Bio und Fair Trade sind en vogue

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Bio und Fair Trade sind en vogue
36 KONSUM BEOBACHTER KOMPAKT 3/2008

       ÖKOTEXTILIEN

      Bio und Fair Trade sind en vogue
      Biokleider sind derzeit so angesagt und trendy, dass Biobaumwolle bereits knapp ist.
      Wer Ökotextilien kauft, unterstützt Baumwollbauern, die umweltfreundlich produzieren.
      Zum Beispiel in Mali. Text: Christian Kaiser; Fotos: Tina Steinauer

      D
            er Aufdruck «100 Prozent Baum-           Viele afrikanische Kleinbauern haben sich    stand organisiert sein, ein Kontrollsystem
            wolle» auf der Etikette von T-Shirts,    zudem durch den Baumwollanbau stark          für ihre Mitglieder vorweisen und lücken-
            Jeans oder Unterwäsche klingt nach       verschuldet; für den Kauf teurer Dünge-      los Rechenschaft ablegen, wohin die Fair-
      Natur pur. Doch herkömmliche Baum-             und Pflanzenschutzmittel mussten sie         Trade-Prämien fliessen und wie diese Ent-
      wolle ist alles andere als ein reines Natur-   Kredite aufnehmen. Hohe Schuldzinsen,        scheidungen zustande kommen.
      produkt, kaum ein anderes landwirtschaft-      schlechte Weltmarktpreise und Gesund-        Sira Sidibé und andere Biobauern produ-
      liches Gut wird dermassen mit der Che-         heitsrisiken – all das macht vielen her-     zieren Baumwolle in einem Projekt der
      miekeule hochgepäppelt. Das Massenpro-         kömmlich produzierenden Baumwoll-            Schweizer Entwicklungsorganisation Hel-
      dukt Baumwolle wächst in mit Kunstdünger       bauern das Leben schwer.                     vetas. «Helvetas vermittelt zwischen Pro-
      hochgezüchteten Monokulturen, die idea-        Doch es geht auch anders. Zum Beispiel in    duzent und Konsument», sagt Tobias
      len Nährboden für Schädlinge, Unkraut          Mali. Sira Sidibé bearbeitet sein kleines    Meier, Leiter Fairer Handel von Helvetas.
      und Pilze bieten. Um diese zu bekämpfen,       Feld mit einem Handpflug, sät die Baum-      Seit 2002 unterstützt Helvetas malische
      kommt ein ganzer Giftkasten aus Pestizi-       wolle und pflegt die heranwachsenden         Kleinbauern dabei, ihre Anbautechnik auf
      den, Herbiziden und Fungiziden zum Ein-        Pflänzchen von Hand, als Dünger dient        biologisch umzustellen.
      satz; ein Feld wird bis zur Ernte mindes-      ihm Mist und Kompost, den er mit einem       Schweizer Partnerunternehmen wie
      tens achtmal gespritzt. Die Handelsware        kleinen Wagen auf sein Feld führt. Gegen     Switcher, Migros oder Manor unterstützen
      Baumwolle ist ein intensivst chemikalisch      Schädlinge versprüht er den Saft des         das Projekt, indem sie den Bauern feste
      behandeltes Produkt.                           Neembaums, zur Bewässerung ist er vom        Abnahmemengen zusichern und dafür
                                                     Regen abhängig. Auf demselben Feld           einen Aufpreis zwischen 20 und 40 Pro-
      Baumwolle wird nur auf 2,5 Prozent der         pflanzt er auch Mais, Sesam oder Erdnüsse    zent zum Weltmarktpreis bezahlen. Um-
      weltweiten landwirtschaftlichen Nutzflä-       und gönnt dem Boden von Zeit zu Zeit ein     gelegt auf ein einzelnes T-Shirt, machen
      che angebaut – 16 Prozent aller Insektizide    Brachejahr zur Regeneration.                 die Zusatzkosten lediglich rund 30 Rap-
      werden dort versprüht. Die Folgen: Die         Für den Zusatzaufwand, den er als Bio-       pen aus. Im Gegenzug hilft das Engage-
