Programm Perspektive 2020 - caritas-luenen.de

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Programm Perspektive 2020 - caritas-luenen.de
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Programm          2020
           Perspektive
Programm Perspektive 2020 - caritas-luenen.de
Inhalt
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  Das Corona-Virus und die Caritas                      4

  Was für ein Jahr!                                     6
  Rückblick auf 50 Jahre mit Herz und Hand

  Sichtbar gewachsen                                   10
  Abschluss der Neubauprojekte

  Ein starker Verband                                  16
  Neue Projekte und Angebote

  Menschlichkeit, Wertschätzung, Vertrauen             24
  Was macht unseren Verband aus?

  Da geh‘ ich gerne hin!                               32
  Der Caritasverband als Arbeitgeber

  Mit Stolz dabei – Caritas Services gGmbH             38
  Das Inklusionsunternehmen im Verband

  »Armut ist ein emotionales Thema«                    40
  Caritas hilft Menschen in Not

  Pflege? Caritas!                                     46
  Unser Verband ist der große Anbieter in der Region

  Zusammenbringen, was zusammengehört                  50
  ... z. B. im Altenzentrum St. Norbert

  St. Josef in neuem Glanz                             52
  Umbau endlich abgeschlossen!

  Alles auf Grün!                                      54
  Nachhaltig denken und handeln

  Wissenswert & interessant                            56
  Einige Kennzahlen aus unserem Verband

  Sponsoren | Impressum                                60

  Ansprechpartner                                      62
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Editorial

  Liebe Leserinnen, liebe Leser,

  Anfang des Jahres begannen die Vorarbeiten dieser Ausgabe von ›Programm und Perspek-
  tive‹. Damals konnte niemand ahnen, dass uns ein winziges Virus und eine dadurch hervor-
  gerufene weltweite Pandemie dazwischenfunken würden. Corona hat unsere Welt auf den
  Kopf gestellt.

  Durch das rigorose Vorgehen im Umgang mit dem Virus ist Deutschland bisher verhältnis-
  mäßig gut durch die Krise gekommen. Auch wir im Verband sind glücklicherweise ohne grö-
  ßere Schreckensmeldungen geblieben. Geschlossenes Auftreten und entschlossenes Krisen-
  management über alle Bereiche und Einrichtungen hinweg – ein echter Kraftakt für unsere
  Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie haben ihn mit Bravour gemeistert. Oder besser: sie
  sind noch immer dabei. Ich bin stolz darauf, wie hier alle an einem Strang ziehen!

  Stand heute (Ende Juni) hat sich die Lage wieder etwas beruhigt. Lockerungen sind in Kraft
  getreten, Sicherheitsmaßnahmen können Schritt für Schritt zurückgefahren werden. Auch
  wenn wir es weiter mit Maskenpflicht und Corona-Warn-App zu tun haben, ein Stück weit
  Normalität muss erlaubt sein. So kommt ›Programm und Perspektive 2020‹ womöglich gera-
  de zur rechten Zeit, um Sie, liebe Leserinnen und Leser, über unsere Angebote zu informie-
  ren und mit Geschichten aus unserem Verband für ein wenig Unterhaltung zu sorgen.

  Und zu berichten gibt es einiges: 50 Jahre Caritasverband Lünen-Selm-Werne – wir lassen
  unser Jubiläumsjahr 2019 noch einmal Revue passieren. Aktionen, Projekte, Feiern und unse-
  re Bauvorhaben: Es gibt viel Neues. Mit jetzt über 550 Mitarbeitenden sind wir weiter deut-
  lich gewachsen – doch was macht uns erfolgreich? Lesen Sie dazu in zahlreichen O-Tönen
  von Kolleginnen und Kollegen, was für sie die Arbeit im Verband ausmacht. Ich wünsche
  Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre dieser und vieler weiterer Beiträge.

  Ihnen und Ihren Lieben eine möglichst sorgenfreie Zeit und – vor allem – gute Gesundheit!

  Herzlichst Ihr

                    Hans-Peter Benstein

                                                                                                3
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Das Corona-Virus und
        die Caritas

                                                               Als Ende März im Altenzentrum St. Norbert ein Ver-
                                                               dachtsfall auftrat, waren wir gut vorbereitet und konnten
    Die Helden der Krise
                                                               mit Unterstützung durch das zuständige Kreisgesund-
    Direkt nach dem ersten Auftreten des Corona-Virus in       heitsamt in Unna schnell die notwendigen Maßnahmen
    Deutschland Ende Januar hat der Caritasverband Lü-         einleiten. »Wer gute Konzepte in der Schublade hat, kann
    nen-Selm-Werne ein zielgerichtetes Krisenmanagement        im Ernstfall schnell und richtig reagieren. Das hat sich
    eingerichtet und ein für alle Einrichtungen und Dienste    einmal mehr bei der Caritas in Lünen gezeigt«, sagt Josef
    geltendes Pandemiekonzept entwickelt und umgesetzt.        Merfels, Leiter der Kreisgesundheitsbehörde. »Nach-
    Inhaltlich wurde und wird dieses Konzept stetig opti-      dem ein Bewohner im Altenzentrum St. Norbert erst
    miert und neuen Erkenntnissen angepasst. Die teils         positiv auf Covid-19 getestet worden war – ein zweiter
    wöchentlich erscheinenden Verordnungen der Landes-         Test bestätigte dies nicht –, reagierte der Verband sofort.
    regierung haben wir in unseren Häusern trotz aller damit   Schutzmaßnahmen wurden in enger und vertrauens-
    verbundenen Widrigkeiten umfänglich und ohne Verzö-        voller Zusammenarbeit mit unserer Behörde umgesetzt
    gerung umgesetzt.                                          und unser Team vor Ort außerdem gut unterstützt.«
                                                               Auch ein konkreter Erkrankungsfall im Altenwohnhaus
                                                               St. Josef verlief ohne nennenswerte Probleme. Der be-
                                                               troffene Bewohner wurde in dem eigens eingerichteten
                                                               Isolierbereich wie gewohnt liebevoll und professionell
                                                               betreut und konnte nach 14 Tagen – vom Kreisgesund-
                                                               heitsamt als geheilt bestätigt – in seinen Wohnbereich
                                                               zurückkehren.

                                                               Für die Kolleginnen und Kollegen – insbesondere in
                                                               den Pflegeberufen – bedeuten die erforderlichen Maß-
                                                               nahmen in der Krise einen gewaltigen Mehraufwand.

     Mit selbst genähten Masken besser durch die Krise

     Neue Tablets für Videotelefonie mit Angehörigen

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Abstand halten, permanentes Tragen von Schutzklei-
dung, Zugangsschleusen, strikte Besuchsverbote in
stationären Einrichtungen, Einrichten von Isolier- und
Quarantänebereichen – die Liste der zusätzlichen Auf-
gaben und Einschränkungen ist lang. »Das geht teilwei-
se über die Belastungsgrenze«, berichtet Raphael Lisci,
Leiter im Altenwohnhaus St. Josef in Selm. »Der Dank
geht an alle Mitarbeitenden, die mit ihrem Einsatz gehol-
fen haben, die Pandemie einzudämmen. Das sind meine
Helden der Krise.«
                                                                 Mitarbeiterinnen der Tagespflege besuchen Gäste zu Hause
Kreatives Krisenmanagement

