Ein starkes Team - IHK München
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Wie
01/2019 Mitarb
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digita u nd
les W
ausba issen
Ein starkes Team
uen
Finanzierung Bergader Privatkäserei Brückenteilzeit
Big Data & Co. – die Digitalisierung Erfolgreich mit Automatisierung und Was Arbeitgeber
ermöglicht neue Angebote kluger Markenstrategie wissen solltenEDITORIAL
Der gefährdete
Kontinent
»Staaten haben keine Freunde, Staaten haben Interessen«, so der französische Staatsmann
Charles de Gaulle. Im schlimmsten Fall prallen die Interessen der Nationalstaaten ungebremst
aufeinander. Im besten Fall einigen sie sich auf einen Kompromiss. Der schlimmste Fall galt 2000
Jahre lang: Europa war bis 1945 ein Kontinent der Kriege. Der beste Fall folgte dann: die europä-
ische Integration.
Die Nationalstaaten gaben Europa mehr Verantwortung. Dafür bekamen sie Frieden und Wohl-
stand. Bei aller (berechtigten) Kritik an Überregulierung und Bürokratie: Unter dem Strich liefer-
te die europäische Zusammenarbeit bemerkenswerte Ergebnisse. Zollunion und Binnenmarkt
räumten Hürden für die Wirtschaft aus dem Weg, sie eröffneten auch kleinen und mittleren Betrie-
ben enorme unternehmerische Chancen.
Der EU-Binnenmarkt hat eine herausragend hohe Bedeutung für die bayerische Wirtschaft. Dies
offenbart schon allein der Blick auf die Handelsstatistik: 2017 gingen 56 Prozent aller bayerischen
Ausfuhren in die Mitgliedsstaaten der EU. Gleichzeitig hat Bayern 62 Prozent seiner Importe aus
EU-Ländern bezogen. Der Wohlstand und die soziale Sicherheit in Bayern wären heute ohne die
Europäische Union nicht denkbar.
2019 ist ein schicksalhaftes Jahr für Europa:
Am 29. März wollen die Briten die Europäische Union verlassen. Solange es nicht unmöglich
ist, hofft die Wirtschaft, dass die Bevölkerung ein zweites Mal abstimmen darf – und sich für einen
Verbleib in der EU entscheidet.
Am 26. Mai wählen wir Europäer ein neues Parlament. Auch hier lautet die Lehre: Hüten wir uns
vor den Vereinfachern und Spaltern! Legen wir die Zukunft in die Hände jener, die sich verantwor-
tungsbewusst für die Interessen der Menschen in Europa einsetzen.
Die IHK-Vollversammlung hat für die Europawahl 2019 zehn Posi-
tionen verabschiedet, die Sie auf unserer Homepage finden. Diese
Positionen weisen den Weg für ein zukunfts- und wettbewerbsfähi-
ges Europa: für ein Miteinander in Vielfalt statt eines normierten,
überbürokratisierten Einheitskontinents.
Am Ende gilt für die europäische Integration trotz aller Fehler und
Irrtümer wohl das, was der britische Premier Winston Churchill einst
über die Demokratie sagte: »Es ist kein besonders gutes System –
aber es ist das beste, das wir haben.«
Unter unserem Motto »Gemeinsam unternehmen wir Verantwor-
tung« wünsche ich Ihnen ein kraftvolles und erfolgreiches Jahr 2019.
Ihr Manfred Gößl
Foto: IHK
Dr. Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer
der IHK für München und Oberbayern
PS: Nicht nur das Europaparlament ist bald neu. Auch ich bin neu an dieser Stelle:
als Nachfolger des Hauptgeschäftsführers Peter Driessen, der zum Jahreswechsel
in den Ruhestand gegangen ist – und dem wir alle für mehr als zehn Jahre heraus-
ragender Arbeit danken.
3I N H A LT
TITELTHEMA
EIN STARKES TEAM NAMEN + NACHRICHTEN
6 DSGVO-BILANZ
Fachkräfte sind knapp, viele Unternehmen können freie Stellen nur Betriebe immer noch verunsichert
schwer oder gar nicht besetzen. Umso wichtiger ist es, das Potenzial
der vorhandenen Mitarbeiter noch besser auszuschöpfen. UNTERNEHMERPROFIL
10 CHRISTIAN UND MICHAEL AMBERGER
Die Allguth-Chefs betreten gern Neuland
Foto: Robert Kneschke_Fotolia.com
TITELTHEMA
12 FACHKRÄFTE
Immer knapper, immer älter
16 WISSEN
12
Wie Unternehmen die digitalen Kompetenzen
ihrer Mitarbeiter weiterentwickeln
18 ZUSAMMENARBEIT
Altersgemischte Teams sind besonders
produktiv – wenn Firmen sie unterstützen
20 BEWERBER
Bei Stellenanzeigen zählt jedes Detail
UNTERNEHMEN
STANDORTPOLITIK
DIE KÄSEFABRIK 22 175 JAHRE IHK
IHK Talk auf der Zugspitze zur Nachhaltigkeit
Die Bergader Privatkäserei gilt als deutsche Nummer eins für 26 MOBILITÄT
Blauschimmelkäse. Gründerenkelin Beatrice Kress führt das 1902 Was kann München von anderen Metropolen
gestartete und inzwischen hoch automatisierte Unternehmen. lernen? Teil 3: Barcelona
28 AUS DER REGION
Unternehmer im Landkreis München schaffen
eigene Ladepunkte für E-Fahrzeuge
30 PRO & CONTRA
Foto: Thorsten Jochim
42
Den Fuhrpark auf E-Fahrzeuge umrüsten?
32 AUSBILDUNG
Auszeichnung für die besten Azubis
35 IHK-AUSSCHÜSSE
Breitband und Mobilfunk/Integration
36 NACHHALTIGKEITSZIELE
BETRIEB + PRAXIS 17 Wegweiser für Unternehmen
KREDIT FLEXIBEL 38 ABSCHIED
Feier für Hauptgeschäftsführer Peter Driessen
41 VOLLVERSAMMLUNG
Ob Kredittilgung nach Auslastung oder Handel über die Blockchain – Plenum beschließt europapolitische Positionen
die Bankbranche setzt auf neue Finanzdienstleistungen. Einige
Mittelständler testen die innovativen Angebote bereits. UNTERNEHMEN + MÄRKTE
42 BERGADER PRIVATKÄSEREI
Von der Manufaktur zur Käsefabrik
45
Supphakank_Fotolia.com
SILICON VALLEY
50
Unternehmer Thomas Dittler über das
Foto: Phongphan
Erfolgskonzept Silicon Valley
48 INNOVATIONSPREIS
Die vier Gewinner aus Oberbayern
4 Wirtschaft – Das IHK-Magazin für München und Oberbayern – 01/2019BETRIEB + PRAXIS RUBRIKEN
50 FINANZIERUNG 3 EDITORIAL
Die Digitalisierung ermöglicht neue Angebote 66 VERÖFFENTLICHUNGEN + BEKANNTMACHUNGEN
53 IHK AKTUELL –Neufassung des Gebührentarifs der IHK
Münchner Agenturgipfel/Blockchain (Anlage zur Gebührenordnung)
54 BRÜCKENTEILZEIT –Prüfungsordnung für die Durchführung von
Das neue Gesetz im Überblick Fortbildungsprüfungen der IHK
56 MARKTPLATZ GUTE GESCHÄFTE
–IHK-Wirtschaftssatzung für den Nachtrag zum
Wirtschaftsplan für das Geschäftsjahr 2018
Firmen treffen gemeinnützige Organisationen
–IHK-Wirtschaftssatzung für das Geschäfts-
58 IMMOBILIENMAKLER UND -VERWALTER
jahr 2019
Pflicht zur Weiterbildung
80 EHRUNGEN/FIRMENINDEX
82 KARIKATUR/IMPRESSUM
EVENTS
60 BAYERISCHE BEGEGNUNGEN Beilagenhinweis: Aigner Immobilien (Teilbeilage);
IHK jobfit!, Gründermesse IHK EXISTENZ und a.b.s. Rechenzentrum
IHK Konferenz Luftverkehr
fb.com/ihk.muenchen.oberbayern
DA SCHAU HER @IHK_MUC
64 JOSEPH FRAUNHOFER Das IHK-Magazin gibt es auch online:
Sein Name steht bis heute für Innovation www.ihk-muenchen.de/ihk-magazin
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PARTNERNAM EN UND NACHRIC HTEN
KURZ & KNAPP
Öffentliche Bestellung und Vereidigung
Tourismus
Sachverstand für die Wirtschaft Mehr Übernachtungen
IHK-Syndika und Bereichsleiterin Recht, Beate C. Ortlepp, hat acht neue Im Oktober 2018 gab es in den Beherbergungs-
Sachverständige in der IHK für München und Oberbayern öffentlich bestellt betrieben in Deutschland 43,6 Millionen Über-
und vereidigt. Sie decken unter anderem die Themen »Bewertung von be- nachtungen in- und ausländischer Gäste, so das
bauten und unbebauten Grundstücken«, »Garten- und Landschaftsbau, Her- Statistische Bundesamt. Das war ein Plus von
stellung und Unterhaltung« sowie »Kraftfahrzeugschäden« ab. Die Sachver- vier Prozent gegenüber Oktober 2017.