      Gifte töten neben Schädlingen auch viele       bauer hat, erhält er einen höheren Ab-       ment den Produzenten, an den knappen
      Nützlinge und stören das ökologische           nahmepreis: Statt 160 Francs CFA − das       Rohstoff Biobaumwolle zu kommen, denn
      Gleichgewicht, die Giftstoffe reichern         ist die Währung in Westafrika −, die ihm     immer mehr Konsumenten sind bereit, für
      sich im Boden und im Grund- und Trink-         die staatliche Abnahmeorganisation be-       Kleider mit einem Bio- oder Fair-Trade-
      wasser an.                                     zahlen würde, setzt die Fair-Trade-Organi-   Label einen Aufschlag zu zahlen.
      Auch die Klimabilanz herkömmlicher Baum-       sation FLO einen Minimumpreis von            Wer fair gehandelte Biobaumwolle kauft, un-
      wolle ist bedenklich. In den industriellen     238 Francs CFA fest; dieser soll Klein-      terstützt die produzierenden Bauern in
      Hauptanbaugebieten wie den USA holen           bauern in Westafrika und ihren Familien      mehrfacher Hinsicht: Bio- und Fair-Trade-
      riesige Pflückmaschinen die Ernte ein: Die     ein gerechtes Einkommen sichern. Zusätz-     Prämien erhöhen das Einkommen der
      Maschinen verdichten den Boden und ver-        lich erhält Sira Sidibé einen Bioaufschlag   Bauern und belohnen sie so für den Mehr-
      brauchen Unmengen Treibstoff.                  von 34 Francs CFA, insgesamt kommt er        aufwand, den ihnen die biologische Pro-
      In den Anbaugebieten des Südens − Baum-        auf rund 70 Rappen pro Kilo.                 duktionsweise abverlangt. Zudem können
      wolle gedeiht am besten in warmen,             Werden neben den Bio- auch die Fair-         kritische Konsumenten sicher sein, dass
      sonnenintensiven Klimazonen − kommen           Trade-Richtlinien eingehalten, gibts noch    soziale Mindeststandards eingehalten sind
      auch immer noch hochgiftige Substanzen         einmal einen Zuschlag von 34 Francs CFA.     und die Umwelt in den Herkunftsländern
      wie DDT oder Lindan zum Einsatz: Das           Dieser steht aber nicht dem einzelnen        der Baumwolle geschont wird. Die Bauern
      Gift ist ein grosses Gesundheitsrisiko für     Bauern zur Verfügung, sondern der Kom-       sind dank Bioproduktion weniger Gesund-
      die Arbeiterinnen und Arbeiter, die meist      mune, die das Geld in gemeinnützige Pro-     heitsrisiken ausgesetzt und von Pestizid-
      ohne die nötige Schutzbekleidung aufs          jekte für alle investiert: ein geschütztes   fabrikanten oder Düngemittelherstellern
      Feld gehen. In einigen Regionen der            Lager für die Ernte, Transportmittel oder    unabhängig; das Risiko, sich zu verschul-
      Entwicklungsländer hat der jahrelange          Schulbänke. Zweimal im Jahr kontrolliert     den, sinkt. Bodenfruchtbarkeit und Bio-
      grossflächige Anbau in Baumwollmono-           eine unabhängige Zertifizierungsagentur      diversität auf ihren Feldern bleiben erhal-
      kulturen die Böden so ausgelaugt, dass sie     die Einhaltung der FLO-Richtlinien; die      ten, so dass sie jederzeit wieder auf die
      nicht mehr für die Produktion von Nah-         Kommune muss in sauberen Strukturen          Herstellung von Nahrungsmitteln für den
      rungsmitteln taugen.                           mit einem demokratisch gewählten Vor-        Eigenbedarf umstellen können.
Bio und Fair Trade sind en vogue
KONSUM BEOBACHTER KOMPAKT 3/2008 37