Dank unserer Vorsichts- und Schutzmaßnahmen ist das
bisherige Pandemiegeschehen für uns vergleichsweise
glimpflich verlaufen. Auch wenn das strikte Einhalten
von Besuchs- und Kontaktverboten eine schwierige Si-
tuation für alle Betroffenen ist, haben wir im Verband
uns klar dafür entschieden, diesen Weg zu gehen. »Unse-
re älteren Bewohner und Patienten gehören zur Höchst-
risikogruppe«, erzählt Marita Pechr, Mitarbeiterin von
St. Norbert, die auch für die Betreuung der Caritas Ser-
vice Wohnungen in der Cappenberger Straße zuständig          Schulkinder basteln Ostergrüße für Bewohner der Altenheime
ist. »Zu allererst kommt der Schutz der Gesundheit. Für
alles andere, was jetzt in normalem Rahmen nicht mög-       den Kräfte aufrecht gehalten werden. In aufwendiger
lich ist, müssen wir halt erfinderisch werden.« Also wur-   Handarbeit erstellten sie innerhalb weniger Tage hun-
de Marita Pechr erfinderisch und gab mit dem Chor des       derte selbst genähte Schutzmasken. In den stationären
Service Wohnkomplexes eines der ersten Balkonkonzer-        Einrichtungen wurden Tablets angeschafft, um den Be-
te in der Region.                                           wohnerinnen und Bewohnern den Kontakt per Video-
                                                            telefonie zu ermöglichen. »Ich weiß nicht, wie so etwas
Auch anderenorts gab es viele kreative Ideen und prag-      möglich ist, aber ich finde es richtig toll!«, zeigte sich Hel-
matische Lösungen. So konnte beispielsweise in der Zeit     ga Schmitz begeistert, als sie als eine der ersten im Al-
der Lieferengpässe durch die Unterstützung von zahl-        tenzentrum St. Norbert auf diesem Wege ›Besuch‹ von
reichen ehrenamtlichen Helfern die Arbeit der pflegen-      ihrer Tochter und ihrem Enkelkind bekam. »Alle Ein-
                                                            richtungen und Dienste haben sich mit viel Engagement
                                                            etwas einfallen lassen, um gemeinsam besser durch die
                                                            Krise zu kommen«, sagt Vorstand Hans-Peter Benstein.
                                                            »Das hat vor allem denen geholfen, die uns am Herzen
                                                            liegen: den von uns betreuten Menschen. Darauf kön-
                                                            nen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Recht
                                                            stolz sein!«

                                                            Corona Hotline

                                                            Für alle Hilfesuchenden in der Krise hat der Caritas-
                                                            verband eine Hotline eingerichtet. Wer Sorgen oder
                                                            Ängste hat, findet hier bei Mitarbeitenden des Verban-
                                                            des Trost, Unterstützung oder einfach nur ein offenes
                                                            Ohr. Es steht zudem ein umfassendes Hilfsangebot zur
                                                            Verfügung. Bei Bedarf können die Anrufer z. B. an die
                                                            Fachberatung für Eltern, Jugendliche und Kinder ver-
                                                            mittelt werden oder bei finanziellen Nöten einen An-
                                                            trag auf einen Warengutschein stellen.

                                                                                                                              5
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Was für ein Jahr!
    Rückblick auf 50 Jahre mit Herz und Hand

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Wer es mit dem Caritasverband Lünen-Selm-Wer-
ne hielt, bekam im vergangenen Jahr jede Menge
Highlights geboten. Große Um- und Neubaupro-
jekte, Umzüge in fertiggestellte Räumlichkeiten,
neue Dienste und Einrichtungen, Jubiläumsaktivi-
täten – es ging Schlag auf Schlag.

50 Jahre mit Herz und Hand

Seit 1969 sind wir für die Menschen in unserem
Einzugsgebiet mit vielfältigen sozialen, beraten-     eine beeindruckende Entwicklung genommen.
den und pflegerischen Angeboten da, um kompe-         Das musste gefeiert werden.
tent, schnell und individuell Hilfe zu leisten. Von
den Anfängen, als der Caritasverband von Grün-        Um unser Jubiläum für unsere Mitarbeiter und
dungsvater Hans Krämer als One-Man-Show ge-           die Menschen in der Region auch sichtbar zu
startet wurde, bis hin zum heutigen erfolgreichen     machen, haben wir das mottogebende Jubilä-
Sozialunternehmen mit mehr als 550 Mitarbei-          umssignet »mit Herz und Hand« entwickelt. Es
terinnen und Mitarbeitern – unser Verband hat         wurde auf vielerlei Werbemitteln und Materialien

                                                                                                         7
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angebracht. So zierte das Emblem unter ande-
    rem Plakate, Luftballons und T-Shirts. Selbst-
    verständlich wurde auch unsere Geschäftspost
    ausschließlich mit dem Festsignet versandt.

    Gründungstag, 31. Januar: Gleich zu Beginn des
    Jahres eröffnete ein festlicher Gottesdienst mit
    anschließendem geselligen Beisammensein die
    Jubiläumsfeierlichkeiten. Weihbischof Dieter
    Geerlings war aus dem Bistum Münster ange-
    reist und feierte gemeinsam mit den beiden Lü-       die Besucher ein buntes Programm: Unter ande-
    ner Pfarrern Michael Mombauer und Dr. Tho-           rem war der renommierte Key-Note Speaker und
    mas Roddey die heilige Messe. Auch Mitarbeiter       zweifache Europameister im öffentlichen Reden
    des Caritasverbandes beteiligten sich am Gottes-     Norman Gräter zu Gast. Die Mitarbeitervertre-
    dienst, sie hielten die Lesung und sprachen Für-     tung sowie Azubis und Kollegen aus dem Verband
    bittengebete.                                        hatten eine Show zur Entwicklung unseres Caritas-
                                                         verbandes vorbereitet. Die mit einem Augenzwin-
    Zur Jubiläumfeier am 3. Juli trafen sich Festange-   kern dargebotene Jubiläumsrevue sorgte im Pub-
    stellte und Ehrenamtliche mit zahlreichen externen   likum für Lachstürme und wurde mit tosendem
    Gästen im Heinz-Hilpert-Theater. Dort erwartete

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Jubiläums-Werbemittel

Applaus gewürdigt. Ebenfalls von der
humorvollen Seite betrachtete Kaba-
rettist Bruno ›Günna‹ Knust unseren
Verband. Durch das Programm
führte die Radio-Moderatorin
Edda Dammmüller. Nach ei-
nem abwechslungsreichen Fest-
menü bat zum Abschluss der
Veranstaltung ein DJ zum Tanz.

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Sichtbar gewachsen
         Abschluss der Neubauprojekte

     Mehr als nur eine neue Verwaltung                       Spatenstich und Baubeginn waren im Februar 2018,
                                                             das Richtfest gab es noch im Sommer desselben Jah-
     Es war nicht zu übersehen, das Gebäude in der           res. Der rasche Baufortschritt am Gebäude konnte
     Graf-Adolf-Straße, seit 1972 Sitz des Caritasver-       seinerzeit im ›Bautagebuch‹ auf der Homepage des
     bandes, bedurfte dringend einer Frischzellenkur.        Verbandes verfolgt werden.
     Die Büros an alter Wirkungsstätte platzten aus allen
     Nähten. Für Besucher waren die Ansprechpartner          Im Mai 2019 erfolgte der Einzug, und das Haus der
     im Haus nicht ebenerdig und erst recht nicht bar-       Caritas öffnete für Gäste seine Türen. Der Eingangs-
     rierefrei zu erreichen. Dies war insbesondere mit       bereich an der Lange Straße 84 ist mit seinem Cari-
     Blick auf unsere Zielgruppen ein schwerer Mangel.       tas-Schriftzug weit zu sehen. War am alten Standort
     Alles in allem hätte die altgediente Verbandszent-      der Zugang nur nach Betätigen einer Klingel möglich,
     rale mehr als nur einen neuen Anstrich gebraucht.       zeigt sich dieses Haus für Gäste erkennbar einladend,
                                                             offen und barrierefrei. Die Türen im gläsernen Wind-
     So war es folgerichtig, dass man im Verband ent-        fang öffnen beim Betreten automatisch.
     schied, ein neues Haus zu bauen.

