Ihre Gastgeber Der Ruf des Heiligen Leonhard, die Luft, die heilt, ein Berg, der zu Entdeckungsreisen einlädt, und ganz großes Kino - Geschichten ...

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Ihre Gastgeber Der Ruf des Heiligen Leonhard, die Luft, die heilt, ein Berg, der zu Entdeckungsreisen einlädt, und ganz großes Kino - Geschichten ...
Ausgabe 2022

                                                                                                          Ihre
                                                                                                        Gastgeber
                                                                                                        Übersicht ab
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               Der Ruf des Heiligen Leonhard, die Luft, die heilt, ein Berg, der zu Entdeckungsreisen
               einlädt, und ganz großes Kino – Geschichten, wie sie nur Bad Tölz schreibt
Ihre Gastgeber Der Ruf des Heiligen Leonhard, die Luft, die heilt, ein Berg, der zu Entdeckungsreisen einlädt, und ganz großes Kino - Geschichten ...
– Editorial –

                                                                                       L
                                                                                               eonhardi, der Blomberg, die Marktstraße, der Kirchsee,
                                                                                               das Gries – ach, ist es hier nicht einfach herrlich, meine
                                                                                               lieben Leserinnen und Leser? Ja, ich weiß schon: Wenn
                                                                                       man für das Marketing einer Stadt zuständig ist, nimmt einem
                                                                                       nicht jeder die Schwärmerei für diese Stadt ab. Die muss das
                                                                                       ja sagen, heißt das dann. Aber jetzt betrachten wir die Sache
                                                                                       doch einmal ganz nüchtern, objektiv und ohne jedes Marketing-
                                                                                       Brimborium: Kennen Sie wirklich eine malerischere, erholsamere
                                                                                       und liebenswertere Stadt als Bad Tölz? Eben. Und Sie müssen
                                                                                       das ja nicht sagen.
                                                                                       Nachdem wir dies nun also so stringent durchargumentiert
Erleben Sie auf drei Ausstellungsebenen einen Querschnitt                              und zweifelsfrei geklärt hätten, möchte ich Ihnen aber noch
durch die Geschichte des Tölzer Landes.                                                einen Geheimtipp verraten. Denn natürlich haben ja alle ihre
                                                                                       ganz persönlichen Favoriten in einer Stadt. Dem einen gefällt
                                                                                       dieses besser, der anderen jenes. Die eine sitzt lieber im Café in
                                                                                       der Marktstraße und isst einen Bienenstich, der andere lieber
                                                                                       oben auf dem Berg und genießt die Aussicht. Wissen Sie, wo ich
                                                                                       besonders gerne sitze? An der Isar. Denn nichts hat diese Stadt
                                                                                       schließlich mehr geprägt als dieser Fluss. Am allerbesten gefällt
                                                                                       es mir auf den neuen Isarstufen, die die Stadt im Jahr 2021
                                                                                       am rechten Flussufer unterhalb der alten Isarbrücke errich-
                                                                                       tet hat. Wer sich hier niederlässt, den Blick den grünen Fluss
                                                                                       entlang und seine Gedanken sonstwohin schweifen und allen
                                                                                       Kummer von den Wellen davontragen lässt, der wird mich
                                                                                       verstehen. Yoga, Meditation – alles feine Sachen. Aber gegen
                                                                                       die Isar kommt halt nichts an. Aber bitte: Das muss unter
                                                                                       uns bleiben!

                                                                                                                                                            BRITA
                                                                                                                                                            HOHENREITER
                                                                                                                                                            Kur- und Tourismus-
                                                                                                                                                            direktorin von
                                                                                                                                                            Bad Tölz

Stadtmuseum Bad Tölz                            Öffnungszeiten:
Marktstraße 48 · www.bad-toelz.de/stadtmuseum   Dienstag – Sonntag 10:00 – 17:00 Uhr
Ihre Gastgeber Der Ruf des Heiligen Leonhard, die Luft, die heilt, ein Berg, der zu Entdeckungsreisen einlädt, und ganz großes Kino - Geschichten ...
I N H A LT
                                                                            VOR DEM FEST
                                                      Dabei sein ist alles. Fast. Denn ohne
                                               Vorbereitung ist alles nichts. Die berühmte
                                                     Leonhardifahrt hält die Menschen in
                                                Bad Tölz das ganze Jahr über beschäftigt –
                                                                   und die Rösser auf Trab.

                                                                                               4    Es liegt was in der Luft
                                                                                                    Über das Geheimnis des Tölzer Heilklimas

                                                                                               7    Dr. Munkert rät                                                I H R E G A S TG E B E R
                                                                                                    Heute: Richtig kneippen

                                                                                               8    Mit Pferden, Wagen und Kronen                                  38   Die Tölzer Kur
                                                                                                    Vorbereitungen auf die Leonhardifahrt

                                                                                                                                                                   41

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                                                                                               16   Echte Glückskarten                                                  Von A bis Z
                                                                                                    Alles über Königscard und Gästekarte

                                                                                               17   Bayern verstehen                                               42   Hotels
                                                                                                    Heute: Ruhe!

                                                                                               18   Ganz großes Kino                                               45   Jugendherberge

             18
                                                                                                    Das Capitol ist eine Tölzer Institution

                                                            EIN BERG FÜR ALLE FÄLLE
                                                           Sommerrodelbahn, Kunstwan-          22   „Wir sind Originalprodukte“                                    46   Kur- und Rehaklinik
                                                                                                    Martin Schnitzer, Chef der Tölzer Stadtkapelle, im Interview
                                                          derweg, Blombergblitz, Kletter-
                                                          garten, Yoga-Plateau: Für seine
                                                           überschaubare Höhe von 1248
                                                                                               25   Ihr Bild von Tölz                                              47   Gästehäuser und Gasthöfe
                                                          Metern bietet der Hausberg der            Leser sehen eine Stadt
                                                           Tölzer ganz schön viel. Jetzt ist
                                                            auch noch ein Entdeckerpfad
                                                                         dazugekommen.         26   Tipps querbeet                                                 48   Ferienwohnungen
                                                                                                    Ausgewählte Empfehlungen für Sie

                                                                                               27   Das historische Bild                                           50   Gastgeber in der Umgebung
                                                                                                    Als 1910 die Isar über die Ufern trat

                                                                                               28   Der Blomberg ruft                                              51   Anreise und Barrierefreiheit
                                                                                                    Ein neuer Entdeckerpfad nicht nur für Kinder

                                                                                               32   Unter 60 Minuten                                               52   Allgemeine Geschäftsbedingungen

                                                             28
                                                                                                    Ausflugstipps in Katzensprungweite
    ECHTE FUFFZIGER
    Ein Lichtspielhaus wie damals: Wer ins
    Capitol oder dessen kleine Schwester
                                                                                               34   Der Chef empfiehlt                                             55   Straßenverzeichnis
    Casino geht, erlebt Kino aus einer Zeit,                                                        Claus Hühnlein über Tölzer Sushi
    als Kino noch etwas galt – ohne auf
    den modernsten Standard verzichten
    zu müssen.
Ihre Gastgeber Der Ruf des Heiligen Leonhard, die Luft, die heilt, ein Berg, der zu Entdeckungsreisen einlädt, und ganz großes Kino - Geschichten ...
– Gesundheit –

                                                                            Von Andrea Kästle
                                                                                                                                                                                                               Auszeit,
   Da hat man sie direkt vor der Nase, und trotzdem ist sie für viele                                                                                                                                        Vorbeugung,

