Die richtige Ernährung bei Rheuma - Informationen und Tipps für den Alltag

 
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Die richtige Ernährung bei Rheuma - Informationen und Tipps für den Alltag
Die richtige Ernährung
                            bei Rheuma
                            Informationen und Tipps für den Alltag
Rheumatische Erkrankungen
Die richtige Ernährung bei Rheuma - Informationen und Tipps für den Alltag
Rheumatische Erkrankungen
Die richtige Ernährung bei Rheuma - Informationen und Tipps für den Alltag
Die richtige Ernährung
bei Rheuma
Informationen und Tipps für den Alltag
Die richtige Ernährung bei Rheuma - Informationen und Tipps für den Alltag
Herausgeber
Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e. V.
Welschnonnenstr. 7, 53111 Bonn

Autor
Prof. Dr. med. Gernot Keyßer

Redaktion und Projektabwicklung
Annette Schiffer, Katja Hinnemann

Gestaltung
KonzeptQuartier® GmbH, Fürth

Druck
Druckerei Engelhardt, Neunkirchen

Überarbeitete Auflage –
30.000 Exemplare, 2020
Drucknummer A25/BV/12/20

Bild- und Rezeptnachweis
iStock: baloon111, ChesiireCat, dolgachov, eyewave, gpointstudio,
kajakiki, kazmulka, Lisovskaya, losinstantes, martinedoucet,
mphillips007, piotr_malczyk, shironosov, stock_colors, svariophoto,
vgajic, YinYang, zeleno, Zinkevych
adobe.stock.com: ©timolina
Kirsten Kofahl, becel, Hamburg; Informationsgemeinschaft Olivenöl,
München; Kellogg’s, Frankfurt am Main; Köllnflockenwerke, Elmshorn;
Maggi Kochstudio, Frankfurt am Main; Nordmilch, Bremen; fotolia

Mit freundlicher Unterstützung von

Bei allen Bezeichnungen, die sich auf Personen beziehen, haben wir aus Gründen der leichteren Lesbar-
keit die männliche Form gewählt. Mit der gewählten Formulierung sprechen wir aber ausdrücklich alle
Geschlechter an.
Die richtige Ernährung bei Rheuma - Informationen und Tipps für den Alltag
Liebe Leserinnen und Leser,

„Ernährung“, dieses Wort gehört zu den beliebten Suchbegriffen in Inter-
 netsuchmaschinen. Tendenz steigend. Das hohe Interesse der Menschen
 an diesem Thema befriedigt das Fernsehen mit unzählige Kochformaten,
 die Industrie liefert Nahrungsergänzungsmittel dazu und die Marketing­
 abteilungen der Lebensmittelhersteller erfinden das Wort „Superfood“.
 So wird die Ernährung Schritt für Schritt zum Heilsbringer für ein lan-
 ges Leben gemacht. Und nicht nur Menschen mit Übergewicht, sondern
 auch Schmerzpatienten, die unter Entzündungsschüben leiden, greifen
 verständlicherweise gern nach jedem Strohhalm, der helfen kann. Auch
 wenn am Ende oft nur das Portemonnaie erleichtert wird und nicht der
 schmerzgeplagte Körper.

Wir fragen uns: Kann eine Ernährungsumstellung die Rheumaerkrankung
beeinflussen? Die Antwort ist: Die richtige Ernährung ist eine wichtige Er-
gänzung der medikamentösen Therapie rheumatischer Erkrankungen.
Auch die mit rheumatischen Leiden einhergehenden Begleiterkrankun-
gen lassen sich durch Ernährungstherapie positiv beeinflussen. Worauf
zu achten ist und welche Empfehlungen wissenschaftlich gesichert sind,
erfährt man in der vorliegenden komplett überarbeiteten Broschüre, die
der renommierte Autor Prof. Dr. Gernot Keyßer für die Rheuma-Liga ver-
fasst hat.

Die Lektüre dient als erste Orientierung. Bei Lebensmittelunverträglich-
keiten, starkem Über- oder Untergewicht, Osteoporose oder Osteopo-
rosegefährdung durch langjährige Kortisoneinnahme ist es wichtig, die
individuelle Beratung durch erfahrene Ernährungsberater zu nutzen.
Spezielle Informationen werden auch zum Beispiel während eines Reha-
Aufenthaltes angeboten. Ebenso lohnt eine Nachfrage beim Rheumato-
logen und bei der örtlichen Rheuma-Liga. Wir sind gerne für Sie da!

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, dass sie viele neue Anregun-
gen für ihren eigenen Speiseplan entdecken. Guten Appetit!

Ihre

Rotraut Schmale-Grede
Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga
Bundesverband e. V.

Die richtige Ernährung bei Rheuma                                             5
Die richtige Ernährung bei Rheuma - Informationen und Tipps für den Alltag
6   Die richtige Ernährung bei Rheuma
Die richtige Ernährung bei Rheuma - Informationen und Tipps für den Alltag
Vorwort                                                                   5

1     Kann man durch gute Ernährung einer rheumatischen Erkrankung vorbeugen?   8

1.1   Rheuma ist nicht gleich Rheuma – und Diät nicht gleich Diät!               9
1.2   Möglichkeiten und Grenzen der Diät                                        11
1.3   Gicht-Arthritis – ein Sonderfall in der Rheumatologie                     12
1.4   Osteoporose – ein Kapitel für sich                                        14

2     Kann ich meine rheumatische Erkrankung durch
      Ernährungsumstellung günstig beeinflussen?                                16

2.1   Gibt es Ernährungs- oder Lebensweisen, die das Risiko
      für eine rheumatische Erkrankung erhöhen?                                 17
2.2   Stärken Sie Ihre Abwehrkräfte – leichter gesagt als getan                 18
2.3   Gibt es Nahrungsmittel mit antirheumatischer Wirkung?                     18
2.4   Welche Nahrungsmittel schaden dem Körper?                                 20
2.5   Fasten – pro und contra                                                   21
2.6   Die Spätfolgen rheumatischer Erkrankungen – so beugen Sie vor             22

3     Rheuma zehrt an der Substanz – Wie gleiche ich den Mangel aus?            24

3.1   Nahrungsergänzungsstoffe – die Qual der Wahl                              25
3.2   Vitaminpräparate                                                          26
3.3   Mineralstoffe                                                             27
3.4   Eiweiß- und Knorpelschutzpräparate                                        28
3.5   Probiotika                                                                28

4     Genuss ohne Reue – Rezepte für den Alltag mit Rheuma                      30

5     Tipps zum Shoppen und Kochen                                              42

5.1   Beim Einkaufen                                                            43
5.2   In der Küche                                                              44
5.3   Wenn Gäste kommen                                                         46

      Im Einsatz für rheumakranke Menschen                                      48

      Anschriften der Deutschen Rheuma-Liga                                     50

      Informationsmaterial der Deutschen Rheuma-Liga                            52

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Die richtige Ernährung bei Rheuma - Informationen und Tipps für den Alltag
1 Kann man durch gute Ernährung
  einer rheumatischen Erkrankung
  vorbeugen?

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Die richtige Ernährung bei Rheuma - Informationen und Tipps für den Alltag
1.1 Rheuma ist nicht gleich Rheuma –
    und Diät nicht gleich Diät!