     Auf der Suche nach einem passenden Baugrund-
     stück wurde man am südlichen Ende der Fußgän-
                                                                    Wir sind sehr stolz auf
     gerzone Lünens fündig. Hier, wo die Neuberin- auf              unser neues Haus.
     die Lange Straße trifft, ist der ideale Platz für ein          Schauen Sie doch einfach
     Haus der Begegnung – das Haus der Caritas!                     mal vorbei!
                                                                                    Heike Homann, Leitung Verwaltung

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Am Empfangstresen im Foyer werden die Besucher            det dort die Beratung für Eltern, Jugendliche und
freundlich und persönlich willkommen geheißen.            Kinder, die Koordinationsstelle für Ehrenamt und
Einfache Fragen können teilweise direkt hier geklärt      Gemeindecaritas sowie Hilfsangebote für Migran-
werden, andere Anliegen werden an die richtige Stelle     ten und Asylsuchende.
weitergelotst. »Das wird nie langweilig«, erzählt Tanja
Sträter vom Empfang. »Die Leute kommen manch-             Im zweiten OG schließlich ist in modernen und
mal mit ihren ganz persönlichen Alltagssorgen zu          einladenden Räumlichkeiten die Verwaltung unter-
uns. Es ist toll, wenn wir dann schnell helfen können.    gebracht. Hier hat auch Vorstand Hans-Peter Ben-
Falls das nicht geht, gibt es ja die vielen kompetenten   stein seine Schaltzentrale. Ein großzügiger Mehr-
Kollegen hier im Haus.«                                   zweckraum steht für Meetings und Veranstaltungen
                                                          wie beispielsweise den Welcome Day für neue Mit-
Und das Know-how und die Angebote im Haus der             arbeitende oder Fortbildungen zur Verfügung.
Caritas sind wirklich vielfältig. Im Erdgeschoss be-
finden sich die ›Tagespflege am Christinentor‹ (siehe     »Wir sind sehr stolz auf unser neues Haus«, sagt die
Bericht S. 14) und die Sozialstation Lünen mit ihren      Leiterin der zentralen Verwaltung, Heike Homann.
umfangreichen Beratungs- und Betreuungsangebo-            »Es ist ganz zentral gelegen und offen für unsere
ten. Vis-à-vis des Haupteingangs bekommen Inte-           Bürgerinnen und Bürger, denen wir für vielfältige
ressenten für Seniorenreisen und Mutter-Kind-Ku-          Anliegen unsere Unterstützung und Hilfe anbieten.
ren Rat und Unterstützung. Wer sich – bei Bedarf          Ich kann nur jeden ermutigen: Schauen Sie einfach
mit dem Fahrstuhl – in die erste Etage begibt, fin-       mal vorbei!«

                                                                                                                 11
Der Leuchtturm an der Lippe darf
     strahlen                                                    oder müssen unter erschwerten Bedingungen statt-
                                                                 finden. Aber man kann schon jetzt sehen, dass unser
     Besorgungen zu Fuß erledigen, mal eben einen Kaffee         Haus einzigartig ist: Wir haben einen Leuchtturm an
     trinken gehen, etwas vom öffentlichen Leben mitbe-          der Lippe gebaut!«
     kommen ... Es hat viele Vorteile, in der Stadt zu wohnen.
     Für ältere Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt   Auf vier Geschossen stehen elf Appartements für be-
     sind, wird die räumliche Nähe zu Ärzten, Apotheken,         treutes Wohnen sowie 80 Pflegeplätze in barrierefreien
     Geschäften und sozialen Treffpunkten wie Gemeinde-          Einzelzimmern mit eigenem Bad zur Verfügung. Sechs
     zentren umso wichtiger. Mit dem neuen Seniorenheim          offene Wohngruppen mit Essbereichen und Sonnen-
     an der Lippe hat die Caritas ein modernes Gebäude in        terrassen fördern das Zusammenleben in einer fami-
     superzentraler und gleichzeitig grüner Lage erschaffen.     liären Gemeinschaft. Im westlichen Komplex sind eine
     Im Februar 2020 wurde das Haus offiziell eröffnet.          moderne Kapelle, ein Gesellschaftsraum und eine helle,
                                                                 verglaste Cafeteria mit Außenterrasse untergebracht.
     »Viele Bewohner sind bereits eingezogen und die             Darüber hinaus verfügt das Haus über einen eigenen
     Bauarbeiten größtenteils abgeschlossen«, freut sich         Friseursalon (den auch Gäste besuchen können) und
     Einrichtungsleiter Benjamin Lisci. Lediglich der            ein kleines Wellness-Bad mit höhenverstellbarer Pfle-
     Feinschliff hat sich aufgrund der aktuellen Coro-           gewanne. Das gesamte Gebäude wurde auch technisch
     na-Situation etwas verzögert. »Einige Nachbesse-            innovativ ausgestattet und erfüllt den Standard eines
     rungen und Restarbeiten im Inneren stehen noch aus          Niedrigenergiehauses.

12
Mehr als
                                               5.400 m2
                                               Wohn- und              ausgiebig in Beschlag genommen. »Vor al-
Das Interesse am neuen Seniorenzentrum         Nutzfläche            lem der zwischen den Gebäudeflügeln ge-
ist erwartungsgemäß groß. Der schicke                               schützte, sich nach Süden öffnende Innenhof
Neubau befindet sich in bester Lage zwischen                     ist gut gelungen«, findet der Einrichtungsleiter.
Stadt und Natur. Alle wichtigen Stellen des tägli-          »Unsere Bewohner hatten hier viel Spaß, den Gar-
chen Bedarfs sind von hier aus schwellenfrei und fuß-    ten- und Landschaftsbauern beim Pflanzen zuzuschau-
läufig zu erreichen: das Fachärztezentrum Mersch mit     en.« Inzwischen stehen duftende Lavendelsträucher und
seinen Praxen und der Apotheke sowie zwei Super-         Hecken in voller Blüte. Beim Zwitschern der Vögel und
märkte, aber auch die Lüner Fußgängerzone in nur 300     Summen der Bienen laden Sitzbänke und Ruhezonen
Metern Entfernung. Richtung Süden erstreckt sich das     zum entspannten Verweilen unter freiem Himmel ein.
wunderschöne Naturschutzgebiet ›Lippeaue‹. Die Be-       Auch einige Gemeinschaftsaktivitäten und sogar zwei
wohner und ihre Gäste genießen hier einen unverbau-      Open-Air-Konzerte wurden bereits veranstaltet.
baren Ausblick ins Grüne. Bis zu den Spazierwegen ent-
lang des Flusses ist es nur ein Katzensprung.            Betreibergesellschaft gegründet

»Durch Corona konnten wir noch keine Gruppenaus-         Den Betrieb des Seniorenzentrums an der Lippe führt
flüge durchführen, sodass die Nähe zur City und zur      die Caritas Betriebe gGmbH. Die Tochtergesellschaft
Lippe bisher leider nicht voll ausgenutzt wurde«, be-    wurde 2019 zu diesem Zweck gegründet. Die Ge-
dauert Benjamin Lisci. Das wird aber hoffentlich bald    schäftsführung übernimmt in Personalunion Verbands-
nachgeholt. Bis es soweit ist, werden die 4.000 Qua-     vorstand Hans-Peter Benstein.
dratmeter großen Außenanlagen bei sonnigem Wetter

                                                                                                                     13
Wie in einer Familie
     Zwei neue Tagespflegen für die Region

     Die Betreuung in einer Tagespflege verspricht Ab-     helle, moderne Anlage mit Innenhof bietet bis zu
     wechslung und beugt Einsamkeit vor. Seit 2014         16 Plätze. »Wie in einer Familie wird täglich frisch
     gibt es die Caritas Tagespflege St. Josef in der      gekocht und gebacken«, berichtet Leiter Kevin
     Kreisstraße in Selm. Aufgrund der steigenden          Menges. »Darüber hinaus finden unterschiedliche
     Nachfrage wurden im vergangenen Jahr von unse-        Gemeinschaftsaktivitäten statt, von der Zeitungs-
     rem Verband zwei neue Angebote in Lünen und           runde über Basteln, Singen und Balance-Training
     Selm-Bork geschaffen. Die Einrichtungen haben         bis hin zu Marktbesuchen und Gottesdiensten.«
     bewusst nur eine überschaubare Größe. Das er-
     möglicht menschliche Nähe und schafft eine ver-       Falls notwendig, werden von Kevin Menges und
     trauensvolle und gemütliche Atmosphäre. Die           seinem Team auch behandlungspflegerische Maß-
     Gäste erleben den Alltag hier wie in einem Fami-      nahmen und Therapien nach Arztverordnung
     lienverband.                                          übernommen. Neu ist das Angebot einer moto-
                                                           pädischen Behandlung. Bei dieser aktivierenden
     Bereits im Mai 2019 nahm die Tagespflege ›Am          Therapieform wird ganz individuell auf Persön-
     Christinentor‹ im Erdgeschoss der neuen Cari-         lichkeitsmerkmale, Gewohnheiten und Ressour-
     tas-Zentrale in der Lüner City den Betrieb auf. Die   cen des jeweiligen Gastes eingegangen.

