ÖKOLOGISCHER LANDBAU IN EUROPA - PERSPEKTIVEN UND ENTWICKLUNGEN 2016 - ifoam eu
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HERAUSGEBER: Stephen Meredith und Helga Willer
HERAUSGEBER DER DEUTSCHEN PUBLIKATION: Sebastian Mittermaier
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ZUSAMMENSTELLUNG DER STATISTISCHEN DATEN, REDAKTION UND BEARBEITUNG: FiBL Projekte GmbH
ÜBERSETZUNG DER ENGLISCHEN ORIGINALVERÖFFENTLICHUNG INS DEUTSCHE: Claudia Paiano und Sebastian
Mittermaier
EIN BESONDERER DANK FÜR IHREN BEITRAG GEBÜRT: Matthias Stolze, Raffaele Zanoli, Julia Lenroud und Diana Schaack
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Die von den Autoren geäußerten Ansichten sind ihre eigenen und geben nicht unbedingt die Position der IFOAM EU
wieder. Es wurde alles unternommen um die Richtigkeit der Publikation zu gewährleisten und um alle Daten und Berichte zu
den einzelnen Ländern zu sammeln, dabei können einzelne Fehler und Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Korrekturen
und inhaltliche Anmerkungen bezüglich der ökologischen Erzeugung und der Marktentwicklung sind schriftlich an
helga.willer@fibl.org zu senden. Sollten inhaltliche Änderungen notwendig sein, werden diese unter, www.ifoam-eu.org und
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DOWNLOAD DES BUCHES AUF DER IFOAM EU WEBSITE: www.ifoam-eu.org
© 2016. IFOAM EU and FiBL
ISBN: 978-3-03736-322-5
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UNTERSTÜTZER:
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OrganicsIFOAM EU, FiBL, Polytechnische Universität der Marken und Naturland ÖKOLOGISCHER LANDBAU IN EUROPA PERSPEKTIVEN UND ENTWICKLUNGEN 2016
VORWORT
Es ist mir eine große Freude, Ihnen die zweite Ausgabe von Ökologischer Landbau in Europa:
Perspektiven und Entwicklungen 2016 vorstellen zu können. Sie bietet einen wertvollen Überblick
über die neuesten Entwicklungen und Zukunftsperspektiven der ökologischen Erzeugung
und des Marktgeschehens in Europa in einem Jahr, das mit einem Umsatz von 24 Milliarden
Euro in den Ländern der EU-28 (26 Mrd. Euro in ganz Europa) erneut ein nie dagewesenes
Wachstum der europäischen Lebensmittelmärkte mit Bio-Produkten zu verzeichnen hatte.
Doch schon in den letzten Jahrzehnten waren die Wachstumszahlen zweistellig – nicht nur
hinsichtlich des europäischen Marktes sondern auch, was die ökologisch bewirtschaftete
Anbaufläche betrifft, die nun 5,7 % des gesamten Agrarlands der Länder der EU-28 stellt (2,4
% in Europa).
Gleichzeitig ist zu sehen, dass sich trotz der zunehmenden Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln
bei den europäischen Verbraucherinnen und Verbrauchern das Wachstum der ökologisch
bewirtschafteten Anbaufläche in der EU verlangsamt und in einigen Fällen stagniert oder
sogar zurückgeht. Dies verwundert einfach, vor allem wenn man die zunehmenden und
von der Öffentlichkeit stärker wahrgenommenen Herausforderungen, denen die Land-
und Lebensmittelwirtschaft in Europa und der Welt hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit
gegenübersteht, betrachtet. All diese aktuellen Entwicklungen in Europa zeigen nicht
nur, dass es positiver politischer Rahmenbedingungen bedarf, in der Landwirte und
Lebensmittelunternehmer wichtige Investitionsentscheidungen treffen können, sondern
auch, wie wichtig es ist, zuverlässige Informationen zur Produktion und zum Markt finden zu
können.
Diese Entwicklungen berücksichtigend besteht dieses Buch aus zwei Teilen, die beide Themen
behandeln. Das erste Kapitel setzt sich mit dem aktuellen Missverhältnis zwischen dem
Angebot und der Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln in Europa auseinander und wie solche
Lücken geschlossen werden sollten. Solche Reflexionen sind unabdingbar in Zeiten, in denen
sich die Öko-Bewegung in Europa in ihrer „Organic Vision for Europa in 2030“ (Öko-Vision
für Europa) zum Ziel gesetzt hat, dass innerhalb der nächsten 15 Jahre 50 % des Agrarlands
in Europa auf der Grundlage der Prinzipien des Öko-Landbaus bewirtschaftet werden. Das
zweite Kapitel behandelt die Produktions- und Marktentwicklungen bis 2014 und sucht nach
Mustern von Angebot und Nachfrage, die sich in verschiedenen Teilen Europas abzeichnen.
Wir freuen uns darüber, Ihnen diese Daten dieses Mal mit einer Reihe von interaktiven Grafiken
vorstellen zu können, die Sie auf www.ifoam-eu.org finden.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Lektüre und sind uns sicher, dass dieses Buch eine
nützliche Informationsquelle für die unterschiedlichen Akteure des Öko-Sektors, die
politischen Entscheidungsträger, Journalisten und andere Interessenträger darstellt, die daran
arbeiten, die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft in Europa zu stärken.
Christopher Stopes
Präsident der IFOAM EU
März 2016
Ökologischer Landbau in Europa: Perspektiven und Entwicklungen 2016 5INHALTSVERZEICHNIS
VORWORT 5
DER ÖKO-SEKTOR IN EUROPA: ÜBERWINDUNG DES NISCHENDASEINS 12
Matthias Stolze, Raffaele Zanoli und Stephen Meredith
Schöpft der Öko-Sektor trotz des dynamischen Marktwachstums
sein Potenzial voll aus? 12
Wo steht die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft in Europa heute? 13
Welche Hindernisse bestehen bei der Weiterentwicklung der
ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft? 15
Welche Lösungen gibt es, um es den Öko-Sektor voranzubringen? 18
WACHSTUMSTRENDS DER ÖKOLOGISCHEN LAND- UND
LEBENSMITTELWIRTSCHAFT IN EUROPA 20
Helga Willer, Diana Schaack, Julia Lernoud und Stephen Meredith
Entwicklungen des Marktes und der Erzeugung im Öko-Sektor im Jahr 2014 20
Der Markt für Bio-Erzeugnisse 23
Öko-Unternehmen 36
Ökologisch bewirtschaftete Anbauflächen 40
Ökologische Bodennutzung, Anbaukulturen und Tierhaltung 48
ANHÄNGE 62
LITERATURVERZEICHNIS 80
6 Ökologischer Landbau in Europa: Perspektiven und Entwicklungen 2016Liste der Abbildungen zu Produktion und Markt
Abb. 1: Zunahme der Umsätze mit Bio-Lebensmitteln in Europa, 2005–2014 24
Abb. 2: Umsätze mit Bio-Lebensmitteln in Europa nach Ländern, 2014 25
Abb. 3: A
nteil der Umsätze mit Bio-Lebensmitteln am Gesamtmarkt 26
in Europa nach Ländern, 2014
Abb. 4a: Verteilung der Umsätze mit Bio-Lebensmitteln in den Ländern der EU-28, 2014 27
Abb. 4b: Verteilung der Umsätze mit Bio-Lebensmitteln in Europa, 2014 27
Abb. 4c: Weltweite Verteilung der Umsätze mit Bio-Lebensmitteln nach Binnenmärkten, 2014 27
Abb. 5: Wachstum des Pro-Kopf-Konsums in Europa, 2005−2014 28
Abb. 6: Pro-Kopf-Konsum von Bio-Lebensmitteln in Europa nach Ländern, 2014 29
Abb. 7: Einzelhandelsumsätze nach Absatzwegen in ausgewählten Ländern der EU-28, 2014 30