ständigen haben nicht nur die persönliche Eignung, sondern vor allem auch Die Übernachtungszahl von Besuchern aus
die besondere Sachkunde nachgewiesen. dem Ausland stieg um sechs Prozent auf 7,5
Alle von den Industrie- und Handelskammern in Bayern öffentlich bestellten Millionen. Die Zahl der Übernachtungen von
und vereidigten Sachverständigen sind in einer bundesweiten und laufend Gästen aus dem Inland erhöhte sich um drei
aktualisierten Datenbank im Internet veröffentlicht unter: www.svv.ihk.de Prozent auf 36,1 Millionen.
Sie möchten Sachverständiger werden? Informationen zum Sachverständi- www.destatis.de
genwesen gibt es bei der IHK unter:
www.ihk-muenchen.de/sachverstaendige
Deutsches Patent- und Markenamt
Elektronische
Rechnungsabwicklung
Foto: Andrea Schneider-Leichsenring
Als erste Bundesbehörde hat das Deutsche
Patent- und Markenamt (DPMA) den Pilot-
betrieb für die elektronische Rechnungs-
abwicklung gestartet. Nach Abschluss des
Frisch vereidigt – acht neue Sachverständige Tests wird das DPMA in einigen Monaten
in der IHK für München und Oberbayern alle Rechnungen vollständig medienbruchfrei
bearbeiten. Jährlich erhält das DPMA mehr
als 8 000 Rechnungen über insgesamt rund
50 Millionen Euro für eingekaufte Produkte
und als Auftraggeber von Dienstleistungen.
DSGVO www.dpma.de
Betriebe immer noch verunsichert
Sechs Monate nach Inkrafttreten der EU-Daten-
schutz-Grundverordnung (DSGVO) hat die IHK für Finanzierung
München und Oberbayern Bilanz gezogen. Ergebnis: Neuer Mezzanine-
Viele Betriebe sind trotz redlicher Bemühungen im-
mer noch unsicher, ob sie die DSGVO richtig umset-
Fonds
zen. Die EU-Verordnung habe der Wirtschaft zudem Mit der Unternehmensfinanzierung Mezzanine
können Firmen ihre Eigenkapitalbasis verbes-
viele neue bürokratische Informations-, Berichts- und
sern, ohne Gesellschaftsanteile abgeben zu
Dokumentationspflichten aufgebürdet, so die IHK. müssen. Die Münchner Bayern Mezzanine
Sie will bei der EU praxisnahe Nachbesserungen vor hat 2018 einen neuen Mezzanine-Fonds mit
einem Volumen von 60 Millionen Euro
allem für kleine und mittlere Firmen durchsetzen, wie
gestartet. Er richtet sich an mittelständische
etwa die Lockerung der Bestellpflicht für betriebliche Unternehmen, die für besondere Situationen
Datenschutzbeauftragte. Diese sollte erst für Betrie- wie etwa Gesellschafterwechsel, interne und
externe Unternehmensnachfolge oder
be gelten, in denen mehr als 20 Personen IT-gestützt
Wachstumsinvestitionen Kapital benötigen.
personenbezogene Daten verarbeiten. Zudem will www.bayern-mezzanine.de
die IHK mehr Schutz vor Abmahnmissbrauch.
6PERSONALIA
Foto: IHK
BayBG
Karl Christian Vogel
ist Geschäftsführer
Zum 15. November 2018 hat Karl
Christian Vogel (54) die Positi-
on des Geschäftsführers
der BayBG Bayerischen
Beteiligungsgesell-
schaft mbH, München, Die Teilnehmer der
übernommen. Damit Schienenkonferenz
ist das zweiköpfige konnten direkt erleben,
wie bei Binderholz der
Führungsgremium wie-
Transport am Gleis
der vollständig. Bereits abläuft
seit 1. Oktober fungiert
Peter Pauli als Sprecher der
Geschäftsführung. www.baybg.de IHK Konferenz Schienenverkehr
Aufs Gleis gesetzt
Die Bundesregierung will pro Jahr mehr als sieben Milliarden Euro
ProGlove
zusätzlich in die Verkehrsinfrastruktur investieren. Der Masterplan
Andreas König Schienengüterverkehr und das Gleisanschlussförderprogramm
neuer CEO
sollen den Bahngüterverkehr beleben. Die geplanten Maßnahmen
reichen von E-Mobilität über Digitalisierung und Weiterbildung bis
hin zur Entscheidung, den Trassenpreis für den Güterverkehr fast
ProGlove stellt sich neu auf: zu halbieren. IHK-Bahnspezialist Gerhard Wieland sieht im Master-
Andreas König (53, r.) wird plan den richtigen Ansatz: »Er enthält Punkte und Maßnahmen, die
zukünftig als CEO an der wir seit Jahren fordern.«
Spitze des Münchner Auf der IHK Konferenz Schienenverkehr »Weichen stellen zur Verla-
Start-ups stehen. Er gerung des Güterverkehrs« diskutierten zwölf Referenten aus Po-
folgt auf ProGlove-Mit- litik, Verwaltung und Wissenschaft über die Wiederbelebung des
gründer Thomas Kirch- Güterverkehrs mit der Bahn. Steffen Müller, im Bundesverkehrsmi-
ner (32, l.), der sich von nisterium zuständig für Masterplan und Gleisanschlussförderung,
nun an als Vice President versicherte, man werde das Verfahren bei der Gleisanschlussför-
Product um die Produktentwick- derung vereinfachen und beschleunigen. Die praktischen Aspekte
lung kümmern will. www.proglove.de demonstrierte die Binderholz GmbH gleich am Veranstaltungsort.
Das Unternehmen nutzt im Interpark in Kösching bei Ingolstadt
seit 2006 den Gleisanschluss.
Weitere Infos: www.ihk-muenchen.de/schienenkonferenz
Münchener Verein
Maklervertrieb unter
neuer Leitung
Joachim Rahn leitet seit
1. Dezember 2018 den bun-
Zahl des Monats
desweiten Maklervertrieb
der Münchener Verein Seit 2006 stieg die Abgaben-, Umlagen-
Versicherungsgruppe, und Steuerbelastung in Deutschland für
München. Der 47-jähri- alle Stromkunden um
110 Prozent
ge gebürtige Münchner
kommt von der Süddeut-
schen Krankenversicherung.
www.muenchener-verein.de Quelle: www.bdew.de
Fotos: BayBG, ProGlove, Foto Heincke Inh. Peter Kübler 7NAC H RICHTEN | ON L IN E
IHK-Links des Monats
Auf www.ihk-muenchen.de informiert die IHK immer aktuell über wichtige News,
neue Serviceangebote und interessante Veranstaltungen.
#IHK175
Foto: IHK für München und Oberbayern
Zukunft der Arbeit
Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus – hat die
Arbeit noch Zukunft? Unter diesem Titel steht der
nächste IHK Talk in Schloss Tüssling.
