Kunsthaus Bregenz - Programm 2021
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Einblicke in das Jetzt
Ein Vorwort von Direktor
Thomas D. Trummer
Im Herbst 2020 war die Zürcher Kulturwissenschaftlerin Elisabeth
Bronfen im Kunsthaus Bregenz zu Gast. Anlass war ihr kurz zuvor
erschienenes Buch Angesteckt — ein kulturhistorischer Streifzug
durch die Film- und Literaturgeschichte. Bronfen beleuchtet darin
Darstellungen der Pandemie. Sie zeigt, wie Viren, Vampire und Seu-
chen die Kulturgeschichte durchziehen. Dabei kommt sie auf Hans
Blumenberg zu sprechen, der sich in seinem bekannten Buch Arbeit
am Mythos (1979) fragte, warum sich Menschen Geschichten erzäh-
len. Die Antwort, die Blumenberg selbst gibt, lautet: »Geschichten
werden erzählt, um etwas zu vertreiben. Im harmlosesten, aber nicht
unwichtigsten Fall: die Zeit. Sonst und schwerwiegender: die Furcht.«
Die Ausstellung Bunny Rogers, die im Januar 2020 eröffnete,
war eine solche Erzählung. Es war die Darstellung des eigenen
Todes, ein räumliches Requiem auf vier Geschossen. Rasen war dafür
verlegt worden, Glühwürmchen leuchteten, Wasser tropfte in einem
mit tausenden Fliesen verkleideten Duschsaal. Der Lockdown
erzwang die Schließung der Ausstellung Mitte März 2020. Der Rasen
verdorrte, die Duschköpfe blieben trocken, der Tod hielt Einzug —
in allen Nachrichten.
03 KUB Programm 2021Am 5. Juni öffnete das Kunsthaus Bregenz wieder mit einer Sonder-
ausstellung. In Unvergessliche Zeit wurden Werke gezeigt, die
während der Quarantäne entstanden waren. Es war ein ungewöhn-
liches Projekt, das die prekär gewordene Gegenwart unmittelbar
abbildete. Mit Helen Cammock, William Kentridge, Annette Messager,
Marianna Simnett und anderen konnten herausragende Künstler*in-
nen gewonnen werden. Diese Initiative des KUB — rasch und spontan
zu agieren — wurde belohnt. Das Publikum nahm die Ausstellung be-
geistert auf, auch die Medienresonanz war außerordentlich. Die New
York Times widmete der Ausstellung einen ausführlichen Beitrag.
Wichtiger aber als der internationale Erfolg war die Resonanz vor
Ort. Besucher*innen zeigten sich durchlässiger und aufmerksamer.
Durch die Erfahrung der Krise wird die Begegnung mit den Stimmen
der Kunst wertvoller und kostbarer.
Ausstellungen im Kunsthaus Bregenz sind unverwechselbar und
einzigartig. Nicht nur der besonderen Räume wegen, das Aufgreifen
aktueller Fragen ist ebenso wichtig. Dazu gehören die Erfahrungen
der Pandemie, Themen des Zusammenlebens, der politischen Verant-
wortung wie auch Gender-Debatten und Fragen zu Umweltbewusst-
sein und Klimagefährdung.
Alle Gedankenmotive folgen einem Ziel: Das Kunsthaus Bregenz
als Ort der Gegenwart zu festigen — ein Kunsthaus, das Einblicke in
das Jetzt zeigt.
2021
Das Kunsthaus Bregenz freut sich auf das Jahr 2021. Voraussichtlich
bereits im Dezember 2020 wird die Ausstellung von Jakob Lena
Knebl und Ashley Hans Scheirl eröffnet. Der Zugang der Künstler*innen
ist spielerisch, schrill und lustvoll. Ihre Medien sind Malerei, Foto-
grafie, Skulptur und Design, die in szenischen Bildern verschränkt
werden. Im KUB wird ein Eismeer als Nachbildung des berühmten
Gemäldes von Caspar David Friedrich zu sehen sein, ein begehbarer
Hexensabbat, Selbstinszenierungen, Bodenmalereien, Litfaßsäulen,
Cyborg-Subjekte und vieles mehr. Wie so oft verwandelt sich das
Gebäude in begehbare Bühnen und schafft unverwechselbare Kunst-
erlebnisse. Als Ergänzung werden wir im KUB Untergeschoss,
erstmals in Österreich, das Werk des Fotografen Marcel Bascoulard
vorstellen.
04 KUB Programm 2021Im Anschluss ist im Frühjahr 2021 die erste Einzelausstellung von
Pamela Rosenkranz in Österreich geplant. Rosenkranz vertrat 2015
die Schweiz auf der Biennale in Venedig. Die Künstlerin beschäftigt
sich mit biologischen und chemischen Grundlagen von Dingen und
Waren. Sie arbeitet mit Düften, mit Erde und Licht, Bakterien und
Parasiten. Diese Existenzen unter der menschlichen Wahrnehmungs-
schwelle haben in den letzten Jahren die intellektuelle Auseinander-
setzung inspiriert. Aktuell ist auch das Virus eine Gegenwart des Un-
sichtbaren. Rosenkranz formuliert ihre künstlerischen Recherchen
als einprägsame, beruhigte Zonen. Es sind großräumige und dennoch
intime Erlebnisse, die für das Kunsthaus Bregenz bestens geeignet
sind. Eine Neuerwerbung von Lois Weinberger wird als Addendum
zur Hauptausstellung im KUB Untergeschoss präsentiert, ebenfalls
eine Auseinandersetzung mit Natur, Chemie und Umwelt.
Die Sommerausstellung 2021 ist Anri Sala gewidmet. Ursprünglich für
2020 vorgesehen wurde die Ausstellung um ein Jahr verschoben. Sie
findet zeitgleich mit den Bregenzer Festspielen statt. In Kooperation
mit diesen bringt das Kunsthaus Bregenz 2021 zudem die Oper Wind
als Uraufführung auf die Bühne. Auch Sala beschäftigt sich mit Phä-
nomenen der Musik. Musikalische Stücke werden in seinen Filmen zu
Protagonisten, die Ausstellung ein bildhaft-akustisches Raumerleb-
nis — eine immersive Erfahrung mit technischer Raffinesse.
Otobong Nkanga beschäftigt sich mit den komplexen, sich wandeln-
den Beziehungen zwischen Menschen, Land und Strukturen der
Wiedergutmachung. Sie spürt den Handelsrouten von Rohstoffen
nach und untersucht, auf welchen Wegen und unter welchen Voraus-
setzungen Waren und Menschen auf der ganzen Welt in Bewegung
sind. Hierbei setzt sie unterschiedliche Techniken ein, ihr Blick rich-
tet sich auf die unsichtbare Macht, die Regierungssysteme auf Zeit
und Menschen ausüben. Gerade in einer von drängenden Klimaprob-
lemen und Krisen geprägten Zeit ist eine Ausstellung dieser Thema-
tik von großer Bedeutung.
05 KUB Programm 2021Jakob Lena Knebl Contemporary Witchcraft, 2017 Foto: Georg Petermichl © Jakob Lena Knebl, Bildrecht, Wien, 2020
Pamela Rosenkranz Infection, 2017 Installationsansicht, Slight Agitation 2/4, Fondazione Prada, Mailand Foto: Delfino Sisto Legnani und Marco Cappelletti Courtesy of the artist und Fondazione Prada, Mailand © Pamela Rosenkranz
Anri Sala AS YOU GO, 2019 13-Kanal-HD-Video und 22-Kanal-Soundinstallation, Farbe, 39:24 Min. Installationsansicht Castello di Rivoli, 2019 Foto: Antonio Maniscalco Courtesy of the artist © Anri Sala
Otobong Nkanga Wetin You Go Do?, 2015 Installationsansicht 13. Biennale, Lyon Foto: Blaise Adilon Courtesy of the artist © Otobong Nkanga
KUB 2021.01 Jakob Lena Knebl & Ashley Hans Scheirl Seasonal Greetings 12 | 12 | 2020 — 14 | 03 | 2021 KUB 2021.02 Pamela Rosenkranz 27 | 03 — 04 | 07 | 2021 KUB 2021.03 Anri Sala 17 | 07 — 10 | 10 | 2021 KUB 2021.04 Otobong Nkanga 23 | 10 | 2021 — 09 | 01 | 2022
KUB Basement Marcel Bascoulard 16 | 01 — 14 | 03 | 2021 KUB Basement Lois Weinberger 17 | 04 — 04 | 07 | 2021
Ashley Hans Scheirl
Neoliberal Surrealist
(Neoliberale_r
Surrealist_in), 2019
Foto: Matthias Bildstein
Courtesy of the
artist und Galerie
CRONE, Berlin / Wien
© Ashley Hans Scheirl
KUB 2021.01
Jakob Lena Knebl &
Ashley Hans Scheirl
Seasonal Greetings
12 | 12 | 2020 — 14 | 03 | 2021Erweiterte Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl sind privat und künstle-
Eröffnung:
risch ein Paar, feministisch und queer. Im Kunsthaus Bregenz
Freitag,
11. Dezember 2020, bespielen die in Wien lebenden Künstler*innen zwei Geschosse
15 — 20 Uhr gemeinsam und jeweils eines allein. Bei einem Fototermin im Kunst-
haus Bregenz präsentieren sie sich in unterschiedlichen Posen, mal
bunt und frivol, mal distinguiert und nachdenklich, dann wieder las-
ziv und provokant — nie ohne Stil und nie ohne Humor, vergleichbar
dem britischen Künstlerpaar Gilbert & George. Die Kamera ist ein
Gegenüber, der Wechsel der Rollen und Genres mehr als Attitüde,
er ist das Werk. Seriöse Reflexion, Szene und Obszönes treffen un-
gebremst aufeinander.
