Masterplan Digitale Bildung - Bausteine der Zukunft - Stadt Dortmund
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INHALT
LEITBILD FÜR EINE ZUKUNFTSGERECHTE DIGITALE BILDUNG IN DORTMUND 7
ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE 10
1 VERORTUNG 12
2 DIGITALISIERUNG 14
2.1 Digitalisierung und Gesellschaft 14
2.2 Digitalisierung und Bildung 15
3 ZIELPERSPEKTIVEN – BILDUNG IN DER DIGITALEN WELT 17
3.1 Digitale Teilhabe 17
3.2 Schulische Bildung 19
3.2.1 Allgemeinbildender Bereich 19
3.2.2 Berufsbildender Bereich 21
3.3 Ausserschulische Bildungsbereiche 22
3.3.1 Frühkindliche Bildung 22
3.3.2 Kinder- und Jugendförderung 24
3.3.3 Weiterbildung 26
3.3.4 Kulturelle Bildung 27
3.3.4.1 Stadt- und Landesbibliothek 28
3.3.4.2 Musikschule 29
3.4 Bildung für nachhaltige Entwicklung 30
4 HANDLUNGSFELDER EINER GESAMTSTRATEGIE 31
4.1 Technologieentwicklung – Smarte Bildungsräume 31
4.1.1 Endgeräte 33
4.1.1.1 Schulische Bildung 33
4.1.1.2 Exkurs: berufliche Bildung 34
4.1.1.3 Frühe Bildung 34
4.1.1.4 Offene Kinder- und Jugendarbeit 35
4.1.1.5 Erwachsenen- und Weiterbildung 35
4.1.1.6 Stadt- und Landesbibliothek 36
4.1.1.7 Musikschule 36
4.1.1.8 Gesamtperspektive 36INHALT
4.1.2 Digitale Online-Lern-/Kommunikationsplattformen/Bildungscloud/Software 37
4.1.2.1 Schulische Bildung 37
4.1.2.2 Frühe Bildung 39
4.1.2.3 Offene Kinder- und Jugendarbeit 39
4.1.2.4 Erwachsenen- und Weiterbildung 39
4.1.2.5 Stadt- und Landesbibliothek 40
4.1.2.6 Musikschule 40
4.1.2.7 Gesamtperspektive 40
4.1.3 Bauliche Maßnahmen – Gesamtperspektive 41
4.1.4 Exkurs: Nachhaltigkeit 41
4.2 Organisationsentwicklung 42
4.2.1 Schulische Bildung 43
4.2.2 Frühe Bildung 46
4.2.3 Kinder und Jugendförderung 46
4.2.4 Erwachsenen- und Weiterbildung 47
4.2.5 Stadt- und Landesbibliothek 47
4.2.6 Musikschule 48
4.2.7 Gesamtperspektive 48
4.3 Personalentwickung 49
4.3.1 Schulische Bildung 49
4.3.2 Frühe Bildung 50
4.3.3 Kinder und Jugendförderung 51
4.3.4 Erwachsenen- und Weiterbildung 51
4.3.5 Stadt- und Landesbibliothek 51
4.3.6 Musikschule 51
4.3.7 Gesamtperspektive 52
4.4 Entwicklung von Bildungsangeboten 52
4.4.1 Exkurs: Open Educational Resources (OER) 53
4.4.2 Schulische Bildung 54
4.4.3 Exkurs: Berufliche Bildung 55
4.4.4 Frühe Bildung 56
4.4.5 Kinder- und Jugendförderung 57
4.4.6 Erwachsenenbildung 57
4.4.7 Stadt- und Landesbibliothek 58INHALT
4.4.8 Musikschule 58
4.4.9 Exkurs: Bildung für Nachhaltige Entwicklung 58
4.4.10 Gesamtperspektive 59
4.5 Kooperationsentwicklung 59
4.5.1 Regionale Netzwerke in Schule und Kita 59
4.5.2 Vielfältige Lernorte 59
4.5.3 Vernetzende Akteure 59
4.5.3.1 Bereich 40/6 – Digitale Bildung 60
4.5.3.2 KITZ.do 60
4.5.3.3 Bereich 51/4 – Kinder- und Jugendförderung 61
4.6 Evaluation 62
4.6.1 Kennzahlen 63
4.6.2 Agile Medienentwicklung 63
5 UMSETZUNG 65
5.1 Umsetzungsstruktur 65
5.2 Finanzausblick 68
5.3 Katalog der vorgeschlagenen Maßnahmen 70
6 ERARBEITUNG DES MASTERPLANS 74
Arbeitsstruktur 74
Öffentliche Veranstaltungen 75
Autor*innen und Beteiligte 76
Stadt Dortmund 76
Schulen 76
Schulaufsicht 76
Externer Berater 77
Externe Sachverständige 77
Kuratorium 77
Ansprechpartner für den Masterplan Digitale Bildung 78
Danksagung 78
Literaturverzeichnis 79INHALT
ANHANG 84
Anhang 1 84
Leitfaden und Selbstevaluationsraster Digitale Schulentwicklung 84
Anhang 2 91
Skizze zu erforderlichen und auszuweitenden Fortbildungsangeboten 91
Nicht fachspezifische Module 91
Fachspezifische Module 92
Projektspezifische Module 93
Weitere Fortbildungsansätze 93
Anbieter 93
Formate/Orte 94
Fundstellen 94
Finanzierung 94
Offene Aspekte/Herausforderungen 94
Anhang 3 95
Perspektivkonzept Unterstützungssystem für die digitale Bildung Land NRW 95
IMPRESSUM 98Masterplan Digitale Bildung
LEITBILD FÜR EINE ZUKUNFTSGERECHTE DIGITALE BILDUNG IN DORTMUND
Chancen nutzen, Risiken erkennen: grundsätzlich verändern sich Arbeits- und
Bildung in der Digitalen Welt Kooperationsweisen. Das Repertoire an Metho-
den- und Sozialkompetenzen erweitert sich.
Der digitale Wandel schreitet unaufhörlich voran
und ist dabei schon heute ein Teil der Lebens- In Dortmund sollen alle notwendigen Voraus-
wirklichkeit der Menschen geworden. setzungen dafür geschaffen werden, jedem
Kind und jedem Jugendlichen die bestmögliche
Die Digitalisierung in allen Lebensbereichen ver- Förderung, Teilhabe, Selbstbestimmung und
ändert dabei unsere Art (zusammen) zu leben, Chancengerechtigkeit im digitalen Wandel zu
zu arbeiten, zu kommunizieren, zu lehren und ermöglichen und diese auch als Erwachsener zu
zu lernen grundlegend. erhalten und auszubauen.
Unsere wirtschaftlichen Chancen, die Zukunfts- Bildung in der digitalen Welt bedeutet insbeson-
festigkeit unserer Bildungsangebote sowie die dere, allen Lernenden, gleich welchen Alters, die
jeweils individuellen Möglichkeiten zur gesell- Entwicklung der Kompetenzen zu ermöglichen,
schaftlichen Teilhabe werden auch davon abhän- die für einen fachkundigen, verantwortungsvol-
gen, welche Zugänge zur digitalen Teilhabe wir len und kritischen Umgang mit Techniken und
schaffen, wie wir die Potenziale und Talente von Medien in der digitalisierten Welt erforderlich
Kindern und jungen Menschen fördern und zur sind. Um nachhaltig digitale Spaltung vermei-
Entfaltung bringen. den zu können, ist es notwendig, nicht nur den
Zugang zu digitalen Medien und Inhalten zu
Der digitale Transformationsprozess umfasst alle ermöglichen, sondern Aneignung von Hand-
schulischen und außerschulischen Bildungsberei- lungspraxen der Nutzung der digitalen Medien
che und betrifft auch das lebenslange Lernen. Er und Inhalte zu ermöglichen.
