2018/2019 50 START-UPS VERÄNDERN DEN HANDEL - Etailment
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START-UPS VORWORT
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Digitalisierung verändert unseren Alltag. Ge- den Einzelhandel auf – sei es bei der Logistik, im
rade beim Einkaufen merken wir das als Kunden Marketing, bei der Beschaffung von Kundendaten
ganz deutlich: Wie wir einkaufen, wo wir einkau- oder bei der Bezahlung, um nur einige Beispiele
fen, sogar wann wir einkaufen – all das hat sich zu nennen. Ich bin beeindruckt von der Vielzahl
in den letzten Jahren sichtbar gewandelt und wird und Breite der Ideen. Dabei weiß ich, dass dies
sich auch künftig weiterentwickeln. Marktstruktu- nur einen ersten Einblick in das gibt, was künftig
ren, Geschäftsmodelle und Betriebsprozesse im möglich sein könnte!
Einzelhandel verändern sich nachhaltig und mit Auch die Bundesregierung unterstützt den Einzel-
hoher Geschwindigkeit. Dabei verschwimmen die handel beim digitalen Wandel. 2019 wird ein
Grenzen zwischen dem „klassischen“ stationären neues „Kompetenzzentrum Einzelhandel“ an den
Einzelhandel und dem Onlinehandel zusehends. Start gehen, das über Einsatzmöglichkeiten digita-
Vermutlich werden diejenigen den meisten Erfolg ler Technologien informieren und bei deren Umset-
haben, die mehrere Verkaufskanäle bedienen, die zung begleiten wird – und zwar ganz anschaulich
„Wir haben mit einer Idee unser
interne Prozesse digital integrieren, die neue Tech- und konkret. So kann der Einzelhandel die digita-
nologien beherrschen – und die bei all dem gleich- len Kompetenzen weiterentwickeln, die er braucht,
zeitig immer die Kunden im Blick haben. Denn die um wettbewerbs- und zukunftsfähig zu sein. Und
Start-up sauber ins Rollen gebracht.“ Ansprüche der Kundinnen und Kunden wachsen:
Einkaufen soll nicht nur bequem, unkompliziert, mit
großer Auswahl und ohne lange Wartezeiten sein
selbstverständlich kümmert sich die Bundesregie-
rung auch darum, dass die sonstigen politischen
Rahmenbedingungen für den Einzelhandel weiter-
– sondern auch attraktiv und als Erlebnis wahrge- hin stimmen!
Fördern, was NRW bewegt. nommen werden.
Das alles stellt den Einzelhandel vor neue Heraus-
forderungen, bietet aber vor allem jede Menge
Ich bin sicher, dass das vor Ihnen liegende Heft
für das eine oder andere Aha-Erlebnis sorgen wird.
Nehmen Sie daraus Anstöße mit, den Strukturwan-
Chancen. Wie sich diese Chancen nutzen lassen, del im Einzelhandel beherzt und tatkräftig mitzu-
Foto: Jesco Denzel/Bundesregierung
wie aus dem allgemeinen Trend der Digitalisierung gestalten.
im Einzelfall eine Lösung für konkrete Projekte ent-
stehen kann – darum geht es auf den folgenden Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen!
Tanja Nickel und Katharina Obladen, Gründerinnen von Seiten. Die vorgestellten 50 Retail-Start-ups bau-
UVIS, desinfizieren Handläufe von Rolltreppen mit UVC- en die Brücke zwischen „stationär“ und „online“ Ihre Dorothee Bär
Licht. Die erste Finanzierungsrunde des Start-ups sicherte und zeigen innovative digitale Perspektiven für Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung
die NRW.BANK mit einer Unternehmensbeteiligung im
Rahmen des Förderprogramms NRW.SeedCap Digitale
Wirtschaft.
Die ganze Geschichte unter: nrwbank.de/uvis Digital Commerce 2018/2019 – 3INHALT
DIE 50 START-UPS
RAPITAG // S. 37 NEWSTORE // S. 38 SAFETY TAX FREE // S. 39 REALTAINMENT // S. 40 WYSKER // S. 41 PARCELLAB // S. 42 SCHUHE24 // S. 44 RETAILQUANT // S. 45 SHOWROOMING // S. 46 XENTRAL // S. 48
STOYO // S. 50 ROOMAR // S. 52 POSEIDON // S. 53 FASHWELL // S. 54 SPRYKER SYSTEMS // S. 55 CODECHECK // S. 56 CATCHYS // S. 58 TAWNY // S. 59 ONEDOT // S. 60 VAI TRADE // S. 61
WERETAIL // S. 62 WESHOP.ONE // S. 63 TALON.ONE // S.64 SIMPLESURANCE // S. 65 PACKWISE // S. 70 SQUARELOVIN // S. 71 PAMYRA // S.72 EVERTRACE // S. 73 SHOUTR LABS // S. 74 FASHION CLOUD // S. 75
TILLHUB // S. 76 OPTILYZ // S. 77 AMALYTIX // S. 78 OFFERISTA // S. 79 PRODUCTSUP // S. 80 12BOOKED // S. 81 ADNYMICS // S. 82 GUTE MARKEN ONLINE // S. 83 COLLECTAI // S. 84 LOYJOY // S. 85
CARGONEXX // S. 86 EDDYSON // S. 87 AUTENGO // S. 88 CROSSENGAGE // S. 89 GO TO EMMA // S. 90 REBELLE // S. 91 DEPOTCITY // S. 92 FINCOMPARE // S. 93 MASTER PIM // S. 94 ZREALITY // S. 95
4 – Digital Commerce 2018/2019 Digital Commerce 2018/2019 – 5START-UPS START-UPS
INHALT
INHALT
03 Vorwort Dorothee Bär
04 Übersicht Start-ups
09 Editorial
10 „Offline ist ja nicht zwangsläufig schlecht“ –
10 INTERVIEW: WEGE
FÜR DEN HANDEL 16
Florian Heinemann und Jan Thomas im Interview
Handel für die digitale Welt: Ohne Start-ups geht nix! –
Gastbeitrag von Martin Wild
Florian Heinemann und Jan Thomas
verraten, auf was sich der Handel 18 Sharing Economy –
gefasst machen muss und warum Fuß- Wie die Zusammenarbeit mit Start-ups gelingt
gängerzonen trotz der und durch die 22 Sprachassistenten: Begeisterte Männer, skeptische Frauen
Digitalisierung spannend sein können.
18 26
29
Finanzierung: Kostspielige Zukunft
Die Jury
36 Die 50 Start-ups – Einleitung
66 Recap 2017: Ein Jahr, zehn Start-ups, zahlreiche Erfolge
SPRACHASSISTENTEN: DIE JURY SHARING ECONOMY
29
96 Termine und Events
VOICE OF RETAIL Metro, Würth und Leder-Stoll geben
Einblick, wie sie mithilfe von Start-ups
98 Impressum
Heute hören wir nicht mehr auf die Was auf den Handel zukommt? Sie den nächsten großen Schritt wagen
Fotos: Samuel Zeller/Unsplash, Andreas Roemer/hab8
innere, sondern beim Einkauf vor sind mittendrin im Wandel und ken- und wie eine Zusammenarbeit ausse-
allem auf die digitale Stimme. Wann nen den Markt genau. Unsere Jury hen kann.
Sprachassistenten für Kunden beim
Einkaufen wirklich interessant sind,
verrät, welche Hürden im Wandel
warten und wie Chancen ergriffen
START-UPS
zeigt eine Studie. werden können.
12booked S. 81 parcelLab S. 42
KOSTSPIELIGE Adnymics S. 82 POSeidon S. 53
AMALYTIX S. 78 Productsup S. 80
ZUKUNFT
22 Innovationsförderung ist längst nicht
autengo
Cargonexx
CATCHYS
S.
S.
S.
88
86
58
rapitag
Realtainment
Rebelle
S.
S.
S.
