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Nr. 83 / Dezember 2018
Infodienst
ISSN 1612-9180
KrankenhäuserLiebe Kolleginnen & Kollegen!
Vorwort
Auch in dieser Ausgabe findet ihr wieder einen
Schwerpunkt zu Entlastung und mehr Personal. Und
zwar in Krankenhäusern und Psychiatrien sowie die
Berichte über die Aktionstage zur PsychPVplus ab
Seite 16 und das neue Volksbegehren im Bundesland
Bremen und den Stand in Bayern.
Zum einen die Verordnung über Pflegepersonal-
untergrenzen (PpUGV), die nur für vier Bereiche und
dann auch noch am Maßstab der 25% schlechtesten
Level die Bedingungen festzurrt.
Zum anderen die Tarifauseinandersetzungen mit
Psychiatrisches Krankenhaus in Rickling
Meilensteinen für Entlastung an den Unikliniken (Schleswig-Holstein): Wirklich alle Kolleg*innen aus den
Essen, Düsseldorf, Homburg und – ab 1. Januar 2019 Akutbereichen haben unterschrieben!
ist es eine Uniklinik – dem Klinikum Augsburg.
Am Klinikum Region Hannover gab es zum
Redaktionsschluss dieser Ausgabe ein Verhandlungs- Weitere Themen wie immer über aktuelle Tarifaus-
ergebnis mit der Geschäftsführung. Gegenwärtig einandersetzungen ab Seite 28 und eine ausführliche
werden noch einige rechtliche Voraussetzungen für Stellungnahme zum Werden und Wirken des am
die vollständige korrekte Umsetzung geklärt. Wir 21.9.2018 vom Bundestag beschlossenen neuen
berichten in der nächsten Ausgabe darüber. Pflegeberufegesetzes.
Als echtes Highlight zum Thema Entlastung dann Viel Vergnügen beim Lesen und ruhige Feiertage
der Deutsche Betriebsrätepreis in Gold für den Be- sowie ein erfolgreiches und gesundes neues Jahr
triebsrat der Helios-Klinik Salzgitter für das erfolg- 2019.
reiche Vorgehen gegen von vornherein unterbesetzte Joachim Lüddecke
Dienstpläne. Sowie den Sonderpreis »Gute Arbeit«
für den Betriebsrat des Klinikverbundes Kempten/
Oberallgäu. Unseren herzlichen Glückwunsch an
beide!
https://mitgliedwerden.verdi.de
https://klinikpersonal-entlasten.verdi.de
Impressum ISSN 1612-9180
Der Infodienst Krankenhäuser ist eine Veröffentlichung Erscheinungsweise: jeweils im letzten Monat eines Quartals
der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, (März, Juni, September, Dezember)
ein Kooperationsprojekt aller 10 ver.di-Landesbezirke Redaktionsschluss: jeweils am 10. des Vormonats
sowie des ver.di-Bundesvorstandes, Fachbereich 3, Ressort 9 (Februar, Mai, August, November)
V.i.S.d.P. Joachim Lüddecke, ver.di-Landesbezirk
Niedersachsen-Bremen, Goseriede 10, 30159 Hannover, LeserInnenbriefe bitte an: Joachim Lüddecke,
Tel. 0511 / 12 400 - 250, Fax 12 400 - 154, infodienst.krankenhaeuser@verdi.de
joachim.lueddecke@verdi.de Bei Anfragen per E-Mail bitte Absender nicht vergessen,
Endredaktion: Joachim Lüddecke damit wir gleich die zuständigen Ansprechpersonen bei ver.di
vermitteln können.
Das Redaktionsteam behält sich vor, Zuschriften gekürzt zu
veröffentlichen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben Adress- und Verteileränderungen:
nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion wieder. bitte an kerstin.germann@verdi.de
Preis: nach dem Selbstkostendeckungsprinzip, Als PDF unter
im ver.di-Mitgliedsbeitrag enthalten https://infodienst-krankenhaeuser.verdi.de
Redaktionsschluss war am 16.11.2018 | Auflage: 13.800 Infodienst-Newsletter formlos bestellen und abbestellen bei
Titelfoto: Deutscher Betriebsrätetag kerstin.germann@verdi.de
Herstellung: freeStyle grafik + unidruck, Hannover
2 Infodienst Krankenhäuser Nr. 83 Dezember 2018In diesem Heft
Inhalt
Kontakte Tarifpolitik Deutschland
ver.di-Landesbezirke und Durchbruch: Schluss mit #unbezahlt Demonstration vor der EKD-Synode:
Bundesverwaltung __________________4 in kommunalen und Unikliniken Erleuchtung erwünscht ________________41
(VKA und TdL)_______________________26 MAV-Fachtagung:
Mehr von uns »Protest hat sich gelohnt« _____________42
ist besser für alle! Tarif- und Branchenpolitik: BAG: Kirchliche Einstellungspraxis _______43
Konzerne
Pflegepersonaluntergrenzen:
»Eine Ohrfeige für das Pflegepersonal« ____5 m&i-Fachklinik Bad Pyrmont (Nds.): Aus den Landesbezirken
Silvester im Oktober ___________________7 Einigung erzielt ______________________28
Hessische Pflegekräfte
»Ziel ist nur eine Minimalbesetzung« _____8 Paracelsus: Tarifverhandlungen mehrheitich gegen Pflegekammer _______43
haben begonnen_____________________29
Sonderauswertung DGB-Index Gute Arbeit:
Arbeitsbedingungen in der Alten- und Helios-Konzerntarifvertrag:
Tarifrunde 2019 _____________________30
Vor Ort
Krankenpflege _______________________11
ver.di-Krankenhaustagung 2018: Fresenius Helios übernimmt privaten Universitätsmedizin Göttingen Klinik-
Die Bedingungen stimmen nicht_________12 Klinikbetreiber in Kolumbien und service GmbH: Es reicht. Jetzt Streik! _____44
stärkt Präsenz in Lateinamerika _________30 Uniklinik Freiburg: Tarifabschluss
GKV-Spitzenverband verbreitete
falsche Zahlen _______________________14 Helios Nord: Tarifabschluss nach für die Servicebereiche ________________45
beinharter Auseinandersetzung _________31 Charité Physiotherapie- und Präventions-
Volksbegehren für mehr Krankenhaus-
personal in Bremen gestartet ___________15 Sana verkauft Ostholsteiner Kliniken zentrum GmbH (CPPZ): »Schluss mit
an Ameos __________________________32 Zwei-Klassen-Gesellschaft« ____________45
102.137 Unterschriften in Bayern _______15
Sana-Konzerntarifvertrag + SRH-Kliniken: Theresienklinik Bad Krozingen:
Aktionstage PsychPVplus: Weitere Vorteile für ver.di-Mitglieder _____46
Entgeltverbesserungen und Ost-West-
»Gespräch wirkt mehr als manche Pille« __16
Angleichung der Arbeitszeit ____________33
Psychiatrien ohne Transparenz __________18
Median West: Literatur- und Internettipps
Jetzt anmelden! Tarifblockade durchbrochen ____________34
Fachtagung Psychiatrie 2019 ___________19 Gestaltungskompetenzen
Capio wird australisch ________________36
Herzlichen Glückwunsch nach Salzgitter im Pflegealltag stärken ________________47
Klatsche für Celenus __________________37
