25 Jahre Münchener Businessplan Wettbewerb - BayStartUP: das Startup-Netzwerk
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Ausgabe 03 | 2021
DAS STARTUP MAGAZIN FÜR BAYERN
25 Jahre
Münchener
Businessplan
Wettbewerb
BayStartUP:
das Startup-Netzwerk
Seite 4
BayStartUP Fördervereine Ehemalige Wettbewerbssieger Neues aus dem BayStartUP
Dr. Joachim Kuhn, des MBPW Investorennetzwerk
CEO va-Q-tec, neues Mitglied Quantum-Systems: OCELL:
im Vorstand Drohnen für die Industrie Die Vermessung des Waldes
Seite 7 Seite 8 Seite 28startUPdate Das Startup Magazin für Bayern Ausgabe 03 | 2021
Inhalt
Editorial ......................................................................................................................................................... 3
Titelthema: 25 Jahre Münchener Businessplan Wettbewerb .........................
BayStartUP: das Startup-Netzwerk .............................................................................................................. 4
Fördervereine: Dr. Joachim Kuhn, CEO va-Q-tec, neues Mitglied im Vorstand ........................... 7
25 JAHRE MBPW
Quantum-Systems: Drohnen für die Industrie ........................................................................................ 8
Interviews mit Wegbegleitern: Falk F. Strascheg und Robert Schillinger .............................................. 10
Sieger und Nominierte im Münchener Businessplan Wettbewerb 2021, Phase 3 ..................... 12
HVB: Innovativ und digital .................................................................................................................... 15
Sieger und Nominierte im Businessplan Wettbewerb Nordbayern 2021, Phase 3 ..................... 16
Siemens: Kollege Roboter entwickelt Fingerspitzengefühl ............................................................. 19
Bayern Kapital: Seedphase, Wachstum, Internationalisierung ......................................................... 20
LfA: Mit Fördermitteln erfolgreich durchstarten ......................................................................... 21
Avnet Silica: Schneller zum Prototypen ................................................................................................. 22
Expertenwissen aus dem BayStartUP Netzwerk .......................................................
Rödl & Partner: Besonderheiten im Finanzaufsichtsrecht für FinTechs ..................................................... 23
Pape & Co.: Besteuerung bei nachträglich gemeldeten Co-Foundern ............................................. 24
Winter Brandl et al.: Maschinelles Lernen und IP-Schutz .................................................................... 24
EXIST: Das neue EXIST-Jahrbuch ist da ....................................................................................................... 25
Weickmann & Weickmann: Freedom to Operate – die Patente der Mitbewerber ......................... 25
Neues aus dem BayStartUP Investorennetzwerk ............... ........................................
VentureCon „TechTrends“ .............................................................................................................................. 26
SAX Power: Durchbruch in der Batterietechnik ................................................................................... 27
OCELL: Die Vermessung des Waldes ....................................................................................................... 28
Saison-Rückblick, Workshops und Events .......................................................................................... 30
Impressum
Herausgeber: BayStartUp GmbH Leitung: Thyra Andresen
Geschäftsführer: Dr. Carsten Rudolph Mitarbeit: Anna Schmitt
Am Tullnaupark 8 | 90402 Nürnberg V.i.S.d.P.: Dr. Carsten Rudolph
Agnes-Pockels-Bogen 1 | 80992 München Design: Unibrand | Layout: Julia Schneider | Druck: panta rhei c. m.
+49 911 13 13 97 30 +49 89 388 38 38 0
info@baystartup.de www.baystartup.de © BayStartUp GmbH
2Ausgabe 03 | 2021 startUPdate Das Startup Magazin für Bayern
Vor 25 Jahren als Münchener
Businessplan Wettbewerb gegründet, hat Liebe
Leserinnen,
sich BayStartUP zu einer Institution ent-
liebe Leser,
wickelt, die viele wichtige Stakeholder
der bayerischen Startup-Szene anspricht unsere erste fast vollständige Online-Saison
geht zu Ende – Zeit für ein Resumée. Und das
und mit ihren Angeboten sieht erstmal sehr positiv aus. Seit der ersten
unverzichtbar geworden ist. Die Aus Magazin-Ausgabe im März diesen Jahres konn-
ten wir praktisch alle Events, Workshops und
bildung von den Unternehmerinnen und auch Investorenvorstellungen durchführen –
Unternehmern von morgen ist heut auf digitalem Wege. Gerade online haben wir
eine Vielzahl von Formaten neu gedacht und
zutage wichtiger denn je! Danke für Ihr hier neue Erfahrungen sammeln können. Das
persönliche Networking ist dabei auf Dauer
Engagement und herzlichste Glückwün- durch nichts zu ersetzen. Von daher war es eine
sche zu diesem Jubiläum. erfreuliche Abwechslung, die Jurysitzungen
und Prämierungen in Phase 3 diesen Sommer
in einem kleinen Kreis mit Juroren, Sponsoren
und Partnern durchgeführt zu haben. Es hat uns
gefreut, viele von Ihnen wiederzusehen. Mein
Eindruck nach den ersten Gesprächen war, dass
es Ihnen umgekehrt genauso ging.
Was bedeutet das nun für die Zukunft? Un-
sere Businessplan Wettbewerbe, Workshops
und Investoren-Matchings werden keine rei-
nen online-Formate bleiben. Aber wir werden
das Beste aus beiden Welten kombinieren. Die
Workshops werden zumeist weiter online statt-
Hubert Aiwanger finden, ergänzt um einige Präsenzveranstaltun-
Stellvertretender Ministerpräsident gen. Gerade dann, wenn es auf den Austausch
Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, der Gründerinnen und Gründer untereinander
Landesentwicklung und Energie ankommt. Unser Startup-Coaching läuft opti-
mal im „Mischbetrieb“. Darüber hinaus freuen
wir uns schon jetzt wieder auf eine der nächs-
ten „echten“ Startup Demo Nights im Herbst.
Breite Impfungen zusammen mit der Vernunft
Events 2021 der Menschen werden die Situation hoffentlich
Im Oktober beginnt unsere neue Saison mit Phase 1 der Bay-
nicht wieder drastisch verschlimmern.
erischen Businessplan Wettbewerbe, Workshops und vielen
weiteren Events: Darunter die neue Ausgabe unserer Investo-
In dem Sinne wünsche ich Ihnen einen schö-
renkonferenz VentureCon TechTrends am 19. Oktober und die
nen Sommer! Auf ein baldiges (persönliches)
Startup Demo Nights für Innovationen zum Anfassen!
Wiedersehen,
Die Formate passen wir flexibel an die Infektionslage an und
Ihr
halten Sie in unserer Terminübersicht auf dem Laufenden.
www.baystartup.de/termine
Dr. Carsten Rudolph
3startUPdate Das Startup Magazin für Bayern 25 JAHRE MBPW
BayStartUP:
das Startup-
© Sebastian Widmann
Netzwerk
Foto: Sebastian Widmann
A
ls Startups vor 25 Jahren einen Businessplan
Als echter Know-how-Träger für Startupfinan-
schreiben wollten, gab es noch keine On-
zierung und Unternehmenswachstum treibt line-Suchmaschinen, mit denen sie nach Vorlagen
BayStartUP innovative Gründungen in Bayern suchen konnten. Das iPhone war noch nicht am
Markt, und auch der Bücherbestand an den Universitäten
voran, gestaltet das Startup-Ökosystem ak- zum Thema Business Planning war überschaubar. Fächer
tiv mit und fördert einen nachhaltigen Start- wie „Entrepreneurship“ oder „Innovationsmanagement“
up-Spirit. Hervorgegangen ist BayStartUP als waren weitgehend Fremdwörter an den Lehrstühlen. Die-
se Ausbildungslücke füllte der Münchener Businessplan
Institution aus dem Münchener Businessplan Wettbewerb. McKinsey, die das Projekt in den ersten Jah-
Wettbewerb. ren betreuten, verfolgten bewusst den Netzwerkgedanken
und banden die Münchener Universitäten, die Stadt, breite
Teile der Wirtschaft von Industrieunternehmen bis Steu-
erkanzleien und das Bayerische Wirtschaftsministerium in
die Idee ein, ambitionierten Gründerinnen und Gründern
in drei aufeinanderfolgenden Phasen die wichtigsten As-
pekte im Business Planning zu vermitteln.
