IHK-JOURNAL - IHK Koblenz
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DEZEMBER 2016 | www.ihk-koblenz.de | Postfach 20 08 62, 56008 Koblenz
NACHRICHTEN DER INDUSTRIE- UND HANDELSKAMMER KOBLENZ
IHK-JOURNAL
DAS REGIONALE WIRTSCHAFTSMAGAZIN
No 12
Duales Studium: Great Places to Work: Sarah Hulten: Eine
Modell mit Zukunft Unsere regionale Industrie Weinkönigin blickt zurück
WIE STEHT ES UM DEN FREIHANDEL IN DER WELT?IS
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BADENSTANDPUNKT 3
NEUES JAHR,
NEUE HERAUSFORDERUNG
„EINE ENTWICKLUNG VON HISTORISCHER DIMENSION“ – so habe ich vor gut
einem Jahr den Standpunkt der damaligen Dezember-Ausgabe des IHK-Journals
eingeleitet. Der Bezugspunkt dabei: die zu dieser Zeit allgegenwärtige Diskussion
um Flüchtlinge und den damit verbundenen Herausforderungen.
Das Jahr 2016 brachte dann tatsächlich Entwicklungen von historischer Dimen-
sion, allerdings nicht nur beim Thema Flüchtlinge. Wer hätte vor einem Jahr ernst-
haft gedacht, welche Überraschungen uns mit dem Ausgang des Brexit-Refe-
rendums oder der Präsidentschaftswahl in den USA ins Haus stehen? Wer hätte
gedacht, dass die internationalen Wirtschaftsbeziehungen so schnell und grund-
sätzlich in Frage gestellt würden, wie wir es aktuell sehen? Wer hätte die politischen
Verwerfungen in der Türkei und mit der Türkei vorausgesehen?
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen ist es nicht unwahrscheinlich, dass
auch 2017 ein Jahr voller „Überraschungen“ und Herausforderungen insbesondere
auch für die Wirtschaft wird.
Manfred Sattler ist Präsident der Industrie- Aber ich möchte uns Mut machen: So wie wir beim Thema Flüchtlinge in diesem
und Handelskammer (IHK) Koblenz.
Jahr dank gemeinsamer Anstrengungen schon ein gutes Stück vorangekommen
sind, so werden wir auch den Herausforderungen des neuen Jahres begegnen. Der
Umgang unserer Wirtschaft mit den großen und kleinen Verwerfungen der letzten
Jahre hat gezeigt: Wir sind auch in schwierigen Zeiten verlässliche Partner, nicht
nur für unsere Mitarbeiter, sondern auch für unsere Region insgesamt. Unser
gemeinsames Engagement kann viel bewegen – und auch der Politik helfen, die
richtigen Weichen zu stellen. Dieser Anspruch sollte uns auch 2017 begleiten.
Ihnen und Ihren Familien wünsche ich für die bevorstehenden Weihnachtstage
Gelegenheit zur Entspannung und anschließend einen kraftvollen und optimis-
tischen Start in das neue Jahr!4 INHALTSVERZEICHNIS
IHK INFORMIERT
In eigener Sache 06
Kurz und kompakt 07
12
WIRTSCHAFT IN ZAHLEN
Duales Studium – ein Modell für die Zukunft 12
TITELTHEMA
Freihandel im Abseits? 14 DAS BESTE AUS ZWEI WELTEN
Das duale Studium wird bei jungen Menschen, aber auch Unterneh-
men, immer beliebter. Auf unserer Doppelseite „Wirtschaft in
Zahlen“ zeigen wir nicht nur die Entwicklung der Studierenden-
WIRTSCHAFTSTRENDS zahlen, sondern auch, wie viele Betriebe in der Region inzwischen
auf diesen Ausbildungsweg setzen.
Einblicke in die Praxis
bieten willkommene Abwechslung 22
„Die IHK Koblenz grüßt
14
das Königreich Bahrain!“ 24
Rohstoffreiches Rheinland-Pfalz –
Die Vulkanlandschaft Osteifel 26
POLITIK AKTUELL
DIHK: Neues aus Berlin und Brüssel 28
FOTO: FOTOLIA
Zur Sache
Fachkräfte von morgen 29
Hingehört DIE WELT DES FREIHANDELS
Goodbye Ehrenamt! 30
Steht der Welthandel an einem Wendepunkt? Die politischen
Entwicklungen der vergangenen Monate könnten darauf hindeuten.
Im Titelthema blicken wir auf die Bedeutung von TTIP, CETA und Co.
IHK INTERNATIONAL für unsere heimische Wirtschaft – und zeigen Ihnen in einer großen
Illustration die ganze Welt des Freihandels.
5 Fragen an Oliver Oehms,
Delegierter der Deutschen Wirtschaft
für Saudi-Arabien, Bahrain und Jemen 31
IHK-Journal 12/2016INHALTSVERZEICHNIS 5
WIRTSCHAFT IN DER REGION
34 Ahrweiler
35 Altenkirchen
22 36 Bad Kreuznach
37 Birkenfeld
38 Cochem-Zell
39 Koblenz-Stadt
40 Mayen-Koblenz
41 Neuwied
FOTO: LEON MOHR
42 Rhein-Hunsrück
43 Westerwald
EINMAL KARRIERE, BITTE
Es muss nicht Audi, Siemens oder BMW sein: Dass auch die
RECHT UND STEUERN
Industrie in der Region spannende Arbeitgeber mit besten Per-
spektiven für Berufseinsteiger sind, muss man manchen Studie- 46 Neues Recht für Leiharbeit
renden erst klarmachen. Dazu bietet die IHK jedes Jahr eine Tour und Werkverträge
zu verschiedenen Unternehmen an. Wir waren diesmal unter dem
Motto „Karriere in der Industrie“ dabei.
NACHGEFRAGT BEI ...
48 Sarah Hulten
46 ZU GUTER LETZT
50 Karikatur
RUBRIKEN
32 Buchmarkt
45 Veranstaltungsvorschau
FOTO: FOTOLIA
49 Genuss und Region
Impressum
„EQUAL-PAY“ FÜR LEIHARBEITER
Titelfoto: Fotolia
Für Zeitarbeit und Werkverträge gilt ab dem kommenden
April neues Recht. Die wohl wichtigste Änderung: die
Festschreibung des sogenannten „Equal-Pay“-Grund-
satzes für Leiharbeiter nach neun Monaten. Unter
„Recht und Steuern“ lesen Sie, was noch zu beachten ist.
www.facebook.com/IHK.Koblenz
www.twitter.com/ihk_koblenz6 IHK INFORMIERT
In eigener Sache
Liebe Leserinnen und Leser,
mit dem IHK-Journal möchten wir Sie stets auf dem Laufenden
halten über das, was die Wirtschaft in der Region bewegt – und
über das, was die Unternehmen hier im Norden von Rhein-
land-Pfalz selbst bewegen. Diese Nachrichten und Servicean-
gebote sollen Sie auch weiterhin bekommen, jedoch bringt der
bevorstehende Jahreswechsel auch bei unserem Wirtschafts-
magazin einige Änderungen mit sich. Sie werden das IHK-Mit-
gliedermagazin künftig sechsmal im Jahr erhalten, also in einem
zweimonatigen Turnus. Zwischenzeitlich möchten wir Sie in
Zukunft verstärkt mit dem Newsletter, unserer Webseite, den
Kanälen in den sozialen Netzwerken und auch neuen Online-An-
geboten über Neuigkeiten und Veranstaltungen informieren.
