DAS STADTMAGAZIN LUZERN - WILLKOMMEN IN DER STADT - Stadt Luzern
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LUZERN Ausgabe #04, August 2014 DAS STADTMAGAZIN WILLKOMMEN IN DER STADT Massnahmen zur Förderung des Wirtschaftsstandorts Luzern
2|3 Editorial Inhalt Stefan Roth 4 WIRTSCHAFT Stadtpräsident Der Wirtschaftsbericht des Stadtrates zeigt auf, wie der Wirtschaftsstandort Luzern gestärkt werden kann. Wie das Parlament den Bericht aufnimmt, zeigt sich Ende Oktober, in der Debatte des LEBENSQUALITÄT IN DER Grossen Stadtrates. INNENSTADT STÄRKEN 10 KAPELLBRÜCKE Erfolgreiche Unternehmen sind mit ihren Pro- Eine Initiative strebt die Än- dukten und Dienstleistungen für das Funktionieren derung der Hängeordnung einer Stadt unabdingbar. Sie schaffen attraktive auf der Kapellbrücke an. An- Arbeitsplätze und stärken Image und Ertragskraft. stelle des Stadtrates soll neu Diese Tatsache fordert die Politik, Stadtrat und das Parlament dafür zustän- Verwaltung, täglich heraus. Wir wollen der lokalen dig sein und somit bei Be- Wirtschaft optimale Voraussetzungen schaffen, darf auch das Volk mittels damit sie sich erfolgreich entwickeln kann. Initiativen oder Referenden. In den vergangenen Monaten haben wir in der Verwaltung einen Wirtschaftsbericht erarbeitet, 12 ABSTIMMUNG IMPRESSUM teilweise in Workshops mit Vertreterinnen und Ver- Die «Initiative zur Rettung Verantwortlich: tretern der Luzerner Wirtschaft. Der Bericht bildet der ZHB Luzern» will die Stelle für Kommunikation Niklaus Zeier die zentrale Grundlage zur Förderung der Wirt- Neubaupläne des Kantons Dagmar Christen verhindern und die Zentral- schaft in den nächsten Jahren. Zusammen mit der Mobilitätsstrategie, mit den Entscheiden zur Ener- und Hochschulbibliothek Autorinnen / Autoren: Edith Arnold gie- und Klimapolitik sowie mit den Grundlagen in ihrer heutigen Form er- Daniel Arnold (Aktuell) halten. Abgestimmt wird zur Wohnraumentwicklung bildet er einen wesent- Sandra Baumeler Melchior Bendel (MB) lichen Teil der Basis zu einer erfolgreichen Stadt- am 28. September. Flavian Cajacob entwicklung. Dagmar Christen Der Bericht umfasst 13 Massnahmen. Einige 14 QUARTIER Urs Dossenbach (UD) davon wurden bereits in anderen Konzepten auf- Völkerverbindendes rund Luzia Hämmig (LH) Niklaus Zeier (NZ) geführt, wie die Parkplatzplanung in der Mobili- ums Lido: Hier verbringen tätsstrategie. Ist der Bericht darum nur alter Wein normale Menschen ihre Korrektorat: Daniela Kessler in neuen Schläuchen? Ich meine nicht. Was bereits Freizeit oder Ferien; Kos- in Planung ist, muss nicht durch neuen Aktionis- monauten und Astronauten Erscheint fünfmal jährlich musizierten gemeinsam – in einer Auflage von mus abgelöst werden. Schliesslich gilt es nicht, nur 50’000 Exemplaren neue Firmen anzusiedeln, es gilt vor allem, die trotz Ost-West-Konflikt – bestehenden zu pflegen. Sie bieten in unserer Stadt mitten im Kalten Krieg. Grafik: hofmann.to 77’000 Arbeitsplätze. Eine grosse Leistung! 16 SCHULE Zwei Massnahmen scheinen mir in unserem Fotos: Vreni Völkle heisst die neue Katalog besonders wichtig: Zum einen wollen wir Franca Pedrazzetti Rektorin der Volksschule (Front, 3, 4, 6, 7, 9, 10, 12, uns noch mehr um unsere Firmen kümmern und der Stadt Luzern. Sie hat im 14, 15, 16, 18, 20, 23, 24), ihnen eine kompetente Anlaufstelle für Anliegen Aura (8) August 2014 von ihrem Vor- bieten. Zum anderen wollen wir uns der Innenstadt Maya Jörg (17, 21) gänger Rolf von Rohr eine PD (22 oben) annehmen. Das Stadtzentrum zwischen Bundes- Schule übernommen, die Stadt Luzern (22) platz und Musegg, zwischen Kasernenplatz und «sehr gut funktioniert und Druck: Haldenstrasse bildet unsere Visitenkarte. Unsere sehr dynamisch ist». LZ Print, www.lzprint.ch Gäste aus nah und fern finden hier das touristische Luzern und nutzen das breite Shoppingangebot. 18 PORTRÄT Titelbild: Claudia Machado und Luzernerinnen und Luzerner arbeiten hier, treffen Elias Steiner, Nicolai Walter sorgen im sich in der Freizeit. Für sie ist es «ihre Stadt». Und Traceur «Luce» im Hotel Radisson für die Wirtschaft? Neben der Erreichbarkeit der Blu für das Wohl der Gäste. Arbeitsplätze und verfügbaren Flächen zur Firmen- 20 AKTUELL Gedruckt auf Recycling- entwicklung bildet eine lebendige, sichere und Am 20. September öffnen Papier, hergestellt in der saubere Innenstadt für sie einen wichtigen Teil die Pflegeheime des Kan- Schweiz der benötigten Qualität, um sich als Unternehmen tons und auch einige in der © Stadt Luzern bei uns wohlzufühlen. Stadt Luzern ihre Türen.