37
40
91
mehr nur für Forschung und Industrie
interessant. Institutionen wie die KfW CodeCheck S. 56 RetailQuant S. 45
mischen den Markt auf. collectAI S. 84 RoomAR S. 52
CrossEngage S. 89 Safety Tax Free S. 39
DepotCity S. 92 Schuhe24 S. 44
eddyson S. 87 shoutr labs S. 74
26
evertrace S. 73 Showrooming S. 46
FASHION CLOUD S. 75 simplesurance S. 65
Fotos: Johannes F. Räbel, Amazon, METRO AG
Fashwell S. 54 Spryker Systems S. 55
FinCompare S. 93 squarelovin S. 71
go to emma S. 90 Stoyo S. 50
Gute Marken Online S. 83 Talon.One S. 64
LoyJoy S. 85 TAWNY S. 59
Master PIM S. 94 Tillhub S. 76
Newstore S. 38 Vai Trade S. 61
Offerista S. 79 WERETAIL S. 62
Onedot S. 60 WeShop.one S. 63
optilyz S. 77 wysker S. 41
Packwise S. 70 Xentral S. 48
Pamyra S. 72 ZREALITY S. 95
6 – Digital Commerce 2018/2019 Digital Digital
Commerce 2018 – 7
2018/2019
CommerceSEM
Big DataRetouren EDITORIAL
mik Handel
me Delivery QR-Code NEU!
predictive analytics Couponing
ouponing Logistik
LAE 2018
italisierung
Rund 200.000
Kommunik
Entscheider lesen
Der Handel und
Produkte
etailment!
Paydir
Paydirekt Trends
rends
Technologien
Reichweite
für etailment
extrem
mfangreich Omnichannel RFID
gestiegen!* David und Goliath?
Retail 4.0
4 Paypal
Der Kampf scheint entschieden. Wenn auch nicht ganz klar ist, wer
Full Service in dieser modernen Geschichte David und wer Goliath ist. Eines aber
steht fest: Wenn die Großen der Szene im glänzenden Technik-Kos-
tüm auf der Bildfläche erscheinen, ist für viele der Ausgang der Be-
analysierend modern gegnung neuer und alter Welt klar: Technologie siegt. Sprachassis-
tenten und Co. konnten noch den letzten Zweifler überzeugen – der
Webshop best practice
ctice
Handel wie wir ihn kennen befindet sich in der Metamorphose und
findet im Digitalen seine Adoleszenz.
Was wir dabei bereits im vergangenen Jahr lernen durften ist, dass
es nicht um Sieg oder Niederlage des Einzelnen, nicht um David
oder Goliath geht, sondern um einen ganzheitlichen Transformati-
Customer
omer journey
journe Tools onsprozess. Einen Prozess, der nur gemeinsam gelingen kann. Die
E-Learning
Lösung für eine nachhaltige ökonomische Entwicklung lautet dem-
Technik
nach Kooperation statt Konfrontation.
Deshalb läuten wir Runde zwei ein. Nicht im Kampf, sondern auf der
Suche nach dem „Stein der Weisen” und vereinen erneut Start-up-Ex-
Payment effizient
pertise mit dem Know-how aus dem klassischen Handelsumfeld. Das
Ergebnis: 50 Start-ups, die den Handel auf dem Weg zur Transfor-
mation begleiten. Ob im Geschäft, bei der Logistik oder ganz gezielt
bei der Eroberung von digitalen Kanälen. Wie im vergangenen Jahr
Zukunfts-Investitionen
auch konnten diese 50 Start-ups unsere Jury von ihrer Innovations-
etzte Meile
e.tailment –
kraft für den Markt überzeugen.
Was die alte von der neuen Welt bisher lernen durfte und wie der
E-Commerc
Transformationsprozess im Detail gelingen kann, zeigen Unterneh-
Branchennah
das Digital Commerce Magazin men, die die Transformation mithilfe neuer Technologien, junger
Start-ups und visionärer Ideen in die Hand genommen haben. So ist
von Der Handel. es unser Ziel, Ihnen mit „Digital Commerce” Inspiration an die Hand
Connect Algorithmen
zu geben, damit auch Sie den nächsten Schritt auf dem Weg zur
Kassensyst
Transformation erfolgreich meistern können.
Online
etailment ist die neue Online-Präsenz von Der Handel. Für jeden der sich
mit E-Commerce und Handel beschäftigt, ist etailment die perfekte Plattform.
Sybille Wilhelm, Der Handel, und Nadine Meya, Berlin Valley
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Umfassende Informationen und Hintergründe zu allen Themen rund um
Foto: Franziska Turner
Digital Commerce und stationärem Handel.
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* LAE 2018: um 14.000 Leser (Basis NpM – Nutzer pro Monat) Digital Commerce 2018/2019 – 9START-UPS
INTERVIEW INTERVIEW
„OFFLINE IST JA
NICHT ZWANGSLÄUFIG
Florian Heinemann kennt den Markt. Für ihn steht fest: Was es braucht, ist den Mut sein Unternehmen kritisch zu betrachten, um Veränderungen anzustoßen.
SCHLECHT.“ Macht es für den klassischen Handel noch Sinn,
in die digitale Transformation zu investieren,
oder sollte man den Tagesgewinn besser gleich
in Aktien von Alibaba und Amazon stecken?
te ich mein Bestandsgeschäft digital transformieren oder ein
digital geprägtes Neugeschäft aufbauen? Letzteres wäre für
viele Händler vermutlich die schlauere Lösung.
Florian Heinemann: Rein finanziell gesehen wäre das in Etwas genauer bitte.
vielen Fällen wahrscheinlich die bessere Lösung. Bei der ge- Florian Heinemann: Es wird vielfach versucht, das unterneh-
Pure Player, digitale Marken, Start-ups – sie alle schielen genwärtigen Marktdynamik dürften die wenigsten Händler merische Erbe hinter sich zu lassen und organisatorisch und
nach der Fläche. Warum Fußgängerzonen spannend mit ehrlichem operativen kulturell auf einer grünen
Geschäft im Handel in den Wiese digital neu durchzu-
sein können und wie etablierte Händler bei der digitalen kommenden zehn Jahren die starten. Das kann funktionie-
Transformation mit Start-ups kooperieren und von Vertical gleiche Rendite erzielen, die „ES BRAUCHT EINE ren. About You ist dafür ein
Brands profitieren können, diskutieren wir mit Florian mit Aktien der zehn größten erfolgreiches Beispiel. Eine
Heinemann und Jan Thomas.
Plattformen zu erreichen ist. BRUTALE ANALYSE andere Option können Ver-
Aber vielen Unternehmern tical Brands sein. Möglich
geht es ja nicht nur um die DER SITUATION.“ sind auch Digital Services
Das Gespräch führte Olaf Kolbrück. Finanzen. Sie sind mit Leib FLORIAN HEINEMANN und Plattform-Ansätze. Die
und Seele Händler, Kaufleu- ultimative Form, sich aus
te, Unternehmer. Legacy-Kontexten zu lösen,
wäre das reine Investment. Das wäre das Eingeständnis, dass
Wer also nicht an der Börse investieren will, man das Geld für die interne digitale Transformation selbst
sondern lieber in die digitale Transformation, vermutlich nicht so sinnvoll einsetzen könnte. Also setzt man
sollte welchen Weg einschlagen? lieber auf Player, denen man ein digitales Neugeschäft zu-
Florian Heinemann: In jedem Fall muss man sich klarmachen, traut. Ballastfreier, weil deutlich einfacher zu strukturieren,
dass es ohne Investitionen nicht funktionieren wird. Oben- wären eventuell Kooperationen. Beispielsweise indem man
drein funktioniert digitale Transformation nicht ohne eine bru- Software-Tools von Start-ups einsetzt oder gemeinsam Pro-
tale und emotionslose Analyse der eigenen Situation. Man dukte entwickelt.
muss sich ehrlich fragen, welche Positionierung für das eige-
ne Geschäft langfristig potenziell Sinn macht. Dazu gehört Und wofür sollte sich der stationäre Handel
die Frage, ob die digitale Transformation wirklich im Fokus entscheiden, wenn er lokal weitermachen will?
