Gruß - Tradition und Innovation Ernährung auf dem Klosterberg - Abtei Königsmünster

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Gruß - Tradition und Innovation Ernährung auf dem Klosterberg - Abtei Königsmünster
Gruß
              aus der Abtei Königsmünster

                                            Tradition und Innovation
                                            Ernährung auf dem Klosterberg
HEFT 2/2019

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Gruß - Tradition und Innovation Ernährung auf dem Klosterberg - Abtei Königsmünster
Impressum                        Inhalt                                                    Liebe Freundinnen und Freunde der Abtei,

                                  Seite

                                     3    Editorial                                                 gerade halten Sie die neueste Gruß-          Vielleicht bekommen Sie Lust, sich        Brot allein, sondern von jedem Wort, das
                                     4    Tradition und Innovation: Herausforderungen zum           Ausgabe in Ihren Händen. Ich fände           mit dieser Thematik auseinander-          aus Gottes Mund hervorgeht.“ Oder der
                                          Stichwort „Ernährung“ auf dem Klosterberg                 es spannend zu wissen, welche Gedan-         zusetzen? Nehmen Sie sich bewusst         Ausspruch von Martin Luther: „Gott
                                     9    AbteiSommer 2019                                          ken zum Thema „Ernährung“ jetzt in           einige Augenblicke Zeit und beden-        ist ein glühender Backofen voller Lie-
                                    10    Wenn es hinten und vorne fehlt …                          Ihren Köpfen kreisen.                        ken folgende Fragen: Wie steht es mit     be, der von der Erde bis zum Himmel
                   Herausgeber      12    Karibu sana – Willkommen in Deutschland!                                                               meiner Ernährung? Was beinhaltet für      reicht.“
          Abtei Königsmünster       15    Oberentreffen in Münsterschwarzach                        Im 39. Kapitel der Benediktsregel            mich der Begriff „Nahrung“?
                Klosterberg 11      16    Geschwisterliches Miteinanander                           heißt es: „Nach unserer Meinung dürf-                                                  Ernährung:     auch    ein   biblischer
              59872 Meschede        18    Wanderwoche 2019                                          ten für die tägliche Hauptmahlzeit, ob       Dem heiligen Benedikt geht es             Begriff. Auch und gerade das Wort
                  0291.2995-0       20    Impressionen aus dem Schafstall                           zur sechsten oder neunten Stunde, für je-    um Genügsamkeit, Ausgewogenheit,          Gottes will unseren Hunger stillen,
    presse@koenigsmuenster.de       22    Der kleine Mönch und sein Kloster-ABC – Teil V: Q–Z       den Tisch mit Rücksicht auf die Schwäche     Maßhaltung und Fürsorge. Und in all       will uns Richtung und Maßstab bieten.
       www.koenigsmuenster.de       24    „Workshop Religionspädagogik“ – Ein neues                 einzelner zwei gekochte Speisen genügen.     dem soll der Mönch auch Großzügig-        Mögen die folgenden Beiträge Ih-
                                          Bildungsangebot im Bereich „Jugend & Bildung“             Zwei gekochte Speisen sollen also für alle   keit erfahren.                            nen helfen, erneut Freude an einer
                     Redaktion      27    Natürlich freue ich mich, wenn es auch anderen gefällt.   Brüder genug sein. Gibt es Obst oder fri-                                              bewussten und gesunden Ernährung
          P. Maurus Runge OSB             Ein Porträt von unserem Bruder Remigius Stuhlmüller OSB   sches Gemüse, reiche man es zusätzlich.      Sind das nicht auch Begriffe, die in      zu finden und sich persönlich oder
               (verantwortlich)     30    Leben im „Container-Kloster“                              Ein reich bemessenes Pfund Brot genüge       die Österliche Bußzeit passen? Mei-       andere mit „Gutem für Leib und Seele“
           P. Guido Hügen OSB       32    Brot-Impuls                                               für den Tag …“                               nem Körper und meiner Seele Auf-          zu beschenken.
        Br. Justus Niehaus OSB      34    Bei Tisch vorgelesen                                                                                   merksamkeit schenken. Oder wie
                    Gestaltung      35    Abteiladen                                                Ernährung, ein aktuelles und welt­           es Dietrich Boenhoeffer so passend        Ihr
                 Tim von Holst      36    Abteikonzert                                              umspannendes Thema, und das nicht            formuliert hat: „Mensch, bedenke, du
                         Druck      37    AbteiGaststätte                                           nur unter der Sparte von Gesundheit          hast eine Seele.“ In diesem Zusammen-
Vier Türme GmbH Benedikt Press      38    Gottesdienste                                             und Fitness, sondern auch im Bereich         hang steht auch das Wort der Heiligen
      Abtei Münsterschwarzach       39    Missionshilfe                                             der Spiritualität.                           Schrift: „Der Mensch lebt nicht nur vom   Aloysius Althaus OSB

2                                                                                                                                                                                                                                3
Gruß - Tradition und Innovation Ernährung auf dem Klosterberg - Abtei Königsmünster
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Tradition und Innovation:                                                                                                   In der OASE sind die Gruppen der Jugendlichen jeweils nur

Herausforderungen zum Stichwort                                                                                             wenige Tage. Da müssen die Mitarbeitenden im Haus damit

„Ernährung“ auf dem Klosterberg                                                                                             leben, dass es letztendlich immer wieder die gleichen Ge-
                                                                                                                            richte gibt, die Jugendlichen „schmecken“: „Nudeln, Pom-
von Pater Guido Hügen OSB
                                                                                                                            mes, Schnitzel.“ Und selbst wenn kräftig zugelangt wird,
                                                                                                                            folgt oft noch der Weg in die Stadt. „Der Straßenkonsum ist
                                                                                                                            ein großes Problem im Bereich der Ernährung“, beschreibt
                                                                                                                            Orzel-Schwill. Vor allem deshalb, weil nicht mehr gemein-
„Vielseitig. Gesund. Gratwanderung. Günstig. Konsumver-        Zielgruppen verköstigt werden wollen – mit je ganz eigenen   sam gegessen wird in den Familien. Da geht es nicht nur um
halten. Qualität. Medieneinflüsse.“ Das waren die ersten       Erwartungen und Vorstellungen. Da ist der Spagat zwischen    Sattwerden, sondern auch um Kultur. Wo lernen Kinder und
Stichworte, die Sascha Orzel-Schwill und Bruder Antonius       Schulmensa und Klosterrefektorium nicht immer einfach.       Jugendliche noch zu kochen, wenn der Lieferdienst auch in
nannten, als ich sie nach Assoziationen zum Begriff „Ernäh-                                                                 der Familie alles bringt, was gerade gewollt ist? Regelmäßiges
rung“ fragte. „Essen und Trinken. Gesundheit. Wohlbefin-       Beginnen wir da, wo wir gerade sitzen: in der nachmittags    Gemüse zum Beispiel bleibt dann meist auf der Strecke.
den. Lebensgefühl. Religiös, fast ideologisch“ fügte eine      leeren Schulmensa. Für über 700 Schülerinnen und Schü-
Mitarbeiterin hinzu, die kurz an unseren Tisch in der Men-     ler wird hier täglich die Verpflegung angeboten. Im „Free-   Ganz anders im Haus der Stille. Was in der OASE das eher
sa kam. „Ernährung – 1a das Ernähren, das Ernährtwerden,       flow-System“, der Selbstentnahme. Buffet würden wir wohl     „immer Gleiche“ ist, sind hier oft viele Sonderwünsche.
Nahrungszufuhr; 1b Nahrung[smittel]; 2. wirtschaftliche        sagen. Aus einer breiten Palette können die mehr oder        „Schau dir den Speiseplan in der Küche mal an“, sagt Br.
Versorgung.“ Schreibt der Duden.                               weniger Hungrigen auswählen. Gesund soll es sein – er-       Antonius. So viele verschiedene Sachen kann man doch gar
                                                               warten nicht nur die Eltern. Doch das Essverhalten der Ju-   nicht machen. Aber der Gast ist König und möglichst viel will
Ich treffe mich zum Thema „Ernährung auf dem Kloster-          gendlichen ist ein anderes. Gerade einmal zehnmal gelangt    die Küche möglich machen. Das ist nicht nur bei der Zube-
berg“ mit Sascha Orzel-Schwill, dem Leiter unserer Lebens-     ein typisches Tellergericht auf den Tisch – Fleisch oder     reitung eine oft knifflige Frage: wer darf/kann/möchte denn
mittelbetriebe und Br. Antonius Fach OSB, der vor einigen      fleischlos, Gemüse, „Sättigungsbeilage“. Mehr im Rennen:     nun was? Oft beginnt es schon beim Einkauf, weil Vieles im
Jahren unsere Metzgerei von Bruder Ulrich übernommen hat.      Snacks, Pommes, einfache Nudelgerichte. Das Gesunde          Normalbetrieb nicht vorhanden ist und extra besorgt werden
Schon bei den ersten Gedanken wird deutlich, dass es so ganz   bleibt oft liegen. Und wie bei den Gästen der OASE weiß      muss. Ein großer Aufwand für wenige Menschen, der dann
einfach nicht ist mit diesem Thema. Gar nicht einmal, weil     Orzel-Schwill, dass auch die Schülerinnen und Schüler ger-   leider oft nicht einmal geschätzt wird.
die Kochkunst zu hoch oder die Lebensmittelbeschaffung         ne noch einen Abstecher beim Laden mit dem goldenen M
zu kompliziert ist. Es beginnt schon damit, dass an den ver-   am Bahnhof machen … Zeitgeist „gesund“ gegen Zeitgeist       Direkt neben der Schulmensa (und damit auch direkt neben
schiedenen Orten auf dem Klosterberg sehr unterschiedliche     „fast food“?!                                                der Küche) liegt die Abteigaststätte. Sie bedient sich aus dem