  Sabine Lauber
  Label: Lauber
  www.itslauber.com

                                                                                         Wofür steht Ihr Label?
                                                                                         Ich mache tragbare Mode für einen
                                                                                         Alltag, in dem wir in der heutigen
                                                                                         Zeit mobil, flexibel und spontan sein
                                                                                         wollen. Dabei ist es wichtig, gut
                                                                                         und bequem angezogen zu sein und
                                                                                         trotzdem schick und entspannt
                                                                                         auszusehen. Mode ist für mich wie
                                                                                         ein Kaleidoskop. Sie widerspiegelt
                                                                                         die Umwelt, die Gesellschaft und
                                                                                         ihre Geschichten. Mode zu machen
                                                                                         heisst untersuchen, forschen und
                                                                                         analysieren, sammeln, verwerfen
                                                                                         und neu kombinieren.

                                                                                         Was entwerfen Sie für die Modeschau
                                                                                         Green Fashion an der Natur 08?
                                                                                         Für diese Modeschau setze ich zwei
                                                                                         Outfits der neuen Kollektion in Bio-
                                                                                         baumwolle um, die ich mit Pflanzen-
                                                                                         farben einfärbe. Die Suche nach
                                                                                         Materialien war aufwendig. Die
                                                                                         Auswahl, insbesondere auch in den
                                                                                         Farben, ist eingeschränkt, zudem
                                                                                         sind die Preise meist höher.

                                                                                         Weshalb sind Umwelt- und Sozial-
                                                                                         bewusstsein auch in der Modewelt
                                                                                         wichtig?
                                                                                         Wir alle sind abhängig von der Um-
                                                                                         welt und ihren Rohstoffen. Wer sich
                                                                                         nicht Gedanken über Umweltthemen
                                                                                         macht, geht ziemlich blind und ge-
                                                                                         dankenlos durch die Welt. Die Umwelt
                                                                                         sowie die sozialen Verhältnisse
                                                                                         und Arbeitsbedingungen in armen
                                                                                         Ländern sollten in allen Bereichen
                                                                                         unserer Konsumgesellschaft Thema
                                                                                         sein. Mode ist Trägerin von Bot-
                                                                                         schaften und kann somit auch The-
                                                                                         men wie Sozialbewusstsein, Umwelt
                                                                                         und Ökologie vermitteln. Es ist die
                                                                                         Aufgabe von Modeschaffenden, die
                                                                                         Kundschaft zu sensibilisieren, ent-
                                                                                         sprechende Bedürfnisse zu wecken
                                                                                         und sie auch zu befriedigen.

Diese Vorteile leuchten den malischen        sind relativ hoch: Die Bauern müssen aus-   den Bauern deshalb nicht nur beim Um-
Kleinbauern ein: «Wir haben viele Interes-   gebildet werden, die Kommunen müssen        stellen auf Bio- und Fair-Trade-Produk-
senten, die gern in unser Programm auf-      sich organisieren. «Die grosse Schwierig-   tion, sondern finanziert auch ein Alphabe-
genommen würden», sagt Tobias Meier. In      keit dabei ist die Analphabetenrate von     tisierungsprogramm.
den letzten fünf Jahren ist die Zahl der     80 Prozent», so Tobias Meier. Das vom       Helvetas hatte sich gemeinsam mit dem
Biobaumwollbauern im Helvetas-Projekt        Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco)     Seco ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2007
von 174 auf 4100 gestiegen. Die Hürden       mitfinanzierte Projekt von Helvetas hilft   sollten fünf Prozent der in der Schweiz
Bio und Fair Trade sind en vogue
38 KONSUM BEOBACHTER KOMPAKT 3/2008

                                                                                                           Cornelia Peter, Nicole Müller
                                                                                                           Label: peter müller
                                                                                                           www.petermuellerfashion.com

