Dialog - Gymnasium Immensee

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Dialog - Gymnasium Immensee
Dialog
Juli 2018

                                                                                     >>> 20

                                                                         Feuer und
                                                                          Flamme
                                                                               Die Blocktage 2018
                                                                             haben bei den Schülern/
                                                                                -innen gezündet

Matura 2018: Der Reifen     Mensa: Essen mit   Thema: Universität/                      Ehemalige: Droht
Leistung in Wort und Bild   gutem Gewissen     Hochschule ja – aber wohin?              die VGI-Auflösung?
>>> 2                       >>> 8              >>> 14                                   >>> 41
Dialog - Gymnasium Immensee
57 Maturae & Maturi
Am Abend des 29. 6. 2018 konnten alle 57 Kandidierenden im Rahmen einer würdigen Feier ihr
Reifezeugnis entgegennehmen. Mehr Worte und Bilder finden Sie auf den folgenden drei Seiten.
>>> 4

 2      MATURA 2018                                                                  Dialog Juli 2018
Dialog - Gymnasium Immensee
Inhalt
                     Matura 2018                   2   Konzerte28
                     News7                             Schule30
                     Editorial | Impressum         7   Ehemalige38
                     Thema: Universität/                Personalia44
                     Hochschule ja –– aber wohin? 14   Termine47
                     Blocktage	                   20   Elternforum48

Gymnasium Immensee                                              INHALT   3
Dialog - Gymnasium Immensee
«Bleibt hartnäckig und neugierig»
Alle 57 Kandidierenden des Gymnasiums Immensee, die zu den                        Rang teilen sich Mahinarangi Salzmann aus Küssnacht und
dies­jährigen Maturaprüfungen angetreten waren, konnten das                       Maximilian Janisch aus Meierskappel (beide je 5,538).
begehrte Reifezeugnis entgegen­nehmen. Überreicht wurde es
ihnen am Abend des 29. 6. 2018 im Rahmen einer würdigen                           «ABSOLUT VERTIG»
Feier. Der Immenseer Spitzenfechter Max Heinzer, vor zwölf Jah-
ren selbst Gymi-Maturand, hielt eine kurzweilige Festansprache.                   Das Schlusswort der Maturafeier, die mit Beiträgen von
                                                                                  Schülern/-innen des Ergänzungsfachs Musik unter der
«ICH HOFFE FÜR EUCH, dass sich          attestiert. Ihr habt euch ein ganzheit-   Leitung von Res Röösli begleitet wurde, gehörte den
eure Pläne für die Zeit nach der        liches Wissen erarbeitet und betrach-     Maturanden/-innen. Stellvertretend für ihre Kollegen/
Matura umsetzen lassen und dass         tet viele Vorgänge auf unserer Welt       -innen blickte Mahinarangi Salzmann auf die vergangenen
ihr dabei hartnäckig und neugierig      mit einem vertieften Verständnis für      Jahre zurück: «Nun einmal einige Zahlen, welche unser
bleibt», wandte sich Fechtprofi Max     grosse und kleine Zusammenhänge.          Durchhaltevermögen unterstreichen. In den letzten vier
Heinzer, Matura 2006 am Gymnasium       Ihr habt dabei eure Persönlichkeit        Jahren haben wir crica 30 Bücher gelesen, die zusammen
Immensee, in seiner Festansprache       geformt und zu reflektierten Wert­        über 4 500 Seiten zählen. Wir haben etwa 280 Prüfungen
                                                                                          v

