caritas-Wohnhaus in Kirchberg
     und arbeiten in der Caritas-Werkstatt Obergrafendorf. Beide
     haben von Geburt an das sogenannte Angelman-Syndrom und
     sind dadurch kognitiv sowie körperlich beeinträchtigt.
     Stürmisch werden wir von ihnen bei unserem Besuch in der
     Werkstatt Obergrafendorf begrüßt.
     Ihre Ausdrucksweise ist in erster Linie nonverbal, also ohne
     verbale Sprache. Sie lachen und gestikulieren heftig, zeigen
     so ihre Emotionen und auch Freude. Mit großer Begeisterung
     führen sie uns mit Betreuer Florian Daxböck an ihren Arbeits-
     platz. Hier zeigen sie uns, wie sie Kupfer aus dicken Kabeln
     heraustrennen.

     „Jeden Tag kommen Jaqueline und Patrick Harm kurz nach 8
     Uhr mit einem Fahrtendienst vom Wohnhaus in Kirchberg in die
     Werkstatt Obergrafendorf“, erzählt Florian Daxböck. Gemein-
     sam mit einem Betreuer arbeiten sie dann in verschiedenen
     Bereichen, wo sie zum Beispiel Kabel zerlegen oder auch
     Kirschkernkissen befüllen. Auch Menschen mit einer schweren

18                                                                   19
Behinderung sollen ein passendes Arbeitsangebot bekommen.         Wohnhäusern. „Nach der Ankunft ist es wichtig, dass Jaque-                                                                                                317 Frauen und Männer
 Sie sollen je nach ihren Interessen entscheiden, was sie tun      line und Patrick zur Ruhe kommen“, erzählt Christina Pußwald,                                                                                             leben in 17 Wohnhäusern für
 möchten. „Besonders Patrick ist an allen technischen Tätig-       Leiterin des Wohnhauses in Kirchberg. „Sie können sich selbst                                                                                             Menschen mit Behinderungen
 keiten sehr interessiert, am liebsten mit Werkzeug oder kleinen   aussuchen, wie sie ihre Freizeit verbringen wollen, sei es mit
 Maschinen, wie der Holzschleifmaschine oder dem Papier-           einem Spiel oder sie rasten sich einfach aus.“ Gemeinsam                                                                                                  176 Frauen und Männer
 schredder“, weiß Florian Daxböck. „Pausen sind während der        werden dann bei Bedarf auch Einkäufe erledigt oder ein Spa-                                                                                                    werden durch die
 Arbeit sehr wichtig, denn die Konzentration kostet viel Kraft     ziergang unternommen. „Besonders wichtig für Patrick und Ja-                                                                                                 Wohnassistenz begleitet
 und die Aufmerksamkeitsspanne ist eher kurz.“ Dafür gibt es in    queline ist ein geregelter und nachvollziehbarer Tagesablauf“,
 allen Räumen der Werkstatt Rückzugsmöglichkeiten, wie eine        betont die Wohnhausleiterin. Gegen 18 Uhr bereiten Jaqueline                                                                                              737 Frauen und Männer
 Couch zum Ausrasten, ein Tablet mit Kopfhörer zum Musikhö-        und Patrick Harm ihr Abendessen zu. Was sie gerne essen                                                                                                   arbeiten in 15 Werkstätten für
 ren. Nach dem Mittagessen finden am Nachmittag basale An-         möchten, bestimmen sie selbst. Nach der Körperpflege am                                                                                                   Menschen mit Behinderungen
 gebote statt oder gemeinsames Ballspielen oder man verbringt      Abend verbringen beide ihre Zeit am liebsten vor dem Fernse-
 etwas Zeit im Garten.                                             her bei einem Film. Dieser bildet dann auch den Abschluss des                                                                                             94 Frauen und Männer
 Ab 15 Uhr beginnen wieder die Fahrtendienste zurück zu den        Tages.                                                                                                                                                     sind in 3 Recyclingbetrieben
                                                                                                                                                                                                                                       beschäftigt
                                                                                                                                    dabei über ein hohes Maß an Kompe-           wohl zu Hause, im Wohnhaus und auch
                                                                                                                                    tenz”, so Christina Pußwald. „Im Konflikt-   in der Werkstatt. Für die Caritas ist es    15 Frauen und Männer
                                                                                                                                    fall unterstützen wir die BewohnerInnen,     wesentlich, dass wir die Klientinnen und    mit Beeinträchtigung arbeiten in
                                                                                                                                    vermitteln und bieten Gespräche an!“         Klienten bei der Verfolgung ihrer eigenen     den carlas Krems und Vitis
                                                                                                                                    Jedes zweite Wochenende verbringen           Lebensziele, Wünsche und Vorstellungen
                                                                                                                                    Jaqueline und Patrick Harm zu Hause          begleiten und unterstützen. Das Ziel ist     588 Veranstaltungen
                                                                                                                                    bei ihren Eltern. Darauf freuen sie sich     es, ein Klima des Vertrauens, der Wärme        im Rahmen des Freizeit-
                                                                                                                                    immer ganz besonders. „Gemeinsam             und der Geborgenheit sicherzustellen,           angebotes „Treffpunkt”
                                                                                                                                    werden dann die Großeltern besucht           sodass es für jede Bewohnerin und
                                                                                                                                    oder ein Ausflug mit dem Dreirad unter-      jeden Bewohner möglich ist, sich zu          803 TeilnehmerInnen
                                                                                                                                    nommen“, erzählt die Mutter Johanna          entwickeln, zu wachsen, sich zu entfal-     an 88 Bildungsveranstaltungen
                                                                                                                                    Harm. „Manchmal gehen wir auch auf           ten. Und einer Arbeit nachzugehen, die
                                                                                                                                    eine Musikveranstaltung, denn Mu-            erfüllt, Erfahrungen und Kontakte ermög-
                                                                                                                                    sik liebt Patrick sehr“, so Frau Harm.       licht und Freude bereitet.
                                                                                                                                    Jaqueline und Patrick Harm fühlen sich