Nachgefragt «FÜR ALLE GELTEN DIESELBEN SPIELREGELN» Die Abteilung Stadtraum und Veranstaltungen mit der Einsatzgruppe Sicher- heit Intervention Prävention (SIP) kümmert sich um die Nutzung des öffentlichen Raums. Dass man es dabei nicht allen recht machen kann, weiss Mario Lütolf. Reglement über die Nutzung des öffentlichen Grundes wurde vom Grossen Stadtrat erlassen, es ba- siert auf Erfahrungswerten und ist das Resultat eines demokrati- schen Aushandlungsprozesses. Es scheint, dass immer mehr Reglemente und immer neue Vor- schriften erlassen werden. Der Eindruck täuscht. Die öffentliche Diskussion um Recht und Ordnung und deren Durch- setzung ist eine Folge des wach- senden Nutzungsdrucks. In der Stadt Luzern hat sich in den ver- gangenen zehn Jahren die Zahl der Veranstaltungen verdreifacht. Dabei gilt es, die unterschiedlichs- ten Bedürfnisse zu beachten. Wir müssen neuen, wettbewerbsrecht- lichen Rahmenbedingungen wie auch legitimen Gewerbe- und An- wohnerinteressen Rechnung tra- gen. Das kann Gemüter erhitzen und Kontroversen auslösen. Es sind Probleme, wie sie alle Schwei- zer Städte kennen. Werden die Entscheide ange- Seit einem Jahr leitet Mario Lütolf die Abteilung Stadtraum und Veranstaltungen. Er engagiert sich mit seinen fochten? Mitarbeitenden dafür, «dass Luzern die lebenswerteste Stadt der Schweiz ist». Gegen die jährlich zirka 800 Bewilligungen kann beim Kan- Mario Lütolf, Leiter der liert werden. Wir gehen dabei mit tonsgericht Verwaltungsgerichts- Abteilung Stadtraum und Augenmass vor. Wir nutzen den beschwerde erhoben werden. Da- Veranstaltungen, glaubt Handlungsspielraum, den uns die von wird in drei bis vier Fällen man den Meldungen in der Rechtsgrundlagen ermöglichen. Gebrauch gemacht. Um Unver- Zeitung, dann hängt das Ziel ist, dass Luzern die lebens- ständnis und rechtliche Ausein- Wohl von Luzern von weni- werteste Stadt der Schweiz ist. andersetzungen zu verhindern, gen Zentimetern ab. legen wir grossen Wert auf ein Sie sprechen die Diskussion Kommen Sie sich nicht etwas pragmatisches, transparentes Vor- über Boulevardzonen von Res- kleinlich vor, wenn Sie den gehen und den intensiven Dialog taurants an. Es ist die Absicht der Standort eines Sonnenschir- mit allen Anspruchsgruppen. Zur Stadt, den öffentlichen Raum mes bemängeln? Koordination und Beurteilung zurückhaltend kommerziell nut- Nein, vielmehr gelten für alle von Veranstaltungen besprechen zen zu lassen. Gastrobetriebe dür- dieselben Spielregeln. Das schafft wir uns beispielsweise mit An- fen die klar begrenzten, effektiv Rechtssicherheit für Anwohne- wohner- und Gewerbevertretun- von ihnen gemieteten Flächen be- rinnen und Anwohner wie auch gen und einem interdisziplinären wirtschaften. Aus stadtgestalte- für Nutzerinnen und Nutzer des Team aus verschiedenen städti- rischen, vor allem aber auch aus öffentlichen Raums. Für das schen Dienstabteilungen. sicherheitstechnischen Über- friedliche Zusammenleben und legungen sollen die knappen -arbeiten braucht es Regeln. Diese Dagmar Christen freien Flächen nicht übermöb- haben nicht wir erfunden: Das Redaktorin «Stadtmagazin»
4|5 Wirtschaft ATTRAKTIVITÄT LUZERNS NUTZEN Vom Parlament gefordert, liegt er nun vor: der Wirtschaftsbericht. Er bildet die Leitschnur des Stadtrates für Entscheidungen in der Wirtschaftspolitik. Mit einem Massnahmenpaket will der Stadtrat die Attraktivität der Stadt erhöhen, Wachstum ermöglichen und die Beziehungen zur Wirtschaft vertiefen. reiche Unternehmen sind mit ihren Produkten und Dienstleistungen für das Funktionieren einer Stadt unabdingbar. Sie schaffen attraktive Arbeitsplätze und stärken Image und Ertragskraft.» Auf diese Ertragskraft ist die Stadt angewiesen. Die Erwartungshaltung an das Zentrum der Zent- ralschweiz ist hoch. Lebenswerte Wohnstadt, dyna- misches Wirtschaftszentrum, ein gefragter Hoch- schul-, ein renommierter Kulturstandort soll Luzern sein, touristische Highlights bieten und zugleich eine Dienstleistungsdrehscheibe mit kreativem Potenzial und Branchenvielfalt sein. Wirtschaftszentrum für die ganze Region Diese Aufgabenvielfalt bei gleichzeitig hohem Qualitätsanspruch stellt Luzern vor grosse, insbe- sondere auch finanzielle Herausforderungen. «Um allen diesen Erwartungen gerecht zu werden, sind wir nicht nur auf eine konstruktive Zusammen- Luzerns Qualitäten sind für das Gastgewerbe und für alle anderen Branchen arbeit von Politik und Wirtschaft angewiesen. Wir von grosser Bedeutung. benötigen auch die finanzielle und politische Unter- stützung unserer Nachbargemeinden und des Kan- Im vergangenen Herbst zeigte das Parlament tons», stellt Stadtpräsident Stefan Roth klar fest. dem Stadtrat die gelbe Karte. Die Mehrheit des Rats Unter dieser Voraussetzung könne sich Luzern zum war der Meinung, dass im neuen Regierungspro- Nutzen der ganzen Region und des Kantons wirt- gramm dem Thema Wirtschaft viel zu wenig Beach- schaftlich entwickeln. tung geschenkt werde. Der Stadtrat will sich mit der Verwaltung den Der Stadtrat ist über die Bücher gegangen und Herausforderungen stellen. Er hat sich folgende hat aufgrund der neusten Erkenntnisse einen Wirt- Ziele gesetzt: Mit seinen Wirtschaftsmassnahmen schaftsbericht zur Stadt Luzern erarbeitet. Das Dos- will er die Attraktivität der Stadt erhöhen, das Wachs- sier zeichnet ein aktuelles Bild des Wirtschaftsplat- tum ermöglichen und Beziehungen zwischen Poli- zes und präsentiert Ziele, Handlungsfelder und tik und Wirtschaft vertiefen. «Unsere Stadt verfügt Massnahmen zur Entwicklung von Luzern. Man über ein ausserordentlich hohes Renommee», weiss kann gespannt sein, wie das Parlament reagiert. Es Stefan Roth. «Die überdurchschnittliche Verbun- behandelt den Bericht im Oktober. denheit mit Luzern, seitens der Bevölkerung als auch der Unternehmen, ist ein wirtschaftlicher Luzern braucht erfolgreiche Unternehmen Standortvorteil – den wollen wir nutzen.» Das «Stadt- Der nun vorliegende Bericht steckt die wirt- magazin» präsentiert Fakten und Meinungen zum schaftspolitischen Eckpunkte ab und dient dem Wirtschaftsplatz Luzern und skizziert die wichtigs- Stadtrat als Leitschnur für künftige Entscheidun- ten Massnahmen aus dem Wirtschaftsbericht. gen in seiner Wirtschaftspolitik. «Die Stärkung der städtischen Wirtschaft hat für uns eine hohe Prio- Niklaus Zeier rität», hält Stadtpräsident Stefan Roth fest. «Erfolg- Chef Kommunikation
Gesundheits-, Sozialwesen Detailhandel, Grosshandel Diverse Erziehung, Branchen Unterricht 16,7% 11,9% 9,7% 25,2% 8,8% 4,9% 8,5% 7,0% 7,3% Freiberufliche, wissenschaft- liche, technische Dienstleister Öffentliche Verwaltung, Sozialversicherungen Banken und Ver- sicherungen Sonstige wirtschaft- Gastgewerbe liche Dienstleister Arbeitsplätze nach Branchen Die Branchenstruktur der Stadt Luzern zeichnet sich vor allem mit Abstand grössten Anteil aller Arbeitsstätten (rund 87 Prozent) ma- durch einen ausgeprägten Dienstleistungssektor aus. In diesem so- chen Kleinstbetriebe zwischen einer und zehn Personen aus. Weitere genannten tertiären Sektor arbeiten rund 90 Prozent aller Beschäftig- 10 Prozent aller Arbeitsstätten beschäftigen zwischen 10 und 50 Per- ten der Stadt Luzern, im sekundären Sektor (Industrie) sind es weni- sonen. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Stadt Luzern aus Sicht ger als 10 Prozent. des Gewerbes primär durch kleine und mittlere Unternehmen geprägt Rund 30 Prozent der Arbeitsplätze werden direkt oder indirekt von ist. Aus Sicht der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird die der öffentlichen Hand angeboten (Gesundheit, Soziales, Bildung und Hälfte aller Arbeitsplätze von 3 Prozent der Betriebe angeboten. Nur öffentliche Verwaltung). Die grössten privatwirtschaftlichen Bran- gerade 16 Unternehmen zählen statistisch als Grossbetriebe (mehr chen sind der Handel, Banken und Versicherungen sowie Freiberuf- als 250 Angestellte). In zirka 7400 Arbeitsstätten sind rund 77’000 liche. Das Gastgewerbe liegt mit 7,3 Prozent an sechster Stelle. Den Personen tätig.
