Ferdinandea DIE ZEITUNG DES VEREINS TIROLER L ANDESMUSEUM FERDINANDEUM - ferdinandea Nr 51 Februar - April 2020

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Ferdinandea DIE ZEITUNG DES VEREINS TIROLER L ANDESMUSEUM FERDINANDEUM - ferdinandea Nr 51 Februar - April 2020
ferdinandea
                                                                     DIE Z E I T UNG DE S V E R E IN S T IROL E R L A NDE SMUSE UM F E R DIN A NDE UM

                                                                                                            f er dina nde a Nr 51   Febr ua r – A pr il 202 0
Telefonapparat der Marke „Kapsch“ mit Wählscheibe, 1957. Foto: TLM
Ferdinandea DIE ZEITUNG DES VEREINS TIROLER L ANDESMUSEUM FERDINANDEUM - ferdinandea Nr 51 Februar - April 2020
2        In t er v ie w                                                                                                               f er dina nde a Nr 51                    Febr uar – A pr il 2020                                                                                                                                                                 A k t ue l l e A u s s t e l l ungen   3

editorial
Editorial                                                              Interview mit                                                                                                                          So fern – so nah
                                                                       Peter Assmann                                                                                                                          Eine Kulturgeschichte der Telekommunikation
                                                                                                                                                                                                              Claudia Sporer-Heis
                                                                       In seiner erst kurzen Amtszeit hat Direktor Peter­
                                                                       Assmann schon große Meilensteine für die ­ Tiroler
                                                                       L andesmuseen gesetzt. Geht es nach ihm, sollen
                                                                       ­                                                                                                                                      Ein Griff zum Handy oder zum Smartphone – und schon sind wir mit der ganzen Welt verbunden. Wir können nicht nur überallhin telefo-
                                                                       noch viele weitere folgen. Ein Gespräch über Visi-                                                                                     nieren und chatten, sondern auch Bilder und Filme versenden. Digitale Telekommunikation ist heute zur Selbstverständlichkeit geworden.
                                                                       onen, Brücken und Begegnungen auf Augenhöhe.                                                                                           Die Ausstellung im Zeughaus begibt sich auf die Suche nach der Geschichte dieser inzwischen unverzichtbaren Alltagsnotwendigkeit und lädt
                                                                       Herr Direktor, in den kommenden Monaten und Jah-                                                                                       zur Interaktivität mit den Vorfahren heutiger technischer Geräte ein.
                                                                       ren möchten sie vieles bewegen. Stichworte: politisch
                                                                       punkten (Kunst aus dem Iran), Tracht hinterfragen
                                                                       (­Volkskunstmuseum), Forum Stadt (Präsenz in ganz
                                                                       I­n nsbruck). Wie wollen Sie alles neben dem großen Pro-
                                                                       jekt „Umbau Ferdinandeum“ schaffen?
    Foto: Wolfgang Lackner                                             Ein großes Museum braucht ein großes Programm.
                                                                       Und die Tiroler Landesmuseen sind vielfältig und
                                                                       gut aufgestellt. Das gilt für ihre Geschichte und ihre
    Liebe Vereinsmitglieder, liebe Leserinnen und Leser,
                                                                       Mitarbeiterstruktur genauso wie für ihre Ziele und
    das Jahr 2020 nimmt Fahrt auf und ich hoffe, dass die              Möglichkeiten. Mir ist es ein Anliegen, meine Er-
    20er-Jahre des 3. Jahrtausends zukunftsweisend und bewe-           fahrungen dafür zu verwenden, in Innsbruck etwas
    gend für unser altehrwürdiges Landesmuseum sein werden.            Neues zu machen und den Umbau des Ferdinande-
                                                                       ums zu nutzen, um nachzudenken und zu reflektie-
    Große Erwartungen werden an die neue Führung des Museums
                                                                       ren, was Museum am Ende des zweiten Jahrzehnts des
    geknüpft und wie Sie den Ankündigungen entnehmen können,           21. Jahrhunderts bedeutet. Und dabei nicht Modelle zu
    steht ein prallgefülltes Ausstellungsjahr mit faszinierenden       übernehmen, sondern neu zu entwickeln, neu zu denken,
                                                                       Profile zu schärfen, neu zu positionieren – sowohl die
                                                                                                                                         Foto: Wolfgang Lackner
    Themen wie Goethes Italienische Reise, mit Künstlerper-
                                                                       Häuser und Sammlungen wie ihre Kommunikation. Die
    sönlichkeiten wie Franz von Defregger oder Anton Christian
                                                                       Europaregion Tirol setzt internationales Denken voraus.        Wie lassen sich Kunst und Wirtschaft fruchtbringend
    bevor. Mit vielen Veranstaltungen wird das Ferdinandeum ein                                                                       verbinden?
    lebendiges Forum für aktuelle Themen bieten. Unsere Samm-          Wo sehen Sie die Aufgaben der Häuser und Sammlungen?           Das Land Tirol leistet als Finanzier Großartiges. Aber
    lungen werden in den Tiroler Landesmuseen in vielfältiger          Generell sollen sie keine strukturierten An-Sammlungen         die gemeinsame Schatzkammer will gemeinsam gepflegt
                                                                       sein, sondern Kompetenzzentren. Darum sind ihre Leiter         und erweitert werden. Darum werden wir offensiv und
    Weise ins Licht gerückt und in wunderbaren Konzerten zu
                                                                       keine Kustoden, also Wächter, sondern vielmehr Kura-           kreativ an Einzelpersonen und Unternehmen herantreten.
    Gehör gebracht werden. Ich lade Sie herzlich ein, nutzen Sie       toren – Menschen, die sich umfassend um ihre Samm-             Das Projekt „Umbau Ferdinandeum“, das sich derzeit in
    das reiche Angebot!                                                lungen sorgen und sie international vernetzen.                 der Detailschärfung befindet, bietet viel Spielraum für
                                                                       Aus den Diskussionen der letzten Jahre geht hervor, dass       verantwortungs- und kulturbewusste Förderer.
    2020 sollte aber auch definitiv der Start für die schon            das Ferdinandeum als ein Haus der Kunst entwickelt
    seit Jahren gewünschten notwendigen Baumaßnahmen                   werden soll, das Zeughaus als ein Haus der Geschichte.         Sie sind selbst künstlerisch tätig, sind Zeichner, Maler                Morseapparat, um 1900/10. Foto: TLM                                                         Haustelefon, um 1900. Foto: TLM
                                                                       Das Volkskunstmuseum ist bereits ein kulturhistorisches        und haben zwei Romane veröffentlicht. Dazu sind Sie
    am Museumsgebäude Ferdinandeum sein. Das Land Tirol
                                                                       Designmuseum, das die Volkskunde inspiriert. Das P­ rofil      Wissenschaftler, Kunstkritiker, Ausstellungsmacher, Fa-                 Die Einführung ortsunabhängiger und schneller Kommu-         Schreibtelegrafen von Samuel Morse 1840 in den USA               rechtlich gleichgestellt und ebenfalls verstaatlicht.
    zeigt nun die grundsätzliche Bereitschaft, den Verein              des Tirol Panoramas gilt es zu schärfen. Die Hofkirche         milienvater. Hat Ihr Tag 48 Stunden?                                    nikationsmittel wie Mobiltelefonie und E-Mail läuteten       den Durchbruch zu erzielen. Mithilfe seiner Codeschrift,         1893 wurde die erste Telefonzentrale mit 30 Anschlüs-
    Tiroler L­andesmuseum Ferdinandeum als Eigentümer des              ist ein Weltkunstereignis, das auch als solches kommu-         Ich lebe die Kunst und bin in ihr zuhause. Ich arbei-                   in den 1990er-Jahren den Niedergang des traditionellen       die aus Strichen und Punkten bestand, konnten Nach-              sen in Innsbruck in Betrieb genommen, weitere größere
    Gebäudes bei seinem Vorhaben, die museale Nutzbarkeit zu           niziert werden muss. Durch das Sammlung- und For-              te viel und gerne und versuche, den Tag zu nützen und                   Telekommunikationsmediums „Brief“ bzw. „Postkarte“           richten über große Entfernungen versendet werden. Die            Orte folgten diesem Beispiel. Den Teilnehmerinnen und
                                                                       schungszentrum lässt sich Museumsarbeit bestmöglich            die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Die Kunst ist Teil                 ein. Schriftliche Nachrichten, die von Boten überbracht      Telegrafie, die besonders auch für den Eisenbahnverkehr          Teilnehmern an diesem kostspieligen Vergnügen standen
    optimieren, zu unterstützen. Der Direktor der Landesmuseen,
                                                                       abwickeln und dokumentieren. Alle diese ­Facetten bil-         meiner Persönlichkeit und ich freue mich, diese ausleben                wurden, sind bereits im Altertum und M  ­ ittelalter nach-   eine wichtige Rolle spielte, wurde Mitte der 1840er-Jahre        verschiedenartige Wand- oder Tischapparate zur Verfü-
    Peter Assmann, hat den Katalog der dringenden Erfordernisse        den die Schatzkammer Tirol – unser gemeinsames Juwel.          zu können. Ich bin meinem Vater sehr dankbar, der als                   weisbar. Maximilian I., der gegen Ende des 15. Jahr-         in Österreich eingeführt und zunächst als Staatsmono-            gung. Mit der Zeit wurden mit der Installierung eines
    exakt definiert: Erneuerung der Klimatechnik, Schaffung            Wenn wir es polieren, denken wir immer auch an seine           Volkskundler mir viel beigebracht hat. Und es freut mich                hunderts die Familie Taxis mit der Einrichtung von           pol installiert. Erst einige Jahre später war das Verschi-       vollautomatisierten Wählbetriebes auch Ferngespräche
    klarer, durchgängiger Ausstellungsebenen, barrierefreier           Strahlkraft nach Süden – denn gegründet wurden wir als         sehr, wieder an den Ort meiner Kindheit zurückgekehrt                   „Postkursen“, also Postverbindungen, beauftragte, durch      cken von Telegrammen für jedermann möglich, der sich             möglich, bei dem keine manuelle Vermittlung mehr nö-
                                                                       Museum für Deutsch- und Welschtirol.                           zu sein.                                                                welche auch private Briefe transportiert werden konnten,     den teuren Luxus auch leisten konnte. Hand in Hand mit           tig war. Dies konnte erst nach dem Zweiten Weltkrieg
    Zugang, ein Veranstaltungsraum mit der Vision einer großen
                                                                                                                                                                                                              gilt als Begründer der neuzeitlichen Post, die bis weit      der Verbreitung der Telegrafie ging die Verlegung von            begonnen und Mitte der 1950-er Jahre abgeschlossen
    Öffnung des Museums nach außen.                                    Was betrachten Sie als Hauptziel?                              Wo sehen Sie die Landesmuseen in zehn Jahren?                           ins 20. Jahrhundert als einfachste und kostengünstigste      Kabeln und Drähten über die ganze Welt. Ab Anfang                werden.
                                                                       Schlicht: Türen öffnen. Stolz sein. Wir haben eine sehr gute   In allen Zielsetzungen weiterentwickelt. Sammeln: Dass                  Form der Telekommunikation galt.                             des 20. Jahrhunderts konnten Nachrichten auch über
    Dieses Vorhaben ist ein weiterer bedeutender Schritt in der fast   Vermittlungsabteilung im Haus. Vieles, etwa das Format         es gelungen ist, den Sammlungsschatz zu erweitern.                                                                                   elektromagnetische Wellen, also über Funk, übermittelt           Funken
    200-jährigen Geschichte des Ferdinandeums, der notwendig           After Work, funktioniert bereits bestens. Aber es tut allen    Bewahren: Dass dieser Schatz besser in die Zukunft ge-                  Visuelle Nachrichten                                         werden. In den 1930er-Jahren lösten Fernschreiber, über          Dass mit Hilfe von Funkwellen Nachrichten übertragen
    ist, um seine Bedeutung als Landesmuseum für Tirol und den         gut, wenn man mehr miteinander redet und die höchst span-      führt werden kann. Forschen: Dass wir für Tirol relevante               Während mithilfe von Briefen auch ausführliche Nach-         die Nachrichten mithilfe einer Schreibmaschinentastatur          werden können, wurde bereits Ende des 19. ­Jahrhunderts
                                                                       nenden Positionen besser miteinander verknüpft.                Inhalte entwickelt haben und vermitteln. Kommunizieren:                 richten versendet werden konnten, dienten etwa Kreid-        übermittelt werden konnten, die Telegrafenapparate nach          erkannt und im Bereich der Telegrafie genutzt. 1927
    EUREGIO-Raum zu wahren und es noch attraktiver zu machen.
                                                                                                                                      Dass wir mit allen unseren Themen Brücken gebaut ha-                    feuer, die systematisch an vorgegebenen Stellen ent-         und nach ab. Während der Telefax, der in den 1980er-             wurden auf der internationalen Weltfunkkonferenz in
    Die besondere Situation, dass der Verein nicht nur Eigentümer      Stichwort Museumsverein. Wie sehen Sie seine Rolle und         ben, sodass sich mehr Menschen angesprochen fühlen                      zündet wurden, als Warnsignale. Eine Kombination aus         Jahren seinen Siegeszug antrat, auch heute noch verwen-          ­Washington u. a. Regelungen hinsichtlich der Verwen-
    des Hauses ist, sondern auch 40 Prozent der Museums-               die seiner knapp 2.800 Mitglieder?                             und wesentliche Ereignisse umfassend diskutiert werden.                 beiden stellte der optische Telegraf dar, der in der Zeit    det wird, werden seit 2005/06 keine Telegramme mehr               dung von Wellenfrequenzen getroffen. Dabei wurden
    Betriebsgesellschaft hält und dass das Land Tirol den Betrieb      Tragend, zentral und wichtig. Rückhaltlos positiv.                                                                                     der Französischen Revolution von Claude Chappé er-           übermittelt, das E-Mail hat die Funktion der Telegrafie           bestimmte Frequenzbereiche auch den seit 1925 orga-
                                                                       PPP, ­P rivate Public Partnership, das Zauberwort der          In diesem Sinne: Auf zu neuen Ufern!                                    funden und eingesetzt wurde. Mithilfe zweier schwenk-        übernommen.                                                       nisierten Funkamateuren überlassen, die bis heute welt-
    finanziert, erfordert besondere Vereinbarungen für die Finan-
                                                                       90er-­Jahre wird in Tirol seit 1823 gelebt und das soll                                                                                barer Querbalken, die an einem hohen Mast befestigt                                                                            weit, ohne kommerziellen oder politischen Nutzen, nach
    zierung. Wir sind zuversichtlich, dass wir in Abstimmung mit       auch so weitergehen. Dennoch wollen wir quantitativ            Vielen Dank für das Gespräch. Die Fragen stellte                        waren, konnten mit Buchstaben, die durch einen Code          Fernsprechen                                                      Ablegung einer Prüfung experimentellen Funk mit be-
    den Mitgliedern eine gute Lösung finden werden und ich bin         und qualitativ optimieren. Wir werden alles tun, um neue       Dr.in Maria Mayrl, Redakteurin der ferdinandea.                         verschlüsselt waren, Nachrichten rasch über weite Stre-      Als Leopold Pfaundler 1877 in Innsbruck den ersten                willigten Funkstationen betreiben. Es werden sowohl
    überzeugt, dass es im Sinne aller am Museum Interessierten         Mitglieder anzuziehen, denn die Vereinsmitglieder sind                                                                                 cken hinweg an verschiedene Stationen gesendet werden.       „Sprechtelegrafen“ vorführte, waren weltweite Ver-                Sprache als auch Daten und Bilder in unterschiedlichen
                                                                       unsere Stakeholder. Viele Projekte lassen sich über die                                                                                Dieses System, das in Österreich nicht eingeführt wurde,     suche, Sprache zu übermitteln, zwar schon einige Jah-             Verfahren übertragen. In Not- und Katastrophenfällen
    ist, unser Ferdinandeum runderneuert im Jubiläumsjahr 2023
                                                                       Vereinsarbeit besser abwickeln – wir wollen das Mitar-         Peter Assmann, geb. 1963, Studium der Kunstgeschichte, ­Geschichte      konnte vor allem in Frankreich, England und Preußen –        re in Gang, das Patent für Alexander Bell in den USA              sind Funkamateurinnen und Funkamateure in der Lage,
    erleben zu können.                                                 beiten und geistige Mittragen ebenso wie wirtschaftliche       und Germanistik, Kunsthistoriker, Schriftsteller und bildender Künst-   in erster Linie für staatliche und militärische Zwecke –     allerdings erst ein Jahr alt. Das Telefonieren hatte den          Hilfsorganisationen wesentlich zu unterstützen.
                                                                       Beziehungen ankurbeln.                                         ler, ehem. Direktor der Oberösterreichischen Landesmuseen und           erfolgreich eingesetzt werden, allerdings nur, wenn die      Vorteil, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer di-
    Ich danke Ihnen sehr für Ihr Interesse und Ihre Unterstützung.                                                                    des M ­useums Angerlehner in Thalheim bei Wels, Präsident der           Sicht gut war.                                               rekt miteinander kommunizieren konnten ohne – wie
                                                                       Woran denken Sie da konkret?                                   Sommerakademie Traunkirchen, Gründungsmitglied der Künstler-
                                                                                                                                      ­                                                                                                                                    beim Telegrafieren – eine Person, die Codes in Schrift            So fern – so nah
    Ihre                                                               Veranstaltungen. Offene Forumssituation. Einen Ort,            gruppen „c/o: K – ­Institut für Kunstinitiativen“ und „Sinnenbrand“,    In die Ferne schreiben                                       umwandelte, zu benötigen. Die Gespräche wurden an-                Eine Kulturgeschichte der Telekommunikation
                                                                       wo man sich gerne trifft. Dann entwickeln sich Dinge           Künstlermitglied des Wiener Künstlerhauses, der Welser Künstlergilde    Vom Wetter unabhängiger waren hingegen die elektro-          fangs manuell über einen Klappenschrank weitervermit-             Museum im Zeughaus
                                                                       ganz automatisch. Durchs Reden kommen d'Leut zam.              und der IG Bildende Kunst, Präsident des Museumsbundes Österreich,      magnetischen, durch elektrische Leitungen verbundenen        telt. Diese Arbeiten übernahmen in erster Linie (unver­           21. Februar bis 4. Oktober 2020
    Dr.in Barbara Psenner, Vorsitzende des Vereins                     Das Vereinsmagazin, die ferdinandea, wird unser Haupt-         ­Vorstandsmitglied S­ OS-Menschenrechte Österreich, bis 2019 Direktor   Telegrafen, deren technische Entwicklung von mehreren        heiratete) Frauen, die sogenannten „Fräuleins vom Amt“.           Eröffnung: 20. Februar, 18 Uhr
                                                                       medium sein.                                                    des Museums Palazzo Ducale in Mantua.                                  Erfindern vorangetrieben wurde, um schließlich mit dem       Die Telefonie wurde in den 1880er-Jahren der ­Telegrafie
Ferdinandea DIE ZEITUNG DES VEREINS TIROLER L ANDESMUSEUM FERDINANDEUM - ferdinandea Nr 51 Februar - April 2020
4    A k t ue l l e A us s t el l ungen                                                                                                         f er dina nde a Nr 51                  Febr uar – A pr il 2020                                                                                                                                                                                                                      Ver ein       5

