DAS STADTMAGAZIN LUZERN - WILLKOMMEN IN DER STADT - Stadt Luzern

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DAS STADTMAGAZIN LUZERN - WILLKOMMEN IN DER STADT - Stadt Luzern
LUZERN                          Ausgabe #04, August 2014

DAS STADTMAGAZIN
         WILLKOMMEN IN DER STADT
         Massnahmen zur Förderung
         des Wirtschaftsstandorts Luzern
DAS STADTMAGAZIN LUZERN - WILLKOMMEN IN DER STADT - Stadt Luzern
2|3                              Editorial                                                     Inhalt

                                                        Stefan Roth                       4    WIRTSCHAFT
                                                        Stadtpräsident                         Der Wirtschaftsbericht des
                                                                                               Stadtrates zeigt auf, wie der
                                                                                               Wirtschaftsstandort Luzern
                                                                                               gestärkt werden kann. Wie
                                                                                               das Parlament den Bericht
                                                                                               aufnimmt, zeigt sich Ende
                                                                                               Oktober, in der Debatte des
                                 LEBENSQUALITÄT IN DER                                         Grossen Stadtrates.
                                 INNENSTADT STÄRKEN
                                                                                          10   KAPELLBRÜCKE
                                     Erfolgreiche Unternehmen sind mit ihren Pro-              Eine Initiative strebt die Än-
                                 dukten und Dienstleistungen für das Funktionieren             derung der Hängeordnung
                                 einer Stadt unabdingbar. Sie schaffen attraktive              auf der Kapellbrücke an. An-
                                 Arbeitsplätze und stärken Image und Ertragskraft.             stelle des Stadtrates soll neu
                                 Diese Tatsache fordert die Politik, Stadtrat und              das Parlament dafür zustän-
                                 Verwaltung, täglich heraus. Wir wollen der lokalen            dig sein und somit bei Be-
                                 Wirtschaft optimale Voraussetzungen schaffen,                 darf auch das Volk mittels
                                 damit sie sich erfolgreich entwickeln kann.                   Initiativen oder Referenden.
                                     In den vergangenen Monaten haben wir in der
                                 Verwaltung einen Wirtschaftsbericht erarbeitet,          12   ABSTIMMUNG
IMPRESSUM
                                 teilweise in Workshops mit Vertreterinnen und Ver-            Die «Initiative zur Rettung
Verantwortlich:
                                 tretern der Luzerner Wirtschaft. Der Bericht bildet           der ZHB Luzern» will die
Stelle für Kommunikation
Niklaus Zeier                    die zentrale Grundlage zur Förderung der Wirt-                Neubaupläne des Kantons
Dagmar Christen                                                                                verhindern und die Zentral-
                                 schaft in den nächsten Jahren. Zusammen mit der
                                 Mobilitätsstrategie, mit den Entscheiden zur Ener-            und Hochschulbibliothek
Autorinnen / Autoren:
Edith Arnold                     gie- und Klimapolitik sowie mit den Grundlagen                in ihrer heutigen Form er-
Daniel Arnold (Aktuell)                                                                        halten. Abgestimmt wird
                                 zur Wohnraumentwicklung bildet er einen wesent-
Sandra Baumeler
Melchior Bendel (MB)             lichen Teil der Basis zu einer erfolgreichen Stadt-           am 28. September.
Flavian Cajacob                  entwicklung.
Dagmar Christen
                                     Der Bericht umfasst 13 Massnahmen. Einige            14   QUARTIER
Urs Dossenbach (UD)
                                 davon wurden bereits in anderen Konzepten auf-                Völkerverbindendes rund
Luzia Hämmig (LH)
Niklaus Zeier (NZ)               geführt, wie die Parkplatzplanung in der Mobili-              ums Lido: Hier verbringen
                                 tätsstrategie. Ist der Bericht darum nur alter Wein           normale Menschen ihre
Korrektorat:
Daniela Kessler                  in neuen Schläuchen? Ich meine nicht. Was bereits             Freizeit oder Ferien; Kos-
                                 in Planung ist, muss nicht durch neuen Aktionis-              monauten und Astronauten
Erscheint fünfmal jährlich                                                                     musizierten gemeinsam –
in einer Auflage von             mus abgelöst werden. Schliesslich gilt es nicht, nur
50’000 Exemplaren                neue Firmen anzusiedeln, es gilt vor allem, die               trotz Ost-West-Konflikt –
                                 bestehenden zu pflegen. Sie bieten in unserer Stadt           mitten im Kalten Krieg.
Grafik:
hofmann.to                       77’000 Arbeitsplätze. Eine grosse Leistung!
                                                                                          16   SCHULE
                                     Zwei Massnahmen scheinen mir in unserem
Fotos:                                                                                         Vreni Völkle heisst die neue
                                 Katalog besonders wichtig: Zum einen wollen wir
Franca Pedrazzetti                                                                             Rektorin der Volksschule
(Front, 3, 4, 6, 7, 9, 10, 12,   uns noch mehr um unsere Firmen kümmern und
                                                                                               der Stadt Luzern. Sie hat im
14, 15, 16, 18, 20, 23, 24),     ihnen eine kompetente Anlaufstelle für Anliegen
Aura (8)                                                                                       August 2014 von ihrem Vor-
                                 bieten. Zum anderen wollen wir uns der Innenstadt
Maya Jörg (17, 21)                                                                             gänger Rolf von Rohr eine
PD (22 oben)                     annehmen. Das Stadtzentrum zwischen Bundes-
                                                                                               Schule übernommen, die
Stadt Luzern (22)                platz und Musegg, zwischen Kasernenplatz und
                                                                                               «sehr gut funktioniert und
Druck:
                                 Haldenstrasse bildet unsere Visitenkarte. Unsere
                                                                                               sehr dynamisch ist».
LZ Print, www.lzprint.ch         Gäste aus nah und fern finden hier das touristische
                                 Luzern und nutzen das breite Shoppingangebot.            18   PORTRÄT
Titelbild:
Claudia Machado und
                                 Luzernerinnen und Luzerner arbeiten hier, treffen             Elias Steiner,
Nicolai Walter sorgen im         sich in der Freizeit. Für sie ist es «ihre Stadt». Und        Traceur
«Luce» im Hotel Radisson         für die Wirtschaft? Neben der Erreichbarkeit der
Blu für das Wohl der Gäste.
                                 Arbeitsplätze und verfügbaren Flächen zur Firmen-        20   AKTUELL
Gedruckt auf Recycling-          entwicklung bildet eine lebendige, sichere und                Am 20. September öffnen
Papier, hergestellt in der       saubere Innenstadt für sie einen wichtigen Teil               die Pflegeheime des Kan-
Schweiz
                                 der benötigten Qualität, um sich als Unternehmen              tons und auch einige in der
© Stadt Luzern                   bei uns wohlzufühlen.                                         Stadt Luzern ihre Türen.
DAS STADTMAGAZIN LUZERN - WILLKOMMEN IN DER STADT - Stadt Luzern
Nachgefragt

                                «FÜR ALLE GELTEN
                                DIESELBEN SPIELREGELN»
                                Die Abteilung Stadtraum und Veranstaltungen mit der Einsatzgruppe Sicher-
                                heit Intervention Prävention (SIP) kümmert sich um die Nutzung des öffentlichen
                                Raums. Dass man es dabei nicht allen recht machen kann, weiss Mario Lütolf.

                                                                                                                     Reglement über die Nutzung des
                                                                                                                     öffentlichen Grundes wurde vom
                                                                                                                     Grossen Stadtrat erlassen, es ba-
                                                                                                                     siert auf Erfahrungswerten und
                                                                                                                     ist das Resultat eines demokrati-
                                                                                                                     schen Aushandlungsprozesses.

                                                                                                                         Es scheint, dass immer mehr
                                                                                                                     Reglemente und immer neue Vor-
                                                                                                                     schriften erlassen werden.
                                                                                                                         Der Eindruck täuscht. Die
                                                                                                                     öffentliche Diskussion um Recht
                                                                                                                     und Ordnung und deren Durch-
                                                                                                                     setzung ist eine Folge des wach-
                                                                                                                     senden Nutzungsdrucks. In der
                                                                                                                     Stadt Luzern hat sich in den ver-
                                                                                                                     gangenen zehn Jahren die Zahl
                                                                                                                     der Veranstaltungen verdreifacht.
                                                                                                                     Dabei gilt es, die unterschiedlichs-
                                                                                                                     ten Bedürfnisse zu beachten. Wir
                                                                                                                     müssen neuen, wettbewerbsrecht-
                                                                                                                     lichen Rahmenbedingungen wie
                                                                                                                     auch legitimen Gewerbe- und An-
                                                                                                                     wohnerinteressen Rechnung tra-
                                                                                                                     gen. Das kann Gemüter erhitzen
                                                                                                                     und Kontroversen auslösen. Es
                                                                                                                     sind Probleme, wie sie alle Schwei-
                                                                                                                     zer Städte kennen.