                                                                                                                                        Wir gehören dazu                                                                     Text in Leichter Sprache

                                                                                                                                        Wohnen, Arbeit, Freizeit und Bildung sind für alle Menschen wichtig.
                                                                                                                                        Auch für Menschen mit schwerer Behinderung.
                                                                                                                                        Menschen mit Behinderungen sollen:
                                                                                                                                        • so leben können, wie sie es möchten.
                                                                                                                                        • über ihr Leben selbst bestimmen.
                                                                   Jedes Wohnhaus hat auch ein eigenes Freizeitangebot, darü-           • überall dabei sein können.
      «Nach der Ankunft im Wohnhaus ist                            ber hinaus gibt es auch den „Treffpunkt“. Hier wird ein buntes
     es wichtig, dass Jaqueline und Patrick                        Programm geboten mit Ausflügen, Museumsbesuchen, Koch-
                                                                                                                                        • nicht benachteiligt werden.
      zur Ruhe kommen. Sie können sich                             nachmittagen oder Tanzworkshops. Jaqueline Harm nimmt seit           Menschen mit Behinderungen brauchen oft Unterstützung im Alltag.
                                                                   Kurzem besonders gerne am Schwimmnachmittag teil. Auch
      selbst aussuchen, wie sie gerne ihre                                                                                              Zum Beispiel: beim Wohnen, bei der Arbeit, in der Freizeit
                                                                   ein Kurzurlaub in Wien ist für Sommer geplant. Patrick Harm
           Freizeit verbringen wollen,                             hat letztes Jahr an einem Sommerurlaub des Wohnhauses in             Bei der Caritas bekommen Menschen mit Behinderungen
     sei es mit einem Spiel oder sie rasten                        Wienerbruck teilgenommen.                                            die Unterstützung, die sie brauchen.
      sich einfach aus. Besonders wichtig                          Wichtig ist auch, stets die Gesundheit der BewohnerInnen im
                                                                                                                                        Wir haben verschiedene Angebote.
                                                                   Blick zu haben, dazu gehören Bewegung und Sport. „Da wür-
              ist ein geregelter und
        nachvollziehbarer Tagesablauf.»
                                                                   de ich mir mehr Angebote für meine Kinder wünschen“, meint           Zum Beispiel: Arbeiten in Werkstätten, Wohnen in Wohnhäusern,
                                                                   Johanna Harm, die Mutter von Jaqueline und Patrick.
                                                                   Das Zusammenleben im Wohnhaus fordert aber auch Rück-
                                                                                                                                        Urlaubs-Angebote, Bildungs-Angebote
                       Christina Pußwald
                                                                   sichtnahme und Verständnis. „Die BewohnerInnen verfügen