Außerdem halten Sie ab Januar ein verschlanktes Heft in den
Händen. Der Grund dafür: Das IHK-Journal wird dann frei von
Anzeigen erscheinen. Wie gewohnt finden Sie weiterhin natür-
lich die Nachrichten aus der IHK Koblenz, ein ausführliches
Titelthema, Artikel zu verschiedenen Wirtschaftstrends und
Berichte aus den einzelnen Regionen. Ihre
Und wie immer freuen wir uns auch über Ihr Feedback – regen Stefanie Bach
Sie Themen an, üben Sie Kritik. Sie, die IHK-Mitglieder, sind es, Chefredakteurin IHK-Journal
für die wir, die Redaktion, das IHK-Journal gestalten.
Ich wünsche Ihnen auf diesem Weg ein frohes Weihnachtsfest Melden Sie sich hier zu unserem wöchentlichen
und alles Gute für 2017. Newsletter an: www.ihk-koblenz.de/newsletter
IHK Koblenz
führt neues Feedbackformular ein
Sie haben Lob, Kritik oder Anregungen? freuen uns auf Ihr Feedback – Ihre Rück- Kontakt:
Um Ihre Rückmeldungen noch effizi- meldungen helfen uns, unseren Service Anne Tielke-Breidbach
enter als bisher aufnehmen zu können, kontinuierlich zu verbessern. Zu finden 0261 106-140
haben wir ein neues Feedbackformular ist das Feedbackformular auf unserer tielke@koblenz.ihk.de
eingeführt. Mithilfe des Onlineformulars Homepage www.ihk-koblenz.de im
können Sie uns ganz bequem und direkt Bereich „Über uns“ oder direkt unter der
eine Nachricht hinterlassen. Wir ant- Nummer 3509692.
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Ihre Halle
19 Azubis erwerben in London die Zusatzqualifikation Kaufmann/-frau International. FOTO: EUROPEAN COLLEGE OF BUSINESS AND MANAGEMENT
London calling –
Ausbildungsaufenthalt in England
mussten die Auszubildenden sowohl
Ihr Büro
Auch in diesem Jahr ist wieder eine
Gruppe von jungen Auszubildenden aus eine Präsentation halten als auch
dem nördlichen Rheinland-Pfalz in die schriftliche Prüfungen ablegen – alles
britische Hauptstadt gereist. Im Rah- natürlich auf Englisch. Nach erfolg-
men ihrer Ausbildung haben 19 kauf- reichem Abschluss der Ausbildung in
männische Auszubildende einen drei- Deutschland dürfen sie sich „Kauf-
wöchigen Weiterbildungskurs zum mann/-frau International“ nennen und
„Kaufmann/-frau International“ am erwerben somit eine anerkannte Zu-
European College of Business and satzqualifikation.
Management in London besucht. Auf Wer Interesse an einer Teilnahme im
dem Stundenplan standen – neben wirt- kommenden Jahr oder Fragen zu dem
schaftsrelevanten Fächern – auch Auslandsprogramm hat, dem helfen wir
Unterrichtseinheiten zu interkulturellen gerne weiter.
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8 WIRTSCHAFTSTRENDS
Vizepräsident der IHK wird 60
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info@kaiser-ingenieurbau.de Der Vizepräsident der Industrie- und
Aufstockungen Handelskammer Koblenz und Vor-
standsvorsitzende der Debeka-Versi-
cherungsgruppe, Uwe Laue, hat am
19. November 2016 seinen 60. Geburts-
tag gefeiert. Der aus Esslingen stam-
mende Laue ist seit 1998 im Vorstand
der Debeka sowie beim Verband der
privaten Krankenversicherung e. V. Im
Ausstellungshallen Jahr 2002 ernannte der Aufsichtsrat ihn
zum Vorstandsvorsitzenden aller Unter-
nehmen der Debeka-Versicherungs-
gruppe. Uwe Laue verwaltet beim größ-
ten privaten Krankenversicherer und
der sechstgrößten Versicherungsgrup-
hoch
pe in Deutschland die Bereiche Compli-
Bürogebäude
ance, Konzerndatenschutz, Konzernre-
vision, Koordination Konzernleitung und
Unternehmenskommunikation. Mit
17 Jahren hat er seine Ausbildung bei der wirtschaft e.V. Mitglied. Außerdem ist er
Debeka Koblenz begonnen und war im Vorstand der Zukunftsinitiative
Lagerhallen anschließend in verschiedenen Positi- Rheinland-Pfalz, des Bundesverbands
onen im Unternehmen tätig. Zusätzlich Deutscher Verwaltungs- und Wirt-
ist er noch im Präsidium beim Gesamt- schaftsakademien e. V. und des Freun-
verband der Deutschen Versicherungs- deskreises der Universität Koblenz.
Produktionshallen
IHK-Firmendatenbank wird sehr stark genutzt
Die Firmendatenbank der IHK Koblenz wünschten Kriterien zu selektieren und
erfreut sich großer Beliebtheit. 90 % der diese dann – als Mitglied der IHK Koblenz
befragten Anwender bewerten den Ser- kostenfrei – bequem online zu bestellen.
vice der Firmendatenbank als sehr hilf- Auf der anderen Seite haben Unterneh-
reich und loben das einfache Handling men hier die Möglichkeit, sich zu präsen-
Sonderbauten der Plattform. Über 12.000 Mitgliedsun- tieren und ihr Logo und ihre Unterneh-
ternehmen sind in der Firmendatenbank mensbroschüre zu hinterlegen.
eingetragen, mehr als 100.000 Adres-
sen wurden mittlerweile bereits abge- Mehr Informationen:
fragt. Die Plattform bietet Anwendern www.firmendaten.ihk-koblenz.de
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Unser Wissen für Ihr Unternehmen.10 IHK INFORMIERT
IHK Koblenz fördert Professur für duales Studium
Die Industrie- und Handelskammer
(IHK) Koblenz fördert ab 2017 eine Pro-
fessur für das duale Studium an der
Hochschule Koblenz – University of
Applied Sciences. Manfred Sattler, Prä-
sident, und Arne Rössel, Hauptge-
schäftsführer der IHK Koblenz, unter-
zeichneten kürzlich einen entspre-
chenden Kooperationsvertrag mit Prof.
FOTO: KRISTINA DANNEBERG
Dr. Kristian Bosselmann-Cyran, dem
Präsidenten der Hochschule. Die IHK
Koblenz setzt sich damit weiterhin für
eine Verbesserung des Angebots ausbil-
dungsintegrierter dualer Studiengänge
in der Region ein. Das duale Studium, als
Kombination aus praktischer Ausbil-
dung im Betrieb und Hochschulstudium, IHK-Hauptgeschäftsführer Arne Rössel, IHK-Präsident Manfred Sattler,
erleichtert es den Unternehmen, qualifi- Prof. Dr. Kristian Bosselmann-Cyran, Präsident der Hochschule Koblenz, und
zierten Nachwuchs langfristig als Fach- Prof. Dr. Holger Reinemann, Dekan der Wirtschaftswissenschaften der
Hochschule Koblenz (v. r.), bei der Unterzeichnung des Vertrags.
kräfte zu gewinnen. „Mit der Stiftungs-
professur steigern wir die Attraktivität
der angebotenen Ausbildungsmöglich- fessur „Dienstleistungsmanagement“ duale Studiengang Business Adminis-
keiten in der Region und tragen somit im Fachbereich Wirtschaftswissen- tration (BWL) kann ab dem 1. Juli 2017
dazu bei, dass junge Menschen seltener schaften zielt auf eine Erweiterung des erstmals in Verbindung mit einer Ausbil-
in größere Ballungszentren abwandern“, Fachkräfteangebots für Unternehmen dung zur/zum Kauffrau/-mann für Büro-
sagte Rössel. Die IHK-Stiftungspro- aus dem Dienstleistungssektor. Der management angeboten werden.