                                                                                                                        Werden die Entscheide ange-
Seit einem Jahr leitet Mario Lütolf die Abteilung Stadtraum und Veranstaltungen. Er engagiert sich mit seinen           fochten?
Mitarbeitenden dafür, «dass Luzern die lebenswerteste Stadt der Schweiz ist».                                           Gegen die jährlich zirka 800
                                                                                                                     Bewilligungen kann beim Kan-
                                            Mario Lütolf, Leiter der            liert werden. Wir gehen dabei mit    tonsgericht Verwaltungsgerichts-
                                            Abteilung Stadtraum und             Augenmass vor. Wir nutzen den        beschwerde erhoben werden. Da-
                                            Veranstaltungen, glaubt             Handlungsspielraum, den uns die      von wird in drei bis vier Fällen
                                            man den Meldungen in der            Rechtsgrundlagen ermöglichen.        Gebrauch gemacht. Um Unver-
                                            Zeitung, dann hängt das             Ziel ist, dass Luzern die lebens-    ständnis und rechtliche Ausein-
                                            Wohl von Luzern von weni-           werteste Stadt der Schweiz ist.      andersetzungen zu verhindern,
                                            gen Zentimetern ab.                                                      legen wir grossen Wert auf ein
                                            Sie sprechen die Diskussion             Kommen Sie sich nicht etwas      pragmatisches, transparentes Vor-
                                        über Boulevardzonen von Res-                kleinlich vor, wenn Sie den      gehen und den intensiven Dialog
                                        taurants an. Es ist die Absicht der         Standort eines Sonnenschir-      mit allen Anspruchsgruppen. Zur
                                        Stadt, den öffentlichen Raum                mes bemängeln?                   Koordination und Beurteilung
                                        zurückhaltend kommerziell nut-              Nein, vielmehr gelten für alle   von Veranstaltungen besprechen
                                        zen zu lassen. Gastrobetriebe dür-      dieselben Spielregeln. Das schafft   wir uns beispielsweise mit An-
                                        fen die klar begrenzten, effektiv       Rechtssicherheit für Anwohne-        wohner- und Gewerbevertretun-
                                        von ihnen gemieteten Flächen be-        rinnen und Anwohner wie auch         gen und einem interdisziplinären
                                        wirtschaften. Aus stadtgestalte-        für Nutzerinnen und Nutzer des       Team aus verschiedenen städti-
                                        rischen, vor allem aber auch aus        öffentlichen Raums. Für das          schen Dienstabteilungen.
                                        sicherheitstechnischen Über-            friedliche Zusammenleben und
                                        legungen sollen die knappen             -arbeiten braucht es Regeln. Diese      Dagmar Christen
                                        freien Flächen nicht übermöb-           haben nicht wir erfunden: Das           Redaktorin «Stadtmagazin»
DAS STADTMAGAZIN LUZERN - WILLKOMMEN IN DER STADT - Stadt Luzern
4|5                            Wirtschaft

                               ATTRAKTIVITÄT
                               LUZERNS NUTZEN
                               Vom Parlament gefordert, liegt er nun vor: der Wirtschaftsbericht. Er bildet
                               die Leitschnur des Stadtrates für Entscheidungen in der Wirtschaftspolitik. Mit
                               einem Massnahmenpaket will der Stadtrat die Attraktivität der Stadt erhöhen,
                               Wachstum ermöglichen und die Beziehungen zur Wirtschaft vertiefen.

                                                                                                reiche Unternehmen sind mit ihren Produkten und
                                                                                                Dienstleistungen für das Funktionieren einer Stadt
                                                                                                unabdingbar. Sie schaffen attraktive Arbeitsplätze
                                                                                                und stärken Image und Ertragskraft.»
                                                                                                    Auf diese Ertragskraft ist die Stadt angewiesen.
                                                                                                Die Erwartungshaltung an das Zentrum der Zent-
                                                                                                ralschweiz ist hoch. Lebenswerte Wohnstadt, dyna-
                                                                                                misches Wirtschaftszentrum, ein gefragter Hoch-
                                                                                                schul-, ein renommierter Kulturstandort soll Luzern
                                                                                                sein, touristische Highlights bieten und zugleich
                                                                                                eine Dienstleistungsdrehscheibe mit kreativem
                                                                                                Potenzial und Branchenvielfalt sein.

                                                                                                   Wirtschaftszentrum für die ganze Region
                                                                                                    Diese Aufgabenvielfalt bei gleichzeitig hohem
                                                                                                Qualitätsanspruch stellt Luzern vor grosse, insbe-
                                                                                                sondere auch finanzielle Herausforderungen. «Um
                                                                                                allen diesen Erwartungen gerecht zu werden, sind
                                                                                                wir nicht nur auf eine konstruktive Zusammen-
Luzerns Qualitäten sind für das Gastgewerbe und für alle anderen Branchen                       arbeit von Politik und Wirtschaft angewiesen. Wir
von grosser Bedeutung.                                                                          benötigen auch die finanzielle und politische Unter-
                                                                                                stützung unserer Nachbargemeinden und des Kan-
                                           Im vergangenen Herbst zeigte das Parlament           tons», stellt Stadtpräsident Stefan Roth klar fest.
                                       dem Stadtrat die gelbe Karte. Die Mehrheit des Rats      Unter dieser Voraussetzung könne sich Luzern zum
                                       war der Meinung, dass im neuen Regierungspro-            Nutzen der ganzen Region und des Kantons wirt-
                                       gramm dem Thema Wirtschaft viel zu wenig Beach-          schaftlich entwickeln.
                                       tung geschenkt werde.                                        Der Stadtrat will sich mit der Verwaltung den
                                           Der Stadtrat ist über die Bücher gegangen und        Herausforderungen stellen. Er hat sich folgende
                                       hat aufgrund der neusten Erkenntnisse einen Wirt-        Ziele gesetzt: Mit seinen Wirtschaftsmassnahmen
                                       schaftsbericht zur Stadt Luzern erarbeitet. Das Dos-     will er die Attraktivität der Stadt erhöhen, das Wachs-
                                       sier zeichnet ein aktuelles Bild des Wirtschaftsplat-    tum ermöglichen und Beziehungen zwischen Poli-
                                       zes und präsentiert Ziele, Handlungsfelder und           tik und Wirtschaft vertiefen. «Unsere Stadt verfügt
                                       Massnahmen zur Entwicklung von Luzern. Man               über ein ausserordentlich hohes Renommee», weiss
                                       kann gespannt sein, wie das Parlament reagiert. Es       Stefan Roth. «Die überdurchschnittliche Verbun-
                                       behandelt den Bericht im Oktober.                        denheit mit Luzern, seitens der Bevölkerung als
                                                                                                auch der Unternehmen, ist ein wirtschaftlicher
                                           Luzern braucht erfolgreiche Unternehmen              Standortvorteil – den wollen wir nutzen.» Das «Stadt-
                                           Der nun vorliegende Bericht steckt die wirt-         magazin» präsentiert Fakten und Meinungen zum
                                       schaftspolitischen Eckpunkte ab und dient dem            Wirtschaftsplatz Luzern und skizziert die wichtigs-
                                       Stadtrat als Leitschnur für künftige Entscheidun-        ten Massnahmen aus dem Wirtschaftsbericht.
                                       gen in seiner Wirtschaftspolitik. «Die Stärkung der
                                       städtischen Wirtschaft hat für uns eine hohe Prio-          Niklaus Zeier
                                       rität», hält Stadtpräsident Stefan Roth fest. «Erfolg-      Chef Kommunikation
DAS STADTMAGAZIN LUZERN - WILLKOMMEN IN DER STADT - Stadt Luzern
Gesundheits-,
                                       Sozialwesen                                             Detailhandel,
                                                                                               Grosshandel

Diverse                                                                                                                          Erziehung,
Branchen                                                                                                                         Unterricht
                                                  16,7%
                                                                                             11,9%

                                                                                                                      9,7%
          25,2%

                                                                                                                      8,8%

                                4,9%
                                                                                                     8,5%
                                                    7,0%
                                                                           7,3%

                                                                                                                           Freiberufliche,
                                                                                                                           wissenschaft-
                                                                                                                           liche, technische
                                                                                                                           Dienstleister

Öffentliche Verwaltung,
Sozialversicherungen                                                                                      Banken und Ver-
                                                                                                          sicherungen
                              Sonstige wirtschaft-                      Gastgewerbe
                              liche Dienstleister

   Arbeitsplätze nach Branchen
    Die Branchenstruktur der Stadt Luzern zeichnet sich vor allem        mit Abstand grössten Anteil aller Arbeitsstätten (rund 87 Prozent) ma-
durch einen ausgeprägten Dienstleistungssektor aus. In diesem so-        chen Kleinstbetriebe zwischen einer und zehn Personen aus. Weitere
genannten tertiären Sektor arbeiten rund 90 Prozent aller Beschäftig-    10 Prozent aller Arbeitsstätten beschäftigen zwischen 10 und 50 Per-
ten der Stadt Luzern, im sekundären Sektor (Industrie) sind es weni-     sonen. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Stadt Luzern aus Sicht
ger als 10 Prozent.                                                      des Gewerbes primär durch kleine und mittlere Unternehmen geprägt
    Rund 30 Prozent der Arbeitsplätze werden direkt oder indirekt von    ist. Aus Sicht der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird die
der öffentlichen Hand angeboten (Gesundheit, Soziales, Bildung und       Hälfte aller Arbeitsplätze von 3 Prozent der Betriebe angeboten. Nur
öffentliche Verwaltung). Die grössten privatwirtschaftlichen Bran-       gerade 16 Unternehmen zählen statistisch als Grossbetriebe (mehr
chen sind der Handel, Banken und Versicherungen sowie Freiberuf-         als 250 Angestellte). In zirka 7400 Arbeitsstätten sind rund 77’000
liche. Das Gastgewerbe liegt mit 7,3 Prozent an sechster Stelle. Den     Personen tätig.
DAS STADTMAGAZIN LUZERN - WILLKOMMEN IN DER STADT - Stadt Luzern
6 |7   Wirtschaft

       WIRTSCHAFTSPLATZ:
       NOCH VIEL LUFT NACH OBEN
       Die Bestandespflege gehört zu den zentralen Aufgaben in der Wirtschaftspolitik.
       Im Dialog mit den Firmen können Stadtverwaltung und Unternehmen den Wirt-
       schaftsplatz Luzern weiterentwickeln.