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THEMA

Angebot der Mensa und bietet täglich eine kleine Auswahl          Mönche selbst versorgen sollen. So steht auch am Beginn
an Tagesgerichten an. Und nachmittags natürlich die von vie-      unserer Lebensmittelbetriebe die eigene Versorgung. Aus
len geliebten Torten und Kuchen. Samstags den Eintopf, der        den Tieren im Stall entstand das eigene Fleisch, die eige-
Menschen auch von weit her anlockt, und sonntags ein eher         ne Wurst. Brot wurde für den eigenen Bedarf gebacken. Es
hochpreisiges Buffet. Da kommen auch in den Ferienzeiten          waren traditionelle Handwerksbetriebe – das waren sich die
Urlauber und Gäste gerne. Das alles „klassisch“ hergestellt       Mönche wert. Und das schmeckten bald auch andere, und
und doch etwas Besonderes. Aber dazu später mehr.                 der Verkauf im eigenen Abteiladen lief an.

Denn da sind auch noch die Mönche. Wir leben ja über              Was das bis heute bedeutet, erläutert Br. Antonius. Bis heu-
Jahrzehnte hier – und freuen uns über eine abwechslungs-          te nutzt er die alten, wenn auch immer weiterentwickelten
reiche, gesunde und wohlschmeckende Kost. Ich erinnere            Rezepturen. Aus der eigenen Viehwirtschaft und dem An-
mich noch an die „Ära“ von Schwester Adelgilde zu Beginn          liegen der Selbstversorgung entstand der Verkauf und die
meiner Klosterzeit. Viele Jahre lang hat sie „meine Männer“       Suche nach neuen Lieferanten für das Fleisch. Die Palette
bekocht: „Die brauchen was Ordentliches auf dem Teller!“          ist bewusst begrenzt – Qualität steht im Vordergrund. „Un-
Gute westfälische Küche – ich weiß sie bis heute zu schät-        sere Tiere leben alle in artgerechter Haltung – wir wissen,
zen. Wenn auch meist im 14-Tage-Rhythmus. Das sieht heu-          wo und wie sie leben. Z. B. das „Meister Strohschwein“. „Das
te anders aus. Vielfalt ist gefragt, abwechslungsreich soll das   lebt nicht nur auf Stroh“, ergänzt Orzel-Schwill, „sondern
Essen sein. Nicht immer ganz einfach bei zwei vegetarischen       lebt auch ohne genverändertes Soja mit einer eigenen Fut-
Tagen in der Woche, dazu einen mit Eintopf und einen mit          termischung des Bauern.“ Für beides, Gewissheit über die
Fisch. Oder doch? Unterschiedlichste Getreidesorten tragen        Herkunft und Qualität des Produktes, werden gerne auch
ebenso dazu bei wie die Kreativität derer, die für uns kochen.    ein paar Euro mehr ausgegeben, stellt Br. Antonius fest. Es
Da sollten wir öfter mal „Danke!“ sagen. Das sei hier an die-     ist das Geld wert. Und trägt zugleich dazu bei, bewusster zu
ser Stelle ausdrücklich getan!                                    konsumieren. Wertschätzender.

Doch was ist das, was auf den Tisch oder die Theke kommt?         Wir kommen an einen Punkt, der für mich sehr spannend
Unsere Speisen werden ja auch in den Abteiläden verkauft.         ist. „Gutes Essen ist nicht nur das, was auf dem Teller liegt“,
Deutlich wird bei allem, dass dahinter eine Tradition steht.      erklärt Sascha Orzel-Schwill, „Es beginnt viel früher.“ Wo-
Benedikt beschreibt in unserer Ordensregel, dass sich die         her kommen die Zutaten? Was bedeutet ihre Produktion für

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                                                                                                                               Fotos: Roman Weis
die Schöpfung? „Bio-Label haben inzwischen alle Discoun-      Verlieren Nahrungsmittel bei 180–200° rund 30 % des Volu-                            Samstags in den Sommerferien um 10.30 Uhr und 14 Uhr bieten die Mönche öffentliche und kostenlose
ter. Aber ist es gut, wenn Bio-Ware über Tausende von Kilo-   mens, sind es hier nur noch 2–3 %. Vitamine und Nährstoffe                           Führungen durch die Kirche und über das Klostergelände an. Der Treffpunkt ist am AbteiForum. Mit Köst-
metern transportiert werden muss? Wir setzen vor allem auf    bleiben deutlich besser erhalten. Intensivere Gewürze be-                            lichkeiten aus Abteiküche und -bäckerei können Sie sich im AbteiForum stärken. Ein Missionsbasar bietet seine
Regionalität und Nachhaltigkeit, auch wenn kein Bio-Label     deuten höhere Kosten, zugleich aber weniger an Menge. Und                            Waren für einen guten Zweck an.
draufklebt.“ Dafür unter anderem ist die Abtei Königsmüns-    bieten einen besseren Geschmack.
ter 2016 vom BDKJ und dem Diözesanrat im Erzbistum                                                                                                 Dienstags in den Sommerferien laden die Mönche zu Sommer-Erlebnisabenden:
Paderborn zur „Fairen Abtei“ erklärt worden.                  Und das bissfestere Gemüse? „Das ist auch ein Trend der Zeit“,                       16.7. 	LACHEN – „Hüsch im Himmel“ – eine Hommage an Hanns Dieter Hüsch von
                                                              sagt Orzel-Schwill, „Und hier wie auch sonst fragt sich: wann                               Christian Kercher und Esther Bürger
Wir kommen zu Fragen der Zubereitung. „Cook and chill“        schmeckt etwas? Und dann auch: Breche ich mit dem Trend?“                                   Eintritt: 10,– € Ort: Abteikirche
heißt das Verfahren, nach dem unsere Küche arbeitet. Das                                                                                           23.7. LESEN – Schmökerabend in Abteiladen und Ausstellungsraum
Essen wird gekocht und dann heruntergekühlt (nicht gefro-     Zum Ende auch noch ein leidiges Thema. Vor allem Br.                                       TRÄUMEN – Licht und Klang in der Abteikirche
                                                                                                                                                   30.7.	
ren!). Die Bakterienbelastung am frischen Essen sinkt damit   Antonius quält sich damit herum: die Etikettierungspflicht.                          6.8.   HÖREN – Mönche spielen ihre Orgel in der Abteikirche
und es bleibt länger haltbar. Damit kann die Küche effizi-    „Auch wenn sich in all den Jahren an Rezepturen nichts                               13.8. BETEN – Gregorianische Gesänge in der Abteikirche
enter arbeiten, unabhängig von den verschiedenen Essens-      geändert hat und die Wurst immer noch vielen Menschen                                20.8. SCHMECKEN – Abteipatisserie und Bäckerei
zeiten. Die Personalkosten sind immerhin deutlich höher als   schmeckt, darf ich sie so nicht mehr verkaufen. Sondern
der Wareneinsatz der Lebensmittel. Und das Essen kann an      brauche Etiketten, die alles ausweisen, was gesetzmäßig aus-                         Der Erlebnisabend beginnt jeweils um 20 Uhr und um 22 Uhr mahnt die klösterliche Nachtruhe zum Ende.
den verschiedenen Orten auf dem Klosterberg punktgenau        gewiesen werden muss.“ Ein riesiger Aufwand. Sascha Orzel-                           Die Kosten, wenn nicht anders angegeben, betragen pro Person 5 Euro, Kinder unter 14 Jahren sind frei.
„aufgetischt“ werden.                                         Schwill hilft mit dabei. Damit auch nach EU-Recht alles in
                                                              Ordnung ist. Und es auch in Zukunft möglichst vielen Men-
Zugleich wird dadurch ein schonenderer Garvorgang möglich.    schen bei uns gut schmeckt!

