Aspekte - Was wir alles teilen Zeit, Wissen und Besitztümer - Credit Suisse
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Aspekte
Mai 2019
Zeit, Wissen und Besitztümer
Was wir alles teilen
Finanzexpertise Oliver Adler
Wie die Bank Wissen Über das Teilen
weitergibt von ArbeitInhalt Editorial
Mit Begeisterung
Fokus
04 Sharing Economy und
Freiwilligenarbeit
Fokus
Die Idee, zu teilen, liegt
Die Gemeinsamkeiten der beiden Themen und
ihr Einfluss auf Wirtschaft und Gesellschaft. teilen
im Trend. «Aspekte» 16 Ein Gespräch über das Teilen
zeigt anhand der Themen Zwei Expertinnen erklären, warum Teilen
manchen Menschen leichter fällt als anderen.
Sharing Economy und
Freiwilligenarbeit auf, Bankwissen
weshalb wir teilen und 18 Expertise weitergeben
Die Bank stellt den Kundinnen und Kunden ihr
welche Bedeutung Wissen auf unterschiedlichste Art und Weise
das Teilen für Wirtschaft zur Verfügung.
und Gesellschaft hat.
Wirtschaftskolumne
Seite 4 Boot
Der Traum vom eigenen Boot lag finanziell bisher in weiter Ferne?
22 Wieso Arbeitsteilung sinnvoll ist
Das ändert sich jetzt! Auf ship-ahoy.ch kann man sich mit Boots Oliver Adler, Chefökonom der Credit Suisse, Liebe Leserinnen und Leser
besitzern in Verbindung setzen, die ihre Motor-, Segel- oder über das Teilen von Arbeit und dessen
Ruderboote im Sinne der Sharing Economy mit anderen teilen Auswirkungen auf Wohlstand und Fortschritt. Teilen hat im Hier und Heute neue Bedeutung erlangt. Wir
wollen und potenziellen Mietern anbieten. teilen Bilder in den sozialen Medien, nutzen Musik und Filme
Anlegen gemeinsam über Streamingdienste. Wir teilen Wohnungen
24 Investieren für einen guten Zweck via Airbnb, Autos via Mobility oder Geld via Crowdfunding.
Neue Anlageformen bringen finanzielle In dieser Ausgabe gehen wir diesem Phänomen auf den
Interessen und Umweltschutz unter einen Hut. Grund. Wir lassen Experten zu Wort kommen und fragen
Menschen, die aktiv teilen, nach ihrer Motivation. Einen spe-
Sponsoring ziellen Fokus legen wir auf das Teilen von Zeit, also auf die
26 Sport verbindet Freiwilligenarbeit, und die gemeinsame Nutzung von Res-
Die Freude am Fussball steht im Fokus des sourcen, die sogenannte Sharing Economy. Oliver Adler,
stimmungsvollen Credit Suisse Cup. Wirtschaftsexperte der Credit Suisse, erklärt zudem in seiner
Kolumne, warum das Teilen von Arbeit Wohlstand schafft.
Wissenswertes
30 Sicher unterwegs im Netz Weniger das Teilen, sondern das Toreschiessen steht beim
So gewährleisten Sie Ihre Sicherheit im Online Credit Suisse Cup im Vordergrund, teilen doch die rund
Titelbild: Roth und Schmid, Bilder: Roth und Schmid, Mary Fernandez, Illustration: Patrick Oberholzer
Banking. Ausserdem: Informationen zu Bonviva, 5500 Teams beim grössten Sportanlass der Schweiz die Lei-
TWINT und Stockwerkeigentum. denschaft für den Fussball. Kaum ein anderer Sport vermag
über Kulturen und Grenzen hinweg so viel Begeisterung aus-
Bonviva Porträt zulösen wie Fussball. Das ist Jahr für Jahr beim Credit Suisse
36 Für den Journalismus begeistern Cup, der offiziellen Schülermeisterschaft der Schweiz, be-
Roland Wahrenberger, Mitglied der Geschäfts- sonders eindrücklich zu erleben. Lassen Sie sich beim Lesen
leitung der Ringier Axel Springer Schweiz AG der Reportage «Teams, Tore und Emotionen» von dieser Be-
Wissen teilen geisterung anstecken.
und Leiter der Beobachter-Gruppe, über das
Eine der wichtigsten Aufgaben einer Geheimnis des Erfolgs.
Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre.
Bank ist es, den Kundinnen und
Kunden ihre Finanzexpertise zur
Verfügung zu stellen. Das tut die
Credit Suisse in ganz unterschiedli- Sponsoring
Serge Fehr
chen Bereichen. Seite 18 5500 Teams teilten im vergangenen Jahr die Leiter Private & Wealth Management Clients
Begeisterung für die Schulfussball-Meister-
schaft des Schweizerischen Fussballverbands,
besser bekannt als Credit Suisse Cup. Seite 26
2 Aspekte Mai 2019 3Jetzt
Fokus Fokus
Was haben Sharing Economy und Freiwilligenarbeit
gemeinsam? Die Idee, etwas zu teilen. Wir zeigen anhand
der beiden Themen, weshalb wir teilen und welche
Bedeutung das Teilen für Wirtschaft und Gesellschaft hat.
Text: Robert Wildi Bilder: Roth und Schmid
wird
geteilt T
eilen liegt im Trend. Wir teilen Bilder in den sozi-
alen Medien. Wir teilen unser Essen in Form
von Mezze oder Tavolata. Wir teilen Musik und
Filme von Streamingdiensten, unsere Wohnun-
gen über Airbnb, Autos via Mobility oder Geld beim
Crowdfunding. Wir teilen sogar ganze Kühe (siehe Bebil-
derung). Und wir teilen unsere Lebenszeit mit anderen,
indem wir uns freiwillig engagieren. Doch was bringt
Menschen dazu, etwas zu teilen? Wir sind dem Teilen auf
den Grund gegangen, haben mit Experten gesprochen
und Menschen, die teilen, nach ihrer Motivation gefragt.
Zwei Aspekten haben wir dabei besondere Aufmerksam-
keit geschenkt: der wachsenden sogenannten Sharing
Economy und der eher rückläufigen Freiwilligenarbeit im
Sinne des Teilens von Zeit.
Sharing was? Reisen
Laut Wikipedia ist Sharing Economy ein Sammelbegriff
Reisetipps wie auch Restaurant- und Hotelempfehlun-
für Firmen, Geschäftsmodelle, Plattformen, Online- und gen teilen wir gemäss der GDI-Trendstudie «Sharity:
Offline-Communitys sowie Praktiken, die eine geteilte die Zukunft des Teilens» am liebsten.
Zahnbürste Nutzung von ganz oder phasenweise ungenutzten Res-
sourcen ermöglichen. Wer jetzt noch immer Bahnhof
Bei der Zahnbürste hört der Spass auf: Gemäss der
Studie «Sharity. Die Zukunft des Teilens» des Gottlieb versteht, sollte nicht verzagen. Kennen Sie Airbnb oder
Duttweiler Instituts (GDI) gehört sie zu den Gegen- Uber? Dann kennen Sie die bekanntesten Vertreter der
ständen, die wir am wenigsten gerne teilen. Sharing Economy.
4 Aspekte Mai 2019 5Fokus Fokus
Diese Riesen bekommen immer mehr Gesellschaft. Ge-
mäss einer Studie von PwC wird sich die globale Sharing
Economy zwischen 2014 und 2025 um den Faktor 22
Kuhteilen
Selbst eine Kuh, ein Schwein oder ein Lamm kann
vervielfachen und auf ein Umsatzvolumen von 335 Milli-
man teilen: Auf kuhteilen.ch können Kundinnen
arden Dollar wachsen. Auch in der Schweiz gewinnt das und Kunden Fleischpakete bestellen. Erst wenn ein
Thema an Bedeutung. Laut einer Umfrage von Deloitte ganzes Tier verkauft ist, wird es geschlachtet.
will über die Hälfte der Befragten aktiv an der Teilwirt-
schaft partizipieren – sei es als Geber oder als Nehmer.