Wer fürchtet sich vorm Trachtenklaubauf?                                                                                                                                                                         Dank an Martin Pfeiffenberger
Reinhard Bodner                                                                                                                                                                                                  Wolfgang Sölder
                                                               Wurden in der Osttiroler Kindheit des Verfassers dieser                          Die Sonderausstellung „Tracht. Eine Neuerkundung“                                                                                              Die Erweiterung von Sammlungsbeständen ist oft von Be-
                                                               Zeilen die Klaubäufe – also: Krampusse – ins Elternhaus                          schreibt die vermeintlich selbstverständliche Identifizie-                                                                                     nevolenz geprägt: Geschenke aus dem Privatbesitz sind
                                                               eingelassen, flüchtete er sich unter den Küchentisch. In die                     rung kultureller und regionaler Grenzen nicht fort, son-                                                                                       Ausdruck der Wertschätzung des Museumsvereins und des
                                                               Furcht mischte sich aber auch Neugier auf die wilden Ge-                         dern erkundet sie neugierig-kritisch. Die Ausstellung geht                                                                                     Ferdinandeums als Ort des Bewahrens und der Präsentation
                                                               stalten. Erinnerungen daran kamen 2016 auf, als der er-                          aus einem 2014–19 durchgeführten Forschungsprojekt der                                                                                         im großen kulturhistorischen Kontext von kulturellem Erbe
                                                               fahrene Klaubaufmaskenschnitzer Martin Egger aus Ma-                             Tiroler Landesmuseen und der Universität ­      Innsbruck                                                                                      Tiroler Provenienz oder mit ­Tirol-Bezug. Zwar ist seit Ende
                                                               trei in Osttirol den Auftrag erhielt, für ­Gareth ­Kennedys                      hervor. Der Wissensdrang dabei galt der Biografie                                                                                              des Ersten Weltkrieges das Sammelgebiet der Archäolo-                        Körbchenohrring vom Typ Allach und Ohrring mit polyedrischem Abschluss,
                                                               Ausstellung „Die unbequeme Wissenschaft“ am Volks-                               Pesendorfers und der Genese und anhaltenden Bedeu-
                                                                                                                                                ­                                                                                                                                              gischen Sammlung auf T  ­ irol beschränkt, Neufunde lassen                   Bronze. Foto: TLM
                                                               kunstmuseum eine Maske von ­          Gertrud ­ Pesendorfer                      tung ihrer „erneuerten Trachten“. Eggers Maske wird in                                                                                         sich jedoch mit dem Altbestand des 19. und frühen 20. Jahr-
                                                               (1895–1982) zu gestalten. Nicht wenige BetrachterInnen                           der Ausstellung erneut zu sehen sein. Um Dämonisierung                                                                                         hunderts aus Südtirol–Trentino bestens verknüpfen.                           nicht nur eine wertvolle Bereicherung der Sammlung, son-
                                                               hatten damals den Eindruck eines dämonischen Kram-                               geht es dabei jedoch nicht und freilich auch nicht um Ide-                                                                                     So ist die Donation durch Grundeigentümer ­          Martin                  dern auch von entsprechender historischer Bedeutung: In
                                                               pusses mit leeren Augenhöhlen und gleichzeitig ste-                              alisierung einer „volkskulturellen Säulenheiligen“. Die                                                                                        Pfeiffenberger von frühmittelalterlichem Trachtschmuck
                                                                                                                                                                                                                                                                                               ­                                                                            Verbindung u. a. mit dem frühchristlichen Vorgängerbau
                                                               chendem Blick. Die Maske hatte etwas von der Debat-                              Ausstellung möchte besser verstehen helfen und genauer                                                                                         aus dem Gräberfeld des 5. bis 7. Jahrhunderts n. Chr. im                     auf ­römischem Substrat unter der Pfarrkirche ­Mariä Him-
                                                               te in sich aufgenommen, die seit 2012 um ­Pesendorfer                            zurückschauen, nicht auf die NS-Zeit allein, sondern auf                                                                                       Bereich der Vigilgasse 14 in Thaur – ein Paar bronzene                       melfahrt, mit der Quartinus-Urkunde von 827 und der im
                                                               als geschäftsführende Leiterin des Volkskunstmuseums                             die Geschichte der Trachtenforschung und -pflege in der                                                                                        Körbchenohrringe vom Typ Allach, eine Halskette aus ver-                     Kern ­romanischen Filialkirche Hl. U ­ lrich beim Afrahof un-
                                                               1939–45 und NS-Reichstrachtenbeauftragte geführt wor-                            Region von ca. 1900 bis in die jüngste, scheinbar so ok-         Geschenkgeber Martin und Martina Pfeiffenberger, Bodendenkmalpfleger          schiedenfarbigen Glasperlen mit Hakenverschluss und eine                     terstreichen die Grabungsbefunde und Funde von 2009/10
                                                               den war. Neben dem Klaubauf war für Egger aber auch                              toberfestselige Vergangenheit. „Tracht“ wird als Gewirk          Johannes Pöll (l.) und Wolfgang Sölder (r.) anlässlich der Übergabe im SFZ.   bronzene S-Fibel aus Grab 7 sowie zwei Bronzeohrringe                        einmal mehr die Rolle von ­Thaur als ­romanischer, frühmit-
                                                               eine Prozessionsfigur der Heiligen Notburga inspirie-                            von Stoffen, Funktionen, Lebens- und Vorstellungswelten,         Foto: TLM                                                                     mit jeweils polyedrischem Schlussknopf aus Grab 122 –                        telalterlicher Zentralort zwischen ­Innsbruck und Hall.
                                                               rend, deren Schöpfer ­Virgil ­Rainer (1871–1948) auch die                        (Nicht-)Wissen und (Ohn-)Macht erkundet – als Teil un-
                                                               Trachtenfigurinen im Volkskunstmuseum schnitzte. Seit                            seres Erbes mit seinen belastenden, aber auch lustvollen,
                                                               2008 ist Notburga – häufig im dirndlartigen Miederkittel                         kurzum ambivalenten Seiten.

