ILEK Integriertes ländliches Entwicklungskonzept Lippstadt und Lippetal
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
ILEK
Integriertes ländliches
Entwicklungskonzept
Lippstadt und Lippetal
Februar 2013
MSP ImpulsProjekt
Zum alten Hohlweg 1
58339 Breckerfeld
Telefon (02338) 545381
E-Mail: kontakt@impulsprojekt.de
Internet: www.impulsprojekt.deILEK Lippstadt und Lippetal
INHALT
Vorwort 5
1 Zielsetzung und Verlauf der Konzepterstellung 6
1.1 Aufgabenstellung 6
1.2 Methodik 7
1.2.1 Phase 1: Analysen des Ist-Zustands / Auftaktveranstaltung 7
1.2.2 Phase 2: Themenwerkstätten 8
1.2.3 Phase 3: Projekttische 9
1.2.4 Phase 4: Ausarbeitung und Präsentation der Entwicklungsstrategie 9
1.2.5 Begleitende Öffentlichkeitsarbeit 10
2 Beschreibung der ILEK-Region 11
2.1 Grundlegende Strukturen 11
2.2 Kurzinformationen zu den Ortsteilen 12
3 Strukturen und Besonderheiten der ILEK-Region 14
3.1 Lage und verkehrliche Erschließung der Region 14
3.1.1 Verkehrsanbindung 14
3.1.2 ÖPNV 15
3.1.3 Radverkehr 15
3.2 Raumstruktur / Flächennutzung 16
3.3 Bevölkerungsstruktur und Bevölkerungsentwicklung 17
3.4 Wirtschaftsstruktur 21
3.4.1 Strukturdaten 21
3.4.2 Gewerbliche Entwicklung / Wirtschaftsförderung 23
3.4.3 Land- und Forstwirtschaft 23
3.4.4 Einzelhandel 24
3.5 Landschaft und Umwelt 26
3.5.1 Landschaftsgliederung 26
3.5.2 Lippe / Lippeaue 26
3.5.3 "Unzerschnittene, verkehrsarme Räume" 30
3.5.4 Alleen 31
3.6 Kultur / Veranstaltungen 32
3.7 Tourismus / Freizeit 33
MSP ImpulsProjekt 2013 1ILEK Lippstadt und Lippetal
3.7.1 Touristisches Angebot 33
3.7.2 Ausgangssituation im Bereich der touristischen Nachfrage 36
3.8 Infrastruktur 37
3.8.1 Schulen 37
3.8.2 Soziale Infrastruktur für Senioren 37
3.8.3 Komplementäre Dienste 38
3.8.4 Hausärztliche Versorgung 39
3.8.5 Sonstige Infrastruktur 39
3.8.6 Breitbandversorgung 40
4 Planerische Vorgaben und relevante übergeordnete Entwicklungskonzepte
(Übersicht) 41
5 Stärken und Schwächen 42
6 Integrierte Entwicklungsstrategie 46
6.1 Handlungsfeld „Tourismus und Naherholung“ 48
6.1.1 Maßnahmenbereich „Management/Marketing“ 49
6.1.2 Maßnahmenbereich „Weiterentwicklung von Angeboten entlang des
Flusslaufes + Vernetzung in den Raum“ 53
6.1.3 Maßnahmenbereich „Ausbau der Übernachtungs- und Gastronomieangebote“ 57
6.2 Handlungsfeld „Kultur“ 60
6.3 Handlungsfeld „Dorfentwicklung und Landwirtschaft“ 63
6.3.1 Maßnahmenbereich „Dorfentwicklungskonzepte“ 63
6.3.2 Maßnahmenbereich „Gebäudeleerstand“ 66
6.3.3 Maßnahmenbereich „Ortsbild und Attraktivität der Ortsteile als Wohnort“ 66
6.3.4 Maßnahmenbereich „Dorfgemeinschaftseinrichtungen“ 70
6.4 Handlungsfeld „Mobilität/ÖPNV“ 72
6.5 Handlungsfeld „Versorgung / Infrastruktur“ 75
6.5.1 Maßnahmenbereich „Versorgungsangebot/Infrastruktur in den größeren
Ortsteilen“ 76
6.5.2 Maßnahmenbereich „Jugendeinrichtungen“ 79
6.5.3 Maßnahmenbereich „Demographischer Wandel“ 80
6.5.4 Maßnahmenbereich „Einzelhandel / Dienstleistungen“ 82
6.6 Handlungsfeld „Wirtschaft/Arbeit“ 83
7 Umsetzungsplan 85
7.1 Übersicht der Leitprojekte 85
7.2 Finanzierung / Förderprogramme 85
7.2.1 NRW-Programm Ländlicher Raum 2007-2013 85
MSP ImpulsProjekt 2013 2ILEK Lippstadt und Lippetal
7.2.2 Programm Kleinere Städte und Gemeinden (KSG) 87
7.2.3 Förderung der Breitbandversorgung 88
7.2.4 Sonstige Förderprogramme und Stiftungen 88
7.3 Organisationsstrukturen / Aufgaben 88
7.4 Kommunikation 89
7.5 Qualitätsmanagement und Monitoring 89
Anhang A: Relevante Aussagen aus planerischen Vorgaben und übergeordnete
Entwicklungskonzepten 90
A.1 Landes- /Regionalplanung 90
A.1.1 Landesentwicklungsplan 90
A.1.2 Regionalplan 90
A.2 Kreisentwicklung 92
A.2.1 Zukunftskonzept 2020 - Kreis Soest 92
A.2.2 Landschaftspläne 93
A.2.3 Nahverkehrsplan 96
A.3 Stadtentwicklung / Stadtplanung Lippstadt 97
A.3.1 Leitbild Lippstadt „Licht - Wasser - Leben“ 97
A.3.2 Leitbild Lippstadt / Agenda 21 98
A.3.3 Flächennutzungsplan (FNP) Lippstadt 98
A.3.4 Dorfentwicklungskonzepte 98
A.4 Gemeindeentwicklung Lippetal 99
A.5 Einzelhandelsentwicklung 99
A.5.1 IHK 99
A.5.2 Einzelhandelskonzept Lippstadt 100
A.5.3 Handlungsempfehlungen Lippetal 101
A.6 Erneuerbare Energien / Klimaschutz 101
A.6.1 Machbarkeitsstudie Regierungsbezirk Arnsberg 101
A.6.2 Sachlicher Teilabschnitt „Energie“ zum Regionalplan 102
A.6.3 Klimaschutzkonzept des Kreises Soest 102
A.7 Tourismusentwicklung 106
A.7.1 Tourismusstrategie für den Kreis Soest 106
A.7.2 „Touristisches Strategiepapier" 107
Anhang B: Information und Beteiligung der Bürger 109
Anhang C: Quellen / Literatur 127
MSP ImpulsProjekt 2013 3ILEK Lippstadt und Lippetal
ABBILDUNGS- UND T ABELLENVERZEICHNIS
Abb. 1: Probleme und Herausforderungen 6
Abb. 2: Übersichtskarte 6
Abb. 3: Auftaktveranstaltung 7
Abb. 4: Titel eines Zeitungsartikels zum Auftakt 7
Abb. 5: Themenwerkstatt „Neue Strategien für Lippetal - gemeinsam stark und gut versorgt“ 9
Abb. 6: Lage und Erreichbarkeit der ILEK-Region 14
Abb. 7: Straßenverkehrsnetz 15
Abb. 8: Radnetz 16
Abb. 9: Bevölkerungsverteilung 18
Abb. 10: Lipperenaturierung 27
Abb. 11: Tierarten in der Lippeaue 28
Abb. 12: Naturerlebnis Auenland 29
Abb. 13: Lippeaue 29
Abb. 14: Stationen am Radweg Auenland 30
Abb. 15: UZVR 31
Abb. 16: Alleen in NRW (Ausschnitt) 31
Tab. 1: Themenwerkstätten 8
Tab. 2: Projekttische 9
Tab. 3: Ortsteile in Lippetal 12
Tab. 4: Ortsteile in Lippstadt 12
Tab. 5: Fläche am 31.12.2010 nach Nutzungsarten 17
Tab. 6: Bevölkerungs- sowie Siedlungs- und Verkehrsdichte am 31.12.2010 17
Tab. 7: Bevölkerungsstand 31.12.1980 – 31.12.2010 18
Tab. 8: Wanderungen 19
Tab. 9: Bevölkerungsstruktur am 31.12.2010 nach Altersgruppen 19
Tab. 10: Gemeindemodellrechnung 1.1.2008 – 1.1.2030 nach Altersgruppen 20
Tab. 11: Bevölkerung unter 18 / über 60 20
Tab. 12: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort am 30.6.2010 21
Tab. 13: Betriebe, Beschäftigte und Umsatz des Verarbeitenden Gewerbes sowie
des Bergbaus und der Gewinnung von Steinen und Erden 2010 21
Tab. 14: Verfügbares Einkommen der privaten Haushalte 2009 22
Tab. 15: Arbeitslosigkeit April 2012 22
Tab. 16: Gewerbegebiete in Lippstadt 23
Tab. 17: Einzelhandel in Lippstadt 24
Tab. 18: Kulturlandschaften 26
Tab. 19: Touristisches Angebot 34
Tab. 20: Übernachtungsstatistik (gewerbliche Betriebe) 36
Tab. 21: Allgemeinbildende Schulen am 15.10.2009 37
Tab. 22: Wohnungen für Senioren 38
Tab. 23: Pflegeangebote 38
Tab. 24: Hausärztliche Versorgung 39
Tab. 25: Sportanlagen Lippetal 39
Tab. 26: Breitbandverfügbarkeit 40
Tab. 27: Übersicht relevanter Pläne und Konzepte 41
Tab. 28: Stärken und Schwächen im Bereich Landschaft / Natur 42
Tab. 29: Stärken und Schwächen im Bereich Tourismus 42
Tab. 30: Stärken und Schwächen im Bereich Siedlungs-/Dorfentwicklung und Landwirtschaft 43
Tab. 31: Stärken und Schwächen in den Bereichen Versorgung / Infrastruktur 44
Tab. 32: Stärken und Schwächen im Bereich Verkehr 44
Tab. 33: Stärken und Schwächen im Bereich Wirtschaft und Arbeit 45
Tab. 34: Stärken und Schwächen im Bereich Regenerative Energien 45
MSP ImpulsProjekt 2013 4ILEK Lippstadt und Lippetal Vorwort Kurzes Vorwort der Bürgermeister (mit Bild) MSP ImpulsProjekt 2013 5
ILEK Lippstadt und Lippetal
1 Zielsetzung und Verlauf der Konzepterstellung
1.1 Aufgabenstellung
Die ländlichen Regionen in Deutschland haben sich vielfältigen Problemen und Herausforderungen
zu stellen. Ein Weg zur Lösung dieser Zukunftsaufgaben ist die Zusammenarbeit mit Nachbarkom-
munen und Bildung von Netzwerken.