Die Veranstaltung findet im Rahmen des Jubiläums
#IHK175 statt.
www.ihk-muenchen.de/175
Brexit Links des Monats
Der Ausstieg Großbritanniens aus der EU gestaltet IHK Sachverständige
sich kompliziert. Was Unternehmer jetzt zum Brexit wissen
www.ihk-muenchen.de/sachverstaendige
sollten.
www.ihk-muenchen.de/brexit Tipps zum Internetrecht
www.ihk-muenchen.de/internetrecht
Wohnimmobilienverwalter IHK-Ratgeber Arbeitsrecht
Ohne Erlaubnis dürfen auch langjährige Verwalter ihre www.ihk-muenchen.de/arbeitsrecht
Tätigkeit nach dem 1. März 2019 nicht mehr ausüben. Sie
AGB gestalten
können den Antrag dafür schnell und einfach online stellen:
www.ihk-muenchen.de/agb
www.ihk-muenchen.de/wohnimmobilienverwalter
Webseiten und DSGVO
Mittelstand und Start-ups www.ihk-muenchen.de/dsgvo-datenschutz-webseite
Etablierte Unternehmen und junge Wachstumsfirmen Familie und Beruf
können sich hervorragend ergänzen. Innovation durch www.ihk-muenchen.de/familie-beruf
Kooperation – so geht’s!
www.ihk-muenchen.de/mittelstand-startups
fb.com/ihk.muenchen.oberbayern
@IHK_MUC
Änderungen zum Jahreswechsel
Wie immer ändert sich zum 1. Januar einiges, was
IHK-Newsletter und IHK-Magazin
sich direkt auf den Unternehmensalltag auswirkt.
Wir haben für Firmen die wichtigsten Änderungen Den IHK-Newsletter können Sie abonnieren unter:
zusammengefasst – für einen guten Start ins neue www.ihk-muenchen.de/newsletter
Jahr. Das IHK-Magazin steht online unter:
www.ihk-muenchen.de/jahreswechsel www.ihk-muenchen.de/ihk-magazin
8 Wirtschaft – Das IHK-Magazin für München und Oberbayern – 01/2019„Mit umfassender Expertise
bewerten wir Ihre Immobilie
professionell.“
Kathrin Schachtner,
Stellvertretende Geschäftsführung,
Prokuristin, Dipl.-Immobilienökonomin (ADI),
Immobilienkauffrau (IHK)
Wir wissen, was Ihre Immobilie wert ist!
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Auswahl unserer MitgliedschaftenGrün und luftig – die beiden
Allguth-Chefs Christian und
Michael Amberger (v.l.) in der
neuen Firmenzentrale in Gräfelfing
Zwei von der
Tankstelle
Foto: Marion VogelU N T E R N E H ME R P R O F I L
Christian und Michael Amberger, Eigentümer der Allguth GmbH, setzen
auf qualitatives Wachstum und betreten gern Neuland – wie beim Umbau einer
alten Industrieanlage zur Kulturstätte.
HARRIET AUSTEN
C
hristian Amberger wollte an der Prozent der Kunden, die Michael Amberger ihres Unternehmertums. Sie finden es ge-
Wall Street in New York arbeiten. »Überzeugungstäter« nennt, kämen nicht nauso spannend, über die Tankstelle 2040
Sein Bruder Michael hätte lieber Ar- zum Tanken. Die Unternehmer gestalten nachzudenken wie ihrem besonderen In-
chitektur studiert. Beide hatten nicht vor, in möglichst vieles selbst und geben es den teresse für Kunst und Kultur Ausdruck zu
die vom Vater gegründete Allguth GmbH Pächtern vor – vom Interior Design über verleihen.
einzutreten. Doch heute führen beide ge- das Warengruppenmanagement bis zum Mit viel Leidenschaft und Liebe zum Detail
meinsam die Geschäfte des Familienunter- Marketing. »Dadurch sind wir unglaub- betreten sie gerade Neuland. Sie lassen
nehmens, das zu den größten bayerischen lich schlagkräftig und schnell«, betont ein denkmalgeschütztes Heizkraftwerk in
Firmen der Mineralölbranche gehört. »Wir Christian Amberger. München-Aubing zu einem Kunstkraft-
sind schon die Söhne unseres Vaters«, werk umbauen. Die Baugenehmigung
geben die Brüder zu. Er hat ihnen sowohl Zwei, die sich bestens ergänzen liegt seit Kurzem vor. Beide beugen sich
das unternehmerische Denken in die Wie- Er bezeichnet seinen Bruder Michael als über ein Skizzenbuch und zeigen begeis-
ge gelegt als auch die Begeisterung, neue kreativ, impulsiv, spritzig, lebendig und tert, was sie alles vorhaben. In dem um-
Wege zu gehen und innovative Projekte »aus dem Herzen heraus handelnd«. Er gestalteten Alt- und einem modernen
anzupacken. selbst sei eher der vernünftige, akribische Neubau wird Platz sein für Galerien, Kon-
Warum Christian (57) und Michael (51) Kopfmensch, zuständig für Finanzen und zertsaal, Büros, Restaurant und Biergarten
Amberger doch im väterlichen Unterneh- Controlling. »Er ist halt der Lebensweise- – eine Kulturstätte, die Berührungsängste
men gelandet sind? Sie fanden Geschmack re«, sagt Michael Amberger schmunzelnd. abbauen und den direkten Kontakt zwi-
am Unternehmertum. Während ihres Sie sind gut aufeinander eingespielt und schen Besuchern und Künstlern fördern
BWL-Studiums in München übernahmen streiten sich angeblich nie. soll. »Im Grunde wie eine Tankstelle, zu
sie ein Joint Venture von Allguth und Agip, Für das Thema Architektur haben inzwi- der einen auch viele Gründe hinführen«,
das aufgelöst werden sollte. »Wir wollten schen beide eine Leidenschaft entwickelt. meint Christian Amberger und macht
eigene Erfahrungen sammeln und testen, »Tankstellen sind Bauwerke im öffentlichen gleich deutlich, dass sie ambitionierte
ob wir miteinander können«, erinnert sich Raum«, sinniert Michael Amberger. »Des- Ziele verfolgen: Ihr Kunstkraftwerk soll es
Michael. Sieben Jahre lang machten sie halb haben wir eine besondere Verpflich- unter die Top Ten der Münchner Touriste-
alles selbst, von der Buchhaltung bis zum tung der Gesellschaft gegenüber.« Ihr Ziel, nattraktionen schaffen.
Vertrieb. Dabei erkannten sie, dass sie sich den anspruchsvollen Kunden professio-
trotz erheblicher Unterschiede gut verste- nelle Leistungen zu moderaten Preisen
hen und dass gemeinsames Unternehmer- in schönem Ambiente zu bieten, ver-
tum Spaß macht. 1996 fusionierten sie ih- wirklichen die Brüder seit 2002 mit
Zu den Personen
ren Betrieb mit der Allguth GmbH, stiegen einem unverwechselbaren Erschei- Die Brüder Christian und Michael
in die Firmenleitung ein und führten das nungsbild. Es strahlt Transparenz, Amberger, Jahrgang 1961 und 1967, über-
Unternehmen acht Jahre lang zu dritt. Seit Offenheit und Großzügigkeit aus. Das nahmen während ihres BWL-Studiums
dem Tod des Vaters 2004 sind sie alleinige gilt auch für die 2012 errichtete helle vom Vater erfolgreich ein Joint Venture.
geschäftsführende Eigentümer. und luftige Firmenzentrale in Gräfel- 1996 fusionierten sie ihr Unternehmen
Allguth gilt in der Branche als Innovations- fing, bestückt mit Kunstwerken und mit der 1958 von Vater Willy gegründe-
führer – »uns gibt es kein zweites Mal«, von der Decke hängenden Pflanzen ten Mineralölfirma Allguth GmbH, zu der
sagt Christian Amberger stolz. So führte – »eine Architektur zum Wohlfühlen«, heute 45 Tankstellenbetriebe gehören.