Öffentliche Bekanntmachung
Verwaltungsvorschrift
über die einheitliche Anwendung der Kurspläne Die Kurspläne dienen zur Sicherstellung der einheitlichen
Umsetzung der Schulungsinhalte durch die von der
Gemäß § 14 Abs. 3 der Gefahrgutverordnung Straße, IHK zugelassenen Veranstalter von Gefahrgutfahrer-
Eisenbahn und Binnenschifffahrt (GGVSEB) Schulungen und wurden vom Deutschen Industrie- und
in der jeweils gültigen Fassung (Bundesgesetzblatt Teil II Handelskammertag (DIHK) erstellt.
Nr. 30 vom 10. November 2016) erlässt Die Kurspläne können bei der IHK Koblenz eingesehen
die IHK Koblenz folgende und angefordert werden.
Auf Anforderung wird diese Verwaltungsvorschrift zur
Verwaltungsvorschrift Verfügung gestellt. Die Verwaltungsvorschrift tritt am
1. Kursplan Basiskurs für die Schulung der Fahrzeugführer 1.1.2017 in Kraft. Die Veröffentlichung des Erlasses
nach Kapitel 8.2 ADR erfolgt im IHK-Journal (Ausgabe Nr. 12/2016).
2. Kursplan Auffrischungsschulung für die Schulung der
Fahrzeugführer nach Kapitel 8.2 ADR
3. Kursplan Aufbaukurs Klasse 1 für die Schulung der Koblenz, 18.11.2016
Fahrzeugführer nach Kapitel 8.2 ADR
4. Kursplan Aufbaukurs Klasse 7 für die Schulung der Arne Rössel, Hauptgeschäftsführer
Fahrzeugführer nach Kapitel 8.2 ADR
5. Kursplan Aufbaukurs Tank für die Schulung der
Fahrzeugführer nach Kapitel 8.2. ADRIHK INFORMIERT 11
Azubis daten Unternehmen
220 erste Dates gab es kürzlich beim zweiten Azubi-Speed-
Dating der IHK Koblenz: 13 Unternehmen aus der Region und
über 150 Schülerinnen und Schüler hatten die Gelegenheit,
sich auf der Messe in Idar-Oberstein kennenzulernen. „Das
Speed-Dating baut Hemmschwellen ab und ermöglicht
Jugendlichen Gespräche, zu denen sie sonst vielleicht nicht
eingeladen worden wären“, so Sabine Mesletzky, Referentin
Schule – Wirtschaft bei der IHK Koblenz. „Bewerber und Unter-
nehmen hatten dann zehn Minuten Zeit, sich gegenseitig von-
einander zu überzeugen.“ Ziel der Veranstaltung war es, einen
ersten Kontakt zwischen Ausbildungsbetrieben und künftigen
Fachkräften herzustellen. Mit dem Format rückt die IHK
Koblenz angesichts der weiter steigenden Studierenden-
zahlen auch den Wert der dualen Berufsausbildung stärker in
den Fokus.
Kontakt:
FOTOS: CHRISTIAN SCHULZ, FOTO HOSSER
Sabine Mesletzky
0261 106-166
mesletzky@koblenz.ihk.de
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Zinssatz, Sondertilgung möglich). Laufzeit für beide Darlehensvarianten
jeweils 5 Jahre, tilgungsfreie Zeit 12 Monate, ab 1,85 % p.a. anfänglich
deutsche-bank.de/geschaeftskunden kombinierter Zinssatz, Auszahlung 100 %. Bonität vorausgesetzt.12 WIRTSCHAFT IN ZAHLEN
Duales Studium –
ein Modell für die Zukunft
Das duale Studium wird bei Schülern und Unternehmen lohnenswert, da sie nach dreieinhalb bis fünf Jahren – je
immer beliebter. Auch die Nachfrage hat sich entspre- nach Studiengang – neben dem theoretischen Wissen der
chend entwickelt, denn das duale Studium bietet Unter- Hochschule auch erste Berufserfahrung nachweisen kön-
nehmen und Studierenden viele Vorteile: Aus Sicht der nen. Und es ermöglicht den Unternehmen, eine Zielgruppe
Unternehmen kann der „Nachwuchs“ individuell aus- zu erreichen, die sich sonst sehr wahrscheinlich gegen eine
gebildet und so dem Fachkräftemangel entgegengewirkt Ausbildung im Unternehmen und für ein Vollzeit-Studium
werden. Aus Sicht der Studierenden ist dieses Modell entscheiden würde. Quelle: IHK Koblenz
Das duale Studium –
das Beste aus zwei Welten:
Die direkte Kombination aus Praxis und
Theorie ist eine Win-win-Situation für Unternehmen
und Studierende gleichermaßen.WIRTSCHAFT IN ZAHLEN 13
Dual Studierende an staatlichen Duale Studiengänge
Hochschulen und Universitäten in in Rheinland-Pfalz
Hand in Hand mit der wachsenden Nachfrage steigert sich
Rheinland-Pfalz auch die Vielfalt der angebotenen Studiengänge.
2.500 80
2.310
70 67
2.000
2.104
60
1.889
50 55
1.500 1.626 50
48
40
1.404 39
1.000
30
1.010
802 20
682 23
500 632 21
517 17
447 10 13
8 9
0 0
WS WS WS WS WS WS WS WS WS WS WS WS WS WS WS WS WS WS WS WS WS WS
05/06 06/07 07/08 08/09 09/10 10/11 11/12 12/13 13/14 14/15 15/16 05/06 06/07 07/08 08/09 09/10 10/11 11/12 12/13 13/14 14/15 15/16
Quelle: Duale Hochschule Rheinland-Pfalz Quelle: Duale Hochschule Rheinland-Pfalz
Kooperationspartner im dualen Studium an der Hochschule Koblenz
Gemeinsam mit der Hochschule Koblenz und Berufsbildenden Schulen in der Region hat die IHK Koblenz sechs duale Studiengänge
entwickelt. Sie verbinden jeweils eine Ausbildung im Unternehmen mit einem Studium an der Hochschule. Betriebe aus nahezu dem
gesamten Bezirk der IHK Koblenz bilden in diesen Studiengängen aus – unsere Grafik zeigt, wie viele es in welchem Landkreis sind.