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»Wir schauen genau auf die Fähigkeiten und die Vor-
lieben unserer Senioren und richten uns danach«, er-
klärt Kim Wieners von der Tagespflege. Sie hat sich
auf Motopädie spezialisiert. »Bei der Behandlung
                                                                Viele, die früher zusammen im
schaffen wir ganz unterschiedliche Anreize, die auf             Turnverein oder in der Kirche aktiv
die Persönlichkeit des Gastes zugeschnitten sind.               waren, treffen sich bei uns wieder.
Egal, ob das Sehen, Hören, Schmecken oder Fühlen                    Jennifer Staubach, Pflegedienstleitung Tagespflege
ist – wichtig ist, dass es für den jeweiligen Menschen
funktioniert.« Dabei könne es schon mal vorkom-
men, dass zum Beispiel ihr eigener Hund zum Teil         »In Bork ist alles kleiner, hier kennt jeder je-
der Therapie werde, da dieser den betroffenen Gast       den«, erzählt Leiterin Jennifer Staubach. »Viele,
auf besondere Art anspreche und aktiviere.               die früher zusammen im Turnverein oder in der
                                                         Kirche aktiv waren, treffen sich bei uns wieder.«
Neue Einrichtung in Bork                                 Die Mahlzeiten werden – gerne gemeinsam – in
                                                         der gemütlichen Wohnküche zubereitet. »Das Be-
Die Tagespflege ›Am Weiher‹ in Selm-Bork öffne-          treuungsprogramm orientiert sich an Jahreszeiten,
te im Juni 2019 ihre Pforten. Das in einem Neu-          Feiertagen und Geburtstagen, so wie die meisten
bau befindliche Quartier mit Dachterrasse verfügt        Senioren es von zu Hause gewöhnt sind.«
über 13 Plätze.

                                                                                                                         15
Ein starker Verband
         Neue Projekte und Angebote

                                                               Vorsatz, doch wie äußert sich das konkret? In den Ein-
     Wussten Sie, dass der Caritasverband fast 400 Kinder      richtungen tauchen Neuerungen in vielfältigster Art und
     an vier OGS-Standorten betreut und hier in Koope-         Weise auf: Das beginnt mit kleinen technischen Raffi-
     ration mit Sportwissenschaftlern und Künstlern inno-      nessen, wie dem digitalisierten Pflegebett oder I-Pads für
     vative Projekte vorantreibt? Oder dass Mitarbeiter in     Senioren (die nebenbei bemerkt nicht nur in Zeiten von
     Zusammenarbeit mit den gesetzlichen Krankenkassen,        Corona eine tolle Sache sind, um Kontakte zu Angehö-
     dem ZWAR-Netzwerk und anderen Partnern kosten-            rigen zu vereinfachen) und reicht bis hin zu kreativen
     freie Freizeitaktionen für jedermann anbieten? In Lü-     Ideen zur Personalgewinnung und Mitarbeiterbindung.
     nen, Selm und Werne ist es heutzutage fast unmöglich,     Auch die Aktionen des Verbandes in den Quartieren
     im Alltag nicht in irgendeiner Form mit der Caritas in    sind wichtige Bausteine. »Innovativ ist hier vor allem die
     Berührung zu kommen. Neben dem traditionellen             Art und Weise, wie wir uns mit der Notwendigkeit von
     Kerngeschäft der Pflege umfasst das Engagement des        Hilfen befassen«, so Hans-Peter Benstein. »Statt wild
     Wohlfahrtsverbandes viele Facetten. Sie alle tragen ge-   Konzepte und Angebote aus dem Boden zu stampfen,
     meinsam dazu bei, das Leben der Menschen vor Ort zu       schauen wir schon vorher ganz genau hin: Was brauchen
     bereichern. Gleichzeitig werden Arbeitsplätze in unter-   die Menschen wirklich? Und wie erreichen wir diejeni-
     schiedlichsten Feldern gesichert.                         gen, die es betrifft?« Gerade durch niederschwellige An-
                                                               gebote entsteht zunächst häufig ein persönlicher Bezug
     »Es ist unser Auftrag als Sozialunternehmen, die Bedar-   zu jenen Gruppen, die Unterstützung auch in anderen
     fe der Menschen in der Region zu ermitteln und rele-      Bereichen ihres Lebens gut gebrauchen können. So ha-
     vante Themen anzupacken«, sagt Vorstand Hans-Peter        ben OGS-Kinder schon von der Familienberatung pro-
     Benstein. Er bemerkt aber auch: »Wir müssen uns die       fitiert, konnte alleinstehenden Senioren mit dem Haus-
     verschiedenen Angebote leisten können. Daher müssen       notruf ein Stückchen Sicherheit vermittelt werden. Die
     auch wir eine wirtschaftlich auskömmliche Basis schaf-    Caritas stärkt Schwache und Benachteiligte – auf unter-
     fen und uns weiterentwickeln – durch innovatives, zu-     schiedlichste Art und Weise. Sie gewinnt daraus aber
     kunftsorientiertes Denken und Handeln!« Ein nobler        auch selbst Kraft. Denn es ist gerade der unermüdliche,

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Schon durch kleine Veränderungen lässt sich viel erreichen. Egal, ob es
         darum geht, im Supermarkt nach Gemüse statt Chips zu greifen oder
         abends doch noch mal eine Runde Spazieren zu gehen. Gemeinsam
         überwinden wir den inneren Schweinehund!
         Heike Terhalle, Projektkoordinatorin

facettenreiche Einsatz im Sinne der Nächstenliebe, der         Familienzentrum St. Martin, Haus Nienkamp) aus der
den Verband als Wohlfahrtsunternehmen und Arbeitge-            Taufe gehoben. Dazu zählen etwa das ›Kochen mit
ber für die Zukunft stark macht. Eine schöne Wechsel-          Familien‹, das Café Plauderzeit, eine Lebensmittelbe-
wirkung.                                                       ratung, generationenübergreifendes Backen oder die
                                                               ›Bewegungsgeschichten‹ für einen aktiven Start ins Wo-
Ein Projekt für BESTe Gesundheit                               chenende. »Diese Aktionen sind nicht als Konkurrenz
                                                               zu bestehenden Angeboten gedacht, sondern wurden
Gemeinschaft macht stark und motiviert
                                                               in enger Abstimmung mit Fachkräften, Ehrenamtlichen
Die Themen Ernährung und Bewegung beschäftigen                 und Bürgern vor Ort entwickelt«, betont Heike Terhal-
uns alle – zumindest theoretisch. In der Praxis ist es dage-   le. Teilnehmen kann jedermann, völlig unabhängig von
gen nicht immer leicht, der Verlockung der Chipstüte zu        Alter, Kultur oder Nationalität. Sich fit zu halten und Er-
widerstehen oder in der ohnehin knappen Freizeit auch          krankungen vorzubeugen, ist schließlich für alle wichtig
noch die empfohlenen drei Sporteinheiten pro Woche             – und fällt zusammen umso leichter.
unterzubringen. Hier setzt BEST an: Das Präventivpro-
jekt in Selm, das von den gesetzlichen Krankenkassen in        »Gemeinschaft macht stark und motiviert – das habe
NRW finanziert wird, soll körperliche Aktivität und ge-        ich im letzten Jahr immer wieder erfahren«, berich-
sunde Ernährung bei Menschen aus Wohngebieten mit              tet die Projektbeauftragte. »Egal ob es darum geht, im
hoher sozialer Ungleichheit im Alltag verankern.               Supermarkt nach Gemüse statt Chips zu greifen oder
                                                               den inneren Schweinehund zu überwinden und abends
»Schon durch kleine Veränderungen lässt sich viel errei-       doch noch mal eine Runde Spazieren, Radfahren oder
chen«, sagt Heike Terhalle als Mitarbeiterin der Caritas,      Joggen zu gehen.« Die Förderung des Programms läuft
die das Programm in Selm mit verschiedenen Akteu-              bis mindestens April 2022, doch das Bewusstsein für
ren und der Kommune koordiniert. »Gemeinsam pa-                BESTe Gesundheit soll noch lange danach in den Alltag
cken wir es an!« Seit Mai 2019 wurde eine ganze Rei-           hineinwirken und weiter verbreitet werden. Eine Multi-
he von kostenfreien Angeboten an unterschiedlichen             plikatoren-Schulung für Fachkräfte und Ehrenamtliche
Standorten (z. B. Begegnungsstätte der Stadt Selm,             ist bereits in Planung.