Vater Willy 1968 als Erster in Deutschland sagt Christian Amberger. Hier können Seit 1996 sind beide Geschäftsführer des
ein Servicekonzept mit den vier Kernberei- sich die 44 Mitarbeiter in jeder Hin- Familienunternehmens. Ihr Fokus liegt
chen Tankstelle, Waschanlage, Getränke- sicht ausbreiten. Entsprechend gering derzeit auf dem Umbau eines alten Heiz-
markt und Shop ein. 2017 eröffnete Allguth sei die Fluktuation. kraftwerks in Aubing zu einem Kunst-
gemeinsam mit Linde eine Wasserstoff- »Frei sein, mal auch fern der Wirt- und Kulturareal.
tankstelle. Das Unternehmen setzt auf schaftlichkeit denken, Nachhaltigkeit
www.allguth.de
einladende Architektur und umfassende vor Gewinnmaximierung stellen«,
Shopping- und Serviceangebote. Über 50 das begreifen die Brüder als Kern
Wirtschaft – Das IHK-Magazin für München und Oberbayern – 01/2019T I T E LTHEM A | FA CHK R ÄF TE
Produktiv und leistungsstark –
je besser die Zusammenarbeit
im Team, desto vorteilhafter
für das ganze Unternehmen
Foto: Robert Kneschke_Fotolia.com; SurfupVector_Fotollia.com
12Ein starkes
Team
Ob gelungene Zusammenarbeit von Alt und Jung, mehr Digitalwissen im Betrieb
oder optimierte Stellenanzeigen – so können Unternehmen das
Potenzial von Belegschaft und Bewerbern noch besser ausschöpfen.
Wirtschaft – Das IHK-Magazin für München und Oberbayern – 01/2019 13T I T E LTHEM A | FA CHK R ÄF TE
W
enn Unternehmen erfolgreich len. Es gilt auch, das Potenzial der eigenen Nachwuchskräfte treffen, können Firmen
im Wettbewerb bestehen wol- Belegschaft auszuschöpfen. Das IHK-Ma- profitieren. Schließlich bringen altersge-
len, brauchen sie gut qualifi- gazin stellt daher zum Jahresanfang die mischte Teams häufiger Prozess- und Pro-
zierte, innovative Mitarbeiter. Keine leichte Mitarbeiter in den Mittelpunkt. duktinnovationen hervor als Gruppen mit
Aufgabe in Zeiten des Fachkräftemangels. Mitgliedern aus einer Generation. Damit
So fehlen der Wirtschaft in Oberbayern Von Wissen bis Stellenanzeige die Zusammenarbeit von Alt und Jung er-
derzeit 103 000 qualifizierte Mitarbei- Wie lassen sich die digitalen Kompeten- folgreich ist, können Firmen einiges unter-
ter. Dies ist ein Ergebnis des aktuellen zen der Kollegen weiterentwickeln? Wie nehmen (S. 18).
IHK Fachkräfte-Reports. Und die Lücke gelingt es, verborgenes Wissen bei den Viele Personaler wünschen sich mehr Be-
vergrößert sich noch weiter. Bis zum Jahr Beschäftigten zu heben? Das zeigen Un- werber auf freie Stellen in ihrem Unter-
2030 wird sich der Fachkräfteengpass so- ternehmen wie der Hightech-Spezialist nehmen. Und nicht wenige fragen sich re-
gar auf 195 000 fast verdoppeln (siehe OHB und der Webtechnologiedienstleister gelmäßig, warum unter den Interessenten
Grafik unten). TechDivision (S. 16). so wenige Bewerberinnen sind. Vielleicht
Angesichts solcher Zahlen wird es für Un- Die Gesellschaft altert und mit ihr auch liegt es ja an den Stellenanzeigen. Denn
ternehmen immer wichtiger, nicht nur ein die Belegschaften in den Unternehmen. Frauen achten bei Ausschreibungen auf
leistungsfähiges Team zusammenzustel- Wenn altgediente Kollegen auf junge andere Faktoren als Männer (S. 20).
Foto: schlichteasy_Fotolia.com
Die Lücke wächst Wertschöpfungsverluste in Bayern
durch den Fachkräftemangel
In Oberbayern wird sich der Fachkräfteengpass von heute
103 000 Personen auf 195 000 im Jahr 2030 fast verdoppeln.
Engpass 2018 Engpass 2030
Fachkräfteangebot 2 032 000 Fachkräfteangebot 1 680 000
2018 2030
Fachkräftenachfrage 2 135 000 Fachkräftenachfrage 1 875 000
Engpass 103 000 Engpass 195 000
Quelle: IHK Fachkräfte-Report 2018
4,7 % 8,6 %
Nicht realisierte Bruttowertschöpfung
22,9 Mrd. Euro 50,8 Mrd. Euro
Foto: fotomek_Fotolia.com
Bruttowertschöpfungsverluste
Allein 2018 summierten sich die Wertschöpfungsverluste
durch den Fachkräftemangel auf 22,9 Milliarden Euro.
Quelle: IHK Fachkräfte-Report 2018
14 Wirtschaft – Das IHK-Magazin für München und Oberbayern – 01/2019Schwierige Personalsuche Immer älter
43,7 48,6
2030
2018
Kleine Firmen mit unter 50 Mitarbeitern 2018 waren bayerische Arbeitnehmer im Schnitt 43,7 Jahre
können im Schnitt jede dritte Stelle alt. Bis zum Jahr 2030 wird das Durchschnittsalter auf 48,6
Jahre ansteigen.
nicht besetzen.
Quelle: KOFA-Studie 2/2018 Quelle: IHK Fachkräfte-Report 2018
Berufe mit Bedarf 33 000
Unternehmensführung und -organisation
Technische Entwicklung, Konstruktion und Produktionssteuerung 17 000
Vom Fachkräftemangel Maschinen- und Fahrzeugtechnik 11 700
sind besonders Berufe in
Einkauf, Vertrieb und Handel 9 100
Unternehmensführung und
Finanzdienstleistungen, Rechnungswesen, Steuerberatung 6 000
-organisation betroffen. Hier
fehlen in Oberbayern 33 000 Erziehung, soziale und hauswirtschaftliche Berufe, Theologie 5 500
Personen. Auch Mitarbeiter Mechatronik, Energie- und Elektroberufe 4 500
für technische Entwicklung, Recht und Verwaltung 4 200
Konstruktion und Produkti- Mathematik, Biologie, Chemie und Physik 4 100
onssteuerung sind knapp.
Medizinische Gesundheitsberufe 4 000
Quelle: IHK Fachkräfte-Report 2018 0 5 000 10 000 15 000 20 000 25 000 30 000 35 000
Länger aktiv
Die Erwerbstätigkeit von Älteren steigt seit Jahren.
99,3
So hat sich zwischen 2013 und 2016 die Zahl der
Frauen zwischen 60 und 64 Jahren in Engpassberu-
fen um 45 Prozent erhöht. (Angaben in Prozent)
59,9 62,9 58,3 58,7
45,1
Foto: pikselstock_Fotolia.com; industrieblick_Fotolia.com
26,5 27,0 30,3 24,5
24,1
16,3 14,4 16,2 12,4 13,0
13,4 12,5 12,0
8,4
Alter 50–54 Alter 55–59 Alter 60–64 Alter 65–69 Alter 70 und höher
Frauen Engpassberufe Frauen Nicht-Engpassberufe Männer Engpassberufe Männer Nicht-Engpassberufe
Quelle: KOFA-Studie 4/2017
15Enormes Know-how im
Betrieb – OHB-Mitarbeiter
Horst Pfeuffer (l.) und
Werner Spiel mit Teilen
einer Forschungsrakete
Foto: Thorsten Jochim
Wissen ist Macht
Die digitalen Kompetenzen der Mitarbeiter entwickeln sich nicht automatisch weiter,
nur weil der technologische Wandel unaufhörlich voranschreitet. Unternehmen sollten ihre
Beschäftigten daher gezielt überzeugen, mitnehmen und weiterbilden.