Erweiterung der Angebote
In 25 Jahren hat sich aus dem Münchener Businessplan
Wettbewerb eine Institution entwickelt, die neben der
Ausbildung von Startup-Unternehmerinnen und Un-
ternehmern noch gezielter die wichtigsten Akteure im
Ökosystem anspricht. In den vergangenen 15 Jahren hat
BayStartUP eines der größten Investorennetzwerke Eu-
ropas aufgebaut, mit inzwischen über 150 institutionel-
len und über 300 privaten Kapitalgebern an Bord. Für sie
wurde über die Jahre das Angebot noch weiter ausgebaut:
direktes Matching mit finanzierungsreifen Startups aus
dem BayStartUP Coaching und den Wettbewerben, natio-
nale und internationale Investorenkonferenzen auch für
Investoren außerhalb des Netzwerks und für Startups über
die Grenzen Bayerns hinweg, exklusive Business Angel
Meetings und die Business Angel Akademie, die angehen-
de Privatinvestoren in die Welt des Eigenkapitals einführt.
4Titelthema
Mit den ersten erfolgreichen Projekten der BayStartUP ehrliches und qualitativ hochwertiges Feedback zu ihren
Industriekooperationen fasst BayStartUP auch im Umfeld Geschäftsmodellen und möglichen Finanzierungsoptio-
von Mittelstand und Industrie weiter Fuß: etablierte Unter- nen, die BayStartUP Coaches entwickeln gemeinsam mit
nehmen werden gezielt dabei unterstützt, passende Start- ihnen eine erfolgversprechende Finanzierungsstrategie
ups für Kooperationen zu finden, Potenziale in der Zu- und vernetzen sie aktiv mit Kapitalgebern aus dem Bay-
sammenarbeit zu heben und selbst erfolgreich Corporate StartUP Investorennetzwerk.
Startups zu gründen. Corporates werden im Rahmen von
Projektaufträgen von Beginn an bei der Zusammenarbeit Zu BayStartUP kommen jährlich inzwischen über 800 Star-
mit Startups und über den gesamten Kooperationsprozess tups mit Interesse oder Potenzial für Eigenkapitalfinanzie-
hin begleitet. BayStartUP übernimmt die Erstsichtung und rung. Davon werden 500 Teams im engeren Coaching
Qualifizierung geeigneter Startups, den Kontaktaufbau, betreut, zwischen 130 und 150 Startups werden jährlich
unterstützt bei der Implementierung geeigneter Prozesse im BayStartUP Investorennetzwerk vorgestellt. Die enge
und Strukturen in den Unternehmen. Vernetzung zu dieser Vielzahl von Unternehmen ermög-
licht uns einen exzellenten Überblick über aktuelle Ge-
Auch der Ausbildungsaspekt als Kern von BayStartUP als In- schäftsmodelle und Technologie-Trends im bayerischen
stitution ist über die Jahre gewachsen. Was in den Anfangs- Ökosystem. Investoren profitieren dadurch von einem
jahren ein kleines Projektteam war, ist heute ein Team von exzellenten Dealflow, den BayStartUP auf ihre Bedürfnisse
rund 22 Mitarbeitern, das neben der Organisation auch mit zuschneidet. „BayStartUP ist mit seinen Vorgängerorgani-
der inhaltlichen Betreuung der Startups befasst ist. Business- sationen seit 1996 in der bayerischen Startup-Szene aktiv“,
planning Workshops begleiten seit Beginn die Wettbe- sagt Barbara Dombay, Leitung Investorennetzwerk. „In 25
werbe – abgestimmt auf die Anforderungen der jeweili- Jahren am Markt haben wir ein in Deutschland einmaliges
gen Phasen – und dienen den Startups zur Vorbereitung. Wissen und Netzwerk in den Bereichen Startup-Finanzie-
Von ESOP bis Markenrecht: in Kooperation mit den BayS- rung und -Wachstum aufgebaut. Wir haben seit der Dot-
tartUP Sponsoren ist das Workshop-Programm seit 2010 com-Blase Anfang der 2000er fast jeden Hype kommen
auf jährlich rund 100 Seminare angewachsen. Experten und gehen sehen und gelernt, die wirklich starken Start-
aus der Praxis bringen den Unternehmerinnen und Un- up-Themen zu identifizieren.“
ternehmern bei, wie sie durchdachte unternehmerische
Entscheidungen treffen. Neben praktischen Methoden- Neutralität als Selbstverständnis
Insights erfahren sie, wie ihre Stakeholder ticken und wel- BayStartUP arbeitet dabei nicht gewinnorientiert. „Wir sind
che Bedürfnisse sie haben – vom Kunden über den Inves- stolz darauf, dass wir dadurch als absolut neutrale Ins-
tor bis zur Finanzbehörde. tanz zwischen Startups und anderen Stakeholdern agie-
ren können“, sagt Dr. Carsten Rudolph, Geschäftsführer
Kritischer Sparringspartner auf Augenhöhe von BayStartUP. „Alles, was wir durch unsere Sponsoren
BayStartUP versteht sich bei allen Angeboten als kritischer oder Dienstleistungen einnehmen, fließt direkt zurück in
Sparringspartner. Gründerinnen und Gründer bekommen die Startup-Förderung.“ BayStartUP ist bezüglich der The-
5startUPdate Das Startup Magazin für Bayern 25 JAHRE MBPW
men von Startups, Investoren sowie Industriekunden völlig bieten den Teilnehmern die Möglichkeit zum Austausch
branchenoffen. Das Netzwerk agiert ohne Fokus auf be- mit Gleichgesinnten, die ähnliche Entscheidungskom-
stimmte Regionen. Bei erfolgreich vermittelten Finanzie- petenzen haben. „Startups holen wir bedarfsgerecht da
rungsrunden nimmt es keine Anteile von Startups. „Statt ab, wo sie gerade stehen und zwingen sie zu nichts –
von den Startups beim Matching mit Investoren eine Pro- Pitch-Sessions oder das Ausstellen auf Events sind opti-
visionssumme zu fordern und potentiell die Investitionen onale Angebote, zu denen sie nicht verpflichtet sind. Sie
durch Kapitalgeber im Coaching hochzutreiben, behalten sollen sich voll auf ihre unternehmerischen Aufgaben
wir die Bedürfnisse der Startups im Blick. Wir müssen auch konzentrieren können“, erklärt Markus Schilling, Leiter des
keine Verträge mit den Teams schließen – für sie bleibt Ausbildungsprogramms.
