Reihe 1 Oktober 2021 - Die Staatstheater Stuttgart

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Reihe 1 Oktober 2021 - Die Staatstheater Stuttgart
Das Monatsmagazin der Staatstheater Stuttgart
Staatsoper Stuttgart, Stuttgarter Ballett, Schauspiel Stuttgart   Oktober 2021

        Reihe 1
Reihe 1 Oktober 2021 - Die Staatstheater Stuttgart
AY
     Editorial                                                                           3

     Cover                Liebe Leserinnen und Leser,
     Für die Oktober­
     ausgabe von
     Reihe 1 begleitete   diese Ausgabe von Reihe 1 liest sich als kleine Ode an großartige
     Fotograf David
     Spaeth den           Frauen, auf und hinter der Bühne. Da wäre zunächst das Theater-
     Orchester­           kollektiv Hauen und Stechen, das für die Staatsoper Stuttgart
     inspektor Ralf
     Kühner. Den          Die Verurteilung des Lukullus inszeniert und mit der Forderung
     Rundgang in          »Mehr weibliche Regie!« die Oper von morgen entwirft. Im
     Bildern finden
     Sie ab Seite 5       ­Interview erklären die Künstlerinnen, wie das aussehen könnte.
                                 Dann führt der Weg bis nach Mexiko. Das Schauspiel Stutt-
                           gart bringt mit der Premiere von algo pasó (la última obra) ein
                           hochpolitisches Thema auf die Bühne: dass in dem Land immer
                           wieder Menschen verschwinden. Wer nach ihnen sucht? Tausende
                           Mütter. Der Schriftsteller Tino Hanekamp durchleuchtet die
                           ­Hintergründe in einer gewaltigen Reportage.
                                 Und schließlich ist da noch die Figur der Tatjana in John
                            Crankos gefeiertem Handlungsballett Onegin. Der Choreograph
                            machte 1967 aus der Romanvorlage von Alexander Puschkin
                            ein Lehrstück über Selbstbestimmung und Standhaftigkeit. Was
                            junge Frauen heute noch darin lesen können, haben wir außer-
                            dem die Tänzerin Miriam Kacerova gefragt.
                                 Ein Heft über Hingabe, Engagement und sehr viel Stärke
                            – wir wünschen eine spannende Lektüre!

                          Die Staatstheater Stuttgart

     Aus der Reihe
     von Nadine Redlich
Reihe 1 Oktober 2021 - Die Staatstheater Stuttgart
4                             Inhalt                                            Oper / Theater von innen   5

3 Editorial
5 Theater von innen

Der Orchesterflur

8»Alles auf Augenhöhe«         Nachholbedürfnis vs.
                              22

Eigen, feministisch           Neustart Wie ergeht
und mit Hingabe: das          es jungen Musiker*innen
Musiktheaterkollektiv         während der Pandemie?
Hauen und Stechen über        Eine Nachwuchsgeigerin
die Oper von morgen           berichtet
14Die Splitter In Mexiko      24Die Lichtgestalt
verschwinden immer            Wie John Cranko mit
­wieder Menschen. Das         der Figur der Tatjana in
 Stück algo pasó (la última   Onegin eine Ausnahme­
 obra) erzählt von einer      erscheinung in der
 schmerzhaften Suche          Ballett­geschichte schuf
                              30Wunderbar widerständig
                              Die Erste Solistin Miriam
                              Kacerova erklärt, was
                              es bedeutet, Tatjana zu
                              tanzen

                              32 Spielplan
                              38 Das Ding Der Geldregen                         Im Orchester­
                                                                                graben kann es
                              38 Impressum                                      eng werden.
                                                                                Umso wichtiger,
                                                                                dass klar ist,
                                                                                wo Podeste, Pulte
                                                          Fotos: David Spaeth

                                                                                und Personen
                                                                                platziert werden
Reihe 1 Oktober 2021 - Die Staatstheater Stuttgart
6        Oper / Theater von innen                                                                                                                                                7

                                                                  Alles da, was
                                                                  die Partitur
                                                                  verlangt: Im
                                                                  Instrumenten­
                                                                  magazin lagern
                                                                  Tamtams,
                                                                  ­Xylo­fone, Kir­
                                                                   chen­glocken
                                                                   und vieles mehr

                                                                  Der Orchesterflur der Staatstheater
Ralf Kühner                                                       Das Staatsorchester Stuttgart besteht aus über 140 Musike­         die Lagerung und die Pflege der Instrumente Sorge. Sie planen
transportiert                                                     rinnen und Musikern. Rund ein Dutzend Mitarbeit­e­rinnen und       alle Aufbauten, stellen Pulte, Stühle und Podeste auf, platzie­
                                           Fotos: Manuel Wagner

Instrumente                                                       Mita­rbeiter im Haus kümmert sich für sie um die Ab­läufe im       ren Harfen und Kontrabässe und verwahren und verteilen die
nicht nur von                                                     Hinter­grund. Einteilung und Disposition, Notenbibliothek und      Noten aller Stimmgruppen vor den Proben und Auf­führungen.
A nach B, er                                                      Logis­tik werden rund um den Orcheste­rflur im Sou­terrain des     So ist sichergestellt, dass das vielfältige und kom­plexe Pensum
kann sie auch                                                     Opernhauses, in direkter Nachbarschaft des Grabens, orga­          des Orchesters aus Opern, Balletten und Konzerten umgesetzt
reparieren                                                        nisiert. Sieben Orchesterwarte tragen dabei für den Trans­­port,   werden kann. Dann erst spielt die Musik.
Reihe 1 Oktober 2021 - Die Staatstheater Stuttgart
8                  Oper / Die Verurteilung des Lukullus
                                                           »Alles auf                                                                                                          9

                                                           Augenhöhe«
                                                                              Eigen, feministisch und mit Hingabe: ein Gespräch
                                                                              mit den Künstlerinnen des Musiktheaterkollektivs
                                                                              Hauen und Stechen über die Oper von morgen
                                                                              Interview: Jakob Hayner
                                                                              Fotos: Max Zimmermann

                                                           2012 gründeten Franziska Kronfoth und     und Dessau die Hoffnung, den Blick        Hintergrund des Zweiten Weltkriegs
                                                           Julia Lwowski das Musiktheaterkollektiv   auf die Geschichte und die Welt zu        verstehen. Wir können das nach
                                                           Hauen und Stechen, mit dem sie ein be­
                                                                                                     verändern. Denn die Geschichte            Jahrzehnten ohne Krieg hierzu-
                                                           wegendes, zeitgemäßes und genreüber­
                                                           greifendes Musiktheater anstreben. Die    wird immer wieder über große Män-         lande kaum noch nachvollziehen.
                                                           enge Zusammenarbeit mit unterschied­      ner erzählt, das ist aber eben nicht      Die Verurteilung der Großen und
                                                           lichen Künstlerinnen und Künstlern wie    die Wahrheit, zumindest nicht die         Mächtigen, das wirkt abstrakt. Das
                                                           der Kostümbildnerin Yassu Yabara führt
                                                                                                     ganze. Bei Lukullus wird ein anderer      müssen wir für uns wieder greifbar
                                                           zu einer performativen und unverwech­
                                                           selbaren Theatersprache.                  Blick eingenommen, zugunsten der          machen. Und das funktioniert über
                                                                                                     weniger privilegierten Bevölkerung,       die Figur des Lukullus sehr gut.
                                                           Frau Lwowski, Frau Kronfoth               der Soldaten, Mütter und Kinder.          Yassu Yabara: Mir hat geholfen,
                                                           und Frau Yabara, in der Oper Die          Die Idee ist, Geschichte aus einer        Lukullus genauer zu betrachten.
                                                           Verurteilung des Lukullus, für            anderen Perspektive zu schreiben.         Er ist nämlich sehr erstaunt über
                                                           die Bertolt Brecht das Libretto           So stellt sich viel eher die Frage, wie   seine Verurteilung. Das erleben
                                                           und Paul Dessau die Musik                 man im Krieg überleben kann, und          wir heute ähnlich, dieses große
                                                           geschrieben hat, geht es um den           die großen Schlachten rücken in den       Erstaunen über die Tatsache, dass
                                                           römischen Feldherrn. Der muss             Hintergrund.                              sich Paradigmen ändern. Oder dass
                                                           im Totenreich, vor einer Art              Die Anklage gegen Lukullus                aus Ohnmacht Macht werden kann.
                                                           Jüngstem Gericht, Rechenschaft            endet in dem berühmten Satz:              Zugleich ist dieses Erstaunen das
                                                           über seine Verdienste auf                 »Ins Nichts mit ihm!« Ist                 Menschlichste an dem Stück. Denn
                                                           Erden ablegen. Wie kamen Sie              diese Verwerfung der große                Lukullus wird immer sprachloser
                                                           auf den Stoff?                            Perspektivwechsel?                        und schriller. Über diese Haltung
                                                           Julia Lwowski: Die Staatsoper             Lwowski: Ja! Es ist auch ein mora-        habe ich einen Zugang gefunden.
Regisseurin Julia                                          Stutt­gart hat uns das Stück vorge­       lisches Problem, an dem wir uns ab-       Einerseits gibt es bei Ihnen
Lwowski, Kostüm­
                                                           schla­ gen. Wir haben uns ­     diese     arbeiten. Denn diese Verurteilung,        eine große Distanz zu dem Stoff,
bildnerin Yassu
Yabara, Regis­                                             eher selten gespielte Oper aus            »Ins Nichts mit ihm!«, ist rigoros.       vor allem in Hinblick auf
seurin Franziska                                           ­DDR-Zeiten dann angeschaut, und          Und zwar so rigoros, wie zuvor jene       die historischen Erfahrungen,
Kronfoth und                                                sie hat uns fasziniert. Insbesondere     verurteilt waren, die nun urteilen.       andererseits einen aktuellen
Bühnenbildnerin
                                                            das Libretto von Brecht.                 Hier werden die alten Wunden mit          Zugang. Sind das verschiedene
Christina Schmitt
(von links)                                                 Franziska Kronfoth: Die Anklage          neuen überdeckt. Wo aber ist da die       Aspekte des Werks?
                                                            ist das Politische an dem Werk. Als      Lösung? Dieses klare moralische           Lwowski: Für uns ist die Oper von
                                                            die Oper entstand, hatten Brecht         Schema müssen wir auch vor dem            Brecht und Dessau wie ein geschich­
Reihe 1 Oktober 2021 - Die Staatstheater Stuttgart
10                                              Oper / Die Verurteilung des Lukullus                                     11