 Die Begriffe „Rheumatismus“ und „Diät“ stammen bei­       Die meisten rheumatischen Leiden sind chronisch, d. h.
 de aus der Medizin des alten Griechenlands. „Rheu-        sie begleiten die Betroffenen ein Leben lang. Eine Son-
 matismus“ bedeutet so viel wie „das Fließende“, also      derstellung innerhalb der rheumatischen Krankheits-
 einen Schmerz, der durch „verdorbene Körpersäfte”         bilder nimmt die Gelenkentzündung bei Gicht ein. Hier
 in die Gelenke, die Muskulatur oder die Wirbelsäule       handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung, die –
„fließt”. In der modernen Medizin spricht man stattdes-    eine Ausnahme in der Rheumatologie – durch geeigne-
 sen von einem „rheumatischen Formenkreis”, zu dem         te Maßnahmen im Frühstadium heilbar ist.
 eine große Zahl verschiedener Krankheitsbilder ge-
 zählt wird. Diese Erkrankungen gehen fast immer mit       Da in späteren Jahrhunderten zwischen Gicht und an-
 Schmerzen in Gelenken, Wirbelsäule oder Weichteilen       deren rheumatischen Erkrankungen nicht unterschie-
 einher.                                                   den wurde, standen Diätvorschriften lange Zeit im
                                                           Mittelpunkt der Behandlung rheumatischer Krankhei-
Krankheiten des rheumatischen Formenkreises lassen         ten. Schon die Ärzte des alten Griechenlands wussten,
sich in zwei große Gebiete einteilen: Die nicht-entzünd­   dass die Gicht-Arthritis durch übermäßigen Genuss
lichen Krankheitsbilder, die vor allem durch Abnutzung     von Fleisch und Alkohol ausgelöst werden konnte (sie-­
entstehen. Ursache sind die natürlichen Alterungsvor-      he Seite 12).
gänge, aber auch Überlastungen durch Übergewicht
oder Schäden durch Unfälle. Abnutzungserscheinun-          Diät heißt Lebensweise
gen am Gelenk werden Arthrosen genannt, bei Ver-
änderungen an der Wirbelsäule spricht man z. B. von        Der griechische Begriff „Diät“ bedeutet „Lebensweise“
Spondylose. Ein weiteres wichtiges Leiden aus dieser       und schließt daher nicht, wie heute oft angenommen,
Gruppe ist die Osteoporose, bei der es zum allmähli­       lediglich Ernährungsfragen ein. Auch die Art, wie wir
chen Verlust von Knochenmasse und zu vermehrter            uns bewegen, wie wir schlafen oder wie wir mit Ge-
Knochenbrüchigkeit kommt.                                  nussmitteln wie Nikotin und Alkohol umgehen, gehört
                                                           in die Planung einer „Diät“.
Entzündlich-rheumatischen Erkrankungen liegt da-
gegen eine krankhaft gesteigerte Reaktion des kör-         Der Trend zu natürlichen Heilverfahren und der Wunsch
pereigenen Abwehrsystems zugrunde. Diese kann              vieler Patienten, einen eigenen Beitrag zur Eindäm-
entweder auf den Bewegungsapparat beschränkt sein –        mung ihrer Krankheit zu leisten, hat in der Rheumato-
wie bei einer Gelenkentzündung (Arthritis) – oder sich     logie das Interesse an möglichen therapeutischen
im gesamten Körper ausbreiten. Das Spektrum dieser         Wirkungen der Ernährungsweise geweckt. Außerdem
Gruppe umfasst neben relativ harmlosen eine Reihe          hat gerade in den letzten Jahren die Mikrobiom-For-
von lebensbedrohlichen Erkrankungen. Die häufigste         schung dazu beigetragen, gezielt nach Zusammenhän­
entzündlich-rheumatische Erkrankung ist das „Gelenk-       gen zwischen Ernährung und chronischer Krankheit
rheuma“, früher chronische Polyarthritis, heute rheu-      zu suchen. Als Mikrobiom wird die Gesamtheit der im
matoide Arthritis genannt. Bei dieser Erkrankung füh­      und am Körper lebenden Mikroorganismen be­zeichnet.
ren schmerzhafte Gelenkschwellungen zur Zerstörung         Vor allem der Darm enthält große Mengen von Darm­
von Gelenkknorpel und -knochen. Spondyloarthritiden,       bakterien und Pilzen, die einerseits zahlreiche nütz-
wie die Ankylosierende Spondylitis (Morbus Bech-           liche, sogar lebensnotwendige Funktionen ausüben,
terew) sind Entzündungen, welche bevorzugt die             andererseits möglicherweise zur Krankheitsentste-
Wirbelsäule, gelegentlich auch die Gelenke befallen        hung beitragen können. Da sich Menschen mit un-
können.                                                    terschiedlicher Ernährungsweise auch im Mikrobiom

Die richtige Ernährung bei Rheuma                                                                               9
voneinander unterscheiden, wird zurzeit intensiv er-     lung, dass mit der Einhaltung bestimmter Essgewohn-
forscht, ob Störungen des Mikrobioms rheumatische        heiten eine Stärkung der Abwehrkräfte und eine „Rei-
Erkrankungen unterhalten oder gar auslösen können.       nigung“ von krankheitsverursachenden Umweltgiften
Möglicherweise werden daher Fragen der Ernährung         verbunden sei. Nichteinhaltung der Ernährungsvor-
bei Rheumakranken künftig eine stärkere Bedeutung        schriften sei dagegen Ursache einer Vielzahl chroni-
erlangen.                                                scher Erkrankungen.

Viele Menschen in unserem Alltag bekennen sich zu        Diese Auffassungen sind in der Regel nicht experimen-
Ernährungslehren, die auf bestimmten, oft philo-         tell bewiesen. Auf der anderen Seite sprechen sowohl
sophisch geprägten Vorstellungen vom Charakter un-       Tierexperimente als auch Untersuchungen an Patien­
serer Nahrung und der Art ihrer Zubereitung beruhen.     ten dafür, dass Nahrungsmittel den Verlauf einer
Neben dem seit Jahrzehnten ausgeübten Vegetaris-         rheumatischen Erkrankung beeinflussen könnten. Vor
mus (Verzicht auf Fleisch und Fisch) und seiner extre-   allem Fettverbindungen können entzündungshem­
meren Variante, der veganen Ernährung (Verzicht auf      mende oder entzündungsfördernde Wirkungen ent-
alle tierischen Produkte) haben in den letzten Jahren    falten – dies wird im Folgenden weiter ausgeführt. Es
Kostformen wie die Paläo-Diät (angelehnt an die Er-      existieren somit auch wissenschaftlich überprüfbare
nährung von Steinzeitmenschen), Vollwertkost oder        Ansatzpunkte für eine Ernährungsbehandlung in der
Trennkost die Aufmerksamkeit der Medien auf sich         Rheumatologie.
gezogen. Ihre Verfechter vertreten häufig die Vorstel-

10                                                                             Die richtige Ernährung bei Rheuma
1.2 Möglichkeiten und Grenzen der Diät

 Um es gleich vorweg zu nehmen: Keine noch so durch­     lenke, wenn sie durch Übergewicht verursacht wor-
 dachte Ernährungsweise kann die medikamentöse           den sind. Hier ist die Reduktionskost das wichtigste
 oder chirurgische Behandlung rheumatischer Erkran-      Element in der Behandlung: Jedes Kilogramm Ge-
 kungen ersetzen. Es ist grundsätzlich falsch, schul-    wichtsabnahme bringt Entlastung für Knorpel und
 und alternativmedizinische Verfahren im Sinne eines     Bänder. Auch die Gicht-Arthritis ist eindeutig durch
„Entweder – Oder“ gegeneinander auszuspielen.            Ernährung beeinflussbar. In den Hungerzeiten nach
                                                         dem Zweiten Weltkrieg war die Gicht nahezu ver-
Diätverfahren sind ein Element in der Rheumathera-       schwunden. Erst als sich die Versorgung mit Fleisch
pie, und ihre Bedeutung sollte weder über- noch un-      oder alkoholischen Getränken verbesserte, wurde die-
terschätzt werden. Eine Umstellung der Ernährung         ses Krankheitsbild wieder häufiger.
kann bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen
die Wirkung von Medikamenten und Operationen prin-       Nicht auf Basismedikamente verzichten
zipiell unterstützen. Richtig angewendet, können das
Lebensgefühl verbessert, Gelenkschmerzen gelindert       Auf der anderen Seite sind die Möglichkeiten, mit Er-
und der Verbrauch von Schmerzmedikamenten redu-          nährung eine entzündlich-rheumatische Erkrankung
ziert werden.                                            grundlegend zu beeinflussen oder gar zu verhindern,
                                                         sehr begrenzt (siehe Kapitel 2.1). Es wurde auch bisher
Außerdem sind viele Ernährungsformen, die bei rheu­      keine Diät beschrieben, die in der Lage gewesen wäre,
matischen Erkrankungen empfohlen werden, auch für        die Entstehung von Schäden an Knorpel und Knochen
die Vermeidung anderer Gesundheitsgefahren wichtig.      zu verzögern, wie sie regelmäßig im Verlauf der rheu­
Dazu gehören vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen       matoiden Arthritis oder anderer entzündlicher Gelenk­
(siehe Kapitel 2.6). Manche der in diesem Heft vorge­    erkrankungen auftreten. Die starke Entzündungshem­
stellten Ernährungsweisen sind der Küche des Mittel-     mung, wie sie mit den heutigen Basis-Medikamenten
meerraumes entlehnt. Wer die Vorzüge der italienisch­    erreicht wird, kann durch keine Ernährungsweise er-
en oder griechischen Küche zu schätzen weiß, erkennt     setzt werden.
bald, dass man als Rheumatiker/Rheumatikerin auch
Freude an gesunder Nahrung und ihren Zubereitungs-       Zu guter Letzt sind Essen und Trinken mehr als bloße
formen haben kann.                                       Nahrungsaufnahme. Wir verbinden damit Genuss, Ent­
                                                         spannung und Lebensfreude. Wer möchte von einer
Einige Krankheitsbilder des rheumatischen Formenkrei-    Diät leben, die zwar positiv auf die Gelenkerkrankung
ses sprechen besonders gut auf eine Diät an: Arthrosen   wirkt, aber einfach nicht schmeckt?
der „Last tragenden“ Gelenke, vor allem der Knie­ge-