                                                                            H
einfach nur – Luft. Es ist paradox: So pittoresk Bad Tölz sonst auch ist,              eike Herling bläst die Backen auf.          Irgendwann im Lauf des Gesprächs über          Maren Merklinger,
                                                                                                                                                                                                                Reha:
    einer der größten Schätze der Stadt ist unsichtbar. Doch es wäre                   Nein, meint sie und schlenkert auf
                                                                                       der Bank, auf der sie sitzt mit Blick
                                                                                                                                die Luftqualität hier im Voralpenland, über
                                                                                                                                Feinstaub und Grobstaub, aber auch über die
                                                                                                                                                                                  es verfüge über
                                                                                                                                                                                  „ein großes Spekt-          Alles zur Tölzer Kur
       ein großer Fehler, ihn geringzuschätzen. Also: Jetzt mal tief        auf KneippGarten und Kurhaus, mit den Bei-          angenehme Kühle der Wälder, die Bad Tölz          rum an Strahlung“ –             auf Seite 38
                                                                                                                                umgeben, sagt sie: „Sie sind nicht die Ers-       mit der man allerdings
                       durchatmen und zuhören!                              nen, von einem besonderen Klima hier mer-
                                                                            ke sie „nicht direkt“ was. Es ist eher so, dass     te, die das Thema ein bisschen schwammig          richtig umzugehen wissen
                                                                            sie eigentlich müder ist als sonst, erzählt         findet. Man kann es nicht so richtig greifen.“    muss. Zudem sind düstere Tage hier selten,
                                                                            die Touristin aus dem Sauerland. Aber doch          Sie lacht. Sie ist 54, sieht aber um einiges      weshalb das Schlafhormon Melatonin auch
                                                                            auch unternehmungslustig. Wie das halt so           jünger aus.                                       wirklich nur nachts im Gehirn gebildet wird.
                                                                            sei im Urlaub.                                                                                        „Wir werden wach“.
                                                                               Bad Tölz im Sommer. Es ist heiß. Sehr heiß.                                                           Gleichzeitig bedingt der Austausch von
                                                                            Und schwül. In München sehnt man sich
                                                                            nach Gewitter, vergeblich. Hier aber, knapp
                                                                                                                                      Bei körperlicher                            Berg- und Talwinden, dass in Bad Tölz in
                                                                                                                                                                                  der Regel die schon erwähnte leichte Brise
                                                                            60 Kilometer weiter im Süden, geht wenigs-           Betätigung unter freiem                          weht. „Und in der Nacht kühlt es angenehm
                                                                            tens ein kleines Lüfterl, wie man so sagt.
                                                                               Wäre ja auch noch schöner, wenn dem
                                                                                                                                 Himmel wirkt das Klima                           ab.“ Unterm Strich ist damit Bewegung im
                                                                                                                                                                                  Freien welcher Art auch immer, wie sie
                                                                            nicht so wäre. Ausgerechnet hier. Bad Tölz,         auf den Menschen „wie ein                         Merklinger für Betriebskuren und die eben-
                                                                            vor 122 Jahren wegen seiner soeben ent-
                                                                            deckten Jodquellen hochoffiziell zum Heil-
                                                                                                                                  Medikament“, das man                            falls von den Betriebskrankenkassen bezu-
                                                                                                                                                                                  schussten „Aktivwochen“ konzipiert und
                                                                            bad erhoben, ist schließlich auch „Heilklima-          quasi im Vorbeigehen                           dann auch anleitet, nicht nur wärmstens
                                                                            tischer Kurort“. Seit 52 Jahren. Die Tölzer Luft,
                                                                            mit Verlaub, Frau Herling, die ist eben doch
                                                                                                                                verabreicht bekommt, ohne                         zu empfehlen. Bei körperlicher Betätigung
                                                                                                                                                                                  unter freiem Himmel wirkt das Klima auf den
                                                                            was ganz Besonderes.                                  es auch nur zu merken.                          Menschen „wie ein Medikament“, das man
                                                                               Und genau deshalb ist man ja auch herge-                                                           quasi im Vorbeigehen verabreicht bekommt,
                                                                            kommen. Um das Geheimnis des Tölzer Heil-                                                             ohne es auch nur zu merken.
                                                                            klimas zu, nun ja, lüften. Drum sitzt man jetzt                                                          Insgesamt, darauf weist Maren Merklinger
                                                                            hier, an der zur Fußgängerzone zurückgebau-                                                           auch noch hin, ist es besser, man bewegt sich,
                                                                            ten Ludwigstraße vor dem „VitalZentrum“                                                               wenn einem anfangs ein kleines bisschen
                                                                            der Stadt, und lässt sich von der Sportlehre-                                                         kühl ist dabei. Dann muss sich der Körper
                                                                            rin und Physiotherapeutin Maren Merklinger             Wenn schon nicht greifen, dann vielleicht      anpassen, also nachheizen, was die Immun-
                                                                            erklären, was es nun genau mit dieser Luft          wenigstens messen? Über 350 Heilbäder und         abwehr insgesamt stärkt. „All das sind wir
                                                                            auf sich hat. Sie muss es wissen, im März hat       Kurorte gibt es deutschlandweit, 51 davon         heute ja nicht mehr gewohnt“, meint sie, wir
                                                                            sie die Fortbildung zur Heilklimatherapeutin        sind Heilklimatische Kurorte. Von denen           kleben ja tagelang vor dem Computer fest
                                                                            abgeschlossen.                                      liegen 14 in Bayern. Alle zehn Jahre wird in      und regulieren die Körpertemperatur über
                                                                                                                                sämtlichen dieser Heilklimatischen Kurorte        die Heizung im Zimmer.
                                                                                                                                jeweils zwölf Monate lang und an jeweils vier        1992 ist Merklinger nach Bad Tölz gezogen,
                                                                                                                                Stellen die Luftqualität gemessen. In Bad Tölz    sie ist am Fuß des Odenwaldes aufgewach-
                                                                                                                                zum letzten Mal 2017/18, und die Werte, die       sen. „Dort gibt es auch viele Kurorte“, sagt sie,
                                                                            Heilklimatherapeutin Maren Merklinger weiß,         dabei herauskamen, waren mal wieder vom           aber wenn sie im Sommer die Eltern besucht,
                                                                            dass Luft nicht gleich Luft ist.                    Feinsten. Weshalb weiterhin von „Champag-         stöhnt sie oft, so drückend kommt es ihr dort
                                                                                                                                nerluft“ in der Stadt die Rede sein darf. Wobei   vor. „Das ist dann nicht zum Aushalten.“
                                                                                                                                Kurdirektorin Brita Hohenreiter und ihre Kol-

DAS HEILENDE
                                                                                                                                leginnen dann gern beklagen, dass die gute
                                                                                                                                Luft hier oben, 650 Meter über dem Meer, für
                                                                                                                                viele Menschen halt einfach Luft ist, sprich:

         Lüf terl
                                                                                                                                nicht genug gewürdigt wird. Was natürlich
                                                                                                                                ein großer Fehler ist.
                                                                                                                                   Die Luft ist aber nur das eine. Das ande-
                                                                                                                                re sind weitere Faktoren, unter ihnen auch
                                                                                                                                Reizfaktoren, die das Tölzer Klima ausma-
                                                                                                                                chen – und die am Ende dazu führen, dass
                                                                                                                                dieses Klima „therapeutisch wirksam“ ist. Es
                                                                                                                                ist ein auf die Gesundheit anwendbares Kli-
                                                                                                                                ma. Das Licht etwa sei „sichtbar“, sagt jetzt

                                                                                                                                                     -5-
Ihre Gastgeber Der Ruf des Heiligen Leonhard, die Luft, die heilt, ein Berg, der zu Entdeckungsreisen einlädt, und ganz großes Kino - Geschichten ...
– Gesundheit –

   In Bad Tölz hingegen erlebt sie Klienten,                                                          Man selbst belässt es erstmal bei einem
die, wenn sie ankommen, sich nur mühsam                                                            Spaziergang im Park, in dem natürlich sämt-
die Treppen hinaufschleppen; wenn sie aber                                                         liche Wiesen betreten werden dürfen. Macht
nach drei Wochen wieder abreisen, sind die
Stufen kein Problem mehr. Und daran, davon
                                                    Düstere Tage sind hier                         es sich dann auf einer der Holzliegen bequem
                                                                                                   und schaut eine Weile dieser Gruppe Frauen
ist Merklinger überzeugt, ist nicht zuletzt das      selten – weshalb das                          zu, die sich gleich gegenüber im Schatten der
Klima schuld. Man kann sich hier, zu beiden
Seiten der Isar, mit Blick auf die Münchner
                                                   Schlafhormon Melatonin                          großen Bäume zum Qi Gong im Kreis aufge-
                                                                                                   stellt haben. Oder ist es Thai Chi?
Hausberge, ganz allgemein ziemlich gut ent-        auch wirklich nur nachts                           Später im KneippGarten, den es übrigens
spannen. Gut tut das Heilklima, das schon
als Hochgebirgsklima einzuordnen ist, ins-
                                                   im Gehirn gebildet wird.                        erst seit diesem Sommer gibt, dann das
                                                                                                   Gespräch mit Frau Herling. Nö, meint die
besondere Menschen mit Bluthochdruck und                                                           60-Jährige und klingt ein wenig trotzig, auch
Patienten, die unter Atemwegserkrankungen                                                          von der besonderen Luft bemerke sie hier
leiden. Nicht umsonst gibt es hier Reha-                                                           eher wenig. Ihr Mann Burghart stapft grade
Kliniken, Sanatorien und Kurhotels, die                                                            durchs Wasser. Na gut, denkt man: Was gibt

                                                                                                                                                                                  HEUTE SCHON
eigene Gesundheitsprogramme auflegen.                                                              es für eine angenehmere Medizin als die, die
   Man schaut in den weiß-blassblauen                                                              man bei der Einnahme gar nicht merkt.

                                                                                                                                                                                               gekneippt?
Himmel über dem von Gabriel von Seidl             einmal soll er gesagt haben: „So arbeite ich
erbauten Kurhaus im Kurpark. Denkt daran,         bei hohem Barometerstande leichter als bei
dass, wie auf einer Webseite über Heilklima       tiefem ...“
in Deutschland nachzulesen ist, „schon die           Maren Merklinger meint, die Bayern seien      Mehr unter bad-toelz.de/heilklima
alten Griechen“ beobachtet haben sollen,          tendenziell ein glücklicher Menschenschlag.                                                      Von Dr. Ralph Munkert

                                                                                                                                                   S
„dass Menschen an bestimmten Orten nicht          Dann stattet sie einen zum Abschied aus mit
nur lebensfroher sind, sondern auch selte-        jeder Menge Info-Material, darunter auch                                                                elbstversuche haben in der Medizin eine lange Tradition. Bes-             Vielmehr fußt die Kneippkur auf fünf Fundamenten: einer hoch
ner unter bestimmten Krankheiten leiden“;         eine Broschüre mit 37 Wanderungen rund um                                                               tes Beispiel: Sebastian Kneipp, der 1821 geborene Sohn armer           entwickelten, speziellen Hydro-und Balneotherapie, bei der das Was-
dass auch Goethe durchaus einen Bezug her-        Bad Tölz, die unter anderem vermerkt, wie                                                               Webersleute aus Stephansried im Allgäu. Als er als junger Mann         ser in verschiedenen Temperaturgraden den Organismus zu einer
stellte zwischen Wetter und Schaffenskraft,       viel Watt Leistung welcher Weg erfordert.                                                        an einer schweren Lungentuberkulose erkrankte und ihn die Ärzte               sinnvollen Reaktion veranlassen soll; der Verwendung pflanzlicher
                                                                                                                                                   bereits aufgegeben hatten, fiel ihm ein bereits über hundert Jahre            Arzneien; einer naturgerechten Vollwert- oder Basiskost, einer umfas-
                                                                                                                                                   altes Buch in die Hände. Sein Titel: „Die wunderbare Heilkraft des fri-       senden Physiotherapie und einer psychosomatischen Ordnungsthe-
                                                                                                                                                   schen Wassers bei dessen innerlichem und äußerlichem Gebrauch auf             rapie, also dem Ansatz, das Leben „in eine Ordnung“ zu bringen.
Erlebnisse entdecken & buchen                                                                                                                      die Leiber der Menschen“. Kneipp erprobte nun an sich selbst diese               Es handelt sich bei der Kneipptherapie um ein bewährtes Natur-
                                                                                                                                                   „Kraft des Wassers“ – heimlich nachts in der kalten Donau. Und der            heilverfahren, das sich nicht als Alternative, sondern als Bereicherung

