Konsum treibt die Wirtschaft an - IHK24
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GUTES GEDÄCHTNIS
75 Jahre Westfälisches Wirtschaftsarchiv
KÖRPERSPRACHE MACHT DEN UNTERSCHIED
Interview mit Business-Coach Arvid Nienhaus
GASTRO-PORTRÄT
Reinhardt´s Restaurant & Weinbar in Hamm
November 2016
Konsum treibt die
Wirtschaft an
Die Konjunktur zeigt sich in Topform.
Aber die Risiken werden größer.www.oundmdesign.de
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* E.M.A. NRW 2016II Internet www.dortmund-kombi.deEDITORIAL
Eine Institution
im Strukturwandel
I
n der „Allgemeinen und neuesten Welt- Handels- sowie Hand-
beschreibung“ von Christoph Benjamin werkskammern. So
Saeckhel aus dem Jahr 1739, einer der wird der neuere Struk-
vielen Kostbarkeiten des Westfälischen turwandel des Sieger-
Wirtschaftsarchivs (WWA), finden wir nur und Münsterlands, Ost-
wenige Hinweise zu den damaligen wirt- westfalens, des Mär-
schaftlichen Verhältnissen Westfalens. „Das kischen und Arnsber-
Land ist zimlich rauh, und waechßt kein ger Raums und natür-
Wein darinnen, doch hat es treffliche Vieh- lich des Westfälischen
Weyde, wie dann die Westphaelische Schin- Ruhrgebiets auch für
cken bekandt genug sind.“ die Nachwelt bewahrt.
Seitdem hat Westfalen und unsere Re- Das 75-jährige Jubilä-
gion eine rasante wirtschaftliche Entwick- um des Wirtschaftsar- Heinz-Herbert Dustmann und Stefan Schreiber
lung durchlaufen. Es entstanden viele Un- chivs wurde Ende Ok-
ternehmen, die Geschichte geschrieben ha- tober mit einem würdigen Festakt und an-
ben, aber teilweise nicht mehr existieren. schließendem Symposium gebührend ge-
Sie hätten keine größeren historischen Spu- feiert (siehe Seite 12).
ren hinterlassen, wenn 1941 nicht das WWA Ein Wort zur Wahl in Amerika: Die ame-
gegründet worden wäre. Sein Verdienst ist rikanische Bevölkerung hat sich in einer de-
es, dass wertvolles historisches Schriftgut mokratischen Wahl für Donald Trump als
gerettet wurde. Wir erkennen daran, dass neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten
der Begriff „Strukturwandel“ keineswegs entschieden. Dies gilt es zu respektieren.
nur die jüngere Entwicklung der letzten 30 Dennoch bleiben für die Wirtschaft offe-
oder 40 Jahre abbildet, sondern in unserer ne Fragen: Wie geht es weiter mit der Welt-
Region eine viel längere Historie hat. handelsorganisation oder dem Freihandels-
Die Unterlagen waren von so gro- und dem Klimaabkommen?
ßem Interesse, dass der NS-Staat, der die Sollte der künftige US-Präsident sein an-
IHK schon 1933 als „Wirtschaftskammer“ gekündigtes Wirtschaftsprogramm aus dem
gleichgeschaltet hatte, versuchte, darauf Wahlkampf umsetzen, ist der freie Handel
zuzugreifen. Um dies zu verhindern, dräng- von Waren und Dienstleistungen gefährdet.
ten die Mitglieder der Wirtschaftskammer Die in der Vergangenheit guten Zuwachs-
für Westfallen und Lippe vor nunmehr 75 raten im Wirtschaftsverkehr mit den USA
Jahren auf die Gründung des WWAs. Eine könnten darunter leiden. Dies würde auch
weitere Gefahr waren die immer näher rü- Unternehmen aus dem IHK-Bezirk treffen:
ckenden Bombenangriffe der Alliierten. So Aus den Städten Dortmund, Hamm und
wurden 1941 ältere Akten, Geschäftsbü- dem Kreis Unna sind mehr als 220 Unter-
cher, Bilanzen und Korrespondenzen in den nehmen in den USA aktiv, davon 80 mit Nie-
Kellerräumen unseres Hauses zusammen- derlassungen, Beteiligungen oder Produkti-
getragen und zunächst grob geordnet. onsstätten vor Ort. Ebenso könnte die Bi-
Heute übernimmt das WWA als regiona- lateralität im Wirtschaftsverkehr zwischen
les Wirtschaftsarchiv auch hoheitliche Auf- den USA und Nordrhein-Westfalen Schaden
gaben und archiviert nach den Vorgaben nehmen. In Deutschland hängen weit mehr
des Landesarchivgesetzes NRW die Überlie- als eine halbe Millionen Arbeitsplätze am
ferungen der westfälischen Industrie- und Export in die USA.
Heinz-Herbert Dustmann, IHK-Präsident Stefan Schreiber, IHK-Hauptgeschäftsführer
Ruhr Wirtschaft November 2016 3INHALT
BLICKPUNKT KONJUNKTURUMFRAGE DER IHK
8 Die Konjunktur ist
(noch) im Höhenflug
In den gegenwärtigen Optimismus der Unternehmen
mischt sich erste Skepsis. Die zunehmend unsichere
Lage auf den internationalen Märkten wird für die
Exportwirtschaft zur Herausforderung.
75 JAHRE WESTFÄLISCHES WIRTSCHAFTSARCHIV
12 Zukunft braucht Herkunft
Festakt für das „Gedächtnis der westfälischen Wirtschaft“:
Mehr als 250 Gäste feierten am 31. Oktober im Großen Saal
der IHK zu Dortmund das WWA-Jubiläum.
INTERVIEW
16 Körpersprache richtig nutzen!
Kommunikation wirkt auch ohne Worte. Gerade im Wirtschafts-
leben ist Körpersprache ein entscheidender Faktor. Im Interview
mit der Ruhr Wirtschaft spricht der Dortmunder Business-Coach
Arvid Nienhaus über das richtige Auftreten und gibt Tipps,
wie man „Störsignale“ vermeidet.
RUBRIKEN 74 Impressum 20 Die neuen Anforderungen
an Kassensysteme
3 Editorial 75 IHK-Veranstaltungskalender
22 Familienbetrieb gewinnt
6 Bild des Monats 75 Bekanntmachungen Westfälischer Handelspreis
7 Wirtschaft in Zahlen 77 Messekalender 23 Stressfrei zur
Steuererklärung
18 Die Seite der BLICKPUNKT Neue App hilft
Wirtschaftsjunioren KONJUNKTURUMFRAGE DER IHK
24 Austausch auf Augenhöhe
30 Nachruf 8 Die Konjunktur ist IHK-Wirtschaftsgespräche
(noch) im Höhenflug
30, 31, 49 Jubiläum 26 Einmal um die Welt
75 JAHRE WESTFÄLISCHES nach Hamm
36 Kompakt WIRTSCHAFTSARCHIV Serie Gastronomie: Reinhardt’s
Restaurant und Weinbar
38 Was sonst geschah 12 Zukunft braucht Herkunft
29 Die Digitalisierung
41 Literatur INTERVIEW hat viele Facetten
68 Tipps zum Thema Recht 16 Arvid Nienhaus: Körper- 31 Daumendrücken hat
sprache richtig nutzen! sich gelohnt
69 Wirtschaft im TV Gründerpreis NRW
WIRTSCHAFT REGIONAL
70 IHK-Weiterbildungsprogramm 32 Bezahlsystem mit
19 Amazon siedelt sich vielen Vorteilen
73 Kulturkalender in Dortmund an Ein Jahr paydirekt
4 Ruhr Wirtschaft November 2016SERIE GASTRONOMIE
26 Einmal um die Welt nach Hamm
Im Mai dieses Jahres haben Lars und Eva Reinhardt auf dem
schönsten Abschnitt der Hammer Fußgängerzone „Reinhardt´s
Restaurant & Weinbar“ eröffnet. Hier kann man bei einem edlen
Tropfen den Stress des Alltags vergessen.
WIRTSCHAT REGIONAL
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Party mit Manuka
KÖRPERSPR
2016
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Das Neuseelandhaus in Bergkamen ist D
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den größer.
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Aber die
in den vergangenen 20 Jahren seines
Bestehens kräftig gewachsen.
