Department 1970 - 2020: 50 Jahre FH / HAW Hamburg - Eine kleine Geschichte der Ingenieurausbildung in Hamburg

 
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1970 – 2020: 50 Jahre FH / HAW Hamburg
Eine kleine Geschichte der Ingenieurausbildung in Hamburg
Im April 2020 ist Geburtstag: 50 Jahre      Der Bedarf an Ingenieuren war groß, be-       dernen Strömungslehre. Aus dieser Ko-
zuvor, am 1. April 1970, wurde die Fach-    engt jedoch der Platz für eine „Ingenieur-    operation entstanden bahnbrechende Ar-
hochschule Hamburg gegründet. Die FH        schule“ in den Räumen des heutigen Mu-        beiten zum Verständnis von Strömungen
Hamburg, die seit 2001 den Namen Hoch-      seums für Kunst und Gewerbe.                  an Grenzschichten, auch heute noch die
schule für Angewandte Wissen-                                                                                      Grundlage der
schaften (HAW) trägt. Im nächsten                                                                                  Aerodynamik
Jahr wird die HAW dieses Jubilä-                                                                                   von Autos und
um gebührend feiern.                                                                                               Flugzeugen.

Und auch wir wollen uns schon                                                                                       Im Jahr 1912
vorab an die Jahre erinnern. An                                                                                     entschied sich
Denkwürdiges, an Fortschritte in                                                                                    Heinrich Bla-
Forschung und Lehre. An neue An-                                                                                    sius bewusst
sätze, die zum Teil gegen erheb-                                                                                    gegen     einen
liche Widerstände durchgesetzt                                                                                      weiteren Ver-
werden mussten. Und auch an ei-                                                                                     bleib in der
nige Kuriositäten.                  Schumacher-Bau am Berliner Tor (um 1930)              Dr. Heinrich Blasius      Hochschul-
                                                                                                                    forschung und
Ingenieurschule Hamburg                     Am 4. Mai 1910 genehmigte die Bürger-         wurde aus Überzeugung Lehrer an den
                                            schaft der Freien und Hansestadt Hamburg      Technischen Staatslehranstalten in Ham-
Aber lassen Sie uns noch etwas früher be-   den Entwurf von Oberbaudirektor Fritz         burg. Ein paar Jahre später holte er auch
ginnen. Im Jahr 1893, zum Zeitpunkt des     Schumacher für den Neubau des Techni-         Dr. Karl Hiemenz, einen ehemaligen Kol-
Beginns der Maschinenbau-Ingenieur-         kums auf dem Lübeckertorfeld am Berliner      legen bei Prandtl, nach Hamburg ans Ber-
Ausbildung in Hamburg. Damals startete      Tor. Im Sommer 1911 begannen die Arbei-       liner Tor.
das „Staatliche Technikum“ mit einer „Hö-   ten und am 8. April 1914 wurde der Neu-
heren Maschinenbauschule“ als Teil der      bau fertiggestellt.                           Blasius war eine herausragende Persön-
Allgemeinen Gewerbeschule. Gut zehn                                                       lichkeit, ein vielseitig interessierter Hu-
Jahre später, am 1. April 1905, wurde das   Fritz Schumacher prägte in den Jahren um      manist. Näheres zu Heinrich Blasius und
Technikum aus der Gewerbeschule ausge-      1910 maßgeblich die städtebauliche Ent-       Links zu seinen Schriften, z.B. zu sei-
gliedert.                                   wicklung der Hansestadt, besonders durch      nen „Kulturphilosophischen Vorträgen zu
                                            seine Backstein-Architektur. Bedeutende       einem STUDIUM GENERALE“ aus dem
                                            Bauten aus dieser Zeit sind, neben denen      Jahr 1959, finden Sie unter:
                                            am Berliner Tor, u.a. das Holthusenbad, die   www.stein-ulrich.de/Blasius/
                                            Davidwache und das Museum für Hambur-
                                            gische Geschichte.                            Doch so weit sind wir jetzt noch nicht. Ein
                                                                                          paar Monate nach Fertigstellung des Schu-
                                            Im Jahr 1912 erfolgte die Umbenennung         macher-Baus am Berliner Tor begann der
                                            der fünf Fachschulen des Technikums in        1. Weltkrieg. Im August 1915 wurde der
                                            „Technische Staatslehranstalten Ham-          Unterrichtsbetrieb unterbrochen und der
                                            burg“. Damit verbunden war eine Ausdeh-       Schumacher-Bau ein Reservelazarett.
                                            nung des Studiums von vier auf fünf Se-
Absolventen-Jahrgang 1910 (Foto aus dem     mester. Das technische Wissen, das ein
Nachlass von Ing. Heinrich Schlieckau)      Ingenieur parat haben musste, hatte in den
                                            vorhergegangenen Jahren enorm zuge-
Dies war der Beginn einer eigenstän-        nommen. Außerdem wurde der praktische
digen Ingenieur-Ausbildung in Hamburg.      Unterricht in den Laboratorien erweitert.
Ab 1907 erhielten alle akademisch ausge-
bildeten „Oberlehrer“ am Technikum den      Und auch die Qualität des Lehrpersonals
Titel „Professor“. Für die „Höheren Fach-   erhöhte sich: 1912 kam Dr. Heinrich Blasi-
schulen“ lautete der Bildungsauftrag im     us zum Technikum. Blasius hatte von 1902
Jahr 1910: Bildet die Mitte zwischen den    bis 1906 Physik studiert. Danach wurde er
Technischen Hochschulen und den Gewer-      in Göttingen einer der ersten Doktoranden
beschulen.                                  von Ludwig Prandtl, dem Vater der mo-         Lazarett im 1. Weltkrieg

Maschinenbau und Produktion 2018/2019                                                                                              9
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 Nach Kriegende ging die Ausbildung am
 Berliner Tor weiter. Mit der Gründung
 der Universität im Jahr 1919 entstand in
 Hamburg eine weitere akademische Aus-
 bildungsstätte - für die eine „Ingenieur-
 schule“ natürlich kein gleichwertiger Kon-
 kurrent sein konnte.