an die 57 frischgebackenen Maturae      haltungen gefunden.»                      geschrieben, die insgesamt über 325 Stunden dauerten,
und Maturi. Den entscheidenden Tref-    Vor der Übergabe der 57 Zeugnisse         mindestens 75 SOL-Aufträge geduldig in über 110 Stun-
fer setzte er aber gekonnt mit seinem   wurden ausserordentliche Leistungen       den gelöst, dazu 20 Stunden schriftliche Matura geschrie-
Schlusssatz: «Geniesst die Party und    gewürdigt. So ging der Sozialpreis an     ben und noch unzählige Stunden gelernt. Doch wir haben
das Leben!»                             den Küssnachter Mateo Landolt für         all das überlebt, und genau deswegen haben wir es alle
                                        sein grosses Engagement zugunsten         mehr als nur verdient heute, hier zu stehen und uns für
BESTE MATURA MIT NOTE 5,769             der Klasse und der Schulgemein-           unsere Leistungen feiern zu lassen.» Verbunden mit dem
                                        schaft.                                   Dank an alle, die den Maturanden/-innen auf ihrem Weg zur
Zum Auftakt der Feier hatte Rektor      Die beste Matura mit einem Noten­         Seite standen, meinte sie am Ende: «Ich würde sagen, es
Benno Planzer den Maturanden/-innen     durchschnitt von 5,769 schaffte           war eine schöne Zeit, aber wir sind jetzt ‹absolut vertig!›»
die Bedeutung des Dokuments in          Helena Wolter aus Brunnen. Auf dem
Erinnerung gerufen: «Es ist ein Zeug-   zweiten Platz landete Aline Sidler        DIE MATURAREDEN IM GANZEN WORTLAUT FINDEN SIE AUF
nis, das euch eine umfassende Reife     aus Küssnacht (5,577). Den dritten        DER GYMI-WEBSITE WWW.GYMNASIUM-IMMENSEE.CH.

SCHÜLER/
-INNEN DES
ERGÄNZUNGS-
FACHS MUSIK
UNTER DER
LEITUNG VON
RES RÖÖSLI
UMRAHMTEN
DIE MATURA-
FEIER MIT
COOLEM
SOUND.

 4     MATURA 2018                                                                                                            Dialog Juli 2018
Dialog - Gymnasium Immensee
DIE 57 MATURAE UND MATURI                                                            SOZIALPREIS

Barraclough Alexander, Merlischachen       Regli Colin, Immensee                     Mateo Landolt, Küssnacht am Rigi
Bosshard Gabriel, Altdorf                  Reichlin Alenka, Immensee
Brücker Sarah, Meggen                      Renner Roman, Meierskappel
Bründler Vivienne, Meggen                  Ritzmann Maximilian, Küssnacht am Rigi    BESTE MATURA
Christoffel Flurin, Udligenswil            Röper Evelina, Meierskappel
De Luca Dario, Uetikon am See              Salzmann Mahinarangi, Küssnacht am Rigi   1. Helena Wolter, Brunnen, Note: 5,769
Gartenmann Frederic, Erlenbach             Schegg Oliver, Greppen                    2. Aline Sidler, Küssnacht am Rigi, Note: 5,577
Gietz Claude, Ebmatingen                   Schmidiger Sara, Steinhausen              3. Mahinarangi Salzmann, Küssnacht am Rigi,
Gilli Alexander, Meggen                    Scholbrock Tobias, Udligenswil               Note: 5,538
Glaninger Marina, Weggis                   Schönborn Florin, Udligenswil             3. Maximilian Janisch, Meierskappel, Note: 5,538
Grepper Livia, Goldau                      Schulz Alexander, Arth
Hess Selina, Küssnacht am Rigi             Sidler Aline, Küssnacht am Rigi
Inci Ceyda, Goldau                         Spiess Aline, Weggis
Isikli Elif, Immensee                      Stolz Mira, Bonstetten
Janisch Maximilian, Meierskappel           Tessendorf Liam, Merlischachen
Kazakova Tatiana, Zug                      Tschümperlin Gion, Küssnacht am Rigi
Kenel Stella, Immensee                     Ujkanovic Muhamed, Küssnacht am Rigi
Koller Jonas, Meierskappel                 Vischer Coralie, Küssnacht am Rigi
Koller Jamie, Meierskappel                 von Rickenbach André, Illgau
Korner Romina, Merlischachen               Weber Milan, Udligenswil
Landolt Mateo, Küssnacht am Rigi           Wieduwilt Melissa, Erlenbach
Lynch Grace, Risch                         Wismer Gian, Buonas
Mahmood Sufyaan, Wangen b. Dübendorf       Wöller Anna, Galgenen                     (V. L. N. R.) SOZIALPREIS: MATEO LANDOLT,
Marty Jan, Steinen                         Wolter Helena, Brunnen                    KÜSSNACHT AM RIGI; BESTE MATURA:
Mayor Enrico, Küssnacht am Rigi            Yardimci Yasin, Küssnacht am Rigi         2. PLATZ ALINE SIDLER, KÜSSNACHT AM
Moser Melanie, Meierskappel                Zemp Laurin, Immensee                     RIGI, 1. PLATZ HELENA WOLTER, BRUNNEN,
Muff Janna, Weggis                         Zimmerli Stella, Einsiedeln               3. PLATZ EX AEQUO MAHINARANGI
Nanzer Joy, Küssnacht am Rigi              Zürcher Cyrill, Buonas                    SALZMANN, KÜSSNACHT AM RIGI, UND
Pires Cernadela Dylan, Küssnacht am Rigi                                             MAXIMILIAN JANISCH, MEIERSKAPPEL.