Die richtige Ernährung bei Rheuma                                                                           11
1.3 Gicht-Arthritis – ein Sonderfall in der
    Rheumatologie

„Gicht“ und „Rheuma“ werden oft in einem Atemzug             te, Spargel oder Rosenkohl können größere Mengen
 genannt, obwohl die Gicht im eigentlichen Sinne keine       Harnsäure enthalten. Nach neuen Forschungsergebnis­
 rheumatische Erkrankung ist. Es handelt sich bei die-       sen führt diese Harnsäure aber wesentliche seltener
 sem Leiden um eine Stoffwechselerkrankung, bei der          zur Auslösung einer Gicht, so dass von diesen pflanz­
 es zu einer erhöhten Konzentration von Harnsäure im         lichen Nahrungsmitteln nicht mehr abgeraten wird.
 Blut kommt. Dieses Abfallprodukt des Zellstoffwech-
 sels kann von einigen Menschen nicht optimal über           Nicht nur die Aufnahme, sondern auch die behinder-
 die Nieren ausgeschieden werden. Daher kommt es             te Ausscheidung von Harnsäure über die Niere lässt
 bei einem Überangebot von Harnsäure zu Ablagerun-           den Harnsäurespiegel ansteigen. Daher können Nah-
 gen dieser Substanz in kristalliner Form in Gelenken,       rungsmittel, die selbst harnsäurearm sind, aber die
 Nieren, aber auch Weichteilen. Ansammlungen von             Ausscheidung von Harnsäure behindern, Gichtanfälle
 Harnsäurekristallen in der Gelenkflüssigkeit können zu      begünstigen – auch diese sind in der Tabelle ange-
 Gichtanfällen führen. Der Betroffene erlebt dies als eine   führt. Für den Gichtpatienten ist eine ausreichende
 heftige Arthritis, die überaus schmerzhaft ist und bei      Trinkmenge wichtig: Trinken Sie dabei vor allem ka-
 chronischem Verlauf zu Gelenkschäden führen kann.           lorienfreie Getränke wie klares Wasser, Tee oder Kaf-
                                                             fee. Alkoholische Getränke sind zu meiden, da sie die
Für die Behandlung der Gicht stehen heutzutage zwar          Harnsäureausscheidung über die Nieren behindern.
wirksame Medikamente zur Verfügung – Betroffene
können die Erkrankung aber mit einer Umstellung              Heilsame Diät
ihrer Ernährung günstig beeinflussen. Dazu sollte der
von Gicht betroffene Patient, jedoch auch gesunde            Eine sehr wichtige Maßnahme zur Vorbeugung von
Personen mit erhöhten Harnsäurewerten auf den                Gicht ist die Einhaltung eines normalen Körperge-
Puringehalt der Nahrung achten. Purine sind die Aus-         wichts. Bei Übergewichtigen kann die Abnahme von
gangssubstanzen für die Bildung von Harnsäure. Eine          5 bis 10 kg bereits zu einer Senkung des Harnsäure-
genauere Aufstellung purinarmer und purinreicher             spiegels im Blut führen. Unter Beachtung der oben
Lebensmittel enthält die Tabelle auf Seite 13.               genannten Empfehlungen ist die Gicht vermeidbar.
                                                             Durch die Kombination von medikamentösen und
Dabei gilt die Faustregel, dass Lebensmittel mit einem       diätetischen Maßnahmen sowie eine Beeinflussung
Puringehalt von mehr als 150 mg pro 100 g zu vermei-         des Lebenswandels gehört die Gicht in der Mehrzahl
den, bzw. deutlich eingeschränkt aufzunehmen sind.           der Fälle zu den Erkrankungen, die heilbar sind, bzw.
Liegt der Harnsäuregehalt zwischen 50 und 150 mg             einen günstigen Verlauf nehmen können. Dies setzt je-
pro 100 g, sollte eine Aufnahme von einer Mahlzeit pro       doch die aktive und motivierte Mitarbeit des Patienten
Tag nicht überschritten werden. In der Liste sind vor al-    voraus.
lem tierische Produkte aufgelistet. Auch Hülsenfrüch-

12                                                                                 Die richtige Ernährung bei Rheuma
Mittlerer Purin- und Harnsäuregehalt einiger Lebensmittel

                                                       Purine                gebildete Harnsäure
  Lebensmittel
                                                       pro 100 g (in mg)     pro 100 g (in mg)

  Milch                                                0                     0
  Joghurt                                              0                     0
  Quark                                                0                     0
  Eier                                                 2                     4,8
  Salatgurke                                           3                     7,2
  Hartkäse                                             4                     7,2
  Tomaten, Paprika                                     4,2                   10
  Kartoffeln                                           6,3                   15
  Eiernudeln (gekocht)                                 8,4–21                20–50

                                                                                                      purinarm
  Walnüsse                                             10,5                  25
  Spargel                                              10,5                  25
  Reis (gekocht)                                       10,5–14,7             25–35
  Weißbrot                                             16,8                  40
  Blumenkohl                                           18,9                  45
  Champignons                                          25,2                  60
  Rosenkohl                                            25,2                  60
  Mettwurst                                            26                    62
  Erdnüsse                                             29,4                  70
  Weizen                                               37,8                  90

  Bratwurst                                            40                    96

                                                                                                      mittlerer Purin-Gehalt
  Bier (auch alkoholfrei)                              42                    100
  Kabeljau                                             45                    108
  Wurst                                                42–54,6               100–130
  Fischstäbchen                                        46,2                  110
  Putenschnitzel                                       50,4                  120
  Fleischbrühe                                         58,8                  140

  Fisch (gegart)                                       63                    150
  Fleisch (Schwein, Rind, Kalb – mager, frisch)        63                    150
                                                                                                      purinreich

  Hähnchenbrustfilet (frisch)                          75,6                  180
  Schinken                                             85                    204
  Schweineschnitzel                                    88                    211,2
  Ölsardinen                                           200                   480
  Sprotten                                             335                   802

Nahrungsmittel, die in größeren Mengen Gichtanfälle, unabhängig vom Harnsäuregehalt begünstigen:
Alkoholika (Schnaps), Bier, Softdrinks (Cola, Limonade), süße Fruchtsäfte, Früchte mit hohem Fruktosegehalt
(v. a. Trockenfrüchte: Pflaumen, Aprikosen, Mango, Rosinen)

(Quelle:     www.internisten-im-netz.de, Dalbeth N et al. Ann Rheum Dis 2010; 69: 1738-43)

Die richtige Ernährung bei Rheuma                                                                                    13
1.4 Osteoporose – ein Kapitel für sich