Abb. 8a: V
erteilung der Umsätze mit Bio-Lebensmitteln in der 34
Tschechischen Republik nach Produktgruppen, 2013
Abb. 8b: Verteilung der Umsätze mit Bio-Lebensmitteln in 34
Frankreich nach Produktgruppen, 2014
Abb. 8c: Verteilung der Umsätze mit Bio-Lebensmitteln in 34
Deutschland nach Produktgruppen, 2014
Abb. 8d: Verteilung der Umsätze mit Bio-Lebensmitteln in 34
Schweden nach Produktgruppen, 2014
Abb. 9: Ökologische Erzeuger und Verarbeiter in Europa nach Ländern, 2014 37
Abb. 10: E ntwicklung der Anzahl von Erzeugern und Verarbeitern 38
in den Ländern der EU-28, 2005−2014
Abb. 11: Öko-Zertifizierung in Europa, 2014 39
Abb. 12: Ökologische Anbauflächen in Europa nach Ländern, 2014 41
Abb. 13a: Verteilung der ökologischen Anbauflächen in den Ländern der EU-28, 2014 42
Abb. 13b: Verteilung der ökologischen Anbauflächen in Europa, 2014 42
Abb. 13c: Verteilung der ökologischen Anbauflächen weltweit nach Ländern, 2014 42
Abb. 14: Anteil der ökologischen Anbauflächen in Europa nach Ländern, 2014 44
Abb. 15: Wachstum der ökologischen Anbauflächen in Europa, 1985−2014 45
Abb. 16: Umstellungsstatus der ökologischen Anbauflächen in Europa, 2014 46
Abb. 17: Umstellungsstatus der ökologischen Anbauflächen in Europa nach Ländern, 2014 47
Abb. 18a: Nutzung der ökologischen Anbauflächen in den Ländern der EU-28, 2014 49
Abb. 18b: Nutzung der ökologischen Anbauflächen in Europa, 2014 49
Abb. 18c: Nutzung der ökologischen Anbauflächen weltweit, 2014 49
Abb. 19: Wachstum der ökologischen Anbauflächen nach 50
Art der Bodennutzung in den Ländern der EU-28, 2005−2014
Abb. 20: Die 10 Länder mit den größten ökologischen Anbauflächen nach Art 50
der landwirtschaftlichen Nutzung in den Ländern der EU-28, 2014
Ökologischer Landbau in Europa: Perspektiven und Entwicklungen 2016 7Abb. 21: Entwicklung ausgewählter, ökologisch angebauter Kulturgruppen 53
in den Ländern der EU-28, 2005−2014
Abb. 22: E ntwicklung der ökologischen Tierhaltung in den Ländern 56
der EU-28 nach Tierart, 2007−2014
Abb. 23: Entwicklung der Produktion von ökologisch erzeugter Kuhmilch 56
in den Ländern der EU-28, 2006−2014
Abb. 24: Selbstversorgungsgrad mit Kraftfutter und Rohprotein in ausgewählten 58
europäischen Ländern, 2011
Liste der Tabellen zu Produktion und Markt
Tabelle 1: Kennzahlen des Bio-Marktes und der Öko-Erzeugung in Europa nach 21
Ländergruppen, 2014
Tabelle 2: E ntwicklungen der Einzelhandelsumsätze mit Bio-Lebensmitteln in 23
Europa nach Ländergruppen, 2014
Tabelle 3: A
nteile der Bio-Produktgruppen am Gesamtmarkt in ausgewählten 31
europäischen Ländern, 2014
Tabelle 4: Ökologische Erzeuger, Verarbeiter und Importeure in 36
Europa nach Ländergruppen, 2014
Tabelle 5: Entwicklung der ökologischen Anbauflächen in Europa nach Ländergruppen, 2014 40
Tabelle 6: Ökologische Anbauflächen nach Art der Bodennutzung 48
in Europa nach Ländergruppen, 2014
Tabelle 7: Die 10 meistangebauten Nutzpflanzen in Europa nach Ländergruppen, 2014 51
Tabelle 8: Ökologische Tierhaltung nach Tierart und Gesamtanteil in Europa, 2014 55
Tabelle 9: Produktion und Nachfrage nach Öko-Kraftfutter in ausgewählten 57
Ländern Europas, 2011
Liste der Anhänge zu Produktion und Markt
Anhang 1: Entwicklungen der Einzelhandelsumsätze mit Bio-Lebensmitteln 62
in Europa nach Ländern, 2014
Anhang 2: Ökologische Erzeuger, Verarbeiter und Importeure in Europa nach Ländern, 2014 64
Anhang 3: Entwicklung der ökologischen Anbauflächen in Europa nach Ländern, 2014 66
Anhang 4: Nutzung der ökologischen Anbauflächen in Europa nach Ländern, 2014 68
Anhang 5: Die 5 meistangebauten Nutzpflanzen in Europa nach Ländern, 2014 74
8 Ökologischer Landbau in Europa: Perspektiven und Entwicklungen 2016Der Öko-Sektor in Europa: Überwindung des Nischendaseins 9
10 Ökologischer Landbau in Europa: Perspektiven und Entwicklungen 2016
Der Öko-Sektor in Europa: Überwindung des Nischendaseins 11
01 DER ÖKO-SEKTOR
IN EUROPA:
ÜBERWINDUNG DES
NISCHENDASEINS
Matthias Stolze,1 Raffaele Zanoli2
und Stephen Meredith3
SCHÖPFT DER ÖKO-SEKTOR TROTZ DES
DYNAMISCHEN MARKTWACHSTUMS SEIN
POTENZIAL VOLL AUS?
In den letzten drei Jahrzehnten ist die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft in
ganz Europa Jahr für Jahr gewachsen. Allein in der Europäischen Union (EU) ist die gesamte
ökologische Anbaufläche seit Mitte der 1980er-Jahre stetig auf 10,3 Mio. Hektar gewachsen
(Stand 2014). Gleichzeitig war über die letzten zehn Jahre hinweg ein reges Marktwachstum zu
verzeichnen, denn zwischen 2005 und 2014 hat sich der Gesamtwert des Einzelhandelsmarktes
mit Bio-Produkten von 11,1 Mrd. Euro auf 24 Mrd. Euro verdoppelt. Weitere Einzelheiten zu den
aktuellen Entwicklungen der Öko-Erzeugung und des Bio-Marktes in Europa im Jahr 2014 sind
in Kapitel 2 zu finden.4
Diese Entwicklungen zeigen den dynamischen und innovativen Charakter der ökologischen
Land- und Lebensmittelwirtschaft und entsprechen den Erwartungen der politischen
Entscheidungsträger und der Nachfrage der Konsumenten in der Europäischen Union nach
einer qualitativ hochwertigen Lebensmittelerzeugung, welche für den Umweltschutz, eine
artgerechte Tierhaltung und die Entwicklung des ländlichen Raums eintritt. In jüngster
Zeit setzte sich die Öko-Bewegung vermehrt für den Wechsel hin zu einem gerechteren,
umweltbewussteren und gesünderen Lebensmittel- und Landwirtschaftssystem bis 2030
ein. Die Zielsetzung umfasst, dass 50 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Europa
nach den Prinzipien des Ökolandbaus – Gesundheit, Ökologie, Gerechtigkeit und Sorgfalt
– bewirtschaftet werden.5 Trotz des noch nie dagewesenen Wachstums besteht jedoch
weiterhin ein beträchtliches Ungleichgewicht zwischen dem aktuellen Angebot und der
wachsenden Nachfrage nach Bio-Erzeugnissen.
Wenn man das aktuelle Marktwachstum, die zunehmende Öko-Erzeugung in den letzten
Jahrzehnten und die Zielsetzung der Europäischen-Öko-Bewegung betrachtet, so besitzt der Öko-
Sektor noch viel Potenzial, um als Vorbild für eine kluge, nachhaltige und integrative Entwicklung
12 Ökologischer Landbau in Europa: Perspektiven und Entwicklungen 2016der gesamten Landwirtschaft zu agieren. Wenn es dem Sektor jedoch nicht gelingt, die Lücke
zwischen Angebot und Nachfrage zu schließen, könnte Europa die Chance vergeben, aus
dem nachhaltigen Wachstums- und Investitionspotenzial des Öko-Sektors Nutzen zu ziehen.
In dieser Hinsicht können sowohl die politischen Entscheidungsträger als auch der Öko-
Sektor bei der Förderung der fortschreitenden Entwicklung der ökologischen Land- und
Lebensmittelwirtschaft in Europa eine wichtige Rolle spielen.