Ashley Hans Scheirl zeigt raumgreifende Bühnen. Malereien am
Boden sind mit heftigen Gesten ausgeführt, Zeichnungen an der
Wand und Text wirken wie Slogans. In Scheirls Werk finden sich
goldene Penisse und Puppen, die von der Wand baumeln, rote Cat-
walks und Vorhänge, raffinierte Junggesellenmaschinen, Sinnlich-
keit, Surreales, Strapse und strapazierte Scham, Anspielungen auf
Klimt und den Glamour der 1970er Jahre. Die Laufbahn von Trans-
gender-Künstler*in Scheirl startet mit Avantgarde-Filmen. Dandy
Dust aus dem Jahr 1998 erlangt Kultstatus. Später wird Scheirl durch
Performances bekannt. Seit 2006 unterrichtet sie Kontextuelle
Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Aktuell
setzt er sich in raumgreifenden Malereien mit den Themen von
Gattungsgrenzen, sittlicher Biederkeit und den Zuordnungen des
Geschlechts auseinander.
Jakob Lena Knebls Kunst ist nicht weniger grell und schrill. Ihr
Interesse gilt dem Design, im Besonderen der Gestaltung von Möbeln
und den Extravaganzen der Mode. Sie zeigt sich in inszenierten
Fotografien, das Selfie ist irrwitziges Metier, die Puppe Paradigma,
das Begehren Thema geworden. Knebl entwurzelt die künstlerische
Identität durch Mimikry und Pose. Sie bemalt sich als Chippendale-
Sofa oder wird zum Ganzkörper-Mondrian-Bild. Daneben arbeitet
sie kuratorisch: Sie stellt museale Sammlungen, zum Beispiel die des
Wiener mumok oder des Kunsthaus Zürich, neu zusammen und deutet
die Werke durch Hinzufügen von Accessoires oder Kleidungsstücken
überraschend neu. Diese Art der Aneignungen nennt sie »co-agency«.
13 KUB Programm 2021Jakob Lena Knebl Ruth Anne, 2020 Foto: kunst-dokumentation, Courtesy of the artist © Jakob Lena Knebl, Bildrecht, Wien, 2020
Ashley Hans Scheirl Selbstporträt mit Pinsel, 2018 Courtesy of the artist und Kunsthaus Bregenz © Ashley Hans Scheirl
Scheirl und Knebl im
Kunsthaus Bregenz, 2020
Foto: Miro Kuzmanovic
Ashley Hans Scheirl (geb. 1956 in Salzburg) lebt und arbeitet in Jakob Lena Knebl (geb. 1970 in Baden bei Wien als Martina Egger) lebt
Wien, wo sie seit 2006 eine Professur für Kontextuelle Malerei an der und arbeitet in Wien. Sie studierte bei Heimo Zobernig Textuelle
Akademie der bildenden Künste innehat. Ashley Hans Scheirl, auch Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste Wien und bei Raf
Angela Scheirl bzw. Hans Angela Scheirl, ist Transgender-Maler*in, Simons an der Modeklasse der Universität für angewandte Kunst in
Konzept-, Mixed Media-, Performance-, Body-Art- und Videokünst- Wien. Knebl ist außerdem Senior Artist an der Akademie der bildenden
ler*in. Scheirl studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien Künste Wien. Vor einigen Jahren ersetzte sie ihren Taufnamen im
sowie am Central Saint Martins College of Art and Design in London. Sinne ihres Spiels mit Identität und Geschlecht durch die Vornamen
2017 war er mit einer surrealistischen Gemäldeserie in Athen und ihrer Großeltern und gab sich den Nachnamen Knebl. Im mumok in Wien
Kassel bei der documenta 14 vertreten. zeigte sie 2017 eine Auswahl der Sammlung unter dem Titel Oh… Jakob
Lena Knebl und die mumok Sammlung. Weitere Einzelausstellungen
Beide Künstler*innen arbeiten sowohl solo als auch gemeinsam und wurden u. a. im Kunstmuseum Lentos, Linz (2020), in der Belmazc Gallery
vertreten als Duo Österreich bei der Kunstbiennale in Venedig 2022. in London (2019) und in der Galerie Loevenbruck in Paris (2019) gezeigt.Marcel Bascoulard
Untitled, 1971
Courtesy of Sammlung
Jelitzka, Wien
KUB Basement
Marcel Bascoulard
16 | 01 — 14 | 03 | 2021Erweiterte Eigentlich ist er ein Zeichner feinteiliger Landschaften. In den 1940er
Eröffnung:
Jahren beginnt Marcel Bascoulard, sich in Frauenkleidern zu foto-
Freitag,
15. Jänner 2021, grafieren. Die Aufnahmen zeigen ihn in meist langen Röcken seidig-
17 — 20 Uhr glänzender Stoffe. Der Stil der aufwendigen, oft selbstgenähten
Kleider und auch der Frisuren ist von der Mode des 19. Jahrhunderts
beeinflusst. Marcel Bascoulard, dessen erstaunliches Werk noch
kaum bekannt ist, zeigt sich in fotogenen, jedoch schlichten Posen.
Stets blickt er den Betrachter*innen entgegen. Den linken Arm hält
er vor dem Körper angewinkelt, in der rechten Hand einen mysteriö-
sen, nicht genau erkennbaren Gegenstand, ein Messer vielleicht oder
ein kurzes Beil? Es sind stille, von Einsamkeit und Trauer geprägte
Selbstporträts. Auch als älterer Mann setzt Bascoulard diese berüh-
rende Serie fort.
Courtesy of
Sammlung
Das Kunsthaus Bregenz freut sich, eine Auswahl dieses außerge-
Jelitzka, Wien wöhnlichen Werks erstmals in Österreich vorstellen zu können.
18 KUB Programm 2021Pamela Rosenkranz
Anemine (Detail), 2016
Installationsansicht,
Miguel Abreu Gallery,
New York
Foto: Marc Asekhame
Courtesy of the artist
© Pamela Rosenkranz
KUB 2021.02
Pamela Rosenkranz
27 | 03 — 04 | 07 | 2021Erweiterte »Was lässt uns fühlen, wie wir uns fühlen?«, fragt Pamela Rosenkranz.
Eröffnung
»Welchen Einfluss haben wissenschaftliche Erkenntnisse auf die
Freitag,
26. März 2021, Bedeutung des Menschseins und welchen die Neurowissenschaften
15 — 20 Uhr auf unser Verständnis von Identität?«
Manchmal dominiert Blau, Ultramarin wie bei Yves Klein — ein
Farbton wie in ozeanischer Tiefe — , auch zartes, weich wirkendes
Rosa verwendet Rosenkranz, ebenso leuchtendes Grün. Die Wände
sind monochrom. Das sämige Licht strahlt aus LED-Leuchten. Der
Boden spiegelt, er glitzert wie in Hautfarbe getauchtes Wasser. Farben
und Dinge sind keine Abbilder, sie sind auch keine Darstellungen
subjektiver Imaginationen oder purer Kontemplation. Abgeleitet
aus wissenschaftlichen Erkenntnissen sind sie Illustrationen von
chemischen Konstellationen. Stets ähneln sie der menschlichen Haut,
der durchlässigen organischen Grenze zwischen innen und außen.