verändert die Rahmenbedingungen und Mög-
lichkeiten des Lernens und Lehrens, er schafft Die digitale Bildungsoffensive kann nur im
neue Freiräume für Kreativität, für individuelles engen Zusammenwirken von Bund, Ländern und
Lernen und zeit- und ortsungebundene Zusam- Kommunen gelingen. Als Kommune wollen wir
menarbeit. Durch die Digitalisierung verändert über unsere Aufgabe als Sachaufwandsträger
sich unsere Art der Informationsbeschaffung hinaus den Prozess der Digitalisierung im Bil-
und -verarbeitung. Viele Prozesse des täglichen dungsbereich in der staatlich-kommunalen
Lebens können durch den Einsatz von digitalen Verantwortungsgemeinschaft sowie als Träger
Medien vereinfacht werden. zahlreicher Bildungseinrichtungen aktiv mit-
gestalten. Der Masterplan versetzt die Stadt
Aber der digitale Transformationsprozess birgt Dortmund dabei in die Lage, auf unterschied-
auch erhebliche Risiken, die die Analyse- und liche Förderkulissen von Bund und Ländern
Reflexionsfähigkeit von Kindern, Jugendlichen flexibel und schnell zu reagieren und diese in
und Erwachsenen in einem besonderen Maße die eigene Strategie zu integrieren.
fordern. Der vorausschauende und kritische
Umgang mit der Bereitstellung persönlicher Aufbauend auf dem geplanten Ausbau einer
Informationen muss in allen Altersgruppen leistungsfähigen digitalen Infrastruktur in allen
gelehrt und gelernt werden, um bestehenden Dortmunder Stadtbezirken ist es unser Ziel, allen
Risiken, wie z. B. Cybergewalt und -kriminalität, Kindern und Jugendlichen den Erwerb der not-
vorbeugen zu können, aber auch um rechtliche wendigen vielfältigen Kompetenzen, die für ein
Anforderungen beachten und den Wahrheits- Leben und Arbeiten in der digitalen Welt erfor-
gehalt politischer Informationen bewerten zu derlich sind, zu ermöglichen und sie als Erwach-
können (Stichwort „fake news“). Aber auch sene weiter auszubauen. Lehrenden muss dazu
7Masterplan Digitale Bildung
eine moderne und zukunftsfähige Bildungsinfra- Zusammenfassend kann man die sich über alle
struktur zur Verfügung gestellt werden um so Konzeptrahmen hinweg ziehenden Kompeten-
die Voraussetzungen für die Umsetzung weiter- zen so beschreiben:
entwickelter Lernkonzepte zu schaffen und eine
neue Lernkultur für das 21. Jahrhundert zu • Bedienen und Anwenden:
entwickeln. Aufbau von Wissen, das einen selbstständigen
und sicheren Umgang mit digitalen Medien,
Dazu gehört auch über den Einsatz digitaler Werkzeugen und Daten ermöglicht. Hierzu
Medien Lernen individueller und passgenauer zu gehört auch das Wissen über technische
gestalten und Lernende, gleich welchen Alters, Gefahren und Risiken sowie über wirksame
in ihren Lernprozessen besser begleiten und Schutzmaßnahmen und Grundlagen der
beraten zu können. Verschlüsselung.
Um diese Ziele zu erreichen sind Maßnahmen in • Informieren und Recherchieren:
unterschiedlichen Handlungsfeldern erforderlich. Aufbau von Wissen, das zur eigenständigen
Die technische Ausstattung stellt eine Grund- Informationsbeschaffung, -auswertung und
voraussetzung dar. Das Lehrpersonal muss kon- -bewertung befähigt. Hierzu gehört ins-
tinuierlich qualifiziert werden, hierzu gehören besondere der kritische Umgang mit den
grundlegend neue Formate in der Fortbildung recherchierten Informationen.
von Lehrenden. Lernen verändert sich insgesamt.
Hierzu müssen neue Bildungskonzepte erarbeitet • Kommunizieren und Kooperieren:
und die Bildungseinrichtungen insgesamt weiter- Aufbau von Wissen, das die Nutzung von neu-
entwickelt werden. en Kommunikations- und Kooperationsprozes-
sen einschließlich der notwendigen Regeln und
Schlüsselkompetenzen in der digitalen Welt sind der gebotenen Netiquette ermöglicht.
in NRW für Schulen im Medienkompetenzrah-
men NRW für Schulen niedergelegt, der auf der • Produzieren und Präsentieren:
KMK Strategie „Bildung in einer Digitalen Welt” Aufbau von Wissen, um adressatengerechte
fußt. Für die Erwachsenen Bildung kann darü- Medienprodukte unter Beachtung der recht-
ber hinaus der Konzeptrahmen DigoComp 2.0: lichen Vorgaben erstellen und präsentieren
The Digital Competence Framework for Citizen zu können.
der Europäischen Kommission herangezogen
werden. • Analysieren und Reflektieren:
Aufbau von Wissen, das dazu dient, die eige-
ne Meinungs- und Identitätsbildung zu unter-
stützen und Mechanismen für die selbstver-
antwortliche Regulierung von Medien zu
entwickeln.
• Problemlösen und Modellieren:
Aufbau von Wissen, mit dem die Prinzipien
der digitalen Welt verstanden werden und mit
dem Problemstellungen technikunterstützt
gelöst werden können.
8Masterplan Digitale Bildung
Wir wollen, dass diese Fähigkeiten zielgruppen- insgesamt einer neuen Orchestrierung. Als Leit-
spezifisch, bedarfsgerecht und altersangemessen bilder können hier das Konzept des Fourdimen-
von allen Lernenden erworben werden können. sional Learning und der Learning Compass 2030
der OECD dienen. Beide erweitern das Spektrum
Wir wollen Lernangebote entlang der Bildungs- über die klassischen Medienkompetenzen hinaus
kette, beginnend bei der frühkindlichen Bildung und nehmen das Lernen im 21. Jahrhundert un-
über die schulische bis in die berufliche und ter einer ganzheitlichen Perspektive in den Blick.
allgemeine Weiterbildung ermöglichen.
Daher richten wir unsere Arbeit entlang der
folgenden Leitlinien aus:
1. Schaffung beziehungsweise Optimierung
effizienter lernförderlicher und belastbarer
digitaler Infrastrukturen für Schulen und alle
anderen Bildungseinrichtungen
2. Konkretisierung des Bildungs- und Erzie-
hungsauftrages der Schulen und anderer
Bildungseinrichtungen mit Blick auf die
Anforderungen in der digitalen Welt
3. Bedarfsgerechte Qualifizierung der
Lehrenden und pädagogischen Fachkräfte
4. Dialog mit der Stadtgesellschaft über
Zielsetzung und Perspektiven der digitalen
Bildungsoffensive
5. Mitwirkung an der Modernisierung der
Bildungsstandards
Damit schaffen wir die Bedingungen dafür,
dass alle Dortmunder Kinder, Jugendlichen und
Erwachsenen die notwendigen Kompetenzen
erwerben, um an der digitalisierten Gesellschaft
und Arbeitswelt Anteil zu haben und sie aktiv
mitgestalten zu können.
Die Begrenzung auf die Förderung von Medien-
kompetenz und informatische Bildung, so wie sie
aktuell in den genannten deutschen Strategien
niedergelegt ist, greift dabei aber insgesamt
noch zu kurz. Lernen im 21. Jahrhundert bedarf
9Masterplan Digitale Bildung
ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE
Aus den gesellschaftlichen Veränderungen im liche Förderung, Teilhabe, Selbstbestimmung
Zuge der Digitalisierung, die alle Lebens- und und Chancengerechtigkeit im digitalen Wandel
Arbeitsbereiche betreffen, ergeben sich in zu ermöglichen.
