Das betriebliche Magazin für einen nachhaltigen Einkauf - BME
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3,80 EURO
Das betriebliche Magazin
für einen nachhaltigen Einkauf
Ausgabe Okober 2020
Im Interview mit
Professor René Schmidpeter
Nachhaltige Beschaffung in KMU:
Weiterbildung von DIHK und ZDH
Nachhaltiger Einkauf:
Die BME Mittelstandsinitiative
Top-Themen:
Nachhaltige Beschaffung von Textilien
Elektromobilität in der Praxis Kleine Kniffe 1Editorial
Mit dieser ersten Ausgabe der betrieblichen Version des Magazins für nachhaltige Beschaf-
fung „Kleine Kniffe“ richten wir uns an den Mittelstand aus Industrie, Handel und Handwerk in
Deutschland. Ihre Organisationen - der DIHK und der ZDH -unterstützen ihre Mitgliedsfirmen
durch spezielle Schulungsangebote für eine nachhaltige Beschaffung. Insgesamt werden 1, 9 Bil-
lionen EURO jährlich für den betrieblichen Einkauf verwendet. Sinnvoll ist es, diese Ausgaben
in immer stärkeren Maßen am Prinzip der Nachhaltigkeit zu orientieren. Dafür gibt es Gründe.
In immer mehr Unternehmen wächst die Erkenntnis, dass Wirtschaft und Natur zusammen-
gehören. Die Tage der endlosen Entnahme natürlicher Ressourcen, deren Verarbeitung, Konsum
und der gedankenlosen Entsorgung sind gezählt. Die Meere sind voll von Plastik, die Schornstei-
ne der Müllverbrennung rauchen ohne Unterlass und überall, vor allem in Afrika, wachsen die
Halden von Elektronikschrott. Es dämmert allmählich, dass dieser Raubbau ein Ende haben muss.
Die Wirtschaft muss den Kreislaufgedanken ernstnehmen, damit am Ende des Konsums nicht
die Müllhalde, sondern die Wiederverwertung der Rohstoffe steht. Die Herausforderung besteht
darin, die Natur mit ihren Ressourcen zu bewahren und nicht, sie zu zerstören. Das hierfür gedach-
te Kreislaufwirtschaftsgesetz trat am 24.02.2014 in Kraft und wurde am 20.07.2017 geändert.
Auch das Lieferkettengesetz verfolgt das Ziel, Menschenrechte weltweit zu achten und die
Umweltzerstörung zu vermeiden. Dabei sind die Forderungen, die das Gesetz stellt, nicht neu.
Bereits 2011 wurden die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte durch den
UN-Menschenrechtsrat verabschiedet. Sie sollen die Verletzung von Menschenrechten durch
Wirtschaftsunternehmen verhindern und definieren die staatliche Schutzpflicht und die unter-
nehmerische Verantwortung in globalen Lieferketten. Im Jahr 2016 formulierte daraus die
Bundesregierung einen „Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Leitprinzipien“ (NAP),
der auf die freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen setzt. Jetzt fordern auch Unternehmen
wie BMW, Daimler, Nestle, REWE, Ritter Sport, Tchibo und Vaude, ein Gesetz für eine unter-
nehmerische Sorgfaltspflicht mit verpflichtendem Charakter zu verabschieden.
Das Magazin für die betriebliche nachhaltige Beschaffung „Kleine Kniffe“ wird halbjährlich zu
den Themen der nachhaltigen Beschaffung berichten: Best Practise, Unternehmensportraits, wis-
senschaftlich Erkenntnisse, Digitalisierung unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit werden unsere
Themen sein.
Ausblick: In der im April 2021 erscheinenden nächsten Ausgabe von „Kleine Kniffe“
erwarten Sie neben vielen anderen Themen Schwerpunktberichte zu den Themen Fuhrpark-
management, nachhaltiges Bauen und Renovieren im Bestand. Bis dahin wünsche ich Ihnen
eine angenehme Zeit. Bleiben Sie gesund!
Chefredakteur
Kleine Kniffe 3Ohne Kreislaufwirtschaft
kein effektiver Klimaschutz
Ein Beitrag von Bernhard Schodrowski,
BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V.
Der 22. August war in diesem Jahr ein trauriges Datum und verbrauchen weniger Energie in der Produktion, reduzieren den
eine dramatische Zäsur. Auf diesen Tag fiel der Erdüberlastungstag, CO2- Ausstoß und schonen das Klima
also jener Termin, an dem rechnerisch die natürlichen Ressourcen
der Erde für das laufenden Jahr aufgebraucht sind. Für den Rest des Hier sprechen die wissenschaftlich belegten Zahlen eindeu-
Jahres 2020 leben wir nun auf Pump von den Ressourcen nachfol- tig für mehr Kreislaufwirtschaft: wenn eine Verdoppelung der
gender Generationen. Recyclingrohstoffmenge in der industriellen Produktion von der-
zeit knapp fünfzehn Prozent auf dreißig Prozent mit konkreten
Die Tatsache, dass wegen der Corona- Pandemie dieser Tag um Maßnahmen angegangen werde, hätte man nicht nur 60 Millionen
drei Wochen gegenüber dem letzten Jahr nach hinten gerückt ist, Tonnen CO2-Einsparung zusätzlich erreicht, sondern auch den
ist kein Grund zum Aufatmen, denn seit einem halben Jahrhundert Produktionsstandort Deutschland gestärkt.
leben wir so als hätten wir drei Erden als Rohstoffspender zur Ver-
fügung. Was also ist zu tun, wenn wir wirtschaftlich wachsen, den Doch leider hat die Politik in Deutschland viele Chancen bisher
Wohlstand halten und trotzdem nachhaltig handeln wollen ? verstreichen lassen und die Potenziale der Kreislaufwirtschaft weder
erkannt noch bisher bei Regelungen berücksichtigt.
Die Lösung liegt im Prinzip der Kreislaufwirtschaft. Allen ist klar,
dass wir, wenn wir Klimaschutz, Energiewende und Ressourcen- Dies ist umso bedrückender, weil ein ambitioniertes Klima-
schonung ernst nehmen wollen, deutlich mehr Kreislaufwirtschaft schutzpaket oder ein Corona- Konjunkturpaket mit Aspekten der
brauchen. Im Fokus ist dabei besonders die Einsparung von CO2- Kreislaufwirtschaft für die nächsten Jahre hätte richtungsweisend
Emissionen, die in Deutschland im Jahr 2017 ein Gesamtvolumen sein können. Es wäre auch an der Zeit, wenn man bedenkt, dass
von mehr als 900 Millionen Tonnen hatten. die letzten echten Weichenstellungen für die Kreislaufwirtschaft,
das Deponierungsverbot für unbehandelte Siedlungsabfälle und die
Mit einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft haben wir die Einführung der Herstellerverantwortung, länger als ein Vierteljahr-
große Chance, unser Wirtschaftssystem zukunftsfähig zu machen hundert zurückliegen. Seitdem läuft die Politik auf den eingetretenen
und Ökonomie und Ökologie wirkungsvoll miteinander zu ver- Pfaden weiter. Der große Wurf ist dieses Klimaschutzpaket nicht
binden. Bei weltweit wachsendem Lebensstandard und steigenden und dürfte andere Länder kaum beeindrucken.
Bevölkerungszahlen ist es alternativlos, dass wir mit endlichen
Ressourcen sparsam umgehen müssen. Wir müssen anders produ- Dabei ist ein mutiger Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft ist
zieren und konsumieren unverzichtbar, wenn wir Wirtschaftsstandort bleiben und ambitio-
nierte Klimaziele erreichen wollen. Dann besteht auch die Chance,
Unser Ziel ist es deshalb, die natürlichen Rohstoffe ressourcenef- dass der jährliche Weltüberlastungstag Tag für Tag Richtung
fizient zu nutzen und die Materialien im Kreislauf zu führen, sprich Jahresende rückt.
als Rezyklate zu verwenden. So sparen wir natürliche Ressourcen,
Kleine Kniffe 5Impressum 01 02
Redaktion
SDG media GmbH
Wagenfeldstraße 7a
44141 Dortmund
Kontakt:
redaktion@kleine-kniffe.de
Chefredaktion:
Thomas Heine
Textbeiträge von:
Dr. Christine Avenarius, Prof. Dr. Ronald
Bogaschewsky, Katrin Bolkart, Antonia Dierker,
John Dowling, Balz Eggenberger, Lea Eggers, Dr.