Business
Administration
Maschinenbau + Industriekauf-
+ Industrie- mann/-frau oder
Bauingenieur- mechaniker/in Kaufmann/-frau für
wesen Büromanagement
2
+ Bauzeichner/in
1 3
1
4 Elektrotechnik 3 3
+ Elektroniker/in 1
für Betriebstechnik
6 5
3
2 9
2 2 1
2 3 Informations-
2 technik
2 3
+ Fachinformatiker/in,
9 Mechatronik 5
1 1 Informatik- + Mechatroniker/in
1 kaufmann/-frau 1
1
5 1 2
4 2 2
1 2
1 1 1
24 17 3 27 4 26
Koblenz Bad Neuenahr-Ahrweiler Altenkirchen Bad Kreuznach Birkenfeld Stand: 10/2016
Quelle: IHK Koblenz
Cochem-Zell Mayen-Koblenz Neuwied Rhein-Hunsrück Rhein-Lahn WesterwaldIHK-Journal 12/2016
14
TITELTHEMATITELTHEMA 15
FREIHANDEL IM ABSEITS?
Autoren: Kristina Danneberg, Robert Lippmann
Fotos: Fotolia, privat
Aus für TTIP, Brexit, Wahlen in Amerika: Steht der Welthandel an einem Wendepunkt?
In unserem Titelthema beleuchten wir die politischen Entwicklungen der vergangenen Monate
und zeigen, welchen Wert der freie Handel für rheinland-pfälzische Unternehmen hat.16 TITELTHEMA
Er ist zwar nicht so alt wie die Mensch- Freihandel“ ankündigt. Darin spricht er
heit. Aber seine Geschichte lässt sich sich außerdem für eine drastische Über-
über Tausende von Jahren zurückverfol- arbeitung des nordamerikanischen Frei-
gen: Der Fernhandel hat schon in der handelsabkommens NAFTA aus – oder
Jungsteinzeit Verbindungen zwischen gleich für einen Austritt, falls die Partner
verschiedenen Gegenden geknüpft und Kanada und Mexiko keine neuen Richtli-
Güter wie Kupfer aus dem Balkan, Salz nien akzeptieren sollten.
aus den Ostalpen oder vulkanisches Die Positionen Trumps sind nicht die
Glas aus Sardinien über Regionsgrenzen Meinung eines Einzelkämpfers. Schließ-
getragen. Die Welt, wie wir sie heute lich hat die demokratische Mehrheit der
kennen, ist vom Handel geprägt worden. US-Bevölkerung für den Republikaner
Doch wer die politischen Entwicklungen gestimmt. Vielmehr spiegeln seine
der vergangenen Monate betrachtet, Ansichten eine Stimmung, die in ver-
könnte auf den Gedanken kommen, schiedenen Ländern vorherrscht: Immer
dass der damals begonnene und heute mehr Staaten haben in den vergangenen
allgegenwärtige Welthandel an einem Jahren neue Handelshürden aufgebaut,
Wendepunkt steht. um ihre Märkte gegen vermeintlich
Allerorten wächst die Skepsis gegen- unliebsame Konkurrenten abzugrenzen.
über dem freien Handel – denn nichts Und auch das Votum für den Brexit ist in
anderes steht hinter dem Schlagwort diesem Kontext zu sehen: „Ein Brexit
„Freihandel“. Während des langen, teils bedeutet nichts anderes, als dass Groß-
fruchtlosen Ringens um die Abkommen britannien aus der EU als Freihandelszo-
TTIP und CETA sind ne austreten wird. Der
in Deutschland Ängs-
te vor sinkenden Auf
Qualitätsstandards,
51,2 Wunsch nach einem
Mrd. Euro solchen Schritt ent-
belief sich der Wert springt zum Teil wohl
vor verdeckter Ein- rheinland-pfälzischer auch dem Glauben,
flussnahme von
Warenausfuhren 2015 die eigene Wirtschaft
Großkonzernen und müsste durch Ab-
vor einer Aushöhlung der Grundrechte schottung vor einer ,Bedrohung‘ von
laut geworden. Die aktuelle Kritik ver- außen geschützt werden“, sagt Robert
wundert umso mehr, weil Deutschland Lippmann, Geschäftsführer Internatio-
bereits mit einer Vielzahl von Staaten nal bei der IHK Koblenz. „Tatsächlich
Freihandelsabkommen geschlossen hat wäre der Brexit eine historische Zäsur:
(siehe Seite 18). Nun ist das euro-kana- Die EU als Freihandelszone würde erst-
dische Handelsabkommen CETA zwar mals in ihrer Geschichte schrumpfen.“
unterzeichnet worden – der Weg zum Für Unternehmen aus der Region ist
Vertragsabschluss war jedoch steinig diese Entwicklung unerfreulich, denn
und bis zuletzt von Protesten geprägt. der Export ist eine der tragenden Säulen
Könnte CETA das letzte große Freihan- der rheinland-pfälzischen Wirtschaft.
delskommen sein, das die EU auf den Auf 51,2 Milliarden Euro belief sich der
Weg bringt? Wert der Warenausfuhren im vergange-
Für TTIP, das Wirtschaftsminister Gabri- nen Jahr, die Exportquote der Industrie
el schon vor Wochen als „gescheitert“ in Rheinland-Pfalz 2015 betrug 56 Pro-
erklärt hat, stehen die Zeichen jeden- zent. Zum Vergleich: 1950 waren es nur
falls schlecht: Der neu gewählte US-Prä- knapp zwölf Prozent. Wenig über-
sident Donald Trump ist ein erklärter raschend ist, dass damit auch in Rhein-
Gegner des Vertrags. Auch das eigent- land-Pfalz ein nennenswerter Teil des
lich fertig verhandelte Abkommen TTP Wirtschafts- und Wohlstandswachs-
(Trans-Pacific Partnership) zwischen tums der vergangenen Jahrzehnte auf
den USA und elf anderen Pazifikstaaten die schrittweise vertieften Handels-
– darunter Australien, Japan und Mexiko beziehungen zu immer mehr Staaten
– lehnt Trump ab. Das betont er bei- zurückzuführen ist.
IHK-Journal 12/2016
spielsweise in dem entsprechenden Exportierende Betriebe wie das Unter-
Kapitel seines Wahlprogramms, dessen nehmen Kalenborn aus Vettelschoß, das
Titel ironischerweise den „Kampf für Verschleißschutz für den industriellenTITELTHEMA 17
Einsatz produziert, zählen auf den freien wir kritisch: Wozu die Heimlichtuerei?