SABINE HÖLPER
L
utz Bertling arbeitet erst seit April 2018 sungen für Raumfahrt, Wissenschaft und Die Menschen sind eine zentrale Kompo-
bei der OHB SE. Der 55-Jährige ge- Industrie. »Im Unternehmen hat man sich nente der Digitalisierung und Transforma-
hört nicht nur zum vierköpfigen Vor- auch schon vorher mit Digitalisierung tion, sagt Josef Willkommer, Geschäfts-
stand, er ist auch Chief Digital Officer. Die auseinandergesetzt«, sagt Bertling. »Aber führer des Webtechnologiedienstleisters
OHB SE und ihre Tochter OHB Systems AG jetzt ist das Thema so wichtig, dass wir es TechDivision mit Hauptsitz in Kolbermoor.
an den Standorten Oberpfaffenhofen und einem Vorstandsressort zugeordnet ha- Die erste Komponente seien die Werkzeu-
Bremen sind spezialisiert auf Hightech-Lö- ben.« ge, die Geräte, die Software. Doch »vor
Die Digitalisierung schreitet rasant voran den Geräten sitzen Menschen«, so Will-
und verändert die Wirtschafts- und Ar- kommer. Und die müssten den Umgang
Darum geht's beitswelt enorm. Nur: Die digitalen damit erst lernen. »Aber man darf sie da-
igitalisierung in den Betrieben
D Kompetenzen der Mitarbeiter entwi- bei nicht überfordern«, mahnt er.
verunsichert die Belegschaft häufig. ckeln sich nicht automatisch und im Selbst Digital Natives bräuchten Erläute-
Unternehmen sollten ihre Mitarbeiter Gleichklang mit dem technologischen rungen. Zumal noch ein anderer wichtiger
daher vom konkreten Nutzen der Wandel weiter. Unternehmen müs- Aspekt hinzukommt: Die Digitalisierung
digitalen Projekte überzeugen. sen ihre Mitarbeiter folglich zu jedem bietet nicht nur Chancen, sie schürt auch
Oft kennen Firmen das digitale Know- Zeitpunkt überzeugen, mitnehmen, Ängste. Viele Mitarbeiter sorgen sich, dass
how ihrer Beschäftigten nicht genau – weiterbilden. Das fängt ganz oben an ihre Arbeit wegrationalisiert wird. »Diese
dieses verborgene Wissen lässt sich – bei einem Chef, der das Thema vo- Ängste muss man den Angestellten neh-
heben. ran- und zu den Mitarbeitern bringt. men«, sagt Willkommer. Man müsse er-T I T E LT H E MA | D I G I TA LE XP E R T E N
klären, dass zwar manches automatisiert die fortwährend fahnden, wo weitere
Veranstaltungstipp
werde, dies den Mitarbeitern aber mehr Potenziale liegen. In einem nächsten
Zeit gebe für die Bearbeitung anderer Schritt geht es dann darum, die übri-
Themen und dass der Arbeitsplatz somit gen Mitarbeiter von den anstehenden Agile Mindsetter
nicht zur Disposition stehe. Der TechDivi- Neuerungen zu überzeugen und ent- Mit Agilität wollen sich viele Unterneh-
sion-Chef lädt einmal im Monat die knapp sprechend zu trainieren. men den Herausforderungen der Digi-
100 Mitarbeiter zum gemeinsamen Mit- talisierung stellen. Was aber ist Agilität
tagessen, um strategische Themen wie Mitarbeiter früh einbinden genau? Wie kann sie ganz konkret im
etwa die Digitalisierung zu besprechen. Vor allem das Überzeugen sei ent- Arbeitsalltag umgesetzt werden? Wie
Ein weiterer wichtiger Baustein sind Schu- scheidend, betont Bertling. Überzeu- können Führungskräfte und Mitarbeiter
lungen und Weiterbildung. Dazu gehört gen könne man die Menschen nur für die Veränderungen, die oft mit Ängsten
auch der Besuch von Kongressen. Erst dann, wenn sie den Nutzen sehen. verknüpft sind, begeistert werden?
kürzlich war Willkommer mit einem Team »Die Mitarbeiter müssen erfahren, Die Ausbildung zum agilen Mindsetter
in Barcelona, zuvor in den USA. Zudem was die Änderung konkret für ihre qualifiziert dazu, agile Arbeitsweisen zu
kommen zwei sogenannte Agile Coaches Arbeit bringt«, so der OHB-Vorstand. gestalten, einzuführen und zu verankern.
in die Firma und schulen die Mitarbeiter. Daher reiche es nicht, Neuerungen Termin: 22.1. bis 14.5.2019, 8 Präsenztage,
Weiterbildung nach dem Gießkannenprin- bloß zu kommunizieren. »Man muss 9–17 Uhr
zip ist jedoch wenig sinnvoll. Deshalb soll- die Mitarbeiter sehr früh einbin- Ort: IHK Akademie Westerham, Von-An-
te ein Unternehmen zunächst definieren, den und ihnen zeigen, wie die neue drian-Str. 5, 83620 Feldkirchen-Westerham
welches Wissen für welches Vorhaben ge- Technologie eingepasst in ihrer Ar- Teilnahmekosten: 2 800 Euro
nau benötigt wird. Danach geht es an das beitsumgebung wirkt.« Infos: akademie.muenchen.ihk.de/
Aufspüren verborgenen Know-hows: Oft persoenlichkeitsentwicklung/
sind entscheidende Kompetenzen bereits IHK-Ansprechpartnerin zum agiler-mindsetter-ihk
im Betrieb vorhanden. Die Abteilungs- Thema Fachkräfte Ansprechpartner
oder Geschäftsleiter kennen sie nur nicht, Elfriede Kerschl, Tel. 089 5116-1786 Dr. Alexander Machate, Tel. 08063 91-254
da sie im beruflichen Kontext bisher nicht elfriede.kerschl@muenchen.ihk.de Machate@ihk-akademie-muenchen.de
gefragt waren.
David Meinhard, Experte beim Kompe-
tenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA)
am Institut der deutschen Wirtschaft
Köln, rät: »Starten Sie einen offenen
Dialog mit Ihren Mitarbeitern und erfah-
Neues Jahr – neue Vorhaben?
ren Sie, welche verdeckten Kompetenzen Planen Sie Baumaßnahmen,
in Ihrem Team schlummern.« Firmen mit
einer eher jungen Belegschaft sind hier Sanierungen, Mietverträge?
im Vorteil. »Berufsanfänger sind in sozia-
len Netzwerken aktiv oder haben in ihrer
Ausbildung Softwareprogramme kennen-
gelernt«, sagt Meinhard. Einige brächten Wir sind gerne für Sie da und beraten Sie
eventuell sogar Erfahrung in der Web-
in folgenden Bereichen:
entwicklung mit.
So wie bei OHB Systems in Oberpfaffen- • Bauverträge (Neubau, Sanierung, Grundstückskauf)
hofen. Der Altersschnitt ist niedrig und die
• Architektenverträge (Planung, Bauleitung etc.)
jungen Mitarbeiter gingen »natürlicher
mit dem Thema um«, findet OHB-Vor-
• Bauträgerverträge (Erwerb von Häusern und Wohnungen)
stand Bertling. Oft seien sie sogar Treiber • Mietverträge (gewerbliche Räume und Liegenschaften)
der Digitalisierung. »Sie bringen Ideen • WEG-Angelegenheiten (Teilungserklärungen u.a.)
ein, wie man die Digitalisierung voran-
treiben kann.« Im Unternehmen macht ETL Müller, Hillmayer & Kollegen
man sich dies zunutze, um am Ende alle Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Mitarbeiter ins Boot zu holen und weiter- Kanzlei für privates Immobilienrecht
zubilden.