              Die Stadt Luzern bietet ein breites, attrakti-          versucht, die Rahmenbedingungen für die Wirt-
           ves und qualitativ hochstehendes Angebot an                schaft möglichst optimal anzupassen. Der Dialog
           wirtschaftlichen Leistungen und Arbeitsplätzen.            mit den Unternehmerinnen und Unternehmern ist
           Grundlage dafür ist eine solide, gewachsene Wirt-          eine Grundlage dazu. Im «Stadtmagazin» äussern
           schaftsstruktur mit vielen kleinen und mittleren           sich Wirtschaftsvertreterinnen und -vertreter zum
           Unternehmen mit entsprechenden lokalen Veran-              Wirtschaftsplatz: fünf Stimmen aus dem Detail-
           kerungen. Mit rund 77’000 Voll- und Teilzeitstellen        handel, der Kreativwirtschaft, dem grössten Wirt-
           bietet die Stadt fast so viele Arbeitsplätze, wie sie      schaftsverband, einem weltweit tätigen Unterneh-
           Einwohnerinnen und Einwohner zählt. Die Stadt              men sowie der Uhrenbranche. (NZ)

                                                                         Investition in Strassen notwendig
                                                                          «Luzern erhält mit der Zustimmung des Bundes-
                                                                      rates zum generellen Projekt Bypass und Spange
                                                                      Nord eine grosse Chance. Der Bau dieser Strassen
                                                                      bringt nicht einfach mehr Kapazität für den moto-
                                                                      risierten Individualverkehr. Sie ermöglichen die
                                                                      dringend notwendige Entlastung der Hauptachsen
                                                                      und schaffen erst die Grundlagen für eine qualita-
                                                                      tive und quantitative Förderung von ÖV und Lang-
                                                                      samverkehr und eine Reduktion unwirtschaftlicher
                                                                      Standzeiten.
                                                                          Planungssicherheit ist eine wesentliche Voraus-
                                                                      setzung für Investitionen! Funktionierende Trans-
                                                                      porte von Personen, Waren und Gütern sind Vor-
                                                                      aussetzung für eine erfolgreiche wirtschaftliche
                                                                      Entwicklung. Dazu gehören Konzepte für Parkie-
                                                                      rung und Güterumschlag. Die Wirtschaft setzt nicht
                                                                      einseitig auf motorisierte Verkehrsträger. Die IG
           André Bachmann ist Inhaber der Firma Sphinx – Licht-
           Planung-Verkauf, Vorstandsmitglied der City Vereinigung    Wirtschaft und Mobilität will die geeinten Interes-
           Luzern und Co-Präsident der IG Wirtschaft und Mobilität.   sen der Wirtschaft zum Wohle Luzerns vertreten.»

                                                                         Luzerner Kreativwirtschaft
                                                                          «Die Kreativwirtschaft hat in den letzten zehn
                                                                      Jahren stark an wirtschaftlicher Bedeutung gewon-
                                                                      nen. Sie schafft Arbeitsplätze und macht Luzern als
                                                                      Standort attraktiver. Unternehmerinnen und Un-
                                                                      ternehmer schaffen es, mit Mikro-Organisationen
                                                                      Produkte und Dienstleistungen über die Kantons-
                                                                      grenzen, sogar über Landesgrenzen hinweg zu ver-
                                                                      markten.
                                                                          Anfang Juni präsentierte sich die kreativ-
                                                                      wirtschaftliche Welt in der Kornschütte. Mit über
                                                                      60 Luzerner Kreativschaffenden war ein spannen-
                                                                      der Querschnitt zu sehen. Dabei hat sich gezeigt:
                                                                      Unsere Branche bietet Produkte und Dienstleistun-
                                                                      gen für einen Verbrauchermarkt. Nicht anders also
                                                                      als in anderen Bereichen der Wirtschaft.
                                                                          Die Kreativwirtschaft sollte auch genau des-
                                                                      halb keine Sonderbehandlung erhalten. Dies würde
           Mette Skouhus ist Mitinhaberin der Kommunikations-
           design-Agentur Skouhus & Bombelli AG. Die Firma hat        ihr nur schaden. Kreativ ja, aber bitte mit Köpf-
           u. a. die Website der Stadt Luzern gestaltet.              chen.»
DAS STADTMAGAZIN LUZERN - WILLKOMMEN IN DER STADT - Stadt Luzern
Luzern: Zentrum der Zentralschweiz                    Gesamtplanung
                                                                 «Die Zentralschweiz mit ihrem föderativen Auf-      Mitte Oktober 2014 wird
                                                            bau, ihren verschiedenen Zentren und Hauptorten          der Stadtrat seine neue
                                                            sowie ihren eigenständigen Kulturen hat, ob man          Gesamtplanung für die
                                                            es will oder nicht, ein natürliches Zentrum: die Stadt   Jahre 2015 – 2019 vorstel-
                                                            Luzern. Als Wirtschaftszentrum, als Hochschul-           len. Einer der vier zentra-
                                                                                                                     len Leitsätze zur Ent-
                                                            standort, als Kulturstadt, als touristisches Highlight
                                                                                                                     wicklung der Stadt in
                                                            mit weltweiter Ausstrahlung, aber auch als Dienst-
                                                                                                                     den kommenden Jahren
                                                            leistungs-Hub mit einer vibrierenden Branchenviel-
                                                                                                                     ist der Wirtschaftsent-
                                                            falt darf die Stadt eine Verantwortung wahrnehmen,
                                                                                                                     wicklung gewidmet:
                                                            die weit über die direkte Beziehung mit der loka-
                                                            len Bevölkerung hinausgeht. Gute Erreichbarkeit          Leitsatz zur Wirtschaft
                                                            mit intelligenten Verkehrssystemen und effiziente        Die Stadt Luzern ist in
                                                            Drehscheibenfunktion zwischen der Zentralschweiz         ihrer Haltung geprägt
                                                            und dem Rest der Schweiz ist dabei nur eine von vie-     von Offenheit und ist ein
                                                            len Aufgaben. Die kleinste und wohl auch schönste        Ort der Qualität. Zahlrei-
                                                            Metropole der Welt muss sich deshalb immer wie-          che kleine und mittlere
Felix Howald ist seit fünf Jahren Direktor der Industrie-
und Handelskammer Zentralschweiz IHZ, des grössten          der neu erfinden, um die Herausforderungen der           Unternehmen bilden
Wirtschaftsverbands der Zentralschweiz.                     Zukunft bewältigen zu können.»                           eine stabile wirtschaft-
                                                                                                                     liche Basis, die auch für
                                                                                                                     international tätige Un-
                                                                                                                     ternehmen ein willkom-
                                                               Vorteile für Familie und Unternehmen
                                                                                                                     menes Umfeld schafft.
                                                                «Unsere bisherige Erfahrung mit Luzern ist wun-
                                                                                                                     Die Stadt Luzern verfügt
                                                            derbar. Luzern bietet die ideale zentrale Lage, um
                                                                                                                     über hervorragende
                                                            unsere europäischen Supply-Chain- und Logistik-
                                                                                                                     wirtschaftliche Rahmen-
                                                            zentren zu managen. Wir finden hier qualifizierte        bedingungen, die es
                                                            Arbeitskräfte, es herrscht ein wirtschaftsfreundli-      ihren bestehenden und
                                                            ches Klima. Die Wirtschaftsförderung bietet Unter-       neuen Unternehmen
                                                            stützung für internationale Unternehmen. Unser           erlauben,
                                                            Team geniesst die hohe Lebensqualität.
                                                                                                                     • sich auf ihren jeweiligen
                                                                Ich lebe mit meiner Familie seit zwei Jahren in
                                                                                                                       Märkten erfolgreich
                                                            Luzern. Wir fühlen uns hier sehr wohl. Luzern mit
                                                                                                                       und verantwortungs-
                                                            See und Alpen ist spektakulär. Wir geniessen die           voll zu behaupten,
                                                            vielen Freizeitmöglichkeiten in der Region wie Ski-
                                                            fahren, Segeln, Wandern, Schwimmen. Museen wie           • der Luzerner Bevöl-
                                                                                                                       kerung und Gästen
                                                            Rosengart oder Verkehrshaus, Konzerte im KKL und
                                                                                                                       qualitativ hochste-
                                                            die vielen Musikfestivals sind für uns kulturelle
                                                                                                                       hende Produkte und
                                                            Highlights. Wir besuchen Deutschstunden in örtli-
                                                                                                                       Dienstleistungen zu
                                                            chen Schulen. So können wir uns schneller integ-
Laura Holmes ist Managing-Director von Pratt & Whitney                                                                 offerieren,
Aero Engines GmbH International, die u. a. Triebwerke       rieren. Luzern bietet viele Vorteile für Familien und
für den Airbus produziert.                                  Unternehmen.»                                            • attraktive Arbeitsplätze
                                                                                                                       anzubieten,
                                                                                                                     • für Kundschaft, Mit-
                                                               Die Uhrenmetropole Luzern                               arbeitende und Liefe-
                                                                «Luzern ist seit bald 200 Jahren eine begehrte         ranten gut erreichbar
                                                            touristische Destination: Schweizer, Europäer, Ame-        zu sein.
                                                            rikaner und Asiaten besuchen unsere tolle Stadt,         Die Wirtschaft handelt
                                                            den wunderschönen See, die grandiosen Berge, die         verantwortungsbewusst
                                                            weltbekannte Kapellbrücke und kaufen oft eine            und leistet einen wesent-
                                                            qualitativ hochstehende Schweizer Uhr. Neben der         lichen Beitrag zur Stär-
                                                            lokalen Kundschaft spielt der Tourismus in unse-         kung des Images und
                                                            rer Branche eine äusserst wichtige Rolle.                der Ertragskraft von Lu-
                                                                Seit Schengen zählen wir immer mehr chinesi-         zern. Sie stützt die Zent-
                                                            sche Gäste. Wir erwarten weitere Besucher aus die-       rumsfunktion, welche
                                                            sem Land. Das führt an Spitzentagen zu Gedränge,         die Stadt Luzern für die
                                                                                                                     ganze Region erfüllt.
                                                            vor allem am Schwanenplatz. Unsere Gäste sollen
                                                            sich auch in Zukunft willkommen fühlen. Das
                                                                                                                     Weitere Informationen
                                                            gelingt am besten, wenn sich auch die Gastgeber
                                                                                                                     www.stadtluzern/
                                                            wohlfühlen. Wir suchen daher gemeinsam mit der
                                                                                                                     wirtschaftsbericht
                                                            Stadt Mittel und Wege für eine intelligente Lenkung
                                                            der Besucher. Luzernerinnen und Luzerner sollen
Patrik König ist Inhaber der Firma Embassy, eines der
drei grossen Luzerner Uhren-Detailhandelsgeschäfte,         auch in Zukunft stolz darauf sein, dass ihre Stadt
und von «Max Chocolatier».                                  eine so hohe Anziehungskraft besitzt.»
DAS STADTMAGAZIN LUZERN - WILLKOMMEN IN DER STADT - Stadt Luzern
8 |9                           Wirtschaft