Ein integriertes ländliches Entwicklungs-
konzept (ILEK) übernimmt in diesem
Zusammenhang die Funktion, ein ge-
meinsames Leitbild als langfristiges Ziel
einer Region zu definieren und - daraus
abgeleitet - regionalspezifische Ziele,
Handlungsfelder und Leitprojekte zu
benennen. Es dient damit dazu, regio-
nalinterne Kräfte zu aktivieren und Hand-
lungen regionaler Akteure zu vernetzen.
Im Laufe des Jahres 2012 wurden unter
breiter Beteiligung der Öffentlichkeit
Leitlinien für die Entwicklung der ILEK-
Region Lippstadt/Lippetal aufgestellt und
Abbildung 1: Probleme und Herausforderungen;
konkrete Maßnahmen identifiziert. Graphik: MSP ImpulsProjekt
Die ILEK-Region fasst das Gemeinde-
gebiet von Lippetal mit den außerhalb der Kernstadt gelegenen Ortsteilen von Lippstadt zusammen.
Die Region umfasst insgesamt 28 Ortsteile.
Abbildung 2: Übersichtskarte; Graphik: MSP ImpulsProjekt
Das ILEK bildet die Voraussetzung für die Förderung von Maßnahmen im Rahmen der Dorfentwick-
lung. Die geltenden Förderrichtlinien sehen folgende Förderungen vor:
• Förderung von Dorferneuerungsmaßnahmen: z. B. Dorfentwicklungsplanung, dorfgerechte Ge-
staltung von Straßen und Plätzen, Erhalt ländlicher Bausubstanz mit Ortsbild prägendem Charak-
ter, Umnutzung bestehender Bausubstanz, Beseitigung abgängiger Bausubstanz,
• Förderung des Fremdenverkehrs (Infrastruktureinrichtungen),
• Förderung von Dienstleistungseinrichtungen für die Grundversorgung (z. B. Dorfgemeinschafts-
einrichtungen) für die ländliche Wirtschaft und Bevölkerung,
MSP ImpulsProjekt 2013 6ILEK Lippstadt und Lippetal
• Förderung von Investitionen sowie deren Vorbereitung und Begleitung in Infrastrukturmaßnah-
men zur dezentralen Versorgung mit Erneuerbaren Energien (Nahwärme oder Biogasleitungen),
• Förderung der Breitbandversorgung im ländlichen Raum.
Aufgrund der Siedlungsstruktur / Siedlungsgröße wird für die Ortsteile Lippborg, Oestinghausen,
Herzfeld / Hovestadt, Bad Waldliesborn, Cappel, Lipperode, Esbeck und Lipperbruch ein gesonder-
ter Maßnahmenkatalog erstellt. Identifiziert und beschrieben werden hier Maßnahmen, die über das
Förderprogramm KSG (KSG = Kleinere Städte und Gemeinden) gefördert werden können, so. z. B.
Projekte
• zur Bewältigung der Folgen des demographischen Wandels,
• zur kooperativen Verantwortungswahrnehmung,
• zur Anpassung der Infrastruktur auf Grund zurückgehender Bevölkerung,
• zur Bildung/Unterstützung von Netzwerken zur Sicherung der Daseinsvorsorge.
1.2 Methodik
1.2.1 Phase 1: Analysen des Ist-Zustands / Auftaktveranstaltung
Zur Vorbereitung und Untermauerung der Konzeptentwicklung hat MSP ImpulsProjekt zunächst
umfassende Analysen des Ist-Zustands durchgeführt. Die Ergebnisse aller Analysen wurden in ei-
nem Regionalprofil aufgearbeitet. Auf Basis dieser Bestandsaufnahmen erfolgte eine nach Themen
(möglichen Entwicklungsfeldern) strukturierte Aufbereitung der Stärken, Schwächen, Chan-
cen/Entwicklungspotenziale und Risiken/Entwicklungshemmnisse.
Im Rahmen einer öffentlichen Auftaktveranstal-
tung in Lippstadt-Eickelborn wurden am
19.6.2012 Schlüsselakteure und die interessierte
Bevölkerung aktiv in die ILEK-Erarbeitung einge-
bunden. Die Veranstaltung in der Schützenhalle
war mit ca. 120 Teilnehmern gut besucht, wobei
die Anteile der beiden Kommunen in etwa gleich
hoch waren.
Inhaltliche Schwerpunkte der Veranstaltung wa-
ren:
• Detaillierte Information der Teilnehmer über
Zielsetzung und Ablauf der Erarbeitung des
Abbildung 3: Auftaktveranstaltung
ILEK-Prozesses;
• Abfrage von Hinweisen bzw. Einschätzungen zu Problemen/Defiziten sowie Wünschen/Anre-
gungen und Ansatzpunkten zur Zusammenarbeit;
• Vorstellung zentraler Ergebnisse der Ist-Analyse, Stärken und Schwächen;
• Diskussion von Ansätzen für Leitbilder und Entwicklungsziele;
• Vorstellung der geplanten Themenwerkstätten.
Die Veranstaltung war keine reine Informations-
veranstaltung; vielmehr wurde den Teilnehmern
bereits in dieser frühen Projektphase Gelegen-
heit gegeben, Problemfelder und Themen konk-
ret anzusprechen. Zugleich ermöglichte diese
Vorgehensweise, dass mit einem größeren Abbildung 4: Titel eines Zeitungsartikels zum Auftakt
Vorwissen in die nachfolgenden Themenwerk-
stätten gegangen werden konnte.
MSP ImpulsProjekt 2013 7ILEK Lippstadt und Lippetal
Aus den Analysen, der Auftaktveranstaltung sowie der Diskussion in der Lenkungsgruppe kristalli-
sierten sich folgende Themenschwerpunkte und damit Handlungsfelder heraus:
• „Tourismus und Naherholung“
• „Kultur“
• „Dorfentwicklung und Landwirtschaft“
• „Mobilität/ÖPNV“
• „Versorgung / Infrastruktur“
• „Wirtschaft / Arbeit“.
Eine Resonanz auf das Thema „Regenerative Energien“ war in der Auftaktveranstaltung nicht gege-
ben.
Nach einer Diskussion der Themen und Ansatzpunkte in der Lenkungsgruppe (28.6.2012) wurden
die inhaltlichen Schwerpunkte und Termine für die Themenwerkstätten festgelegt.