                                                                                                                                                                                                                 Ein Souvenir von der Weiherburg
                                                               dargestellt – mit Segen der Bischofskonferenz Patronin
                                                               der österreichischen Trachtenvereine. Der hiesige Lan-
                                                               destrachtenverband wallfahrtet am Notburgasonntag gar                               Tracht. Eine Neuerkundung
                                                               zu seiner Schutzheiligen an den Achensee, Motto: „Tirol                             Tiroler Volkskunstmuseum
                                                               trägt Tracht“.                                                                      27. März bis 1. November 2020                                 Christina Zenz­
                                                                                                                                                   Eröffnung: 26. März, 18 Uhr
                                                               Maske Gertrud Pesendorfer von Martin Egger. Foto: TVKM
                                                                                                                                                                                                                 Ansichtentassen waren im 19. Jahrhundert beliebte Sam-                        Zeitraum gebraucht. Die Darstellung der Weiherburg
                                                                                                                                                                                                                 melobjekte und Souvenirs. Sie zeigen wiedererkennbare                         in einem goldgerahmten Schild findet hier auf einer
                                                                                                                                                                                                                 Orte und Sehenswürdigkeiten, wie hier die Weiherburg.                         sich kelchförmig weitenden Tasse mit leicht ausgezo-

Flottenbesuch
                                                                                                                                                                                                                 Der Ansitz am Stadtrand von Innsbruck bot zu der Zeit                         gener Mündung Platz. Der niedrige, auskragende Fuß
                                                                                                                                                                                                                 vor allem wohlhabenden Reisenden aus England und                              ist durch ein Profil abgesetzt. Der Schlangenkopf des
                                                                                                                                                                                                                 den USA eine Unterkunft. Ihr letzter privater Besitzer,                       zarten, goldenen Ohrenhenkels beißt in die Tassenlippe,
                                                                                                                                                                                                                 die Familie von A   ­ ttlmayr, erweiterte den Ansitz mehr-                    während das untere Henkelende sich über einer Palmet-
Die k. (u.) k. Marine im Kaiserjägermuseum                                                                                                                                                                       mals und schuf so eine bei Touristen beliebte Pension                         tenkonsole leicht aufrollt. Tasse und Untertasse sind mit
                                                                                                                                                                                                                 und bei Einheimischen populäre Ausflugsstätte.                                einem rosafarbenen Fond überzogen, im Gegensatz zu
Josef Ammann                                                                                                                                                                                                     Die Tasse, welche der Verein des Tiroler Landesmuse-                          dem goldenen Tasseninneren. Die Tassenwandung und
                                                                                                                                                                                                                 ums 2019 erwarb, wurde in der 1747 gegründeten                                die Untertasse sind von Goldstreifen eingefasst. Solche
                                                                                                                                                                                                                 ­Nymphenburger Porzellanmanufaktur in München ge-                             als Souvenirs angefertigten Landschaftsporträts wurden
Weitgehend vergessen sind das Kaisertum ­         Österreich   internationale Entwicklungen. Die Erfindung des Tor-                             Bis heute tragen Vereine die Traditionspflege unserer Ma-         fertigt. Sie zeigt die Weiherburg in Blickrichtung Osten,                    meist mit Ortsnennung bezeichnet, wie in diesem Fall an
und die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn als See-             pedos führte zum Bau schneller Torpedoboote und war                              rine, die mit Leihgaben und Schiffsmodellen in der Son-           wie sie um 1820 aussah.                                                      der Unterseite der Tasse.
mächte mit eigener Handels- und Kriegsmarine. Die              eine Grundlage zum erfolgreichen Einsatz von ­U-Booten                           derausstellung vertreten sind.                                    Für die Anfertigung solcher Landschaftsporträts wur-                         Dieser Ankauf ergänzt den Bestand von Objekten der
­Habsburgermonarchie erwarb im 14. Jh. bei Triest (Duino)      im Ersten Weltkrieg. Die Kriegsmarine wirkte an inter-                                                                                             den Vorlagen verwendet, deren Beschaffung oft schwie-                        ­Nymphenburger Porzellanmanufaktur im Tiroler Lan-                           Porzellanmanufaktur Nymphenburg, Ansichtentasse mit Weiherburg, um 1820,
 einen Meereszugang. Bedeutung erlangte die Kriegsmari-        nationalen Schutzmaßnahmen mit, so bei Kreta, beim                                                                                                 rig war. Deswegen wurden sie über einen längeren                              desmuseum um einen weiteren Tassentypus.                                    Porzellan mit Aufbrennvergoldung und Aufglasurmalerei. Foto: TLM
 ne aber erst im 19. Jh. mit der Übernahme des Kriegsha-       Boxeraufstand in China und bei den Balkankriegen.                                   Flottenbesuch. Die k. (u.) k. Marine
 fens Venedig. Die Aufgabe österreichischer Kriegsschiffe      ­Österreichs Flotte gelang es, von 1915 bis 1918 die Adria                          TIROL PANORAMA mit Kaiserjägermuseum
 war der Schutz von Küsten und des Seehandels. Die wich-        zu dominieren und die Nachschubrouten offen zu halten.                             6. März 2020 bis 7. März 2021