Die Wunderkraft des Wassers                                              Heilklimawandern auf eigene Faust                                         Erfolg blieb nicht aus: Nach und nach ging es ihm besser, schließlich
                                                                                                                                                   gesundete er vollends. Er beendete sein Studium und wurde Pfarrer
                                                                                                                                                                                                                                 der Schulmedizin versteht. Sie hilft bei sogenannten Zivilisations-
                                                                                                                                                                                                                                 krankheiten und zeigt bei der Prävention wie auch der Rehabilitation
› Gesichtsbad mit Zitrone sowie Zypressenölung der Haut                  › Begrüßung mit Tipps und Anleitungen für das                             in Bad Wörishofen.                                                            innerer Erkrankungen beachtliche Erfolge. Und doch muss ich Sie
› Kneippscher Knieguss zur Unterstützung von Immunsystem                   Wandern im Heilklima                                                       Neben seiner geistlichen Tätigkeit und der täglichen bäuerlichen           warnen – nicht vor der Kur, sondern vor unsachgemäßen Anwendun-
  und Durchblutung                                                       › Broschüre „Einführung in das Heilklima-Wandern“                         Arbeit sah Sebastian Kneipp nun einen wesentlichen Auftrag darin,             gen. Die Kneippschen Maßnahmen wie Armbad oder Wassertreten
› Wassertreten im neuen KneippGarten                                     › Wanderkarte „Heilklimawege“ mit Tourbeschreibungen                      Kranken zu helfen und Gesunde vor Krankheit zu schützen. Das zen-             klingen schließlich so einfach, dass mancher Patient sich eigen-
› Aus kalt mach warm: Schnee- oder Tautreten                             › Jeden Morgen eine Tour-Empfehlung                                       trale Element seiner Kuren: Wasser.                                           mächtig drauflos kuriert. Und das kann gefährlich werden. Die uner-
› Fuß- und Rückenmassage nach der Raindrop Technique                     › Berg- und Talfahrt auf den Blomberg                                        Zu Kneipps 200. Geburtstag ist es nun mal wieder an der Zeit, mit          wünschten Nebenwirkungen können dann durchaus zum Gegenteil
  mit Fußbad                                                             › Brotzeit im Blomberghaus                                                der Fehlannahme aufzuräumen, bei seiner Kur gehe es letzten Endes             des Gewollten führen. Nicht umsonst müssen Kneipp-Bademeis-
› Ernährungsberatung nach Kneipp                                         › Tölzer Wertkarten – im Wert von 20 € individuell einlösbar              nur darum, sich mit kaltem Wasser zu übergießen.                              ter eine mehrjährige Ausbildung durchlaufen, und auch wir Ärzte
› 2 Übernachtungen individuell zubuchbar                                 › 4 Übernachtungen individuell zubuchbar                                                                                                                dürfen erst nach einer Reihe spezieller Fachkurse die Bezeichnung
  (Unterkünfte ab Seite 41)                                                (Unterkünfte ab Seite 41)                                                                                                                             „Kur und Badearzt“ führen.
› ab 49 € pro Person                                                     › Nicht buchbar zu den Revisionszeiten der Bergbahnen                                                                                                      Doch nach professioneller Einweisung können Kneipps Empfeh-
Jetzt buchen auf bad-toelz.de/angebote                                   › ab 49 € pro Person                                                                                                                                    lungen – wenn Sie mir als Mediziner den Terminus verzeihen – wah-
                                                                         Jetzt buchen auf bad-toelz.de/angebote                                                                                                                  re Wunder wirken: Ich kann mich noch gut an meine Fortbildung in
                                                                                                                                                                                                                                 Bad Wörishofen erinnern. Wir waren jung und kosteten selbstver-
                                                                                                                                                                                                                                 ständlich das „Nachtleben“ im Ort aus – was nicht unbedingt zu
                                                                                                                                                                                                                                 erhöhter Aufmerksamkeit in den Vorlesungen führte. Bis uns ein
                                                                                                                                                                                                                                 versierter Bademeister den Tipp gab, zwischendurch einen kalten
                                                                                                                                                                                                                                 Oberkörperguss zu machen. Glauben Sie mir, das wirkt wie fünf
                                                                                                                                                                                         Dr. Ralph Munkert, Jahrgang 1957,       Tassen starken Espressos.
                                                                                                                                                                                         studierte Medizin in Antwerpen,
                                                                                                                                                                                         Göttingen, Hamburg und München.
                                                                                                                                                                                         Seit 1992 ist er Chefarzt der Reha-
                                                                                                                                                                                         Klinik Frisia in Bad Tölz.              Mehr unter bad-toelz.de/kneipp

                                                                                                                                                                                                                               -7-
Ihre Gastgeber Der Ruf des Heiligen Leonhard, die Luft, die heilt, ein Berg, der zu Entdeckungsreisen einlädt, und ganz großes Kino - Geschichten ...
Die Tölzer Leonhardifahrt ist ein Magnet für Touristen und der
   Höhepunkt des Jahres für die Einheimischen. Wir haben drei
 Menschen getroffen, die Leonhardi das ganze Jahr über beschäftigt.
                          Und vier Pferde.

                                                                      Eine Fotoreportage von
                                                                      Florian Bachmeier

                                                                      N
                                                                                  un sind die Bayern an Feiertagen
                                                                                  ohnehin schon reich gesegnet –
                                                                                  was ihnen mitunter den Neid von
                                                                      Bewohnern anderer Gefilde einbringt. Den
                                                                      Tölzern reicht das dennoch nicht, sie setzen
                                                                      noch eins drauf: Leonhardi. Der 6. November,
                                                                      wenn er nicht auf einen Sonntag fällt, ist hier
                                                                      Feiertag. Dabei geht es freilich nicht nur ums
                                                                      Feiern, an Leonhardi hat der gemeine Tölzer
                                                                      schließlich Wichtigeres zu tun, als in die
                                                                      Schule oder zur Arbeit zu gehen. Und, nein,
                                                                      zur Sicherheit sei auch gleich diese Richtig-
                                                                      stellung vorausgeschickt: Bei Leonhardi han-
                                                                      delt es sich um kein Volksfest, sondern um
                                                                      eine Wallfahrt.
                                                                         250 Jahre alt wird diese Wallfahrt im Jahr
                                                                      2022. Mindestens. Denn für den 6. November
                                                                      1772 ist sie zum ersten Mal dokumentiert. Der
                                                                      6. November, das soll der Todestag des Heili-
                                                                      gen Leonhards sein, des in Bayern besonders
                                                                      verehrten Schutzheiligen des Viehs und der
                                                                      Gefangenen. Und ihm zu Ehren macht man
                                                                      sich in Bad Tölz also Jahr für Jahr mit Vier-
                                                                      spännern auf den Weg zur Leonhardikapelle,
                                                                      oben auf dem Kalvarienberg. Und, gewiss,
                                                                      allen frommen Absichten zum Trotz ist
                                                                      Leonhardi natürlich auch ein Hochamt des
                                                                      Brauchtums, und gefeiert wird im Anschluss
                                                                      auch, vor allem in der Marktstraße. Es soll
                                                                      vereinzelt sogar schon einmal ein Stamperl
                                                                      eines hochprozentigen Getränkes erhoben

 WENN DER HEILIGE                                                     worden sein – ebenfalls zu Ehren des Heili-
                                                                      gen, versteht sich.

Leonhard ruft
                                                                         Ein solches Ereignis wirft, wie es die Rede-
                                                                      wendung will, seine Schatten weit voraus.
                                                                      Das ganze Jahr über fiebern die Tölzer eben-
                                                                      so wie Tölz-Freunde aus der ganzen Welt
                                                                      auf Leonhardi hin. So nimmt es auch nicht
                                                                      wunder, dass schon lange vorher die Vorbe-
                                                                      reitungen laufen.
Ihre Gastgeber Der Ruf des Heiligen Leonhard, die Luft, die heilt, ein Berg, der zu Entdeckungsreisen einlädt, und ganz großes Kino - Geschichten ...
– Tradition –                                                      – Tradition –

Alle Kronen von Sabine Prass sind Unikate. Manchmal prägt
jedoch nicht nur der Glaube, sondern auch der Aberglaube
das Leonhardi-Brauchtum. So kommt in jedes Schifferl ein
kleines Stück eines Hollerzweiges – als Fruchtbarkeitssymbol.
Dazu noch kleine Spiegel gegen den bösen Blick.

                                                                                   Nehmen wir Sabine Prass. Sie sorgt dafür,
                                                                                dass die Frauen wohl behütet durch den
                                                                                besonderen Tag kommen. Denn Kopfbede-
                                                                                ckungen spielen bei Leonhardi eine wichtige
                                                                                Rolle. Seien es nun die bunten Krönchen, die
                                                                                die kleinen Mädchen auf dem Kopf haben,
                                                                                die Schifferl der Jugendlichen oder eben die
                                                                                Riegelhauben, wie sie die verheirateten Frau-
                                                                                en bei der Alttölzer Tracht tragen. Wer eine
                                                                                solche Trachtenkrone erstehen oder ausge-
                                                                                bessert haben will, kommt an Sabine Prass
                                                                                fast nicht vorbei.
                                                                                   Mit sechs Jahren zog sie mit ihren Eltern
                                                                                nach Tölz, mit sieben Jahren, so meint sie
                                                                                sich zu erinnern, sei sie zum ersten Mal bei
                                                                                Leonhardi dabei gewesen. Bis vor wenigen
                                                                                Jahren ist sie selbst mitgefahren. Und schon
                                                                                ganz lange hat sie sich den Trachtenkronen
                                                                                verschrieben, ist gewissermaßen Kronenma-
                                                                                cherin – so lange, dass sie selbst sich schon
                                                                                gar nicht mehr so recht erinnern kann, wie es
                                                                                dazu überhaupt gekommen ist.
                                                                                   Eine diffizile Angelegenheit ist die Herstel-
                                                                                lung einer solchen Krone jedenfalls, bei der
                                                                                Prass auch auf ihre Fertigkeiten als gelernte
                                                                                Goldschmiedin zurückgreifen kann. Wichtig
                                                                                ist ihr dabei, dass sie nur mit den hochwer-
                                                                                tigsten Materialien aus Italien oder Frank-
                                                                                reich arbeitet: Gold- oder Silberdrähte, Glas-
                                                                                steine, Perlen, Pailletten. Gut und gern vier
                                                                                bis sechs Wochen sitzt sie an einer Krone.
                                                                                Eine Menge Arbeitszeit ist das, da braucht es
                                                                                viel Leidenschaft. Und die hat Sabine Prass.
                                                                                Sie liebt die Tracht, das Brauchtum und vor
                                                                                allem Leonhardi: „Das ist einfach etwas
                                                                                ganz Besonderes.“

                                                                    - 10 -                                                             - 11 -
Ihre Gastgeber Der Ruf des Heiligen Leonhard, die Luft, die heilt, ein Berg, der zu Entdeckungsreisen einlädt, und ganz großes Kino - Geschichten ...
– Tradition –                                                                                                 – Tradition –