und ins Oberallgäu ___________________20 Kollegiale Beratung
Unikliniken Essen und Düsseldorf: für Gesundheitsberufe ________________47
Meilenstein für Entlastung _____________21 Berufspolitik DGB-Index Gute Arbeit Report 2018:
Uniklinik des Saarlandes: Ausbildungsreform der Pflegeberufe: Schwerpunkt Interaktionsarbeit (Arbeit mit
»Zur Entlastung gezwungen« __________22 Ausbildungs- und Prüfungsverordnung Kundschaft, PatientInnen, Lernenden ...) __47
Klinikum Augsburg: Etappensieg für Ent- verabschiedet _______________________38
lastung – Mehr Personal durchgesetzt____25 Jahresinhaltsverzeichnis
2018 _____________________________48
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Kontakte
Nord Bahnhofsplatz 22-28, 28195 Bremen Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
Hüxstr. 1, 23552 Lübeck Fax 0421 / 3301 - 392 Karl-Liebknecht-Str. 30-32, 04107 Leipzig
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Angelika Grabazius Tel. 0451 / 8100 - 714 Fax 069 / 2569 - 1329 Annett Steinbach Tel. 0371 / 69034 - 32
Vanessa Britt Tel. 0451 / 8100 - 709 Georg Schulze-Ziehaus Tel. 069 / 2569 - 1322 Cornelia Herwig Tel. 0341 / 52901 - 234
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Hamburg Jens Ahäuser Tel. 069 / 2569 - 1220
Besenbinderhof 60, 20097 Hamburg Saskia Jensch Tel. 069 / 2569 - 1323 Rheinland-Pfalz-Saarland
Tel. 040 / 89 06 15 - 730, Fax 040 / 89 06 15 - 740 Petra Wegener Tel. 069 / 2569 - 1321 Münsterplatz 2-6, 55116 Mainz
Hilke Stein Tel. Tel. 040 / 89 06 15 - 731 Carmen Staab-Sommer Tel. 069 / 2569 - 1201 Fax 06131 / 9726 - 288
Sigrid Ebel Tel. 040 / 89 06 15 - 733 Frank Hutmacher Tel. 06131 / 9726 - 130
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Natalie Preußer Tel. 0211 / 61824 - 184 Lorenz Ganterer Tel. 089 / 59977 - 1031
Niedersachsen-Bremen Antonia Seefried Tel. 089 / 59977 - 1035
Goseriede 10, 30159 Hannover Berlin-Brandenburg Michael Kreusen Tel. 089 / 59977 - 1036
Fax 0511 / 12 400 - 151 Köpenicker Str. 30, 10179 Berlin
Joachim Lüddecke Tel. 0511 / 12 400 - 250 Fax 030 / 8866 - 5925 Baden-Württemberg
Elke Nobel Tel. 0511 / 12 400 - 253 Meike Jäger Tel. 030 / 8866 - 5250 Theodor-Heuss-Str. 2 / tHeo.1, 70174 Stuttgart
Annette Klausing Tel. 0511 / 12 400 - 256 Heike Modrow Tel. 030 / 8866 - 5251 Irene Gölz Tel. 0711 / 88788 - 0330
Aysun Tutkunkardes Tel. 0511 / 12 400 - 251 Heike Spies Tel. 030 / 8866 - 5260 Yvonne Baumann Tel. 0711 / 88788 - 0310
Jan-Erik Keilholz Tel. 0511 / 12 400 - 175 Ivo Garbe Tel. 030 / 8866 - 5261 Silke Hansen Tel. 0711 / 88788 - 0320
Silvia Ganza Tel. 0511 / 12 400 - 254 Ralf Franke Tel. 0355 / 4 78 58 15 Katrin Biro Tel. 0711 / 88788 - 0304
Christina Ölscher Tel. 0511 / 12 400 - 261 Manuela Käfer Tel. 0711 / 88788 - 0301
Cornelia Ullrich Tel. 0711 / 88788 - 0302
Sabrina Kubitschko Tel. 0711 / 88788 - 0303
Alle ver.dianerInnen sind unter vorname.nachname@verdi.de zu erreichen.
ver.di-Bundesverwaltung
BesucherInnenanschrift Telefon Fax
ver.di-Bundesverwaltung, Paula-Thiede-Ufer 10, 10179 Berlin
Berufspolitik FB 3
Postanschrift Melanie Wehrheim, Bereichsleiterin _____________ –1830 –3420
ver.di-Bundesverwaltung, Fachbereich 3 (bzw. 4), 10112 Berlin Diana Sgolik, Jugendarbeit im FB 3______________ –1049 –3420
Sandra Koziar, Mitarbeiterin ____________________ –1852 –3420
Telefon, Fax 030 / 6956 – Durchwahl Betriebs- und Branchenpolitik FB 3
Telefon Fax Niko Stumpfögger, Bereichsleiter ________________ –1808 –3430
Uwe Ostendorff, Konzernbetreuung _____________ –1849 –3430
Ressortleitung FB 3 / Cordula Kiank, Universitätskliniken ______________ –1840 –3430
Koordination / Kommunikation Gisela Neunhöffer, Psychiatrie,
Sylvia Bühler, Bundesvorstandsmitglied, Servicebetriebe ____________________________ –1842 –3430
Bundesfachbereichsleiterin ___________________ –1800 –3250 Mario Gembus, Kirchen, Diakonie und Caritas _____ –1049 –3420
Doris Skirka, Mitarbeiterin _____________________ –1801 –3250 Sarah Bormann, Reha, Behindertenhilfe __________ –1843 –3430
Wolfgang Paul, Bereichsleitung Michael Dehmlow, Konzernbetreuung,
Koordination, Planung, Controlling ____________ –1806 –3250 Sozial- und Erziehungsdienst _________________ –1841 –3430
Janine Dröse, Mitarbeiterin ____________________ –1807 –3250 Marion Leonhardt, Wohlfahrtsverbände,
Beatrice Campe, Mitarbeiterin __________________ –1803 –3250 Rettungsdienste____________________________ –1871 –3430
Gesundheitspolitik Matthias Gruß, Altenpflege ____________________ –1832 –3430
Grit Genster, Bereichsleiterin ___________________ –1810 –3420 Kerstin Motz, Mitarbeiterin ____________________ –1813 –3430
Dietmar Erdmeier ____________________________ –1815 –3420 Sabrina Stein, Mitarbeiterin ____________________ –1872 –3430
Nelly Desfeux, Mitarbeiterin____________________ –1833 –3420 FB 4 (Sozialversicherung)
Tarifpolitik FB 3 Bundesfachgruppe Rentenversicherung
Heike von Gradolewski-Ballin, Rolf Behrens, Rehakliniken der
Bereichsleiterin ____________________________ –1821 –3410 Deutschen Rentenversicherung _________________ –1950 –3456
Angelika Spautz _____________________________ –1831 –3410
Sven Bergelin _______________________________ –1870 –3410 Fachbereich 3 im Internet
Axel Weinsberg ______________________________ –1823 –3410 https://gesundheit-soziales.verdi.de
Katrin Wegener, Mitarbeiterin __________________ –1860 –3410
Nadine Garcon, Mitarbeiterin __________________ –1822 –3410 Bundesfachgruppe Rentenversicherung im Internet
https://sozialversicherung.verdi.de/fachgruppen/rentenversicherung
4 Infodienst Krankenhäuser Nr. 83 Dezember 2018Pflegepersonaluntergrenzen
»Eine Ohrfeige für das Pflegepersonal«
Mehr von uns
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Die neue Verordnung über Pflegepersonaluntergrenzen (PpUGV) Pflegefachkräfte, die für die tat-
soll die Patientenversorgung eigentlich sicher er machen, sächliche Pflege der Patient/innen
legt aber nur für die Ber eiche Intensivmedizin, Geriatrie, Unfall- am Bett zur Verfügung stehen.