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Gruß - Tradition und Innovation Ernährung auf dem Klosterberg - Abtei Königsmünster
BENEDIKTINISCHES LEBEN                                                                                                                                                                                                          BENEDIKTINISCHES LEBEN

Wenn es hinten und vorne fehlt …                                                                                                        über die „wunderbare Brotvermeh-         den Lobpreis darüber spricht – wahr-       satt werde, wenn ich sie teile, weil ich

von Pater Klaus-Ludger Söbbeler OSB, Novizenmeister                                                                                     rung“ (z. B. Mt 7, 24-27).               scheinlich mit ähnlichen Worten wie        merke: Das was ich voller Krampf und
                                                                                                                                                                                 wir sie bei der Gabenbereitung der         Angst für mich festhalte, wäre nicht
                                                                                                                                        Eine ähnliche Situation: Jesu Jünger     Messe gebrauchen: „Gepriesen bist du,      einmal für mich allein genug.
„Einst wurde Kampanien von einer               Da geriet Benedikt in Zorn und befahl                                                    sehen sich vor die unlösbare Aufgabe     Herr, Schöpfer der Welt. Du schenkst
schweren Hungersnot heimgesucht. Bene-         anderen Brüdern, sie sollten jene Fla-                                                   gestellt, mit „fünf Broten und zwei      uns das Brot, die Frucht der Erde und
dikt hatte alle Vorräte des Klosters an ver-   sche, in der noch das wenige Öl war, zum      Das zweite Buch der „Dialoge“ von          Fischen“ 5.000 Menschen satt zu ma-      der menschlichen Arbeit. Wir bringen
schiedene Notleidende verteilt, so dass fast   Fenster hinauswerfen. Durch Ungehor-          Papst Gregor dem Großen ist eine in le-    chen. Da bleiben nur Resignation oder    dieses Brot vor dein Angesicht, damit
nichts in der Vorratskammer zurückgeblie-      sam sollte nichts im Kloster bleiben. So      gendarischer Sprache verfasste Samm-       Flucht oder Abweisung – genau die        es uns das Brot des Lebens werde.“
ben war, nur ein wenig Öl in einer Flasche.    geschah es. Unter dem Fenster war ein         lung von Ereignissen aus dem Leben         Handlungsmuster, die Benedikt bei
                                               gewaltiger Abgrund mit Felsvorsprün-          des heiligen Benedikt. Darin findet sich   seinen Brüdern vorfindet und Jesus bei   Jetzt kann das Wunder geschehen: Alle
Da kam der Subdiakon Agapitus und bat          gen. Die Flasche fiel auf die Felsen, blieb   die Begebenheit um die „unversehrte        seinen Jüngern.                          teilen das aus, was sie mitgebracht ha-
inständig darum, man möge ihm etwas            aber so unversehrt, als wäre sie über-        Ölflasche“. In einer offensichtlich dra-                                            ben und am Ende ist viel mehr da als
Öl geben. Benedikt war fest dazu ent-          haupt nicht hinabgeworfen worden. Sie         matischen Hungerkrise gerät Benedikt       Jesus und Benedikt jedoch lassen sich    nötig.
schlossen, auf Erden alles auszuteilen,        zerbrach nicht, und das Öl war nicht          in eine Zwickmühle: Auf der einen Sei-     nicht von dem überwältigen, was fehlt,
damit alles aufbewahrt sei im Himmel.          verschüttet.                                  te der notleidende Subdiakon, auf der      sondern gehen genau andersherum          Wir alle könnten Tag um Tag dieses
Darum befahl er, man solle die Bitte                                                         anderen seine verängstigten Brüder.        auf die Situation zu: „Wie viele Brote   Wunder des Glaubens am eigenen Leib
des Sub­
       diakons erfüllen und auch den           Der Mann Gottes befahl nun, sie aufzu-        Da setzt er ein Zeichen, das an Deut-      habt ihr? Geht und seht nach!“ lautet    erleben: Im Prinzip ist es ganz einfach:
Rest des Öls geben, der noch übrig war.        heben und unversehrt, wie sie war, dem        lichkeit kaum zu überbieten ist: In der    der Satz, mit dem Jesus einem Wunder     Von dem, was ich bin und was ich in
Der Mönch, der für die Vorratskammer           Subdiakon zu geben. Anschließend ließ er      Not nur an sich selbst denken, hilft       Raum schafft.                            Händen halte – so unzureichend es mir
zuständig war, hörte zwar den Auftrag,         die Brüder zusammenkommen und wies            niemandem, am wenigsten dem, den                                                    auch vorkommen mag –, voll Dank-
zögerte aber, ihn auszuführen.                 den ungehorsamen Mönch in Anwesenheit         seine Angst blind und herzlos macht …      Was in der Erzählung von der Brotver-    barkeit und voll Hoffnung sagen, dass
                                               aller zurecht wegen seines Unglaubens                                                    mehrung geschieht, als die fünf Brote    es mir Quelle des Lebens ist. Was ich
Kurz darauf fragte Benedikt, ob er             und seines Stolzes.“                          Lange habe ich nicht verstanden, wo-       und die zwei Fische gefunden sind,       habe und was ich bin, was mir jeder Tag
gegeben habe, was ihm befohlen war.                                                          her Benedikt den Mut für sein ent-         zeigt mir, in welchem Gottvertrauen      bringt an Menschen und Herausforde-
Der Mönch antwortete, er habe es nicht         (Kapitel 28 des II. Buches der Dialoge        schiedenes Auftreten genommen hat.         der heilige Benedikt gelebt hat. Jesus   rungen, das ist kein blindes Schicksal,
gegeben; denn wenn er dies hergäbe, bliebe     von Papst Gregor dem Großen)                  Einen Verständnisschlüssel fand ich in     hat es vorgemacht: Er nimmt Brot und     keine lästige Zumutung, sondern es
für die Brüder überhaupt nichts mehr.                                                        den neutestamentlichen Erzählungen         Fische als Gottesgaben an, indem er      ist Gottes Gabe an mich, von der ich

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Gruß - Tradition und Innovation Ernährung auf dem Klosterberg - Abtei Königsmünster
MISSION                                                                                                                                                                      MISSION

Karibu sana – Willkommen in Deutschland!                                                                                      wie Ugali (Maisbrei) und rote Bohnen – das Erleben des

von Pater Maurus Runge OSB                                                                                                    Adventsbrauchtums inkl. Besuch des Dortmunder Weih-
                                                                                                                              nachtsmarktes mit Besteigung des Turms der evangelischen
                                                                                                                              Kirche St. Reinoldi, ein Besuch der Cella St. Benedikt in
                                                                                                                              Hannover, um die neue Heimat ab Januar kennenzulernen.
                                                              in Arabischen Studien beendet, und P. Johannes Adom aus
                                                              Agbang, der vor einigen Wochen ebenfalls in Sant’Anselmo        Auch unsere Gemeinschaft wurde durch die beiden Mit-
                                                              sein Doktorat in Liturgie mit „summa cum laude“ abschlie-       brüder bereichert: beim Adventsmarkt und in der gesamten
                                                              ßen konnte. Letzterer hat finanziert durch die Missionspro-     Adventszeit halfen die beiden beim Verpacken so mancher
                                                              kura Königsmünster im Rahmen seines Doktorats Deutsch           weihnachtlichen Lieferung an unsere Abteiläden, das Ugali-
                                                              bei uns gelernt. Auch P. Pius Boa aus Ndanda hat im Som-        kochen für unsere jungen Brüder wurde schon erwähnt, und
                                                              mer 2018 hier Deutsch gelernt und befindet sich gerade im       in der Ersten Weihnachtsvesper hörten wir die Lesung nicht
                                                              Endstadium seiner Studien am Monastischen Institut in           nur auf Deutsch, sondern auch auf Swahili, dazu erklang ein
                                                              Sant’Anselmo.                                                   tansanisches Lied als Antwortgesang. So wurde schon von
                                                                                                                              Beginn an klar, dass hier echtes interkulturelles Lernen
                                                              Besonders freuen wir uns darüber, dass gerade zwei Mit­         geschieht, was beiden Seiten zugutekommt, nicht nur den
                                                              brüder aus Tansania bei uns leben, um sich auf ihr Studi-       Gästen, sondern auch den Gastgebern.
                                                              um in Deutschland vorzubereiten: Bruder Cyprian Bura aus
                                                              Ndanda und Br. Victor Chambi aus Mvimwa. Am 26. Mai             Nach unseren Konventsexerzitien Anfang des Jahres sind
Im Gruß 3/2018 habe ich schon vom neuen Projekt unserer       2018 sind beide aus Afrika in Deutschland angekommen.           Br. Cyprian und Br. Victor dann mit den Brüdern der Cella
Kongregation gesprochen, Mitbrüdern aus unseren afrikani-     Der erste Monat galt besonders der Akklimatisierung und         nach Hannover aufgebrochen, wo sie am 7. Januar 2019
schen und asiatischen Klöstern ein Studium in Europa zu er-   dem Kennenlernen der deutschen Kultur. Deutschland ist          am „Institut für Sprachen und Kommunikation“ (ISK)
möglichen. Derzeit sind es 14 Mitbrüder, die in Europa stu-   ja gerade im Dezember etwas kälter als Tansania, und so war     mitten in der City ihren Deutschkurs begonnen haben.
dieren und von den europäischen Klöstern wie auch von der     eine der ersten Besorgungen der Kauf von warmer Kleidung        Dieser Kurs wird in zweimonatigen Modulen stattfinden,
Abtei Waegwan, die in den letzten Jahren eine eigene Mis-     und von Handschuhen. In Tansania braucht man Handschu-          an deren Ende jeweils eine Prüfung steht, die zur Teilnah-
sionsprokura aufgebaut hat, unterstützt werden. Darunter      he eher selten. Aber auch sonst gab es viel zu entdecken: das   me am weitergehenden Modul befähigt. Nach gut einem
sind auch P. Maximilian Musindai, der Gründungsprior un-      Kennenlernen der klösterlichen Gemeinschaft in Meschede         Jahr soll dann im besten Fall der Abschluss des sog. C1-
seres Klosters in Ägypten, der gerade in Rom sein Doktorat    – unser Juniorat kennt nun traditionelle tansanische Gerichte   Examens stehen, welches das Studium an einer deutschen