SERVICE KULTUR
72 Wer bringt die
Geschenke? st
la
pp im
Auch als A ystore
Google P ore unter
oder App ortmund
IHK zu D
Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte
nimmt Besucher mit auf eine Entdeckungsreise
durch das weihnachtliche Europa.
34 Party mit Manuka und Haka 44 Wie aus Flüchtlingen SERVICE KULTUR
Neuseelandhaus feiert Fachkräfte werden
Geburtstag 72 Wer bringt die Geschenke?
46 Die Besten der Besten Ausstellung im Museum für
35 Exkursion in die Landesbeste Azubis geehrt Kunst und Kulturgeschichte
digitale Zukunft
Mittelstand 4.0- 48 Von Unna nach Shanghai SERVICE TERMINE
Kompetenzzentrum
SONDERTHEMA 74 Ruhrmetropole will
36 Der Winter wird hell Modellstadt werden
Winterleuchten ist wieder da 50 Energieeffizienz · Auftaktkonferenz
Umweltschutz · Recycling
36 Dortmund überzeugt 75 Richtiger Umgang
Deutscher Tourismustag SERVICE INTERNATIONAL mit der Steuerreform
37 Für bestmögliche 66 Frankreichs Startup-Szene 75 Fälschern ein
Integration belegt in Europa Platz drei Schnippchen schlagen
40 Zwei Reisende, zwei Welten 67 Dynamischer Markt SERVICE EXISTENZGRÜNDUNG
und zwei Sprachen vor der Haustür UND UNTERNEHMENSNACHFOLGE
Kunst in der IHK zu Dortmund Branchenanalyse zu Transport
und Logistik in Tschechien 76 Nachfolge ist Familiensache
42 Die Herren der Zeit
clickbits erleichtert SERVICE BILDUNG SERVICE MESSE
Zeiterfassung
71 Dreifache Qualität 77 Lichterglanz und
43 Fliesenmax ist jetzt auch und Praxisnähe Budenzauber
in Dortmund vertreten Neue IHK-Zertifikatslehrgänge Advents- und Weihnachtsmärkte
Ruhr Wirtschaft November 2016 5BILD DES MONATS
La Ola zum Semesterstart
Stadion
Stadion statt Hörsaal: Tradi-
tionsgemäß startete die TU
Dortmund Mitte Oktober im
Signal Iduna Park ins neue
Studienjahr. Gemeinsam
mit dem BVB, der Stadt, der
Oper und dem Theater Dort-
mund begrüßte sie dort ei-
nen Großteil der rund 6.000
Studienanfänger.
Vorlesung
Es war die erste Vorlesung
des Wintersemesters: Mi-
chael Eickhoff, Chefdrama-
turg des Schauspielhauses,
und Jens-Daniel Herzog, In-
tendant des Opernhauses,
sprachen zu den Studen-
ten. Als Moderator führte
Christoph Edeler, Leiter des
Hochschulsports, durch den
Morgen.
Startschuss
Es folgte ein abwechslungs-
reiches Programm: Musi-
kalische Beiträge steuerten
Schauspielhaus, Oper und
Philharmoniker bei. Mit Fuß-
ballprofi Neven Subotic gab
es Mensa-Gutscheine zu ge-
winnen. Schließlich schoss
Prof. Ursula Gather einen
von BVB-Spielern signierten
Fußball auf die Tribüne.
Statistik
Übrigens sind die meisten
neuen Studierenden in den
Bachelors tudiengängen
Wirtschaftswissenschaften
und Informatik eingeschrie-
ben. Der kleinste Studien-
gang ist der Musikjournalis-
mus. Hier fangen zum Win-
tersemester 2016/17 vier
Studierende an.
Text: Tobias Schucht
Foto: Nikolas Golsch/TU Dortmund
6 Ruhr Wirtschaft November 2016Wirtschaft in Zahlen
Umfrage: Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen
Fotos: IHK/Oliver Schaper
Beschäftigen Sie bereits geflüchtete Menschen
in Ihrem Unternehmen?
Ja, in Festanstellung
10
Ja, im Praktikum
Nein
15
% 72
13
Ja, in Ausbildung
Welche Deutschkenntnisse setzen Sie
für eine Einstellung voraus?
Grundkenntnisse
Keine/geringe
28
Deutschkenntnisse
1
Sehr gute
%
Gute Kenntnisse
Kenntnisse 20 53
An der Onlineumfrage der IHK zu Dortmund im Oktober beteiligten sich 102 Unterneh-
men aus der Region. Die Ergebnisse zeigen, dass die Unternehmen Flüchtlingen immer
häufiger eine Chance zum Einstieg ins Berufsleben geben. Fast 13 Prozent der befragten
Unternehmen geben an, mit einem Flüchtling einen Ausbildungsvertrag geschlossen zu
haben. Im Vorjahr waren es erst 2,5 Prozent. Auch bei den Arbeits- und Praktikumsverträ-
gen gab es einen deutlichen Zuwachs: Bei 14,71 Prozent der antwortenden Unternehmen
sind zurzeit Praktikanten tätig (2015: 2,51 Prozent) und bei 9,8 Prozent ist ein geflüchte-
ter Mensch in Festanstellung (2015: 4,02 Prozent). Deutschkenntnisse bleiben der Schlüs-
sel zum Arbeitsmarkt: Gut 99 Prozent der Unternehmen setzen diese voraus, mehr als die
Hälfte der Betriebe sieht gute Kenntnisse als notwendig an. Weitere Infos zur Umfrage hat
die IHK-Ansprechpartnerin Sandra Schröder, Telefon 0231 5417-190, E-Mail: s.schroeder@
dortmund.ihk.de. Lesen Sie auch den Bericht zur Informationsveranstaltung auf Seite 44!
Text: Gero Brandenburg, Quelle: IHK zu Dortmund
Ruhr Wirtschaft November 2016 7BLICKPUNKT KONJUNKTURUMFRAGE DER IHK
Die Konjunktur
ist (noch) im
Höhenflug
In den gegenwärtigen Optimismus der Unternehmen mischt sich
erste Skepsis. Die zunehmend unsichere Lage auf den internationalen
Märkten wird für die Exportwirtschaft zur Herausforderung.
8 Ruhr Wirtschaft November 2016VON GERO BRANDENBURG Gute Stimmung in
M
der regionalen Wirtschaft
it dem Aufschwung kommen
Aktuelle Geschäftslage der
auch die Sorgenfalten: Obwohl
Unternehmen im Herbst 2016
die Unternehmen in Deutsch-
land, im Ruhrgebiet und in den • Gut
Städten Dortmund, Hamm sowie dem Kreis • Befriedigend
Unna derzeit vor Optimismus strotzen, bli- • Schlecht
cken sie mit wachsender Skepsis in die na-
he Zukunft. Für 2017 sind die Konjunktur- 6
erwartungen gedämpft. Dafür verantwortlich
ist das schwache Wachstum in vielen Regio- 37
nen der Welt. Dies und zahlreiche politische
Krisen belasten die Aussicht der Exporteure: %
Für Deutschland, das in diesem Jahr laut Pro- 57
gnose des Ifo-Instituts wieder den Titel des
Exportweltmeisters von China übernehmen
wird, sind das schwierige Vorzeichen. Zu die-
sem Ergebnis kommt der Deutsche Industrie- Herbst 2016
und Handelskammertag (DIHK) in seiner ak-
tuellen Konjunkturumfrage (siehe auch Seite
8
10/11), an der sich traditionell auch die IHK
zu Dortmund beteiligt hat.
Hochzufrieden und auf Wachstumskurs
Ein Blick auf die regionale Wirtschaft zeigt es 44,9 % 47,1
ebenfalls deutlich: Mit ihrer gegenwärtigen
Geschäftslage sind die rund 150 Unterneh-
men (mit knapp 18.000 Beschäftigten), die
sich an der Befragung beteiligten, hochzu- Vergleich: Jahresbeginn 2016
frieden. Die Betriebe zeigen sich in sehr gu-
ter Verfassung und befinden sich weiter auf
Wachstumskurs. 94 Prozent beurteilen ihre
aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedi-
Größte Sorge gilt
gend – was gegenüber dem Frühjahr noch-
dem Einbruch der
mal ein Plus von zwei Prozentpunkten be- Inlandsnachfrage
deutet. Nur sechs Prozent sind unzufrieden
Was sind mögliche Risiken
- vor einem Jahr waren es noch knapp zwölf für die Entwicklung der
Prozent. „Die gute Kauflaune der Verbrau- Unternehmen? (mehrere
cher und volle Auftragsbücher im Baugewer- Antworten waren möglich)
be sorgen für ein freundliches konjunkturel-
les Umfeld“, sagt Heinz-Herbert Dustmann, 47,6 %
Präsident der IHK zu Dortmund. Rekordbe- Schwächere Inlandsnachfrage
schäftigung, steigende Löhne und Sozialaus-
46,3 %
gaben kurbeln die Binnenkonjunktur weiter
Wirtschaftspol. Rahmenbeding.
an. Von der Konsumfreude profitieren vor al-
lem Dienstleister wie das Gastgewerbe oder
40,1 %
Reisebüros. Allerdings hat die konjunkturel-
Fachkräftemangel
le Dynamik insgesamt etwas nachgelassen.