chirurgie und Kardiologie einen Minimalstandard fest. Zudem sieht die Verordnung soge-
nannte Pflegehilfskraft-Quoten
Nach dem Scheitern der Ver- Viertel der Kliniken zu erreichen. von bis zu 40 Prozent etwa in der
handlungen zwischen der Deut- »Mit solchen Untergrenzen gibt es Nachtschicht der Geriatrie vor.
schen Krankenhausgesellschaft weder gute Versorgung für die Was bedeutet, dass nahezu die
(DKG) und dem Spitzenverband Patientinnen und Patienten noch Hälfte des Pflegepersonals in den
der Gesetzlichen Krankenversiche- nachhaltige Entlastung für die Be- Nachtschichten Hilfskräfte sind.
rung (GKV-SV) zur Festlegung von schäftigten«, sagt ver.di-Bundes- »Angeklagt gehören für mich
»Personaluntergrenzen für pflege- vorstandsmitglied Sylvia Bühler. ganz klar die Gesundheitsminister
sensitive Bereiche zur Vermeidung Die Regierung dürfe keine Pflege- der letzten fünfzehn Jahre, die
unerwünschter Ereignisse« hat personaluntergrenzen präsentie- das Motto ›Profit statt Mensch‹
Bundesgesundheitsminister Jens ren, die sich an der bestehenden begünstigt haben«, sagt Tim
Spahn (CDU) nun die Verordnung Unterbesetzung orientieren. Auf Schmitt. Denn werden die Mini-
über Pflegepersonaluntergrenzen diese Weise werde der Pflege- malbesetzungen nicht vollständig
(PpUGV) erlassen. notstand legitimiert. durch Pflegefachkräfte abgedeckt,
Ab 2019 gelten Untergrenzen Dass es im Zuge der neuen Ver- steigen die Risiken in der Patien-
für die Personalausstattung in ordnung zu Verschlechterungen tenversorgung.
lediglich vier Bereichen. Gegen- der Personalausstattung kommen
über dem Referentenentwurf könnte, befürchtet Tim Schmitt*, »Schallende Ohrfeige«
wurden die Vorgaben sogar noch Physiotherapeut in einem großen »Diese Untergrenzen empfinde
einmal verschlechtert – unter an- Klinikum: »Unsere Geschäftsfüh- ich als bodenlose Frechheit. Wer
derem ausgerechnet für die Inten- rung hat nach eigenen Angaben schon einmal nachts zwanzig
sivstationen, bei denen es tag- Spahns Vorgaben mal überschla- Patienten allein versorgt hat, kann
täglich um Leben und Tod geht. gen und dem Betriebsrat mitge- die Verordnung nur als schallende
GKV-SV und DKG sollen den teilt, dass sie etwa 100 Köpfe von Ohrfeige für das Pflegepersonal
Auftrag vom Gesetzgeber erhal- derzeit 520 Pflegefachkräften an verstehen«, sagt Jan Frost*, Kran-
ten, Untergrenzen für die Neurolo- unserer Klinik abbauen könnte.« kenpfleger an einem Universitäts-
gie, die Herzchirurgie und weitere Grundlage solcher Rechenspiele: klinikum.
Bereiche ab 2020 festzulegen. Die neue Verordnung über Pflege- Die Einhaltung der ohnehin
Zudem sind die Personalunter- personaluntergrenzen bleibt schon minimal geplanten Personal-
grenzen willkürlich gesetzt. Und undurchsichtig, wenn es um die untergrenzen müssen die Kranken-
zwar bei 25 Prozent der genann- Frage geht, ob Stationsleitungen häuser zudem nur anhand monat-
ten Bereiche mit der schlechtesten in die Minimalbesetzungen ein- licher Durchschnittswerte sicher-
Personalausstattung. Im Klartext gerechnet sind. Denn sie sind zwar stellen. »Keiner Patientin, keinem
heißt das: Nur das Viertel der examinierte Pflegefachkräfte, Patienten nützt es, wenn ein Kran-
Krankenhäuser mit der schlechtes- übernehmen im Arbeitsalltag aber kenhaus die Vorgaben im Schnitt
ten Personalausstattung muss auf- vor allem organisatorische und erfüllt, zum Zeitpunkt der eigenen
stocken. Und zwar genau so viel kaum pflegerische Tätigkeiten. Behandlung aber unterbesetzt
Personal, um das Niveau an der Werden sie auf die Untergrenzen ist«, sagt Grit Genster, Leiterin des
Grenze zum zweitschlechtesten angerechnet, sinkt die Zahl der Bereichs Gesundheitspolitik in der
ver.di-Bundesverwaltung. Personal-
vorgaben müssten daher unbedingt
Tagschicht Nachtschicht schichtbezogen sein, also täglich
Intensivmedizin 2,5:1, ab 2021 2:1 3,5:1, ab 2021 3:1 eingehalten werden.
Geriatrie 10:1 20:1
Unfallchirurgie 10:1 20:1
Kardiologie 12:1 24:1 * Namen geändert
Infodienst Krankenhäuser Nr. 83 Dezember 2018
5Mehr von uns
ist besser für alle!
»Unsere Geschäftsführung hat Lücke gestopft, rer Stelle ein noch größeres Loch
keine Angst mehr vor den Pflege- größeres Loch gerissen in die Personaldecke gerissen.
personaluntergrenzen«, sagt Personalvorgaben für lediglich Innerbetriebliche Konflikte werden
Rainer Köplin*, Arzt bei einem vier Bereiche der Krankenhäuser die Folge sein.
bundesweit agierenden Klinik- programmieren solche Verschiebe- Patientensicherheit und eine
konzern. Die Geschäftsführung bahnhöfe. Durch Verlegungen von Entlastung des Pflegepersonals
wolle konzernweit überprüfen, ob Patienten, Umbenennen oder Zu- sollten die obersten Ziele der
Intensivpatient/innen nicht viel- sammenlegen von Stationen oder aktuellen Gesundheitspolitik sein.
fach auch als IntermediateCare- Verlagerung von Aufgaben können Mit der verschriebenen Mogel-
Patient/innen behandelt werden die Vorgaben ganz einfach um- packung der Pflegepersonalunter-
können. Die IntermediateCare- gangen werden. grenzen-Verordnung wird das
Stationen bilden das Bindeglied Zwar hat der Gesetzgeber mit nicht erreicht. Dafür braucht es
zwischen Normalstationen und auf den Weg gegeben, bei der bedarfsorientierte Pflegepersonal-
Intensivmedizin. Und: Hier gelten Vereinbarung über Untergrenzen vorgaben für alle bettenführenden
auch ab Januar 2019 keine Perso- Personalverlagerungen zu vermei- Stationen der Krankenhäuser und
naluntergrenzen. »Das wird dann den. Doch es gibt kein Verbot, ein pflegewissenschaftlich fundier-
auf dem Papier einfach passend Pflegepersonal aus anderen Kran- tes Personalbemessungsinstru-
gemacht. Auf diese Weise werden kenhausbereichen abzuziehen, um ment, das sich an der bewährten
Betten auf der Intensivstation ein- die Personaluntergrenzen der Ver- Pflegepersonal-Regelung (PPR)
gespart, um entsprechend weniger ordnung für die vier vorgegebenen orientiert.