Fotos: Johannes F. Räbel
Fotos: Johannes F. Räbel
stehen soll. Digitale Transformation ist ja immer der Versuch Florian Heinemann: Zuallererst muss man den Menschen ei-
– um einen Gedanken von Matthias Schrader aufzugreifen nen Grund geben, dass sie bewusst die Transaktionskosten in
– das eigene Bestandsgeschäft „zu elektrifizieren”. Muss ich Kauf nehmen, um in einen Laden zu gehen. Also muss man
das zwangsläufig wirklich? Oder nehme ich mir ein anderes sich gegen den Onlinehandel positionieren und den Handels-
Betätigungsfeld vor und frage mich, was ich damit Cleveres raum zum Erlebnisraum machen. Crate & Barrel in den USA
machen kann. Das ist die grundsätzliche Entscheidung: Möch- ist dafür ein hervorragendes Beispiel.
10 – Digital Commerce 2018/2019 Digital Commerce 2018/2019 – 11INTERVIEW
Jan Thomas: Es braucht vielleicht Mut für neue Wege. Ein Bei- Das überrascht jetzt ein bisschen. Wie kommt
spiel: Wir reden derzeit viel über Plastik in den Weltmeeren. das?
Warum positionieren sich beispielsweise Handelsketten oder Florian Heinemann: Wenn ein Onlinehändler offline geht,
Warenhäuser hier nicht offensiver und richten für den Kunden dann hat er vorher genau ausgerechnet, wie die Kundenfre-
plastikfreie Zonen im Laden ein? Das wäre doch ein State quenz sein muss, damit sie an dem Standort mit einer aus-
ment! Damit könnte man sich von dem großen Gegner Ama- reichenden Konversion die Fixkosten deckt. Store-Konzept
zon differenzieren. Man kann sicher nicht direkt mit Amazon und Marketing werden entsprechend angepasst. Offline ist ja
konkurrieren. Aber links und rechts davon gibt es noch jede nicht zwangsläufig schlecht.
Menge Platz. Platz, den Amazon nicht so schnell füllen wird.
Auch online gibt es ja erfolgreiche Mittelständ-
Florian Heinemann: Bedarfsdeckung reicht für die meisten ler. Was machen die richtig?
TSCHAD © Sebastian Bolesch
Offline-Einzelhändler nicht. Das bietet schließlich auch Ama- Florian Heinemann: Sie haben häufig ein tiefes, breites Sorti-
zon – und das deutlich effizienter. Man muss daher das Ge- ment in der Nische und dort auch in der Regel entsprechen-
schäft emotionalisieren – über eine starke Marke, über eine de Beratungskompetenz. Sie bieten konsistent gute Produkt-
starke Botschaft, über die Kombination mit Services. Jeder beschreibungen und intelligente Verknüpfungen zwischen
Händler der sich fragt: Alibaba-Aktie oder weitermachen?, Produkten. Eigenmarken helfen auch. Insbesondere in Seg-
muss solch ein Konzept in der Tasche haben und analysieren, menten, in denen Herstellermarken nicht so präsent sind. Bei-
ob der für ihn erreichbare Markt zu wirtschaftlichen Kosten spiele dafür sind Lampenwelt, delticom, kfzteile24, Zooplus.
noch groß genug ist. Hilfreich ist es, wenn die Nische so definiert ist, dass Amazon
sich nicht die Mühe macht, dieses Segment richtig zu bear-
In einer Fußgängerzone, in der sich auch mehr beiten. Natürlich kommt es auch auf das richtige Timing und
und mehr Pure Player offline tummeln. Was Geduld an. Nischenplayer zeichnen sich meist durch langfris-
treibt sie dahin? tige Herstellerbeziehungen aus.
Florian Heinemann: Eine Offline-Präsenz hat ja eine gewisse
positive Wechselwirkung für das Online-Geschäft. Produkte Jan Thomas: Auffälligerweise vermeiden es viele der erfolg-
und Marke werden erlebbarer. Aber auch Onliner machen reichen Mittelständler, sich allzu sehr in Abhängigkeit von
das nicht nur aus Marketing-Gesichtspunkten. Die Läden müs- Amazon zu begeben. Sicherlich sind einige von ihnen dort
sen sich rechnen und das tun sie in vielen Fällen. Teilweise auch präsent, aber sie bewahren sich die Hoheit über weite
rechnen sich die Offline-Aktivitäten sogar deutlich schneller Teile des Sortiments und die direkte Kundenbeziehung. Mit
als das Online-Geschäft. Blick auf die Datenmacht von Amazon, mit Blick auf Voice
Wenn es um den Handel geht, sind sich die Experten einig: Transformation bedeutet nicht den Tod der Fußgängerzone, sondern ihre Renaissance.
IHR UNTERNEHMEN RETTET LEBEN!
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12 – Digital Commerce 2018 www.aerzte-ohne-grenzen.de/weihnachtsaktionINTERVIEW INTERVIEW
Commerce, das Amazon mit Alexa und Echo zum Gate- JAN THOMAS Bevor Start-ups mit dem Handel ins Geschäft
keeper macht, könnte das langfristig ein kluger Weg sein. „MITTELSTÄNDLER gilt als ein intimer kommen, sind schon Venture-Capital-Unter-
Kenner der Start-up- nehmen als Geldgeber an Bord. Wer Trends
Digital vertically integrated brands, also verti- WOLLEN SICH NICHT Szene und der deutschen in der digitalen Transformation erkennen will,
kal integrierte Marken, wie der Matratzen-An- Gründerlandschaft. folgt also am besten der Spur des Geldes der
bieter Casper, der Brillenhändler Warby Par- VON AMAZON Er ist Geschäftsführer Risikokapitalgeber. Wo investieren VC derzeit?
ker, das Modelabel Bonobos, das Abo-Modell und Gründer von NKF Florian Heinemann: Das ist oft eine Wellenbewegung.
Dollarshave Club, der Uhrenhersteller Kapten ABHÄNGIG Media und Herausgeber E-Commerce-Modelle sind gerade nicht so sexy, auch wenn
& Son oder der Kofferhersteller Horizn Studios der Start-up-Magazine es im Handelsbereich noch genügend Schwächen gibt. Infra-
machen gerade vor, wie das Handelsgeschäft MACHEN.“ JAN THOMAS „Berlin Valley“ und struktur-Start-ups, die im Hintergrund als sogenannte „E-Com-
der Zukunft aussehen könnte. Was ist an Ver- „the Hundert“ sowie merce-Enabler” auftreten, sind derzeit spannender. Man
tical Brands, den Marken aus dem Internet, so des täglichen Start-up- macht nichts verkehrt, wenn man sich um ein hohes Maß an
bestechend? Newsletters Venture IT-Kompetenz und Datenkompetenz im Unternehmen küm-
Florian Heinemann: Manche Marken leben von einem ge- ausreichend verstanden haben, in die Qualität ihrer Produkte Daily. Davor war der mert. Wer einen mutigen Ansatz wählt, würde ein etabliertes
waltigen Werbebudget. Das ist die Substanz von Kommu- und die Geschichten um diese Eigenschaften zu investieren, innovative Netzwerker Inhaber einer Marketing- Start-up kaufen und mit dem Team dann eigene Lösungen
nikationsmarken. In der digitalen Welt bekommt die reale können Vertical Brands in solche Lücken hineinstoßen. Wenn Agentur und einer Branding-Agentur. entwickeln.