Neu ist die Idee der Sharing Economy aber nicht. Schon
in den 1950er-Jahren haben sich Bauernbetriebe zu
sogenannten Maschinenringen zusammengeschlossen,
um teure Landwirtschaftsgeräte gemeinsam anzuschaf-
fen und zu nutzen.
Ohne Digitalisierung keine Sharing Economy
Mit Sharing Economy, wie er den Begriff verstehe, seien
diese Maschinenringe nur im entfernten Sinn vergleich-
bar, sagt Thomas von Stokar. Der diplomierte Geograf ist
Geschäftsführer des Zürcher Forschungs- und Bera-
tungsunternehmens Infras und Gesamtleiter der 2018
erschienenen Studie «Sharing Economy – teilen statt
besitzen». Aus seiner Sicht zeichnet sich die Sharing
Economy durch drei Merkmale aus: Erstens finde der
Austausch zwischen Anbieter und Nachfrager über eine
digitale Plattform statt. «Dies unterscheidet die Sharing
Economy im Wesentlichen vom Austausch von Gütern
und Hilfeleistungen, wie wir sie unter Nachbarn und im
Freundeskreis kennen.» Zweitens gehe es bei der Sha-
ring Economy um eine zeitlich begrenzte Nutzung von
Waren oder Dienstleistungen. Eigentümer der genutzten
Sache bleibt immer der Anbieter. «Drittens handelt es
sich um einen Austausch unter privaten Einzelpersonen
und nicht unter Firmen. Damit grenzt sich die Sharing
Economy ab vom herkömmlichen Verleihgeschäft, zum
Beispiel dem Autoverleih», so von Stokar.
Wichtigste Grundlage der Sharing Economy ist die
Digitalisierung: Erst Social Media sowie digitale Markt-
plätze und Co. machen Gegenstände, Dienstleistungen
und Ideen einer breiten Masse von Anbietern wie auch
Nutzern überhaupt zugänglich und bringen so Angebot
und Nachfrage zusammen.
Bohrmaschine Finanzielle Anreize für die Nutzer «Kennen Sie Airbnb oder Uber? Dann kennen Sie die
Doch wieso nutzen Menschen die Sharing Economy?
Eine Bohrmaschine braucht man selten. Gut, wenn es in
der Nachbarschaft eine gibt. Auf pumpipumpe.ch kann Sicher möchten viele von ihnen einen Gegenpol bekanntesten Vertreter der Sharing Economy.»
man Aufkleber mit verschiedenen Gegenständen bestellen. zur Wegwerfgesellschaft schaffen und Ressourcen Thomas von Stokar
Am Briefkasten angebracht, zeigen die Kleber zum schonen. Zunehmend dominieren aber wirtschaftliche
Beispiel: Hier kann ich eine Bohrmaschine leihen. Anreize. Das belegt etwa das «Credit Suisse Jugend
barometer 2018». Die in der Studie befragten Jugendli-
chen in den USA, Brasilien, Singapur und der Schweiz
haben für die Sharing Economy Bestnoten vergeben.
Und mit überwältigender Mehrheit haben sie den Aus
sagen «Teilen spart Geld» und «Durch Teilen kann
ich Dinge kaufen, die ich mir sonst nicht leisten könnte»
zugestimmt.
6 Aspekte Mai 2019 7Fokus
Fokus
Bei den Jugendlichen mag die Begeisterung für die nen Zusatzverdienst erwirtschaften», so von Stokar. Die
Sharing Economy mit knappen Finanzen zu tun haben. Sharing Economy verspricht einen mehr oder weniger
Aber auch ältere – und in der Regel vermögendere – lukrativen Nebenerwerb mit dem Vorteil von minimalen
Menschen entdecken zunehmend den finanziellen Anreiz Transaktionskosten. Soll heissen, es ist beispielsweise
des Teilens statt Besitzens. Im Segment der älteren deutlich günstiger, sein Auto über das Internet zu vermie-
Nutzer wächst die Sharing Economy aber deutlich lang- ten, statt dafür eigens einen Autoverleih zu gründen.
samer. Das liegt wohl zum einen daran, dass sie weniger
gut mit den entsprechenden Anwendungen umgehen Der Reiz des Neuen
können. Und: «Die Hemmschwelle, eigene Daten im Neben finanziellen Gründen und dem Nachhaltigkeits
Internet preiszugeben, ist bei Menschen fortgeschritte- gedanken dürften aber auch andere Aspekte für
nen Alters auf jeden Fall höher, was sie nicht zur zentra- die Entwicklung der Sharing Economy förderlich sein.
Andreas Amstutz teilt lieber, len Zielgruppe macht», so Thomas von Stokar. Von Stokar denkt etwa an ökologische oder sozia-
Dass das Sparpotenzial für die Nutzerseite der Sha- le Beweggründe. «Reizvoll an der Sharing Economy ist
statt zu kaufen ring Economy als Hauptargument dominiert, kann der Ex- auf Anbieter- wie auf Nutzerseite auch das Neue, Un-
perte aus den Erkenntnissen der von ihm geleiteten Studie gewohnte und Spielerische.» So schätze vielleicht eine
Mit Sharely hat er eine Plattform für das Teilen bestätigen: «Der Nutzer kommt zu einem günstigen An Uber-Fahrerin die zeitliche Flexibilität und der Mieter
von Gegenständen auf Zeit gegründet. gebot und spart gegenüber der Kaufvariante bares Geld.» eines Airbnb-Zimmers die Abwechslung vom Hotel-Ein-
heitsbrei sowie die persönlichen Kontakte mit den Bewoh-
Lukrative Verdienstmöglichkeiten für die Anbieter nern vor Ort. Und auch hier gilt wieder: Getrieben wird
Aber auch für die Anbieter stehe das finanzielle Interesse die Weiterentwicklung von solchen Erlebnis- und Nutz-
bei der Sharing Economy im Vordergrund. «Der Anbieter werten in erster Linie durch die technischen Möglichkei-
kann sich durch den Verleih oder die Dienstleistung ei- ten des Internets.
Herr Amstutz, Sie haben 2014 Welches war der erste via Sharely
Sharely lanciert – eine Plattform, gemietete Gegenstand?
auf der die Nutzer Gegenstände Eine Kreissäge, für zehn Franken pro Tag.
vermieten bzw. günstig mieten
können. Was brachte Sie dazu? War Geld das Hauptmotiv für die
Ich wollte stets eine eigene Firma haben. Gründung der Plattform?
Das Konzept von Sharely bot sich an, Nein, die Nachhaltigkeit. Es macht kei-
weil ich selbst kaum materielle Güter nen Sinn, dass so viele Gegenstände
besitze, sondern mir oft ausleihe, was ich gekauft werden und fast ungebraucht
brauche. Ich bin überzeugt, dass viele herumstehen. Wir leisten einen Beitrag zu
Menschen so ticken. Deshalb schien mir einem höheren Nutzen pro Gegenstand
und meiner Partnerin die Lancierung und damit zu weniger Abfall.
einer Onlineplattform zur Vermittlung von
Gegenständen zwischen Vermietern Sehen das die Vermieter und Mieter
und Mietern als Geschäftsidee plausibel. genauso?
Von Vermieterseite bekommen wir das oft
Wurden Sie von der aufkommenden zu hören. Bei den Mietern spielt der
Sharing Economy inspiriert? finanzielle Aspekt eine wichtigere Rolle.
Im Prinzip ja, mit unserer Teilplattform für Oft mieten sie über uns, da sie sich einen
Gegenstände waren wir hierzulande je- Kauf nicht leisten können oder wollen.
doch die Ersten. Entdeckt hatten wir das
Konzept in den USA. Was wird auf der Plattform am Welche Zukunftschancen geben Sie
häufigsten angeboten? der Sharing Economy?