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Gruß - Tradition und Innovation Ernährung auf dem Klosterberg - Abtei Königsmünster
MISSION                                                                                                                                                                                                                                                                    AKTUELLES

                                                                 Brüder in ihrem Alltag. Morgens verlassen sie nach Laudes       Oberentreffen in Münsterschwarzach
                                                                 und Frühstück das Haus und gehen zum Sprachunterricht,
                                                                 der von 9.00 Uhr bis 12.15 Uhr stattfindet. Zum Mittagessen
                                                                 sind sie dann wieder in der Cella. Nachmittags stehen dann
                                                                 Hausaufgaben an, und an einigen Tagen bietet die Sprach-
                                                                 schule ein Kulturprogramm an. Wir sind unseren Brüdern in
                                                                 der Cella dankbar, dass sie sich so großherzig auf die neue
                                                                 Situation einlassen. Im Juli wird es ein Treffen aller außer-
                                                                 europäischen Studenten in St. Ottilien geben, wo sie die
                                                                 Ursprünge der Missionsbenediktiner kennenlernen und sich
                                                                 miteinander vernetzen können.

                                                                                                                                  Foto: Julia Martin
                                                                 Die Missionsprokura Königsmünster hat sich bereiterklärt,
                                                                 Bruder Cyprian und Bruder Victor Sprachkurs und Studium
                                                                 zu ermöglichen: Neben der Aufnahme in unseren Klöstern          v. l. n. r.: Abtpräses Jeremias Schröder, P. Raphael Gebauer (St. Georgenberg-Fiecht), Erzabt Wolfgang Öxler (St. Ottilien), Abt Michael Reepen
                                                                                                                                              (Münsterschwarzach), P. Benedikt Schneider (Schweiklberg), Abt Emmanuel Rutz (Uznach), Abt Aloysius Althaus (Königsmünster)
Hochschule möglich macht. Danach soll dann das Theolo-           in Meschede und Hannover zählen dazu auch die finanziel-
giestudium an der Hochschule der Steyler Missionare in St.       len Kosten, die jetzt und in den nächsten Jahren anstehen:      Vom 14. bis zum 16. Januar 2019 fand                 Die Klöster unserer Kongregation sind                 Vielleicht fragen Sie sich, warum nur
Augustin stehen. Doch das ist noch Zukunftsmusik; jetzt          Versicherungskosten,    die                                     in der Abtei Münsterschwarzach das                   unabhängig, d. h. jede Abtei bzw. jedes               Abt Michael von Münsterschwarzach
steht erst einmal das Erlernen der deutschen Sprache im          Finanzierung des Sprach-                                        Treffen der Oberen der europäischen                  unabhängige Konventualpriorat kann                    auf dem Foto sein Brustkreuz (Pek-
Vordergrund.                                                     kurses, Ausgaben für Klei-                                      Klöster der Kongregation der Missions­               sich seinen Oberen selbst wählen.                     torale) trägt. Es ist in unserer Kongre-
                                                                 dung,   Taschengeld     etc.                                    benediktiner statt. Jedes Jahr tref-                 Ebenso hat jedes Haus unterschiedli-                  gation üblich, dass beim kollegialen
Br. Cyprian und Br. Victor leben in unserem Hannoveraner         und später dann die Stu-                                        fen sich die Oberen von St. Ottilien,                che Bräuche und Gewohnheiten. Um                      Besuch von Äbten in anderen Klös-
Stadtkloster, der Cella St. Benedikt, und verstärken die klei-   diengebühren. Für jede                                          Münsterschwarzach,          Königsmünster,           so wichtiger sind die gegenseitige Ver-               tern diese ihr Pektorale ablegen, so
ne dreiköpfige Kommunität. Auch hier mussten sie sich neu        Unterstützung    sind   wir                                     Schweiklberg, Uznach (Schweiz) und                   netzung und der Austausch in Fragen,                  dass nur der „Hausherr“ sein Kreuz
ein- und umgewöhnen: vom Leben einer großen Gemein-              dankbar! Interkulturelles                                       St. Georgenberg-Fiecht (Österreich)                  die das missionsbenediktinische Le-                   trägt. Nur wenn sie in offizieller Mis-
schaft in der relativ kleinen Stadt hin zu einem Leben in        Lernen wird in unserer                                          zur kollegialen Beratung und zum mit-                ben allgemein betreffen. So besuchte                  sion unterwegs sind, z. B. bei Kanoni-
einem kleinen Kloster in der Großstadt. Doch die beiden          Welt immer wichtiger!                                           brüderlichen Austausch. Auch unser                   auch Abt Jeremias als Abtpräses unse-                 schen Visitationen, behalten Sie ihr
haben sich sehr schnell eingelebt und unterstützen unsere                                                                        Abt Aloysius nahm an dem Treffen teil.               rer Kongregation das Treffen.                         Kreuz an.

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Gruß - Tradition und Innovation Ernährung auf dem Klosterberg - Abtei Königsmünster
AKTUELLES                                                                                                                                                                                                                                               AKTUELLES

Geschwisterliches Miteinander
Die heilige Scholastika gilt als Schwester Benedikts und Begründerin der Benediktinerinnen. In einer von Papst Gregor dem Großen
überlieferten Legende wird von ihr berichtet, dass sie sich jedes Jahr mit ihrem Bruder zum geistlichen Gespräch traf. Einmal wollte
Benedikt pünktlich wieder in seinem Kloster sein; doch auf inständiges Beten seiner Schwester Scholastika regnete und stürmte es so
heftig, dass an Rückkehr nicht zu denken war und die beiden Geschwister länger in der geistlichen Begegnung vereint waren.

Seit vielen Jahren ist es Tradition,
dass sich am Scholastikafest Brüder
aus unserer Abtei auf den Weg zu den                                                                                                   Auch mit den Schwestern der Abtei
Schwestern in der Abtei Varensell ma-                                                                                                  Herstelle im Weserbergland verbindet
chen. Bei Kaffee und Kuchen findet                                                                                                     uns in den letzten Jahren wieder ein
ein schwesterlich-brüderlicher Aus-                                                                                                    intensiveres Miteinander. So besuch-
tausch statt, wo wir uns gegenseitig                                                                                                   ten wir im Rahmen des Konventaus-
von neuen Entwicklungen in unse-                                                                                                       flugs im vergangenen Jahr die Schwes-
ren Gemeinschaften berichten. Es                                                                                                       tern in Herstelle, und einige Monate
ist schön, zu erleben, nicht allein auf                                                                                                später waren die Schwestern zum Ge-
dem Weg zu sein. Das gemeinsame                                                                                                        genbesuch bei uns – eine Tradition,
Gebet im Konventamt oder der Vesper                                                                                                    die sicher fortgesetzt wird. Ebenso war
bekräftigt dieses Miteinander und                                                                                                      eine „Delegation“ aus Meschede bei
stellt es unter den Segen Gottes.                                                                                                      der Altarweihe in Herstelle im Advent
                                                                                                                                       2018 dabei. Und immer wieder ver-
                                                                                                                                       bringen einzelne Schwestern und Brü-
                                                                                                                                       der einige Urlaubstage in den jeweils
                                                                                                                                       anderen Klöstern.

                                                                                                                                       Für all diese geschwisterlichen Begegnungen in der benediktinischen Familie sind wir dankbar, bestärken sie uns doch auf dem Weg,
                                                                                                                                       miteinander Kirche zu sein.