Substanz einer Marke mehr Bedeutung, unter anderem da Sie eine ausreichend hohe Wiederkaufsfrequenz erreichen. Mit „Berlin Valley“ hat er ein Start-up-Magazin für
Produkteigenschaften dank Bewertungen und Social Media Sonst ist die Gefahr des Scheiterns hoch. Deutschland als wichtige Hausnummer etabliert und Family Offices im Handel investieren ja auch in
immer transparenter werden. Diese Substanzmarken differen- mit dem „NKF Summit“ zudem in Berlin ein wichtiges Venture Capital und Start-ups – nur nicht unbe-
zieren sich mit Qualität und Erlebnis. Jan Thomas: Das Problem sieht man gerade im Matratzen- Netzwerk-Event für Gründer, Corporate-Manager dingt in Deutschland. Was läuft da falsch?
markt. Matratzen-Start-ups wie Casper schauen deshalb un- und Innovationsexperten geschaffen. Inzwischen Florian Heinemann: Da treffen natürlich Welten aufeinander.
Jan Thomas: Damit nimmt die Relevanz von Kommunikations- ter anderem auf den Net Promoter Score als einen wichtigen bringt der „NKF Summit“ auch in anderen deutschen Schon bei der Bewertung von Unternehmen gibt es erhebliche
marken ab. KPI. Der Net Promoter Score sagt ja, wie viele Menschen Städten erfolgreich Start-ups und etablierte Differenzen. Ein Beispiel: Hier ein Handelsunternehmen, das
das Produkt weiterempfohlen haben und so für neue Käufer Unternehmen zusammen. das Sieben- bis Achtfache des EBIT wert ist. Dort der Start-up-
Florian Heinemann: Genau. Den Vorteil von Substanzmarken sorgen. Ein wichtiger Wert für die Zukunftsfähigkeit. Gründer mit 10 Mitarbeitern und einer Powerpoint-Präsentati-
sieht man unter anderem bei dem Erfolg eines Anbieters wie on, der seine Bewertung bei 10 Millionen sieht.
Anker, der von guten Rezensionen für seine Powerbanks und Florian Heinemann: Aber das Grundproblem der Wieder-
Ladegeräte profitiert. Weil viele klassische Marken es nicht kaufsfrequenz bleibt. Die allerwenigsten Produkte sind so bar zu machen. Natürlich lohnt sich nicht für jeden Mittel- Wer hat denn da recht?
stark, dass sie die nötigen Wiederkäufe – ohne relevante ständler ein eigenes Loyalty-Programm. Also muss man darü- Florian Heinemann: Das ist keine Frage des Rechthabens,
Marketingkosten – aus sich heraus erzeugen können. Also ber nachdenken, wie man Kunden, die offline in den Laden sondern der Perspektive. Der eine schaut vor allem auf die
müssen sie zusätzliche Touchpoints aufbauen. Deshalb erwei- kommen, erfasst. Beim US-Brillenhändler Warby Parker bei- vorhandenen Werte, der andere schaut vor allem auf das
FLORIAN tert Casper das Sortiment und eröffnet Läden, um als Marke spielsweise bestellen die Kunden die Brille beim Mitarbeiter Potenzial in der Zukunft. Außerdem gibt es eine fundamental
HEINEMANN präsenter zu werden und mehr Kontaktpunkte zu schaffen. am iPad und legen damit gleichzeitig quasi einen Account unterschiedliche Einschätzung über den Wert des digitalen
ist ein versierter und an. Know-hows. Das Start-up
bekannter Experte Jan Thomas: Da kommen dann die Handelsketten ins Spiel. sieht darin wichtige Werte.
der Digital-Szene in Denn die meisten Vertical Integrated Brands schielen auf de- Jan Thomas: Wichtig sind Unternehmen, die Magento
Deutschland. ren Flächen. Für die Händler ist das natürlich auch reizvoll, auch Dienste wie die des „DIGITALES KNOW- nicht von Hybris oder Spry-
Der frühere Geschäfts- um ihr Sortiment mit modernen Produkten aufzupeppen. Die Start-ups Uberall. Das hilft ker unterscheiden können,
führer von Rocket innovativen Produkte bringen Kunden ins Haus. Deshalb sind Unternehmen dabei, besser HOW WIRD unterschätzen das irrigerwei-
Internet weiß, welche sie ja so sehr an Start-ups interessiert. im Netz gefunden zu wer- se gerne. Als Venture Capi-
Geschäftsmodelle bei den, analysiert Nutzerfeed- UNTERSCHÄTZT.“ tal beurteilen wir dagegen
Start-ups funktionieren Florian Heinemann: Was Vertical Integrated Brands außer- back und hilft beim ortsbe- FLORIAN HEINEMANN einen Korb von Chancen.
und wann man von dem sehr gut können, ist das Kundenverhalten zu betrach- zogenen Marketing. Wer Wenn dabei zwei von zehn
Gründern profitiert. ten. Sie haben schließlich den direkten Kontakt zum Kunden. seine Kunden und deren der Chancen in dem Korb
Als Founding Partner Das ist ein enormer Wert und ein intensiverer Zugang zum Customer Journey kennt, der kann auch die Kundenfrequenz zu einem Erfolg werden, dann haben wir einen Super-Job
beim Berliner Frühphasen-Investor Project A Kunden als über Marktforschung. Das ist eine ganz andere im Geschäft wieder erhöhen. Alles was es braucht, sind In- gemacht.
verantwortet Heinemann die Bereiche Marketing, Liga, als wenn man dem Kunden abstrakt Fragen stellt. Das formationen, die er über den Point of Sale an den passenden
CRM und Business Intelligence. Zuvor war der Direct-to-Consumer-Business ermöglicht außerdem dank des Stellen adäquat präsentiert. Also baue ich mir als Mittelständler besser
Unternehmer maßgeblich am Aufbau von Zalando Erkenntnisvorteils eine bessere Marketingeffizienz, weil man auch so einen VC-Korb?
und eDarling beteiligt. einen direkten Feedback-Loop, den Kauf, hat. Florian Heinemann: In der Kombination von Tracking und Florian Heinemann: Da bewegt man sich natürlich als Mittel-
Heinemann gründete JustBooks/AbeBooks, das Marktforschungsmethoden steckt großes Potenzial. Das Tra- ständler – auch finanziell – schnell in einem ganz anderen
Foto: Johannes F. Räbel
später an Amazon ging, und ist als Investor sowie Und wie kommt der mittelständische Handel cking zeigt, wann Dinge passieren. Ergänzende Marktfor- Rahmen.
Business Angel an Dutzenden Start-ups beteiligt. besser an seine Daten – wie sichert er die Kun- schung kann mir erklären, warum etwas passiert. Das kann
Darunter so erfolgreiche Projekte wie Trivago (Seed denbeziehungen, ohne die gewaltige Daten- das Verständnis der Customer Journey deutlich verbessern. Jan Thomas: Es könnte aber ein sehr rationaler Weg sein.
Investor) und Audibene (Seed Investor). Nicht zuletzt macht von Facebook oder Google im Rücken? Das erreicht zwar nicht die Datenmacht von Amazon oder Erst recht, wenn Händler dabei miteinander kooperieren, um
ist Heinemann im Beirat verschiedener Unternehmen Florian Heinemann: Sie müssen – à la Payback – Anreize Facebook, aber ich muss als Händler ja mit den Möglichkei- eine gewisse Größenordnung zu erreichen. Langfristig ist das
wie Internet Stores oder About You. schaffen, möglichst viele Spuren des Einkaufsverhaltens sicht- ten arbeiten, die mir zu Verfügung stehen. vielleicht besser als der Kauf von Alibaba-Aktien.