Osteoporose bedeutet den allmählichen Verlust von         figer Osteoporose als NichtraucherInnen, auch wenn
Knochenmasse. Schleichender Knochenabbau führt            der Grund für diese Beobachtung noch nicht ermittelt
zu einer Ausdünnung der Röhrenknochen und der Kno­        werden konnte. Außerdem schaden stark phosphat-
chenbälkchen. Die Folge sind Knochenbrüche nach           und oxalathaltige Lebensmittel den Knochen, weil sie
kleinsten Unfällen oder Rückenschmerzen, die durch        Kalzium binden und so dem Körper entziehen. Eine oft
Einbrüche der Wirbelkörper entstehen. Bei Frauen          unterschätzte Phosphatquelle sind Colagetränke, die
nach den Wechseljahren ist dieser Abbauprozess be-        obendrein Karies verursachen und durch ihren hohen
sonders stark ausgeprägt.                                 Zuckergehalt zur Überernährung beitragen. Fleisch-
                                                          und Wurstprodukte sind ebenfalls phosphatreich. Und
Ernährungsfragen sind für den Stoffwechsel des Kno-       schließlich schwächt übermäßiger Alkoholkonsum
chens enorm wichtig. Kalzium ist einer der entschei-      nachweislich unser Skelett.
denden Bausteine der Knochensubstanz. Unser Kör-
per ist ungefähr bis zum 26. Lebensjahr in der Lage,
Knochenmasse aufzubauen – danach verliert der Kno-           Tipps für den Alltag
chen allmählich wieder an Festigkeit. Eine kalziumrei-
                                                             → Bei der Gestaltung einer Diät für Patienten
che Ernährung von Kindheit an schützt also im Alter
                                                               mit rheumatischen Erkrankungen sollte
vor Osteoporose.
                                                               man sich an wenige Grundsätze halten, die-
                                                               se dann aber konsequent befolgen. Blinder
Knochengewebe formt sich aber auch bei körperlicher
                                                               Eifer schadet nur, und Diäten sind keine All-
Belastung, während Bewegungsmangel zum Verlust
                                                               heilmittel. Dennoch können sinnvolle Re-
von Knochenmasse führt. So entwickeln bettlägerige
                                                               geln für die Ernährung und die Alltagsgstal-
Patienten sehr rasch eine Osteoporose. Bei Raum-
                                                               tung unsere Lebensqualität verbessern.
fahrern führt der längere Aufenthalt in der Schwe-
relosigkeit ebenfalls zum rapiden Abbau von Knochen.         → Übergewicht überlastet unsere Gelenke. Wer
Bewegung ist daher eine Voraussetzung für den Er-              starkes Übergewicht reduziert, schont sei-
halt unserer Knochenfestigkeit.                                nen Bewegungsapparat und beugt gleichzei-
                                                               tig Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkran-
Ein oft vernachlässigtes Element für die Knochenbil-           kungen vor.
dung ist das Sonnenlicht. Unter Einwirkung ultravio-
                                                             → Bewegungsmangel begünstigt die Osteopo-
letter Strahlung wird das knochenstärkende Vitamin D
                                                               rose und fördert die Entstehung von Über-
in der Haut gebildet. Viele ältere Menschen kommen
                                                               gewicht. Es muss kein Fitnessclub sein: Spa-
zu selten an die frische Luft – oft, weil sie Schmerzen
                                                               ziergänge, leichte Gymnastik, Rad fahren,
beim Laufen haben, die durch die Osteoporose verur-
                                                               Tanzen, Schwimmen, ... wichtig ist: Anfangen!
sacht wurden. Bewegungs- und Lichtmangel setzen so
einen Teufelskreis in Gang, der dem Knochen schadet.         → Rauchen und Alkohol schaden nicht nur
                                                               Herz und Leber: Auch die Knochen brechen
Die Knochengesundheit wird auch von anderen Fak-               bei Alkoholikern und Rauchern schneller.
toren bestimmt: RaucherInnen haben deutlich häu-

14                                                                              Die richtige Ernährung bei Rheuma
Kinder im Wachstumsalter haben einen erhöhten Kal-    Grünkohl). Die tägliche Kalziumzufuhr sollte aus der
ziumbedarf. Auch Schwangere benötigen mehr Kalzi­     Nahrung stammen. Die zusätzliche Einnahme in Tablet-
um. Milch und Milchprodukte sind die wesentlichen     tenform wird heute kritisch gesehen und sollte von
Kalziumquellen unserer Nahrung. Magermilch und        einem auf Knochenerkrankungen spezialisierten Arzt
Molke enthält genauso viel Kalzium wie Vollmilch.     angeordnet werden. Informationen über den Kalzium-
Wer keine Milch verträgt, kann seinen Kalziumbedarf   gehalt von Nahrungsmitteln sind bei der Deutschen
auch aus kalziumreichen Mineralwässern und kalzi-     Gesellschaft für Ernährung erhältlich ( www.dge.de).
umreichen Gemüsen decken (Broccoli, Lauch, Fenchel,

Die richtige Ernährung bei Rheuma                                                                      15
2 Kann ich meine rheumatische
  Erkrankung durch Ernährungsum-
  stellung günstig beeinflussen?

16                       Die richtige Ernährung bei Rheuma
2.1 Gibt es Ernährungs- oder Lebens-
    weisen, die das Risiko für eine rheuma-
    tische Erkrankung erhöhen?

Jahrelang wurde diskutiert, ob bestimmte Nahrungs-         Arthritis zu erleiden. Vor allem stark gezuckerten Ge-
mittel rheumatische Erkrankungen zum Ausbruch              tränken (sog. Softdrinks wie Cola oder Limonade) wird
bringen können. Vermutet wurde dies für „rotes             ein krankheitsfördernder Einfluss zugeschrieben.
Fleisch“ (v. a. Rind- und Schweinefleisch). Die Hinweise
dafür sind allerdings selbst bei Langzeitbeobachtun-       Interessanterweise senkt der Verzicht auf Alkohol
gen an über 100.000 Personen (!) relativ schwach. Im       nicht das Risiko einer rheumatoiden Arthritis. Im Ge-
Gegensatz dazu wird Fischmahlzeiten häufig eine            genteil: Personen, die in geringen Mengen (!) Alko­hol
schützende Wirkung vor rheumatischen Erkrankungen          zu sich nehmen, erkranken etwas seltener an ent-
nachgesagt. Dies war bei Volksgruppen nachweisbar,         zündlichem Gelenkrheuma als völlig abstinente Per-
bei denen täglich größere Mengen von stark fetthalti-      sonen. Die Betonung liegt dabei auf der geringen Do-
gem Seefisch auf dem Speiseplan stehen, der entzün-        sis: Übersteigt die Zufuhr von Alkohol die Menge von
dungshemmende ungesättigte Fettsäuren enthält.             10 g pro Tag, verliert sich diese Schutzwirkung rasch
                                                           wieder. Diese Menge ist schon mit einem halben Li-
Nach neueren Forschungsergebnissen ist es wahr-            ter Bier oder einem Schoppen (0,2 Liter) Wein pro Tag
scheinlich nicht ein einziges Lebensmittel, welches        überschritten!
die Erkrankungswahrscheinlichkeit erhöht, sondern
das Gesamtbild der Ernährungsgewohnheiten. Das             Patienten, die neu an einer rheumatoiden Arthritis
fängt schon in der frühesten Kindheit an: Mangeler-        erkranken, fragen sich oft: Habe ich durch falsche Er-
nährung im Säuglingsalter steigert das Arthritis-Risiko    nährung selbst zur Entstehung der Erkrankung beige-
ebenso wie eine sehr kurze oder fehlende Stillperiode.     tragen? Die oben genannten Zusammenhänge lassen
Eine gesunde Ernährung enthält viele Elemente: Zu ihr      für den einzelnen Patienten eine derartige Schlussfol-
gehört ein hoher Anteil von Obst und rohem Gemüse,         gerung nicht zu – Schuldgefühle sind daher fehl am
Nüssen und Ballaststoffen, wie sie in Vollkornmüsli        Platz. Die einzige wirklich sinnvolle Empfehlung zur
enthalten sind, aber auch der weitgehende Verzicht         Vorbeugung der rheumatoiden Arthritis betrifft das
auf stark gesüßte Getränke und Erzeugnisse aus rei-        Rauchen: Diese Gelenkentzündung tritt bei Rauchern
nem Weizenmehl sowie die verminderte Aufnahme              messbar häufiger auf und verläuft schwerer als bei
von Schweine- und Rindfleisch. Menschen, die sich          Nichtrauchern. Das Erkrankungsrisiko steigt zusätz-
nach diesen Gesichtspunkten ungesund ernähren, ha-         lich an, wenn sich Raucher sehr salzreich ernähren
ben in der Tat ein erhöhtes Risiko, eine rheumatoide       und übergewichtig sind.