teter archäologischer Baumkuchen.          möglicherweise nur Ideologie? Je ge-       Berlin. Eine der frühen Auf-                 »Ich habe auf­
Die Schichten bestehen nicht nur           nauer man hinschaut, desto mehr Brü-       führungen spielte in einem                   gehört, mich mit
                                                                                                                                   dieser Ablehnung
aus der Handlung im vorchristlichen        che und Widersprüche entdeckt man          Hinterhof in Neukölln, auf der
                                                                                                                                   zu beschäfti­
römischen Imperium, sondern auch           im Werk. Diese auszustellen, nicht         Flucht vor Nachbarn wurde                    gen«: Franziska
aus den verschiedenen Arbeitspha-          aufzulösen, das ist für uns interessant.   das Publikum mit Taxis in ein                ­Kronfoth setzt
sen in Brechts dänischem Exil über         Klingt die Musik in Ihren Ohren            Bestattungsinstitut gefahren.                 sich für Kollektive
                                                                                                                                    und einen weibli­
das Nachkriegsdeutschland bis zur          noch so, als könnte sie irri-              Und nun sind Sie an den großen
                                                                                                                                    chen Blick in der
jungen DDR. Dann gibt es wichtige          tieren? Oder haben sich in den             Opernhäusern angekommen.                      Opernregie ein
Inszenierungen, vor allem von Ruth         vergangenen siebzig Jahren                 Was verbinden Sie mit dem Be-
Berghaus, Dessaus Frau. Und als wir        die Hörgewohnheiten so verän-              griff »Kollektiv«?
vor drei Jahren mit dem Stück in Kon-      dert, dass das gar nicht mehr              Kronfoth: Die konzeptionelle Arbeit
takt kamen, war die Welt auch noch         der Fall ist?                              findet in der Gruppe statt. Jeder von
mal eine andere als jetzt.                 Lwowski: Mein Lieblingsinstrument          uns hat einen eigenen Bereich, die
Die Musik von Dessau sorgte bei            in Lukullus ist das Trautonium. Nur        Hierar­chien sind flach. Das meint,
der Uraufführung 1951 zum Teil             wenige kennen das Instrument noch,         dass die Regie nicht der kreative Kopf
für Irritationen, insbesondere             das war gewissermaßen einer der            ist und die anderen nur ausführen,
der vielfältige Einsatz des Schlag-        ersten Synthesizer. Am ehesten ist es      sondern dass sich alle mit ihren Ge-
werks. Möglicherweise zeigte               bekannt aus Alfred Hitchcocks Film         danken und Ideen einbringen. Da-
sich darin die Erfahrung des               Die Vögel, es macht dort den unheim-       durch entsteht eine Vielstimmigkeit,
Krieges, es hallte aber vor allem          lichen Sound. Lukullus ist sehr fein       ein Kaleidoskop aus Perspektiven.
»modernistisch« und »forma-                instrumentiert, selbst wenn Ketten         Als Kollektiv kommen wir mit unse-
listisch« nach. Wie gehen Sie mit          zum Einsatz kommen oder Steine auf         ren Leuten an die Theater, mit der
der Musik um?                              Metallplatten gehauen werden. Oder         Schauspielerin Gina-­Lisa ­Maiwald und
Kronfoth: Wir haben großes Glück           das Fiepen, das Flageolett der Celli,      ihrem Kollegen Thorbjörn ­Björnsson,
mit unserem Dirigenten Bernhard            beim Eintritt in die Unterwelt, das        ­Martin M­ allon fürs Video und ­Christina
­Kontarsky. Mit ihm zusammen h    ­ aben   sind sehr präzise eingesetzte musi-         Schmitt für die Bühne. Alle bringen
 wir die Partitur genau studiert und       kalische Mittel. Deren Reiz verfliegt       sich ein. Alles auf Augenhöhe.
 interessante Dinge herausgefunden.        nicht. Der arme Dessau hat völlig zu        Yabara: Es ist nicht immer einfach,
 Zum Beispiel, dass Dessau viele der       Unrecht für seine Musik so viel Kritik      wenn wir mit unserem Mikrokos-
 Szenen neu kontrastierend und cha-        einstecken müssen, dabei ist sie ein        mos an ein Stadt- oder ­Staatstheater
 rakteristisch mit Kammer­ensembles        wahrer Schatz.                              kommen. Aber wenn man diese
 besetzt, in verschiedenen Kombina­        Kronfoth: Die Musik lebt von ihren          Offen­­heit und Neugier spürt wie in
 tionen. Wir holen die Instrumenta-        starken Kontrasten. Und von ihren           Stuttgart, wenn es nicht zu Missver-
 listen dieser Kammermusiken auf           ex­perimentellen Momenten. Das              ständnissen kommt, kann das sehr
 die Bühne, den Akkordeonisten, die        funk­­­tioniert sehr gut für die Oper.      bereichernd sein. Für uns ist es ein
 Flöten, das Trautonium als Unterwelt­     Das ist ein Werk, das man jederzeit         großes Geschenk, auf die Möglichkei-
 instrument.                               neu ­befragen kann, wie es auch Berg-       ten eines Opernhauses zurückgreifen
 Yabara: Hannah Arendt sagte zur           haus in ihren zahlreichen Inszenie­         zu können.
 Premiere von Lukullus, Brecht sei ein     rungen gemacht hat. Sie war sehr            Lwowski: Wir vergessen aber auch
 schlechter Dichter, wenn er lüge. Sie     einflussreich, nicht nur für das Musik­     unsere Anfänge mit der Dunkelheit,
 warf ihm vor, für die Partei zu schrei-   theater der DDR, sondern auch darü-         dem Staub und der Enge aus diesen
 ben. So unterschiedlich wurde das in      ber hinaus.                                 Kellerräumen nicht. Ebenso wenig wie
 Ost und West gesehen, auch im Hin-        Bei dem Wort Kollektiv denkt                die Geschichte. Franziska kommt aus
 blick auf den modernistischen Cha-        man unweigerlich an die DDR:                der DDR, ich selbst aus der Sowjet­
 rakter. Da merkt man, unter welchen       Kollektiv der sozialistischen               union, das sind prägende Einflüsse.
 Bedingungen dieses Stück entstanden       Arbeit. Los ging es für Hauen und           Wir sind auf eine gewisse Weise sehr
 ist. Man fragt sich: Wo ist Menschlich-   Stechen 2012, in den Keller-                treu. Auch bei den Arbeitsbeziehun-
 keit, wo Feinheit, wo Wahrheit? Und wo    räumen der Galerina Steiner in              gen, die einmal entstanden sind.
Reihe 1 Oktober 2021 - Die Staatstheater Stuttgart
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Was bedeutet das konkret?                    Lwowski: Wichtig ist auch, dass            einzelne Häuser eine eigene Identität         Die Regisseurin
                                                                                                                                      Julia Lwowski
Yabara: Bei uns geht es sehr stark           weib­liche Kollektive die Möglichkeit      entwickeln. Außerdem müsste sich
                                                                                                                                      stammt aus der
um den Dialog. Das kommt aus dem             haben, etwas auf der großen Bühne          mehr getraut werden, im Umgang mit            Sowjetunion –
Bewusstsein dafür, dass man sich in          zu zeigen. Es sollte Normalität sein.      dem Werk und zusammen mit dem Or-             ein prägender
einem gemeinsamen Raum befindet.             Noch besser wäre es, wenn man es           chester. Es muss um Kunst gehen, um           Einfluss, den man
Wir wollen nicht predigen, uns gefällt       nicht extra betonen müsste, aber so        Experiment und um Vielstimmigkeit.            immer wieder in
                                                                                                                                      ihrer Arbeit spürt
viel eher die Idee des Rituals, das ge-      weit sind wir noch nicht.                  Apropos Vielstimmigkeit:
meinsame Erleben und Herausfinden.           Yabara: Julia und Franziska haben          Christoph Schlingensief schrieb
Und das versuchen wir immer zu be-           Hauen und Stechen aus strukturel-          einmal, freies Denken ende in
rücksichtigen, ob es nun acht oder           len Gründen gegründet. Sie hatten          Partituren. Wie ist das zu
achthundert Zuschauer sind.                  den Eindruck, dass sie als weibliche       verstehen? Wird das freie Denken
Kronfoth: Am Ende kommt alles zu-            Regisseure nicht wahr- und ernst           durch die Partitur beschränkt,
sammen, unsere gemeinsame Ausei-             genommen werden. Daraus ist eine           oder mündet es darin, dass die
nandersetzung, ob theoretisch, histo­        wunderbare künstlerische Identität         Partitur der Vielstimmigkeit eine
risch oder ästhetisch. Und spielerisch       entstanden, aber es begann mit ei-         Form gibt?
soll es letztlich sein. Es geht nicht        ner Ablehnung. Man hat es ihnen als        Kronfoth: Jede Theateraufführung
nur darum, eine Rolle zu verkörpern,         jungen Frauen ohne männlichen Re-          ist eine große Partitur, mit allen Ab-
sondern mehr noch darum, das Ver-            giemeister im Hintergrund nicht zu-        läufen, den Auftritten, den Abgängen,
körpern einer Rolle zu zeigen, wie bei       getraut, eine Oper zu inszenieren. Die     der Musik, den Videoeinspielern und
Brecht. Aus den verschiedenen Aspek-         Sprache unseres Kollektivs wird auch       so weiter. Und das ist das Resultat
ten setzt sich dann für den Zuschau-         immer wieder vehement abgelehnt.           der gemeinsamen freien Arbeit, eine
er ein Bild zusammen, das zunächst           Trotzdem habe ich das Gefühl, dass         Verabredung.
auch widersprüchlich sein kann. Je           wir all diesen Zweifeln als Gruppe         Lwowski: Oder endet das freie Den-
reicher das Resultat am Ende ist,            ein größeres Gewicht entgegenset-          ken eben doch dort, wo die Partitur
desto glücklicher sind wir. Die Kraft        zen können. Wir zerfasern weniger          anfängt? Sobald man eine Improvi-
kommt aus der Eigenständigkeit der           an Selbstzweifeln, und es bleibt mehr      sation aufschreibt, also zur Partitur
Beteiligten.                                 Kraft zu überzeugen.                       macht, ist es keine freie Improvisation
Lwowski: Wir kennen uns auch schon           Kronfoth: Ich habe aufgehört, mich         mehr, das kennt man aus dem Jazz.
lange, das ist ein Vorteil. Es beglückt      mit dieser Ablehnung zu beschäftigen.      Aber, um mir gleich zu widersprechen:
und gibt Ruhe. Das ist auch nicht ohne       Die gibt es bestimmt immer noch, aus       Eine Partitur ermöglicht auch die Frei-
Konflikte. Aber zehn Jahre gemeinsa-         welchen Gründen auch immer. Am             heit der Interpretation, da lässt sich
me Geschichte schaffen Vertrauen.            Anfang der eigenen Laufbahn lag es         so viel machen. Eine Partitur ist erst
Ohne das wäre die Verausgabung, die          auf der Hand, sich damit auseinan-         mal Material. Und dann entsteht ein
Ekstase und das Überbordende nicht           derzusetzen. Man ist sehr schnell auf      großes Miteinander, manchmal auch
möglich, was für uns zum Theater un-         Geschlechterstereotypen und Genie-         Gegeneinander, aber das ist das Tolle
bedingt dazugehört.                          kult gestoßen. Jetzt versuche ich, keine   beim Musiktheater.
In Lukullus geht es um Macht und             Kraft mehr darauf zu verschwenden.
Männlichkeit, die angegriffen                Es ist wichtig, dass wir unsere Kunst      Jakob Hayner war von 2016 bis 2020 Re­
werden. Eine Debatte, die auch               machen: eigen, feministisch, mit Hin-      dakteur bei Theater der Zeit. 2020 veröf­
den Theaterbetrieb zurzeit                   gabe. Und durch die Arbeiten unsere        fentlichte er bei Matthes & Seitz sein Buch
                                                                                        Warum Theater. Krise und Erneuerung
umtreibt. Wie ist Ihr Blick auf die          künstlerische Daseinsberechtigung          und wechselte zur Tageszeitung nd, wo er
momentane Bühnenwelt?                        behaupten.                                 inzwischen das Ressort für Geisteswis­
Kronfoth: Es ist wichtig, dass alle          Wie sollte die Oper von morgen             senschaft verantwortet.
gute Arbeitsbedingungen haben.               aussehen?
Gute Stücke entstehen nicht durch            Kronfoth: Mehr weibliche Regisseure!
Kampf, Diktatur und Angst. Gute g  ­ e­­­-   Und wir müssen weg von dem globa­
mein­­­­same Arbeit macht Hierar­chien       lisierten und kapitalisierten Starsystem   Die Verurteilung des Lukullus
überflüssig.                                 im Opernbetrieb. Das verhindert, dass      im November
Reihe 1 Oktober 2021 - Die Staatstheater Stuttgart
Die Splitter
Die Fotojournalistin
Victoria Razo be­
gleitete 2019 Ange­
hörige bei der Suche
nach vermissten
Personen im mexika­
nischen Bundes-
staat ­Veracruz. Dabei
durchforsteten
sie auch verlassene
Grundstücke
wie ­dieses                                                  Im Jahr 2014 verschwinden im mexikanischen Ayotzinapa
                                                             43 Studenten. Bis heute ist der Fall ungeklärt. Der Regisseur
                                                             Thomas Köck verarbeitet das Ereignis in seiner Inszenierung über
                                                             das Verschwinden, die er mit dem Theaterkollektiv Bola de Carne
                                                             entwickelt. Wir erzählen die Hintergründe einer schmerzhaften
                                                             Suche, die von Mexiko bis nach Baden-Württemberg reicht