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Neue Perspektive durch Ambulante Psychiatrische Pflege
     Seit April 2019 gibt es im Caritasverband Lünen-        Aufgrund von Hoffnungslosigkeit und Überforderung
     Selm-Werne die Ambulante Psychiatrische Pflege.         leben einige Menschen in den Tag hinein, ohne Struk-
     Die Krankheitsbilder der Patienten reichen von De-      turen, sind überfordert mit alltäglichen Verrichtungen,
     pressionen über Posttraumatische Belastungsstörun-      z. B. Einkaufen, Kochen, Haushalt etc. Durch Schaf-
     gen, Zwangserkrankungen, Borderline und Schizo-         fung einer Tagesstruktur kann ein geregelter Tagesab-
     phrenie, bis hin zur Demenz.                            lauf wiederhergestellt werden.

     Die Aufgabengebiete richten sich nach den jeweili-      Oftmals besteht bei den Betroffenen eine Überforde-
     gen Bedürfnissen der erkrankten Menschen, die sich      rung bei Behördenangelegenheiten, die finanzielle Si-
     im persönlichen Gespräch ergeben. Die Ursachen ei-      tuation spitzt sich zu – durch Unterstützung bei An-
     ner psychischen Erkrankung und deren Behandlung         tragsstellungen oder Vermittlung an entsprechende
     sind vielschichtig, hier einige Beispiele:              Hilfsorganisationen kann hier Entlastung geschaffen
                                                             werden.
     Viele der Hilfesuchenden haben in vorherigen, sta-
     tionären Therapien bereits Handlungsstrategien und      Psychiatrische Erkrankungen führen häufig zu Einsam-
     Notfallpläne entwickelt, welche zu Hause und alleine    keit. Viele Patienten haben keine oder nur sehr weni-
     nur schwer umsetzbar sind. Die Ambulante Psychiat-      ge Sozialkontakte. Durch Schaffung eines Netzwerkes,
     rische Pflege unterstützt die Festigung des Gelernten   Anregung und Vermittlung von Freizeitmöglichkeiten,
     in der gewohnten Umgebung.

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Vielen fällt es schwer, den ersten Schritt zu tun und vorhandene
        Scheu oder Scham zu überwinden. Unser Ziel ist es, den Menschen
        eine Perspektive zu geben und sie ein Stück weit zurück ins Leben
        zu holen.
                                                      Nadine Besser, Ambulante Psychiatrische Pflege

wie Gesprächsgruppen, Malkurse, therapeutisches Rei-        »Vielen fällt es schwer, den ersten Schritt zu tun und
ten etc., können die Erkrankten wieder am gesellschaft-     vorhandene Scheu oder Scham zu überwinden.« Daher
lichen Leben teilhaben und ihr Selbstbewusstsein stär-      begegnen die Mitarbeiter den Hilfesuchenden jederzeit
ken.                                                        diskret und behutsam und betreuen sie vertrauensvoll
                                                            in den eigenen vier Wänden. Die Kosten der Ambu-
Unter Umständen fehlt den Menschen eine berufliche          lanten Psychiatrischen Pflege werden komplett von den
Perspektive, obwohl der Wunsch, einem Beruf nach-           Krankenkassen übernommen.
zugehen oder wieder in den erlernten Beruf zurückzu-
kehren, besteht. Gemeinsame Erarbeitung beruflicher
Wünsche und Ziele sind der erste Schritt.                   Aktiv zwischen Arbeit und Ruhestand

Nicht immer wird von Patienten ein Nutzen in der me-        ›Rente‹ hat heutzutage nicht mehr viel mit ›Ruhe‹
dikamentösen Therapie erkannt, was wiederum zu ei-          zu tun, im Gegenteil: Plötzlich tun sich ungeahn-
ner unregelmäßigen Einnahme führt. Aus Scham wird           te Zeitfenster auf, in denen man sich alten Hobbys
ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt vermieden.           widmen, reisen oder sich weiterbilden kann. Weil das
Hier kann Aufklärung helfen.                                in Gesellschaft bekanntlich mehr Freude macht als
                                                            allein, entstand das NRW-weite Netzwerk ZWAR
  »Wir können Menschen mit psychiatrischer Erkran-          (Zwischen Arbeit und Ruhestand). Seit März 2019
kung insgesamt vier Monate für bis zu sieben Stunden        existiert ein Zusammenschluss auch in Werne. Der
in der Woche begleiten«, sagt Nadine Besser von der         Caritasverband hat die Stadt Werne in der Startphase
Caritas. »Unser Ziel ist es, den Menschen eine Perspek-     unterstützt und steht für die Akteure bei Fragen bis
tive zu geben und sie ein Stück weit zurück ins Leben       heute als Ansprechpartner parat.
zu holen.«

                                                                  Großer Andrang bei der ZWAR-Auftaktveranstaltung in Werne

                                                                                                                          19
»Ziel ist es nicht nur, seine Hobbys zu verfolgen und       einen Camper-Stammtisch, ›Eat & Meet‹-Treffen,
     Einblicke in neue Interessensgebiete zu erlangen,           Spieleabende und sogar einen eigenen Radiosender.
     sondern auch, Menschen über ein gemeinsames                 Wichtig: Die freien Angebote werden allein durch
     Thema kennenzulernen und die veränderte Lebens-             das Engagement der Mitglieder getragen. Es be-
     situation mit Gleichgesinnten aktiv zu gestalten«,          steht keine Vereinsstruktur. Mitmachen kann jeder,
     so Henrik Nagel-Fellerhoff. Der Bereichsleiter für          der seine berufliche Tätigkeit beendet hat oder sich
     ambulante Pflege und haushaltsnahe Dienste erin-            in der Übergangsphase zum Ruhestand befindet
     nert sich noch gut an die Auftaktveranstaltung mit          und seine Freizeit sinnvoll füllen möchte – egal, ob
     rund 200 Teilnehmern in der Marga-Spiegel-Schule.           jeden Mittwoch beim Doppelkopf oder nur spo-
     »Unterschiedlichste Ideen und Vorschläge kamen              radisch zur Outdoor-Saison. Was nach dem Coro-
     auf den Tisch: von Radtouren über Fotokurse und             na-Lockdown wieder möglich ist und weitere Infos
     Schach bis hin zur Frage, wer sich sonst noch gerne         zu Terminen und Treffpunkten finden sich unter:
     Autorennen anschaut.« Inzwischen sind aus diesen            zwar-werne.de
     Ideen 21 feste Gruppen in den Bereichen Sport,
     Hobby, Geselligkeit und Bildung & Kultur hervor-          »Es ist uns gelungen, ZWAR in die Köpfe der Men-
     gegangen. Beispielsweise gibt es eine Wandergruppe,       schen zu bringen«, freut sich Christina Dzelilovic,
                                                                          Pflegedienstleitung in Werne, die ge-
                                                                          meinsam mit Henrik Nagel-Fellerhoff
                                                                          geholfen hat, die Veranstaltungen anzu-
         Zwischen Arbeit und Ruhestand                                    schieben. »Das war die Basis für die jetzt
         Das erste ZWAR-Projekt ging 1979 in Dortmund an den              große Akzeptanz des neuen Netzwerks
         Start. Es sollte den Bergleuten und Stahlarbeitern, die          in Werne.« Darauf dürfen die Initiatoren
         früh in Rente gehen mussten, Perspektiven für eine               zu Recht stolz sein.
         sinnvolle Freizeitbeschäftigung bieten. Mittlerweile hat
         die letzte Zeche geschlossen, doch das Konzept ist so er-
         folgreich wie nie. In ganz NRW en-
         gagieren sich tausende Menschen
         in fast 300 ZWAR-Netzwerken in
         rund 80 Kommunen.