Maria-Theresia-Str. 32, 81675 München
Konkret heißt das: Die Mitarbeiter mit den
größten Kompetenzen werden zu Digi- Tel.: 089/99 83 88 - 0, Fax: 089/98 16 36,
talexperten ernannt. Für das Gebiet, auf E-Mail: kanzlei@mueller-hillmayer.de
dem sie besonders viel Wissen besitzen,
fungieren sie als eine Art Trendscouts,
Wirtschaft – Das IHK-Magazin für München und Oberbayern – 01/2019 17T I T E LTHEM A | ZU S AMMEN ARBEIT
Die Mischung macht’s
Altersgemischte Teams sind produktiver als homogene. Allerdings ist das
kein Selbstläufer. Was Unternehmen tun können, damit ältere Mitarbeiter ihr
volles Potenzial entfalten.
SABINE HÖLPER
duktinnovationen hervor«, sagt Andrea
Hammermann vom Institut der deutschen
Foto: Robert Kneschke_Fotolia.com
Wirtschaft Köln (IW). Ein Selbstläufer sei
das zwar nicht, so die Expertin. Doch die
Herausforderung sei zu bewältigen.
Die Anstrengungen lohnen sich schon
deshalb, weil sich die Altersstruktur in
deutschen Unternehmen wandelt. Sie
folgt dem demografischen Trend in der
Bevölkerung. So ist der Altersdurchschnitt
laut IW seit dem Jahr 2007 um 1,6 Jahre
angestiegen. Dies zeigt sich auch an der
Altersstruktur in den Unternehmen: Wäh-
rend der Anteil der unter 25-Jährigen um
durchschnittlich 1,4 Prozentpunkte auf elf
Prozent gesunken ist, erhöhte sich der
Anteil der Beschäftigten ab 55 Jahren um
mehr als fünf Prozentpunkte auf 22 Pro-
zent.
Stärken erkennen
Ältere Mitarbeiter haben nicht selten mit
Vorbehalten zu kämpfen. Sie könnten in
Zeiten der Digitalisierung den ständigen
Wandel nicht so gut meistern, heißt es
manchmal. Sie seien langsamer, weniger
flexibel und weniger belastbar als ihre
Viele Unternehmen erkennen, dass Ältere und Jüngere besonders produktiv zusammenarbeiten jüngeren Kollegen. Was die Arbeitsleis-
tung angeht, ist dies häufig nur ein Vor-
urteil.
D
ie Betz-Chrom GmbH beschäftigt an arbeiter. Zehn davon sind 55 Jahre oder Allerdings können im Unternehmen al-
ihren beiden Standorten in Gräfel- älter. Für die Chefin des Spezialisten für tersbezogene Konflikte und Kommunikati-
fing und Maisach insgesamt 75 Mit- Oberflächentechnik, Miriam Betz, ist das onsprobleme entstehen, sagt IW-Expertin
von Vorteil. »Wir profitieren von der Zu- Hammermann. Diese treten umso stärker
sammenarbeit junger und älterer Kolle- auf, je jünger der Chef ist. Mancher altge-
Darum geht's gen«, sagt sie. »Wir sind produktiver.« diente Mitarbeiter lasse sich eben nur un-
Altersgemischte Teams bringen Nur junge Leute im Team – das kann gern von einem jungen Aufsteiger sagen,
häufiger Prozess- und Produkt- sich die 50-Jährige überhaupt nicht was er zu tun habe. Und da Führungskräf-
innovationen hervor. vorstellen. »Das wäre enorm kräfte- te tendenziell immer jünger werden, ob-
Dennoch gibt es Konfliktpotenzial, zehrend.« wohl die Belegschaft älter wird, verschärfe
etwa wenn Chefs viel jünger als ihre Studien bestätigen, dass altersge- sich dieses Problem. Aber solche Konflikte
Mitarbeiter sind. mischte Teams grundsätzlich erfolg- sind lösbar. Führungskräfte sollten bereit
In einer Firmenkultur des Voneinander- reicher sind als homogene. »Sie sein, die Stärken der älteren Mitarbei-
Lernens, können Alt und Jung ihre bringen häufiger Prozess- und Pro- ter zu erkennen – und diese zu schätzen.
Stärken ausspielen.Mentoring – andersherum
Und Stärken besitzen sie gegenüber tet, dass die Beschäftigungsfähigkeit
dem Nachwuchs durchaus. Ganz vorne aller Mitarbeiter bis zum Rentenein- Altersgemischte Teams können ihre Vortei-
steht dabei ihr Erfahrungsschatz. Unter- tritt gewährleistet ist.« Und weiter: le besonders gut in einer Unternehmens-
nehmerin Betz macht einen Ausflug in »Betriebliches Gesundheitsmanage- kultur des Voneinander-Lernens ausspie-
die Modewelt, um dies zu verdeutlichen: ment sichert gesunde Arbeitsbedin- len. Das heißt: Die Jüngeren lernen von
»Nach Jahren in der Versenkung kommen gungen und stärkt die individuellen den Älteren, aber die Älteren lernen auch
Cord und Pannesamt wieder ums Eck. Ein Ressourcen.« von den Jungen. Um dies zu etablieren,
Junger sieht das als Neuerung. Ein alter Beides sieht auch die Betz-Chrom- sind Reverse-Mentoring-Programme gut
Hase sagt: alles schon mal da gewesen.« Chefin als wichtige Bausteine an. Op- geeignet. Im Gegensatz zu herkömmlichen
Übertragen auf die Arbeitswelt soll das timale Lichtverhältnisse am Arbeits- Mentoring-Programmen, bei denen erfah-
heißen: Der erfahrene Kollege erkennt, ob platz, ergonomische Schreibtische rene Mitarbeiter Neulinge coachen, erklä-
etwas in der Vergangenheit gut war oder und Mousepads, besonders große ren bei diesem »umgedrehten« Mentoring
nicht. Er kann beurteilen, ob es sich lohnt, Bildschirme oder Schutzbrillen mit junge Mitarbeiter älteren insbesondere
darauf zu setzen oder nicht. Er ist der Wei- persönlicher Sehstärke sind daher die neuen Technologien, die Trends in der
se. Er urteilt mit Kennerblick. »Das Alter selbstverständlich im Betrieb. Kos- Digitalisierung und ähnliche Themen. »So-
hat einen hohen Wert«, folgert Betz. »Die tenloses Obst und Wasser auch. Von gar Azubis können Geschäftsführern etwas
älteren Kollegen haben Erfahrung, sie ha- solchen Maßnahmen profitieren die beibringen«, sagt Rudolf Kast, Vorsitzender
ben so manchen Sturm überstanden und Jungen im Übrigen ebenso. des Demographie-Netzwerks der Initiative
sie bringen sich genauso intensiv ein wie Neue Qualität der Arbeit. Der Experte sieht
alle anderen auch. Wir würden die älteren IHK-Ansprechpartnerin für gleich zwei Vorteile: »Alt und Jung lernen
Mitarbeiter niemals abschieben.« Das Ge- Fachkräftesicherung voneinander. Außerdem findet eine tolle
genteil führe zum Erfolg, nämlich die Älte- Elfriede Kerschl, Tel. 089 5116-1786 Vernetzung statt.«
ren zu integrieren. elfriede.kerschl@muenchen.ihk.de
Schwächen? IT und Englisch
Dazu bedarf es Engagements vonseiten
der Geschäftsleitung. Tatsächlich hätten
viele aus der Generation 60plus weniger
Ahnung von Computern als junge Kolle-
gen, bestätigt Betz. »Die IT ist der größte
Hemmschuh.« Doch die Unternehmerin AM BALL BLEIBEN
sagt auch, dass diese Klippe leicht zu um-
schiffen sei: »Der weniger technikaffine
Mitarbeiter bekommt einen EDV-Experten
an seine Seite.« Als zweites Hindernis hat
Betz die schlechteren Englischkenntnisse
der ergrauten Mitarbeiter ausgemacht.