                                                             Text: Tino Hanekamp
14                 Schauspiel / algo pasó (la última obra)   Fotos: Victoria Razo                                          15
Reihe 1 Oktober 2021 - Die Staatstheater Stuttgart
Mexiko. Wer das erste Mal in dieses Land kommt,       und Tod. Korruption bedeutet: Der Polizist, der                           Die Gründe dafür sind komplex. Seitdem der Staat      verstand sich gut, hatte die Idee zur Koopera­tion,
ist überwältigt. Von der Schönheit der Natur, dem     Polizei­chef, der Soldat am Check­point, der Bürger­                      2006 den Kartellen den Krieg erklärte, befindet       das Schauspiel Stuttgart stieg sofort ein. Durch
Reichtum der Kultur, der Intensität des Lebens.       meister, der Innenminister, im Zweifel arbeitet                           sich Mexiko in einer Gewaltspirale, die sich immer    die Pandemie verzögerte sich alles um ein Jahr.
Mexiko-Stadt ist Metropole, die Strände der           jeder für irgendein Kartell. Die Kartelle machen                          tiefer in die Gesellschaft schraubt. Erst kamen die   Im Mai reisten Köck und sein Team schließlich auf
Karibik sind Paradiese, drum herum ist Wilder         mehr Geld als ganze Staaten, und ihre Gewalt                              Morde, gefilmte Hinrichtungen, gefolterte Körper,     eigene Faust nach Mexiko und begannen mit der
Westen, nur dass die Hüte abgetragener und die        bleibt ungesühnt. Sie zersetzen das gesamte                               die an Brücken hingen, Köpfe am Straßenrand,          Arbeit. Ein zentrales Thema ist dabei die Massen-
Pferde magerer sind. Man ist wie benommen von         Land. Aus dieser Falle kann man sich nur mit Geld                         Massaker als Botschaften. Dann begann das Ver-        entführung von Ayotzinapa.
den Farben und Gerüchen, von der Herzlichkeit         retten. Oder man hat Glück. Die meisten Mexi-                             schwinden. Männer verschwinden, weil sie für das
der Menschen. Das Chaos wirkt befreiend.              kaner vertrauen aufs Glück. Sie begegnen dem                              falsche Kartell gearbeitet haben, sich weigern, für   Es ist der 26. September 2014, ein Freitag, neun
    Im frühen und späteren zwanzigsten Jahrhun-       Leben mit einem seltsam fröhlichen Fata­lismus.                           ein Kartell zu arbeiten, sonst irgendwie im Weg       Uhr abends. Nach einer Demonstration in Iguala,
dert war Mexiko so etwas wie die Schweiz mit          Bis etwas passiert.                                                       sind oder einfach zur falschen Zeit am falschen       einer Stadt im mexikanischen Bundesstaat Guer-
Schusswaffen und Zufluchtsort vieler Auswan-               Algo pasó, »etwas ist passiert«, so heißt auch                       Ort. Frauen verschwinden, weil sie Frauen sind.       rero, kapern etwa hundert Lehramtsstudenten fünf
derer aus Deutschland und den von Deutschland         das neue Stück des öster­reichischen Autors                               Sie werden zur Prostitution gezwungen, versklavt,     Busse. Das machen sie öfter, die Behörden ließen
okkupierten Ländern: Anna Seghers, B. Traven,         ­Thomas Köck. Es ist eine Koproduktion mit der                            verkauft, vergewaltigt, gefoltert, verscharrt.        sie bisher gewähren. Doch diesmal passiert etwas.
Erich Fromm, Egon Erwin Kisch, Wolfgang ­Paalen.       mexi­kanischen Theatergruppe Bola de Carne,                                  Von hundert Morden wird in Mexiko im Schnitt      Als die Studenten auf dem Weg zurück zu ihrer
Später kamen die Beatniks. Die Rolling Stones          die sich dem Thema des Verschwindens widmet.                             einer aufgeklärt, bei den Fällen Verschwundener       Schule im Dorf Ayotzinapa sind, stoppen Unifor-
und die Beatles haben hier das erste Mal Pilze         Die eingangs erwähnten Exilant*innen spielen                             sind es noch weniger. Von 2006 bis 2019 hat der       mierte die Busse mit Schüssen, es gibt sechs Tote
genommen, die Hippies das Weite gesucht, in den        eine Rolle. Menschen suchen nach Waffen, die                             mexikanische Staat 11 706 Ermittlungen wegen          und 25 Verletzte, unter ihnen Unbeteiligte. Einige
1990er-Jahren pilgerten westliche Revolutions­         sie nicht finden. Ein Filmteam irrt durchs Land.                         Entführungen aufgenommen, 39 davon wurden             der Studenten können fliehen, doch von 43 fehlt
romantiker zu den Zapatisten nach Chiapas, heu-            Und dann sind da noch jene 43 Studenten                              gelöst. 2013 gab die Organisation Human Rights        am nächsten Tag jede Spur.
te ist Mexiko eine beliebte Destination der Digital    aus Ayotzinapa, mit denen das mexikanische                               Watch bekannt, dass es bei mehr als der Hälfte der        Ihr Verschwinden geht um die Welt, es wird
Nomads und Aussteiger jeder Art. Man kann hier         Menschenverschwinden 2014 an die Weltöffent-                             dokumentierten Fälle von »forced disappearan-         zum Symbol für die Willkür, Korruption und Ge-
wunderbar leben, ohne ermordet oder entführt zu        lichkeit gelangte. Offiziell gelten in Mexiko mehr                       ces« zwingende Beweise dafür gebe, dass »staat-       walt in Mexiko. Die Menschen im Land geben
werden – wenn man kein Mexikaner ist.                  als 85 000 Menschen als vermisst, die Zahl steigt                        liche Akteure an der Straftat beteiligt waren«. Die   keine Ruhe. Die Regierung beschuldigt korrupte
    Als Mexikaner ist man in einer Welt voller         täglich, die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein.                     meisten Menschen bleiben verschollen. Kaum            Polizisten, die Studenten dem örtlichen Kartell
Korrup­tion und Willkür gefangen, voller Armut         In keinem anderen Land der Welt sind es mehr.                            jemand kehrt zurück. Man findet nicht mal ihre        übergeben zu haben, das sie für Mitglieder eines
                                                                                                                                Körper. Ihr Verschwinden ist total. Und die Nach-     verfeindeten Kartells hielt, hinrichtete und auf
                                                                                                                                barn raunen »algo pasó«, »etwas ist passiert« …       einer Müllkippe verbrannte. Diese Variante der
                                                                                                                                                                                      Wahrheit wird schnell widerlegt und bestätigt die
                                                                                                                                Wie soll man dieses gewaltige Grauen zu fassen        Zweifel der Menschen, die ahnen, dass da mehr
                                                                                                                                bekommen? Thomas Köck hat es ver­sucht, zu-           war. Als gesichert gilt, dass in zwei der gekaper-
                                                                                                              Knochen­
                                                                                                              splitter und      sammen mit seinem Team: dem öster­reichischen         ten Busse Heroin versteckt war, von dem die Stu-
                                                                                                              Zähne in einer    Musiker Andreas Spechtl, der öster­reichischen Co-    denten nichts wussten. Und dass bei dem Angriff
                                                                                                              Wald­lichtung.    Regisseurin Anna Laner, dem luxemburgischen           auf die Busse und der Ermordung der 43 auch
                                                                                                              Die Iden­tität
                                                                                                                                Schauspieler Timo Wagner, der Schweizer Schau-        das Militär beteiligt war. Wahrscheinlich wurden
                                                                                                              lässt sich
                                                                                                              daraus in den     spielerin Annina Walt und Micaela Gramajo und         sie in Gruppen aufgeteilt und an verschiedenen
                                                                                                              wenigsten         Bernardo Gamboa von Bola de Carne samt dem            Orten hingerichtet. Man fand Plastiksäcke mit
                                                                                                              Fällen ermit­     mexikanischen Videokünstler und Bühnenbildner         Menschen­asche und mehrere Massengräber. Erst
                                                                                                              teln. Es fehlen
                                                                                                                                Daniel Primo und der mexikanischen Kostümbild-        3 der 43 Verschwundenen konnten identifiziert
                                                                                                              die Daten –
                                                                                                              und die Mittel    nerin Laura Martinez. Algo pasó (la última obra)      werden, von Forensikern aus Österreich.
                                                                                                                                entstand in Mexiko und Stuttgart, in der Wüste            Der Mann, der die erste offizielle Untersu-
                                                                                                                                von San Luis Potosí und auf der Probebühne des        chung leitete, ist seit September 2020 auf der
                                                                                                                                Schauspiels Stuttgart.                                Flucht, ihm wird Folter, Entführung und Ver­
                                                                                                                                   Köck spricht von Fragmenten, Skizzen, einem        tuschung vorgeworfen. Die neue Regierung des
                                                                                                                                offenen Prozess: »Es ist der Versuch eines Verste-    Landes, die erste linke Regierung Mexikos, ange-
                                                                                                                                hens«, sagt er im Juni, mitten in den Proben. »Wir    führt von dem Linksnationalisten Andrés Manuel
                                                                                                                                wollen uns dem Phänomen des Verschwindens             López Obrador, bemüht sich um Aufklärung und
                                                                                                                                auf mehreren Ebenen nähern, um es irgendwie           hat Dutzende ­Menschen verhaften lassen, die
                                                                                                                                zu begreifen.« Drei Jahre zuvor war er in Mexiko,     an der Tat beteiligt gewesen sein sollen. Noch
                                                                                                                                Bola de Carne führte ein Stück von ihm auf. Man       ein Detail: Die Busse wurden unter anderem mit