14 – Digital Commerce 2018/2019 Digital Commerce 2018/2019 – 15GASTBEITRAG GASTBEITRAG
dern mit Handelsgrößen aus unterschiedlichen Bereichen startet. Der Test sollte zeigen, wie die Kunden auf die neue
HANDEL FÜR DIE DIGITALE WELT:
umgesetzt – von Lidl und Kaufland über s.Oliver bis zur Im- Technologie und das Kundenerlebnis reagieren. Mithilfe ei-
mobiliengesellschaft Aachener Grundvermögen. Das macht ner Microsoft HoloLens konnten sie einen Blick in die Zukunft
das Programm für Start-ups interessanter, wodurch wir die des Shoppens werfen. Die HoloLens ist ein Headset, das
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spannenderen Gründer für uns gewinnen können. Gleich- Hologramme und multimediale Inhalte ins Blickfeld rückt,
zeitig können die etablierten Unternehmen schneller lernen. ohne die tatsächliche Realität auszublenden. So begleitet
So macht nicht jeder dieselben Fehler. Viertens haben wir zum Beispiel ein Avatar die Kunden auf einer Entdeckungs-
das Programm internationalisiert: Durch die Kooperation mit tour durch den Markt und erläutert ihnen die Produkte. An
Plug and Play Tech Center haben Start-ups die Möglichkeit, dem Projekt haben zwischen Mai und Juli 2017 tausende
Martin Wild, Chief Innovation Officer der MediaMarktSaturn Retail Group, Kontakte in den USA zu knüp- Kunden in 20 Saturn-Märk-
fen und durch die Anbindung ten teilgenommen, 1.300 von
gewährt Einblick in eine Innovationsstrategie, die Erfolg verspricht. der European Retail Alliance ihnen wurden befragt. Das
wird das Programm Pilotpro- „WIRD ES Ergebnis: Mehr als 70 Pro-
jekte in immer mehr Ländern zent der Befragten würden
INNOVATIV,
Z
ugegeben: MediaMarktSaturn war nicht immer auch zu uns, wenn es mal wo hakt. Dass wir Smartpho- Europas ermöglichen. eine Augmented-Reality- oder
ganz vorn dabei, wenn es um digitale Innovati- ne-Displays binnen 30 Minuten im Markt reparieren, macht Dass wir so viel Energie in Virtual-Reality-Lösung beim
on ging. Obwohl wir unseren Kunden in unseren uns zum digitalen Lebensretter, nicht nur für Digital Natives. die Kooperation mit Start-ups SPIELEN START- Einkaufen nutzen.
Märkten schon immer alle Eingangstore zur digitalen Welt Alles, was wir heute locker auf Konferenzen oder in Fach- legen, hat einen Grund: Ein Besonders umfangreich ist un-
angeboten haben, waren wir selbst dort lange Zeit nur unzu- beiträgen berichten, war ein hartes Stück Arbeit. Es hat sich Großteil unserer Innovatio- UPS EINE ROLLE.“ sere Zusammenarbeit mit der
reichend vertreten. Erst seit 2011 haben wir die Zeichen der eine Menge von dem getan, was für uns und alle Unterneh- nen entsteht gemeinsam mit Deutschen Technikberatung.
Zeit erkannt und sind online durchgestartet. Spät, aber nicht men in Zukunft immer selbstverständlicher werden wird und Gründern. Einige Beispiele: Sie hat uns 2015 mit ihrem
zu spät. Wir sind heute mit rund zweieinhalb Milliarden Euro immer schneller vonstattengeht: die Digitalisierung. Kein Im März 2018 eröffnete in Konzept, Technikhilfe für zu
Umsatz einer der größten Onlinehändler überhaupt in Euro- Wunder also, dass wir von vielen gefragt werden, was wir Innsbruck der erste kassenlose Laden Europas. Der Store Hause zu bieten, überzeugt. Das, was normalerweise die
pa, weil wir für unseren Kunden überall dort sind, wo er uns anders gemacht haben. Die Antwort liegt zu einem ganz bietet den gesamten Service des stationären Handels, das Kinder machen, kann die Elterngeneration nun bei Media-
braucht – im Markt, online, mobil und bei ihm zu Hause. essenziellen Teil in diesem Heft. Denn die Zusammenarbeit Anstellen an der Kasse aber entfällt. Die Bezahlung erfolgt Markt und Saturn buchen: Ein Student kommt nach Hause
Einen Teil dieser glücklichen Entwicklung haben wir Steve mit Start-ups ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für uns. per kostenloser App oder mobiler Webseite direkt am Re- und erklärt die Möglichkeiten des Smart TV, vernetzt ihn mit
Jobs zu verdanken, beziehungsweise dem iPhone, das den Deshalb haben wir 2017 das Retailtech Hub gestartet, in gal. Kunden können den QR-Code der Produkte mit dem anderen intelligenten Geräten und zeigt Möglichkeiten auf,
Internetkonsum und damit den Internethandel verändert hat. dem wir Händler und Start-ups zusammenbringen, um die Smartphone scannen und bezahlen via Kreditkarte oder weitere Potenziale auszuschöpfen. Ein idealer Service, um
Spielte sich digitaler Handel zuvor auf einem grauen Kas- Zukunft des Handels zu gestalten. Das Retailtech Hub ist, PayPal. Realisiert wurde das „Saturn Express“-Projekt in Ko- unserem Anspruch gerecht zu werden – und der Partner,
ten im Arbeitszimmer oder maximal auf einem Laptop ab, wie man in der Start-up-Welt sagt, der Pivot von vielem, was operation mit dem britischen Start-up MishiPay. Projekte mit tägliche Begleiter und Navigator unserer Kunden in der di-
ist er heute allgegenwärtig. Clevere Händler – zu denen wir vorher versucht haben, um mit Gründern ins Geschäft zu weiteren Start-ups aus dem Bereich kassenloses Bezahlen gitalen Welt zu sein.
ich uns mal rechne – haben parallel ihre Stores digitalisiert. kommen. Wir haben aus den Fehlern unseres und vieler an- sind in der Umsetzung. Ich könnte die Reihe weiter fortsetzen – Elektronikprodukte
„Showrooming“ – dass sich Kunden Produkte im Markt an- derer Accelerator-Programme gelernt: Erstens verzichten wir Auch mögliche neue Kanäle für den Einkauf testen wir ge- mieten, Same-Day-Delivery oder Wiederverkauf von Produk-
schauen und zu Hause billiger im Internet kaufen – ist im- darauf, uns vom Start weg an Start-ups zu beteiligen – die meinsam mit Start-ups. Ein Beispiel: die Einbindung von Aug- ten. Immer, wenn es bei uns innovativ wird, spielen Start-ups
mer weniger vorzufinden. Weil es keinen Sinn mehr macht: Verhandlungen dafür kosten einfach unglaublich viel Zeit. mented Reality, gemeinsam mit Innoactive aus München. eine wichtige Rolle. Insofern kann ich nur dazu raten, beim
Kunden können immer und überall Preise vergleichen – wir Diese Zeit nutzen wir sinnvoller – und da sind wir bei Punkt So wurde im Rahmen der HoloTour 2017 in verschiedenen Digitalisieren des eigenen Unternehmens intensiv mit Start-
bieten ihnen dazu sogar kostenloses WLAN in unseren zwei –, nämlich für ein gemeinsames Pilotprojekt mit dem deutschen Saturn-Märkten ein Marktforschungsprojekt ge- ups zusammenzuarbeiten.