         Wofür steht Ihr Label?                     Welche Materialien benutzen Sie dafür? Was   Weshalb sind Umwelt- und Sozialbewusstsein
         Unsere Kleider sind vielseitig kombi-      ist anders an der Arbeit mit Ökotextilien?   auch in der Modewelt wichtig?
         nierbar und unkompliziert im Schnitt,      Jedes Material beeinflusst mit seiner         Ist ein Kleidungsstück mit einem Öko-
         aus weitgehend natürlichen Materialien     Beschaffenheit und seinen Eigenheiten        label versehen, kann das den Kunden
         wie Baumwolle, Leinen und Seide. Bis       das Design eines Produkts. In diesem         in seiner Kaufentscheidung bestärken.
         anhin fertigen wir all unsere Teile im     Fall verwenden wir viele ungefärbte          Es ist aber nicht ganz einfach, sich in
         eigenen Atelier, als Einzelstücke oder     Stoffe mit geringer Elastizität, was Ein-    der verwirrenden Fülle von Ökolabels
         in Kleinserien. Unsere Materialien         schränkung und Möglichkeit zugleich          auszukennen. Ortsansässige Labels, die
         beziehen wir in der Schweiz.               ist. Das Angebot an Stoffen in Öko-          in kleinen Mengen produzieren, sind
                                                    qualität war sehr begrenzt, zum Teil         vermutlich relativ ökologisch. Die Han-
         Was entwerfen Sie für die Modeschau        auch sehr teuer oder in kleinen Mengen       delswege sind direkt und kurz, ausser-
         Green Fashion an der Natur 08?             nur ungefärbt erhältlich. Wir werden         dem hat der Konsument mehr Wert-
         Die Modelle sind eine Weiterführung        in Zukunft gerne ökologische Stoffe ver-     schätzung für ein Kleidungsstück, zu
         unserer bisherigen Arbeit. Die teils un-   wenden und sind diesbezüglich sicher         dessen Herkunft er einen Bezug hat. In
         gefärbten Stoffe eignen sich, um neue      hellhöriger geworden, der Preis spielt       diesem Sinne ist also auch das Kunden-
         Bearbeitungstechniken auszuprobieren.      aber eine grosse Rolle.                      verhalten ökologisch.
KONSUM BEOBACHTER KOMPAKT 3/2008 39