Handel: „Unser Unternehmen lebt vom Mehr Offenheit wäre wünschenswert –
Freihandel – über 70 Prozent unserer schließlich wollen wir mit den Abkom-
Wertschöpfung sind auf den Export men nichts verschlechtern, nur verbes-
zurückzuführen“, sagt Geschäftsführer sern.“ Diese Kritik wird von der IHK-Or-
Dr. Conrad Mauritz. „Der deutsche ganisation ebenso wie von vielen Wirt-
Markt wäre für uns viel zu klein. Freihan- schaftsexperten geteilt (siehe Inter-
del ist für uns notwendig, um unseren view). Mehr als 50.000 Schweißgeräte
Standort zu sichern.“ Vom Freihandels- im Jahr produziert und vertreibt das
abkommen CETA würde der Betrieb Unternehmen nach eigenen Angaben,
unmittelbar profitieren: zwölf deutsche und
56%
„Bislang zahlen wir beim sieben internationale
Import nach Kanada auf
beträgt Standorte und Werke
unsere Waren drei bis fünf unterhält EWM. Der
Prozent Zoll, mit dem
die Exportquote zunehmende Protektio-
Abkommen würde der Zoll der Industrie in nismus in vielen Ländern
entfallen.“ Allerdings Rheinland-Pfalz bereite ihr Sorge, sagt
mache das Unternehmen Szczesny-Oßing: „Auf
auch ohne CETA gute dem russischen Markt
Erfahrungen mit dem Export nach beispielsweise sind wir stark in Mitlei-
Kanada – „deutlich komplizierter ist der denschaft gezogen worden, weil wir dort
Export etwa in die arabischen Länder keine eigene Präsenz haben. Falls sich
oder in den Iran, für diese Regionen die Märkte weltweit weiter abschotten,
würde man sich ein Freihandelsabkom- müssten wir stärker Präsenzen
men wünschen“, sagt Mauritz. aufbauen.“
Auch der Schweißgerätehersteller EWM „Trotz aller sachlichen Einwände gegen
AG aus Mündersbach betont die Bedeu- den zunehmenden Protektionismus
tung des Freihandels. „Als mittelstän- dürfte der Trend zu steigenden Markt-
disches Unternehmen stehen wir Frei- eintrittshürden auch in den kommen-
handelsabkommen grundsätzlich posi- den Jahren anhalten“, kommentiert
tiv gegenüber. Abkommen wie CETA und Lippmann. Auslandsaktive Unterneh-
TTIP bedeuten den Wegfall von Marktzu- men müssten demnach noch stärker als
trittshemmnissen – das begrüßen wir bisher auch die politischen Entwick-
natürlich“, erklärt die Aufsichtsratsvor- lungen in ihren Zielmärkten verfolgen
sitzende Susanne Szczesny-Oßing. und bei der strategischen Ausrichtung
Sie fügt allerdings hinzu: „Es macht uns ihrer Aktivitäten berücksichtigen. Dabei
nachdenklich, dass sich die Verhand- sind die Unternehmen allerdings nicht
lungen über TTIP so lange hinziehen. allein auf sich gestellt: „Die IHK Koblenz
Immerhin sind die USA neben Frank- steht mit dem Netzwerk der Auslands-
reich wichtigster Handelspartner für handelskammern im Rücken den Unter-
Rheinland-Pfalz. Der Vertragsabschluss nehmen als erster Ansprechpartner zur
würde dazu führen, dass die Unterneh- Seite – und bietet neben Beratungen und
men in der Region stärker am großen Informationen rund um das Auslands-
nordamerikanischen Markt teilhaben geschäft auch Kanäle, um konkrete Pro-
können. Doch die Art und Weise, wie bleme bei den zuständigen Stellen in
Abkommen verhandelt werden, sehen Politik und Verwaltung zu platzieren.“
IHK unterstützt auslandsaktive Unternehmen
Die IHK Koblenz bietet Unternehmen Beratung rund um das Auslandsgeschäft, Infos
zu Branchen, Märkten und Rechtsbestimmungen im Ausland sowie viele kostenfreie
Veranstaltungen.
Mehr Informationen: www.ihk-koblenz.de/international18 TITELTHEMA
SO HANDELT DIE EU MIT DER WELT
Handelsabkommen in Verhandlung
Potenzial für eine Freihandelspartnerschaft
Handelsabkommen erwartet Ratifizierung
Handelsabkommen besteht
Handelsabkommen wird modernisiert
Europäischer Wirtschaftsraum
Eigenständiges Investitionsabkommen in Verhandlung
Europäische ZollunionTITELTHEMA 19
20 TITELTHEMA
DER WEG ZUM FREIHANDEL
BESTEHT AUS KLEINEN SCHRITTEN
Prof. Michael Frenkel leitet den Lehrstuhl für Makroökonomik und Internationale Wirt-
schaftsbeziehungen an der WHU in Vallendar. Dort wird unter anderem zu internationa-
len Wirtschaftsbeziehungen und Finanzmärkten geforscht. Wir haben mit ihm nicht nur
über die Vorteile des Freihandels gesprochen, sondern auch gefragt: Wie steht es um
dessen Zukunft angesichts der immer lauter werdenen Kritik?
Herr Professor Frenkel, wie sähe eine Welt ohne Frei-
handelsabkommen aus?
Eine Welt ohne Freihandelsabkommen und folglich mit weniger
offenen Märkten wäre mit Sicherheit eine mit weniger Wohl-
stand. Dies gilt sowohl für die fortgeschrittenen Industrieländer
wie auch für Entwicklungsländer. Offene Märkte führen zu Vor-
teilen für ganze Volkswirtschaften. Dies hat sich gerade in den
zurückliegenden Jahrzehnten in zahlreichen Ländern deutlich
gezeigt. Empirische Studien belegen, dass internationaler Han-
del zu höherem Wohlstand, zu effizienteren Produktionsprozes-
sen und zu mehr Innovationen führt. In jedem Land, das in
jüngerer Vergangenheit wirtschaftlich besonders erfolgreich
war, hat der internationale Handel eine entscheidende Rolle
gespielt. China, Südkorea und Singapur, aber auch die osteuro-
päischen Länder sind nur einige der Beispiele hierfür. Ferner
finden wir kein Land, das seine Entwicklung durch Abschottung
Professor Dr. Michael Frenkel
voranbringen konnte.
Warum stoßen sowohl CETA als auch TTIP auf so viele wurden und kein Land mit so vielen anderen Ländern Investi-
Bedenken in der Bevölkerung? tionsschutzabkommen abgeschlossen hat.
Ein Grund liegt darin, dass es Ängste bei Menschen gibt, die Hat die Wirtschaft einen grundsätzlich anderen Blick
befürchten, Nachteile aus den Vereinbarungen von CETA und auf diese Themen?
TTIP zu ziehen. Eine Marktöffnung führt immer auch zu Struk-
turveränderungen: Einige Arbeitsplätze fallen weg, andere Grundsätzlich sitzen Unternehmen, Arbeitnehmer und Konsu-
Arbeitsplätze kommen neu hinzu. Nicht jeder, der seinen menten hier im gleichen Boot. Im internationalen Handel geht
Arbeitsplatz verliert, ist sofort qualifiziert für die neu entstehen- es nicht darum, dass einige Menschen oder Institutionen zu-
den Arbeitsplätze. Dennoch darf nicht übersehen werden, dass lasten anderer gewinnen, sondern darum, Strukturen zu schaf-
solche Entwicklungen in der wirtschaftlichen Entwicklung fen, aus denen möglichst viele Vorteile ziehen. Allerdings sind
jedes Landes völlig normal sind. Mit der Erfindung des Autos einige der mit den Freihandelsabkommen verbundenen Sach-
haben massenweise Pferdezüchter und Pferdekutschen- themen sehr komplex, sodass nicht alle über den gleichen
hersteller ihre Beschäftigung verloren. Kenntnisstand hierüber verfügen.