1.2.2 Phase 2: Themenwerkstätten
Von Ende August bis Mitte September 2012 fanden unter reger Beteiligung der Bevölkerung (insge-
samt rund 220 Teilnehmer) insgesamt sechs Themenwerkstätten statt:
Tabelle 1: Themenwerkstätten
Übersicht Themenwerkstätten
Datum Ort Themenwerkstatt Ortsteile
27.8. Hovestadt, „Lippe und Lippeaue - Potenziale für Na- Sämtliche Ortsteile beider
Haus Biele turerlebnis und Tourismus“ Kommunen in Lippenähe und
an der Ahse
29.8. Hörste, „Gewachsene und lebendige Gemeinschaft - Rebbeke, Garfeln, Hörste,
Heimatstube Dorfentwicklung und Zukunftsprojekte im Rixbeck, Dedinghausen, Bö-
Osten der ILEK-Region“ kenförde
5.9. Schoneberg, „Klein aber lebendig - Dorfentwicklung und Heintrop, Hultrop, Wiltrop,
Bürgerhaus Zukunftsprojekte im Westen der ILEK- Brockhausen, Nordwald, Scho-
Region“ neberg
6.9. Benninghausen, „Lange Geschichte und gute Perspektiven - Eickelborn, Lohe, Benninghau-
Pater-Flanagan- Dorfentwicklung und Zukunftsprojekte in der sen, Hellinghausen, Herringha-
Haus Mitte der ILEK-Region“ usen, Overhagen
17.9. Hovestadt, „Neue Strategien für Lippetal - gemeinsam Lippborg, Oestinghausen und
Albertussaal stark und gut versorgt“ Herzfeld / Hovestadt
18.9. Lipperbruch, „Nördliches Lippstadt - wandelbar und zu- Cappel, Bad Waldliesborn,
Pfarrzentrum kunftsfähig“ Lipperbruch, Lipperode, Esbeck
„Maria Frieden“
Bei der Festlegung der Themen sowie räumlichen Differenzierung wurden die großen Distanzen
(von bis zu 40 km) innerhalb der ILEK-Region in die Betrachtung einbezogen. In allen Ankündigun-
gen der Veranstaltungen wurde darauf hingewiesen, dass die Werkstätten, trotz Benennung einzel-
ner Ortsteile, immer auch für Einwohner aus anderen Teilen der ILEK-Region offen stehen.
Die erste Werkstatt zielte auf die übergreifende Entwicklung touristischer Angebote, ausgehend von
der Entwicklungsachse Lippe/Lippeaue ab. Die drei folgenden Werkstätten befassten sich mit den
Problemen und Chancen in den kleineren Ortsteilen; die letzten beiden vorrangig mit Fragen der
Versorgung und Infrastruktur in den größeren Ortsteilen.
MSP ImpulsProjekt 2013 8ILEK Lippstadt und Lippetal
Als Ergebnis der Themenwerkstätten lagen
zu allen o. g. Handlungsfeldern Hinweise
und Diskussionsbeiträge vor, die in der
Formulierung von Leitbildern, Entwicklungs-
zielen und Entwicklungsstrategien zusam-
mengeführt wurden.
Darüber hinaus konnte eine Vielzahl an
Projektansätzen festgehalten werden, die
allerdings weiter auszuformulieren waren.
Dieser Schritt wurde in den nachfolgenden
„Projekttischen“ vollzogen.
Abbildung 5: Themenwerkstatt „Neue Strategien für Lippetal -
gemeinsam stark und gut versorgt“
1.2.3 Phase 3: Projekttische
Ziel der “Projekttische”, die im September und Oktober 2012 stattfanden, war es, gezielt auf die
schrittweise Qualifizierung ausgewählter Projektideen hinzuarbeiten und ggf. erste vorbereitende
Schritte in Richtung Umsetzung zu unternehmen. Von ursprünglich zwölf vorgesehenen Projektti-
schen verblieben am Ende zehn, in denen intensiv gearbeitet und diskutiert wurde.
Tabelle 2: Projekttische
Übersicht der Projekttische
Nr. Projekttisch Handlungsfelder
1 "Kanu und Naturschutz" Tourismus /
2 "Radrouten, Beschilderung/Besucherlenkung" Naturerlebnis
3 "Buchbare Angebote / Mehrtagestourismus"
4 "Das Dorf als lebens- und liebenswerter Ort" Dorfentwicklung / Versorgung /
5 "Die Dorfgemeinschaft übernimmt Initiative" Demographischer Wandel
„Erhalt und Weiterentwicklung der Dorfgemeinschaftseinrichtun- Dorfentwicklung / Versorgung /
6 gen“ Demographischer Wandel
7 „Mobil ohne Linienbus“ Mobilität / ÖPNV
„Wohnen im Alter - Kooperation mit dem LWL“ Dorfentwicklung / Versorgung /
8
dieser Projekttisch kam nicht zustande Demographischer Wandel
„Kernbereiche der großen Ortsteile: Kaufkraft halten, Sicherstel- „Versorgung / Infrastruktur“
9
lung der Nahversorgung, Leerstand abbauen“
10 „Einrichtungen / Angebote für Jugendliche“ „Versorgung / Infrastruktur“
11 „Gemeinsame Kulturangebote / Gemeinsame Identität“ Kultur / Tourismus
„Einrichtung von Seniorentreffpunkten“ („Bürgerquartieren“) Demographischer Wandel
12
wurde in Projekttisch 5 integriert
1.2.4 Phase 4: Ausarbeitung und Präsentation der Entwicklungsstrategie
Nach Auswertung der Ergebnisse aus den Projekttischen wurde eine zusammenfassende Darstel-
lung aller Ergebnisse aus den Themenwerkstätten und Projekttischen erarbeitet. Zu jedem Hand-
lungsfeld wurden Leitbilder, Ziele und Strategien formuliert. Mit insgesamt 34 Projektskizzen zu den
strategisch wichtigen Entwicklungsansätzen der Region wird ein Handlungskonzept für die kom-
menden Jahre bereitgestellt. Zugleich erfolgte die Festlegung vorrangig zu realisierender „Leitpro-
jekte“.
MSP ImpulsProjekt 2013 9ILEK Lippstadt und Lippetal Der Ablauf der Ausarbeitung und Präsentation stellte sich wie folgt dar: • Erarbeitung von Gesamtübersichten der Projektideen = Handlungskonzepte (November 2012) • Informationsveranstaltung in Hovestadt (20.11.2012) • Textdarstellung des Konzeptes (November/Dezember 2012) • Beratung in den politischen Gremien (Dezember 2012 / März 2013). 1.2.5 Begleitende Öffentlichkeitsarbeit Während des gesamten Erarbeitungsprozesses wurde die Bevölkerung über Termine und Ergebnis- se informiert. Auf der einen Seite berichtete die örtliche Presse in regelmäßigen Abständen; auf der anderen Seite wurden - jeweils aktuell - Dokumente (Terminankündigungen, Ausarbeitungen, Proto- kolle) auf den Internetseiten der beiden Kommunen bereitgestellt. Damit wurde die Grundlage für eine breit angelegte Beteiligung relevanter Akteure sowie der Bevöl- kerung gelegt. Eine größere Auswahl an Presseartikeln sowie die zur Auftaktveranstaltung ver- schickte schriftliche Einladung befinden sich in Anhang B dieses Berichtes. MSP ImpulsProjekt 2013 10
ILEK Lippstadt und Lippetal
2 Beschreibung der ILEK-Region
2.1 Grundlegende Strukturen
Die aus den beiden Kommunen Lippstadt und Lippetal bestehende ILEK-Region im Norden des
Kreises Soest ist als historisch gewachsene Kulturlandschaft zu sehen, die zum Teil sehr unter-
schiedliche Strukturen aufweist. So trennt die Lippe zwei große Landschaftsräume: das Kernmüns-
terland im Norden und die Soester Börde im Süden. Die kommunale Neugliederung hat in Lippstadt
und Lippetal ehemals selbständige Ortschaften und Dörfer zusammengeführt, die sowohl land-
schaftlich als auch administrativ verschiedenen Bereichen angehörten; und dennoch gibt es ein die
Gesamtregion verbindendes Element: die Lippe und die Lippeaue.
Die Gemeinde Lippetal wurde im Zuge der kommunalen Neugliederung aus elf ehemals selbst-
ständigen Dörfern gebildet. Die von Ost nach West durch die Gemeinde fließende Lippe teilt das
Gemeindegebiet landschaftlich in zwei Bereiche: Im Süden zeigen sich mit fruchtbaren Ackerflächen
und gewachsenen Dörfern die typischen Merkmale der Soester Börde, im Norden dominieren Streu-
siedlungen und weite münsterländische Parklandschaft mit altem Baum- und Waldbestand. Die
Gemeinde ist insgesamt ländlich geprägt, die Landwirtschaft ist noch immer eine wichtige Erwerbs-
quelle.
Der höchste Punkt der Gemeinde liegt mit 112 m in den „Beckumer Bergen“; der niedrigste Punkt
mit 62 m an der Gemeindegrenze bei Uentrop. Diese flache Landschaft eignet sich für Radtouren,
z. B. entlang der Lippe auf der Römerroute oder aber der 100-Schlösser-Route. Die Gemeinde hat
sechs eigene Rundtouren zu verschiedenen Themen ausgewiesen. Auf der Lippe werden Kanutou-
ren angeboten.
Das Stadtgebiet Lippstadts, der „wasserreichsten Stadt Westfalens“, wird ebenfalls von Ost nach
West von der Lippe durchflossen. Zuflüsse der Lippe sind die Glenne und der Boker Kanal, von
Süden die Gieseler, die Weihe und der Störmeder Bach1.
Lippstadt entstand im 12. Jahrhundert als erste planmäßig gegründete Stadt Westfalens und war im
Mittelalter eine überregional bedeutende Handelsstadt, die der Hanse angehörte. Bereits 1850 er-
hielt die Stadt mit der Eröffnung der Strecke von Hamm nach Paderborn Anschluss an das Eisen-
bahnnetz. Lippstadt wurde im Zweiten Weltkrieg kaum zerstört und nahm nach Kriegsende zahlrei-
che Flüchtlinge und Vertriebene auf.