 Im Jahr 1922 wurden die „Technischen
 Staatslehranstalten“ mit der „Höheren
 Schule für Hoch- und Tiefbau“ zu den
 „Staatlichen Technischen Schulen“ zusam-
 mengefasst. Dem Direktor wurde weiter-
 hin der Titel Professor verliehen. Bei den    „Rückansicht am Lübeckerthorfeld“ (aus der Festschrift von 1931)
 Dozenten entfiel jedoch der Professorenti-
 tel, wahrscheinlich ein Zugeständnis an die   Im Jahr 1928 erfolgte die Rückbenen-         Dennoch schaffte noch im Jahr 1943 einer
 neue Universität. Bis zum 31. März 1923       nung in „Technische Staatslehranstalten“,    der berühmtesten Absolventen der Inge-
 war der Direktor in Personalunion auch        jetzt mit den Abteilungen: „Höhere Schu-     nieurschule seinen Abschluss: Georg von
 Leiter der einzelnen Abteilungen. Nach der    le für Maschinenbau, Schiffsmaschinen-       Tiesenhausen.
 Zusammenfassung bekamen die einzelnen         bau, Elektrotechnik und Schiffbau“, „Hö-
 Bereiche (Maschinenbau, Elektrotechnik,       here Schule für Hoch- und Tiefbau“ und
 Schiffbau, Flugzeugbau) einen eigenen         „Schiffsingenieur- und Seemaschinisten-
 „Schulleiter“ (später „Abteilungsleiter“),    schule“.
 der vom Lehrkörper und einem Beirat für
 jeweils drei Jahre gewählt wurde.             Und 1931 wurden die „Vereinigten Ma-
                                               schinenbauschulen Altona“ in die Tech-
 Und es wurde von der Behörde erlaubt,         nischen Staatslehranstalten aufgenommen.
 die „Schüler“ nun „Studierende“ zu nen-
 nen. Begründung in der Festschrift aus        Ab 1935 gab es auch eine Abteilung
 dem Jahr 1955: „Ältere, etwa dreißigjäh-      „Leichtbau“ mit Flugzeugbau und Kraft-
 rige, verheiratete Kriegsteilnehmer konn-     fahrzeugbau - nicht zu verwechseln mit der
 ten schlechterdings nicht mehr als ‚Schü-     „Wagenbauschule“, die separat existierte
 ler‘ bezeichnet werden.“                      und erst 1970 Teil der Fachhochschule
                                                                      Hamburg wurde.

                                                                     1938 brachte er-
                                                                     neut eine Verän-
                                                                     derung: Die Bau-       Georg von Tiesenhausen
                                                                     schule       wurde
                                                                     ausgegliedert und      Unmittelbar nach dem Examen wurde von
                                                                     der restliche Teil     Tiesenhausen in das Raketen-Entwick-
                                                                     der Staatslehran-      lungszentrum Peenemünde abkomman-
                                                                     stalten erhielt den    diert, wo er bis Kriegsende arbeitete. Seine
                                                                     Namen „Ingenieur-      große Karriere begann jedoch erst eini-
                                                                     schule“, eine An-      ge Zeit nach dem Krieg. 1953 folgte von
                                                                     gleichung an die       Tiesenhausen einem Ruf in die USA, in
                                                                     Namensgebung im        die Raketen-Entwicklungsabteilung unter
                                                                     gesamten      Deut-    Leitung von Wernher von Braun. Im Welt-
 Neubauten 1923 / 1931                                               schen Reich.           raumprogramm der NASA war er unter
                                                                                            anderem für den Haltemechanismus der
 In den Folgejahren wurde wieder viel ge-      Am 1. September 1939 begann mit Hitlers      Mondrakete Saturn V und für das Mondau-
 baut am Berliner Tor: 1923 und 1931 ent-      Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg.     to Lunar Rover zuständig. 33 Jahre arbeite-
 standen neue Laborgebäude hinter dem          Die Ausbildung am Berliner Tor wurde         te Georg von Tiesenhausen für die NASA.
 Schumacher-Bau, die bis auf das Kessel-       nun schwieriger, da etliche Dozenten für     Über seine Ausbildung an der Ingenieur-
 haus auch heute noch erhalten sind und ge-    den Krieg eingezogen wurden.                 schule Hamburg sagte er später: „Meine
 nutzt werden.                                                                              damaligen Dozenten halte ich in hohen

10                                                                                    Maschinenbau und Produktion 2018/2019
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Ehren, da ich ihnen fast alles verdanke,
was ich zu tun in der Lage war.“

Die Klasse von Georg von Tiesenhausen
war jedoch die letzte am Berliner Tor. Da-
nach war Schluss: Der Schumacher-Bau
wurde am 27. Juli 1943 bei einem Luft-
angriff von Bomben getroffen und brann-
te vollständig aus. Heinrich Blasius war in
dieser Nacht als Wache eingeteilt und be-
richtete ein halbes Jahr später schriftlich
über den Brand (siehe Link am Ende die-
ses Beitrags).

                                               Prof. Dr. Heinz Enneking - Foucaultsches
                                               Pendel (1961)