6 |7 Wirtschaft WIRTSCHAFTSPLATZ: NOCH VIEL LUFT NACH OBEN Die Bestandespflege gehört zu den zentralen Aufgaben in der Wirtschaftspolitik. Im Dialog mit den Firmen können Stadtverwaltung und Unternehmen den Wirt- schaftsplatz Luzern weiterentwickeln. Die Stadt Luzern bietet ein breites, attrakti- versucht, die Rahmenbedingungen für die Wirt- ves und qualitativ hochstehendes Angebot an schaft möglichst optimal anzupassen. Der Dialog wirtschaftlichen Leistungen und Arbeitsplätzen. mit den Unternehmerinnen und Unternehmern ist Grundlage dafür ist eine solide, gewachsene Wirt- eine Grundlage dazu. Im «Stadtmagazin» äussern schaftsstruktur mit vielen kleinen und mittleren sich Wirtschaftsvertreterinnen und -vertreter zum Unternehmen mit entsprechenden lokalen Veran- Wirtschaftsplatz: fünf Stimmen aus dem Detail- kerungen. Mit rund 77’000 Voll- und Teilzeitstellen handel, der Kreativwirtschaft, dem grössten Wirt- bietet die Stadt fast so viele Arbeitsplätze, wie sie schaftsverband, einem weltweit tätigen Unterneh- Einwohnerinnen und Einwohner zählt. Die Stadt men sowie der Uhrenbranche. (NZ) Investition in Strassen notwendig «Luzern erhält mit der Zustimmung des Bundes- rates zum generellen Projekt Bypass und Spange Nord eine grosse Chance. Der Bau dieser Strassen bringt nicht einfach mehr Kapazität für den moto- risierten Individualverkehr. Sie ermöglichen die dringend notwendige Entlastung der Hauptachsen und schaffen erst die Grundlagen für eine qualita- tive und quantitative Förderung von ÖV und Lang- samverkehr und eine Reduktion unwirtschaftlicher Standzeiten. Planungssicherheit ist eine wesentliche Voraus- setzung für Investitionen! Funktionierende Trans- porte von Personen, Waren und Gütern sind Vor- aussetzung für eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung. Dazu gehören Konzepte für Parkie- rung und Güterumschlag. Die Wirtschaft setzt nicht einseitig auf motorisierte Verkehrsträger. Die IG André Bachmann ist Inhaber der Firma Sphinx – Licht- Planung-Verkauf, Vorstandsmitglied der City Vereinigung Wirtschaft und Mobilität will die geeinten Interes- Luzern und Co-Präsident der IG Wirtschaft und Mobilität. sen der Wirtschaft zum Wohle Luzerns vertreten.» Luzerner Kreativwirtschaft «Die Kreativwirtschaft hat in den letzten zehn Jahren stark an wirtschaftlicher Bedeutung gewon- nen. Sie schafft Arbeitsplätze und macht Luzern als Standort attraktiver. Unternehmerinnen und Un- ternehmer schaffen es, mit Mikro-Organisationen Produkte und Dienstleistungen über die Kantons- grenzen, sogar über Landesgrenzen hinweg zu ver- markten. Anfang Juni präsentierte sich die kreativ- wirtschaftliche Welt in der Kornschütte. Mit über 60 Luzerner Kreativschaffenden war ein spannen- der Querschnitt zu sehen. Dabei hat sich gezeigt: Unsere Branche bietet Produkte und Dienstleistun- gen für einen Verbrauchermarkt. Nicht anders also als in anderen Bereichen der Wirtschaft. Die Kreativwirtschaft sollte auch genau des- halb keine Sonderbehandlung erhalten. Dies würde Mette Skouhus ist Mitinhaberin der Kommunikations- design-Agentur Skouhus & Bombelli AG. Die Firma hat ihr nur schaden. Kreativ ja, aber bitte mit Köpf- u. a. die Website der Stadt Luzern gestaltet. chen.»
Luzern: Zentrum der Zentralschweiz Gesamtplanung «Die Zentralschweiz mit ihrem föderativen Auf- Mitte Oktober 2014 wird bau, ihren verschiedenen Zentren und Hauptorten der Stadtrat seine neue sowie ihren eigenständigen Kulturen hat, ob man Gesamtplanung für die es will oder nicht, ein natürliches Zentrum: die Stadt Jahre 2015 – 2019 vorstel- Luzern. Als Wirtschaftszentrum, als Hochschul- len. Einer der vier zentra- len Leitsätze zur Ent- standort, als Kulturstadt, als touristisches Highlight wicklung der Stadt in mit weltweiter Ausstrahlung, aber auch als Dienst- den kommenden Jahren leistungs-Hub mit einer vibrierenden Branchenviel- ist der Wirtschaftsent- falt darf die Stadt eine Verantwortung wahrnehmen, wicklung gewidmet: die weit über die direkte Beziehung mit der loka- len Bevölkerung hinausgeht. Gute Erreichbarkeit Leitsatz zur Wirtschaft mit intelligenten Verkehrssystemen und effiziente Die Stadt Luzern ist in Drehscheibenfunktion zwischen der Zentralschweiz ihrer Haltung geprägt und dem Rest der Schweiz ist dabei nur eine von vie- von Offenheit und ist ein len Aufgaben. Die kleinste und wohl auch schönste Ort der Qualität. Zahlrei- Metropole der Welt muss sich deshalb immer wie- che kleine und mittlere Felix Howald ist seit fünf Jahren Direktor der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz IHZ, des grössten der neu erfinden, um die Herausforderungen der Unternehmen bilden Wirtschaftsverbands der Zentralschweiz. Zukunft bewältigen zu können.» eine stabile wirtschaft- liche Basis, die auch für international tätige Un- ternehmen ein willkom- Vorteile für Familie und Unternehmen menes Umfeld schafft. «Unsere bisherige Erfahrung mit Luzern ist wun- Die Stadt Luzern verfügt derbar. Luzern bietet die ideale zentrale Lage, um über hervorragende unsere europäischen Supply-Chain- und Logistik- wirtschaftliche Rahmen- zentren zu managen. Wir finden hier qualifizierte bedingungen, die es Arbeitskräfte, es herrscht ein wirtschaftsfreundli- ihren bestehenden und ches Klima. Die Wirtschaftsförderung bietet Unter- neuen Unternehmen stützung für internationale Unternehmen. Unser erlauben, Team geniesst die hohe Lebensqualität. • sich auf ihren jeweiligen Ich lebe mit meiner Familie seit zwei Jahren in Märkten erfolgreich Luzern. Wir fühlen uns hier sehr wohl. Luzern mit und verantwortungs- See und Alpen ist spektakulär. Wir geniessen die voll zu behaupten, vielen Freizeitmöglichkeiten in der Region wie Ski- fahren, Segeln, Wandern, Schwimmen. Museen wie • der Luzerner Bevöl- kerung und Gästen Rosengart oder Verkehrshaus, Konzerte im KKL und qualitativ hochste- die vielen Musikfestivals sind für uns kulturelle hende Produkte und Highlights. Wir besuchen Deutschstunden in örtli- Dienstleistungen zu chen Schulen. So können wir uns schneller integ- Laura Holmes ist Managing-Director von Pratt & Whitney offerieren, Aero Engines GmbH International, die u. a. Triebwerke rieren. Luzern bietet viele Vorteile für Familien und für den Airbus produziert. Unternehmen.» • attraktive Arbeitsplätze anzubieten, • für Kundschaft, Mit- Die Uhrenmetropole Luzern arbeitende und Liefe- «Luzern ist seit bald 200 Jahren eine begehrte ranten gut erreichbar touristische Destination: Schweizer, Europäer, Ame- zu sein. rikaner und Asiaten besuchen unsere tolle Stadt, Die Wirtschaft handelt den wunderschönen See, die grandiosen Berge, die verantwortungsbewusst weltbekannte Kapellbrücke und kaufen oft eine und leistet einen wesent- qualitativ hochstehende Schweizer Uhr. Neben der lichen Beitrag zur Stär- lokalen Kundschaft spielt der Tourismus in unse- kung des Images und rer Branche eine äusserst wichtige Rolle. der Ertragskraft von Lu- Seit Schengen zählen wir immer mehr chinesi- zern. Sie stützt die Zent- sche Gäste. Wir erwarten weitere Besucher aus die- rumsfunktion, welche sem Land. Das führt an Spitzentagen zu Gedränge, die Stadt Luzern für die ganze Region erfüllt. vor allem am Schwanenplatz. Unsere Gäste sollen sich auch in Zukunft willkommen fühlen. Das Weitere Informationen gelingt am besten, wenn sich auch die Gastgeber www.stadtluzern/ wohlfühlen. Wir suchen daher gemeinsam mit der wirtschaftsbericht Stadt Mittel und Wege für eine intelligente Lenkung der Besucher. Luzernerinnen und Luzerner sollen Patrik König ist Inhaber der Firma Embassy, eines der drei grossen Luzerner Uhren-Detailhandelsgeschäfte, auch in Zukunft stolz darauf sein, dass ihre Stadt und von «Max Chocolatier». eine so hohe Anziehungskraft besitzt.»