20                                                                                                                                                                                                                                                              21
Menschen mit psychischen Erkrankungen

     Kinder sind auch
     Angehörige!
     Wenn Klara morgens nicht von ihrer Mama geweckt wird,
     bekommt sie ein mulmiges Gefühl im Bauch. Sie sucht
     nach ihrer Mama und findet sie müde und traurig im Bett.
     Auf ihre Frage, warum die Mama so traurig ist, bekommt
     sie wie immer keine Antwort. Sie geht zurück in ihr Zim-
     mer, zieht sich an und geht allein zur Schule ...

     Heute weiß Klara, dass ihre Mama an einer Depression erkrankt ist. Trotz-
     dem fällt es ihr sehr schwer zu verstehen, warum gerade ihre Mama nicht
     mit ihr spielen kann und sie nicht in den Arm nimmt oder mit ihr kuschelt.
     Mittlerweile hat sie eine gute Freundin gefunden, der sie sich anvertrauen
     kann und deren Familie Klara gern aufnimmt, wenn es der Mama einmal
     wieder sehr schlecht geht.
     In solchen oder ähnlichen Situationen befinden sich Kinder, deren El-
     ternteil an einer psychischen Erkrankung leidet. Sie sind Kinder wie alle
     anderen, werden aber im alltäglichen Leben mit Herausforderungen kon-
     frontiert, die sie stark belasten. Sie nehmen das veränderte Verhalten der
     Mutter oder des Vaters wahr, finden aber keine Erklärungen, sind verunsi-
     chert und mit ihren Ängsten oft alleingelassen. Zusätzlich wollen sie ihren
     Eltern helfen und übernehmen Aufgaben innerhalb der Familie, die sie
     überfordern und in weiterer Folge selbst erkranken lassen.

     Das Projekt „Kinder psychisch kranker Eltern“ (KIPKE) ist seit 2010 in allen
     drei Versorgungsregionen (Mostviertel, Waldviertel, Zentralraum) präsent.
     Mit diesem Angebot setzt sich die Caritas das Ziel, Kinder aus betrof-
     fenen Familien bei der Bewältigung ihrer momentanen Lebenssituation
     kindgerecht zu unterstützen. Die Arbeit konzentriert sich dabei auf die
     Stärkung des Selbstwertes und die Entlastung der Kinder von Schuld- und
     Schamgefühlen sowie die kindgerechte Aufklärung und Beratung über die
     familiäre Situation. 2018 haben wir 196 Kinder aus 152 Familien betreut.
     Höhepunkt seit vielen Jahren ist das KIPKE-Sommercamp:
     Als Erweiterung der Unterstützungsleistung bieten wir jährlich ein Sommer-
     camp für ca. 25 Kinder von 8 bis 15 Jahren an. Mit Hilfe spezieller Traine-
     rInnen und Trainer (Outdoor- und Gestaltpädagoginnen und -pädagogen
     Psychologinnen und Psychologen) werden die Tage aufregend und ab-
     wechslungsreich gestaltet. Bei Kreativworkshops sowie Outdooraktivitäten
     können die Kinder ihre verborgenen Talente entdecken, eigene Stärken
     erkennen und positive Energie tanken.