Lief die Plattform erfolgreich an? Wir haben 15 000 Gegenstände, die sich Zurzeit ist sie das Modewort schlechthin,
Nachdem wir selbst sowie viele Freunde in 600 Produktgruppen unterteilen las- wird diesen Hype aber immer mehr
und Bekannte erste Gegenstände zur sen. Zuvorderst in der Hitliste stehen verlieren. Nicht weil sie verschwindet,
Miete auf die Plattform stellten, gab es
sofort Bewegung. Die Anfangseuphorie
Werkzeuge wie Bohr- und Schleifmaschi-
nen oder Stichsägen, aber es werden
sondern im Gegenteil ein immer zentrale-
rer Bestandteil der Wirtschaft sein wird.
Couchsurfing
Vier Millionen Menschen nutzen jedes Jahr couchsurfing.com.
verflog aber rasch und wir mussten inten- auch Gartengeräte, Autoanhänger, Koch- Menschen wollen Gegenstände und
Das Konzept hinter der Plattform ist einfach: Wer sich registriert,
siv Marketing betreiben. Heute haben platten, Schneeschuhe, Gummiboote, Dienstleistungen immer öfter sofort ver- lässt Reisende umsonst bei sich übernachten und kann seiner-
wir über 15 000 Nutzer, Tendenz perma- Raclette-Öfen oder Fotoausrüstungen fügbar haben. Beim Nachbarn holen geht seits nach Gastgebern suchen.
nent steigend. gemietet. schneller als im Laden einkaufen und
ist dazu noch günstiger.
8 Aspekte Mai 2019 9Fokus Fokus
Welche Lösung passt
zu Ihnen?
Auf das Auto verzichten
Das Auto ist einer der teuersten Posten in der typi-
schen Schweizer Familie. «Wer nur zweimal im
Monat das Auto braucht, steigt besser auf Mobility
um», erklärt Rosa Cardinale Rohner. «So lassen sich
monatlich im Durchschnitt 500 Franken sparen.»
Ebenso gute Spareffekte liessen sich mit der Ver-
mietung von Wohnraum erzielen. «Wer leer stehende
Räume als WG-Zimmer oder die ganze Wohnung
bei Ferienabwesenheit vermietet, reduziert dank
Zusatzeinkünften die eigene Mietbelastung schnell
um 500 bis 1000 Franken pro Monat.»
Gespartes gleich einzahlen
Sie haben durch Teilen gespart? Dann zahlen Sie
Gemeinschaftsgarten Rosa Cardinale Rohner, Dr. phil., ist langjährige
den gesparten Betrag gleich auf ein Sparkonto ein.
Wer gärtnern will, aber keinen eigenen «Wer möchte, kann auch die Hälfte des Gesparten
Kundenberaterin Private & Wealth Management
Garten hat oder haben möchte, teilt Clients bei der Credit Suisse in Bern. einzahlen. Auf jeden Fall stellt man so sicher, dass
sich einfach einen Gemeinschafts man langfristig vom Teilen profitiert», sagt die Kun-
garten. Zum Beispiel auf dem Campus denberaterin. Um ein Sparziel zu erreichen, hält sie
der ETH Hönggerberg in Zürich:
Fonds-Sparpläne für besonders geeignet, weil diese
seedcity.ch
Sparen und Investieren vereinen und so langfristig
attraktive Renditechancen bieten. Dabei wird regel-
mässig ein Betrag in Anlagefonds investiert. Damit
Die Expertin erklärt wird ein durchschnittlicher Einstandspreis des ge-
wählten Anlagefonds erzielt und das Risiko minimiert,
Mit Teilen sparen in einem ungünstigen Moment zu investieren. «Auch
Kleinsparer sind mit Einlagen ab 100 Franken pro
Monat bereits dabei.» Mit einem Fonds-Sparplan
können Sie einfach und systematisch Ihr Vermögen
«Reizvoll an der Sharing Economy ist auf Anbieter- wie auf aufbauen.
Nutzerseite auch das Neue, Ungewohnte und Spielerische.» Ausgangslage Diverse Verdienstmöglichkeiten nutzen
Wir teilen heute immer mehr. Das ist gut für die Um- Wenn Sie viele Gegenstände besitzen, die Sie kaum
Thomas von Stokar
welt und für das Portemonnaie. Legen Sie sich eine benutzen, sollten Sie diese vielleicht vermieten. Rosa
Strategie zurecht, um die zahlreichen Potenziale der Cardinale Rohner: «So helfen Sie anderen, weniger
Sharing Economy konsequent für sich zu nutzen. Geld auszugeben – und profitieren selbst finanziell.»
Dieses Prinzip wird mittlerweile von Onlineportalen
Positive Entwicklung zu erwarten trauen der Konsumenten ab. Dennoch ist der Forscher Lösung aufgenommen, die Vermieter und potenzielle Mieter
Wie sich der zurzeit exponentiell wachsende Sharing- der Meinung: «Sharing-Economy-Plattformen werden Es gibt verschiedene Möglichkeiten, von der Sharing von allerlei Gebrauchsgegenständen miteinander ver-
Economy-Markt in Zukunft entwickeln wird, lässt sich sich in verschiedenen Bereichen mit innovativen und Economy zu profitieren – ob direkt oder indirekt. kuppeln. «Diesem Trend sind keine Grenzen gesetzt»,
gemäss Thomas von Stokar nur schwer vorhersagen. effizienten Geschäftsmodellen etablieren und nachhaltig «Das Sparpotenzial für jeden Einzelnen ist enorm», so die Überzeugung der Kundenberaterin. Denn bei-
«Die Vielfalt der Anwendungen und die gegenwärtige einen Mehrwert für Konsumenten schaffen.» sagt Rosa Cardinale Rohner, langjährige Kunden de Seiten würden nachhaltig profitieren und im End-
Dynamik sind beeindruckend. Für die Gesamtwirtschaft beraterin bei der Credit Suisse in Bern. Massive Be- effekt durch Teilen Geld sparen.
bleibt die Sharing Economy vorderhand aber noch wenig Lebenszeit zugunsten der Gemeinschaft teilen träge auf einmal seien zwar selten zu erzielen. «Die
bedeutend.» Selbst die Marktanteile der mit Abstand Eine ganz andere Art des Teilens, welche zwar rückläufig erheblichen Effekte ergeben sich aus der Summe
grössten Plattformen Uber und Airbnb bewegen sich ist, die Sharing Economy bezüglich ihrer ökonomischen von zahlreichen Kleinbeträgen, die beim Nutzen der
nach wie vor im einstelligen Prozentbereich. Was für die Relevanz aber noch immer um Längen übertrifft, ist die Sharing Economy in diversen Lebensbereichen ein-
Teilwirtschaft in Zukunft möglich sei, hänge deshalb Freiwilligenarbeit. So leisten allein hierzulande rund drei gespart werden können.»
primär von der Kaufkraft, den Vorlieben und dem Ver- Millionen Menschen jährlich mehr als 700 Millionen
10Fokus Rubrik
Fokus
Stunden sogenannte institutionelle Freiwilligenarbeit Eveline Hostettler leistet
innerhalb einer Organisation und informelle Freiwilligen-
arbeit im Freundes- und Nachbarschaftskreis im Wert fünf Stunden Freiwilligenarbeit
von 31,5 Milliarden Franken. Damit steht die Schweiz
europaweit an zweiter Stelle hinter den Niederlanden, vor
pro Woche
Deutschland und Norwegen. Die bedeutendsten Profi-
teure von institutioneller Freiwilligenarbeit sind soziale Die Bernerin engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich
Organisationen, kirchliche Institutionen, Sport- und kul- als Rettungshundeführerin.
turelle Vereine. Rechnet man Hausarbeit und Betreu-
ungsleistungen mit ein, erhöht sich der Wert der hierzu-
lande geleisteten Freiwilligenarbeit laut Bundesamt für
Statistik auf über 400 Milliarden Franken.
Sie sind Mitglied bei der Organisation
Freiwilligenarbeit ist typisch Schweiz Redog. Worum geht es dort konkret?