Stefanie Eichiner, Thomas Heine, Natalie Heiz-
mann, Carolin Hendrys, Dr. Nikolai Hoberg,
Saskia Hornivius, Christof Langer, Fabian
Lauer, Ria Müller, Florian Kamm, Martin Klett,
Carsten Ridder, Prof. Dr. René Schmidpeter,
Bernhard Schodrowski, Hans-Walter Trepper,
Peter Uhlig, Julia Wagner, Benedikt Zöller,Y-
vonne Zwick.
Fotos/Grafiken:
depositphotos, IÖW GmbH, gemeinnützig,
Kathrin Jegen / ZWH, Tina Merkau.
08. Mittelstand 16. Im Gespräch
Internet:
www.nachhaltige-beschaffung.com Der Wertbeitrag des Einkaufs Dr. Stefanie Eichiner, UPM
Social media:
Twitter: https://twitter.com/MKniffe
LinkedIn: https://www.linkedin.com/posts/
thomas-heine-866785 10. IHK Dortmund 18 Bafa-Förderung
Facebook: https://www.facebook.com/Kleine-
Kniffe-1601748926512841/ Nachhaltiges Wirtschaften Beratungskosten-Zuschuss
Höhe der Auflage:
5.000
Distribution 11. DIHK-Bidungs - 19. Digitalisierung
Der Versand der Auflage erfolgte mit finanziel-
ler Unterstützung des Umweltbundesamtes GmbH
Low-Code-Plattformen
IHK-Management-Training
Druck:
Produktion mit 100% Ökostrom aus regene-
rativer Stromerzeugung und ohne Einsatz
fossiler Brennstoffe.
12. Zentralstelle für 20. Die „neue
Druck: die Weiterbildung Normalität “
Recyclingpapier im Handwerk
Prof. Ronald Bogaschewsky
Herausgeber Nachhaltigkeit stärken
SDG media GmbH
Wagenfeldstraße 7a
44141 Dortmund
www.sdg-media.de 15. veranstaltungen 23. Im Gespräch
© kleine kniffe ist eingetragenes Procurement Leadership Anton Debatin GmbH
Warenzeichen der IMAGO GmbH, Dortmund
6 Kleine Kniffe03 04 05
24. EcoVadis 36. IÖW, Berlin
DiTex-Projekt
Nachhaltige Beschaffung
Kreislauffähige
50. Initiative Pro
Berufskleidung
Recyclingpapier
Papier in Zeiten von Digitali-
27. Im Gespräch
sierung und Nachhaltigkeit
Yvonne Zwick, Rat für 39. Im Gespräch
Nachhaltige Entwicklung
Carsten Ridder, Dibella GmbH
28. Einwegkunst- 52. Nachhaltige
40. Im Gespräch Beschaffung
stoff verbot
Florain Kamm, Weishäupl „Best Practice“ aus dem
Kompetenzstelle für
nachhaltige Beschaffung Mittelstand
42. Provadis 54. Für KMU
Hochschule , FF/M
30. Blauer Engel ... Kompass für Nachhaltigkeit
Innovationsprojekt City Loops
für Produkte aus Recycling-
Kunststoff
44. Elektromobilität 55. Veranstaltungen
in der Praxis
32. Im Gespräch Termine
Balz Eggenberger
Prof. Dr. René Schmidpeter
Kleine Kniffe 7Aus Unternehmensverbänden
Der Wertbeitrag des Einkaufs im Mittelstand –
eine neue Wahrnehmung seit der Corona Krise?
„Sparen, Sparen, Sparen!“ Lange Jahre war dies die Hauptaufgabe, die Verantwortungsträger im
Mittelstand in der Rolle des Einkaufs gesehen haben. Viele Einkaufsverantwortliche taten sich
schwer damit ihren Wertbeitrag im Unternehmen gegenüber Geschäftsführung, Produktions- oder
Entwicklungsleitung klar zu machen.
Ein Beitrag von Martin Klett, BME Mittelstandsinitiative in Zusammenarbeit mit der BME-
Fachgruppe Wertbeitrag des Einkaufs
Zahlreiche Gespräche mit Einkaufsverantwortlichen aus dem der Geschäftsstelle und den bundesweit 38 BME Regionen haben
Mittelstand haben gezeigt, dass sich diese Sichtweise spätestens in eine einfache, transparente und universell einsetzbare Übersicht
der Corona Krise verändert hat. Auf einmal wurde klar, dass eine erarbeitet.
sichere Versorgung der Unternehmen mit Einsatzstoffen, aber auch
mit Verbrauchs- Dabei wird
materialien, unterschieden zwi-
Transportkapazitä- schen quantitativen
ten, IT Infrastruktur und qualitativen
und vielen Gütern Hebeln. Die Zusam-
und Dienstleistungen menstellung erhebt
überlebenswichtig keinen Anspruch
ist, dass also der Preis auf Vollständigkeit.
nicht mehr die allein Es hat sich aber in
dominierende Ent- zahlreichen Diskussi-
scheidungsvariable onen herausgestellt,
darstellt. dass die beschriebe-
nen Hebel in sehr
Aber welchen vielen Unternehmen
Wertbeitrag leis- unabhängig von der
tet der Einkauf Unternehmensgröße
genau neben Ver- und der Branche zur
sorgungssicherheit Erfolgsmessung her-
und attraktiven angezogen werden,
Einstandskosten? wenn auch mit
Innerhalb der Bundesvereinigung Materialwirtschaft, Einkauf unterschiedlicher Gewichtung. Das Angebot an die Einkaufsverant-
und Logistik e.V. hat sich eine Arbeitsgruppe Mittelstand damit wortlichen ist nun, die über den BME erhältliche Präsentation auf
beschäftigt, diesen Wertbeitrag transparent zu machen. Zahlrei- die eigene Firmenstrategie anzuwenden und mit Hilfe der Beispiele
che Gespräche und Workshops mit Einkaufsverantwortlichen, zu erklären, wie sich genau der Wertbeitrag der eigenen Einkaufsab-
Geschäftsführern, Finanzexperten und BME Mitarbeitenden aus teilung zum Erreichen der Unternehmensziele darstellt. Konkrete
8 Kleine KniffeDefinitionen, Beispiele und Visualisierungen für jeden Hebel sind eine immer größere Rolle, wird aber an anderer Stelle betrach-
aufgeführt und können bei der Argumentation sehr hilfreich sein. tet. Der Lieferant muss als Partner in einer Wertschöpfungskette
gesehen werden. Offene, transparente Kommunikation über den
Schauen wir uns das konkrete Beispiel eines quantitativen gesamten RFX Prozess leistet hier einen wichtigen Beitrag. Kommt
Hebels an: Zahlungsbedingungen. es zu einem Vertragsabschluss, sollte es selbstverständlich sein, dass
pünktlich gemäß den vereinbarten Lieferbedingungen bezahlt wird
Sehr oft wird dieser Hebel im Einkauf genutzt, um den Cash und das eigene Unternehmen als verlässlicher Kunde wahrgenom-
Flow zu verbessern. Allerdings können darüber auch men wird. Diese Philosophie muss Einzug halten in den gesamten
Personalauswahl, - entwicklungs und entlohungsprozess.
• das Lieferantenportfolio gesteuert werden
• durch bewusstes Ausnutzen von Skonti Einsparungen erzielt
werden
• durch eine klare Standardisierung von Prozessen die Anzahl
der Payment Terms reduziert und damit Kosten eingespart
werden und
• Prozesse für die Digitalisierung vorbereitet werden.