Die heutige Stadt Lippstadt entstand 1975 als ein neues, alte Kreisgrenzen überschreitendes Gebil-
de. Die Ortsteile sind nahezu sämtlich historisch gewachsene Dörfer mit teilweise bis zu
1000jähriger Geschichte.
Lippstadt ist ein bedeutender Industriestandort mit einer Reihe bekannter Unternehmen, wie zum
Beispiel Hella KGaA Hueck & Co oder Thyssen-Krupp-Werk „Rothe Erde“.
Seit 2009 ist Lippstadt Hochschulstandort (Hamm - Lippstadt). Angeboten werden die Studiengänge
Mechatronik, Wirtschaftsingenieurwesen sowie Computervisualistik und Design.
Sehenswürdigkeiten, Kunst- und Kulturangebote sowie Veranstaltungen konzentrieren sich in star-
kem Maße auf die Kernstadt. Die Ortsteile verfügen dennoch über ein reges Vereinsleben und viel-
fältige lokale Veranstaltungen.
1
Vgl. Regionen in Nordrhein-Westfalen; Band 2: Münsterland und Hellweg. Münster 2011, S. 178.
MSP ImpulsProjekt 2013 11ILEK Lippstadt und Lippetal
2.2 Kurzinformationen zu den Ortsteilen
Die Informationen sind nicht für sämtliche Ortsteile in gleichem Umfang verfügbar. Sie werden zur
besseren Übersicht alphabetisch geordnet in Tabellenform aufgearbeitet.
Tabelle 3: Ortsteile in Lippetal
Ortsteile in Lippetal
Brock- Dorfgemeinschaft mit 333 Einwohnern (31.3.2012), jedoch fast 660 ha Fläche. Brockhausen
hausen wird durch die Rosenau, die Ahse und viele Teiche geprägt. Trotz der geringen Größe gibt es
aktive Vereine: Schützenverein Brockhausen 1933 e.V., Freiwillige Feuerwehr, Kindergarten-
verein und Jagdvereinigung.
Heintrop Der Ortsteil besteht aus dem kleinen Dorf Heintrop und der Bauerschaft Büninghausen. 375
Einwohner (31.3.2012). Als Besonderheiten sind anzusprechen: Sändkers Windmühle (ein
sogenannter „Erd-Holländer“) und der Museumsbahnhof Heintrop.
Herzfeld Herzfeld ist das größte Dorf der Gemeinde Lippetal; 3.220 Einwohner (31.3.2012). Der ältes-
te Wallfahrtsort Westfalens wird in seiner Geschichte wesentlich durch die hl. Ida geprägt, die
hier um 800 eine der ersten Steinkirchen östlich des Rheins errichtete.
Hovestadt Das Ortsbild von Hovestadt wird weitgehend vom Renaissanceschloss Hovestadt mit seinem
Barockgarten bestimmt. Das Schloss und die Vorburg sind von einem Gräftensystem mit
eingelagertem Teich umschlossen.
Einwohnerzahl: 1.174 (31.3.2012)
Hultrop Kleiner Ortsteil mit 480 Einwohnern (31.3.2012); bekannt durch die Feinbrennerei W. Nort-
hoff.
Krewinkel- Einwohnerzahl: 125 (31.3.2012)
Wiltrop
Lippborg Lippborg wurde erstmals im Jahre 1189 urkundlich erwähnt. Das Wasserschloss Haus Assen
wurde 1564 im Stil der Lipperenaissance neben einer mittelalterlichen Burg errichtet.
Einwohnerzahl: 3.041 (31.3.2012)
Niederbauer Kleiner Ortsteil zwischen Herzfeld und Lippborg; Einwohnerzahl: 308 (31.3.2012)
Nordwald Nordwald liegt unmittelbar südlich von Hovestadt. Zwischen den beiden Dörfern liegen ein
Sportplatz, ein Kindergarten und ein neu erbautes Altenheim mit Betreutem Wohnen.
Einwohnerzahl: 491 (31.3.2012)
Oesting- Oestinghausen hat sich nach dem zweiten Weltkrieg vom kleinen Haufendorf zu einem gro-
hausen ßen Wohndorf entwickelt. Als ursprüngliches Altdorf ist nur ein kleiner Bereich im Umfeld der
Stephanuskirche anzusprechen.
Auf dem Kirchplatz befindet sich das Heimathaus, das ehemals Chur-Kölnisches Amtshaus
(von 1596) war.
Einwohnerzahl: 1.936 (31.3.2012)
Schoneberg Östlichster Gemeindeteil; damit angrenzend an Lippstadt.
Einwohnerzahl: 587 (31.3.2012)
Tabelle 4: Ortsteile in Lippstadt
Ortsteile in Lippstadt
Bad Wald- Mineralheilbad (Sole) in abwechslungsreicher Landschaft: auch „Lippstadts schönste Toch-
liesborn ter“ genannt.
Einwohnerzahl: 4.830 (31.12.2011)
Benning- Der Ortskern wird geprägt durch das ehemalige Zisterzienserinnenkloster (gegründet 1240)
hausen und die romanische Dorfkirche St. Martinus.
Neben dem Dorfkern entwickelte sich seit Beginn der 1950er Jahre eine Siedlung, die sich
deutlich vom alten Kern abgesetzt hat.
Einwohnerzahl: 1.900 (31.12.2011)
Bökenförde Östlich des Dorfkerns befindet sich das Schloß Schwarzenraben (Barockes Wasserschloß).
Einwohnerzahl: 1.582 (31.12.2011)
MSP ImpulsProjekt 2013 12ILEK Lippstadt und Lippetal
Cappel Der Stadtteil ist räumlich kaum von der Kernstadt zu trennen. Das Altdorf liegt im näheren
Umfeld zum Stift Cappel.
Einwohnerzahl: 4.648 (31.12.2011)
Deding- Der landwirtschaftlich geprägte Ortsteil liegt an der Bahnlinie Dortmund bzw. Münster über
hausen Paderborn nach Warburg und verfügt über einen eigenen Bahnhof. Einwohnerzahl: 1.850
(31.12.2011)
Eickelborn Die Entwicklung des Ortsteils ist eng mit dem Landeskrankenhaus verbunden. Einwohner-
zahl: 2.186 (31.12.2011)
Esbeck Wohnort mit guter Infrastruktur nahe der Kernstadt. Dorfmittelpunkt ist ein gemauerter
Brunnen direkt vor Schnieders Hof.
Einwohnerzahl: 2.270 (31.12.2011)
Garfeln Garfeln ist ein räumlich dreigeteilter Ort, der sich in Neu-Garfeln, Mittel-Garfeln und Alt-
Garfeln aufgliedert. Alt-Garfeln ist stark landwirtschaftlich geprägt und hat sich seinen dörf-
lichen Charakter weitgehend bewahrt. Neu-Garfeln ist dagegen ein reines Wohngebiet.
Einwohnerzahl: 649 (31.12.2011)
Helling- Hellinghausen ist ein Straßendorf in Ost-West-Ausrichtung, das von Ein- und Mehrfamilien-
hausen häusern geprägt wird. Den alten Ortskern bildet die Kirche auf der Gottesinsel. Vom
Schloss Hellinghausen ist nur noch das Torhaus vorhanden. Einwohnerzahl: 410
(31.12.2011)
Herring- Der Ort liegt zwischen dem Schloss Herringhausen und der Eisenbahnlinie Soest-Lippstadt
hausen und wird von der L636 durchschnitten.
Einwohnerzahl: 371 (31.12.2011)
Hörste Hörste zählt zu den ältesten Siedlungen im Raum der oberen Lippe (1093 erste Nennung
des Ortes). Die historische Entwicklung resultiert aus einem Straßendorf entlang der L 636
(Verbindungsachse zwischen Lippstadt und Salzkotten).
Einwohnerzahl: 1.620 (31.12.2011)
Lipperbruch Der Stadtteil entstand erst nach dem 2. Weltkrieg im Bereich des ehemaligen Fliegerhors-
tes, zu einem großen Teil durch die Ansiedlung von Vertriebenen und Flüchtlingen.
Der Stadtteil wurde dann bis 2007 von der Lipperland-Kaserne geprägt. Weiterhin wichtige
Elemente des Ortsteils sind die Marienschule und der Margaretensee, der für Urlauber,
Wassersportler und Angler attraktiv ist. Einwohnerzahl: 2.385 (31.12.2011)
Lipperode Wohnstandort in Lippstadt mit kurzer Verbindung zur Innenstadt aber auch den schnellen
Anbindungen zu den Gewerbegebieten und großen Einkaufszentren. Eine Besonderheit
bildet die Burgruine Lipperode, eine ehemalige lippische Wasserburg am Lippeübergang.
Einwohnerzahl: 4.167 (31.12.2011)
Lohe Haufendorf mit ländlich geprägtem Ortsbild; kleinster Ortsteil Lippstadts.