Pflegepersonal in einer Schicht Bereiche einzuhalten. So wird die Maren Skambraks
vorhalten zu müssen«, befürchtet eine Lücke gestopft und an ande-
der Arzt.
Mehr Infos unter
https://mogelpackung-verhindern.verdi.de
https://soll-ist-voll.verdi.de
https://klinikpersonal-entlasten.verdi.de
https://gesundheitspolitik.verdi.de
Das schrieb die Deutsche Krankenhausgesellschaft
12. September 2018: DKG-Stellungnahme zum Referentenentwurf einer Verordnung zur Festlegung
von Pflegepersonaluntergrenzen in pflegesensitiven Krankenhausbereichen für das Jahr 2019
(Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung – PpUGV).
https://tinyurl.com/DKG-PpUGV
31. August 2018: DKG-Stellungnahme zum Gesetzentwurf der Bundesregierung für ein Gesetz
zur Stärkung des Pflegepersonals (Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz – PpSG).
https://tinyurl.com/DKG-PpSG
Das schrieb der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung
31. August 2018: GKV-SV-Stellungnahme zum Gesetzentwurf der Bundesregierung für ein
Gesetz zur Stärkung des Pflegepersonals (Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz – PpSG).
https://tinyurl.com/GKV-PpSG
Die PpUGV und weitere Infos findet ihr unter
https://tinyurl.com/GKV-PpUGV
6 Infodienst Krankenhäuser Nr. 83 Dezember 2018Silvester im Oktober
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ist besser für alle!
Für die Beschäftigten in Krankenhäuser n fiel Silvester dieses Jahr Nicht genug Fachkräfte?
schon auf den 22. Oktober. Dann wäre das vorhandene Personal Dann rollt den roten Teppich
für 2018 nämlich aufgebraucht, wenn die Schichten so besetzt wür- aus, Arbeitgeber! Die Arbeitgeber
den, wie es für eine sicher e Patientenversorgung notwendig ist. tragen die Verantwortung, dafür
zu sorgen, dass ihre Beschäftigten
Das hat ver.di bei einer Befra- »Wir haben verstanden«? durch die Arbeit nicht krank wer-
gung festgestellt, an der sich Na dann los, Politik! Bundes- den. Das geht nur mit mehr Per-
bundesweit rund 600 Stations- gesundheitsminister Jens Spahn sonal oder weniger Arbeit. Wenn
teams beteiligt haben. (CDU) sagt immer wieder, er habe Kliniken Schwierigkeiten haben,
Zwischen dem 23. Oktober und verstanden, dass sich in der Pflege genügend Fachkräfte zu finden,
dem 31. Dezember bricht die Ver- etwas ändern muss. Doch die von sollten sie nicht jammern, sondern
sorgung in den Krankenhäusern der Bundesregierung vorgelegten handeln: Arbeits- und Ausbil-
nur deshalb nicht zusammen, weil Gesetzentwürfe reichen bei Wei- dungsbedingungen verbessern,
Pflegekräfte über ihre Grenzen ten nicht, um eine sichere Versor- verlässliche Arbeitszeiten und
gehen und dabei ihrer Gesundheit gung zu gewährleisten und die Flexibilität für Beschäftigte mit
ruinieren. Auf diesen Skandal Gesundheit der Beschäftigten zu Kindern oder pflegebedürftigen
haben die Beschäftigten mit bun- schützen. Verbindliche Personal- Angehörigen.
desweiten Aktionen hingewiesen. vorgaben für alle Bereiche, die Die Arbeitgeber haben lange
sich am tatsächlichen Pflegebedarf genug auf Kosten des Personals
orientieren, müssen ins Gesetz – und der Patientenversorgung ge-
jetzt! spart. Schluss damit!
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Das SOL e ekräft
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Sehr geehrte/r __________________________________
Bitte
V.i.S.d.P.: Irene Gölz, ver.di Baden-Württemberg, FB 3, Theodor-Heuss-Str. 2, tHeo 1, 70174 Stuttgart.
Wir Klinikbeschäftigten müssen dieses Jahr bereits am 22. Oktober unseren Jahres- als Postkarte
abschluss »feiern«. frankieren.
Danke
Die Sollarbeitszeit des Pflegepersonals ist aufgebraucht, das haben wir mit
der ver.di-Aktion »Das Soll ist voll!« im Sommer 2018 festgestellt. Konkret bedeutet
Herstellung: freeStyle grafik Hannover + Eigendruck
das: Der Betrieb der Krankenhäuser ist vom 22. Oktober bis zum Jahresende nur
möglich, weil wir – die Beschäftigten – bereit sind, über unsere Grenzen zu arbeiten
oder Abstriche bei Qualität und Sicherheit zu machen.
Das gefährdet Patientinnen und Patienten und uns!
Die jetzt vorgelegten Gesetzentwürfe reichen nicht aus, eine sichere Versorgung zu
gewährleisten und unsere Gesundheit zu schützen. Es müssen verbindliche und am
tatsächlichen Pflegebedarf orientierte Personalvorgaben für alle Bereiche festgelegt _____________________________
werden.
Wir bitten Sie, setzen Sie sich für uns und eine bedarfsorientierte Patienten- _____________________________
versorgung ein, damit die prekäre Situation in den Krankenhäusern beendet wird.
Denn wir möchten gesund und sicher gemeinsam mit unseren Patienten das neue
Jahr erleben. _____________________________
Krankenhaus _____________________________________________________________
_____________________________
Unterschriften
Infodienst Krankenhäuser Nr. 83 Dezember 2018
7»Ziel ist nur eine Minimalbesetzung«
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Professor Michael Simon lehrte bis Anfang 2016 an der Hoch- ¿? Bundesgesundheitsminister
schule Hannover zu den Arbeitsschwerpunkten Gesundheits- Jens Spahn (CDU) hat – auch auf
system und Gesundheitspolitik. Der Pflegeexperte hat im Auftrag Druck der anhaltenden ver.di-
der Hans-Böckler-Stiftung eine Analyse der geplanten Kranken- Proteste – eine Reihe von Reformen
hausreformen vorgelegt. Dazu im Folgenden ein Gespräch mit angestoßen. Da ist zum einen die
Daniel Behruzi. Verordnung über Pflegepersonal-
untergrenzen in vier Bereichen der
¿? Sie haben errechnet, dass in Krankenkassen – die diesen schon Krankenhäuser. Wie schätzen Sie
den Krankenhäusern schätzungs- aus Eigeninteresse sicher nicht zu diese ein?
weise 108.000 Vollzeitstellen für hoch geschätzt haben – berech- Sie sind auf jeden Fall unzurei-
Pflegekräfte fehlen. Wie kommen neten seinerzeit einen Mehrbedarf chend. Die damalige Große
Sie auf diese Zahl? an Pflegepersonal von über Koalition hat der Selbstverwaltung
Schon Ende der 1980er Jahre 20 Prozent. 2017 den Auftrag erteilt, Personal-
wurde über einen »Pflegenot- Diese Soll-Besetzung habe ich untergrenzen für sogenannte
stand« im Krankenhaus diskutiert. zum Ausgangspunkt genommen pflegesensitive Bereichen zu ent-
Die damalige Bundesregierung und die erhebliche Leistungs- wickeln – ein unklar Begriff, der
reagierte darauf mit zwei Verord- ausweitung seither eingerechnet, nicht wirklich gefüllt werden kann.