Hier kann man in Abstimmung mit der Unternehmensstrategie
mit den Entscheidungsträgern im Unternehmen festlegen, welche
Zielrichtung bei den Zahlungsbedingungen primär verfolgt werden
soll. Wie sich z.B. eine Veränderung der Zahlungsbedingungen auf
die Einkaufspreise auswirken kann, wird beispielhaft visualisiert:
Gerade in Krisenzeiten zeigt sich, ob eine Partnerschaft geeignet
ist, die auftretenden Probleme gemeinsam erfolgreich zu lösen.
Die Bedeutung eines gut aufgestellten Einkaufs dürfte dem-
entsprechend in der Corona Krise vielen Entscheidern bewusster
geworden sein. Die vom BME erarbeitete Systematik hilft dabei,
diesen Wertbeitrag auch leicht verständlich, nachvollziehbar und
eingebettet in die Unternehmensstrategie zu erläutern und zu visua-
lisieren.
Interessenten wenden sich bitte an den BME,
Nicole von Wensierski E-Mail: nicole.vonwensierski@bme.de
Gerade in der Corona Krise wurde vielen Unternehmen bewusst,
wie wichtig eine nachhaltige Versorgung für den eigenen Geschäfts-
erfolg sein kann. Der qualitative Hebel „Lieferantenmanagement und Autor
Nachhaltigkeit“ greift dies beispielhaft auf. Martin Klett,
BME Mittelstandsinitiative in
In dem gewählten Beispiel geht es primär um nachhaltige, sprich Zusammenarbeit mit der BME-
zuverlässige, belastbare Beziehungen zu den wichtigsten Lieferan- Fachgruppe Wertbeitrag des
ten. Natürlich spielt auch der ökologische Aspekt der Nachhaltigkeit Einkaufs
Kleine Kniffe 9Aus Unternehmensverbänden
Nachhaltiges Wirtschaften
rückt in den Fokus der IHK zu Dortmund
Zum Jahreswechsel hat die IHK zu Dortmund als eine der ersten Industrie- und Handelskammern
ein Referat für das Thema nachhaltiges Wirtschaften eingerichtet. Zugegeben – exklusiv wird das
Thema dort nicht bearbeitet. Im Referatszuschnitt liegen auch die Themen Industrie und Energie.
Womöglich liegt aber gerade in dieser Verbindung eine Chance, um Nachhaltigkeits-Ansätze noch
stärker in der Breite der Unternehmerschaft zu etablieren.
Ein Beitrag von Fabian Lauer, IHK zu Dortmund
Ihren rund 55.000 Mitgliedsunternehmen in Dortmund, Hamm mensnetzwerk „bewusst wie e. V.“, das seit seiner Gründung Ende
und dem Kreis Unna –dem „Westfälischen Ruhrgebiet“ – möchte 2019 immer mehr Zuspruch erfährt, aktiv einbringen.
die IHK zukünftig verstärkt Angebote unterbreiten, die eine nach-
haltige Ausrichtung des Geschäftsmodells unterstützen. Dabei Ein weiteres Highlight bietet die u. a. mit den Kleinen Kniffen
darf nicht vergessen werden, dass viele, gerade familiengeführ- organisierte, digitale Konferenz „Procurement Leadership 2030“ im
te, mittelstän-dische Betriebe, Nachhaltigkeit schon lange in ihrer November.
Unternehmens-DNA tragen. „Enkelgerechtes Wirtschaften“, bei
dem der Schutz der natürlichen Lebensgrundla-gen, langfristige und Bei ihren Mitgliedsunternehmen sieht die IHK vor allem
tragfähige Investitionen in die Zukunft des Unternehmen und der dort Anknüpfungspunkte, wo seit vielen Jahren schon Energie-,
Folgegeneration sowie ein fairer Umgang mit den Mitarbeiterinnen Umwelt- und Klimaschutzthemen im Fokus stehen. So hat die
und Mitar-beitern zusammenkommen, sind für den überwiegen- IHK zwei Energieeffizienz-Netzwerke initiiert und bietet mit den
den Teil der Unternehmerschaft selbstverständlich. In der IHK gibt „Energie-Scouts“ jedes Jahr eine kostenfreie Weiterbildung für
das traditionelle, aber keinesfalls antiquierte Leitbild des „Ehrbaren Auszubildende an. Die Veranstaltungsreihe „Nachhaltige und intel-
Kaufmanns“ davon Zeugnis. ligente Gebäude“ feiert dieses Jahr bereits ihr zehnjähriges Jubiläum.
So steht für die IHK gerade mit der Industrie eine Zielgruppe im
Dennoch besteht Handlungsbedarf, um eine nachhaltige Vordergrund, die andere Multiplikatoren weniger stark im Blick
Gesellschaftsentwicklung im Sinne der SDGs auch im Bereich der haben – das bietet Raum für weitere Synergien und Kooperationen.
Wirtschaft weiter voranzubringen. Einer der ersten Schritte bestand
für die IHK in einer Kooperation mit der regionalen Gruppe der
Gemeinwohlökonomie im Rahmen einer Forums-Veranstaltung im
März 2020. Auch wenn es bei der Frage nach dem richtigen Weg hin
zu mehr unternehmerischer Nachhaltigkeit durchaus unterschied- Autor
liche Ansätze gibt, helfen die Begegnungen von Unternehmern Fabian Lauer
unterschiedlicher Couleur doch, Berührungsängste abzubauen und
neue Anknüpfungspunkte zu finden. IHK zu Dortmund
Tel: 0231 5417-229,
Die IHK wird sich zukünftig auch im Dortmunder Unterneh- E-Mail: f.lauer@dortmund.ihk.de
10 Kleine KniffeAus Unternehmensverbänden
NACHHALTIG. ERFOLGREICH. FÜHREN
Alle sprechen über Nachhaltigkeit. Das Thema in die unternehmerischen Handlungsfelder zu
integrieren, stellt für Unternehmen jedoch eine komplexe Herausforderung dar. Eine Initiative
des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit der DIHK-Bildungs-
GmbH will gemeinsam mit Unternehmen, Fachexperten und IHKs Lösungen entwickeln. Mit einem
IHK-Management-Training, das Unternehmen unterstützt, die Prinzipien von Nachhaltigkeit im
unternehmerischen Handeln anzuwenden.
Im Gespräch mit Peter Uhlig, DIHK-Bildungs-GmbH
Das vom Bundesministerium für Bildung und Wen wollen Sie denn in den Betrieben erreichen?
Forschung geförderte IHK-Management-Training „Nach-
haltig Erfolgreich Führen“ zahlt auf die Zukunftsfähigkeit Wir haben viel vor! Nachhaltigkeit in Unternehmen funktio-
des Mittelstands ein. Wie kam es zu diesem Projekt? niert am besten, wenn das gesamte Team an einem Strang zieht.
Deshalb entwickeln wir erstmals ein Management-Training, das
Seit 2017 gibt es den Nationalen Aktionsplan Bildung für Nachhaltigkeits-Kompetenz in alle Unternehmensbereiche trägt.
nachhaltige Entwicklung (BNE). Wir haben den Auftrag der Kom- Praxisnah und handlungsorientiert. Für die Unternehmensführung,
petenzentwicklung betrieblicher Zielgruppen aufgegriffen und ein für das Management und für die einzelnen Funktionsbereiche im
Training für Unternehmen entwickelt. Dieses Qualifizierungsan- Unternehmen. Wir verfolgen also einen ganzheitlichen Ansatz.
gebot unterstützt Betriebe dabei, ihr unternehmerisches Handeln
unter wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Dimensionen zu Und wer liefert die Inhalte der Trainingsbausteine?
betrachten und ggf. zu verändern. Das entspricht auch dem Leitbild
IHKs und die DIHK-Bildungs-GmbH entwickeln zurzeit
des Ehrbaren Kaufmanns.
gemeinsam mit zahlreichen Experten aus Unternehmen und Wissen-
Treffen Sie mit der Qualifizierung von Führung- schaft das modulare IHK-Management-Training. Die Kooperation
skräften den Bedarf der Unternehmen? mit erfahrenen Partnern ermöglicht uns eine praxisnahe und wir-
kungsvolle Gestaltung des Lehrgangs: So können Führungskräfte
Die Anforderungen an Unternehmensleitungen wachsen, so entscheiden, ob sie an Präsenzseminaren oder hundertprozentigen
ist z.B. eine CSR-Berichtspflicht eingeführt worden. Aber auch Live-Online-Trainings teilnehmen.