Die erstmalige urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahre 1313 mit dem Bau einer Kapelle
„Petrus und Paulus“, die heute den Dorfmittelpunkt bildet. Einwohnerzahl: 214 (31.12.2011)
Overhagen Bis zum 2. Weltkrieg war Overhagen weitgehend ein Haufendorf, geprägt von Bauernhöfen
und kleinen Handwerksbetrieben. Durch Zuzug von Kriegsflüchtlingen verdoppelte sich die
Bevölkerung auf ca. 1000 Einwohner.
Prägend für den Ort ist das Schloss Overhagen, welches heute ein Gymnasium beherbergt
und auf zwei Inseln steht.
Einwohnerzahl: 1.284 (31.12.2011)
Rebbeke Rebbeke ist flächenmäßig der größte Stadtteil Lippstadts und vorherr-
schend landwirtschaftlich geprägt (14 Vollerwerbs-, 12 Nebenerwerbsbetriebe). Die sich
zwischen Lippe und Boker Kanal erstreckende Gemarkung weist Streusiedlungscharakter
mit Drubbeln und Einzelhöfen auf. Die Lippeaue wird von ca. 600 Kopfweiden oder Kopf-
weidengruppen geprägt.
Einwohnerzahl: 531 (31.12.2011)
Rixbeck Rixbeck ist im Ursprung ein Haufendorf (1136 erstmals erwähnt). Der Ortsteil grenzt östlich
an Lippstadt und wird durch die B 55 sowie die Bahnlinie von Dortmund bzw. Münster über
Paderborn nach Warburg geteilt. Der alte Dorfkern gruppiert sich um die Kirche und ist
noch überwiegend landwirtschaftlich geprägt.
Einwohnerzahl: 1.127 (31.12.2011)
MSP ImpulsProjekt 2013 13ILEK Lippstadt und Lippetal
3 Strukturen und Besonderheiten der ILEK-Region
3.1 Lage und verkehrliche Erschließung der Region
Die Stadt Lippstadt und die Gemeinde Lippetal liegen im Norden des Kreises Soest, der dem Regie-
rungsbezirk Arnsberg angehört.
Im Westen grenzt die ILEK-Region an die Stadt Hamm und die Gemeinde Welver (Kreis Soest), im
Norden an die Kreise Warendorf (Ahlen, Beckum, Wadersloh) und Gütersloh (Langenberg, Riet-
berg), im Osten an den Kreis Paderborn (Delbrück, Salzkotten) und die Stadt Geseke (Kreis Soest)
sowie im Süden an Soest, Bad Sassendorf und Erwitte. Diese hohe Zahl an Nachbarn resultiert aus
der West-Ost-Erstreckung von mehr als 40 km.
3.1.1 Verkehrsanbindung
Die Region ist vom mittleren Ruhrgebiet (Bochum, Witten), dem Raum Hagen/Iserlohn, Münster,
Warendorf, Bielefeld sowie Warburg, Bad Arolsen und Willingen in ca. einer Stunde per Pkw zu
erreichen (vgl. Karte).
Abbildung 6: Lage
und Erreichbarkeit
der ILEK-Region;
Graphik: MSP
ImpulsProjekt
Die ILEK-Region verfügt über Anbindungen an die Bundesautobahn A2 (Dortmund - Hannover)
sowie die südlich verlaufende A44 von Dortmund nach Kassel. Die jeweiligen Anschlussstellen der
A2 sind „Hamm-Uentrop“2 im westlichen Teil (Lippetal) und „Wiedenbrück“ aus Richtung Lippstadt.
Die Bundesstraße B 475 durchquert Lippetal von Nord (Beckum) nach Süd (Soest) und stellt die
Verbindung zur nächstgelegenen Anschlussstelle der A44 „Soest-Ost“ her. In Lippstadt wird die
Verbindung zur A44 („Erwitte-Anröchte“) und zur A2 über die B55 gewährleistet.
2
Die Anschlussstelle liegt auf dem Gemeindegebiet von Lippetal.
MSP ImpulsProjekt 2013 14ILEK Lippstadt und Lippetal
Die nachstehende Karte zeigt das Straßenverkehrsnetz in der ILEK-Region.
Abbildung 7: Straßenverkehrsnetz; Quelle: Regionalplan für den Regierungsbezirk Arnsberg, Teilabschnitt Kreis Soest und
Hochsauerlandkreis
Während Lippetal über keinen Bahnanschluss verfügt, bildet Lippstadt einen bedeutenden Halte-
punkt an der West-Ost-Verbindung vom Ruhrgebiet über Kassel nach Thüringen und Sachsen (DB-
Schnellstrecke). Lippstadt ist zudem ICE-Station (IC/ICE-Linie 50) mit täglichen Verbindungen nach
Dresden und München.
Im Zweistundentakt verkehren die Nahverkehrszüge der Linie RE 1 von Paderborn nach Düsseldorf;
alle 30 Minuten fährt die RB 89 (Münster–)Hamm–Paderborn–Warburg.
Der nächste Flughafen Paderborn-Lippstadt ist nur ca. 20 km vom Stadtkern Lippstadts entfernt. Es
bestehen u.a. Direktflugverbindungen nach München, Nürnberg und London.
3.1.2 ÖPNV
Innerregional erfolgt die Erschließung bzw. Verbindung vorrangig über Buslinien3 des Regionalver-
kehrs Ruhr-Lippe:
• in Lippetal: Die Regionalbuslinie R 36 verbindet Soest mit Herzfeld, die Linie 335 fährt von Beck-
um aus ringförmig durch Lippetal. Den Anschluss von Herzfeld nach Lippstadt (T 66) und Lipp-
borg nach Soest (T 31) stellen Taxibuslinien her.
• in Lippstadt: Das Stadtbusnetz umfasst fünf Linien im 30-Minuten-Takt. Regionalbuslinien beste-
hen nach Beckum (R 73), Rheda-Wiedenbrück (R 12), Geseke (R 63/64), Rüthen (R 62), Erwitte
(R 61) und Eickelborn (R 66). Die Schnellbuslinie S 60 verbindet Lippstadt mit Belecke und War-
stein.
Perspektivisch soll die Nahverkehrssituation im gesamten Kreis Soest weiter verbessert werden.
Hierzu hat die Ingenieurgruppe IVV kürzlich einen Nahverkehrsplan4 erarbeitet (vgl. Anhang A.2.3).
3.1.3 Radverkehr
Die ILEK-Region weist insgesamt eine fahrradfreundliche Topografie auf. Das Radwegenetz ist da-
her bereits jetzt entsprechend dicht. Dies zeigt auch ein Blick auf das existierende Radverkehrsnetz
(vgl. Kartenausschnitt).
3
Vgl. Regionen in Nordrhein-Westfalen; Band 2: Münsterland und Hellweg. Münster 2011, S. 175 und 178.
4
Ingenieurgruppe IVV GmbH & Co. KG: Nahverkehrsplan für den Kreis Soest. Januar 2012.
MSP ImpulsProjekt 2013 15ILEK Lippstadt und Lippetal
„Das Radverkehrsnetz NRW verbindet alle Städte und Gemeinden des Landes mit einer einheitlichen Wegwei-
sung für den Radverkehr. Die Zentren der Kommunen sowie die Bahnhöfe werden auf möglichst kurzen und
direkten Wegen miteinander verknüpft. Es handelt sich um ein Netz, das primär dem täglichen Bedarf dient, z.
B. für Fahrten zur Arbeit oder zum Einkauf. Zusätzlich berücksichtigt es die Belange des Freitzeitradfahrens,
indem dieses Netz um hochwertige und überregionale touristische Routen ergänzt wird.“ (Quelle:
http://www.radverkehrsnetz.nrw.de)
Abbildung 8: Radnetz; Quelle: http://www.radverkehrsnetz.nrw.de
Bereits jetzt wird für Lippstadt - bei günstigem Wetter - ein Radverkehrsanteil von bis zu 25% auf
allen Wegen in Lippstadt angenommen.
Die Stadt plant einen weiteren gezielten Ausbau des Fahrradverkehrs. So sollen Netzlücken ge-
schlossen und Unfallhäufungspunkte beseitigt werden. Hierzu wurde 2011 eine Radverkehrspla-
nung (durch das Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen) aufgestellt. Ziel ist es dabei auch, die
Rahmenbedingungen für den Radtourismus weiter zu verbessern.
3.2 Raumstruktur / Flächennutzung
Die Strukturen und Grundvoraussetzungen der beiden ILEK-Kommunen sind sehr unterschiedlich.
Während Lippstadt als „Große Mittelstadt“ (mit Kernstadt und 17 Ortsteilen) einzustufen ist, wird
5
Lippetal der Kategorie „Große Landgemeinde“ zugeordnet . Die Unterschiede werden bei einem
Vergleich der Flächennutzung besonders deutlich.
Die Siedlungs- und Verkehrsfläche hat in Lippstadt zwischen 1999 und 2010 von 2.895 ha auf 3.181
ha, d.h. um 286 ha (9,9 %) zugenommen. Diese Entwicklung ging „zu Lasten“ der Landwirtschafts-
fläche, die in ähnlicher Größenordnung abnahm (317 ha). Hingegen ist bei der Waldfläche sogar ein
Zuwachs um 39 ha festzustellen.