Märkten an. Und Händler sind dank digitaler Preisschilder Start-up. Nichts ist an einer Kooperation zwischen Händler
preislich auf Augenhöhe mit dem Onlinehandel. und Start-up für beide spannender als gemeinsame prak-
Stattdessen betreiben einige Kunden heute „Webrooming“ tische Erfahrungen. Für das Start-up werden dadurch aus
– informieren sich im Internet und kommen anschließend in Arbeitshypothesen praktische Erfahrungen, die wiederum
den Markt. Um sich beraten zu lassen, um Geräte zu erle- ein Wettbewerbsvorteil im Vergleich zu anderen Start-ups MARTIN WILD
ben, um zu kaufen, oder – was viele überrascht – auch nur sind. Für uns werden aus netten Ideen praktische Kunden- ist seit Januar 2018 Chief Innovation Officer
zum Abholen. Fast jeder zweite Onlinekauf bei uns wird in mehrwerte, die wir schneller in die Breite bringen können. der MediaMarktSaturn Retail Group. Er zählt
einem unserer Märkte abgeholt! Natürlich kommen Kunden Drittens werden diese Pilotprojekte nicht nur mit uns, son- zu den Pionieren im digitalen Handel: 1997
gründete er im Alter von 18 Jahren den On-
line-Elektronikhandel Home of Hardware
(hoh.de), der 2007 an Premiere (heute Sky
Deutschland) verkauft wurde. Seit 2011 ge-
hört er zur Führungsriege von MediaMarkt-
Gemeinsam mit Prof. Dr. Marc Knoppe von Saturn. Als Chief Digital Officer verantwor-
Fotos: MediaMarktSaturn
der Technischen Hochschule Ingolstadt hat tete Wild von 2014 bis 2018 die digitale
Martin Wild in diesem Jahr das Buch „Di- Strategie und Transformation der gesamten Un-
gitalisierung im Handel. Geschäftsmodelle, ternehmensgruppe. Das Handelsblatt wählte
Trends und Best Practice” herausgegeben, in ihn kürzlich zu einem der 100 klügsten Köpfe
dem anhand von Beispielen und Ideen der di- Deutschlands und Werben & Verkaufen kürte
gitale Weg für den Handel gezeichnet wird. ihn in der Kategorie Digitalmanager unter die
Top100-Persönlichkeiten 2018.
16 – Digital Commerce 2018/2019 Digital Commerce 2018/2019 – 17START-UPS
CASE STUDY CASE
START-UPS
STUDY
SHARING ECONOMY „DIE ANGST VOR DER
Sie fördern und fordern mit ganz eigenen Rezepten für den Erfolg. Diese
TRANSPARENZ VERLIEREN”
Unternehmen zeigen, wie die digitale Transformation mit und durch Start-ups gelingt.
Im Interview verrät Sylvia Dudek, Program Director METRO Accelerator, warum es so wichtig ist, Unternehmen
und Start-ups zusammenzubringen und wie der Konzern seinen Kunden zur Transformation verhilft.
T
ransformation und Fortschritt sind eine Frage von Kooperation. So kommt es, dass
Start-ups und etablierte Unternehmen sich auf Events näherkommen, in Inkuba-
toren den gemeinsamen Weg bereiten oder durch Ausgründungen den Markt
von morgen formen. Wie die Zusammenarbeit aussieht und was gestandene Player vom SYLVIA, WARUM DER ACCELERATOR? men auch eigene Lösungen: Dazu gehören Reservierungs-
Nachwuchs lernen können, zeigen Sylvia Dudek, Program Director Metro Accelerator, Viele Gastronomen verfügen nicht einmal über eine Websei- und Buchungstools. So helfen wir unseren Kunden bei der
Moritz Schwarz, Sales Director E-Business International bei der Würth-Gruppe und Dr. te. Gleichzeitig wird ihre Visibilität im Netz wichtiger. Vor Transformation und testen gleichzeitig, wie weit diese Tools
Joachim Stoll, Geschäftsführer der Leder-Stoll OHG. Sie berichten über eine neue Form diesem Hintergrund haben wir mit unserem 2015 gestarte- entweder den Umsatz steigern oder Kosten senken.
der „Sharing Economy”, die darauf aufbaut, Ideen und Potenziale auszutauschen. ten Accelerator zunächst Start-ups im Bereich Hospitality
und Restaurant-Tech gefördert. Aufgrund des Erfolgs haben WAS MUSS DER MITTELSTAND TUN, UM SICH
wir drei weitere Programme aufgesetzt, bevor wir ein zu- DIESE POTENZIALE LETZTENDLICH ZU SICHERN?
sätzliches Programm für den Handel ins Leben gerufen ha- Grundsätzlich gilt für unsere Kunden: Visibilität schaffen.
ben. Seitdem leistet der Accelerator einen wichtigen Beitrag Wer nicht sichtbar ist hat es schwer, Kunden anzuziehen.
zu den Digitalisierungsinitiativen von METRO und unterstützt Was mindestens genauso wichtig ist: Die Unternehmen müs-
Gastronomen und KMU bei ihrer digitalen Transformation. sen ihre Angst vor der Transparenz verlieren. Sie müssen
den Überblick über die Einnahmen und Ausgaben oder Per-
WELCHE TRANSFORMATIONSPROBLEME KONN- sonalplanung behalten. Themen, die etwa für das Finanz-
TET IHR BEI EUREN KUNDEN BEOBACHTEN? amt von Interesse sind. Cloudbasierte Systeme und andere
Es gibt zahlreiche strukturelle Herausforderungen. Die Lö- Tools sind der erste Schritt, um Strukturen vernünftig zu ma-
sung dafür liegt oft in der Nutzung digitaler Tools. In vielen nagen. Diese Transparenz kann für alle darauf aufbauende
kleinen und mittelständischen Unternehmen werden noch Prozesse wie den Einkauf genutzt werden. Der große Vorteil
Excel-Tabellen für die Dokumentation komplexer Strukturen der Digitalisierung ist doch, dass die Unternehmen über die
eingesetzt. Das geht heute viel einfacher. Wir machen un- richtigen Tools sehen, welche Produkte laufen und ob Mar-
seren Kunden passende Tools zugänglich. Auch im Bereich gen oder Effizienz verloren gehen. Dabei gilt: Je einfacher
des Einkaufs und beim Wareneinsatz sehen wir Potenziale. das Tool implementiert werden kann, desto einfacher ist es
Es gibt Ansätze, die helfen, Kostenstrukturen zu analysieren. für den Händler hier den Wandel einzuleiten.
Die Lösungen sind bislang noch recht komplex. Um die All-
tagstauglichkeit ihrer Lösungen zu verbessern, müssen Start- Das Gespräch führte Nadine Meya.
ups mit ihren Kunden zusammengebracht werden. Dafür
sind wir da. Durch den Austausch können die Gründerteams
Lösungen entwickeln, die auf die individuellen Bedürfnisse
ihrer Kunden eingehen und gleichzeitig skalierbar sind. SYLVIA DUDEK
ist Program Director des
WO SETZT IHR DAZU AN? METRO Accelerators
Für den Handel haben wir uns gefragt, wie wir durch techni- powered by Techstars
sche Lösungen Strukturen schaffen können, die unseren Kun- und hat ein Diplom in
den im Alltag helfen. Ein wichtiger Faktor war die Visibilität Corporate Finance und
im Netz. Aber auch Lösungen, die in den Bereich Daten und Investment Banking.
Foto: Samuel Zeller/Unsplash
Kundenanalyse fallen, sind von großer Relevanz. Es hilft den Ihre Karriere bei
Händlern zu wissen, wer ihre Konsumenten sind, also demo- METRO begann sie als
grafische Fakten zu kennen. Auch im Bereich Augmented Werkstudentin. Während
Reality sehen wir großes Potenzial. Generell unterscheiden ihrer zehnjährigen Tätigkeit für METRO arbeitete sie in acht
wir dabei Tools, die im administrativen Bereich helfen und verschiedenen Abteilungen und leitete strategische Projekte
Prozesse automatisieren, also Kosten einsparen und Tools, von Own Brand bis Non-Food Import Process Management,
die im Rahmen einer Umsatzsteigerung Chancen bieten. bevor sie die Leitung des Accelerators übernahm.
Hier entwickeln wir für kleine und mittelständische Unterneh-
18 – Digital Commerce 2018/2019 Digital Commerce 2018/2019 – 19START-UPS
CASE STUDY CASE
START-UPS
STUDY
WO DIE WÜRTH-GRUPPE „ICH BENEIDE GRÜNDER UM DIE
START-UP IST PARTIELLE BLAUÄUGIGKEIT“
Es gibt viele Wege die Transformation erfolgreich zu meistern. Über die Parallelwelt Start-up und Wie aus jungen Leuten Gründer werden und warum ein „geht nicht anders“
den Würth-Weg zum digitalen Erfolg bei der Leder-Stoll OHG nicht akzeptiert wird.