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Gruß - Tradition und Innovation Ernährung auf dem Klosterberg - Abtei Königsmünster
Wanderwoche 2019 – … mit Christus unterwegs

     VER
                         Wanderwoche – mittlerweile hat sie eine lange Tradition in     sich von spirituellen Impulsen zum Nachdenken anregen
                         der Abtei. Seit über 40 Jahren machen sich unterschiedli-      zu lassen. Es ist eine Zeit, (Glaubens-)Erfahrungen aus-
                         che Menschen vom Alter, den Lebensumständen und den            zutauschen, das eigene Leben in den Blick zu nehmen,
                         Erfahrungen her gemeinsam auf den Weg.                         gemeinsam zu beten und Gottesdienst zu feiern. Es ist Zeit

     TRAUENS
                                                                                        und Raum, neue Menschen kennenzulernen, Freundschaf-
                         Jeden Tag 20 Kilometer oder mehr wandern, das Gepäck           ten zu schließen, Menschen wiederzutreffen, die wichtig
                         selber tragen, die Nacht mit Schlafsack und Isomatte in        geworden sind im Leben – und natürlich auch eine Zeit,
                         einer Sport- oder Schützenhalle verbringen.                    um fröhlich miteinander zu feiern.

     SACHE
                         Warum mache ich da mit? Warum reisen einige von weit           Darum werde ich auch dieses Jahr wieder auf- und auch
                         her dafür an? Weil es mehr ist als nur Wandern. Es ist         ausbrechen, meinen Alltag hinter mir lassen. Mich freuen
                         ein Aufbrechen, manchmal auch ein Ausbrechen aus dem           auf eine frohe, erlebnis- und begegnungsreiche Woche.
                         Alltag. Ein Atemholen. Ich mache mich auf den Weg, lasse       Mir und meiner Seele etwas Gutes tun. Mit Christus
                         vieles hinter mir, begnüge mich mit wenigen Dingen, ge-        unterwegs.                             (Gudrun Aleweiler)
                         rade soviel, wie ich selber tragen kann, habe Zeit für mich,
                         die Mitwandernden und für Gott.                                Termin: 16. – 24.08.2019
                                                                                        Kosten: 180,– Euro (ermäßigt: 100,– Euro)
                         Es bedeutet auch, die eigenen physischen Grenzen zu spü-

     oase.wanderwoche    ren und Stärken zu erfahren, Gemeinschaft zu erleben,          Anmeldung unter wanderwoche@koenigsmuenster.de

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IMPRESSIONEN AUS DEM SCHAFSTALL                                                                                                                                                                                                    IMPRESSIONEN AUS DEM SCHAFSTALL

                                                                 Lämmergalopp!

                                                                                                                                         Marlene mit ihren drei Tage alten Lämmern.                            Produkte aus aus dem Schafstall: Wolldecken, Felle (pflanzlich gegerbt) und Wurst.

Bruder Isidor und der eigentliche Chef der Schafherde: Pedro.

                                                                 1. März – die Lammzeit hat begonnen! Irmgard mit ihrem Erstgeborenen.

Die alte Ronja, Herdenchefin. Ein Großteil der Mutterschafe
geht auf sie zurück. In diesem Jahr wurde sie selbst vier Mal
Urgroßmutter und hat selbst kräftige und gesunde Zwillinge zur   Männerabend: Hermann und Pedro, die Zuchtböcke.                         Das Mutterschaf ist nicht nur Nahrungsquelle, Schutz und   Vorsicht, Mäharbeiten!                          Lamm.
Welt gebracht.                                                                                                                           Geborgenheit, es ist auch Aussichtsturm und Trampolin!

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FÜR JUNGE UND JUNGGEBLIEBENE
                                                                                                                                         Stundengebet! Das Stundengebet bezieht sich auf das

Der kleine Mönch und sein Kloster-ABC – Teil V: Q–Z
                                                                                                                                         Apostelwort „Bete ohne Unterlass“ und auf das Psalm-
                                                                                                                                         wort „Siebenmal am Tag singe ich Dein Lob und nachts          V    wie Vesper und Vigilien, die wurden zuvor unter dem
                                                                                                                                                                                                            Stichwort Stundengebet ausführlich erklärt.
                                                                                                                                         stehe ich auf, um Dich zu preisen“. Das Stundengebet
von Br. Benedikt Müller OSB, Koordinator für Jugend und Bildung
                                                                                                                                         durchzieht den Tag mit den unterschiedlichen Gebets-
                                                                                                                                         zeiten. Wir beginnen mit den Vigilien, das ursprüngliche
                                                                                                                                          Nachtgebet der Mönche, das heute am Morgen gebetet
                                                                                                                                          wird. Vor hohen Festtagen singen wir sie feierlich am
                                                                                                                                                                                                     X   und P gleich XP! Ein XP findet man u. a. auch auf den Nummern-
                                                                                                                                                                                                         schildern eines jeden Fahrzeuges des klösterlichen Fuhrparks der
                                                                                                                                                                                                     Abtei Königsmünster. Aber XP steht für das Christusmonogramm, auch

                                                                     R   wie Refektorium, aus dem lat. refectio „Wiederherstel-           Vorabend. Die Laudes sind das Morgengebet. In Königs-
                                                                                                                                                                                                     Chi-Rho oder Konstantinisches Kreuz genannt, früher auch Christo-
                                                                         lung“, „Erfrischung“. Das Refektorium ist der Speisesaal         münster sind sie mit den Vigilien in der Morgenhore zu-
                                                                                                                                                                                                     gramm, nach dem Kreuz und dem Fisch das am häufigsten verwendete
                                                                    des Klosters. In Königsmünster haben wir ein freies Frühstück         sammengefasst und werden um 6.30 Uhr gebetet. Die
                                                                                                                                                                                                     Symbol für Jesus Christus.

G   rüß Gott, liebe Freunde! Ich bin der kleine Mönch vom           in der Zeit von 6.00 – 8.30 Uhr. Das Mittagessen nehmen wir           kleinen Horen (lat. hora „Stunde“) wurden ursprünglich
    Klosterberg in Meschede und möchte Euch wieder aus dem          schweigend bei Tischlesung um 12.30 Uhr ein. In der Zeit von          im Abstand von drei Stunden (6.00, 9.00, 12.00 und
Kloster berichten, heute stelle ich Euch den letzten Teil meines    14.00 – 16.00 Uhr steht der Nachmittagskaffee im Refektorium          15.00) gebetet. Sie sind bei uns zu einer Mittagshore
ABC vor. Ich freue mich aber schon sehr darauf, dass ich Euch
auch in Zukunft aus den Klosterwelten berichten werde. Gerne
                                                                    bereit. Unser Abendessen findet um 19.00 Uhr im Schweigen
                                                                    mit Tischlesung statt. Die Pflege des Refektoriums mit dem Ein-
                                                                                                                                          zusammengefasst und werden um 12.15 Uhr gebetet.
                                                                                                                                          Die Vesper ist das zentrale Abendgebet der Kirche und
                                                                                                                                                                                                            Y    wie Ysop. Ysop ist eine Heil- und Reinigungspflanze,
                                                                                                                                                                                                                 die im Stundengebet im Psalm 50, Vers 7 vorkommt:
                                                                                                                                                                                                            „Entsündige mich mit Ysop, und ich werde rein sein; wa-
dürft Ihr mir Eure Wünsche für ein Thema schreiben. Doch jetzt      decken des Tisches liegt im Aufgabenbereich des Refektoriars.         wird vor dem Abendessen gebetet. Bei uns in Königs-
                                                                                                                                                                                                            sche mich, und ich werde weißer sein als Schnee.“
starten wir mit dem Kloster-ABC, und zwar mit dem Buchstaben        In den Klöstern, die ein Gästehaus haben, gibt es außerdem            münster schließt sie sich an das Konventamt um 17.45
                                                                    ein den Gästen vorbehaltenes „Gästerefektorium“, so auch in            Uhr an. Die Komplet ist das letzte Gebet des Tages, das

    wie Quadrum. Als Quadrum wird in
                                       Klöstern der viereckige                                                                             wir werktags um 19.40 Uhr beten. Danach setzt das

Q
                                                                    Königsmünster: im Klosteraltbau das ehemalige Mönchsrefekto-

                                                                                                                                                                                                          Z
                                      ichnet. Oft wird er als                                                                              nächtliche Schweigen ein.
     Platz zwischen den Gebäuden beze                               rium sowie die Speisesäle in der Oase und das Refektorium im                                                                               wie Zelator, weibliche Form: Zelatrix, der Gehilfe des No-

    Garten genutzt.                                                 „Haus der Stille“.                                                                                                                         vizenmeisters. Zelle, aus dem lat. cella „Raum“. Die Zelle

                                                                                                                                        T   wie Thuriferar oder Thurifer (v. griech. thýos „Räu-          ist der Gebets- und Schlafraum der Mönche. Die Zelle ist der
                                                                                                                                            cherwerk, Rauchopfer“, lat. tu, auch thus, „Weihrauch“        bevorzugte Ort des mönchischen Alleinseins. Der Mönch liebt
                                                                               itung des Gottesdienstes zur Verfügung. Silentium,