                                                                                                              16                Schauspiel / algo pasó (la última obra)                                                   17
Reihe 1 Oktober 2021 - Die Staatstheater Stuttgart
G36-­Sturmgewehren des deutschen Waffenher-              Organisierte
                                                         Suchtrupps,
stellers Heckler & Koch (H&K) beschossen.
                                                         darunter
   2006 bestellt der mexikanische Staat Tausende         vor allem
Waffen bei H&K, einer Firma mit Sitz im baden-           Mütter und
württembergischen Oberndorf am Neckar. Laut              Aktivistinnen,
                                                         durchforsten
Ausfuhrgenehmigung hätten die G36-Gewehre
                                                         Wälder nach
nie in Guerrero landen dürfen, weil dieser Bundes­       menschlichen
staat neben drei weiteren als besonders proble­­         Überresten
matisch gilt. Ein Drogenkrieg tobt, Menschen­­
rechtler schlagen Alarm, Berlin gibt trotzdem
grünes Licht. Dann passiert Ayotzinapa. Nur weil
der Fall der Studenten publik wird, regt sich was.
2019 befindet das Landgericht Stuttgart, dass die
Ausfuhr der Waffen nach Mexiko illegal war, ver-
urteilt H&K zu einer Geldstrafe von 3,7 Millionen
Euro und zwei ehemalige Mitarbeiter, die sich die
Ausfuhrgenehmigung erschlichen haben sollen,
zu Bewährungsstrafen. Das Unter­nehmen geht
in Revision. Im März dieses Jahres bestätigt der
Bundesgerichtshof das Urteil, in der Presse liest
sich die Sache als Randnotiz.
   »Da wischt sich der deutsche Staat halt auch
den Staub von der Weste«, sagt Thomas Köck.
Er und sein Team haben gerade nur mit großer
Mühe die an algo pasó beteiligten mexikanischen
Schauspielerinnen und Schauspieler ins Land be-
kommen, es ist ja Pandemie. »Waffen werden ein-
fach ausgeflogen. Aber wehe, vier Künstler wollen
aus Mexiko nach Stuttgart, da brennt gleich ganz
Baden-Württemberg.«
   Die Zahl 43 sieht man in jeder mexikanischen
Stadt auf irgendeiner Hauswand prangen. Als
ständige Erinnerung. Man nimmt sie nur schon
gar nicht mehr wahr. Letztlich sehen die Spuren
nur die, die noch suchen.

85 000 verschwundene Menschen, das sind 85 000
suchende Mütter. Nichts anderes bleibt ihnen.
Sie suchen ihre Kinder meist noch Jahre nach
dem Verschwin­den. Sie können nicht aufhören.
Sie hängen Plakate auf, befragen alle, die etwas
wissen könnten, und auch jene, die nichts wissen.
Sie sieben Asche in der Wüste hinter ihrer Stadt,
auf der Suche nach Knochensplittern und Zähnen,
oder stochern mit Stielen im Waldboden und rie-
chen an den Spitzen; wenn es nach Verwesung
riecht, muss man graben. Dabei werden sie von
Polizisten begleitet, sonst ist es illegal. Gleichzei-
tig verzweifeln sie an der Untätigkeit der Behör-
den und haben Angst vor den Uniformierten – wer