2015 gestaltet Pamela Rosenkranz den Schweizer Pavillon bei
der Biennale in Venedig. Zu den diffusen Farben in Mintgrün und
Babyrosa gesellt sich dort eine dumpfe Frauenstimme und ein leicht
modriger Geruch, dessen Ursache verborgen bleibt. Die Räume zeigen
keine erkennbar ausgewiesenen Kunstwerke. Die Leere verweist die
Besucher*innen auf ihre Wahrnehmung und ihre eigene Erfahrung.
Doch die sinnliche Gewissheit steht infrage. Denn der Geruch ist syn-
thetisch hergestellter Moschus, je nach Intensität, wird er als anzie-
hend oder abstoßend empfunden. Rosenkranz experimentiert mit
Pharmazeutika, Farben und Materialien und deren Wirkung auf die
Sinne, auf menschliches Be- und Empfinden. Welchen Einfluss haben
synthetische Substanzen auf das Leben? Wie steht es um den Zusam-
menhang von Sexualität und Silikon? Rosenkranz forscht auf der
Ebene von Molekülen. Seit 2009 befüllt sie kommerzielle Trinkwas-
serflaschen mit gefärbtem Silikon. Die Farben ergeben sich aus den
unterschiedlichen Schattierungen der menschlichen Hautfarbe. Das
Rosa ist ein Abbild eurozentrischer Klientel. Das Ideal der Moderne
ist eine Illusion, der Humanismus steht infrage, auch Gene und Ge-
webe sind kontaminiert.
Für die 14. Biennale in Sharjah 2019 baut Pamela Rosenkranz
eine Roboterschlange, die sich im Innenhof eines von Arkaden um-
fassten Gebäudes im heißen Sand schlängelt. Das Organische und
Echte ist endgültig durch das Mechanische und Erfundene ersetzt.
Das Kunsthaus Bregenz, die Leere und die stimmige Schlichtheit
seiner Räume kommen Rosenkranz’ Werkideen entgegen. Nur der
Begriff des authentischen Erlebens, von dem der Architekt ausgeht,
wird durch Pamela Rosenkranz’ Forschung auf der Mikroebene der
Sinne infrage gestellt.
20 KUB Programm 2021Pamela Rosenkranz Alien Culture, 2017 Installationsansicht, GAMeC, Bergamo Foto: Marc Asekhame, Courtesy of the artist © Pamela Rosenkranz
Pamela Rosenkranz Healer (Waters), 2019 Installationsansicht IF THE SNAKE, Okayama Art Summit, Okayama Foto: Marc Asekhame, Courtesy of the artist © Pamela Rosenkranz
Foto: Marc Asekhame
Pamela Rosenkranz (geb. 1979 in Sils Maria, Schweiz) lebt und arbei-
tet in Zürich und in Zug. 2004 erhielt sie den Master of Fine Arts an der
Hochschule der Künste Bern; außerdem studierte sie Vergleichende
Literaturwissenschaft an der Universität Zürich. Bereits während
des Studiums erfuhr sie große internationale Beachtung. Zu ihren
jüngsten Ausstellungen zählen: Alien Culture, GAMeC Bergamo (2017),
IF THE SNAKE, Okayama Art Summit, Okayama (2019), Là où les eaux
se mêlent, 15. Biennale de Lyon (2019), Leaving the Echo Chamber,
14. Sharjah Bienniale (2019) und Slight Agitation 2/4: Pamela Rosenkranz
in der Fondazione Prada, Mailand (2017). 2015 vertrat Rosenkranz die
Schweiz bei der Biennale in Venedig.
23 KUB Programm 2021Lois Weinberger
Unkrautgemeinschaften
Europas, 1971 (Detail)
Foto: Alicia Olmos Ochoa
KUB Basement
Lois Weinberger
17 | 04 — 04 | 07 | 2021Erweiterte 1971 veröffentlichte ein großer Schweizer Pharmakonzern die Bil-
Eröffnung:
dermappe Unkrautgemeinschaften Europas, versehen mit Texten in
Freitag,
16. April 2021, sieben Sprachen. Die Mappe enthält Fotografien von Pflanzen, die
17 — 20 Uhr unter ihrem lateinischen Namen aufgeführt werden. Die Bezeich-
nungen dienen der botanischen Identifizierung, tatsächlich aber der
Bekämpfung dieser Pflanzen, für die der Konzern die im Anhang vor-
gestellten chemischen Tilgungsmittel herstellt. Lois Weinberger,
der während des Lockdowns im Frühjahr 2020 verstarb, stellte die
Mappe als Readymade aus. Die Fotos ähneln Stillleben in der Tradi-
tion von Albrecht Dürers Rasenstück. Sie belegen auch Weinbergers
lebenslanges Interesse an der Ruderalvegetation. Angesichts des
Rufs nach einer »ecological art« und der Erwartungen an die Pharma-
industrie ist Weinbergers Beitrag hochaktuell.
25 KUB Programm 2021Anri Sala
No Window No Cry
(Luigi Cosenza, La
Fabbrica Olivetti,
Pozzuoli), 2015
Foto: Luciano Romano
Courtesy of the artist
und Alexander
Tutsek-Stiftung,
München
© Anri Sala
KUB 2021.03
Anri Sala
17 | 07 — 10 | 10 | 2021Erweiterte Anri Sala beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel von Ton und
Eröffnung:
bewegtem Bild, mit Hören und Sehen. Sein bevorzugtes Ausdrucks-
Freitag,
16. Juli 2021, medium ist der Film. Im Gegensatz zum herkömmlichen Kino gibt es
15 — 20 Uhr jedoch keine Erzählung und keine Schauspieler*innen. Vielmehr ent-
wickeln sich seine Skripte aus dem genauen Hinhören. Das Filmische
entsteht aus dem Musikalischen und nicht, wie sonst üblich, umge-
kehrt. Dadurch schafft Sala beim Publikum eine intensive akustische
Aufmerksamkeit.
If and Only If (2018) ist eines der eindrucksvollsten Werke Anri
Salas. Es zeichnet auf, wie eine Schnecke einen Violabogen empor-
kriecht, während eine Elegie von Igor Strawinsky gespielt wird.
Die Schnecke bestimmt das Tempo, der Bratschist verlangsamt und
beschleunigt sein Spiel abgestimmt auf die Bewegung der Schnecke.
Es ist die Aktivität des Tieres, die Musik und Wahrnehmung prägt.
Häufig steht auch die Funktion von Instrumenten im Mittelpunkt
der Arbeiten Salas. So lässt er beispielsweise eine Gruppe von Snare
Drums auftreten, allerdings ohne Perkussionisten. Stattdessen
hängen die selbstspielenden Instrumente von der Decke wie skurril
bewegliche Stalaktiten. In anderen Werken bringen historische
Druckwalzen als Drehleier die Muster handgefertigter Tapeten zum
Klingen.
Sala nimmt zudem Elemente des Films, Kameraperspektiven wie
Close-ups und die Choreografie des Spiels in seinen Arbeiten auf.
Auch der Ausstellungsraum fließt in Salas Überlegungen ein. In ihm
herrschen andere Wahrnehmungsbedingungen als im Konzertsaal.
Das Kunsthaus Bregenz mit seiner auratischen Präsenz und beson-
deren Akustik bietet den perfekten Raum für Anri Salas Kunst.