Ein anderer Grund liegt in der Angst von Menschen, dass aus-
ländische Standards niedriger seien als die heimischen. So Die EU und Kanada haben kürzlich das Handelsabkom-
fürchten sich die Europäer vor chlorbehandelten Hühnchen und men CETA unterzeichnet. Wie bewerten Sie den Vertrag?
hormonbehandeltem Fleisch aus den USA. Amerikaner fürch-
ten sich dagegen vor Schimmelkäse, der mit TTIP in den USA Er geht eindeutig in die richtige Richtung. Er wird den Handel
verkauft werden dürfte. und die Investitionen zwischen den beiden Wirtschaftsräumen
IHK-Journal 12/2016
Ein weiterer Grund für die Bedenken gegen CETA und TTIP liegt beflügeln und dadurch zu mehr Wohlstand auf kanadischer und
in der Befürchtung, dass Unternehmen durch Schiedsgerichte europäischer Seite führen. Allerdings sehe ich das Abkommen
in die Lage versetzt würden, Staaten durch Klagen finanziell zu noch nicht als gesichert. Der Ratifizierungsprozess in 28 Län-
schädigen und ihnen die Politiksouveränität zu entziehen. Die dern der EU, die alle im Rahmen von nationalen Gesetzgebungs-
wenigsten wissen, dass solche Schiedsgerichte gerade von den prozessen dem Abkommen zustimmen müssen, wird vermut-
Deutschen – konkret: von Ludwig Erhard – ins Leben gerufen lich noch sehr schwierig werden.TITELTHEMA 21
Was bedeuten der CETA-Abschluss und der Ausgang der Ja, gerade viele kleine und mittlere Unternehmen profitieren
US-Wahlen für die Verhandlungen um TTIP? von Freihandelsabkommen. Zum einen öffnet es ihnen Märkte
im Ausland. So könnte z. B. der Porzellanwarenhersteller Hut-
Aus meiner Sicht präjudiziert CETA ein TTIP-Abkommen ganz schenreuther ohne TTIP wegen Einfuhrzöllen keine Porzellan-
unabhängig vom Ausgang der amerikanischen Präsident- waren in die USA exportieren. Zum anderen helfen vereinbarte
schaftswahl nicht. Zum einen könnte man ja denken, dass die Standards weniger großen Unternehmen, weil sie sich im
Vereinbarungen von CETA leichter auf TTIP übertragbar wären. Gegensatz zu Großunternehmen keine juristischen Vertre-
Dies würde den Abschluss von TTIP erleichtern. Zum anderen tungen im Ausland leisten können. Außerdem sind Freihandels-
kann der Abschluss von CETA aber auch zu einer Fokussierung abkommen selbst dann für kleinere und mittlere Unternehmen
der Gegner solcher Abkommen auf TTIP kommen. Dann wird von Bedeutung, wenn sie selbst nicht exportieren, aber Zuliefe-
der Abschluss von TTIP noch schwieriger. Was den Einfluss der rer von exportorientierten größeren Unternehmen sind.
amerikanischen Präsidentschaftswahl anbetrifft, so wird man
abwarten müssen, welche Politik der designierte Präsident Ein Blick in die Zukunft: Wo sehen Sie die EU und das
Trump verfolgen wird. Zu erwarten ist, dass TTIP erst einmal Thema Freihandel in zehn Jahren?
nicht weiterverhandelt wird. Die EU hat bereits angekündigt,
dass TTIP auf Eis gelegt wird. Bekanntermaßen verlieren aber Ich bin im Grundsatz ein optimistischer Mensch. Von daher
Dinge im Eisschrank nicht ihren Nährwert, das heißt ihre guten hoffe ich darauf, dass sich letztlich die im Grundsatz richtige
Inhaltstoffe. Idee des Freihandels durchsetzen wird. Der Weg zum Freihan-
del besteht oft aus vielen kleinen Schritten. Sollten die großen
Haben Freihandelsabkommen überhaupt eine Relevanz Abkommen also nicht realisierbar sein, wäre es besser, den
für kleine und mittlere Unternehmen? Anspruch an Freihandelsabkommen etwas zu reduzieren,
anstatt sie vollständig zu begraben.
Auf welche Barrieren treffen Sie im Auslandsgeschäft?
Quelle: DIHK, Going International 2015/2016 (Mehrfachnennungen möglich)
Lokale Zertifizierungsanforderungen 58%
Verstärkte Sicherheitsanforderungen 51%
Sonstiges 30%
Zwang zu Local Content (Produktion vor Ort) 25%
Erschwerter Zugang zu öffentlichen Aufträgen 17%
Höhere Zölle 15%
Vorgaben zum Technologietransfer 1%
0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70%
Unternehmen treffen im Auslandsgeschäft auf unterschiedliche Barrieren. Viele spüren bei ihren grenzüberschreitenden Geschäften eine
Zunahme von Handelshemmnissen. Eine Entwicklung, die angesichts eines gebremsten Welthandels bedenklich ist.22 WIRTSCHAFTSTRENDS
Einblicke in die Praxis
bieten willkommene Abwechslung
Viele Industriefirmen in unserer Region sind international tätig – einige von ihnen sind
sogar sogenannte Hidden Champions, also versteckte Weltmarktführer mit ihren Pro-
dukten. So bieten sie angehenden Fachkräften attraktive Beschäftigungsmöglichkeiten.
Die IHK Koblenz richtet gemeinsam mit vem.die arbeitgeber jährlich die Veranstaltung
„Karriere in der Industrie“ aus, um einen ersten Kontakt zwischen diesen Unterneh-
men und den Studierenden herzustellen. In diesem Jahr öffneten Integral Accumulator
in Remagen, Bluhm Systeme in Rheinbreitbach, Alutecta in Kirchberg und Schottel am
Standort Dörth ihre Pforten für die Fachkräfte von morgen. Wir hatten die Möglichkeit,
eine der beiden Touren zu begleiten.
„Mich persönlich interessieren beson- nen Orten auf der ganzen Welt zu arbei- diesjährige Veranstaltung „Karriere in
ders die größeren Unternehmen der ten – das ist für mich eine reizvolle der Industrie“ angemeldet hatten. Der
Region“, sagt Alexander Schwarz, „für Perspektive.“ Schwarz ist einer von angehende Physikingenieur entschied
einen Weltmarktführer an verschiede- 20 Studierenden, die sich für die sich für Tour 1: Eine Besichtigung der
Unternehmen Alutecta in Kirchberg und
der neuen Produktionsstätte von Schot-
tel in Dörth standen hier auf dem
Programm.
„Ich orientiere mich in Richtung Oberflä-
chenphysik. Mir würden also beide
Unternehmen ganz gut passen“, sagt
Schwarz, der aktuell nach einem Unter-
nehmen für die Betreuung seiner Bache-
lorarbeit sucht. Doch auch danach muss
nicht das Ende der Ausbildungsleiter
erreicht sein: „Wenn mich das Unterneh-
FOTO: LEON MOHR
men unterstützt, werde ich auch meinen
Master machen – und wenn ich meinen
Master habe, möchte ich auf jeden Fall
auch promovieren.“
Dass ambitionierte Ziele wie diese sich
„Nutzen Sie jede Gelegenheit, über den Tellerrand hinauszuschauen“, auch in die Tat umsetzen lassen, dazu
sagt Alutecta-Geschäftsführer Michael Oswald zu den Studierenden.
bietet etwa das Spayrer Unternehmen
Schottel eine gute Basis. So hat der
Schiffspropulsionshersteller eigens die
Schottel Academy eingerichtet. Ziel des
Schulungszentrums ist es, neue Mitar-
beiter jedes Wissensstandes schnellst-
möglich in den Betriebsablauf zu inte-
grieren. „Besonders unser Trainee-Pro-
gramm eignet sich zu einem Einstieg in
unser Unternehmen“, weiß die Personal-
referentin von Schottel, Caroline Plisch-
ke, „hier durchlaufen die Auszubilden-
den viele verschiedene Abteilungen und
FOTO: LEON MOHR
bekommen so einen möglichst großen
IHK-Journal 12/2016
Einblick in unser Unternehmen.“
Auch der in Kirchberg ansässige Alumi-
niumproduzent und -verarbeiter Alu-
tecta empfängt Nachwuchsfachkräfte
Betriebsbesichtigung bei Schottel: Der Propulsionshersteller mit offenen Armen: „Gerade im Bereich
hat eigens ein Bildungszentrum für den Fachkräfte-Nachwuchs gegründet.