Dortmund, in Deutschland und weltweit neue
Herausforderungen für Bildungsprozesse, In einem ersten Schritt werden die Zielperspek-
-inhalte und -strukturen. tiven digitaler Bildung definiert. Anschließend
werden Handlungsfelder zur Umsetzung be-
Die Veränderungen im Bildungsbereich umfassen schrieben, im schulischen Bereich inklusive der
die gesamte Bildungsbiografie von der frühkind- beruflichen Bildung, im frühkindlichen Bildungs-
lichen Bildung bis hin zur Erwachsenenbildung, bereich, im Bereich der Kinder- und Jugendför-
von der formalen schulischen Bildung über die derung, der kulturellen Bildung und der öffent-
Aus- und Weiterbildung bis zur außerschulischen lich verantworteten Weiterbildung. „Digitale
und non-formalen Bildung. Teilhabe“ und „Bildung für nachhaltige Entwick-
lung“ werden als Querschnittsthemen ausdrück-
Mit dem „Masterplan Digitale Bildung“ legt lich berücksichtigt. Der Bereich der Hochschulen
die Stadt Dortmund eine unter breiter Betei- bleibt ausgeklammert, da hierzu bereits der
ligung erarbeitete Konzeption zur Begleitung „Masterplan Wissenschaft“ vorliegt.
der Bevölkerung und insbesondere der Kinder
und Jugendlichen in die digitale Welt vor. Dabei In den vorgeschlagenen Handlungsfeldern gilt
werden landes- und bundesweite Rahmenbedin- für alle Institutionen, dass digitale Medien einer-
gungen und Orientierungen berücksichtigt. seits Lernmittel, andererseits aber Lerngegen-
stand sind. Und es gilt, dass sich die organisati-
Parallel zum „Masterplan Digitale Bildung“ wer- onalen Strukturen der Einrichtungen durch den
den der „Masterplan Digitale Verwaltung“ und Aufbau und die Nutzung vernetzter Plattformen,
der „Masterplan Digitale Wirtschaft“ erarbeitet. adäquater Kommunikationsmittel und digital
unterstützter Arbeitsprozesse selbst verändern.
Die Entwicklung eines „Masterplans Digitale
Bildung“ ist nicht allein von der Stadt Dortmund Mit dem Selbstevaluationsraster zu den verschie-
leistbar. Es bedarf vielmehr der Einbeziehung denen Facetten der Digitalisierung und dem Me-
aller an den Bildungsprozessen beteiligten dienkompetenzrahmen des Landes NRW liegen
Akteur*innen wie der Schulaufsicht, der Bezirks- zentrale Instrumente zur Weiterentwicklung von
regierung Arnsberg, dem Land NRW, Vertreter*- Schulen vor, die in angepasster Form auch für
innen der Schulen, der Schüler*innen und deren viele andere Institutionen (z. B. Kindertagesein-
Eltern und vieler weiterer an Bildungsprozessen richtungen, VHS, Musikschulen, Museen, Sport-
beteiligter Institutionen. vereine) nutzbar sind.
Der Masterplan wird getragen von dem Grund- Für alle Institutionen ist ein zentrales Element
gedanken, dass das selbstbestimmte Lernen, die die Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter*innen.
uneingeschränkte gesellschaftliche Teilhabe am Für den schulischen Bereich wurde unter Zustim-
Leben und die Wahrnehmung gesellschaftlicher mung und Mitwirkung der Bezirksregierung eine
Verantwortung für jede und jeden Einzelnen Skizze zu erforderlichen und auszuweitenden
ermöglicht werden. Qualifizierungsangeboten entwickelt.
Wesentliche Ziele sind daher für Dortmund, alle Diese soll in der Umsetzung des Masterplans
notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, für mit konkreten Angeboten hinterlegt werden.
jedes Kind und jeden Jugendlichen die bestmög- Zur Verknüpfung mit der staatlichen Lehrer-
10Masterplan Digitale Bildung
ausbildung wurde bereits eine Kooperationsver- Hier müssen dringend über die kommunalen
einbarung mit dem ZfSL Dortmund (Zentrum für Spitzenverbänden gemeinsam mit dem Land
schulpraktische Lehrerausbildung) geschlossen. NRW Lösungen gefunden werden.
Die Umsetzung der inhaltlichen Digitalisierungs- Der vorliegende „Masterplan Digitale Bildung“
strategie setzt eine dauerhafte und verlässliche stellt nur einen ersten Aufschlag eines dauer-
Finanzierung der digitalen Infrastruktur voraus. haften Weiterentwicklungsprozesses dar. In
Hier helfen staatliche Kredit- und Förderpro- der Umsetzung ist es wichtig, Digitalisierung
gramme wie „Gute Schule 2020“ oder der „Digi- als Querschnittsthema in allen Steuerungs-,
talPakt“. Die erheblichen Haushaltsbelastungen Abstimmungs- und Entscheidungsgremien zu
zur Sicherstellung des laufenden Betriebes und verankern.
späterer Ersatzinvestitionen sind jedoch weder
von der Bundes- noch von der Landesebene auch
nur annähernd berücksichtigt.
„Digitalisierung geht nicht mehr weg“1
Michael Eickhoff, Chefdramaturg am Schauspiel Dortmund, Akademie für Digitalität und Theater Dortmund
1
[Hauser, Catalina Rojay; 2019]
11Masterplan Digitale Bildung
1 VERORTUNG
Die Konzeption des vorliegenden „Masterplans Digitalisierung“6 und die Digitalisierungsstra-
Digitale Bildung“ steht im Kontext einer Reihe tegie „Strategie für das digitale Nordrhein-
von Strategiepapieren zur Digitalisierung auf Westfalen, Teilhabe ermöglichen – Chancen
verschiedenen Ebenen. Im Jahr 2016 legte die eröffnen“7 Bezugsfelder geschaffen, die im
Kultusministerkonferenz ihre Strategie der vorliegenden „Masterplan Digitale Bildung“
„Bildung in der digitalen Welt“2 vor. Diese Kon- aufgegriffen und im regionalen Bezug vertieft
zeption versteht sich als länderübergreifender werden.
Rahmen zur Umsetzung dieser Strategie und
insbesondere des darin enthaltenen Kompetenz- Der Städtetag stellt in seinem Positionspapier
rahmens. „Lehren und Lernen im digitalen Zeitalter“ die
stetig zunehmende Bedeutung der Digitalisie-
Der Beschluss der Kultusministerkonferenz rung auch im Bildungsbereich fest und bekräf-
„Medienbildung in der Schule“3 von 2012 stellt tigt die aktive Mitwirkung der Mitgliedsstädte
dazu weiterhin eine Orientierung dar. an diesem Prozess.
Auf Bundesebene wurde 2016 der Bericht Der Einsatz digitaler Medien in der Bildung
„Digitale Medien in der Bildung“4 des Ausschus- eröffnet aus Sicht des Städtetages erweiterte
ses für Bildung, Forschung und Technikfolgen- Lernmöglichkeiten durch eine stärkere Indivi-
abschätzung vom Büro für Technikfolgenab- dualisierung, die gezieltere Förderung sowie
schätzung beim Deutschen Bundestag vorgelegt. selbstgesteuertes zeit- und ortsunabhängiges
Dieser fasst wissenschaftliche Untersuchungen Lernen im Rahmen kombinierter Bildungs- und
zum Einsatz digitaler Medientypen in allen Bil- Weiterbildungsangebote.
dungsbereichen zusammen, beleuchtet Rahmen-
bedingungen und leitet Konsequenzen für den Das Präsidium des Städtetages bekräftigt in
Prozess zunehmender Digitalisierung in den diesem Zusammenhang seine Forderung an die
unterschiedlichen Institutionen des Bildungs- Länder und den Bund, gemeinsam einen Master-
wesens ab. plan „Ausbau digitaler Bildung“ zu entwickeln,
der zwingend auch die finanziellen Aspekte
Darüber hinaus wurde 2016 die Strategie des klären müsse.