8 |9 Wirtschaft OPTIMALES UMFELD FÜR WIRTSCHAFT BIETEN Der Stadtrat fördert und stärkt den Wirtschaftsplatz Luzern. Er schlägt Massnah- men vor, um die Standortattraktivität zu erhöhen und den lokalen Unternehmen bessere Rahmenbedingungen für deren Entwicklung zu bieten. Im Wirtschaftsbericht, welcher Mitte August der wicklungen in der Rösslimatt und auf dem Littau- Öffentlichkeit vorgestellt worden ist, präsentiert der erboden, ein Gesamtkonzept zur Stärkung der Stadtrat eine Reihe von Massnahmen. Mit diesen Innenstadt, das Parkplatzkonzept (inkl. Steuerung will er in den kommenden Jahren den Wirtschafts- des Cartourismus) sowie eine Anlaufstelle für die standort Luzern stärken und eine nachhaltige Unternehmen in der Verwaltung und die Stärkung Entwicklung einleiten. Verschiedene Massnahmen der Ressourcen zur Bestandespflege. stehen aufgrund ihrer erwarteten Wirkung und ak- Die wichtigsten Massnahmen werden nachfol- tuellen Bedeutung im Vordergrund: die Arealent- gend skizziert. (NZ) Das Schlüsselareal Rösslimatt beim Bahnhof: Hier entstehen in den nächsten Jahren grosse zusammenhängende Dienstleistungsflächen. Schlüsselareale entwickeln Das Fehlen mittlerer und grosser zusammen- Die erste Priorität der Entwicklung gilt der Röss- hängender Dienstleistungsflächen an zentraler Lage limatt. Hier wollen die SBB in einer ersten Etappe war in den vergangenen Jahren in der Stadt Luzern entlang den Geleisen einen Gebäudekomplex rea- ein grosses Hindernis bei der Ansiedlung neuer lisieren, der mit 20’000 Quadratmetern Geschoss- Unternehmen. Freie Flächen zu finden, gestaltet fläche zur Ansiedlung von Firmen in Zentrumslage sich auf Stadtgebiet als schwierig, stehen doch dienen soll. Der Bezug ist auf 2018 vorgesehen. kaum noch städtische und private Landreserven zur Für den Littauerboden soll 2015 ein Entwicklungs- Verfügung. Es ist für Luzern ein Glücksfall, dass die konzept in Angriff genommen werden. Die Bau- SBB ihr Areal Rösslimatt, unmittelbar hinter dem arbeiten am Pilatusplatz und beim Steghof sollen Bahnhof, entwickeln wollen. Zusätzlich verfügt die 2020 beginnen. Die Dienstleistungsflächen, welche Stadt über eigene Flächen auf dem Littauerboden, zur Stärkung des Wirtschaftsplatzes notwendig beim Steghof und am Pilatusplatz. sind, sollen zeitgerecht realisiert werden.
Parkierungskonzept erarbeiten Die Erreichbarkeit der Stadt als Arbeits- und dürfnisse des Wirtschaftsplatzes Luzern in Zukunft Marktplatz gilt es zu erhalten und für die Zukunft sichergestellt wird: Es macht konkrete Aussagen sicherzustellen. Fast täglich halten sich in der Stadt zur Gesamtzahl der Parkplätze, deren Platzierung mehr als doppelt so viele Menschen auf, als hier woh- und Bewirtschaftung sowie zu den Entwicklungs- nen. Neben den angestrebten Entwicklungen beim absichten. Fussverkehr sowie beim öffentlichen Verkehr ist die Im Vordergrund steht die Kernstadt, insbeson- Erarbeitung eines Parkierungskonzeptes für den dere auch die Frage der Carpark- und Carhalte- wirtschaftlich notwendigen motorisierten Indivi- plätze. Das Parkplatzkonzept berücksichtigt zudem dualverkehr eine zentrale Massnahme. Diese ist da- zahlreiche Einzelprojekte wie das Parkhaus Musegg, her auch Bestandteil der Mobilitätsstrategie des den Ersatzstandort Bahnhofparking, die Aufhe- Den wirtschaftlich notwendigen Stadtrates. Dieses Parkplatzkonzept schafft für alle bung, Schaffung oder Verschiebung von Auto- und Parkraum sichern. Beteiligten Sicherheit, wie der Parkraum für die Be- Veloparkplätzen. Luzerner Innenstadt aufwerten Die Luzerner Innenstadt ist das städtische neue Projekte sowie Massnahmen zur Erhöhung Gebiet, welches von den meisten Bewohnerinnen, der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt bün- Bewohnern und Gästen aufgesucht wird. Sie ist die deln. Als ersten Schritt gilt es, eine Zielvorstellung Visitenkarte der Stadt. Der Stadtrat ist sich dessen im Sinne einer Vision der Innenstadt aufzuzeigen bewusst. Er will sich in den kommenden Jahren und die dazu notwendigen Projekte und deren zeit- gezielt dieses zentralen Gebiets annehmen. Ein- liche und finanzielle Eckwerte zu bestimmen. Dazu heimischen und Gästen sollen sichere und saubere gehören sowohl bauliche, infrastrukturelle wie auch Plätze mit hoher Aufenthaltsqualität und innovati- inhaltliche Themen. Das Konzept soll 2015 in An- ven Inszenierungen zur Verfügung stehen; Plätze, griff genommen werden und u. a. Themen wie Auf- die Zeit und Raum für Begegnungen, Einkaufen, wertung Bahnhofstrasse, Hirschmatt, Schwanen- Eine Innenstadt für Begegnungen, Unterhaltung, Verweilen und Geniessen ermög- platz / Grendel, Gestaltung öffentlicher Plätze und Einkaufen, Verweilen und Geniessen. lichen. Ein Gesamtkonzept soll bestehende und betriebliche Abläufe in der Innenstadt behandeln. Dialog mit der Wirtschaft führen Um die Anliegen der Wirtschaft zeitgerecht in kantonale Wirtschaftsförderung bei Ansiedlungen die städtischen Projekte miteinbeziehen zu können, neuer Unternehmen auf Stadtgebiet unterstützen. ist ein regelmässiger Kontakt zu Unternehmen und Der Bereich Wirtschaftsfragen wird in der Stadtver- Wirtschaftsorganisationen in Luzern unabdingbar. waltung zurzeit mit einem Pensum von 75 Stellen- Diese Aufgabe umfasst neben der generellen Netz- prozenten wahrgenommen. Der Beauftragte hier- werkpflege im Dialog mit den Unternehmen the- für ist Ansprechpartner für die Wirtschaft. Zudem menspezifische Schwerpunkte, welche Zeit und ver- vertritt er die wirtschaftlichen Interessen in zahlrei- tiefte Kenntnisse beanspruchen. chen städtischen Projekt- und Arbeitsgruppen. Zusätzlich will der Stadtrat in der Verwaltung Um den stadträtlichen Wirtschaftsbericht zeit- eine Anlaufstelle für Anliegen der Wirtschaft ein- gerecht umzusetzen und die neue Anlaufstelle zu Eine Fach- und Koordinationsstelle richten. Diese Anlaufstelle soll als Drehscheibe für etablieren, will der Stadtrat das bestehende Pensum für Wirtschaftsfragen schaffen. Auskünfte an Unternehmen funktionieren und die für Wirtschaftsfragen auf 175 Prozent erhöhen. Bestand und Angebot pflegen Der Hauptfokus der wirtschaftlichen Stand- wohlfühlen. Die Stadt Luzern ist ein Ort mit hoher ortförderung gilt den ansässigen Unternehmen, Lebensqualität und bietet ein einzigartiges Ange- welche die städtischen Entwicklungen mittragen bot für Freizeit und Kultur. Unternehmen sind an und diese zum Teil seit Jahrzehnten prägen. Sie ge- einer hohen Lebensqualität interessiert: Lebens- ben der wirtschaftlichen Struktur den notwendigen qualität ist ein wichtiges Argument, um Personal Halt. rekrutieren und halten zu können. Für das wirtschaftliche Gedeihen der Stadt ist Wirtschaftliche Bestandespflege bedeutet so- es entscheidend, dass sich die ansässigen Firmen mit auch Pflege der öffentlichen Dienstleistungen am Standort effektiv entwickeln können. Ziel der und Angebote. Alle Anstrengungen, welche das Bil- Bestandespflege ist es, dass die Unternehmen in der dungs-, Kultur-, Sport-, Freizeit-, Betreuungs- oder Ansässige Firmen sollen sich in der Stadt bleiben können, auch wenn sie wachsen. In auch Einkaufsangebot der Stadt Luzern stärken, Stadt Luzern wohlfühlen. Luzern ansässige Firmen sollen sich in der Stadt stärken auch den Wirtschaftsstandort Luzern.