                                                                                                                                                                                                                             Erfolgreiche Frauen im Ferdinandeum
 tigsten Marinestützpunkte ­Altösterreichs waren Venedig,       Die aktive Geschichte der Österreichischen Marine endet                            Eröffnung: 5. März, 18 Uhr
 Triest, Pula/Pola (Istrien/Kroatien) und C   ­ attaro/Kotor    wie jene der Tiroler Kaiserjäger mit dem Kriegsende 1918.
 (­Montenegro).
 Die Entwicklung der Bauweise von Holzschiffen zu ge-
 panzerten Holzschiffen bis zu Schiffen mit Eisenrumpf                                                                                                                                                                       Verena Sauermann
 und Stahlpanzerungen ging einher mit dem Wechsel
 von glatten Vorderladekanonen mit geringer Reichweite
 und Durchschlagskraft zu den Hinterladegeschützen mit                                                                                                                                                                                                                                         Bereits 1946 leitete eine Frau eine Abteilung im                              lichen Sammlungen erhielten 1964 mit der Archäolo-
 Kalibern bis zu den 30,5 cm und Kampfdistanzen von                                                                                                                                                                                                                                            Ferdinandeum, erst 1964 werden zwei Frauen Ku-
                                                                                                                                                                                                                                                                                               ­                                                                             gin Zemmer-Plank eine Frau als Kustodin (siehe auch
 über zehn Kilometern. Diese Geschütze standen zuletzt                                                                                                                                                                                                                                         stodinnen: Olga Maurer (1907–1999) und ­Liselotte                             ferdinandea Nr. 34, S. 10). Z  ­ emmer-Plank studierte
 in drehbaren Drillingstürmen. Der Antrieb wechselte im                                                                                                                                                                                                                                        ­Z emmer-Plank (1931–2015). „Frl. Olga Maurer“, so                            an der ­Universität Innsbruck Ur-, Frühgeschichte und
 19. Jh. von windabhängigen Segelschiffen zu schrau-                                                                                                                                                                                                                                            heißt es im Jahresbericht des Vereins 1964, wurde „zum                       Klassische Archäologie. 1956 wurde sie Assistentin
 bengetriebenen Dampfschiffen mit Hilfssegeln bis zu                                                                                                                                                                                                                                            ­Kustos der Bibliothek“ ernannt. Maurer hatte keine aka-                     von Leonhard Franz, der von 1941 bis 1967 Professor
 den Kohle- oder Dieselgetriebenen Schiffen im Ersten                                                                                                                                                                                                                                            demische Ausbildung. Sie war von 1928 bis 1936 wis-                         für Vorgeschichte der Uni Innsbruck war und zeitgleich
 Weltkrieg.                                                                                                                                                                                                                                                                                      senschaftliche Hilfskraft am Institut für geschichtliche                    die Stelle des Fachdirektors (es gab noch keinen Ku-
 Österreichs Flotte schlug 1864 unter Wilhelm ­Tegetthoff                                                                                                                                                                                                                                        Volks- und Landeskunde der Universität I­ nnsbruck, da-                     stos für die Urgeschichte) innehatte. ­   Z emmer-Plank
 in der Nordsee die letzte große Seeschlacht mit hölzernen                                                                                                                                                                                                                                       nach ­Kanzlistin der Tiroler Landesbeamtenkammer und                        promovierte 1963 und wurde 1964 die erste Kustodin
 Schraubenfregatten erfolgreich gegen Dänemark, im Jahr                                                                                                                                                                                                                                          bis 1945 Sachbearbeiterin der Hauptstelle Organisation                      der Vor- und Frühgeschichtlich­   en und Provinzialrö-
 1866 auch siegreich die erste große Seeschlacht mit ei-                                                                                                                                                                                                                                         des Reichsbundes der Deutschen Beamten in Innsbruck.                        mischen Sammlungen. Der V    ­ erein ­Ferdinandeum be-
 sernen Panzerschiffen gegen Italien (Lissa). Wissenschaft-                                                                                                                                                                                                                                      Sie wechselte 1945 in die Bibliothek des Ferdinande-                        kam mit der Archäologin Elisabeth W      ­ alde-Psenner
 liche Forschungs- und Entdeckungsfahrten führten die                                                                                                                                                                                                                                            ums, die sie ein Jahr später offiziell leitete. Erst 18 Jahre              2003 seine erste Vorsitzende, mit der Kulturmanage-
 Schiffe der österreichischen Marine um die Welt und auf                                                                                                                                                                                                                                         später durfte sie sich Kustodin nennen, drei Jahre vor                     rin und Historikerin Barbara Psenner 2016 die zweite.
 Polarexpeditionen (Entdeckung des Franz-Josef-Landes).                                                                                                                                                                                                                                          ihrer Pensionierung. Auch die Vor- und Frühgeschicht-                      Die Unternehmerin Elisabeth ­Gürtler-Mauthner ist seit
 Österreichische Erfinder wie Josef Ressel (Schiffs-                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        Mai 2019 die erste Aufsichtsratsvorsitzende der T ­ iroler
 schraube, 1827) und Ingenieur Robert Whitehead (erster                                                                                                                                                                                                                                        Olga Maurer (1907–1999), Leiterin der Bibliothek des Ferdinandeum von 1946   ­L andesmuseen-­Betriebsgesellschaft m.b.H. Eine Stelle
 selbstlaufender Torpedo in Fiume/Rijeka, 1866) prägten        Sport an Bord eines Schlachtschiffes der Tegetthoff-Klasse (modernste ö.-u. Schlachtschiffe). Foto: Kaiserjägermuseum                                                                                                           bis 1967. Foto: TLMF                                                          wurde noch nie von einer Frau besetzt: die Direktion.
Ferdinandea DIE ZEITUNG DES VEREINS TIROLER L ANDESMUSEUM FERDINANDEUM - ferdinandea Nr 51 Februar - April 2020
6 A u s dem Fer dina ndeum                                                                                                             f er dina nde a Nr 51                Febr uar – A pr il 2020                                                                                                                                                                                                                                                                                E r ö f f nungen            7

                                                                                                                                                                                                          A U S S T E L L UNG S - UND V E R A N S TA LT UNG S K A L E NDE R
                                                                                                                                                                                                          Februar bis April
         Matterhorn-Bärenspinner
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          ANDERSWO
                                                                                                                                                                                                          VEREIN                                                                                                                                                                                                                          ALBERTINA MODERN
                                                                                                                                                                                                                                                                                     NEUE SAMMLUNGSPRÄSENTATION                                                GESTERN – MORGEN. TIROL IM WANDEL                                          Wiens neues Museum für moderne Kunst
         Peter Huemer                                                                                                                                                                                     MITGLIEDERVERSAMMLUNG                                                      Niederländische Kunst: Gemälde und Grafik, Tirols                         Hofrat DI Otmar Kronsteiner und Mag. Jakob Egg                             Ab 13.3., täglich 10–18 Uhr
                                                                                                                                                                                                          Bibliothek des Ferdinandeums                                               Moderne und die aktuelle Artbox, Neupräsentation                          sprechen über „1809–2050. Von der Dorferneuerung                           www.albertina.at/albertina-modern
                                                                                                                                                                                                          Mo 17.2., 17 Uhr                                                           der „Münchner und Wiener Secession“                                       über den Autobahnbau bis zum Klimawandel“
         Der vollkommen geschützte Matterhorn-               Geschenk an das Ferdinandeum übergeben wurde. Karl                                                                                                                                                                      Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum                                         TIROL PANORAMA mit Kaiserjägermuseum                                       MUSEUM DER MODERNE SALZBURG
         Bärenspinner ist eine der interessantesten          Burmann war durch permanenten persönlichen Einsatz                                                                                           TIROLER LANDESMUSEEN                                                       Ab Do 23.1.                                                               Mi 19.2., 19 Uhr                                                           Bodies – Cities. Sammlungen und Exkurse
         Schmetterlingsarten der Alpen. Er konnte            entscheidend am Aufbau der Naturwissenschaftlichen                                                                                                                                                                                                                                                                                                                           noch bis 8.3.
         wahrscheinlich die letzte(n) Eiszeit(en) auf        Sammlungen des Tiroler Landesmuseums beteiligt, und                                                                                          WISSENSCHAFTLER*INNEN IM GESPRÄCH                                          GESPRÄCH MIT KUNSTIMPULSEN                                                THEMENFÜHRUNG                                                              www.museumdermoderne.at
         den unvergletscherten höchsten Gipfeln der          seine Leistungen wurden u. a. 1976 mit der Franz-von-                                                                                        Disziplinen der Universität Innsbruck werden                               „Fasnacht und Fastenzeit aus der Perspektive von                          „Irreale Ängste und reale Gefahren.
         Inneralpen überdauern und ist auch heute aus-       Wieser-Medaille des Ferdinandeums und 1988 mit dem                                                                                           gegenübergestellt: von Soziologie und Mikrobiologie                        Kunst und Religion", im Rahmen von „Heinrich Tilly.                       Ein etwas anderer Blick auf die Geschichte                                 KUNSTMUSEUM BASEL
         schließlich an derartige, unwirtliche Lebens-       Ehrendoktorat der Universität Innsbruck gewürdigt.                                                                                           bis zu Romanistik und Völkerrecht                                          Telfer Fasnachtskrippe“                                                   der Telekommunikation“                                                     Circular Flow. Zur Ökonomie der Ungleichheit
         räume gebunden. Karl Burmann (1908–1995)            Die Schmetterlingssammlung Karl Burmann umfasst                                                                                              Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum                                          Tiroler Volkskunstmuseum                                                  Museum im Zeughaus                                                         noch bis 3.5.
         hat sich dieser Art eingehend gewidmet und          rund 80.000 Exemplare. Sie ist eine einmalige Landes-                                                                                        Do 6.2. und 20.2., 18 Uhr, Eintritt frei                                   Di 18.2., 18.30 Uhr, Eintritt frei                                        Fr 27.3., 15 Uhr                                                           www.kunstmuseumbasel.ch
         aus Tirol eine eigene Rasse beschrieben. Die        dokumentation für Gesamttirol und stellt als Kernbe-
         abgebildeteten Typen bilden die Grundlage für       reich der weltberühmten Schmetterlingssammlungen
         diese Namensgebung.                                 des Ferdinandeums auch eine permanente Grundlage
         Die Erforschung der Schmetterlinge des Al-          für die Erforschung der Veränderungen im sensiblen al-
         penraumes ist untrennbar mit dem Namen Karl         pinen Naturraum dar.
         Burmann verknüpft. Der Naturliebhaber war
         ein herausragender Experte alpiner Falter und       Holoarctia cervini teriolensis – Typenexemplare aus der Schmetterlings­
         Autor von 174 wissenschaftlichen Publikati-         sammlung Dr. h. c. Karl Burmann (Innsbruck 1908–1995 Innsbruck), Samm-
         onen. Beeindruckend ist seine fast vollständige     lungskastenkompartiment mit Schmetterlingen, 11,5 x 9,5 cm. Foto: TLM/
         Sammlung alpiner Großschmetterlinge, die als        Andreas Eckelt