                                                                                  Das findet Eva Wiegerling-Hundbiß natür-          ihr Bruder griff zu. Und in einem Nebenraum       angeboten bekommen und zugeschlagen. Er
                                                                               lich auch. Sie führt erst mal durch die Restau-      der Haupthalle steht er schließlich: der Leon-    hat ihn wieder hergerichtet, und über Jah-
                                                                               rierungswerkstätten Erwin Wiegerling. Die            hardiwagen „Wiegerling“.                          re wurde der Wagen dann von zwei Bauern
                                                                               gelernte Kirchenmalerin kümmert sich in dem             Es ist einer der typischen Tölzer Truhenwa-    aus Egling gefahren. „Bäuerinnen im Schalk“
                                                                               Betrieb, den ihr Bruder einst gegründet hat,         gen, wie man sie von Leonhardi kennt. Aber        saßen darin. Aktuell sucht er übrigens wieder
Restauratorin Lara Lunau muss bei der Reinigung des Truhenwagens               um die Dokumentation. Hier wird so ziemlich          eher einer der schönsten und ältesten. Datiert    einen neuen Fahrer.
Feinstarbeit leisten, etwa mit speziellen Schwämmchen. Auf dem Wagen           alles restauriert, was eben alt ist. Sehr alt. Vor   ist er auf 1805. Damals nach der Säkularisation      „Der Wagen ist jederzeit einsatzbereit“, sagt
sind verschiedene Heilige abgebildet, natürlich auch Leonhard (großes Bild).
Kunstschmied Richard Färber und Kunstschreiner Andreas Zellner prüfen die      allem für Diözesen und Schlösser arbeiten die        waren die ganzen Kirchenmaler arbeitslos,         Lara Lunau, „Der ist top in Schuss, obwohl er
Stabilität des Fahrgestells. Und Eva Wiegerling-Hundbiß (rechts) kümmert       Restauratoren. Neuschwanstein, Linderhof ...         erklärt Wiegerling-Hundbiß, dehalb hätten sie     vom Alter her eigentlich museumswürdig
sich um das große Ganze.                                                       Die Kundschaft ist erlesen.                          nun oft Auftragsarbeiten für die reichen Bau-     ist.“ Lunau selbst hat natürlich einiges dazu
                                                                                  Eva Wiegerling-Hundbiß sammelt noch               ern übernommen. Hier in der Region waren          beigetragen, dass der Wagen so gut dasteht.
                                                                               eben die Restauratorin Lara Lunau ein, und           das zum Beispiel oft die bekannten Tölzer         Tagelang hat sie ihn gereinigt und kleine Feh-
                                                                               vorbei an vielen antiquarischen Schätzen             Schränke. Aber eben auch Leonhardiwagen.          ler ausgebessert. „Die regelmäßige Reinigung
                                                                               führt sie dann über die Straße in eine große            Dieser hier stammt vom Wörner-Hof in           ist die halbe Miete“, sagt die 28-Jährige. „Wir
                                                                               Fabrikhalle. Früher wurden hier Hoteldrehtü-         der Hinterstallau bei Bad Heilbrunn. In den       wollen ja, dass er in Gebrauch bleibt.“
                                                                               ren gefertigt, dann Butangasflaschen, dann           Neunzigern hat Erwin Wiegerling sen. ihn
                                                                               wurde die Halle irgendwann versteigert, und          von einem Antiquitätenhändler zum Verkauf

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Ihre Gastgeber Der Ruf des Heiligen Leonhard, die Luft, die heilt, ein Berg, der zu Entdeckungsreisen einlädt, und ganz großes Kino - Geschichten ...
– Tradition –                                – Tradition –

   Altersmäßig kann das Gefährt von Niko-
laus Seidl und seinen Nachbarn aus Wackers-
berg da nicht mithalten. Als Neuwagen kann
man ihn aber auch nicht gerade bezeichnen.
Von 1936 ist der Tafelwagen. Nikolaus Seidl,
den Jaudenbauer heißt man ihn, ist der
Fuhrmann. Seit 1882 ist die Teilnahme sei-
ner Familie an der Leonhardifahrt bereits
dokumentiert. Insgesamt 67 Mal war sie                          Allen frommen Absichten
seither dabei. 1976 hat sich der Jaudenbauer
dann mit dem Schnaitter, also dem Nikolaus
                                                                 zum Trotz ist Leonhardi
Rinner, und dem Wasensteiner, das ist der                           natürlich auch ein
Jakob Wasensteiner, zusammengetan. Seit-
dem fahren die drei Bauern bei Leonhardi
                                                                Hochamt des Brauchtums.
gemeinsam die „Wackersberger Jungfrauen
im Mieder“. 2019 war es der 63. von 77 Wagen.
   Aber der schönste Wagen ist halt nichts
ohne den passenden Antrieb. Vier PS sind
der Standard bei Leonhardi. Und die stehen
gerade oben auf der Alm vom Jaudenbauer,
drei Stuten und ein Wallach. Der Schnaitter
und der Wasensteiner haben auch noch Pfer-
de; welche nun tatsächlich eingespannt wer-
den, entscheiden die drei relativ kurzfristig,
je nachdem, wie es den Tieren geht. Da es
außerdem noch zwei oder drei Vorreiter gibt,
sind bis zu sieben Pferde im Einsatz.
   „Man muss schon a bissl pferdenarrisch
sein“, sagt Nikolaus Seidl, der gerade auf der
Alm nach dem Rechten sieht. Zylka, Passita,
Paula und Max heißen seine Pferde. Süd-
deutsches Kaltblut. Klassische Arbeitspferde
seien das, erzählt Seidl, früher habe man mit
solchen Tieren das Heu heimgefahren oder
das Holz aus dem Wald geholt.
   Heute sind es vor allem die Pferdeschlit-
tenfahrten, die Nikolaus Seidl im Winter
anbietet, bei denen die vier noch zum Einsatz
kommen. Bis September verbringen Zylka &
Co. aber erst mal ihre Sommerferien auf der
Alm. Dann geht es wieder runter ins Tal, und
die Rösser werden beschlagen. Rechtzeitig
zu Leonhardi. „Tradition ist nicht das Bewah-
ren der Asche“, heißt es auf der Homepage
des Jaudenbauers, „sondern das Weitergeben                                                                                     Bei Leonhardi mittendrin
des Feuers.“
                                                                                                                               › Einführungsvortrag zur Leonhardifahrt
                                                                                                                                 am Vorabend
Mehr unter bad-toelz.de/leonhardi                Im Sommer dürfen Zylka, Passita, Paula und Max auf die Alm.                   › Zünftige bayerische Brotzeit
                                                 Nikolaus Seidl besucht sie dort regelmäßig.                                   › Leonhardi-Abzeichen
                                                                                                                               › Überraschungspräsent bei Ankunft
                                                                                                                               › 2 Übernachtungen individuell
                                                                                                                                 zubuchbar (Unterkünfte ab Seite 41)
                                                                                                                               › Termin: 06. – 08.11.2022
                                                                                                                               › Ab 21 € pro Person
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Ihre Gastgeber Der Ruf des Heiligen Leonhard, die Luft, die heilt, ein Berg, der zu Entdeckungsreisen einlädt, und ganz großes Kino - Geschichten ...
À LA                                                                                                                                     HEUTE:
                    Carte                                                                                                                                           Ruhe!
Die Königscard und die Gästekarte öffnen Ihnen Tür und Tölz                                                Von Dominik Baur