10 | 11 Kapellbrücke DIE FRÖHLICHEN PILGER GEHÖREN NICHT INS DEPOT Voraussichtlich am 30. November wird über die Volksinitiative «Die Bilder gehören auf die Kapellbrücke – Änderung der Zuständigkeit» abgestimmt. Der Kunsthisto- riker Heinz Horat weiss, was es unter dem Giebel der Brücke zu entdecken gibt. gewesen – und zweifelsohne der Beste. Seine Bilder heben sich von jenen ab, die andere gemalt haben. Allein die Bilder unter dem künstlerischen Aspekt zu vergleichen, eröffnet dem Betrachter Welten – im Wissen darum, dass die mittlerweile 400 Jahre alten Gemälde frei zugängliche Kunstschätze im öffentlichen Raum sind, was nicht alltäglich ist. Politisch und dreieckig Übrigens sei es ein Märchen, dass die Bilder gar keine Originale mehr seien, fügt Horat an. Sie seien zwar immer wieder retuschiert und restauriert, ver- einzelt auch übermalt worden, «aber Komposition und Inhalt sind in den meisten Fällen beibehalten worden». Die originale Malweise sei auf vielen Bil- dern gut erlebbar: «Die Brückenbilder waren und sind weltweit einmalig.» Seit Jahrzehnten faszi- nieren ihn die vom damaligen Stadtschreiber Ren- ward Cysat initiierten und konzipierten Bilder, die «modern» finanziert worden waren: mittels Spon- soring durch Private. Die Geschichten, die die Bil- der erzählen – unter anderem über den Stadtpatron Leodegar und den heiligen Mauritius –, sind für Horat ein «politisches Manifest». Die dreieckige Form trägt das Ihre dazu bei, dass die Kunstwerke auf der Brücke Prädikate der Superlative verdienen. «Dreieckige Bilder sind in der Kunstgeschichte sehr selten», sagt Horat und erzählt von seiner Som- merferienwoche in Italien. In Pompeji habe er in Heinz Horat auf der Kapellbrücke vor einem seiner Lieblingsbilder: «Das ist ein elegantes, einem dreieckig gemalten Gestell ein römisches gut komponiertes Bild von erheblicher künstlerischer Qualität.» Fresko entdeckt und in Roms Strassen dreieckige Schachtdeckel. Er lächelt verschmitzt und freut sich Fast ein bisschen stolz sagt Heinz Horat, dass über die Entdeckungen, die das Buchkapitel über er eben zwei Paare beobachtet habe, die auf der dreieckige Bilder überraschend erweitern dürften. Kapellbrücke innegehalten und die Bilder disku- tiert hätten. Bis vergangenen Sommer war der Der Umgang mit Fragmenten Kunsthistoriker Direktor des Historischen Muse- Zum Thema «Kopien hängen Ja oder Nein» sagt ums Luzern – jetzt ist er in Pension, was allerdings Horat, dass «im Moment leider die falsche Diskus- nicht bedeutet, dass er dem Müssiggang frönt. sion geführt wird». Die Originalbilder seien herge- Horat arbeitet an zwei Buchbänden über die Bilder stellt worden, um sie als Beitrag zur Kunst und Kul- der Kapellbrücke, die Mitte nächsten Jahres veröf- tur im öffentlichen Raum der Stadt Luzern zu zeigen fentlicht werden. Jedes einzelne Bild des einmali- und nicht, um sie im Depot zu lagern. Im öffent- gen Zyklus wird abgebildet und beschrieben sein. lichen Raum platzierte Kunstwerke würden das Glücklicherweise waren sämtliche Bilder ungefähr Risiko der Zerstörung und somit des Verlustes be- zwei Jahre vor dem verheerenden Brand im August inhalten. Letztlich sei dies auch eine philosophi- 1993 professionell fotografiert worden. sche Frage. Die Spezialistinnen und Spezialisten «Sehen Sie, wie die Pilger fröhlich durch die sind sich indessen einig: «Denkmalpflegerisch ist Landschaft ziehen», sagt Horat und zeigt auf eines es verpönt, so zu tun, als sei nichts gewesen», sagt seiner Lieblingsbilder. «Das ist ein elegantes, gut Horat und spricht damit den Brand an. Die Katast- komponiertes Bild von erheblicher künstlerischer rophe sei passiert, und es gehe um den Umgang mit Qualität.» Der Maler Hans Heinrich Wägmann habe dem, was übrig geblieben ist. «de Plausch» an seiner Arbeit gehabt, ist Horat über- Ob die Kopien der Bilder gut oder schlecht seien, zeugt. Wägmann war der «Hauptmaler» der Bilder stünde nicht zur Debatte. Rekonstruktionen und
Der Stadtrat lehnt die Volksinitiative ab Die Volksinitiative «Die Bilder gehören auf die Kapellbrücke – Änderung der Zuständigkeit» will die Änderung der Zuständigkeit über die Hänge- ordnung erreichen. Nicht der Stadtrat, sondern neu der Grosse Stadtrat soll für die Hängeordnung damit Kopien blenden in der Meinung des Kunst- auf der Kapell- und auch auf der Spreuerbrücke historikers Ereignisse aus. Aber die Brücke wurde zuständig sein. Dadurch würde es möglich, mit nach dem Brand wieder aufgebaut, weswegen sol- einer Volksinitiative oder einem fakultativen len nun die Bilder nicht allesamt in Kopien zugäng- Referendum die Änderung der Hängeordnung lich gemacht werden? Dieses Argument verfängt zu verlangen. für Horat nicht: «Viel Brückenholz war bereits vor dem Brand aus Witterungsgründen zig Mal ersetzt Volksabstimmung voraussichtlich im November worden. Es ist geradezu charakteristisch für Holz- Hintergrund des Volksbegehrens sind die Dis- brücken, dass sie als Nutzobjekte materiell ersetzt kussionen um die Lücken im Bilderzyklus, die der werden – im Gegensatz zu den Gemälden.» Grund- Brand der Kapellbrücke 1993 verursacht hat. Die sätzlich von Bedeutung sei der Umgang der Gesell- Initiative will die Voraussetzungen schaffen, dass schaft mit Fragmenten; diese Diskussion müsse die von Jost Schumacher finanzierten Kopien der geführt werden. Bilder der Kapellbrücke aufgehängt und die Bilder des Totentanzes aus dem 17. Jahrhundert auf der App sei Dank? Spreuerbrücke durch Kopien ersetzt werden kön- Als die Kapellbrücke brannte, war Horat Denk- nen. Der Grosse Stadtrat befindet am 25. Septem- malpfleger des Kantons Zug und regelmässiger Au- ber 2014 über die Initiative, die Stadtluzerner tor der «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ). Einen Tag Stimmberechtigten entscheiden voraussichtlich nach dem Brand legte er in der Zeitung eindrück- am 30. November 2014. lich dar, welchen Wert Brücke und Bilder hatten und haben: «Wägmanns Bildtafeln unter dem Dach – ein Fachstellen müssen Hängeordnung bewilligen bedeutendes Kulturdenkmal», lautete eine Bildun- Der Stadtrat lehnt die Initiative ab. Aus seiner terschrift. Zwei Drittel der dreieckigen Gemälde Sicht muss die Hängeordnung eine Aufgabe der waren Opfer der Flammen geworden. Horat in der Exekutive bleiben. Die Kapellbrücke ist ein Denk- NZZ: «Eine zweite Kapellbrücke aber gibt es nicht. mal von nationaler Bedeutung. Sie ist eine welt- Genauso, wie es nur wenige ideale, modellhafte bekannte Touristenattraktion und hat auch für Denkmäler gibt. Solche, die nicht ausschliess- die Luzernerinnen und Luzerner eine hohe Bedeu- lich historische Zeugen für die jeweils zeitgenössi- tung. Eine Änderung der Ordnung kann nur in sche Gesellschaft