Wie machtvoll ist Vergessen?                                                                                                                                                                          Kurator Roland Sila (li.) bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Vergessen“ am 13.12.2019 im Ferdinandeum. Unter den Gästen (v.l.n.r.) Direktor Peter und Gertrud Assmann, Vizerektorin der Universität Innsbruck Ulrike Tanzer,
                                                                                                                                                                                                      TVBI-Obmann Karl Gostner, Aufsichtsratsvorsitzende Elisabeth Gürtler und Vorstandsvorsitzende des Vereins Barbara Psenner. Viele BesucherInnen nutzten die interaktiven Tools der Ausstellung (re.)
Sarah Caliciotti

                                                             Dieser Frage wird bei der gleichnamigen Podiumsdis-                       den? Mit jeder Entscheidung, etwas in den Mittelpunkt
                                                             kussion im Rahmen der Ausstellung „Vergessen. Frag-                       zu rücken, wird automatisch auch entschieden, etwas
                                                             mente der Erinnerung“ nachgegangen. Dabei soll die                        anderem diesen Raum nicht zu geben. Damit wird das
                                                             Doppelbedeutung ins Zentrum gerückt werden: Auf                           potenzielle Vergessen von letzterem in Kauf genommen
                                                             der einen Seite muss geklärt werden, welche Macht das                     und nicht nur maßgeblich mitbestimmt, worüber eine
                                                             Vergessen ausübt, was der Akt des Vergessens bewirken                     Gesellschaft spricht, sondern vor allem auch, wie sie
                                                             kann und ob es auch Bereiche gibt, in denen jenes als                     über Dinge denkt.
                                                             positiv, wenn nicht sogar als unabdingbar gesehen wer-                    Da auch in einem Gespräch über Macht ebenjene eine
                                                             den kann. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, was                große Rolle spielt, soll die Diskussion aus drei unter-
                                                             all dem zugrunde liegt: Wer hat die Macht, darüber zu                     schiedlichen Perspektiven erfolgen und damit mehrere
                                                             bestimmen, was in Vergessenheit gerät? Alles, woran                       Zugänge ermöglichen.
                                                             sich eine Gesellschaft erinnern kann, hängt ebenso vom                                                                                   Der Innsbrucker Künstler HNRX schafft aus der unschön besprühten Netzplane                           Künstlerin Carmen Brucic und Kuratorin Rosanna Dematté bei der Eröffnung von                              Direktor Peter Assmann bei seiner Antrittsrede, 4.11.2019
                                                             herrschenden Diskurs ab, wie das, was sie vergisst. Wer                                                                                  vor dem Ferdinandeum ein neues Kunstwerk, 14.11.2019                                                 „Carmen Brucic. In den leeren Spiegeln …“ im Volkskunstmuseum, 24.10.2019
                                                             bestimmt, welche Bücher in der Schule gelesen werden,
                                                             was in Ausstellungen und in Schauspielhäusern gezeigt                      Wie machtvoll ist Vergessen?
                                                             wird, kurz: Welche Themen in der Gesellschaft Platz fin-                   Podiumsdiskussion mit Moderator Benedikt Sauer                                                                                                                                                                              WERBEN ODER WERDEN SIE JETZT EIN MITGLIED
                                                                                                                                        Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
                                                             Sebastián de Covarrubias y Orozco, Emblemas morales, 1610, Bl. 115.        4. März, 19 Uhr, Eintritt frei
                                                             © ÖNB Wien: 74.G.106, Emblem 115
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      und GENIESSEN SIE folgende Vorteile:
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      • freien Eintritt in die Tiroler Landesmuseen
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Museum im Zeughaus,

Begehbare Gedanken aus der Moderne                                                                                                                                                                                                                                                                                      DAS TIROL PANORAMA mit Kaiserjägermuseum,
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        Tiroler Volkskunstmuseum und Hofkirche
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      • freien Eintritt in alle österreichischen Landesmuseen sowie
Florian Waldvogel                                                                                                                                                                                                                                                                                                       ermäßigten Eintritt in Partnermuseen
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      • Ermäßigungen bei Konzerten und Vereinsfahrten
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      • Rabatte auf TLM-Publikationen und -CDs im Museumsshop
Die Präsentation #1 widmet sich einer semantischen Ge-       der Moderne“ zwei Künstlern gewidmet, deren unterschied-                                                                                                                                                                                                 • kostenlose Zusendung der ferdinandea und von Einladungen zu
genüberstellung der Werke von Peter Kogler (*1959) und       liche Medien und künstlerische Ansätze miteinander kom-                                                                                                                                                                                                    Veranstaltungen und Eröffnungen
Oswald Oberhuber (*1931–2020 ). Peter Koglers Amei-          biniert, das Spannungsfeld von Formauflösung und Form-                                                                                                                                                                                                   • kostenlose Begutachtungen
sentapete „Documenta IX“ (1992) steht synonym sowohl         werdung aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      Mitgliedsbeitrag 2020:
für eine metaphernreiche Anspielung auf die musealischen     gleichzeitig die Komplexität kultureller Produktion abbildet
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         Einzelmitglieder: 35 Euro
Sammlungen des Ferdinandeums als auch für die zuneh-         und verdeutlicht.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         Studierende: 12 Euro
mende Komplexität unserer Lebensrealität. Dass so eine       Die Programmgestaltung der Ausstellungsreihe ist darauf
Sammlungsgeschichte nicht frei von Konfliktlinien und        ausgerichtet, Entwicklungen in der kulturellen Produktion                                                                                                                                                                                                   Familie/Lebensgemeinschaft: 55 Euro
Widersprüchen ist, davon zeugt die Arbeit „Röhrenpla-        und des kulturellen Austauschs quer durch alle Disziplinen                                                                                                                                                                                                  Gemeinde/Institution: 110 Euro
stik“ (1969–1971) von Oswald Oberhuber. Im Auftrag der       aufzunehmen, neue Ideen und Entwicklungen der Moder-
Tiroler Landesregierung schuf er für die Innsbrucker Uni-    nen Sammlung zu erkennen, Neuankäufe auszustellen und
versitätsklinik (Chirurgie) diese Skulptur, die 1971 ange-   Raum zu schaffen für die sich ständig ändernden Ideen der                                                                                Jahresabschluss mit den Mitgliedern, Ferdinandeum, 15.12.2019                                        Fotos: TLM, Wolfgang Lackner, Renate Telser
kauft wurde, aber bei der Bevölkerung auf breite Ableh-      künstlerischen Produktion.
nung stieß und deshalb wieder abgebaut werden musste.                                                                                                                                                 Impressum: Medieninhaber, Herausgeber, Verleger und Hersteller: Verein Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum: Museumstraße 15 · 6020 Innsbruck · verein@tiroler-landesmuseum.at · T +43 512 59 489-105; Redaktion: Barbara Psenner, Bernhard Platzer, Astrid Flögel, Josefine Justic, Maria Mayrl,
                                                                                                                                                                                                      Birgit Schönegger, Renate Telser. Die ferdinandea erscheint 4 x im Jahr; Vereinszweck: Förderung von Kunst, Kultur und Wissenschaft in Tirol; Blattlinie: Informationsorgan der Mitglieder.
Mit Peter Kogler und Oswald Oberhuber ist die erste Prä-     Artbox: Oswald Oberhuber, Röhrenplastik, 1969–1971 und Peter Kogler,                                                                     Organe: Vorstand (B. Psenner, B. Platzer, F. Pegger); Aufsichtsrat (J. Hörmann-Thurn und Taxis, V. Zingerle, S. Höller, L. Madersbacher); Grafik: büro54; Druck: Athesia-Tyrolia Druck · Namentlich gekennzeichnete Artikel geben die persönliche Meinung der AutorInnen wieder. Im Sinne der besseren
sentation der Ausstellungsreihe „Begehbare Gedanken aus      Documenta IX (Ameisentapete), 1992. Foto: Johannes Plattner                                                                              Lesbarkeit wird fallweise auf eine geschlechtergerechte Formulierung verzichtet. Alle Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung der AutorInnen.
Ferdinandea DIE ZEITUNG DES VEREINS TIROLER L ANDESMUSEUM FERDINANDEUM - ferdinandea Nr 51 Februar - April 2020
8   Ver a ns t a l t ungen                                                                                                            f er dina nde a Nr 51                      Febr uar – A pr il 2020                                                                                                                                                                                      W i s s en sc h a f t   9

        Der Mozart des 19. Jahrhunderts                                                                                                                                                                    Die Neubewertung einer Siegelkapsel aus dem Hause Sforza
        Klavierquartette von Felix Mendelssohn Bartholdy
                                                                                                                                                                                                           Forschung in der angewandten Kunst
        Franz Gratl
                                                                                                                                                                                                           Delia Scheffer
        „Er ist der Mozart des 19. Jahrhunderts, der         tige Hammerflügel von Conrad Graf aus dem Ferdinande-
        hellste Musiker, der die Widersprüche der Zeit       um, ein ideales Instrument für dieses Repertoire.                                                                                             Bis 5. Jänner 2020 befanden sich mehrere Objekte aus dem Ferdinandeum als Leihgaben im Metropolitan Museum of Art in New York, wo sie in der
        am klarsten durchschaut und zuerst versöhnt“, so     Ulli Engel (Violine)                                                                                                                          Ausstellung „The Last Knight“ gezeigt wurden. Im Zuge der Vorbereitungen zu dieser Ausstellung ergab sich die Möglichkeit, ein besonders interessantes
        urteilte Robert Schumann über Felix Mendels-         Firmian Lermer (Viola)                                                                                                                        Objekt nach vielen Jahrzehnten wieder genauer unter die Lupe zu nehmen. Die sogenannte „Siegelkapsel der Bianca Maria Sforza“ war zwar bereits
        sohn Bartholdy.                                      Kaspar Singer (Violoncello)                                                                                                                   1969 im Rahmen eines Aufsatzes von Franz-Heinz Hye untersucht worden, bei genauerer Betrachtung blieben jedoch damals einige Fragen offen, die eine
        Die Verbindung klassischer Formen mit ei-            Michael Schöch (Hammeflügel Conrad Graf)
        ner romantischen Tonsprache ist auch typisch
                                                                                                                                                                                                           ­erneute Untersuchung erforderlich machten.
        für Mendelssohns Klavierkammermusik. Nach
        den Cellosonaten und den Klaviertrios widmen          Der Mozart des 19. Jahrhunderts
        sich die MusikerInnen rund um den Tiroler             Klavierquartette von Felix Mendelssohn Bartholdy                                                                                             Siegelkapseln waren ab dem Spätmittelalter Metallgefäße,
        Cellisten Kaspar Singer nun den Klavierquar-          Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum                                                                                                            in die das Wachs für Siegel eingegossen wurde, die an of-
        tetten: Die Erkundungstour durch die Welt der         1. April, 19 Uhr                                                                                                                             fizielle Dokumente angehängt wurden. Durch die Metal-
        Mendelssohn’schen Kammermusik erhält durch                                                                                                                                                         lummantelung blieb das empfindliche Wachs vor Umwelt-
        die Verwendung von historischem Instrumenta-          Preis: 19 Euro, erm. 16 Euro, 10 Euro für SchülerInnen & StudentInnen                                                                        einflüssen geschützt. Diese Kapseln wurden in manchen
        rium einen besonderen klanglichen Reiz: Zum           bis 27 Jahre, Konzert im Abonnement erhältlich                                                                                               Fällen verziert, häufig mit Wappen und/oder den Initialen
        Einsatz kommt unter anderem der klangpräch-                                                                                   Hammerflügel von Conrad Graf, Wien, um 1835. Foto: TLM               des Siegelträgers.
                                                                                                                                                                                                           Die Innsbrucker Siegelkapsel, deren Wachssiegel heute
                                                                                                                                                                                                           verloren ist, wurde aus feuervergoldetem Kupfer gefertigt
                                                                                                                                                                                                           und mit ziselierten Motiven verziert. Sie stammt aus der

