Symbole des Unsichtbaren - PaulusRundbrief - Sankt Paulus

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Symbole des Unsichtbaren - PaulusRundbrief - Sankt Paulus
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                                        PaulusRundbrief
Afgiftekantoor 1150 Brussel – P900350
                                                                                P.P. - P.B.
                                                                             1150 Woluwe
Tervurenlaan 221, 1150 Bxl

                                                                              Thielemans
verantw. uitgever: W. Severin

                                                                                 1/4243

                                                                N°455

                                                                                    bimestriel
                                                    Oktober 2011 – November 2011

                            Symbole des
                            Unsichtbaren

        Symbole unseres                       Kirchenbau und            Bedeutung Der
        Kirchenraums                             Theologie                     Liturgie
        Seite 5 ff.                              Seite 14 ff.                      Seite 17 ff.
Symbole des Unsichtbaren - PaulusRundbrief - Sankt Paulus
EDITORIA L                                                              INHA LT                                                                                                                       Ein Wort voraus

                                                                                                                                                  Liebe Gemeindemitglieder,
Liebe Leserinnen,                               Ein Wort voraus                       3
   liebe Leser des PaulusRundbriefs!            Thema                                 5
I m vorliegenden Rundbrief wollen wir uns
  mit unserer St. Paulus-Kirche näher be-
schäftigen – einem Gotteshaus, das auf den
                                                Das liturgische Konzept von St.-P.
                                                Das Innere unserer Kirche
                                                                                      5
                                                                                      8
                                                Lichtspuren                          10
ersten Blick so ganz anders erscheint als die
meisten Kirchen, die wir sonst kennen, eher     „Wie finden Sie unsere Kirche?“      12
reduziert und nüchtern ohne altgewohnte         Kirchenbau und Theologie             14
Bilder und Zeichen. Und doch ist diese          Bedeutung von Liturgie               17
Kirche voller Symbolik, deren ganze Tiefe       Das Wort „Kirche“                    21
sich erst bei genauem Hinsehen erschließen
lässt. Daher wird der Künstler Leo Zogma-       Leo Zogmayer in Brüssel              22
yer, der die St. Paulus-Kirche gestaltet hat,   Unsere Gottesdienste                 24
zusätzlich zum vorliegenden Rundbrief in
einem Kaminabend im Oktober vertieft auf
                                                Eine-Welt-Kreis                      26                                                           Der Duden definiert den Begriff „Kirche“ als
das künstlerische Konzept unserer Kirche        Rückblick                            27                                                           Gotteshaus folgendermaßen: „Geweihtes Ge-
eingehen. Weitere Werke von Leo Zogmayer        Neues aus dem KGR                    27                                                           bäude mit einem oder mehreren [Glocken]tür-
sind in einer Ausstellung bis Mitte Novem-      Impressionen vom SoLa 2011           28                                                           men, in dem die Mitglieder einer christlichen
ber in unserer Gemeinde zu sehen.                                                                                                                 Glaubensgemeinschaft Gottesdienst abhalten,
                                                Ökumenische Pilgerreise 2011         30
Des weiteren gibt es aus dem Gemeinde-                                                                                                            beten, liturgische Handlungen vollziehen u.a.“
leben trotz Urlaubszeit einiges zu berichten.   Firmvorbereitung in Meschede         32
                                                Verabschiedung von Beate Pauly       34                                                           Ist St. Paulus in Brüssel also keine Kirche, ganz
Während der Sommerferien genossen 85
Kinder das traditionelle St. Paulus-Sommer-                                                                                                       einfach weil es keinen Turm gibt?                                               © U. Weigl
                                                Familienanzeigen                     34
lager, unsere St. Jakobspilger erwanderten
eine weitere Etappe ihres Pilgerweges und       Kurz notiert                         35                                                           Ich glaube, der Duden irrt! Aber ich gebe zu, dass die Kirche unserer Gemeinde neben
unsere Firmanden bereiteten sich im Kloster     Vorschau                             36                                                           dem fehlenden Glockenturm noch weitere Besonderheiten aufweist. Darunter ist wohl
Königswinter in Meschede eine Woche lang        Bach-Konzerte                        36
intensiv auf das Sakrament der Firmung vor.                                                                                                       am augenscheinlichsten, dass sie im Gegensatz zu anderen Kirchen, die mir einfallen, im
                                                Weinverkauf / Neues von Glenn /                                                                   Stadtbild Brüssels überhaupt nicht auftaucht. Zumindest solange man keinen Hubschrau-
Ein buntes Programm bietet Sankt Paulus
ebenfalls in den kommenden Monaten. So          Firmung 2011                         37                                                           ber besteigt, oder die Satellitenbilder einer Suchmaschine bemüht.
finden ein Filmabend und ein Bachkonzert        Jahrmesse / Frauenfrühstück          38
statt; die Gesamtlesung des Römerbriefes        Martinsumzug / Krippenspiel          39                                                           Auch die Ausgestaltung unseres Gotteshauses unterscheidet sich auffällig von vielen
vermittelt uns einen ganz neuen Zugang zu       Ökumenische Bibellesung              40   Titelbild: Der Kirchenraum von St. Paulus © Ch. Glatz   anderen katholischen Kirchen: Angefangen bei den Stühlen anstelle von (Knie-)bänken,
diesem Teil der Bibel und ein weiterer Kami-
nabend lädt zur Diskussion ein.
                                                Jugendtreff / Skifreizeit            41                                                           über die leere Mitte, den Ambo, der gleichberechtigt mit dem Altar im Zentrum steht, bis
                                                Kriegsgräberbesuch / Filmabend       42                                                           hin zum Fenster im Dach. Eine Kirche also, die stutzen lässt, die zur Auseinandersetzung
Auch die Kinder sollen auf ihre Kosten kom-
men: am St. Martinstag findet dieses Jahr       Adeste Thermos                       43                                                           mit „althergebrachten“ Traditionen und neueren theologischen Auffassungen von Kirch-
wieder ein Laternenumzug und ein Martins-       Info-Apéro / Kaminabend              44                                                           bau, Liturgie und Gemeindebild anregt.
spiel im Park von Tervueren statt, und auch     Aus dem EGZ                          45
die Proben für das Krippenspiel beginnen.
                                                Kinderseite                          48                                                           Der Paulusbrief, den sie in Händen halten, will diese Auseinandersetzung aufnehmen,
Ich wünsche Ihnen eine                                                                                                                            vertiefen und auch zu weiterführenden Diskussionen anregen. Ein Abriss über die Ent-
anregende Lektüre!                              Zehn Fragen                          49
                                                                                                                                                  stehungs- und Baugeschichte gibt Einblick, auf welchem Wege und warum die Kirche
Ihre                                            Interna                              51                                                           so entstanden ist, wie die Gemeinde sie heute nutzt. Die Frage, was unsere Kirche ei-
                                                Gruppen & Kreise                     52                                                           gentlich zur Kirche macht (wenn es offensichtlich nicht der Glockenturm ist) spielt dabei
                                                Termine im Überblick                 54                                                           eine wichtige Rolle: Welches Konzept von Gemeinde und Gemeinschaft steckt hinter der
      (A. Dohet-Gremminger)                     Kontakt                              55                                                           Gestaltung von St. Paulus und spiegelt sich dieses Konzept tatsächlich in der Gemeinde

2                                                                                                                                                                                                                                              3
Symbole des Unsichtbaren - PaulusRundbrief - Sankt Paulus
Ein Wort voraus                                                                                                                                                      Thema
und ihren Feiern wider? Oder haben wir womöglich eine Kirche, die nicht zu unserer
Gemeinschaft passt?
                                                                                                           Das liturgische Konzept
Der Gemeindebrief widmet sich damit diesmal einem Thema, das ganz im Gegensatz
                                                                                                       der St. Paulus-Kirche und seine
zur letzten Ausgabe eher nach innen gerichtet ist. Wenn Sie St. Paulus bisher noch nicht
besucht haben, hoffen wir, Sie damit neugierig zu machen auf das, was sich hinter dem
                                                                                                            bauliche Umsetzung
Stadthaus auf der Avenue de Tervueren verbirgt. Und auch wer St. Paulus schon kennt,
entdeckt diesen besonderen Kirchenraum bei der Lektüre vielleicht mit neuen Augen.         Der Bau einer eigenen KIrche im Garten des Gemeindezentrums in der Tervurenlaan
                                                                                           stellte für die St. Paulus-Gemeinde eine große Herausforderung dar. Die Erwartungen
Ihre                                                                                       waren groß, denn der neue Sakralbau sollte ein modernes, zeitgemäßes Gemeinde-
                                                                                           und Liturgieverständnis widerspiegeln. Gemeinsam mit dem Künstler Leo Zogmayer
                                                                                           gelang es, dieses umzusetzen.