sind, sondern (…) von der Gesell- Zusammenarbeit mit den Fachstellen des Bundes schaft ohne pietätvolles Begründen ganz einfach und des Kantons erfolgen und muss von diesen gebraucht werden. (…) Die vielen verbrannten Brü- Stellen bewilligt werden. ckenbilder bedeuten (…) einen grossen, weil nicht wieder gutzumachenden kulturellen Verlust.» Zusätzliche Kosten Drei Bilderzyklen hat die Tourismusdestination Die Hängeordnung von 2002 sieht vor, dass Luzern: die erwähnte, den Totentanz der Spreuer- auf der Brücke nur Originalbilder aufgehängt wer- brücke und die eingelagerten Bilder der gewesenen den. Die Hängeordnung ist somit ein Bekenntnis Hofbrücke. Für Horat sind die Bilderzyklen quasi zur Geschichte der Kapellbrücke und der Stadt die «Kronjuwelen» der Stadt, und er versteht es Luzern. Sie ist auch ein Bekenntnis zur Qualität. nicht, weswegen die Verantwortlichen sie nicht Ein Gutachten der Eidgenössischen Kommission besser an den Mann und an die Frau bringen. «Wie für Denkmalpflege hat aufgezeigt, dass die Kopien die wertvollen Bilder vermittelt werden können: Das den qualitativen Anforderungen nicht genügen. ist die Diskussion, die geführt werden sollte», sagt Die Kopien können zudem nicht dauerhaft im Horat – um Ideen nicht verlegen. Er träumt davon, Freien aufgehängt werden, da sie innert kurzer wie eines Tages Einheimische und Touristen die Zeit vergilben würden. Auch würden die Hängung Kapellbrücke besichtigen, Smartphones oder Tab- der Kopien und die Einlagerung der Originale im lets in der Hand, und mithilfe einer App zu jedem Depot zusätzliche Kosten verursachen. gehängten originalen Bild und zum gesamten Zyk- lus Informationen abrufen können. Die Grundlage Stadtrat will neue Hängeordnung prüfen dazu wird Horat im nächsten Jahr mit seinen Bild- Der Stadtrat hat Verständnis für den Wunsch, bänden geschaffen haben. die Lücken auf der Kapellbrücke zu schliessen und damit die Lesbarkeit des gesamten Zyklus zu ver- Sandra Baumeler bessern. Er ist deshalb bereit, eine neue Hängeord- Freie Journalistin nung auf der Kapellbrücke zu prüfen. (UD)
12 | 13 Abstimmung KULTURGUT VON NATIONALER BEDEUTUNG ERHALTEN Grosser Stadtrat und Stadtrat unterstützen die Initiative zur Rettung der Zentral- und Hochschulbibliothek. Die Stimmberechtigten entscheiden am 28. September, ob sie einen Neubau im Vögeligärtli verhindern wollen. Meinung, die ZHB und das Vögeligärtli sollen in der heutigen Form erhalten bleiben. 1 Schutzwürdigkeit Diese Ansicht vertritt auch die Denkmalpflege: Die ZHB ist im Schweizerischen Inventar der Kul- turgüter von nationaler und regionaler Bedeutung und im städtischen Bauinventar als schützenswer- tes Objekt aufgeführt. Das Gebäude befindet sich in der Ortsbildschutzzone B, in der Abbrüche nur ausnahmsweise bewilligt werden, wenn eine Sanie- rung aus statischen Gründen nicht möglich ist oder aus wirtschaftlichen Gründen unverhältnismässig wäre. Die ZHB ist auch in den Augen des Stadtrates Teil eines aussergewöhnlichen, für die Stadt Luzern einmaligen städtebaulichen Ensembles und von hohem denkmalpflegerischem und architektoni- schem Wert. Der Stadtrat unterstützt die Unter- schutzstellung der Zentral- und Hochschulbiblio- thek und befürwortet deren rasche Sanierung. Sanierung oder Neubau Auch der Regierungsrat und der Kantonsrat hat- ten sich für eine Sanierung ausgesprochen: Im Juni 2010 hatte das kantonale Parlament dafür einen Baukredit von 18,88 Mio. Franken bewilligt. Im März 2011 musste der Regierungsrat die Planungs- arbeiten aus finanziellen Gründen allerdings sistie- ren. Die Sanierung und der Umbau der ZHB sollten um zwei Jahre verschoben werden. Im Dezember 2011 verlangte ein parlamentari- scher Vorstoss im Kantonsrat, die Sanierung und den Umbau der ZHB zu stoppen und einen Wettbe- werb für einen Neubau auszuschreiben. Darauf- Einmaliges städtebauliches Ensemble: Vögeligärtli mit Zentral- und Hochschulbibliothek. hin hat die Denkmalkommission des Kantons Lu- zern im Februar 2012 beantragt, die ZHB ins kanto- Im Dezember 2012 hat der Luzerner Kantonsrat nale Denkmalverzeichnis aufzunehmen. Gegen die entschieden, anstelle der heutigen Zentral- und Unterschutzstellung wurde eine Verwaltungsbe- Hochschulbibliothek (ZHB) einen Neubau zu erstel- schwerde eingereicht. Das Verfahren ist sistiert: Ob len. In diesem sollen die ZHB und das Kantonsge- die ZHB unter Denkmalschutz gestellt wird, soll erst richt künftig Platz finden. Um die Neubaupläne des entschieden werden, wenn das Neubauprojekt vor- Kantons zu verhindern, wurde die «Initiative zur liegt und die bau- und planungsrechtliche Situation Rettung der ZHB Luzern (Zentral- und Hochschul- geklärt ist, hat der Regierungsrat beschlossen. bibliothek)» ergriffen. Die Grünen und Jungen Grü- nen Stadt Luzern wollen mit ihrer Initiative die ZHB Fachverbände gegen Neubau und den Sempachergarten, das sogenannte Vögeli- Eine weitere Wende nahm die Geschichte um gärtli, erhalten. Ein Abbruch des Gebäudes soll die ZHB im Dezember 2012: Der Kantonsrat unter- durch eine Änderung des Bau- und Zonenregle- stützte die Idee, im ZHB-Neubau auch das Kantons- ments planungsrechtlich verunmöglicht werden. gericht unterzubringen. Den Projektierungskredit Das Stadtparlament hat die Initiative mit 37 zu dafür wies das Parlament im Juni 2013 dann aber 9 Stimmen bei 0 Enthaltungen zur Annahme emp- zurück und forderte ein Wettbewerbsverfahren. fohlen. Die Mehrheit des Grossen Stadtrates ist der Dieses Verfahren wird zurzeit von der Dienststelle
Immobilien des Kantons vorbereitet. Allerdings klares städtisches Signal für den Erhalt von ZHB sprechen sich die beiden wichtigsten Planerver- und Vögeligärtli könne nicht ignoriert werden. bände – der Bund Schweizer Architekten (BSA) Einzig die SVP -Fraktion lehnt die Initiative ab sowie der Schweizerische Ingenieur- und Architek- und spricht sich für einen Neubau aus: Es sei städte- tenverein (SIA) – klar gegen die Teilnahme am Wett- baulich und ökologisch vernünftig, bebaute Flä- bewerb und gegen das Neubauprojekt aus. chen durch Verdichtung besser nutzbar zu machen. Zudem verursache eine Sanierung der ZHB unver- Debatte hältnismässige Kosten, so die Argumentation. Bei der Behandlung der Vorlage im Grossen Stadtrat sprachen sich die Fraktionen der G / JG, der Stimmempfehlung FDP, der CVP, der SP / JUSO und der GLP für die «In- Grosser Stadtrat und Stadtrat empfehlen den itiative zur Rettung der ZHB Luzern» aus. Die Mehr- Stimmberechtigten, die «Initiative zur Rettung der heit des Parlaments empfiehlt sie zur Annahme: Ein ZHB Luzern» anzunehmen. (DC) Stellungnahme des Initiativkomitees: «Initiative zur Rettung der ZHB Luzern (Zentral- und Rettung der Bibliothek bleibt die Qualität der