                                               trieb entwickelt werden, der die Reibungs-    Lang ist es her - Prof. Walter Kaspar-Si-
                                               verluste kompensiert und die Schwin-          ckermann am Bedienpult des Reaktors
                                               gungsebene stabilisiert, um so durch eine     SUR-100
                                               lange Laufzeit die Drehung der Erde zu
                                               demonstrieren. Der Antrieb des Pendels        Außerdem wurde 1965 in Bergedorf die
                                               wurde in den Folgejahren maßgeblich von       „Ingenieurschule für Produktions- und
                                               Prof. Dr. Heinz Enneking entwickelt.          Verfahrenstechnik“ gegründet, eine Erwei-
                                                                                             terung des „Tabak Technikums“ von Kurt
Heinrich Blasius l., 1950                      In den 1960er Jahren wurde der Platz im       A. Körber auf dem Gelände der Hauni Ma-
                                               Hauptgebäude langsam knapp. Es gab erste      schinenbau AG, heute Teil der HAW-Fa-
Doch gleich nach Kriegsende begann der         Überlegungen zu einem Erweiterungsbau         kultät Life Sciences.
Wiederaufbau. Heinrich Blasius, seit 1945      der Ingenieurschule. 1962 legte der Archi-
Abteilungsleiter der Ingenieurschule, war      tekt W. Kallmorgen ein Baugutachten vor,      Mitte der 1960er Jahre waren die Kriegs-
maßgeblich am Neubeginn beteiligt. Be-         das detailliert auf die Bedürfnisse der In-   schäden an den Gebäuden am Berliner Tor
reits im Wintersemester 1945/46 konnte         genieurschule einging. Am 16./17. Febru-      mehr oder minder beseitigt. Aber eine an-
der Unterricht in provisorischen Gebäu-        ar 1962 kam es jedoch in Hamburg zur          dere Kriegslast gab es noch: Ein Kollege
den auf dem Lübeckertorfeld wieder auf-        Sturmflut. Städtische Gelder benötigte man    verklagte den Direktor der Ingenieurschu-
genommen werden.                               jetzt dringend anderweitig und der Neubau     le, Dr. Werner Krone, wegen rechtsextre-
                                               der Ingenieurschule wurde gestoppt.           mer Äußerungen. Dieser trat daraufhin
In den folgenden Jahren normalisierte sich                                                   zurück. Neuer Direktor wurde 1967 Dipl.-
der Unterrichtsbetrieb. 1949 gab es das        „Ing. (grad.)“ (graduierter Ingenieur) - im   Ing. Karl Röthlein.
erste Kolloquium des Physiklabors, im          Jahr 1965 wurde dieser neue Abschluss für
Jahr 2001 geändert in „Kolloquium am           Absolventen der Ingenieurschule Hamburg       Fachhochschule (FH)
Berliner Tor“. 1951 wurde das Studium auf      eingeführt, basierend auf einem KMK-Be-
sechs Semester verlängert.                     schluss von 1964.                             Am 1. April 1970 wurde die „Fachhoch-
                                                                                             schule Hamburg“ gegründet. Die ehema-
Und im Jahr 1955 konnte die Ingenieur-         Und im selben Jahr hielt der „Fortschritt“    lige Ingenieurschule am Berliner Tor ging
schule stolz ein Jubiläum feiern: „50 Jahre    gleich zweimal Einzug am Berliner Tor:        in der FH auf, mit den technischen Fach-
Ingenieurschule Hamburg“. Zu diesem Er-        Für Leichtbau-Berechnungen wurde ein          bereichen Maschinenbau und Chemiein-
eignis erschien eine Festschrift, die im In-   Elektronenrechner „Zuse Z 23“ ange-           genieurtechnik (später umbenannt in Che-
ternet zu finden ist, s.u.                     schafft und für die Ausbildung in Kern-       mieingenieurwesen), Elektrotechnik und
                                               technik ein Siemens-Unterrichtsreaktor        Schiffsbetriebstechnik. Dazu kam als wei-
In der letzten Phase des Wiederaufbaus des     vom Typ „SUR-100“, den bis zu seinem          terer Fachbereich die Fahrzeugtechnik, als
Hauptgebäudes am Berliner Tor wurde im         Abriss im Jahr 1999 Prof. Walter Kaspar-      Zusammenfassung der „Wagenbauschu-
dritten Stock ein Foucaultsches Pendel in-     Sickermann betreute.                          le von 1896“ mit der Abteilung Flugzeug-
stalliert. Nach dem Vorbild des Pendels in                                                   und Kraftfahrzeugbau der Ingenieurschule.
der UNO in New York sollte ein Pendelan-

Maschinenbau und Produktion 2018/2019                                                                                               11
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                                                                   für Werkstoffkunde
                                                                   und Schweißtechnik
                                                                   (IWS) im Department
                                                                   M+P.

                                                                   Auf Röthlein folgten
                                                                   als Sprecher 1972
                                                                   Dipl.-Ing. Manfred
                                                                   Skowronek und 1973
                                                                   Dipl.-Ing.    Walter
                                                                   Kaspar-Sickermann.

                                                                   1973 entstand eine
                                                                   weitere   technische
                                                                   Hochschule in Ham-
                                                                   burg: die „Universi-
                                                                   tät der Bundeswehr
                                                                   Hamburg“, 2003 um-
                                                                   benannt in „Helmut-
                                                                   Schmidt-Universität“      Dr. Rolf Dalheimer und Erhard Wiebe
                                                                   (HSU).                    (Festschrift 1980)

                                                                    Sieben Jahre nach        Beides Ingenieure, die aber auch immer
                                                                    dem Rücktritt des Di-    ein offenes Ohr für die Probleme der rest-
                                                                    rektors der Ingenieur-   lichen, nicht-technischen Fachbereiche
Weitere Fachbereiche der FH waren über        schule erwischte es 1973 auch den ersten       hatten. Erhard Wiebe, ein begeisterter Ver-
ganz Hamburg verstreut, z.B. die FB Ar-       Präsidenten der FH, Dr. H. Dietrich Haak:      fechter eines Studium-Generale: die Erzie-
chitektur, Bauingenieurwesen und Ver-         Zum Verhängnis wurde ihm die gefälsch-         hung zum allgemein gebildeten Menschen,
messung in der City Nord, die FB Bio-         te Abrechnung einer großen Modenschau-         die er aus eigener Erfahrung während sei-
Ingenieurwesen, Produktionstechnik und        Veranstaltung. Nach einer gerichtlichen        nes Studiums in Berlin erleben durfte. Und
Verfahrenstechnik und der FB Ernährung        Verurteilung, die zur Bewährung ausge-         der Präsident, der gerne auch Ideen des
und Hauswirtschaft in Bergedorf, der FB       setzt wurde, trat Dr. Haak als Präsident der   Sprechers des FB MCh aufgriff. Später,
Seefahrt in Altona, der FB Sozialpädago-      FH zurück und schied freiwillig aus dem        bei nachfolgenden Präsidenten, war das
gik in Barmbek, der FB Bibliothekswesen       Staatsdienst aus.                              Verhältnis zwischen dem größten Fachbe-
am Grindelhof und der FB Gestaltung in                                                       reich der FH und dem Präsidium nie mehr
der Armgartstraße.                            Die Startphase der FH war also recht auf-      so eng, was nicht selten zu Reibungsver-
                                              regend und turbulent. Wie würde es wei-        lusten führte.
Durch den Übergang zur FH änderte sich        tergehen?
organisatorisch einiges: An Stelle der Di-                                                   In den folgenden Jahren kam es zu einer
rektorial-Verwaltung der Ingenieurschu-       1974 wurde Dipl.-Ing. Erhard Wiebe zum         Reihe von wichtigen Veränderungen.
le trat jetzt die Akademische Selbstver-      ersten Mal zum Sprecher des FB MCh ge-
waltung. Erster Präsident der FH wurde        wählt. Und ein Jahr später bekam die FH        1974 wurden die Zugangsvoraussetzungen
Dr. H. Dietrich Haak. Die Leiter der Fach-    Hamburg einen neuen Präsidenten: Dr.           für ein Studium an der FH angehoben:
bereiche wurden in den ersten Jahren der      Rolf Dalheimer. Dieser war bereits seit        Notwendig war jetzt Abitur, FH-Reife
FH als Sprecher bezeichnet, die für jeweils   1974 als Vize-Präsident im Amt, nachdem        oder eine gleichwertige Vorbildung. Vor-
zwei Jahre vom Fachbereichsrat gewählt        Dr. Haak zurückgetreten war.                   her konnte man auch mit Mittlerer Reife,
wurden.                                                                                      Lehre und Berufserfahrung an der FH an-
                                              Dalheimer und Wiebe, ein kongeniales           fangen. Dieser Anstieg des Niveaus zeigte
Erster Sprecher des FB Maschinenbau und       Team, das in den Folgejahren viel an der       sich auch in der Prüfungsordnung 1974
Chemieingenieurtechnik (MCh) wurde der        FH umsetzte. Sie genossen beide ein sehr       von MCh, die den Übergang von der Inge-
ehemalige Direktor der Ingenieurschu-         großes Ansehen und wurden über 20 Jahre        nieurschul-Ausbildung zum akademischen
le, Dipl.-Ing Karl Röthlein. Während sei-     lang immer wieder in ihren Ämtern bestä-       Studium einläutete.
ner Amtszeit kam 1971 das Staatliche Ma-      tigt.
terialprüfamt und die Schweißtechnische                                                      1974 kam es auch zur Gründung des „In-
Lehr- und Versuchsanstalt zum FB, heute                                                      tegrierten Studiengangs Wirtschaftsingeni-