nungen: Die Psychiatrie-Personal- denn Zahl und Schwere der Fälle Der Spitzenverband der Gesetz-
verordnung (Psych-PV) für psychia- haben massiv zugenommen. Auf lichen Krankenkassen (GKV-SV)
trische und die Pflege-Personal- dieser Grundlage komme ich zum und die Deutsche Krankenhaus-
regelung (PPR) für somatische Sta- Ergebnis, dass mehr als 100.000 gesellschaft (DKG) haben sich zwar
tionen. Auf Grundlage der 1993 in – wenn man eine Leistungsauswei- weitgehend geeinigt, kamen aber
Kraft getretenen PPR mussten alle tung von 20 Prozent annimmt am Ende doch nicht zu einem Er-
Krankenhäuser ihren Personal- sogar 140.000 – Pflegekräfte in gebnis. ver.di, Patientenvertretun-
bedarf ermitteln und an die Kran- den Krankenhäusern fehlen. gen, Sozialverbände und andere
kenversicherungen melden. Die Organisationen hatten den Ver-
Uniklinik Freiburg
R E N AT E S T I E B I T Z
»Katerfrühstück« im Klinikum Bremerhaven
KRH Klinikum Agnes Karll, Laatzen »Pflegesilvester« in Berlin
8 Infodienst Krankenhäuser Nr. 83 Dezember 2018Mehr von uns
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ten. Das ist definitiv falsch. Denn kenhausträger sind eigentlich
sowohl in der Begründung des grundsätzlich gegen Vorgaben, die
Verordnungstextes als auch in wei- ihr Direktionsrecht einschränken.
teren Dokumenten des Ministeri- Sie akzeptieren solche Vorgaben
ums steht explizit, dass das Ziel nur, wenn sie vollständig refinan-
nicht eine bedarfsgerechte Versor- ziert werden. Und die Kranken-
handlungsstand von GKV-SV und gung ist, sondern eine Minimal- kassen haben klar gesagt, dass sie
DKG in einer gemeinsamen Stel- besetzung. Es soll lediglich auf bei hohen Standards fürchten, die
lungnahme klar abgelehnt. dem Niveau der am schlechtesten Kosten dafür tragen zu müssen.
Dennoch hat das Bundesgesund- besetzten Krankenhäusern eine Beide haben also kein Interesse
heitsministerium diese in eine untere Grenze gezogen werden. an bedarfsgerechten Personal-
Verordnung überführt, die Pflege- vorgaben.
personaluntergrenzen in nur vier ¿? Trotz ihres Scheiterns sollen
Bereichen vorsieht. Das ist viel zu Kliniken und Krankenkassen ¿? Welche Alternative gibt es zu
wenig, denn es gibt in sämtlichen die Untergrenzen nun weiterent- Beauftragung der Selbstverwal-
Bereichen Probleme. Zudem ist wickeln und weitere Vorgaben für tung?
die Relation von Pflegekräften zu die Herzchirurgie und die Neurolo- Im Gemeinsamen Bundesaus-
Patient/innen zu niedrig angesetzt gie festlegen. Wie beurteilen Sie schuss (G-BA) – der aktuell neue
– mit Ausnahme der Intensivstatio- die Rolle der Selbstverwaltung in Personalvorgaben in der Psychia-
nen, wo die Vorgaben aber kurz dieser Frage? trie entwickeln soll – ist dieses
vor Veröffentlichung nochmal ab- Ich habe schon in meiner Stel- Thema ebenso schlecht aufge-
geschwächt wurden. lungnahme zum Gesetz von 2017 hoben. Denn hier sitzen dieselben
klargestellt, dass ich es für den Akteure mit den dargestellten
¿? Hat die Verordnung das Ziel, falschen Weg halte, die Spitzen- Eigeninteressen. Stattdessen sollte
zumindest in den betreffenden Be- verbände der Selbstverwaltung die Regierung den Weg gehen, der
reichen für gute Pflege zu sorgen? damit zu beauftragen. Das hat Anfang der 1990er Jahre bei der
Nein, ausdrücklich nicht. Jens sich bei den Beratungen bestätigt, Pflegpersonal-Regelung (PPR) be-
Spahn behauptet auf der Internet- an deren großer Runde ich als Teil schritten wurde: Damals wurden
seite seines Ministeriums, die der Delegation der Patienten- Expertenkommissionen eingerich-
Untergrenzen dienten dazu, eine vertretungen teilnehmen konnte. tet – eine für die Psychiatrie und
gute Pflege und ausreichende Per- Kliniken und Krankenkassen hat- jeweils eine für Kranken- und
sonalausstattung zu gewährleis- ten sich schon nach wenigen Kinderkrankenpflege.
Wochen darauf geeinigt, dass es Diese Kommissionen bestanden
Vorgaben wenn überhaupt nur auf aus unabhängigen Expertinnen
ganz niedrigem Niveau geben und Experten. Die Kassen waren
sollte. Grund sind die wirtschaft- darin vertreten, hatten aber
lichen Interessen beider Seiten, die keine Mehrheit. Die Ergebnisse
sich an diesem Punkt treffen – dieser Expertenkommissionen
auch wenn das auf den ersten wurden von der Praxis sehr gut
Blick paradox erscheint. Die Kran- aufgenommen.
Michael Simon: Von der Unterbesetzung in der Krankenhauspflege zur
bedarfsgerechten Personalausstattung (146 Seiten), Working Paper der
Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung Nr. 96, Oktober 2018
https://www.boeckler.de/pdf/p_fofoe_WP_096_2018.pdf
https://www.boeckler.de/64509.htm?produkt=HBS-006992
https://www.boeckler.de/116606_116620.htm
Infodienst Krankenhäuser Nr. 83 Dezember 2018
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Immer noch genießt die Psych-PV vom DRG-System sein soll. Diesen ¿? Was muss passieren, damit ein
hohes Ansehen. Und auch die PPR Verdacht könnte die Bundesregie- solches System entwickelt wird
wird in vielen Kliniken noch ge- rung ausräumen, indem sie die und wie lange würde das dauern?
nutzt, obwohl sie 1996 auf Betrei- Pflegekosten anhand der Belegungs- Die Bundesregierung sollte die
ben der Krankenversicherungen tage auszahlt. Das wäre ein klarer Reaktivierung der Pflegepersonal-
als Vorgabe abgeschafft wurde. und leicht handhabbarer Weg. Regelung in den aktuellen Gesetz-
Da die Regierung das nicht tut, entwurf aufnehmen. Die PPR muss
¿? Weitreichender als die Verord- vermute ich, dass sie in ein paar allerdings modernisiert werden –
nung über Pflegepersonalunter- Jahren Pflegepauschalen einführen sie ist ja über 25 Jahre alt. Dies
grenzen ist das Pflegepersonal- will. sollte, wie bei der Entwicklung der
Stärkungsgesetz, über das derzeit Die Fallpauschalen im DRG-Sys- PPR und der Psych-PV, Aufgabe
im Bundestag beraten wird. Wie tem werden aber auf Grundlage einer unabhängigen Experten-
beurteilen Sie dessen Inhalte? der Ist-Kosten kalkuliert, was auch kommission sein. Die Entwicklung
Bezogen auf den Krankenhaus- für Pflegepauschalen gelten eines modernen Instruments zur
bereich sehe ich diesen Entwurf würde. Es kann daher nichts ande- Personalbemessung würde wo-
differenzierter als die Verordnung res herauskommen, als eine Fort- möglich zwei, drei Jahre dauern.