verkauften Baumwollprodukte aus Bio-           Organisationen: Kleiderproduktion zu fairen Bedingungen
produktion stammen. Das ist gelungen.
Auf den ersten Blick scheint ein Markt-        Kinderarbeit bei usbekischen Zulieferern von H&M, Zwangsarbeit von
anteil von fünf Prozent ein kleines Pflänz-    Neun- bis Sechzehnjährigen unter menschenunwürdigen Bedingungen
chen in einem grossen Beet zu sein, aber       in Indien für Gap – die Kleiderproduktion in Entwicklungsländern ist
immerhin: Das entspricht einer Verdoppe-       immer wieder von Skandalen überschattet. Verschiedene Organisationen
lung gegenüber 2003. Weltweit sind bisher      setzen sich darum seit geraumer Zeit für faire Arbeitsbedingungen,
lediglich 0,1 Prozent der Jahresproduktion     soziale Mindeststandards, Verbote von Kinder- sowie Ächtung von
von 25 Millionen Tonnen Baumwollfasern         Zwangsarbeit und gegen Geschlechterdiskriminierung ein.
Bioqualität.
Mit Abstand grösste Abnehmerin der ins-        Clean Clothes Campaign
gesamt 2500 Tonnen Biobaumwolle, die in        Seit 1999 engagiert sich die Clean Clothes Campaign für fair produzierte
die Schweiz gelangen, ist Coop: der Detail-    Kleider: Sie macht unsoziale Arbeitsbedingungen öffentlich, animiert
händler war mit seinen Naturaline-Texti-       Konsumentinnen und Konsumenten zu kritischem Einkaufsverhalten
lien ein Pionier der Biokleiderfabrikation,    und versucht, mit Postkartenaktionen und Petitionen das Sozialverhalten
heute vertreibt er rund 1400 Tonnen Bio-       der Textilhersteller zu verbessern. Ziel ist es, die Modehersteller zu
baumwolle, die aus Anbauprojekten in           einem Verhaltenskodex zu verpflichten, der den Arbeitenden in den
Tansania und Indien stammen. Switcher          Zulieferbetrieben soziale Mindeststandards wie Organisationsfreiheit
und Manor beziehen ihre Biobaumwolle           und existenzsichernde Löhne garantiert. An der Clean Clothes Campaign
aus den Helvetas-Projekten in Mali (Jah-       beteiligen sich 250 Organisationen in elf europäischen Ländern. Die
resproduktion: 350 Tonnen) und Burkina         schweizerischen Aktivitäten koordiniert die «Erklärung von Bern»
Faso, auch Migros und Hess Natur kaufen        (www.evb.ch). Weitere Infos: www.cleanclothes.ch
einen Teil in Westafrika ein, der Rest
stammt aus der Türkei.                         Fairtrade Labelling Organizations (FLO)
Im Moment ist der Rohstoff Biobaumwolle        FLO ist eine internationale Dachorganisation von 23 Mitgliedsorganisa-
ein äusserst knappes Gut. Denn: Mode aus       tionen aus den Bereichen faire Produktion und fairer Handel. Sie setzt
Biobaumwolle ist hip und trendy, keine         Fair-Trade-Standards für Produzenten und Händler fest; diese Vorgaben
Spur mehr vom rustikalen Birkenstock-          müssen erfüllt sein, damit die Produkte mit einem Fair-Trade-Güte-
Image, das Ökotextilien früher anhaftete.      siegel gekennzeichnet werden dürfen. FLO hilft Kleinbauern, ihre Produk-
Levi’s hat die mit natürlichem Indigo ge-      tion so zu gestalten, dass sie ihren Betrieb zertifizieren lassen können
färbte Biobaumwolljeans «Eco» im An-           und ihre Produkte so bessere Absatzchancen haben. Die Standards
gebot, Labels wie Zara oder American           umfassen auch Entwicklungsziele bezüglich Umwelt, Sozialem oder
Apparel setzen auf schicke Biokollektio-       Wirtschaft. Die Einhaltung der Standards wird von der unabhängigen
nen, und H&Ms Biolinie «Organic Cotton»        internationalen Zertifizierungsagentur FLO-CERT GmbH regelmässig
war innert Wochen ausverkauft.                 überprüft. Weitere Infos: www.fairtrade.net
Das Label Victoria’s Secret ist dabei, für
die nächste Saison eine Biounterwäsche-        Max-Havelaar-Stiftung
kollektion zu lancieren: Die Einkäufer sind    Die Max-Havelaar-Stiftung vergibt ein Gütesiegel für fair gehandelte
bereit, dafür in Burkina Faso ein Mehr-        Produkte. Sie verbessert durch fairen Handel die Lebens- und Arbeits-
faches des gegenwärtigen Preises zu be-        bedingungen von Kleinbauern und Plantagenarbeiterinnen in benach-
zahlen. Kein Wunder: Bio verkauft sich         teiligten Regionen. Die Non-Profit-Organisation mit Sitz in Basel ist
derzeit sehr gut, ist wichtig fürs Image,      Mitglied der FLO und orientiert sich an deren internationalen Fair-Trade-
und an den Edel-BHs ist ohnehin so wenig       Standards. Die Max-Havelaar-Stiftung wurde 1992 von den Schweizer
Stoff, dass der Einkaufspreis kaum ins         Hilfswerken Brot für alle, Caritas, Fastenopfer, Heks, Helvetas und
Gewicht fällt.                                 Swissaid gegründet. Weitere Infos: www.maxhavelaar.ch
Eine Firma, die nicht einfach auf einen fah-
renden Zug aufspringt, sondern ihre Pro-       Weitere Fair-Trade-Organisationen sind dem Schweizer Forum Fairer
duktionskette schon seit Jahren konse-         Handel angeschlossen; siehe Mitgliederliste auf www.swissfairtrade.ch
40 KONSUM BEOBACHTER KOMPAKT 3/2008

                                                                          Bio- und Fair-Trade-Labels: Orientierung beim bewussten Kleiderkauf
                                                                          Labels bieten auch beim Einkauf von Textilien Orientierungs-         ten in den Bereichen Rohstoffproduktion, fairer Handel
                                                                          hilfen: Anerkannte Zertifizierungsstellen prüfen und kenn-            oder Verarbeitung der textilen Rohstoffe einen Mehrwert
                                                                          zeichnen Produkte, die den Konsumentinnen und Konsumen-              bieten.