22                                                                                 23
Menschen mit psychischen Erkrankungen
                                                                                                                                                                                                                                     2.947 KlientInnen

 Daheim würde mir die
                                                                                                                                                                                                                                   wurden vom PsychoSozialen
                                                                                                                                                                                                                                         Dienst betreut

                                                                                                                                                                                                                                      827 KlientInnen

 Decke auf den Kopf fallen …                                                                                                                                                                                                         besuchten den Club Aktiv
                                                                                                                                                                                                                                         an 12 Standorten

                                                                                                                                                                                                                                    1.757 Menschen mit
 Seit 30 Jahren bietet die Caritas der Diözese St. Pölten mit dem                                                                                                                                                                   Suchterkrankungen
 Club Aktiv einen Treffpunkt und ein Freizeitangebot für Menschen                                                                                                                                                                 sowie ihre Angehörigen fanden
                                                                                                                                                                                                                                   Beratung und Unterstützung
 mit psychischen Problemen und Erkrankungen.
                                                                                                                                                                                                                                 137 betreute KlientInnen
 835 Personen haben im Jahr 2018 regelmäßig den Club Aktiv          Akansu. „Alle freuen sich schon auf das Werken in der Küche         «Der Club ist unglaublich                    zum Beispiel kleine Wanderungen in der            in der Wohnassistenz
 an zwölf Standorten in der Diözese St. Pölten besucht, viele       und das anschließende gemeinsame Essen.“ Die Programme                                                           Umgebung, Baden am See im Sommer
                                                                                                                                         wichtig für mich und ich
 von ihnen täglich. Der Club Aktiv bietet für Menschen mit psy-     des Clubs Aktiv werden von den BesucherInnen gemeinsam                                                           oder ein Besuch am Leopoldi-Kirtag in             64 KlientInnen
 chischen Erkrankungen einen Rahmen, um zwischenmensch-             mit den Clubmitarbeiterinnen Christine Stanzl-Akansu und            komme total gerne hierher.                   Melk“, erzählt Markus Sieber. Für den       im PsychSozialen Wohnhaus Pau-
 liche Beziehungen zu pflegen, zu lernen und zu wachsen.            Barbara Smek geplant. Das Angebot gründet sich auf der                   Hier habe ich immer                     heurigen Sommer bieten alle zwölf Clubs        dorf und im PsychSozialen