zu Untergrenzen. Es gibt darin schreibung der personellen Unter-
positive, aber auch sehr kritik- besetzung im Pflegedienst. Der ¿? Die Beschäftigten der Kran-
würdige Passagen. Gut ist unter Pflegebedarf der Patientinnen und kenhäuser sagen, dass sich jetzt
anderem, dass die Pflegepersonal- Patienten spielt bei der Berech- etwas ändern muss. Was muss bis
kosten aus dem System der Fall- nung der DRGs überhaupt keine zur Entwicklung eines Instruments
pauschalen (Diagnosis Related Rolle. Stattdessen brauchen wir zur Personalbemessung gesche-
Groups, DRG) ausgegliedert und ein System, das sich am tatsäch- hen?
gesondert finanziert werden sol- lichen Pflegebedarf der Patient/ Das stimmt. Jetzt müssen die
len. Die Finanzierung soll auf innen orientiert und eine bedarfs- angesprochenen Verbesserungen,
Grundlage der »krankenhausindi- gerechte Personalbesetzung finan- die auch im Pflegestärkungsgesetz
viduellen« Personalkosten erfolgen ziert. enthalten sind, greifen. Wenn das
– also eine Art Selbstkostenerstat- Gesetz so wie geplant verabschie-
tung. Kritisch ist allerdings, dass ¿? Sie haben ein Modell vorge- det wird, bekommen die Kranken-
ein neues Vergütungssystem für schlagen, wie der tatsächliche Per- häuser ab dem 1. Januar 2019
die Pflege geschaffen werden soll, sonalbedarf in der Krankenhaus- alle zusätzlichen Stellen und Tarif-
das sehr eng an das DRG-System pflege realistisch ermittelt werden steigerungen in der Pflege refinan-
angelehnt ist. Es kann mit gerin- könnte. ziert. Sie haben also die finanziel-
gem Aufwand in ein System von Ich plädiere dafür, die Pflege- len Spielräume für sofortige
bundesweit einheitlichen Pflege- personal-Regelung zu nutzen und Verbesserungen. Das muss auf
pauschalen umgewandelt werden. weiterzuentwickeln. Stark verein- betrieblicher Ebene aber auch um-
facht könnte man es so darstellen: gesetzt werden.
¿? Das heißt, es ist nicht sicher, Alle Krankenhäuser werden ver- Hier sind die Betriebs- und Per-
ob die Pflegekosten dem System pflichtet, in einem einheitlichen sonalräte sowie Mitarbeitervertre-
der Fallpauschalen tatsächlich Verfahren den individuellen Pflege- tungen gefordert, auf Entlastung
dauerhaft entzogen werden? bedarf zu ermitteln und das dafür und mehr Personal zu pochen.
Richtig. Die Regierungskoalition notwendige Personal vorzuhalten. Die Voraussetzungen dafür sind
selbst hat einen Änderungsantrag So könnte eine bedarfsgerechte günstig.
eingebracht, der ausdrücklich klar- Personalbesetzung gewährleistet
stellt: Die Vergütung der Pflege- werden.
kosten soll Teil des pauschalierten
Entgeltsystems bleiben. Es gibt
also deutliche Hinweise darauf,
dass dies keine dauerhafte Abkehr
10 Infodienst Krankenhäuser Nr. 83 Dezember 2018Mehr von uns
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Arbeitsbedingungen in der Alten- und Krankenpflege
Eine Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit, die auf einer Zum DGB-Index
repräsentativen Befragung von knapp 1.900 Beschäftigten in Gesund- Gute Arbeit
heits- und Pflegeberufen von 2012 bis 2017 basiert, zeigt eindrücklich, Report 2018
dass dringender Handlungsbedarf besteht. siehe Seite 47
Professionell Pflegende wollen gute Arbeit leisten und für die Sicher- in diesem Info-
heit der Patient*innen und Bewohner*innen sorgen. Und gleichzeitig dienst
wissen die Beschäftigten, dass sie das unter den gegebenen Umständen
immer weniger einlösen können.
https://tinyurl.com/GuteArbeitPflege2017
Hoher Einsatz, wenig Anerkennung
Dass sie selbst Dass sie nicht Bei der Arbeit oft Dass sie ihr Arbeits- Regelmäßig
einen wichtigen leistungsgerecht gehetzt fühlen sich ... pensum nur mit Schichtdienst
Beitrag für die entlohnt werden, Abstrichen bei der leisten ...
Gesellschaft leisten, sagen ... Qualität bewältigen
sagen ... können, sagen ...
Pflegekräfte 94 % 73 % 76 % 46 % 64 %
alle 67 % 48 % 55 % 22 % 16 %
Beschäftigte
Quelle: Sonderauswertung DGB-Index Gute Arbeit 2018 Grafik zum Download: bit.do/impuls1303
Böckler Impuls, Ausgabe 15/2018 https://www.boeckler.de/116466_116476.htm
Jena, 22. September 2018
Infodienst Krankenhäuser Nr. 83 Dezember 2018
11ver.di-Krankenhaustagung 2018:
Die Bedingungen stimmen nicht
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Hohe Arbeitsbelastung treibt Klinikbeschäftigte aus dem Beruf Für die in Berlin versammelten
oder in Teilzeitarbeit. Managementvertreter haben Betriebs- und Personalräte sowie
bei der ver.di-Krankenhaustagung nur wenig anzubieten. Mitarbeitervertreter/innen aus
Krankenhäusern des ganzen
»Fachkräfte – hin und weg!?« Was möglich ist, wenn Arbeit- Bundesgebiets klang vieles davon
Unter diesem Motto diskutierten geber bereit und in der Lage sind, wie aus einer anderen Welt. »Das
die 270 Teilnehmer/innen der in die Fachkräftesicherung zu wäre im Krankenhaus nicht um-
ver.di-Krankenhaustagung am investieren, machte ein Beitrag setzbar«, meinte der Betriebsrats-
9. November 2018 in Berlin über von Jorge Ferreira, Betriebsrat vorsitzende eines kommunalen
eine Zukunftsfrage des Gesund- beim Pharmaunternehmen Merck Krankenhauses. »Das hat auch
heitswesens: Wie kann es gelin- deutlich. Er berichtete davon, dass damit zu tun, dass die Pharma-
gen, den wachsenden Fachkräfte- Schichtarbeiter in der Darmstädter industrie einen Haufen Geld ver-
bedarf in der Pflege und anderen Firma hohe Zuschläge und zusätz- dient, der anderswo gebraucht
Gesundheitsberufen zu decken? liche Urlaubstage als Belastungs- würde.«
Die Referent/innen gaben darauf ausgleich erhalten. Ältere Beschäf- Ein anderer Kollege aus dem
ganz unterschiedliche Antworten: tigte arbeiten kürzer, insbesondere Klinikum Hanau betonte den Zu-
Während Vertreter/innen aus dem bei belastenden Tätigkeiten. sammenhang zum hohen gewerk-
Krankenhausmanagement über Schichtarbeiter/innen haben schaftlichen Organisationsgrad in
optimierte Abläufe, Analysen und zudem Anspruch auf Gesundheits- der Industrie: »In der Chemie sind
Gesundheitsprogramme sprachen, förderung, zusätzlichen Erholungs- 70 bis 90 Prozent der Facharbeiter
kritisierten Beschäftigte grund- urlaub und viele weitere Maß- organisiert. Wir müssen unseren
legend die unzureichende Personal- nahmen, mit denen Fachkräfte an Leuten im Krankenhaus klar-
besetzung und die schlechten den Betrieb gebunden werden machen: Wenn sie das auch tun,
Arbeitsbedingungen, die Pflege- sollen. können wir so etwas auch durch-
kräfte aus dem Beruf treiben. setzen.«
(9)
SHIFT/STUDIO FÜR VER.DI
Weitere Infos zur Fachtagung, Fotos und
Download einzelner Vorträge unter den Kurzlinks
https://tinyurl.com/verdi-KH-FT-1
https://tinyurl.com/verdi-KH-FT-2
https://tinyurl.com/verdi-KH-FT-3
Aktuelle gesundheitspolitische Infos immer unter
https://gesundheitspolitik.verdi.de/
12 Infodienst Krankenhäuser Nr. 83 Dezember 2018Mehr von uns
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Infodienst Krankenhäuser Nr. 83 Dezember 2018
13GKV-Spitzenverband verbreitete falsche Zahlen
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Auch wenn der GKV-Spitzenverband inzwischen eingeräumt hat, bei die Pflegekräfte in Krankenhäusern erfasst
der von ihm genannten Zahl von 12 Klinik-Pflegekräften pro 1.000 Ein- sind.