Kunden und Geschäftspartner erwarten verantwortliches Handeln.
Wir setzen mit der Qualifizierung der Managementebene an der
Stelle im Betrieb an, die die Implementierung neuer Strategien auch Gesprächspartner
umsetzen kann. Peter Uhlig
Projektkoordinator
Tel: 0228/62 05-274
E-Mail: uhlig.peter@wb.dihk.de
www.dihk-bildungs-gmbh.de
Kleine Kniffe 11Aus Unternehmensverbänden
Warum ein Nachhaltigkeitsbericht
auch kleinen Betrieben Vorteile bietet
Warum sollte sich ein kleiner oder mittelgroßer Handwerksbetrieb entscheiden, einen
Nachhaltigkeitsbericht zu schreiben, wenn dies weder zwingend notwendig noch gesetzlich
vorgeschrieben ist?
Ein Beitrag von Dr. Christine Avenarius, Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk e.V.
Gerade in kleinen Betrieben haben weder Betriebsinhabende machen den Betrieb attraktiv für Arbeitnehmende. Hinzu kommt,
noch Mitarbeitende ausreichende Kapazitäten, um – zusätzlich zum dass Banken bei der Kreditvergabe zunehmend berücksichtigen, ob
Tagesgeschäft – Informationen zum Energieverbrauch, der Beach- Unternehmen Angaben zu nachhaltiger Betriebsführung machen.
tung der Wiederverwendbarkeit von Arbeitsmaterialien oder der
Veranke-rung in der regionalen Wirtschaft zu sammeln und zu Den Wunsch nach Nachhaltigkeit praktisch
verschriftlichen. Darüber hinaus sind Kleinst-, Klein- und Mittelun-
ternehmen derzeit nicht verpflichtet, einen Nachhaltigkeitsbericht umsetzen
zu schreiben. Die Vorgaben des Richtlinie-Umsetzungsgesetzes für Es gibt aber weitere überzeugende Gründe, sich den Anforde-
Corporate Social Responsibility (CSR-RUG), einen Bericht über rungen eines Nachhaltigkeitsberichts zu stellen. Viele kennen die
nicht-finanzielle Aspekte mit Berücksichtigung von Initiativen zu Erfahrung, dass der Wunsch, mehr Nachhaltigkeit im eigenen Leben
Ressourcenschonung, Wohlergehen von Arbeitnehmenden und oder Unternehmen zu etablieren, nicht zur Umsetzung kommt.
Engagement für die Gesellschaft zu erstellen, betrifft nur Unterneh- Manchmal fehlt ein Anlass oder Startpunkt. Manchmal fehlen Ideen
men, Banken und Versicherungen, die mehr als 500 Mitarbeitende für nachhaltigere Arbeitsmethoden oder für die nachhaltige Beschaf-
beschäftigen. Dennoch kann es auch für einen kleineren Betrieb fung von Arbeitsmitteln. Und manchmal fehlt der Ansporn, denn
sinnvoll sein, einen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen. Ins- das Vorhaben scheint weit entfernt von den alltäglichen Anforde-
besondere dann, wenn die Nachhaltigkeitserklärung festgelegten rungen. Um diesen Herausforderungen begegnen zu können, ist es
Standards folgt und von unabhängigen Prüfenden zertifiziert wird. wichtig, praxisorientierte Aufgaben anzunehmen. Die Recherchen
zu Verbrauchsdaten des Betriebs und die Beschreibung aktuel-
Vorteile bei öffentlichen Vergaben und bei der ler Betriebsabläufe, die für die Erfüllung der Anforderungen eines
Nachhaltigkeitsberichts notwendig sind, machen aus dem abstrakten
Bindung von Fachkräften Vorhaben, nachhaltiger zu wirtschaften, reale Aufgaben. Damit wird
Zu den guten Gründen für das Verfassen eines Nachhaltigkeits- der Wunsch, sich mit Nachhaltigkeit zu befassen, zur Realität und
berichts zählen, dass zum Beispiel bei öffentlichen Vergaben oder das Schreiben eines Berichts zum Anreiz. Beides zusammen liefert
bei Aufträgen aus der Industrie an kleine und mittlere Unterneh- gleichzeitig Anregungen und Ideen für weitere Maßnahmen, die
men (KMU) Angaben zu Nachhaltigkeit entlang der Lieferkette ein nachhaltiges Wirtschaften fördern.
zunehmend bedeutender Vergabefaktor sind. Ein Nachhaltigkeits-
bericht kann somit Aufträge sichern. Die Zertifizierung kann kleine Vielfältige Standards für
Betriebe außerdem bei der Fachkräftegewinnung und -sicherung
unterstützen, denn die im Bericht dokumentierte Verantwortung für Nachhaltigkeitsberichte
die Belegschaft und der Beitrag für das Gemeinwohl in der Region Um das eigene betriebliche Engagement für Nachhaltigkeit für
12 Kleine KniffeFoto: Moana Brunow / ZWH e.V.
sich selbst und andere sichtbar zu machen, bietet sich die Verwen- Anwendende zur Reflektion wichtiger Nachhaltigkeitsthemen
dung von etablierten Standards für Nachhaltigkeitsberichte an. Dazu ein und erlaubt, die Erklär-Funktion zu nutzen, falls ein Betrieb
gehören unter anderem die Global Reporting Initiative (GRI), der bestimmte Anforderungen noch nicht erfüllen kann. Das bedeutet,
Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) und die Gemeinwohlöko- dass ein berichtender Betrieb angeben kann, wenn ein bestimmtes
nomie (GWÖ). Für die Umsetzung des vom Bundesministerium Thema Neuland ist und welche Maßnahmen das Unternehmen dazu
für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „HAND- für die Zukunft plant.
WERKN – Nachhaltigkeit in Handwerksbetrieben stärken!“ hat sich
die Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk e. V. (ZWH) Nachhaltigkeits-Navigator Handwerk
bewusst für eine Orientierung am Deutschen Nachhaltigkeitskodex
(DNK) entschieden. Die ZWH hat den Nachhaltigkeits-Navigator als digitales Management-Instrument für
Handwerk entwickelt, der Handwerksbetriebe befähigt, vorhandene nachhaltige Betriebsführung
nachhaltige Praktiken besser zu erfassen und weitere Maßnahmen zu Der Nachhaltigkeits-Navigator Handwerk der ZWH leitet
pla-nen. Für den umfangreichen Prozess der Berichtserstellung nach Betriebe zunächst dazu an, die Ist-Situation der eigenen Betriebsab-
den Kriterien des DNK berücksichtigt der Navigator die Besonder- läufe zu beschreiben. Der Navigator besteht aus Anleitungen zur
heiten des Handwerks. Selbsterkenntnis und Dokumentation, die dem Betrieb dabei helfen,
sowohl Stärken als auch Verbesserungsmöglichkeiten des nachhalti-
Deutscher Nachhaltigkeitskodex (DNK) als gen Wirtschaftens zu erkennen. Jede Anleitung orientiert sich an den
Anforderungen eines bestimmten Kriteriums des DNK und bietet
vielseitige Grundlage Nutzenden eine Auswahl vorformulierter Antworten an. Anhand
Der DNK wurde vom Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) der vorgegebenen Möglichkeiten Nachhaltigkeit praktisch umzu-
der Bundesregierung erstellt und orientiert seine Leistungsindika- setzen, suchen sich Anwendende die passenden betriebsbezogenen
toren an den Standards für Nachhaltigkeit der Global Reporting Aussa-gen aus und werden von den Inhalten auf neue nachhaltige
Initiative (GRI). Die Anforderungen des DNK an Datendokumen- Praktiken aufmerksam gemacht. Die entstandenen Texte können
tation sind im Vergleich zu den GRI-Standards weniger umfangreich anschließend ergänzt oder umgeschrieben werden.