In Lippetal wuchs die Siedlungs- und Verkehrsfläche im gleichen Zeitraum von 1.079 ha um 96 ha
(8,8%) auf 1.175 ha; auch hier reduzierte sich die Landwirtschaftsfläche entsprechend (um 98 ha),
die Waldfläche blieb unverändert.
5
Vgl. Kommunalprofile www.it.nrw.de (Stand 31.12.2010).
MSP ImpulsProjekt 2013 16ILEK Lippstadt und Lippetal
Tabelle 5: Fläche am 31.12.2010 nach Nutzungsarten
Flächennutzung Lippstadt Lippetal Kreis NRW
Nutzungsart ha % ha % % %
Fläche insgesamt 11.360 100 12.658 100 100 100
Siedlungs- und Verkehrsfläche 3.181 28 1.175 9,3 15,0 31,8
Betriebsfläche 1.982 17,4 607 4,8 8,5 20,3
Erholungsfläche, Friedhofsfläche 410 3,6 80 0,6 1,0 3,0
Verkehrsfläche 789 6,9 488 3,9 5,5 8,5
Freifläche außerhalb der S+V 8.179 72 11.483 90,7 85,0 68,2
Landwirtschaftsfläche 7.020 61,8 9.407 74,3 62,4 44,3
Waldfläche 744 6,5 1.837 14,5 19,9 20,5
Wasserfläche 309 2,7 226 1,8 1,9 2,2
Moor, Heide, Unland 26 0,2 4 0 0,3 0,3
Abbauland 68 0,6 2 0 0,3 0,6
Flächen anderer Nutzung 12 0,1 8 0,1 0,1 0,3
Quelle: Kommunalprofile www.it.nrw.de (Stand 31.12.2010)
3.3 Bevölkerungsstruktur und Bevölkerungsentwicklung
Die Auswertung verfügbarer Statistiken zu Lippstadt und Lippetal birgt das Problem, dass die Kern-
stadt Lippstadts in den meisten Fällen nicht separiert bzw. herausgerechnet werden kann. Auf der
anderen Seite würde ein Herausrechnen auch zu einem verzerrten Bild führen, da die Kernstadt
prägend ist für die gesamte Raum- und Versorgungsstruktur innerhalb des östlichen Teils der ILEK-
Region.
So ist die Bevölkerungsdichte im Stadtgebiet Lippstadt (589,6) rund sechsmal so hoch wie im Ge-
meindegebiet von Lippetal (97,1) und liegt sogar über dem NRW-Durchschnitt. Die Siedlungs- und
Verkehrsdichte liegt in Lippstadt auch deutlich über dem Kreisdurchschnitt.
Tabelle 6: Bevölkerungs- sowie Siedlungs- und Verkehrsdichte am 31.12.2010
2
Einwohner je km Lippstadt Lippetal Kreis NRW
Bevölkerungsdichte insgesamt 589,6 97,1 229,1 523,4
6
Siedlungs- und Verkehrsdichte 2.105,6 1.046,0 1.527,3 2.551,5
Quelle: Kommunalprofile www.it.nrw.de (Stand 31.12.2010)
Die ILEK-Region (inkl. Kernstadt Lippstadt) weist zum 31.12.2010 eine Gesamtbevölkerungszahl
von 79.265 auf, wobei 66.976 auf Lippstadt und 12.289 auf Lippetal entfallen.
Die räumliche Verteilung lässt sich bei insgesamt 28 Ortsteilen (ohne Kernstadt
Lippstadt) am besten kartographisch wiedergeben (s. Abb. 9).
Es wird deutlich, dass es eine große Spannweite zwischen einem sehr dünn besiedelten Bereich in
Lippetal und dem Umfeld der Kernstadt mit insgesamt fünf Ortsteilen über 2.000 Einwohnern gibt.
Die bevölkerungsreichsten Ortsteile in Lippstadt sind Bad Waldliesborn (4.830) und Lipperode
(4.167)7.
6
Siedlungs- und Verkehrsdichte = Bevölkerungsdichte bezogen auf die besiedelte Fläche (Siedlungs- und Verkehrsfläche).
7
Die Zahlen beziehen sich jeweils auf den 31.12.2011.
MSP ImpulsProjekt 2013 17ILEK Lippstadt und Lippetal
Auf Lippetaler Seite vereinen Herzfeld (3.220) und Lippborg (3.041)8 die Hälfte aller Einwohner der
Gemeinde auf sich.
Abbildung 9: Bevölkerungsverteilung; Graphik MSP ImpulsProjekt
Tabelle 7: Bevölkerungsstand 31.12.1980 – 31.12.2010
Bevölkerung 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010
Lippstadt
gesamt 61.930 60.042 62.345 66.636 66.933 67.446 66.976
davon weiblich 32.414 31.545 32.431 34.591 34.445 34.701 34.342
9
davon Nichtdeutsche 6.752 5.715 6.188 7.308 7.088 6.928 6.447
Lippetal
gesamt 10.387 10.498 11.115 12.081 12.529 12.593 12.289
davon weiblich 5.179 5.266 5.599 6.005 6.234 6.295 6.160
davon Nichtdeutsche 325 260 387 585 586 606 627
ILEK-Region
gesamt 72.317 70.540 73.460 78.717 79.462 80.039 79.265
davon weiblich 37.593 36.811 38.030 40.596 40.679 40.996 40.502
davon Nichtdeutsche 7.077 5.975 6.575 7.893 7.674 7.534 7.074
Quelle: Kommunalprofile www.it.nrw.de (Stand 31.12.2010)
Betrachtet man die Gesamtentwicklung ab 1980, so ist festzustellen, dass es trotz Rückgang in den
letzten Jahren (bis 2010) insgesamt zu einer Erhöhung der Bevölkerungszahl um knapp 10 % ge-
kommen ist. Hier schlägt die Zuwanderungswelle aus Ostdeutschland und Ost-/Südosteuropa der
frühen 1990er Jahre durch.
Dabei ist die absolute Zahl der „Nichtdeutschen“ nach einem Rückgang in den 1980er Jahren wie-
der auf das Ursprungsniveau angestiegen. In Lippetal wird der Ausgangswert überschritten; in Lipp-
stadt unterschritten.
Der Bevölkerungsrückgang der letzten Jahre (- 774 zwischen 2005 und 2010) ist vorrangig auf einen
Sterbeüberschuss zurückzuführen. Die Wanderungsbilanz ist - bezogen auf die Gesamtregion - nur
8
Die Zahlen beziehen sich jeweils auf den 31.03.2012.
9
Die Gliederung „deutsch/nichtdeutsch“ ist durch die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts vom Juli 1999 ab dem Berichts-
jahr 2000 beeinflusst; bis einschließlich 1986 geschätzte Werte.
MSP ImpulsProjekt 2013 18ILEK Lippstadt und Lippetal
schwach negativ (-101), wobei sich die Entwicklung in Lippstadt (+ 156) und Lippetal (- 257) gegen-
läufig zeigt. In Lippstadt setzten sich die positiven Zahlen auch bis ins Jahr 2012 fort.
Tabelle 8: Wanderungen
Wanderungen 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Summe
Lippstadt
Zugezogene 2.878 2.549 2.696 2.882 2.754 2.742 16.501
Fortgezogene 2.840 2.766 2.775 2.779 2.633 2.552 16.345
Saldo + 38 - 217 - 79 + 103 + 121 + 190 + 156
Lippetal
Zugezogene 499 518 461 469 427 463 2.837
Fortgezogene 522 541 524 526 509 472 3.094
Saldo - 23 - 23 - 63 - 57 - 82 -9 - 257
ILEK-Region
Zugezogene 3.377 3.067 3.157 3.351 3.181 3.205 19.338
Fortgezogene 3.362 3.307 3.299 3.305 3.142 3.024 19.439
Saldo 15 -240 -142 46 39 181 - 101
Quelle: Kommunalprofile www.it.nrw.de (Stand 31.12.2010)
Die Entwicklung innerhalb der einzelnen Ortsteile wird nach den Vorausberechnungen sehr unter-
schiedlich verlaufen. So prognostiziert der für Lippstadt erstellte „Demografiecheck“ 10 für Rebbe-
ke/Garfeln/Hörste und Lipperbruch einen Bevölkerungsrückgang um mehr als -6%, während die
übrigen Ortsteile zum Teil deutlich geringer an Bevölkerung verlieren werden.
Entsprechend allgemeiner Tendenzen zur „Überalterung“ werden die Probleme des demographi-
schen Wandels in der ILEK-Region weiter zunehmen. Bereits aktuell liegt die Quote der über
60jährigen in Lippstadt bei 25,2 % und in Lippetal bei 23 %.