                                                                                           Geschichte eines modernen Kirchenbaus         teilte. So wurde der Traum von der eige-
                                                                                                                                         nen Kirche weitergeträumt. Der Kirchenge-
                                                                                               Eine eigene Kirche hatte unsere seit      meinderat beschloss schließlich auf einer
                                                                                           150 Jahren bestehende Gemeinde nur            Klausurtagung einstimmig, den Antrag bei
                                                                                           wenige Jahre vor und während des ersten       der Gemeinde Woluwé St. Pierre auf Ge-
                                                                                           Weltkriegs. Danach blieb die eigene Kirche    nehmigung eines Kirchenbaus im hinteren
                                                                                           ein unerfüllter Traum. Diesen Traum zu re-    Teil des langgestreckten Gartens zu stellen.
                                                                                           alisieren ergab sich mit dem Erwerb des       Der Antrag wurde genehmigt, die Finan-
                                                                                           Hauses Tervurenlaan 221 durch den Ver-        zierung wieder vom VDD und dem Katho-
                                                                                           band der Diözesen Deutschlands (VDD), der     lischen Auslandssekretariat der Deutschen
                                                                                           1995 dieses Haus erwarb und unserer Ge-       Bischofskonferenz übernommen. Auch die
         Er sendet Tau und Regen                                                           meinde als ihr Zentrum überließ. Voreigen-    Österreichische Bischofskonferenz trug
                                                                                           tümer war die flämische Provinz der Domi-     dazu bei. Durch Spenden der Gemeinde-
         und Sonn´und Mondenschein,                                                        nikaner. Zunächst erfolgte nun der Umbau      mitglieder wurde die künstlerische Ge-
                                                                                           des Hauses. Der VDD trug die Kosten dafür,    staltung und Einrichtung des Innenraums
                   er wickelt seinen Segen                                                 die Gemeinde die der Inneneinrichtung.        ermöglicht.
                   gar zart und künstlich ein                                              Bei Besichtigungen, Entrümpelungs- und
                                                                                           Putzaktionen sowie Baustellenfesten hatte     Erste Gestaltungsideen
                              und bringt ihn dann behände                                  die Gemeinde Gelegenheit, die Entstehung
                                                                                           des Zentrums mitzuerleben. Eingeweiht             Einige Gemeindemitglieder bildeten ei-
                              in unser Feld und Brot:                                      wurde es im September 1997. Seit zehn         nen Ausschuss, der nun den Bau begleitete
                                         es geht durch unsere Hände,                       Jahren feierte die Gemeinde damals ihre       im Bewusstsein der Verantwortung und der
                                                                                           Gottesdienste in der Sint Jans-Kerk in Ter-   Einmaligkeit dieser Aufgabe. Die Größe des
                                         kommt aber her von Gott.                          vuren. Die Vorabendmesse und die erste        Baus war durch Baugenehmigung und Zu-
                                                                                           Sonntagsmesse wurden nun im großen            schnitt des Grundstücks vorgegeben. Ent-
                                                               Matthias Claudius
                                                                                           Saal des neuen Hauses gefeiert, das Hoch-     scheidend für das Gelingen der Kirche wird
                                                                                           amt weiterhin in Tervuren – eine Belastung    also sein, dass der Innenraum durch seine
                                                                                           für den Pfarrer und unbefriedigend für die    Gestaltung überzeugt und eine liturgische
                                                                                           Gemeinde, die sich auf zwei Kirchen auf-      Idee die Einrichtung durchformt. Wie soll
4                                                                                                                                                                                  5
Symbole des Unsichtbaren - PaulusRundbrief - Sankt Paulus
Thema
ein Raum zur Gottesfeier gestaltet wer-        große Kenner zeitgenössischer sakraler
den, wie dargestellt „was kein Auge gese-      Kunst einmal bei einem Vortrag hier sagte:
hen und kein Ohr gehört hat, was keinem        Bilder machen dumm.
Menschen in den Sinn gekommen ist“ (1               So zeichnen neben der Armut an De-
Kor 2,9)? Der Bauausschuss nahm Kontakt        kor Leerstellen Zogmayers Kirchen aus. Es
zu einigen Künstlern auf, die Entwürfe für     entsteht ein Communio-Raum, in dem die
Innenraum und liturgischen Garten erar-        Besucher um eine leere Mitte versammelt
beiteten. Einige Vorgaben wurden ihnen         einander anschauen.
gemacht. So war an eine große Tischrun-             Nach B. Rotermann ist es die Versamm-
de gedacht, an eine erste Sitzreihe, in die    lung der Gemeinde, die zusammenkommt,
die Stühle der Liturgen integriert sind, der   um Gottesdienst zu feiern, die einen Raum
Priesterstuhl ist nicht erhöht, nicht abge-    zur Kirche macht, nicht der Hochaltar,
setzt. Altar und Ambo sollen das gleiche li-   nicht der Tabernakel. Die Gemeinde selbst
turgische Gewicht haben, ein Riss soll eine    ist heiliger Ort. Mitten unter ihr, mitten in
Kirchenwand aufreißen.                         ihr ist Christus. Die Mitte unserer Kirche
    Keiner der eingereichten Entwürfe          ist leer, Zeichen für den nicht zu ortenden,
überzeugte hundertprozentig, aber jeder        nicht abzubildenden, nicht zu benen-
mit einigen Elementen. Der Bauausschuss        nenden Gott. Ihm können wir uns nur nä-
widerstand der Gefahr, daraus selbst eine      hern im Hören auf das Wort der Bibel am
Kirche zusammen zu basteln und folgte          Ambo und im Teilen von Brot und Wein am
dem Rat eines Experten der Diözese Me-         Altar. Die Mitte der Kirche bleibt leer. Wir    Der Innenhof vor der St. Paulus-Kirche mit dem Taufbrunnen © Ch. Glatz
chelen-Brüssel, Leo Zogmayer mit der           gehen nicht einfach quer durch diese Leere          Die andere Seite des Brunnenhofs wird                zerfurchte Wege, aus einer zerrissenen
künstlerischen Gestaltung des Innenraums       hindurch.                                       begrenzt von einem überdachten Zugang                    Welt, aus zerrütteten Verhältnissen hinein
und Taufbrunnenhofes zu beauftragen.                Große Fenster öffnen den Blick aus         zur Kirche, dem Kreuzgang. Während der                   in die Welt des Heils. Und umgekehrt aus
    In vielen Gesprächen mit Bernd Roter-      der Kirche in den Innenhof. Dort steht          Planung der Kirche wurde lange nachge-                   dem Haus Gottes zurück in die Welt. Schritt
mann und anderen Mitgliedern des Bau-          der Taufbrunnen. Er erinnert an die Bap-        dacht über die Idee von einem Riss, der die              für Schritt wird unser Weg zerfurchter, zer-
ausschusses entstand so ein Bild unserer       tisterien, die ja auch vor der eigentlichen     östliche glatte Kirchenwand aufbrechen                   teilter.
Kirche. Leo Zogmayer hatte bei der Umset-      Kirche stehen und Zeichen für das Sakra-        sollte, der die Wand optisch öffnen sollte                    Am Ende des Weges, aus der Kirche
zung freie Hand.                               ment des Eintritts in die Kirche sind. Das      und durch Licht und Farben hinter der                    kommend, haben wir vor uns das Marien-
                                               Wasser, lebendiges Wasser, rinnt aus dem        zerrissenen Wand als Zeichen der zerbro-                 bild von Zogmayer. Wir sehen eine unauf-
Das Konzept des Kirchenraums nach Leo          Brunnenrohr in Richtung Kirche und trifft       chenen Welt und der Gebrochenheit der                    fällige Frau, dem Betrachter den Rücken
Zogmayer                                       auf einen Baum, einen Ginkgo-Baum. Vier         menschlichen Existenz eine andere Dimen-                 zukehrend. Sie geht mit uns zurück in die
                                               Bänke laden im Innenhof zum Verweilen           sion erahnen lassen sollte.                              Welt des Alltags. Sie trägt einen Rucksack
    Nach der Vorstellung von Leo Zog-          ein. Am Gründonnerstag wird an diesem               Leo Zogmayer hat die Idee des Risses                 auf dem Rücken. Darin trägt sie unsere
mayer braucht ein Sakralraum Leerstellen.      liturgischen Ort der Einsamkeit Jesu am         aufgenommen, sie aber nicht in der Kirche,               Sorgen, Nöte und Probleme mit sich in die
Im Alltag haben wir keinen Mangel an Bil-      Ölberg gedacht in der Nacht, da er verra-       sondern im Zugang zu ihr realisiert. Wir                 Welt. Zwei Kinder führt sie an der Hand
dern, sondern werden im Gegenteil von          ten wurde. Hier wird das Osterfeuer ent-        gehen über vierzehn Granitplatten. Sie er-               und geleitet sie sicher durch die Men-
Bildern überflutet. Wir sollten ernst ma-      zündet, und an diesem Brunnen werden            innern an die vierzehn Kreuzwegstationen.                schenmenge einer belebten Stadt.
chen mit dem jüdisch-christlichen Bilder-      Kinder getauft.                                 Die Platten sind gespalten, vierzehn Mal                      Sie geht mit uns und wird gleich mit uns
verbot. Bilder legen uns fest, sie schränken        Pflanzen ranken sich an einer Längssei-    am Anfang, von Platte zu Platte eine Spal-               die Tervurenlaan betreten.
ein und behindern unsere Vorstellungs-         te des Hofes hoch und sind wie ein in die       te weniger. Erst in der Kirche ist ein heiler                                       Annerose Hürfeld
kraft. Oder wie Friedhelm Mennekes, der        Vertikale hochgeklappter Garten.                Stein, der Altarstein, heiler Ort. Wir gehen
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Symbole des Unsichtbaren - PaulusRundbrief - Sankt Paulus
Thema                                                                                                                                                                       Thema
    Die Umsetzung des liturgischen Konzepts                                                    äußeren Ecken: von der einen Ecke her wird
                                                                                               die Bibel in die Gottesdienstrunde hinein-
                                                                                                                                              Maueröffnungen sehen. Diese werden
                                                                                                                                              von verschiedenen roten und blauen Far-
          im Inneren unserer Kirche                                                            getragen. Das „fremde“ Wort, an dem wir
                                                                                               uns messen. In der anderen Ecke, schräg
                                                                                                                                              ben durchzogen: auf der Altarseite rot für
                                                                                                                                              die Welt des Blutes, der Liebe, des Men-
                                                                                               zum Altar hin, wird das eucharistische Brot    schen, der Eucharistie; auf der Ambosei-
                                                die Gemeinde, die sich in Form „lebendiger     aufbewahrt, auch nicht einfach nur ein         te die blaue Welt des Planeten Erde, der
                                                Steine“ in ihm versammelt. Allein durch        Zeichen von Teilen und Gemeinschaft, son-      Schöpfung, des Wortes, der Taufe. Wenn
                                                uns Menschen kann Gottes Gegenwart in          dern widerständiges Sakrament, das zur         man steht, gehört man selbst auch in die
                                                der Welt sichtbar werden und genau das         Entscheidung ruft.                             Apostelreihe hinein, indem man sich in
                                                erleben wir, vielleicht mehr als in Kirchen        Von der anderen Seite kommt die Welt       dem Blau oder dem Rot, angebracht auf
                                                herkömmlicher Architektur, bei unseren         in den Kreis hinein. Die eine Ecke hat den     Augenhöhe, widerspiegelt. Die Öffnung in
                                                all-sonntäglichen Treffen.                     Kredenztisch mit den Gaben der Schöp-          der Wand, das Fenster zur Welt - das ist
                                                    Der Raum selbst ist streng und nüch-       fung, die zur Tischberei-                                       jeder selbst mit seiner In-
                                                tern gehalten, aufgelockert nur durch          tung auf den Altar gestellt                                     dividualität, mit seiner ihm
                                                die Runde des Stuhlkreises. Es gibt keine      werden, die andere Ecke                                         eigenen Farbschattierung.
                                                Zweiteilung mehr zwischen Altarraum und        ist der Haupteingang,                                               Nur ein einziger Gegen-
                                                Gemeinderaum, Irdischem und Himm-              schräg gegenüber dem Bi-                                        stand in der Kirche ist aus
                                                lischem, nur einen großen Kreis, darin         belschrein mit dem Rollen-                                      einem Edelmetall: das ist
                                                eingereiht der Priester und alle, die in der   buch der Gemeinde, die                                          das Kreuz. In der Romanik
                                                Liturgie zu Worte kommen, aber auch das        aus der Welt in den Kreis                                       war das Kreuz in der Kirche
                                                Kreuz, das jedes Mal neu in die Runde ge-      Gottes eintritt.                                                mit Edelsteinen besetzt, der
                                                stellt wird. Ein Kreis drückt nicht nur Ge-        Die vier Eckpfeiler sind                                    kostbarste Stein saß in der
                                                meinschaft von Gleichen aus - er bedeutet      in einem vielfältigen Zu-                                       Mitte, dort, wo Quer- und
                                                auch Vollkommenheit, die im Mittelpunkt        einander angeordnet –                                           Längsbalken sich treffen,
                                                gipfelt und von ihm ausgeht.                   aufeinander bezogen wie                                         wo Gott und Welt zusam-
                                                    Die Stühle sind reduziert auf ihre we-     Schöpfung und Sakrament,                                        menkommen. Genau dort
                                                sentlichen Elemente, gedacht nicht zum         Gemeindebuch und Got-                                © S. Fexer
                                                                                                                                                               ist bei uns eine leere Stelle,
                                   © S. Fexer   bequemen Entspannen, sondern für ein           tesbuch oder: die Welt,                                         die den Betrachter einlädt,
                                                „aufmerksamen Sitzen“. Ihre Anordnung in       aus der wir kommen, und Gott, der im           Gott nicht in selbstgemachten Bildern, son-
„Tretet EIN und lasst euch EIN auf die fei-     konzentrischen Kreisen deutet die Euchari-     Wort und Zeichen unseren Kreis aufbricht;      dern ihn zugleich in der Mitte der Welt und
ernde Gemeinde und das Geheimnis der            stiegemeinschaft der gesamten Kirche an,       und genauso sind sie hingeordnet auf die       in der Mitte von uns selbst zu suchen.
Begegnung mit dem einen Gott“ – so lädt         eine sehr „katholische“ Raumgestaltung         Mitte oder besser auf die Annäherungen             „Meister, wo wohnst Du?“, so lautet
uns die Glasschwelle am Eingang zum St.         also. Der Altar steht, traditionsgemäß, im     an die Mitte: die Bibel auf ihren gottes-      eine Frage zu Beginn des Johannesevange-
Paulus-Gemeindezentrum ein. Vor jedem           Osten, dort, wo die Sonne aufgeht, wo das      dienstlichen Ort, den Ambo; der Altartisch     liums. „Und sie gingen mit und sahen, wo
Gottesdienst überschreiten wir die Schwel-      Licht die Finsternis besiegt, Licht und Wär-   auf den Tabernakel.                            er wohnte, und sie blieben den ganzen Tag
le heraus aus der zerrissenen Welt und ma-      me als Symbol für Heil und Heilung. Auf der        Eingefasst ist alles auf zwei Seiten von   bei ihm.“ Ein Wunsch auch für unsere Ge-
chen uns auf den Weg über die zerfurchten       anderen Seite das Wort, der Logos, materi-     je 12 Feldern, aus der Wand herausge-          meinde: dass die Art, wie wir hier geistlich
Granitplatten hinweg hinein in unseren          alisiert im Wort der Bibel, beides Zeichen,    schlagene Öffnungen, fast wie Fenster.         wohnen, viele zum Bleiben lockt.
Kirchenraum, in dem wir auf „heilem Bo-         die auf das hinweisen, was die Mitte der       In alten Kirchen umgeben traditionell 12                                    Felicitas Hevicke,
den“ stehen und der uns Zugang zur Heils-       Welt ist.                                      Apostelkerzen den ganzen Kirchenraum.                                zusammengestellt nach
zusage Gottes ermöglicht. Zur Kirche, zum           Genauso wichtig für den Gottesdienst       Wer will, darf daher Männer und Frauen                Predigttexten von Bernd Rotermann
„Tempel Gottes“, wird der Raum erst durch       wie der Kreis mit Altar und Ambo sind die      als Apostel in der Nachfolge Christi in den