WO STEHT DIE ÖKOLOGISCHE LAND-
UND LEBENSMITTELWIRTSCHAFT IN
EUROPA HEUTE?
Der Bio-Markt entwickelt sich in
jedem Land unterschiedlich schnell
Beim Wachstum des Marktes für Bio-Lebensmittel zeichnen sich in den einzelnen
Mitgliedstaaten der Europäischen Union Unterschiede ab. Während im Jahr 2014 der
Einzelhandelsumsatz mit Bio-Lebensmitteln in Schweden (+45 %) und Frankreich (+10 %) ein
zweistelliges Wachstum zu verzeichnen hatte, lagen die Wachstumsraten in Ländern wie Belgien
(+3,8 %) und dem Vereinigten Königreich (+4 %) unter dem Durchschnitt. In ähnlicher Weise
bestehen zwischen einigen Mitgliedstaaten enorme Unterschiede beim Pro-Kopf-Konsum
von Bio-Lebensmitteln, wobei hier Luxemburg und Dänemark führend sind und die Slowakei
und Bulgarien am unteren Ende vertreten sind. Trotz dieser Unterschiede gaben die EU-Bürger
im Durchschnitt wesentlich mehr für Bio-Lebensmittel aus und der Bio-Markt stellt in der
Europäischen Union einen wichtigen Wachstumsbereich des Lebensmitteleinzelhandels dar.
Aktuelle Entwicklungen des Bio-Marktes in der Europäischen Union
• Dynamischer Einzelhandelsmarkt: Der Markt für Bio-Produkte verzeichnet ein konstantes
Wachstum und nahm 2014 um 7,4 % zu, was angesichts einer durchschnittlichen jährlichen
Wachstumsrate (2006–2012) im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel von ca. 2–3 % ei-
nen außerordentlichen Wert darstellt.6
•
Konsumentinnen und Konsumenten geben mehr für Bio-Lebensmittel aus:
Zwischen 2005 und 2014 nahm der Pro-Kopf-Konsum von Bio-Lebensmitteln von 22,40 Euro
auf 47,40 Euro um 110 % zu. Im selben Zeitraum blieb der Haushaltskonsum von Lebensmitteln
und alkoholfreien Getränken mit einem Wachstum von nur 13 % fast konstant.7
• Verbrauchernachfrage nach qualitativ hochwertigen Erzeugnissen: Bestimmte Bio-
Produktgruppen erzielen überdurchschnittliche Marktanteile
-
Bio-Eier haben in Österreich, Belgien, Finnland, Frankreich, Deutschland und den
Niederlanden einen Marktanteil von 11–22 %.
- Milchprodukte haben in Österreich, Deutschland und den Niederlanden einen Marktanteil
zwischen 5 und 10 %. Milch allein kann sogar noch höhere Anteile erzielen, z. B. 15,7 % in Österreich.
- Obst und Gemüse hat in vielen nationalen Märkten für Bio-Erzeugnisse einen Marktanteil
von rund 20 %, wie beispielsweise in Italien, Irland, Frankreich, Deutschland und Schweden.
Der Öko-Sektor in Europa: Überwindung des Nischendaseins 13Das Potenzial des Marktes für Bio-Erzeugnisse
ist noch nicht vollständig ausgeschöpft
Aktuelle Studien, die sich auf Verbraucher in den USA und Westeuropa stützen, zeigen, dass
Frauen, Liebhaber guten Essens und jüngere Menschen eher an Bio-Produkten interessiert
sind.8 Während sich fast alle Verbraucher über die Existenz von Bio-Erzeugnissen bewusst
sind, ist die Kommunikation jedoch verbesserungswürdig. Zum Beispiel kennt nur ungefähr
die Hälfte der Verbraucher den Unterschied zwischen ökologischen und nichtökologischen
Erzeugnissen oder die spezifischen Voraussetzungen der Bio-Siegel für die Bio-Produktion.
In den USA denken zum Beispiel 92 % der Verbraucher, dass Bio-Produkte so gut wie
konventionelle Produkte schmecken, während in Westeuropa die Erwartung eines besseren
Geschmacks einer der Hauptgründe für den Kauf von Bio-Lebensmitteln zu sein scheint.
Professionelle Köchinnen und Köche teilen übrigens diese Erwartungen.9
Trotz des dynamischen Marktwachstums
bleibt die Öko-Erzeugung in der EU zurück
Wie entwickelt sich in der Europäischen Union das Marktwachstum im Vergleich zu den
ökologisch bewirtschafteten Anbauflächen? Im Jahr 2014 wurden 10,3 Mio. Hektar ökologisch
bewirtschaftet, was 5,7 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche in der EU entspricht.
Das jährliche Wachstum der ökologisch bewirtschafteten Anbaufläche sank jedoch auf 1,1 %.
Obwohl in den letzten 10 Jahren die Anzahl von ökologischen Erzeugern um fast 60 % zunahm,
war 2014 in verschiedenen Ländern kaum Wachstum und in der gesamten EU sogar ein leichter
Rückgang von 0,2 % zu verzeichnen. In einigen Vorreiterländern der Öko-Erzeugung, wie
Österreich, Dänemark, Deutschland und dem Vereinigten Königreich, stagniert die ökologisch
bewirtschaftete Anbaufläche und die Anzahl von Öko-Höfen und nimmt sogar teilweise ab.
Man könnte argumentieren, dass diese langsameren Wachstumsraten und -rückgänge ein
Indiz für die Konsolidierung der Entwicklung ökologischer Anbaugebiete sind. In anderen
Mitgliedstaaten steht das positive Wachstum diesem Trend jedoch entgegen: In Ländern
wie Belgien, Frankreich, Italien, Portugal, Spanien, Bulgarien, Kroatien und der Slowakei nahm
2014 die ökologische Anbaufläche im Vergleich zu 2013 beispielsweise um mehr als 5 % zu. In
einigen dieser Länder, wie Portugal, Spanien und Bulgarien, ging dieses Wachstum mit einer
steigenden Anzahl von Öko-Höfen einher.
Im Gegensatz zur Entwicklung von Öko-Höfen in der EU nahm 2014 die Anzahl von
ökologischen Verarbeitern gegenüber 2013 mit ca. 8 000 neuen Verarbeitern deutlich zu. Bio-
Lebensmittel stellen für Landwirte, Importeure, Einzelhändler und Verarbeiter ein attraktives
Geschäftsfeld dar, weshalb das dynamische Wachstum des Marktes für Bio-Erzeugnisse dazu
führt, dass immer mehr Importeure und Einzelhändler in den Öko-Sektor einsteigen oder
ihr Engagement für Bio-Lebensmittel erweitern. Die Öko-Erzeugung entwickelt sich jedoch
nicht überall mit derselben Geschwindigkeit. In der Europäischen Union bleibt sie hinter
dem Wachstum des Marktes für Bio-Produkte zurück, so besteht die reelle Gefahr, dass die
zunehmende Nachfrage durch Importe gedeckt wird und die Landwirtinnen und Landwirte
der EU davon nicht profitieren.
14 Ökologischer Landbau in Europa: Perspektiven und Entwicklungen 2016WELCHE HINDERNISSE BESTEHEN BEI DER
WEITERENTWICKLUNG DER ÖKOLOGISCHEN
LAND- UND LEBENSMITTELWIRTSCHAFT?
Es existieren einige Hürden, welche es Landwirtinnen und Landwirten sowie Lebensmittelunter-
nehmen erschweren, aus der zunehmenden Nachfrage nach Bio-Erzeugnissen hinsichtlich des
Einkommens und der Schaffung von Arbeitsplätzen Nutzen zu ziehen.
Mitgliedstaaten messen dem ökologischen
Landbau unterschiedliche Prioritäten bei
In den einzelnen Mitgliedstaaten der Europäischen Union unterscheidet sich die
flächenbezogene Förderung des ökologischen Landbaus (Maßnahme 11: Umstellung und
Beibehaltung der ökologischen Wirtschaftsweise) im Rahmen der neuen Programme des
Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) beträchtlich.10
Die jüngsten Zahlen hinsichtlich der EU-Ausgaben für Beihilfen zur Umstellung und Beibehaltung
des ökologischen Landbaus reichen anteilig an den gesamten EU-Ausgaben für die ELER-
Programme von 0,2 % in Malta bis 13,2 % in Dänemark, wodurch die Möglichkeiten zur Ausweitung
der ökologischen Anbaufläche beschränkt sind (siehe folgende Abbildung). Die Niederlande stellen
im Rahmen ihrer neuen ELER-Programme keine gezielten Maßnahmen für den Ökolandbau bereit.