Freiwilligenarbeit hat in der Schweiz eine lange Tradition Bei Redog geht es darum, mit freiwilligen
und ihren Ursprung vor allem im Umfeld von Kirche und Zweierteams aus Mensch und Hund akut
Frauenorganisationen. vermisste Personen zu finden. Beispiels-
Bis heute spielt Freiwilligenarbeit nicht nur in der weise Senioren oder Kinder, die sich ver-
Schweiz eine wichtige Rolle, und dies in fast jedem Le- laufen. Ich bin dem Verein vor sechs Jah-
bensbereich. Ob Soziales, Sport, Politik, Jugend und ren beigetreten und habe mich mit meiner
Alter oder Kultur und Umweltschutz: Auf freiwillige Hel- Border-Collie-Hündin Joya zu einem Ret-
ferinnen und Helfer ist man praktisch überall angewie- tungshundeteam ausbilden lassen.
sen. Und auf Menschen, welche diese Freiwilligenarbeit
organisieren, orchestrieren und fördern. «Freiwilliges und Welche Motivation hat Sie zu diesem
ehrenamtliches Engagement ist ein Grundpfeiler, eine Engagement bewegt?
tragende Säule für unsere Zivilgesellschaft, und wird dies Menschen zu helfen, liegt mir seit jeher
auch in Zukunft bleiben», sagt etwa Theres Arnet-Vanoni, am Herzen. Bereits früher habe ich mich
die sich seit über zwei Jahrzehnten in verschiedensten im Rahmen eines Kindermittagstischs
Funktionen und Gremien für das unentgeltliche «Teilen freiwillig in unserem Dorf engagiert. Von
von Zeit» engagiert. Seit 2011 ist die dreifache Mutter Redog hatte ich schon viel Faszinierendes
und fünffache Grossmutter Präsidentin der Organisation gehört, bevor Joya zu uns stiess. Der
benevol Schweiz und gilt in dieser Funktion als «höchste» Entschluss, mich mit ihr dort zu melden,
Vertreterin der Freiwilligenarbeit in der Schweiz. Über war dann schnell gefasst.
die Plattform benevoljobs.ch wurden allein im Jahr 2018
über 3000 freiwillige Helferinnen und Helfer an die 2500 Was gibt Ihnen die Freiwilligenarbeit
registrierten Einsatzorganisationen vermittelt. zurück?
Dank ihr konnte und kann ich mit Joya zu
Bücher Die «neuen Freiwilligen»: Spass und Partizipation
Blickt sie auf die letzten Jahre und Jahrzehnte zurück,
einem Team zusammenwachsen und
mich dabei selbst besser kennenlernen.
Wo macht Teilen mehr Sinn als bei Büchern? In manchen macht Theres Arnet-Vanoni in Bezug auf die Entwick- Im Verein teilt man spannende Erlebnisse Und können dabei auf die Unterstüt- Arbeit oder Vergnügen nutzen könnte.
Städten geht das beispielsweise über ausgediente Telefonzellen.
lung von Freiwilligenarbeit unterschiedliche Feststellun- und das übergeordnete Ziel, zu helfen. zung der Familie zählen? Wohlstand und Konsum gewinnen in
Auch online ist das möglich: BookCrossing (bookcrossing.com)
heisst ein Projekt, bei dem Bücher eine Reise um die Welt gen. Wenig verändert habe sich zum Beispiel an der Das gibt mir zusätzlich Motivation und ein Zum Glück kann ich das. Mein Ehemann unserer Freizeitgesellschaft rasant an
antreten, die per Code verfolgt werden kann. klassischen Rollenverteilung bezüglich der Geschlechter. positives Selbstwertgefühl. ist auch bei Redog engagiert, wo er sich Bedeutung. Und bei jungen Menschen
«Der Mann übernimmt tendenziell ein Ehrenamt, vorwie- um eher technische Aufgaben kümmert. dürfte heute wohl auch der markante
gend im Sportverein, Frauen kümmern sich vermehrt Sie engagieren sich wöchentlich fünf Die gemeinsame Freiwilligenarbeit Medienkonsum ein Hindernis für freiwilli-
um Betreuung und Pflege im Freundes- und Nachbar- bis sechs Stunden freiwillig, haben schweisst uns zusammen und ist für das ge Engagements sein.
schaftskreis.» Die Haltung der Gesellschaft zu diesem zwei Teenagersöhne, führen einen gegenseitige Verständnis bei Abwesen-
Thema sei hingegen nicht mehr dieselbe. «Die Motive Haushalt und arbeiten obendrein im heiten Gold wert. Sprechen Sie aus eigener Erfahrung?
für Freiwilligenarbeit haben sich verändert. Während Teilzeitpensum. Wie bringen Sie das Dass unsere Kinder medienabstinent
früher der Antrieb in der Regel darin begründet war, alles unter einen Hut? Können Sie nachvollziehen, dass sich leben, wäre gelogen. Wir versuchen in-
etwas Gutes zu tun, altruistisch zu handeln – oft auch Das frage ich mich manchmal selbst Freiwilligenarbeit in der Gesellschaft des, ihnen mit unserem freiwilligen En-
aus dem Glauben heraus –, steht bei einem freiwilligen (lacht). Mit einer straff geführten Agenda eher auf dem absteigenden Ast be- gagement vorzuleben, dass es neben
Engagement heute hauptsächlich der Spass im Vorder- und viel gutem Willen funktioniert es ei- findet? dem Konsum auch andere Werte gibt im
grund.» Es gehe immer öfter darum, mit anderen, gentlich fast immer. In Ausnahmefällen Nachvollziehbar ist es schon, da man die Leben. Und wir haben den Eindruck,
gleichgesinnten Menschen zusammenzukommen, eine muss ich halt mal improvisieren. investierte Zeit natürlich auch für bezahlte dass dies auch Früchte trägt.
12 Aspekte Mai 2019 13Fokus Fokus
«Heute steht bei einem freiwilligen Engagement
hauptsächlich der Spass im Vordergrund.»
Theres Arnet-Vanoni
Rekrutierung wird digitaler
Vereine und Organisationen sind deshalb auf wirksame
Rekrutierungsmethoden angewiesen. Dabei spielen
digitale Kanäle, wie soziale Netzwerke, Blogs oder Mai-
lings, eine immer wichtigere Rolle. «Auch durch die
Digitalisierung selbst entstehen neue Formen der Frei-
willigenarbeit», hält Theres Arnet-Vanoni fest. Die virtuell
vernetzte Welt ermögliche, dass sich Freiwillige unab-
hängig von Ort und Zeit engagieren könnten. Das Web
biete dafür zahlreiche neue Tätigkeiten. «Beispielsweise
das Verfassen von Beiträgen für Wikipedia oder das Be-
antworten von Fragen in einem Forum.»
Zusammenfassend attestiert die Präsidentin von
benevol Schweiz der Freiwilligenarbeit auch in Zukunft
durchaus gute Chancen. «Die Ansprüche und Herausfor-
derungen wachsen allerdings.» Organisationen müssen
sich künftig genau überlegen, was sie Freiwilligen bieten
Organ – etwa Mitspracherecht und die Chance, etwas zu bewe-
gen – und wie sie sie motivieren können. «Denn wer sich
Ein besonders kontroverses Teilen ist die Organspende. heute freiwillig oder ehrenamtlich engagiert, will dafür
Wer gerne Spenderin oder Spender werden möchte,
findet unter leben-ist-teilen.ch Informationen und kann
einen klaren Gegenwert, auch wenn dieser nicht materi-
eine Spendekarte bestellen. eller Natur ist.»