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Symbole des Unsichtbaren - PaulusRundbrief - Sankt Paulus
Thema                                                                                                                               Thema

                                                                  in unserer Kirche
Ob Sie, lieber Leser, schon einmal die Gelegenheit hatten,                                Die Seitenwände unserer Kirche sind jeweils von 12 Fen-
abends, vor Sonnenuntergang, in unserer St. Pauluskirche                              stern unterbrochen. Oft werden dort die kleinen Teelichter
zu verweilen? In der abendlichen Stille allein zu sein, in den                        aufgestellt, sei es zu abendlichen Gebeten, zu Konzerten,
Himmel zu schauen und das Licht zu entdecken?                                         zur Bachmusik. Und wenn diese bescheidenen Lichtquellen
                                                                                      Wärme verströmen, dann gewinnen die roten und blauen
   Die Fenster im First sind noch beschlagen vom letzten                              Flächen an Vielfalt, an Farbigkeit, an Tiefe und leuchten so,
grünen Sommerregen, sie dampfen, die Seiten des Kirchen-                              als müsse eine von der Mitte strömende Kraft nach draußen
raumes nach Norden und Süden versinken in der Dämme-                                  dringen und Zeugnis geben von dem, was hier drinnen ge-
rung, mein Blick richtet sich nach oben, dort Gewitterwol-                            schieht.
ke und Sonnenball im Widerstreit, das warme Abendlicht
wirft den Schatten der Fensterkreuze über die Altarwand                               „Du bist nicht sichtbar für unsere Augen, und niemand hat
und reflektiert sich im Osten über mir. Es ist, als ob sich ein                       Dich je gesehn. Wir aber ahnen dich und glauben, dass Du
Kreuz aus der Mitte nach oben reckte und im Querbalken die                            uns trägst, dass wir bestehn.“ (H. Oosterhuis)
abendlichen Seiten der Kirche erfasste. Bald zeigt sich der
Regenbogen, der über allem Frieden im Bündnis mit Gott                                    Blicken wir nochmals nach oben durch das Fenster der
verspricht.                                                                           Mitte. Zwei große, behäbige, alte Bäume, rechts ein Ahorn,
                                                                                      links eine Linde sind zu sehen. Sie bieten uns mit ihrem Laub
    Immer wieder ist der Wandel des Lichtes in unserer Kir-                           nicht nur den Wechsel der Jahreszeiten dar, sie berühren
che ein, wie mir scheint, wichtiges Raum gestaltendes Ele-                            sich nahezu wie Geschwister und sie lassen zu jeder Tages-
ment, das Vertrauen und Zuversicht spendet und tief in die                            zeit ein Licht- und Schattenspiel durch die Kirche fluten, das
Liturgie verwoben ist.                                                                unserem Kirchenraum Leben und Wandel gibt. Vögel unter-
                                                                                      stützen diese Lebendigkeit und vor nicht allzu langer Zeit
   So am vergangenen kühlen Sommersonntag, als zum                                    hatte sich zum Pfingstfest sogar eine Taube durch das offene
Matthäus-Evangelium vom Gang des ängstlichen Petrus auf                               Fenster in den Kirchenraum verirrt ...
den Wassern die Sonne ihr Licht über den Ambo fließen ließ                                                                           Susanne Fexer
und uns an die Worte des 119. Psalms erinnerte:

„Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für mei-
ne Pfade.“

    Auch die Wintertage sind Lichtspender in unserer Kirche,
wenn das kleine Grüppchen der Gläubigen sich zur Mor-
genandacht um die leere Mitte schart und das warme Ker-
zenlicht und die Morgendämmerung den Raum langsam aus
seiner tiefen, schwarzen Dunkelheit heben.

„Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte,
und deine Heilung wird schnell sprossen.“ (Jes. 58,8)                                 Dachfenster von St. Paulus © S. Fexer

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Symbole des Unsichtbaren - PaulusRundbrief - Sankt Paulus
Thema                                                                                                                                                                                  Thema
            „Wie finden Sie unsere Kirche?“                                                              Dies kann man auf das Bild der Kirche
                                                                                                     übertragen, da der Sakralraum der neu-
                                                                                                                                                    re Variante, letztendlich muss das jeder für
                                                                                                                                                    sich selbst entscheiden.
                                                                                                     en Zeit angepasst ist und den Menschen
                                                                                                     zeigt, dass Kirche immer noch aktuell und          Meiner Meinung nach ist der Raum
Im Rahmen eines Firmpraktikums hat Saskia Plüster, die im Oktober gefirmt wird, aus                  nicht im Mittelalter stecken geblieben ist.    sehr gelungen, da er eine große Gemein-
den Zehn Fragen, die seit 2003 in jedem Rundbrief gestellt und beantwortet werden,                   Sie hat sich sozusagen den Anforderungen       schaft repräsentiert und es wie eine frische
die Frage 7 „Wie finden Sie unsere Kirche?“ ausgewertet und auch ihre eigenen Eindrü-                der Menschen angepasst und verkörpert in       Brise etwas Neues in eine so alte Traditi-
cke geschildert. Die folgenden Statements fand sie besonders bemerkenswert.                          gewissem Maße die Entwicklung der Men-         on bringt. Natürlich gibt es immer Sachen,
                                                                                                     schen.                                         die verbessert werden können, wie zum
Wenn Menschen an eine herkömmliche              suchen, könne man den Raum erst „fin-                    Der Raum ist sehr minimalistisch einge-    Beispiel ein erhöhter Wohlfühleffekt oder
Kirche denken, kommt ihnen in der Regel         den“, und ihm gefiele er.                            richtet, mit vielen Fenstern, sodass er klar   auch gegen eine etwas freundlichere Ge-
sofort ein älteres Gebäude mit Kirchen-             Auch Stefan Karbach (ehemaliger Pa-              und hell wirkt. Auf diesen Vorteil bezieht     staltung der Wände ist sicherlich nichts
glocke und Kirchturm in den Sinn. Dies ist      storalreferent) ist der Raumordnung ge-              sich auch Christel Fleury. In ihrer Antwort    einzuwenden. Im Großen und Ganzen je-
bei dem neuen Sakralraum der Gemeinde           genüber positiv eingestellt. Für ihn ist un-         auf die immer gleichbleibende Frage Nr. 7      doch bin ich mit dem neuen Konzept sehr
nicht der Fall. Die Kirche wurde von dem        sere Kirche der gelungenste Kirchenraum,             der Paulus-Rundbrief-Redaktion geht die        zufrieden, wenn nicht sogar regelrecht von
Künstler Leo Zogmayer gestaltet, das mo-        den er kenne. Als „vollkommener Aus-                 langjährige Vorsitzende des Presbyteri-        der Entwicklung beeindruckt.
derne Konzept ist ihm zu verdanken. Sie         druck“ seines Kirchen- und Gottesdienst-             ums der evangelischen Gemeinde auf die                                       Saskia Plüster
wurde auf einer völlig neuen Idee aufge-        bildes wird der Raum beschrieben.                    Schönheit des Raumes durch seine vielen
baut und hinterlässt bei den Besuchern der                                                           Fenster ein. Am schönsten fände sie, dass
Kirche einen unterschiedlichen Eindruck.                                                             man von jedem Platz aus in den Himmel
    Die einen sind von Anfang an begeistert,                                                         schauen könne. „Immer geht über allen
während die anderen noch überzeugt wer-                                                              der Himmel auf!“, sagt sie. Jedoch wurde
den müssen. Die neue Art des Aufbaus, wo                                                             dies nicht von allen gleich positiv angese-
die Gemeinschaft der Gläubigen im Mittel-                                                            hen. Astrid Fischer bemängelt das Fehlen
punkt steht und auf viel Dekoration, Bilder,                                                         einer Rückzugsmöglichkeit und Clemens
Heiligenstatuen sowie Schnörkel verzichtet                                                           Ladenburger fällt „das Alleinsein mit Gott“
wird, zeigt kontroverse Reaktionen.                                                                  schwer.
    Die Anordnung der Stühle wurde in                                                                    Anderen fehlen die Kniebänke oder der
der Umfrage des Paulus-Rundbriefes be-                                                               Platz, sich hin zu knien. Auch kann man kei-
sonders oft gelobt. Die Anordnung der                                                                ne Kerzen anzünden.
ersten Sitzreihe in Form eines Kreises, in                                                               Man muss sich erst mal fragen, was
dem der Altar steht, bringt die Gemein-                                                              man von einer Kirche in unserer heutigen
schaft der Gläubigen zum Ausdruck, die                                                               Gesellschaft erwartet und sich auch im
sich auf Augenhöhe und gleichberechtigt                                                              Klaren darüber sein. Möchte man mit Gott
mit den Liturgen begegnen. Es gibt keine                                                             „allein sein“ und jeder einzeln seinen Weg
Versteckmöglichkeiten, und somit ist jeder                                                           zum Glauben finden oder möchte man             Unsere Firmandin Saskia Plüster© N. Müller
integriert.                                                                                          zusammen mit seinen Mitmenschen den
    Genau diesen Aspekt der Umstellung                                                               Glauben feiern und die Möglichkeit, mit
beschreibt Thomas Hickmann (ein dama-                                                                anderen Menschen zusammen zu sein,
liger ZIVI) in seiner Antwort. Er sagt, nach-                                                        schätzen und dafür dankbar sein? Je nach-
dem man aufgehört habe nach Kirchtür-           Helligkeit und Gemeinschaft prägen die St. Paulus-   dem ist entweder die klassische Form der
men, Heiligenstatuen und Kniebänken zu          Kirche in Brüssel © Ch. Glatz                        Kirche oder der moderne Raum die besse-
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Symbole des Unsichtbaren - PaulusRundbrief - Sankt Paulus
Thema                                                                                                                                                                                          Thema
     Gedanken zu Kirchenbau und Theologie                                                                 jeweiligen Epoche. Von den kleinen Kir-
                                                                                                          chen der verfolgten Christen der ersten
                                                                                                                                                                   ein „Symbol ihrer Zeit“, aus ihr heraus zu
                                                                                                                                                                   verstehen und zu bewerten.
  In der Architektur einer Kirche spiegelt sich auch das jeweilige                                        Jahrhunderte hin zu den Basiliken der
                                                                                                          spätrömischen kaiserlichen Staatsreligi-                 Der Communio-Raum als Ausdruck der
                   theologische Konzept wider                                                             on; die romanischen «Gottesburgen» und                   Communio-Theologie
                                                                                                          die gotischen Kathedralen, klar gegliedert
„Ah, ist dieser Raum schön: so hell, so ru-    vorherrschende Theologie. Wer Kirchen                      wie die mittelalterliche Scholastik; die ba-                 Im Zusammenhang mit unserer St. Pau-
hig, so schlicht und diese Kreisaufstellung    besucht – von der frühkirchlichen kleinen                  rocken Kirchen als «gegenreformatorische                 luskirche wird immer wieder vom „Com-
macht ihn irgendwie anders …“ Diese Be-        Basilika (etwa in Grado) über die großen                   Traktate», die gegenüber der «trockenen                  munio-Raum“ und einem „nachkonziliaren
merkung ist von Besuchern zu hören, die        romanischen und gotischen Kathedralen,                     Reformation» die Sinneslust des katho-                   Kirchenraum“ gesprochen. Damit ist eine
unsere St. Pauluskirche in Brüssel das erste   die barocken Jesuitenkirchen bis hin zu                    lischen Glaubens hervorheben; die Bau-                   Vorstellung von Kirche (im doppelten Sinn)
Mal betreten. Meist folgt dann eine Diskus-    Kirchenbauten der letzten Jahrzehnte:                      ten der Volkskirche des 19. Jahrhunderts,                gemeint, die in Ergänzung (und Unterschei-
sion, in der Begriffe „modern“ gegen „kon-     durch genaues Hinsehen werden die Un-                      deren neogotische Form das «Bewahren                     dung) des bis in die Mitte des 20. Jahrhun-
servativ“, „Vatikanum II“ gegen „vorkon-       terschiede schnell deutlich, und langsam                   des Althergebrachten» gegenüber der Mo-                  derts vorherrschenden Modells – der nach
ziliar“ fallen oder aber die Frage: „Ist das   erschließt sich das in der Architektur „Stein              derne betonte (und damit ganz ähnlich der                vorne hin gerichteten „Wegkirche“ und der
denn noch katholisch?“ Diese Schlagworte       gewordene“ theologische Programm der                       neoscholastischen Theologie) – in jeder                  damit verbundenen Form der Liturgie des
werden oft aus Verlegenheit verwendet,                                                                    dieser Epochen sind die Kirchenbauten so-                Gegenüber von Gott und versammelter
sie werden der eigentlich gemeinten Sache                                                                 wohl Ausdruck des Gottesverständnisses                   Gemeinde – die Gemeinschaft zwischen
aber nur zum Teil gerecht. Darum versuche                                                                 als auch des Selbstverständnisses der Men-               Gott und den Menschen bzw. der Men-
ich im Weiteren, kurz auf drei Elemente                                                                   schen, in Stein gemeißelte Ekklesiologie                 schen untereinander betont. Liturgisch hat
einzugehen, die immer wieder angespro-                                                                    (Lehre von der Kirche). Ein anschauliches                sie ihre Wurzeln in der von Klosterneuburg
chen werden: auf den Zusammenhang                                                                         Beispiel dafür wäre in Brüssel ein Vergleich             (bei Wien) ausgehenden „Liturgischen
zwischen Architektur und Theologie; auf                                                                   zwischen der St. Michielskathedrale, der                 Bewegung“ des Augustiner-Chorherren P.
den „Communio-Raum“ als Ausdruck der                                                                      Basilika am Koekelberg und unserer St.                   Pius Parsch, architektonisch im modernen
„Communio“-Theologie und die St. Paulus-                                                                  Pauluskirche. Jede dieser drei Kirchen ist               Kirchenbau des deutschen Architekten Ru-
Kirche als Ausdruck des Selbstverständ-                                                                                                                            dolf Schwarz, der in der Jugendbewegung
nisses unserer Gemeinde.                                                                                                                                           Quickborn aktiv war. Theologisch sind Karl
                                                                                                                                                                   Rahner oder Edward Schillebeeckx zu nen-