27 KUB Programm 2021Anri Sala If and Only If, 2018 Einkanal-HD-Video und separate 4.0 Surround-Sound- Installation, 9:47 Min. Courtesy of the artist, Marian Goodman Gallery, New York | Paris und Galerie Chantal Crousel, Paris © Anri Sala
Anri Sala The Last Resort, 2017 42-Kanal Toninstallation mit 38 adaptierten Snare Drums, 58:28 Min. Foto: Peter Greig Courtesy of the artist, Marian Goodman Gallery, New York | Paris und Esther Schipper, Berlin © Anri Sala
Anri Sala (geb. 1974 in Tirana, Albanien) studierte in
Tirana, Paris und Tourcoing. Er wurde mehrfach ausge-
zeichnet, u. a. mit dem Vincent Award (2014). Sala nahm
an zahlreichen Gruppenausstellungen und Biennalen teil,
wie der 12. Havana Biennial (2015), als Repräsentant
Frankreichs an der 55. Biennale di Venezia (2013), der
9. Gwangju Biennale (2012), der dOCUMENTA (13) (2012),
der 29. Biennale von São Paulo (2010) und der 2. Moscow
Biennale of Contemporary Art (2007). Schon 2003 war
er in der Gruppenausstellung Remind... im Kunsthaus
Bregenz vertreten. Einzelausstellungen waren u. a. im
Centro Botín, Santander (2020), im Castello di Rivoli,
Turin (2019), in der Marian Goodman Gallery, London
(2019) und New York (2018), in der Fundación JUMEX,
Mexiko-Stadt (2017), im New Museum, New York (2016),
im Haus der Kunst, München (2015), und in der Serpentine
Gallery, London (2011), zu sehen. Anri Sala lebt und
arbeitet in Berlin.
Foto: © Jutta BenzenbergOtobong Nkanga
From Where I Stand,
2015 — 2020
Installationsansicht
Middlesbrough
Institute of Modern Art,
Middlesbrough
Foto: Jason Hynes
Courtesy of the artist
© Otobong Nkanga
KUB 2021.04
Otobong Nkanga
23 | 10 | 2021 — 09 | 01 | 2022Erweiterte Otobong Nkangas künstlerische Praxis umfasst Tapisserie, Zeich-
Eröffnung:
nung, Fotografie, Installation, Video und Performance. Ihre Themen
Freitag,
22. Oktober 2021, sind der nachhaltige Umgang mit Ressourcen, der globale Waren-
15 — 20 Uhr verkehr sowie die Bedeutung und die Folgen von Landraub. In ihrer
Arbeit setzt sie die Identität und die koloniale Geschichte einer
Region mit den Erfahrungen des Körpers in Beziehung. So werden
historische Erfahrungen in Nkangas Performances physisch er-
lebbar, während in ihren Arbeiten auf Papier die wechselseitigen
Abhängigkeiten von Land, Einwohnern und natürlichen Ressourcen
anschaulich werden.
Manche ihrer sanft wirkenden Bilder ähneln großflächigen
Wandteppichen, andere wiederum wirken wie wissenschaftliche
Illustrationen. Sie stellt Menschen und Figurinen schematisch
und kopflos dar: Der Kopf, so Nkanga, enthalte zu viele Informatio-
nen. Sie bevorzugt die Darstellung von Gesten und Handlungen.
»Verstehen«, so sagt sie, »heißt Verbindungen ziehen«.
Nkanga zeigt in ihren Arbeiten die Wunden, die Landschaften
zugefügt wurden; sie stellt die Routen von Ressourcen sowie die
Schäden dar, die durch ihre Gewinnung und systematische Aus-
beutung verursacht werden. Nkanga versteht »Land« als sowohl
geologischen als auch umfassenden Begriff, der über den bloßen
Boden, kartographierte Territorien und Erde hinausgeht. In ihrem
Projekt Carved to Flow (2017 — fortlaufend), kreierte sie die »O8
Black Stone-Seife«; hergestellt aus verschiedenen Ölen und Butter
aus Griechenland, Nord- und Westafrika und dem Nahen Osten:
Regionen, die ihre Ressourcen in der Geschichte auch in Zeiten großer
Krisen, Ausbeutung und Misswirtschaft global zur Verfügung stellten.
Für die Sharjah Biennale 2019 konzipierte Nkanga eine poetische
Landschaft, die neben ihrer Schönheit auch ihre Fragilität, ihre Narben,
aber auch ihr Potenzial offenbart. Für einen Innenhof entwickelte
sie eine ortsspezifische Installation: In den Boden ließ sie mehrere
große, kraterähnliche Vertiefungen ein, die mit Salzwasser gefüllt
wurden. An den Mauern des Gartens waren Leuchtkästen in den Farben
des Sonnenuntergangs angebracht, während eine Mehrkanal-Audio-
installation einer abgestorbenen Palme eine Stimme verlieh, die, wie
Nkanga sich vorstellt, einer Vorliebe für Salzwasser zum Opfer fiel.
Die Installation wurde mit dem Sharjah Biennial Prize ausgezeichnet.
32 KUB Programm 2021Otobong Nkanga (mit Emeka Ogboh) Aging Ruins Dreaming Only to Recall the Hard Chisel from the Past, 2019 Installationsansicht Sharjah Biennale 14 Foto: Sharjah Kunststiftung Courtesy of the artists © Otobong Nkanga, Emeka Ogboh
Otobong Nkanga Wetin You Go Do?, 2015 Installationsansicht Tate Modern, London Courtesy of the artist © Otobong Nkanga
Otobong Nkanga (1974 in Kano, Nigeria geboren) ist
bildende und Performance-Künstlerin. Nkanga lebt heute
in Antwerpen. Sie studierte an der Rijksakademie für
Bildende Künste in Amsterdam. 2013 war sie Stipendiatin
des DAAD Berliner Künstlerprogramms. 2015 wurde
Nkanga mit dem hochdotierten Yanghyun-Preis ausge-
zeichnet, 2019 erhielt sie den Peter-Weiss-Preis der Stadt
Bochum. Ihr Werk wurde auf der 58. Kunstbiennale in
Venedig mit einer »besonderen Erwähnung« gewürdigt.
Nkanga untersucht die gesellschaftlichen und topografi-
schen Veränderungen der postkolonialen Welt. Sie unter-
zieht unseren Umgang mit natürlichen Ressourcen sowie
den damit verbundenen ideellen und potenziellen Wert
einer kulturellen Analyse, häufig unter Einsatz des Kör-
pers und mithilfe von Sprache. Ihre Werke wurden im
Berliner Martin-Gropius-Bau (2020), in der Tate St. Ives
(2019/2020), im Museum of Contemporary Art, Chicago
(2018), und M HKA, Museum of Contemporary Art, Ant-
werpen (2015) gezeigt. Internationale Ausstellungsbetei-
ligungen waren u. a. die 58. Biennale in Venedig (2019),
documenta 14 in Kassel (2017), Biennale of Sydney (2016),
die Berlin Biennale (2014) sowie die Sharjah Biennial (2019
und 2013).
Foto: © Wim van DongenKUB Projekt 2021
Roman Signer
Installation am Bielbach
Bielerhöhe, Montafon, ab Juni 2021
Das Projekt Installation am Bielbach ist eine Zusammenarbeit des
Kunsthaus Bregenz mit der illwerke vkw AG, die vor zwei Jahren
begann. Der Schweizer Bildhauer Roman Signer verfolgt einen er-
weiterten Skulpturbegriff, der Zeit und Veränderung durch physika-
lische Wirkungen einbezieht. In seiner Kunst setzt sich Signer mit
elementaren Prozessen, Ideen von Kraftübertragung, Energiespei-
cherung und -gewinnung auseinander. Die Zusammenarbeit mit der
illwerke vkw ist deshalb ideal.
Feiner Witz und humorvolle, spielerische Wendungen begleiten
seine künstlerischen Experimente. Für die Bielerhöhe hat Signer
ein Werk für die Ostseite des Stausees entwickelt. Ein Bach, der
unter einer Brücke in den See fließt, wird gestaut und als bogenför-
mige Fontäne über den Weg hinweg wieder in den See geführt.
Der Bach bildet einen Wasserbogen und zugleich eine Brücke. Die
absurde Manipulation — ein Wasserstrahl wird zu einem architekto-
nischen Element und ein flüssiges Element zu einem statischen
Gebilde und somit zur Skulptur — ist kennzeichnend für Signers
Arbeiten. Auch hier arbeitet der Künstler mit Versuchsanordnungen,
in denen es zu Kraftentladungen oder Aggregatsveränderungen
kommt. Die Umsetzung des Projekts erfolgt vorbehaltlich aller not-
wendigen behördlichen Bewilligungen im Frühjahr 2021.
36 KUB Programm 2021Roman Signer (geb. 1938, in Appenzell, Schweiz) ist Bildhauer,
Zeichner, Aktions-, Konzeptkünstler und Filmemacher. Er lebt und
arbeitet in St. Gallen. Der gelernte Hochbauzeichner studierte an
der Kunstgewerbeschule Luzern und an der Kunstakademie in
Warschau. Seit den 1970er Jahren wurden seine Werke in zahlreichen
Ausstellungen in Galerien und Museen im In- und Ausland gezeigt.