wohnerInnen handele es sich um einen »peinlichen Fehler«, möchte Bei der Zahl von 12 Pflegekräften
der Infodienst dazu beitragen, dass sich diese falsche Zahl nicht weiter handelt es sich zudem um die Zahl der
Beschäftigten (Kopfzahl) und nicht um
verbreitet. Deshalb findet ihr im Folgenden die Erläuterungen von
die Zahl der Vollkräfte. Aufgrund der in
Prof. Michael Simon.
Deutschland sehr hohen Teilzeitquote liegt
die Beschäftigtenzahl deutlich über der
Von Seiten des GKV-Spitzenverbandes scher Krankenhäuser insgesamt ca.
Zahl der Vollzeitäquivalente. Maßgeblich
wurde in neuerer Zeit mehrfach behauptet, 328.000 Vollkräfte (Vollzeitäquivalente/
für die gesundheitspolitische Diskussion ist
in Deutschland gebe es 12 Klinik-Pflege- VZÄ) beschäftigt (Fachserie 12 Reihe
aus gutem Grund die Zahl der Vollkräfte,
kräfte pro 1.000 Einwohner. Damit liege 6.1.1: Grunddaten der Krankenhäuser).
nicht die der Beschäftigten.
Deutschland über dem europäischen – Teilt man die Zahl der Vollkräfte im
Daten zum internationalen Vergleich der
Durchschnitt und die Personalbesetzung Pflegedienst (ca. 328.000) durch die Zahl
Zahl der Krankenhauspflegekräfte (VZÄ)
sei folglich im internationalen Vergleich der Einwohner (ca. 82,8 Mio.), so ergibt
pro 1.000 Einwohner bieten die OECD-
überdurchschnittlich gut. dies 0,004 Pflegevollkräfte pro Einwohner.
Gesundheitsdaten. Danach gab es 2015 in
– So stellte die Vorstandsvorsitzende Multipliziert man diese Zahl mit 1.000,
Deutschland ca. 4,6 Pflegevollkräfte pro
Doris Pfeiffer in einem Interview mit der so ergibt dies 4 Vollkräfte im Pflegedienst
1.000 Einwohner (Pflegefachkräfte mit
Hannoverschen Allgemeinen vom 24.9. der Krankenhäuser pro 1.000 Einwohner.
dreijähriger Ausbildung und ausgebildete
2018 fest: »Wir haben in Deutschland
Pflegehilfskräfte mit einjähriger Pflege-
rund zwölf Klinik-Pflegekräfte pro 1.000 In Deutschland gibt es somit
hilfeausbildung).
Einwohner, im EU-Durchschnitt sind es gut gegenwärtig nicht 12 Vollkräfte
Die Differenz zu den oben errechneten
acht.« (Vollzeitäquivalente) im Pflege-
vier Pflegekräften resultiert daraus, dass
– In der Stellungnahme des GKV-Spit- dienst der Krankenhäuser
die OECD-Daten auf den Daten der Ge-
zenverbandes zum geplanten PpSG wird pro 1.000 Einwohner, sondern
sundheitspersonalrechnung basieren, bei
auf Seite 8 unter der Überschrift »Pflege lediglich vier.
denen es sich lediglich um eine Schätzung
im Krankenhaus« zur Personalbesetzung
auf Grundlage einer Bevölkerungsstich-
festgestellt: »Sowohl das Verhältnis an der Die erhebliche Differenz zwischen 12
probe handelt. Die Krankenhausstatistik
Bevölkerung als auch die Wachstumsrate und 4 resultiert offenbar daraus, dass der
ist hingegen eine Vollerhebung aller
liegt weit über dem EU-Durchschnitt«. GKV-SV nicht die Zahl der Pflegekräfte in
Krankenhäuser und insofern genauer. Aber
– In der Pressemitteilung des GKV-SV Krankenhäusern verwendet, sondern die
gleichgültig ob 4 oder 4,6, beide Werte
zum PpSG-Regierungsentwurf wird der Zahl aller »praktizierenden« Pflegekräfte
liegen erheblich unter dem vom GKV-SV
stellvertretende Vorstandsvorsitzende von eines Landes. Die Zahl aller praktizieren-
genannten Wert.
Stackelberg mit der Aussage zitiert: »Wir den Pflegekräfte schließt jedoch auch die
Betrachtet man die OECD-Daten zur
haben in Deutschland rund zwölf Klinik- Pflegekräfte in der ambulanten Pflege und
Zahl der Krankenhauspflegekräfte pro
Pflegekräfte pro 1.000 Einwohner, wäh- in Pflegeheimen ein. Dadurch ist sie für
1.000 Einwohner, so stützen diese Daten
rend es im EU-Durchschnitt lediglich gut die Diskussion über die Personalbesetzung
auch nicht die Behauptung des GKV-SV,
acht sind. Bei diesem überdurchschnittlich im Pflegedienst der Krankenhäuser voll-
die Personalbesetzung im Pflegedienst
guten Verhältnis sollten wir eigentlich kommen ungeeignet.
deutscher Krankenhäuser sei im internatio-
keine Pflegeprobleme in den Kliniken In seiner Darstellung stützt sich der
nalen Vergleich gut und liege über dem
haben.« GKV-Spitzenverband offensichtlich auf eine
EU-Durchschnitt. Mehrere von der Wirt-
Veröffentlichung der EU, aus der eine ent-
schaftskraft und dem Niveau der medizini-
Die Behauptung, in Deutschland sprechende international vergleichende
schen Versorgung her vergleichbare Länder
gebe es 12 Klinik-Pflegekräfte Grafik auf S. 8 der GKV-Stellungnahme
weisen deutlich höhere Werte auf als
pro 1.000 Einwohner, entspricht zum Pflegepersonal-Stärkungsgesetz über-
Deutschland. So lag die Zahl der Kr anken-
nicht den Tatsachen. nommen wurde. Die abgedruckte Grafik
haus-Pflegekräfte (VZÄ) pro 1.000 Ein-
bezieht sich jedoch nicht, wie in der
wohner laut OECD in den J ahren 2014/
Die tatsächliche Zahl lässt sich anhand Zwischenüberschrift der Stellungnahme
2015 in Dänemark bei 8,2, in Norwegen
der Daten des Statistischen Bundesamtes behauptet, auf die Pflegekräfte in Kran-
bei 7,5, in Österreich bei 6,9, in der
leicht ermitteln: kenhäusern, sondern auf alle praktizieren-
Schweiz bei 6,5.