REKTOR BENNO PLANZER MEINTE                FESTREDNER MAX HEINZER, MATURA            «ABSOLUT VERTIG!»: STELLVERTRETEND
IN SEINEN EINFÜHRENDEN WORTEN              2006, GAB DEN MATURAE UND                 FÜR IHRE MATURA-KOLLEGINNEN UND
AN DIE KANDIDIERENDEN ÜBER DAS             MATURI FOLGENDEN TIPP: «GENIESST          -KOLLEGEN DURFTE MAHINARANGI
HEISS BEGEHRTE MATURADOKUMENT:             DIE PARTY UND DAS LEBEN!»                 SALZMANN DAS SCHLUSSWORT DER
«ES IST EIN ZEUGNIS, DAS EUCH EINE         >>> SIEHE AUCH SEITE 42–43                MATURAFEIER 2018 HALTEN.
UMFASSENDE REIFE ATTESTIERT.»              «HEINZER TRAINIERT (WIEDER) AM GYMI»      >>> SIEHE AUCH SEITE 36–37 «ABSOLUT VERTIG!»

Gymnasium Immensee                         TEXT UND FOTOS: SMO!                                                MATURA 2018        5
Dialog - Gymnasium Immensee
Matura-Apéro:
Das grosse Adieu
Im Anschluss an die Maturafeier vom 29. 6. 2018 traf sich die Fest-
gemeinde auf dem oberen Hof des Gymis zum Apéro. Hier wurden
bei strahlendem Wetter Maturaresultate ausgetauscht, Selfies und
Fotos geschossen sowie mit einem weinenden und einem lachenden
Auge der Abschied vom Gymnasium Immensee begossen.

 6     MATURA 2018                   FOTOS: MB                        Dialog Juli 2018
Dialog - Gymnasium Immensee
Informatikunterricht:                                                           Liebe Leserin
                                                                                Lieber Leser
Gymi will das Ziel
als Erster erreichen                                                                             INFORMATIK
                                                                                                 JETZT!