Der Zusammenhang zwischen Architektur                                                                                                                              nen. Auffällig ist, dass Communio-Räume
und Theologie                                                                                                                                                      vergleichsweise kleiner sind und daher
                                                                                                                                                                   die Gemeinschaft der Gottesdienst Fei-
    Am Anfang stand kein liturgischer                                                                                                                              ernden sinnfälliger und erfahrbarer ma-
Raum, sondern ein Saal, in dem gefeiert                                                                                                                            chen. Alle Beteiligten, in ihrer jeweiligen
und gegessen wurde. Das Letzte Abend-                                                                                                                              Rolle, können aktiv am gottesdienstlichen
mahl als Gründungsdatum unserer Eu-                                                                                                                                Geschehen teilnehmen. Oft wird gegen die
charistiefeier fand im Rahmen einer Fa-                                                                                                                            Communio-Theologie und -Liturgie einge-
milienliturgie statt. Ab diesem Zeitpunkt                                                                                                                          wandt, dass hier die Gemeinde weniger
entwickelten sich das Verständnis der Li-                                                                                                                          Gott feiere, sondern sich selbst. Demge-
turgie (damit meine ich hier vor allem die                                                                                                                         genüber gilt das Wort des Evangeliums:
Eucharistiefeier) und die Architektur der      Gotische Kirchen wie die St. Michielskathedrale in         Die Nationalbasilika des Heiligen Herzens in Koekel-
                                                                                                                                                                   „Wo zwei oder drei in meinem Namen
Räume, in denen sie stattfand, angepasst       Brüssel sollten im Mittelalter auf die Herrlichkeit Got-   berg ist die fünftgrößte Kirche der Welt und hat Platz   versammelt sind, da bin ich mitten unter
an die Bedürfnisse der Zeit und die jeweils    tes hinweisen © L. Viatour                                 für 2.000 Menschen © M. Koljonen                         ihnen“: Die Gemeinde feiert nicht in der
14                                                                                                                                                                                                         15
Symbole des Unsichtbaren - PaulusRundbrief - Sankt Paulus
Thema                                                                                                                                                                                 Thema
Form eines „liturgisch verkleideten kaiser-
lichen Hofzeremoniells“ einen „thronend
                                                        Das Selbstverständnis unserer Gemeinde
                                                                                                                        Zwecklos – Sinnvoll – Heilig
herrschenden Gott“, sondern im Gedenken                     Mit dem letzten Beispiel ist bereits das                              Die Bedeutung der Liturgie
an Gottes Heilshandeln in Vergangenheit                 Selbstverständnis unserer Gemeinde ange-
und Gegenwart die Tatsache, dass „Gott-                 sprochen, das in der Planung und im Bau
unter-uns“ ist („Ich bin mit euch alle Tage             unserer Kirche seinen Ausdruck gefunden        Ganz selbstverständlich nutzen wir das          Wandel im Liturgieverständnis ab dem
bis an die Enden der Zeit“). Diese Anwe-                hat: Die Gemeinde lebt, um die Anwesen-        Wort „Liturgie“ – zumindest in kirchenna-       II. Vatikanischen Konzil
senheit Gottes unter uns ist eine „verbor-              heit Gottes unter uns Menschen zu bezeu-       hen Kreisen – und denken dabei an die
gene Anwesenheit“, gleichzeitig geschenkt               gen und Gott gleichzeitig den Raum zu las-     Gottesdienste, wie wir sie in unseren Kir-          In der katholischen Kirche ist das heu-
und unverfügbar. Diese beiden Tatsachen                 sen, uns die Augen zu öffnen und sich uns      chen feiern. Das ist sicher nicht falsch, und   tige Verständnis der Liturgie vor allem von
drücken zwei kleine Zeichen in der St. Pau-             im Hören auf sein Wort und im Feiern der       doch weitet sich das Verständnis für Litur-     den Texten des II. Vatikanischen Konzils
luskirche sinnfällig aus: das Vortragekreuz             Erinnerung an seinen Tod und seine Aufer-      gie, wenn man einmal auf den Ursprung           und von verschiedenen Enzykliken der
steht im ersten Stühlekreis rund um den                 stehung immer wieder neu zu zeigen.            des Wortes schaut: Es kommt nämlich             letzten Päpste bestimmt. So heißt es in
Altar – Gott ist uns in Jesus Christus auch                 Die St. Pauluskirche ist weniger ein       aus dem Griechischen und setzt sich aus         der Liturgiekonstitution Sacrosanctum
Bruder geworden. Die Mitte des Kirchen-                 Raum privater Andacht und Verehrung –          den beiden Ausdrücken λ αο ς (Volk) und         Concilium: „Mit Recht gilt also die Liturgie
raums bleibt leer und unverstellt: Gott                 eine Tatsache, die von manchen Besuchern       εργον (Tun, Handeln) zusammen. Das Wort         als Vollzug des Priesteramtes Jesu Christi;
zeigt und schenkt sich uns immer wieder                 bemängelt wird – sondern ein Ort der Feier     λειτουργια bedeutet also „Handeln des           durch sinnenfällige Zeichen wird in ihr die
anders und neu: im neugeborenen Kind,                   der Gemeinde. Sie greift damit frühchrist-     Volkes (zur Ehre Gottes)“ oder „Handeln         Heiligung des Menschen bezeichnet und
das getauft wird; in der Liebe zweier Men-              liche Formen und Traditionen für unsere        (Gottes) am Volk“.                              in je eigener Weise bewirkt und vom my-
schen, die einander Treue geloben; im To-               Zeit auf und lädt ein, ausgehend von ihrer         Dabei hat das Wort „Liturgie“ im klas-      stischen Leib Jesu Christi, d. h. dem Haupt
ten, von dessen sterblichem Leib wir uns                Architektur und Gestaltung über die Auf-       sischen Griechisch interessanterweise kei-      und den Gliedern, der gesamte öffentliche
verabschieden und hoffen und glauben,                   gabe und die Rolle von uns Christen in un-     ne speziell religiöse Bedeutung. Es bedeu-      Kult vollzogen.“
dass er zu Gott heimgekehrt ist – und in                serer Gesellschaft nachzudenken.               tet „öffentlicher Dienst“ – Dienstleistung          Infolgedessen ist jede liturgische Feier
vielen anderen, unerwarteten Formen und                                               Michael Kuhn     zugunsten des Volkes politischer, wirt-         als Werk Christi, des Priesters, und seines
Geschehen.                                                                                             schaftlicher oder religiöser Art. Wenn z.B.     Leibes, der die Kirche ist, in vorzüglichem
                                                                                                       eine Stadtmauer errichtet wurde, dann           Sinn heilige Handlung, deren Wirksamkeit
                                                                                                       sprach man von „Liturgie“.                      kein anderes Tun der Kirche an Rang und
                                                                                                           Erst in den ersten Jahrhunderten der        Maß erreicht. Wichtig ist dem Konzil das
                                                                                                       Kirche bürgerte sich der Begriff „Liturgie“     Zusammenspiel von Priester und Volk.
                                                                                                       in den Gegenden der Griechisch spre-
                                                                                                       chenden Christen immer mehr als Bezeich-        Bild unten: Der Communio-Raum von St. Paulus
                                                                                                                                                       ermöglicht die aktive Teilnahme von Priester und
                                                                                                       nung für gottesdienstliche Feiern ein, nach-    Gemeinde am Gottesdienst © R. Pochmarski
                                                                                                       dem er im Neuen Testament noch für sehr
                                                                                                       unterschiedliche Dinge genutzt wurde. Die
                                                                                                       Bedeutung wurde später dann noch mehr
                                                                                                       eingeengt, indem der Begriff nur noch
                                                                                                       für die Feier der Eucharistie genutzt wur-
                                                                                                       de. Auch heute noch wird beispielsweise
                                                                                                       in der Ostkirche die Feier der Eucharistie
                                                                                                       als göttliche Liturgie bezeichnet, der Ort,
                                                                                                       an dem sich Himmel und Erde, Gott und
Die Communio-Kirche St. Paulus ist ein Ort der Begegnung und Gemeinschaft © Ch. Glatz                  Mensch begegnen.
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Symbole des Unsichtbaren - PaulusRundbrief - Sankt Paulus
Thema                                                                                                                                                                                  Thema
    Der Priester steht zwar der Liturgie vor,       Die Ausrichtung der Gemeinde war da-               dabei herauskommen, man will „etwas               ist der, dass die Seele vor Gott sei, sich vor
aber dem Volk ist mindestens die „partici-      bei im Gebet die gleiche wie die der Prie-             mitnehmen“, wie es oft gerade in Bezug            ihm ausströme, dass sie in seinem Leben, in
patio actuosa“ (tätige Teilhabe) zu ermög-      ster, beide beteten in Richtung Osten. Ze-             auf die Predigt heißt. Dabei ist die Gefahr       der heiligen Welt göttlicher Wirklichkeiten,
lichen. Beide verrichten diesen Dienst, und     lebrant und Gemeinde hatten das gleiche                groß, am Wesentlichen von Liturgie vor-           Wahrheiten, Geheimnisse und Zeichen
zugleich ist es ein Dienst Gottes am seinem     Ziel, den Herrn Jesus Christus nämlich.                beizugehen. Auch heute noch kommt man             lebe, und zwar ihr wahres, eigentliches,
Volk!                                               Bekanntlich hat das letzte Konzil diese            dabei um einen großen Theologen aus der           wirkliches Leben habe.
    Unsere Kirche St. Paulus ist dafür ein      Richtung verändert, indem sie den Priester             Mitte des vergangenen Jahrhunderts nicht              R. Guardini vergleicht die Liturgie mit
ausgesprochen geeigneter Ort, bringt er         sich der Gemeinde zuwenden lässt und da-               herum: Romano Guardini schrieb in „Vom            dem Spiel des Kindes, auch das ist ganz
doch allein schon durch die Anordnung von       mit den Altar, die Stelle der Vergegenwär-             Geist der Liturgie“ ein Kapitel, das mit „Li-     zweckfrei. Er drückt es so aus: Im Spiel will
Altar und Gemeinde diesen Aspekt zum            tigung Christi in die Mitte der Gemeinde               turgie als Spiel“ überschrieben war. Darin        das Kind nicht etwas erreichen. Es kennt
Ausdruck. Dabei muss uns aber bewusst           nimmt.                                                 heißt es:                                         keinen Zweck. Es will nichts, als seine jun-
sein, dass sich die kirchliche Liturgie immer                                                              Die Liturgie schafft eine weite Welt voll     gen Kräfte auswirken, sein Leben in der