und komplex. Der DNK bietet dennoch Anschlussfähigkeit an die
Nachhaltigkeitsberichte großer Unternehmen und langfristig Der Fokus des Navigators auf Bestandsaufnahme wird auch
Vergleichbarkeit und Transparenz der betrieblichen Nachhaltig- dadurch deutlich, dass das Instrument – anders als der Orientie-
keit. Zudem ermöglicht die Beantwortung der 20 DNK-Kriterien rungsrahmen des DNK – nicht mit der Aufforderung beginnt, die
einen Lernprozess, der die Entwicklung weiterer unternehmens- betriebliche Nachhaltigkeitsstrategie zu beschreiben. Anwendenden
spezifischer Lösungen fördert. Der Fragenkatalog des DNK lädt wird empfohlen, sich zunächst mit den Bestandteilen der eigenen
Kleine Kniffe 13Foto: Kathrin Jegen/ ZWH e.V.
Wertschöpfungskette zu beschäftigen. Das heißt, die Vielfalt der Lie- müssen, um als praxisorientiertes Werkzeug in Handwerksbetrieben
ferfirmen, Herstellenden und deren Produkte kennenzulernen und eingesetzt werden zu können.
auf Nachhaltigkeitsaspekte zu prüfen.
Der Nachhaltigkeits-Navigator Handwerk wird ab Novem-
Im Anschluss folgt eine Anleitung zur Gestaltung eines Dialogs ber 2020 kostenlos als Browseranwendung zur Verfügung stehen.
mit Mitarbeitenden, ausgewählten Kund*innen und Geschäftspart- Parallel dazu bietet die ZWH gemeinsam mit Kooperations-
ner*innen. Dieser Dialog kann die Bestimmung des betrieblichen partner*innen aus der Handwerksorganisation Online-Workshops
Handlungsschwerpunkts unterstützen. Darauf aufbauend führen die zum Thema an. Wir möchten viele Handwerksbetriebe erreichen
Nutzenden des Navigators ihre Bestandsaufnahme zu Ressourcen- und sie bei der Bestandsaufnahme nachhaltiger Aktivitäten und
nutzung, Arbeitnehmendenrechten, Qualifizierung, Engagement in Sichtbarmachung von Stärken unterstützen. Das Einreichen eines
der Region, Gesetzeskonformität und Innovationen durch, bevor sie Nachhaltigkeitsberichts beim Büro des Deutschen Nachhaltigkeits-
sich der Festlegung von Nachhaltigkeitszielen widmen und angeben, kodex ist keine Nutzungsbedingung.
wie sie die internen Prozesse ihrer nachhaltigen Betriebsführung
organisieren. Für weiterführende Informationen zum Nachhaltigkeits-Navi-
gator Handwerk und dem Workshop-Angebot besuchen Sie uns auf
Mitwirkung von Handwerksbetrieben und
Expert*innen für nachhaltiges Wirtschaften im www.nachhaltiges-handwerk.de
Handwerk
Den Navigator hat das Team der ZWH nicht im Alleingang
gebaut. Die Inhalte der Anleitungen zu jedem DNK-Kriterium
wurden zunächst von ZWH-Mitarbeitenden entwickelt und von
einer Expert*innenrunde evaluiert, zu denen Inhabende von Hand-
werksbetrieben und Betriebsberater*innen aus Handwerkskammern
gehören. Nach Überarbeitung der Anleitungen wurden diese in
Workshopreihen an den vier Standorten Hamburg, Dresden, Mün- Autorin
chen und Düsseldorf mit Inhabenden und Führungskräften von 20 Dr. Christine Avenarius
Handwerksbetrieben aus sieben Gewerben getestet und optimiert.
Sie haben die Anleitungen ausprobiert und zurückgemeldet, welche Zentralstelle für die Weiterbildung im
Aspekte und Beschreibungen ergänzt oder überarbeitet werden Handwerk e.V.
14 Kleine KniffeVeranstaltungshinweis
Online-Fachtagung
Procurement Leadership 2030: Nachhaltig und innovativ einkaufen
Termin
12. November 2020 von 14:00 Uhr bis 16:30 Uhr
Der Einkauf mit seinen vielfältigen Schnittstellen zu internen und externen Partnern ist ein zentraler
Lenker des nachhaltigen Wirtschaftens. Doch obwohl „Green Procurement“ und „Sustainable Procure-
ment“ seit fast zwei Jahrzehnten in der Fachwelt diskutiert werden, sind gerade für viele Mittelständler
Nachhaltigkeitsaspekte im Einkauf und eine entsprechende Berichterstattung Neuland.
Nachhaltigkeit ist selten als Einkaufsziel verankert oder beschränkt sich auf die Vermeidung von Kinder-
arbeit und den Verzicht auf giftige Stoffe. Viele Unternehmen unterschätzen noch immer die Chancen
einer nachhaltigen Lieferkette, verfügen nicht über das notwendige Know-how oder widmen sich lieber
anderen Aufgabenfeldern. Angesichts von Klimawandel und Krisen dürfte sich der Druck auf Unterneh-
men aber weiter erhöhen, ihre Lieferkette transparenter zu machen. Wie aber lässt sich Nachhaltigkeit in
Einkauf und Beschaffung wirkungsvoll und konsequent verankern?
Mit der Fachtagung möchten wir Unternehmer und Beschaffungsverantwortliche motivieren und un-
terstützen, selbst aktiv zu werden. Wir zeigen Ihnen mögliche Handlungsoptionen, Informationsquellen
und Netzwerke, in denen Sie Ihre Erfahrungen teilen können.
Die kostenfreie Online-Veranstaltung wird gemeinsam vom Bundesverband Materialwirtschaft,
Einkauf und Logistik (BME), „Kleine Kniffe“ und der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund
ausgerichtet.
Anmeldung
https://events.dortmund.ihk24.de/procurementleadership2030
Kleine Kniffe 15Nachhaltig aufgestellte Unternehmen
Strenge Anforderungen an Nachhaltigkeit erfüllt
Als diplomierte Försterin hat Dr. Stefanie Eichiner im bayerischen Staatswald Bäume gepflanzt,
gepflegt und geerntet. Als Forstwissenschaftlerin hat sie zur nachhaltigen Ressourcennutzung
geforscht und gelehrt mit Stationen in den USA, Deutschland und Indonesien. Seit 2013
Jahren schult Dr. Eichiner Kunden und Kollegen zur nachhaltigen Papierherstellung und
Unternehmensverantwortung.