Drei Jahre Europa
                                                                                                                                                                                                           Zeit um 1500, trägt das Wappen des Hauses Sforza und
                                                                                                                                                                                                           die Initialen MA SF auf dem Deckel, auf der Unterseite
                                                                                                                                                                                                           das Bild einer fliegenden Taube und auf der Deckelinnen-
                                                                                                                                                                                                           seite die Darstellung von drei ineinander verschlungenen
Astrid Flögel                                                                                                                                                                                              Diamantringen. Das Wappen vorne ist zu beiden Seiten
                                                                                                                                                                                                           von drei brennenden Stangen mit daran hängenden Ei-
                                                                                                                                                                                                           mern flankiert und zeigt oben eine Herzogskrone mit zwei         Italien, wohl Lombardei, Siegelkapsel des Massimiliano Sforza, Herzog
                                                             Noch bis 1. März 2020 ist im Tiroler Landesmuseum Fer-                   Jahre Europa“. Moderiert von den WissenschaftlerInnen                Zweigen.                                                         von Mailand, um 1512–1515, Kupferlegierung, feuervergoldet
                                                             dinandeum die Ausstellung „Schönheit vor Weisheit. Das                   Univ. Prof. Dr. Erol Yildiz und PD Dr. Veronika Bernard              ­Franz-Heinz ­Hye interpretierte das Wappen als das
                                                             Wissen der Kunst. Die Kunst der Wissenschaft“, welche von                (beide Universität Innsbruck), sprechen und diskutieren               der ­Bianca ­Maria S  ­forza, der zweiten Ehefrau Kaiser        deten Motive stimmen mit der Innsbrucker Siegelkapsel
                                                             der Universität Innsbruck und den Tiroler Landesmuseen                   zunächst vier ExpertInnen anhand von Ausschnitten aus                 ­Maximilians, weil einige Bestandteile – wie die Stangen        überein. Eine weitere Kapsel für ­Massimiliano verwahrt
                                                             gemeinsam organisiert wurde, zu bestaunen. Im Rahmen                     dem gleichnamigen Dokumentarfilm zu Schlüsselaspekten                  mit den Kübeln – mit Elementen an ihrem Wappen am              das Mailänder Staatsarchiv. Diese ist in den Details der
                                                             dieser Schau spannen am 27. Februar 2020 drei weitere                    der Fluchtbewegungen der Jahre 2015 bis 2018 in Hinblick               Goldenen Dachl und am ehemaligen Innsbrucker Wap-              Innsbrucker noch verwandter. Auch die Buchstaben MA
                                                             Veranstaltungen den Bogen zwischen Wissenschaft, ge-                     auf jugendliche Geflüchtete. Traumatisierungen und ihre                penturm übereinstimmen. Dass die Initialen ihres ersten        und SF sind hier über den Ästen am Wappen eingefügt,
                                                             sellschaftlicher Praxis und Kunst – unter dem Titel „Drei                Folgen für Chancen und Herausforderungen in Ausbildung                 Vornamens, Bianca, nicht in die Kapsel geritzt waren, be-      allerdings steht hier unterhalb der Äste links noch DV und
                                                                                                                                      und auf dem Arbeitsmarkt stehen hierbei im Zentrum. Im                 achtete er nicht, obwohl unwahrscheinlich ist, dass sie aus-   rechts MLI. Die Beschriftung ist also zu lesen als MAs-
                                                                                                                                      Anschluss besteht die Möglichkeit zum Gespräch mit den                 gelassen worden wären. Um zu verstehen, wem die Kapsel         similiano ­SForza DVx ­MedioLanI (Massimiliano Sforza,
                                                              Panel „Drei Jahre Europa“                                               HerausgeberInnen (Veronika Bernard & Eugene Sensenig)                  tatsächlich gehörte, wurden daher alle Bildelemente noch       Herzog von Mailand).
                                                              Ein international besetztes Panel zu Schlüsselaspekten der              und AutorInnen des zweisprachigen Sammelbandes „Drei                   einmal genau betrachtet.                                       Weil die beiden mailändischen Stücke eindeutig
                                                              ­Fluchtbewegungen 2015–2018, mit anschließender Buchpräsentation        Jahre Europa“. Den Abschluss bildet die Kunst: Um 18 Uhr                                                                              Massimiliano Sforza gehörten, muss aufgrund ihrer
                                                                                                                                                                                                                                                                            ­
                                                               und Vorführung des Dokumentarfilms                                     laden die VeranstalterInnen zur Premiere des 90-minütigen            Repräsentation durch Symbolik                                    Übereinstimmung auch die Innsbrucker Kapsel diesem
                                                               Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum                                      Dokumentarfilms „Drei Jahre Europa“, der in Interview-               Das Wappen, ein viergeteilter Wappenschild mit dem Deut-         Herrscher zugeordnet werden. Die Zuweisung wird be-
                                                               27. Februar, 14–19.30 Uhr, Eintritt frei                               form einen Einblick in das Leben von vier jugendlich Ge-             schen Reichsadler und dem Biscione, einer gewundenen             stätigt durch die Initialen MA SF neben dem Wappen,
                                                                                                                                      flüchteten in Österreich in den Jahren 2015 bis 2018 gibt.           Schlange, übernahmen die Sforza 1450 nach ihrer Herr-            die viel eher auf Massimiliano als auf Bianca Maria ver-
                                                                                                                                                                                                           schaftsübernahme in Mailand von den Visconti. Die wei-           weisen. Da Massimiliano nur für den kurzen Zeitraum
                                                                                                                                                                                                           teren Attribute des Wappens, die brennenden Stangen mit          von 1512 bis 1515 tatsächlich in Mailand regierte und
                                                                                                                                                                                                           Kübeln und die Krone mit den Zweigen, sind sogenannte            sein Leben ansonsten im Exil fristete, sind alle drei Ob-