 Einer dieser Clubbesucher ist Markus Sieber. Er kommt seit         Alltagswelt seiner BesucherInnen und strebt nach einer Norma-        jemanden zum Reden.»                        gemeinsam    im Juni einen Urlaub nach              Wohnhaus Zwettl
 2017 regelmäßig in den Club Aktiv in St. Pölten. Davor war er      lisierung. „Der Club stellt einen sehr wichtigen Baustein in der                                                 Kroatien an, der Club Aktiv St. Pölten
                                                                                                                                                    Markus Sieber
 längere Zeit im Landesklinikum Mauer wegen einer Psychose          sozialpsychiatrischen ambulanten Rehabilitationskette dar, wirkt                                                 ermöglicht auch, drei Tage im Burgen-             81 KlientInnen
 in stationärer Behandlung.                                         regional und niederschwellig“, erklärt Christine Stanzl-Akansu.                                                  land zu verbringen. „Mitfahren kann, wer    in der PsychoSozialen Tagesstätte
 Markus Sieber ist 42 Jahre alt und gelernter Großhandels-          Von Montag bis Freitag steht der Club täglich vier Stunden all     Jede und jeder kann sich im Club frei         möchte“, sagt Christine Stanzl-Akansu.       Zwettl und in der PsychoSozialen
 kaufmann. Seinen Beruf kann er im Moment noch nicht wieder         jenen zur Verfügung, die psychische Probleme haben, alleine        einteilen, wie sie oder er die Zeit verbrin- „Aufgrund der finanziellen Situation                 Tagesstätte Paudorf
 ausüben, umso wichtiger sind für ihn die sozialen Kontakte, die    sind und ohne Hilfe nicht mehr aus der Isolation kommen.           gen möchte. Dennoch hat jeder Tag sein        unserer ClubbesucherInnen schauen wir
 ihm der Club Aktiv bietet. „Der Club ist unglaublich wichtig für   Markus Sieber hilft gerne beim Zwiebel und Gemüseschneiden.        eigenes Motto. „Am Montag veranstalten        auch, dass die Urlaube eher einfach und          10.237 Personen
 mich und ich komme total gerne hierher“, betont er. „Hier habe     Erdäpfelgulasch für 14 Personen wird heute zubereitet. Darauf      wir immer ein Café, am Donnerstag ist         sehr kostengünstig sind.“                    in der Familienberatungsstelle
 ich immer jemanden zum Reden. Daheim würde mir sonst               haben sich die ClubbesucherInnen davor geeinigt und schon          immer Spielenachmittag, am Freitag            Mittlerweile sind im Clubraum Zwie-               Rat und Hilfe betreut
 die Decke auf den Kopf fallen.“ Gemeinsam mit den anderen          den Einkauf erledigt. Zwischendurch gönnt sich Herr Sieber im-     gibt’s immer ein gemeinsames Frühstück, bel, Erdäpfel und das Gemüse fertig
 BesucherInnen wird heute im Club gekocht. „Das ist immer so        mer wieder eine kleine Pause und zieht sich in einen anderen       aber darüber hinaus gibt es auch kreativ- geschnitten. Markus Sieber röstet schon
 an einem Mittwoch“, erklärt Clubkoordinatorin Christine Stanzl-    Raum zum Spielen am Wuzzlertisch zurück.                           therapeutische Angebote wie Töpfern           die Zwiebel an, bald kann das Erdäpfel-
                                                                                                                                       oder kognitives Training“, erklärt Clubko-    gulasch gemeinsam genossen werden.
                                                                                                                                       ordinatorin Stanzl-Akansu. „Besonders        „Mir taugt das Kochen am Mittwoch, ich
                                                                                                                                       abwechslungsreich für mich sind die           freu mich schon aufs Essen“, strahlt Mar-
                                                                                                                                       regelmäßigen Ausflüge, die wir machen:        kus Sieber über das ganze Gesicht.