Bundesministeriums für Bildung und Forschung
„Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesell- Einen weiteren wichtigen Baustein stellt die
schaft“5 veröffentlicht, die Handlungsfelder auf „Gemeinsame Erklärung der Landesregierung,
Bundesebene beschreibt. des Städtetages NRW, des Landkreistages NRW
und des Städte- und Gemeindebundes NRW zur
Auf Landesebene hat das Land NRW durch das Umsetzung des Programms „Gute Schule 2020“9
Konzeptpapier „Lernen im Digitalen Wandel – dar.
Unser Leitbild 2020 für Bildung in Zeiten der
2
[Kultusminister der Länder der Bundesrepublik Deutschland; 2017]
3
[Kultusminister der Länder der Bundesrepublik Deutschland; 2012]
4
[Albrecht, Steffen; Revermann, Christoph; 2016]
5
Nähere Informationen unter: https://www.bildung-forschung.digital/de/eine-bildungsoffensive-fuer-die-digitale-wissensgesellschaft-1715.html
6
[Landesregierung Nordrhein-Westfalen; 2016]
7
[Landesregierung Nordrhein-Westfalen; 2016]
8
[Deutscher Städtetag; 2019]
9
[Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen, Städtetag NRW; Landkreistag NRW; Städte- und
Gemeindebund NRW; 2016]
12Masterplan Digitale Bildung
Hier werden zu berücksichtigende Eckpunkte zu der Unterstützungsstrategie „Unterstützungs-
den Themenbereichen system für die digitale Bildung in NRW 2020“
(Anhang 3) konkrete Verantwortichkeiten,
• Medienkompetenz/Curriculare Entwicklung,
Strukturen und Umsetzungen skizziert.
• Infrastruktur und IT-Ausstattung,
Diese Leitbilder und Strategien sowie die von
• Digitale Lernmittel und Bund, Land und international bereitgestellten
• Beratung und Qualifizierung Ressourcen bilden den Rahmen für die Entwick-
lung des lokalen Masterplans Digitale Bildung.
benannt.
Die folgende Grafik bietet einen Überblick
Darüber hinaus wurden im Juni 2018 vom über Konzepte, vorhandene Gremien und Netz-
Ministerium für Schule und Weiterbildung mit werke sowie Institutionen der Bildungsregion
Dortmund.
Abb. 1: Bildungsregion Dortmund
Konzepte Finanzierung Institutionen Gremien / Netzwerke
Masterplan Einrichtungsträger Bildungs-
Gute Schule 2020 Schulen (öff./priv.) Bildungsnetz
Digitale Bildung (öff./priv.) kommission
Medienent- Ausbildungs- Schulkoordinie- Beirat Übergang
DigitalPakt IHK, HWK
wicklungsplan betriebe rungskonferenz Schule–Arbeitswelt
VHS, Musikschule,
Regionales Berufs- Landesinitiative Hochschulen
Bibliotheken, Steuerkreis MEP
bildungszentrum Fachkräfte NRW Museen, KITZ.do, U2 (öff./priv.) Regionaler
Koordinie-
rungskreis
Kindertages-
einrichtung–
Bildungspartner Mittel der Stadt Stadt Dortmund Stadt Dortmund Grundschule
DoNeM
NRW Dortmund Fachbereich Schule Jugendamt
Masterplan
Stiftungen
Wissenschaft
Masterplan Spezielle
Digitale Wirtschaft Förderprogramme
13Masterplan Digitale Bildung
2 DIGITALISIERUNG
Der Begriff Digitalisierung bezeichnet den durch Die Veränderungen vollziehen sich in großer
Digitaltechnik und Computer ausgelösten Um- Geschwindigkeit überall dort, wo die materiel-
bruch, der nahezu alle Lebensbereiche betrifft: len Voraussetzungen für Anwendungs- und
Wirtschafts- und Arbeitswelt, Öffentlichkeit und Nutzungsmöglichkeiten der fortschreitenden
Privatleben. Digitalisierung bestehen.
2.1 DIGITALISIERUNG UND GESELLSCHAFT
Mit der Digitalisierung verändert sich grundle- Digitalisierung ist dann ein gesellschaftlicher
gend die Art und Weise wie die Menschen jetzt Transformationsprozess (vgl. Pelka/Kaletka 2011,
und zukünftig lehren, lernen, arbeiten, wirt- Pelka 2018), der neben technischen Innovatio-
schaften und kommunizieren („Digitale Trans- nen vor allem neue soziale Praktiken (z. B. des
formation“). Mit dieser digitalen Transformation „Teilens“ über „Plattformen“ oder neuer Partizi-
verändert sich die Art des Wissenserwerbs und pationsformen über soziale Medien) erzeugt.
der Wissenserzeugung, die Art der Erzeugung,
des Verkaufs und des Erwerbs von Waren und Es sind diese durch Digitalisierung ermöglichten
Dienstleistungen. Sie beeinflusst zunehmend neuen sozialen Praktiken, die die Stadtgesell-
Kommunikationsverhalten, Sozialisations- schaft zurzeit stark verändern. Gesellschaftliche
prozesse und Sprachkultur. Prozesse und Kommunikationswege verlagern
sich in digitale Medien – und schaffen dort neue
Digitalisierung ist Motor für gesellschaftlichen Chancen und Gefahren. Dieser Prozess verändert
Fortschritt und eröffnet vielfältige Möglichkei- die Gesellschaft nachhaltig und umfassend, kann
ten zur gesellschaftlichen Teilhabe und Emanzi- aber auch gesteuert werden.
pation. Sie birgt aber auch Risiken, z. B. können
durch die Digitalisierung – wenn entsprechende
Dabei ist die Perspektive auf Digitalisierung als
Schutzvorrichtungen nicht getroffen worden
sozialer Prozess sehr konstruktiv, denn auch
sind oder das entsprechende Wissen zur Einrich-
wenn eine Stadtgesellschaft wie Dortmund nur
tung solcher Schutzvorkehrungen nicht vorhan-
bedingt Einfluss auf die technologische Entwick-
den ist – der technische Fortschritt und die indi-
lung hat – die sie begleitenden sozialen Prozesse
viduellen Freiheitsrechte beeinträchtigt oder
kann sie sehr wohl mitgestalten.
gefährdet werden.
Um dem Risiko einer digitalen Spaltung vorzu-
Es besteht die Gefahr einer digitalen Spaltung,
beugen und die künftige Gesellschaft auf ein
nicht nur zwischen den Generationen, sondern
„digitalisiertes Leben“ vorzubereiten, fördert
auch abhängig vom individuellen Bildungsstand
und Einkommen. die Landesregierung des Landes Nordrhein-
Westfalen die Kommunen u. a. mit dem Kredit-
Die Potenziale der Digitalisierung können sich programm „Gute Schule 2020“, das es den
nur dann in der Gesellschaft entfalten, wenn die Kommunen ermöglicht, die Schulen mit digitaler
Verantwortlichen dafür Sorge tragen, dass alle Ausstattung zu versorgen. Die Bundesregierung
Menschen in die Lage versetzt werden, kompe- unterstützt zudem mit dem im Mai 2019 in Kraft
tent und souverän an der Digitalisierung teilzu- getretenen „DigitalPakt Schule“ die Länder und
haben. Kommunen bei der geplanten Digitalisierung
der Schulen. Im Bereich der Erwachsenenbildung
Aus Perspektive von Bildung und kommunaler haben die Landesverbände und der Bundes-
Verantwortung muss „Digitalisierung” aber auch verband der Volkshochschulen das Programm
als sozialer Prozess verstanden werden. „Erweiterte Lernwelten” aufgelegt
14Masterplan Digitale Bildung
2.2 Digitalisierung und Bildung
2.2 DIGITALISIERUNG UND BILDUNG
Die Kompetenzanforderungen an die Lernenden In den letzten Jahren haben sich bereits sowohl
verändern sich grundlegend und damit auch das die Richtlinien und Lehrpläne, als auch die An-
Lernen und Lehren selbst. Durch den Einsatz von forderungen an die Qualitätsentwicklung des
digitalen Medien wird es möglich, die Lernge- Unterrichtsprozesses in den Schulen unter den
schwindigkeit und die Lerninhalte passgenauer Aspekten der Handlungsorientierung, der in-
und damit effektiver an die individuellen Be- dividuellen Förderung und des selbstständigen
dürfnisse der Kinder und Jugendlichen und auch Lernens verändert. In allen Bereichen spielt die
der Erwachsenen anzupassen. Dies ist jedoch Nutzung digitaler Medien eine Rolle. Zur Unter-
kein Automatismus, sondern bedarf der aktiven stützung der Schulen hat das Land Nordrhein-
Gestaltungen anderer Lernszenarien. Westfalen den Medienkompetenzrahmen entwi-
ckelt, der künftig verpflichtend in die Lehrpläne
„Die Rolle der Lehrkraft verschiebt sich – weg implementiert wird.