wieder unterschiedliche Orte und Formen                                                                reichen geistlichen Lebens und lässt die See-     zweckfreien Form der Bewegungen, Worte,
gesucht hat, auch wenn die zentralen Teile                                                             le sich darin bewegen und entfalten. Diese        Handlungen ausströ­men und dadurch
„Brotbrechen-Eucharistie“ und Predigt, so-                                                             Fülle von Gebeten, Gedanken, Handlungen,          wachsen, immer voller es selbst werden.
wohl Gebete und Lieder (Psalmen) immer                                                                 diese ganze Ordnung von Zeiten usw. wird          Zweckfrei, aber voll tiefen Sinnes; und der
Grundbestandteile gewesen sind.                                                                        unverständlich, wenn man sie am Maßstab           Sinn ist kein anderer, als dass eben dies
                                                                                                       der sachlichen, gespannten Zweckmäßig-            junge Leben sich ungehemmt in Gedanken
Liturgieformen im Wandel der Zeit                                                                      keit misst. Die Liturgie hat keinen „Zweck“,      und Worten und Be­wegungen und Hand-
                                                                                                       kann wenigstens vom Gesichtspunkt des             lungen offenbare, seines Wesens mächtig
     In den Anfängen des Christentums                                                                  Zweckes allein aus nicht begriffen werden.        werde, dass es einfach da sei. Und weil es
wurden die Gottesdienste in Privathäu-                                                                 Sie ist kein Mittel, das angewandt wird,          nichts Besonderes will, weil es sich unge-
sern gefeiert, deren Platz aber bald nicht                                                             um eine bestimmte Wirkung zu erreichen,           brochen und ungezwungen ausströmt, des-
mehr ausreichte. Es gibt nicht viele archä-                                                            sondern — bis zu einem gewissen Grade             halb wird der Ausdruck auch harmonisch,
ologische Spuren von Orten, die die ersten                                                             mindestens — Selbstzweck. Sie ist nicht           wird die Form klar und schön: sein Geha-
Christen in Folge dessen dann aufsuchten.                                                              Durchgang zu einem außerhalb liegenden            ben wird von selbst Reigen und Bild, Reim,
Bekannt sind uns allenfalls noch die Kata-                                                             Ziel, sondern eine in sich ruhende Welt des       Wohllaut und Lied. Das ist Spiel: zweckfrei
komben, Grabstätten also.                       Im Tridentinischen Ritus zelebriert der Priester die   Lebens. Das ist wichtig. Übersieht man das,       sich ausströmendes, von der eigenen Fülle
                                                Messe mit dem Rücken zur Gemeinde © J. Specht.
     Erst nach der Verfolgungszeit, also ab                                                            dann müht man sich ab, in der Liturgie al-        Besitz ergreifendes Leben, sinnvoll eben
Kaiser Konstantin, der den Kult der Christen                                                           lerlei erzieherische Absichten zu finden, die     in seinem reinen Dasein. Und es ist schön,
ausdrücklich als Kult zum Wohl des Staates      Das Wesen der Liturgie                                 wohl irgendwie hineingelegt werden mö-            wenn man es ruhig gewähren lässt, wenn
anerkannte, wurden große Gebäude er-                                                                   gen, aber nicht wesentlich sind.                  kein pädagogischer Aufklärer Absichten
richtet, in denen die Christen ihren Gottes-        Unabhängig aber von den Ursprüngen                                                                   hineinträgt und es unnatürlich macht.
dienst abhielten. Der vorherrschende Bau-       der Liturgie und von ihren heutigen Aus-                    Und weiter: Genau genommen, kann
stil war dabei der der Basilika. Dieses Wort    drucksformen bleibt ein wichtiger Aspekt               die Liturgie schon deshalb keinen „Zweck“         In der Liturgie darf der Mensch sein, was
bedeutet „Königshalle“, es bezeichnet also      durchgängig durch alle Zeiten erhalten:                haben, weil sie ja eigentlich gar nicht um        er in Wahrheit ist: Kind Gottes, dem im
eine „Halle nach Art des Königs“ und hat-       Liturgie ist von ihrem Wesen her eben                  des Menschen, sondern um Gottes willen            Gottes-Dienst Gott dient!
te zunächst unterschiedliche Funktionen         nicht an einen bestimmten Zweck gekop-                 da ist. In der Liturgie sieht der Mensch nicht
von Markthalle bis zu Bankgebäude und           pelt. Gerade unsere Zeit neigt dazu, alles             auf sich selbst, sondern auf Gott; auf Gott          Deswegen sind allgemein verbindliche
Gerichtssaal, bevor die Christen ihre Ver-      mögliche zu verzwecken. Alles muss für                 ist der Blick gerichtet. In ihr soll der Mensch   Formen der Liturgie so wichtig. Nicht weil
sammlungsräume im gleichen Stil bauten.         irgendetwas nützlich sein. Es muss etwas               nicht sich erziehen, sondern auf Gottes           es womöglich Gott so will, sondern weil
                                                                                                       Herrlichkeit schauen. Der Sinn der Liturgie       der Mensch damit einen Rahmen erhält,
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Thema                                                                                                                                                                     Thema
in dem er sich treiben lassen kann, seine           Wie erlösend Liturgie in diesem Sinne             Die Bedeutung und Herkunft des Wortes Kirche und
„Seele spielen lassen“ kann. Wenn Liturgie      sein könnte, wo doch sonst um uns herum
immer wieder neu erfunden wird, wird es         alles verzweckt ist, für irgendetwas nutze
                                                                                                     Gründe, aus denen wir uns in einer Kirche versammeln
dem teilnehmenden Menschen unmöglich            sein muss. Auch darin wird deutlich, wel-
gemacht, sich diesem Spiel hinzugeben.          che Befreiung der Glaube an Jesus Christus    Während der Christenverfolgung im Rö-           Beispiel im Wald, ist
Bekanntlich wird auch Fußball nicht jeden       sein kann.                                    mischen Reich begannen die Christen, sich       eine Frage, die sich
Samstag neu erfunden und mit neuen Re-                                     Wolfgang Severin   in Privathäusern zu treffen, um den Got-        sehr viele Menschen
geln versehen, weil sich sonst das Spiel                                                      tesdienst zu feiern. Dies hatte zur Folge,      stellen. Sie ist einfach
nicht entwickeln könnte.                                                                      dass, auch nachdem Kaiser Theodosius I.         zu beantworten, weil
    Und noch einmal Guardini: Auch darin                                                      die christliche Religion zur Staatsreligion     man in einer Kirche
besteht also die Aufgabe der Erziehung zur                                                    erhob, weitere Häuser gebaut wurden, in         als eine Familie und
Liturgie, dass die Seele lerne, nicht überall                                                 denen sich Christen treffen konnten, um         eine Gemeinde ein-
Zwecke zu sehen, nicht allzu zweckbewusst,                                                    den Gottesdienst zu feiern: Diese Häuser        fach stärker, mutiger
allzu klug und „erwachsen“ sein zu wollen,                                                    sind Kirchen. Es ist jedoch nirgends vorge-     und sicherer ist als
sondern sich dazu verstehe, einfachhin zu       Quellen:                                      schrieben, sich in einem dieser Bauwerke        alleine, verstreut in Unser Firmand Richard
leben. Sie muss die Rastlosigkeit der zweck-    Romano Guardini, Liturgie als Spiel, in:      treffen zu müssen, man kann den Gottes-         kleine Gruppen und Kamp © N. Müller
getriebenen Tätigkeit wenigstens im Gebet       Vom Geist der Liturgie (1919), 2. Aufl.,      dienst auch woanders feiern. Dies wurde         verloren in einem
aufgeben lernen; muss lernen, für Gott Zeit     Freiburg: Herder 1991, S. 89-105.             in den jungen Jahren der Kirche auch so         belgischen Wald zum Beispiel. Noch dazu
zu verschwenden, Worte und Gedanken                                                           praktiziert, selbst Jesus sagte noch: „Wo       sind Kirchen wirklich bemerkenswert schö-
und Gebärden für das heilige Spiel zu ha-       P. Pius M. Maurer OCist, Geschichte der       zwei oder drei in meinem Namen versam-          ne Bauwerke, die meisten jedenfalls – dazu
ben, ohne immer gleich zu fragen: Wozu          Liturgie im Rahmen der Kulturepochen,         melt sind, da bin ich mitten unter ihnen“.      gehört die Paulus-„Kirche“ in Brüssel nach
und warum? Nicht immer etwas tun, et-           Heiligenkreuz 2003                                 Das Wort Kirche stammt vom grie-           meiner Ansicht leider nicht. Für mich ist
was erreichen, etwas Nützliches zustande        II. Vaticanum, Sacrosanctum Concilium         chischen Wort „kyriake“, das bedeutet so        eine Kirche ein Bau, in dem etwas von der
bringen wollen, sondern lernen, in Freiheit     (Text über die hl. Liturgie); http://www.     viel wie „dem Herrn gehörig zu sein“. Da-       alten Tradition der Kirche und des Glau-
und Schönheit und heiliger Heiterkeit vor       vatican.va/archive/hist_councils/ii_vati-     her nennen wir Kirchen auch Gotteshäu-          bens zu spüren ist. Daher fände ich es bei-
Gott das gottgeordnete Spiel der Liturgie       can_council/index_ge.htm                      ser. Sie sollen ein Ort sein, an dem sich       spielsweise gut, wenn die Paulusgemeinde
zu treiben.                                                                                   Christen stärken, aufbauen und zu Gott          ab und zu z.B. in die alte Kirche von Ter-
                                                                                              beten können. Sie sollen die Stärke und         vuren ginge, um dort Messe zu feiern.
                                                                                              die Kraft der heiligen römisch-katholischen         Zu guter Letzt möchte ich darauf hin-
                                                                                              Kirche zeigen. Und die Kirche ist ein Ort, an   weisen, dass noch heute nicht jeder Christ
                                                                                              dem einem geholfen wird, in guten und in        auf dieser Welt zu einer Kirche gehen kann,
                                         Herr, unser Herr, wie bist Du zugegen                schlechten Zeiten. Außerhalb Europas gibt       wann er möchte. Noch heute werden in
                                            und wie unsagbar nah bei uns.                     es heutzutage sehr viel Hungersnot, Kriege      vielen Staaten Menschen verfolgt, ge-
                                           Allzeit bist Du um uns in Sorge,                   und Naturkatastrophen. All diese Men-           quält und ermordet, weil sie Christen sind.
                                             in deiner Liebe birgst du uns.                   schen haben gemerkt, dass man sich auf          Kämpfen wir zusammen als Gemeinde für
                                       Du bist nicht fern, denn die zu Dir beten,             eine besondere Kirche immer verlassen           eine bessere und friedlichere Welt, indem
                                          wissen, dass du uns nicht verlässt.                 kann, die heilige römisch-katholische Kir-      wir z.B. über die Medien darüber berich-
                                        Du bist so menschlich in unsrer Mitte,                che, und daher hat diese auch einen jähr-       ten und aufklären, genauso wie über die
                                          dass du wohl dieses Lied verstehst.                 lichen Zuwachs von mehr als 15 Millionen        Grundlagen der verschiedenen Religionen,
                                                                  Huub Oosterhuis, GL 298     Menschen außerhalb Europas.                     um damit zu einem besseren Verständnis
                                                                                                  Und wieso feiern wir heutzutage den         untereinander beizutragen.
                                                                                              Gottesdienst in einer Kirche und nicht zum                                    Richard Kamp
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Thema
                                    Leo Zogmayer                                       Über den Künstler