Eloxal hätten wir noch Bedarf“, richtetWIRTSCHAFTSTRENDS 23
Geschäftsführer Michael Oswald sein
Wort direkt an die Studierenden, „und
gerne betreuen wir auch Ihre Abschluss-
arbeiten. Generell kann ich Ihnen noch
mit auf den Weg geben: Nutzen Sie jede
Gelegenheit, über den Tellerrand hinaus
zu schauen, solange Sie studieren. Sie
können davon nur profitieren.“
Volker Schwarzmeier, Industriereferent
der IHK Koblenz, schlägt in dieselbe
Kerbe: „Wenn Sie später in die Industrie
gehen, dann müssen Sie der Dynamik
Rechnung tragen, die eine zunehmend
FOTO: LEON MOHR
digitalisierte Arbeitswelt mit sich bringt.
Da ist es äußerst wichtig, flexibel und
wach zu sein – Einblicke in die Praxis, wie
Sie sie heute erlangen, sind dazu sehr
hilfreich.“
Für Jens Hunsänger, Maschinenbaustu- Geschäftsführer Michael Oswald gewährt einen Einblick in den Produktionsablauf
des Aluminium-Unternehmens Alutecta.
dent an der Hochschule Koblenz, kam
der Einblick in die Arbeitsweisen der
beiden Unternehmen zur rechten Zeit: bewerbe“, sagt der 21-Jährige. Insge-
„Ich suche jetzt schnellstmöglich einen samt habe ihm die Tour gut gefallen:
Betrieb, um meine Bachelorarbeit „Das Studium ist dann schon manchmal Kontakt:
schreiben zu können. Gut möglich, dass sehr theoretisch. Da war es eine will- Volker Schwarzmeier
ich mich bei einem der beiden Betriebe, kommene Abwechslung, heute mal 0261 106-268
die wir heute kennengelernt haben, etwas Praktisches zu sehen.“ schwarzmeier@koblenz.ihk.de
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„Die IHK Koblenz grüßt das Königreich Bahrain!“
Wie Außenwirtschaftsreferentin Andrea Wedig einem Auftritt der Band JazzaBilly in Bahrain zum Gelingen verhalf
Der Anruf kam am Sonntagabend um 19 Uhr. „Sie brauchen Webseite der IHK Koblenz an und stellte fest, dass IHK-Außen-
für Ihre Instrumente ein Carnet A.T.A.“, sagte ein Mitarbeiter wirtschaftsreferentin Andrea Wedig seine Ansprechpartnerin
der deutschen Botschaft in Bahrain zum Musiker Achim Kohl. war.
Das war zwei Tage vor dem Abflug von Kohl und seiner Band Am Montagmorgen stand Alfred Kohl schon in aller Frühe in
JazzaBilly in den Inselstaat. Für die Musikgruppe bedeutete der IHK Koblenz. Für alle Fälle hatte er das Equipment der Band
das: ohne Zolldokument kein Versand der Instrumente – und dabei – „und glücklicherweise auch Kaffee“, erzählt Andrea
ohne Instrumente kein Auftritt. Wedig schmunzelnd. Gemeinsam füllten die beiden das Car-
Ein Dreivierteljahr zuvor hatte die deutsche Botschaft in net A.T.A. für die Instrumente der Musiker aus; alle weiteren
Bahrain JazzaBilly eingeladen: Die Band sollte bei den Feier- Schritte erledigte Wedig dann ad hoc. „Üblicherweise werden
lichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit auftreten. „Ich habe die Zolldokumente in den Unternehmen vorbereitet“, sagt die
schon in verschiedenen Besetzungen in Bahrain gespielt und Zollexpertin. „Herr Kohl hatte die Daten aber auf einem USB-
kenne dort viele Deutsche, aber auch Bahrainer“, erklärt Kohl Stick dabei.“ Kohl ergänzt: „Ich hatte kaum Erfahrungen mit
den Hintergrund. „Unsere Band vereint viele auf den ersten dem Thema und habe in der Nacht zum Montag zusammen mit
Blick gegensätzliche Stilrichtungen. Man könnte sagen, wir meiner Frau die Daten gesammelt.“ Der Musiker und seine
spiegeln die bahrainische Gesellschaft, in der viele verschie- Bandkollegen sind dankbar für die kurzfristige Unterstützung
dene Kulturen zusammenleben.“ Um den Transport und die durch die IHK: „Das war der einzige Part der Zollformalitäten,
Zollformalitäten kümmerte sich die Botschaft. Doch kurz vor der komplett reibungslos funktioniert hat“, erklärt Gitarrist
der Abreise der Band stellte sich heraus, dass die Instrumente Thomas Rothenberger.
nicht wie geplant auf einem alternativen Versandweg nach Trotz allem war der Auftritt ein Erfolg. „Wir haben Lob von
Bahrain verschickt werden konnten: Ganz kurzfristig musste höchster Ebene bekommen. Die Leute sind drei Stunden län-
ein Carnet A.T.A. her, ein Zollpassierscheinheft für die vorü- ger als sonst üblich geblieben“, berichtet Kohl. „Wir hatten die
bergehende Einfuhr der Instrumente. Achim Kohl sah sich die Ehre, einige Stücke gemeinsam mit dem deutschen
FOTO: KRISTINA DANNEBERG
IHK-Journal 12/2016
Gemeinsam mit dem deutschen Botschafter (links) und Oliver Oehms, dem Delegierten der Deutschen Wirtschaft für Saudi-Arabien,
Bahrain und Jemen, setzt die Band in Bahrain ein Zeichen für das Miteinander der Kulturen. Mit dabei: die IHK Koblenz :-).WIRTSCHAFTSTRENDS 25
FOTO: KRISTINA DANNEBERG
Beim Auftritt der Band JazzaBilly in Bahrain begleitet der deutsche Botschafter Alfred Simms-Protz (2. v. r.) einige Stücke auf der Gitarre.
Botschafter Alfred Simms-Protz zu spie- Pläne für den nächsten Auftritt im Insel- Mit unserer Band zeigen wir, dass es ein
len – er ist selbst ein sehr guter Gitarrist, staat: „Wir planen zur Zeit weitere Kon- Miteinander geben kann – und dass es
und es hat Spaß gemacht, mit ihm zu zerte in Bahrain, bei denen wir auch funktioniert.“
musizieren.“ Die Band schmiedet schon lokale Musiker mit einbeziehen wollen.