Fazit: Teilen verändert sich und bleibt wichtig
Ob Sharing Economy oder freiwillige Arbeit: Das Prinzip
des Teilens von Produkten, Services, Geschäftsideen, Thomas von Stokar ist Geschäftsführer
Raum und Zeit wird uns auch in Zukunft begleiten. Die und Partner des Zürcher Forschungs- und
gemeinsame Leidenschaft zu teilen und zusammen et- zunehmende Vernetzung als Folge des digitalen Fort- Beratungsunternehmens Infras, das sich
mit tragfähigen und nachhaltigen Zukunfts-
was zu bewegen. schritts treibt die Sharing Economy weiter an. Einstige
lösungen in diversen Themenbereichen
Das bestätigt auch die 2018 erschienene GDI-Stu- Statussymbole – das eigene Auto, die eigene Ferien- beschäftigt. Er war Leiter der 2018
die «Die neuen Freiwilligen». Statt von Freiwilligenarbeit wohnung – werden immer öfter durch innovative Teilmo- erschienenen Studie «Sharing Economy
müsse man heute viel eher von Partizipation sprechen, delle nach dem Motto «Nutzen statt besitzen» ersetzt. – teilen statt besitzen».
heisst es darin. Zudem schreiben die Forscher: «Bei Par- Teilen wird vielfältiger und schnelllebiger. Dies führt
tizipation unterscheidet man nicht zwischen Hilfeleisten- unter anderem dazu, dass sich ehrenamtlich engagieren-
den und Empfängern. Es gibt nur Teilhabende, die ge- de Menschen ihren persönlichen Einsatzbereich nach
meinsam Probleme angehen oder Freiräume erkunden, individuellen Vorlieben auswählen. Beteiligung und Sinn-
die gemeinsam über Ziele diskutieren, statt nur vorgege- stiftung werden hier immer grösser geschrieben.
Freiwilligenarbeit bei der bene Aufgaben auszuführen.» Theres Arnet-Vanoni be- Die «neuen Freiwilligen» wollen mit ihrem Einsatz
stätigt eine weitere Erkenntnis der GDI-Studie, wonach nicht mehr nur ihrer Nächstenliebe nachkommen. Viel-
Credit Suisse der Trend zur Individualisierung der Gesellschaft das leicht ist Teilen weniger selbstlos geworden. Das Prinzip
Die Credit Suisse hat eines der umfassendsten Corpo Prinzip der Freiwilligkeit verändert habe. «Heute will man bleibt aber in unseren Köpfen fest verankert und wird
rate-Volunteering-Programme der Schweiz. Allen Mitar- sich eher punktuell und projektbezogen engagieren. Vor sowohl der Wirtschaft als auch der Gesellschaft nachhal-
beitenden stehen bis zu vier Arbeitstage pro Jahr für allem das Ehrenamt, das formelle Engagement in Verei- tig riesige Gewinne und Mehrwerte – materielle genauso Theres Arnet-Vanoni ist seit 2011
Freiwilligenarbeit zur Verfügung. In der Schweiz inves- Präsidentin der Organisation benevol
nen, leidet als Folge dessen unter einer abnehmenden wie immaterielle – bescheren.
tierten 2018 rund 4000 Mitarbeitende 50 000 Stunden in Schweiz, eines Kompetenzzentrums für
über 5000 individuellen Einsätzen im Rahmen des Cor- Bereitschaft von Freiwilligen, sich auf lange Frist zu ver- Freiwilligenarbeit mit Vermittlungs- und
porate-Volunteering-Programms. Mehr erfahren Sie unter: pflichten.» Die Konsequenz ist, dass betroffene Vereine Beratungstätigkeit und 16 regionalen
credit-suisse.com/volunteering über kurz oder lang aussterben. Fachstellen in der Deutschschweiz.
14 Aspekte Mai 2019 15Fokus Fokus
Teilen für das es Zimmer in seiner Wohnung über Airbnb und freut sich
über Gäste als persönliche soziale Bereicherung. Auch
das Selbstwertgefühl spielt eine Rolle. Als Beispiel nen-
ne ich eine alleinstehende Mutter mit zwei Kindern am
Selbstwertgefühl
Existenzminimum, die aus der Not heraus ebenfalls ein
Zimmer kommerziell vermietet und sich damit unabhän-
giger von Sozialhilfeleistungen und ihrem Exmann macht.
Hat die Teilbereitschaft von Menschen etwas mit
ihrer Kultur zu tun?
KR: Sehr stark sogar, selbst innerhalb der kleinen
Ein Gespräch über das Teilen – mit Prof. Dr. Anja Schulze, Schweiz. Der Deutschschweizer etwa teilt nur ungern
sein Auto, womit die Romands oder Tessiner weniger
Professorin für Technologie- und Innovationsmanagement Mühe haben. Ein anderes Beispiel ist die Organspende:
an der Universität Zürich (UZH), und Prof. Dr. Katja Rost, Es gibt Länder, in denen die Organspende explizit mit
einem persönlichen Ausweis abgelehnt werden muss.
Soziologieprofessorin an der UZH. Bei uns ist es genau umgekehrt.
Text: Robert Wildi Bilder: Ornella Cacace Beispiel Organspende: Könnte man Menschen in
unserem Kulturkreis mit finanziellen Anreizen zum
Spenden bewegen?
KR: Ich glaube, dass überzeugte Organ- oder Blutspen-
der durch finanzielle Anreize sogar eher abgeschreckt
werden könnten, weil sie aus intrinsischer Überzeugung
handeln. Wirksamer ist die Bereitstellung eines rich-
tungsweisenden Rahmens. In der Kirche oder in karitati-
ven Organisationen teilen Leute beispielsweise sehr gern
I
st Teilen etwas typisch Menschliches? Prof. Dr. Anja Schulze hält eine SNF-Förderprofessur für Technology mit den Armen und anderen Hilfsbedürftigen. Wichtig ist
Anja Schulze (AS): Ja, Menschen teilen seit jeher and Innovation Management am Institut für Betriebswirtschaftslehre der hier das Signal, dass es eben nicht um eine Profitge-
untereinander. Wer von etwas zu viel hat, ist grund- Universität Zürich. In ihrer Forschung untersucht sie die Innovationsfähigkeit meinschaft, sondern um eine Lebensgemeinschaft geht.
von Unternehmen mit einem Schwerpunkt auf Wissensprozessen.
sätzlich bereit, es zu teilen. Und wer zu wenig hat,
nimmt diese Teilbereitschaft gerne in Anspruch. AS: Die wirtschaftliche Logik tritt in Sachen Teilbereit-
schaft tatsächlich oft ausser Kraft. Man müsste denken,
Katja Rost (KR): Wobei man hier immer die Beziehungs- dass Leute mit kaum Besitz weniger teilen, weil sie es
art der Beteiligten berücksichtigen muss. In Beziehun- sich nicht leisten können. Persönlich erlebte ich oft das
gen mit einer hohen sozialen Distanz wird wenig bis gar AS: Sobald Geld ins Spiel kommt, geht es weniger um Gegenteil. Etwa, als mir eine Bauernfamilie in einem
nicht geteilt. Mit Familienmitgliedern, guten Freunden Teilen im herkömmlichen Sinne, sondern um «Nutzen Drittweltland das letzte Hühnchen auf dem Hof servierte,
und nahen Bekannten teilt man viel mehr. Teilen hat mit statt besitzen». Hier spielen wirtschaftliche Interessen weil dies in der lokalen Kultur zur selbstverständlichen
dem Gerechtigkeitsprinzip zu tun und wird in der Regel eine dominierende Rolle. Die soziale Beziehung zwischen Gastfreundlichkeit gehört.
bereits im frühesten Kindesalter erlernt. zwei Personen tritt in den Hintergrund, zumal die Sharing
Economy eher von Unternehmen als von einzelnen Men- Wo liegen für Sie die Grenzen des Teilens?
Weshalb fällt es manchen Menschen leichter zu schen gelenkt wird. KR: Bei der Unterwäsche und beim Ehemann (lacht).
teilen als anderen?