                                                                                                           E
                                                                                                                   chte Ruhe, so wollen wir hier ein-        Begriff oder den „durch keinerlei Unfrieden,         Wem diese feinen Unterschiede nicht
                                                                                                                   mal ganz ungeschützt behaupten,           keinen Kampf, Streit o.Ä. beeinträchtigten        so geläufig sind, der sollte mit unbedach-
                                                                                                                   die findet man nur in Bayern. Vor         [normalen] Zustand“. Und zu guter Letzt           ten Äußerungen besonders vorsichtig sein.
                               Königscard                                                                   allem auf dem Land. Und in Bayern ist man        auch den „durch keine Erregung gestörten          Sollte es sich mal gar nicht umgehen lassen,
                               Ganz gleich, ob Sie auf den Spuren der Könige wandeln oder es sich selbst    eigentlich immer auf dem Land. Selbst der        Zustand des seelischen Gleichgewichts;            einen Sachverhalt zu kommentieren, emp-
                               königlich gut gehen lassen wollen: Die Königscard, Sie ahnen es schon,       sogenannte Stoderer deklariert kurzerhand        Gelassenheit“. Als Synonyme dient uns das         fiehlt es sich, dies möglichst kurz, prägnant
                               ermöglicht es Ihnen. In Oberbayern, Tirol oder dem Allgäu sind Sie mit       die Großstadt zum Millionendorf um und           Wörterbuch so schöne Wörter wie Dolce-            und vor allem unverfänglich zu tun – etwa
                               dieser Karte bestens beraten. Wer bei einem der über 500 Gastgeber           versucht so zu unterstreichen, dass er im        farniente, Seelenfrieden und Unerschütter-        mit den Worten: „Ja, mei.“
                               aus dem Königscard-Netzwerk logiert, bekommt die Karte beim Check-           Grunde seines Herzen stets seinen Bergen,        lichkeit an.                                         Zum Erhalt der Ruhe setzt der Bayer sei-
                               in überreicht. Sie ist der Schlüssel zu über 200 nicht nur touristischen     Seen und Feldern treu geblieben ist. Von            Eine bis an die Bewegungslosigkeit gren-       ne Hoffnung übrigens – und das mag ange-
                               Highlights in der Region. Die in Bad Tölz beteiligten Häuser finden Sie      überallher kommt man jedenfalls hierher,         zende beschauliche Untätigkeit dürfte             sichts seiner gern zur Schau getragenen
                               ab S. 41, achten Sie auf das Kronen-Symbol! Hier ermöglicht einem die        als lärmgeplagter Mensch, atmet einmal           der Ruhe des gemeinen Bayerns in der Tat          Widerspenstigkeit verwundern – nicht sel-
                               Königscard den Zutritt zu Schwimmbad, Blombergbahn, Marionetten-             tief durch und sagt: „Ach, herrlich!“ Oder:      innewohnen, und unerschütterliche Gelas-          ten auf die Obrigkeit. Denn er weiß es sehr
                               theater, Golfclub und Capitol-Filmtheater. Und in der Umgebung              „Diese Ruhe!“                                     senheit und Seelenfrieden zumindest ihre          wohl zu schätzen, wenn alles seine Ordnung
                               eröffnet sie einem den Zugang zur Kristalltherme in Kochel, dem Frei-           Das Interessante dabei ist, dass die Ruhe     erstrebenswerten Ziele sein. Darüber hin-         hat. So passt auch dies zum Wesen des
                               lichtmuseum Glentleiten oder einem Ausflugsschiff auf dem Kochelsee.         sogar dann empfunden wird, wenn sie nur          aus sollte man aber auch ein gewisses Maß         Bayern, dass der Hinweis auf die niedrigste
                               Aber das ist nur eine kleine Auswahl. Und wenn Sie nicht wissen, wie         sehr schwer dingfest zu machen ist: wenn in      an Schweigsamkeit als Wesensmerkmal               Kriminalitätsrate im Wahlkampf förderlich
                               Sie nun zum Golfclub oder zum Blomberg kommen sollen? Dann mie-              aller Früh schon der Hahn kräht, als wären       nicht außer Acht lassen. Denn Geschwätzig-        sein kann, gleichzeitig aber noch heute his-
                               ten Sie sich einfach ein E-Bike bei der Bike Boutique – natürlich mit        die Hendlbrater hinter ihm her, wenn her-        keit liegt ihm weniger, dem Bayern – wobei        torische Figuren wie der Räuber Kneißl und
                               der Königscard! Bleibt eigentlich nur ein Problem: Womit anfangen?           nach der Nachbar mit ebenso großer               Ausnahmen natürlich die Regel bestätigen.         der Wildschütz Jennerwein verehrt werden.
                                                                                                            Inbrunst wie Lautstärke seinen Rasen mäht,       Die I-sog-nix-Haltung des Bayern hat dabei        Die Sympathie gilt den Wilderern, Rebellen
                               Details unter bad-toelz.de/koenigscard                                       das Kind schreit, der Hund kläfft, von Zeit zu   durchaus ihren Sinn. Denn mit jedem über-         und Anarchisten, gewählt wird dagegen der,
                                                                                                            Zeit ein Düsenjäger die Schallmauer durch-       flüssigen Wort – und der allergrößte Teil der     der für Ruhe und eine sauber eingeschenkte
                                                                                                            bricht und in nicht allzu großer Entfernung      getätigten Worte dürfte aus seiner Sicht als      Mass sorgt.
                                                                                                            das monotone Brummen der Autobahn auf            überflüssig gelten – geht man schließlich            Gleichzeitig ist Ruhe nicht weniger als
                                                                                                            die schnelle Verbindung zur Großstadt, Ver-      das Risiko ein, den Zustand des seelischen        ein wesentlicher Bestandteil des hiesigen
                                                                                                            zeihung: zum Millionendorf, hinweist. Aber       Gleichgewichts durch Unfrieden zu gefähr-         Freiheitsbegriffs. Wer die wahre Liberalitas
                                                                                                            das zeigt nur: Ruhe ist nichts, was sich in      den. Eine alte Samurai-Regel: Wer den ers-        Bavariae pflegt, weiß, dass es hierbei nicht
                                                                                                            Dezibel messen lässt.                            ten Schritt tut, in unserem Fall also das erste   nur um ein bloßes „Leben und leben lassen“
                               Gästekarte                                                                      Was also ist diese ominöse Ruhe, die der      Wort sagt, begibt sich aus der Deckung –          geht: „In Ruhe lassen und in Ruhe gelassen
                               Sie erhalten sie bei jedem Tölzer Gastgeber. Die Gästekarte ist der          Bayer, aber auch seine Gäste so lieben? Erst     und damit in Gefahr. Der Hinweis, dass der        werden“ ist, um es mal ganz pathetisch zu
                               Nachweis, dass Sie den vorgeschriebenen Kurbeitrag entrichtet haben,         hört man sie, dann hört man sie wieder nicht,    Samurai als solcher schwerlich dem Volks-         sagen, die Quintessenz des Bayerntums.
                               und bietet Ihnen eine Menge Möglichkeiten und Vergünstigungen. So            dann hört man sie, obwohl sie gar nicht zu       stamm der Bayern zuzurechnen sei, wäre            Denn die „Ruah“ ist in Bayern weit mehr,
                               können Sie kostenlos das gesamte RVO-Busnetz nutzen und das Stadt-           hören ist. Sie scheint ein recht widersprüch-    nichts anderes als eben solches überflüs-         als ein paar Wörterbuchdefinitionen erah-
                               museum und das Naturparkhaus Hinterriß besuchen. Es gibt Stadt-              liches Gebilde zu sein – wie so vieles in Bay-   siges Wortgeplänkel. Überhaupt bringen            nen lassen, sie ist ein Lebensgefühl – und
                               führungen und Wanderungen sowie jede Menge Ermäßigungen – bei-               ern. Und warum wollen in Bayern immer alle       Wortwechsel eine völlig unnötige Dynamik          ein Grundrecht. Es ist das, wonach zu stre-
                               spielsweise im Planetarium, dem Kletterwald oder dem Naturfreibad            in Ruhe gelassen werden? Lassen Sie uns den      ins bayerische Dolcefarniente.                    ben sich lohnt – das, was für Menschen
                               Eichmühle. Planen Sie also ein bisschen Zeit für Ihren Tölz-Urlaub ein!      Versuch unternehmen, dem Phänomen ein               Natürlich gibt es Abstufungen: Während         aus anderen Teilen der Welt Glück, Liebe,
                                                                                                            wenig auf den Grund zu gehen! Der Duden          sich der Bayer etwa am Gartenzaun auch            Zufriedenheit oder ein Leben nach dem Tod
                               Details unter bad-toelz.de/gaestekarte                                       gibt uns zumindest erste Anhaltspunkte:          mal zu einem kurzen Ratsch mit dem Nach-          ist. Der Bayer ist schon zu frieden, wenn er
                                                                                                            „Bewegungslosigkeit“, aber auch „durch kein      barn hinreißen lässt, ist dergleichen in einer    „sei’ Ruah“ hat. Das mag bescheiden wirken,
                                                                                                            [lärmendes] Geräusch und lebhaftes Trei-         Schafkopfrunde, dem Inbegriff bayerischer         dahinter steht aber schlicht die Erkenntnis,
                                                                                                            ben gestörter Zustand; [fast völlige] Stille“.   Geselligkeit, ganz und gar unüblich. Wer          was Ruhe wirklich ist: nicht weniger als der
                                                                                                            Ebenso den „Zustand erholsamer, beschau-         es dennoch tut, wird schnell zur Ordnung          höchste zu erreichende irdische Zustand.
                                                                                                            licher Untätigkeit“ versteht man unter dem       gerufen: „Ausgredt is, gspuit werd.“                 Und jetzt? Is amoi a Ruah.

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– Kultur –

                                                                          Von Dominik Baur
Das Capitol ist, mit Verlaub, total Fünfziger. Und das ist auch gut so.

                                                                          D
 Vielleicht ist genau das ja der Grund, warum das Kino im Herzen                    ie Reise in die Fünfziger beginnt                                                            Roland Wolf, 64 Jahre alt, wohnt noch

 von Tölz längst zur Institution geworden ist. Und warum es aller                   zwischen fünf und halb sechs. Um
                                                                                    die Zeit eben, wenn die ersten Besu-        » Die Leute, die hierher
                                                                                                                                                                              immer in Gummersbach, seine sechs Jahre
                                                                                                                                                                              jüngere Schwester hat es vor fast 30 Jahren
    Konkurrenz trotzt und täglich zeigt, dass ganz großes Kino            cher sich im Capitol einfinden, dem Kino am
                                                                                                                               kommen, wollen noch mit                        immerhin nach Bayern verschlagen, wenn
                                                                          Amortplatz. Fünfziger nicht deshalb, weil                                                           auch in den Nachbarlandkreis, nach Hausham.
                manchmal gar nicht viel Platz braucht.                    heute vielleicht zufällig gerade wieder ein         einem sprechen. Die suchen                      Den beiden – und das ist nun der Grund, war-
                                                                          Filmklassiker gezeigt wird, zum Beispiel Hitch-
                                                                          cocks „Fenster zum Hof“ von 1954, nein, son-
                                                                                                                                die Unterhaltung, aber                        um es eben doch nicht komisch ist, ausgerech-
                                                                                                                                                                              net sie zu fragen – gehören die Kinobetriebe
                                                                          dern weil der Kinobesucher mit dem Schritt            auch das Persönliche. «                       Wolf. Und das sind außer dem Burgtheater
                                                                          über die Schwelle des Kinos eine andere Welt                                                        noch ein Multiplex in Gummersbach sowie
                                                                          betritt. Um präzise zu sein, müsste man nun                                                         eine Handvoll Filmtheater in Bayern: in Bad
                                                                          die Tür selbst beschreiben, besonders die Grif-                                                     Tölz, Hausham, Garmisch-Partenkirchen und
                                                                          fe, die bereits Teil der Zeitreise sind. Aber wie                                                   Weilheim.
                                                                          bezeichnet man solche Griffe überhaupt? Da                                                             Gut, aber könnten wir nun endlich zurück
                                                                          gibt es bestimmt einen Fachausdruck. Eine                                                           zum Capitol kommen, in das nun gerade die
                                                                          Filmausstatterin könnte einem da wohl Aus-          chen in Nordrhein-Westfalen, manch einem        ersten Besucher für die 17:30-Uhr-Vorstellung
                                                                          kunft erteilen.                                     ein Begriff wegen seines Handballvereins und    kommen? Aber sicher doch! Vielleicht geben
                                                                             Aber wo kämen wir hin, wenn wir damit            nur den wenigsten, den wirklich Eingeweihten,   ja gerade die Besucher Aufschluss über die
                                                                          anfingen? Dann hätten wir auch den Schrift-         wegen seines Burgtheaters. Burgtheater, das     Besonderheit dieses Kinos. Schließlich hat
                                                                          zug nicht so sträflich vernachlässigen dürfen,      ist das Kino, in dem die Wolfs, man kann es     jedes Kino das Publikum, das es verdient.
                                                                          der einen schon draußen von der Stirnseite          nicht anders sagen, aufgewachsen sind. Soh-     „Und das ist ein ganz tolles, buntes Publikum“,
                                                                          des Vordaches empfängt. „Filmtheater“ steht         nius kann sich immerhin noch an ihren ersten    sagt Sabine Sohnius. „Die Leute, die hierher
                                                                          da in geschwungener Schrift, links und rechts       Film erinnern: „Winnetou.“ Für ihren Bruder     kommen, wollen noch mit einem sprechen.
                                                                          flankiert von den Namen der beiden großen           wirkt die Frage nach seinem ersten Film, als    Die suchen die Unterhaltung, aber auch das
                                                                          Säle, serifenlos und in Versalien: „Casino“ und     wollte man von einem Bauernbub wissen,          Persönliche. Denen ist es wurscht, wenn mög-
                                                                          „Capitol“. Und überhaupt: diese ganz speziel-       wann er zum ersten Mal eine Kuh gesehen         licherweise mal ’ne Armlehne locker ist oder
                                                                          le verwinkelte Architektur des Hauses. Aber         hat. Woran er sich aber noch erinnert: wie er   so, das gehört einfach dazu. Die kommen vor
                                                                          weder haben wir gerade eine Filmausstatterin        als Zwölfjähriger zum ersten Mal selbst einen   allem auch wegen der Atmosphäre.“
                                                                          zur Hand noch Zeit für all diese Äußerlich-         Film vorführte. Damals, als man noch alle 20       Also wegen der Drahtstühle und der Nie-
                                                                          keiten, wir wollen ja nach drinnen, weiter-         Minuten den Projektor wechseln musste, als      rentischchen vor der Kasse? Wegen der alten
                                                                          kommen auf unserer Zeitreise, ins Herz der          Filmvorführer noch ein richtiger Beruf war.     Schaukästen, in denen die Filmplakate hängen –
                                                                          Fünfziger dringen. So stehen wir denn nun im        Damals, als noch die Ernemann X, sprich:        oder auch Reliquien des Kinos, beispielsweise
                                                                          Foyer – Foyerchen wäre wohl die passendere          „Ernemann zehn“, der Star unter den Projekto-   der kleine hölzerne Kasten mit den originalen
                                                                          Bezeichnung – und treffen am Ende des roten         ren war. Eine solche Ernemann X steht nun als   Ticketrollen aus längst vergessenen Zeiten.
                                                                          Teppichs vor dem sympathisch altmodischen           museales Schmuckstück im Saal, links unter      Rang und Parkett gab es damals noch, heute
                                                                          Ticketschalter ein Geschwisterpaar, das wir         der Leinwand.                                   kosten alle Plätze dasselbe.
                                                                          uns als Reisebegleiter auserkoren haben:
                                                                          Sabine Sohnius und Roland Wolf.
                                                                             Von ihnen wollen wir nun also erfahren, wie
                                                                          sich das nun genau verhält mit dem Capitol.
                                                                          Schließlich ist das Capitol in Tölz nicht einfach
                                                                          ein Kino, sondern eine Institution. Eines jener
                                                                          wenigen Kinos, die eben nicht verwechselbar
                                                                          sind, nicht die Standard-Melange aus Block-
                                                                          buster, Popcorn und Nachos bieten wie die