        Mitsinnen
                                                                                                                                                                                                           Impresen, ebenso wie die Motive auf der Innen- und Un-           jekte in diese Dreijahresspanne zu datieren.
                                                                                                                                                                                                           terseite. Impresen sind persönliche Devisen, die durch eine      Die Innsbrucker Siegelkapsel gehörte also nach neuestem                 Innenseite der Siegelkapsel des Massimiliano Sforza
                                                                                                                                                                                                           Verbindung von einer bildlichen Darstellung und (häufig)         Informationsstand nicht Bianca Maria Sforza, sondern
                                                                                                                                                                                                           einem Motto eine Eigenschaft oder die Einstellungen und          ihrem Cousin Massimiliano. Warum und wie sie in Ti-
        Für Menschen mit demenziellen Veränderungen                                                                                                                                                        Absichten ihres Trägers präsentierten. Das Haus Sforza           roler Besitz und letztendlich in die Bestände des Landes-
                                                                                                                                                                                                           machte intensiven Gebrauch von dieser Bildsymbolik. Die          museums gelangte, lässt sich heute nur vermuten, ebenso
        Angelika Schafferer                                                                                                                                                                                Mailänder Fürsten ließen ihre repräsentativen Bauten und         wie die Frage, an welchem Dokument sie ursprünglich
                                                                                                                                                                                                           Gegenstände mit einem umfassenden und immer wieder-              hing. Sie ist jedoch auch heute noch ein faszinierendes
                                                                                                                                                                                                           kehrenden Programm von Impresen schmücken, das ho-               Zeugnis für den intensiven Einsatz von Impresen durch
        2018 startete in den Tiroler Landesmuseen das        an ­Alltagsobjekten dient als haptische und emotionale                   ­ agestherapiezentren geworden. Im Rahmen der Aus-
                                                                                                                                      T                                                                    hen Wiedererkennungswert hatte. Die brennenden Kübel-            die Sforza.
        Pilotprojekt „Mitsinnen“ für Menschen, deren ko-     Brücke zu originalen Gemälden und Skulpturen, die zum                    stellung „Vergessen. Fragmente der Erinnerung“ werden                stangen mit den daran hängenden Wassereimern stehen
        gnitive Prozesse beeinträchtigt sind, deren emoti-   Austausch der unmittelbar am Werk gewonnenen Wahrneh-                    offene Workshops angeboten, die Menschen mit demen-                  beispielsweise als Allegorie für Krieg und Frieden oder          Die ungekürzte Fassung ist im Wissenschaftlichen Jahr-
        onale Wahrnehmungen aber erhalten bleiben.           mungen und Erinnerungen anregen. Die gewonnenen Ein-                     ziellen Veränderungen und ihre Angehörigen einladen,                 als Bild für Tugendhaftigkeit: Die Leidenschaft (das Feu-        buch der Tiroler Landesmuseen 2019 erschienen.
        Wie können Menschen mit demenziellen Verän-          drücke verarbeiten die TeilnehmerInnen im Atelier kreativ                das Ferdinandeum zu besuchen.                                        er) wird durch die Klugheit (das Wasser) gebändigt.
        derungen einen barrierefreien Zugang zur Kunst       in Eitempera, Legebildern oder Frottagen. Dabei entste-                                                                                       Der Verwendungszeitraum der einzelnen Impresen auf der
        erleben? Wie kann soziale und kulturelle Teilhabe    hen entsprechend den jeweiligen Möglichkeiten Werke,                                                                                          Siegelkapsel gibt leider keinen genauen Aufschluss darü-           Wolfgang Meighörner, Tiroler Landesmuseen-Betriebsg.m.b.H. (Hg.),
        für diese Zielgruppe im Museum gelingen?             die Erfolgserlebnisse schenken und das Selbstwertgefühl                    Workshop „Mitsinnen“                                               ber, welcher Person das Objekt zuzuordnen ist. Auch das            Wissenschaftliches Jahrbuch der Tiroler Landesmuseen 2019,
        Mit solchen Fragestellungen beschäftigte sich        stärken.                                                                   Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum                                  Bildprogramm als Ganzes lässt sich keiner einzelnen Per-           StudienVerlag Innsbruck, ISBN 978-3-7065-5087-1
        ein Forschungsprojekt des Lehmbruck Museums          Voraussetzung ist das unvoreingenommene Mitgehen mit                       22. Februar, 14–16 Uhr                                             sönlichkeit zuweisen. In zwei M
                                                                                                                                                                                                                                         ­ ailänder Sammlungen fan-           AutorInnen: Wolfgang Auer, Siegfried Erlebach, Raimund Franz,
        Duisburg. Dafür wurde die Kunstvermittlung           den Wahrnehmungen und Äußerungen der Menschen                              in der Ausstellung „Vergessen. Fragmente der Erinnerung“           den sich jedoch Siegelkapseln, die der Innsbrucker in ihrer        Uwe Gast, Hubert Held, Peter Huemer, Konrad Pagitz, Hansjörg
        für Menschen mit Demenz unter Berücksichti-          mit Demenz. Die innere Einstellung der Kulturvermitt­                      Keine Vorkenntnisse erforderlich                                   hochwertigen Ausführung und im Stil sehr ähnlich sind.             Rabanser, Petra Schattanek, Delia Scheffer, Herbert Seelaus und
        gung von didaktischen Methoden, besonderen           lerinnen, dass Menschen mit Demenz sich mitteilen wol-                     Max. 12 TeilnehmerInnen, kostenlos                                 Im Castello Sforzesco befindet sich eine Kapsel, die zwar          Benjamin Wiesmair
        Anforderungen in der Kommunikation, der Aus-         len und können, ist entscheidend.                                                                                                             keine Initialen eingraviert hat, aber durch das noch er-           Erhältlich: unter shop.tiroler-landesmuseen.at oder
        wahl der Werke und ihrer Präsentation unter-         „Mitsinnen“ ist dank der Kooperation mit VAGET –                           Anmeldung unter:                                                   haltene Wachssiegel als zu Massimiliano Sforza gehörig             in Shops der Tiroler Landesmuseen
        sucht. Basierend auf diesen Erkenntnissen ent-       ­Verbund außerstationärer gerontopsychiatrischer Ein-                      info@tiroler-landesmuseen.at oder 0512 59 489-111                  identifiziert werden kann. Massimiliano war ­Bianca ­Maria         Preis: 34,90 Euro
        stand das Konzept für „Mitsinnen“: Ein Fundus         richtungen Tirols – ein fixes Angebot für Menschen aus                                                                                       ­Sforzas Cousin. Die präzise Ausführung und die verwen-                                                                                  Rückseite der Siegelkapsel des Massimiliano Sforza. Fotos: TLM
Ferdinandea DIE ZEITUNG DES VEREINS TIROLER L ANDESMUSEUM FERDINANDEUM - ferdinandea Nr 51 Februar - April 2020
10    S pe z ia l s a mml ungen                                                                                                               f er dina nde a Nr 51                        Febr uar – A pr il 2020                                                                                                                                                                                      Mu s eum s w er k s t ä t t en     11

Historische Fotografien bewahren                                                                                                                                                                                             Das neue Logo der Tiroler Landesmuseen
Martin Kofler und Notburga Siller                                                                                                                                                                                            Michael Zechmann

Wie gehe ich mit meinem eigenen Fotoarchiv sorgsam um? Wer hat Rechte an (historischen) Fotografien inne? Wie bewahre ich Fotooriginale                                                                                      Die Tiroler Landesmuseen haben seit Anfang November 2019 nicht nur einen neuen Geschäftsführer, sondern nach 13 Jahren auch ein neues
richtig auf, wie digitalisiere und speichere ich für die Zukunft? Die Ergebnisse des Interreg-Projekts „Lichtbild. Kulturschatz Historische                                                                                  Logo. Ein Logo ist das wichtigste grafische Element, das ein Unternehmen nach außen hin repräsentiert. Es ist maßgeblich verantwortlich für
Photographie“ bieten Hilfe und Anleitungen. Mehr dazu unter www.lichtbild-argentovivo.eu.                                                                                                                                    die Markenrezeption. Aber auch nach innen hat es starke Kraft, denn es ist ein Identifizierungsmerkmal der MitarbeiterInnen. Somit ist das
                                                                                                                                                                                                                             Logo eines der wichtigsten Elemente des Corporate Designs. Seine Entwicklung ist jedoch komplexer, als man sich das vorstellt.

                                                                                                                                                                                                                             Logoentwerfen – eine schöne Sache                                       a­ bgeschlossen ist und man das Logo stolz präsentiert,          Siegerdesign der Tiroler Agentur stuffmakers.s­
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    t udio
                                                                                                                                                                                                                             Ein Logo zu entwerfen, ist für DesignerInnen eine schöne                 wird es aber immer Unkenrufe geben. Man findet immer            gekürt. Dieses wurde anschließend entsprechend der
                                                                                                                                                                                                                             Sache. Man kann der eigenen Kreativität freien Lauf und                  Menschen, denen das Logo gar nicht gefällt oder denen           Vorstellungen des Direktors verfeinert.
                                                                                                                                                                                                                             verschiedene zuerst erhobene Parameter in die Gestal-                    das alte Logo viel besser gefallen hat. Kritik wird man,
                                                                                                                                                                                                                             tung einfließen lassen. Vor allem im ersten Kreativpro-                  vor allem bei Logodesign, immer öfter hören als Lob. Ein        Ein M für Museum und mehr
                                                                                                                                                                                                                             zess gibt es keine Tabus. Alles ist möglich. Die Designe-                Logo zu entwerfen, das allen gefällt, ist nicht möglich.        Das neue Logo ähnelt einem Qualitätssiegel. Die Idee
                                                                                                                                                                                                                             rInnen können das Logo als erlebbares Element in allen                                                                                   des „M“ für Museum, wie sie auch im alten Logo vor-
                                                                                                                                                                                                                             Varianten und Anwendungsmöglichkeiten denken und so                                                                                      handen war, wurde beibehalten, jedoch vollkommen
                                                                                                                                                                                                                             maßgeblich zum Markenbildungsprozess beitragen.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                      „Das Logo ist nicht nur prägnant                                neu interpretiert und erlebbar gemacht. Durch die Aus-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      führung des Logos als Handletter wird zunächst das
                                                                                                                                                                                                                             Logoentwerfen – eine schwierige Sache                                                                                                    (Kunst-)Handwerk und Kunstschaffen, um welches es
                                                                                                                                                                                                                             Ein Logo zu entwerfen, ist eine schwierige Sache.                        in seiner Erscheinungsform, es                                  in den einzelnen Museen und Sammlungen geht, di-
                                                                                                                                                                                                                             Es ist die Königsdisziplin der Grafik, hunderte Para-                                                                                    rekt im Logo zum Ausdruck gebracht. Die Form des

Interreg-Arbeitsgruppensitzung in Innsbruck – das Team Lichtbild zu Besuch beim Projektpartner Tiroler Landesmuseen, 9. Mai 2017. Foto: TLM
                                                                                                                                                                                                                             meter gibt es zu bedenken. Es geht nicht nur darum,
                                                                                                                                                                                                                             dass ein Logo „cool“ oder „modern“ aussieht, es muss
                                                                                                                                                                                                                                                                                                      versteht sich auch als ein Qua-                                 Letters spielt auch auf den alpin-urbanen Standort
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      I nnsbruck an: bergig, schroff, kantig und dennoch
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      ­