Die richtige Ernährung bei Rheuma                                                                            17
2.2 Stärken Sie Ihre Abwehrkräfte –                       Bei Patienten, die oben genannte Medikamente ein-
    leichter gesagt als getan                             nehmen, bestehen in der Regel keine Einwände gegen
                                                          Impfungen, z. B. gegen die Grippeschutzimpfung. Die-
Das Thema „Ernährung und Abwehrkräfte“ ist Ge-            se Maßnahmen werden sogar ausdrücklich empfohlen,
genstand vieler Diskussionen und wird oft zur „Glau-      mit Ausnahme einiger Lebendimpfstoffe bei hochak-
bensfrage“ erhoben. Der Volksmund sagt „Essen und         tiven rheumatischen Erkrankungen. Im Einzelfall soll-
Trinken hält Leib und Seele zusammen“. Noch im            ten Sie mit ihrem Rheumatologen über die Möglich-
19. Jahrhundert bestand die „Heilwirkung“ vieler Kran­    keiten von Impfungen sprechen.
kenhäuser im Wesentlichen darin, dass die Kranken
dort regelmäßig zu Essen bekamen und so die Krank­        In Drogerien, Zeitschriften und im Internet werden
heit aus eigener Kraft überwanden. Unumstritten ist,      häufig pflanzliche oder mineralische Präparate, Vi-
dass in der Ernährung alles Extreme der Entstehung        taminmischungen oder Spurenelemente angeboten,
von Krankheit Vorschub leisten kann: Permanente           denen die Werbung eine Stärkung der Abwehrkräfte
Unterernährung genauso wie maßlose Völlerei, aber         zuschreibt. Wissenschaftliche Beweise für diese Eigen-
auch zu einseitige Ernährung. Schwieriger zu beant-       schaften fehlen oft oder halten einer gründlichen Prü-
worten ist die Frage, welchen Stellenwert die durch-      fung nicht stand. Zudem sind viele dieser Mittel aus-
schnittliche Alltagskost für die Gesundheit des Einzel-   gesprochen teuer. Bitte wenden Sie sich auch hier an
nen haben kann.                                           ihren behandelnden Arzt, bevor Sie diese Präparate
                                                          anwenden.
Stress vermeiden

Unsere Fähigkeit, Krankheiten zu widerstehen, ist von     2.3 Gibt es Nahrungsmittel mit
vielen Einflüssen abhängig: Von den Erbanlagen und            antirheumatischer Wirkung?
vom Lebensalter genauso wie von der Stressbelas-
tung, von regelmäßigem Schlaf, von Umweltfaktoren         Die einzige Erkrankung aus dem rheumatischen For-
wie Luftverschmutzung, Lärm, klimatischen Faktoren        menkreis, die mit Ernährung im Frühstadium prinzipi-
u. v. a. m. Bei Patienten mit entzündlich-rheumatisch­    ell heilbar ist, ist die Gicht-Arthritis. Allerdings werden
en Erkrankungen kommt zu diesen Faktoren noch ein         auch bei der Gicht heute fast immer Medikamente
weiterer hinzu: Die Schwächung des Immunsystems           eingesetzt, die rascher und zuverlässiger wirken als
durch entzündungshemmende Medikamente. Diese              eine reine Ernährungstherapie. Die Erfahrung lehrt,
Schwächung ist notwendig, denn Krankheiten wie die        dass nur wenige Gicht-Patienten zu einer radikalen
rheumatoide Arthritis entstehen durch eine zu hohe        Umstellung der Ernährung mit weitgehendem Ver-
Aktivität unseres Immunsystems. Der Preis für die Ein-    zicht auf Fleisch und Wurstwaren, Bier und andere
dämmung der Erkrankung ist daher eine etwas höhe-         alkoholische Getränke bereit sind.
re Anfälligkeit für Infektionskrankheiten.
                                                          Bei der rheumatoiden Arthritis ist die Frage, ob sich die
Um diesen Infektionen vorzubeugen, empfehlen sich         Erkrankung mit einer Ernährung günstig beeinflus­sen
eine Reihe einfacher, aber wirksamer Maßnahmen.           lässt, sehr gründlich untersucht worden. Die Entste-
Dazu gehört eine ausgewogene Ernährung, auf die im        hung einer Gelenkentzündung wird durch Botenstof-
Kapitel 2.3 und 2.4 näher eingegangen wird. Ebenso        fe verstärkt, die aus Fettverbindungen, so genannten
wichtig ist aber die Abhärtung: wechselwarme Du-          Lipiden, in der Zellmembran stammen. Bestimmte
schen, häufige – möglichst tägliche – Bewegung an der     Lipide in der Nahrung können die Produktion dieser
frischen Luft, ausreichend Schlaf. Rauchen und über-      Botenstoffe beeinflussen und dadurch anti-entzünd-
mäßiger Alkoholgenuss führen auch zu erhöhter In-         lich wirken. Dies gilt zum einen für mehrfach un­
fektanfälligkeit.                                         gesättigte Fettsäuren, die sog. Omega-3-Fettsäuren,

18                                                                                Die richtige Ernährung bei Rheuma
welche vor allem in Fischölen vorkommen. Auch ein-         hohem Fettanteil werden durch Joghurt und mageren
fach ungesättigte Fettsäuren, wie sie in Olivenöl          Käse ersetzt. Tierisches Eiweiß wird überwiegend als
gefunden werden, beeinflussen Entzündungen eher            Fisch zugeführt. Besonders vorteilhaft – wegen des ho-
günstig. Eine Behandlung der rheumatoiden Arthritis        hen Fischölanteils – sind dabei Seefische wie Makrelen
mit reinem Fischöl in einer Dosis von mindesten 2,7 g      oder Hering. Die übrigen Fette werden in Form von
der aktiven Omega-3-Fettsäuren vermindert Gelenk-          Oliven- und Rapsöl oder pflanzlicher Margarine aufge-
schmerzen und – in geringerem Maße – auch die Ge-          nommen. Deutlich reduziert wurde der Fleischkonsum –
lenkschwellung. Über eine Schutzwirkung auf die Ge-        einmal pro Woche Rind oder Schweinefleisch ist bei
lenkzerstörung ist jedoch nichts bekannt.                  dieser Kostform das Maximum. Der Vorteil dieser Diät
                                                           liegt in der Tatsache, dass auch Herz- und Gefäßerkran-
Fisch statt Fleisch                                        kungen günstig beeinflusst werden können. Außerdem
                                                           lässt sie sich sehr schmackhaft gestalten, so dass bei
Eine Diät mit hohem Seefischanteil (800 g Fisch pro        entsprechender Schulung viele Patienten bei dieser
Woche) hat in klinischen Tests zu leichten Verbesserun-    Kostform bleiben.
gen der Zahl geschwollener Gelenke und der allgemei-
nen Schmerzstärke geführt. Auch die konsequente Ein-       Auch eine Reihe von Pflanzenölen (Borretsch, Nachtker-
haltung einer sog. „mediterranen Diät“, die der Küche      ze, Walnußöl, Schwarzkümelöl) besitzen entzündungs-
der griechischen Inseln entlehnt ist, linderte nach drei   hemmende Eigenschaften. Bei diesen Substanzen
Monaten die Schmerzen von Rheumapatienten. Diese           existieren allerdings kaum wissenschaftlich aussage-
Diät enthält insgesamt wenig Fett, aber einen hohen        kräftige Ergebnisse bezüglich ihrer Wirkung bei rheu-
Anteil von Früchten und Gemüsen. Milchprodukte mit         matischen Erkrankungen.

Die richtige Ernährung bei Rheuma                                                                             19
2.4 Welche Nahrungsmittel schaden
    dem Körper?

Eine gesunde Ernährung zeichnet sich durch Vielfalt       Getränke mehr Gelenkschmerzen und -schwellungen
aus. Nahrung schadet immer dann, wenn sie zu ein-         zu haben. Dabei werden jedoch ganz unterschiedli-
seitig oder zu reichhaltig ist. Überernährung ist die     che Lebensmittel genannt: häufig Fleisch, aber auch
häufigste Ursache von Verschleißerscheinungen in          Süssigkeiten, Wein, Zitrusfrüchte oder Kaffee.
den Kniegelenken. Aber auch Rückenschmerzen wer-
den durch Übergewicht begünstigt.                         Es gibt seltene Fälle von Lebensmittelallergien (z. B.
                                                          auf Kuhmilch), die mit Gelenkschmerzen einhergehen.
Die Osteoporose kann durch Lebensmittel ungünstig         Beobachten daher Patienten eine Zunahme ihrer
beeinflusst werden. Darauf wurde in Kapitel 1.3 näher     Krankheitserscheinungen unter bestimmter Kost, soll-
eingegangen. Patienten mit rheumatoider Arthritis         te dies ernst genommen werden. Unterstützung kann
wollen oft wissen, ob ihre Erkrankung durch Nahrungs-     dann eine qualifizierte Ernährungsberatung bieten,
mittel ausgelöst oder unterhalten wird. Versuche,         die von einigen Rheumatologen bereits angeboten
durch systematische Untersuchungen Arthritis-auslö­       wird.
sende Nahrungsmittel zu finden, sind jedoch bisher
gescheitert. Allerdings gibt ein gewisser Prozentsatz –   Vegetarische Kost pro und contra
zwischen 5 und 20 % der Rheumatiker/innen – auf Be-
fragen an, nach Aufnahme bestimmter Speisen und           Die bereits erwähnte Vermutung, dass Fleisch, insbe-
                                                          sondere „rotes“ Fleisch von Schweinen und Rindern,
                                                          an der Entstehung und Unterhaltung von rheuma-
                                                          tischen Gelenkentzündungen beteiligt sein könnte,
                                                          hat zu wissenschaftlichen Untersuchungen Anlass
                                                          gegeben. Der Vegetarismus unterscheidet zwischen
                                                          zwei Formen fleischfreier Diät: Vegane Kost verzichtet
                                                          auf jede Form tierischer Lebensmittel, während ovo-
                                                          lacto-vegetabile Kost die Verwendung von Milch,
                                                          Milchprodukten und Eiern erlaubt. Es gibt keine über-
                                                          zeugenden Beweise dafür, dass entzündlich-rheumati-
                                                          sche Erkrankungen durch diese Kostformen langfristig
                                                          günstig beeinflusst werden.