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Rohstoffreiches Rheinland-Pfalz –
Die Vulkanlandschaft Osteifel
Eine Naturkatastrophe als Ausgangspunkt einer Erfolgsgeschichte: Im zweiten Teil
unserer Serie Rohstoffreiches Rheinland-Pfalz zeigen wir, wie die Menschen der Vulkan-
landschaft Osteifel die Jahrtausende zurückliegende Katastrophe wirtschaftlich nutzten.
10930 v. Chr. kam es in der heutigen Osteifel zu einem geolo- des Rohstoffs der ursprünglichen Nutzung – etwa als forst-
gischen Phänomen mit weitreichenden Folgen: Der Ausbruch wirtschaftliche oder landwirtschaftliche Fläche – wieder zur
des Laacher Vulkans veränderte die umliegende Landschaft Verfügung, denn der Mutterboden wird vor dem Abbau zur
für immer. Lava floss in die Täler, vulkanische Asche und Bims Seite geschoben und danach wieder ausgebracht. Insbeson-
bedeckten östlich des Vulkans in meterdicken Schichten das dere für die Landwirtschaft kann dies von Interesse sein: Die
Umland. Hierbei entstanden die mannigfaltigen Bodenschät- Bimsschicht wirkt wie eine Drainage und trocknet den Boden
ze der Region: Basalt, Trass, Lavasand und Bims. aus. Nach Abbau der Bimsschicht ist der Boden feuchter und
Seither ist viel Zeit vergangen. Genügend Zeit für die Natur, damit auch fruchtbarer – und daher ideal für den Ackerbau.
sich von der Eruption zu erholen und eine einzigartige Land- Anderes Gestein wussten die Römer schon ganz konkret für
schaft entstehen zu lassen. Genügend Zeit auch für die Men- sich zu verwenden: Aus Basalt, das als das Urgestein der Erde
schen der Region, die Vielseitigkeit des entstandenen Rohma- gilt, wurden schon vor etwa 2.000 Jahren Mühlsteine, Säulen
terials zu erforschen, Methoden des Abbaus und der Weiter- sowie Bruch- und Pflastersteine hergestellt. Heute wird Basalt
verarbeitung zu entwickeln und industrielle Strukturen zu in fast allen Größen verwendet: Den feinen Splitt nutzt man
etablieren. als Unterbau für Pflaster und Zuschlag im Straßenbau und für
Beton. Der gröbere Schotter findet vor allem im Schienen- und
Bims und Basalt sind Jahrtausende alt Straßenbau Verwendung. Auch Bruch- und Pflastersteine aus
und immer noch gefragt Basalt werden heute noch häufig verwendet, so etwa im Gar-
Der bei der Eruption bis zu 30 Kilometer in die Höhe geschleu- ten-, Landschafts- und Wegebau. Die Bauindustrie weiß das
derte Bims verteilte sich über Tausende von Kilometer, bis ins Hartgestein ebenfalls für sich zu nutzen: Hier wird der Basalt
heutige Italien. So versuchten schon die Römer das körnige, aufgeschmolzen und für besonders widerstandsfähige Boden-
bröckelige Material mit hoher Porosität als Baustoff zu ver- platten, Fliesen oder als Bestandteil von Mineralwolle ver-
wenden – mit eher mäßigem Erfolg. Heute weiß man mehr mit wendet.
dem Rohstoff anzufangen: Hauptsächlich verwendet man ihn Um den ständig steigenden Anforderungen der gewinnenden
als Zuschlagstoff in Leichtbeton. Bimshohlblocksteine zeich- und verarbeitenden Industrie gerecht zu werden, entstanden
nen sich unter anderem durch die gute Verarbeitbarkeit, das immer speziellere Berufsbilder. Acht verschiedene duale Aus-
niedrige Gewicht und die gute Dämmwirkung aus. Mauer- bildungen werden heute angeboten:
werke aus Bimsstein erfüllen so oft die gesetzlichen Anforde- • Aufbereitungsmechaniker/in – Naturstein oder Sand
rungen an die Energieeffizienz von Gebäuden, ohne dass eine und Kies
zusätzliche Dämmung notwendig ist. Doch nicht nur das Mate- • Baustoffprüfer/in
rial selbst, auch dessen Abbau bringt wirtschaftliche Vorteile • Betonfertigteilbauer/in
mit sich: Die geräumten Flächen stehen nach der Gewinnung • Naturwerksteinmechaniker/in
Das fast kreisrunde Pulvermaar bei Gillenfeld ist ein Relikt der Besucher bestaunen den Kaltwassergeysir Andernach,
Vulkaneruption von vor über 10.000 Jahren. den höchsten seiner Art in Europa.
FOTO: ANDERNACH.NET GMBH
FOTO: NATUR- UND GEOPARK VULKANEIFEL GMBH
IHK-Journal 12/2016WIRTSCHAFTSTRENDS 27
• Werksteinhersteller/in
• Steinmetz/in und Steinbildhauer/in
FOTO: VULKANPARK GMBH
• Stoffprüfer/in (Glas-, Keramik-Industrie, Steine und Erden)
• Verfahrensmechaniker/in
Auch die Weiterbildungsangebote in diesem Bereich sind
groß, so gibt es allein drei Fachrichtungen des Industrie-
meisters und den Techniker (Steintechnik).
Vulkanologische und kulturhistorische
Ausflugsziele locken Besucher Im Römerbergwerk Meurin werden stimmungsvolle
Fackelwanderungen angeboten.
Neben der Rohstoffindustrie hat die Region einen weiteren
großen wirtschaftlichen Faktor: den Tourismus. Dieser lebt
dabei nicht nur von der einzigartigen Natur, die die Eruption einige der zahlreichen Sehenswürdigkeiten entlang dieser
geprägt hat – auch die jahrtausendealte Rohstoffgewinnung Routen. So ist der Kaltwassergeysir Andernach weltweit der
und dessen Weiterverarbeitung haben in der Region Zeug- höchste seiner Art. Und das Römerbergwerk Meurin gehört
nisse hinterlassen, die Besucher heute anzieht. So sind auf zum größten römischen Untertage-Tuffsteinabbaugebiet
den ehemaligen Abbauflächen, die in der Folge nicht landwirt- nördlich der Alpen.
schaftlich genutzt worden sind, wertvolle Lebensräume ent- Rohstoffwirtschaft und Tourismus sind also auch heute noch
standen, die Wanderer und Naturfreunde zum Erkunden ein- die großen wirtschaftlichen Faktoren der Region Osteifel.
laden. Unter dem Dach des Vulkanparks (www.vulkanpark. Einer Region, die einzigartig auf der Welt ist – und die es
com) sind viele Ausflugsziele und Wanderrouten zu einer geschafft hat, aus einer Naturkatastrophe eine Erfolgs-
Marke zusammengeführt worden. Die insgesamt 23 vulkano- geschichte zu machen.
logischen und kulturhistorischen Destinationen sind in vier
Themenrouten gebündelt, von denen jede einzelne mit einzig- Kontakt:
artigen Highlights aufwartet. Der Lava-Dome in Mendig, das Andreas Hermann
Römerbergwerk Meurin bei Kretz, das Deutsche Bimsmuse- 0261 106-251
um in Kaltenengers und der Geysir bei Andernach sind nur andreas.hermann@koblenz.ihk.de
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