                         KINO                                             superlativ-gierigen Multiplex-Kinos draußen
                                                                          vor der großen Stadt. Aber wie wird man zur

mit Aussicht
                                                                          Institution? Warum kennt man das Capitol
                                                                          weit über die Stadtgrenzen hinaus?
                                                                             Irgendwie komisch ist es ja schon, ausge-
                                                                          rechnet Sabine Sohnius, geborene Wolf, und                                                                                   Roland Wolf und Sabine
                                                                          Roland Wolf, zu fragen. Noch nicht einmal                                                                                    Sohnius haben das Capitol
                                                                                                                                                                                                       in den Achtzigern übernom-
                                                                          Tölzer sind sie. Sie leben auch nicht hier. Aus                                                                              men. Noch heute hängen sie
                                                                          Gummersbach kommen die beiden. Ein Städt-                                                                                    an dem kleinen Kino.

                                                                                                                                                 - 19 -
– Kultur –                                                                                                                                                       – Kultur –

                                                                                                                                                    hätte dem Capitol beinahe das Kreuz gebro-                                                                           Filmrollen herumliegen, „Die Spaziergänge-

Freue dich, Christkind                                                                                                                              chen. Interessant ist dabei vor allem, wer das
                                                                                                                                                    Kinocenter betreibt: die Kinobetriebe Wolf.            Bis 1956 war die
                                                                                                                                                                                                                                                                         rin von Sanssouci“ mit Romy Schneider und
                                                                                                                                                                                                                                                                         Michel Piccoli zum Beispiel, aber auch „Phi-
kommt bald!                                                                                                                                         Sich selbst Konkurrenz zu machen war viel-
                                                                                                                                                    leicht zunächst nicht der allerdurchdachtes-
                                                                                                                                                                                                       Wandlung vom Bruckbräu                                            ladelphia“ oder „Legenden der Leidenschaft“.
                                                                                                                                                                                                                                                                         Auch nicht wegen der alten Telleranlage mit
Es duftet nach Zimt und heißen Maroni,                                                                                                              te Schachzug. Doch nach einer mehrjährigen         zum Capitol-Filmtheater                                           dem Umspultisch. Dank seiner Erfindung
Häuserfassaden erstrahlen im warmen
Lichterglanz, in den rund 40 adventlich
                                                                                                                                                    Durststrecke fanden Roland Wolf und Sabine
                                                                                                                                                    Sohnius auch hierfür eine Lösung. Mit dem
                                                                                                                                                                                                        vollzogen. Seither dreht                                         konnten die Filmvorführer irgendwann die Fil-
                                                                                                                                                                                                                                                                         me ohne Projektorwechsel durchlaufen lassen.
geschmückten Holzhäuschen bieten tra-                                                                                                               Capitol verschrieb man sich künftig der Film-       sich hier alles nur noch                                         Nein, es ist die Aussicht. Eine Aussicht, wie
ditionelle Handwerker ihre Kunstwerke
feil: Von Ende November an verwandelt
                                                                                                                                                    kunst, Arthouse sagt man wohl dazu. Auf den
                                                                                                                                                    Prospekten nennt sich das Theater nun nicht
                                                                                                                                                                                                           um die Filmwelt.                                              sie für einen Vorführraum eher ungewöhnlich
                                                                                                                                                                                                                                                                         ist. Denn vor hier kann man nicht nur durch
der Tölzer Christkindlmarkt die histori-                                                                                                            mehr Filmtheater, sondern Filmkunsttheater.                                                                          die kleinen Maueraussparungen in den Saal
sche Marktstraße in einen vorweihnacht-                                                                                                             Klassisches Programmkino. In dem Filmexper-                                                                          schauen, sondern nach hinten raus durchs
lichen Festsaal. Adventsgemütlichkeit                                                                                                               ten Michael Spiegel haben Wolf und Sohnius                                                                           Fenster direkt auf die Isar – ein Blick, der
bei Glühwein und Schmankerln, alpen-                                                                                                                zudem einen freien Mitarbeiter gefunden, der                                                                         jedes Immobilienmaklerherz höher schlagen
ländischer Musik, abwechslungsreichem         Zum Capitol, dem größten Saal mit 280               Über eine Milliarde Besucher zählten die          sich mit besonders großem Sachverstand um                                                                            lassen würde.
Programm und tausend Lichtern.             Plätzen, geht es in den ersten Stock. Die Kino-        deutschen Kinos etwa laut dem Haus der            die Programmgestaltung kümmert. Viele              len, und wer es dann doch lieber persönlich an                       Und die Aussicht fürs Kino? Wie kann sich
› Pferdeschlittenfahrt bzw. Kutschfahrt    betreiber führen nach oben. Auf der Treppe ist         Geschichte allein in der Saison 1956/57.          Oscar-Filme zeigen die Wolfs hier. Auch Film-      der Kasse tut, kann dort auf einem Bildschirm                     ein kleinen Programmkino gegen Amazon,
  (Sa.), sonst: Stadtführung oder Besuch   ebenfalls roter Teppich verlegt. Oben ange-               Es gab sie ja mal, die Zeiten, als man ins     klassiker oder Originalversionen mit Unter-        den Saalplan mit den verfügbaren Plätzen ein-                     Netflix und Co behaupten? Für Roland Wolf
  des Marionettentheaters                  kommen erwartet einen ein riesiges Filmpla-            Kino nicht unbedingt nur gegangen ist, um         titeln. Im Winterhalbjahr kann man zudem an        sehen. Und um den Film zu starten, geht kein                      ist die Sache klar: „Indem wir besser sind.
› Bayerische Brotzeit                      kat: „Die Falle am Snake River“, ein Western           sich Filme anzusehen, sondern das Dunkel          zehn Samstagen der Liveübertragung einer           Filmvorführer im grauen Kittel mehr in den                        Punkt.“ Nur im Kino habe der Zuschauer diese
› Glühwein auf dem                         aus den Fünfzigern. Muss man nicht kennen.             des Saals aus anderen Gründen gesucht hat;        Oper aus der Met in New York beiwohnen.            Vorführraum. Sonja Turzer, die hier den Laden                     riesige Leinwand und könne sich ganz und gar
  Tölzer Christkindlmarkt                  Aber das Plakat – das in Wirklichkeit gar kei-         irgendwann damals muss das gewesen sein,          Seither läuft der Laden wieder – sofern ihn        schmeißt, kann alle Filme in allen Sälen über                     auf den Film konzentrieren. „Wie oft hat man
› 2 Übernachtungen individuell             nes ist, sondern ein auf Leinwand gepinseltes          als auch das Angebot, jemandem seine Brief-       die Anti-Corona-Maßnahmen laufen lassen.           das Laptop steuern. Allerdings verpasst man                       Kino schon totgesagt? Als das Fernsehen kam,
  zubuchbar (Unterkünfte ab Seite 41)      Gemälde – vermittelt genau das Flair, für das          markensammlung zu zeigen, in den seltens-         Das Publikum kommt teilweise von weit her.         dabei durchaus etwas. Denn der Vorführraum                        als die Privatsender kamen, als die DVD kam.
› Termine: 25.11. – 24.12.2022             das Capitol steht.                                     ten Fällen philatelistische Absichten verriet.       Bei allem Faible für die Fünfziger hat natür-   des großen Saals ist, wie so vieles in diesem                     Jedes Mal hat man gesagt: Kino ist tot. Aber
› ab 39 € pro Person                          Das Bild ist tatsächlich alt, aber seit 1958, als   Das Capitol gehört zu jenen vom Aussterben        lich auch im Capitol das digitale Zeitalter Ein-   Haus, etwas Besonderes. Nicht nur weil hier                       Kino ist nicht tot. Kino ist ein Riesenerlebnis.“
Jetzt buchen auf bad-toelz.de/angebote     der Film auch im Capitol gezeigt worden sein           bedrohten Lichtspielhäusern, die diese Zei-       zug gehalten. Karten lassen sich online bestel-    noch ein paar alte Kisten mit 35-Millimeter-                      Mehr davon demnächst in diesem Theater.
Mehr auf bad-toelz.de/christkindlmarkt     mag, hängt es nicht hier. Erstanden haben es           ten noch miterlebt haben. Die emotionalen
                                           die Geschwister erst im Zuge einer dringend            Dramen, die sich zwischen diesen Mauern
                                           notwendigen Renovierung im Jahr 2017, als              abgespielt haben, fanden nicht ausschließlich
                                           man penibel darauf achtete, dem ursprüng-              auf der Leinwand statt. Die Tölzer Jugend von
                                           lichen Stil treu zu bleiben. Ein gutes Beispiel        damals ist heute um die 80. Aber auch späte-                                                         Im Capitol finden sich manche Reliquien aus längst vergange-
                                           hierfür sind auch die Lampen an Decken und             re Generationen von Tölzern haben noch ihre                                                          nen Tagen des Kinos, etwa der kleine Kasten mit den Ticketrol-
                                                                                                                                                                                                       len oder das riesige Plakat für ein B-Movie aus den Fünfzigern.
                                           Wänden: Originale aus den Fünfzigern. Über-            ganz besonderen Erinnerungen an das Kino.
                                           zeugend überspielen sie, dass sie erst vor vier           Über die Jahrzehnte hinweg erlebte das
                                           Jahren hier ihren Platz gefunden haben.                Kino bessere Zeiten und auch schwierige-
                                              Falsche Fuffziger also? Von wegen. Hier             re. 1985, es lief gerade wieder nicht so rund,
                                           fand lediglich zusammen, was zusammen-                 übernahmen die Wolfs schließlich das Capitol
                                           gehört. Denn das Kino stammt schließlich               und renovierten es erst einmal komplett. Das
                                           tatsächlich aus dieser Zeit. Ursprünglich ein          Haus hatte seinen eigenen Charme, das Pro-
                                           Bräuhaus begannen die Wirtsleute 1952 in               gramm unterschied sich jedoch nicht von dem
                                           einem Veranstaltungssaal auch Filme vor-               andernorts. „Pretty Woman“ lief hier, oder
                                           zuführen. Bis 1956 war die Wandlung vom                „Titanic“. 1992 wurde dann ein dritter Saal
                                           Bruckbräu zum Capitol-Filmtheater vollzo-              eröffnet: die Stub’n. Mit Apostroph – logisch.
                                           gen. Seither dreht sich hier alles nur noch um         Der Name lässt die Besonderheit des Saals
                                           die Filmwelt.                                          erahnen: Hier trifft klassisches Wohnzim-
                                              Cineastisch waren die Fünfziger ja zumin-           merkino auf Bayerisch-Rustikales. Die ange-
                                           dest in Deutschland nicht unbedingt das                deuteten Balken an der Decke tun ihr Übriges.
                                           beeindruckendste Jahrzehnt; eher seichte               58 Sitze hat die Stub’n. Überall habe man sei-
                                           Kost, auch wenn sich die Sissi-Filme bis heute         nerzeit über die Stub’n berichtet, erzählt Wolf
                                           im weihnachtlichen Fernsehprogramm gehal-              stolz. So einen Saal habe es sonst in keinem
                                           ten haben. Und dennoch ist es das Jahrzehnt            Kino gegeben.
                                           des Kinos. Die Filmtheater erlebten einen                 Gut lief das Filmtheater dann bis zum Jahr
                                           unglaublichen Boom, ihr Besuch gehörte zu              1999. Da eröffnete plötzlich ein Multiplex-
                                           den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen.              Kino in Bad Tölz, das Isar-Kinocenter. Das