es unbürokratisch“, sagt Harald Wagner, Leitung Finanzie-
rungscoaching. Um einen guten Coachingverlauf zu ga- Besondere Gesellschafterstruktur ermöglich Neutralität
rantieren, sollten die Teams allerdings eine gewisse Reife, Auch bei der Schaffung der BayStartUp GmbH hat man auf
Offenheit für Feedback und den Willen zum Erfolg mit- Neutralität geachtet und eine besondere Gesellschafter-
bringen. Gewisse Grundlagen müssen erfüllt sein – insbe- struktur gewählt. Möglich wird dies dank zweier Förder-
sondere in Bezug auf ihren Businessplan. vereine. „Das Konstrukt erscheint auf den ersten Blick viel-
leicht kompliziert“, sagt Rudolph. „Die Struktur wurde aber
Ähnlich stellt sich die Situation im Investorennetzwerk 2014 ganz bewusst so gewählt, um möglichst viele Partner
dar: Auch hier gibt es ein neutrales Anreizsystem bei der in der Eigentümerstruktur einzubinden. BayStartUP kann
Vermittlung. Die Startups werden neutral vorgestellt, die dadurch als GmbH wirtschaftliche Aktivitäten verfolgen
Gründer haben freien Spielraum, für welche Investo- – die Gewinne daraus fließen aber direkt wieder in die
ren sie sich in ihren Runden entscheiden. Dadurch, dass Startup-Unterstützung zurück.“
weder von Startups noch von Kapitalgebern eine Provi-
sion bei erfolgreichem Matching verlangt wird, spielt für Gemeinsames Ziel des „Förderverein Innovatives Unter-
BayStartUP weder Höhe noch Zeitpunkt der Runde oder nehmertum Nordbayern e.V.“ und „Förderverein Innovati-
Investor eine Rolle. „Wir gewährleisten damit Startups und ves Unternehmertum Südbayern e.V.“ ist es, die Gründung
Investoren, dass wir die Teams in eine Richtung pushen, und das Wachstum von bayerischen Unternehmen zu för-
die wirklich zum Markt passt“, erklärt Dombay. „Wir pro- dern. Die Fördervereine stärken durch ihre Mitgliedsbeiträ-
fitieren von den Runden finanziell nicht und haben daher ge neben den Sponsoreneinnahmen alle Maßnahmen der
keine eigene Agenda.“ Allen Investoren werden die finan- BayStartUp GmbH. Sie haben rund 150 Mitglieder, darun-
zierungsreifen Startups vorgestellt, die zu ihrem Profil pas- ter Firmen und Institutionen, Städte und Kommunen oder
sen. Für Kapitalgeber ist die Mitgliedschaft im Investoren- Universitäten. „Wir freuen uns, wenn die Startups aus un-
netzwerk sowie die Teilhabe am Dealflow gebührenfrei. serem Netzwerk, die erfolgreich an den Markt gegangen
sind, hier in ‚kleiner Dosis‘ von wenigen Hundert Euro et-
In den Businessplan Wettbewerben wird die Neutralität was zurückgeben“, sagt Rudolph. „Sie unterstützen damit
bei der Auswahl der Siegerteams durch eine breite Jury direkt die nächste Startup-Generation.“ Schließen auch Sie
gesichert. Die eingereichten Businesspläne werden von sich den heute erfolgreichen Teilnehmern der Business-
rund 300 ehrenamtlichen Juroren bewertet. Das stellt eine plan Wettbewerbe an, die schon mit dabei sind!
neutrale Vorauswahl der besten Teams für die Pitches vor
einer Expertenjury sicher. „Alle Juroren haben ein fundier-
tes Verständnis für das Thema Geschäftsplanung, Gespür
für zukunftsfähige, innovative Konzepte und Expertise in
der Startup-Szene. Viele sind selbst erfahrene Unterneh-
Von Startup bis Kommune —
mer, erfolgreiche Gründer oder engagierte Kapitalgeber“, werden auch Sie Mitglied im
erklärt Fabian Brunner, Leiter Münchener Businessplan
Wettbewerb. „In den Jurysitzungen entscheidet bei den
Förderverein!
Pitches der besten Teams die Tagesform der Gründerinnen Als Mitglied im süd- oder nordbayerischen För-
und Gründer – damit bilden wir den Markt ab.“ Die mehr- derverein tragen Sie die Unterstützungsangebote
köpfige Expertenjury besteht dabei sowohl aus Unterneh- von BayStartUP mit. Sie können über die Mitglie-
mern als auch Investoren. Wir als BayStartup bewerten derversammlungen unsere Aktivitäten mitgestalten
bewusst nicht mit. und Details über Startup-Förderung erfahren. Da-
bei profitieren Sie vom starken Netzwerk der Ver-
Die Ausbildungsinhalte der Fachworkshops und die Coa- einsmitglieder in ganz Bayern. Wir freuen uns über
ching-Methoden sind qualitätsgeprüft, auf die Bedürfnisse neue Mitglieder, von Startups über Kommunen bis
von Startups zugeschnitten und werden von Referenten hin zu etablierten Unternehmen aus der Region!
gehalten, die echte Startup- und Investorenexpertise mit- Alle Infos zur Mitgliedschaft: www.baystartup.de/
bringen. Die Inhalte bilden alle Gründungsphasen ab und baystartup/unsere-foerdervereine
6Titelthema INTERVIEW MIT
Dr. Joachim Kuhn
CEO und Gründer va-Q-tec AG
Förderverein Innovatives Unternehmertum
Nordbayern e.V.
Dr. Joachim Kuhn, CEO va-Q-tec,
neues Mitglied im Vorstand
Dr. Joachim Kuhn hat als Gründer eine über 20-jährige Beziehung zu BayStartUP und seinen
Vorgängerorganisationen. Nun ist er neues Mitglied des Vorstands im nordbayerischen För-
derverein.
Was ist Ihre Motivation, sich im nordbayerischen Förder- up je sein könnte und so profitieren die Gründer von den
verein ehrenamtlich zu engagieren? vielen Kontakten. Aber auch einen neutralen Ansprech-
Zuerst einmal möchte ich mich herzlich bedanken, dass partner zu Finanzierungsthemen und unternehmerischen
ich diese Aufgabe wahrnehmen darf. Mir bedeutet es sehr Fragen zu haben, der bei der Markteinführung und bei
viel, innovative Startups und Unternehmer fördern zu der Kommunikation mit Investoren unterstützt, ist für
können. Wie ich vor 20 Jahren sind sie oftmals mit einer junge Unternehmen von unschätzbarem Wert.
innovativen und vielversprechenden Idee auf der Suche
nach Unterstützern. Aus meiner Gründer- und Unterneh- Was können alte und neue Mitglieder durch ein
merperspektive weiß ich, wie wichtig es ist, den richtigen Engagement im Förderverein bewirken?
Partner zu haben, der einem in finanzieller, aber auch in Das Engagement im Förderverein stärkt aus meiner Sicht
unternehmerischer Hinsicht beratend zur Seite steht. Und ganz klar die Gründerszene in Bayern. Als Mitglied unter-
genau das bietet BayStartUP. Daneben habe ich als Physi- stützt man Entrepreneurship, fördert Startups mit inno-
ker natürlich auch ein Interesse an den Ideen der jungen vativen, kreativen Ideen und hilft mit, das Netzwerk der
Gründer. Es ist gut möglich, über diesen Weg spätere Part- Gründerszene in Bayern zu vergrößern. Zusätzlich kann
ner für das eigene Netzwerk und das eigene Unternehmen man jungen Unternehmen oder Gründern mit seinem
zu finden. Von so einer Partnerschaft profitieren natürlich Knowhow und seiner Erfahrung beratend zur Seite stehen.
beide Seiten. va-Q-tec als junges mittelständisches Un- Mit verschiedensten Kontakten, die Mitglieder haben, er-
ternehmen steht beratend in allen Fragen zur Seite und weitern sie außerdem das bereits bestehende Netzwerk an
bekommt innovative Anstöße. Wir können beispielsweise Investoren.
auch für unser Unternehmen wichtige Technologien för-
dern. Es gibt also große Vorteile für beide Seiten. Was wünschen Sie sich für BayStartUP und den
Förderverein?