                                                                                                                                           Club Aktiv – Gemeinschaft erleben                                                      Text in Leichter Sprache

                                                                                                                                           Bei Menschen mit einer psychischen Erkrankung ist die Seele krank.
                                                                                                                                           Sie fühlen sich schlecht und haben keine Freude mehr am Leben.
                                                                                                                                           Sie können nicht am Leben teilnehmen und sind oft einsam.
                                                                                                                                           Der Psychosoziale Dienst der Caritas hilft diesen Menschen.
                                                                                                                                           Durch Gespräche und Therapien.
                                                                                                                                           Im Club Aktiv kann man mit anderen Betroffenen die Freizeit verbringen.
                                                                                                                                           Es gibt jeden Tag ein Programm.
                                                                                                                                           Zum Beispiel: gemeinsam kochen, spielen, töpfern, Ausflüge
                                                                                                                                           Menschen sollen dadurch wieder Freude am Leben haben.
                                                                                                                                           Und sich nicht mehr alleine fühlen.

24                                                                                                                                                                                                                                                                   25
habe meinen Unterhalt immer selbst ver-      von Konzentrationsproblemen durch die       da mir mein Körper und meine Psyche
                                                                                                                                     dient, wollte nie abhängig sein“, erzählt    psychische Erkrankung nicht ablegen.        immer wieder einen Strich durch die
                                                                                                                                     Martina Lienemann. „Ich habe versucht,       Im Oktober 2018 erhält Frau Lienemann       Rechnung gemacht haben“, sagt Frau
                                                                                                                                     etwas weniger zu arbeiten, ein kleineres     dank ihrer großen Hartnäckigkeit einen      Lienemann. „Ich denke in kleinen Schrit-
                                                                                                                                     Gebiet zu betreuen. Aber es hat nicht        Platz im Arbeitstrainingsprogramm in der    ten positiv vorwärts, eines nach dem
                                                                                                                                     funktioniert, denn ich habe mir dauernd      BBO. „Sie hat sich für alle vier Arbeits-   anderen. Ein Schritt nach dem anderen,
                                                                                                                                     selbst Druck gemacht.“ Als sie erfährt,      bereiche Bügelservice, Copyservice,         so möchte ich mir mein Leben wieder
                                                                                                                                     dass ihr Bruder tödlich verunglückt          Fertigung und Verkauf beworben und          aufbauen.“
                                                                                                                                     ist, war der nächste Zusammenbruch           sich auch immer wieder telefonisch
                                                                                                                                     absehbar. Weitere stationäre Aufenthalte     gemeldet“, erinnert sich Carina Membir,            805 Menschen mit
                                                                                                                                                                                  Leiterin der BBO. Denn für die Arbeits-           Beeinträchtigungen
                                                                                                                                      «Für wirklich lange Zeit zu                 trainingsprogramme gibt es eine lange          wurden von der Arbeitsassistenz
                                                                                                                                      planen, habe ich mir aber                   Warteliste, da es kaum Einrichtungen             bei der Jobsuche begleitet
                                                                                                                                                                                  dieser Art in Niederösterreich gibt.
                                                                                                                                       abgewöhnt, da mir mein                     Martina Lienemann fühlt sich hier sehr               120 KlientInnen
                                                                                                                                      Körper und meine Psyche                     wohl und kommt mit allen gut aus. Elf           wurden durch Jobcoaching am
                                                                                                                                      immer wieder einen Strich                   Stunden pro Woche arbeitet sie zurzeit              Arbeitsplatz begleitet
                                                                                                                                         durch die Rechnung                       im Bügelservice. „Das genügt für mich
                                                                                                                                          gemacht haben.»                         vorerst auch“, erzählt Martina Lienemann.            195 jugendliche
                                                                                                                                                                                 „Und es geht mir gut damit, da der Druck                KlientInnen
                                                                                                                                               Martina Lienemann                  der Wirtschaft am freien Arbeitsmarkt          wurden durch die Berufsausbil-
                                                                                                                                                                                  hier nicht spürbar ist. Ich muss aller-       dungsassistenz in der integrativen
                                                                                                                                     folgen. Den Kredit für ihr kleines Haus      dings noch lernen, auf meinen Körper              Lehrausbildung begleitet
                                                                                                                                     kann Frau Lienemann mittlerweile nicht       besser zu hören und bewusst Pausen
                                                                                                                                     mehr bedienen. Die Schulden häufen           einzulegen. Denn schnell wäre ich                  1.084 Jugendliche
                                                                                                                                     sich, es folgen der Privatkonkurs und        wieder in meinem alten Arbeitsmuster,           durch Jugendcoaching begleitet
                                                                                                                                     ein Leben am absoluten Minimum.              alles so schnell wie möglich erledigen zu
 Berufliche Integration                                                                                                              Über das Arbeitsmarktservice besucht         wollen, drinnen.“                                     66 KlientInnen
                                                                                                                                     Martina Lienemann eine Umschulung zur        Im Arbeitstrainingsprogramm der BBO             erhielten Arbeitstraining in der

 Ein Schritt nach dem anderen                                                                                                        IT-Technikerin. Die praktische Prüfung
                                                                                                                                     im Anschluss ist kein Problem, die
                                                                                                                                     theoretische Prüfung kann sie aufgrund
                                                                                                                                                                                  kann Martina Lienemann für drei Jahre
                                                                                                                                                                                  bleiben. „Für wirklich lange Zeit zu
                                                                                                                                                                                  planen, habe ich mir aber abgewöhnt,
                                                                                                                                                                                                                                  Einrichtung Beschäftigung und
                                                                                                                                                                                                                                     Berufsorientierung (BBO)

 Arbeit und Beschäftigung sind ein wichtiger Aspekt, wenn es um gesellschaftliche
 Teilhabe geht. Seit mehr als zwei Jahrzehnten bietet die Caritas St. Pölten
 professionelle Beratung, Begleitung und Beschäftigung für Jugendliche und
                                                                                                                                         Arbeit und Beschäftigung                                                                 Text in Leichter Sprache