                                                                           Standards für Rohstoffe und Anbau

                                                                          Bio – kontrolliert biologischer      Coop Naturaline                 Migros Engagement                Naturtextil IVN best/better
                                                                          Anbau (kbA)                                                          Bio Baumwolle

                                                                          Biobaumwolle aus kontrol-            Hautverträglichkeit,            Textilien, die mit nach          Der Internationale Verband
                                                                          liert biologischem Anbau             Ökologie, gerechte Arbeits-     Bioprinzipien produzierter       der Naturtextilwirtschaft
                                                                          ist ein umweltschonendes             bedingungen in Indien           Baumwolle hergestellt sind.      (IVN) hat zwei Labels:
                                                                          Naturprodukt: Pflanzen-               und Afrika. Bioproduktion       Kein Einsatz von Pestiziden      Naturtextil best – sämtliche
                                                                          schutz auf natürlicher               ohne Bleichmittel, Schwer-      oder synthetischen Dünge-        Naturfasern stammen aus
                                                                          Basis, Fruchtfolgen und              metalle oder Allergien aus-     mitteln. Keine Chlorbleiche,     kontrolliert biologischem
                                                                          Mischkulturen, Kompost               lösende Chemikalien. Die        nur haut- und umwelt-            Anbau. Produktions-
                                                                          und Hofdünger garantieren            Baumwolle stammt haupt-         freundliche Farbstoffe.          betriebe und verwendete
                                                                          ein selbsttragendes Öko-             sächlich aus sozialverträg-     Keine Kinderarbeit, sozial-      Hilfsstoffe sind auf der
                                                                          system. Die Bodenfrucht-             lichen Anbauprojekten in        verträgliche Produktion,         Etikette ausgewiesen.
                                                                          barkeit bleibt erhalten. Die         Indien und Tansania. Pro-       Verarbeitung gemäss Eco-         Naturtextil better – Baum-
                                                                          Verwendung von gentech-              duzenten erhalten eine Ab-      Richtlinien (siehe «Migros       wolle aus biologischem
                                                                          nisch verändertem Saatgut            nahmegarantie und 15 bis        Engagement Eco»).                Anbau, andere Fasern auch
                                                                          ist verboten. Biobaumwoll-           25 Prozent höhere Preise.       w www.engagement.ch              konventionell. Keine um-
                                                                          kollektionen gibt es unter           w www.coop.ch/naturaline/                                        welt- oder gesundheits-
                                                                          anderem bei Switcher,                                                                                 belastenden Chemikalien,
                                                                          Manor, Hess Natur, C&A,                                                                               faire Arbeitsbedingungen,
                                                                          H&M, American Apparel,                                                                                artgerechte Tierhaltung.
                                                                          Patagonia, Helvetas, WWF.                                                                             w www.naturtextil.com
                                                                          w www.bio-baumwolle.ch

                                                                           Standards für die Verarbeitung                                       Fair Trade
     QUELLEN: WWW.LABELINFO.CH, LABELORGANISATIONEN, IVN, HELVETAS, EVB