Die Gesamtzuwendungen des ELER für 2014–2020 für den ökologischen Landbau betragen
6,286 Mrd. Euro bzw. 6,4 % des gesamten ELER-Budgets (98 958 Mrd. Euro). Somit entsprechen
die an den EU-Ausgaben für die ländliche Entwicklung anteiligen Zuwendungen für den
Ökolandbau ungefähr der Größe der ökologischen Anbaufläche im Jahr 2014, die 5,7 % der
gesamten Anbaufläche der EU betrug. Wenn man die Größe der ökologisch bewirtschafteten
Anbaufläche und die Wichtigkeit, die jeder Mitgliedstaat der Unterstützung des ökologischen
Landbaus beimisst, miteinander vergleicht, ist kein gemeinsames Muster erkennbar. Länder
wie Belgien, Bulgarien, Zypern, Dänemark, Deutschland oder beispielsweise Griechenland
scheinen der Förderung des ökologischen Landbaus im Rahmen der neuen ELER-Programme
eine größere Wichtigkeit beizumessen als Länder wie Estland, Finnland, Portugal, Slowenien,
die Slowakei und das Vereinigte Königreich. Zwischen den Mitgliedstaaten bestehen
auch Unterschiede in der Höhe der Beihilfen, die auf Faktoren wie Differenzierungen von
Zahlungen nach Art der Bodennutzung, unterschiedliche ökonomische Annahmen und
auf unterschiedliche Komponenten für die Kosten- und Einkommensverluste bei den
Zahlungsberechnungen zurückzuführen sind. Entsprechend kann das Ausmaß, in dem die
Mitgliedstaaten dem ökologischen Landbau und den entsprechenden Budgetvergaben und
-Beschränkungen Priorität beimessen, die Zahlungsraten und das politische Umfeld für die
Entwicklung des ökologischen Landbaus bedingen.
Ob sich der Öko-Sektor aktiv entwickelt oder nicht, hängt nicht nur von entsprechenden Flächen-
zahlungen ab, sondern ist auch von unterschiedlichen staatlichen Fördermaßnahmen, einschließ-
lich solcher für die Beibehaltung und Umstellung, für das Marketing und für die Aus- und Weiter-
bildung11, abhängig.
Der Öko-Sektor in Europa: Überwindung des Nischendaseins 15Nicht alle nationalen oder regionalen Förderungen des ökologischen Landbaus basieren auf ei-
ner klaren Strategie zur Weiterentwicklung des Öko-Sektors. Zum Beispiel werden nationale und
regionale Aktionspläne für den ökologischen Landbau als ein Mechanismus zur Erreichung einer
integrierten und ausgewogeneren Herangehensweise an die den Öko-Sektor betreffenden poli-
tischen Entscheidungen in den unterschiedlichen europäischen Ländern und auf EU-Ebene mit
unterschiedlichen Wirkungsgraden verwendet.12
Österreich
Belgien
Bulgarien
Zypern
Kroatien
Tschechische Republik
Dänemark
Estland
Finnland
Frankreich
Griechenland
Deutschland
Ungarn
Irland
Italien
Lettland
Litauen
Luxemburg
Niederlande
Malta
Polen
Portugal
Rumänien
Slowakei
Slowenien
Spanien
Schweden
Vereinigtes Königreich
0% 5% 10 % 15 % 20 %
Anteil der ELER-Förderung des ökologischen Landbaus (Maßnahme 11) nach Mitgliedstaaten (2014–2020)
Anteil der ökologischen Anbaufläche an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche (2014) [%]
Anteil der Förderung des ökologischen Landbaus (Maßnahme 11) des gesamten ELER (2014–2020)
Abb.: Beitrag der ELER-Förderung zur Maßnahme 11 im Rahmen der GAP 2014–2020
im Vergleich zur gesamten ökologisch bewirtschafteten Anbaufläche im Jahr 2014
nach Mitgliedstaaten
Quelle: GD Landwirtschaft und ländliche Entwicklung 2016 und eigene Berechnungen von Willer et al. 2016
16 Ökologischer Landbau in Europa: Perspektiven und Entwicklungen 2016Schwächen in den Lieferketten des Öko-Sektors
Lieferketten weisen Lücken zwischen Angebot und Nachfrage, Fehler in der Logistik und/oder
andere Schwächen auf, die eine Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage erschweren.
Die meisten Studien zu Lieferketten im Öko-Sektor zeigen eine Reihe von Problemen
hinsichtlich ihrer Struktur und Leistungsfähigkeit auf:
• hohe Betriebskosten
• mangelnde Angleichung von Angebot und Nachfrage
• mangelhafte Zuverlässigkeit des Angebots
• fehlende Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern der Lieferkette
• unterschiedliche Werte und Motivationen unter den verschiedenen Akteuren
innerhalb der Lieferkette
• mangelnder Informationsfluss
Aktuell besteht hinsichtlich dieser Problematiken eine große Wissenslücke. Aus Sicht der
Mitglieder der Lieferketten und der Endverbraucher mangelt es der Wertschöpfungskette und
dem Wertschöpfungsnetzwerk im Bio-Lebensmittelsystem zudem oft an Transparenz. Zwar
hat sich das Angebot an Bio-Erzeugnissen in der Vergangenheit als äußerst anpassungsfähig
an sich wandelnde Anforderungen gezeigt, jedoch muss sich die Lieferkette zukünftig an
sich schnell verändernde demographische Faktoren und Vorlieben der Verbraucherinnen
und Verbraucher, aber auch an ein zunehmend komplexeres und globales Geschäftsumfeld
anpassen. Um mit dieser zunehmenden, globales Komplexität Schritt halten zu können, bedarf
es einer verbesserten Rückverfolgbarkeit und verbesserten Sicherungssystemen. Gemeinsam
mit gerechteren und kürzeren Lieferketten sind diese Systeme für die Sicherung der Integrität
der Bio-Lieferkette und gleichzeitiger Aufrechterhaltung bzw. einer weiteren Stärkung des
Vertrauens der Konsumentinnen und Konsumenten unverzichtbar. Zudem gibt es einige
Anzeichen dafür, dass trotz der im Allgemeinen kooperativen Haltung der Unternehmen im
Öko-Sektor noch Verbesserungspotenzial besteht.13
Der ökologische Landbau hat sich hauptsächlich
auf der Ebene der Primärproduktion entwickelt
Diese Tatsache spiegelt sich in der Forschung, in den Innovationen und in den Regulierungen
des Öko-Sektors wider. Während die Verbraucher oft fertig verarbeitete Produkte erwarten,
ist die ökologische Verarbeitung insgesamt weniger entwickelt und reguliert als die
Primärproduktion. Zur Bindung aktueller und zukünftiger Kundinnen und Kunden sind im
Öko-Sektor deshalb Investitionen in sorgfältige Verarbeitungsmethoden und nachhaltige
und wiederverwendbare Verpackungen sowie ein besseres Verständnis von Qualitäts-
und Sicherheitsfragen in Lieferketten in Kombination mit Regulierungen von höchster
Bedeutung. Weitere Herausforderungen, die hinsichtlich der Bio-Lieferketten bestehen,
sind die Minimierung der Transportwege von Lebensmitteln und der Auswirkungen des
Klimawandels, sowie die Notwendigkeit, die Logistik des Netzwerks der ökologischen
Erzeugung zu optimieren.
Der Öko-Sektor in Europa: Überwindung des Nischendaseins 17Schlechte Markttransparenz führt zu unzureichenden
Informationen für zukünftige Investitionen
Positive Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Öko-Sektors erfordern nicht nur eine
zuverlässige Unterstützung von Landwirtinnen und Landwirten und Lebensmittelunternehmen
von Seiten der Politik, sondern auch ein zuverlässiges Informationssystem. Trotz der
Bemühungen von privaten Institutionen des Öko-Sektors und der Tatsache, dass die
EU-Gesetzgebung zum ökologischen Landbau die Sammlung relevanter statistischer
Informationen als ein Werkzeug für Marktbeteiligte und politische Entscheidungsträger
fordert, sind die Daten zum Markt für Bio-Erzeugnisse eindeutig nicht so detailliert und
zuverlässig wie die Statistik der konventionellen Landwirtschafts- und Lebensmittelindustrie.