vom Wissensvermittler, hin zum Mentor, der
Lernprozesse ermöglicht und steuert. Lernen Voraussetzung für eine gelingende Umsetzung
ist immer ein sozialer Prozess. Und Technologie von Lehren und Lernen mit digitalen Medien ist
kann diesen sozialen Prozess verstärken. Aber die Ausstattung der Schulen und der anderen
sie kann diesen nicht ersetzen. Insofern werden Bildungseinrichtungen mit entsprechender digi-
Lehrkräfte sogar noch sehr viel wichtiger, als sie taler Technik, vor allem aber die Anpassung der
es heute schon sind.“10 So wie hier die Möglich- Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte und der
keit benannt wird, mit digitalen Medien positive pädagogischen Kräfte. Hierbei sind die einzelnen
Veränderungen in der Gestaltung von Bildungs- Institutionen und Bildungsbereiche nicht isoliert
prozessen zu gestalten, können diese auch be- zu betrachten. Schulen könnten diesen Prozess
stehende und veraltete Lernszenarien verstärken gemeinsam, auch mit dem Schulträger, gestal-
und verfestigen. Der Technik wohnt per se kein ten, die Vernetzung der Bildungsbereiche bietet
Mehrwert inne. Er entsteht erst in der aktiven Potentiale für das generationenübergreifende
Veränderung der Arbeitsweise in Bildungsein- Lernen im Stadtbezirk.
richtungen.
Kinder haben heute immer früher Zugang zu
Die gesamte Bildungskette von der frühkind- digitalen Medien. Sie sind als Teil der Lebens-
lichen, über die schulische bis hin zur außerschu- wirklichkeit von Kindern und Familien und
lischen Bildung muss in den Blick genommen daher auch aus dem pädagogischen Alltag von
und so gestaltet werden, dass die Menschen in Kitas nicht mehr wegzudenken. Der Einsatz von
die Lage versetzt werden, die digitalen Möglich- Medien und der Erwerb von Medienkompetenz
keiten für ein selbstbestimmtes und eigenverant- ist bereits in der frühen Kindheit eine bedeu-
wortliches Leben zu nutzen. tende Bildungsaufgabe und daher auch als Teil
des Bildungsauftrags in den Bildungsgrund-
Mehr als je zuvor wird das lebenslange und sätzen des Landes verankert. Kindern muss in
lebensbegleitende Lernen zur Voraussetzung dieser frühen Bildungsphase vermittelt werden,
von erfolgreichen Bildungs- und Erwerbsbiogra- dass digitale Medien nicht nur rezipiert und
phien, selbstbestimmter Lebensgestaltung und konsumiert werden können, sondern dass sie
aktiver gesellschaftlicher Teilhabe. Werkzeuge sind, die aktiv gestaltet und zur
Kommunikation genutzt werden können.
10
[Anders, Florentine, 2018]
15Masterplan Digitale Bildung
2.2 Digitalisierung und Bildung
Besonders in der frühen Bildung ist auch die Familie einen guten und reflektierten Umgang
Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtung mit digitalen Medien zu praktizieren, stellt
und Elternhaus von besonderer Bedeutung. einen wichtigen und frühen Baustein für mehr
Die Unterstützung der Eltern dabei, in der Chancengleichheit in der Bildung dar.
Abb. 2: Bildungskette
Bildungslandschaft Übergänge Potenziale und Talente
Strategische Ziele
ganzheitlich entwickeln gestalten entdecken und fördern
ule
hsch
Hoc
hule
de Sc
iterführen II
We darstufe
Sekun
Übergang
Übergang
Übergang
Übergang
Tageseinrichtung für Grundschule Weiterführende Schule Berufsvorbereitung Arbeit
Kinder Sekundarstufe I Berufsausbildung
0 Jahre 3 Jahre 6 Jahre 10 Jahre 16 Jahre 25 Jahre
16Masterplan Digitale Bildung
3.1 Digitale Teilhabe
3 ZIELPERSPEKTIVEN – BILDUNG IN DER DIGITALEN WELT
3.1 DIGITALE TEILHABE
In einer zunehmend digitalisierten Welt ist in Im Folgenden werden vier Zielperspektiven
der Folge soziale Teilhabe ohne digitale Teilha- formuliert, die relevant sind für die chancen-
be nicht mehr möglich. Darum wird es darauf gerechte Teilhabe durch Bildung:
ankommen, allen Bürger*innen einen Zugang
zu digitaler Technik zu ermöglichen und sie zu • Erste Zielperspektive:
ermutigen, die technischen Möglichkeiten zu Die Menschen in Dortmund werden durch die
nutzen. Das gilt insbesondere auch für benach- Förderung des Erwerbs von IT-Kompetenzen
teiligte Gruppen, z. B. Menschen mit Behinde- – verstanden als die Fähigkeit zur kreativ-
rungen, mit besonderem Förderbedarf oder in kritischen, reflektierten, selbstgesteuerten
schwieriger wirtschaftlicher und/oder sozialer Nutzung und Gestaltung digitaler Medien –
Lage. im digitalen Wandel begleitet.
Mehr als 15 % der Deutschen11 hat noch nie Bundesweit lag der Anteil der Menschen ohne
das Internet genutzt. In unserer Stadt wären Internet 2014 noch bei über 20 %. 2019 ist er auf
dies rund 91.000 Dortmunder*innen12 (vor 16 % gesunken. Diesen Trend gilt es fortzuset-
allem Menschen im Alter, in Erwerbslosigkeit zen. Perspektivisch müssen alle Menschen, die
oder mit Behinderung). in Dortmund leben Zugang zu digitalen Medien
haben und diese sinnvoll nutzen können.
Doch diese Personengruppen werden vielfach
vergessen, wenn über eDemocracy, eGovern- • Zweite Zielperspektive:
ment, eLearning, eHealth oder smart cities ge- Ermöglichung digitaler Teilhabe für mög-
sprochen wird. Dabei hätten gerade Menschen lichst viele Menschen in Dortmund aus allen
mit Benachteiligung einen großen Mehrwert Bevölkerungsschichten
durch digitale Teilhabe. Sie könnte ihnen Selbst-
bestimmung im Sinne von Selbstständigkeit in Menschen, die heute in Deutschland noch nicht
vielen gesellschaftlichen Prozessen – vom Ein- online sind, benötigen vor allem unterstützende
kauf über Arbeit und Lernen bis zu politischer offline Lernorte, an denen sie die Möglichkeit
Mitbestimmung – ermöglichen. haben, digitale Geräte zu nutzen und bei Fragen
kompetente Hilfe finden (vgl. Bühler/Pelka
2014). Dabei geht es oft sehr grundlegend dar-
um, überhaupt einen Mehrwert digitaler Teilha-
be aufzuzeigen – also Neugierde und Motivation
für eine Beschäftigung mit diesen zu erzeugen.