Künftig schreibt                                                                Carl August Zehnder, em. Professor
der Bund Infor-                                                                 für Informatik ETH Zürich, klagte
matikunterricht                                                                 schon 2011, dass die Informatik
an Gymnasien                                                                    an den Schweizer Gymnasien kaum
vor. Das Gymi                                                                   präsent sei. Daran hat sich bis heute
begrüsst diesen                                                                 wenig geändert, obwohl die Informa­
Entscheid und                                                                   tik in der modernen Gesellschaft nicht
wird zu den                                                                     wegzudenken ist. Und wenn man un–
ersten Zentral­                                                                 ter Bildung etwa versteht, dass man
schweizer Mittel-                                                               dem eigenen Alltag nicht ganz ver-
schulen gehören,                                                                ständnislos gegenübersteht, dann
die den Informa-                                                                gehört Informatik unbedingt zur All­
tikunterricht auf                                                               gemeinbildung. Höchste Zeit also,
Gymnasialstufe                                                                  dass wir die Chancen mit dem revi­
umsetzen.                                                                       dierten Maturitätsanerkennungs-
                     CHEMIELEHRER DOMINIK BERNASCONI MIT                        reglement (MAR) rasch nutzen. Dabei
                     SEINEN SCHÜLERN/-INNEN IM IT-RAUM.                         wollen wir unseren Jugend­lichen das
                                                                                Erarbeiten von solidem und wert­-
                                                                                be­ständigem Konzeptwissen ermögli-
AM 1. 8. 2018 treten das revidierte      erhöht. Die prozentualen Anteile       chen – und nicht weitere Fertigkeiten
Maturitätsanerkennungsreglement          beziehen sich auf die gesamte          in Informatikanwendungen.
(MAR) der Erziehungsdirektorenkon-       Unterrichtszeit.
ferenz (EDK) und die gleichermassen                                             BENNO PLANZER, REKTOR
angepasste Maturitätsanerkennungs-     Die EDK empfiehlt vier Lektionen         BENNO.PLANZER@
verordnung des Bundes in Kraft. Die    (45 Minuten / 3. bis 6. Klasse).         GYMNASIUM-IMMENSEE.CH
Teilrevision enthält die Einführung    Der Kanton Schwyz wird entscheiden,
von Informatikunterricht im Rahmen     ob diese Lektionen mit anderen Fächern
eines obligatorischen Fachs für alle   zwecks Kostenneutralität zu kompen-
Gymnasiasten/-innen bis spätestens     sieren sind oder ob die Wochenstunden-   TITELFOTO
zum Schuljahr 2022/23. Die parallel    tafel aufgestockt wird. Das Gymnasium    WÄHREND DER BLOCKTAGE 2018 ZEIGTEN
durch Bund und Kantone vorgenomme-     Immensee wird bei der Einführung zu      DIE ERSTKLÄSSLER/-INNEN BRENNENDES
ne Revision umfasst folgende Punkte:   den ersten Mittelschulen gehören,        INTERESSE FÜR CIRCENSISCHE ÜBUNGEN.
                                                                                FOTO: MB
                                       die Informatik auf der Gymna­sialstufe
– Informatik wird neben Wirtschaft     umsetzen. Wir wollen dies mit einer      IMPRESSUM JULI 2018
  und Recht in den Katalog der obli­   guten Abstimmung und Ver­zah­nung        HERAUSGEBER: REKTORAT GYMNASIUM
  gatorischen Fächer aufgenommen.      der folgenden Fächer umsetzen:           IMMENSEE. VERANTWORTLICH FÜR
                                                                                DIESE AUSGABE: BENNO PLANZER,
                                                                                BENNO.PLANZER@GYMNASIUM-IMMENSEE.CH
– Das Fach wird dem heutigen           – Lehrplan-21-Fach «Medien und
                                                                                FOTOS: MICHAEL BRÜHLMEIER (MB),
  Lernbereich Mathematik und Natur­      Informatik» im Untergymnasium          MICHAEL@BRUEHLMEIER.COM
  wissenschaften zugeordnet. Dieser                                             TEXTE/FOTOS: DAVID COULIN (DC),
  heisst neu «Mathematik, Informatik   – Informatik am Gymnasium                INFO@DAVIDCOULIN.CH
  und Naturwissenschaften (Biologie,                                            ADRESSE: «DIALOG», GYMNASIUM
                                                                                IMMENSEE, CH-6405 IMMENSEE,
  Chemie und Physik)».                 – Ergänzungsfach Informatik
                                                                                TELEFON 041 854 81 81,
                                                                                E-MAIL INFO@GYMNASIUM-IMMENSEE.CH
– Der Anteil für diesen Lernbereich    TEXT: BENNO PLANZER, REKTOR              REALISATION: SMO! GMBH,
  wird von 25–35 % auf 27–37 %         FOTO: MB                                 UST@SMO-GMBH.CH

Gymnasium Immensee                                                              NEWS | EDITORIAL | IMPRESSUM       7
Dialog - Gymnasium Immensee
Essen
                 mit gutem
                 Gewissen
Seit dem Jahr 2013 ist die Mensa des Gymnasiums Immensee Teil des
Nachhaltigkeitsprogramms ONE TWO WE von SV Schweiz. Dabei stehen
der Klimaschutz und seit 2016 auch das Tierwohl im Zentrum.

                 MENSA -Managerin Sibylle Walser und Dörte Bachmann,
                 Nachhaltigkeitsverantwortliche bei SV Schweiz, erklären
                 im Interview, inwiefern die Mensa von ONE TWO WE pro­
                 fitiert und wie jede/-r Einzelne einen Beitrag leisten kann.

                 WAS BEDEUTET DIE TEILNAHME AN
                 «ONE TWO WE» FÜR DIE GYMI-MENSA?
                 Dörte Bachmann (DB): Dies bedeutet in erster Linie ein
                 klimafreundlicheres Angebot sowie den Einkauf von Pro-
                 dukten aus nachhaltiger Produktion.