Durch eigene Gründungen, Mehrheitsbeteiligungen und WÜRTH APP IN START-UP-MANIER Aufgefordert, meine positiven Erfahrungen mit Start-ups haben. Und manchmal ist daraus ein großes Unternehmen
Partnerschaften haben wir bei Würth sehr viel Erfahrung Ein schönes Beispiel für die Arbeit in Start-up-Manier ist zu beschreiben, komme ich zu einer überraschenden geworden, das einen ganzen Markt aufgerollt hat. Ein Bei-
in der Zusammenarbeit mit Start-ups gesammelt. Die Lear- die Würth Kunden-App: Ein Projektteam aus Studenten Einsicht: In den vergangenen zwanzig Jahren sind viele spiel dafür ist Ergobag.
nings, die wir daraus ziehen, sind vielfältig und kommen und Praktikanten entwickelte damals einen Niederlas- Start-ups in unserem Büro ein und aus gegangen. Anfangs
im Unternehmen jeden Tag zum Einsatz. Gleichzeitig er- sungs-Finder für das Smartphone. Von diesem Minimum saßen da „junge Leute“; heute sitzen da „Gründer“ an OFFENHEIT FÜR NEUES
kennen wir bei unserer Zusammenarbeit mit Start-ups im- Viable Product hat sich die App inzwischen zu einer An- meinem auch größer gewordenen Tisch. Dabei stelle ich Natürlich müssen wir auch offen sein in der Zusammen-
mer wieder auch Parallelen zur Unternehmenskultur der wendung entwickelt, die neben dem vollumfänglichen eines fest: Die Charaktere und Einstellungen haben sich arbeit – offen für Neues. Wir müssen digitale Ansätze für
Würth-Gruppe: Jugendlichkeit, Schnelligkeit und Dynamik Zugriff auf den Onlineshop eine ganze Reihe weiterer kaum geändert, das Auftreten der immer noch jungen Leu- bestehende Arbeiten akzeptieren und nicht zuletzt schlan-
sind Attribute, die allgemein Start-ups zugeschrieben wer- nützlicher Funktionen bietet – entstanden aus den Anfor- te schon. Aber darum soll es heute nicht gehen. ke neue Abläufe oder zusätzliche Services testen. Ohne
den, seit jeher aber auch ein wichtiger Bestandteil der derungen unserer Kunden. Die neueste Erweiterung macht eine Lust am Ausprobieren von Neuem, am Schumpeter-
Kultur bei Würth sind. die App zum Schlüssel für unsere Würth 24 Niederlas- VOM WACHSTUM DER KLEINEN schen Zerstören von Altem auf unserer Seite hätte vieles
sung in Vöhringen, nahe Ulm. Nach einem Check-In via Betrachten wir die Start-up-Szene, scheint man eines nicht nicht geklappt. Ein „geht nicht anders“ wird bei uns nicht
START-UP-KULTUR LEBEN App öffnen sich die Türen zum Verkaufsraum und Scan- leugnen zu können: Vergessen sind die Ideen, von denen akzeptiert.
In die beschriebenen kulturellen Parallelen haben wir ner-gestützte Systeme ermöglichen den Einkauf auch au- man nichts mehr gehört hat. Und Ehrfurcht vor den positi-
Philosophien und Denkweisen der Start-ups integriert. So ßerhalb der Öffnungszeiten. ven Unternehmensgründungen ist da, wo heute Start-ups EINSICHTEN
werden neue Ideen und Konzepte nach den Regeln von stehen, die zig mal größer sind als koffer24. Einmal sind Trotzdem sind wir kein Start-up mehr. Das wird mir bei all
Fail Fast, Minimum Viable Products oder SCRUM-Model- DER WÜRTH-WEG die Gründer noch dabei – ein anderes Mal ist die gewach- den Überlegungen zur Szene und ihren Stärken bei der
len entwickelt und weiterverfolgt. Wir versuchen zudem, Bei der Zusammenarbeit mit Start-ups gehen viele Unter- sene Organisation Teil eines noch viel größeren Gebildes Etablierung von künftigen Konzernen klar. Denn irgend-
die Anforderungen unserer Kunden durch möglichst kurze nehmen den Weg, in einem Inkubator oder Innovation Lab geworden. Auffällig bei allen positiven Cases sind die wie fehlt uns – und darum beneide ich die jungen Unter-
Entwicklungszyklen schnell zu erfüllen, um das Produkt in zu starten. Ein solcher Ansatz wäre für Würth definitiv der nichtlinearen Organisationsentwicklungen, die wir sehen. nehmer – die engagierte partielle Blauäugigkeit.
einem zweiten Schritt gemeinsam mit unseren 3,5 Millio- falsche Weg gewesen: In unseren Ausgründungen und Oft lässt sich auf ganze Reihen von Entwicklungsexplosio-
nen Kunden weiter auszubauen. Beteiligungen setzen wir auf eine enge Zusammenarbeit, nen, gefolgt von mutigem Abschneiden nichtperfomanter Joachim Stoll, Geschäftsführer der Leder-Stoll
indem wir Konzernmitarbeiter nicht nur in Aufsichtsgremi- Organisationsteile blicken. Dabei sind erfolgreiche Unter- OHG
en positionieren, sondern direkt in den operativen Teams. nehmen in selbständigen Teilbereichen gewachsen – sel-
So sind wir möglichst nahe dran und stärken den Ideen- ten über alle Engagements. Wie sie das geschafft haben?
austausch. Erfolgsrezept waren meist die Agilität, die verteilte Ver-
MORITZ SCHWARZ antwortung und nicht zu vergessen die Reaktionsfähigkeit DR. JOACHIM STOLL
arbeitete nach Stationen SCHEITERN? ABER BITTE! und der Mut zur Entscheidung. ist geschäftsführender
in England, den Nieder- Zudem versuchen wir, die Start-up-Kultur aus dem Inneren Gesellschafter der Leder-
landen und Mexiko als heraus zu leben, um Kreativität, Agilität und Innovations- DER EIGENE WEG Stoll OHG. Als Gründer
international Business kraft im Konzern zu erhalten. Unseren Mitarbeitern schaf- Wenn ich eine Erkenntnis teilen kann, dann die, dass es von koffer24.de kennt
Developer in einer Agen- fen wir den dafür nötigen Raum über Projektgruppen in uns generell geholfen hat, dass wir überhaupt regelmäßig er die Start-up-Szene
tur für E-Commerce und verschiedenen internen Programmen. In diesem Rahmen mit Start-ups zusammenarbeiten. Junge Unternehmen fin- und ihre Stärken. Dabei
als Unternehmensberater. bekommen die teilnehmenden Mitarbeiter Zeit und Res- den sich oft in kleinen (Service-) Nischen, die wir alleine bringt der Unternehmer
Seit 2011 ist der sourcen, kreative Ideen und neue Ansätze zu entwickeln. niemals wahrgenommen hätten. Neue Services wie die als aktives Mitglied
gebürtige Berliner in der Was überzeugt wird weiterverfolgt. Scheitern ist dabei verlängerte Ladentheke durch Storeplus, die verbesserte im Handelsverband
Würth-Gruppe zuhause, wo er den Bereich E-Business explizit erlaubt, wenn wir daraus etwas lernen können – lokale Auffindbarkeit durch Youbuyda, das Jobticket-An- Frankfurt, Berlin und Brüssel sowie in der IHK Frankfurt
Integration aufbaute und inzwischen als Sales Director ein Ansatz, der uns wachsen lässt und den wir auch bei gebot an unsere Mitarbeiter über Start-upSupporters und und dem DIHK Berlin Erfahrungen aus beiden Bereichen
Foto: Leder-Stoll
E-Business International die digitalen Vertriebsaktivitäten Start-ups wiederfinden. vieles mehr hätte es alles nicht gegeben, hätten wir nicht zusammen. Seine Schwerpunkte: Lederwarenbranche,
Foto: Würth
im In- und Ausland verantwortet. ein jeweils junges Unternehmen gehabt, das uns diesen KMUs, Multichannel Handel und Digitalisierung
Moritz Schwarz, Sales Director E-Business Fortschritt ermöglicht. Nicht zu reden über den Einkauf,
International bei der Würth-Gruppe wo es immer wieder neue Labels gab, die wir früh getestet
20 – Digital Commerce 2018/2019 Digital Commerce 2018/2019 – 21START-UPS
SPRACHASSISTENTEN SPRACHASSISTENTEN
Außerdem möchten sie eher Neues entdecken, als nach 40 Jahre) ein starkes Interesse an Voice Commerce be-
ihren gewohnten Marken zu suchen. Derzeit findet Sprach- kundet (61 Prozent). Bei knapp der Hälfte der Voice-Com-
steuerung vor allem Zuspruch bei der Information, weniger merce-Nutzer und -Interessierten finden die Warengruppen
beim abschließenden Kauf von Produkten. Unentschieden Haushaltsprodukte sowie Mode und Accessoires Anklang,
sind die Konsumenten bei der Frage, ob die verbale Steue- was diese Variante des Einkaufens betrifft. Unter den Kon-
rung sich besser für regelmäßig benötigte Erzeugnisse oder sumentinnen sind dies sogar 57 Prozent. Es folgen – mit
für die Inspiration mit Blick auf neue Produkte eignet. Interesse bei etwa 40 Prozent der Nutzer und Interessier-
Die relevanten Arten von Produkten und Situationen unter- ten – die Bereiche Wohnen und Einrichten, Heimwerken
scheiden sich auch hier wieder je nach Altersklasse und und Garten sowie Kosmetik und Beauty, wobei Voice Com-
Geschlecht: Männer und über 40-Jährige sind gegenüber merce für Kosmetik auf gut jede zweite Frau besonders gro-
neuen Marken, Inspirationsmöglichkeiten und dem Einkauf ßen Reiz ausübt.