Welche Schwerpunkte möchten Sie in Ihrer Vorstands- Für das Netzwerk und den Förderverein wünsche ich mir
arbeit setzen? grundsätzlich Fans der Startup- und Innovationskultur.
Die Förderung der Startup-Kultur, des Unternehmertums Insbesondere Unternehmen, Business Angels, aber auch
im Gesamten sowie junger, innovativer Geschäftsmodelle Investoren sowie Forschungs- und Entwicklungseinrich-
liegt mir besonders am Herzen. Daneben ist mir auch der tungen sind von großem Wert für BayStartUP.
Zugang zu Finanzierungsquellen (Venture Capital, Busi-
ness Angels) für die Gründer ein zentrales Anliegen. Für ein
junges Startup ist neben dem Zugang zu Investorenkapital
auch der Zugang zu einer gemeinsamen Plattform, also
den Unternehmensnetzwerken, essenziell. Daher möchte
ich meinen Fokus insbesondere auf diese Themen legen
und im Laufe meines Engagements weiter vorantreiben.
Welche Relevanz spielen für Sie Netzwerke wie
BayStartUP in einem Startup-Ökosystem?
Eine enorm große Rolle. Die Möglichkeiten, die sich
Startups durch Initiativen wie BayStartUP bieten, sind
sehr vielfältig. Natürlich ist das Netzwerk von Bay-
StartUP deutlich größer, als es bei einem einzelnen Start-
725 JAHRE MBPW
Quantum-Systems
Drohnen für
die Industrie
„Szeneköpfe investieren Millionen in Drohnenstartup Quantum-Systems“ – so lautete kürz-
lich eine der Headlines zu dem Startup, das mit seiner Lösung gerade erfolgreich den Markt
aufmischt: Quantum-Systems entwickelt unbemannte senkrechtstart- und landefähige
Flugzeuge, die die Vorteile von Hubschraubern und Flugzeugen in einem neuen innovativen
Flugsystem vereinen. 2017 gewann das Team den Münchener Businessplan Wettbewerb.
Seitdem hat das Unternehmen einige Meilensteine gemeistert.
M
it der Nachricht über die zweite Finanzierungs- gezogen werden müssen. Einsetzen lässt sich die Lösung
runde, in der sich unter anderem die Münchener etwa beim Smart Farming, zur Volumenberechnung im
10x Group von Felix Haas, Jan Becker, Andreas Tagebau, für Vermessungsarbeiten für Großbaustellen, zur
Etten und Robert Wuttke an Quantum-Systems Echtzeit-Lageerkennung, für taktische Kartierung, im Rah-
beteiligt, unterstreicht das Unternehmen seinen Anspruch, men von Such- und Rettungsaktionen oder auch für die
sich als führendes Unternehmen für Industriedrohnen zu automatisierte Inspektion von Bahngleisen.
etablieren. Seit 2017 ist Quantum-Systems auf 100 Mitar-
beiter angewachsen, in ein modernes Businessgebäude im Der „Drone Port“ als Vision
ASTO Park nach Gilching bei München gezogen. Das Team Vom Erfassen der Sperrzone von Tschernobyl, um radioak-
hat seinen Umsatz seitdem jedes Jahr kontinuierlich auf tiven Abfall zu kartografieren bis hin zur automatisierten
zuletzt 6,5 Millionen Euro verdoppelt. Aktuell sind ca. 800 Erfassung des Streckennetzes der Deutschen Bahn – seit
seiner UAS (Unmanned Aerial Systems) weltweit im Einsatz. der Teilnahme am Münchener Businessplan Wettbewerb
ist unternehmerisch bei dem Team einiges passiert. Ihr
„Die Phase, in der wir auf über 50 Mitarbeiter angewachsen aktuell wichtigstes Projekt ist es, die Automatisierung aller
sind, war sicherlich ein Schub, der aber auch nicht ganz Prozesse weiter voranzutreiben. „Es ist essenziell, dass ein
ohne Wachstumsschmerzen an uns vorübergegangen ist“, Kunde ohne spezifische Qualifikation unsere Lösung so-
erklärt Armin Busse, COO bei Quantum-Systems. „Vor ca. fort einsetzen kann und qualitativ hochwertige Daten er-
einem Jahr sind wir dann in unser jetziges Businessgebäu- hält, die er für seine Problemanalyse benötigt. Daher steht
de gezogen, das hat uns als Team nochmal mehr zusam- bei uns aktuell die Missionsplanungs- und Durchführungs-
mengeschweißt.“ software beim Kunden im Vordergrund“, so Busse.
Innovatives Drohnenkonzept Die Vision: einen sogenannten „Drone Port“ zu schaffen,
Die Systeme von Quantum-Systems benötigen keine der autark betrieben werden kann und ein ganzes Maga-
Start- bzw. Landebahn und können über 100-mal weiter, zin an unterschiedlichen Drohnen in sich aufbewahrt. An-
5-mal schneller und bis zu 6-mal länger fliegen als alle lassbezogen, alarmgesteuert oder auf Befehl kann dieser
anderen auf dem Markt verfügbaren Produkte. Die Kom- Drone Port die beste zur Verfügung stehende Drohne aus
plettlösung beinhaltet zudem eine effiziente Missionspla- dem Magazin nehmen, die Batterie einsetzen, den richti-
nungssoftware sowie Lizenzen für alle gängigen Auswer- gen Sensor integrieren und der Drohne die entsprechen-
tesoftwares. Dieses Gesamtpaket dient Anwendungen, de Mission übertragen. Die Drohne führt die Mission dann
bei denen Luftbilddaten zur Prozessoptimierung heran- vollautomatisch aus und überträgt die Daten an eine AI, die
8Titelthema startUPdate Das Startup Magazin für Bayern
INTERVIEW MIT
Armin Busse
COO bei Quantum-Systems
„Der sinnvollste
Wettbewerb,
an dem wir
teilgenommen
haben“
eine Auswertung der Daten durchführt, bevor der Mensch Wie ging es direkt nach dem Sieg im
nur noch über das Ergebnis informiert wird. „In unserer Finale des MBPW für euch weiter?
Vorstellung kann so ein Drone Port von einer bestehenden Nicht zuletzt aufgrund unseres prämierten Businessplans
Leitstelle – zum Beispiel der Polizei oder Feuerwehr – be- haben wir noch im Jahr 2017 unseren ersten Investor
trieben werden und dadurch bei diversen Rettungseinsät- gefunden, die Firma ESG Elektroniksystem- und Logi-
zen wie Vermisstensuche, Bergrettung oder Identifikation sitk-GmbH aus Fürstenfeldbruck. Dank des gesicherten
von Glutnestern eingesetzt werden.“ Zusätzlich sei aber Investments konnten wir in den Aufbau von Vertrieb und
auch vorstellbar, dass Vermessungsbüros oder Landwirte Marketing investieren und eine neue senkrechtstartfähige
eine Mission beantragen können, um Daten zu erheben. Flugzeugdrohne entwickeln, die in erster Linie für Behör-
denorganisationen mit besonderen Schutzaufgaben ge-
Weiteres Wachstum angestrebt dacht ist. Seit 2020 ist das neue Produkt „Vector“ erfolg-
„Wir müssen weiterhin intensiv in den Vertrieb investieren, reich auf dem Markt.
um weltweit weitere Marktanteile zu sichern und natürlich
geben wir im Bereich der Entwicklung Vollgas“, sagt Busse. Was macht den Münchener Businessplan
So soll das frische Kapital der aktuellen Runde zum einen Wettbewerb für euch besonders?
dafür eingesetzt werden, bestehende Produkte noch effi- Die Aufteilung in drei Phasen, in denen man Stück für
zienter zu machen. „Zum anderen gibt es bis zur vollstän- Stück motiviert wird, einen vollständigen Businessplan
digen Verwirklichung unserer schon kurz beschriebenen aufzubauen, ist einzigartig. Ich habe maßgeblich durch
Vision noch allerhand zu tun: Langfristig möchten wir der den Wettbewerb gelernt, was es bedeutet, einen gut
European Drone Champion sein im Bereich der senk- durchdachten Businessplan auszuarbeiten. Dann sind mir
rechtstartfähigen Flugzeugdrohnen unserer Größenord- die vielen begleitenden Workshops positiv in Erinnerung
nung.“ geblieben und das konstruktive Feedback der Jury na-
türlich. Alles in allem war der Münchener Businessplan
Wettbewerb der sinnvollste Wettbewerb, an dem wir teil-
genommen haben. Einfach weil man hier die Chance hat,
viel dazuzulernen – unabhängig von einem Preisgeld und
der medialen Aufmerksamkeit.