 Erwachsene mit gesundheitlichen Einschränkungen bzw. Behinderungen an.                                                                  Menschen mit psychischer Erkrankung oder einer Beeinträchtigung
                                                                                                                                         finden schwer einen Arbeitsplatz.
 In Summe wurden 2018 von der Beruflichen Integration               ten arbeitet die 54-Jährige nun im BBO im Bereich Bügelser-          Die Berufliche Integration der Caritas hilft diesen Menschen.
 der Caritas St. Pölten 2.270 Personen bei der Arbeits- bzw.        vice. Hier wird im Auftrag privater Kundinnen und Kunden die
 Ausbildungssuche sowie am Arbeits- bzw. Ausbildungsplatz           Bügelwäsche mit Abhol- und Zustellservice erledigt. Diese            Es gibt eine Einrichtung in St. Pölten.
 begleitet. Eines der Angebote der Beruflichen Integration ist      Aufträge ermöglichen den TeilnehmerInnen Arbeitstraining und         Die Einrichtung heißt: Beschäftigung und Berufs-Orientierung.
 die Beschäftigungs- und Berufsorientierungseinrichtung BBO         auch einen Zuverdienst in einem betriebsähnlichen Umfeld.
 in St. Pölten. Hier können sich Menschen mit psychischen           Viele Jahre war Martina Lienemann im Handel tätig und in ganz
                                                                                                                                         Die Abkürzung ist BBO. Im BBO werden Menschen unterstützt.
 Erkrankungen auf einen Wiedereinstieg in das Berufsleben           Österreich unterwegs. Sie hat Filialen verschiedener Handels-        Sie können dort ein Arbeits-Training machen. Für höchstens 3 Jahre.
 vorbereiten.                                                       ketten aufgebaut. Zuletzt hat sie in Geschäften und großen
                                                                                                                                         Sie können so viele Stunden arbeiten, wie sie schaffen.
 Betriebsnahes Arbeitstraining in vier Geschäftsfeldern sowie       Baumärkten Waren aus dem Zoofachhandel verkauft. Oft bis
 sozialpädagogische Begleitung und Trainings fördern nicht nur      zu 60 Stunden in der Woche war sie mit dem Auto im östlichen         Danach sollen sie wieder eine Arbeit in einer Firma finden und angestellt sein.
 die Arbeitsfähigkeit, sondern stärken auch das Selbstvertrauen     Österreich unterwegs, immer mit dem Anspruch, alles pünkt-           Dabei helfen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Beruflichen Integration.
 und persönliche Kompetenzen. Vermittlungsorientierte Integra-      lich und perfekt erledigen zu wollen. Pausen hat sich Frau
 tionsbegleitung hilft zudem bei der Arbeitsplatzsuche.             Lienemann nur ungern gegönnt. Eine enorme Belastung, die             Im BBO gibt es verschiedene Arbeits-Angebote:
 Aber auch Menschen, deren Gesundheitszustand eine Vermitt-         irgendwann zu viel wurde. Als private Probleme hinzukommen,          Zum Beispiel: Bügel-Service, Verkauf, Copy-Service
 lung in den Arbeitsmarkt derzeit ausschließt, finden in der BBO    bricht sie psychisch zusammen. Es folgt ein mehrwöchiger
 nach einem flexiblen Zeitmodell, das der Belastbarkeit der/des     stationärer Aufenthalt in einer Klinik, anschließend Therapie.
                                                                                                                                         Das Copy-Service ist ein Geschäft.
 Einzelnen angepasst ist, Beschäftigung. Martina Lienemann ist     „Natürlich habe ich versucht, wieder arbeiten zu gehen, der           Dort kann man zum Beispiel: Texte kopieren, Verschiedenes drucken lassen
 eine Mitarbeiterin dieses Arbeitsprogrammes. Seit vier Mona-       Wille und der Wunsch nach Selbstbestätigung sind ja da. Ich

26                                                                                                                                                                                                                                                                       27
Sie können auch lesen