Spätestens durch seine Beteiligungen an der documenta 8 in Kassel
(1987), Skulptur Projekte Münster (1997) sowie der Biennale in
Venedig (1999) gehört Roman Signer zu den bedeutendsten europä-
ischen Gegenwartskünstler*innen.
37 KUB Programm 2021KUB Sammlungsschaufenster 2021
Sammlung König-Lebschik
26 | 06 — 29 | 08 | 2021
Erweiterte Thomas König und seine verstorbene Frau Erika Lebschik sammelten
Eröffnung:
nahezu vierzig Jahre lang Originalgrafiken internationaler Künst-
Freitag, 25. Juni
2021, 15 — 20 Uhr ler*innen. Der gebürtige Vorarlberger lebt seit langem in Wien und
pflegt gute Kontakte zu Galerien und Künstler*innen. Die umfang-
reiche Sammlung König-Lebschik deckt die gesamte Breite grafischer
Kunst ab, von Holzschnitt, Siebdruck, Radierung und Lithografie
über Künstlermappen und Plakate bis zu Originalgrafik-Büchern.
Einen Schwerpunkt bilden die internationale und österreichi-
sche zeitgenössische Kunst und deren Wegbereiter, darunter be-
kannte Namen wie Pierre Alechinsky, Iris Andraschek, Karel Appel,
Max Bill, Alexander Calder, Eduardo Chillida, Gunter Damisch, VALIE
EXPORT, Bruno Gironcoli, Franz Graf, Martha Jungwirth, Maria Lassnig,
Joan Miró, Arnulf Rainer, Daniel Spoerri, Mark Toberg, Günther
Uecker, Antoni Tàpies und Franz West. Die rund 3.000 Objekte gehen
nun als Schenkung an das Kunsthaus Bregenz.
Die Sammlung König-Lebschik wird im Sommer 2021 im KUB
Originalgrafiken
aus der Sammlung Sammlungsschaufenster in einer repräsentativen Auswahl im
König-Lebschik Bregenzer Postgebäude erstmals ausgestellt.
38 KUB Programm 2021Thomas König Foto: Angela Lamprecht
KUB Sommer Open Air Konzert
Cari Cari im September 2020
Foto: Alicia Olmos Ochoa
KUB 2021
KUB Sommer — Open Air
Inzwischen ist das KUB Sommer Open Air aus dem Bregenzer Stadt-
leben nicht mehr wegzudenken. Wir freuen uns sehr, dass wir dieses
Format 2021 trotz der erschwerten Bedingungen im Veranstaltungs-
bereich fortsetzen können. Das Besondere: Alle Filme werden von
den KUB Künstler*innen 2021 persönlich ausgewählt. Lassen Sie sich
in die filmischen Inspirationswelten von Jakob Lena Knebl, Ashley
Hans Scheirl, Pamela Rosenkranz, Anri Sala und Otobong Nkanga ent-
führen, wenn es auf dem KUB Platz heißt: Film ab!
41 KUB Programm 2021KUB 2021
Billboards
Die Billboards an der Bregenzer Seestraße sind fester Bestandteil
im Programm des Kunsthaus Bregenz. Sie erweitern die jeweilige
Ausstellung im KUB in den öffentlichen Raum. 2021 werden sechs
Plakattafeln von Jakob Lena Knebl, Pamela Rosenkranz, Anri Sala
und Otobong Nkanga auf die Ausstellungen im Kunsthaus Bregenz
hinweisen.
42 KUB Programm 2021Kunsthaus Bregenz
Jahresrückblick 2020
43 KUB Programm 2021KUB 2020
Jahresrückblick
2020 war ein außergewöhnliches Jahr, auch für die Kunst und das
Kunsthaus Bregenz. Um den Titel der KUB Sonderausstellung nach
dem Lockdown zu zitieren — eine Unvergessliche Zeit.
Die erste Ausstellung 2020 war der US-Künstlerin Bunny
Rogers gewidmet. Ihre Ausstellung Kind Kingdom beeindruckte mit
raumgreifenden Installationen, die die Themen Tod und Todesge-
danken, Erinnerung, Solidarität und Verfall in Szene setzten. Ein
Duschsaal wurde gefliest, Rasen verlegt und LED-Glühwürmchen
blinkten im abgedunkelten Foyer vor einem Grabhügel. Mehr als
7.300 Besucher*innen verzeichnete die Ausstellung bis zur verfrühten
coronabedingten Schließung am 13. März 2020.
Als weithin nach außen sichtbares Zeichen auch nach dem Lock-
down im Frühjahr blieb die Arbeit KUNSTHAUS der im Jahr 2000 ver-
storbenen Vorarlberger Künstlerin Anne Marie Jehle an der Seeseite
der Fassade des Zumthor-Baus hängen. Das KUB Fassadenprojekt
wurde in Zusammenarbeit mit der Anne Marie Jehle Stiftung, Vaduz,
erarbeitet. Die T-Shirt-Edition, die anlässlich dieses Projekts her-
ausgebracht wurde, entwickelte sich zu einem Verkaufsschlager.
Das Team des Kunsthaus Bregenz hat auf die veränderten Rah-
menbedingungen der Schließzeit kompetent und rasch reagiert. Die
langjährig aufgebaute starke Onlinepräsenz wurde gezielt genutzt:
Auf kunsthaus-bregenz.at und in den sozialen Netzwerken gingen
unter der neu entwickelten Rubrik KUB Digital beinahe täglich wech-
selnde Schwerpunkte online: Fotos und Videos aus der KUB Ge-
schichte, Online-Workshops des Vermittlungsteams und Einblicke
hinter die Kulissen. Ziel aller digitalen Aktivitäten: Die Präsenz des
KUB auch während der Corona-Schließzeit des Hauses zu stärken
und den Diskurs weiterzuführen. So wurde zum Beispiel die vorzei-
tig geschlossene Ausstellung Bunny Rogers — Kind Kingdom doku-
mentiert, indem Fotos der sich verändernden Installationen, die nun
dem Publikum vorenthalten waren, online veröffentlicht wurden.
44 KUB Jahresrückblick 2020Ergänzend entstanden nachhaltige neue Formate: Die achtteilige
zweisprachige Videoserie KUB Architektur Shortcuts mit dem techni-
schen Leiter der Vorarlberger Kulturhäuser Markus Unterkircher
erfreut sich auch beim internationalen Publikum großer Beliebtheit.
In der neu entwickelten Podcast-Reihe KUB Sonic Views blickt Direktor
Thomas D. Trummer aus der durch die Pandemie geprägten Perspek-
tive auf Werke der Kunstgeschichte. Mehr als 50 Episoden sind der-
zeit online verfügbar. Eine Publikation dazu ist in Planung.
Seine Vorreiterstellung in der internationalen Kunstwelt konnte
das Kunsthaus Bregenz auch mit seiner ersten Ausstellung nach
der Schließzeit weiter ausbauen. Am 5. Juni wurde die Ausstellung
Unvergessliche Zeit — bis zum 1. Juli zunächst mit reduzierten Öff-
nungszeiten von Donnerstag bis Sonntag — eröffnet. Helen Cammock,
William Kentridge, Annette Messager, Rabih Mroué, Markus Schinwald,
Marianna Simnett und Ania Soliman präsentierten Arbeiten, die
während der Corona-Krise oder zuvor diese vorausahnend entstan-
den sind. Mit Unvergessliche Zeit war das Kunsthaus Bregenz die ein-
zige Institution europaweit, die aktuelle Beiträge von sieben der
bedeutendsten Künstler*innen der Gegenwart zur Corona-Krise prä-
sentierte. Dieser Abdruck einer unvorhersehbaren, unvergesslichen
Zeit führte zu größter internationaler Aufmerksamkeit. Das Medien-
und Besucher*inneninteresse war enorm. Es wurde in allen regionalen
sowie internationalen Medien positiv berichtet, inklusive eines um-
fangreichen Beitrags in der New York Times. Über 14.000 Besucher*in-
nen sahen die Sonderausstellung. Diese im Vergleich zur relativ kurzen
Laufzeit und den auch im Sommer noch geltenden Reisebeschränkun-
gen sehr guten Besuchszahlen sind auch dem ambitionierten und
an die Situation angepassten Veranstaltungs- und Vermittlungspro-
gramm zuzuschreiben. Erfolgreiche Formate, die in Zusammenarbeit
mit verschiedenen Kooperationspartner*innen wie den Bregenzer
Festtagen oder dem Franz-Michael-Felder-Archiv entwickelt wurden,
trugen zur positiven Resonanz und zur starken Präsenz des KUB bei.