11
[Müller, Lena-Sophie | Stecher, Björn | Dietrich, Sabrina| Wolf, Dr. Malthe| Boberach, Michael; 2016] Die Studie der Initiative D21 befragt
die deutschsprachige Wohnbevölkerung ab 14 Jahren mit FestnetzTelefonanschluss im Haushalt bzw. Mobilfunkanschluss
12
Diese Berechnung geht von 434.111 in Dortmund gemeldeten Deutschen über 15 Jahre aus (Quelle: Landesdatenbank NRW); während
die Initiative D21 die deutschsprachige Wohnbevölkerung ab 14 Jahren und mit Telefonanschluss erfasst.
17Masterplan Digitale Bildung
3.1 Digitale Teilhabe
• Dritte Zielperspektive: Vier Stufen von Angebotsqualitäten lassen sich
Förderung digitaler Teilhabe durch gleich- unterscheiden:
berechtigte, niedrigschwellige, öffentliche
und preiswerte Zugänge zu Internet und digi- • Vierte Zielperspektive :
talen Medien sowie von Medienkompetenzen Angebot digitaler Unterstützungsangebote
auf allen vier Stufen; dabei sollen spezifische
Diese Orte sind keine hochgerüsteten Technolo- Zielgruppen von „Offlinern“ besonders
giereservoirs, sondern vielmehr Begegnungsorte, berücksichtigt werden.
an denen Menschen niedrigschwellige Unterstüt-
zung, eine wertschätzende Atmosphäre, barrie- Um dieses Ziel zu erreichen, ist jedoch eine
refreie Räume und auch ein kulturelles Angebot Bestandsaufnahme notwendig: Wie sieht die
finden. Es geht darum, digitale Technologien in vorhandene Unterstützungsstruktur für den
alle gesellschaftlichen Gruppen und in die Breite Erwerb digitaler Kompetenzen in Dortmund
der Stadtgesellschaft zu tragen. aus? Welche Akteure bieten welche Unterstüt-
zung an welchen Orten für welche Zielgruppen?
Dabei sind die bestehenden Einrichtungen
wichtige Akteure und Orte, die genutzt werden Hier fehlen für das Thema Medienkompetenz
können. eine Bestimmung von vorhandenen, respektive
fehlenden Angeboten und eine Strategie zur
Diese Orte gibt es bereits in allen Stadtteilen. Schließung möglicher Angebotslücken.
Es sind Begegnungszentren, Stadtteileinrich-
tungen, Kulturzentren, Bibliotheken, Senioren- Wenn es gelingt, den digitalen Wandel durch
einrichtungen, Jugendfreizeiteinrichtungen oder Möglichkeiten des Kompetenzerwerbs in geeig-
Museen (vgl. Pelka/Projektgruppe Interneterfah- neten Lernräumen zu begleiten, kann daraus
rungsorte 2014). Ihre Angebote reichen von der ein „Dortmunder Weg zur digisozialen Stadt“
einfachen Zurverfügungstellung von Zugängen entstehen.
(z. B. einem fest installierten Computer oder
offenem WLAN) über Unterstützungsangebote Dieser versteht Digitalisierung nicht nur als tech-
(z. B. Fragestunde) bis zu umfassenden pädago- nologischen, sondern vor allem auch als sozialen
gischen Ansätzen zur digitalen Kompetenz- Prozess, der soziale Teilhabe ermöglicht und
entwicklung. soziale Spaltung verhindert.
Tab. 1: Stufen von Angebotsqualitäten
INTERNETERFAHRUNGSORTE, STUFENWEISE KATEGORISIERUNG DER ANGEBOTSQUALITÄT
Stufe 1: Der Interneterfahrungsort hat eine passive Funktion und reagiert ausschließlich auf
Unterstützung auf Anfrage Anfrage der Nutzer.
Stufe 2: Der Interneterfahrungsort bietet Bildungsangebote zu digitalen Kompetenzen an,
Stufe 1 + Bildungsangebote zusätzlich werden aktiv Kunden angesprochen.
Stufe 3: Der Interneterfahrungsort agiert sozial unterstützend und inkludierend und hat
Stufe 2 + Empowerment neben der Vermittlung von digitalen Kompetenzen auch die Stärkung von Individuen
(„Empowerment“) sowie deren Autonomie als Ziel.
Stufe 4: Der Interneterfahrungsort zielt auf die Unterstützung und Stärkung lokal vorhandener
Stufe 3 + Aktive Zielgruppenarbeit Zielgruppen durch digitale Medien sowie für die Nutzung digitaler Medien.
Quelle: Rissola 2010, Übersetzung: Pelka
18Masterplan Digitale Bildung
3.2 Schulische Bildung
3.2 SCHULISCHE BILDUNG
3.2.1 ALLGEMEINBILDENDER BEREICH
Bei der Bewältigung der digitalen Herausfor- erworben werden kann.“ In der Erklärung der
derungen kommt der Medienbildung in der Kultusministerkonferenz wird der Stellenwert
Schule eine herausragende Bedeutung zu. Laut von Medienbildung in der Schule insbesondere
Beschluss der Kultusministerkonferenz vom in den nachfolgenden fünf Zielperspektiven/
08.03.2012 wird Medienbildung in der Schule Dimensionen bestimmt und begründet, die sich
wie folgt definiert: beziehen auf:
„Schulische Medienbildung versteht sich als dau- • „die Förderung der Qualität des Lehrens und
erhafter, pädagogisch strukturierter und beglei- Lernens durch Medien,
teter Prozess der konstruktiven und kritischen • die Möglichkeit der gesellschaftlichen und
Auseinandersetzung mit der Medienwelt. Sie zielt kulturellen Teilhabe und Mitgestaltung,
auf den Erwerb und die fortlaufende Erweiterung
von Medienkompetenz; also jener Kenntnisse, Fä- • die Identitäts- und Persönlichkeitsbildung der
higkeiten und Fertigkeiten, die ein sachgerechtes, Heranwachsenden,
selbstbestimmtes, kreatives und sozial verantwort- • die Ausbildung von Haltungen, Wertorien-
liches Handeln in der medial geprägten Lebens- tierungen und ästhetischem Urteilsvermögen
welt ermöglichen. Sie umfasst auch die Fähigkeit, sowie
sich verantwortungsvoll in der virtuellen Welt zu
bewegen, die Wechselwirkung zwischen virtuel- • den notwendigen Schutz vor negativen
ler und materieller Welt zu begreifen und neben Wirkungen der Medien und des Medien-
den Chancen auch die Risiken und Gefahren von gebrauchs“.14
digitalen Prozessen zu erkennen.“13
Zur erfolgreichen Implementierung der Medien-
Dabei sind sich die Kultusminister*innen einig, bildung in der Schule werden in der Erklärung
dass „eine grundlegende, umfassende und der Kultusministerkonferenz insgesamt acht
systematische Medienbildung im Rahmen der Handlungsfelder genannt, in denen die Voraus-
schulischen Bildung erforderlich“ ist, da „Medien- setzungen für eine „ganzheitliche, vernetzte
kompetenz weder durch familiale Erziehung Strategie zur nachhaltigen Förderung der Medi-
noch durch Sozialisation oder die individuelle enbildung in der Schule“ geschaffen werden:
Nutzung von Medien in der Freizeit allein
Abb. 3: Handlungsfelder KMK
Lehr- und Ausstattung und
Lehrer*innenbildung Schulentwicklung
Bildungspläne technischer Sport
Außerschulische
Urheberrecht und Qualitätssicherung
Bildungsmedien Kooperations-
Datenschutz und Evaulation
partner*-innen
13+14
[Kultusminister der Länder der Bundesrepublik Deutschland; 2012]
19Masterplan Digitale Bildung
3.2 Schulische Bildung
Basierend auf den, auf Seite 19 beschriebenen Handlungsfeldern, lassen sich folgende Ziele/Ziel-
perspektiven für die Medienbildung in Schulen ableiten:
Tab. 2: Ziele/Zielperspektiven
HANDLUNGSFELD ZIELE/ZIELPERSPEKTIVEN