18                                                                        Schauspiel / algo pasó (la última obra)   19
weiß, wer von ihnen für eines der Kartelle arbei-                                           Unter den Ver­
tet? Menschenreste finden sie immer. Fünf Kilo                                              missten sind viele
                                                                                            junge Männer, die
Knochensplitter sind etwa drei Menschen. Nur                                                meisten davon
wer sie waren, lässt sich in den wenigsten Fällen                                           Opfer von Drogen­­-
bestimmen. Es fehlen die Daten, die Mittel, viel-                                           handel, krimi­-
leicht auch der Wille.                                                                      nellen Banden
                                                                                             oder Korruption
    Die Gruppen der suchenden Mütter von Me-
xiko funktionieren wie Ersatzfamilien. Weil die
Suche zum einzigen Lebensinhalt wird. Irgend-
wann wendet sich sogar das soziale Umfeld ab.
Zu groß ist der Schmerz der Mütter. Sie sind nichts
anderes mehr, Schmerz und Suche. Die Männer           helfen sollen, die Überreste zuzuordnen. Medizi-
fangen irgendwann wieder an zu arbeiten, die          nische Gutachter sollen jahrelang menschliche
Mütter suchen weiter. Die Haustür schließen sie       Überreste entsorgt haben, ohne eine Autopsie
nicht ab, die Kinder könnten ja zurückkommen.         durchgeführt oder DNA-Proben genommen zu ha-
Ihre Zimmer bleiben unangetastet, im Wohnzim-         ben. Viele Behörden weigern sich, miteinander zu
mer errichten sie Altäre, vor denen sie jeden Tag     kooperieren. Einige Gouverneure geben nicht mal
beten wie vor leeren Gräbern.                         die Anzahl der Vermissten bekannt, um Investo-
                                                      ren nicht zu verschrecken. Es ist alles ein riesiges
In Köcks algo pasó fordert irgendwann einer ein       Chaos. In den zweieinhalb Jahren ihrer Amtszeit
Archiv. Ein neues Archiv, ein anderes, eines, das     ist Karla Quintana, 42, fast vollständig ergraut.
alles festhält und ordnet, das Geschehene und
noch nicht Geschehene, das Vergessene, Ver-           »Im Hochtal von Mexiko sieht der Mensch sich
drängte, Ungesagte. Es ist die pure Verzweif­lung,    zwischen Himmel und Erde schweben und
denn natürlich sind Archive nur weitere Orte des      zwischen gegensätzlichen Kräften und Gewalten
Verschwindens. Vor allem in Mexiko.                   mit versteinerten Augen und drohenden Schlün-
   Als die neue Leiterin der Nationalen Such­         den hin- und herirren. Die Wirklichkeit, das heißt
kommission Mexikos, Karla Quintana, im Fe­bruar       die Welt, die uns in Mexiko umgibt, besteht aus
2019 in ihr Büro kam, fand sie einen Wust aus         sich selbst heraus, hat ihr Eigenleben«, schrieb der
Excel-Tabellen und Word-Dokumenten, in denen          mexikanische Literaturnobelpreisträger ­Octavio
Namen von 40 000 Vermissten standen, viele            Paz in Das Labyrinth der Einsamkeit, seinem
doppelt oder falsch geschrieben. Einige der Ver­      1950 erschienenen Essay über Mexiko.
schwun­denen waren nicht mal verschwunden,                Wer dieses Land verstehen will, muss dieses             die weiter berichten, obwohl in keinem anderen         »und ich weiß nicht / was das bedeutet / ver-
ihre Akten wurden lediglich verlegt, falsch archi-    Buch lesen. Man versteht es dann zwar immer                 Land der Welt so viele Presseleute sterben wie in      schwinden / ich weiß nicht / ob wir wissen / was
viert, von den Behörden.                              noch nicht, aber immerhin versteht man, warum               ­Mexiko. Frauen, die gegen die Frauenmorde pro-        das bedeutet / verschwinden / ich weiß nicht / ob
   Monate später präsentierte Quintana eine           man es nicht versteht. Die Menschen hier verste-             testieren und die vom ersten linken Präsiden­ten,     wir dieses verschwinden / überhaupt je / begrei-
aktualisierte Liste mit mehr als 60 000 Namen.        hen es selber nicht. Sie versuchen es nicht mal. Es          auf dem so viel Hoffnung liegt, als Terro­ristinnen   fen können.«
Auch die war unvollständig. Weil man all die          ist, wie es ist. Dass jedes Jahr Tausende Menschen           und Agentinnen westlicher Mächte bezeichnet
                                                                                                                                                                         Tino Hanekamp war Musikjournalist, gründete in Ham­
Verschwundenen schwer in eine Liste kriegt, in        verschwinden? Alle wissen es, die Splitter liegen            werden. López Obrador leugnet die Femizide.
                                                                                                                                                                         burg zwei Clubs (Weltbühne und Uebel & Gefährlich),
einem Land, in dem es in vielen Behörden nicht        herum, jeder kennt irgendwen, der irgendwen                     Aufruhr versus Apathie, noch so ein Antago­        schrieb einen Roman (So was von da) und ein Buch über
mal Computer gibt. Manche Angehörige melden           kennt, der sein Kind sucht, den Vater, den Mann,             nismus. Mexiko ist voll davon. Schönheit und          Nick Cave (beide KiWi). Er lebt im Süden Mexikos.
aus Angst vor der Polizei das Verschwinden erst       die Frau. Das Menschenverschwinden ist zum                   Schrecken, Freiheit und Folter, Tod und Blumen.
gar nicht. Dann werden zuweilen so viele Leichen      Teil ihrer Welt geworden, wie die Morde, die Kor-            Und einmal im Jahr treffen sich alle auf dem
gefunden, dass Kühltrucks von Stadt zu Stadt fah-     ruption, das Nichtfunktionieren des Landes. Die              Friedhof und feiern am Día de Muertos die Toten.      Algo pasó – »etwas ist passiert«. In Mexiko gelten
                                                                                                                                                                         ­Tau­sende Menschen als verschwunden. Gemeinsam
ren, um sie einzusammeln, während anderswo            meisten nehmen es hin, wie sie alles hinnehmen.              »Der Tod erhellt das Leben«, schrieb Paz. »Wenn
                                                                                                                                                                          mit europäischen Künstler*innen und dem mexi­
Überreste Unidentifizierter in Kartons lagern, in         Und dann gibt es noch jene, die keine Ruhe               er keinen Sinn hat, hat auch das Leben keinen.«        ka­nischen Theaterkollektiv Bola de Carne geht der­
unbeschrifteten Grüften und geheimen Gräbern.         geben. Mütter und Väter, Aktivistinnen und Akti­             Doch die Verschwundenen sind nicht tot, sie sind       öster­­
                                                                                                                                                                                reichische Autor Thomas Köck dem Thema
Die Namen der Gesuchten stehen in Akten oder          visten, die demonstrieren, vor Rathäusern kam­               einfach nur weg, ohne Ende, ohne Sinn.                 rund um Korruption, Macht und Gewalt nach.
Notizbüchern, in wieder anderen Ordnern sind          pieren, Fragen stellen, obwohl es sie das Leben                 Am Schluss von algo pasó lässt Thomas Köck         algo pasó (la última obra)
die DNA-Proben der Angehörigen gesammelt, die         kosten kann. Journalisten und Journalistinnen,               einen der 43 verschwundenen Studenten sagen:          im Oktober 1 im Spielplan

20                                                                                                                Schauspiel / algo pasó (la última obra)                                                                21
»Meine musikalische                         Wie ergeht es jungen Nachwuchsmusiker*innen während
                                            der Pandemie? Geigerin Veriko Tchumburidze über
                                                                                                                                                      23

Entwicklung                                 Nachholbedürfnisse und den Versuch des Neustarts

hat stillgestanden«
Die Geigerin Veriko
                                                    Frau Tchumburidze, wie haben Sie die                aber eben ohne Publikum. Solche Aktionen
Tchumburidze,
1996 in der Türkei                                  Zeit der Pandemie erlebt, ohne                      waren zwar wichtig, auch als Zuhörerin
geboren, hat                                        Auftrittsmöglichkeiten, ohne Möglichkeiten,         hat mir das viel gegeben, aber sie ersetzen
­geor­gische Wurzeln                                die noch junge Karriere voranzutreiben?             natürlich keinen Liveauftritt.
 und lebt in                                        Vor der Pandemie habe ich schon internationale      Haben Sie das Gefühl, dass Ihnen und Ihrer
 München. Als Ge­
 winnerin einer                                     Konzerte in mehreren Ländern gespielt. Ich          Generation Chancen genommen wurden?
 Ausschreibung des                                  war es gewohnt zu arbeiten. Deshalb hat mir         Klassische Musik ist eine ernst zu nehmende
 Staatsorchesters                                   der Kontakt mit meinen Professoren an der           Kunstform. Da sind Konzerte per Facebook oder
 Stuttgart spielt sie                               Hochschule und mit dem Publikum gefehlt. Auch       YouTube keine Karriere. Dennoch muss man
 bei dessen Er­öff­
 nungs­konzert der                                  der Austausch mit anderen Musikerinnen              heute flexibler sein und kreative Ideen haben.
 Saison 2021/22                                     und Musikern. Plötzlich war jeder auf sich selbst   Vor allem bei der Programmgestaltung und
 Antonín Dvořáks                                    gestellt. Außerdem ist es als freiberufliche        der Zusammenstellung unterschiedlicher
 Violinkonzert.                                     Künstlerin schwierig, den Lebensunterhalt zu        Werke. Der Kontakt mit anderen Musikern und
                                                    bestreiten. Zuvor war ich sehr aktiv, und auf       Künstlerinnen ist dabei sehr wichtig. Nicht
                                                    einmal saß ich allein in meinem Zimmer im           nur der virtuelle, sondern der direkte. Und den
                                                    Studenten­wohnheim, meine musikalische Ent-         baue ich gerade wieder auf. Wir jungen
                                                    wicklung hat eineinhalb Jahre stillgestanden.       ­Künstlerinnen und Künstler müssen jetzt härter
                                                    Was haben Sie getan, um den Kontakt zur              daran ­arbeiten, dass es weitergeht.
                                                    Musik nicht zu verlieren?                           Was konnte Ihnen die Musik in der
                                                    Ich habe mir in dieser Zeit viele neue Stücke       schwierigen Pandemiezeit geben?
                                                    erarbeitet. Wenn man aber nur zu Hause              Alle Arten von Kunst waren für mich eine
                                                    übt, ohne die Möglichkeit, sie im Konzert zu        Rettungsinsel. Auch wenn sich die Menschen
                                                    spielen, ist es schwierig. Das Gefühl, auf          dessen nicht immer bewusst sind, aber Kunst
                                                    der Bühne zu stehen, habe ich sehr vermisst.        existiert in unserem Leben zu jeder Zeit. In der
                                                    Wie war es, zum ersten Mal wieder vor               Kunst gibt es ein ständiges Geben und Nehmen,
                                                    Publikum zu spielen?                                und dieser Austausch bringt mich selbst als
                                                    Mein erstes Konzert nach Beginn der Pandemie        Künstlerin voran, auch während der Pandemie.
                                                    fand genau vor einem Jahr im Oktober statt.         Beim Eröffnungskonzert des Staats­
                                                    Nach sieben Monaten Pause war das gar nicht         orchesters Stuttgart steht das Violin­konzert
                                                    so leicht. Ich war nervös und habe dieses           von Antonín Dvořák auf dem Programm.
                                                    ­Konzert ganz anders empfunden als die Kon­         Das passende Werk für einen Neubeginn?
                                                     zerte vor der Pandemie. Einerseits war es          Ich freue mich sehr, das zu spielen, da es nicht
                                                     ein tolles Gefühl, wieder für Publikum zu spie-    nur ein Violinkonzert ist, sondern auch ein
                                                     len, andererseits bedeutete es für mich auch       sinfonisches Werk, in dem es einen intensiven
                                                     ­einen gewissen Stress. Ich musste erst zu mei-    Dialog zwischen der Geige und dem Orchester
                                                      ner Freiheit auf der Bühne zurückfinden.          gibt. Es ist ein sehr positives Stück, das
                                                    Zum Job gehört, gesehen, wahrgenommen               mich und sicher auch das Publikum in eine
                                                    zu werden. Wie konnten Sie während der              hoffnungsvolle Stimmung versetzt.
                                                    Pandemie auf sich aufmerksam machen?
                                                                                                        Interview: Florian Heurich
                                                    Wie viele Musikerinnen und Musiker habe ich
                                                                                                        Foto: Markus Burke
                                                    neue Formate ausprobiert, digitale Interviews
                                                    und YouTube-Videos. Vor Kurzem habe ich
                                                    ein Onlinekonzert mit dem Sinfonieorchester         1. Sinfoniekonzert
22              Oper / 1. Sinfoniekonzert           Liechtenstein gespielt, richtig im Konzertkleid,    im Oktober 2 im Spielplan
Die
                        24                                         Ballett /Onegin                   25