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eur“ (heute HWI) zwischen der Universi-       Stattdessen kam es im Jahr 1978 zur Grün-    in Ermangelung einer anderen, passenden
tät und der FH Hamburg und später auch        dung der „Technischen Universität Ham-       Besoldungsgruppe als „Baurat“ bzw.
der TU-HH.                                    burg-Harburg“, zuerst einmal nicht als       „Oberbaurat“ geführt. Im Gegenzug war
                                              grundständige Hochschule gedacht, son-       für eine Berufung zum Professor nun ein
Eine weitere Steigerung der Qualität der      dern eingerichtet zum Zweck der For-         abgeschlossenes Studium und eine minde-
Ausbildung erfolgte 1977 mit der Einfüh-      schung und zur zusätzlichen Qualifikation    stens 5-jährige Berufspraxis die Vorausset-
rung des Praktischen Studiensemesters,        von Studenten in einem höheren Seme-         zung.
durchgesetzt gegen zuerst sehr starke Wi-     ster. Nach einigen Querelen wurden an der
derstände von allen Seiten. Erhard Wiebe,     TU-HH ab 1982 aber auch Erstsemester         Zwei Jahre später kam eine weitere Anpas-
im Vorfeld von den Studenten als „Büt-        zugelassen und ein vollständiger Lehrbe-     sung: 1982 wurden die Professoren der FH
tel des Kapitalismus“ beschimpft, erinnert    trieb installiert.                           durch einen Beirat beurteilt. Sie konnten
sich:                                                                                      dann bei ausreichender Qualifikation - be-
„Das in den Unternehmen bestehende, ne-       Auch an der FH gab es 1979 ein neues Stu-    wertet nach einem Punktesystem, das z.B.
gativ besetzte Studentenbild jener Tage       dienangebot: das 10-semestrige Abendstu-     Promotion, wissenschaftliche Veröffentli-
veränderte sich mit der Einführung des        dium in den FB Maschinenbau und Elek-        chungen, etc. berücksichtigte - von der Be-
Praktischen Studiensemesters zum Posi-        trotechnik. Bis 1999 wurden Praktikern       soldungsgruppe C2 nach C3 hochgestuft
tiven, schließlich handelte es sich bei den   aus der Industrie damit die Möglichkeit      werden.
Studenten nicht um Störenfriede, die vor      geboten, neben der Berufstätigkeit einen
dem Werkstor Flugblätter verteilen und da-    Hochschulabschluss zu erlangen. Die Idee     1980 gab es wieder ein Jubiläum: 75 Jahre
hinter die Belegschaft aufwiegeln. Und die    zu solch einer Veranstaltung war nicht       Ingenieurausbildung in Hamburg wur-
ablehnende Haltung der Studenten kehrte       ganz neu. Bereits ab dem Jahr 1910 gab       den gefeiert. Auch diesmal erschien, wie
sich in ihr Gegenteil um, sie erkannten die   es am Technikum das „Technische Abend-       bei der 50-Jahr-Feier, eine Festschrift, die
Chance, ihr künftiges Berufsfeld kennen zu    vorlesungswesen“ als „Fortbildungswesen      maßgeblich von Erhard Wiebe gestaltet
lernen und nutzten sie.“                      für bereits in der Praxis stehende Techni-   wurde.
                                              ker“. Ab 1979 schloss das Abendstudiums
Es waren Zeiten des Umbruchs und der          jedoch mit der Verleihung des „Dipl.-Ing.“   Mit der Prüfungsordnung 1985 wurde das
Veränderungen. Nichts wurde jedoch aus        ab.                                          FH-Studium bei MCh noch anspruchs-
einer Idee der Hamburger SPD, dort eine                                                    voller. Es umfasste nun 8 Semester, in die
Zeit lang vorangetrieben vom Wissen-                                                       ein Programmierpraktikum am Computer
schaftssenator Prof. Dr. Hansjörg Sinn: Die                                                integriert war.
Pläne für eine Gesamthochschule Ham-
burg, aus Fachhochschule und Universität,                                                  Im selben Jahr wurde MCh international:
sie wurden im Jahr 1978 aufgegeben.                                                        Ein gemeinsamer Studiengang mit der
                                                                                           USST Shanghai entstand, das Joint Col-
                                                                                           lege, das seither Ingenieure für China aus-
                                                                                           bildet.