                                                          Bei Patienten mit hochaktiver rheumatoider Arthri­
                                                          tis, die durch die Erkrankung unter einem Eiweißab­
                                                          bau leiden, ist der völlige Verzicht auf tierisches
                                                          Protein nicht zu empfehlen. Aus den oben bespro-
                                                          chenen Gründen sollte dabei jedoch der Anteil von
                                                          Rind- und Schweinefleisch deutlich reduziert werden.
                                                          Rindfleisch aus biologischer Weidehaltung enthält ei-
                                                          nen etwas höheren Anteil entzündungshemmender
                                                          ungesättigter Fettsäuren als Fleisch aus konventio-
                                                          neller Erzeugung.

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2.5 Fasten – pro und contra

Fastenkuren werden häufig für die naturheilkund-          Fettreserven werden leider erst spät mobilisiert. Au-
liche Behandlung von Patienten mit rheumatoider           ßerdem kann es bei längeren Fastenperioden zum
Arthritis empfohlen. Für länger als 10 Tage dauernde      Abbau von Eiweiß aus Muskulatur, Knochen und
Fastenkuren existieren bei RA-Patienten keine aussa­      anderen Geweben kommen. Gerade für Patienten mit
gekräftigen Forschungsergebnisse. Der Einfluss kurzer     aktiver RA wirkt sich ein derartiger Eiweißverlust ne-
Fastenperioden von 7 bis 9 Tagen wurde jedoch wis­        gativ aus, denn die Gelenkentzündung an sich führt
senschaftlich untersucht, in der Regel an Patienten mit   bereits zu verstärktem Abbau von Eiweiß. Daher sind
milder und stabil eingestellter Erkrankung. Eine Linde-   Fastenkuren allenfalls bei übergewichtigen Patienten
rung von Gelenkschmerzen lässt sich dabei nachwei-        mit gut eingestellter rheumatoider Arthritis zu emp-
sen, allerdings halten diese Effekte in der Regel nicht   fehlen.
lange an. Warum manche Patienten vom Heilfasten
profitieren, ist noch nicht eindeutig geklärt.            Fastenkuren sollen von Ärzten mit Erfahrung in der
                                                          Diättherapie durchgeführt werden. Die medikamen-
 Auch wenn die Vorstellung von einer „Reinigung“ oder     töse Therapie sollte dabei unbedingt fortgesetzt wer-
„Entschlackung“ durch Fasten zunächst einleuchtend        den. Wichtig ist auch hier, die schulmedizinische und
 scheint, konnte bisher nicht nachgewiesen werden,        die naturheilkundliche Behandlung nicht gegeneinan-
 dass die rheumatoide Arthritis durch Umweltgifte         der auszuspielen, sondern die Vorzüge beider Gebiete
 entsteht. Außerdem wurde nicht überzeugend belegt,       zu vereinen.
 dass Fasten tatsächlich Giftstoffe aus dem Körper ent-
 fernt. Denkbar ist, dass körpereigene, entzündungs­      Was ist das optimale Körpergewicht für
 hemmende Stoffe – Glucocorticoide – für die positi-      Rheumapatienten?
 ven Effekte des Fastens verantwortlich sind. Lässt man
 gesunde Personen fasten, kommt es zu einer vermehr-      Fettleibigkeit führt zu gesundheitlichen Problemen.
 ten Freisetzung dieser Hormone, die neben der Hem-       Allerdings muss auch die „gertenschlanke Figur“ nicht
 mung von Schmerz und Entzündung auch für die Be-         das anzustrebende Ideal für Rheumapatienten sein.
 reitstellung von Energie aus körpereigenen Reserven      Arthritispatienten mit einem leichten Übergewicht
 verantwortlich sind.                                     hatten in statistischen Erhebungen eine besser zu füh-
                                                          rende Erkrankung und litten seltener an Herz-Kreislauf­
Fasten nur bei Übergewicht                                Erkrankungen als Patienten mit Normal- oder gar
                                                          Un­tergewicht. Leicht Übergewichtige mit einem Body-
Der Gewichtsverlust beim Fasten kommt in den ersten       Mass-Index zwischen 25 und 30 sollten auf ihre kör­
Tagen und Wochen vor allem durch die Darmentlee-          perliche Fitness achten, regelmäßig Sport treiben und
rung zustande. Parallel dazu werden kurzfristig ver-      weitere Gewichtszunahme vermeiden, ein „Herunter­
fügbare Energiespeicher, z. B. in der Leber abgebaut.     hungern“ auf ein Idealgewicht ist jedoch kein Muss.

Die richtige Ernährung bei Rheuma                                                                            21
2.6 Die Spätfolgen rheumatischer
    Erkrankungen – so beugen Sie vor

Die häufigste Spätfolge entzündlich-rheumatischer          wie die Mitglieder einer Selbsthilfegruppe. Bewe-
Erkrankungen ist der Verlust der Gebrauchsfähigkeit        gungsmangel heißt oft auch Mangel an Begegnung
von Gelenken, der bis zur Invalidität führen kann.         und Gespräch, an Freundschaften und Zuwendung.
Auch die Osteoporose tritt bei Rheumatikern früher         Vereinsamung als Spätschaden einer rheumatischen
und schwerer auf als bei Gesunden. Lange Zeit galt in      Erkrankung – das darf nicht sein! Über Bewegungs-
der Medizin der Satz „Am Rheuma stirbt man nicht“.         angebote informieren die Verbände der Deutschen
Mittlerweile hat sich jedoch die Erkenntnis durchge-       Rheuma-Liga (siehe Seite 50)
setzt, dass entzündlich-rheumatische Erkrankungen
die Betroffenen sehr wohl wertvolle Lebensjahre kos-
ten können. Neben einer höheren Rate von Infektio-           Tipps für den Alltag
nen wurde in statistischen Erhebungen eine größere           → Achten Sie bei Ihrer Ernährung auf Ausge-
Häufigkeit von Herzinfarkten und Schlaganfällen fest-          wogenheit. Lebensmittel mit günstiger
gestellt. Man vermutet heute, dass die ständig vor-            Wirkung für Herz und Gelenke sind Pflan-
handenen Entzündung die Gefäßwände schädigt und                zenöle mit hohem Anteil an ungesättig-
dadurch zur Arteriosklerose beiträgt.                          ten Fettsäuren. Diese sollten Butter und
                                                               Schmalz weitgehend ersetzen.
Spätschäden vorbeugen
                                                             → Einmal in der Woche Schweine- oder Rind-
Die beste Vorbeugung von Spätschäden bei rheuma-               fleisch ist ausreichend. Der Bedarf an
tischen Erkrankungen ist eine qualifizierte Betreuung          Tierischem Eiweiß sollte stärker über Fisch,
durch rheumatologisch erfahrene Ärzte. Wenn die                insbesondere Seefisch wie Makrele, oder
Gelenkentzündung durch geeignete Maßnahmen un-                 Hering gedeckt werden, da dieser entzün-
terdrückt werden kann – möglichst bis zum vollstän-            dungshemmende Fischöle enthält.
digen Verschwinden von Krankheitszeichen – ist dies          → Kaufen Sie nach Möglichkeit beim regionalen
der sicherste Schutz vor Folgeschäden.                         Anbieter, um frische Ware mit geringen
                                                               Transportwegen zu bekommen (Wochen-
Doch was können die Patienten selbst für die langfristi-       markt, Gemüsehändler, lokale Angebote
ge Sicherung der Gesundheit tun? Glücklicherweise gilt:        im Supermarkt).
Es gibt keinen Widerspruch zwischen den Empfehlun-
gen für eine Diät bei rheumatischen Erkrankungen und         → Achten Sie auf mögliche Zusammenhänge
denen zur Verhütung von Herz-Kreislauferkrankungen.            zwischen Gelenksymptomen und Nahrungs-
Was für die Gelenke gut ist, schützt auch das Herz.            aufnahme. Lebensmittelunverträglichkei-
Umgekehrt schaden die Risikofaktoren, die auch bei             ten als Ursache von Gelenkschmerzen sind
Nicht-Rheumatikern Gefahr für Herz und Kreislauf               selten. Hier kann eine Ernährungsbera-
bedeuten, bei Rheumatikern doppelt: Bewegungs-                 tung weiterhelfen.
mangel, Rauchen, übermäßiger Alkoholgenuß, Über-             → Wer eine Fastenkur durchführen möchte,
gewicht durch zu fettes und zu reichhaltiges Essen för-        sollte sich vorher mit dem Rheumato-
dern die Entstehung Herz- und Gefäßleiden, belasten            logen beraten. Nicht Jede(r) ist für das
aber auch die Gelenke und fördern Osteoporose.                 Fasten geeignet.