Hier gibt es eine einfache Lösung: Das
Unternehmen bietet Angestellten, die es
nötig haben, Englischkurse an. Die Plattform für inspirierte Mitarbeiter
Was die Unternehmerin aus Bayern um-
setzt, ist keine Seltenheit mehr. Immer
mehr Firmen erkennen, dass Ältere nicht
Einladung zu den
schlechter sind als Jüngere, sondern FC Bayern Basketball
exklusiven FC Bayern
imPULS Mitglieder-Logo
schlicht anders. Sie haben andere Stärken Basketball imPULS Keynotes
als die Jungen – und ein guter Chef schafft
FC Bayern Basketball Tickets Digitale Mitgliederliste
es, beide zum Vorteil für den Betrieb zu
kombinieren. Dass diese Einstellung mitt-
FC Bayern Basketball Maßgeschneidertes Team-
lerweile mehr und mehr Einzug in den
imPULS Newsletter Building-Angebot auf Anfrage
betrieblichen Alltag hält, ist auch Organi-
sationen wie der Initiative Neue Qualität
der Arbeit und dem darin angesiedelten
Demographie-Netzwerk e. V. zu verdan- Weitere Informationen zu „FC Bayern Basketball imPULS“ unter
ken. Zu dessen zehn Goldenen Regeln ge- www.fcb-basketball.de oder 089 2005 7087
hört unter anderem: »Arbeit ist so gestal-
181015_FCBB_ImPuls Plakat .indd 1 16.11.18 16:13
Wirtschaft – Das IHK-Magazin für München und Oberbayern – 01/2019 19T I T E LTHEM A | W EIBLIC HE FACHK R ÄF TE
Foto: Ico maker_Fotolia.com
Stellenanzeigen –
bestimmte Formulierungen
schrecken Bewerberinnen
eher ab
Bewusst formulieren
Unternehmen, die aus dem größtmöglichen Talentepool schöpfen
und weibliche Fachkräfte gezielt ansprechen wollen, sollten ihre
Ausschreibungen überarbeiten.
EVA MÜLLER-TAUBER
E
inerseits klagen zahlreiche Unter- von Beruf und Familie zu erleichtern. Wa- seren Vereinbarkeit von Familie und Be-
nehmen über Fachkräftemangel. An- rum also finden Angebot und Nachfrage ruf deutlich herausstellen.« Dann können
dererseits arbeiten viele qualifizierte trotzdem oft nicht zusammen? Unternehmen aus dem gesamten Talen-
weibliche Fachkräfte in Teilzeit oder gar Einer der Gründe hierfür dürfte sein, dass tepool schöpfen und nicht nur aus dem
nicht. Und das, obwohl Frauen oft gern sich potenzielle Bewerberinnen von Stel- halben.
(mehr) arbeiten würden und viele Firmen lenausschreibungen nicht angesprochen Dass Frauen und Männer Stellenbe-
engagiert dabei sind, die Vereinbarkeit fühlen. Vielen Firmen sei gar nicht be- schreibungen tatsächlich unterschied-
wusst, dass Frauen und Männer Jobanzei- lich wahrnehmen, belegt etwa eine Eye
gen unterschiedlich lesen, sagt Elfriede Tracking-Studie der Jobbörse jobware. Sie
Darum geht's Kerschl, Referatsleiterin Wirtschaft, analysierte die Blickbewegungen beim Le-
ewerberinnen betrachten besonders
B Fachkräfte, Frauen in der Wirtschaft sen von Anzeigen und fand heraus: Frauen
Firmenkultur, Qualifikationsmöglich- bei der IHK für München und Ober- konzentrieren sich meist auf die Unterneh-
keiten, Arbeitszeiten und Anforderungen. bayern. »Dabei können Unterneh- menskultur, die Arbeitszeiten, die Qualifi-
Sind diese Fakten erwähnt, steigt ihr men mit ihrer Anzeige gezielt Frauen kationsmöglichkeiten und die Anforderun-
Interesse. ansprechen, ohne männliche Bewer- gen. Männer dagegen beschäftigen sich
Männer sehen sehr auf das Firmenprofil. ber zu diskriminieren, und dabei zum mehr mit dem Firmenprofil und lassen die
Beispiel auch ihre Angebote zur bes- Anforderungen eher außer Acht.Die BSH Hausgeräte GmbH in München tral. Interessant dabei ist: Frauen sehen thisch und könnten gut kommunizieren.
weiß um die Unterschiede der verschie- von Bewerbungen ab, wenn die Aus- Männer gingen Probleme einfach an, wür-
denen Bewerbergruppen. Sie hat deshalb schreibung zu viele männlich besetzte Be- den sich in der Regel mehr zutrauen. Um
im Herbst 2017 ihren Arbeitgeberauftritt griffe enthält. Umgekehrt ist das nicht so. mehr Softwareingenieurinnen für die DPS
überarbeitet: »Wir haben unser neues Männer bewerben sich auch, wenn zahl- zu interessieren, überarbeiteten Stockerl
globales Employer-Branding-Konzept be- reiche »weibliche« Begriffe in der Anzeige und seine Kollegen die Stellenanzeigen
wusst zielgruppenspezifisch entwickelt auftauchen. grundlegend. Statt bestimmte Program-
und für Adressaten wie IT/Digital oder miersprachen vorzugeben, verlangen sie
Women jeweils eine andere Ansprache Macht und Status beispielsweise nun nur mindestens eine
in Bild und Text definiert«, sagt Marion »Es gibt Studien, die belegen, dass sich Sprache, in der Bewerber fit sein sollten.
Weissenbach, die bei BSH unter anderem Frauen von bestimmten Formulierungen Auch Soft Skills wie Team- und Kommu-
für Employer Branding und Diversity ver- eher abschrecken lassen«, bestätigt Anja nikationsfähigkeit sind jetzt regelmäßig
antwortlich ist. So finden sich in Stellen- Seng, Professorin an der FOM Hochschu- als Anforderungen in den Anzeigen zu fin-
und Imageanzeigen, die verstärkt Frauen le. Vor allem auf Macht und Status bezoge- den. Außerdem beschreiben sie recht de-
ansprechen sollen, häufiger Begriffe wie ne Eigenschaften wie zum Beispiel Ehrgeiz tailliert die Aufgaben samt Arbeitsumfeld
»Leidenschaft« und »Inspiration« sowie und Durchsetzungskraft widersprächen bei der DPS.
Formulierungen wie »Wir fördern Kreati- häufig dem Selbstverständnis von Frauen. Der Aufwand habe sich gelohnt, so Sto-
vität und Neugierde«. Beschreibungen von Aufgaben wirkten ckerl: »Auf die neuen Ausschreibungen
Für Anzeigen stehen zwölf BSH-Mitarbei- auf sie dagegen eher attraktiv. »Es emp- haben sich viele qualifizierte Frauen auch
ter als Testimonials zur Verfügung. Sie fiehlt sich daher, das Anforderungsprofil aus dem Ausland beworben, derzeit liegt
fungieren als Markenbotschafter, die je- der Stelle eher aufgaben- und qualifikati- der Frauenanteil bei uns bei 60 Prozent.«
weils mit einem persönlichen Statement onsorientiert zu beschreiben«, so Expertin Dabei habe sich auch die Qualität der Be-
ihre Vision der Zukunft von BSH vermit- Seng. Ebenfalls wichtig: Unternehmen werbungen verbessert. »Zu unserer Über-
teln. »Wir wollen unsere Stellen stets mit sollten formulieren, was die Bewerber im raschung haben dieses Mal sogar Senior-
dem bestmöglich geeigneten Kandidaten Arbeitsalltag konkret erwartet. entwickler auf unsere Anzeige reagiert,
oder der bestmöglich geeigneten Kandi- Die Digital Product School (DPS) an der und zwar Männer wie Frauen.«
datin besetzen«, sagt Weissenbach. »Das UnternehmerTUM in München hat diese
bedingt, dass sich sowohl qualifizierte Tipps beherzigt. Die DPS gibt jährlich etwa Die KOFA-Handlungsempfehlungen so-
Männer wie auch qualifizierte Frauen von 100 IT-Spezialisten in dreimonatigen Voll- wie eine Checkliste für Stellenausschrei-
unseren Anzeigen angesprochen fühlen.« zeittrainings die Möglichkeit, mit interdis- bungen finden sich zum Download unter:
Damit das gelingt, kommt es auf jedes ziplinären kleinen Teams digitale Produk- www.kofa.de/mitarbeiter-finden-und-binden/
Wort an. So werden Formulierungen zu te zur Lösung realer Kundenprobleme zu mitarbeiter-finden/wen-rekrutieren/frauen
Soft Skills in Stellenanzeigen unterschied- entwickeln. »Um solche Probleme anzu-
lich wahrgenommen. Darauf weist das gehen, sind die unterschiedlichen Heran- IHK-Ansprechpartnerinnen
Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung gehensweisen von Männern und Frauen zum Thema Fachkräfte
(KOFA) in seinen Handlungsempfehlun- gefragt«, sagt Michael Stockerl (31), Head Elfriede Kerschl, Tel. 089 5116-1786
gen »Mit Stellenanzeigen gezielt Fach- of Software Engineering bei der Unter- elfriede.kerschl@muenchen.ihk.de
kräfte gewinnen« hin. Demnach werden nehmerTUM GmbH. Frauen würden etwa
einige Attribute eher Frauen, andere eher einzelne Schritte häufiger hinterfragen, Dr. Gabriele Lüke, Tel. 089 5116-1174
Männern zugeordnet, manche sind neu- seien meist teamorientiert sowie empa- gabriele.lueke@muenchen.ihk.de
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Wirtschaft – Das IHK-Magazin für München und Oberbayern – 01/2019 21S TA N DORTPOLITIK | IHK -TALK
Ein Signal, das weithin
ausstrahlt – das Motto des
IHK-Jubiläumsjahres leuchtete
auf dem Zugspitzgipfel
Foto: Goran Gajanin
»Meine Rage,
meine Wut«
So viel Emotion wie nie: Der IHK Talk zur Nachhaltigkeit auf der
Zugspitze machte klar, wie weit das
Umdenken schon Realität ist.