Im Interview Dr. Stefanie Eichiner
Was macht eine Försterin in der Papierbranche? Die Abwärme unserer Maschinen fließt in den firmeneigenen Ener-
giekreislauf. Das Wasser leihen wir uns aus der nahen Isar, nach
Ich entwickele Strategien für mehr Nachhaltigkeit bei der der Nutzung bereiten wir es in einer Kläranlage auf und leiten es so
Papierherstellung. Papier wird aus einem erneuerbaren und sauber zurück in den Fluss, wie wir es entnommen haben.
wiederverwertbaren Rohstoff hergestellt und ist während seiner
Was bedeutet das Thema „nachhaltig bewirtschafteter
gesamten Lebensdauer nachhaltig. Als weltweit größter Ver-
Wald“ für UPM?
arbeiter von Altpapier in der grafischen Industrie könnte UPM
Communication Papers mit dem im Laufe eines Jahres eingesetzten
Papier fast drei Mal das Empire State Building füllen. Wälder sind die wichtigste Rohstoffquelle für UPM. Daher
ist es für unser Unternehmen oberste Priorität, die Grundsätze
Wie viel Altpapier werden bei Ihnen pro Jahr recycelt? nachhaltiger Forstwirtschaft zu befolgen. Wir fördern eine gute
forstwirtschaftliche Praxis und stellen sicher, dass wir die Herkunft
Jährlich recyceln wir bei UPM Communication Papers rund
des von uns verarbeiteten Holzes vollständig kontrollieren können.
vier Millionen
In den vergangenen
Tonnen Altpapier
30 Jahren hat UPM
– kein Druckpapier-
147.000 Hektar
hersteller recycelt
Wald aufgefors-
mehr. Stolz sind wir
tet; das bedeutet,
in Plattling auf die
zuvor unbewaldete
Zellstoff Herstellung
Flächen wurden zu
aus Etiketten, nur
neuem Wald.
zwei Firmen in ganz
Europa können das.
Damit hat das
Der Klebstoff wird
Unternehmen
entfernt und das
eine Senke für 24
Papier aufgeweicht,
Millionen Tonnen
sodass es wiederver-
CO2 geschaffen.
wertet werden kann
Aktuell binden diese
statt in die Müllver-
Wälder fortlaufend
brennung zu gehen.
jährlich zwei Milli-
Und auch sonst wird
onen Tonnen CO2.
nichts verschwendet.
16 Kleine KniffeDie Lieferkette sichern!
Wer Holz kauft, hat die Möglichkeit, es verantwortungsvoll
zu beziehen. Holz mit den Siegeln von FSC® (FSC-C014719) oder
PEFC stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Beides
sind unabhängige, gemeinnützige Organisationen, die durch
Standardsetzung und Kontrollen die Beachtung umweltrelevanter,
sozialer und wirtschaftlicher Aspekte der Waldbewirtschaftung
sicherstellen. Bei UPM sind 81 Prozent aller Holzrohstoffe auf
diese Weise zertifiziert. Ziel ist es, bis 2030 hundert Prozent zu
erreichen.
UPM hat eine neue Produktserie auf den Markt geb-
racht – was ist das Besondere an diesen Büropapieren?
Die Produktserie heißt New Future; diese ist mit dem Label
„Responsible Fibre“ ausgezeichnet. New Future ist ein Sortiment
an qualitativ hochwertigen, leistungsstarken Büropapieren für
Druckanwendungen zu Hause und im Büro. Responsible Fibre®
by UPM weist nach, dass die für Produkte mit diesem Zeichen
verwendeten Fasern in puncto ökologische und soziale Verantwor-
tung die strengsten Anforderungen der Branche erfüllen und durch
unabhängige Dritte zertifiziert werden.
Frischfaserpapier vs. Recyclingpapier – welche
Meinung haben Sie bei diesem Thema?
Altpapier ist ein wichtiger Rohstoff für die Papierherstellung.
Dennoch ist die Verwendung frischer Fasern für den Papierkreis-
lauf unverzichtbar. Kurz gesagt, das Perpetuum Mobile gibt es auch
in der Papierindustrie nicht und Faserverluste beim Recycling sind
unvermeidbar, v.a. weil sich nicht alle Druckfarben restlos entfer-
nen lassen. Würde alles benötigte Papier nur noch aus Altpapier
hergestellt, gäbe es bald kein Papier mehr. Eine gewisse Zufuhr an
Frischfaser ist daher notwendig, um den Papierkreislauf auf Dauer
aufrecht zu erhalten. Wie oben beschrieben, lässt sich aber auch
bei Frischfaserpapieren die Nachhaltigkeit garantieren.
Das Interview führte
Thomas Heine
SDG media GmbH
www.sdg-media.de
Kleine Kniffe 17Förderung
Unternehmensberatung
Nachhaltigkeit und Umweltschutz
Erfreulicherweise genießen Umweltschutz und Nachhaltigkeit im heutigen wirtschaftlichen
Handeln bereits einen hohen Stellenwert. Durch die passgenaue Optimierung von Prozessen
können Unternehmen wertvolle ökonomische und ökologische Ressourcen einsparen.
Ein Beitrag von Dr. Nikolai Hoberg, Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle
Ein kluges und nachhaltiges Umweltmanagement wird, bei- Bereits rund 10 % aller Beratungen zu speziellen Themen ent-
spielsweise auch bei Vertragsverhandlungen, zunehmend wichtiger fallen auf die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Seit
und entscheiden häufig über deren Erfolg. Aber auch das Überden- Einführung der Richtlinie im Jahr 2016 wurden hierfür bereits ca.
ken und die Neuausrichtung bestehender Arbeitsstrukturen und 1,6 Millionen Euro an Zuschüssen im Rahmen von 854 Beratungen
Prozesse sind gewinnbringend für Unternehmen und Umwelt. ausgezahlt.
Professionelle Beratungen durch fachkundige Dritte unterstüt-
zen Unternehmen bei der Identifikation von Bereichen, in welchen
unter diesen Aspekten neue Potentiale gehoben werden können.
Dabei werden konkrete Vorschläge zur Umsetzung erarbeitet und
sowohl die Einführungskosten als auch der mögliche Ertrag für das
Unternehmen aufgezeigt.
Damit Unternehmensberatungen auch für kleine und
mittlere Unternehmen (KMU) erreichbar sind, können diese
Unternehmen im Rahmen des Bundesprogramms zur „Förderung
unternehmerischen Know-hows“ einen Zuschuss zu den entstehen-
den Beratungskosten erhalten. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)
setzt das Förderprogramm bürgerfreundlich und vollelektronisch
Der Zuschuss beträgt je nach Standort, Unternehmensalter und um. Nähere Informationen sowie den Weg zur Antragstellung
der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens zwischen 50 und 90 finden Sie unter www.bafa.de/unb.
Prozent. Der entsprechende prozentuale Anteil wird bis zu einem
maximalen Zuschuss von 3.000 bzw. 4.000 Euro bezahlt.
Um Unternehmen einen Anreiz zu bieten, sich besonders zu den Autor
Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz beraten zu lassen, gibt es Dr. Nikolai Hoberg,
hierfür im Programm eine spezielle Förderung. Hier werden neben
Beratungen zu allgemeinen Themen zusätzlich Beratungen zum Pressesprecher
Thema Nachhaltigkeit gefördert. Bundesamt für Wirtschaft und
Ausfuhrkontrollee
18 Kleine KniffeDigitalisierung der Beschaffung
Die Abkürzung zur Digitalisierung
Der Druck zur Digitalisierung von Prozessen der Privatwirtschaft und der Öffentlichen Verwaltung
wächst. Doch wie können Unternehmen und Behörden eingefahrene, oft noch papierbasierte
Abläufe schnell, sicher und nachhaltig verbessern und direkt digitalisieren?
Im Gespräch mit Christof Langer, Geschäftsführer Allisa UG
Der Begriff Low-Code-Plattform beschreibt Gibt es Branchen, die bei Low-Code-Lösungen aus-
eine Entwicklungsumgebung für Software, die den geschlossen sind?