                                                             → Was den Gelenken nützt, schützt auch das
Bleiben Sie um jeden Preis in Bewegung! Schließen
                                                               Herz. Bewegung ist die beste Diät!
Sie sich anderen Menschen an, um aktiv zu bleiben.
Dies können Nachbarn oder Freunde ebenso gut sein

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Die richtige Ernährung bei Rheuma   23
3 Rheuma zehrt an der Substanz –
  Wie gleiche ich den Mangel aus?

24                          Die richtige Ernährung bei Rheuma
3.1 Nahrungsergänzungsstoffe –
    die Qual der Wahl

In Zeitschriften und Fernsehwerbung sowie zuneh-         Milchprodukte und Eiweißquellen enthält, nicht in
mend im Internet werden Nahrungsergänzungsstoffe         ernährungsbedingte Mangelsituationen geraten.
in schwer überschaubarer Zahl angeboten. Das Ange-
bot reicht von Vitaminpräparaten, Spurenelementen        Bei Patienten mit schweren entzündlich-rheuma-
und Heilerden bis zu Gelatinekapseln, Soja-, Hefe- und   tischen Erkrankungen kann es jedoch gelegentlich zu
Algenextrakten oder pulverisiertem Muschelkalk.          einem Mehrbedarf an bestimmten Vitaminen und Spu-
                                                         renelementen kommen. Hier werden Präparate mit
 Diese Präparate werben in der Regel damit, Mangelzu­    klar festgelegten Inhaltsstoffen medizinisch verord-
 stände an Vitaminen und Mineralstoffen auszugleichen.   net. Die Tatsache, dass sich viele Menschen im Alltag
 Neben allgemein positiven Effekten für Gesundheit       wenig leistungsfähig fühlen, ist hingegen häufig an-
 und Fitness wird häufig auch Linderung bei Erkrankun-   deren „Diät“-faktoren zuzuschreiben: zu viel Stress, zu
 gen wie Asthma, „allgemeiner Immunschwäche“ oder        wenig Schlaf, Missbrauch von Genussmitteln u. a. m.
„Rheuma“ in Aussicht gestellt.
                                                         Nicht jedes der frei verkäuflich angebotenen Mittel ist
Es ist unmöglich, zu allen derartigen Substanzen Stel-   harmlos und nebenwirkungsfrei. Allergische Reaktio-
lung zu nehmen. Grundsätzlich lässt sich aber fest-      nen sind bei allen Präparaten prinzipiell möglich. Vita-
stellen, dass wir im Alltag bei einer ausgeglichenen     mine und Spurenelemente können in zu hoher Dosis
Ernährung, die genügend frisches Obst und Gemüse,        auch Schäden verursachen.

Die richtige Ernährung bei Rheuma                                                                            25
3.2 Vitaminpräparate

Für Vitaminpräparate gilt das unter 3.1 gesagte in        Vitamin D in der Haut verantwortlich ist (Ein Solarium
besonderem Maße: Die Quelle von Vitaminen sollte          ist dafür kein Ersatz!). Der Sonnenlichtmangel betrifft
immer die Nahrung selbst sein. Eine Zufuhr von Vita­      vor allem Menschen in Alten- und Pflegeheimen, die
minen aus medizinischen Gründen ist nur selten erfor-     sich nicht mehr aus eigener Kraft im Freien bewegen
derlich und sollte mit dem behandelnden Arzt abge-        können. Empfohlen wird ein täglicher Aufenthalt an
sprochen werden.                                          der Sonne von mindestens 30 Minuten, wobei Gesicht
                                                          und Unterarme der Sonne ausgesetzt sein sollten. Wer-
Vitamin C ist in vielen frischen Gemüsen und Obst­        den diese Zeiten nicht erreicht, sollten 400 bis 800
sorten enthalten. Es wird durch Kochen leicht zerstört,   Einheiten Vitamin D von außen zugeführt werden. Die
daher sind Mangelzustände gerade in der Winterzeit        Gabe von Vitamin D sollte ärztlich angeordnet und
bei schlechterem Angebot an Frischobst möglich. Der       überwacht werden. Überdosierungen können schädi-
tägliche Bedarf liegt bei etwa 60 mg. Da Vitamin C für    gende Folgen haben.
die Bildung von Bindegewebe benötigt wird, wurde
ein Mehrbedarf bei rheumatischen Erkrankungen, bei        Vitamin E (α-Tocopherol) spielt ähnlich wie Selen (sie-
denen Bindegewebe geschädigt wird, angenommen.            he unten) eine Rolle bei der Ausschaltung schädlicher
Ein positiver Einfluss einer vermehrten Vitamin C–Zu-     Sauerstoffverbindungen (sog. Sauerstoff-Radikale). Bei
fuhr auf derartige Erkrankungen konnte jedoch bisher      Rheumatikern wird ein krankheitsbedingt höherer Be­
nicht bewiesen werden.                                    darf an Vitamin E diskutiert. Die täglich benötigte
                                                          Menge von 12 mg Vitamin E wird in der Normalkost
Auf die Rolle von Vitamin D wurde bereits eingegan-       problemlos gedeckt. Wichtige Quellen von Vitamin E
gen. Gerade bei älteren Menschen besteht die Gefahr       sind Sonnenblumen- und Weizenkeimöl, aber auch
eines Vitamin D-Mangels, der die Entstehung einer         Fisch, und viele Obst- und Gemüsesorten. Mittlerweile
Osteoporose fördern kann. Dazu kann eine zu gerin-        gibt es Hinweise dafür, dass die zusätzliche Einnah-
ge Zufuhr von Vitamin D mit der Nahrung beitragen:        me von Vitamin E-Präparaten in hohen Dosen das Ri-
Fisch, z. B. Sardinen und Thunfisch, aber auch Eier und   siko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen könnte.
bestimmte Sorten Pflanzenmargarine enthalten Vita-        Diese Präparate werden daher für Rheumapatienten
min D. Bedeutsam ist aber auch der Mangel an natür-       nicht empfohlen.
lichem Sonnenlicht, welches für die Entstehung von

26                                                                              Die richtige Ernährung bei Rheuma
3.3 Mineralstoffe