grünen Hochschulbibliothek)» Lunge des Quartiers vollumfänglich erhalten. Die Initiative verlangt, dass ein Abbruch der Zentral- und Hochschulbibliothek (Standort Sempacherstrasse) Langjährige und teure Auseinandersetzungen vermeiden planungsrechtlich im städtischen Bau- und Zonenreglement Die Kantonsregierung schrieb vor über vier Jahren in zu verunmöglichen ist. Mit einem Ja zur Initiative soll das der Sanierungsbotschaft: «Eine weitere Verzögerung der besonders schutzwürdige Bibliotheksgebäude erhalten Sanierung wäre unverantwortlich und wirtschaftlich unver- bleiben, das Vögeligärtli in seiner jetzigen Ausdehnung nünftig. Ein Abriss und Neubau ist aufgrund der architekto- gerettet und langjährige sowie teure Auseinandersetzun- nischen und städtebaulichen Bedeutung des Gebäudes un- gen vermieden werden. denkbar.» Gemäss dieser Botschaft waren die Bauarbeiten ab September 2011 geplant. Nach rund zwei Jahren Umbau- Schutzwürdige Bibliothek erhalten zeit hätten die neuen Räume der Zentral- und Hochschulbi- Die Zentral- und Hochschulbibliothek gilt als Meister- bliothek im Sommer 2013 wieder bezogen werden können. werk des renommierten Luzerner Architekten Otto Dreyer Die Realisierungschancen für einen Neubau im Vögeli- (1897–1972). Das Gebäude ist ein wertvoller, erhaltenswer- gärtli schätzen die Initianten als äusserst gering ein. Mit ter Bauzeuge der Architektur aus den 1950er-Jahren. Ge- den vorhersehbaren Einsprachen und Beschwerden sind meinsam mit der Schulanlage Felsberg, die zurzeit saniert bei einem allfälligen Neubauprojekt langjährige Auseinan- wird, gehört das Bibliotheksgebäude zu den bedeutendsten dersetzungen mit hohen Kosten zu erwarten. öffentlichen Bauten dieser Epoche in der Stadt Luzern. Leidtragende sind das Personal sowie die Nutzerinnen Aufgrund der architektonischen und städtebaulichen und Nutzer der Zentral- und Hochschulbibliothek. Sie müss- Bedeutung ist die Zentral- und Hochschulbibliothek im ten sich auf ein längerfristiges Provisorium einstellen. Diese Schweizerischen Inventar der Kulturgüter von nationaler Situation ist unbefriedigend für alle Beteiligten. Mit einem Bedeutung eingetragen. Die kulturhistorische und die hohen Ja-Anteil zur Initiative zur Rettung der Zentral- und denkmalpflegerische Bedeutung des Gebäudes werden Hochschulbibliothek kann die städtische Bevölkerung un- sowohl vom Bund, vom Kanton wie auch von der Stadt missverständlich zeigen, dass sie an diesem sensiblen Stand- hervorgehoben. Sie lassen keinen Zweifel an der Schutz- ort keinen Neubau will. würdigkeit des Gebäudes. Ja zur «Initiative zur Rettung der ZHB Luzern» Das Vögeligärtli retten Durch einen Abriss der Zentral- und Hochschulbibliothek Die Hirschmatt ist ein besonders dicht bebautes Stadt- ginge nicht nur ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeu- quartier. Als grüne Lunge des Quartiers und als Oase mitten tung verloren, sondern auch ein einzigartiger städtischer im Stadtzentrum ist das Vögeligärtli unverzichtbar. Das Freiraum. Ein Neubau mit integriertem Kantonsgericht Vögeligärtli ist ein Begegnungs- und Aufenthaltsort für alle. würde die Qualität der bestehenden Parkanlage und des Für viele Familien ist der Park ein nahe gelegener Freiraum, Grünraumes Vögeligärtli zerstören. Deshalb sagen nicht nur der die Lebensqualität im dicht bebauten Quartier wesent- der Stadtrat und der Grosse Stadtrat Ja zur Initiative. Auch lich erhöht. Im Vögeligärtli können die Kinder spielen und ein breit abgestütztes überparteiliches Komitee mit den sich frei bewegen. Fach- und Planerverbänden, Vertretern aus CVP, FDP, Grüne, Das Bibliotheksgebäude passt sich organisch in die Grünliberale, SP und dem Freundeskreis der ZHB will das Parkanlage ein. Die unterschiedlichen Gebäudehöhen Bibliotheksgebäude erhalten und sagt Ja zur Initiative. der einzelnen Baukörper nehmen zum Beispiel Rücksicht auf die Besonnung des Vögeligärtlis und sind bewusst tie- Alain Greter fer gehalten als die umliegenden Gebäude. Nur mit der für das Initiativkomitee
14 | 15 Quartier «WIR GEBEN NICHT AUF BIS ZUM BETTAG» Beim Lido trifft sich die halbe Welt zum Campieren, Grillieren, Plagieren. Früher fanden sich hier auch Astronauten und Kosmonauten ein – zum Musizieren. Bis zum 21. September zum Baden, danach täglich auch zum Spazieren und Pausieren geöffnet: das Strandbad Lido. «Regen-/Sonnenschirm immer griffbereit» steht Tennis-Club, Verkehrshaus, Lido-Wiese, Minigolf, auf dem multifunktionalen Produkt am Kiosk im Schrebergärten, Camping, Yachthafen, «Seeburg», Strandbad Lido. An jenem Montagmorgen scheint sogar Parkplätze und Wohnblöcke haben Platz. es unnötig: Die eine und andere Wolke ziert den Den totalen Überblick geniesst Peter J. Waldis. blauen Himmel. Zwei Bikini-Girls räkeln sich auf Der Sohn des Verkehrshaus-Gründers wohnt mit sei- der Wiese beim Eingang. Ein paar Kinder nehmen ner Familie am Meisenweg über der S-Bahn-Station. das Spielplatzgelände ein. Am 300 Meter langen Vom obersten Balkon sieht er den Vierwaldstätter- Sandstrand installieren sich weitere Gäste. 24 Grad see vom Seebecken bis zum Bürgenstock. Vor allem Luft- und 20 Grad Wassertemperatur lassen sie kalt. aber scheint man direkt in das temporäre Riesenbe- Schliesslich ist es hinter dem Bürgenstock bis weit cken des Verkehrshauses springen zu können, wo nach Italien hinein kaum heisser. Und wo wellt das Modell- und Kindersegelboote treiben. Waldis pad- Wasser schöner an den Strand als hier? delt mit Vorliebe auf einem der selbst gefertigten Geschäftsführer Marcel Wiesler blickt vom Res- Kajaks über den See. In seinem Graphic-Design-Ate- taurant Siesta zur verwetterten Luzerner Fahne lier hängt eine Spyr 3 im Massstab 1:5. Das Segelflug- hoch. Hält der Föhn, bricht er zusammen? Der Som- zeug aus den Dreissigerjahren hat er nach Original- mer sei bislang recht abwechslungsreich gewesen, plänen gebaut. Er möge leise, umweltschonende sagt er, sommerlicher Teint rund um die Tattoos. Um 6.30 Uhr entscheidet er jeweils, ob die Badi um 9, 11 oder 13 Uhr öffnet – oder geschlossen bleibt. Juli und August lassen zu wünschen übrig: An gu- ten Tagen kamen 500 statt 4000 bis 6000 Leute. «Wir geben nicht auf, die Saison dauert bis zum Bettag», zeigt Wiesler dem Wetter die Muskeln. Später gibt er sich einem Volleyballmatch hin. Zur Sportzone gehören vier Beach- und zwei Fussvolleyballfelder, ein Badminton- und ein Fussballfeld. Mikrokosmos mit Kosmonauten Tennisplätze gibt es beim TC Lido. Dort spielt über Mittag gerade ein Frauendoppel. Was von der Restaurant-Davis-Veranda aus interessiert verfolgt wird. Zwischen Seeburgstrasse und Seeufer reiht sich ein Mikrokosmos an den andern: Strandbad und Hat den Überblick: Peter J. Waldis.