KR: Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir zuerst Mit der Sharing Economy macht man also vor allem AS: Für mich macht Teilen keinen Sinn mehr, wenn der
die Begrifflichkeit definieren. Man kann sein Pausenbrot etwas für sich selbst und mit unentgeltlichem damit verbundene Aufwand zu gross wird. Den 20 Kilo-
teilen, den Regenschirm, eine Erfahrung oder auch Wis- Teilen etwas für andere? gramm schweren Holzofengrill vom Balkon ins Auto zu
sen. Das geschieht alles unentgeltlich und im Rahmen KR: Finanziell gesehen stimmt das. Trotzdem bezweifle schleppen und dem 100 Kilometer entfernt wohnenden
der sozialen Beziehung. Natürlich gibt es hier Unter- ich aus soziologischer Sicht, dass Menschen zu 100 Pro Bekannten für einen Abend vorbeizubringen, würde die-
schiede, die mit individuellen Persönlichkeits- und Cha- zent aus selbstlosen Gründen teilen. Wer teilt, tut das se Grenze beispielsweise deutlich sprengen.
rakterzügen wie Egoismus oder Altruismus zusammen- in der Regel aus einer intrinsischen Motivation heraus
hängen. Den einen fällt es leichter zu teilen, andere und verschafft sich damit selbst ein positives Selbstwert-
haben mehr Mühe. Und dann gibt es Teilen aus wirt- gefühl.
schaftlichem Interesse im Rahmen der Sharing Eco-
nomy. Die Motivationen hinter diesen beiden Teilungs Prof. Dr. Katja Rost ist Lehrstuhlinhaberin für Soziologie und Privatdozentin AS: Auch in der Sharing Economy gibt es nichtfinanzielle
arten sind ganz unterschiedlich. für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Zürich. Ihre Schwerpunkte Eigennutzwerte. Jemand vermietet zum Beispiel ein frei-
liegen im Bereich Wirtschafts- und Organisationssoziologie, digitale Soziologie,
soziale Netzwerke und Diversität.
16 Aspekte Mai 2019 17Bankwissen Bankwissen
Wissen
Expertise für Anleger
Nicht nur Gegenstände Daniel Rupli, Leiter Single Security Research, ist
und Zeit können geteilt einer von mehreren Hundert, die für die Credit
Suisse das Wissen zu den Finanzmärkten und der
F
werden, sondern auch inanzexpertise steckt bei der Credit Suisse (Welt-)Wirtschaftslage erarbeiten und kanalisieren.
für
Wissen und Erfahrungen. Schweiz in den Köpfen von etwa 17 000
Mitarbeitenden. Viele von ihnen tragen mit
Dem Research-Team übergeordnet ist das sieben-
köpfige und international besetzte Investment Com-
Wissen teilen ist en vogue. ihrer Arbeit direkt zum Bankgeschäft bei und
stellen ihr Wissen den Kundinnen und Kunden zur
mittee unter der Leitung von Global Chief Investment
Officer (CIO) Michael Strobaek. Zusammen bringt
Dazu gehört ebenso die Verfügung. So zum Beispiel beim Anlegen oder Spa- es dieses Gremium auf beachtliche 154 Jahre Fi-
ren. Daneben gibt es zahlreiche andere Bereiche, nanzmarktwissen. Gestützt auf das Research-Team
Finanzexpertise, die in denen enorm viel Wissen steckt. erarbeitet das Investment Committee einmal im Jahr
alle
zugunsten der Kundinnen eine strategische Grundrichtung, die regelmässig
überprüft und angepasst wird. Aus dieser Positionie-
Text: Ruth Hafen
und Kunden geteilt werden Illustration: Patrick Oberholzer rung leiten sich Anlageempfehlungen ab, die sich in
verschiedenen Publikationen der Bank widerspiegeln.
will. Drei Beispiele «Viele unserer Research-Erkenntnisse stehen
öffentlich zur Verfügung», sagt Daniel Rupli. Eine
verdeutlichen, wie das wichtige Publikation ist zum Beispiel «Supertrends».
bei der Credit Suisse Darin erarbeiten die Experten Trends, welche die
globale Wirtschaft prägen. «Wir untersuchen diese
funktioniert. Trends und verarbeiten sie zu Erkenntnissen und Lö-
sungen für Anleger.»
Wer sich das Wissen lieber kompakt zu Gemüte
führen will, für den empfiehlt sich der Ratgeber
«Besser anlegen», der online zur Verfügung steht. Er
gibt wertvolle Anlagetipps und liefert Hintergrund
berichte; gleichzeitig erfährt der Leser alles Wissens-
werte zum Thema Anlegen.
In erster Linie jedoch fliesst das Know-how der
Investment-Experten in die direkte Kommunikation
mit den Kundinnen und Kunden ein. Die Angebote
Credit Suisse Invest Compact, Partner, Expert oder
Mandate bieten neben massgeschneiderten Anlage-
lösungen auch massgeschneiderte Marktinformatio-
nen. Möchte ein Credit Suisse Invest Expert Kunde
beispielsweise genauestens über Anlageprodukte
und Markttendenzen Bescheid wissen, erhält er täg-
lich und über die gewünschten Kanäle die relevanten
Informationen von unseren Anlageexperten. Ein
Kunde mit Vermögensverwaltungsmandat hingegen
überträgt die auf seiner Anlagestrategie basierenden
Anlageentscheidungen an die Bank. Und einmal
im Quartal wird er zusammenfassend über die wich-
tigsten Marktänderungen informiert.
Credit Suisse Invest
Die Credit Suisse bietet verschiedene Anlagelösungen
vom Service auf höchstem Niveau für Finanzexperten
Wissen zu Anlegenthemen?
bis hin zum kompakten Angebot zur Abdeckung der Bleiben Sie informiert mit dem Ratgeber
Grundbedürfnisse. Mehr zu Credit Suisse Invest unter: «Besser anlegen». Mehr dazu unter:
credit-suisse.com/anlegen credit-suisse.com/besseranlegen
18 Aspekte Mai 2019 19Bankwissen Bankwissen
Und was passiert, wenn ich den Fünfliber ins Spar-
säuli gebe? «Kinder sollen schon früh ein Gefühl da-
für entwickeln, was es heisst, Geld auszugeben oder
es zu sparen», sagt Kathrin Wehrli, als Leiterin Pro-
ducts & Services bei der Credit Suisse verantwortlich
Finanzerziehung für Viva Kids.
Die Credit Suisse hat Viva Kids vor zwei Jahren
für Kinder in Abstimmung mit Pro Juventute entwickelt. Das
Angebot integriert die Finanzerziehung auf vielfältige
Der Umgang mit Geld gehört zu unserem Alltag: Wir und spielerische Art und unterstützt die Kinder beim
kaufen ein, wir gehen essen, wir heben Geld von der Erwerb von Finanzkompetenz. Das Digipigi, das die
Bank ab, wir sparen für eine Reise, wir investieren. Credit Suisse mit Zühlke entwickelt hat, ist Teil von
Die Liste könnte beliebig fortgeführt werden. Auch Viva Kids. Es schlägt eine Brücke zwischen digitaler
Kinder kommen irgendwann an den Punkt, an dem und physischer Welt. Äusserlich erinnert es an ein
sie begreifen, dass man mit Geld mehr machen traditionelles Sparsäuli, nutzt aber die Möglichkeiten
kann, als Türme zu bauen. des Internets der Dinge: Es kommuniziert über das
Das ist dann genau der Zeitpunkt, an dem die hauseigene WLAN mit einer Kinder- und einer El-
Finanzerziehung beginnen sollte. Was ist der Wert tern-App, mit der etwa Sparziele gesetzt, Guthaben
eines Fünflibers? Was kann ich mir davon kaufen? verfolgt oder Sackgeldzahlungen verwaltet werden
können.