Am Ende des Jahres 2020 werden rund 186 Führungen für Erwach-
sene, 122 Formate für Kinder und Jugendliche und 63 weitere Veran-
staltungen stattgefunden haben. Das vielfältige Veranstaltungs-
und Vermittlungsprogramm entspricht damit trotz viermonatiger
vollständiger Corona-Zwangspause und der Einhaltung strikter Vorga-
ben bei der Organisation von Veranstaltungen dem des Jahrs 2019.
45 KUB Jahresrückblick 2020Seit dem 12. September war das Kunsthaus Bregenz Peter Fischli
gewidmet. Das vielfältige intellektuelle Schaffen des großen
Schweizer Künstlers stieß auf großes Publikumsinteresse. Bis zum
coronabedingten vorzeitigen Ausstellungsende am 1. November
haben mehr als 5.600 Besucher*innen die humorvoll-hintergründigen
Arbeiten Fischlis gesehen. Ursprünglich war die Laufzeit der Aus-
stellung bis zum 29. November angesetzt.
Parallel dazu wurde die Zusammenarbeit mit der Johanniter-
kirche Feldkirch neu belebt. Seit dem 26. September wurde dort
die Skulptur Standbild von Oliver Laric präsentiert. Etwa 2.000
Besucher*innen haben die eindrückliche Arbeit des in Berlin leben-
den Künstlers, die auch für die KUB Sammlung angekauft wurde, bis
zur vorzeitigen Schließung am 1. November im historischen Kirchen-
raum in Feldkirch gesehen. Voraussichtlich ab dem 1. Dezember
wird Larics Arbeit in der Johanniterkirche Feldkirch wieder für die
Öffentlichkeit zugänglich sein.
Trotz der Schließung des Kunsthaus Bregenz im November,
blieb das Team des Kunsthaus Bregenz weiterhin aktiv. Pünktlich
zur US-Wahl 2020 wurde im Schaufenster der KUB Café Bar von
außen einsehbar ab dem 2. November Max Almys Videoarbeit
Perfect Leader gezeigt.
46 KUB Jahresrückblick 2020Foto: Alicia Olmos Ochoa Max Almy Perfect Leader, 1983 Video, 4:11 Min., Farbe, Ton Courtesy of Electronic Arts Intermix (EAI), New York
Das KUB Sommerprogramm 2020 bot Open Air Kino und Musik auf
dem Karl-Tizian-Platz. Unter dem Motto »The Artists’ Choice« wur-
den die Lieblingsfilme der Künstler*innen des Ausstellungsjahres
2020/21 auf der Großleinwand gezeigt. Bei Cocktails und Snacks der
KUB Café Bar erfreute sich das Freiluftkino unter Einhaltung aller
notwendigen Corona-Regeln großer Beliebtheit und bereicherte
im Juli und August das städtische Leben. Als Abschluss des Open
Air Sommers bespielte das österreichische Indie-Rock-Duo Cari Cari
die Außenbühne vor dem KUB.
Wissenschaftlich fundierte Publikationen, die ebenso wie die
eigens für das Haus entwickelten Editionen in enger Zusammenar-
beit mit den Künstler*innen entstehen, vervollständigen das Ange-
botsspektrum des Kunsthaus Bregenz. Der weltweite Vertrieb, von
einem gut angenommenen Webshop unterstützt, stärkt die interna-
tionale Positionierung des Hauses.
Bis Jahresende 2020 werden insgesamt rund 32.000 Besucher*in-
nen die KUB Ausstellungen gesehen haben. Berücksichtigt man die
viermonatige coronabedingte Schließzeit und die daraus resultie-
renden Reisebeschränkungen für das internationale KUB Publikum
können wir dennoch an die sehr guten Besuchszahlen von 2019
anschließen.
Der Beitrag des Landes Vorarlberg für das Jahr 2020 beträgt
2,82 Millionen Euro; die Eigeneinnahmen liegen bei 0,5 Millionen
Euro. Die Galerienförderung des Bundes für Kunstankäufe betrug
36.500 Euro.
48 KUB Jahresrückblick 2020Das KUB Jahr 2020 in Zahlen
Gesamtbesucher*innenzahl
* 32.000 2020 (bei 4 Monaten Schließzeit)
53.645 2019
48.310 2018
77.237 2017
Besucher*innen
1.286 Raphaela Vogel (vom 1. bis 6. Jänner)
7.328 Bunny Rogers (vom 18. Jänner bis 13. März)
14.202 Unvergessliche Zeit
5.602 Peter Fischli (bis 1. November)
* 3.500 Jakob Lena Knebl & Ashley Hans Scheirl (bis 31. Dezember)
2.000 Oliver Laric — Standbild in der Johanniterkirche Feldkirch (bis 1. November)
Veranstaltungen und Führungen
(bei viermonatiger coronabedingter Schließzeit)
* 186 Führungen für Erwachsene
* 122 Formate für Kinder und Jugendliche (Workshops, Führungen, etc.)
* 63 weitere Veranstaltungen
€ 2.822.000 Landesbeitrag 2020
ca. € 500.000 Eigeneinnahmen 2020 (rund 35 % unter dem Vorjahresniveau)
€ 36.500 Galerienförderung 2020 des Bundes für Kunstankäufe
27,7 vollzeitäquivalente Mitarbeiter*innen
* voraussichtlich
49 KUB Jahresrückblick 2020Fotos: Markus Tretter (oben links) Miro Kuzmanovic (unten)
KUB 2020
Pressestimmen
»Die Schau in Bregenz — ein Ereignis!«, nicht nur bei ZDF aspekte
sorgte Bunny Rogers, die erste Jahresausstellung 2020, für Aufmerk-
samkeit. Regional und international war das Medieninteresse
enorm. »Poesie der Vergänglichkeit«, so bezeichnete 3sat die büh-
nenartigen Installationen, ein »sinnliches Erlebnis« schrieb Lisa
Kammann, NEUE Vorarlberger Tageszeitung. ORF berichtete in ZIB
und Kulturmontag. Die Künstlerin »reflektiert über die Endlichkeit
mit erstaunlicher Zurückhaltung […] ohne den kleinsten Anflug von
Effekthascherei und Kitsch«, so Alexandra Wach in der FAZ, und
Christa Dietrich, Vorarlberger Nachrichten, lobte: »Bunny Rogers
verwandelt das KUB in ein Gesamtkunstwerk.«
51 KUB Jahresrückblick 2020Trotz der Schließung des Kunsthaus Bregenz ab Mitte März blieb das
Haus dank zahlreicher Aktivitäten medial stark präsent. KUB Direktor
Thomas D. Trummer sprach in der Ö1 Hörfunkreihe Kunst im Kopf
und in Kulturjournal, Radio Vorarlberg, und war mit Kolumnen in
Die Presse und artmagazine.cc vertreten. Medien wie die NEUE Vor-
arlberger Tageszeitung, die Vorarlberger Nachrichten, Schwäbische
Zeitung und Der Standard berichteten regelmäßig. Die zeitnahe
Wiedereröffnung Anfang Juni mit der Gruppenausstellung Unver-
gessliche Zeit stieß in TV, Print und Radio sowohl regional als auch
international auf immenses positives Medieninteresse. Ein umfang-
reicher Einzelbericht der New York Times lobte: »this exhibition
seems to ask us not only to reflect in real time, but also to take this
fraught moment as a point of departure«. »KUB Direktor Thomas D.
Trummer ist mit der ersten hochkarätigen Corona-Kunstausstellung
ein spontaner Coup gelungen«, bestätigte Almuth Spiegler, Die
Presse. Berichte erschienen in der NEUEN Vorarlberger Tageszeitung,
in der Kultur, im Blättle und im ORF. Arte und SWR berichteten: »In
den weiten Hallen des Kunsthaus Bregenz ist er förmlich zu hören:
Dieser Schrei der internationalen Kunstszene, sich aus der Isolation
zurückzumelden.« Die Ausstellung sei eine »großartige Durchle-
benshilfe. […] Kunst, die das Reflexionspotenzial erhöht, hilft da
wirklich« (Christa Dietrich, Vorarlberger Nachrichten), »das KUB (ist)
auch der richtige Ort dafür.« (Antje Merke, Schwäbische Zeitung).