                 KÖNNEN SIE HIERZU KONKRETE
                 BEISPIELE NENNEN?
                 Sibylle Walser (SW): Wir setzen zum Beispiel auf saisona­
                 les Gemüse aus der Schweiz. Tomaten und Gurken be­
                 ziehen wir aus klimafreundlichen Gewächshäusern, und
                 zudem sind Rüebli und Milch zu 100 % aus IP-Suisse-
                 Anbau. Bei uns bieten wir zudem Äpfel und Most von Bau-
                 ern aus Immensee und Küssnacht an. Auch unser Fleisch
                 beziehen wir ausschliesslich aus der Schweiz. Unser Ziel,
                 den Anteil von Fleisch aus tierfreundlicher Haltung auf
                 50 % zu erhöhen, haben wir fast erreicht. Beim Fisch kom-
                 men 95 % aus zertifizierter nachhaltiger Produktion (MSC       GIBT ES IN DER MENSA BALD NUR
                 oder ASC). Dabei ist unserem Küchenchef Dario Schürch          NOCH VEGETARISCHE MENÜS?
                 und mir eines besonders wichtig: Wir möchten die Schüler­      DB: Nein, das ist nicht unsere Absicht. Wir möchten
                 schaft mit frischen und abwechslungsreichen Gerichten          vielmehr unseren Gästen attraktive vegetarische und
                 verwöhnen. Dazu gehören auch vegetarische Menüs.               neuerdings auch vegane Menüs anbieten. Am Gym­-
                                                                                nasium lmmensee gibt es seit Längerem einmal in der
                                                                                Woche einen «Vegi-Tag», der zusammen mit der Schüler-
                                                                                schaft eingeführt wurde. Unser Anliegen findet also in
                                                                                der Schule grossen Anklang. Es freut mich, dass wir die
                                                                                Menge des eingekauften Fleisches um 25 % redu­zieren
                                                                                konnten.

                                                           MIRJAM FRIES         STEHT DER FLEISCHKONSUM
                                                           (L.), LEITERIN       NICHT IN WIDERSPRUCH ZU EINER
                                                           FINANZEN             UMWELTFREUNDLICHEN ERNÄHRUNG?
                                                           UND DIENSTE,         DB: Einerseits ist es wichtig, den Konsum von tierischen
                                                           UND MENSA-           Produkten zu reduzieren, da die grösste Umweltbelastung
                                                           MANAGERIN            (Emission von Treibhausgasen, Wasserverbrauch, Land-
                                                           SIBYLLE              nutzung) eben durch die landwirtschaftliche Produktion
                                                           WALSER.              von tierischen Lebensmitteln verursacht wird. Anderer-

 8    NEWS                                                                                                                Dialog Juli 2018
Dialog - Gymnasium Immensee
DAS TEAM DER
                                                                                                                        GYMI-MENSA:
seits ergibt es keinen Sinn, in der Schweiz komplett auf     WIE KANN MAN DIE ERFOLGE MESSEN?                           (V. L. N. R.)
Fleisch zu verzichten, denn viele Bergregionen sind nur      DB: Wir werten jährlich aus, wie nachhaltig der Einkauf    SILVIA SCHMID,
für die Tierhaltung geeignet. Und da kommt das Tierwohl      war. Das bedeutet, wir erheben die Herkunft, die Trans-    INNA LATYSH,
ins Spiel: Wenn wir Fleisch essen, dann von Tieren, die      portart und den Anteil an Labelprodukten oder den Anteil   ZUMRETA
unter tierfreundlichen Bedingungen leben konnten.            an Fleisch aus tierfreundlicher Haltung. Ausserdem mes-    HODZIC,
                                                             sen wir den CO2-Fussabdruck. Diese Ergebnisse kommuni-     ELVIRA PASALIC,
REICHEN DIESE MASSNAHMEN AUS,                                zieren wir auch in der Mensa.                              PUNITHAVATHY
DAMIT DIE MENSA NACHHALTIG IST?                                                                                         RAJESWARAN,
SW: Nein. Dafür braucht es mehr. Auch der effiziente Um-     WELCHEN BEITRAG KÖNNEN                                     DARIO SCHÜRCH
gang mit Energie und Ressourcen ist enorm wichtig. Mit       DIE SCHÜLER/-INNEN LEISTEN?                                (KÜCHENCHEF),
der ewz haben wir einen Massnahmenplan zur Reduktion         SW: Klimaschutz ist unsere Zukunft. In erster Linie ist    NILS HENGGELER,
des Energieverbrauchs aufgestellt. Mit unserem Logistiker    es wichtig, einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln       DANIELA BUCHER,
haben wir einen effizienten Lieferplan erstellt und sparen   zu pflegen und diese wertzuschätzen. Das heisst zum Bei-   ISABEL RIBEIRO
so ein Drittel der Transportemissionen. Ausserdem messen     spiel, keine Lebensmittel zu verschwenden, und erfordert   DE ARAUJO
wir regelmässig unseren Foodwaste und reduzieren die-        die Bereitschaft, seine Ernährungsgewohnheiten im Sinne    TEXEIRA UND
sen so gut wie möglich. Ganz allein können wir dies aber     der Umwelt anzupassen – dabei aber nie auf den Genuss      SIBYLLE WALSER
nicht, da braucht es auch die Mithilfe der Schüler/-innen.   zu verzichten.                                             (MENSA-
Bei der Essensausgabe können sie sagen, wenn sie etwas                                                                  MANAGERIN).
weniger essen möchten, und dafür sorgen, dass am Ende        TEXT: MIRJAM FRIES, LEITERIN FINANZEN UND DIENSTE
so wenig Essen wie möglich übrig bleibt.                     FOTOS: MB