Finanzerziehung ist etwas Intimes, das jede Fa-
milie auf ihre Weise angeht. «Wir wollen nicht in die
Erziehung eingreifen, sondern den Eltern Mittel und
Instrumente an die Hand geben», unterstreicht Wehrli,
selbst Mutter von drei Kindern. Auf der Website
«Viva Kids World» finden Eltern Ratgeber und Hinter-
grundwissen zum verantwortungsvollen Umgang
mit Geld und Kinder können auf einer animierten strukturierten Stiftungsangebots von diversen
Entdeckungsreise das Thema kennenlernen oder Dienstleistungen, unter anderem vom Ausbildungs-
werden im «Viva Kids Magazin» an Geldthemen her- programm. Geplant ist, jeweils etwa 20 bis 25 NPO
angeführt. Auch wenn Finanzerziehung erst einmal zu einer solchen Schulung einzuladen. Diese deckt
ein Familienthema ist, die Diskussion darüber ist die relevantesten Themenkreise ab: Governance,
auch gesellschaftsrelevant. «Es ist mir eine Herzens- Weiterbildung für Regulierung, Fundraising, Kapitalanlagen, Wirkungs-
angelegenheit, dass wir als Bank einen Beitrag analyse und Fördertätigkeit. Die Referenten sind
dazu leisten, Erwachsene und Kinder im Umgang mit Stiftungsräte ausgewiesene externe Fachspezialisten wie Profes-
Geld zu unterstützen», sagt Wehrli. sor Georg von Schnurbein, Leiter des Center for
Die Credit Suisse unterstützt gemeinnützige Organi- Philanthropy Studies der Universität Basel. Experten
sationen (NPO) finanziell und durch die vielfältigen der Credit Suisse steuern ihr Wissen in Fallbeispielen
Kompetenzen ihrer Mitarbeitenden in gesellschafts- aus der Praxis bei, etwa beim Thema nachhaltige
relevanten Themen. Im Fokus stehen finanzielle Inte- Kapitalanlagen.
gration, Finanzkompetenz und zukunftsorientierte «Mit diesem Angebot möchten wir Schweizer
Fähigkeiten. Im Rahmen der globalen Initiative NPO anregen, ihre Prozesse, Strukturen und Strate-
«Board Connect» bietet die Bank in der Schweiz ein giekompetenzen zu überprüfen», erklärt Mundwiler.
internes Trainingsprogramm zur Ausbildung von akti- «Wir erhoffen uns in der Ausbildung natürlich einen
ven und angehenden Stiftungsräten und Vereinsvor- regen Austausch zwischen Referenten und Teilneh-
ständen an. Als Führungspersonen im gemeinnützi- menden. Dies ist ein weiterer Hebel, über den wir
gen Sektor sollen Mitarbeitende der Credit Suisse unser Wissen teilen und in der Gesellschaft eine
ihre Finanzkenntnisse und ihr spezifisches Know-how positive Wirkung erzielen können.»
an NPO weitergeben.
«Das Programm ist so erfolgreich, dass wir es
nun für Kundinnen und Kunden weiterentwickeln»,
sagt Felix Mundwiler, Leiter Corporate Citizenship
Switzerland. Angesprochen werden gemeinnützige
Organisationen, die ihr Vermögen bei der Credit
Suisse anlegen. Sie profitieren im Rahmen eines
20 Aspekte Mai 2019 21Wirtschaftskolumne Wirtschaftskolumne
Arbeit teilen 4 Weshalb kann Abschottung
manchmal trotzdem sinnvoll
Wohlstand
sein?
2 Weshalb stärkt der
internationale Handel die
In der Theorie der Wirtschaftsentwicklung wird argumen-
tiert, dass eine gewisse Abschottung durchaus helfen
kann, eine schlagkräftige Industrie aufzubauen. Dies ins-
besondere dann, wenn man diverse Mehrwert schaffende
schaffen
Schritte aus dem Verarbeitungsprozess im Land behält
Vorteile der Arbeitsteilung? und sich so für den internationalen Wettbewerb fit macht.
Die meisten erfolgreichen Entwicklungsländer, darunter
Spezialisierung und Arbeitsteilung stossen dort an Gren- auch China, haben diese Strategie verfolgt. Dieser Ansatz
zen, wo der Markt nicht mehr ausgeweitet werden kann. birgt aber auch das Risiko, dass die profitierenden Indus
Denn ohne Gelegenheit zum Handeln und Tauschen ver- triezweige wegen des Schutzschirms über Zeit internatio-
liert die Verfeinerung der Arbeitsteilung ihren Sinn. Treten nal ins Hintertreffen geraten. Wenn solche Wirtschafts-
Länder in Handel miteinander, lässt sich dieser zum Vor- zweige Politiker mobilisiert haben, die – typischerweise mit
teil beider nutzen, indem sich jedes Land auf die Herstel- populistischen Argumenten – den Schutz aufrechtzuer
Die Aufteilung von Arbeitsschritten zwischen Unternehmen lung der Güter spezialisiert, für die es komparative Vortei-
le besitzt. Was 1817 David Ricardo mit seinem Beispiel
halten vermögen, steigen die Kosten der Abschottung.
5
und Ländern, also Spezialisierung und Globalisierung, des effizienzsteigernden Handels von Wein und Tuch
zwischen Portugal und England beschrieb, gilt noch heu-
fördert Wohlstand und Fortschritt. In diesem Prozess te. Mit der Ausweitung der Arbeitsteilung im Zuge der
Globalisierung haben sich weltweite Märkte herausgebil- Weshalb gibt es auch
können Unternehmen und ihre Angestellten ins Abseits det, auf denen Waren und Dienstleistungen gehandelt
Verlierer der internationalen
geraten. Protektionismus ist aber keine Lösung. und Investitionen getätigt werden. Dabei spielen die ein-
zelnen Länder ihre Stärken aus und können dadurch Ein- Arbeitsteilung?
Text: Oliver Adler kommensgewinne erzielen.
3
In einer Gesamtbetrachtung überwiegen die Vorteile der
Handelsliberalisierung klar; dennoch gibt es bei der Glo-
balisierung nicht nur Gewinner. Insbesondere Arbeitneh-
mer mit ungenügender Ausbildung und eingeschränkter
Weshalb führt Mobilität leiden immer wieder unter Arbeitsplatzverlusten
Protektionismus zu und Einkommenseinbussen. Eine Stelle in einem wettbe-
werbsfähigeren Sektor lässt sich für sie nicht immer ohne
Wohlstandsverlusten? Weiteres finden. Die ungleichmässige Verteilung der
1
Vorzüge der internationalen Arbeitsteilung über Sektoren,
Protektionisten versuchen, die Ausweitung der grenz Regionen und Individuen hinweg droht deshalb die Ak-
überschreitenden Arbeitsteilung mit dem Argument zu zeptanz der Globalisierung zu mindern. Anstatt einzelne
Weshalb macht Arbeits- stoppen, Arbeitsplätze und Wohlstand innerhalb des
Heimmarkts zu schützen. Meist ist das Gegenteil der
Sektoren oder Unternehmen zu schützen, ist es sinnvoller,
die Verlierer der Globalisierung so lange zu unterstützen,
teilung Sinn? Fall: Schützt zum Beispiel ein Land einen Industriezweig
mit Quoten, Kontingenten oder Zöllen gegen billigere
bis sie den Weg zurück in den Arbeitsmarkt gefunden
haben. Flexible Arbeitsmärkte, gekoppelt mit nachhaltiger
Oliver Adler Schon der Begründer der klassischen Nationalökonomie Importe, werden die Hersteller daran gehindert, ihre Pro- Sozialpolitik und systematischer Förderung des Bildungs-
Geboren am 3. Januar 1955 in Zürich. Adam Smith beschrieb im 18. Jahrhundert den Nutzen dukte aus preisgünstigeren, im Ausland hergestellten wesens, sind probate Mittel, die Vorteile der internationa-
Ausbildung: Master in internationalen Bezie- der Arbeitsteilung. Die Aufteilung der Produktion von Zwischenfabrikaten anzufertigen. Ihre Wettbewerbsfähig- len Arbeitsteilung und die politische Unterstützung dafür
hungen, Columbia University, New York Gütern in Teilprozesse ermöglicht es, Produktivität und keit sinkt und Arbeitsplätze gehen verloren. Darüber hin- zu wahren.
(1982); Promotion in Wirtschaftswissenschaf-
ten, Columbia University, New York (1989).
letzten Endes Wohlstand zu steigern. Dank Spezialisie- aus werden Ressourcen in international nicht wettbe-
Berufliche Laufbahn: Country Economist, rung konzentrieren sich die Akteure auf die Aspekte des werbsfähigen Industriezweigen gebunden, anstatt sie in
Schweizerischer Bankverein (1978–1980); Produktionsprozesses, die sie am besten beherrschen. Sektoren mit besseren Entwicklungsperspektiven zu
Erfahren Sie mehr!