Welche Rolle hat eure Teilnahme bei der weiteren
Entwicklung eures Unternehmens gespielt?
Der Wettbewerb hat uns schon früh das Bewusstsein dafür
geschärft, welche Absatzzahlen man bei welchem Preis-
modell erreichen muss und mit welcher Burn Rate man
bis zum Break Even rechnen muss. Dank des Wettbewerbs
waren wir motiviert, möglichst viele Details zu modellie-
ren, um ein präzises Szenario für unserer Zukunft zu kre-
ieren. Wir haben gelernt, diverse Quellen anzuzapfen, um
bestmögliche Informationen über den Markt zu erhalten.
925 JAHRE MBPW
INTERVIEW MIT
Falk F. Strascheg
Business Angel
Aufbau weltweit relevanter
Unternehmen dank internationaler
Finanzierungsrunden
Falk F. Strascheg gehört zu den Urgesteinen der deutschen Kapitalmarktszene. Mit Erfahrung in
der Industrie, als Gründer und Investor gibt der gebürtige Grazer Einblicke in die aktuelle Ent-
wicklung der deutschen VC-Szene.
M
it der Gründung von Laser-Optronics 1971 be- Durch die zunehmend internationalen Player werden in-
gann Falk F. Strascheg seinen Weg in die Start zwischen ganz andere Finanzierungsgrößen erschlossen.
up-Welt. Er verkaufte das Unternehmen er- Runden in der Frühphase zwischen 5 und 20 Millionen
folgreich zehn Jahre nach der Gründung. Als Euro sind ohne Weiteres denkbar, das war bis vor Kurzem
er 1984 sein erstes Investment tätigte, gehörte er zu den so kaum möglich. Auch diese Entwicklung ist zu begrüßen
ersten Wagniskapitalgebern in Deutschland. 1987 grün- – denn mit den größeren Finanzierungen haben Entrepre-
detet er die VC-Gesellschaft Technologieholding. Bis zur neure auch höhere Chancen, weitere Unternehmen auf-
Übernahme durch die britische Beteiligungsgesellschaft zubauen.
3i zum Höhepunkt der New-Economy-Blase finanzierte
sie über 150 Unternehmen und brachte 13 an die Börse. Welche Herausforderungen bringen diese Rahmenbe-
Heute widmet sich der 81-jährige Investor seiner Beteili- dingungen für Institutionen wie den Münchener
gungsfirma Extorel und der Förderung der Ausbildung von Businessplan Wettbewerb mit sich?
Unternehmerinnen und Unternehmern. Mit Bon-Venture Die Szene ist professioneller geworden. Hier auszubre-
unterstützt Strascheg zudem soziale Unternehmungen, bei chen und Deals „nebenher“ oder „unter der Hand abzu-
denen nicht (nur) die Rendite im Vordergrund steht. schließen“ geht nicht mehr, alles ist strukturierter – von
Pitchdeck bis Standardbeteiligungsvertrag. Institutionen
Herr Strascheg, wie haben sich die Anforderungen an die wie der MBPW müssen diese Entwicklung abbilden kön-
Gründung eines Technologieunternehmens in den letz- nen. Dass BayStartUP das gelingt, zeigt sich an der durch-
ten 25 Jahren verändert? weg hohen Qualität der Siegerteams der letzten Jahre.
Die Bedingungen für Startup-Gründungen vor 25 Jahren
haben extrem anders ausgesehen als heute: Es gab kaum
Kapitalgeber, die ganze Branche war noch nicht so profes-
sionell aufgestellt. Startups finden heute leichter Geldquel-
len als damals, Finanzierungsrunden laufen heute sehr viel
strukturierter ab. Management-Know-how ist heute wie
damals besonders wichtig, eine gute Geschäftsidee und
natürlich ein empfangsbereiter Markt.
Mitte der 90er leiteten Sie mit der Technologieholding
einen der damals ersten VCs in Deutschland. Wie be-
werten Sie die Entwicklung der Finanzierungslandschaft
seitdem?
Die Entwicklung bewerte ich durchaus positiv und glaube,
dass die Versorgung mit Venture Capital heute in einem
normalen Rahmen liegt. Wenn ein Startup eine wirklich
gute Geschäftsidee hat und das Team die nötigen Manage-
mentfähigkeiten, finden sie auch Investoren. Das ganze
Geschäft ist internationaler geworden, die Konzentration
allein auf Deutschland, was den Finanzierungskreislauf an-
geht, scheint mir nicht mehr lange durchzuhalten zu sein.
10Titelthema
INTERVIEW MIT
Robert Schillinger
Rechtsanwalt, Diplom-Kaufmann
Partner bei Rödl & Partner
Die Herausforderungen
steigen — und mit ihnen
die Chancen
Im Interview mit Robert Schillinger von Rödl
& Partner blicken wir auf die Anfangsjahre des
Münchener Businessplan Wettbewerb zurück
und hinterfragen, welche Rolle der Wettbe-
werb nach einem Vierteljahrhundert im Grün-
der-Ökosystem einnimmt.
Rödl & Partner ist MBPW-Partner der ersten Stunde.
Woran erinnern Sie sich noch besonders gut?
Ich erinnere mich noch gut daran, dass in den Anfangs-
jahren sehr häufig ein „MBPW-Abend“ zum Beispiel in der
Schrannenhalle stattfand – hier trafen sich Startups, VCs,
Berater und alle aus der Branche, die etwas auf sich hiel-
ten. Damals herrschte Goldgräberstimmung. Nach einer
ersten Begrüßung ging es ans Networking. Die Startups
haben bei den Kapitalgebern Schlange gestanden, wir als
Berater standen in „zweiter Reihe“ und wurden gefragt, wo
man als Unternehmen Steuern sparen kann.
Das ist etwas, das sich im Vergleich zu Was ist die Motivation von Rödl & Partner,
heute wohl kaum verändert hat? den MBPW zu unterstützen?
Kapital ist natürlich nach wie vor gefragt. Aber die Art und Unser Gründer Dr. Bernd Rödl sah schon früh die Rele-
Weise, wie Startups danach fragen – das ist anders. Der vanz des Wettbewerbs. Auch wir haben einmal klein an-
Münchener Businessplan Wettbewerb hat als Institution gefangen als Nürnberger Ein-Mann-Unternehmen 1977.
dazu beigetragen, dass sich die Gründerinnen und Grün- Startups sind unsere wirtschaftliche Zukunft und der neue
der professionalisiert haben. Pitchdecks, Businesspläne, Mittelstand, den es sich lohnt zu fördern. Wir unterstützen
die Präsentation des Unternehmens – das alles hat einen wachsende Technologieunternehmen dabei, wenn sie in
wesentlichen Sprung nach vorne gemacht. Und Kapitalge- die Welt hinausgehen, bei finanzwirtschaftlichen, steuer-
ber erwarten das auch. Es reicht einfach nicht mehr allein lichen und rechtlichen Fragestellungen. Unser Selbstver-
der Fakt, einen Plan zu haben, um wohlwollend beurteilt ständnis ist geprägt von Unternehmergeist. Startups und
zur werden. Die Herausforderungen sind gestiegen – und der MBPW passen da einfach sehr gut zu unserer DNA –
mit ihnen die Chancen. ganz zu schweigen davon, dass die Arbeit mit ambitionier-
ten Gründerinnen und Gründern einfach Spaß macht.