Entwicklungsprozess unter Verwendung visuel-
ler Applikationsdesigner und anderer grafischer Ganz egal, ob es sich um Antragsprozesse oder Verfahren in
Modellierungsmethoden ermöglicht, anstatt sie mithil- der Öffentlichen Verwaltung handelt oder auch um administra-
fe klassischer textbasierter Programmiertechniken tive Prozesse und Fertigungsprozesse in der Industrie bis hin zu
herzustellen. Welche Vorteile generiert diese Technik? I4.0-Themen: Die Plattform hat sich in vielen Branchen bereits
bewährt: Namhafte Kunden aus Industrie, Handwerk und Handel
Mit einer Low-Code-Plattform wie Allisa können binnen weni- sowie der Öffentlichen Verwaltung setzen seit Jahren auf die Platt-
ger Tage komplexe Vorgänge und Prozesse digitalisiert werden, form. Die größte Installation beträgt z.Zt. 1.500 Lizenzen bei einem
ohne dafür eine Zeile Code schreiben zu müssen. Dadurch wird Umweltforschungszentrum, die über 50 Prozesse selbst digitali-
die Entwicklungs- und Bereitstellungszeit für Geschäftsanwen- sieren. Auch komplexe Integrationsszenarien lassen sich mittels
dungen deutlich beschleunigt. Aufgrund dieser Vorteile können zahlreicher vorkonfigurierter Schnittstellen und modernster IT-Ar-
Low-Code-Plattformen die Kosten für die Planung des Projekts, das chitektur abbilden – bis hin zur Nutzung von Blockchains. Die Allisa
Training der Mitarbeiter und die Erstellung und Fertigstellung der Plattform ist von Red Hat zertifiziert und seit dem 01.09.2020 auch
IT-Anwendung deutlich senken. im SAP Partnerprogramm. Viele mittelständische IT-Systemhäuser
setzen nunmehr auf Allisa als Low-Code- und Integrationsplattform.
Welche Rolle spielt Low-Code für die Zukunft der
Softwareentwicklung? Stimmt das, dass Sie Kunden ausbilden, eigene
IT-Lösungen zu entwickeln?
Die Digitalisierung erfordert eine hohe Innovationsgeschwin-
digkeit an neue Geschäftsanforderungen und hohe Flexibilität und Wir unterstützen unsere Kunden dabei, „kostengünstig“ selbst
Agilität bei der Bereitstellung neuer Softwarelösungen für das Busi- digitale Lösungen zu entwickeln. Das ist -bis zu einem bestimmten
ness. Die klassische Standardsoftware kann diese Anforderungen Maß - schon nach einer kurzen Einarbeitungszeit bereits möglich.
nicht erfüllen. Sie wurde dafür auch nicht gebaut. Low-Code-Pro- Nähere Infos unter: https://t1p.de/se4z
grammierung schließt diese Lücke. Die Abläufe werden einschließlich
aller Sonderfälle durch eine Kombination von Zuständen, Aktionen
und Regeln beschrieben und sind damit sofort digitalisiert. Sogar
umfangreiche Applikationen können enorm schnell erstellt werden
– und das alles mit einer generischen Code-Basis aufgrund der
patentierten SONAL®-Technologie. Das unterscheidet Allisa ganz Das Interview führte
wesentlich von anderen Low-Code-Plattformen und vor allem auch Thomas Heine
von herkömmlicher Softwareentwicklung.
SDG media GmbH
www.sdg-media.de
Kleine Kniffe 19Aus Wissenschaft und Forschung
Nachhaltigkeit – die „neue Normalität“?
Viele Artikel und Diskussionen drehen sich aktuell darum, wie die Zeit nach Corona
aussehen, also was die neue Normalität sein wird. Zahlreiche Aspekte sind hier, wie bei allen
grundlegenden Fragen unseres Zusammenlebens, zu berücksichtigen. Wer wirklich praxisnahe
Problemlösungen präsentieren will, bedient sich dementsprechend eines systemischen und
ganzheitlichen Konzepts. Die PESTEL-Analyse geht hier in die richtige Richtung und kombiniert
politische (POLITICAL), wirtschaftliche (ECONOMIC), soziale (SOCIAL), technologische
(TECHNOLOGICAL) und rechtliche (LEGAL) Aspekte.
Ein Beitrag von Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky, Universität Würzburg
Im aktuellen Covid-19-Umfeld zu analysierende gesundheitspo- schaftler und Psychologen betrachten die sozialen und individuellen
litische oder forschungsbezogene Kriterien – bspw. zur Entwicklung Folgen von Einschränkungen und Kurzarbeit. Kaum jemand schaut
und zum Einsatz von Impfstoffen – können über über eine PES- auf die halbe Milliarde Arbeitslosen in Entwicklungsländern, die
TEL-Analyse mit abgebildet werden. Es ist unabdingbar, dass sich dort unser Lockdown beschert hat.
solche interdisziplinären Betrachtungen auch in der Wissenschaft stär-
ker durchsetzen, Bei all der
damit nicht nur Komplexität
Forschungs- der Pandemie
exzellenz kommtdasThema
(„Rigor“) geleis- Nachhaltigkeit
tet wird, im Allgemei-
sondern auch nen und der
ein relevan- Klimawandel
ter Beitrag zur im Speziellen
Lösung kom- viel zu kurz.
plexer realer Fragt man die
Probleme Experten, so ist
(„Relevance“). die Meinung
unisono: Der
Während Klimawan-
rein ökono- del wird uns
misch über die über die Zeit
Wiederherstel- mit erheb-
lung gestörter lich größeren
Lieferketten, Problemen kon-
Beschäftigung, frontieren als
Umsatz und dies die aktuelle
Kosten gestrit- Foto: depositphotos Pandemie jetzt
ten wird, fokussieren Virologen oft nur die Ausbreitung des Virus tut. Wir waren auf die Pandemie, trotz deutlicher Warnungen sei-
und direkte Maßnahmen zu dessen Eindämmung. Sozialwissen- tens der Experten, schlecht vorbereitet – andere Länder noch viel
20 Kleine KniffeFoto: depositphotos
schlechter. Unser Krisenmanagement war dann und ist relativ dazu nicht nur an finanziellen Ergebnissen, sondern auch an ihren Beiträ-
gesehen akzeptabel – vor allem im internationalen Vergleich -, aber gen für die Gesellschaft orientieren sollen.
wohl kaum Grund die politischen Handlungsträger über den Klee
zu loben. Tatsächlich werden seit geraumer Zeit immer mehr
Nachhaltigkeitsfonds aufgelegt, die ihre Gelder nur in solche Unter-
Der Klimawandel kommt langsam – aber gewaltig. Wiederum nehmen investieren, die bestimmten ökologischen und sozialen
warnen alle (Klima-) Experten vor den Auswirkungen und die Situ- Kriterien genügen. Genau dies ist mit das „härteste“ Argument,
ation müsste eigentlich allen klar sein. Die politischen Handlungen das man neben gesetzlichen Verboten vorbringen kann, um ganze
lassen dafür sehr zu wünschen übrig. Zwar gibt es internationale Industrien zu lenken.
Abkommen, die zur Reduktion des CO2-Ausstoßes verpflichten. So
wurden auf der Pariser Klimakonferenz COP21 Verpflichtungser- So macht nun der Begriff des „Purpose“ die Runde: Was macht
klärungen beschlossen, die die Erderwärmung unter 2 Grad Celsius Sinn? Wofür sind Unternehmen da? Die Antwort lieferte 2019 der
halten sollen, nach Möglichkeit sogar unter 1,5 Grad C. Allein durch edle Business Roundtable, dem die Chefs der größten US-ameri-
den Ausstieg der USA aus diesem Abkommen, erscheint ein Erreichen kanschen Unternehmen angehören: Langfristiger Wert für alle
stark gefährdet. Bei Betrachtung der Maßnahmen in Deutschland Stakeholder, also nicht nur die Investoren, sondern auch Mitarbeiter,
hinsichtlich der Einführung einer „marginalen“ CO2-Steuer, die bei Kunden, Lieferanten, Gesellschaft und Staat, MUSS das Ziel sein;
einem Start im nächsten Jahr bei nur 25 EURO je Tonne liegen soll, kurzfristige Gewinnmaximierung („short-termism“) ist out!
keimt auch nicht allzu viel Hoffnung auf. Die Ängste um kurzfris-
tige Verluste hinsichtlich der globalen Wettbewerbsfähigkeit und Zudem wurde mittlerweile zweifelsfrei wissenschaftlich erwie-
von Wählerstimmen sind offenbar größer als der Mut zu langfristig sen, dass ökologisch und sozial handelnde Unternehmen auf lange
wirksamen Veränderungen, die auch nachfolgenden Generationen Sicht ein besseres finanzielles Ergebnis aufweisen als die „Schmutz¬-
einen lebenswerten Planeten hinterlässt. So gesehen, scheint der finken“ und „Sozialignoranten“. Mithin dürfte sich die Frage der
bekannte Brundtland-Bericht „Unsere gemeinsame Zukunft“ der Vorteilhaftigkeit einer ökonomisch, ökologisch und sozialen Nach-
UN-Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, der genau letz- haltigkeit eigentlich für Unternehmen gar nicht mehr stellen.
teres bereits 1987 einforderte, ein Stück weit Makulatur.