                                              Lerngruppe im Abendstudium mit den
                                              späteren Freundeskreis-Vorstandsmit-
                                              gliedern Thorsten Quast (m) und Franz
                                              Niedermeier (r)

                                              Denn das Jahr 1979 brachte eine weitere      Prof. Dr. Michael S. Wald (l) mit Wissen-
                                              Akademisierung der FH: Als Studienab-        schaftlern aus Shanghai
                                              schluss wurde der Diplom-Titel (Dipl.-
                                              Ing.) eingeführt, nach einem inzwischen      Doch auch zuhause, im Großraum Ham-
                                              6-semestrigen Studium.                       burg, wurde der FB MCh aktiv: Am 3. Juni
                                                                                           1987 gründete sich der Freundeskreis Ma-
                                              Und die Anforderungen an das Lehrper-        schinenbau Berliner Tor e.V., als Schnitt-
Senator Prof. Dr. Hansjörg Sinn (aus der      sonal wuchsen ebenfalls. 1980 bekamen        stelle zwischen Industrie und Hochschu-
Festschrift zu 75 Jahren Ingenieurausbil-     die Dozenten der FH den Titel „Profes-       le. Dies war zudem die Geburtsstunde der
dung in Hamburg)                              sor“ (C2). In den Jahren vorher wurden sie   Zeitschrift des Freundeskreises, die Prof.

Maschinenbau und Produktion 2018/2019                                                                                              13
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Erhard Wiebe bis 1998 redaktionell gestal-      Es war eine schwierige Zeit für M+P. Die       noch am Berliner Tor „die FH“ beheimatet
tete und prägte.                                Zahl der Studenten war stark rückläufig.       ist. „HAW“, das waren doch die „Hambur-
                                                Kaum jemand wollte noch Maschinen-             ger Aluminium Werke“.
Die nächste Prüfungsordnung bei MCh             bau studieren. Maschinenbau, das verban-
gab es 1993. Schwerpunkte waren die Ein-        den die jungen Leute mit Öl, Schmutz und       Hochschule für Angewandte
führung von CAD in der Konstruktion an          Lärm.                                          Wissenschaften (HAW)
Stelle der Zeichenbretter und eine mehr-
semestrige Informatik-Ausbildung für alle       Dankert und seine Kollegen bei M+P in-         Ein neuer Name und auch ein neues Ver-
Studenten.                                      tensivierten die Öffentlichkeitsarbeit. Man    waltungszentrum - 1970 verteilte man die
                                                ging auf Messen und schaltete Werbung in       FH auf sieben Standorte plus der Verwal-
                       1996 ging eine           der U-Bahn, um das Bild des Ingenieurs         tung, die am Winterhuder Weg residierte.
                       Ära zu Ende:             in der Öffentlichkeit zu verbessern. Dabei
                       Prof.     Erhard         half auch der neu eingerichtete Auftritt von   Das Berliner Tor sollte jetzt zum Zentrum
                       Wiebe trat in            M+P im Internet. An der Fachhochschule         werden. Im Jahr 2000 wurde für den Bau
                       den Ruhestand.           Hamburg waren dies übrigens die ersten         des neuen Verwaltungsgebäudes das alte
                       Sein Nachfolger          Internet-Seiten überhaupt.                     Kesselhaus der Maschinenbauer abgeris-
                       bei M+P, Prof.                                                          sen.
                       Dr. Peter Arndt,         Zur Öffentlichkeitsarbeit gehörte auch die
                       bekam       auch         Mitarbeit im Freundeskreis, der sich nach      Nach einigen Problemen wurde 2002 der
Prof. Erhard Wiebe     gleich eine neue         der Umwandlung in M+P jetzt Freundes-          Neubau am Berliner Tor 5, das „Blaue
                       Bezeichnung:             kreis Maschinenbau und Produktion Berli-       Haus“, eingeweiht. Die Präsidialverwal-
nicht mehr Sprecher, sondern Dekan des          ner Tor e.V. nannte. Jürgen Dankert über-      tung (aus dem Winterhuder Weg) und die
Fachbereichs.                                   nahm bei seinem Amtsantritt von Erhard         Fachbereiche Wirtschaft (aus Altona) und
                                                Wiebe die Redaktion der Freundeskreiszei-      Bibliothek und Information (vom Grindel-
Seit 1970 bestand der FB MCh aus den            tung. Und wie sein Vorgänger bemühte er        hof) fanden am Berliner Tor eine neue Hei-
beiden Studiengängen Maschinenbau und                                                          mat, zusammen mit den bereits seit langem
Chemieingenieurwesen. Ab dem Jahr 1995                                                         dort angesiedelten technischen Fachbe-
kam es zu einer größeren Umgestaltung an                                                       reichen.
der FH: Der Bereich Produktionstechnik,
der bisher in Bergedorf angesiedelt war,
wurde 1996 ans Berliner Tor verlegt. Die
Chemiker zogen vom Berliner Tor nach
Bergedorf. Der Fachbereich MCh wurde
dadurch zum Fachbereich Maschinenbau
und Produktion (M+P). Der Studiengang
Chemieingenieurwesen nahm im Winter-
semester 1997/1998 die letzten Studenten
auf. Danach wurde dieser Studiengang ge-
schlossen.                                      Prof. Dr. Jürgen Dankert, 2005 bei der
                                                Feier zu 100 Jahre Ingenieurausbildung         Im Juni 2001 stürzte die Decke über dem
In die Amtszeit von Prof. Arndt fiel die        in Hamburg                                     Eingangsbereich des Neubaus ein. Frau
M+P-Prüfungsordnung 1997, die nicht                                                            Prof. Dr. Helga Dankert von M+P nutzte
alle Kollegen zufrieden stellte. Einer der      sich um einen guten Kontakt zur Industrie.     die Situation für eine „Exkursion“ mit
schärfsten Kritiker war Prof. Dr. habil. Jür-   Im Jahr 2000, ging Wiebes Partner, Präsi-      Studenten zum Thema „Zug- und Druck-
gen Dankert. Dankert sammelte Mitstreiter       dent Prof. Dr. Rolf Dalheimer in den Ruhe-     bereiche in Kragplatten und gestützten
für eine Veränderung und wurde im Jahr          stand. Sein Nachfolger wurde der Histori-      Platten“.
1998 als Nachfolger von Arndt zum Dekan         ker Dr. Hans-Gerhard Husung.
von M+P gewählt.                                                                               Die Zusammenarbeit mit dem neuen Prä-
                                                Und auch die Zeit der „Fachhochschule“         sidenten der HAW, Dr. Hans-Gerhard Hu-
Und im Jahr 2001 gab es bereits die näch-       ging zu Ende. 2001 nannte sich die FH um       sung, erwies sich als schwierig. Nach
ste Prüfungsordnung, mit einer stärkeren        in HAW Hamburg: Hochschule für Ange-           monatelangem internen Streit über den
Berücksichtigung der „mathematischen“           wandte Wissenschaften. Für manche klingt       künftigen Kurs der Hochschule eskalierte
Fächer und mit dem neuen Studiengang            der neue Name gewichtiger, besonders die       im Jahr 2004 die Situation. Der Hoch-
„MaschinenbauInformatik“.                       englische Version „University of Applied       schulsenat der HAW lehnte ein Reform-
                                                Sciences“ - wenngleich in weiten Teilen        konzept Husungs ab. Der Präsident hatte
                                                der Hamburger Öffentlichkeit auch heute        vorgeschlagen, in den Bereichen Technik,