S   wie Sakristei. Als Vorraum der Kirche steht sie den Priestern zur Vorbere
    aus dem lat. „Schweigen“, ist eine festgelegte Zeit des Stillschweigens
und persönlichen Begegnung mit Gott ermöglicht werden soll. Ein Skapuli
                                                                           , in der dem einzelnen Mönch ein Raum der lebendigen
                                                                         er (v. lat. scapulae „Schultern“) ist ein langes Stück Tuch,
                                                                                                                                        und ferre „tragen“) ist in der klösterlichen Liturgie ein
                                                                                                                                        Mönch, der ein mit Weihrauch und Kohle gefülltes Rauch-
                                                                                                                                                                                                          sie als Stätte, in der er unter den Augen Gottes bei sich selbst
                                                                                                                                                                                                          zu Hause sein kann.
                                                                                                                                        fass trägt. Die Tunika ist im Mönchtum das Grundgewand
                                                                             te des Körpers bis fast zum Boden bedeckt. Heute ist
das als Überwurf über den Schultern getragen wird und Vorder- und Rücksei                                                               der Ordenskleidung, das sich aus dem Alltagsgewand des
                                                                       war es wohl eine Arbeitsschürze. Die Statio ist ein Teil des
das Skapulier Teil der Ordenstracht verschiedener Orden. Ursprünglich
Kreuzganges und dient als Ort der Sammlung und des Schweigens, an dem
                                                                         sich die Gemeinschaft zum Einzug in den Chor versammelt.
                                                                                                                                        antiken Rom entwickelt hat. Die Tunika wird meist mit ei-
                                                                                                                                        nem Cingulum gebunden.                                           J   a, und hier endet mein Kloster-ABC. Ich danke Euch für Euer
                                                                                                                                                                                                             lesendes Interesse und sage: Bis bald! Euer kleiner Mönch.

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OASE                                                                                                                                                          OASE

„Workshop Religionspädagogik“ – Ein neues                                                                                      der vorbehaltlosen Annahme sowie
                                                                                                                               Wertschätzung als höchstes von Gott
Bildungsangebot im Bereich „Jugend & Bildung“                                                                                  gewolltes Gut unserer demokratischen
von Br. Benedikt Müller OSB, Koordinator für Jugend und Bildung
                                                                                                                               Gesellschaft. Erzieher*innen sollen
                                                                                                                               die Kinder ermutigen, ihnen etwas
Mit dem Beginn des Schuljahres              geprägte Einrichtung verstehen, dass      entwickeln. Jedes Kind bringt seine      zutrauen und ihnen Herausforderun­
2018/2019 gibt es im Rahmen des             aber andererseits oft unklar ist, was     eigenen Erfahrungen und Bedürfnisse      gen anbieten, an denen sie wachsen
„Studium Generale“ ein neues Bil­           das konkret bedeutet. Was zeichnet        mit ein und muss in seinen einzigarti­   können. Erzieher*innen zeigen den
dungsprojekt in der OASE: den Work­         das „C wie christlich“ in der sozial­     gen Lebenserfahrungen ernst genom­       Kindern im Gegenübertreten, dass sie
shop   „Religionspädagogik“.      Dabei     pädagogischen Praxis aus? Wie ar­         men werden. Die Erziehungsprozesse       von Gott gewollt sind und Würde ha­
handelt es sich zwar nicht um ein           beitet man christlich als Erzieher*in?    sind zudem mit der nötigen Achtung       ben. In der Beziehung zu den Kindern
direktes Angebot für Kinder und Ju­         Zielgruppe für dieses Angebot sind        vor der göttlichen Schöpfung zu ge­      berücksichtigen die Erzieher*innen
gendliche, sondern um eines, das sich       Erzieher*innen und Verantwortliche        stalten. So werden im Kindergarten       dabei die Signale nach Nähe und Di­
an Erzieher*innen, die vor allem im         von Kindergärten und Kitas, die sich      zunächst die Wert- und Sinnfragen        stanz. Im täglichen Miteinander und
Kindergarten oder der Kindertages­          für Ideen, Anregungen, Überlegungen       des Kindes und seine religiösen Vor­     durch gezieltes Beobachten der Kinder
stätte tätig sind, wendet. Im Rahmen        und Projekte interessieren, mit deren     erfahrungen aufgenommen und ihm          schaffen sich die pädagogisch Mitar­
von Tagesfortbildungen werden hier          Hilfe das christliche Profil ihrer Ein­   schließlich Hilfen für seine gegen­      beitenden ein Bild über jede einma­
Hintergründe und konkrete Praxis­           richtung für Kinder und Eltern erfahr­    wärtige und zukünftige Lebensbewäl­      lige kindliche Persönlichkeit in ihrer
angebote christlicher Erziehung vor­        bar und begreifbar wird.                  tigung mitgegeben.                       Einrichtung. Diese Einsichten sind
gestellt und Erfahrungen zu diesem                                                                                             eine wichtige Grundlage für die pä­
Feld ausgetauscht und vertieft.             Eine christliche Grundüberzeugung         Eine besondere Verantwortung über­       dagogische Arbeit. Außerdem dienen
                                            ist, dass jedes Kind von Gott gewollt     nehmen Erzieher*innen als aktive re­     sie insbesondere dazu, den Eltern der
Hinter diesem Projekt steht die Er­         ist und somit eine eigene unverletz­      ligionspädagogische Fachkräfte. Das      Kinder Rückmeldungen über die Ent­
fahrung, dass sich einerseits viele         liche Würde hat. Jedes Kind hat von       Kind steht im Mittelpunkt der sozial-    wicklung ihres Kindes zu geben. Das
Kindergärten und Kindertagesstät­           Geburt an ein Grundbedürfnis und          und religionspädagogischen Arbeit,       eigene Handeln der Erzieher*innen
ten, vor allem im ländlichen Raum, in       Grundrecht an Religiosität – dieses       verbunden mit dem Ziel, seine jetzi­     steht als Beispiel und Vorbild, denn
kirchlicher Trägerschaft befinden und       gilt es im katholischen Kindergarten      gen und zukünftigen Lebenssituati­       sie arbeiten mit fachlicher Kompetenz
sich ausdrücklich als eine christlich       zu schützen, zu fördern und weiterzu­     onen zu bewältigen. Kinder bedürfen      und Freude am Beruf. Den zentralen

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OASE                                                                                                                        PORTRÄT

                                                                                                                            Natürlich freue ich mich, wenn es auch anderen gefällt.
                                                                                                                            Ein Porträt von unserem Bruder Remigius Stuhlmüller OSB