                                                                 - 20 -                                                                                                                                                           - 21 -
– Musik –

                                                                               Interview: Patrick Guyton                                                                          Tölzer Stadtkapelle
    Martin Schnitzer ist ein Original. Der Posaunist ist Erster Vorsitzender
          der Tölzer Stadtkapelle und macht Volks-Bläser-Rock mit              Herr Schnitzer, Sie sind ein junger Mensch,
                                                                                                                                                                                  Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts existierten in Bad
                                                                                                                                                                                  Tölz mehrere Blaskapellen. Offiziell gegründet wurde
                                                                               Jahrgang 1995, und stehen schon seit sechs
      The Heimatdamisch. Im Interview erklärt er, warum Musik etwas            Jahren an der Spitze der Stadtkapelle von
                                                                                                                                                                                  die Tölzer Stadtkapelle 1924, derzeit hat sie 55 aktive
                                                                                                                                                                                  Mitglieder. Zu ihrer Aufgabe gehört es, bei Festen und an

    „Allmächtiges“ für ihn ist und wieso sich manchmal auch Blasmusiker        Bad Tölz. In einem solchen Amt stellt
                                                                                                                                                                                  Feiertagen in Bad Tölz aufzutreten. Jährlich gibt es etwa
                                                                                                                                                                                  70 Auftritte, hinzu kommt einmal im Monat ein Konzert
                                                                               man sich eher einen gediegenen, älteren
                 auf den „Highway to Hell“ begeben müssen.                     Herrn vor.
                                                                                                                                                                                  im Tölzer Kurhaus. Die Hymne des Vereins ist – natürlich –
                                                                                                                                                                                  der „Tölzer Schützenmarsch“, der bei jedem Konzert gespielt
                                                                                                                                                                                  wird. 1896 war ein „flotter Marsch“ für eine Faschingsver-
                                                                               Ja, an den denkt man zuerst. Nach 16 Jahren                                                        anstaltung gewünscht. Diesen komponierte Anton Krett-
                                                                               stand mein Vorgänger nicht mehr zur Ver-                                                           ner – ein Münchner Musiker und Jurist, der in eine Tölzer
                                                                               fügung. Viele in der Kapelle meinten, dass                                                         Familie eingeheiratet hatte.

                                                                               mal ein Jüngerer rankönnte. Ich habe große
                                                                               Unterstützung von allen. Gerade die Älteren
                                                                               sagen: Wenn du was brauchst, melde dich.
                                                                               Keiner stellt sich irgendwie quer. Gott sei
                                                                               Dank – wie man so hört, läuft das in anderen
                                                                               Musikkapellen manchmal anders.

                                                                               Sie und die Musik – wie hat das
                                                                               angefangen?
                                                                               Als kleiner Bub bin ich zur Musik gekommen.      Kollegen aus der Klassik wird das gerne als       werden immer wieder neue, überraschen-
                                                                               Zuerst hatte ich Geige gelernt, doch eigent-     „Humpa-Musik“ unterschätzt und belächelt.         de Aspekte und Harmonien in die Musik
                                                                               lich wollte ich schon immer auf die Posaune      Da gibt es aber auch wahnsinnig tolle Musiker     gebracht. Blasmusik muss überhaupt nicht
                                                                               gehen. Ich hatte aber lange Probleme mit         mit einer ganz eigenen Stilistik.                 altbacken sein.
                                                                               den Zähnen, die zweiten Zähne müssen
                                                                               vorne schon stabil sein. Mit 13 habe ich zur     Was bedeutet Volksmusik für Sie?                  Musikalisch gesehen, sind Sie also ein
                                                                               Posaune gewechselt.                              In unserer Familie war Volksmusik immer           Liberaler.
                                                                                                                                präsent. Wichtig war etwa Ernst Mosch mit         Ich bin vor allem gegen Engstirnigkeit und
                                                                               Was ist denn verkehrt an der Geige?              seinen Original Egerländer Musikanten, von        für Sachen, die gut sind.
                                                                               Nichts gegen Streicher – aber im Vergleich       denen hatten meine Großeltern viele Schall-
                                                                               zu denen sind die Bläser eine ganz andere        platten. Meine Eltern haben beide in einer        Noch ein Klischee: Traditionelle Blaska-
                                                                               Welt. Streicher bereiten sich oft über lan-      Blaskapelle gespielt, hier im Nachbarort          pellen bestehen vorwiegend aus älteren
                                                                               ge Zeit auf ein oder zwei Konzerte im Jahr       Gaißach. Mein Onkel war dort lange Zeit           Leuten. Bei der Tölzer Stadtkapelle ist
                                                                               vor. Wir bei der Tölzer Stadtkapelle proben      Dirigent, mein Cousin wiederum ist ihm in         das nicht so.
                                                                               aber normalerweise mindestens ein Mal in         diesem Amt nachgefolgt. Und ich lebe ja           Unser Altersschnitt liegt bei 29 Jahren. Der
                                                                               der Woche mit allen, ein Mal im Monat gibt       auch in Gaißach. Volksmusik ist Musik, die        älteste Musiker ist 70 Jahre alt, die jüngsten
                                                                               es ein Konzert. Das ist im Fluss, das lebt, da   vom Volk gemacht wird, und bei uns hier ist       15. Und dann haben wir auch ein Nachwuchs-
                                                                               kommt ein Gemeinschaftsgefühl auf. Zusätz-       das hauptsächlich Blasmusik. Das war immer        orchester, in dem ein Neunjähriger mitspielt.
                                                                               lich sind Untergruppen entstanden wie eine       etwas ganz Normales, trotzdem habe ich            Wir machen nicht nur die traditionelle Polka-
                                                                               kleine Tanzlmusik oder unter den Jüngeren        natürlich auch andere Sache gehört wie Rock.      Marsch-Walzer-Blasmusik, sondern auch sehr
                                                                               eine böhmische Besetzung – das ist ein klei-                                                       viele symphonische Stücke.
                                                                               nes Orchester mit acht Bläsern.                  Das sind aber völlig andere Stilrichtungen.
                                                                                                                                Das ist doch egal – solange die Musik echt ist,   Moment. Was ist das?
                                                                               Sie klingen begeistert. Über Volksmusik,         mit Herz gemacht und gut ist. Ich habe viel       Das sind Werke, die eben nicht von einem
                                                                               die Sie häufig spielen, gibt es das Klischee,    mehr Probleme mit Liedern, die seelenlos          klassischen Symphonie-, sondern von einem
                                                                               kitschig zu sein, rückständig. Wie gehen         und nur für den kommerziellen Erfolg pro-         Blasorchester gespielt werden – Ouvertüren
                                                                               Sie als Musiker damit um?                        duziert werden: simple, gängige Melodien.         oder Symphonien. Es gibt etwa die wunder-
                                                                               Dieses Klischee über Blasmusik finde ich         Im Sommer braucht man dann ein Lied, in           bare „Alpina Saga“ des österreichischen
                                                                               sehr schade. Sie erlebt ja gerade eine große     dem zehn Mal die Worte „See“ und „Sonne“          Komponisten Thomas Doss, die wir aufge-
                                                                               Renaissance, etwa mit dem „Woodstock der         vorkommen. Das wird dann von einem Star           führt haben. Wir spielen also nicht nur am
                                                                               Blasmusik“. Das ist ein Riesenfestival mit       gesungen und zum Hit. So etwas belächle           Nachmittag zum Tanz-Café auf.