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Department 1970 - 2020: 50 Jahre FH / HAW Hamburg - Eine kleine Geschichte der Ingenieurausbildung in Hamburg
Department

Naturwissenschaften und Bauen Einspa-          100 Jahre Ingenieurausbildung in Ham-
rungen vorzunehmen und hier 20 Profes-         burg - im Jahr 2005 war dieses Jubiläum.
sorenstellen zu streichen. Im Hochschulse-     Jürgen Dankert hatte die Feier noch wäh-
nat kam es auf Antrag von Jürgen Dankert       rend seiner Amtszeit als Dekan vorbereitet.
zu einem Abwahlantrag gegen Husung, der        Er hatte Kontakt aufgenommen zum VDI,
im Großen Senat jedoch knapp scheiterte.       zum VDMA, zur Handelskammer, zur Be-
Das Verhältnis zwischen Präsidium und          hörde für Wissenschaft und Gesundheit
der Selbstverwaltung der HAW war zerrüt-       und zu den anderen Hochschulen in Ham-
tet. Husung erklärte daraufhin selbst seinen   burg mit technischen Studiengängen, wie
Rücktritt.                                     TU-HH und HSU. Und er hatte Referenten        Senatsempfang im Rathaus zu 100 Jahre
                                               aus der Industrie für Vorträge gewonnen.      Ingenieurausbildung
Nachfolger als Präsident der HAW wurde         Es sollte das „große Rad“ sein, das ge-
im Jahr 2004 der Mathematiker Prof. Dr.        dreht wird - Jürgen Dankert hatte dies sei-   Am Ende der Veranstaltung gratulierten
Michael Stawicki.                              nen Mitstreitern immer wieder eingebläut.     Staatsrat Dr. Salchow und Prof. Dr. Dan-
                                                                                             kert den Herren Dipl.-Ing. Gerhard Hell-
Und 2004 gab es auch eine Änderung in          Am 2. und 3. Juni 2005 war es dann so         mann und Dipl.-Ing. Erich Hildebrandt
der Leitung von M+P. Nach sechs Jah-           weit: Schirmherr der Veranstaltung, die       zum besonderen Anlass des 65-jährigen
ren ging die „Ära Dankert“ zu Ende. Sein       über zwei Tage lief, war Bürgermeister        Examensjubiläums.
Nachfolger als Dekan von M+P wurde             Ole von Beust. An beiden Tagen gab es ein
Prof. Dr. Bernd Sankol. Die Redaktion der      Symposium mit Vorträgen und einer Aus-        Das Jahr 2006 brachte wieder einiges an
Freundeskreiszeitung hatte Jürgen Dankert      stellung im Schumacher-Bau am Berliner        Veränderungen: Durch die Gründung der
bereits im Jahr 2003 an Prof. Dr. Ulrich       Tor. Der erste Tag hatte als Schwerpunkt      HafenCity Universität (HCU) verlor die
Stein übergeben.                               die Ausbildung der Ingenieure, am zweiten     HAW die Fachbereiche Bauingenieurwe-
                                               Tag ging es um die Anwendung des Inge-        sen und Geomatik, die der HCU zugeschla-
Bereits vorher, im Jahr 2003, wurde in         nieurwissens in der Industrie.                gen wurden.
Hamburg das Gesetz zur Umsetzung des
Bologna-Beschlusses verabschiedet, mit                                                                                 Und am Freitag,
der Einführung von Bachelor und Master                                                                                 dem 13. Oktober
und der Bildung von Fakultäten an allen                                                                                2006 verabschie-
Hamburger Hochschulen. Die Fachbe-                                                                                     dete das Depart-
reiche wurden in Departments umgewan-                                                                                  ment M+P seinen
delt als Teil der neugeschaffenen Fakul-                                                                               früheren    Dekan
täten. Dies geschah auf Empfehlung der                                                                                 Jürgen Dankert in
sogenannten       „Dohnanyi-Kommission“                                                                                den Ruhestand.
(benannt nach dem ehemaligen Hambur-
ger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi).                                                                              Nach einer län-
Initiator war der Wissenschaftssenator Jörg                                                                         geren, intensiven
Dräger, Ph.D., Sohn des Alt-Kollegen Prof.                                                                          Vo r b e r e i t u n g s -
Hansjürgen Dräger.                                                                                                  zeit konnte zum
                                                                                                                    Wi n t e r s e m e s t e r
2005 wurde das Gesetz an der HAW um-           Abendveranstaltung bei LHT                                           2006/07 bei M+P
gesetzt: Aus dem Fachbereich M+P wurde                                                                              die Umstellung der
das Department M+P in der Fakultät Tech-       Am Abend des ersten Tages waren die           Studiengänge auf die Abschlüsse Bache-
nik und Informatik (TI), mit den weiteren      Hochschulen Gast bei Lufthansa Technik,       lor und Master realisiert werden. Das Ba-
Departments Fahrzeugtechnik und Flug-          in der Flugzeughalle „Hangar 7“ unter den     chelor-Studium bei M+P betrug nun sie-
zeugbau (F+F), Informations- und Elek-         Flügeln der Jumbos.                           ben Semester und durch die Mitarbeit
trotechnik (I+E) und Informatik (I). Der                                                     einer Vielzahl an Personen gelang es, einen
ehemalige Fachbereich Elektrotechnik/In-       Den Abschluss der Feiern bildete am 3.        großen Teil der alten 8-semestrigen Dipl.-
formatik hatte sich vorher in die beiden       Juni ein Senatsempfang im Großen Fest-        Ing.-Ausbildung in den Bachelor zu retten.
Departments I+E und I aufgespalten.            saal des Hamburger Rathauses. Jürgen          Dank an dieser Stelle besonders dem Leiter
                                               Dankert zog in der abschließenden Rede        des M+P-Studienreformausschusses, Prof.
Die vormaligen Dekane der Fachbereiche         ein Fazit aus 100 Jahren Ingenieurausbil-     Dr. Randolf Isenberg.
wurden zu Departmentsleitern mit einer re-     dung, einem Jahr Vorbereitung und zwei
duzierten Verwaltung und mit weniger Ein-      Tagen mit Festveranstaltungen.
fluss - was später noch zu Problemen füh-
ren sollte.