Mittelpunkt der religionspädagogi­       es nicht um typisch katholisch oder      im Kirchenkreis der Twiste. Heute ist
schen   Handlungskompetenz      bildet   typisch evangelisch, sondern um das      er als Koordinator „Jugend & Bil­
dabei die christliche Nächstenliebe.     alle Christen Verbindende! Dieses        dung“ im Gastbereich der Abtei Kö­        Manuel Stuhlmüller wurde am 16.02.1990 in Rathenow ge-             Früh entdeckte er auch seine künstlerischen Fähigkeiten.
Religionspädagogische Arbeit zeich­      Angebot ist erwachsen aus unseren        nigsmünster tätig, dabei konnte er        boren. Nach dem Besuch der katholischen Grundschule                „Dabei ist Kunst vor allem etwas für mich. Und natürlich
net sich durch verantwortungsbe­         vielfältigen Erfahrungen in der pä­      vielfältige Erfahrungen im Bereich        Lüttringhausen und der Realschule besuchte er das Berufs-          freue ich mich, wenn es auch anderen gefällt“, beschreibt
wusstes und verantwortliches Handeln     dagogischen Arbeit mit Kindern und       der Jugendarbeit in Schulbesinnungs­      kolleg für Wirtschaft und Verwaltung der Stadt Remscheid.          Br. Remigius. Mit etwa 15 Jahren entdeckte er die Kalli-
gegenüber den anvertrauten Kindern       Jugendlichen.                            tagen, Oberstufenakademie und Stu­        Das war für ihn seine beste Zeit in der Schule: „Hier durfte ich   graphie für sich, die ihm bis heute wichtig ist. Sie ist für Br.
aufgrund des christlichen Profils aus.                                            dium Generale sammeln.                    erfahren, was gute Erziehung und gute Lehrer ausmachen.“           Remigius nicht nur Kunst, sondern hilft ihm im wahrsten
Regelmäßige Fortbildungen auch im        In den einzelnen Workshops nähern                                                                                                                     Sinne des Wortes zur Konzentration, zum Zur-Ruhe-Kom-
religionspädagogischen Bereich sind      wir uns mit unterschiedlichen Metho­     Die Themen der sechs „Workshops“ in       Seinen Glauben prägte vor allem seine Großmutter. „Oma             men, zur Stille. Zur Segnung der neuen Abteiorgel hatte Br.
für Erzieher*innen in christlichen       den, Übungen, Gesprächen und Impul­      diesem Kursjahr (2018/19) sind: „Kin­     war einfach ehrlich fromm“, beschreibt es Br. Remigius. Sie        Remigius das „Orgelbuch“ geschrieben, in dem alle „Orgel-
Einrichtungen selbstverständlich und     sen dem jeweiligen Thema. Dabei ist      der fragen nach dem Tod“, „Adventliche    hat ihm den Glauben schlicht und einfach vorgelebt und ihn         patenschaften“, die Spenden für jede einzelne Pfeife, ver-
bindend. Und hier möchten wir die        es wichtig, dies vor dem Hintergrund     Zeichen“, „Märchenschatzkiste – Gott      auf seinem eigenen Glaubensweg begleitet. „Wenn du in der          ewigt sind.
Träger, aber vor allem das pädagogi­     der eigenen Erfahrung zu tun.            im Märchen“, „C wie Christlich“, „Gott,   Kirche die Messe dienst, dann komme ich mit!“
sche Personal, in ihrer religionspäda­                                            Pippi, Michel und Co. – Psalm 139 und                                                                        Gefragt zu weiteren Hobbies, nennt Br. Remigius das Wan-
gogischen Arbeit mit unserem neuen       Dies gilt auch für Br. Benedikt Mül­     die Geschichten von Astrid Lindgren“      Messdiener wurde Manuel mit elf Jahren und blieb es bis            dern und Spazierengehen. Dazu gehört es, gerne in der Na-
Fortbildungsangebot unterstützen.        ler OSB, der die Workshops durchführt    sowie „Achtsamkeit: Stress achtsam        zu seinem Klostereintritt. Bald wurde er Messdienerleiter          tur unterwegs zu sein. Wann immer es möglich ist, geht er
                                         und leitet. Er ist staatlich anerkann­   erleben – Schärfe deine Sinne“.           und hauptverantwortlich für die Messdienerarbeit in der Ge-        morgens früh und nach dem Mittag seine Runde um den
Mit unseren Workshops „Religions­        ter Erzieher und leitete vor dem Klos­                                             meinde Heilig Kreuz in Remscheid-Lüttringhausen. Ein ei-           Klosterberg. Und oft auch weite Wege. Und dann ist da noch
pädagogik“ haben wir ein konfessio­      tereintritt (2009) verschiedene Kin­     Nachdem unsere ersten drei Fortbil­       genes Ausbildungskonzept half, die jungen Messdienerinnen          seine alte Modelleisenbahn, die er ab und zu einmal aufbaut
nell-übergreifendes Angebot geschaf­     dergärten in Nordhessen und verfügt      dungstage bereits erfolgreich statt­      und Messdiener in ihren Dienst einzuführen und sie darin           und eine Runde fahren lässt.
fen und uns auf eine konzeptionelle      über eine Zusatzqualifikation zum        gefunden haben, sehen wir uns sehr        zu begleiten. Sieben Jahre lang war Manuel als Firmkatechet
Spurensuche begeben, um zu erfah­        Praxis­
                                               anleiter   beim   Diakonischen     er­
                                                                                    mutigt, dieses Projekt auch im          tätig und vier Jahre im Pfarrgemeinderat, unter anderem in         Nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann wurde er
ren, was man unter christlicher Pä­      Werk Kurhessen-Waldeck. Er war Ar­       kommenden Kursjahr (2019/20) fort­        den Ausschüssen für Jugend und Liturgie.                           zuerst von seinem Ausbildungsbetrieb übernommen und
dagogik verstehen kann. Dabei geht       beitskreissprecher der Erzieher*innen    zusetzen.                                                                                                    wechselte dann noch einmal innerhalb des Konzerns. In

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PORTRÄT

     dieser Zeit hörte er in der Klosterkirche in Lennep im Rah-      Gottesdienst war, fehlte ihm der Raum. Br. Remigius erzählt
     men der Septembergespräche einen Vortrag unseres Bruders         vom „Laudeskreis“, den er seit der Zeit der schweren Krank-
     Emmanuel über „Leben im Kloster“. Da Br. Emmanuel auch           heit seines Heimatpfarrers in der Karwoche und in der Woche
     über die Handwerker im Kloster gesprochen hatte, fragte          vor Weihnachten organisierte. Acht bis zwölf Personen kamen
     er ihn, ob auch Kaufleute eintreten können. Vorstellen, ins      zusammen und bereiteten sich intensiv auf die Feste vor. Eine
     Kloster zu gehen, konnte sich Manuel damals nicht.               solche Intensität wollte er nicht nur für zwei Wochen im Jahr.

     2010 und 2011 war Manuel jeweils für einige Tage in Taizé        Hinzu kommt für Br. Remigius eine zweifache Form der Un-
     im Schweigehaus. Im Schweigen, Beten und im Gespräch             terstützung, die er in der Abtei erfährt. Es ist ihm wichtig,
     mit einem der Brüder spürte er einen inneren Anstoß: „Das        über den Glauben reden, sich darüber austauschen zu kön-
     könnte auch ein Weg für mich sein.“ Aber es brauchte noch        nen. „Und es tut mir gut, dass mir in der Gemeinschaft Vie-
     seine Zeit, bis er dem nachging. Und dann war die Frage: in      les ermöglicht und zugetraut wird.“ Das „Orgelbuch“ zum
     welchem Kloster? Und Br. Remigius erinnerte sich an den          Beispiel war ein Anlass, dass er gefragt wurde, in unserem
     Vortrag von Br. Emmanuel. Im Internet fand er unsere Abtei       Gymnasium eine „AG Kalligraphie“ anzubieten. In Führun-
     und nahm Kontakt auf. Als er im Mai 2013 das erste Mal zu        gen erzählt er begeistert von seinem Glauben und seinem
     Gast war, sprach ihn vor allem der Raum der Abteikirche an.      Leben als Mönch an diesem Ort. Gerade eben konnte er eine
     „Sie spricht mich einfach an in ihrer Schlichtheit und mit den   Gruppe von Firmlingen an einem Wochenende begleiten.
     für mich wichtigen Akzenten Altar, Ambo und die Salbstei-
     ne.“ Im August 2013 war er zu „Kloster auf Zeit“ in der Abtei    Daneben steht die alltägliche Arbeit. Nach einer Zeit im
     und freute sich, dass er auch zur Abtsbenediktion kommen         Gastbüro arbeitet er seit Februar 2018 in der Klosterverwal-
     konnte. In dieser Zeit fiel seine Entscheidung zum Eintritt.     tung in der Finanzbuchhaltung. „Das habe ich ja mal ge-
                                                                      lernt“, sagt Br. Remigius und freut sich, dass er hier seine
     Da ja nicht nur die Kündigung seiner bisherigen Arbeitsstelle    Fähigkeiten und Kenntnisse einsetzen kann. Am 13. Januar
     nötig war, sondern er auch seine verschiedenen Aufgaben in       2019 band er sich in der Feierlichen Profess ganz an unsere
     der Gemeinde gut übergeben wollte, plante er den Eintritt für    Gemeinschaft. Es ist für Br. Remigius ein Ankommen, ein
     Mai 2014. Er kam, „um einen Ort zu finden, an dem ich mei-       tragendes Zuhause. Und sein Name? „Den habe ich mir gar
     nen Glauben leben kann, der mich inspiriert, Gott zu suchen.“    nicht wegen des Heiligen ausgesucht. Es ist der Name des
     Obwohl er so aktiv in der Gemeinde war und regelmäßig im         Lieblingsbruders meines Großvaters …“