Lehr- und Bildungspläne • Aktualisierung und Akzentuierung der Medienbildung in den einzelnen Fächern
• Formulierung fächerübergreifender Kriterien zur Medienbildung
• Erarbeitung eines Medienbildungskonzeptes oder Medienbildungsplans
• Berücksichtigung von Medienbildung und Medienkompetenz bei der Bewertung von
Schüler*innenleistungen
Lehrer*innenbildung • Stärkung der Medienkompetenz und der medienpädagogischen Kompetenzen der Lehrkräfte
• Verankerung der Medienbildung in der fachbezogenen Lehrer*innenausbildung
Schulentwicklung • Anpassung des Medienbildungskonzeptes an die konkreten pädagogischen, organisato-
rischen, technischen und personellen Rahmenbedingungen der einzelnen Schule und
ihres Umfeldes
Ausstattung und • Festlegung der erforderlichen Ausstattung, Vernetzung und Wartung der IT-Infrastruktur
technischer Support der Schulen im Rahmen der Medienentwicklungspläne
Bildungsmedien • Erschließung, Dokumentation und Verfügbarmachung von Bildungsmedien, die nur für
Unterrichtszwecke hergestellt werden, als auch von anderen bildungsrelevanten
Medienangeboten
Urheberrecht und • Sensibilisierung und Unterstützung von Schüler*innen, Lehrkräften, Schulleitungen und
Datenschutz Eltern auf den Gebieten Datenschutz, Jugendschutz und Persönlichkeitsrecht, Urheber-
und Lizenzrecht
• ggf. Aufbau und Einrichtung von „Multiplikator*innennetzwerken“ und Zusammenarbeit
mit den Landesbeauftragten für Datenschutz oder den Beauftragten für Kriminalprävention
Außerschulische • Verstärkte Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Trägern sowohl innerschulisch
Kooperationspartner*innen als auch an außerschulischen Lernorten
• Verstärkte Zusammenarbeit mit Eltern
Qualitätssicherung und • Entwicklung von Qualitätsstandards für Medienbildung in der Schule
Evaluation • Berücksichtigung der Medienbildung als Bestandsteil von Qualitätsentwicklung auch im
Rahmen der Beratung, Begleitung und Unterstützung der Schulen
• Prüfung, ob die Schule ein Medienbildungskonzept umsetzt und
• Evaluierung von Medienkompetenzen der Lehrkräfte
Neben den o. g. Zielen und Zielperspektiven Die Ziele passen sich dabei in die Digitalstrategie
verfolgt die Stadt Dortmund im Rahmen der NRW ein. Mit Konferenzen in allen Regierungs-
Medienbildung in Schulen noch folgende Ziele/ bezirken wurde im Jahr 2018 der Startschuss für
Zielperspektiven: eine Digitalisierungsoffensive an den Schulen
gegeben. Die Ergebnisse werden in eine Digital-
• Vermeidung/Minderung der digitalen Spaltung
strategie für die Schulen einfließen, die seitens
unter Schüler*innen,
der Landesregierung zeitnah vorgelegt werden
• Motivierung der Schulen zum Einsatz von soll.
weiterentwickelter Technik (z. B. VR-Brillen,
3D-Drucker), z. B. über das IT-Lab,15 Dabei geht es im Kern um den Erwerb von Medi-
enkompetenzen, die Qualifizierung von Lehr-
• Erwerb von wesentlichen Methoden- und
kräften und den Zugang zu digitalen Medien
Sozialkompetenzen, die für ein erfolgreiches
und Inhalten.
Leben und Arbeiten in einer digitalen Welt
erforderlich sind und
Seitens der Stadt Dortmund gilt es, die Strategie
• Schulung von Lehrkräften und Schulleitungen des Landes mit der lokalen Strategie des Master-
im Umgang mit der vom Schulträger angebo- plans Digitale Bildung dauerhaft zu verbinden.
tenen Hard- und Software.
15
IT-Lab = Digitales Versuchslabor am Max-Planck-Gymnasium Dortmund
20Masterplan Digitale Bildung
3.2 Schulische Bildung
3.2.2 BERUFSBILDENDER BEREICH
Die berufliche Bildung steht im Kontext der Zweitens: Robotik und Sensorik
zunehmenden Digitalisierung vor besonderen Während Größe und Kosten von Systemen
Herausforderungen. Sie ist unmittelbar verbun- sinken, steigen ihre Anwendungsmöglichkeiten
den mit den Entwicklungen in Unternehmen und und ihre Bedienbarkeit, was sie auch für kleinere
Institutionen. Ein im Kontext der Digitalisierung Betriebe und individuelle Fertigung interessant
entstandener Begriff, vor allem im Bereich von macht. Hinzu kommen neue Fertigungstechni-
Industrie und Handwerk, lautet „Industrie/Hand- ken wie additive Verfahren sowie die verbesserte
werk 4.0“. Gemeint sind neben der technischen Steuerung und Datensammlung durch neue
Entwicklung vor allem die simultane Verfüg- Sensorik.
barkeit von IT-affinen Arbeitskräften und eine
angemessene Infrastruktur, um digitalisierte Ge- Drittens und entscheidend: die Vernetzung
schäftsmodelle erfolgreich zu implementieren. Durch diese entstehen cyber-physische Systeme
Der INSM Bildungsmonitor weist nach, dass der als Grundlage für die Industrie 4.0, d. h. Netz-
Bedarf an Fachkräften mit IT-Know-how weiter werke von kleinen Computern, die mit Sensoren
steigen wird (INSM, S. 28)16. und Aktoren ausgestattet sind, in Gegenstände,
Geräte und Maschinenteile eingebaut werden
Mit dem „Weissbuch Arbeiten 4.0“ dokumen- und über das Internet miteinander kommunizie-
tiert die Bundesregierung die breite gesellschaft- ren können. Auf dieser Basis tauschen Anlagen,
liche Debatte zur (digital geprägten) Arbeit der Maschinen und einzelne Werkstücke kontinu-
Zukunft. Und sie möchte damit einen Impuls zur ierlich große Mengen an Informationen aus und
gesellschaftlichen Gestaltung der Zukunft der können Produktion, Lager und Logistik weit-
Arbeit setzen: gehend selbst steuern. Big Data kann darüber
hinaus auch neue Geschäftsmodelle und kunden-
„Im Dialog Arbeiten 4.0 steht die Digitalisierung orientierte Dienstleistungen (z. B. Prozess- und
als derzeit wichtigster Treiber im Mittelpunkt. Absatzplanung, vorausschauende Instandhal-
Sie steht als Schlagwort für die informations- tung) hervorbringen.“18
technologisch getriebenen Veränderungen von
Wirtschaft und Arbeit insgesamt.“17 Aus Sicht der Dortmunder Berufskollegs ist es
insbesondere vor dem Hintergrund der regio-
„Die neue Qualität der Digitalisierung wird nalen Entwicklung der letzten Jahre ausdrück-
durch Fortschritte in drei Bereichen und deren lich erforderlich, durch adressatenorientierte
Zusammenwirken getrieben. Vermittlung sämtlicher Medienkompetenzen im
ganzheitlichen Ansatz soziale Ungleichheiten zu
Erstens: IT und Software kompensieren und durch die zielscharfe Bildung
Die Leistungsfähigkeit von Prozessoren wächst digitaler Infrastrukturen gleichwertige Chancen
weiterhin exponentiell und erleichtert die Nut- für die Arbeitswelt zu ermöglichen. Dabei sind
zung von Cloud-Technologien sowie mobilen alle Schüler*innen, gleichgültig welcher sozialen
Anwendungen. Lernende Algorithmen rechtfer- Herkunft, gleichermaßen auf den sich wandeln-
tigen mittlerweile die Bezeichnung „künstliche den Digitalisierungsprozess in der beruflichen
Intelligenz“ für Anwendungen wie Watson, Bildung vorzubereiten.