Maschinenbau und Produktion 2018/2019                                                                                                    15
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                                                                                               tung des Departments M+P. Prof. Dr. Tho-
                                                                                               mas Frischgesell, vormals stellvertretender
                                                                                               Leiter unter Prof. Dr. Horn, übernahm das
                                                                                               Amt.

                                                                                               Und nach der Pensionierung des Präsi-
                                                                                               denten Stawicki bekam die HAW ihre erste
                                                                                               Präsidentin: Im Jahr 2014 trat Frau Prof.
                                                                                               Dr. Jacqueline Otten das Amt an, eine vor-
                                                     Dr.-Ing. Markus Germer                    malige Professorin für Modedesign an der
                                                                                               HAW Hamburg.
                                                bleibt wenig Zeit, da FH-Professoren dop-
                                                pelt so viele Stunden unterrichten müssen.     Nach einigen Auseinandersetzungen wurde
                                                                                               Frau Otten jedoch im Herbst 2015 vom
                                                Am 21. Mai 2010 schloss Markus Germer          Hochschulsenat abgewählt. Nach Bestä-
                                                bei M+P sein Promotionsverfahren zum           tigung der Abwahl durch den Hochschul-
Akkreditierungsurkunde der ASIIN                Doktoringenieur erfolgreich ab. Es war         rat musste sie zusammen mit dem Kanz-
                                                dies die erste Promotion bei M+P, betreut      ler der HAW zum 31. Dezember 2015 ihr
Im Dezember 2006 wurden alle Studien-           von Prof. Dr. Marcus Wolff vom Heinrich-       Amt aufgeben.
gänge von M+P von der ASIIN akkredi-            Blasius-Institut. Da die HAW selbst kein
tiert. Die Prüfungsordnung 2006 wurde zur       Promotionsrecht hat, wurde diese Pro-          Kommissarisch übernahm der Dekan von
ersten Bachelor-PO bei M+P.                     motion in einem kooperativen Verfahren         Life Science, Prof. Dr. Claus-Dieter Wa-
                                                durchgeführt, d.h. ein Professor einer Part-   cker, ein Jahr lang die Leitung der HAW
Die Umwandlung der Fachbereiche in De-          ner-Universität tritt als Erstgutachter auf.   bis zur Wahl von Prof. Dr. Micha Teuscher
partments und die Installation der Fakul-       Dessen Fakultät verleiht dann den Doktor-      zum neuen Präsidenten im Jahr 2017.
täten als Zwischenebene zwischen Präsi-         grad. In diesem Fall war dies die Helmut-
dium und den Departments verlief jedoch         Schmidt-Universität in Hamburg.                Präsidenten der FH / HAW
nicht so optimal. Besonders das Depart-
ment F+F hatte große Probleme, da seine         Seither wurden bei M+P bereits mehre-          1970-1974:   Dr. H. Dietrich Haak
Verwaltung nahezu komplett der Fakul-           re Promotionsverfahren erfolgreich abge-       1975-2000:   Prof. Dr. Rolf Dalheimer
tät zugeschlagen worden war. Es kam zu          schlossen und einige weitere Kandidaten        2000-04:     Dr. Hans-Gerhard Husung
Auseinandersetzungen zwischen dem Fa-           sitzen aktuell an ihren Arbeiten. Ob dies in   2004-14:     Prof. Dr. Michael Stawicki
kultäts-Dekan und den Leitern der Depart-       absehbarer Zeit dazu führt, dass die HAW       2014-15:     Prof. Dr. Jacqueline Otten
ments. Da keine Verbesserung der Situa-         das Promotionsrecht bekommt, ist jedoch        2016-17:     Prof. Dr. Claus-Dieter
tion erreicht werden konnte, traten Ende        weiterhin unklar.                                           Wacker (kommissarisch)
2006, nach einer heftigen Diskussion im                                                        2017-...:    Prof. Dr. Micha Teuscher
Fakultätsrat, die Leiter der Departments        Doch zurück zum eigentlichen Studium:
F+F und M+P von ihren Ämtern zurück.            Die Umstellung auf Bachelor und Master         Der Job des Präsidenten an der FH bzw.
                                                verlief bei M+P im Großen und Ganzen           der HAW ist anscheinend kein so unge-
Bei M+P folgte auf Prof. Dr. Bernd Sankol       recht zufriedenstellend, im Gegensatz zu       fährlicher - jeder zweite Präsident (Haak,
Anfang 2007 als Departmentsleiter Prof.         den großen Schwierigkeiten, die dies teil-     Husung, Otten) schied nicht ganz freiwil-
Dr. Helmut Horn.                                weise den Universitäten bereitete. Die Ver-    lig vorzeitig aus dem Amt.
                                                antwortlichen bei M+P hatten sich vorher
Bisher gab es eine klare Aufgabentei-           aber auch monatelang auf die Umstellung        Andererseits ist die Amtszeit des zweiten
lung: Universitäten dienen primär der For-      vorbereitet und zig Stunden mit Bespre-        Präsidenten, Dalheimer, mit 25 Jahren von
schung, die Lehre ist dort oft zweitrangig      chungen und Diskussionen hinter sich ge-       1975 bis 2000, schwer zu überbieten.
und wird in großen Hörsälen mit nicht sel-      bracht.
ten mehreren Hundert Studenten absol-                                                          Es gibt jedoch eine Parallele zum Präsi-
viert. An den Fachhochschulen, zu denen         Es gab zwar kleinere Probleme, wie bei-        denten Dalheimer: Erhard Wiebe leitete 22
trotz des neuen Namens auch die HAW             spielsweise die große Anzahl von Klau-         Jahre den Fachbereich MCh, meist in enger
zählt, legt man Wert auf „Seminaristischen      suren am Ende des zweiten Semesters.           Kooperation mit dem Präsidenten Dalhei-
Unterricht“, d.h. der Lernstoff wird in klei-   Diese wurden aber mit der Prüfungsord-         mer. Doch damit sind wir bereits bei der
neren Gruppen vermittelt. Für Forschung         nung 2012 beseitigt.                           nächsten Liste:

16                                                                                       Maschinenbau und Produktion 2018/2019
Department 1970 - 2020: 50 Jahre FH / HAW Hamburg - Eine kleine Geschichte der Ingenieurausbildung in Hamburg
© Can Stock Photo / dotshock
     Department

Sprecher / Dekane / Depart-                   Referenzen                                    in Hamburg interessieren. Nicht dass es
mentsleiter MCh bzw. M+P                                                                    so kommt, wie mir Erhard Wiebe gewei-
                                              zz Programm Technische Staatslehran-          ssagt hat:
In den ersten Jahren der FH hießen die Lei-      stalten Hamburg 1912
ter der Fachbereiche Sprecher. Hier die       zz Programm Technische Staatslehran-          „Was Du jetzt aufschreibst, das ist für die
Liste der Sprecher zusammen mit ihren            stalten zu Hamburg 1928                    Ewigkeit - auch alle Ungenauigkeiten, die
Stellvertretern (+):                          zz Die Technischen Staatslehranstalten        uns jetzt unterlaufen. Denn später, da wird
                                                 zu Hamburg (Festschrift 1931)              sich keiner mehr die Mühe machen, die
1970-71: Dipl.-Ing Karl Röthlein              zz 50 Jahre Ingenieurschule Hamburg           Geschichte aufzuarbeiten!“
         + Dr. Erich Dulige                      (Festschrift 1955)
1971-72: Dr. Erich Dulige                     zz W. Kallmorgen: Gutachten Erweite-
1972-73: Dipl.-Ing. Manfred Skowronek            rungsbau Ingenieurschule (1962)
         + Dipl.-Ing. Walter Kaspar-          zz Fachhochschulgesetz HH (1970)
         Sickermann                           zz daten und informationen
1973-74: Dipl.-Ing. Walter Kaspar-               (FH Hamburg, 1973 + 1974)
         Sickermann + Dipl.-Ing.              zz Hamburgisches Hochschulgesetz
         Manfred Skowronek                       (1978)
1974-78: Dipl.-Ing. Erhard Wiebe              zz fh, Nr. 18-84 (Zeitschrift der FH HH
         + Dipl.-Ing. Carl-Ernst                 1978-1996)
         Bleckmann                            zz 75 Jahre Ingenieur-Ausbildung in
1978-82: Prof. Erhard Wiebe                      Hamburg (Festschrift 1980)
         + Prof. Manfred Skowronek            zz 10 Jahre FH Hamburg (Festschrift
1982-86: Prof. Erhard Wiebe                      1980)                                      Wir, die Autoren dieser Zusammenstel-
         + Prof. Volker Lange                 zz Zeitschriften Freundeskreis M+P            lung, Elfriede Neubauer und Ulrich Stein,
1986-90: Prof. Erhard Wiebe                      (1987-2018)                                verabschieden uns mit dieser Ausgabe der
         + Prof. Dr. Joachim Koeppen          zz 20 Jahre FH Hamburg (Festschrift           Freundeskreiszeitung von Ihnen. Die Re-
1990-96: Prof. Erhard Wiebe                      1990)                                      daktion der Zeitung geht demnächst an
         + Prof. Dr. Berend Brouër            zz Struktur- und Entwicklungsplan des         jüngere Kollegen über. Wir wünschen un-
                                                 Standorts Berliner Tor (1995)              seren Nachfolgern viel Erfolg und jede
Nach 1996 bekamen die Leiter der Fachbe-      zz 25 Jahre FH Hamburg (Festschrift           Menge interessanter Beiträge.
reiche die Bezeichnung Dekane, ihre Stell-       1995)
vertreter wurden Prodekane (+):               zz Struktur und Entwicklung - FB
                                                 Maschinenbau und Produktion (1997)
1996-98:   Prof. Dr. Peter Arndt              zz Chronik 10 Jahre Freundeskreis M+P
           + Prof. Dr. Joachim Koeppen           (1997)
1998-2004: Prof. Dr. Jürgen Dankert           zz 100 Jahre Ingenieurausbildung in
           + Prof. Dr. Uwe Sievers               Hamburg (Festschrift 2005)
2004-05: Prof. Dr. Bernd Sankol
           + Prof. Dr. Ulrich Stein           Für die Zusammenstellung der Daten be-
                                              danken wir uns bei allen Helfern, beson-
Nach der Fakultäten-Bildung im Jahr 2005      ders bei Prof. Walter Kaspar-Sickermann
wurde aus den ehemaligen Fachbereichen        (seit 1963 an der Ingenieurschule) und vor
die Departments. Die Departmentsleiter        allem bei Prof. Erhard Wiebe (seit 1967 an
und ihre Stellvertreter (+) am Department     der Ingenieurschule) und seiner Frau Gu-
M+P waren:                                    drun.

2005-06:    Prof. Dr. Bernd Sankol            Weitergehende Informationen zu diesem
            + Prof. Dr. Ulrich Stein          Thema und Links zu Dokumenten aus die-
2007-13:    Prof. Dr. Helmut Horn +           ser Zeit finden Sie unter
            Prof. Dr. Thomas Frischgesell
2014-17:    Prof. Dr. Thomas Frischgesell     www.stein-ulrich.de/historie.php
            + Prof. Dr. Wolfgang Schulz
2018-...:   Prof. Dr. Thomas Frischgesell     Es bleibt zu hoffen, dass es auch weiterhin
            + Prof. Dr. Enno Stöver           am Berliner Tor Personen gibt, die sich für
                                              die Geschichte der Ingenieurausbildung

Maschinenbau und Produktion 2018/2019                                                                                              17
Department 1970 - 2020: 50 Jahre FH / HAW Hamburg - Eine kleine Geschichte der Ingenieurausbildung in Hamburg
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