Selen schützt den Körper von schädlichen Sauerstoff-       Eisen wird für die Bildung des roten Blutfarbstoffes
verbindungen und kann damit ebenfalls anti-entzünd-        benötigt. Eisenmangel führt zur Blutarmut, erkennbar
lich wirken. Schweinefleisch und Fisch sind wichtige       an leichter Erschöpfbarkeit, Konzentrationsschwäche
Quellen für Selen. Bei Patienten mit RA liegt Selen in     und blassem Aussehen. Viele Patienten mit entzünd-
verminderter Konzentration in den Körperflüssigkeiten      lich-rheumatischen Erkrankungen haben eine Blutar-
vor. Ein positiver Effekt einer Selenzufuhr auf den Ver-   mut und nehmen daher Eisenpräparate ein. Allerdings
lauf der rheumatoiden Arthritis konnte allerdings bis-     liegt nicht immer ein echter Eisenmangel vor. Häufig
her nicht festgestellt werden.                             ist auch eine Eisenverwertungsstörung: Die chroni-
                                                           sche Gelenkentzündung blockiert die Blutbildung im
Zink ist ein regulierender Faktor bei der Bildung von      Knochenmark, so dass auch reichlich zugeführtes Ei-
Bindegewebe. Dieses Metall ist wichtig für das             sen nicht zu vermehrter Blutbildung sondern unter Um-
Wachstum, die Wundheilung und die Funktion des             ständen zur schädlichen Eisenüberladung führen kann.
Immunsystems. Patienten mit rheumatoider Arthri-
tis weisen verminderte Zinkspiegel im peripheren Blut      Eisenverwertungsstörung abklären
auf. Allerdings gilt auch für die Behandlung mit Zink-
präparaten: ein Nutzen für die Behandlung bei rheu-        Auf der anderen Seite kann es bei Rheumatikern zu
matoider Arthritis konnte trotz umfangreicher wis-         schleichenden Blut und damit Eisenverlusten durch
senschaftlicher Untersuchungen nicht nachgewiesen          Schleimhautschäden kommen, die wiederum durch
werden.                                                    antirheumatische Medikamente verursacht werden
                                                           können. Es ist daher im Einzelfall zu prüfen, ob bei Blut-
Auf die enorme Bedeutung von Kalzium für den Kno-          armut ein echter Eisenmangel oder eine Eisenverwer-
chenstoffwechsel wurde im Abschnitt 1.3 bereits ein-       tungsstörung vorliegt. Ein echter Eisenmangel sollte
gegangen.                                                  unbedingt ausgeglichen werden.

Die richtige Ernährung bei Rheuma                                                                                27
3.4 Eiweiß- und Knorpelschutzpräparate

Knorpel und Knochen enthalten Eiweiße, aber auch           an der Entstehung der Arthritis haben oder lediglich
komplexe Kohlehydratverbindungen wie Chondroitin­          (harmlose) Folgeerscheinungen sind, wird zurzeit
sulfat und Hyaluronsäure. Seit Jahren werden daher         untersucht. Aus diesem wissenschaftlichen Problem
Eiweiß- und Kohlehydratverbindungen aus tierischem         resultiert eine für den Alltag wichtige Frage: Kann
Knorpel- und Knochengewebe als Heil- und Schutz-           ich mit von außen zugeführten Bakterien oder Hefen
mittel für eine Vielzahl von Gelenkerkrankungen an-        einen positiven Einfluss auf die Erkrankung ausüben.
geboten. Auch eine Reihe von wissenschaftlichen            Damit kommen die Probiotika ins Spiel: lebende Mik-
Studien hat die Wirksamkeit von einigen dieser Sub­        roorganismen, die gesundheitsfördernde Effekte aus­
s­tanzen untersucht.                                       üben sollen. Die am längsten als Probiotika an­gewen­
                                                           deten Organismen sind Milchsäurebakterien, aber
Zumindest für Chondroitinsulfat wurde ein – vergleichs­    auch Hefen und andere Einzeller werden angeboten.
weise geringer – positiver Effekt auf den Knorpel­stoff­   Probiotika können als angereicherte Lebensmittel
wechsel beschrieben – allerdings kamen nicht alle          (z. B. Joghurt-Produkte), als Nahrungsergänzungsmit-
Stu­dien zu diesem Ergebnis. Für Gelatineverbindun-        tel oder in Form von Arzneimitteln eingenommen
gen liegen keine Wirksamkeitsnachweise vor. Das in         werden.
Gela­tine enthaltene Eiweiß ist auch ein Bestandteil
der täglichen Nahrung, so dass die zusätzliche Zufuhr      Eine Reihe von klinischen Studien hat sich mit einer
in Kapselform wenig sinnvoll erscheint.                    möglichen entzündungshemmenden Wirkung der
                                                           Pro­biotika befasst. Die Ergebnisse sind jedoch bis-
                                                           her enttäuschend geblieben. Bei RA-Patienten und
3.5 Probiotika                                             solchen mit Spondyloarthritiden besserten sich die
                                                           Krankheits­zeichen nach Einnahme von Probiotikaprä-
Entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie die RA           paraten ent­weder gar nicht oder nur unwesentlich.
können mit Veränderungen der Darmflora einherge-           Damit können Probiotika für rheumatische Erkrankun-
hen, also mit der Zusammensetzung der verschiede-          gen zum jetzi­gen Zeitpunkt nicht empfohlen werden,
nen Mikroorganismen, die unseren Darm besiedeln            allerdings sind in Zukunft möglicherweise neue wis-
(siehe Kap. 1.1.). Ob diese Veränderungen einen Anteil     senschaftliche Ergebnisse zu erwarten.

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Tipps für den Alltag

   → Nahrungsergänzungsstoffe sind bei ausgegli-        erlaubt, kommt einer gesunden Ernährung
     chener Ernährung in der Regel überflüssig.         sicher näher als eine Ernährungsweise, die zu
                                                        wenig frisches Gemüse und Obst einbezieht.
   → Prüfen Sie jedes Angebot sorgfältig. Ein hoher
     Preis für ein Nahrungsergänzungspräparat ist
                                                        Tipps für den Alltag
     nicht gleichbedeutend mit guter Qualität oder
     exzellenter Wirksamkeit. Fordern Sie schriftli-    → Essen Sie grundsätzlich nur an einem einzigen
     che Informationen an, die eindeutig belegen,         Platz in ihrer Wohnung. So entfällt Vieles, was
     welche Inhaltsstoffe im Produkt enthalten sind.      man „nebenher“ verzehrt.
     Fragen Sie nach wissenschaftlichen Untersu-
                                                        → Viele kleine Mahlzeiten sind besser als wenige
     chungen zur Wirksamkeit bei Ihrer Erkrankung.
                                                          große!
   → Allgemeine Aussagen wie „Stärkung der Ab-
                                                        → Langes, gründliches Kauen und kleine Bissen
     wehr“, „Entschlackung“, „Gelenkschutz“
                                                          lassen das Sättigungsgefühl früher eintreten –
     verschleiern oft, dass ein messbarer, positiver
                                                          die Mahlzeiten können verkleinert werden.
     Effekt der angebotenen Stoffe fehlt. Fragen
     Sie sich vorher, was Sie mit diesen Mitteln kon-   → Süßigkeiten und Snacks vor dem Fernseher sind
     kret erreichen wollen: Weniger Schmerzen?            gefürchtete Dickmacher!
     Gesünderen Schlaf? Bessere Konzentrationsfä­
                                                        → Essen Sie ausreichend Ballaststoffe, die mit
     higkeit? Prüfen Sie anschließend kritisch, ob
                                                          wenig Kalorien den Magen füllen: Rohes Gemü-
     dieses Ziel erreicht wurde!
                                                          se, Vollkornbrot, Obst.
   → Sprechen Sie mit dem Arzt Ihres Vertrauens
                                                        → Trinken Sie ausreichend, aber möglichst ohne
     über die entsprechenden Präparate!
                                                          Kalorien! Oft wird Hungergefühl eigentlich
                                                          durch Durst verursacht und kann durch Trinken
   Leben Vegetarier gesünder?
                                                          unterdrückt werden.
   Unsere Vorfahren waren Sammler und Jäger. Der
                                                        → Die meisten Menschen sind nicht zu dick, weil
   Stoffwechsel des Menschen ist daher auf eine
                                                          sie zu viel essen, sondern weil sie sich zu wenig
   gemischte Nahrung eingestellt. Bestimmte Eiweiß-
                                                          bewegen! Fangen Sie an mit einem Sport, der
   bausteine und Vitamine, die unser Körper nicht
                                                          Ihnen Spaß macht – aber ohne übertriebenen
   selbst bilden kann, werden ganz überwiegend aus
                                                          Ehrgeiz! Totale Erschöpfung motiviert nicht
   tierischen Nahrungsmitteln bezogen.
                                                          zum Weitermachen!
   Eine ausschließlich pflanzliche, d. h. vegane Diät
                                                        → Lassen Sie sich nicht entmutigen! Oft kommt
   kann daher Mangelerscheinungen auslösen, wenn
                                                          es nach ersten Erfolgen zu keiner weiteren
   dem nicht gegengesteuert wird. Allerdings neh-
                                                          Gewichtsabnahme, denn Fettreserven werden
   men Bundesbürger im Durchschnitt zu viel Fleisch
                                                          erst sehr langsam mobilisiert! Man braucht
   und Wurstwaren zu sich. Eine vegetarische Diät,
                                                          einen langen Atem!
   die die Einnahme von Eiern und Milchprodukten

Die richtige Ernährung bei Rheuma                                                                             29
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