Dass sich dies in der Mehrzahl der Fälle dennoch nicht realisiert,
Etwas Hoffnung gibt allerdings, dass im privatwirtschaftlichen liegt schlichtweg an kurzfristigen Anreizen für Vorstände, insbeson-
Sektor mehr passieren könnte, als es sich die meisten Politiker vor- dere börsennotierter Unternehmen, an zahlreichen Unternehmen,
stellen können: So forderte schon 2018 Larry Fink, der Chef des denen der lange Atem für eine nachhaltigere Unternehmenspoli
größten Investmenthauses BlackRock, ein, dass Unternehmen sich
Kleine Kniffe 21Foto: depositphotos
tik fehlt und letztlich an der politischen Ebene, die bisher unfä- der Nutzung von Bioziden für Mensch und Umwelt „eingepreist“?
hig erscheint, Unternehmen auf dem Weg in die Nachhaltigkeit die Man ist ja meistens nicht einmal bereit, die Kosten verlorener Zeit
richtigen Anreize zu setzen. für das Stehen im Stau einzupreisen, wenn es darum geht, wie schnell
eine Straßenbaumaßnahme abgeschlossen werden soll. So wie Inves-
Was hat das alles mit den „Öffentlichen“ zu tun? Das müsste tmentfonds verstärkt ökologisch und sozial nachhaltiges Handeln
eigentlich offensichtlich sein – ist es aber leider für viele nicht. Die von Unternehmen einfordern, sollten das die Bürger als Steuerzah-
vielbeschworene positive Vorreiterrolle ist sicherlich ein wichtiger ler tun. Dafür gibt es viele Möglichkeiten, von dem Engagement in
Aspekt, der aber allzu oft bei einem Appell bleibt. Auch im öffentli- NGOs bis hin zum Kreuzchen auf dem Wahlschein. Auf Letzteres
chen Bereich muss die „Kalkulation“ stimmen. haben die Politiker schon immer am besten reagiert. Vielleicht wird
dann doch noch Nachhaltigkeit zum „New Normal“.
Wie unsere Studien eindeutig zeigen, wird hier fast ausschließ-
lich mit Einstandspreisen kalkuliert. Kosten der Nutzungs- und
Entsorgungsphase werden oftmals „vergessen“. Völlige Fehlanzeige
herrscht bei der Frage der indirekten Kosten. Wer kalkuliert schon Autor:
die „Kosten“ schlechter Luft für Bürger, wo sich Pkw und Busse vor Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky
der Haustür vorbeiquälen und die so Gesundheit und Wohlbefinden
der Anwohner beeinträchtigen. Dabei gibt es sehr konkrete gesund- Lehrstuhlinhaber
heitsökonomische Daten hierzu. Lehrstuhl für BWL und
Industriebetriebslehre
Wo werden Folgekosten des Ausbringens von Pestiziden oder Universität Würzburg
22 Kleine KniffeNachhaltig aufgestellte Unternehmen
Die nachhaltige Beschaffungsstrategie
der Anton Debatin GmbH
Kompromissloser Verlass auf das Verpackungsmaterial – von manipulationssicheren Safebags
für Bargeld, Wertsachen, medizinische Proben, Rückstellmuster, bis hin zur selbstklebenden
Versandtasche für Frachtbegleitpapiere und zahlreichen anderen Produkten rund um die
Verpackung ist das Geschäft der Anton Debatin GmbH
Im Gespräch mit Hans-Walter Trepper, Leiter Materialwirtschaft
In diesem Jahr wurde DEBATIN als eines der TOP 100 Wie bindet die Anton Debatin GmbH ihre Lieferanten
innovativsten mittelständischen Unternehmen Deutsch- in die Nachhaltigkeitsoffensive ein?
lands ausgezeichnet. Was war der Anlass?
Wir wissen, dass unsere Lieferanten maßgeblich zu unse-
Die Anton Debatin GmbH gehört als Produzent von Logistik- rem Erfolg beitragen. Aus diesem Grund binden wir sie direkt in
und Folienverpackungen zur Verpackungsindustrie. Als eines der unsere Nachhaltigkeits-Offensive mit ein. Neben ökonomischen,
ersten Unternehmen der Verpackungsindustrie setzten wir schon technischen und prozessualen Kriterien wird bei unseren Beschaf-
früh auf einen Kreislauf, der recycelten Folien, unseren DERIBA fungsaktivitäten ebenfalls auf gesellschaftliche und ökologische
CYCLE®, ein zweites Leben schenkt. Dieser Ansatz und andere Pro- Aspekte geachtet. DEBATIN hat den Anspruch, dass mehr als 85
duktneuheiten und Patente werden in der firmeneigenen „DEBATIN % der relevanten Lieferanten und Dienstleister bis Ende 2025 über
Ideenschmiede“ auf den Weg gebracht. Sie ist der zentrale Ideenpool ein qualifiziertes Qualitätsmanagementsystem wie ISO 9001 oder ein
für individuelle Kunden- und Branchenlösungen. Hier werden Ideen vergleichbares System verfügen. Zudem verfolgen wir den Anspruch,
für neue Produkte, Weiterentwicklungen und individuelle Projekte dass alle unsere bestehenden und zukünftigen direkten Lieferanten
zur Marktreife geführt. Dazu gehören zum Beispiel unsere Sicher- und Dienstleister, unseren Supplier Code of Conduct unterzeichnen.
heitstaschen, die zu über 75% aus PCR Material hergestellt werden Bisher haben ihn mehr als 60 Prozent der involvierten Lieferanten
und durch den Blauen Engel zertifiziert sind. und Dienstleister bereits unterschrieben.
Welchen Beitrag leistet das Unternehmen zum Schutz Stehen die strategische Ausrichtung des Unterneh-
von Menschen und Natur? mens und seiner Produkte nicht im Widerspruch zu dem
finanziellen Erfolg?
Wir brauchen den Planeten, nicht er uns. Das ist der Grund, wes-
halb die Anton Debatin GmbH Nachhaltigkeit als einen wesentlichen Wir erleben in einem immer stärkeren Maße, dass unsere
Bestandteil aller Geschäftsprozesse versteht und weshalb sie im Wer- Kunden, vor allem aus den DAX-Konzernen, nach Produkten
tesystem des Unternehmens fest verankert ist. Wir analysieren und suchen, die nachhaltig produziert wurden. Wenn also die Funktio-
hinterfragen unsere eingesetzten Materialien und Technologien, um nalität unserer Produkte stimmt, ist die nachhaltige Produktion der
mit langlebigen und umweltschonenden Lösungen die Vereinbarkeit Produkte dann das ausschlaggebende Kaufargument.
von Natur und Technik sowie die Kreislaufwirtschaft zu fördern.
Unsere nachhaltige Beschaffungsstrategie steht im Einklang mit
unserer Mission und Vision sowie unseren Unternehmensleitsätzen.
Als Basis dienen die nachhaltigen Entwicklungsziele der UN (SDGs), Gesprächspartner
der Global Compact, die internationale Menschenrechtscharta, die Hans-Walter Trepper
Umwelt- und Sozialstandards der ILO sowie die Leitlinien zur sozi-
alen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft (ISO 26000). Leiter Materialwirtschaft
Anton Debatin GmbH
Member of DERIBA Group
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