                             IF YOU CELEBRATE IT
               Ausstellungseröffnung von Leo Zogmayers Hinterglasbildern mit Vortrag

                              am Donnerstag, den 13. Oktober 2011
                                        um 20.00 Uhr

                                           in St. Paulus
                                  Tervurenlaan 221, 1150 Brüssel

Der Vortrag von Leo Zogmayer wird Kunst im öffentlichen Raum, die Gestaltung
liturgischer Räume wie auch seine autonomen künstlerischen Arbeiten umfassen.
Anschließend besteht die Möglichkeit zu einem Gespräch mit dem Künstler und zu
einem verre de l’amitié.

                                                                                       (ah) Leo Zogmayer wurde 1949 in Krems, Österreich, geboren. Er besuchte die Hoch-
Die Ausstellung Bilder Zogmayers ist bis Mitte November am Sonntagvormittag und        schule für angewandte Kunst in Wien. Er ist freischaffender Künstler und lebt in Wien
während der Öffnungszeiten des Sekretariats zugänglich.                                und in Krems. Viele Ausstellungen im In- und Ausland, Kunstprojekte im öffentlichen
                                                                                       Raum, Gestaltung liturgischer Räume.

John Cage wurde vor dem Betreten eines Restaurants einmal gefragt, worin der Unter-    Leo Zogmayer ist uns bestens vertraut durch die Gestaltung unseres Kirchenraums.
schied zwischen gewöhnlichem Türöffnen und dem Türöffnen als künstlerischer Aktion     Auch andere Kirchen hat er gestaltet oder umgestaltet: Mariä-Geburt in Aschaffenburg,
bestehe. Er antwortete:                                                                St. Franziskus in Bonn, St. Andreas in Mitterkirchen, die Hauskapelle der COMECE in
                    „If you celebrate it, it’s art: if you don’t, it isn’t.“           Brüssel. Hier wie dort verwirklicht er die Idee des Communio-Raumes mit der Gegen-
                                                                                       überstellung von Altar und Ambo und einer freien Mitte, oder auch andere Raumfor-
                                                                                       men, wie der eines offenen „U“s.

                                                                                       In seinen Glasbildern, die bei uns zu sehen sein werden, stellt Zogmayer Worte zusam-
                                                                                       men oder konzentriert sich auf einzelne Worte, „Erste Worte“ oder wenige Zeichen,
                                                                                       einen Strich, einen schwarzen Kreis. Zogmayer liebt Reduktionen auf knappe Formen.

                                                                                       Worte, hinter Glas geschrieben, fügen sich nicht in einen gewohnten Zusammenhang.
                                                                                       Sie befremden den Betrachter und wollen anecken. Wir finden keinen Hinweis auf ihre
                                                                                       mögliche Bedeutung. Die Fantasie des Betrachters lässt aus den Worten Gedanken,
© A. Hürfeld                                                                           Bilder, Geschichten, Ereignisse wachsen.
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Unsere Gottesdienste                                                                                                                  Unsere Gottesdienste
27. Sonntag im Jahreskreis – A        (Sperrung der Tervurenlaan für Marathonlauf!)         Allerheiligen
      Jes 5,1-7; Phil 4,6-9; Mt 21, 33-44                                                         Offb 7,2-4.9-14; 1 Joh 3,1-3; Mt 5,1-12a
      Kollekte für die Aufgaben der Gemeinde                                                      Kollekte für die Aufgaben der Gemeinde
      Sa, 01.10.     19.00 Uhr        Vorabendmesse                                               Di, 01.11.      19.00 Uhr        Eucharistiefeier
      So, 02.10.     10.00 Uhr        Familiengottesdienst mit Chor Swinging Rainbow
                                                                                            32. Sonntag im Jahreskreis – A
                     11.30 Uhr        Eucharistiefeier
                                                                                                  Weish 6, 12-16; 1 Thess 4, 13-18 ; Mt 25, 1-13
                                                                                                  Kollekte für die Aufgaben der Gemeinde
28. Sonntag im Jahreskreis – A
      Jes 25,6-10a; Phil 4,12-14.19-20; Mt 22, 1-14                                               Sa, 05.11. 19.00 Uhr             Vorabendmesse
      Kollekte für die Aufgaben der Gemeinde                                                      So, 06.11. 10.30 Uhr             Ökumenischer Gottesdienst im EGZ, gestaltet von
      Sa, 08.10.
        19.00 Uhr      Vorabendmesse                                                              		                               „Soziale Dienste“
      So, 09.10.
        vormittags kein Gottesdienst in St. Paulus
                                                                                            33. Sonntag im Jahreskreis – A
        14.00 Uhr      Firmung in St. Henri, mitgestaltet vom Ökume-                              Spr 31, 10-13.19-20.30-31; 1 Thess 5m 1-6; Mt 25, 14-30
      		               nischen Posaunenchor, der Gregorianik-Schola und                           Kollekte für Enseignement spécial
      		               der Firmanden-Band (s. auch S. 37)
                                                                                                  So, 13.11.      10.00 Uhr        Eucharistiefeier, Kleinkindergottesdienst
        16.00 Uhr      Jahrmesse der Katholischen Auslandsgemeinden in
                                                                                                                  11.30 Uhr        Eucharistiefeier, Kindergottesdienst
      		               der Basilika in Koekelberg (s. auch S. 38)
                                                                                            34. Sonntag im Jahreskreis (Christkönigssonntag) – A
29. Sonntag im Jahreskreis – A
                                                                                                  Ez 34, 11-12.15-17; 1 Kor 15,20-26.28 ; Mt 25, 31-46
      Jes 45,1.4-6; 1 Thess 1,1-5b; Mt 22,15-21
                                                                                                  Kollekte für die Aufgaben der Gemeinde
      Kollekte für die Aufgaben der Gemeinde
                                                                                                  Sa, 19.11.
                                                                                                    15.30 Uhr                      Ökiki im EGZ (s. auch S. 45)
      So, 16.10.     10.00 Uhr        Eucharistiefeier, Kleinkindergottesdienst
                                                                                                  So, 20.11.
                                                                                                    10.00 Uhr                      Eucharistiefeier, Kleinkindergottesdienst
                     11.30 Uhr        Eucharistiefeier, Kindergottesdienst
                                                                                                    11.30 Uhr                      Eucharistiefeier, Kindergottesdienst, danach
30. Sonntag im Jahreskreis – A                                                                    		                               Info-Apéro für Neuzugezogene (s. auch S. 44)
      Ex 22,20-26; 1 Thess 1,5c-10; Mt 22, 34-40
      Kollekte für Mission Universelle                                                      1. Adventssonntag – B
                                                                                                  Jes 63,16b-17.19b; 64,3-7; 1 Kor 1,3-9 ; MK 13, 24-37
      Sa, 22.10. 15.30 Uhr            Ökiki in St. Paulus (s. auch S. 45)
                                                                                                  Kollekte für die Aufgaben der Gemeinde
      So, 23.10. 10.00 Uhr            Eucharistiefeier mit Einführung der neuen
                                                                                                  So, 27.11.      10.00 Uhr        Eucharistiefeier, Kleinkindergottesdienst
      		                              Messdiener, mitgestaltet vom ökumenischen
      		                              Chor, Kleinkindergottesdienst                                               11.30 Uhr        Eucharistiefeier, Kindergottesdienst
                 11.30 Uhr            Eucharistiefeier, Kindergottesdienst                        Do, 01.12.      07.00 Uhr        Roratemesse