Das ist auch an den Meldungen zu Auftrags- 30,6 %
bestand und Umsätzen abzulesen. Berichte- steigende Arbeitskosten
ten im Frühjahr 55 Prozent der Betriebe in
der Region von erhöhten Umsätzen, so sind 29,3 %
es im Herbst noch gut 35 Prozent. steigende Energie- und
Inlandsinvestitionen galten lange als Sor- Rohstoffpreise
genkind der Konjunktur – inzwischen ver-
19,0 %
stärken sich die Anzeichen einer Belebung.
Schwächere Auslandsnachfrage
Immerhin will knapp ein Drittel der Unter-
nehmen seine Ausgaben erhöhen, und deut- 9,5 %
lich mehr als Hälfte will das Investitionsni- Finanzierungsprobleme
veau zumindest halten. Im Frühjahr waren es
6,8 %
gut 23 und 59 Prozent. Nur knapp 13 Prozent
Schwankende Wechselkurse
>
Foto: Thinkstock Ruhr Wirtschaft November 2016 9Anteil der Unternehmen, der einen zuneh-
menden Export erwartet, ist um 15 Prozent
gegenüber der Frühjahrsumfrage gesunken.
Dustmann: „34 Prozent der Industriebetriebe
sehen mittlerweile in der Auslandsnachfra-
ge sogar ein akutes Konjunkturrisiko.“ Bran-
chenübergreifend fürchtet die Wirtschaft
noch mehr, dass die Inlandsnachfrage nach-
»34 Prozent der > lässt. „Viele Unternehmen sind sich sehr be-
Industriebetriebe sagen gegenwärtig geringere Ausgaben vor- wusst, dass ihre Geschäftsentwicklung recht
sehen mittler- her (Frühjahr 2016: 17,5 Prozent). Mehr als einseitig von der Konsum- und Baubranche
60 Prozent planen Ersatzbeschaffungen, was abhängt“, schränkt Dustmann ein.
weile in der Aus- angesichts der Dauer des Aufschwungs und
landsnachfrage der erreichten Auslastung nicht überrascht. Mangel an Fachkräften befürchtet
sogar ein akutes Ungünstige wirtschaftspolitische Rahmen-
Konjunkturrisiko.« Mehr Risiken im Export bedingungen gehören ebenfalls zu den Top-
Heinz-Herbert Dustmann, Wenig überraschend sind allerdings auch die Risikofaktoren, genauso wie der Mangel an
Präsident IHK zu Dortmund deutlich gedämpften Erwartungen an das Fachkräften. In Zeiten konjunktureller Hoch-
Auslandsgeschäft. Im ersten Halbjahr sind stimmung wittern Unternehmen hier ein
die Risiken im internationalen Bereich noch wachsendes Geschäftsrisiko. Im Herbst 2013
sichtbarer geworden, was sich in der IHK-Re- beispielsweise sahen 25 Prozent im Fachkräf-
gion unter anderem im leichten Rückgang temangel eine Erfolgsbremse. Aktuell sind es
DIHK-Konjunkturumfrage der Exportquote auf gut 38 Prozent wider- mehr als 40 Prozent. Die wachsenden Proble-
und Ruhrlagebericht spiegelt. Rund 1.000 Unternehmen aus Dort- me bei der Fachkräftesicherung bei einer ver-
› An der DIHK-Konjunktu- mund, Hamm und dem Kreis Unna sind au- gleichsweisen hohen Arbeitslosigkeit zeigen,
rumfrage im Herbst 2016 ßenwirtschaftlich aktiv. „Die Situation in dass es auf dem Arbeitsmarkt zu wenig Be-
haben sich bundesweit China bleibt schwierig, Russland leidet un- werber gibt, die die nachgefragten Qualifika-
rund 27.000 Unterneh- ter niedrigen Rohstoffpreisen und Sanktio- tionen mitbringen.
men aus den Region der nen, Brasilien und Argentinien stecken in ei- Insbesondere die Nachfrage nach Fach-
79 Industrie- und Han- ner hartnäckigen Rezession“, erläutert Dust- kräften mit einer klassischen betrieblichen
delskammern beteiligt. mann. Zudem sind mit dem Putschversuch Ausbildung ist gestiegen, fast 62 Prozent der
› Für 2017 rechnet der in der Türkei und der Brexit-Entscheidung betroffenen Unternehmen suchen in diesem
DIHK mit einem Wachs- in Großbritannien seit der letzten Umfrage Bereich. „Diese Fachkräfte sind die heimli-
tum von 1,2 Prozent zwei neue Unsicherheitsfaktoren hinzuge- chen Gewinner des Beschäftigungsbooms.
deutlich weniger als kommen. Diese erschwerten Rahmenbedin- Wir hoffen, dass sich das bei Eltern und Schu-
2016. Im laufenden Jahr gungen für Exporteure können durch das An- len noch mehr herumspricht und deutlich
wächst die Wirtschaft ziehen des Außenhandels mit den USA und wird, welche Karrierechancen sich mit einer
stärker als erwartet um dem Iran sowie die Erholung in der Eurozone dualen Ausbildung bieten“, wirbt Dustmann
1,9 Prozent (Prognose nicht vollständig aufgefangen werden. Der für die Berufsausbildung.
Frühjahr: 1,5 Prozent). Mit
knapp 500.000 zusätzli-
chen Stellen hat sich vor
allem die Beschäftigung
positiv entwickelt. Für
2017 geht der DIHK von
einem Plus von 450.000
neuen Stellen aus.
› Der gemeinsame Ruhrla-
gebericht der fünf Ruhr-
IHKs Dortmund, Duisburg,
Essen, Mittleres Ruhrge-
biet und Nord Westfalen
(Emscher-Lippe-Region)
umfasst Rückmeldungen
aus 960 Unternehmen
mit 138.000 Beschäftig-
ten und beleuchtet die
wirtschaftliche Gesamtsi-
tuation im Ruhrgebiet.
› Den kompletten Ruhrla-
gebericht gibt es unter
www.ihks-im-ruhrgebiet.de
10 Ruhr Wirtschaft November 2016BLICKPUNKT KONJUNKTURUMFRAGE DER IHK
Industrie
Seit dem Jahresbeginn hat sich die deutlich mehr als die Hälfte der In-
Stimmung in der Industrie weiter dustrieunternehmen eine Kapazi-
verbessert. Fast 40 Prozent halten tätsauslastung von über 85 Prozent.
jetzt ihre Lage für gut, nur gut neun Bei den Inlandsaufträgen gibt es we-
Prozent sind nicht zufrieden. Ge- nig Bewegung, der Wettbewerb um
genüber dem Herbst vorigen Jahres Auslandsaufträge wird härter. Mitt-
ist damit das Lageurteil stetig besser lerweile meldet gut jedes fünfte Un-
geworden. ternehmen rückläufige Auftragsein-
Aber es ist auch spürbar, dass es gänge aus dem Ausland.
ein zäher Aufstieg ist. Einen nen- Entsprechend vorsichtiger sind
nenswerten Beitrag zum günstigen auch die Exporterwartungen für die
Lagebild leistet die Bauwirtschaft, nächsten Monate.
die sich derzeit in einer Hochkon- Trotzdem rechnen knapp 70 Pro-
junktur befindet. Zwei Drittel der zent der Industrieunternehmen mit
Betriebe sprechen von einer gu- gleichbleibenden Geschäften. Nur
ten Geschäftslage. Durch den lan- jeder 20. Betrieb befürchtet eine
gen Aufschwung meldet inzwischen Verschlechterung.