„Lichtbild“ ist ein gemeinsames Projekt zur historischen                     lich der Auswahl des Standorts, der Ausstattung und
                                                                                                                                                                                                                             zeitgleich zeitlos sein, keiner Modeströmung unter-
                                                                                                                                                                                                                             liegen. Es muss großflächig funktionieren, aber auch
                                                                                                                                                                                                                                                                                                      litätssiegel unserer vielfältigen                               imposant, modern und gleichzeitig traditionell. Zu-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      dem durchbricht das „M“ den Kreis, wirkt dadurch
Fotografie von Partnern in Tirol und Südtirol mit Lauf-
zeit von Jänner 2017 bis Dezember 2019. Es kooperierten
                                                                             der ­Betreuung vor Ort in der Maria-Theresien-Straße
                                                                             (Platz da! Scesi in Piazza) bzw. im Zeughaus (Frauen-
                                                                                                                                                                                                                             in kleinen Größen lesbar bleiben. Es muss – zum Bei-
                                                                                                                                                                                                                             spiel auf einem Stempel – einfarbig funktionieren,
                                                                                                                                                                                                                                                                                                              musealen Arbeit.“                                       wie herausgestanzt aus dem Siegel und bietet damit
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      im übertragenen Sinn eine Einsicht in das Museum –
der Verein Tiroler Archiv für photographische Doku-                          bilder/Signora Fotograf(i)a). Roland Sila arbeitete auch                                                                                        aber auch bei bunten Sujets markant bleiben. Ein Logo                                                           Direktor Peter Assmann   quasi ein erstes „Fenster“ mit Einblick in die Samm-
mentation und Kunst (TAP) in Lienz, die Stadtgemeinde                        bei der mobilen Anwendung für Smartphones „Timetrip                                                                                             muss bei verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten                                                                                           lungen. Durch diese Transparenz wird aber auch die
­Bruneck, das Amt für Film und Medien/Abteilung Deut-                        Pics“ mit: Der Wandel zentraler Orte in Bozen, Brun-                                                                                            unverkennbar bleiben. Es muss einen hohen Wieder-                       Die politische Seite                                             generelle Transparenz eines modernen Museums und
 sche Kultur und die Abteilung Museen der Autonomen                          eck, L
                                                                                  ­ ienz und Innsbruck lässt sich wie im Daumenkino                                                                                          erkennungswert haben, BetrachterInnen müssen das                        Wenn eine Institution wie die Tiroler Landesmuseen               die Öffnung der Landesmuseen zu einem Museum
 Provinz Bozen – ­Südtirol mit den assoziierten Partnern                     oder mit in aktuelle Panoramaaufnahmen eingebauten                                                                                              Logo mit dem Unternehmen intuitiv in Verbindung                         ein Logo-Redesign vornimmt, sind einige politisch re-            für alle verdeutlicht. Das Logo funktioniert auch,
 Tiroler Landesmuseen und Tiroler Bildungsforum in                           historischen Aufnahmen visuell nachvollziehen.                                                                                                  bringen. Doch ein modernes Logo muss mehr können.                       levante Dinge zu beachten. Immerhin geht es um Steu-             wenn man nur das Signet verwendet. Es kann zum
 Innsbruck, Südtiroler Landesarchiv in Bozen sowie die                                                                                                                                                                       In den sozialen Medien muss seine Präsenz funktionie-                   ergeld. Aus diesem Grund wurde im Designprozess des              Beispiel als Profilbild in sozialen Medien oder als
 Europaregion ­Tirol-Südtirol-Trentino. Gefördert durch                      Das richtige Bewahren                                                                                                                           ren, es muss „responsive“ sein und in kleinsten Dateigrö-               neuen TLM-Logos strikt auf eine wirtschaftsethische              Ansteck-Pin für MitarbeiterInnen verwendet werden,
 den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung                            Für die Vermittlung von Kompetenzen im Umgang mit                                                                                               ßen vorliegen können, um Traffic im hausinternen Netz                   und ressourcenschonende Vorgehensweise wert gelegt.              ohne an Kraft und Wiedererkennungswert einbüßen zu
 und Interreg V-A Italien-Österreich 2014–2020 wurde                         (historischen) Fotografien hat das Projekt vor allem für                                                                                        zu sparen. Dies sind einige Beispiele, die es zu bedenken               So wurden mehrere Tiroler und norditalienische Fir-              müssen.
 die Mission „Kompetent im Umgang, offen im Zugang.                          die Zielgruppe der Ehrenamtlichen und Interessierten                                                                                            gibt. Beim Logodesign muss man an extrem viele Para-                    men ausgesucht und angeschrieben. Vier davon beka-
 Photography goes Future“ in die Tat umgesetzt. Die Be-                      Weiterbildungsangebote ausgearbeitet. Die Basis bilden                                                                                          meter denken und darf sich dennoch nicht in der Kreati-                 men den Auftrag, einen konkreten Vorschlag für ein               Logos müssen heutzutage außerdem auch erlebbar sein.
 schäftigung mit Fotografie war sehr vielfältig.                             fünf Workshops mit Fachleuten aus Österreich, Italien,                                                                                          vität einschränken lassen.                                              potentielles TLM-Logo in einem Kreativprozess zu er-             Daher war es ein Anliegen, das neue Logo vielfältig,
                                                                             ­D eutschland und der Schweiz zu den Themen „Geschich-                                                                                                                                                                  arbeiten. Hierfür wurde ein Abschlagshonorar bezahlt,            auch im urbanen Raum, einsetzen zu können. Ob als
Präsentieren: Ausstellungen & App                                             te der Fotografie in Tirol und Südtirol“, „Fotorecht und                                                                                       Logoentwerfen – eine unmögliche Sache                                   da Kreativleistungen keine Gratisleistungen sind. Die            Gravur, Schlüsselanhänger, Schnitzerei oder aus dem
 Historische Lichtbilder wurden in unterschiedlichen                          Creative Commons“, „Fotos richtig aufbewahren und                                                                                              Ein Logo zu entwerfen, ist eine unmögliche Sache. Die                   eingegangenen Entwürfe wurden, um eine Einfluss-                 3D-Drucker bis hin zu einer Art Sitzmöbel direkt vor
 Medien gezeigt: Das Projekt präsentierte zwei vir-                           ordnen“, „Fotos digitalisieren und bearbeiten“ sowie            Einblick in die App „Timetrip Pics“, hier Innsbruck, Maria-Theresien-Straße.   AuftraggeberInnen wollen, dass das Logo ihnen selbst                    nahme auszuschließen, anonymisiert und dann einem                dem Ferdinandeum. Das „M“ bietet eine haptische Er-
 tuelle Ausstellungen, d. h. online, und zwei Ausstel-                        „Fotografie und digitale Langzeitarchivierung“. Auch            Screenshot: Bruno Mandolesi                                                    gefällt, aber zeitgleich auch allen KundInnen gefällt.                  internen Gremium unter Leitung von Direktor ­Peter               lebbarkeit des Logos und damit eine soziale Bindung
 lungen im realen Raum. Auf der Plattform Lichtbild                           hier brachten sich Claudia Sporer-Heis und Roland Sila                                                                                         Die Schwierigkeit ist, ein Logo so zu gestalten, dass es                ­A ssmann vorgelegt. Aus den insgesamt 30 Entwürfen              der Museumsgäste und MitarbeiterInnen zu den Lan-
 w ww.lichtbild-argentovivo.eu sind Einblicke in die
 ­                                                                            als Vortragende bzw. bei einer Schau von historischen                                                                                          die Hauptzielgruppe anspricht. Wenn der Designprozess                    wurde mittels Diskussion und Ausschlussverfahren das            desmuseen.
 visuelle Geschichte der Familie Kneußl in Tirol-Süd-                         Originalen ein. Diese Veranstaltungen waren kostenlos
 tirol-Trentino 1887–1964 sowie eine Ausstellung mit                          und für alle offen, sie wurden simultan ins ­D eutsche
 Schlaglichtern auf den Wintersport in der Region im                          bzw. Italienische übersetzt; knapp 600 Interessierte
 20. Jahrhundert zu sehen. Im Herbst 2018 präsentierte                        nahmen teil. Darauf aufbauend entstanden fünf praxis-
 das Team „Platz da! Scesi in Piazza“, eine Ausstellung                       nahe schriftliche Handreichungen für den Umgang mit
 in vier Kapiteln, gleichzeitig in Lienz, Bruneck, Inns-                      historischer Fotografie – in den drei Sprachen Deutsch,
 bruck und Bozen, und zwar im Freien, im öffentlichen                         ­Italienisch und Englisch zum kostenlosen Download. In
 Raum und 24 Stunden am Tag zugänglich. Anhand hi-                             einem E-Learning-Kurs werden die Inhalte didaktisch
 storischer Aufnahmen zeigte das Projektteam, welche                           und interaktiv aufbereitet vermittelt, ExpertInnen neh-
 Gruppen und Institutionen, Machthaber und Einzel-                             men in Videos Stellung. Der Kurs wird in deutscher und
 kämpfer wichtige Plätze der Städte im Laufe der Zeit                          in italienischer Sprache angeboten.
 für sich eingenommen haben. „Frauenbilder/Signora
 Fotograf(i)a“ wiederum, eine Ausstellung im Frühsom-                        Umfangreiche, frei zugängliche Foto-Datenbank
mer 2019, setzte sich mit der Rolle der Fotografie als                       Neben der offenen Zugänglichkeit der Handreichungen,
Zeugin des Wandels am Beispiel der Frauen vor und                            des Online-Kurses sowie der Ausstellungen steht un-
hinter der Kamera auseinander: Die fünf Themen „Lauf                         ter dem Motto „Offen im Zugang“ außerdem eine Da-
des Lebens“, „Arbeit“, „Atelier“, „Fotografinnen“ und                        tenbank mit 12.000 neu erschlossenen historischen
„Freizeit“ wurden in Lienz, Bruneck, Bozen, Innsbruck                        Fotografien aus den Archiven der Projektpartner­ zur
und Trient, das als Partner gewonnen werden konnte,                          Verfügung: Die Bilder werden in Druckqualität zum
behandelt. Die begleitende gleichnamige Publikation                          kostenlosen Download angeboten – ohne Registrierung
wurde von Katia Malatesta (Denkmalamt der Auto-                              und auch für die kommerzielle Nutzung, unter CC-BY-
nomen Provinz Trient) und Martin Kofler (TAP) he-                            Lizenz, das heißt, einzig unter Nennung des jeweiligen
rausgegeben.                                                                 Archivs sowie der FotografInnen. Damit betreten wir
Bei diesen beiden Ausstellungen haben sich Roland                            Neuland für das Projektgebiet Tirol–­Südtirol! Die ge-           Studioaufnahme. Porträt von Herrn Friedrich Held sen. (geb. 1876 in
Sila und Claudia Sporer-Heis, Kustoden der Tiroler                           samte Datenbank ist ebenfalls als Open Data zugäng-              Bozen, gest. 1963 in Innsbruck, dort als Kaufmann tätig) auf einem Rad.
­L andesmuseen, intensiv eingebracht – sowohl bei der                        lich; auch an einem Hackathon, einem Programmier-                An der Seite ist ein Mitarbeiter des Fotostudios zu sehen, der den Rad-                                                                                                                                                 Das Logo der TLM in einer Visualisierung als erlebbares Stadtmöbel.
 Diskussion der Ausstellungskonzepte, der Recherche                          marathon, hat das Projektteam mit seinen historischen            fahrer mit Drähten stabilisiert. Bozen, 1896. Foto: Hermann Waldmüller,        Das neue Logo und seine „responsive“ Form, also eine für z. B. mobile                                                                    Bild: Alexander Haiden, verändert von stuffmakers.studio, Staffagen von
 in ihren Archiven, der Fotoauswahl als auch hinsicht-                       Bilddatensätzen teilgenommen.                                    Bestand Fotostudio Waldmüller, Amt für Film und Medien, Bozen, CC BY 4.0       Anwendungen optimierte Version                                          Das neue Logo wurde auch für soziale Medien optimiert            skalgubbar.se
Ferdinandea DIE ZEITUNG DES VEREINS TIROLER L ANDESMUSEUM FERDINANDEUM - ferdinandea Nr 51 Februar - April 2020 Ferdinandea DIE ZEITUNG DES VEREINS TIROLER L ANDESMUSEUM FERDINANDEUM - ferdinandea Nr 51 Februar - April 2020 Ferdinandea DIE ZEITUNG DES VEREINS TIROLER L ANDESMUSEUM FERDINANDEUM - ferdinandea Nr 51 Februar - April 2020 Ferdinandea DIE ZEITUNG DES VEREINS TIROLER L ANDESMUSEUM FERDINANDEUM - ferdinandea Nr 51 Februar - April 2020
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