31. Sonntag im Jahreskreis – A                                                              2. Adventssonntag – B
      Mal 1, 14b-2,2b.8-10; 1 Thess 2, 7b-9.13 ; Mt 23, 1-12                                      Jes 40,1-5.9-11; 2 Petr 3,8-14 ; Mk 1, 1-8
      Kollekte für die Aufgaben der Gemeinde                                                      Kollekte für die Aufgaben der Gemeinde
      So, 30.10.
        10.00 Uhr                     Eucharistiefeier, Kleinkindergottesdienst                   So, 04.12.      10.00 Uhr        Familiengottesdienst
        11.30 Uhr                     Eucharistiefeier, mitgestaltet von der Gregorianik-                         11.30 Uhr        Eucharistiefeier
      		                              Schola                                                                   Beichtgelegenheiten – auch für Kinder – nach Vereinbarung
                                                                                                            Bitte setzen Sie sich hierfür direkt mit Pfr. Severin in Verbindung!
24   Kurzfristig können sich Änderungen in der Gottesdienstordnung ergeben. Schauen Sie daher bitte auch auf unsere Webseite www.sankt-paulus.eu. 25
Eine-Welt-Kreis                                                                                                                                                                                                            Rückblick
                 Wasser das ganze Jahr über                                                                                                                                      Neues aus dem KGR
Monatelang ist der Regen am Horn von Afrika ausgeblieben – mit verheerenden Fol-                                                                         Nach der Sommerpause hat sich der              im Anschluss an die Inspektion der Feuer-
gen. Caritas international unterstützt die Opfer der Dürre mit Lebensmitteln und Trink-                                                                  Kirchengemeinderat erstmalig wieder am         wehr ...).
wasser, aber auch mit langfristigen Hilfen. David Snyder war in Äthiopien unterwegs                                                                      13. September getroffen. Neben einem               Das Katholische Auslandssekretariat
und berichtet über ein Wasserprojekt.                                                                                                                    Rückblick auf zurückliegende Veranstal-        konnte am 6. Juli dieses Jahres auf sein
                                                                                                                                                         tungen, wie Sommerlager und Firmvor-           90-jähriges Bestehen zurückblicken, das in
Aden Esse Kann steht in den Staub-                    ein Projekt ins Leben gerufen: Mit                                                                 bereitungswochenende, wurden die an-           Bonn feierlich begangen wurde. Die neue
wolken im Osten Äthiopiens und                          einem großen Bassin, das 75.000                                                                  stehenden Veranstaltungen vorbereitet          Internetseite gibt einen interessanten
redet sich von der Seele, was die                         Kubikmeter Wasser aufnehmen                                                                    (gemeinsame Sitzung von Kirchengemein-         Einblick in die Vielfalt seiner Tätigkeiten
Dürre in seiner Heimat anrichtet.                         kann, sollen Togo Wuchale und                                                                  derat und Presbyterium am 21. September,       (www.auslandsseelsorge.de).
Kann ist einer der Ältesten seines                        zwei Nachbardörfer das ganze                                                                   Besuch von Weihbischof Dr. H. Koch zur             Anderer Dienst im Ausland (AdiA): Da
Dorfes Togo Wuchale in der Region                         Jahr über mit Wasser versorgt                                                                  Firmung und Visitation der Gemeinde am         zu erwarten ist, dass nach der Aussetzung
Jiiga nahe der somalischen Grenze.                       werden. Das Wasser ermöglicht                                                                   9. Oktober sowie das Klausurwochenende         des Wehrdienstes das Interesse an einem
Die Probleme seiner Gemeinde fasst                     den Bewohnern von Togo Wuchale,                                                                   des KGR vom 14. bis zum 16. Oktober im         Freiwilligenjahr erheblich zurückgehen
er in zwei Sätzen zusammen: „Die Dür-               Obst und Gemüse anzubauen und etwas                                                                  Erzbischöflichen Priesterseminar in Köln).     wird, sollen schon jetzt Werbemaßnah-
re trifft uns doppelt – sie trifft uns und sie   Geld zu verdienen zur Erhaltung ihrer Vieh-                                                             Darüber hinaus haben wir über folgende         men vorgesehen werden. Verschiedene
trifft unser Vieh. Es fällt nicht ein einziger   bestände. Caritas-Helfer verteilen Nutz-                                                                Themen diskutiert :                            Möglichkeiten wurden erörtert : Werbung
Regentropfen und darum haben wir nichts          baumsamen und zeigen, wie diese richtig                                                                     Vorschlag des Liturgieausschusses, in      in katholischen Bildungseinrichtungen,
zu essen.“                                       angepflanzt und gepflegt werden. Darüber                                                                der Adventszeit, wie schon im vergangenen      Bekanntmachung im persönlichen Umfeld
     Solche Sätze sind überall in Äthiopien      hinaus informieren sie die Dorfbewohner,                                                                Jahr, eine Predigtreihe zum Thema „Pro-        der Gemeindemitglieder, eventuelle Aus-
zu hören, wo elf Millionen Menschen drin-        wie sie ihre Umwelt besser erhalten, etwa                                                               pheten im Advent“ vorzusehen. Des wei-         dehnung auf Kandidaten oder Kandida-
gend Nahrungsmittel brauchen. Die Dürre          indem sie Gras um die Wasserstellen pflan-                                                              teren wurde angeregt, die Fastenzeit im        tinnen aus anderen Ländern, gegenseitiger
verwüstet Weideland. Viele Hirten ziehen         zen. Das Gras festigt den Boden, auf dem                                                                nächsten Jahr unter ein Motto zu stellen       Austausch zwischen den Auslandsgemein-
mit ihren Herden weiter und weiter auf           dann Bäume angebaut werden können.                                                                      mit dem Ziel, nicht nur die Karwoche, son-     den etc. Das Katholische Auslandssekreta-
der Suche nach Futter. „Mindestens 400               „Mangel an Wasser ist unser Haupt-                                                                  dern die ganze Fastenzeit als gemeinsamen      riat ist seit dem 17. September 1996 Träger
Kilometer müssen sie dabei wandern“, er-         problem“, sagt Kann, „daher hoffen wir,                                                                 ökumenischen Weg zu gehen.                     des sogenannten „Anderen Dienstes im
zählt Kann. „Die Jüngsten und Stärksten          dass unsere Probleme mit dem Bassin ge-                                                                     Chr. Strasser und A. Gehring berichteten   Ausland“. Zur Zeit stehen für diesen Dienst
aus unserem Dorf sind alle schon weg.”           löst werden.“ Er und die Menschen seines                                                                über ihren gemeinsamen Besuch bei dem          insgesamt 13 Stellen zur Verfügung, davon
Die im Dorf Zurückgebliebenen – Frauen,          Dorfes stellen Arbeitskraft und Boden zur                                                               für unsere Gemeinde zuständigen Aus-           eine Stelle in Brüssel.
                                                                                                   Bild: Aden Esse Kann © D. Snyder, Caritas USA (CRS)

Kinder und ältere Menschen – müssen              Verfügung, damit das Projekt zum erhoff-                                                                landssekretariat der Deutschen Bischofs-           In eigener Sache: Anton Hrovath zieht
auf Überlebenstricks zurückgreifen. Viele        ten Erfolg führt. „60 Jahre alt bin ich jetzt“,                                                         konferenz in Bonn. Es fand ein fruchtbarer     aus beruflichen Gründen nach München
holzen Bäume und Büsche ab. „Wir produ-          so Kann, „und noch nie habe ich eine solche                                                             Gedankenaustausch statt, in dem man            und kann daher im Kirchengemeinderat
zieren Holzkohle und nutzen das Holz, um         Dürre erlebt. Momentan haben wir es noch                                                                grosses Interesse an der Entwicklung un-       nicht mehr mitarbeiten. Wir bedauern das
Feuer zu machen“, berichtet Kann. „Aber          unglaublich schwer.“                                                                                    serer Gemeinde und Offenheit für die bei       sehr. Wir hatten uns auf die Zusammenar-
das schadet der Umwelt.“ Die Abholzung                              David Snyder, Caritas USA                                                            uns anstehenden notwendigen Projekte           beit mit ihm gefreut. Für seine neue Auf-
führt zu weiterer Bodenerosion, mindert          Spenden für Ostfrika über Caritas interna-                                                              zeigte, die in nächster Zeit zur Instandhal-   gabe wünschen wir ihm alles Gute.
die Bodenqualität – und leistet künftigen        tional, Freiburg, Spendenkonto 202 bei der                                                              tung des Hauses in der Rue Fauchille und                                   Annelie Gehring
Dürren Vorschub.                                 Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe BLZ 660                                                             des Gemeindehauses erforderlich werden
     Um den Teufelskreis zu unterbrechen,        205 00, – online unter: www.caritas-interna-                                                            (Einbau einer neuen Heizung, Installierung
haben nationale Caritas-Organisationen           tional.de                                                                                               einer Telefonanlage und Baumassnahmen
26                                                                                                                                                                                                                                              27
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