Dies trifft sogar auf Länder mit relativ gut entwickelten Bio-Märkten zu.
Tatsächlich sind die Bio-Marktdaten in den meisten Ländern sehr lückenhaft und in den meisten
Ländern der EU existieren keinerlei Daten zum Binnenmarkt, zum internationalen Handel
und zu Verbraucherpreisen oder Produktionsvolumina. Unvollständige Aufschlüsselungen
nach Nutzpflanzen oder Produkten geordnete Aufstellungen sind Informationen, die für
Unternehmen kaum nützlich sind. Noch schlimmer ist, dass es keine einheitliche Vorgehens-
weise bei der Sammlung dieser Daten gibt.14 Schließlich sind auch zu wenige Informationen zur
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit von Öko-Höfen in der EU verfügbar. Bulgarien, Malta und
Rumänien integrieren beispielsweise keine Öko-Betriebe in das Informationsnetz landwirtschaft-
licher Buchführungen (INLB) der Europäischen Union. Bei etwa der Hälfte der Mitgliedstaaten ist
die Erfassung von Öko-Höfen im INLB mangelhaft und die wenigen Stichproben lassen keine zu-
verlässigen Rückschlüsse auf ihre Wettbewerbsfähigkeit zu. Demzufolge besteht auf dem Markt
für Bio-Erzeugnisse ein Mangel an Transparenz, was ihn wenig attraktiv für Investitionen macht.
WELCHE LÖSUNGEN GIBT ES, UM DEN
ÖKO-SEKTOR VORANZUBRINGEN?
Wie können wir diese Hürden überwinden, damit der gesamte Landwirtschafts- und Lebensmit-
telsektor die Dynamik des ökologischen Marktwachstums besser für sich nutzen kann? Sowohl
die politischen Entscheidungsträger als auch der Öko-Sektor selbst spielen eine wichtige Rolle
beim Überwinden der Hindernisse, welche die Landwirtinnen und Landwirte und Unternehmen
daran hindern, in die Weiterentwicklung der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft zu
investieren. Es gibt verschiedene Bereiche, in denen die politischen Entscheidungsträger Verbes-
serungen der aktuellen politischen Rahmenbedingungen vornehmen könnten:
• Die Mitgliedstaaten sollten eine klare Strategie für den Öko-Sektor verfolgen. Die Unterstüt-
zung der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft sollte so konzipiert sein, dass relevante
Weiterentwicklungsengpässe überwunden werden. Da es keine Patentlösung gibt, müssen die
Unterstützungen sowohl die Entwicklung von Angebot und Nachfrage auf den Märkten in Be-
tracht ziehen als auch an nationale und regionale Umstände angepasst werden. Zudem muss
bei der Gestaltung der Öko-Politik berücksichtigt werden, dass es Konflikte und Synergien zwi-
schen der Förderung des ökologischen Landbaus und anderen Fördermaßnahmen geben könnte.
Daher ist ein in sich stimmiger Politikansatz zur Förderung des ökologischen Landbaus erforderlich.
18 Ökologischer Landbau in Europa: Perspektiven und Entwicklungen 2016• Kürzere Lieferketten im Öko-Sektor, welche in ökologischer und sozialer Sicht Vor-
teile bergen, sollten besser unterstützt werden. Infolgedessen müssen nationale und
regionale ELER-Programme lokale Lebensmittelmärkte (Wochenmärkte) und das Supply
Chain Management (Lieferkettenmanagement) stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit
rücken. Dadurch wird ein besseres Gleichgewicht zwischen dem lokalen, regionalen und
internationalen Angebot von Bio-Erzeugnissen erreicht.
• Zur Verbesserung der Genauigkeit der Datensammlung zum Markt für Bio-Erzeug-
nisse sind bessere statistische Verfahren notwendig. Um zu vermeiden, dass das aktu-
elle dynamische Bio-Marktwachstum unterdrückt wird, bedarf es zuverlässiger Markt- und
Wirtschaftsdaten – vor allem was die Öko-Höfe betrifft. Die EU sollte das institutionelle Rah-
menwerk für die Sammlung, Analyse und Weitergabe der entsprechenden Daten stärken.
Aussagekräftige und zuverlässige Informationen zur Wettbewerbsfähigkeit und zur wirt-
schaftlichen Leistungsfähigkeit von Öko-Höfen in der EU sind unerlässlich, weshalb die Wirt-
schaftsdaten der Öko-Betriebe eines jeden Mitgliedstaates mithilfe einer Stichprobengröße
in das INLB der EU aufgenommen werden sollten, wodurch eine zuverlässige Analyse und
fundierte Entscheidungsfindung ermöglicht wird.
Der Öko-Sektor kann selbst mehr dafür tun, um die Fortentwicklung der ökologischen Land-
und Lebensmittelwirtschaft in der Europäischen Union zu unterstützen. Die EU-Öko-Bewe-
gung hat dazu in ihrer „Organic Vision for Europa“ (Öko-Vision für Europa) bereits viele wichtige
Aspekte festgehalten. Dazu zählen:
• Das Besinnen auf die transformative Natur der ökologischen Land- und Lebensmit-
telwirtschaft ist für den weiteren Erfolg des ökologischen Landbaus von entscheidender
Bedeutung. Dies erfordert eine Momentaufnahme dessen, was „Bio“ heute ist und wie es
sich proaktiv den neuen politischen, umweltbezogenen und sozioökonomischen Heraus-
forderungen, denen der Agrar- und Nahrungsmittelsektor gegenübersteht, stellen kann.
• Die Wertschöpfungskette muss fest an das Prinzip der Gerechtigkeit gekoppelt sein; dies
basiert auf der Kooperation zwischen allen Akteuren des Öko-Sektors – vom Landwirt, Arbeiter
und Verarbeiter bis hin zum Lieferanten, Händler und Konsumenten. Solche Entwicklungen müs-
sen transformativ und kollaborativ bleiben, wobei gleichzeitig eine maßvolle Herangehensweise
an lokale, regionale und internationale Entwicklung gewährleistet sein muss, anstatt nur mit be-
stehenden Agrar- und Nahrungsmittelsystemen konform zu sein oder sich an diese anzupassen.
• Es sollte ein Paradigmenwechsel in der Bildung und beim Lernen implementiert werden,
um die umfangreichen Erfahrungen und das Know-How zu nutzen, die bereits in den letz-
ten Jahrzehnten von der Öko-Gemeinschaft gesammelt wurden.
• Die größten Herausforderungen des Öko-Sektors müssen gemeistert werden.
Dazu sind Verbesserungen der modernen Agrar- und Nahrungsmittelsysteme und beim
Wissenstransfer notwendig, die von weiteren privaten und staatlichen Investitionen in die
Forschung und in Innovationen im agrarökologischen Bereich unterstützt werden müssen.
Ein von Unterstützung geprägter politischer Rahmen und Investitionen des privaten Sektors, die
auf den ökologischen Prinzipien basieren, können gemeinsam dabei helfen, der Entwicklung
einer dynamischen und innovativen, ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft den Weg
in die Zukunft zu ebnen. Dabei könnten die politischen Entscheidungsträger und der Öko-Sektor
das Potenzial der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft erschließen, indem der wach-
sende Bio-Markt in Europa positiv genutzt wird und der Sektor sein Nischendasein überwindet.