                                OPTIMALES UMFELD FÜR
                                WIRTSCHAFT BIETEN
                                Der Stadtrat fördert und stärkt den Wirtschaftsplatz Luzern. Er schlägt Massnah-
                                men vor, um die Standortattraktivität zu erhöhen und den lokalen Unternehmen
                                bessere Rahmenbedingungen für deren Entwicklung zu bieten.

                                          Im Wirtschaftsbericht, welcher Mitte August der        wicklungen in der Rösslimatt und auf dem Littau-
                                      Öffentlichkeit vorgestellt worden ist, präsentiert der     erboden, ein Gesamtkonzept zur Stärkung der
                                      Stadtrat eine Reihe von Massnahmen. Mit diesen             Innenstadt, das Parkplatzkonzept (inkl. Steuerung
                                      will er in den kommenden Jahren den Wirtschafts-           des Cartourismus) sowie eine Anlaufstelle für die
                                      standort Luzern stärken und eine nachhaltige               Unternehmen in der Verwaltung und die Stärkung
                                      Entwicklung einleiten. Verschiedene Massnahmen             der Ressourcen zur Bestandespflege.
                                      stehen aufgrund ihrer erwarteten Wirkung und ak-              Die wichtigsten Massnahmen werden nachfol-
                                      tuellen Bedeutung im Vordergrund: die Arealent-            gend skizziert. (NZ)

Das Schlüsselareal Rösslimatt beim Bahnhof: Hier entstehen in den nächsten Jahren grosse zusammenhängende Dienstleistungsflächen.

                                          Schlüsselareale entwickeln
                                         Das Fehlen mittlerer und grosser zusammen-                  Die erste Priorität der Entwicklung gilt der Röss-
                                      hängender Dienstleistungsflächen an zentraler Lage         limatt. Hier wollen die SBB in einer ersten Etappe
                                      war in den vergangenen Jahren in der Stadt Luzern          entlang den Geleisen einen Gebäudekomplex rea-
                                      ein grosses Hindernis bei der Ansiedlung neuer             lisieren, der mit 20’000 Quadratmetern Geschoss-
                                      Unternehmen. Freie Flächen zu finden, gestaltet            fläche zur Ansiedlung von Firmen in Zentrumslage
                                      sich auf Stadtgebiet als schwierig, stehen doch            dienen soll. Der Bezug ist auf 2018 vorgesehen.
                                      kaum noch städtische und private Landreserven zur          Für den Littauerboden soll 2015 ein Entwicklungs-
                                      Verfügung. Es ist für Luzern ein Glücksfall, dass die      konzept in Angriff genommen werden. Die Bau-
                                      SBB ihr Areal Rösslimatt, unmittelbar hinter dem           arbeiten am Pilatusplatz und beim Steghof sollen
                                      Bahnhof, entwickeln wollen. Zusätzlich verfügt die         2020 beginnen. Die Dienstleistungsflächen, welche
                                      Stadt über eigene Flächen auf dem Littauerboden,           zur Stärkung des Wirtschaftsplatzes notwendig
                                      beim Steghof und am Pilatusplatz.                          sind, sollen zeitgerecht realisiert werden.
DAS STADTMAGAZIN LUZERN - WILLKOMMEN IN DER STADT - Stadt Luzern
Parkierungskonzept erarbeiten
                                          Die Erreichbarkeit der Stadt als Arbeits- und        dürfnisse des Wirtschaftsplatzes Luzern in Zukunft
                                      Marktplatz gilt es zu erhalten und für die Zukunft       sichergestellt wird: Es macht konkrete Aussagen
                                      sicherzustellen. Fast täglich halten sich in der Stadt   zur Gesamtzahl der Parkplätze, deren Platzierung
                                      mehr als doppelt so viele Menschen auf, als hier woh-    und Bewirtschaftung sowie zu den Entwicklungs-
                                      nen. Neben den angestrebten Entwicklungen beim           absichten.
                                      Fussverkehr sowie beim öffentlichen Verkehr ist die          Im Vordergrund steht die Kernstadt, insbeson-
                                      Erarbeitung eines Parkierungskonzeptes für den           dere auch die Frage der Carpark- und Carhalte-
                                      wirtschaftlich notwendigen motorisierten Indivi-         plätze. Das Parkplatzkonzept berücksichtigt zudem
                                      dualverkehr eine zentrale Massnahme. Diese ist da-       zahlreiche Einzelprojekte wie das Parkhaus Musegg,
                                      her auch Bestandteil der Mobilitätsstrategie des         den Ersatzstandort Bahnhofparking, die Aufhe-
Den wirtschaftlich notwendigen        Stadtrates. Dieses Parkplatzkonzept schafft für alle     bung, Schaffung oder Verschiebung von Auto- und
Parkraum sichern.                     Beteiligten Sicherheit, wie der Parkraum für die Be-     Veloparkplätzen.

                                         Luzerner Innenstadt aufwerten
                                          Die Luzerner Innenstadt ist das städtische           neue Projekte sowie Massnahmen zur Erhöhung
                                      Gebiet, welches von den meisten Bewohnerinnen,           der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt bün-
                                      Bewohnern und Gästen aufgesucht wird. Sie ist die        deln. Als ersten Schritt gilt es, eine Zielvorstellung
                                      Visitenkarte der Stadt. Der Stadtrat ist sich dessen     im Sinne einer Vision der Innenstadt aufzuzeigen
                                      bewusst. Er will sich in den kommenden Jahren            und die dazu notwendigen Projekte und deren zeit-
                                      gezielt dieses zentralen Gebiets annehmen. Ein-          liche und finanzielle Eckwerte zu bestimmen. Dazu
                                      heimischen und Gästen sollen sichere und saubere         gehören sowohl bauliche, infrastrukturelle wie auch
                                      Plätze mit hoher Aufenthaltsqualität und innovati-       inhaltliche Themen. Das Konzept soll 2015 in An-
                                      ven Inszenierungen zur Verfügung stehen; Plätze,         griff genommen werden und u. a. Themen wie Auf-
                                      die Zeit und Raum für Begegnungen, Einkaufen,            wertung Bahnhofstrasse, Hirschmatt, Schwanen-
Eine Innenstadt für Begegnungen,      Unterhaltung, Verweilen und Geniessen ermög-             platz / Grendel, Gestaltung öffentlicher Plätze und
Einkaufen, Verweilen und Geniessen.   lichen. Ein Gesamtkonzept soll bestehende und            betriebliche Abläufe in der Innenstadt behandeln.