                         Es ist uns gelungen, ZWAR in die Köpfe der Menschen zu bringen.
                         Das war die Basis für die jetzt große Akzeptanz des neuen Netz-
                         werks in Werne.
                                                                     Christina Dzeliloviv, Pflegedienstleitung in Werne

20
Jeder Mensch ist anders

Toben für die grauen Zellen                                gen Erzieherinnen absolvierten bereits im Vorfeld eine
                                                           umfangreiche Schulung an der Wilhelms-Universität.
Sich nach dem Unterricht mal so richtig austoben und       Im Sommer 2019 wurden die Betreuerinnen und ihre
dabei auch noch was für die grauen Zellen tun? Wie das     Gruppen im Zuge eines vierzehntägigen Ferienange-
geht, machen die OGS-Kinder des Projekts Gedanken-         bots dann auch praktisch von Studentinnen gecoacht.
Sprung vor. Die von der Westfälischen Wilhelms-Uni-        Inzwischen hat sich das Fitnessprogramm für Körper
versität Münster entwickelte und vom Caritasverband        und Geist in Form einer wöchentlichen AG etabliert.
für die Diözese Münster über Spendengelder finanzier-
te Initiative wird seit 2019 in Kooperation mit Leoschu-   »Bei allen Spielen geht es darum, durch spezielle Übun-
le, Osterfeldschule und Kardinal-von-Galen-Schule an       gen die körperliche und mentale Leistungsfähigkeit glei-
insgesamt vier Standorten des Offenen Ganztags in          chermaßen anzuregen«, berichtet Margret Banken-Kon-
Lünen umgesetzt.                                           rad. »Beispielsweise müssen sich die jungen Sportler vor
                                                           Beginn eines Parcours Kombinationen von Begriffen,
»Der Gedanke dahinter ist, dass Motorik und Gehirn-
entwicklung erwiesenermaßen in Verbindung zu einan-
der stehen«, erklärt Margret Banken-Konrad, Bereichs-
                                                            208.000
leiterin Kinder- und Jugendhilfe der Caritas. »Indem
wir Bewegungsspiele mit Merkaufgaben verkoppeln,           Malblätter
können wir motorischen Defiziten entgegenwirken                                    Vier Offene
und gleichzeitig die Konzentration und Gedächtnis-                               Ganztagschulen
                                                                                 (OGS) in Lünen
leistung fördern. Die Kids trainieren ganz spielerisch
eben jene kognitiven Fertigkeiten, die sie in der Schule                         389                      4.160
für ein erfolgreiches Lernen benötigen.« Die zuständi-
                                                               208 Liter       betreute                 Filzstifte
                                                               Klebstoff
                                                                                Kinder

                                                                                                                      21
Über
                                                                                                            3500
                                                                                                           Mosaik-
                                                                                                          steinchen
     Farben oder Symbolen merken, die dann anschließend            des Caritasverbandes Lünen-Selm-
     noch mal abgefragt werden. Natürlich können sich die          Werne durchgeführt. Das Projekt
     Teilnehmer dafür auch in Teams zusammenschließen.«            wird mit der bildenden Künstlerin
     Nicht kopflos vorpreschen, sondern erst denken, dann          Anke Kahner realisiert, die begeistert ist,
     bewegen, so lautet die Devise. Und das klappt bisher          erstmalig generationsübergreifend arbeiten zu
     wunderbar. »Ich habe es selten erlebt, dass Kinder in         können.
     dem Alter dermaßen eifrig und motiviert bei der Sache
     sind«, erinnert sich die Bereichsleiterin an die Einstiegs-   2019 feierte die Kunst-AG mit dem Titel ›Bunte Tür-
     aktion in den Sommerferien. »Das waren extrem heiße           me aus farbigem Glas – ja, wir können das‹ Premiere.
     Wochen, trotzdem haben alle ununterbrochen mitge-             15 OGS-Kinder der Kardinal-von-Galen-Schule Lünen
     macht, weil Kinder solche Herausforderungen lieben,           waren über ein halbes Jahr hinweg einmal wöchentlich
     wenn man sie ihnen anbietet.«                                 zu Gast im benachbarten Altenzentrum St. Norbert.
                                                                   Gemeinsam wurde hier an farbenfrohen Mosaikku-
     Begegnungen so bunt wie ein Mosaik                            geln aus Glassteinchen, Keramikstückchen und Beton
                                                                   gearbeitet, die noch künftig im Garten des Senioren-
     Ein weiteres Projekt entführt kleine und große Nach-          zentrums bewundert werden können. Darüber hinaus
     wuchskünstler in eine zauberhafte Welt voller bunter          notierten die Grundschulkinder ihre Wünsche auf klei-
     Türme, Wunschkugeln und Märchenfiguren. Die In-               nen Zetteln, welche am letzten Tag in eine Kugel ein-
     itiative ›Kultur macht stark – Bündnisse für Bildung‹         zementiert wurden. Diese Wunschkugel durften sie zur
     wird durch das Bundesministerium für Bildung und              Erinnerung mit in ihre Schule nehmen.
     Forschung gefördert und an ausgewählten Standorten

22
Für ältere Menschen ist es ein unglaublicher Gewinn, wenn Kinder-
         lachen durchs Haus schallt. Und auch die jungen Schüler können
         durch den Umgang mit den Senioren einiges lernen, allen voran
         Achtung, Geduld und Vielfalt.
                                                           Margret Banken-Konrad, Bereichsleiterin

                                                          Noch mehr Sicherheit mit Vario Call
Das Jahresprojekt ›Märchen-Zauber-Gärten‹ in Selm
steht kurz vor dem Abschluss. Zehn Kinder der Of-         Ältere Menschen mit Hilfebedarf holen sich mit dem
fenen Ganztagesbetreuung der Overbergschule ver-          Hausnotruf ein Stück Lebenssicherheit zurück in ihr
wandelten zwei der Innenhöfe des Altenwohnhauses          Zuhause. Bei einem Notfall oder wenn Hilfe benö-
St. Josef in einen Märchengarten mit Froschkönig,         tigt wird, reicht ein Knopfdruck an einem Funksender
Fliegenpilzen und Schildkröte. Anregungen für die Ge-     und bei der Hausnotrufzentrale wird ein Alarm ausge-
staltung sammelten die Grundschüler bei Exkursionen       löst. Je nach vereinbartem Ablaufplan werden Nach-
zum Maximilianpark Hamm und zum Wildpark Reken.           barn oder Angehörige benachrichtigt und, falls nötig,
Nach der coronabedingten Zwangspause soll dem-            weitere Schritte eingeleitet. So weit, so bekannt.
nächst noch der eigene Schulhof aufgehübscht werden.
                                                          Der Vario Call verfügt zusätzlich über einen GPS-Sen-
»Die gemeinsamen kreativen Aktivitäten haben den          der, der bei Betätigen des Signalknopfes den Stand-
Alltag von Kindern wie Senioren gleichermaßen berei-      ort der notleidenden Person übermittelt. So können
chert«, freut sich Bereichsleiterin Margret Banken-Kon-   Hilfskräfte noch schneller dorthin gelangen, wo sie
rad. »Für ältere Menschen ist es ein unglaublicher Ge-    gebraucht werden. Zudem kann mit dem Vario Call,
winn, wenn Kinderlachen durchs Haus schallt. Und          z. B. für demenzerkrankte Menschen, ein virtueller Zaun
auch die jungen Schüler, von denen viele keine eigenen    errichtet werden. Beim Verlassen eines zuvor festgeleg-
Großeltern oder Urgroßeltern mehr haben, können           ten Bereiches wird daraufhin ein automatischer Alarm
durch den Umgang mit den Hochbetagten einiges ler-        auslöst. Die weiterentwickelte Notruftechnik bietet also
nen, allen voran Achtung, Geduld und Vielfalt. Das Le-    noch mehr Sicherheit – zu Hause und unterwegs.
ben ist nun mal so bunt wie ein Mosaik!«

                                                                                                                     23
Menschlichkeit, Wert-
     schätzung, Vertrauen
     Was macht unseren Verband aus?

24
Warum sind wir erfolgreich? Was macht unseren Ver-           Die Achtsamkeit gegenüber den uns schutzbefoh-
band aus? Wer Mitarbeitende fragt, was die Arbeit im         lenen Menschen gehört für unsere Mitarbeiterinnen
Caritasverband Lünen-Selm-Werne für sie persön-              und Mitarbeiter zu ihrer täglichen Arbeit. Um das zu
lich bedeutet, erhält unterschiedlichste Antworten.          untermauern und das richtige Verhalten bei einem
Offenheit, Vielfalt, Wertschätzung, Kreativität – was        Verdacht auf Missbrauch sicherzustellen, gibt es in
einige der Kolleginnen und Kollegen bewegt, lesen            unserem Verband ein institutionelles Schutzkonzept
Sie auf den nächsten Seiten.                                 – erweitertes Führungszeugnis und Präventionsschu-
                                                             lungen inklusive (siehe S. 30).
Damit unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit
vollem Engagement und möglichst uneingeschränkt              Unsere ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen
ihre Aufgaben erfüllen können, schaffen wir im Ver-          sind das Herz der Caritas – ohne sie geht nichts (siehe
band dafür die erforderlichen Rahmenbedingungen.             Beitrag auf der nächsten Seite). Die freiwilligen Hel-
                                                             fer werden bei ihrer wichtigen Arbeit im Verband von
So sorgen wir mit dem Caritas Compliance Codex               Ehrenamtskoordiantoren unterstützt und begleitet.
für Klarheit und Orientierung in Bezug auf unsere            Ihr Engagement wird gezielt gefördert und ihr Einsatz
Wertevorstellungen (Bericht Seite 28). Der Codex             professionell organisiert. Der neu gegründete Beirat
liefert unseren Mitarbeitenden die notwendigen Leit-         Ehrenamt bietet die Möglichkeit zur Mitbestimmung.
planken und sendet auch nach außen ein starkes und
verlässliches Signal.