MARTIN ARMBRUSTER
22E
s gab nur diese eine Fahrt. Wer es
nicht bis zur Abfahrt der Zahnrad-
bahn um 15.30 Uhr hinauf zur Zug-
Foto: Goran Gajanin
spitze schaffte, musste draußen bleiben.
Der hatte die vierte Ausgabe der IHK Talk-
reihe »Ideen haben Kraft« zum Thema
Nachhaltigkeit verpasst – es wäre schade
gewesen.
Engagiertes Publikum – rund 150 Gäste erlebten drei ganz unterschiedliche Referenten
Die rund 150 Teilnehmer erlebten Ende
November einen Abend der Superlative.
Auf dem höchsten Punkt Deutschlands
zeigten die Referenten so viel Emotion wie
nie im Rahmen dieser Talkreihe. Tenor des
Abends: Wenn wir jetzt nicht handeln, war
es das mit der Welt, wie wir sie kannten.
Vermutlich trugen die grandiose Aussicht
vom Zugspitzplatt und der Blick auf den
sterbenden Gletscher dazu bei. Das kann
Augen öffnen. »Schluss mit der Heuche-
lei«, forderte Florian Kohler, Geschäftsfüh-
rer von Gmund Papier. Über »meine Rage,
meine Wut« berichtete die Bloggerin Ma-
Foto: Goran Gajanin
deleine Daria Alizadeh (»DariaDaria«). To-
bias Hipp, Geograf und Naturschutzfach-
mann beim Deutschen Alpenverein (DAV),
sagte, der Klimawandel habe Bayern er-
reicht: »Wir sind live dabei.«
Moderator Leonhard Nima brachte eben- Führte durch den Abend – Moderatorin Karen Webb mit IHK-Präsident Eberhard Sasse
falls Schwung in den Abend. Er wollte wis-
sen, ob sich Nachhaltigkeit für die Firmen
rechne. Fast alle Teilnehmer antworteten
darauf mit Ja. Worauf sich nicht nur Nima
fragte, weshalb dann so wenig passiert.
Bloggerin Alizadeh kritisierte Bequem-
lichkeit als Massenleiden. Das mensch-
liche Gehirn sei auf Risikovermeidung
programmiert. Das erschwere den Kampf
gegen die abstrakte Gefahr Klimawandel.
Ihr gehe die ewige Jammerei auf die Ner-
ven. Schluss damit, forderte sie im Kon-
sens mit dem Papierhersteller Kohler. Es
sei »time for action«.
Foto: Goran Gajanin
Kohler kritisierte den Selbstbetrug, das
Greenwashing im großen Stil. Das Verbot
von Plastiktüten im Supermarkt und von
Plastikstrohhalmen werde als Durchbruch
verkauft, während pro Jahr 350 Millionen
Tonnen Kunststoff in den Ozeanen lande- Gut gelaunt zum Gipfel – mit der Zahnradbahn fuhren die Talkgäste
ten. Bis 2050 wird sich die Plastikschwem- auf die Zugspitze
me verdreifachen.
Wirtschaft – Das IHK-Magazin für München und Oberbayern – 01/2019 23Der Unternehmer nimmt die Dinge selbst
in die Hand. Mit Produkten, die ohne Plas-
Foto: Goran Gajanin
tik auskommen, mit rigorosem Umwelt-
schutz. Gmund Papier hat eine Ökobilanz,
die sich sehen lassen kann: um 70 Prozent
reduzierter Wasserverbrauch, 82 Prozent
weniger Abfall, 75 Prozent des selbst pro-
Geht das Thema Nachhaltigkeit sehr persönlich an – die Wiener Bloggerin
duzierten Stroms sind CO2-frei. Trotzdem
Madeleine Daria Alizadeh
sieht sich der Unternehmer noch lange
nicht am Ziel. Er sucht nach Verbesserun-
gen in jedem Detail. Diese Konsequenz
will der Firmenchef überall in der Gesell-
schaft sehen.
»Es muss wehtun«, sagte Kohler. Den
Grünen warf er vor, zu feige zu sein. Erst
ein Benzinpreis von zehn Euro pro Liter
würde Veränderung bringen. Jeder Einzel-
ne müsse Nein sagen zum eingeschweiß-
ten Marmorkuchen im Flugzeug. Ebenso
sei es absurd, Fair-Trade-Tee mit Plastik-
Foto: Goran Gajanin
verpackung zu kaufen.
DAV-Experte Hipp formulierte nüchtern
deprimierende Botschaften. Er zitierte auf
der Zugspitze aus dem »Emissions Gap
Report 2018« der UN. Nie sei die Rettung
Lehnt die Erschließung neuer Skigebiete ab – Tobias Hipp, Geograf und vor dem Klimawandel so weit entfernt
Naturschutzexperte beim Deutschen Alpenverein gewesen. Seit 2015 steigen die weltwei-
ten CO2-Emissionen wieder. Für den Zug-
spitz-Gletscher kommt die Rettung ohne-
hin zu spät. Er hat schon heute 80 Prozent
seiner Fläche verloren.
Schneearme Winter
Die Durchschnittstemperatur in den Alpen
steigt schneller als die im Flachland. Das
Plus liegt bereits bei 1,6 Grad. Das hat
dramatische Folgen für den Tourismus.
Die Zeiten schneereicher Winter sind für
immer vorbei. »Es geht um die Frage, wie
Foto: Goran Gajanin
ich heute noch mit halbwegs gutem Ge-
wissen Bergsport betreiben kann«, erklär-
te Hipp.
Der Alpenverein suche nach Antworten
und erfinde sich neu. »Die Erschließung
»Es muss wehtun« – Florian Kohler, Geschäftsführer von Gmund Papier, neuer Skigebiete lehnen wir klar ab«,
kritisierte Selbstbetrug und Greenwashing betonte der Geograf. Man führe derzeit
Die bayerischen IHKs feiern ihr 175-jähriges Jubiläum. 1843 wurden die bayerischen Industrie- und Handelskammern
gegründet. Das IHK-Magazin berichtet aus diesem Anlass über Firmen, Persönlichkeiten, Themen und Ereignisse, die 175 Jahre
Unternehmergeist in Bayern lebendig werden lassen.
24 Wirtschaft – Das IHK-Magazin für München und Oberbayern – 01/2019Sie können auch lesen