Tabelle 9: Bevölkerungsstruktur am 31.12.2010 nach Altersgruppen
Bevölkerung nach Alter Lippstadt Lippetal Kreis NRW
Anzahl % Anzahl % % %
Bevölkerung 31.12.2010 66.976 100 12.289 100 100 100
davon im Alter von ... Jahren
unter 6 3.521 5,3 621 5,1 5,1 5,0
6 bis unter 18 8.311 12,4 1.739 14,2 13,0 12,1
18 bis unter 25 5.547 8,3 1.089 8,9 8,3 8,4
25 bis unter 30 3.921 5,9 574 4,7 5,3 5,9
30 bis unter 40 8.228 12,3 1.420 11,6 11,4 11,8
40 bis unter 50 10.953 16,4 2.254 18,3 17,0 16,8
50 bis unter 60 9.605 14,3 1.771 14,4 14,4 14,1
60 bis unter 65 3.694 5,5 621 5,1 5,5 5,6
65 und mehr 13.196 19,7 2.200 17,9 19,9 20,3
Quelle: Kommunalprofile www.it.nrw.de (Stand 31.12.2010)
Bis 2030 wird es lt. Gemeindemodellrechnung - noch über den landesweiten Wert hinaus - zu einem
verstärkten Anwachsen der älteren Altersgruppen kommen.
10
Demografiecheck Lippstadt. Planersozietät, Dortmund 2010.
MSP ImpulsProjekt 2013 19ILEK Lippstadt und Lippetal
Tabelle 10: Gemeindemodellrechnung 1.1.2008 – 1.1.2030 nach Altersgruppen
Bevölkerung nach Alter Lippstadt Lippetal NRW
2020 2030 2020 2030 2020 2030
Bevölkerung 31.12.2008 (=100) 96,6 93,2 96,9 93,3 98,2 96,3
davon im Alter von ... Jahren
unter 6 92,0 85,3 86,6 80,6 95,9 91,4
6 bis unter 18 83,4 79,0 64,9 59,3 79,5 78,2
18 bis unter 25 84,1 72,1 90,4 60,6 91,0 75,4
25 bis unter 30 89,9 78,3 125,8 80,6 106,9 88,6
30 bis unter 40 85,9 78,3 80,1 89,4 94,5 93,7
40 bis unter 50 74,9 70,7 66,8 61,1 70,8 73,1
50 bis unter 60 119,1 89,6 145,1 96,9 124,1 88
60 bis unter 65 146,1 161,0 169,8 215,1 136,4 155,5
65 und mehr 111,9 135,0 112,8 150,7 109,7 131,7
Quelle: Kommunalprofile www.it.nrw.de (Stand 31.12.2010)
Betrachtet man ausschließlich die unter 18jährigen und die über 60jährigen, so ergibt sich in absolu-
ten Zahlen folgendes Bild:
Tabelle 11: Bevölkerung unter 18 / über 60
Bevölkerung nach Alter 2008 2020 2030 Veränderung
Lippstadt
unter 18jährige 12.340 10.610 9.990 - 2.350
über 60jährige 16.280 19.320 22.820 + 6.540
Lippetal
unter 18jährige 2.610 2.200 1.690 - 920
über 60jährige 2.720 3.370 4.440 + 1.720
ILEK-Region
unter 18jährige 14.950 12.810 11.680 -3.270
über 60jährige 19.000 22.690 27.260 8.260
Quelle: Kommunalprofile www.it.nrw.de (Stand 31.12.2010)
Weitere Merkmale und Effekte der demographischen Entwicklung sind11:
• In der Summe steigt die Gesamtzahl der Personen > 20 Jahre zunächst noch an, so dass es
noch zu einer Zunahme der Privathaushalte kommt. Langfristig bewirkt der Bevölkerungsrück-
gang aber auch einen Rückgang der Zahl der Haushalte.
• Die Zahl der Erwerbspersonen wird bis 2025 besonders stark zurückgehen, weil die hinzu kom-
menden Jahrgänge schwächer besetzt sind, als die aus dem Erwerbsleben scheidenden.
• Die Altersstruktur der Gruppe der Erwerbspersonen verändert sich ebenfalls. Der Anteil älterer
Erwerbspersonen steigt, während der Anteil der jüngeren sinkt.
• Lebenslanges Lernen wird zu einer wichtigen Voraussetzung für die Arbeitsmarktfähigkeit älterer
Erwerbspersonen.
11
Vgl. Regionalplan für den Regierungsbezirk Arnsberg, Teilabschnitt Dortmund - östlicher Teil (Kreis Soest und Hochsauer-
landkreis), Textteil S. 16 -18.
MSP ImpulsProjekt 2013 20ILEK Lippstadt und Lippetal
• Mit der stetigen Abnahme der Zahl junger Menschen sinkt zwar der Bedarf an Jugendeinrichtun-
gen, zugleich steigt der Bedarf an Beratungs- und Betreuungsangeboten, medizinischen Einrich-
tungen, Alten- und Pflegeheimen.
• Dünn besiedelte Räume mit Bevölkerungsrückgang sehen sich rasch einem Tragfähigkeitsprob-
lem ihrer Infrastrukturausstattung ausgesetzt.
3.4 Wirtschaftsstruktur
3.4.1 Strukturdaten
Laut Aussagen des neuen Regionalplans zählt die Hellwegbörde „zu den gesunden und wachs-
tumsstarken Wirtschaftsregionen des Landes“. Aus den Statistiken des Kommunalprofils lassen sich
einige Basisdaten zur wirtschaftlichen Struktur in der ILEK-Region ableiten. Die Zahlen beziehen
sich für Lippstadt auf die Gesamtstadt, d.h. inklusive der bezogen auf Betriebe und Arbeitsplätze
dominierenden Kernstadt.
Die zentralörtlichen Funktionen Lippstadts schlagen sich in einem im Vergleich zu Lippetal und dem
Kreisdurchschnitt deutlich höheren Anteil an sonstigen Dienstleistungen (42,3 %) nieder. Der Ge-
samtraum hebt sich ansonsten vom Landesdurchschnitt durch einen um annähernd 10 % höheren
Anteil im produzierenden Gewerbe ab (39,4%). Auch die Beschäftigtenzahl in der Land- und Forst-
wirtschaft ist im Vergleich zu NRW und dem Kreis Soest überdurchschnittlich.
Tabelle 12: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort am 30.6.2010
Beschäftigte Lippstadt Lippetal ILEK-Region Kreis NRW
Anzahl % Anzahl % Anzahl % % %
Beschäftigte insgesamt 29.682 100 1.665 100 31.347 100
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei 849 2,9 80 4,8 929 3,0 1,5 0,5
Produzierendes Gewerbe 11.831 39,9 532 32,0 12.363 39,4 39,8 29,7
Handel, Gastgewerbe, Verkehr, Lagerei 4.452 15,0 500 30,0 4.952 15,8 20,8 23,0
Sonstige Dienstleistungen 12.550 42,3 553 33,2 13.103 41,8 37,8 46,9
Quelle: Kommunalprofile www.it.nrw.de (Stand 31.12.2010)
Setzt man Arbeitsplätze und Wohnbevölkerung ins Verhältnis, so fällt auf, dass es in Lippstadt 443
und in Lippetal dagegen nur 135 Arbeitsplätze je 1.000 Einwohner gibt. In Lippetal existieren ledig-
lich zwei Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes. Hingegen verfügt Lippstadt über 32 Betriebe (14,4
% aller Betriebe im Kreisgebiet). Der Schwerpunkt in Lippstadt liegt im Bereich elektronischer Aus-
rüstungen und Maschinenbau.
Tabelle 13: Betriebe, Beschäftigte und Umsatz des Verarbeitenden Gewerbes sowie des Bergbaus
und der Gewinnung von Steinen und Erden 2010
Beschäftigte Lippstadt Lippetal Kreis Soest
Betriebe Beschäf- Betriebe Beschäf- Betriebe Beschäf-
tigte tigte tigte
Betriebe/ Beschäftigte insge- 32 9.989 2 - 222 28.774
samt (30.9.)
Herst. von Nahrungs- und Fut- 4 427 1 - 21 1.703
termitteln
Herst. von Papier, Pappe und 1 - - - 5 394
Waren daraus
Herst. von chemischen Erzeug- - - - - 4 289
nissen
MSP ImpulsProjekt 2013 21ILEK Lippstadt und Lippetal
Herst. von Gummi- und Kunst- 3 558 - - 13 1.421
stoffwaren
Herst. von Glas, -waren, Kera- 2 - - - 16 1.060
mik, Verarb. von Steinen und
Erden
Metallerzeugung/-bearbeitung - - - - 18 2.423
Herst. von Metallerzeugnissen 4 344 - - 51 4.001
Herst. von Datenverarbeitungs- - - - - 7 1.474
geräten, elektron. u. optischen
Erzeugnissen
Herst. von elektrischen Ausrüs- 6 - - - 18 6.642
tungen
Maschinenbau 6 2.690 - - 23 4.633
Herst. von Kraftwagen /-teilen - - - - 2 -
Herst. von Möbeln 2 - 1 - 9 782
Reparatur und Installation von - - - - 5 115
Maschinen und Ausrüstungen
Quelle: Kommunalprofile www.it.nrw.de (Stand 31.12.2010)
Das verfügbare Einkommen der Bevölkerung liegt in Lippstadt um 1,8% und in Lippetal um 7,2 %
unter dem Landesdurchschnitt.