Der Öko-Sektor in Europa: Überwindung des Nischendaseins 1902 WACHSTUMSTRENDS
DER ÖKOLOGISCHEN
LAND- UND LEBENS-
MITTELWIRTSCHAFT
IN EUROPA
Helga Willer,15 Diana Schaack,16 Julia Lernoud17
und Stephen Meredith18
ENTWICKLUNGEN DES MARKTES UND DER
ERZEUGUNG IM ÖKO-SEKTOR IM JAHR 2014
Die Entwicklung des Öko-Sektors im Jahr 2014 war durch zwei gegenläufige Trends
gekennzeichnet: Der Markt wuchs in der Europäischen Union mit einem Einzelhandelsumsatz
von 24 Mrd. Euro (26,2 Mrd. Euro in Europa) schneller als in den zwei vorangehenden Jahren,
was einer Wachstumsrate von ca. 7,4 % (7,6 % in Europa) gegenüber 2013 entspricht. Während
in der EU die Anzahl der Verarbeiter und Importeure, um 19 % beziehungsweise 17 %
zunahm (18,6 % und 16 % in Europa), verlangsamten sich das Wachstum und die Entwicklung
der ökologischen Anbaufläche in der EU jedoch mit einem Wachstum von 1,1 % (2,3 % in
Europa) und einer Abnahme der Anzahl von Erzeugern von 0,2 % (in Europa war eine leichte
Zunahme von 1,4 % zu verzeichnen). In diesem Kapitel werden die neuesten Entwicklungen
des Jahres 2014 in der Erzeugung19 und auf dem Markt20 in Europa aufgezeigt.21 Dabei liegt
der Schwerpunkt auf den 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU-28)22 und den
Kandidaten- und potenziellen Kandidatenländern23 sowie den Mitgliedern der Europäischen
Freihandelsassoziation (EFTA).24 Eine Analyse der aktuellen Markttrends im europäischen
Öko-Sektor und deren Auswirkungen auf die Fortentwicklung der ökologischen Land- und
Lebensmittelwirtschaft sind in Kapitel 1 zu finden.
20 Ökologischer Landbau in Europa: Perspektiven und Entwicklungen 2016Tabelle 1: Kennzahlen des Bio-Marktes und der Öko-Erzeugung in Europa nach
Ländergruppen, 2014
Länder- Umsatz mit Pro- Erzeuger Ökologische Anteil der
gruppe Bio- Kopf-Konsum Anbaufläche ökologischen
Lebensmitteln (EUR) (Mio. Hektar) Anbaufläche
(Mrd. EUR)
EU-28 24 47,4 257 525 10,3 5,7 %
Europa 26,2 35,5 339 824 11,6 2,4 %
Weltweit 62,6 8,3 2 260 361 43,7 1,0 %
EU-15 23,5 58 194 979 7,8 6,1 %
EU-13 0,5 4 62 546 2,4 4,7 %
Kandidaten- 0,005 0,1 73 375 0,5 1,5 %
und poten-
zielle Kandi-
datenländer
EFTA 2,1 154 8 500 0,2 4,4 %
Andere 0,1 1 424 0,7 0,2 %
europäische
Länder
Quelle: FiBL-AMI-Erhebung 2016 auf der Grundlage von nationalen Datenquellen
Tabelle 1 gibt einen Gesamtüberblick über die neuesten Entwicklungen des Marktes und
der Erzeugung im Bereich der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft in Europa. Ein
genauerer Überblick nach Ländern ist in den Anhängen 1 bis 5 erhältlich.
Kennzahlen des Marktes
• In der EU betrug der Einzelhandelsumsatz 24 Mrd. Euro (26,2 Mrd. Euro in Europa); damit ist
die EU nach den USA (27,1 Mrd. Euro) der zweitgrößte Binnenmarkt für Bioerzeugnisse.
• Der Markt der EU hatte eine Wachstumsrate von ca. 7,4 % (7,6 % in Europa) zu verzeichnen.
Die größte Zunahme registrierte Schweden mit über 40 %. Im letzten Jahrzehnt hat sich der
Marktwert in Europa und in der Europäischen Union mehr als verdoppelt.
• Die Verbraucherinnen und Verbraucher der EU gaben ca. 47,40 Euro pro Person für Bio-
Lebensmittel aus. In Europa waren dies 35,50 Euro, wobei die Schweizer die größten
Summen ausgaben (221 Euro pro Kopf). Die Pro-Kopf-Ausgaben für Bio-Lebensmittel haben
sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. In den Vereinigten Staaten lagen die Pro-
Kopf-Ausgaben im Jahr 2014 bei 85 Euro.
• Weltweit gesehen ist der Anteil des Umsatzes mit Bio-Lebensmitteln am jeweiligen
Lebensmittelmarkt in den Ländern Europas am höchsten. Dänemark steht hier an der Spitze
(7,6 %), wobei einzelne Produkte und Produktgruppen sogar noch höhere Anteile erreichen:
Bio-Eier machen in einigen Ländern zum Beispiel mehr als 20 % aller verkauften Eier aus.
Wachstumstrends der ökologischen Land- und Lebensmit-telwirtschaft in Europa 21Kennzahlen der Erzeugung
• In der EU gab es 2014 fast 260 000 ökologische Erzeuger (fast 340 000 in Europa); die meisten
davon in Italien (fast 49 000) und der Türkei (mehr als 71 000). In den letzten zehn Jahren hat
die Anzahl der Erzeuger in der EU um 57 % (81 % in Europa) zugenommen.
• In der EU gab es fast 50 000 Verarbeiter (fast 51 000 in Europa) und fast 1 700 Importeure
(ca. 1 900 in Europa). Die Anzahl der Verarbeiter und Importeure nahm in der EU um 19 %
beziehungsweise 17 % zu (18,6 % und 16 % in Europa). In fast allen Ländern war eine
bedeutende Zunahme zu verzeichnen. Das Land mit der größten Anzahl von Verarbeitern
war Italien (mehr als 12 000), während Deutschland die meisten Importeure (326) hatte.
• In der EU macht die ökologische Anbaufläche 5,7 % der gesamten landwirtschaftlichen
Nutzfläche aus (2,4 % in Europa). In der EU ist das Land mit dem größten Anteil an ökologisch
bewirtschafteter Anbaufläche Österreich (19,4 %), in Europa hingegen hat Liechtenstein den
größten Anteil (31 %).
• In der EU nahm die ökologisch bewirtschaftete Anbaufläche zwar um nur 1,1 % zu (2,3 % in
Europa), im letzten Jahrzehnt war dieses Wachstum um fast 60 % seit 2005 jedoch enorm.
• In den letzten Jahren verlangsamte sich das Wachstum überall, vor allem in Griechenland
oder im Vereinigten Königreich. Eine Stagnation war beispielsweise in Österreich, Dänemark,
Deutschland und Ungarn zu verzeichnen. In anderen Ländern, wie Frankreich, Italien, der
Slowakei und Slowenien, nahm die Fläche jedoch zu.
• Grünland hatte in der EU mit 4,6 Mio. Hektar den größten Anteil an der ökologischen
Anbaufläche (4,8 Mio. Hektar in Europa), gefolgt von 4,1 Mio. Hektar Ackerland (5,1 Mio.
Hektar in Europa) und 1,2 Mio. Hektar Dauerkulturland (1,4 Mio. Hektar in Europa). Nach
Grünfutter war die größte Kulturgruppe in der EU Getreide, das auf einer Fläche von 1,5 Mio.
Hektar angebaut wurde (1,9 Mio. Hektar in Europa).
22 Ökologischer Landbau in Europa: Perspektiven und Entwicklungen 2016DER MARKT FÜR BIO-ERZEUGNISSE
Tabelle 2: Entwicklungen der Einzelhandelsumsätze mit Bio-Lebensmitteln in Europa nach
Ländergruppen, 2014
Ländergruppe Umsatz mit Bio- Pro-Kopf-Konsum Wachstum
Lebensmitteln (EUR) 2013–2014
(Mio. EUR)
EU-28 23 963 47,4 7,4 %
Europa 26 203 35,5 7,6 %
Weltweit 62 631 8,7
EU-15 23 491 58 7,6 %
EU-13 472,4 4
Kandidaten- und potenzielle 4 0,1
Kandidatenländer
EFTA 2 099,7 154 10,7 %
Andere europäische Länder 134,5 0,9
Quelle: FiBL-AMI-Erhebung 2016 auf der Grundlage von nationalen Datenquellen
Tabelle 2 gibt einen Gesamtüberblick über die Einzelhandelsumsätze im Jahr 2014 in Europa.
Ein genauerer Überblick über die Entwicklungen des Einzelhandels mit Bio-Produkten nach
Ländern ist in Anhang 1 erhältlich.