per Sprachsteuerung aufgeschlossener als Frauen und jün- Sechs von zehn Konsumenten finden Sprachsteuerung beim
gere Konsumenten. Einkaufen hingegen unpraktisch, da sie Informationen bes-
ser optisch als akustisch erfassen können. Unter den Besit-
Alle Branchen relevant zern von Sprachsteuerungssystemen, die bereits an die In-
Voice Commerce ist der Studie zufolge grundsätzlich formationen in Form gesprochener Sprache gewöhnt sind,
für alle Branchen relevant. Sechs von zehn Voice-Com- stimmen nur 47 Prozent dieser Aussage zu. Knapp 60 Pro-
merce-Nutzern und -Interessierten sind an Einkäufen per zent der Befragten nutzen Sprachsteuerung deshalb kaum
Sprachsteuerung bei Produkten der Elektronikbranche inter- zum Einkaufen, weil sie unsicher beim Ablauf des Bestell-
essiert. Unter den Männern sind es sogar sieben von zehn. prozesses sind.
Auf dem zweiten Platz liegen Lebensmittel mit 54 Prozent. Auch das Thema Datenschutz hemmt knapp sechs von zehn
Bei der smartphone-affinen Gruppe der Smart Consumer Konsumenten, per Sprachsteuerung einzukaufen. Für Frauen
finden sogar 68 Prozent Voice Commerce im Lebensmittel- spielt dieser Aspekt eine etwas größere Rolle als für Männer
BEGEISTERTE MÄNNER,
handel interessant. (63 gegenüber 56 Prozent). Besitzer von Sprachsteuerungs-
An dritter Stelle folgt die Branche Hobby und Freizeit (51 systemen und Smart Consumer äußern diesbezüglich weni-
Prozent), in der vor allem die jüngere Altersklasse (unter ger Bedenken (jeweils 46 Prozent).
SKEPTISCHE FRAUEN
Viele Konsumenten nutzen bereits Siri, Alexa & Co. Eine Studie zeigt, bei welchen Produkten und in welchen
Eine Mehrheit hält Sprachsteuerung für eine zentrale Technik der Zukunft, sieht
Situationen diese Technik aus Kundensicht auch beim Einkaufen interessant ist. Händler aber noch nicht entsprechend gerüstet.
Digitale Sprachassistenten sind praktisch: Siri, Cortana oder Interessiert an Sprachsteuerung zum Einkauf sind demnach
Alexa kommunizieren mit dem Nutzer, informieren über das immerhin weitere 39 Prozent. Davon haben 61 Prozent
Ich denke, dass Sprachsteuerung die manuelle
Wetter, senden Nachrichten, spielen Musik, schalten Licht Sprachsteuerung im Allgemeinen schon mehrfach genutzt
Texteingabe in den nächsten Jahren an vielen 56 67 66
oder Heizung ein und aus oder erledigen Anrufe. Und so und 44 Prozent besitzen auch ein Sprachsteuerungssystem Stellen ersetzen wird.
setzt heute schon jeder zweite Konsument Sprachsteuerung wie etwa Amazon Echo oder Google Home.
über Smartphones oder andere Geräte ein, zeigt das Consu- Damit ist die potenzielle Nutzergruppe für Voice Commerce
mer Barometer der Beratungsgesellschaft KPMG und des mit der Hälfte aller Konsumenten also vergleichsweise groß.
Instituts für Handelsforschung (IFH), Köln. Unter den technik Die Interessierten sind durchschnittlich 45 Jahre, etwa zwei 41 23
Ich wünsche mir, dass in Zukunft mehr Händler
affinen „Smart Consumern“ sind es sogar 64 Prozent. Drittel von ihnen zwischen 30 und 59 Jahre alt. Die ande- und Marken Sprachsteuerung für den Einkauf 20
Zudem kann sich jeder vierte Befragte die künftige Verwen- re Hälfte der Konsumenten steht – wenn es ums eigentliche und begleitende Services anbieten. 31
dung von Sprachsteuerung gut vorstellen. Somit liegt das Einkaufen geht – der Sprachsteuerung allerdings skeptisch
Potenzial der generellen Nutzung bei rund drei Viertel der gegenüber und kann sich die Nutzung nicht vorstellen.
Konsumenten. Nur 27 Prozent sehen sich so gar nicht als Die meisten dieser Skeptiker, deren Altersdurchschnitt bei
künftige Anwender solcher Technologien. 46 Jahren liegt, sind weiblich. 45 Prozent dieser Gruppe Ich ziehe Händler und Marken vor, die mir
Einkauf und Beratung per Sprachsteuerung 24
sind sogar älter als 50 Jahre. Außerdem lehnt die Hälfte anbieten, weil ich dies als innovativ und 13
21
Noch wenig Einsatz beim Einkauf von ihnen nicht nur Voice Commerce, sondern auch sonstige kundenorientiert empfinde.
Im Einkaufszusammenhang kommt Sprachsteuerung derzeit Sprachsteuerungsangebote ab. Männer
allerdings noch vergleichsweise selten vor: 5 Prozent nutzen Smart Consumer
Foto: Amazon
diese Option regelmäßig, weitere 6 Prozent haben sie ein- Sprachassistenten für Entdecker
Besitz Sprach-
mal ausprobiert. Diese „Voice Commerce“-Nutzer sind über- Per Sprachsteuerung einzukaufen können sich die Konsu- Frage: Inwiefern stimmen Sie den folgenden Aussagen zu? steuerungssystem
wiegend männlich und durchschnittlich 36 Jahre alt. menten am ehesten bei preisgünstigen Produkten vorstellen. Quelle: KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft/IFH Köln GmbH, 2018; Dargestellt ist die Top-2-Box („stimme voll und ganz zu“ + „stimme eher
zu“); n=500; in Sprechblasen sind signifikante Subgruppenunterschiede dargestellt (70 < n < 239); Angaben in %
KPMG/IFH Köln: Consumer Barometer 02/18: Voice Commerce
22 – Digital Commerce 2018
2018/2019 Digital Commerce 2018/2019 – 23Sie können auch lesen