Wie muss ein Startup aufgestellt sein,
um dauerhaft erfolgreich zu sein? Hat ein Wettbewerb wie der MBPW nach 25 Jahren
In Krisenzeiten ging es Startups nicht nur aufgrund der heute überhaupt noch eine Berechtigung?
äußeren Umstände schlecht, sondern weil sie nicht vor- Auch wenn die Rahmenbedingungen zu gründen heute
bereitet waren. In unserer täglichen Beratung beobachten ideal sind: es ist immer noch eine Herausforderung. Die
wir, dass insbesondere die Teams erfolgreich sind, deren Finanzierungsrunden werden größer, der Wettbewerb um
Management aus echten Charaktermenschen besteht, die Investorengelder wird dabei noch globaler. Die Investoren
gut mit Herausforderungen umgehen können, sich inhalt- erwarten, mit den Startups auf Augenhöhe sprechen zu
lich im Kerngründerteam gut aufteilen und sehr früh auf können. Der MBPW und die Angebote, die BayStartUP da-
die Nachhaltigkeit ihres Geschäftsmodells achten. rum herum entwickelt hat, sind deshalb so wichtig wie nie.
11startUPdate Das Startup Magazin für Bayern Ausgabe 03 | 2021
Die Sieger-Startups
aus München
Die drei besten Geschäftsideen aus Phase 3,
dotiert mit insgesamt 30.000 Euro
1. Platz
15.000 Euro
Opsyon
Opsyon entwickelt innovative multifunktionelle Antikörper mit re- Team Dr. Nadja Fenn, Dr. Lorenza Wyder Peters,
Dr. Enrico Perini, Dr. Björn Hiller
duzierten Nebenwirkungen, um die therapeutischen Möglichkeiten
Branche LIFE SCIENCE, Biotechnologie
für Krebspatienten zu verbessern. Opsyons Antikörper richten sich
Herkunft München | Genzentrum der LMU München |
direkt gegen Krebszellen sowie den sogenannten Immuncheckpoint Exist-Forschungstransfer
und nutzen das gesamte Spektrum des Immunsystems, um Krebs-
zellen spezifisch und dauerhaft zu eliminieren. Mit diesen neuartigen
Therapien bietet Opsyon unter anderem Patienten mit einer akuten
myeloischen Leukämie oder einem Pankreaskarzinom die Möglich-
keit auf ein längeres Überleben bei hoher Lebensqualität.
12Ausgabe 03 | 2021 startUPdate Das Startup Magazin für Bayern
Divizend GmbH
Divizend entwickelt eine Plattform,
mit der Privatanleger ausländische
Quellensteuern auf Dividenden zu-
rückfordern können. Ziel ist es, damit
den Rückerstattungsprozess mög-
lichst digital und für den Kunden
barrierefrei zu gestalten. Dafür führt
der digitale Steuerassistent die End-
kunden intelligent und zielgerich-
tet durch den Prozess. Die Nutzung
von offenen Bank-API-Schnittstellen,
bspw. des EU-Standards PSD2, ist da-
für eine wesentliche Voraussetzung.
Dazu schafft das Unternehmen die
Anbindung internationaler Steuerbe-
hörden für die nahtlose digitale Über-
tragung von Steuerdaten.
2. Platz, 10.000 Euro
Team Thomas Rappold, Julian Nalenz
Branche IKT, Applikationssoftware
Herkunft München | privat
sewts GmbH
sewts ist Anbieter für innovative Steu-
erungs- und Bildverarbeitungssoft-
ware, die Roboter zu einer feinfüh-
ligeren Motorik bei der Verarbeitung
von leicht verformbaren Materialien
befähigen. Ihre Technologie nutzt
die hochpräzise FEM-Simulation (Fi-
nite-Elemente-Methode-Simulation),
um Machine-Learning-Algorithmen
effizient zu trainieren. Die intelligente
Softwarelösung ermöglicht zahlrei-
che Anwendungen in der industriel-
len Automatisierung, wie z. B. die Ver-
arbeitung von Textilien in industriellen
Wäschereien oder die Herstellung
von Bekleidung.
3. Platz, 5.000 Euro
Team Alexander Bley, Tim Doerks, Till Rickert
Branche TECHNOLOGIEN, Industrieautomation/Produktion
Herkunft München | TU München | EXIST-Gründerstipendium
13startUPdate Das Startup Magazin für Bayern Ausgabe 03 | 2021
Nominierte
aus München
Neben den Preisträgern waren diese
Startups unter den besten Teams in Phase 3:
247FactoryNet GmbH Accemic Technologies GmbH
247FactoryNet entwickelt eine digitale Plattform, die es Accemic Technologies schafft eine patentierte Lösung, die
Maschinenherstellern und -betreibern ermöglicht, Infor- eingebettete Prozessoren live beobachtet und analysiert.
mationen auszutauschen. Von Dokumenten oder Videos So werden deren Tests effizienter und folglich softwareba-
bis zu digitalen Maschinendaten kann mittels einer flexi- sierte Systeme sicherer und zuverlässiger. Damit reagiert
blen Modellierungs-Technologie jegliches digitale Wissen das Startup auf den wachsenden Einsatz von Software, z.
abgebildet und vielfältig genutzt werden. B. in Medizinprodukten oder beim Autonomen Fahren.
Team Dr.-Ing. Mathias Döbele, Team Dr. Alexander Weiss, Alexander Lange, Dr. Martin
Dr.-Ing. Daniel Großmann Sachenbacher, Prof. Martin Leucker
Branche IKT, Embedded/mobile und Systemsoftware Branche IKT, Embedded/mobile und Systemsoftware
Herkunft Tutzing | privat Herkunft Kiefersfelden | privat
AVES Reality Dynamic Video (Picture Framing GmbH)
AVES Reality erzeugt virtuelle 3D-Welten als Umgebungs- Dynamic Video bietet mit „Mozaik“ eine cloudbasierte Soft-
modelle auf Basis von Satellitendaten, Deep Learning und ware-as-a-Service-Lösung, mit der Organisationen und
Automatisierung. Ihre Technologie kommt z. B. bei der Unternehmen schnell, einfach und günstig professionelle
simulationsbasierten Entwicklung autonomer Fahrzeuge Videos mit dem Smartphone drehen können. Damit schafft
zum Einsatz, weitere B2B-Anwendungen sind u. a. in der das Team eine Alternative zu teuren Videoproduktionen
Architektur oder Stadtplanung denkbar. und zeitintensiven herkömmlichen Inhouse-Produktionen.
Team Severin Knebel, Florian Albert Team David Knöbl, Neele de Vries
Branche IKT, Applikationssoftware Branche IKT, Applikationssoftware
Herkunft Garmisch-Partenkirchen | TU München Herkunft Aitrang | privat
HyLOG (IFEC GmbH) Invitris
HyLOG ermöglicht eine automatische Luft- und Oberflä- Invitris nimmt sich der Herausforderung von antibiotika-
chendesinfektion während der Raumnutzung. Dabei wird resistenten Infektionen an. Dafür entwickelt das Startup
die Wiederverkeimung durch den Permanentbetrieb mini- Therapien mit natürlichen Viruspartikeln, sogenannten
miert. Die patentierte Technologie basiert auf Ultraschall- (Bakterio-)Phagen. Invitris verfügt dabei über eine propri-
kaltvernebelung mit niedrig dosierter HyLOG-Mixtur und etäre Plattform-Technologie, um beliebige Phagen sicher
ergänzt bisherige Hygienemaßnahmen. und in hohen Konzentrationen herzustellen.