Tabelle 14: Verfügbares Einkommen der privaten Haushalte 2009
Kreis
Einkommen Lippstadt Lippetal NRW
Soest
Insgesamt (Mill. EUR) 1.294 226 5.871 352.228
EUR je Einwohner 19.326 18.260 19.202 19.682
Rangziffer der Gemeinde in NRW (1 bis 396) 203 288 x x
Quelle: Kommunalprofile www.it.nrw.de (Stand 31.12.2010)
„Als verfügbares Einkommen wird das Einkommen bezeichnet, das für Konsum- und Sparzwecke zur Verfü-
gung steht. Es umfasst damit neben Erwerbseinkommen auch die erhaltenen Transferleistungen wie z. B. So-
zialleistungen und Renten. Abgezogen sind die geleisteten eigenen Transferzahlungen wie Steuern und Sozi-
alabgaben. Dieser Indikator erlaubt einen Vergleich zwischen Regionen.“ (Quelle: Basisgesundheitsbericht
2011, S. 5)
Tabelle 15: Arbeitslosigkeit April 2012
Arbeitslosigkeit April 2012 Lippstadt Lippetal ILEK-Region
Gesamtzahl 2.698 224 2.922
Arbeitslosenquote 7,6 % keine Daten keine Daten
Veränderung gegenüber Vorjahr - 136 - 28 - 164
Veränderung in % gegenüber Vorjahr - 4,8 - 11,1
Männer 1.375 120 1.495
Frauen 1.323 104 1.427
Teilzeit 419 44 463
Ausländer 491 10 501
Schwerbehinderte 190 22 212
15 bis unter 25 Jahre 220 24 244
55 Jahre und älter 511 43 554
Langzeitarbeitslose 1.137 82 1.710
Quelle: Agentur für Arbeit Soest
MSP ImpulsProjekt 2013 22ILEK Lippstadt und Lippetal
3.4.2 Gewerbliche Entwicklung / Wirtschaftsförderung
Für die zukünftige gewerbliche Entwicklung in der ILEK-Region stehen sowohl in Lippstadt als auch
in Lippetal attraktive Gewerbegebiete zur Verfügung. In Lippstadt liegt der Entwicklungsschwerpunkt
im Gewerbegebiet „Am Wasserturm“.
Tabelle 16: Gewerbegebiete in Lippstadt
Gewerbegebiete Lippstadt
Gebiet Lage Größe
„Am Wasserturm“ östlich der Bundesstraße 55 - der Berliner Straße - und ca. 170 ha; 20 ha
südlich der Landstraße 536 von Lippstadt nach Rüthen verfügbar
Am Mondschein B 55 / Paderborner Straße ca. 43,8 ha
Am Rossfeld Rossfeld, südlich der Bahnlinie; angeschlossen an die B 55 ca. 15 ha
Beckumer Straße, Nordwestliche Kernstadt, Beckumer Straße ca. 50,4 ha
Hella und Rothe Erde
Damaschkestraße östlich der B 55 südlich der Bahnlinie. ca 5 ha (vollständig
bebaut)
Erwitter Straße Östlich der Erwitter Straße ca. 26 ha
„Uniongelände“ Südöstlich der Altstadt; ehem. Gelände der Drahtseilwerke ca. 12 ha
Union
Mastholter Straße Lipperbruch, Ostlandstraße / Mastholter Straße ca. 6 ha
Seilerweg Bad Waldliesborn ca. 16 ha
Im Weizenfeld Benninghausen ca. 9 ha (vollständig
bebaut)
Rixbecker Straße, Nördlich der Rixbecker Straße ca. 32 ha
Hellawerke
Quelle: www.lippstadt.de
Im Gemeindegebiet von Lippetal wurde das Gewerbegebiet „Tannenbusch“ am Ortsausgang Herz-
feld (Richtung Oelde) erschlossen. Darüber hinaus wird die Möglichkeit gesehen, östlich der BAB 2 -
Anschlussstelle „Hamm-Uentrop“ ein weiteres Industriegebiet auszuweisen.
3.4.3 Land- und Forstwirtschaft
Die Statistiken von IT.NRW stellen keine Daten auf Gemeindeebene bereit. Im Kreis Soest bewirt-
schaften insgesamt 1.465 Betriebe eine Fläche von 74.994 ha. 83,5 % der Gesamtfläche werden
ackerbaulich genutzt, 16 % sind Dauergrünland und nur 0,5 % sind mit Dauerkulturen belegt12.
Die Zahl der Beschäftigten in der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei liegt in der ILEK-Region über
dem Kreisdurchschnitt (1,5% der Beschäftigten): In Lippstadt sind es 849 (2,9% der Beschäftigten),
in Lippetal 80 (4,8%)13.
Grundsätzlich schlägt sich auch im Kreis Soest der Strukturwandel der Landwirtschaft in zunehmen-
den Bestandsgrößen nieder. Die Zahl der Vollerwerbsbetriebe ist in den vergangenen Jahren zu-
rückgegangen.
12
Quelle: IT.NRW, Landwirtschaftszählung - Haupterhebung 2010.
13
Quelle: Kommunalprofile www.it.nrw.de (Stand 31.12.2010).
MSP ImpulsProjekt 2013 23ILEK Lippstadt und Lippetal
3.4.4 Einzelhandel
Lippstadt verfügt nach Daten der GfK mit 115,3 % über die vierthöchste Zentralitätskennziffer im
Kammerbezirk der IHK Arnsberg14 (nach Soest, Winterberg und Werl). Lippetal rangiert dagegen mit
61,5 % nur auf Platz 18 von 26 Kommunen; und deutlich unter dem regionalen Durchschnitt von
92,8%. Bezogen auf den Jahresumsatz bildet Lippstadt den stärksten Standort des gesamten
Kammerbezirks: 382 Mio. € Jahresumsatz.
Ein erstes Einzelhandelskonzept für die Stadt Lippstadt wurde 1998 erarbeitet und 2007 durch die
GMA fortgeschrieben. Die Untersuchung lieferte Aussagen über das zu erwartende Kaufkraftpoten-
zial nach Sortimenten, die anzustrebende Ausstattung mit Einzelhandelsflächen, die sinnvolle Ver-
änderung bzw. Ergänzung der Sortimente und die Standortentwicklung15.
Ein speziell die ländlichen Bereiche des Stadtgebietes betreffender Trend wird darin gesehen, dass
die Grundversorgung mit Backwaren, Fleisch- und Wurstwaren, sonstigen Lebensmitteln, Zeitschrif-
ten, Schreibwaren, Drogeriewaren, Wasch- und Putzmitteln, Blumen und Apothekenartikeln in un-
mittelbarer Nähe des Wohnortes vielerorts nicht mehr bzw. nur noch eingeschränkt möglich ist16 und
zunehmend weiter entfernte Einkaufsschwerpunkte mit dem Pkw angefahren werden müssen. Als
Folge des Rückzuges geraten dann auch konsumnahe Dienstleister (Friseure, Reinigungen, Kredit-
institute oder Post) unter Druck. Folge: Die wohnortnahe Versorgung kann immer seltener gewähr-
leistet werden.
Die Situation in den Stadtteilen Lippstadts wird im Einzelhandelskonzept wie folgt beschrieben: „In
den Stadtteilen sind funktionsfähige Nahversorgungsstrukturen mit einem Lebensmittel-SB-Markt als
Magnetbetrieb der wohnungsnahen Grundversorgung nur in den Stadtteilen Lipperbruch, Bad Wald-
liesborn, Lipperode, Esbeck und Eickelborn gegeben. Das sonstige Stadtgebiet weist eine aus-
schnittweise, überwiegend kleinteilige Versorgungsausstattung mit starker Ausrichtung auf den kurz-
fristigen Bedarf auf.“17
Die Bestandserhebung weist in den Stadtteilen insgesamt 114 Einzelhandelsbetriebe mit 12.570 m2
Verkaufsfläche und 47 Mio. € Umsatz aus. Dem gegenüber stehen 464 Betriebe, 143.910 m2 und
384 Mio. € Umsatz im Bereich der Kernstadt.
Tabelle 17: Einzelhandel in Lippstadt
Einzelhandelsausstattung in den Stadtteilen von Lippstadt
2
Stadtteil Betriebe Verkaufsfläche in m Umsatz In Mio. €
Cappel 5 320 1,8
Lipperbruch 11 860 4,4
Bad Waldliesborn 23 3.000 10,9
Lipperode 24 2.170 6,7
Rebbeke / Hörste / Garfeln 9 1.630 3,8
Esbeck / Dedinghausen / Rixbeck 18 2.570 11,5
Bökenförde 5 300 0,5
Overhagen / Hellinghausen / Herringhausen 0 0 0
Benninghausen / Eickelborn / Lohe 18 1.720 7,4
Stadtteile gesamt 114 12.570 47,0
Quelle: GMA 2007
14
IHK Arnsberg: Für attraktiven Handel und lebendige Städte - Handelspolitisches Leitbild der IHK Arnsberg. Arnsberg,
Januar 2012. S. 4.
15
GMA: Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes für die Stadt Lippstadt. Köln 2007.
16
Vgl. GMA: Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes für die Stadt Lippstadt. Köln 2007. S. 12.
17
Vgl. GMA: Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes für die Stadt Lippstadt. Köln 2007. S. 45.
MSP ImpulsProjekt 2013 24Sie können auch lesen