                                 Hier kommt keine Langeweile auf.
                                      Dominika Dzierzenga, Verwaltung + Young Caritas

  »Ich habe mich vom ersten Tag meiner Ausbildung zur Bürokauffrau gut ein-
  gebunden gefühlt. Die Arbeit ist wirklich vielfältig, man könnte auch sagen:
  kunterbunt. Schon im normalen Berufsalltag erwarten mich ständig neue Aufga-
  ben und Herausforderungen. Hier kommt keine Langeweile auf! 2017 habe ich zusätzlich die Ehrenamtsko-
  ordination bei der ›Young Caritas‹ (Plattform der Caritas für soziales Engagement junger Menschen, Anm.
  der Redaktion) übernommen und durfte dadurch viele Kollegen aus anderen Bereichen und Einrichtungen
  kennenlernen. Zusammen auf dem Markt Waffeln für den guten Zweck zu backen, sich auszutauschen, auch
  anderen Menschen zu begegnen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen, das macht einfach riesigen Spaß.«

                                                                                                                       25
Der Beirat Ehrenamt am Gründungstag

     Das Herz der Caritas –
     ohne Ehrenamt geht nichts                                  Derzeit sind in unseren Diensten und Einrichtungen
                                                                vor Ort, der Pfarrcaritas, in Heimbeiräten oder Projekt-
     Nächstenliebe – die ehrenamtlichen Helferinnen             gruppen über 330 Menschen im Ehrenamt aktiv. Eine
     und Helfer füllen diese ursprüngliche Bedeutung            enorme Zahl an Freiwilligen, deren oft selbstlosen Ein-
     des Wortes ›Caritas‹ aktiv mit Leben. Sie setzen sich      satz es immer wieder zu würdigen gilt. Dazu ist es er-
     in der Region für Menschen jeden Alters und aller          forderlich, das Ehrenamt innerhalb des Verbandes zu
     Kulturen ein und leisten dabei unschätzbar wert-           stärken, in Entscheidungsprozesse einzubinden und in
     volle Arbeit. »Ohne unsere ehrenamtlichen Helfer           seinem Engagement professionell zu unterstützen.
     wären viele Angebote in unserem Verband nicht
     möglich«, weiß Bereichsleiter Rolf Leimann. »Etwa          Eine starke Stimme im Verband
     Seniorennachmittage, Besuchsdienste im Kranken-
     haus und Altenheimen oder Unterstützung in der             2019 wurde der Beirat Ehrenamt gegründet. Am 25.
     Flüchtlingsarbeit, um nur einige zu nennen.« Die           November hat hierzu im Haus der Caritas die Grün-
     Ehrenamtlichen bringen bei ihrer Arbeit reichlich          dungssitzung stattgefunden. Die Mitglieder des Bei-
     Zeit, großes Engagement und eine gute Portion              rats setzen sich aus Sprecherinnen oder Sprechern
     Herzlichkeit mit ein.

           Ehrenamtliche Mitarbeiter erhalten die gleiche
        		 Wertschätzung wie hauptamtliche.
        		 Rolf Leimann, Bereichsleiter

        »Was den Caritasverband ausmacht? Die vielfältigen Angebote, das breite Spek-
        trum. Bedarfe werden ständig analysiert, neue Projekte zum Wohle der Bürger
        vorangebracht. Dabei ist es wichtig, nicht im Elfenbeinturm zu sitzen, sondern vor
        Ort bei den Menschen zu sein und sich ständig zu fragen: Wo drückt der Schuh, was können wir tun? Ehrenamt-
        liche Mitarbeiter erhalten die gleiche Wertschätzung wie hauptamtliche. Begriffe wie ›Nächstenliebe‹ sind keine
        abgedroschenen Floskeln, sondern werden wirklich gelebt. Das habe ich während meiner längeren Erkrankung
        selbst erfahren, und es hat mir einmal mehr gezeigt: Die Caritas in Lünen, Selm und Werne ist eine Gemeinschaft,
        auf die man stolz sein kann. Ich bin froh dazuzugehören!«

26
Was macht                        Man steht sich zur Seite, das ist gerade für mich als
unseren                       		 Neuling super.                          Ralf Krebs, Pflegefachkraft
Verband                        »Das Besondere an meinem Job ist der gute Zusammen-
aus?                           halt! Obwohl man uns Pflegekräfte in Selm in zwei Teams
                               aufgeteilt hat, sind wir im Grunde eine große Mannschaft.
                               Regelmäßig finden Teamsitzungen statt, in denen über alles
gesprochen wird. Und auch zwischendurch kann ich meine erfahrenen Kollegen jeder-
zeit um Rat fragen. Man hilft sich gegenseitig, das ist gerade für mich als Neuling super.
Darüber hinaus stehen einem hier im Verband viele Wege offen. Etwa alle drei Monate
besuchen wir Fortbildungen, bei denen wir uns auf den neuesten Stand bringen. So lernt
man auch nach der Ausbildung immer weiter.«

unserer Einrichtungen und Dienste zusammen. Zu               Begleitung und Unterstützung
den Aufgaben des Beirates Ehrenamt gehören:
• die Vertretung der Interessen der Ehrenamtli-              »Ehrenamtliches Engagement ist beim Caritasverband
   chen gegenüber dem Caritasverband                         kein Sprung ins kalte Wasser«, sagt Gisela Weiß. »Wir
• gegenseitige Informations-, Meinungs- und
   der                                                       unterstützen unsere Unterstützer.« Jeder Bereich hat
   Erfahrungsaustausch                                       zur Begleitung und Förderung der freiwilligen Hel-
• das Einbringen von Ideen, Anregungen und                   fer einen Ehrenamtskoordinator aus dem Kollegium
   Impulsen                                                  benannt. Dieser ist erster Ansprechpartner in allen
»Der Beirat fungiert als Sprachrohr für die ehren-           Fragen des ehrenamtlichen Engagements. »Wir Ko-
amtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und               ordinatoren sind für die ehrenamtlichen Kollegin-
bietet die Möglichkeit zur Mitbe-                            nen und Kollegen da und räumen, wenn es nötig ist,
stimmung«, so Rolf Leimann.                                           auch mal Steine aus dem Weg«, erzählt Gisela
»Wir wollen das Ehrenamt                                                     Weiß, selbst Ehrenamtskoordinatorin
zukunftsfähig    weiterent-                                                      in der Flüchtlingsarbeit, über ihre
wickeln.« Ein aktiver Aus-                                                         Aufgabe. »Mit unserer Starthilfe
tausch mit dem Vorstand                                       Über                   möchten wir ihnen das Ein-
ist mehrmals im Jahr fest
eingeplant.                                                  330                      finden in die eigene Rolle er-
                                                                                      leichtern.«
                                                      ehrenamtliche
                                                      Helferinnen &
                                                          Helfer

                                      Wo hat man denn sonst schon die Möglichkeit,
                                      seinen Hund mit zur Arbeit zu nehmen?
                                                                                 Christine Altrock, OGS

                            »Ich bin seit 2019 für die Koordination des Offenen Ganztags an der Lüner Leoschule
                            verantwortlich, wo man mich oftmals im Doppelpack mit meiner Königspudeldame Hilde
                            antreffen kann. Besonders gefällt mir die Offenheit und das sehr kollegiale Miteinander!
                            Wo hat man denn sonst schon die Möglichkeit, seinen Hund mit zur Arbeit zu nehmen?
                            Ursprünglich war ich nur auf der Suche nach einer hundefreundlichen Teilzeitstelle. Dass
                            mein Arbeitgeber dann von sich aus mit der Idee auf mich zukommen würde, Hilde zum
                            Schulbegleithund ausbilden zu lassen und diese Ausbildung sogar noch finanziell fördern
                            würde, damit hätte ich nie gerechnet. Einfach toll! Ich fühle mich rundum wohl und komme
                            jeden Tag gerne.«