Handel
Die Konsumlaune der Bürger be- gistrieren fast 44 Prozent der Händ-
flügelt vor allem den Handel. Auch ler gestiegene Umsätze, wogegen
hier halten rund 94 Prozent ihre ge- nur knapp 16 Prozent von Rückgän-
schäftliche Situation für befriedi- gen berichten.
gend oder sogar gut. Jedoch geben Da die Konjunktur weiter auf-
jetzt nur gut 40 Prozent ein positives wärts gerichtet bleiben dürfte, sind
Urteil ab, am Jahresbeginn waren deutlich mehr Kaufleute optimis-
es deutlich mehr (fast 50 Prozent). tisch als skeptisch (22 zu 3 Prozent),
Dies lässt sich indes mit einer star- dass sich die Geschäfte gegen Jah-
ken Saisonkomponente um den Jah- resende noch weiter verbessern wer-
reswechsel herum erklären – vergli- den. In dieser Branche bleiben da-
chen mit dem Wert vom Herbst 2015 her die Beschäftigungsperspektiven
hat sich die Einschätzung des Han- günstig, aber auch der Fachkräfte-
dels sogar verbessert. Immerhin re- mangel drückt hier ganz besonders.
Dienstleistungen
Der Dienstleistungsbereich gestaltet mal so hoch wie der, bei denen sie
sich sehr heterogen, ist aber insge- geschrumpft sind. Gleichwohl hat
samt auf der Sonnenseite der Kon- sich die Stimmung seit dem Jahres-
junktur. Nicht zuletzt profitieren beginn leicht eingetrübt.
die Unternehmen von der starken Insbesondere die befragten Kre-
Binnennachfrage, aber häufig auch ditinstitute, die diesem Wirtschafts-
von den Aufträgen der öffentlichen zweig zugeordnet sind, sehen sich
Hand, die im Zusammenhang mit aufgrund der Niedrigzinspolitik und
der Flüchtlingskrise vergeben wur- der hohen regulatorischen Auflagen
den. 32 Prozent halten ihre aktuelle im Finanzsektor zunehmend unter
Geschäftslage für gut, nur eine Min- Druck. Insgesamt wird die Zukunft
derheit von rund zwei Prozent für jedoch mehrheitlich positiv einge-
nicht zufriedenstellend. schätzt, die Einstellungsbereitschaft
Besonders positiv urteilen die bleibt hoch.
unternehmensnahen Dienstleister. Die Sorgen wegen Fachkräfte-
Der Anteil der Unternehmen, der er- mangels und steigender Arbeitskos-
höhte Umsätze meldet, ist fast drei- ten sind besonders verbreitet.
Ruhr Wirtschaft November 2016 11WIRTSCHAFT REGIONAL
75 Jahre Westfälisches Wirtschaftsarchiv
Zukunft braucht Herkunft
Festakt am 31. Oktober in der IHK: Anerkennende Worte für das „Gedächtnis der Wirtschaft“
Z
»Westfalen ist heute ukunft braucht Herkunft! Oder anders Anerkennende Worte fanden Ullrich Sier-
eine Hochburg der formuliert: Es gibt keine Zukunft ohne au, Oberbürgermeister der Stadt Dortmund,
‚Hidden Champions‘… Herkunft. Zur Identität gehört ganz sowie Matthias Löb, Direktor des Land-
Auch ihre historischen wesentlich das Bewusstsein der eige- schaftsverbandes Westfalen-Lippe, in ihren
Leistungen dokumen- nen Geschichte“, sagte Heinz-Herbert Dust- Grußworten. „Das Westfälische Wirtschafts-
mann, Präsident der Industrie- und Handels- archiv ist eine unverzichtbare, zentrale Insti-
tiert das WWA als
kammer zu Dortmund, in seiner Begrüßung tution, wenn es darum geht, die Historie und
‚Gedächtnis‘ unserer zum Auftakt der Jubiläumsfeier des Westfäli- den wirtschaftlichen Wandel Dortmunds und
Wirtschaft.« schen Wirtschaftsarchivs (WWA). der Region zu dokumentieren, zu analysie-
Stefan Schreiber, Seit 75 Jahren ist das WWA die regiona- ren und daraus auch Rückschlüsse für die Zu-
IHK-Hauptgeschäftsführer le Dokumentationsstelle der Wirtschaft in kunft zu ziehen“, betonte Ullrich Sierau. „Die
Westfalen und Lippe. Neben Geschäftsbü- gute Arbeit des Archivs beschränkt sich nicht
chern und Akten verwahrt das Archiv etwa nur auf das Einwerben und Sammeln des Ar-
600.000 Fotos, 4.500 historische Plakate, chivguts der Wirtschaft, sondern umfasst
600 Filme und unzählige Tondokumente. Die auch die Beratung beim Aufbau eigener Un-
Bestände repräsentieren die historische Ent- ternehmensarchive“, ergänzte Matthias Löb.
wicklung der einzelnen Wirtschaftsräume
IHK-Hauptgeschäftsführer Westfalens im Strukturwandel von drei Jahr- Benutzer kommen aus aller Welt
Stefan Schreiber (4. v. l.) hunderten, so etwa des Sieger- und Münster- „Jährlich begrüßt das Westfälische Wirt-
begrüßte in seiner Funk- landes, Ostwestfalens, des Märkischen und schaftsarchiv etwa 300 Benutzer, darunter
tion als Vorsitzender der Arnsberger Raums und natürlich des Westfä- Wissenschaftler aus der ganzen Welt, Stu-
Stiftung Westfälisches lischen Ruhrgebiets. Aus diesen reichen Be- dierende, Vertreter von Museen, Journalis-
Wirtschaftsarchiv (WWA) ständen schöpft auch die über 800 Seiten ten sowie Familien- und Heimatforscher“, so
Landesbildungsministerin umfassende Jubiläumsschrift „Quellen zur Dr. Karl-Peter Ellerbrock. Seit 1996 ist er Di-
Sylvia Löhrmann (3. v. l.) Westfälischen Wirtschaftsgeschichte“, die rektor des WWA. Für das Archiv engagiert
und Vertreter des Gymnasi- Anfang Dezember im Münsteraner Aschen- sich seit über 60 Jahren die Fördergesell-
ums an der Schweizer Allee dorff-Verlag erscheinen wird. schaft des WWA, die Gesellschaft für West-
am 27. Oktober im WWA.
12 Ruhr Wirtschaft November 2016Zum Jubiläum gratulier-
ten Vertreter aus Politik,
fälische Wirtschaftsgeschichte (GWWG) un- schäftsführer und Vorsitzender des WWA-Vor- Verwaltung und Wirtschaft
ter Vorsitz von Joachim Punge, Vizepräsident stands, eine Diskussion mit Berthold Schrö- sowie Repräsentanten der
der IHK zu Dortmund. In diesem Netzwerk der, Präsident der Handwerkskammer Dort- das WWA tragenden Indus-
sind etwa 600 Mitglieder organisiert. Pas- mund, Dr. Michael Henze, Leiter der Abtei- trie- und Handelskammern.
send zum Jubiläum hat der Facebook-Auftritt lung Strukturpolitik, Mittelstand und Hand- Fotos: IHK/Oliver Schaper
„Westfälische Wirtschaftsgeschichte“ bei der werk im Ministerium für Wirtschaft, Ener-
Anzahl der „Follower“ sogar das Bundesar- gie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des
chiv überholt. Landes Nordrhein-Westfalen, und Dr. Martin
Zum Thema „Wirtschaftsarchive im 21. Müller, Vorsitzender der Vereinigung deut-
Jahrhundert“ moderierten Dr. Karl-Peter El- scher Wirtschaftsarchivare, Frankfurt.
lerbrock und Stefan Schreiber, IHK-Hauptge- >
Sylvia Löhrmann besucht Westfälisches Wirtschaftsarchiv
NRW-Ministerin für Schule und Weiterbildung informierte sich über das Projekt „Migration im Ruhrbergbau“.