                                         Dialog mit der Wirtschaft führen
                                           Um die Anliegen der Wirtschaft zeitgerecht in       kantonale Wirtschaftsförderung bei Ansiedlungen
                                      die städtischen Projekte miteinbeziehen zu können,       neuer Unternehmen auf Stadtgebiet unterstützen.
                                      ist ein regelmässiger Kontakt zu Unternehmen und         Der Bereich Wirtschaftsfragen wird in der Stadtver-
                                      Wirtschaftsorganisationen in Luzern unabdingbar.         waltung zurzeit mit einem Pensum von 75 Stellen-
                                      Diese Aufgabe umfasst neben der generellen Netz-         prozenten wahrgenommen. Der Beauftragte hier-
                                      werkpflege im Dialog mit den Unternehmen the-            für ist Ansprechpartner für die Wirtschaft. Zudem
                                      menspezifische Schwerpunkte, welche Zeit und ver-        vertritt er die wirtschaftlichen Interessen in zahlrei-
                                      tiefte Kenntnisse beanspruchen.                          chen städtischen Projekt- und Arbeitsgruppen.
                                           Zusätzlich will der Stadtrat in der Verwaltung          Um den stadträtlichen Wirtschaftsbericht zeit-
                                      eine Anlaufstelle für Anliegen der Wirtschaft ein-       gerecht umzusetzen und die neue Anlaufstelle zu
Eine Fach- und Koordinationsstelle    richten. Diese Anlaufstelle soll als Drehscheibe für     etablieren, will der Stadtrat das bestehende Pensum
für Wirtschaftsfragen schaffen.       Auskünfte an Unternehmen funktionieren und die           für Wirtschaftsfragen auf 175 Prozent erhöhen.

                                         Bestand und Angebot pflegen
                                          Der Hauptfokus der wirtschaftlichen Stand-           wohlfühlen. Die Stadt Luzern ist ein Ort mit hoher
                                      ortförderung gilt den ansässigen Unternehmen,            Lebensqualität und bietet ein einzigartiges Ange-
                                      welche die städtischen Entwicklungen mittragen           bot für Freizeit und Kultur. Unternehmen sind an
                                      und diese zum Teil seit Jahrzehnten prägen. Sie ge-      einer hohen Lebensqualität interessiert: Lebens-
                                      ben der wirtschaftlichen Struktur den notwendigen        qualität ist ein wichtiges Argument, um Personal
                                      Halt.                                                    rekrutieren und halten zu können.
                                          Für das wirtschaftliche Gedeihen der Stadt ist           Wirtschaftliche Bestandespflege bedeutet so-
                                      es entscheidend, dass sich die ansässigen Firmen         mit auch Pflege der öffentlichen Dienstleistungen
                                      am Standort effektiv entwickeln können. Ziel der         und Angebote. Alle Anstrengungen, welche das Bil-
                                      Bestandespflege ist es, dass die Unternehmen in der      dungs-, Kultur-, Sport-, Freizeit-, Betreuungs- oder
Ansässige Firmen sollen sich in der   Stadt bleiben können, auch wenn sie wachsen. In          auch Einkaufsangebot der Stadt Luzern stärken,
Stadt Luzern wohlfühlen.              Luzern ansässige Firmen sollen sich in der Stadt         stärken auch den Wirtschaftsstandort Luzern.
DAS STADTMAGAZIN LUZERN - WILLKOMMEN IN DER STADT - Stadt Luzern
10 | 11                          Kapellbrücke

                                  DIE FRÖHLICHEN PILGER
                                  GEHÖREN NICHT INS DEPOT
                                  Voraussichtlich am 30. November wird über die Volksinitiative «Die Bilder gehören
                                  auf die Kapellbrücke – Änderung der Zuständigkeit» abgestimmt. Der Kunsthisto-
                                  riker Heinz Horat weiss, was es unter dem Giebel der Brücke zu entdecken gibt.

                                                                                                 gewesen – und zweifelsohne der Beste. Seine Bilder
                                                                                                 heben sich von jenen ab, die andere gemalt haben.
                                                                                                 Allein die Bilder unter dem künstlerischen Aspekt
                                                                                                 zu vergleichen, eröffnet dem Betrachter Welten –
                                                                                                 im Wissen darum, dass die mittlerweile 400 Jahre
                                                                                                 alten Gemälde frei zugängliche Kunstschätze im
                                                                                                 öffentlichen Raum sind, was nicht alltäglich ist.

                                                                                                    Politisch und dreieckig
                                                                                                     Übrigens sei es ein Märchen, dass die Bilder gar
                                                                                                 keine Originale mehr seien, fügt Horat an. Sie seien
                                                                                                 zwar immer wieder retuschiert und restauriert, ver-
                                                                                                 einzelt auch übermalt worden, «aber Komposition
                                                                                                 und Inhalt sind in den meisten Fällen beibehalten
                                                                                                 worden». Die originale Malweise sei auf vielen Bil-
                                                                                                 dern gut erlebbar: «Die Brückenbilder waren und
                                                                                                 sind weltweit einmalig.» Seit Jahrzehnten faszi-
                                                                                                 nieren ihn die vom damaligen Stadtschreiber Ren-
                                                                                                 ward Cysat initiierten und konzipierten Bilder, die
                                                                                                 «modern» finanziert worden waren: mittels Spon-
                                                                                                 soring durch Private. Die Geschichten, die die Bil-
                                                                                                 der erzählen – unter anderem über den Stadtpatron
                                                                                                 Leodegar und den heiligen Mauritius –, sind für
                                                                                                 Horat ein «politisches Manifest». Die dreieckige
                                                                                                 Form trägt das Ihre dazu bei, dass die Kunstwerke
                                                                                                 auf der Brücke Prädikate der Superlative verdienen.
                                                                                                     «Dreieckige Bilder sind in der Kunstgeschichte
                                                                                                 sehr selten», sagt Horat und erzählt von seiner Som-
                                                                                                 merferienwoche in Italien. In Pompeji habe er in
Heinz Horat auf der Kapellbrücke vor einem seiner Lieblingsbilder: «Das ist ein elegantes,
                                                                                                 einem dreieckig gemalten Gestell ein römisches
gut komponiertes Bild von erheblicher künstlerischer Qualität.»
                                                                                                 Fresko entdeckt und in Roms Strassen dreieckige
                                                                                                 Schachtdeckel. Er lächelt verschmitzt und freut sich
                                             Fast ein bisschen stolz sagt Heinz Horat, dass      über die Entdeckungen, die das Buchkapitel über
                                         er eben zwei Paare beobachtet habe, die auf der         dreieckige Bilder überraschend erweitern dürften.
                                         Kapellbrücke innegehalten und die Bilder disku-
                                         tiert hätten. Bis vergangenen Sommer war der               Der Umgang mit Fragmenten
                                         Kunsthistoriker Direktor des Historischen Muse-             Zum Thema «Kopien hängen Ja oder Nein» sagt
                                         ums Luzern – jetzt ist er in Pension, was allerdings    Horat, dass «im Moment leider die falsche Diskus-
                                         nicht bedeutet, dass er dem Müssiggang frönt.           sion geführt wird». Die Originalbilder seien herge-
                                         Horat arbeitet an zwei Buchbänden über die Bilder       stellt worden, um sie als Beitrag zur Kunst und Kul-
                                         der Kapellbrücke, die Mitte nächsten Jahres veröf-      tur im öffentlichen Raum der Stadt Luzern zu zeigen
                                         fentlicht werden. Jedes einzelne Bild des einmali-      und nicht, um sie im Depot zu lagern. Im öffent-
                                         gen Zyklus wird abgebildet und beschrieben sein.        lichen Raum platzierte Kunstwerke würden das
                                         Glücklicherweise waren sämtliche Bilder ungefähr        Risiko der Zerstörung und somit des Verlustes be-
                                         zwei Jahre vor dem verheerenden Brand im August         inhalten. Letztlich sei dies auch eine philosophi-
                                         1993 professionell fotografiert worden.                 sche Frage. Die Spezialistinnen und Spezialisten
                                             «Sehen Sie, wie die Pilger fröhlich durch die       sind sich indessen einig: «Denkmalpflegerisch ist
                                         Landschaft ziehen», sagt Horat und zeigt auf eines      es verpönt, so zu tun, als sei nichts gewesen», sagt
                                         seiner Lieblingsbilder. «Das ist ein elegantes, gut     Horat und spricht damit den Brand an. Die Katast-
                                         komponiertes Bild von erheblicher künstlerischer        rophe sei passiert, und es gehe um den Umgang mit
                                         Qualität.» Der Maler Hans Heinrich Wägmann habe         dem, was übrig geblieben ist.
                                         «de Plausch» an seiner Arbeit gehabt, ist Horat über-       Ob die Kopien der Bilder gut oder schlecht seien,
                                         zeugt. Wägmann war der «Hauptmaler» der Bilder          stünde nicht zur Debatte. Rekonstruktionen und
Der Stadtrat lehnt
                                                       die Volksinitiative ab
                                                               Die Volksinitiative «Die Bilder gehören auf die
                                                           Kapellbrücke – Änderung der Zuständigkeit» will
                                                           die Änderung der Zuständigkeit über die Hänge-
                                                           ordnung erreichen. Nicht der Stadtrat, sondern
                                                           neu der Grosse Stadtrat soll für die Hängeordnung
damit Kopien blenden in der Meinung des Kunst-             auf der Kapell- und auch auf der Spreuerbrücke
historikers Ereignisse aus. Aber die Brücke wurde          zuständig sein. Dadurch würde es möglich, mit
nach dem Brand wieder aufgebaut, weswegen sol-             einer Volksinitiative oder einem fakultativen
len nun die Bilder nicht allesamt in Kopien zugäng-        Referendum die Änderung der Hängeordnung
lich gemacht werden? Dieses Argument verfängt              zu verlangen.
für Horat nicht: «Viel Brückenholz war bereits vor
dem Brand aus Witterungsgründen zig Mal ersetzt                Volksabstimmung voraussichtlich im November
worden. Es ist geradezu charakteristisch für Holz-             Hintergrund des Volksbegehrens sind die Dis-
brücken, dass sie als Nutzobjekte materiell ersetzt        kussionen um die Lücken im Bilderzyklus, die der
werden – im Gegensatz zu den Gemälden.» Grund-             Brand der Kapellbrücke 1993 verursacht hat. Die
sätzlich von Bedeutung sei der Umgang der Gesell-          Initiative will die Voraussetzungen schaffen, dass
schaft mit Fragmenten; diese Diskussion müsse              die von Jost Schumacher finanzierten Kopien der
geführt werden.                                            Bilder der Kapellbrücke aufgehängt und die Bilder
                                                           des Totentanzes aus dem 17. Jahrhundert auf der
   App sei Dank?                                           Spreuerbrücke durch Kopien ersetzt werden kön-
    Als die Kapellbrücke brannte, war Horat Denk-          nen. Der Grosse Stadtrat befindet am 25. Septem-
malpfleger des Kantons Zug und regelmässiger Au-           ber 2014 über die Initiative, die Stadtluzerner
tor der «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ). Einen Tag           Stimmberechtigten entscheiden voraussichtlich
nach dem Brand legte er in der Zeitung eindrück-           am 30. November 2014.
lich dar, welchen Wert Brücke und Bilder hatten und
haben: «Wägmanns Bildtafeln unter dem Dach – ein               Fachstellen müssen Hängeordnung bewilligen
bedeutendes Kulturdenkmal», lautete eine Bildun-               Der Stadtrat lehnt die Initiative ab. Aus seiner
terschrift. Zwei Drittel der dreieckigen Gemälde           Sicht muss die Hängeordnung eine Aufgabe der
waren Opfer der Flammen geworden. Horat in der             Exekutive bleiben. Die Kapellbrücke ist ein Denk-
NZZ: «Eine zweite Kapellbrücke aber gibt es nicht.         mal von nationaler Bedeutung. Sie ist eine welt-
Genauso, wie es nur wenige ideale, modellhafte             bekannte Touristenattraktion und hat auch für
Denkmäler gibt. Solche, die nicht ausschliess-             die Luzernerinnen und Luzerner eine hohe Bedeu-
lich historische Zeugen für die jeweils zeitgenössi-       tung. Eine Änderung der Ordnung kann nur in
sche Gesellschaft sind, sondern (…) von der Gesell-        Zusammenarbeit mit den Fachstellen des Bundes
schaft ohne pietätvolles Begründen ganz einfach            und des Kantons erfolgen und muss von diesen
gebraucht werden. (…) Die vielen verbrannten Brü-          Stellen bewilligt werden.
ckenbilder bedeuten (…) einen grossen, weil nicht
wieder gutzumachenden kulturellen Verlust.»                    Zusätzliche Kosten
    Drei Bilderzyklen hat die Tourismusdestination             Die Hängeordnung von 2002 sieht vor, dass
Luzern: die erwähnte, den Totentanz der Spreuer-           auf der Brücke nur Originalbilder aufgehängt wer-
brücke und die eingelagerten Bilder der gewesenen          den. Die Hängeordnung ist somit ein Bekenntnis
Hofbrücke. Für Horat sind die Bilderzyklen quasi           zur Geschichte der Kapellbrücke und der Stadt
die «Kronjuwelen» der Stadt, und er versteht es            Luzern. Sie ist auch ein Bekenntnis zur Qualität.
nicht, weswegen die Verantwortlichen sie nicht             Ein Gutachten der Eidgenössischen Kommission
besser an den Mann und an die Frau bringen. «Wie           für Denkmalpflege hat aufgezeigt, dass die Kopien
die wertvollen Bilder vermittelt werden können: Das        den qualitativen Anforderungen nicht genügen.
ist die Diskussion, die geführt werden sollte», sagt       Die Kopien können zudem nicht dauerhaft im
Horat – um Ideen nicht verlegen. Er träumt davon,          Freien aufgehängt werden, da sie innert kurzer
wie eines Tages Einheimische und Touristen die             Zeit vergilben würden. Auch würden die Hängung
Kapellbrücke besichtigen, Smartphones oder Tab-            der Kopien und die Einlagerung der Originale im
lets in der Hand, und mithilfe einer App zu jedem          Depot zusätzliche Kosten verursachen.
gehängten originalen Bild und zum gesamten Zyk-
lus Informationen abrufen können. Die Grundlage                Stadtrat will neue Hängeordnung prüfen
dazu wird Horat im nächsten Jahr mit seinen Bild-              Der Stadtrat hat Verständnis für den Wunsch,
bänden geschaffen haben.                                   die Lücken auf der Kapellbrücke zu schliessen und
                                                           damit die Lesbarkeit des gesamten Zyklus zu ver-
   Sandra Baumeler                                         bessern. Er ist deshalb bereit, eine neue Hängeord-
   Freie Journalistin                                      nung auf der Kapellbrücke zu prüfen. (UD)
12 | 13                         Abstimmung