Team Andreas Meyer, Reinhard Filzmaier, Team Dr. Patrick Großmann, Dr. Kilian Vogele, Dr. Viktoria
Christian Fromm Krey, Sophie von Schönberg, Franziska Winzig
Branche LIFE SCIENCE, Healthcare allgemein Branche LIFE SCIENCE, Biotechnologie
Herkunft München | privat Herkunft München | TU München | EXIST-Forschungstransfer
14Ausgabe 03 | 2021 Sponsoren-Artikel | HVB
INTERVIEW MIT
Benjamin Höhne
Product Owner bei der HypoVereinsbank
Innovativ und
digital
Neuer Online-Kontoeröffnungsprozess und
modulares Kontomodell für Unternehmens-
kunden bei der HypoVereinsbank.
S
eit einigen Wochen können Unternehmerinnen und
Unternehmer ihr Geschäfts-/Firmenkonto bei der
HVB komplett digital eröffnen. Sie benötigen dafür
nur ihren PC oder ihr Smartphone und die Auswei-
se der zu identifizierenden Personen sowie ca. 30 Minuten
Zeit. Ergänzt wird dies jetzt durch das neue Firmenkonto digital für eingetragene GmbHs (inkl. UG). Bei komplexe-
„HVB BusinessKonto 4You“, das die vielfältigen Bedarfe der ren Strukturen müssen wir derzeit den Prozess noch kurz
Kundinnen und Kunden transparent abbildet und hohe Fle- unterbrechen, können ihn dann aber wieder voll digital
xibilität über frei wählbare Transaktionsmodule darstellen abschließen. Wir arbeiten bereits an weiteren Automatisie-
kann. rungen und an einem digitalen Prozess für Unternehmen
in Gründung.
Was ist das Besondere an diesen neuen Produkten?
Mit dem HVB BusinessKonto 4You können Geschäfts- und Wie habt ihr diese neuen Produkte erarbeitet?
Firmenkundinnen und -kunden zwischen verschiedenen Uns war wichtig, dass wir diese neuen Ideen nicht mit bis-
Transaktionsmodulen wählen und jederzeit flexibel wech- herigen Ansätzen verfolgen. Deshalb haben wir bei der Er-
seln. Die Module unterscheiden sich in der Anzahl der kos- arbeitung konsequent agile Methoden angewendet. Das
tenfreien Transaktionen. Sie wissen so schon im Vorhinein, Team hat auch darauf geachtet, dass potenzielle Kunden
was das jeweilige Modul beinhaltet und folglich kostet. zu einem sehr frühen Zeitpunkt über Interviews ihre Wün-
Das Preismodell haben wir massiv vereinfacht und damit sche an die Produkte einbringen. Uns im Unternehmen
den Kundenwunsch nach mehr Einfachheit und Transpa- hat das neue agile Arbeiten viel Erfolg und einen außerge-
renz umgesetzt. Für Gründer bedeutet das: das Konto lässt wöhnlichen neuen Teamspirit beschert. Besonders in der
sich flexibel an steigende Umsätze anpassen. Diese Trans- übergreifenden Zusammenarbeit von Vertrieb, Zentrale
parenz und Flexibilität sind Neuheiten am Markt. und IT bis hin zum Backoffice.
Wie funktioniert die digitale Kontoeröffnung? Sind weitere neue Produkte geplant?
Unsere „Omnikanal-Journey“ führt Schritt für Schritt durch Die digitale Kontoeröffnung und das innovative HVB Busi-
den Prozess. Alle Prüfvorgänge, einschließlich Identifizie- nessKonto 4You sind die ersten Meilensteine auf unserem
rung der Person, sind in den digitalen Prozess integriert. Weg zu einem umfangreichen digitalen Serviceangebot
Die Kontoeröffnung erfolgt ohne Unterschrift; nach er- für unsere Unternehmenskunden. Aktuell arbeiten wir am
folgreichem Abschluss des Prozesses kann das Konto so- Ausbau unseres Firmenkundenportals – dem Corporate
fort genutzt werden, mit einem Minimum an Datenerfas- Portal – als digitalen Kanal, über den Firmenkunden unsere
sung. Auch der bisher mühevolle Prozess zur Ermittlung Produkte und Services nutzen können.
der wirtschaftlichen Eigentümer erfolgt komplett digital
und papierlos.
Gibt es Einschränkungen? Weitere Infos
Aktuell ist die Kontoeröffnung für in Deutschland eingetra- www.hvb.de/g-konto
gene Unternehmen möglich und funktioniert vollständig
15startUPdate Das Startup Magazin für Bayern Ausgabe 03 | 2021
Die Sieger-Startups
aus Nordbayern
Phase 3 im BPWN mit den drei besten Geschäftsideen,
dotiert mit insgesamt 22.500 Euro.
1. Platz
10.000 Euro
NanoStruct GmbH
NanoStruct produziert und vermarktet innovative Biosensoren für das Analy-
severfahren „SERS“ (surface-enhanced Raman spectroscopy), um dessen in-
dustrielle Anwendung zu etablieren. SERS erlaubt es, kleinste Rückstände be-
stimmter Substanzen, wie etwa Schadstoffe, Sprengstoffe oder Viren, eindeutig
zu identifizieren. Die NanoStruct Biosensoren basieren auf hochpräzisen Na-
nostrukturen, die aufgrund ihrer Genauigkeit eine bisher nicht erreichbare Ver-
lässlichkeit des Verfahrens versprechen. Damit soll eine höhere Effizienz des
Analyseprozesses erreicht werden.
Team Dr. Henriette Maaß, Enno Krauss, Dr. Thien Anh Le, Kai Leibfried
Branche LIFE SCIENCE, Biotechnologie
Herkunft Würzburg | Julius-Maximilians Universität Würzburg | EXIST-Forschungstransfer
16Ausgabe 03 | 2021 startUPdate Das Startup Magazin für Bayern
BD-4 GmbH i.Gr.
BD-4 entwickelt und vertreibt eine
patentierte Desinfektionstechnologie
für Zahnärzte. Mittels einer speziel-
len Beschichtungstechnik werden
die elektrochemischen Eigenschaften
Bor-dotierter Diamantelektroden für
den Zahnarzt nutzbar. Damit können
aus unbedenklicher Kochsalzlösung
desinfizierend wirkende Radikale ge-
bildet werden – und zwar direkt im
Wurzelkanal und in der Zahnfleischta-
sche. Das System kommt insbeson-
dere bei Wurzelkanalbehandlungen
und Zahnfleischentzündungen zum
Einsatz und führt zu höherer Behand-
lungssicherheit sowie geringeren
Revisionsraten. Neben einem Grund-
gerät gibt es anwendungsspezifische
Single-Use Elektroden, deren Wirk-
samkeit präklinisch belegt ist. 2. Platz, 7.500 Euro
Team Prof. Dr. A. Burkovski
Prof. Dr.-Ing. S. Rosiwal
Prof. Dr. M. Karl
Branche LIFE SCIENCE, Medizin-Technik
Herkunft Erlangen | FAU Erlangen-Nürnberg
inContAlert
Das Wearable inContAlert des gleich-
namigen Startups benachrichtigt In-
kontinenzpatienten diskret z. B. auf
ihrem Smartphone, sobald ihre Blase
einen kritischen Füllstand erreicht hat
und verhindert damit unkontrollier-
ten Urinverlust. Patienten können den
Hilfsmittelverbrauch (z. B Katheter,
Windeln) und Folgeschäden (z. B an
den Nieren) reduzieren. Dies senkt
die Kosten insbesondere auf Seiten
von Krankenhäusern und -kassen und
unterstützt Betroffene dabei, ihre Le-
bensqualität wesentlich zu steigern.