H ohen Besuch hatte am 27. Okto-
ber das Westfälische Wirtschafts-
archiv, als die Landesministerin
für Schule und Weiterbildung, Sylvia
Löhrmann, sich über die Aktivitäten
Gymnasium, Goethe Gymnasium und
Gymnasium an der Schweizer Allee
war auch ein 26-köpfiger Leistungs-
kurs mit seinem Lehrer Benjamin Din-
kelmann (Gymnasium an der Schwei-
und Schülern die Archivarbeit näher
zu bringen. Seitdem habe das WWA
sich zu einem beliebten Lernort ent-
wickelt. Rund 500 Schüler der achten
Klassen und Leistungskurse würden
des WWA im Bereich Archiv und Schu- zer Allee) mit von der Partie. jährlich in das WWA kommen. Dieser
le informierte. Anlass ihrer Stippvisite Bei seiner Begrüßung betonte der Erfolg zeige die Richtigkeit der von
in Dortmund war die Herausgabe des Vorsitzende der Stiftung Westfäli- Ministerin Löhrmann geschaffenen In-
ersten Bandes der neuen Schriftenrei- sches Wirtschaftsarchiv, IHK-Haupt- itiative „Bildungspartner NRW“.
he „Wirtschafts- und sozialgeschicht- geschäftsführer Stefan Schreiber, dass Das Archiv kooperiert eng mit di-
liche Quellen für die historisch-politi- die Beschäftigung mit der Wirtschafts- versen Dortmunder Schulen. Mit dem
sche Bildung in Westfalen“. Der Band geschichte das Wirtschaftswissen im Phoenix-Gymnasium und dem Gym-
widmet sich dem Thema „Migration Schulalltag stärker verankere. Im Jahr nasium an der Schweizer Allee be-
im Ruhrbergbau“ und wurde von der 2010 habe das WWA damit begonnen, stehen seit 2014 und mit dem Goethe
RAG-Stiftung gefördert. Stellvertre- systematisch im Rahmen seines his- Gymnasium seit 2016 eingetragene
tend für die drei Schulpartnerschaften torisch-politisch Bildungsauftrags ne- Bildungspartnerschaften im Rahmen
mit den Dortmunder Schulen Phoenix- ben Studierenden auch Schülerinnen der Initiative Bildungspartner NRW.
Ruhr Wirtschaft November 2016 13WIRTSCHAFT REGIONAL
> Zeitung, Joachim Punge und Jürgen Wann-
Der Festakt Ein Impulsreferat von Werner Plumpe, Pro- hoff, Vizepräsident des Sparkassenverbands
1 Diskutierten über Wirtschafts- fessor für Wirtschafts- und Sozialgeschich- Westfalen-Lippe.
archive im 21. Jahrhundert (v. l.): te an der Johann Wolfgang Goethe-Univer- „Westfalen ist heute eine Hochburg der
Stefan Schreiber, Dr. Michael sität, Frankfurt am Main, leitete das Sympo- ‚Hidden Champions‘, zumeist kleine bis mit-
Henze, Berthold Schröder, Dr. sium zum Thema „Erfolgsfaktoren des ‚Ger- telständische Familienunternehmen mit ei-
Martin Müller und Dr. Karl-Peter man Mittelstand‘ ein. Es diskutierten Heinz- ner langen Tradition. Auch ihre historischen
Ellerbrock. Herbert Dustmann, Dr. Benedikt Hüffer, Ge- Leistungen dokumentiert das WWA als ‚Ge-
schäftsführender Gesellschafter der Aschen- dächtnis‘ unserer Wirtschaft ebenso wie
2 Die Gäste folgten dorff GmbH & Co. KG und Präsident der IHK den spannenden Strukturwandel des Hand-
interessiert den Ausführungen Nord Westfalen, Hans Hund, Präsident des werks“, so Stefan Schreiber.
der Referenten. Westdeutschen Handwerkskammertages Die Jubiläumsveranstaltung wurde von
und Präsident der Handwerkskammer Müns- den Sparkassen in Westfalen-Lippe großzü-
3 Dr. Martin Müller, Vorsitzender ter, Carsten Knop, Verantwortlicher Redak- gig gefördert. Musikalisch umrahmt wurde
der Vereinigung deutscher Wirt- teur für Wirtschaftsberichterstattung und sie mit Jazzklängen der Dortmunder Musiker
schaftsarchivare (l.), mit Archivdi- Unternehmen der Frankfurter Allgemeinen Gilda Razani und Hans Wanning.
rektor Dr. Karl-Peter Ellerbrock.
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14 Ruhr Wirtschaft November 2016» Als Meister von echten Profis beraten werden. « Die E.ON Geschäftskunden Betreuung macht’s möglich. Wir kümmern uns um die optimale Energielösung für Ihr Unternehmen: von der Strom- und Gaslieferung bis hin zur Erzeugung und Speicherung von Energie. Damit Sie sich ganz auf Ihr Geschäft konzentrieren können. Unsere Leistungen für Geschäftskunden auf: eon.de/profi Ihr Erfolg. Unsere Energie.
INTERVIEW
Körpersprache richtig nutzen!
Kommunikation wirkt
auch ohne Worte. Gera-
de im Wirtschaftsleben
ist Körpersprache ein
entscheidender Faktor.
Im Interview mit der
Ruhr Wirtschaft spricht
der Dortmunder Busi-
ness-Coach Arvid
Nienhaus über das
richtige Auftreten und
gibt Tipps, wie man
„Störsignale“ ver-
meidet.
»Sowohl Mit-
arbeiter als
auch Kunden
machen die
Qualität der
Führung zum
großen Teil
am Auftreten
der Person
fest, ebenso
die Glaub-
würdigkeit.«
16 Ruhr Wirtschaft November 2016Herr Nienhaus, Sie sind Trainer für gnal“ sendet, wird dieses Signal mit ins-
Körpersprache. Wie wird man das? gesamt über 90 Prozent der Botschaft
Ich habe Schauspiel studiert, und schon mehr wahrgenommen, als das gespro-
früh faszinierte mich die Frage, was gu- chene Wort. Ein solches Signal kann
te Schauspieler und Menschen authen- beispielsweise sein, im falschen Moment
tisch wirken lässt. Jeder kennt die Situ- auf die Uhr zu schauen.
ation, etwa aus der eigenen Schulzeit,
in der vermeintlich weniger engagierte Die unbewusste Wahrnehmung spielt
Schüler allein durch ihr Auftreten über- hier also eine große Rolle.
zeugen konnten, während gute Schüler Absolut. Wir alle kennen das Gefühl,
sich im Referat nicht so gut verkauften wenn wir etwa auf einer Messe sind und
und sogar schlechter beurteilt wurden. uns jemand, der uns etwas verkaufen
Hier interessierte mich die Frage, was will, schlichtweg zu nahe kommt. Unser
die tatsächlich guten Schüler entwickeln Körper spürt diese unbehagliche Nähe Arvid Nienhaus
müssen, um auch in ihrer Kommunika- sehr schnell und der Kontakt ist ruiniert. Schauspiel-Studium in Berlin;
tion erfolgreich zu sein. Als Schauspie- Dies ist eine Situation, die wir durch un- zehn Jahre Schauspiel-Tätig-
ler beschäftigt man sich automatisch mit sere Körpersprache entschärften und keit; Ausbildung zum Kommu-
der Körpersprache und Wirkung. Denn durch das Wissen um Körpersprache na- nikations-Trainer und Kom-
durch sie wirkt eine Rolle erst glaubwür- türlich nutzen können. Das Auftreten ei- munikations-Manager; Aus-
dig. Ich habe mich weiter auf die Funk- ner Person sagt viel über dessen Wer- bildung zum NLP-Practitio-
tion und Wirkung der Körpersprache im te aus. Das gilt natürlich auch für uns ner und NLP-Master (DVN-
zwischenmenschlichen Alltag und in der selbst, daher sollte unser Auftreten stets LP und IANLP -zertifiziert); Ar-
Kommunikation spezialisiert. Daraus unsere Werte widerspiegeln. beit nach dem Ethik-Kodex
sind bis heute die verschiedenen Trai- für Trainer und Berater; Spezi-
ning- und Coaching-Bereiche meiner Ar- Was sind die häufigsten Fehler, alisierung auf Methoden des
beit in den Feldern Körpersprache und die Führungskräfte durch falsche Coachings und Trainings in
Potenzialentwicklung gewachsen. Körpersprache begehen? der Körpersprache (nonverba-
Es fängt häufig mit der Begrüßung an. len Kommunikation); Tätigkei-
Nonverbale Führung über Körperspra- Der Handschlag sollte stets mit dem Au- ten als Referent; Inhouse-Vor-
che, wie kann man sich das vorstellen? genkontakt erfolgen. Präsenz ist hier das träge und Fachtagungen zu
Man beginnt zunächst damit, genau- Stichwort und nicht mit seinen Gedan- Körpersprache und Kommuni-
er hinzuschauen, in welchen Situatio- ken und der Körpersprache schon bei kation; Coaching und Training
nen wir eine besondere Wirkung auf an- der nächsten Person sein. In der heu- von Schülern; Bewerbungs-
dere Menschen haben. Diese kann posi- tigen sehr schnell getakteten Kommu- Training im Bereich Kommu-
tiv oder negativ ausfallen. Ein negatives nikation ist das eine Herausforderung, nikation und Körpersprache;
Beispiel aus der Praxis ist, wenn ich als da dieser Fehler häufig unbewusst pas- www.arvid-nienhaus.de
Führungskraft vor meine Angestellten siert. Der Handschlag ist ein zwischen-
trete und den direkten Blickkontakt und menschliches Bekenntnis für die Situa-
damit die direkte Ansprache vernach- tion – „ich bin jetzt für Dich da.“ In der
lässige oder sogar vergesse. Dann bleibt heutigen Welt, in der Fakten von jedem
das, was ich an Inhalt vermitteln möch- Ort abrufbar und schnell veraltet sind,
te, kaum in Erinnerung. Der zwischen- wird der persönliche Kontakt wichti-
menschliche Bezug zu mir als Persön- ger denn je. Denn die persönliche Be-
lichkeit fehlt. ziehung bleibt in dieser Situation viel
eher hängen als vermittelte Fakten. Da-
Und der ist entscheidend? her ist das eigene Auftreten so wichtig.