Viel Verkehr im Haus Der Sommer-Marathon des Verkehrshauses nähert sich dem Ziel. Durchschnittlich 3900 Personen strömten täglich ins interaktive Museum. Ein Renner bleibt wohl noch bis zum 19. Oktober die Sonderausstellung «Segelnation Schweiz». Zu Wasser und im All 1400 Quadratmeter misst das Wasserbecken in der Arena. Vier Venti- Ein Treffpunkt für Schulklassen, Vereine, Familien und Oldtimer: Kiosk und Imbiss beim Minigolf Lido. latoren erzeugen für Modell- und Optimisten- Fortbewegungsarten, sagt er. Sein Lieblingsort im Nachbarn auf Zeit boote Wind. Kinder ab Verkehrshaus bleibt die Luft- und Raumfahrt-Halle. Ein Wohnmobil aus Italien fährt langsam durch 7 Jahren können sich am Bei deren Eröffnung war mitunter Neil Armstrong die Lidostrasse. Reisende auf der Nord-Süd-Achse Morgen für einen Segel- zugegen. Auch weitere Raumfahrer stationierten spä- würden gerne in Luzern pausieren, sagt ein ent- kurs am Nachmittag einschreiben. Daneben ter am Meisenweg. «Einmal spielte der russische Kos- spannter Richard Hess im Camping Internatio- ragt der Karbon-Racer monaut Vitali Sevastianov mit dem amerikanischen nal Lido. Durchschnittlich bleiben die wetterfes- «Alinghi SUI-100» mit Astronauten James Lovell in der Stube Klavier», erin- ten Gäste zwei Nächte. Sie stammen aus Holland, einem 32-Meter-Masten nert sich Waldis. «Danach kritzelte Sevastianov mit Belgien, Deutschland und England, zunehmend aus in den Himmel. In wei- Kugelschreiber ein Autogramm an meine Zimmer- Südkorea und Russland. Sie kommen zu Fuss, tere Dimensionen führt tür.» Früher habe man den Fortschritt unmittelbarer mit dem Top-Wohnmobil, dem Tourenfahrrad, in das neue Planetarium. erfahren können. Techniken seien sicht- und greif- Wohnmobil-Karawanen. Zwölf Schweizer wohnen Auf dem bequemen bar gewesen, Pioniere Menschen zum Anfassen. fix auf dem 4-Sterne-Campingplatz. Die Monats- Sessel von «Peter Abend- miete beträgt 500 Franken, Strom und Wasser roth» hätte der Welt- Vom Ried zur Freizeit-Oase exklusive. Denselben Tagestarif zahlen die zwei tem- raumspaziergang länger 1958, als Waldis’ Haus erbaut wurde, war rings- porären Nachbarn aus Deutschland: Ein junges anhalten dürfen. um noch Wildnis. Das neue Verkehrshaus stand bei Paar, das eine Suppe unter einem VW-Bulli-Heck der Eröffnung quasi im Schilf. In die malerische kocht, neben zwei parfümierten Pensionären mit Schoggi und Marathon Riedlandschaft beidseits des Würzenbachs wurde Carthago-Highliner und Solarzellen on the top. Das «Swiss Chocolate allerdings schon im 18. Jahrhundert eingegriffen: Wäre ein Dinner in der historischen «Seeburg» Adventure» ist im Juni eröffnet worden: Besu- Entwässerung des Sumpfbodens, Begradigung des angebracht? cherinnen und Besucher Bachs, Bau der Bahnstrecke. Relikt aus dem eins- reisen in einem pralinen- tigen Brüelmoos sind die «paar Quadratmeter Lärmen verboten förmigen Scooter vom Feuchtstauden-Vegetation zwischen Verkehrshaus Auf dem Weg dorthin fällt eine leere Wiese auf. Ursprung der Kakao- und Schrebergärten», informiert der Quartierverein Vielleicht liegts am Schild: «Das Kampieren, Fuss- bohnen bis zum fertigen Seeburg-Würzenbach-Büttenen. ballspielen, Baden, Sonnen- und Luftbaden, Lär- Produkt. Mehr (körper- Eine Freizeit-Oase ist das angrenzende Minigolf- men, Laufenlassen von Lautsprechern ist in der gan- liche) Bewegung ver- Gelände. Hier erholen sich tagsüber auch Verkehrs- zen Anlage bei Strafe von Haft oder Busse verboten. spricht der «Swiss City haus-Mitarbeiter. Bis zur Strasse hinaus bildeten sich § 8 EGzStGB. Luzern, den 7. Juli 1966. Der Stadtrat Marathon Lucerne», während der Ferienzeit Schlangen (siehe «Viel Ver- von Luzern.» Lustvoller gehts nebenan an der «Sun- dessen Teilnehmerinnen kehr im Haus»). Unter den sieben Linden zwischen set Bar» der «Seeburg» zu: Himmelbetten, Liege- und Teilnehmer am modernen Sumpfgräsern kann man die Seele bau- stühle, Kokons, Loungechairs stehen bereit. Ein 26. Oktober im Ver- meln lassen. Die Anlage ist frei von Schickimicki. Staff-Mitglied informiert, in 20 Minuten würde ge- kehrshaus einlaufen Eitelkeiten werden höchstens am 2., 3. und 4. Mitt- schlossen, dann beginne es zu regnen – was genau werden. wochabend des Monats zelebriert. Dann parkieren der Fall ist. Sinnbildlich für die Wetterkapriolen ste- Oldtimer mit LU-, NW-, ZH- oder SZ-Nummern vor hen die Türen zur Rigi-Hütte im «Jesuitenhof» sperr- dem Imbisswagen. Nicht nur, weil es die besten Ham- angelweit offen. Trotz «Alpenchic-Atmosphäre»: burger geben soll. Hier können die Männer bei offe- Glücklicherweise riecht es nach Regen statt Rac- ner Motorhaube fachsimpeln. Statt Musikerinnen lette. Der Herbst kann kommen. Wir sind wetter- und Musiker in der Salle Modulable zwitschern trainiert. Und die Gestade locken überall mit Mög- weiterhin Vögel. Beim 3. Loch kommentieren Ama- lichkeiten. In der Dämmerung, bei Regen, steigt zonen-Papageien die Schläge. Wer heute Minigolf neben der verbotenen Wiese ein Paar ins Wasser. spielt? Schulklassen, Vereine, Familien etwa, sagt die Das erfrischende Vergnügen ist weit herum hörbar. Betreiberin. Immerhin sei es eine originale 12-Me- ter-Bahn. Die überdachten Töggelikästen, Billard- Edith Arnold und Tischtennistische bespielen junge Männer. Freie Journalistin
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