Lichtgestalt
Die Figur der Tatjana in Onegin ist eine Ausnahme­
erscheinung. Zurück geht sie auf einen Roman
von Alexander Puschkin. Wie John Cranko daraus
ein Lehrstück über selbstbestimmte Frauen,
toxische Männer und Standhaftigkeit geschaffen hat

Text: Katharina Teutsch
Illustration: Karolina Niedzielska

Im siebten Kapitel, also schon gegen Ende       weil sie ihm nichts zu geben vermag. Es
von Eugen Onegin, formuliert der Erzähler       sei ein gebieterisches Schicksal, das es
das Verhängnis seiner weiblichen Hauptfigur,    der tapferen Tatjana befehle, ihn und nur ihn
Tatjana. Da wurde bereits ein Liebesbrief       zu lieben, heißt es in der literarischen Vor­
kalt zurückgewiesen, ein Herz gebrochen,        lage: den zynischen Snob Eugen Onegin.
eine Freundschaft ruiniert und ein Poet beim       »Ein melancholischer und gefährlicher
Duell erledigt. Für all diese Dramen verant-    Exzentriker, ein Geschöpf der Hölle oder des
wortlich: ein Mann, der aus der Stadt in die    Himmels, dieser Engel, dieser h  ­ ochmütige
Provinz kam, um dort das Leben des braven       Teufel, was ist er?«, so fragt sich der Erzäh­ler.
Landadels aufzumischen. Ein reicher Tauge­      So fragt sich auch noch heute die Leserin
nichts, wie der Autor dieses Versromans         dieser Geschichte, mit der Puschkin die rus-
von 1833, Alexander Puschkin, schreibt. Ein     sische Literatur von der französischen
Frauenverschleißer, der bald vom Liebes­        Sprachvormundschaft befreite. Ein toxischer
spiel gelangweilt ist, der sich der Literatur   Mann, das wäre in der Populärpsychologie
zuwendet, aber auch davon wieder ablässt,       des 21. Jahrhunderts die wohl treffendste
26                                               Ballett /Onegin                                                          27

Bezeichnung für einen wie Eugen Onegin.                       avanciert. Wer schon bei Puschkin               nah. Und so wird sie von Cranko konge-
Der begehrt, was er nicht bekommen                            gelegentlich dachte, der Roman müsse            nial transponiert, wobei er keinen diabo-
kann. Und bekommt er es doch, erkaltet                        ­eigentlich Tatjana Larina heißen, der          lischen Mann ins Zentrum setzt, sondern
er und fertigt seine Trophäe ab. Er ist                        erlebt bei Cranko, dass sie die einzige        die Lichtgestalt einer Frau. Hiermit er-
ein Opfer seiner ungestillten Sehnsucht                        Figur ist, die tatsächlich zu einer wirk­      weist sich Onegin als ein Ballettklassiker
nach Nähe. Ein Gefühl, das stärker                             lichen Entwicklung fähig ist. Tief verankert   mit umgekehrten Vorzeichen.
ist als das Glück der Erfüllung selbst.                        in den bäuerlichen Traditionen ihres               Herzschmerz, Liebesdrama, Todes-
Und nur wachgehalten werden kann,                              Milieus, in Naturmystik ebenso zu Hause        rausch: All das gibt es auch in anderen
indem der Eroberungsfeldzug nie zum                            wie in der Fantasie der romantischen           Werken, bei Schwanensee, Giselle
Stillstand kommt. Liebe hat da keinen                          Romanliteratur, ist Tatjana eine Frau mit      oder Romeo und Julia. Was unterscheidet
Platz. Der Andere wird immer nur Mittel                        Wurzelwerk: Sie ist verführbar, beugt und      Onegin von ihnen? Folgendes: Weder
zum Zweck sein, immer nur Objekt, nie                          wiegt und krümmt sich sogar vielleicht         wird Tatjana zum Opfer ihrer unerwider­
Subjekt. Onegin handelt nach heutigem                          hier und da, aber sie bleibt standhaft.        ten Liebe (sie hat lediglich Liebeskum-
Erkenntnisstand also nach einem Muster,                            Crankos Onegin entsteht vor der            mer). Noch muss sie erlöst werden wie
das sein Begehren und sein Lieben auf                          gesellschaftlichen Kulisse der späten          die Schwanenprinzessin oder Dorn­
fast schicksalhafte Weise regiert. Bei                         1960er-Jahre. 1961 revolutioniert die          röschen. Oder gar sterben wie Giselle
Puschkin gibt es zwar Ennui, Depression                        Antibabypille die Vorstellung weiblicher       oder die Sylphide, jene Fee, der bei der
und Reue. Aber keine Therapie.                                 Selbstbestimmung. Zehn Jahre später            ersten Berührung mit ihrem mensch-
    Tatjana ist fasziniert von der schil-                      demonstrieren Zehntausende Frauen              lichen Geliebten die Flügel abfallen.
lernden Melancholie des Sonderlings, der                       in Deutschland unter dem Slogan Mein           Stattdessen ist Tatjana das Privileg der
ihr Bücher leiht und sie immer stärker                         Bauch gehört mir. Es ist nicht nur das         Emanzipation vergönnt.
an sich bindet. Als sie ihm in einem                           Jahrzehnt der Popmusik, sondern auch               Nicht umsonst ist sie, wie Puschkin
herzergreifenden Brief ihre Liebe gesteht,                     der zweiten Frauenbewegung. Ein                sie zeichnet, eine aufmerksame Leserin.
sich offenbart, sich bloßstellt, wendet sich                   bekennend homosexueller Choreograph            Will heißen: Tatjana hat nicht nur Herz,
Onegin entnervt von ihr ab. Wer schon                          kann sich in diesem Zeitgeist nicht wider-     sondern auch Verstand. Und beides
einmal Liebeskummer hatte, der weiß, in                        spruchslos der Darstellung ausgelieferter      zusammen befähigt sie zu konsequenten
welch tiefe Verunsicherung und Verzweif-                       Frauenfiguren verschreiben. Schon              Entscheidungen. Während Onegin sich in
lung solch brüske Zurückweisung führen                         Puschkins Romanvorlage legt das nicht          einen kindischen und für Freund Lensky
kann. Sollte alles nur ein Traum gewesen                                                                      tödlichen Streit verwickelt, weil er dessen
sein? So suggeriert es John Cranko in sei-                                                                    Liebster den Kopf verdreht, versucht Tat-
ner berühmten, für das Stuttgarter Ballett                                                                    jana, sich einen Reim darauf zu machen.
entwickelten Kreation aus dem Jahr 1967.                                                                      Sie wird nicht schlau aus Onegin. Und
Zum Schreiben ihres Briefs setzt sich                                                                         muss es auch nicht.
Tatjana an einen Tisch. Dort schläft sie                                                                          Unternimmt man zwischendurch
ein, mit pochendem Herzen über ihrem                                                                          eine kleine Familienaufstellung der
Luftschloss – und Onegin erscheint im                                                                         Larins, so ergibt sich übrigens ein weib­
Spiegel. Der Pas de deux zwischen den                                                                         liches Dreieck: stabil, verbunden,
vermeintlich Liebenden, der darauf                                                                            geschlossen. Olga, Tatjanas leichtlebige
folgt, wird getanzt im Reich der Träume                                                                       Schwester, erholt sich nach kurzer Zeit
und spiegelt letztlich nur eines wider:                                                                       vom Duelltod ihres Verlobten Lensky
Tatjanas Wunschdenken.                                                                                        und heiratet einen schmucken Offizier.
    Crankos Choreographie gehört zu            Tatjana ist eine Frau mit Wurzel­                              Olgas und Tatjanas verwitwete Mutter
den gefeierten Handlungsballetten              werk: Sie ist verführbar, beugt und                            hat derweil das Glück ihrer Töchter fest
in der Ballettgeschichte des zwanzigsten                                                                      im Blick. Sie arrangiert ein Treffen mit
Jahrhunderts. Was das Stück so heraus-         wiegt und krümmt sich sogar                                    einem angesehenen General, der darauf-
ragen lässt, ist die Verschiebung des
Fokus von der titelgebenden männlichen
                                               vielleicht hier und da, aber sie bleibt                        hin Tatjanas Ehemann und Vater ihrer
                                                                                                              Kinder wird. »Auch ihr, die Mamas, solltet
Hauptfigur auf Tatjana, die zum Leitbild       standhaft                                                      strenger auf eure Töchter aufpassen;
28                                   Ballett /Onegin                                 29