Ja. Sowohl Mitarbeiter als auch Kun- Daneben gilt die mangelnde persönliche
den machen die Qualität der Führung Präsenz als ein klassischer Führungsfeh-
zum großen Teil am Auftreten der Per- ler. Oft muss Zeitmangel dafür herhal-
son fest, ebenso die Glaubwürdigkeit. ten, dass man es wieder nicht schafft, in
Der Erstkontakt beim Kunden ist inner- der Werkshalle vorbeizuschauen. Mein
halb von Sekundenbruchteilen entschei- Tipp hierzu ist: Klasse statt Masse. Denn
dend dafür, ob aus dem Kundenkontakt wenn man schon wenig Zeit hat, dann
auch eine Kundenbeziehung wird, in der sollten die wenigen Momente vor Ort so
Sympathie mitschwingt oder nicht. Kör- genutzt werden, dass sie beim Mitarbei-
persprache ist dabei ein entscheidender ter richtig wirken und hängen bleiben.
Faktor. Denn noch intensiver wird wahr- Ein gutes Gespräch ersetzt eine Vielzahl
genommen, ob die Körpersprache und sonst kurzer Zwischenstopps.
die verbale Kommunikation überein-
stimmen. Ist das nicht der Fall, weil man Das Interview führte Matthias Stiller,
Leiter der IHK-Weiterbildung
abgelenkt ist und nonverbal ein „Störsi-
Ruhr Wirtschaft November 2016 17Rückblick Oktober-Jour-fixe
Wirtschaftsarchiv
gibt Einblicke
Für den Jour fixe im Oktober öff-
nete das Westfälische Wirtschafts-
archiv seine Schatztruhe für die
Wirtschaftsjunioren, Gäste und In-
teressierte. Die regionale Doku-
mentationsstelle der Wirtschaft in
Westfalen und Lippe gab dabei an
diesem Abend spannende Einbli-
cke in die Vergangenheit. Gastge- Das Bewerbungstraining kam bei den Schülern der Hellweg- und der Anne-Frank-
ber Dr. Karl-Peter Ellerbrock, Di- Realschule gut an. Foto: Lutz Kampert
rektor der Stiftung Westfälisches
Wirtschaftsarchiv, verstand es da-
bei, nicht nur zahlreiche Expona-
te ins rechte Licht zu rücken, son-
Optimal in den Job starten
dern erläuterte im Rahmen ei-
nes Vortrags auch, dass die Regi- „Vitamin Du“: Wirtschaftsjunioren stellen für Schüler aus Unna
on viel mehr zu bieten hat als den
bekannten Dreiklang aus Kohle,
ein mehrstufiges Bewerbungstraining auf die Beine.
Stahl und Bier.
Stern sucht Himmel
Engagement für
Veranstaltung
Zahlreiche WJ-Mitglieder haben
F ür rund 100 Schüler der Hellweg-
und der Anne-Frank-Realschu-
le haben die Wirtschaftsjunioren
Dortmund Kreis Unna Hamm (WJ)
ehrenamtlich ein individuelles Bewer-
tere Ausbildung knüpfen“, unter-
streicht Erika Kaiser, Koordinatorin
für Studien- und Berufswahlorientie-
rung an der Hellweg-Realschule, den
Mehrwert des Projekts aus ihrer Sicht.
dafür gesorgt, dass auch die neun- bungstraining durchgeführt. „Mit un- Der „Bewerbungs-Check“ und die
te Singledisco „Stern sucht Him- serem Projekt ‚Vitamin Du’ wollen wir Fachvorträge waren die ersten Modu-
mel“ für Menschen mit Behinde- dazu beitragen, dass die Schüler ei- le des mehrteiligen Bewerbungstrai-
rung ein voller Erfolg wurde. Im nen optimalen Start ins Berufsleben nings, das die WJ seit 2009 an Schu-
Rahmen ihres ehrenamtlichen En- haben“, so Christine Valtin, zusam- len im gesamten IHK-Kammerbezirk
gagements unterstützten sie den men mit Sonja Rüping und Thomas anbieten. Im Fokus steht dabei immer
Veranstalter, die Lebenshilfe Dort- Chmielnik verantwortlich für das Pro- eine möglichst realistische Vorberei-
mund, am Abend des 7. Oktober jekt. „Als selbstständige Unternehmer tung auf das, was die Jugendlichen im
im Dietrich-Keuning-Haus. Unter und angestellte Führungskräfte haben Berufsleben erwartet. Auf das Prüfen
anderem als „Flirtengel“ bereite- wir einen Praxis-Vorteil, den wir ger- der Unterlagen und den Vortrag fol-
ten sie den rund 500 Teilnehmern ne an die Jugendlichen weitergeben. gen simulierte Bewerbungsgespräche,
einen unvergesslichen Abend. Denn wir wissen, worauf Personalver- die die Wirtschaftsjunioren mit den
antwortliche achten.“ Teilnehmern nicht in der Schule, son-
Jour fixe im Dezember Ein Team aus Wirtschaftsjunio- dern in einem Unternehmen führen.
Wintergrillen bei ren sorgte am 2. November in Unna „Die Schüler sollen sich wie bei einem
dafür, dass die Bewerbungsunterla- richtigen Vorstellungsgespräch füh-
Spieker & Jaeger gen der Neunt- und Zehntklässler un- len“, betont Thomas Chmielnik.
Das monatliche Treffen der WJ ter „Praxisbedingungen“ geprüft wur- Neu in diesem Jahr: Nach den si-
findet im Dezember bei Spieker den. Anschließend erhielt jeder Schü- mulierten Vorstellungsgesprächen
& Jaeger, Kronenburgallee 5 in ler ein persönliches Feedback. Zusätz- werden die engagiertesten Teilneh-
44139 Dortmund, statt. Am Abend lich gab Carsten Jäger, Past President mer geehrt und nach Bedarf über „Vi-
des 12. Dezember kommen dazu der WJ, den Eltern wichtige Infos bei tamin Du“ hinaus weiter unterstützt
Mitglieder, Gastmitglieder und In- seinem Vortrag „Wie unterstütze ich
teressierte ab 18:30 Uhr zusam- mein Kind im Bewerbungsprozess?“
men. Auf der Dachterrasse der mit auf den Weg.
Rechtsanwaltskanzlei erwartet die „Für unsere Schüler ist es eine ein- Wirtschaftsjunioren
Anwesenden ein „Wintergrillen“ malige Gelegenheit, sehr praxisnahes bei der IHK zu Dortmund e.V.
mit anschließendem Networking. Feedback zu erhalten. Außerdem kön- Dominik Stute, Geschäftsführer
Anmeldung unter: wirtschaftsjuni- nen sie im Rahmen des Bewerbungs- Tel. 0231 5417-315
oren@dortmund.ihk.de trainings erste Kontakte für eine spä- E-Mail: info@wj-dortmund.de
18 Ruhr Wirtschaft November 2016WIRTSCHAFT REGIONAL
Amazon siedelt sich
in Dortmund an WIR
LIEFERN AN
Auf dem Areal der Westfalenhütte will der Versandriese mit seinem
neuen Logistikzentrum 1.000 Arbeitsplätze schaffen.