3. Platz, 5.000 Euro
Team Jannik Lockl, Tristan Zürl, Nicolas Ruhland, Pascal Fechner
Branche LIFE SCIENCE, Medizin-Technik
Herkunft Bayreuth | Universität Bayreuth
17startUPdate Das Startup Magazin für Bayern Ausgabe 03 | 2021
Die Nominierten
aus Nordbayern
Neben den Preisträgern waren diese
Startups unter den besten acht Teams
in der Phase 3:
CADO Medical Solutions logfive GmbH
CADO Medical Solutions entwickelt ein Produkt zur Be- Die logfive GmbH entwickelt eine Alternative zu bisheri-
seitigung von Blockaden in Blasenkathetern bei pflegebe- gen Desinfektionsgeräten für Medizinprodukte, die keine
dürftigen Patienten. Das CADO-System kommt direkt am Sterilisation erfordern. Ihre Lösung dekontaminiert inner-
Krankenbett zum Einsatz und löst bisherige zeit- und kos- halb von nur fünf Minuten sicher und materialschonend
tenintensive Transporte und Katheterwechsel in Kliniken medizinische Instrumente und Produkte wie z. B. Masken
und Praxen bei Urinstau ab. mittels Kaltplasmatechnologie.
Team Dr. med. David Elsässer, Dr.-Ing. Michael Wiehl, Team Steffen Kahdemann, Thomas Rauch,
Antonia Vitale Dario Clos, Jan Novacek
Branche LIFE SCIENCE, Medizin-Technik Branche LIFE SCIENCE, Medizin-Technik
Herkunft Erlangen | privat Herkunft Bad Windsheim | privat
Magnetic Water Cleaning NeoPrediX AG
Magnetic Water Cleaning reinigt Wasser von Verunreini- NeoPrediX entwickelt medizintechnische Software, die Ent-
gungen wie Erdöl oder Nanoplastik. Dafür nutzt das Start scheidungsträger aus Geburtshilfe und Neonatologie bei
up superparamagnetische Nanopartikel, die sich mit den der Patientenversorgung unterstützt. Das Startup setzt da-
Schadstoffen zu Agglomeraten verbinden. Diese können für auf intelligente Algorithmen und digitale Gesundheitslö-
einfach mit einem magnetischen Feld aus dem Wasser sungen, die auf medizinischen Daten und langjähriger aka-
entfernt werden. demischer sowie wissenschaftlicher Forschung basieren.
Team Marco Sarcletti, Prof. Dr. Marcus Halik, Team Prof. Dr. Marc Pfister,
Jonas Jung, Frank Elster Prof. Dr. Sven Wellmann
Branche TECHNOLOGIEN, Umwelttechnologie Branche LIFE SCIENCE, Medizin-Technik
Herkunft Erlangen | FAU Erlangen-Nürnberg Herkunft Regensburg | privat
PCB Arts GmbH
PCB Arts schließt die Lücke zwischen Individualentwick- Team Alexander Brehl, Andreas Brinkhaus,
lung und Standardprodukt für Edge-AI-Softwareentwick- Lukas Henkel, Philipp Jöhl,
ler. Ihr modulares Baukastensystem „MULE“ kann direkt Saber Kaygusuz, Florian Winkler
am Ort des Use Cases konfiguriert werden und ist güns- Branche IKT, Computer-Halbleiter & Hardware
tiger und schneller als Individualanfertigungen verfügbar. Herkunft Fürth | privat
18Ausgabe 03 | 2021 Sponsoren-Artikel I Siemens
Kollege Roboter entwickelt
Fingerspitzengefühl
Das Siemens Gerätewerk Erlangen (GWE) fertigt und entwickelt industrielle Steuerungen für
Werkzeug und Produktionsmaschinen, Antriebe und Frequenzumrichter. In einem hochvarianten
Markt mit bis zu 1.000 Produktvarianten hat das mehrfach preisgekrönte Werk am Europakanal
durchgängig Digitalisierung und flexible Automatisierung eingeführt. Zum Einsatz kommen dabei
digitale Zwillinge zu jedem Schritt in der digitalen Wertschöpfungskette. Foto: Siemens/F. Zorn
M
it Leichtbaurobotik in den Fertigungslinien und bald der Roboter spürt, dass das Bauteil nicht ordnungs-
dem Additive Manufacturing Experience Cen- gemäß in der Fügestelle ist, werden intelligente Such- und
ter, dem Kompetenzzentrum für industriellen Montageroutinen unter Nutzung des Tastsinns eingesetzt,
3D-Druck, ist das GWE die digitale Vorzeigefa- die eine präzise und effiziente Montage gewährleisten.
brik der Siemens AG im Großraum Nürnberg. Somit ist der Roboter selbst in der Lage, kleinste Elektro-
nikbauteile wirtschaftlich und ohne Beschädigung auf der
Eine Herausforderung des Gerätewerks Erlangen ist die Platine zu platzieren.
große Produktvielfalt bei mittleren Stückzahlen. In diesem
Produktspektrum ist keine klassische Automatisierung Die Software wurde bereits in einem frühen Entwicklungs-
möglich, eine rein manuelle Fertigung wäre sehr kosten- stadium an einem Prototypen getestet. Die Ergebnisse
intensiv. Daher haben die Fertigungsspezialisten im GWE waren so überzeugend, dass die Zusammenarbeit mit
gemeinsam mit innovativen Startups und dem Lehrstuhl ArtiMinds intensiviert wurde. Daraus ist sogar eine Ent-
für Fertigungsautomatisierung und Produktionssyste- wicklungskooperation entstanden, um die Software in die
matik (FAPS) der Friedrich-Alexander-Universität Erlan- Siemens Simulationssoftware Tecnomatix zu integrieren
gen-Nürnberg (FAU) neue Ansätze für eine intelligentere – ein Entwicklungsschub auch für das nunmehr als KMU
und flexiblere Automatisierung entwickelt und umgesetzt. agierende Jungunternehmen.
Dabei kommt „Kollege Roboter“ zum Einsatz.
Diese Technologie ist dabei nur ein Beispiel für intelligente
Software für den Tastsinn Lösungen, die von Siemens mit Partnern entwickelt wur-
Klassischerweise wird zum Fügen von Bauteilen durch den und direkt für die Optimierung der eigenen Fertigung
Roboter eine fixe Abfolge von Punkten im Ablauf pro- eingesetzt werden. Mit einem übergreifenden, zusammen
grammiert. Doch was ist, wenn der Fügeprozess zum Ver- mit der FAU Erlangen-Nürnberg entwickelten Automati-
klemmen oder Verkanten neigt oder es sich um ein sehr sierungsansatz wurde das Gerätewerk Erlangen sogar Fi-
filigranes Bauteil handelt? Zur Lösung dieser Problematik nalist auf dem Technology Transfer Award des European
arbeitet das Gerätewerk Erlangen (GWE) mit dem ehema- Robotics Forums, der führenden Vereinigung für innovati-
ligen Startup ArtiMinds zusammen. Die Software ArtiMinds ve Robotertechnologien in Europa.
RPS verleiht dem Roboter einen Tastsinn und ermöglicht
ihm quasi, mit dem richtigen „Fingerspitzengefühl“ auch Weitere Informationen
Bauteile zu fügen, die sonst zu empfindlich wären oder www.siemens.com
sich nicht für automatisierte Prozesse eignen würden. So-
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