                                                                                                                       27
»Wie wir als Unternehmen ticken«
     Caritas Compliance Codex schafft Transparenz
     Und wie stehen Sie zum Thema ›Fairness‹? ›Ich bin             ten Regeln‹), Wirtschaftlichkeit (›Wir gehen sorgsam
     dafür!‹, würden die meisten Menschen wohl auf                 mit anvertrauten Mitteln um‹), Vertraulichkeit (›Wir
     eine solche Frage antworten. Aber was bedeutet                wahren Anvertrautes‹) oder eben Fairness (›Wir ach-
     ›faires Handeln‹ eigentlich konkret? Da gehen die             ten auf uns und andere‹). In einem zweiten Schritt
     Meinungen schnell auseinander. Um die Wertevor-               wurde nun damit begonnen, für diese Werte klare,
     stellungen des Verbandes nach innen wie außen                 verbindliche und verbandsweite Regelungen auszu-
     noch transparenter zu machen und Mitarbeitern                 formulieren.
     eine greifbare Orientierung zu bieten, wird seit
     Mitte 2019 der sogenannte ›Caritas Compliance                 Ein Beispiel: »In puncto Fair Play kann dies bedeu-
     Codex‹ entwickelt.                                            ten, dass sich Einzelne nicht über Auftragsvergaben
                                                                   oder hohe Trinkgelder bereichern dürfen. Doch was
     Das englische Wort ›Compliance‹ bedeutet: Über-               zählt noch als Gefälligkeit, wo fängt Vorteilsnahme
     einstimmung, Konformität. »In Unternehmen ist                 an? Das ist erst einmal Auslegungssache. In unseren
     damit die Vereinheitlichung von rechtskonformem               verschiedenen Einrichtungen werden Sie daher mo-
     und ethischem Verhalten gemeint«, erklärt Hans-Pe-            mentan vermeintlich unterschiedliche Antworten er-
     ter Benstein. Bereits Anfang letzten Jahres wurden            halten. Wir müssen also einheitliche Grenzwerte für
     als Basis des Codex acht kurze Werte-Aussagen er-             Geschenke und Zuwendungen definieren.« In die
     arbeitet, darunter zum Beispiel Legalität (›Wir ach-          Diskussion und das Feintuning der Leitlinien wollen

                                               Es motiviert mich jeden Tag                        Was macht
                                               aufs Neue, Menschen helfen zu                      unseren
                                               können.                                            Verband
                                               Barbara Schölling, Hausnotruf und Menü-Service
                                                                                                  aus?
         »Was den Caritasverband aus meiner Sicht so erfolgreich macht: die Vielfalt der ange-
         botenen Dienste! Außer Pflege, Pflegeheimen, Altenwohnheimen, Tagespflege und den
         verschiedenen Beratungseinrichtungen bieten wir warme Mahlzeiten und Hausnotrufsysteme, alles unter einem
         Dach! Es motiviert mich jeden Tag aufs Neue, Menschen helfen zu können, und damit meine ich nicht nur unsere
         Kunden, sondern auch meine Mitarbeiter, auf die ich mich jederzeit verlassen kann und sie sich auf mich. Seit
         März haben wir über 50 neue Kunden für den Menü-Service hinzugewonnen. Das bedeutet eine höhere Belastung
         für jeden einzelnen Fahrer. Umso stolzer bin ich, mit meinem Team ›den Laden‹ im Griff zu haben.«

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die Führungskräfte auch die Mitarbeiter einbe-                         tieren«, so der Vorstand. »Wenn uns
ziehen. Denn ihr Rückhalt ist Voraussetzung,                             das gelingt, stützt der Codex nicht
damit die Vorgaben in der Praxis aktiv gelebt                             nur unser Ansehen als Wohlfahrts-
werden können. Am Ende soll allen Fach-                                   verband, sondern auch unser Image
bereichen ein gemeinsames Regelwerk                                      als Arbeitgeber. Bewerber schauen
zur Verfügung stehen.                                                  künftig immer mehr: Was ist das für
                                                  Ziele &                ein Betrieb? Passe ich in ›den La-
»Langfristig wird es die Heraus-              Maßnahmen                    den‹ rein? Der Caritas Complian-
forderung sein, dass wir diese                  Umsetzung und                 ce Codex ist hier ein wichtiger
rechtlichen und ethischen              Einhaltung des Compliance Codex                 Baustein, um Inter-
Regeln dann in unserer                                                                      essenten zu zei-
täglichen Arbeit wirk-                                                                        gen, wie wir als
lich berücksichtigen,                  Compliance Leitlinien                                   Unternehmen
ohne zu interpre-                           Verbandsinterne Regeln
                                                                                               ticken.«
                                      zur Einhaltung des Compliance Codex

                                    Caritas Compliance Codex
                                   Gesetzgebung und wesentliche Grundsätze
                                         und Werte unseres Verbandes

                                       Ich schätze die Offenheit der Caritas für innovative
                                       Gedanken und Ideen.           Ulrike Wesemann-Benkel, Caritas Boutique

                             »Ich habe eine lange Verbindung zur Caritas: Nach einer Pause von 26 Jahren bin
ich seit Januar 2019 wieder für den Verband im Einsatz. Erstmalig habe ich meine Tätigkeit hier 1983 direkt nach
dem Studium für den Bereich Gemeindecaritas und den Aufbau des Hausnotrufdienstes begonnen. Nach der Geburt
meines zweiten Kindes kehrte ich zunächst nicht wieder zum Verband zurück. Meine aktuellen Aufgaben beinhalten
die Erweiterung des bestehenden Portfolios durch Projekte und niederschwellige Angebote im Stadtteil. Die Arbeit
erlebe ich damals wie heute als interessant, kreativ und bereichernd. Ich schätze die Offenheit der Caritas für inno-
vative Gedanken und Ideen.«
                                                                                                                        29
Hinsehen, schützen, achtsam sein –
     Das institutionelle Schutzkonzept unseres Verbandes

     Berichte über Missbrauchsfälle der 50er-, 60er-             Maßnahmen zur Vorbeugung von Missbrauch und
     und 70er-Jahre sorgen deutschlandweit für große             Gewalt zu treffen, sowohl in der Kinderbetreuung
     Betroffenheit. Als Reaktion auf die Ereignisse ruft         als auch in Seniorenheimen.«
     die Deutsche Bischofskonferenz ihre Einrichtun-
     gen dazu auf, ein institutionelles Schutzkonzept zu         Im Rahmen des neuen Schutzkonzeptes wird von
     erstellen. »Zum Glück gibt es bei uns im Verbands-          allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern ein
     gebiet aktuell keinen Fall, doch die Nachrichten            erweitertes Führungszeugnis sowie eine Selbst-
     haben uns aufgerüttelt«, sagt Koordinatorin Mar-            auskunftserklärung und eine Selbstverpflich-
     gret Banken-Konrad. »Es zeigt, wie wichtig es ist,          tungserklärung zum Verhaltenskodex eingefor-
     anvertraute Menschen besonders zu schützen und              dert. »Der Kodex macht konkrete Vorgaben für

                                                                                                Was macht
                                              Vielfältige Netzwerke für die                     unseren
                                              Menschen vor Ort.                                 Verband
                                              Raphael Holtwick und Banu Pinar Arslan,
                                              Familienberatung
                                                                                                aus?
                                   »Auch bei der Caritas ist Arbeit Arbeit – aber hier im Neubau an der Lange Straße macht
                                   der Job umso mehr Spaß! Das helle Gebäude mit dem wunderschönen Innenhof hat einfach
                                   eine tolle Aufenthaltsqualität. Zudem ist es super, in einem wachsenden Verband tätig zu
                                   sein. In 50 Jahren haben sich vielfältige Netzwerke entwickelt. Diese werden genutzt, um
                                   auf die verschiedenen Bedarfe innerhalb der Bevölkerung einzugehen: Was könnten Lünen,
                                   Selm und Werne noch gebrauchen? Welche Projekte wären in den Städten sinnvoll? Den
                                   meisten Menschen ist ja gar nicht bewusst, was wir abseits der Altenpflege alles bieten.
                                   Wenn wir uns beispielsweise in den Schulen vorstellen, sind die Lehrer und Eltern oft ganz
                                   überrascht, dass wir auch Beratungen durchführen.«

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