UND
A mazon hat Ende Oktober sei-
ne Pläne für den Neubau ei-
nes weiteren Logistikzent-
rums in Deutschland bekannt gege-
ben. In Dortmund, auf dem Gelände
„Vor allem bedeutet es „Arbeit
für alle“, sagt Thomas Westphal, Ge-
schäftsführer der Dortmunder Wirt-
schaftsförderung. „Durch Amazon
ergeben sich neue Jobs für hoch-
BAUEN AUF!
der Westfalenhütte, sollen innerhalb qualifizierte, aber auch für ge-
von zwölf Monaten nach der geplan- ringqualifizierte Menschen. Das
ten Inbetriebnahme Ende 2017 min- neue Logistik-Zentrum kann einen
destens 1.000 Arbeitsplätze entste- spürbaren Beitrag liefern, die Ar-
hen. Mit der Investition von 27 Milli- beitslosigkeit in Dortmund und der
onen Euro allein im ersten Jahr baut Region weiter zu senken.“
Amazon sein bestehendes Netzwerk Amazon verfügt derzeit über
in Deutschland aus und reagiert da- neun Logistikzentren, die Teil des
mit auf die wachsende Kundennach- Europäischen Netzwerkes von 31
frage, bietet noch mehr Produktaus- Logistikzentren sind. Seit 2010 hat
wahl für Kunden und unterstützt ei- Amazon mehr als 15 Milliarden Eu-
ne wachsende Zahl unabhängiger ro in Europa investiert, z.B. in Infra-
Händler, die über Amazon Market- struktur und Anlagen in der Logis-
place verkaufen und „Fulfilment by tik sowie im Kundenservice, Amazon
Amazon“ für Lagerhaltung und Ver- Web-Services, Rechenzentren sowie
sand nutzen. Forschung und Entwicklung.
Das neue Gebäude soll auf
45.000 Quadratmetern mit der neu- Neue Arbeitsplätze im Umfeld
esten Fördertechnik und Klimaanla- Amazon verfügt derzeit über neun
ge ausgestattet sein. Der Betrieb soll Logistikzentren, die Teil des euro-
im Herbst/Winter 2017 starten. päischen Netzwerks von 31 Logistik-
„Wir sind überzeugt, dass die zentren sind. Amazon hat mehr als
Kunden von dieser Investition pro- 13.000 unbefristete Arbeitsplätze in
fitieren, genauso wie die ganze Re- Deutschland geschaffen, davon über
gion. Amazon schafft attraktive Ar- 11.000 in den Logistikzentren. Zu-
beitsplätze und neue Chancen für sätzlich sind viele Arbeitsplätze im
mittelständische Händler, die über Umfeld entstanden: Die Händler auf
Amazon Marketplace einfach Millio- Amazon Marketplace haben allein in
nen von Kunden in Europa erreichen Deutschland rund 90.000 Arbeits-
können”, sagt Roy Perticucci, Chef plätze geschaffen.
des Europäischen Logistiknetzwerks.
„Der Neubau von Amazon verste-
tigt Dortmunds Rolle als bedeuten-
der Logistikstandort in Deutschland
und Europa“, sagt Oberbürgermeis-
ter Ullrich Sierau. „Wir freuen uns Blick hinter die Kulissen
auf eine langfristige, vertrauensvol- › Für interessierte Kunden und die
le Zusammenarbeit. Die Entschei- breite Öffentlichkeit öffnet Ama-
dung für die Investition in Dortmund zon die Tore der Logistikzent-
bedeutet Jobchancen für viele Men- ren und bietet Führungen an den
schen in der Region. Faire Löhne für Standorten Bad Hersfeld, Graben
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und Koblenz an.
spielen eine wichtige Rolle. Wir freu- › Anmeldungen sind möglich unter
en uns über die Ansiedlung.“ www.amazon.de/amazon-besuchen
Ruhr Wirtschaft November 2016 19Zum Schutz vor Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen, z. B. Kassenaufzeichnungen, soll die Unveränderbarkeit von
digitalen Grundaufzeichnungen sichergestellt und dem ein Riegel vorgeschoben werden. Grafik: Bundesministerium der Finanzen
Die neuen Anforderungen
an Kassensysteme
Ab 2020 sollen Einrichtungen zur Manipulationssicherheit Pflicht werden.
VON PATRICK VOSS
W
as die Finanzverwaltung Bisher erfüllen in der Regel nicht Kassensysteme, die die steuer-
von den Kassennutzern alle elektronischen Registrierkas- rechtlichen Anforderungen der Fi-
erwartet und welche An- sen die technischen Voraussetzun- nanzverwaltungen nicht erfüllen,
forderungen zur Aufbe- gen, um beispielsweise Journal-, Aus- müssen bis zum 31. Dezember 2016
wahrung digitaler Unterlagen bei Bar- wertungs-, Programmierdaten oder ersetzt werden. Jeder Nutzer elektro-
geschäften gefordert werden, hat die Stammdatenänderungen im Gerät zu nischer Registrierkassen ist verpflich-
Finanzverwaltung bereits mit dem speichern. Ist ein Kassensystem bau- tet zu prüfen, ob eine Nachrüstung
Schreiben des Bundesministeriums artbedingt nicht in der Lage, die steu- seines Kassensystems beispielsweise
der Finanzen vom 26. November 2010 errelevanten Daten entsprechend auf- durch Software-Updates möglich ist.
klargestellt. An den dort niedergeleg- zuzeichnen, so ist entweder eine Soft- Erfüllt eine Kasse die Anforderungen
ten Aussagen hat sich auch durch die wareanpassung und Speichererwei- ab 1. Januar 2017 nicht, ist sie nicht
am 14. November 2014 veröffentlich- terung an dem Gerät durchzuführen, ordnungsgemäß.
ten „Grundsätze zur ordnungsgemä- um die Daten digital aufzuzeichnen, Eine Pflicht zur Benutzung einer
ßen Führung und Aufbewahrung von oder eine Archivierung der Daten un- elektronischen Registrierkasse be-
Büchern, Aufzeichnungen und Un- veränderbar und auswertbar über ei- steht grundsätzlich nicht. Künftig auf
terlagen in elektronischer Form so- ne Schnittstelle auf einem externen eine moderne elektronische Regist-
wie zum Datenzugriff (GoBD)“ des Datenträger zu sichern. rierkasse zu verzichten und die Ge-
Finanzministeriums nichts geändert. Dabei sind auch Einsatzorte und schäftsvorfälle stattdessen manu-
Diese GoBD wurden zwischen den Einsatzzeiträume einer Kasse zu pro- ell aufzuzeichnen, ist in den meisten
Finanzverwaltungen von Bund und tokollieren. Betroffen sind alle Unter- Fällen wahrscheinlich wenig zielfüh-
Ländern sowie den steuerberatenden nehmen, die elektronische Kassen- rend.
Berufen abgestimmt und umfassen systeme im Einsatz haben. Dies be- Denn: Für diese Aufzeichnungen
praxisgerecht die Anforderungen der trifft vor allem Einzelhändler, aber sind ebenfalls strenge Anforderun-
Finanzverwaltung an eine IT-gestütz- auch Gastronomen, Kantinenbetrei- gen zu beachten, bei denen leicht Feh-
te Buchführung. ber oder Taxiunternehmen. ler entstehen können. „Wegen der be-
20 Ruhr Wirtschaft November 2016WIRTSCHAFT REGIONAL
sonderen Relevanz der ordnungsge- Thema Manipulationssicherheit ge- Eine Einführung einer allgemeinen
mäßen Kassenbuchführung in der ben. Nach einem aktuellen Gesetzent- Registrierkassenpflicht ist allerdings
Betriebsprüfung sollten sich drin- wurf der Bundesregierung vom 13. nicht vorgesehen, da dies insbeson-
gend alle Betriebe mit den gesetzli- Juli 2016 müssen künftig die soge- dere bei Wochenmärkten, Volks- und
chen Anforderungen vertraut ma- nannten Grundaufzeichnungen ein- Gemeindefesten oder beispielsweise
chen und auf deren konsequente Be- zeln, vollständig, richtig, zeitgerecht bei Hofläden aus Sicht des Bundesmi-
folgung achten“, rät Patrick Voss, Re- und geordnet auf einem Speicherme- nisteriums der Finanzen unverhältnis-
ferent für Einzelhandel, Dienstleis- dium gesichert werden. Die elektro- mäßig wäre.