haltet euer L  ­ orgnon gerade!«, rät der Erzäh-   Nein: no drama! Bloß die Ernüchterung
ler bei Puschkin den reiferen Leserinnen.          eines Durchschnittsmenschen, der sich
John Cranko hatte Tatjana in seiner ersten         für Höheres bestimmt sah und auf dem Weg
Fassung von 1965 noch als Mutter auftreten         dahin Raubbau an jenen verübte, die
lassen. Zwei Jahre später korrigierte er diese     versuchten, ihn zu lieben. Ein Mensch mit
Facette seiner Heldin. Er wollte vermeiden,        baudelaireschem Spleen und hohler Lust
dass man Tatjanas Entschluss gegen Onegin          am Laster. Solche Kreaturen verschließen
bloß als mütterliche Entscheidung contre           sich dem Glück durch eigene Schuld. Seit
cœur interpretieren würde.                         Sigmund Freud wissen wir, dass dies gar
     Die Zeit jedenfalls vergeht, zehn Jahre, um   nicht leicht zu durchschauen ist. So ist
genau zu sein. Tatjana, mittlerweile eine an-      Tatjana besonders in der Bearbeitung John
erkannte Dame der Gesellschaft, trifft erneut      Crankos eine fabelhaft widerständige Person,
auf Onegin. Als er der verheirateten Fürstin       die ihr Schicksal in die eigene Hand nimmt.
nun seinerseits einen Brief überbringt, zer-       Das macht sie handlungsfähig, schön und
reißt sie diesen. »Wie kann ein Mann mit           für den ewigen Jäger Onegin schließlich
Ihrem Herzen, mit Ihrem Geist Sklave eines         auch begehrenswert. Cranko lässt in einem
niedrigen Gefühls sein?« Was für ein Satz!         ergreifenden Schlussbild den nun selbst
Und auch wenn diese Zeit die alten Wunden          ­zurückgewiesenen Onegin im Hintergrund
nicht geheilt hat – denn Tatjana liebt Onegin       der Bühne verschwinden, während Tatjana
immer noch, die Zurückweisung seiner Wer-           dem Zuschauer näher rückt. Tatjana gewinnt
bung geschieht durchaus verquält –, so hilft        an Größe und wächst buchstäblich über
sie doch, ihre Würde zu bewahren.                   einen Mann hinaus, der sie vermutlich nur
     Dass man nicht außerhalb der Gesell-           weiterhin kleingehalten hätte, hätte sie
schaft lieben kann, das gilt noch für Leo           sich von ihm überreden lassen.
Tolstois törichte Anna Karenina und andere             Insofern ist Crankos Ballett ebenso zeit­
Heldinnen der großen Frauenromane                   los wie die Geschichte von Puschkin. Mit
des neunzehnten Jahrhunderts, wie G     ­ ustave    einer drängend aktuellen Botschaft für all
Flauberts Emma Bovary und Theodor                   jene Frauen, die nach wie vor gefordert
­Fontanes Effi Briest. Wer sich seinen Leiden-      sind, ihren Selbstwert zu erkennen – und
 schaften hingibt, der erniedrigt sich, lernt       zu verteidigen. Nach #MeToo und vor den
 man dort. Puschkin hat fünfzig Jahre früher        Mut machenden Wortmeldungen vieler
 mit Tatjana eine Heldin entworfen, die             Female-Empowerment-Aktivistinnen tut es
 all dies durchschaut.                              schlichtweg gut, eine Frau auf der Bühne
     Er präsentiert uns keine Frau, die aus         zu sehen, die Haltung bewahrt. Es klingt im
 Standesvernunft im falschen Leben lebt             ersten Moment nicht danach, aber es
 und von Onegin an ihre wahre Bestimmung            bleibt: ein Kunststück.
 erinnert wird. Er zeichnet vielmehr eine
                                                   Katharina Teutsch, geboren 1977, schreibt
 Frau, die weiß, dass in dieser Liebe nicht nur    als Literatur­kritikerin für FAZ und Zeit
 keine Zukunft, sondern auch kein echtes           sowie als Feature-Autorin für den Deutsch-
 Glück für sie liegt. Er zeichnet eine modern      landfunk. D ­ arüber hinaus moderiert sie
                                                   dort die literarische Abendsendung Studio
 denkende Frau, die ihren Illusionen nicht
                                                   LCB. 2015 veröffentlichte sie Der Mops.
 erlegen ist: konsequent, stolz, vielleicht auch   Kulturgeschichte eines Gesellschaftshundes
 einfach nur herrlich pragmatisch. Über            bei Matthes & Seitz.
 ­Onegin heißt es indes: »Die Tage flogen vorü-
  ber; in den lauen Lüften nahte das Ende
  des Winters; Onegin ist kein Dichter gewor-
  den, er ist nicht gestorben und hat auch         Onegin
  nicht den Verstand verloren.«                    im Oktober    3 im Spielplan
30                                                       Ballett / Onegin                                                                                 31

Was bedeutet es für eine                                 Onegin zurückgewiesen, das Drama mit Lensky
                                                         passiert … Das verändert Tatjana. Sie weiß, dass
Ballerina, die Rolle der                                 ihre Liebe verloren ist und dass sie Fürst Gremin
                                                         treu bleiben wird. Als sie Onegin das zweite Mal
­Tatjana zu tanzen? Miriam                               begegnet, ist es, als würde das Leben sie auf die
 Kacerova erklärt es                                     Probe stellen. Und sie widersteht. Das macht sie
                                                         besonders.
                                                         Wie war es, die Tatjana zum ersten Mal
                                                         zu tanzen?
                                                         Ziemlich hart, um ehrlich zu sein. Die Compagnie
                                                         ging nach Singapur auf Tournee, und es war an-
Frau Kacerova, wissen Sie noch, wann Sie                 fangs nicht geplant, dass ich mitfahre. Doch eine
Onegin zum ersten Mal gesehen haben?                     Woche vor Tourstart verletzte sich eine der Ersten
Das muss in meiner ersten Spielzeit beim Stutt­          Solistinnen. Und so wurde ich gefragt, ob ich nicht
garter Ballett gewesen sein. Also vor sechzehn           Tatjana tanzen wolle. Ich hatte also nur eine Woche,
Jahren, ich war zwanzig oder einundzwanzig. Ich          um mich auf die Premiere vorzubereiten. Ich weiß
hatte den Roman von Alexander Puschkin nie gele-         nicht genau, wie, aber es ist mir gelungen.
sen, aber ich kannte die Geschichte. Die Generation      Haben Sie einen Lieblingsmoment in der
meiner Mutter hat das zu Schulzeiten noch auf Rus-       Choreographie?
sisch auswendig gelernt, die Passage mit Tatjanas        Ich mag den Anfang gern, wenn sie liest, in ihrer
Brief zum Beispiel. Manchmal bedaure ich sogar,          eigenen Welt ist, verträumt und naiv. Hier kann
dass wir das nicht mehr mussten. Es wäre toll, diese     man Tatjanas Charakter schon andeuten. Wenn
Worte einfach aufsagen zu können.                        sie das erste Mal auf Onegin trifft, muss man dem
Was hat Sie damals am meisten berührt?                   Publikum zeigen, wie es ist, sich zu verlieben. Das
Es war die Art und Weise, wie John Cranko die            hat einen Zauber. Die größte Herausforderung aber
Geschichte erzählt. Cranko hat diese einzigartige        ist der letzte Pas de deux im dritten Akt, als ­Onegin
Klarheit. Das Stück erklärt sich von selbst, es ist      sie zurückgewinnen will. Da muss man gegen die
auch nicht zu lang, man verliert sich nicht darin.       eigenen Gefühle ankämpfen, Onegin soll nicht
Menschen, die zuvor noch nie im Ballett waren,           sehen, wie schwer es einem fällt, Nein zu sagen.
verlieben sich auf der Stelle. Noch dazu hat mich        Man muss sich zusammenreißen, bis er abgeht.
die Interpretation von Sue Jin Kang sehr bewegt,         Glauben Sie, Tatjana wäre mit Onegin glücklich
der damaligen Primaballerina. Sie war eine wun-          geworden, wenn sie durchgebrannt wären?
derschöne Tatjana.                                       Früher oder später hätte sie sicher festgestellt, dass
Wie ist Ihre Tatjana?                                    sich Onegin niemals ändern wird. Wieso also für so
Jede Tänzerin tanzt sie ein bisschen anders. Und ich     jemanden noch andere Menschen verletzen? Nein,
würde gern meine eigene Tatjana erschaffen. Das ist      das war schon richtig so.
wie ein Puzzle, das sich immer neu zusammensetzt.        Was haben Sie von Tatjana gelernt?
Für mich ist es wichtig, die Persönlichkeit der Figur    Dass man zu seinen Entscheidungen stehen soll-
zu verstehen, deshalb lese ich so viel, wie ich kann,    te. Das erzählt die Geschichte jungen Frauen
über die Geschichte, über die anderen Charaktere.        auch ­heute noch: nicht so wankelmütig zu sein,
Man braucht das große Ganze für ein stimmiges Bild.      nicht ständig seine Meinung zu ändern, sich treu
Manche Tänzerinnen sagen, dass sie                       zu bleiben. Auf gewisse Weise bin ich der jungen
diese Rolle zumindest einmal in ihrem Leben              ­Tatjana ganz ähnlich. Ich bin auch eher schüchtern,                            Die Erste So­
                                                                                                                                         listin ­Miriam
getanzt haben wollen. Was ist das                         und manchmal kostet es mich viel Überwindung,
                                                                                                                                         ­Kacerova
Besondere an dieser Figur, im Unterschied                 mir selbst zu vertrauen. Aber er lohnt sich, dieser                             in der dra­
zu Julia, Marguerite oder Giselle?                        ­Glaube an sich selbst.                                                         matischen
                                                                                                                  Foto: Roman Novitzky

Wenn man sich Tatjana zu Beginn des Balletts                                                                                              Rolle von
                                                                                                                                          John Crankos
ansieht, ist sie noch nicht stark. Sie ist jung, hoff-
                                                                                                                                          Tatjana
nungslos verliebt. Im Roman steht sogar, dass sie        Das Interview führte Sarah-Maria Deckert,
regelrecht krank vor Liebe ist. Dann wird sie von        Chefredakteurin von Reihe 1.
32                                                                                                                              Spielplan / Oktober 2021                                                                         33
Unser Programm im Oktober.
Bitte informieren Sie sich über die                           5
                                                              Di
                                                                   Ballettabend: New/Works
                                                                   Choreographien von Christian Spuck, Marco
                                                                   Goecke, Edward Clug und William Forsythe
                                                                                                                                Einblicke
                                                                                                                                Führung durch Theatergebäude und Werkstätten
                                                                                                                                11 Uhr, Treffpunkt Freitreppe Opernhaus, 10/5 €
                                                                                                                                                                                              Wiederaufnahme
                                                                                                                                                                                              Onegin
                                                                                                                                                                                              Ballett von John Cranko nach Alexander Puschkin
                                                                   19 Uhr, Opernhaus, 8–90 €, Abo 15                                                                                          19 Uhr, Opernhaus, 8–115 €, Abo 42
aktuell geltenden Bestimmungen                                     Weitere Termine: 9. Oktober, 19 Uhr, 8–108 €, Abo 17;
                                                                                                                                Weitere Termine: 17., 24., 31. Oktober, 14.15 Uhr
                                                                                                                                                                                              Weitere Termine:
für Ihren Besuch bei unserem                                       10. Oktober, 14 Uhr, 8–90 €;
                                                                   10. Oktober, 19 Uhr, 8–108 €;
                                                                                                                                Europäischer Dramatiker*innen-Preis
                                                                                                                                Panel: Rewriting Europe –
                                                                                                                                                                                         3
                                                                                                                                                                                      S. 24
                                                                                                                                                                                              28. Oktober, 19 Uhr, 8–108 €, Abo 22;
                                                                                                                                                                                              31. Oktober, 18 Uhr, 8–115 €, Abo 58
Kartenservice und auf unseren                                      12. Oktober, 19 Uhr, 8–90 €, Abo 24;
                                                                   14. Oktober, 19 Uhr, 8–90 €, Abo 23
                                                                                                                                Europäisches Theater heute
                                                                                                                                14.30 Uhr, Unteres Foyer, Schauspielhaus,                     Uraufführung
Websites.                                                          Wiederaufnahme
                                                                                                                                Eintritt frei, Einlasskarten über den
                                                                                                                                Kartenservice erhältlich
                                                                                                                                                                                              algo pasó (la última obra) (UA)
                                                                                                                                                                                              von Bola de Carne, Thomas Köck, Anna Laner
                                                                   Der Würgeengel                                                                                                             & Andreas Spechtl
                                                                   nach dem Film von Luis Buñuel                                Europäischer Dramatiker*innen-Preis                           20 Uhr, Kammertheater, 25 €
                                                                   19.30 Uhr, Schauspielhaus, 8–36 €, Abo 76                    Preisverleihung                                               Inszenierung: Thomas Köck