                                 KULTURGUT VON NATIONALER
                                 BEDEUTUNG ERHALTEN
                                 Grosser Stadtrat und Stadtrat unterstützen die Initiative zur Rettung der
                                 Zentral- und Hochschulbibliothek. Die Stimmberechtigten entscheiden
                                 am 28. September, ob sie einen Neubau im Vögeligärtli verhindern wollen.

                                                                                               Meinung, die ZHB und das Vögeligärtli sollen in der
                                                                                               heutigen Form erhalten bleiben.
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                                                                                                  Schutzwürdigkeit
                                                                                                   Diese Ansicht vertritt auch die Denkmalpflege:
                                                                                               Die ZHB ist im Schweizerischen Inventar der Kul-
                                                                                               turgüter von nationaler und regionaler Bedeutung
                                                                                               und im städtischen Bauinventar als schützenswer-
                                                                                               tes Objekt aufgeführt. Das Gebäude befindet sich
                                                                                               in der Ortsbildschutzzone B, in der Abbrüche nur
                                                                                               ausnahmsweise bewilligt werden, wenn eine Sanie-
                                                                                               rung aus statischen Gründen nicht möglich ist oder
                                                                                               aus wirtschaftlichen Gründen unverhältnismässig
                                                                                               wäre.
                                                                                                   Die ZHB ist auch in den Augen des Stadtrates
                                                                                               Teil eines aussergewöhnlichen, für die Stadt Luzern
                                                                                               einmaligen städtebaulichen Ensembles und von
                                                                                               hohem denkmalpflegerischem und architektoni-
                                                                                               schem Wert. Der Stadtrat unterstützt die Unter-
                                                                                               schutzstellung der Zentral- und Hochschulbiblio-
                                                                                               thek und befürwortet deren rasche Sanierung.

                                                                                                  Sanierung oder Neubau
                                                                                                   Auch der Regierungsrat und der Kantonsrat hat-
                                                                                               ten sich für eine Sanierung ausgesprochen: Im Juni
                                                                                               2010 hatte das kantonale Parlament dafür einen
                                                                                               Baukredit von 18,88 Mio. Franken bewilligt. Im
                                                                                               März 2011 musste der Regierungsrat die Planungs-
                                                                                               arbeiten aus finanziellen Gründen allerdings sistie-
                                                                                               ren. Die Sanierung und der Umbau der ZHB sollten
                                                                                               um zwei Jahre verschoben werden.
                                                                                                   Im Dezember 2011 verlangte ein parlamentari-
                                                                                               scher Vorstoss im Kantonsrat, die Sanierung und
                                                                                               den Umbau der ZHB zu stoppen und einen Wettbe-
                                                                                               werb für einen Neubau auszuschreiben. Darauf-
Einmaliges städtebauliches Ensemble: Vögeligärtli mit Zentral- und Hochschulbibliothek.        hin hat die Denkmalkommission des Kantons Lu-
                                                                                               zern im Februar 2012 beantragt, die ZHB ins kanto-
                                            Im Dezember 2012 hat der Luzerner Kantonsrat       nale Denkmalverzeichnis aufzunehmen. Gegen die
                                        entschieden, anstelle der heutigen Zentral- und        Unterschutzstellung wurde eine Verwaltungsbe-
                                        Hochschulbibliothek (ZHB) einen Neubau zu erstel-      schwerde eingereicht. Das Verfahren ist sistiert: Ob
                                        len. In diesem sollen die ZHB und das Kantonsge-       die ZHB unter Denkmalschutz gestellt wird, soll erst
                                        richt künftig Platz finden. Um die Neubaupläne des     entschieden werden, wenn das Neubauprojekt vor-
                                        Kantons zu verhindern, wurde die «Initiative zur       liegt und die bau- und planungsrechtliche Situation
                                        Rettung der ZHB Luzern (Zentral- und Hochschul-        geklärt ist, hat der Regierungsrat beschlossen.
                                        bibliothek)» ergriffen. Die Grünen und Jungen Grü-
                                        nen Stadt Luzern wollen mit ihrer Initiative die ZHB      Fachverbände gegen Neubau
                                        und den Sempachergarten, das sogenannte Vögeli-            Eine weitere Wende nahm die Geschichte um
                                        gärtli, erhalten. Ein Abbruch des Gebäudes soll        die ZHB im Dezember 2012: Der Kantonsrat unter-
                                        durch eine Änderung des Bau- und Zonenregle-           stützte die Idee, im ZHB-Neubau auch das Kantons-
                                        ments planungsrechtlich verunmöglicht werden.          gericht unterzubringen. Den Projektierungskredit
                                        Das Stadtparlament hat die Initiative mit 37 zu        dafür wies das Parlament im Juni 2013 dann aber
                                        9 Stimmen bei 0 Enthaltungen zur Annahme emp-          zurück und forderte ein Wettbewerbsverfahren.
                                        fohlen. Die Mehrheit des Grossen Stadtrates ist der    Dieses Verfahren wird zurzeit von der Dienststelle
Immobilien des Kantons vorbereitet. Allerdings          klares städtisches Signal für den Erhalt von ZHB
sprechen sich die beiden wichtigsten Planerver-         und Vögeligärtli könne nicht ignoriert werden.
bände – der Bund Schweizer Architekten (BSA)               Einzig die SVP -Fraktion lehnt die Initiative ab
sowie der Schweizerische Ingenieur- und Architek-       und spricht sich für einen Neubau aus: Es sei städte-
tenverein (SIA) – klar gegen die Teilnahme am Wett-     baulich und ökologisch vernünftig, bebaute Flä-
bewerb und gegen das Neubauprojekt aus.                 chen durch Verdichtung besser nutzbar zu machen.
                                                        Zudem verursache eine Sanierung der ZHB unver-
   Debatte                                              hältnismässige Kosten, so die Argumentation.
    Bei der Behandlung der Vorlage im Grossen
Stadtrat sprachen sich die Fraktionen der G / JG, der      Stimmempfehlung
FDP, der CVP, der SP / JUSO und der GLP für die «In-       Grosser Stadtrat und Stadtrat empfehlen den
itiative zur Rettung der ZHB Luzern» aus. Die Mehr-     Stimmberechtigten, die «Initiative zur Rettung der
heit des Parlaments empfiehlt sie zur Annahme: Ein      ZHB Luzern» anzunehmen. (DC)