Peter Fischlis Einzelausstellung erhielt im Frühjahr, als sie angekün-
digt wurde, und nun im Herbst zum neuen Eröffnungstermin große
internationale Aufmerksamkeit. Die Ausstellung wurde vielfach und
kontrovers diskutiert, darunter viele Schweizer Zeitungen wie die
NZZ, die St. Galler Tageszeitung und der Tagesanzeiger. »Banal und
bezaubernd zugleich«, so Ariane Grabher in der Kultur. »[…] und das
mit einigem Witz«, sagt Brigitte Kompatscher, NEUE Vorarlberg
Tageszeitung. »Hierarchien werden umgekehrt, Erwartungshaltungen
unterlaufen«, kommentiert Ivona Jelčić, Der Standard, kritisch,
aber anerkennend. Arte bringt es auf den Punkt: »Peter Fischli spielt
mit uns.«
Zur Eindämmung der Corona-Pandemie wurde das Kunsthaus
Bregenz vom 3. bis zum 30. November 2020 erneut geschlossen.
Auch wenn die Ausstellung Peter Fischli damit ein verfrühtes
Ende fand, blieb das KUB Team aktiv. Pünktlich zur US-Wahl 2020
wurde im Schaufenster der KUB Café Bar von außen einsehbar ab
dem 2. November Max Almys Videoarbeit Perfect Leader gezeigt.
»[…] durchaus treffend«, kommentiert Christa Dietrich in den Vorarl-
berger Nachrichten.
52 KUB Jahresrückblick 2020Stand 04.11.20
Instagram
14.000 Abonnent*innen
+ 63 % gegenüber 2019
YouTube
249.500 Aufrufe
Facebook
9.000 Abonnent*innen
#kunsthausbregenz
7.200 Beiträge
KUB 2020
KUB Digital & Online
Bereits zu Jahresbeginn erreichte das Kunsthaus Bregenz die Marke
von 10.000 Abonnent*innen auf Instagram, einer der wichtigsten
Social-Media-Kanäle für den Kontakt mit der regionalen und inter-
nationalen Kunstszene. Bildstark werden dort Porträts der Künst-
ler*innen, Bilder der aktuellen KUB Ausstellung, Berichte über die
Abläufe hinter den Kulissen, Veranstaltungen, Führungen und die
Neuigkeiten des Hauses präsentiert. Auch Produkte aus dem KUB
Shop, wie die T-Shirts zum Fassadenprojekt Anne Marie Jehle, finden
hier ein Online-Schaufenster. Auf Facebook werden Veranstaltun-
gen, aktuelle Meldungen und Medienberichte zeitnah gepostet.
Nach der kurzfristigen ersten Schließung des Hauses Mitte März
wurde die langjährig aufgebaute starke Onlinepräsenz gezielt ge-
nutzt, um Besucher*innen aktuell informiert zu halten und beste-
hende Inhalte sichtbar zu machen. Auf kunsthaus-bregenz.at und auf
Social Media gingen unter der neu entwickelten Rubrik KUB Digital
beinahe täglich wechselnde Schwerpunkte online: Fotos und Videos
der KUB Geschichte, Online-Workshops des Vermittlungsteams und
Einblicke hinter die Kulissen. Ziel aller digitalen Aktivitäten des
Kunsthaus Bregenz ist, auch während der Corona-Schließzeit des
53 KUB Jahresrückblick 2020Alle digitalen Initiativen entsprechen den Qualitäts-
standards, die das KUB auch als Marke auszeichnet.
Das Kunsthaus Bregenz steht für hochrangige
Ausstellungen in einem der schönsten Ausstellungs-
gebäude der Welt. Thomas D. Trummer
Hauses, die Präsenz zu stärken und den Diskurs weiterzuführen. So
wurde zum Beispiel die vorzeitig geschlossene Ausstellung Bunny
Rogers — Kind Kingdom dokumentiert, indem Fotos der sich verän-
dernden Installationen, die nun dem Publikum vorenthalten waren,
online veröffentlicht wurden.
Ergänzend entstanden neue Formate: Die achtteilige Videoserie
KUB Architektur Shortcuts begleitet den technischen Leiter der Vor-
arlberger Kulturhäuser, Markus Unterkircher, durch das Gebäude
Peter Zumthors und zeigt Details und Orte, die für das Publikum nor-
malerweise nicht zugänglich sind. Englisch synchronisiert erreichen
die wöchentlich erschienenen Episoden auch das internationale
Publikum. Die erste Folge ging bereits zwei Wochen nach der Schlie-
ßung des Hauses online. Zusätzliche Episoden beleuchteten im
November als KUB Insights die Künstlereditionen und die Samm-
lung. In der neuen Podcast-Reihe KUB Sonic Views blickt KUB Direk-
tor Thomas D. Trummer seit April aus der durch die Corona-Krise
geprägten Perspektive auf Werke der Kunst und Kunstgeschichte.
Mehr als 50 Episoden sind derzeit auf YouTube und kunsthaus-
bregenz.at verfügbar, weitere folgen. Wegen des zweiten Lock-
downs fanden Veranstaltungen im November, wie ein Gespräch mit
Bice Curiger und Peter Fischli, online statt und erreichten so ein brei-
tes Publikum. Die KUB Online-Kanäle, darunter auch der KUB News-
letter mit über 2.000 Abonnent*innen, sind das ganze Jahr hindurch
zentrales Informations- und Kommunikationsmittel für das regionale
und internationale Publikum.
54 KUB Jahresrückblick 2020KUB 2020
Vermittlung & Veranstaltungen
Je nach Ausstellung entwickelt das KUB Vermittlungsteam passge-
naue Formate für unterschiedlichste Interessensgruppen. Das
Vermittlungsprogramm macht Kunst erlebbar und verständlich. Zu
jeder Ausstellung entstehen Begleitfilme mit Interviews der jeweili-
gen Künstler*innen, die den Besucher*innen die Inhalte näher-
bringen. Der Entdecker — ein kostenfreies Begleitblatt für Kinder —
vermittelt die Kunstwerke auf spielerische Weise und lässt die
jungen Besucher*innen selbst kreativ sein.
Happy Friday ist ein Format, das an jedem ersten Freitag im
Monat angeboten wird. Bei ganztägig freiem Eintritt und Kurzführun-
gen erfahren Besucher*innen alles Wissenswerte über die Künst-
ler*innen und die Ausstellung. Im Anschluss wird zu Austausch und
einem Glas Sekt in die KUB Café Bar eingeladen. Beim Sprachpro-
gramm Art meets Language werden bei einem Rundgang mit Native
Speaker Chris Thomas die Englischkenntnisse aufgefrischt.
Themen der Ausstellung von Bunny Rogers — Trauer und Jugend-
kultur amerikanischer Highschools — dienten als Inspiration für neue
Formate: Der Jugendclub 16+ des Vorarlberger Landestheaters nutzte
die bühnenhaften Installationen für eine berührende Performance.
Beim vollbesetzten Poetry Slam entwickelten die Slamer*innen
55 KUB Jahresrückblick 2020packende Beiträge. Den Abschluss dieser Veranstaltungen bestritt
die amerikanische Künstlerin selbst: Auf einer Lesung trug sie ihre
Gedichte vor, die sie während der Vorbereitung der Ausstellung in
Bregenz geschrieben hatte. Während des Lockdowns veröffentlichten
die Kunstvermittler*innen auf KUB Digital und Social Media Online-
workshops mit Bastelanregungen für Kinder. Ein interaktiver Web-
Rundgang durch die einzigartige Architektur des Kunsthaus Bregenz
befindet sich derzeit in der Umsetzung und geht in Kürze online.
Die Wiedereröffnung des Kunsthaus Bregenz mit der Ausstel-
lung Unvergessliche Zeit wurde in Form einer erweiterten Eröffnung,
trotz zahlreicher Auflagen, begeistert angenommen. Alle Veranstal-
tungen sowie die täglichen kostenfreien Intros durch die KUB Mitar-
beiter*innen wurden gern genutzt. Der ganztägige, zweiwöchige
Kindersommerworkshop war komplett ausgebucht.