     1
     Fr
          Nesenbach
          18 Uhr, Stadtraum, Eintritt frei
          Weiterer Termin: 2. Oktober, 15 Uhr
                                                                   Inszenierung: Viktor Bodó
                                                                   Weitere Termine: 6. Oktober, 19.30 Uhr, 8–36 €;
                                                                   12. Oktober, 19.30 Uhr, 8–36 €, Abo 78;
                                                                                                                                17.30 Uhr, Schauspielhaus, Eintritt frei,
                                                                                                                                Einlasskarten über den Kartenservice erhältlich
                                                                                                                                                                                          1
                                                                                                                                                                                              Weitere Termine: 24., 30., 31. Oktober, 17 Uhr;
                                                                                                                                                                                              24. Oktober; 26. Oktober, Junges Abo A;
                                                                                                                                                                                              27. Oktober, Junges Abo B;
          Ökozid (UA)
                                                                   13. Oktober, 19.30 Uhr, 8–36 €;
                                                                   14. Oktober, 19.30 Uhr, 8–36 €, Abo 86                  15   Premiere
                                                                                                                                Der Untergang der Titanic
                                                                                                                                                                                      S. 14   29., 30., 31. Oktober, 20 Uhr, 20/7 €

                                                                                                                                                                                      24
          von Andres Veiel & Jutta Doberstein                                                                                   von Hans Magnus Enzensberger                                  1. Sinfoniekonzert

                                                              6
                                                                                                                           Fr
          19.30 Uhr, Schauspielhaus, 8–39 €, Abo 91                Die Zauberflöte                                              20 Uhr, Nord, 23 €                                            Werke von Antonín Dvořák
          Inszenierung: Burkhard C. Kosminski                      von Wolfgang Amadeus Mozart                                  Inszenierung: Nick Hartnagel                                  11 Uhr, Liederhalle, Beethovensaal, 8–42 €, Abo 8 A
                                                                                                                                                                                      So
                                                              Mi   19 Uhr, Opernhaus, 8–115 €, Abo 64                                                                                    2
          Weitere Termine:                                                                                                      Weitere Termine: 19., 20., 21., 22., 26., 27., 28.,           Weiterer Termin:
          2. Oktober, 16 Uhr, 8–39 €, Abo 69;                      Weiterer Termin: 7. Oktober, 19 Uhr, 8–115 €, Abo 62         29., 30. Oktober (zum letzten Mal), 18/7 €            S. 22   25. Oktober, 19.30 Uhr, 8–37 €, Abo 9 A

                                                              8
          2. Oktober, 19.30 Uhr, 8–39 €, Abo 94;

                                                                                                                           16
          18. Oktober, 19.30 Uhr, 8–36 €, Abo 73 A;                Europäischer Dramatiker*innen-Preis
                                                                                                                                Ballettabend: Beethoven-Ballette
          19. Oktober, 19.30 Uhr, 8–36 €, Abo 73 B;                Die Durstigen / Die Kollektionen 20–22
                                                                                                                                Choreographien von Hans van Manen und
          20. Oktober, 19.30 Uhr, 8–36 €                      Fr   Audiowalk
                                                                                                                           Sa   Mauro Bigonzetti
                                                                   von Wajdi Mouawad
                                                                                                                                19 Uhr, Schauspielhaus, 8–60 €
          Schrecklich amüsant –                                    19 Uhr, Treffpunkt vor dem Schauspielhaus, 10/5 €
                                                                                                                                Weitere Termine: 17. Oktober, 14 Uhr;
          aber in Zukunft ohne mich                                Inszenierung: Citizen.KANE.Kollektiv
                                                                                                                                17., 29., 30. Oktober, 19 Uhr
          von David Foster Wallace                                 Weitere Termine: 8. Oktober, 19.15 Uhr;

                                                                                                                           17
          20 Uhr, Hof 3, 12/7 €                                    9., 10. Oktober, 19 & 19.15 Uhr                              Einführungsmatinee
          Inszenierung: Valentin Richter und Felix Strobel                                                                      zu Die Verurteilung des Lukullus
                                                                   Wiederaufnahme

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                                                                                                                           So   12 Uhr, Opernhaus, 5 €                                        Karten & Information
          Madama Butterfly                                         Die Nacht kurz vor den Wäldern                                                                                             Theaterkasse, Königstraße 1 D

                                                                                                                           18
          von Giacomo Puccini                                      von Bernard-Marie Koltès                                                                                                   Montag bis Freitag 10 bis 19 Uhr
                                                                                                                                Was uns anrührt — Klang, Wort, Poesie
     Sa   19 Uhr, Opernhaus, 8–115 €, Abo 60                       20 Uhr, Kammertheater, 12/7 €                                                                                              Samstag 10 bis 14 Uhr
                                                                                                                                Lesung mit Musik
          in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln        Inszenierung: Annalisa Engheben                              19.30 Uhr, Liederhalle, Mozartsaal, 12/10/6 €,                Telefonischer Kartenservice
                                                                                                                           Mo
          Weitere Termine: 8. Oktober, 8–115 €, Abo 31;            Weitere Termine: 9., 10. Oktober                             Karten über den Kartenverkauf des                             0711.20 20 90
          13. Oktober, 8–108 €, Abo 30;                                                                                         Literaturhaus Stuttgart                                       Montag bis Freitag 10 bis 20 Uhr
          16. Oktober, 8–115 €, Abo 63;
          24. Oktober, 8–115 €, Abo 32                        9
                                                              Sa
                                                                   Ein Haus für die Maus
                                                                   Sitzkissenkonzert für Kinder von 3 bis 6 Jahren
                                                                   14 Uhr, Nord, 10/5 €                                    19   Theaterlabyrinth
                                                                                                                                zu Ökozid (UA)
                                                                                                                                                                                              Samstag 10 bis 18 Uhr
                                                                                                                                                                                              Abonnement

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          An und Aus                                               Weitere Termine: 9. Oktober, 15.30 Uhr;                 Di   18 Uhr, Treffpunkt Foyer Schauspielhaus, 5 €                  abo@staatstheater-stuttgart.de
          von Roland Schimmelpfennig                               12., 19., 21. Oktober, 9.30 & 11 Uhr;

                                                                                                                           23
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     So   15 Uhr, Schauspielhaus, 8–36 €, Abo 71 A                 23. Oktober, 14 & 15.30 Uhr                                  Wiederaufnahme                                                Samstag 10 bis 14 Uhr
          Inszenierung: Burkhard C. Kosminski                                                                                   Der Besuch der alten Dame
                                                                   Europäischer Dramatiker*innen-Preis                     Sa   von Friedrich Dürrenmatt
          Weitere Termine:                                         Stuttgarter Premiere                                         16 Uhr, Schauspielhaus, 8–39 €, Abo 301
          3. Oktober, 18.30 Uhr, 8–36 €, Abo 71 A;                 Seuls                                                                                                                      Die Newsletter der Staatstheater Stuttgart
          15. Oktober, 19.30 Uhr, 8–39 €, Abo 92;                                                                               Inszenierung: Burkhard C. ­Kosminski                          Halten Sie sich auf dem Laufenden
                                                                   von und mit Wajdi Mouawad
          31. Oktober, 15 Uhr, 8–36 €, Abo 96;                     19.30 Uhr, Schauspielhaus, 8–42 €, Abo 68 A                  Weitere Termine:                                              und abonnieren Sie unsere Newsletter unter
          31. Oktober, 18.30 Uhr, 8–36 €, Abo 97                                                                                23. Oktober, 19.30 Uhr, 8–39 €, Abo 93;                       www.staatstheater-stuttgart.de
                                                                   Inszenierung: Wajdi Mouawad                                  24. Oktober, 16 Uhr, 8–36 €;
          Der Rosenkavalier                                        Weiterer Termin: 10. Oktober, 19.30 Uhr, 8–36 €              24. Oktober, 19.30 Uhr, 8–36 €, Abo 69;
          von Richard Strauss, konzertant                                                                                       25. Oktober, 19.30 Uhr, 8–36 €;
          16 Uhr, Opernhaus, 8–108 €, Abo 61
          Weitere Termine:
          17. Oktober, 17 Uhr, 8–108 €, Abo 47;
                                                              10
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                                                                   Europäischer Dramatiker*innen-Preis
                                                                   Matinée mit Wajdi Mouawad
                                                                   11 Uhr, Schauspielhaus, Eintritt frei,
                                                                                                                                26. Oktober, 10 Uhr, 8–36 €;
                                                                                                                                26. Oktober (Schulvorstellung), 19.30 Uhr,
                                                                                                                                8–36 €, Abo 76
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          30. Oktober, 17 Uhr, 8–108 €, Abo 36                     Einlasskarten über den Kartenservice erhältlich                                                                            Schauspiel
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