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MISSION

Leben im „Container-Kloster“
von Pater Joseph Moreno OSB, Prior in Kuba

In den Jahren 2017 und 2018 gab es einige Veränderungen und          ten dieses zum Haus mit Kapelle, Küche und Badezim-          diözese La Havana vermietet wurden, weggehen werden.
neue Entwicklungen in unserer Gründung auf Kuba. Der erste           mer für Pater Philipp herrichten, der auf unserer Farm       In etwa zwei Jahren werden wir alle ins Container-Kloster
kubanische Mitbruder, Br. Sebastian, hat seine Feierliche Profess    wohnen und die Entwicklung beaufsichtigen sollte. Doch       in San José de las Lajas übersiedeln.
abgelegt; Pater Jacques, der Gründungsprior, ist zu einer längeren   manche unserer Bekannten rieten uns, ihn nicht allein
Auszeit in den Vereinigten Staaten aufgebrochen – sein Nachfolger    dort leben zu lassen. Nach einigem Überlegen und weil        Es gibt Hoffnung. Als ich 2012 in Havana ankam, war das
als Prior ist Pater Joseph Moreno, ein gebürtiger Filipino; neben    wir das Kloster später auf diesem Grundstück bauen wol-      Kloster gerade der Gemeinschaft gegeben worden. Im
Pater Joseph und Br. Sebastian leben in dem „Containerklos-          len, entschlossen wir uns, mehr Platz zu schaffen, sodass    gleichen Jahr trat Delvis Neyra ein. Für die Aufnahme
ter“ derzeit auch Pater Philip (ebenfalls ein Filipino) und Pater    wenigstens drei Mönche hier leben könnten. Unerwarte-        ins Noviziat wählte er einen neuen Namen, Br. Sebastian.
Aaron, ein Koreaner aus Waegwan. In einem Rundbrief berichtet        terweise erhielten wir die Nachricht, dass uns ein 40 Fuß    Nach sechs Jahren machte er im Juli 2017 in Gegenwart
Pater Prior Joseph von den neuesten Entwicklungen:                   großer Container zur Verfügung steht. Bald danach wurde      von Abt­präses Jeremias feierliche Profess. Und so ist es
                                                                     uns ein weiterer Container angeboten. So haben wir jetzt     uns nach all den schwierigen Jahren gelungen, unser Klos-
Unsere benediktinische Präsenz in Kuba begann im Jah-                drei 40 Fuß große Container und einen 20 Fuß großen.         ter aufzubauen, und wir arbeiten an der Entwicklung un-
re 2008. Seither hat sich viel ereignet. Aufgrund von oft            In ihnen richteten wir vier kleine Zimmer/Arbeitsräume,      serer Farm weiter.
schwierigen Herausforderungen kehrten einige Mitbrüder               eine Kapelle, Küche und das Refektorium ein. So entstand
schon bald in ihre Heimatländer zurück, bis nur noch einer           unser „Container-Kloster“. Auch ein Wassertank wurde
von der Gründungsmannschaft übrig blieb, Pater Jacques.              aufgestellt, noch fehlen aber die Rohre und die Pumpe.
Dieses Jahr [2018] ging auch Pater Jacques weg, um in den
USA ein Sabbatjahr zu verbringen; so ist keiner aus der              Neulich besuchte uns Abtpräses Jeremias. Wir trafen uns
Gründungsgruppe mehr hier. Unsere Gemeinschaft hat so                einige Male mit ihm. Ein Ergebnis des Besuchs betrifft un-
manches Kommen und Gehen erlebt.                                     sere momentane Lage ganz konkret. Wir beschlossen, uns
                                                                     auf die Entwicklung unseres Container-Klosters, der Farm
Die dringendste Arbeit ist im Moment die weitere                     und anderer damit verbundener Dinge zu konzentrieren.
Entwicklung unseres Container-Klosters. Im Jahre 2016                Das bedeutet, dass wir von der Kirche und vom Konvent
kauften wir ein Lastwagen-Gehäuse (Chassis). Wir woll-               der Karmeliter, die uns dankenswerterweise von der Erz-

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IMPULS

von Brigitte Frings, Mitarbeiterin im Abteiladen Olsberg                                                                Bist ins Gerede gekommen
                                                                                                                        Zu reich an Kohlenhydraten                                      „Und sie verteilten das Brot und
                   Brot                                                                                                 Wirst gemieden von Gesundheitsaposteln                          alle wurden satt …“
                   Dein Duft weckt meine Erinnerungen:                                                                  Ballaststoffreich und kalorienreduziert                         – Johannesevangelium, Kap. 6,1–15
                   Kinderhände beim Helfen                                                                              sollst du sein
                   in der elterlichen Bäckerei –                                                                        Dein Wert verliert sich                                         Unser tägliches Brot gib uns heute
                   eifrig und stolz                                                                                     Brot
                   Der Vater beim Kneten der Teige                                                                      Lebens-Mittel, das über ist?                                    Gott, du hast gesagt
                   beim Ansetzen des Sauerteigs –                                                                       Haben wir dich satt?                                            Ich bin das Brot des Lebens
                   voller Leidenschaft für sein Handwerk                                                                                                                                Sei du das Brot meines Lebens
                   Die Mutter hinter der Ladentheke –
                   immer freundlich und kundenorientiert
                   Sie erzählt von Nachkriegszeiten:
                   Mit unsauber geklebten Lebensmittelmarken
                   verhilft sie im Bäckerladen Menschen
                   zu ein wenig mehr als ihnen zusteht
                   Eine Extra-Ration gegen den Hunger          Brot
                                                               Über-Lebens-Mittel                                                                        Brot
                                                               Gewonnen aus unzähligen Körnern                                                           Bist so viel mehr als Nahrungs-Mittel
                                                               und der Arbeitskraft der Menschen                                                         Riechst nach Heimat
                                                               Geschenk der Schöpfung                                                                    Stiftest Tischgemeinschaft
                                                               Begegnest uns täglich                                                                     Lädst ein zum Teilen
                                                               in wohlschmeckender Vielfalt                                                              Schmeckst nach Versöhnung
                                                               Überreich vorhanden                                                                       Schenkst Frieden
                                                               Oft nur frisch geschätzt                                                                  Stärkst den Körper
                                                               Gedankenlos weggeworfen                                                                   Stillst den Hunger unserer Seelen
                                                               und Millionen Menschen auf der Welt                                                       Bist Hoffnung

                                                                                                     Foto: Roman Weis
                                                               hungern                                                                                   Verheißt Leben in Fülle

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Bei Tisch vorgelesen                                                                                                Der Abteiladen in der Abtei Königsmünster
                                                                                                                    bietet ein vielfältiges, sorgsam ausgewähltes Sortiment von
                                                                                                                    religiösen Büchern, Büchern zur Lebenshilfe und zur Spiritua-
Hier stellen wir Ihnen Bücher unserer regelmäßigen Tischlesung vor.                                                 lität, Geschenkbüchern, Kinder- und Jugendbüchern, Karten,
                                                                                                                    Kerzen, CDs – und natürlich die Produkte aus unseren eigenen
AUS DEM LEBEN DER FAMILIE BONHOEFFER –                                                                              Werkstätten.
Die Aufzeichnungen von Dietrich Bonhoeffers jüngster Schwester Susanne Dreß
                                                                                                                    Öffnungszeiten des Abteiladens im Kloster
Wer dieses 868 Seiten starke Buch zu le-      fangen vom ausgehenden Kaiserreich bis                                montags bis samstags      9 bis 13 Uhr und 14 bis 17.30 Uhr
sen beginnt, hat eine ausgiebige Reise in     hin zu den Jahren der Nachkriegszeit. Aus                             sonntags 			                           10.40 bis 11.40 Uhr
eine längst vergangene Welt vor sich, in      der reichen Erinnerung tauchen originelle
die Zeit der ersten Hälfte des 20. Jahrhun-   Charaktere auf, besonders unter den Haus-                             Die Abteiläden in der Zeughausstraße 6 in Meschede und
derts. Die Autorin Susanne Dreß wuchs         angestellten, idyllische Naturbeobachtun-                             am Markt 2 in Olsberg
als jüngste von acht Geschwistern in ei-      gen, Ferienerlebnisse im Harz, nächtliche                             bieten neben Brot, Kuchen und Kleingebäck unserer Bäckerei,
ner großbürgerlichen Familie in Berlin        Träume und Ängste … Eine große An-                                    den Wurstspezialitäten unserer Metzgerei und dem Samstags-
auf. Ihr Vater war Psychiater im Berliner     zahl von „Dönekes“ sorgen für eine un-                                eintopf unserer Abteiküche auch eine Auswahl von Produkten
Charité-Krankenhaus. Das Interesse ihrer      terhaltsame Lektüre. Von Festen gibt es                               unserer Werkstätten an.
Lebenserinnerungen galt nicht, der Bio-       viel zu erzählen, auf ihnen konnten die
graphie ihres berühmten Bruders Dietrich      Geschwister ihre kulturellen Talente zum                              Öffnungszeiten des Abteiladens Meschede
weitere biografische Einzelheiten hinzu-      Besten geben. Packend sind vor allem                                  montags bis freitags                            9 bis 18 Uhr
zufügen. Sie wollte ihren Enkeln erzählen,    auch die Abschnitte über den Druck auf                                samstags                                        9 bis 15 Uhr
wie es ihr in der großen Familie in ihrer     die Familie wegen ihrer Ablehnung des
Kindheit, während der Ausbildung und          Hitler-Regimes. Zwei ihrer Brüder, Diet-                              Öffnungszeiten des Abteiladens Olsberg
als junger Mutter ergangen ist. Heraus-       rich und Klaus, wurden als Widerstands-     Herausgegeben von         montags bis freitags                            7 bis 18 Uhr
gekommen ist ein facettenreiches Bild,        kämpfer noch Anfang 1945 hingerichtet.      Jutta Koslowski           samstags                                     7 bis 14.30 Uhr
in der aus vielen Einzelheiten ein breites    Insgesamt also eine unangestrengte Lek-     Gütersloher Verlagshaus
Panorama entsteht. Der zeitgeschichtliche     türe nach dem Motto „Den Reichtum des       ISBN: 978-3-579-07152-7   Onlineshop
Hintergrund kommt nicht zu kurz, ange-        Lebens auf keinen Fall vergessen!“          49,– €                    www.abteiladen.de

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