         Stellungnahme des Initiativkomitees:
                      «Initiative zur Rettung der ZHB Luzern (Zentral- und          Rettung der Bibliothek bleibt die Qualität der grünen
                  Hochschulbibliothek)»                                             Lunge des Quartiers vollumfänglich erhalten.
                      Die Initiative verlangt, dass ein Abbruch der Zentral-
                  und Hochschulbibliothek (Standort Sempacherstrasse)                   Langjährige und teure Auseinandersetzungen vermeiden
                  planungsrechtlich im städtischen Bau- und Zonenreglement              Die Kantonsregierung schrieb vor über vier Jahren in
                  zu verunmöglichen ist. Mit einem Ja zur Initiative soll das       der Sanierungsbotschaft: «Eine weitere Verzögerung der
                  besonders schutzwürdige Bibliotheksgebäude erhalten               Sanierung wäre unverantwortlich und wirtschaftlich unver-
                  bleiben, das Vögeligärtli in seiner jetzigen Ausdehnung           nünftig. Ein Abriss und Neubau ist aufgrund der architekto-
                  gerettet und langjährige sowie teure Auseinandersetzun-           nischen und städtebaulichen Bedeutung des Gebäudes un-
                  gen vermieden werden.                                             denkbar.» Gemäss dieser Botschaft waren die Bauarbeiten
                                                                                    ab September 2011 geplant. Nach rund zwei Jahren Umbau-
                      Schutzwürdige Bibliothek erhalten                             zeit hätten die neuen Räume der Zentral- und Hochschulbi-
                      Die Zentral- und Hochschulbibliothek gilt als Meister-        bliothek im Sommer 2013 wieder bezogen werden können.
                  werk des renommierten Luzerner Architekten Otto Dreyer                Die Realisierungschancen für einen Neubau im Vögeli-
                  (1897–1972). Das Gebäude ist ein wertvoller, erhaltenswer-        gärtli schätzen die Initianten als äusserst gering ein. Mit
                  ter Bauzeuge der Architektur aus den 1950er-Jahren. Ge-           den vorhersehbaren Einsprachen und Beschwerden sind
                  meinsam mit der Schulanlage Felsberg, die zurzeit saniert         bei einem allfälligen Neubauprojekt langjährige Auseinan-
                  wird, gehört das Bibliotheksgebäude zu den bedeutendsten          dersetzungen mit hohen Kosten zu erwarten.
                  öffentlichen Bauten dieser Epoche in der Stadt Luzern.                Leidtragende sind das Personal sowie die Nutzerinnen
                      Aufgrund der architektonischen und städtebaulichen            und Nutzer der Zentral- und Hochschulbibliothek. Sie müss-
                  Bedeutung ist die Zentral- und Hochschulbibliothek im             ten sich auf ein längerfristiges Provisorium einstellen. Diese
                  Schweizerischen Inventar der Kulturgüter von nationaler           Situation ist unbefriedigend für alle Beteiligten. Mit einem
                  Bedeutung eingetragen. Die kulturhistorische und die              hohen Ja-Anteil zur Initiative zur Rettung der Zentral- und
                  denkmalpflegerische Bedeutung des Gebäudes werden                 Hochschulbibliothek kann die städtische Bevölkerung un-
                  sowohl vom Bund, vom Kanton wie auch von der Stadt                missverständlich zeigen, dass sie an diesem sensiblen Stand-
                  hervorgehoben. Sie lassen keinen Zweifel an der Schutz-           ort keinen Neubau will.
                  würdigkeit des Gebäudes.
                                                                                        Ja zur «Initiative zur Rettung der ZHB Luzern»
                      Das Vögeligärtli retten                                           Durch einen Abriss der Zentral- und Hochschulbibliothek
                      Die Hirschmatt ist ein besonders dicht bebautes Stadt-        ginge nicht nur ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeu-
                  quartier. Als grüne Lunge des Quartiers und als Oase mitten       tung verloren, sondern auch ein einzigartiger städtischer
                  im Stadtzentrum ist das Vögeligärtli unverzichtbar. Das           Freiraum. Ein Neubau mit integriertem Kantonsgericht
                  Vögeligärtli ist ein Begegnungs- und Aufenthaltsort für alle.     würde die Qualität der bestehenden Parkanlage und des
                  Für viele Familien ist der Park ein nahe gelegener Freiraum,      Grünraumes Vögeligärtli zerstören. Deshalb sagen nicht nur
                  der die Lebensqualität im dicht bebauten Quartier wesent-         der Stadtrat und der Grosse Stadtrat Ja zur Initiative. Auch
                  lich erhöht. Im Vögeligärtli können die Kinder spielen und        ein breit abgestütztes überparteiliches Komitee mit den
                  sich frei bewegen.                                                Fach- und Planerverbänden, Vertretern aus CVP, FDP, Grüne,
                      Das Bibliotheksgebäude passt sich organisch in die            Grünliberale, SP und dem Freundeskreis der ZHB will das
                  Parkanlage ein. Die unterschiedlichen Gebäudehöhen                Bibliotheksgebäude erhalten und sagt Ja zur Initiative.
                  der einzelnen Baukörper nehmen zum Beispiel Rücksicht
                  auf die Besonnung des Vögeligärtlis und sind bewusst tie-            Alain Greter
                  fer gehalten als die umliegenden Gebäude. Nur mit der                für das Initiativkomitee
14 | 15                        Quartier

                               «WIR GEBEN NICHT AUF
                               BIS ZUM BETTAG»
                               Beim Lido trifft sich die halbe Welt zum Campieren, Grillieren, Plagieren. Früher
                               fanden sich hier auch Astronauten und Kosmonauten ein – zum Musizieren.

Bis zum 21. September zum Baden, danach täglich auch zum Spazieren und Pausieren geöffnet: das Strandbad Lido.