– Laut Statistischem Bundesamt gab es den Pflegekräfte der verglichenen Länder.
Da zu dieser Kennzahl nicht von allen
in Deutschland Ende 2017 82,8 Mio. Ein- Die mit der Grafik aus der EU-Publika-
europäischen Staaten Daten vorliegen,
wohner. tion übernommene Anmerkung gibt auch
ist es zudem auch nicht möglich, einen
– Laut amtlicher Krankenhausstatistik einen unmissverständlichen Hinweis dar-
EU-Durchschnitt zu errechnen.
waren im Jahr 2017 im Pflegedienst deut- auf, dass bis auf zwei Länder nicht nur
14 Infodienst Krankenhäuser Nr. 83 Dezember 2018Volksbegehren für mehr Krankenhauspersonal im Bundesland
Bremen gestartet | 102.137 Unterschriften in Bayern
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Bundesland Bremen (Städte
Bremerhaven und Bremen)
Die Situation in Bremer Kranken-
häusern ist mittlerweile an vielen
Stellen unerträglich für Patien-
tInnen und Beschäftigte. Über-
lastung, Stress und zu wenig Zeit
für die Versorgung von Patien-
tInnen prägen den Alltag. Jörn
Bracker, ver.di-Gewerkschafts-
sekretär Fachbereich Gesundheit,
Soziale Dienste, Wohlfahrt und
Kirchen dazu: »Der Klinikalltag
kann häufig nur deshalb aufrecht-
erhalten werden, weil die Pflege-
kräfte immer wieder Überstunden
machen, spontan einspringen https://volksbegehren-krankenhauspersonal-bremen.de/
und so ihre Interessen und ihre https://m.facebook.com/bremerkrankenhauspersonal/
Gesundheit hinten anstellen.«
Ziel ist die Schaffung besserer Dazu eine Sprecherin des Bünd- Bayern
Arbeits- und Versorgungsbedin- nisses, Ariane Müller: »Ich lehne Innerhalb von zwei Monaten hat das Bündnis
gungen an allen Krankenhäusern die neue Verordnung von Spahn »Stoppt den Pflegenotstand an Bayerns Kranken-
Bremens. ab. Die bringt uns kein Stück häusern« 102.137 Unterschriften für ein Volks-
Nach dem Vorbild der Pflege- weiter. Was wir brauchen ist eine begehren gesammelt.
bündnisse in Berlin, Hamburg und patientenorientierte Personal- Damit ist Bayern nach Berlin und Hamburg das
Bayern strebt nun das Bremer bemessung.« dritte Bundesland, in dem eine breit getragene
Bündnis ebenfalls die Verankerung https://bremen.verdi.de/ Gesundheitsbewegung Druck für mehr Personal im
einer bedarfsgerechten Personal- 24.10.2018 Krankenhaus macht.
planung als Qualitätsstandard im
Bremischen Krankenhausgesetz Zu Bayern siehe
(BremKrhG) durch einen Volks- Infodienst 82,
entscheid an. S. 16
Impressionen aus Bayer n
Klinikum Main-Spessart, Standort Lohr
Klinikum Aschaffenburg
Würzburg
Infodienst Krankenhäuser Nr. 83 Dezember 2018
15Aktionstage PsychPVplus
»Gespräch wirkt mehr als manche Pille«
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ZfP Weinsberg (BaWü) Vitos Riedstadt (Hessen)
In etlichen psychiatrischen Kliniken haben Beschäftigte für deststandards in der Psychiatrie –
angemessene Personalvorgaben protestiert. Kritik an allerdings hinter verschlossenen
»Geheimniskrämerei« von Krankenhäuser n und Versicherungen. Türen. Ob die Regelungen, die am
1. Januar 2020 in Kraft treten sol-
Mit kreativen Aktionen haben Personal platzt der Anspruch auf len, tatsächlich eine gute Versor-
Belegschaften dutzender psychia- gute Versorgung. gung garantieren, ist völlig offen.
trischer Krankenhäuser und Fach- »Beziehungsarbeit ist in der Es ist sogar unklar, ob sich Kran-
abteilungen Mitte Oktober 2018 Psychiatrie das Wichtigste«, be- kenhäuser und Kostenträger über-
für eine bessere Personal- tonte Nicole Klingenberger, haupt einig werden. »Wir brau-
ausstattung protestiert. Betriebsrätin und gelernte chen klare Regeln, die möglichst
So hingen überall in Fachkrankenschwester keine Interpretationsspielräume
der Cafeteria des für Psychiatrie am zulassen«, forderte Klingenberger.
LVR-Klinikums Bonn Vitos-Klinikum Gießen- So müssten verbindliche Vorgaben
bunte ver.di-Luft- Marburg. »Doch damit für die Personalausstattung in
ballons mit der Auf- man die Zeit dafür hat, allen relevanten Berufsgruppen
schrift »Mehr Personal« braucht es ausreichend gemacht werden, damit Verbesse-
und angehängten Informa- Personal auf den Stationen.« rungen bei der einen nicht zu Las-
tionskärtchen. Am Bezirksklinikum Auch hier stellten die Beschäftig- ten der anderen Gruppe gehen.
Ansbach zeigten Beschäftigte ein ten die fehlenden Stellen symbo-
großes »Plus«, um ihre Forderung lisch mit Luftballons dar. In Gießen Zu wenig Zeit für Zuwendung
nach einer Psych-PVplus zu unter- und Marburg hätten sich die »Schaffst du deine Arbeit, oder
streichen, die eine bedarfsge- ver.di-Aktiven vorgenommen, bei schafft sie dich?« und »Heute
rechte Versorgung und gute Ar- allen Aktionen für mehr Personal schon Gewalt erlebt?« stand auf
beitsbedingungen ermöglicht. Und dabei zu sein, erläuterte Klingen- handgeschriebenen Zetteln, die
im Städtischen Krankenhaus berger. »Gerade jetzt ist das wich- Beschäftigte bei Vitos in Riedstadt
Pirmasens, das drei psychiatrische tig.« auf den Boden vor der Pforte ge-
Stationen betreibt, ließen die Kol- Denn derzeit verhandeln Kran- klebt hatten. »Die Probleme sind
leg/innen am Ende ihrer Aktion die kenkassen und Kliniken im Ge- immens«, erläuterte ver.di-Ver-
Luftballons platzen, um deutlich meinsamen Bundesausschuss trauensleutesprecher Michael
zu machen: Ohne ausreichendes (G-BA) über neue Personalmin- Todiso bei der aktiven Mittags-
S T E FA N Z E H E
MARTINA LINDMAIER
Schloss Werneck (Bayern) Vitos Marburg (Hessen)
16 Infodienst Krankenhäuser Nr. 83 Dezember 2018Sie können auch lesen