Zunahme der Einzelhandelsumsätze und Marktanteile
Im Jahr 2014 stieg der Umsatz mit Bio-Erzeugnissen in der EU um 7,4 % auf 24 Mrd. Euro an
(26,2 Mrd. Euro in Europa, 7,6 %)25 (siehe Abbildung 1). Alle Länder, für die neue Daten zur
Verfügung standen, zeigten ein positives Wachstum. Deutschland hatte als der größte
Markt in Europa eine Wachstumsrate von 4,8 % zu verzeichnen. Einige Länder mit sehr gut
entwickelten Märkten, wie beispielsweise Norwegen (25 %) und Frankreich (10 %), zeigten
zweistellige Wachstumsraten. Schweden (45 %) erzielte bei der Verbrauchernachfrage ein
noch nie dagewesenes Wachstum.26 Im Vereinigten Königreich, wo der Einzelhandelsumsatz
vier aufeinanderfolgende Jahre lang abnahm und erst 2013 wieder zunahm, war eine
Gesamtwachstumsrate von 4 % zu verzeichnen. Der Gesamtumsatz im Einzelhandel mit
Bio-Produkten variiert in den unterschiedlichen Ländern Europas, wobei Dänemark (7,6 %),
die Schweiz (7,1 %) und Österreich (6,5 % im Jahr 2011) weiterhin die höchsten Marktanteile
aufweisen (siehe Abbildung 3).
Wachstumstrends der ökologischen Land- und Lebensmit-telwirtschaft in Europa 2330
26,2
24,4
25
22,7 24,0
21,4
19,5 22,3
20 20,8
18,1 19,8
16,6
18,1
Mrd. EUR
15,0 16,9
15 13,5 15,5
11,9 14,1
12,6
10 11,1
5
0
2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Europa EU-28
Abb. 1: Zunahme der Umsätze mit Bio-Lebensmitteln in Europa, 2005–2014
Quelle: FiBL-AMI-Erhebungen 2006−2016 und OrganicDataNetwork-Erhebungen 2013−2015
24 Ökologischer Landbau in Europa: Perspektiven und Entwicklungen 2016Deutschland 7 910,0
Frankreich 4 830,0
Vereinigtes Königreich 2 307,3
Italien 2 145,2
Schweiz 1 817,1
Schweden 1 402,1
Österreich (2011) 1 064,7
Spanien (2013) 1 018,0
Niederlande 965,0
Dänemark 912,0
Belgien 435,0
Norwegen 277,8
Finnland 225,0
Polen (2011) 120,0
Irland 105,5
Kroatien 99,3
Luxemburg 90,0
Rumänien (2011) 80,0
Tschechische Republik 77,0
(2013)
Griechenland(2010) 60,0
Slowenien(2013) 48,6
Ungarn (2009) 25,0
Portugal (2011) 21,0
Bulgarien (2010) 7,0
Litauen (2011) 6,0
Liechtenstein 4,8
Slowakei (2010) 4,0
Lettland (2011) 4,0
Türkei (2009) 3,6
Montenegro (2010) 1,7
Zypern (2006) 1,5
Bosnien -
Herzegowina (2013) 0,3
0 1 000 2 000 3 000 4 000 5 000 6 000 7 000 8 000
Mio. EUR
Abb. 2: Umsätze mit Bio-Lebensmitteln in Europa nach Ländern, 2014
Quelle: FiBL-AMI-Erhebung 2016 auf der Grundlage von nationalen Datenquellen
Wachstumstrends der ökologischen Land- und Lebensmit-telwirtschaft in Europa 25Dänemark 7,6 %
Schweiz 7,1 %
Österreich (2011) 6,5 %
Schweden 6,0 %
Deutschland 4,4 %
Luxemburg 3,4 %
Niederlande 3,0 %
Frankreich 2,5 %
Kroatien 2,2 %
Italien 2,2 %
Belgien 1,8 %
Slowenien (2013) 1,8 %
Finnland 1,7 %
Norwegen 1,5 %
Spanien (2013) 1,0 %
Tschechische 0,7 %
Republik (2013)
Irland (2011) 0,7 %
Rumänien (2011) 0,7 %
Ungarn (2009) 0,3 %
Lettland (2011) 0,2 %
Litauen (2011) 0,2 %
Polen (2011) 0,2 %
Portugal (2011) 0,2 %
Slowakei (2010) 0,2 %
0% 1% 2% 3% 4% 5% 6% 7% 8%
Abb. 3: Anteil der Umsätze mit Bio-Lebensmitteln am Gesamtmarkt in Europa nach Ländern,
2014
Quelle: FiBL-AMI-Erhebung 2016 auf der Grundlage von nationalen Datenquellen
26 Ökologischer Landbau in Europa: Perspektiven und Entwicklungen 2016Verteilung der Einzelhandelsumsätze
Hinsichtlich der Verteilung bleibt Deutschland (7,9 Mrd. Euro) der größte Bio-Markt in der
Europäischen Union und in Europa und weltweit der zweitgrößte nach den USA. Mit seiner
sehr dynamischen Marktentwicklung in den letzten Jahren lag Frankreich (4,8 Mrd. Euro) auf
dem zweiten Platz.27 Das Vereinigte Königreich (2,3 Mrd. Euro) lag auf dem dritten Platz, darauf
folgte Italien (2,1 Mrd. Euro) (siehe Abbildung 4a). Die Schweiz bleibt nach Italien der fünftgrößte
Markt in Europa (siehe Abbildung 4b). Weltweit gesehen waren die USA der stärkste (43 % der
Weltweiten Einzelhandelsumsätze) und die EU der zweitstärkste (38 %) Binnenmarkt (siehe
Abbildung 4c).
Andere
Niederlande 10 %
4%
Deutschland
Spanien 33 %
4%
Österreich
4%
Schweden
6%
Frankreich
Italien 20 %
9%
Vereinigtes Königreich
10 %
Abb. 4a: Verteilung der Umsätze mit
Bio-Lebensmitteln in den Ländern der EU-28, 2014
Andere Andere
Niederlande 11 % Schweiz
Spanien 4 % 6%
Deutschland 3% USA
4% 30 %
Kanada 43 %
Österreich 4% China
4% 6%
Schweden
5%
Schweiz
7% Frankreich EU-28
Italien 18 % 38 %
8%
Vereinigtes Königreich
9%
Abb. 4b: Verteilung der Umsätze mit Bio- Abb. 4c: Weltweite Verteilung der
Lebensmitteln in Europa, 2014 Umsätze mit Bio-Lebensmitteln nach
Binnenmärkten, 2014
Quelle: FiBL-AMI-Erhebung 2016 auf der Grundlage von nationalen Datenquellen
Wachstumstrends der ökologischen Land- und Lebensmit-telwirtschaft in Europa 27Pro-Kopf-Konsum
2014 gaben die Verbraucherinnen und Verbraucher der EU für Bio-Lebensmittel ca. 47 Euro
pro Person aus (36 Euro in Europa, wobei die Schweizer hier am meisten aufwendeten
(221 Euro)). In Europa hatten nach der Schweiz Luxemburg (164 Euro), Dänemark (162 Euro)
und Schweden (145 Euro) den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch von Bio-Lebensmitteln (siehe
Abbildung 5). Bei der Auswertung dieser Daten muss allerdings berücksichtigt werden,
dass die Lebenshaltungskosten in den einzelnen Ländern stark variieren. Doch auch nach
Kaufkraftbereinigung belegte die Schweiz den Spitzenplatz, woraufhin erneut Luxemburg,
Dänemark und Schweden folgten. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Bio-Lebensmitteln hat sich in
den letzten zehn Jahren fast verdoppelt (siehe Abbildung 6).