»W I R S I N D O R I G I N A L P R O D U K T E ,                               50.000 Besuchern, das wegen Corona leider
                                                                               zwei Mal ausfallen musste. Das Motto lautet:
                                                                                                                                ich. Da fehlt mir das Herz. Rap etwa höre ich
                                                                                                                                auch sehr gern, denn da merkt man oft: Leu-

zu 100 % biologisch angebaut.«
                                                                               „Love, Peace und Blasmusik.“ Es kommen viele     te haben sich zusammengehockt, gearbei-
                                                                               ganz normale Leute, die wieder einen Bezug       tet und ihre Ideen eingebracht. Sie stehen
                                                                               zur Volksmusik entwickeln. Gerade von den        zu dem, was sie machen. Von vielen Seiten

                                                                                                                                                    - 23 -
– Musik –                                                                                                                                                           – Musik –

                                                                                                                                                                                                                                                                          BILD
                                                                                                 Martin Schnitzer                                                 In der Tölzer Gegend sind Sie groß gewor-        Was bedeutet Ihnen Musik?
                                                                                                                                                                  den und leben weiterhin hier. Packt Sie          Ich frage mich manchmal, was aus mir
                                                                                                 Nach seinem Abitur 2013 hat Martin Schnitzer ein Frei-
                                                                                                                                                                  nicht mal die Sehnsucht, ganz woanders           geworden wäre, wenn ich gar kein Ins-

                                                                                                                                                                                                                                                                           Tölz
                                                                                                 williges Kulturjahr bei der Musikschule Bad Tölz absolviert.
                                                                                                 Im Anschluss folgte dort eine kaufmännische Ausbildung,          hinzugehen?                                      trument gelernt hätte. Keine Ahnung.
                                                                                                 in der er sich mit der Verwaltung und der Organisation           Ja schon, aber nicht auf Dauer. Ein Akademie-    Ich wüsste nicht, was ich ohne das alles
                                                                                                 von Musikveranstaltungen befasste. Die Tölzer Stadtkapel-
                                                                                                 le leitet Schnitzer – ehrenamtlich – seit 2016. Schnitzer stu-   jahr bei einem Orchester würde mich reizen,      machen sollte. Musik war schon immer ein
                                                                                                 diert in München an der Hochschule für Musik und Theater         vielleicht im Norden, in Hamburg oder Berlin.    ganz selbstverständlicher Bestandteil mei-
                                                                                                 Kulturmanagement. Zudem spielt er in Bands, arbeitet auf         Da würde man mal was Neues sehen. Aber           nes Lebens. Es gibt einem so viel zurück,
                                                                                                 einer halben Stelle an der Tölzer Musikschule und unter-
                                                                                                 richtet Posaune.                                                 ganz weg ziehen? Nein. Wir haben ja alles        wenn man in jungen Jahren ein Instrument
                                                                                                                                                                  hier, eine musikalisch reiche Kultur. Jedes      lernt – das ist wichtig für das Gehirn, die
                                                                                                                                                                  Wochenende gibt es Gelegenheiten, in der         Motorik, für die Kanalisierung von Emo-
                                                                                                                                                                  Region Musik zu spielen. Vor allem die Musik,    tionen. Und für das Soziale, wenn man mit
                                                                                                                                                                  mit der ich aufgewachsen bin – Blasmusik und     anderen Menschen gemeinsam an etwas
                                                                                                                                                                  so. Und in den Jazzclub können wir ja auch       arbeitet. Musik ist etwas Allmächtiges.
                                                                                                                                                                  nach München oder Rosenheim. Wissen Sie,         Ich bin immer wieder davon fasziniert:
                                                                                                                                                                  es ist schon wahnsinnig schön hier. Man geht     Je nachdem, wie es mir geht – die Musik
Kommen wir zur Band The Heimatda-               The Heimatdamisch hätte auch in Illinois         Wie hat sich der Trend zur bayerischen                           aus der Haustür raus und hat gleich die Berge    kann mich dort abholen.
misch, in der Sie die Posaune spielen. Hei-     in den USA, sowie in Brasilien auftreten         beziehungsweise alpenländischen Volks-                           vor sich.
matdamisch – wie lautet die hochdeut-           sollen.                                          Rock-Bläser-Musik entwickelt?
sche Übersetzung?                               Genau, dann kam Corona ... Wir sind uns aber     Gestartet hat es mit LaBrassBanda vom                            Sie spielen Posaune. Was mögen Sie an
„Damisch“ bedeutet „verrückt“. Also: ver-       sicher, dass es diese Anfragen wieder gibt.      Chiemsee, die bayerische Texte im Balkan-                        ihrem Instrument?
rückt nach der Heimat, heimatverrückt.          Wahnsinn, in welchen Ländern man sich für        stil vertont haben. Es folgten ganz, ganz,                       Den Klang. Wenn man mit mehreren Posau-
                                                diese Art der bayerischen Blasmusik interes-     ganz viele andere. Die Szene ist sehr groß                       nen einen Akkord hinstellt, dann hat das eine
Das Konzept der Band besteht darin, Rock-
songs, und zwar wirkliche Meilensteine,
                                                siert. Wo wir schon so alles rumgekommen
                                                sind: Wir hatten Auftritte in Frankreich, Ita-
                                                                                                 geworden. Da gibt es Schätze zu hören,
                                                                                                 etwa Rap auf Boarisch wie bei Dicht & Er-
                                                                                                                                                                  einmalige Schwingung. Das ist so blechern-
                                                                                                                                                                  machtvoll und zugleich butterweich. Und ich
                                                                                                                                                                                                                                                                                              Leserbild-
als bayerische Blasmusik zu interpretieren.     lien und Norwegen. Regelmäßig spielen wir        greifend. Diese Sachen kommen von hier,                          mag an der Posaune die Vielfältigkeit. Mit                                                                                  Wettbewerb

                                                                                                                                                                                                                                                                 W
Dazu gehören etwa „Sweet Child O‘ Mine“         in Hückelhoven in Nordrhein-Westfalen, dort      das sind Originalprodukte, zu 100 Prozent                        ihr kann man alles spielen – Jazz, Volksmusik,
                                                                                                                                                                                                                                                                                                 Jetzt mitmachen
von Guns’n’Roses oder „Highway to Hell“         gibt es auch ein Oktoberfest.                    biologisch angebaut.                                             Klassik.                                                                                                     as haben
                                                                                                                                                                                                                                                                                                  und gewinnen!
von AC/DC. Machen Sie sich damit über                                                                                                                                                                                                                                          Sie für ein
diese Rock-Klassiker lustig?                                                                                                                                                                                                                                                   Bild von Bad
Nein, das ist gar nicht der Sinn davon. Es                                                                                                                                                                                                                       Tölz und Umgebung? Ein
kann schon sein, dass das manche so emp-                                                                                                                                                                                                                         lustiges? Ein romantisches? Ein klares? Ein
finden, solche Puristen gibt es immer. Das                                                                                                                                                                                                                       impressionistisches? Schicken Sie es uns!
ist genauso, wie wenn man in die Blasmu-                                                                                                                                                                                                                         Ganz gleich, ob es ein Schnappschuss, ein
sik den einen oder anderen jazzigen Akkord                                                                                                                                                                                                                       kleines Detail, ein Porträt, eine postkarten-
einbaut. Da wird dann auch gesagt: Oh, das                                                                                                                                                                                                                       würdige Stadtansicht, eine Zeichnung oder
hört sich ja gräuslig an. Die Lieder, die The                                                                                                                                                                                                                    ein Aquarell ist, her damit! Das Bild, das uns
Heimatdamisch spielt, sind ja international                                                                                                                                                                                                                      unter allen Einsendungen am besten gefällt,
bekannt. Sie werden immer mit einem Au-                                                                                                                                                                                                                          veröffentlichen wir in der nächsten Ausgabe.
genzwinkern in ein ganz anderes Licht ge-                                                                                                                                                                                                                        Außerdem erhält der Sieger einen Gutschein
rückt. Viele Leute haben wahnsinnig Spaß                                                                                                                                                                                                                         über einen Erlebnistag am Blomberg im Wert
dabei und lassen sich überraschen, denn sie                                                                                                                                                                                                                      von 100 Euro. Für den 2. Platz gibt es einmal
kennen ja das Original.                                                                                                                                                                                                                                          freien Eintritt in den Kletterwald samt Brot-
                                                                                                                                                                                                                                                                 zeit im Blomberghaus und für den 3. Platz
Ihre „Highway to Hell“-Version wurde auf                                                                                                                                                                                                                         eine Berg- und Talfahrt mit der Blomberg-
Youtube von einem AC/DC-Fan kommen-                                                                                                                                                                                                                              bahn. Wir freuen uns auf Ihre Ansichten!
tiert mit: Ich weiß nicht, ob ich weinen
oder mitfeiern soll.                                                                                                                                                                                                                                             Bitte senden Sie uns Ihr Bild an
Natürlich mitfeiern! Ja, da gehen wir manch-                                                                                                                                                                                                                     leserbild@bad-toelz.de
mal einen schmalen Grat. Richtige Fans irri-                                                                                                                                                                                                                     Schreiben Sie gern ein paar Sätze dazu, wie
tiert das sicherlich, wenn wir sehr viel ver-                                                                                                                                                                                                                    und wo das Bild entstand und warum es
ändern. Aber das sind ja wirklich alles coole                                                                                                                                                                                                                    Ihnen besonders gefällt.
Nummern. Wir setzen uns auf ein tolles Stück                                                                                                                                                                                                                     Alternativ können Sie uns Ihr Bild auch über
drauf und nehmen eine andere musikalische                                                                                                                                                                                                                        facebook.com/badtoelz oder
Unterlage dafür her.                                                                                                                                                                                                                                             instagram.com/badtoelz zukommen lassen.
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