tungen und Stadtentwicklung der IHK nischen Systeme müssen dann über Ergänzend zu den vorhandenen
zu Dortmund. „Denn ist die Kassen- eine zertifizierte technische Sicher- Instrumenten der Steuerkontrolle soll
führung fehlerhaft, kann die Finanz- heitseinrichtung verfügen, die aus eine unangekündigte Kassen-Nach-
verwaltung die Buchhaltung verwer- drei Bestandteilen besteht: einem Si- schau gesetzlich eingeführt werden.
fen und die Besteuerungsgrundlagen cherheitsmodul, einem Speicherme- Verstöße können künftig mit einer
schätzen“. dium und einer digitalen Schnittstel- Geldbuße von bis zu 25.000 Euro ge-
Insbesondere dann, wenn Unter- le. Der „Entwurf eines Gesetzes zum ahndet werden.
nehmen nicht sicher seien, ob ihre Schutz vor Manipulationen an digita- Der „Entwurf des Gesetzes zum
Buchführung und Kassensysteme ge- len Grundaufzeichnungen“ schreibt Schutz vor Manipulationen an digita-
setzeskonform sind, sollten sich die keine bestimmte Lösung vor, sondern len Grundaufzeichnungen“ befindet
Betriebe dringend mit ihrem Steu- ist technologieoffen und herstelle- derzeit sich im Gesetzgebungsverfah-
erberater und ihrem Kassenherstel- runabhängig ausgestaltet. Die Sicher- ren. Weitere Informationen unter:
ler oder IT-Dienstleister bezüglich ei- heitseinrichtung soll verpflichtend ab www.dortmund.ihk24.de,
ner Überprüfung in Verbindung set- dem 1. Januar 2020 eingesetzt wer- Dokument-Nr. 3004748
zen und gegebenenfalls entsprechen- den. Unternehmen, die bereits eine
de Aktualisierungen einleiten, emp- neue Kasse gemäß den Anforderun- Ansprechpartner:
fiehlt Voss. gen des BMF-Schreibens vom 26. No- Patrick Voss
vember 2010 angeschafft haben, und Tel. 0231 5471-153
Die manipulationssichere die bauartbedingt nicht aufrüstbar ist, p.voss@dortmund.ihk.de
Registrierkasse wird kommen soll eine längere Umsetzungsfrist, vo-
Neben den steuerrechtlichen Neue- raussichtlich bis zum 31. Dezember
rungen wird es neue Vorschriften zum 2022, eingeräumt werden.
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Ruhr Wirtschaft November 2016 21Gewinner, Nominierte und Akteure des Westfälischen Handelspreises ( v. l.): Regina Holland-Erlei, Katharina Großkraumbach-
Jacoby, Ullrich Sierau, Wolfgang Neuhoff, Thomas Schäfer, Heinz-Herbert Dustmann, Rudolf Tewes, Michael Brückner und Michaela
Dellwig. Foto: Handelsverband Nordrhein-Westfalen Westfalen-Münsterland e. V.
Familienbetrieb gewinnt
Wolfgang Neuhoff, Inhaber der Neuhoff Hausgeräte und Küchen GmbH & Co. KG,
gewinnt den Westfälischen Handelspreis 2016.
N ach der Präsentation der Kan-
didaten in der Endrunde ver-
kündete Heinz-Herbert Dust-
mann, stellvertretender Vorsitzender
des Handelsverbands NRW Westfa-
bare Kaufleute, die den sprichwörtli-
chen Wandel im Handel mit Bravour
und zum Wohl ihrer Unternehmen
mitgestaltet haben“, verwies er auf die
Bedeutung des stationären Handels in
Traditionell überbrachte der Ober-
bürgermeister der Stadt Dortmund,
Ullrich Sierau, sein Grußwort. Im An-
schluss folgte der Festvortrag, in dem
Thomas Meißner sein junges Unter-
len-Münsterland, vor etwa 120 gela- der sich wandelnden Handelswelt: nehmen, Meißner-Tremonia, den Gäs-
denen Gästen aus Wirtschaft, Poli- „Der Mensch ist nicht für vier Wände ten präsentierte. Das musikalische
tik und Verwaltung die Entscheidung gemacht, er braucht sozialen Kontakt – Programm wurde von Antonia Wohl-
der Jury, in der neben dem Verband der stationäre Einzelhandel kann, wenn gemurh, alias Nia, gestaltet.
auch die National Bank als Mitfinan- er will, einen guten Teil dazu beitra- Noch vor der Preisverleihung ging
zierer der 5.000 Euro Preisgeld vertre- gen und damit selbst erfolgreich sein. Thomas Schäfer auf die zurzeit an-
ten war. Die Jury begründet ihre Ent- Mit der entsprechenden Kundenzuge- gespannte Lage für den Einzelhandel
scheidung mit dem Mut von Wolfgang wandtheit: Freundlichkeit, Wertschät- und die von drohendem Leerstand be-
Neuhoff, sich und sein Unternehmen zung. Gerade in Zeiten von Cyberspace, troffenen Zentren ein und forderte da-
stetig zu hinterfragen und neue Im- Whats App, SMS etc.“ zu auf, gerade die inhabergeführten
pulse zu setzen. In innovativer und klein- und mittelständischen Betriebe
deshalb preiswürdiger Weise erfand Nominierung ist Auszeichnung weiter zu unterstützen. „Wo der Han-
Wolfgang Neuhoff seinen Familien- Seit 2001 wird der Westfälische Han- del ist, ist Leben“, stellte Schäfer fest
betrieb neu und brachte ihn zurück delspreis jährlich vom Handelsver- und kritisierte die aktuelle Diskussi-
auf die Erfolgsspur. „Wir haben er- band NRW Westfalen-Münsterland on um die Einschränkung verkaufs-
neut fünf herausragende Kandidaten und der National Bank an Inhaber von offener Sonntage, denn „der Han-
in der Endrunde präsentieren können Einzelhandelsbetrieben verliehen. del ist im hohem Maße darauf ange-
,und allein die Nominierung ist schon In ihrer Begrüßung waren sich Mi- wiesen, spezielle Anlässe zu nutzen,
eine Auszeichnung für jede Unterneh- chael Brückner, Direktor der National- um seine Vielfalt und Leistungsfähig-
merpersönlichkeit“, sagte Heinz-Her- Bank Dortmund, und Thomas Schä- keit zu demonstrieren.“ Zudem wer-
bert Dustmann bei der Verleihung im fer, Hauptgeschäftsführer des Han- den die Anlässe, die auch für die Kom-
Westfälischen Industrieklub in Dort- delsverbands NRW Westfalen-Müns- munen und der Bevölkerung als Treff-
mund. Die weiteren Nominierten wa- terland einig: „Wir freuen uns, auch punkte und für das gesellschaftliches
ren Katharina Großkraumbach-Jaco- in diesem Jahr wieder Einzelhandels- Zusammenkommen wichtig sind, oft
by (Wolter GmbH & Co.KG, Kamen), kaufleute aus der Region präsentieren nur durch die finanzielle Beteiligung
Regina Holland-Erlei (Erlei Raum und zu können, die sich in für den Handel des Einzelhandels möglich gemacht
Design, Dortmund), Rudolf Tewes schwierigen Zeiten durch Fleiß, Kre- und drohen daher, in Zukunft infrage
(Carl Tewes GmbH, Dortmund) und ativität und Beharrlichkeit am Markt gestellt zu werden. Zugleich machte
Andreas Dellwig (Heinrich Dellwig behaupten können und es verdient Schäfer deutlich, dass ein Wildwuchs
GmbH & Co.KG, Hamm). haben, prominent vorgestellt zu wer- bei Sonntagsöffnungen im Einzelhan-
Bevor Heinz-Herbert Dustmann den. Wer am Ende auch den Preis ge- del durch geltendes Gesetz gar nicht
die Kandidaten mit den Worten vor- winnt, allein die Nominierung ist eine möglich sei und vom Handel nicht an-
stellte „alle Persönlichkeiten sind ehr- Auszeichnung.“ gestrebt werde.
22 Ruhr Wirtschaft November 2016Sie können auch lesen