50 47,4
44,0
45 41,3
39,1
40 36,0
33,7
35 31,0 35,5
28,3 33,0
30 25,5 30,8
22,4 29,1
25
EUR
26,5
24,7
20 22,7
20,6
15 18,5
16,3
10
5
0
2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Europa EU-28
Abb. 5: Wachstum des Pro-Kopf-Konsums in Europa, 2005−2014
Quelle: FiBL-AMI-Erhebungen 2006−2016 und OrganicDataNetwork-Erhebungen 2013−2015
28 Ökologischer Landbau in Europa: Perspektiven und Entwicklungen 2016Schweiz 221,5
Luxemburg 163,7
Dänemark 162,1
Schweden 145,4
Liechtenstein 130,1
Österreich (2011) 127,0
Deutschland 96,6
Frankreich 73,4
Norwegen 54,4
Niederlande 57,3
EU-28 47,4
Finnland 41,3
Belgien 38,8
Vereinigtes Königreich 35,9
Italien 35,3
Slowenien (2013) 26,6
Kroatien 23,4
Irland 22,8
Spanien (2013) 21,7
Tschechische 7,3
Republik (2013)
Griechenland (2010) 5,3
Rumänien (2011) 3,7
Polen (2011) 3,1
Ungarn (2009) 2,5
Portugal (2011) 2,0
Litauen (2011) 2,0
Lettland (2011) 2,0
Zypern (2006) 1,9
Bulgarien (2010) 0,9
Slowakei (2010) 0,7
Montenegro (2010) 0,2
Bosnien- 0,1
Herzegowina (2013)
Türkei (2009) 0,1
0 50 100 150 200 250
EUR
Abb. 6: Pro-Kopf-Konsum von Bio-Lebensmitteln in Europa nach Ländern, 2014
Quelle: FiBL-AMI-Erhebung 2016 auf der Grundlage von nationalen Datenquellen
Wachstumstrends der ökologischen Land- und Lebensmit-telwirtschaft in Europa 29Absatzwege
Die Übersicht (siehe Abbildung 7) über unterschiedliche Absatzwege in ausgewählten Ländern
Europas zeigt ihre jeweilige Bedeutung für den Umsatz mit Bio-Lebensmitteln. Der Anteil
dieser Absatzwege variiert in den einzelnen Ländern. Frankreich, Italien und Deutschland
sind gute Beispiele für Länder mit einem starken Marktwachstum. Hier spielen Fachgeschäfte
mit einem zunehmenden Grad an Professionalisierung und mehr Verkaufsfläche eine sehr
wichtige Rolle. Länder mit etablierten Lebensmitteleinzelhändlern, meist Supermärkte, haben
schon früher im Öko-Sektor ein stetiges Wachstum verzeichnet (z. B. Österreich, Dänemark,
Schweden, Schweiz und das Vereinigte Königreich). Die Wirtschaftskrise zeigte jedoch, am
Beispiel des Marktrückgangs im Vereinigten Königreich zwischen 2008 und 2013, dass eine
starke Abhängigkeit von Supermärkten auch Gefahren bergen kann. Gleichzeitig hat in
Ländern, wie Deutschland, die Anzahl der Fachhändler stark zugenommen, während die
Umsätze in den Supermärkten zeitweise stagnierten, im Jahr 2014 jedoch wieder begannen,
zu steigen.
Österreich (2011)
Belgien (2013)
Kroatien
Tschechische Republik (2013)
Dänemark
Frankreich
Deutschland
Italien
Luxemburg (2013)
Niederlande
Slowenien (2009)
Vereinigtes Königreich (2013)
0% 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 %
Anteil der Absatzwege (Mio. EUR)
Lebensmitteleinzelhandel Naturkostfachhandel Direktverkauf Andere Absatzwege
Abb. 7: Einzelhandelsumsätze nach Absatzwegen in ausgewählten Ländern der EU-28, 2014
Quelle: FiBL-AMI-Erhebung 2016 auf der Grundlage von nationalen Datenquellen
30 Ökologischer Landbau in Europa: Perspektiven und Entwicklungen 2016Produktabsatz
In vielen Ländern ist eine Übersicht des Absatzes nach Produkten oft nur von
Lebensmitteleinzelhändlern erhältlich, da die Daten auf Handelspanelen basieren und keine
anderen Absatzwege in Betracht gezogen werden. In Ländern, in denen solche Daten
verwendet werden, weisen Supermärkte einen Marktanteil von 80 % bis 90 % auf.28
Tabelle 3: Anteile der Bio-Produktgruppen am Gesamtmarkt in ausgewählten europäischen
Ländern, 2014
Deutschland
Niederlande
Frankreich
Norwegen
Österreich
Finnland
Schweiz
Belgien
(2013)
Produktgruppe
Getränke 0,9 %1 0,6 % 3,0 %2 1,7 % 0,1 % 2,7 %
Brot und Backwaren 1,7 % 1,2 % 2,5 % 3
7,1 % 4
3,2 % 1,0 % 4,6 %
Käse 8,5 % 1,7 % 0,9 % 1,2 % 3,6 % 0,5 % 6,0 %
Eier 17,2 % 11,2 % 12,0 % 22,1 % 16,7 % 12,7 % 7,5 % 22,7 %
Obst 10,7 % 3,5 % 4,3 % 6,7 % 1,7 % 5 10,1 %
Fleisch und Fleischprodukte 3,5 %6 1,3 % 0,6 % 1,6 % 2,1 % 2,8 % 0,3 % 4,8 %7
Milch 15,7 % 3,0 % 3,2 % 10,8 % 8,1 % 4,0 % 18,9 %
Milch und Milchprodukte 2,1 % 3,2 % 8,6 % 4,8 % 1,8 % 11,0 %
Gemüse 12,6 % 5,4 % 3,2 %8 4,0 % 8,6 % 3,9 %8 3,6 % 14,6 %
1
Fruchtsäfte, Wein und Bier - 2 Getränke auf pflanzlicher Basis, Frucht- und Gemüsesäfte, Wein und Alkohol - 3 In vorangehenden
Daten war Mehl eingeschlossen; von den neuen Berechnungen, zu denen auch frische Backwaren zählen, ist es ausgeschlos-
sen. Aufgrund dessen sind diese Daten mit denen des Jahres 2013 nicht direkt vergleichbar. - 4 Nur Brot - 5 Früchte, Beeren und
Nüsse - 6 Nur Fleisch - 7 Einschließlich Fisch - 8 Obst und Gemüse
Quelle: FiBL-AMI-Erhebung 2016 auf der Grundlage von nationalen Datenquellen
Tabelle 3 zeigt eine Übersicht der Anteile der Bio-Produktgruppen am Gesamtmarkt wert in
ausgewählten europäischen Ländern.22
Wachstumstrends der ökologischen Land- und Lebensmit-telwirtschaft in Europa 31PRODUKTANTEILE AM NATIONALEN LEBENSMITTELEINZELHANDEL
Es gibt eine Reihe von Einzelprodukten, die hinsichtlich des Umsatzes beträchtliche Anteile an
ihrem jeweiligen Gesamtmarkt gewonnen haben:
• In vielen Ländern sind Bio-Eier innerhalb des Gesamtmarktes eine der Erfolgsgeschichten.
Tabelle 3 zeigt, dass beispielsweise die Schweiz und Frankreich hier Marktanteile von über
20 % erreichen. In den meisten anderen Ländern, in denen Daten erhältlich sind, erzielen sie
12 % und mehr.
• Bei den europäischen Verbraucherinnen und Verbrauchern erfreuen sich Bio-Obst und
Bio-Gemüse weiterhin großer Beliebtheit. Nach den Eiern erzielt letzteres mit 9 bis 15 %
des gesamten in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland verkauften Gemüses
die höchsten Marktanteile. Frische Karotten haben in Deutschland zum Beispiel einen
Marktanteil von 30 %.
• In einigen Ländern erreichen Bio-Milchprodukte Marktanteile von ca. 5 % des Umsatzes mit
Milchprodukten, in der Schweiz sogar 10 %.
• Einzelne Produkte können viel höhere Marktanteile erzielen; gute Beispiele dafür sind Bio-
Säuglingsnahrung (über 40 %) oder Bio-Fleischersatz (60 %) in Deutschland.
• Dahingegen weisen Produkte wie Bio-Getränke (außer Wein) und Bio-Fleisch (vor allem
Geflügel) im Allgemeinen geringe Marktanteile auf. Oft sind diese Produkte auf dem
konventionellen Markt stark verarbeitet und/oder haben sehr niedrige Preise.
32 Ökologischer Landbau in Europa: Perspektiven und Entwicklungen 2016Sie können auch lesen