AlphaGo oder Siri.
16
[Anger, Dr. Christina Anger | Plünnecke, Prof. Dr. Axel | Schüler, Dr. Ruth; 2018]
17
[Bundesministerium für Arbeit und Soziales; 2017; S.19]
18
[Bundesministerium für Arbeit und Soziales; 2017; S.21] 21Masterplan Digitale Bildung
3.2 Schulische Bildung
Fachkompetenz in der digitalen Bildung bedeu- Dazu ist es erforderlich, Berufskollegs zu Zentren
tet für die Berufskollegs nicht nur die Kompe- digitaler Bildung für Berufsgruppen zu entwi-
tenz, die digitalen Systeme zu bedienen und zu ckeln. Diese Zentren benötigen Fortbildungen
nutzen, sondern auch, diese Systeme aktiv zu und Ausstattung nach Industriestandard und
gestalten und zu verändern. Die Berufskollegs können so bestmöglich und am Bedarf orien-
bilden die Fachkräfte dazu aus und müssen tiert ausgebaut werden. In Kooperationen mit
selbst Experten dafür bleiben. Da die Digitalisie- Unternehmen, Universitäten und den Zentren
rung zukünftig vor keinem Beruf halt machen für schulpraktische Lehrerbildung muss effizient
wird, ist die Entwicklung der Fachkompetenz an und kompetent auf Zentren digitaler beruflicher
den Berufskollegs ein zentraler Faktor und muss Bildung hingearbeitet werden.
finanziell unabhängig vom Schulträger abge-
sichert werden. Durch die langjährige Zusammenarbeit der
städtischen Berufskollegs und die gemeinsame
Um diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen Umsetzung des Schulmodellversuchs „Regionales
gilt es, die Qualifizierung der Fachlehrkräfte Berufsbildungszentrum“ (RBZ) bestehen gute
und die Ausstattung zeitlich aufeinander ab- Voraussetzungen zur Bearbeitung der Heraus
zustimmen. forderungen digitaler Bildung im Verbund.
3.3 AUßERSCHULISCHE BILDUNGSBEREICHE
3.3.1 FRÜHKINDLICHE BILDUNG
Tageseinrichtungen für Kinder nehmen hin- die dem Spiel und der Unterhaltung dienen.
sichtlich digitaler Medienbildung eine wichtige Demgegenüber stehen gerade diese Angebote
Rolle für Kinder und Familien ein. Im Rahmen nicht im Zentrum dessen, was eine sinnvolle
der Bildungsgrundsätze NRW für Kinder von digitale Bildung in Kindertageseinrichtungen
0–10 Jahren besteht ein gemeinsamer Bildungs- ausmacht.
auftrag „Medien“ für Tageseinrichtungen und
Schulen. Das Kind soll die Gelegenheit erhalten, Vielmehr geht es hier darum, Kinder zu ermuti-
sich zu einer medienkompetenten Persönlichkeit gen Medien aktiv handelnd zu nutzen und als
zu entwickeln. Werkzeuge in den Alltag zu integriert – nicht
um sich von anderen abzusondern, sondern um
Im Bereich der frühkindlichen Bildung muss sich mit anderen in Kontakt zu treten. Medienange-
die Frage stellen: Wie kann eine verantwortungs- bote sind also als ein integraler Bestandteil der
volle Medienbildung aussehen, die die realen üblichen pädagogischen Arbeit zu sehen und
Gefährdungen, aber auch Ängste von Eltern und weniger als ein gezieltes medienpädagogisches
Fachkräften ernst nimmt, zugleich aber Kinder Vorhaben.
ermutigt, sich Medien kompetent zu eigen zu
machen und aktiv zu nutzen. Medienpädagogische Angebote im Elementar-
bereich haben nicht die „Medien“ zum Gegen-
Studien, die negative Folgen eines hohen stand, sondern die Kinder, die in lernender,
Medienkonsums für die kindliche Entwicklung sozialer oder gestaltender Beziehung zu den
belegen, beziehen sich fast ausschließlich auf die Medien stehen.
übermäßige Nutzung von Medienangeboten,
22Masterplan Digitale Bildung
3.3 Außerschulische Bildungsbereiche
Abb. 4: Funktionen von Medien aus der medienpädagogischen Perspektive
Information Kommunikation Reflexion
Erinnern und Erzählen
Projekt- und themenbezogene
Medienangebote
Recherche
Präsentation der
eigenen Arbeit
Kommunikation mit
Nutzung digitaler Werkzeuge Menschen außerhalb Erforschen von Medien
der Kindertageseinrichtung
Diese Mensch-Medien-Interaktion verantwor- Dabei kann es um eine projekt- oder themen-
tungsvoll einzuschätzen und entwicklungsför- bezogene Recherche im Internet gehen (z. B.
dernd einzusetzen ist das Ziel früher Medien- Spielplan der Fußball-WM, Tiere im Regenwald)
bildung. oder um Untersuchungen, die digitale Werk-
zeuge nutzen (z. B. ein an ein Smartphone oder
Kinder im Alter von 0–3 Jahren (insbesondere Tablet anschließbares Mikroskop, die Unterwas-
Kinder unter 1 Jahr) sollten noch nicht mit Bild- serkamera zur Erforschung des nahegelegenen
schirmmedien konfrontiert werden, da das Klein- Flusses oder Apps zur Messung von Lautstärke,
kindgehirn die davon ausgehenden Impulse Temperatur, Himmelsrichtung).
noch nicht verarbeiten kann. In dieser Entwick-
lungsphase steht die sinnliche Wahrnehmung Diese Informationsquellen können herkömm-
im Vordergrund. liche Bildungswege ergänzen. Auf diese Weise
kann die digitale Technik als hilfreiches Hand-
Digitale Bildung in Kindertageseinrichtungen werkszeug sichtbar werden und bleibt nicht nur
sollte in erster Linie als integraler Bestandteil der auf Spiel- und Unterhaltungsfunktionen be-
pädagogischen Arbeit verstanden werden. Der schränkt. Gerade Kindern, die zuhause digitale
Einsatz digitaler Medien in der pädagogischen Medien vornehmlich als Spiel- und Unterhal-
Arbeit dient dazu, die bisherigen Erfahrungen tungsgeräte erleben, können auf diese Weise
von Kindern um einen kreativen Umgang zu er- zusätzliche Perspektiven eröffnet werden.
weitern, den kritischen Umgang zu fördern und
die Kinder darin zu unterstützen, ihre medialen Ein weiteres wichtiges Element der digitalen
Erlebnisse zu verarbeiten. Bildung in Kindertageseinrichtungen sind
kommunikationsorientierte Anwendungen.
Aus einer (medien-) pädagogischen Perspektive
sind Information, Kommunikation und Reflexion Damit ist zunächst insbesondere die Kommu-
die Funktionen, die für eine angemessene Nut- nikation im Nahbereich gemeint, nämlich die
zung digitaler Medien in Kitas relevant sind. Präsentation der eigenen Projekte und Aktivitä-
ten durch Fotos, Wanddokumentationen oder
Medienangebote, die der Information dienen, Filme. Intuitiv zu bedienende Software und die
sind als ein integraler Bestandteil der üblichen Touch-Technologie auf Tablets ermöglicht es
pädagogischen Arbeit zu sehen und weniger als auch Kindern präsentable Ergebnisse zu erzielen.
ein gezieltes medienpädagogisches Vorhaben. Im Bereich Film und Foto können darüber hinaus
auch eigene Projekte entstehen, die die Technik
in den Mittelpunkt stellen, wie etwa bei der
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