Auch zur Ausstellung von Peter Fischli wurde ein ambitioniertes
Rahmenprogramm geplant. Kulturwissenschaftlerin Annegret Braun
sprach über das Suchen und Finden von Glück, Mirjam Steinbock
diskutierte mit Gästen unterschiedlichster Berufssparten am Natio-
nalfeiertag die zurzeit besonders aktuelle Frage: Wie arbeiten wir
heute? Neu startete zudem eine Gesprächsserie mit Künstler*innen,
deren Werke kürzlich für die KUB Sammlung angekauft wurden.
Aufgrund des vorzeitigen coronabedingten Endes der Ausstel-
lung am 1. November konnten einige Highlights nicht mehr stattfin-
Fotos nächste Seite:
Miro Kuzmanovic den, so zum Beispiel der Dialog zwischen Peter Fischli und dem
Eva Sutter Schweizer Künstler Kaspar Müller. Der Talk zwischen Bice Curiger,
(1. Reihe links)
Alicia Olmos Ochoa
Peter Fischli und KUB Direktor Thomas D. Trummer fand auf den
(1. Reihe rechts) Online-Kanälen des Kunsthaus Bregenz statt.
56 KUB Jahresrückblick 2020KUB 2020
Sommerprogramm
Open Air Kino & Konzert
Ein bunt gemischtes Filmprogramm lockte auch in diesem Jahr in
lauen Sommernächten zahlreiche Besucher*innen zum Open Air
Kino auf den Karl-Tizian-Platz. Ausgewählt von den aktuellen Künst-
ler*innen ließ die Filmauswahl keine Wünsche offen: Vom Stumm-
filmklassiker über Gangsterdrama und Psychothriller bis hin zum
Dokumentar- und Künstlerfilm waren alle Genres vertreten.
Mit City Lights (1931) von Charlie Chaplin setzte Anri Sala den
heiteren Auftakt der Kinoreihe. Der Dokumentarfilm Heaven Adores
You (2014) erzählt die bewegende Lebensgeschichte des Musikers
Eliott Smith bis zu seinem vorzeitigen Tod. Im Thriller Requiem for a
Dream (2000) verfolgten die Zuschauer*innen den tragischen Fall
vierer Drogenabhängiger und deren geplatzte Lebensträume. Beide
Filme gaben einen tiefen Einblick in die Themenwelt der Künstlerin
Bunny Rogers.
Aus der großen Filmauswahl Dora Budors schafften es zwei
Filme ins Programm: Das Drama Neighbouring Sounds (2012)
begleitet die fiktiven Bewohner eines Wohnblocks im brasiliani-
schen Recife, deren Alltag sich nach der Ankunft einer privaten
Sicherheitsfirma schleichend verändert. In dem chinesischen Drama
Ash is Purest White (2018) kämpft die Hauptdarstellerin Zhao Qiao
im Gangstermilieu um Liebe und Gerechtigkeit.
Der geringste Wiederstand (1981) und Der Lauf der Dinge (1987)
des Künstlerduos Fischli/Weiss gaben einen Vorgeschmack auf die
Einzelausstellung Peter Fischlis im Herbst. Als musikalischer Höhe-
punkt brachte das österreichische Indie-Rock-Duo Cari Cari im Sep-
tember den KUB Platz zum Beben. Binnen kürzester Zeit ausverkauft
war das Konzert dank der umsichtigen Besucher*innen der beste
Fotos nächste Seite:
Beweis dafür, dass Feiern und Tanzen auch mit Abstand möglich sind.
Alicia Olmos Ochoa Danke, liebes KUB Publikum!
58 KUB Jahresrückblick 2020KUB 2020
Publikationen
Das Kunsthaus Bregenz veröffentlicht Publikationen, die in enger
Zusammenarbeit mit den Künstler*innen sowie namhaften Grafi-
ker*innen entstehen. Die ausstellungsbegleitenden Katalogbücher
setzen in der grafischen Gestaltung Thema und Bildsprache der
jeweiligen Künstler*innen um, sodass jedes Katalogbuch nicht nur
Dokumentation, sondern auch Teil des Werks und Fortführung der
Ausstellung ist. Grundsätzlich zweisprachig sind die Bücher neben
dem Verkauf im KUB auch für die weltweite Distribution bestimmt.
Die Publikation zur Ausstellung Ed Atkins’ präsentiert eine Fülle
von Bildmaterial, drei Essays sowie ein Künstlergespräch.
Die im KUB gezeigten Installationen Raphaela Vogels sind in Auf-
nahmen im ausstellungsbegleitenden Katalogbuch dokumentiert.
Beiträge von Diedrich Diederichsen, Thomas D. Trummer u. a. erläu-
tern Vogels filmisch-skulpturales Schaffen.
Die Gestaltung des Buches Bunny Rogers — Kind Kingdom führt
in besonderer Weise die das Werk prägende Ambivalenz von Poesie
und Trauer fort, auf die im Besonderen die Essays von Elisabeth
Bronfen, Thomas Macho und Thomas D. Trummer eingehen. Gedichte,
die Bunny Rogers während der Vorbereitung der Ausstellung in
Bregenz geschrieben hat, werden hier erstmals veröffentlicht.
Die zuerst online als KUB Sonic Views veröffentlichten Bildbe-
trachtungen zu ausgewählten Werken der Kunstgeschichte, in
denen Thomas D. Trummer auf das prekäre Lebensgefühl während
der Corona-Krise eingeht, werden reich bebildert in einem Buch
zusammengefasst.
Darüber hinaus erscheint erstmals ein KUB Kalenderbuch:
Das Taschenkalendarium für das Jahr 2021 greift die Ästhetik des
Kunsthaus Bregenz auf und zeigt neben der Architektur Highlights
der jüngsten Ausstellungen.
Zur Ausstellung Peter Fischli wird ein von ihm maßgeblich
selbst gestaltetes Künstler-Katalogbuch mit zahlreichen Beiträgen
erscheinen.
2021 sind Publikationen zu den Ausstellungen von Jakob Lena
Knebl und Ashley Hans Scheirl, Pamela Rosenkranz, Anri Sala und
Otobong Nkanga geplant.
60 KUB Jahresrückblick 2020Bunny Rogers
Ed Atkins Raphaela Vogel Kind Kingdom
Herausgegeben von Deutsch | Englisch Herausgegeben von Deutsch | Englisch Herausgegeben von Deutsch | Englisch
Thomas D. Trummer, Hardcover Thomas D. Trummer, Softcover Thomas D. Trummer, Hardcover, Leinen
Kunsthaus Bregenz 13 × 15,7 cm, 576 Seiten Kunsthaus Bregenz 24 × 30 cm, 224 Seiten Kunsthaus Bregenz mit Bauchbinde
Essays von Helen Erscheinungstermin: Essays von Diedrich Erscheinungstermin: Essays von Elisabeth 19 × 28 cm, 224 Seiten
Marten, Thomas Jänner 2020 Diederichsen, Dezember 2019 Bronfen, Thomas Abbildungen: 86, alle
Oberender und Preis: € 32 Oriane Durand, Preis: € 42 Macho und Thomas D. in Farbe
Steven Zultanski, ein Vertrieb: Verlag der Thomas D. Trummer Vertrieb: Verlag der Trummer, ein Ge- Erscheinungstermin:
Gespräch zwischen Buchhandlung und Vera Palme Buchhandlung spräch zwischen September 2020
Ed Atkins und Walther König, Köln Grafische Gestaltung: Walther König, Köln Thomas D. Trummer Preis: € 42
Thomas D. Trummer Studio Marie Lusa und Bunny Rogers; Vertrieb: Verlag der
Grafische Gestaltung: Gedichte von Buchhandlung Walther
HIT Studio Bunny Rogers König, Köln
Grafische Gestaltung:
Stefan Gassner
Kalenderbuch 2021 Thomas D. Trummer
Herausgegeben von Bilder in der Pandemie
Kunsthaus Bregenz Herausgegeben von
Grafische Gestaltung: Kunsthaus Bregenz
Stefan Gassner Grafische Gestaltung:
Bilder in der
Deutsch | Englisch Stefan Gassner
Pandemie
Hardcover Deutsch
Thomas D. Trummer
18 × 11 cm, Softcover
128 Seiten 12 × 19 cm,
Erscheinungstermin: ca. 256 Seiten
November 2020 Kunsthaus Bregenz Erscheinungstermin:
Preis: ca. € 20 Dezember 2020
Preis: ca. € 20
61 KUB Jahresrückblick 2020Sie können auch lesen