                                                                          Die Euroblume, das Eco-Label          Migros Engagement Eco          Max Havelaar
                                                                          der EU
                                                                          Kleinere Umweltbelastung              Ökologische und sozial-        Bessere Arbeitsbedingun-         Bioproduktion. Gentech-
                                                                          im Vergleich zu anderen               verträgliche Produktion        gen für Kleinbauern aus          nisch veränderte Organis-
                                                                          Produkten: reduzierter                auf jeder Produktionsstufe.    benachteiligten Regionen         men sind verboten, der
                                                                          Einsatz gesundheits-                  Keine umweltgefährdenden       des Südens: menschen-            Einsatz chemischer Stoffe
                                                                          schädigender und umwelt-              oder allergenen Stoffe.        würdige Arbeitsbedingun-         muss reduziert werden. Die
                                                                          schädlicher Substanzen                Verbot von Kinderarbeit.       gen und existenzsichernde        Fairtrade Labelling Organi-
                                                                          bei Produkt und Produktion.           Sicherheit und Hygiene am      Löhne sind Bedingung.            zations (FLO) kontrollieren
                                                                          Geringe Verschmutzung                 Arbeitsplatz. Lückenlose       Bauern erhalten garantierte      regelmässig die Einhaltung
                                                                          von Wasser und Luft                   Erfassung aller Arbeits-       Mindestpreise, eine Fair-        der vorgegebenen Sozial-
                                                                          im Produktionsprozess.                schritte und Hilfsmittel,      Trade-Prämie, die in lokale      standards.
                                                                          w www.eco-label.com                   auch bei den Vorlieferanten.   nachhaltige Projekte fliesst,     w www.maxhavelaar.ch
                                                                                                                w www.engagement.ch            plus eine Zusatzprämie bei
Wofür steht Ihr Label?
  Mein Label steht für einmalige und
  exklusive Kreationen, die aus-
  schliesslich mit hochwertigen Stof-
  fen, viel Engagement und einem
  sicheren Auge für die Persönlichkeit
  der Kundinnen und Kunden ver-
  arbeitet werden. Mode muss bequem
  tragbar sowie umwelt- und sozial-
  verträglich sein.

  Was entwerfen Sie für die Modeschau
  Green Fashion an der Natur 08?
  Zwei Abendkleider und ein Braut-
  kleid. Die Idee war, zu zeigen, dass
  man auch für festliche Anlässe
  Kleider aus Biobaumwolle verwenden
  kann.

  Welche Materialien nutzen Sie dafür?
  Was ist anders an der Arbeit mit
  Ökotextilien?
  Für die drei Kleider verwende ich
  100 Prozent Biobaumwolljeans. In der
  Verarbeitung gibt es keine Besonder-
  heiten. Ich erstelle als freischaffende
  Designerin bereits Kollektionen aus
  Mali-Biobaumwolle für die Schweizer
  Entwicklungsorganisation Helvetas.

  Weshalb sind Umwelt- und Sozial-
  bewusstsein auch in der Modewelt
  wichtig?
  Es liegt auf der Hand, dass wir mit
  unseren Ressourcen sorgfältiger
  umgehen sollten. Umwelt- und
  Sozialbewusstsein nehmen einen
  immer grösseren Stellenwert ein.
  In meiner langjährigen Berufs-
  erfahrung war ich stets darauf
  bedacht, mit Betrieben zusammen-
  zuarbeiten, die fair und umwelt-                 Corinna Konopka
  bewusst produzieren.                             Label: Konopka AG
                                                   www.konopkacouture.com

quent auf 100 Prozent Bio getrimmt hat,     Auch bei den Designerinnen und Desi-          Natur-Messe in Basel geht vom 21. bis
ist Hess Natur. Für ihr ökologisches und    gnern ist Biobaumwolle zunehmend ein          24. Februar die erste Schweizer Öko- und
soziales Engagement erhielt sie am dies-    Thema: Die Prêt-à-porter-Messe in Paris,      Fair-Trade-Modeschau über die Bühne:
jährigen WEF den Positive Award; diese      das wichtigste Stelldichein der Branche,      Neben internationalen Labels werden auch
Auszeichnung verleihen die «Erklärung       schuf unter dem Titel «So ethic» eigens ein   junge Schweizer Designerinnen (siehe
von Bern» (EvB) und Pro Natura an be-       Messesegment für Öko- und Fair-Trade-         Porträts) ihre Kreationen aus Biobaum-
sonders vorbildliche Firmen.                Mode – mit 80 Ausstellern. Und an der         wolle präsentieren.                    N
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