                                          «Regen-/Sonnenschirm immer griffbereit» steht         Tennis-Club, Verkehrshaus, Lido-Wiese, Minigolf,
                                      auf dem multifunktionalen Produkt am Kiosk im             Schrebergärten, Camping, Yachthafen, «Seeburg»,
                                      Strandbad Lido. An jenem Montagmorgen scheint             sogar Parkplätze und Wohnblöcke haben Platz.
                                      es unnötig: Die eine und andere Wolke ziert den                Den totalen Überblick geniesst Peter J. Waldis.
                                      blauen Himmel. Zwei Bikini-Girls räkeln sich auf          Der Sohn des Verkehrshaus-Gründers wohnt mit sei-
                                      der Wiese beim Eingang. Ein paar Kinder nehmen            ner Familie am Meisenweg über der S-Bahn-Station.
                                      das Spielplatzgelände ein. Am 300 Meter langen            Vom obersten Balkon sieht er den Vierwaldstätter-
                                      Sandstrand installieren sich weitere Gäste. 24 Grad       see vom Seebecken bis zum Bürgenstock. Vor allem
                                      Luft- und 20 Grad Wassertemperatur lassen sie kalt.       aber scheint man direkt in das temporäre Riesenbe-
                                      Schliesslich ist es hinter dem Bürgenstock bis weit       cken des Verkehrshauses springen zu können, wo
                                      nach Italien hinein kaum heisser. Und wo wellt das        Modell- und Kindersegelboote treiben. Waldis pad-
                                      Wasser schöner an den Strand als hier?                    delt mit Vorliebe auf einem der selbst gefertigten
                                          Geschäftsführer Marcel Wiesler blickt vom Res-        Kajaks über den See. In seinem Graphic-Design-Ate-
                                      taurant Siesta zur verwetterten Luzerner Fahne            lier hängt eine Spyr 3 im Massstab 1:5. Das Segelflug-
                                      hoch. Hält der Föhn, bricht er zusammen? Der Som-         zeug aus den Dreissigerjahren hat er nach Original-
                                      mer sei bislang recht abwechslungsreich gewesen,          plänen gebaut. Er möge leise, umweltschonende
                                      sagt er, sommerlicher Teint rund um die Tattoos.
                                      Um 6.30 Uhr entscheidet er jeweils, ob die Badi um
                                      9, 11 oder 13 Uhr öffnet – oder geschlossen bleibt.
                                      Juli und August lassen zu wünschen übrig: An gu-
                                      ten Tagen kamen 500 statt 4000 bis 6000 Leute. «Wir
                                      geben nicht auf, die Saison dauert bis zum Bettag»,
                                      zeigt Wiesler dem Wetter die Muskeln. Später gibt
                                      er sich einem Volleyballmatch hin. Zur Sportzone
                                      gehören vier Beach- und zwei Fussvolleyballfelder,
                                      ein Badminton- und ein Fussballfeld.

                                          Mikrokosmos mit Kosmonauten
                                          Tennisplätze gibt es beim TC Lido. Dort spielt
                                      über Mittag gerade ein Frauendoppel. Was von der
                                      Restaurant-Davis-Veranda aus interessiert verfolgt
                                      wird. Zwischen Seeburgstrasse und Seeufer reiht sich
                                      ein Mikrokosmos an den andern: Strandbad und              Hat den Überblick: Peter J. Waldis.
Viel Verkehr im Haus
                                                                                                                      Der Sommer-Marathon
                                                                                                                      des Verkehrshauses
                                                                                                                      nähert sich dem Ziel.
                                                                                                                      Durchschnittlich 3900
                                                                                                                      Personen strömten
                                                                                                                      täglich ins interaktive
                                                                                                                      Museum. Ein Renner
                                                                                                                      bleibt wohl noch bis
                                                                                                                      zum 19. Oktober die
                                                                                                                      Sonderausstellung
                                                                                                                      «Segelnation Schweiz».

                                                                                                                      Zu Wasser und im All
                                                                                                                      1400 Quadratmeter
                                                                                                                      misst das Wasserbecken
                                                                                                                      in der Arena. Vier Venti-
Ein Treffpunkt für Schulklassen, Vereine, Familien und Oldtimer: Kiosk und Imbiss beim Minigolf Lido.                 latoren erzeugen für
                                                                                                                      Modell- und Optimisten-
Fortbewegungsarten, sagt er. Sein Lieblingsort im                Nachbarn auf Zeit                                    boote Wind. Kinder ab
Verkehrshaus bleibt die Luft- und Raumfahrt-Halle.              Ein Wohnmobil aus Italien fährt langsam durch         7 Jahren können sich am
Bei deren Eröffnung war mitunter Neil Armstrong             die Lidostrasse. Reisende auf der Nord-Süd-Achse          Morgen für einen Segel-
zugegen. Auch weitere Raumfahrer stationierten spä-         würden gerne in Luzern pausieren, sagt ein ent-           kurs am Nachmittag
                                                                                                                      einschreiben. Daneben
ter am Meisenweg. «Einmal spielte der russische Kos-        spannter Richard Hess im Camping Internatio-
                                                                                                                      ragt der Karbon-Racer
monaut Vitali Sevastianov mit dem amerikanischen            nal Lido. Durchschnittlich bleiben die wetterfes-
                                                                                                                      «Alinghi SUI-100» mit
Astronauten James Lovell in der Stube Klavier», erin-       ten Gäste zwei Nächte. Sie stammen aus Holland,
                                                                                                                      einem 32-Meter-Masten
nert sich Waldis. «Danach kritzelte Sevastianov mit         Belgien, Deutschland und England, zunehmend aus           in den Himmel. In wei-
Kugelschreiber ein Autogramm an meine Zimmer-               Südkorea und Russland. Sie kommen zu Fuss,                tere Dimensionen führt
tür.» Früher habe man den Fortschritt unmittelbarer         mit dem Top-Wohnmobil, dem Tourenfahrrad, in              das neue Planetarium.
erfahren können. Techniken seien sicht- und greif-          Wohnmobil-Karawanen. Zwölf Schweizer wohnen               Auf dem bequemen
bar gewesen, Pioniere Menschen zum Anfassen.                fix auf dem 4-Sterne-Campingplatz. Die Monats-            Sessel von «Peter Abend-
                                                            miete beträgt 500 Franken, Strom und Wasser               roth» hätte der Welt-
    Vom Ried zur Freizeit-Oase                              exklusive. Denselben Tagestarif zahlen die zwei tem-      raumspaziergang länger
    1958, als Waldis’ Haus erbaut wurde, war rings-         porären Nachbarn aus Deutschland: Ein junges              anhalten dürfen.
um noch Wildnis. Das neue Verkehrshaus stand bei            Paar, das eine Suppe unter einem VW-Bulli-Heck
der Eröffnung quasi im Schilf. In die malerische            kocht, neben zwei parfümierten Pensionären mit            Schoggi und Marathon
Riedlandschaft beidseits des Würzenbachs wurde              Carthago-Highliner und Solarzellen on the top.            Das «Swiss Chocolate
allerdings schon im 18. Jahrhundert eingegriffen:           Wäre ein Dinner in der historischen «Seeburg»             Adventure» ist im Juni
                                                                                                                      eröffnet worden: Besu-
Entwässerung des Sumpfbodens, Begradigung des               angebracht?
                                                                                                                      cherinnen und Besucher
Bachs, Bau der Bahnstrecke. Relikt aus dem eins-
                                                                                                                      reisen in einem pralinen-
tigen Brüelmoos sind die «paar Quadratmeter                      Lärmen verboten
                                                                                                                      förmigen Scooter vom
Feuchtstauden-Vegetation zwischen Verkehrshaus                  Auf dem Weg dorthin fällt eine leere Wiese auf.
                                                                                                                      Ursprung der Kakao-
und Schrebergärten», informiert der Quartierverein          Vielleicht liegts am Schild: «Das Kampieren, Fuss-        bohnen bis zum fertigen
Seeburg-Würzenbach-Büttenen.                                ballspielen, Baden, Sonnen- und Luftbaden, Lär-           Produkt. Mehr (körper-
    Eine Freizeit-Oase ist das angrenzende Minigolf-        men, Laufenlassen von Lautsprechern ist in der gan-       liche) Bewegung ver-
Gelände. Hier erholen sich tagsüber auch Verkehrs-          zen Anlage bei Strafe von Haft oder Busse verboten.       spricht der «Swiss City
haus-Mitarbeiter. Bis zur Strasse hinaus bildeten sich      § 8 EGzStGB. Luzern, den 7. Juli 1966. Der Stadtrat       Marathon Lucerne»,
während der Ferienzeit Schlangen (siehe «Viel Ver-          von Luzern.» Lustvoller gehts nebenan an der «Sun-        dessen Teilnehmerinnen
kehr im Haus»). Unter den sieben Linden zwischen            set Bar» der «Seeburg» zu: Himmelbetten, Liege-           und Teilnehmer am
modernen Sumpfgräsern kann man die Seele bau-               stühle, Kokons, Loungechairs stehen bereit. Ein           26. Oktober im Ver-
meln lassen. Die Anlage ist frei von Schickimicki.          Staff-Mitglied informiert, in 20 Minuten würde ge-        kehrshaus einlaufen
Eitelkeiten werden höchstens am 2., 3. und 4. Mitt-         schlossen, dann beginne es zu regnen – was genau          werden.
wochabend des Monats zelebriert. Dann parkieren             der Fall ist. Sinnbildlich für die Wetterkapriolen ste-
Oldtimer mit LU-, NW-, ZH- oder SZ-Nummern vor              hen die Türen zur Rigi-Hütte im «Jesuitenhof» sperr-
dem Imbisswagen. Nicht nur, weil es die besten Ham-         angelweit offen. Trotz «Alpenchic-Atmosphäre»:
burger geben soll. Hier können die Männer bei offe-         Glücklicherweise riecht es nach Regen statt Rac-
ner Motorhaube fachsimpeln. Statt Musikerinnen              lette. Der Herbst kann kommen. Wir sind wetter-
und Musiker in der Salle Modulable zwitschern               trainiert. Und die Gestade locken überall mit Mög-
weiterhin Vögel. Beim 3. Loch kommentieren Ama-             lichkeiten. In der Dämmerung, bei Regen, steigt
zonen-Papageien die Schläge. Wer heute Minigolf             neben der verbotenen Wiese ein Paar ins Wasser.
spielt? Schulklassen, Vereine, Familien etwa, sagt die      Das erfrischende Vergnügen ist weit herum hörbar.
Betreiberin. Immerhin sei es eine originale 12-Me-
ter-Bahn. Die überdachten Töggelikästen, Billard-                Edith Arnold
und Tischtennistische bespielen junge Männer.                    Freie Journalistin
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