Bild: Thomas Buchwalder
Berater, Weltbank, Washington, D.C. Dadurch erhöht sich der volkswirtschaftliche Output; der lenken; die höheren Preise gehen zulasten der Endver-
(1985–1986); Ökonom, Leiter Investment technologische Fortschritt wird gefördert, weil die Spezia- braucher. Folglich sinkt der Wohlstand im In- und im Aus- Regelmässige Informationen zur Schweizer
Information und Leiter Asset Allocation,
UBS AG (New York und Zürich, 1989–2009);
listen «ihre» Produktionsschritte am ehesten verbessern land. Die aktuellen protektionistischen Tendenzen sind Wirtschaft und zu den Finanzmärkten finden
Economic Research, Credit Suisse Wealth können. Arbeitsteilung ist somit der Motor der wirtschaft- deshalb eine Gefahr für das globale Wachstum und den Sie in unserem Online-Ratgeber unter:
Management (Zürich, seit 2009). lichen Entwicklung. Wohlstand. credit-suisse.com/besseranlegen
22 Aspekte Mai 2019 23Anlegen Anlegen
und so zur Lösung bestimmter Probleme Wachsende Beliebtheit bei Anlegern
beitragen. Eine Impact-Investing-Katego- Green Bonds sind ein noch junges, aber
rie, die bereits einer breiten Masse von rasch wachsendes Anlagesegment. Als
Anlegern zugänglich ist und auch Anklang erster Herausgeber einer grünen Anleihe
1%
findet, sind die sogenannten Green gilt die Europäische Investitionsbank, eine
9% Abfallentsorgung
44 %
erneuerbare Energien
Bonds, die «grünen Anleihen».
Investieren für den guten Zweck
länderübergreifende Entwicklungsbank
der EU-Mitgliedstaaten. Sie hat 2007 die
erste grüne Anleihe emittiert. «Seither
belastbare Infrastruktur, und Energieeffizienz Anleihen oder Obligationen sind Wertpa- erfreuen sich grüne Anleihen steigender
Bausubstanz und andere piere, mit denen Banken, Firmen oder Beliebtheit bei den Anlegern», so Schuler.
Bereiche
Staaten – die sogenannten Emittenten Besonders 2017 sei ein gutes Jahr mit
– einen Kredit aufnehmen. Kreditgeber vielen Green-Bond-Emissionen gewesen.
D
er Klimawandel zeigt sich im- sind die Investoren, die das Fremdkapital Das führt der Experte auf den UN-Klima-
mer deutlicher. Nie war es in zur Verfügung stellen, im Fachjargon konferenzgipfel zwei Jahre zuvor zurück,
der Schweiz seit Messbeginn Obligationäre genannt. Als Gläubiger bei dem sich die teilnehmenden Staaten
1864 so warm wie 2018. Die haben sie ein Recht auf Rückzahlung der darauf geeinigt haben, die globale Klima
10 %
Jahresdurchschnittstemperatur liegt Anleihe und auf Zinsen. erwärmung auf unter zwei Grad Celsius
heute hierzulande rund zwei Grad Celsius Green Bonds zeichnen sich durch die zu beschränken.
Anlegen
höher als noch vor 150 Jahren – und Zweckbestimmung der Mittel aus: Bei 2018 gingen die Neuemissionen
Wasser und
Abwasser gemäss aktuellen Klimaszenarien wird gewöhnlichen Anleihen kann der Emittent zwar wieder zurück – das könne gemäss
sich diese Entwicklung weiter fortsetzen. die mit den Anleihen aufgenommenen Schuler aber an der Projektgebundenheit
Die Erd- und Wassererwärmung zählt Mittel für die Finanzierung beliebiger Un- von Green Bonds liegen. «Diesbezüglich
zu den grössten Herausforderungen der ternehmensprojekte verwenden. Bei war 2017 vielleicht einfach ein Spitzen-
mit Wirkung
Menschheit. Gleichzeitig machen Bilder Green Bonds hingegen müssen sie zwin- jahr.» Doch es tut sich etwas bei den grü-
vermüllter Meere und abgeholzter Wälder gend in Projekte fliessen, die einen posi- nen Anleihen. «Die Schwellenmärkte
die Runde. Vor diesem Hintergrund ge- tiven Einfluss auf die Umwelt und das kommen langsam in Fahrt», sagt Schuler.
winnen Themen wie Nachhaltigkeit und Klima haben. So kann mit Green Bonds So hat 2017 etwa Fiji grüne Anleihen
Klima- und Umweltschutz an Bedeutung. zum Beispiel der Bau von Fotovoltaik emittiert und China zählt zu den grössten
anlagen, Windparks oder energieeffizien- Emittenten weltweit.
Nachhaltige Anlagen und Impact ten Gebäuden oder der Ausbau des öf-
Finanzielle Interessen und Umweltschutz unter Investing
Diese Tendenz zeigt sich auch beim Anle-
fentlichen Verkehrs finanziert werden.
Green Bonds werden immer für spezifi-
Vergleichbare Risiken, vergleichbare
Rendite
einen Hut bringen? Neue Anlageformen wie gen. «Heute möchten viele Anleger ihre sche Projekte verwendet, über deren Abgesehen von ihrer Zweckbestimmung
finanziellen Interessen mit einem Beitrag Fortschritt der Emittent die Obligationäre funktionieren Green Bonds wie gewöhnli-
Green Bonds machen es möglich. zum Schutz von Umwelt oder Klima ver- regelmässig informieren muss. Um si- che Anleihen. Der Emittent haftet genau-
binden», sagt Pascal Schuler, Leiter Di- cherzustellen, dass die Mittelverwendung so wie bei anderen Obligationen. Aus
11%
Text: Lara Surber rect Investments & Financial Products bei auch nachverfolgt werden kann, wurden diesem Grund bewegt sich auch die Ren-
der Credit Suisse. So sind zwischen den 2014 auf Initiative von 13 Grossbanken dite bei gleicher Währung und Laufzeit
L andwirtschaft, rein renditeorientierten traditionellen An- die sogenannten «Green Bond Principles» ungefähr auf demselben Niveau – mit
Landnutzung, lagen und den rein philanthropisch moti- ins Leben gerufen. Das Label fordert dem Unterschied, dass man mit einer
Wälder und vierten Spenden neue Anlageformen ein hohes Mass an Transparenz, ist der- Investition in Green Bonds etwas Gutes
ökologische entstanden. zeit noch freiwillig und wird auch von der für Klima oder Umwelt tut. Oder wie
Ressourcen Quelle: The World Bank Green Bond Impact Report 2018, S. 8
Die Rede ist von nachhaltigen Anla- Credit Suisse unterstützt. Pascal Schuler sagt: «Mit innovativen
gen und von Impact Investing. «Nach Anleihen können Finanzindustrie und
haltige Anlagen basieren oft auf einem individuelle Anleger zur Erreichung der
Ausschlussverfahren», erklärt Schuler. UN-Klimaziele beitragen, ohne auf Rendi-
So werden etwa Unternehmen aus kon te verzichten zu müssen.»
troversen Branchen, wie beispielsweise
der Tabak- oder Waffenindustrie, aus
25 %
sauberer Transport
nachhaltigen Portfolios ausgeschlossen.
«Impact Investing hingegen zielt darauf
ab, einen Impact, also eine Wirkung, zu Erfahren Sie mehr!
haben», so Schuler. Impact-Investing- Mehr zum Thema Impact Investing und zu anderen
Anleger möchten mit ihrer Investition eine Anlagetrends lesen Sie in unserem digitalen Ratgeber:
Grüne Anleihen: Dahin fliessen die Mittel. konkrete, messbare Wirkung erzeugen credit-suisse.com/besseranlegen
Aspekte Mai 2019 25Sie können auch lesen