Gymnasium Immensee                                                                                                         NEWS    9
Dialog - Gymnasium Immensee
Gut angekommen
                                                              Seit einem Jahr unterrichten Marc von Moos und Emanuela Epp am
                                                              Gymnasium Immensee. Wie haben sie ihr erstes Schuljahr erlebt?

Individuelle Begleitung

«Nach 14 Jahren Schuldienst in Zürich ist für mich der        wird und die vor allem auch die Eltern sehr schätzen.
Wechsel nach Immensee so etwas wie ein Weg zurück             Es ist schön, an einem Ort Literatur zu vermitteln,
zu den Wurzeln. Ich bin ein Kind der Zentralschweiz und       an dem in diesem Sinn humanistische Tradition gelebt
habe meine Matura am Kollegi Sarnen gemacht. Jetzt            wird. Für mein zweites Schuljahr am Gymi habe ich mir
sehe ich mich wieder an einem malerisch-ländlichen Ort        vorgenommen, ein eigenständiges literarisches Projekt
in ‹klösterlichen Gemäuern›, wo ich nachgerade eine           zu lancieren.»
Atmosphäre der Offenheit spüre. Das mag mit dem breit
gefächerten Publikum zu tun haben, das hier den Alltag        MARC VON MOOS,
belebt. Sicher ist es aber auch eine Folge des persönli-      DEUTSCHLEHRER
chen Kontaktes, der hier gepflegt wird. Der Austausch ist     IN EINEM 75 %-PENSUM
intensiver und die Betreuung engmaschiger, als ich es im
Literargymnasium Rämibühl mit 700 Lernenden erlebt
habe. Dadurch bekommen die Schüler/-innen ein Gesicht.
Als Klassenlehrer weiss ich, wo jeder einzelne Lernende
steht. Eine individuelle Begleitung ist möglich – nicht nur
im geplanten Gespräch, sondern auch mit kurzen Wort-
wechseln zwischen Tür und Angel. Neu ist für mich auch
die Notentransparenz, die durch das Schulnetz geschaffen

10     NEWS                                                                                                            Dialog Juli 2018
Nähe zu den Lernenden

«Meine Motivation, den Arbeitsort zu wechseln, war der        weil wir alle neu waren und auf keine     vorgefunden, um diese Dinge zu opti-
kürzere Arbeitsweg. Von meinem Wohnort Weggis ist es,         Unterstützung von erfahrenen Fach-        mieren. Nahe dran bei den Lernenden
verglichen mit dem Weg nach Stans, ein Katzensprung           kollegen zählen konnten.                  bin ich auch im geleiteten Studium.
nach Immensee. Schon bei der Eröffnungsfeier wurden alle      Apropos Unterstützung und Betreu­         Da sitzen sie an Einzelpulten und
Neuankömmlinge persönlich mit Namen und einem Präsent         ung: Da wurden mir Aufgaben zuge­-        machen ihre Aufgaben – und ich habe
begrüsst. Diese Kultur des sorgsamen und respektvollen        tragen, die ich bis anhin nicht kannte.   Zeit, um mich den individuellen Frage­-
Umgangs berührt mich seither immer wieder. So grüssen         So obliegt mir jeden Mittwoch die         stellungen zu widmen. Das schätze
mich in den Gängen auch Lernende, die ich nicht unter-        SOL-Zimmer-Kontrolle. Wer seinen          ich, und ich freue mich, ab nächstem
richte. Gerade in meinen ersten Monaten in Immensee           Arbeitsplatz nicht hinreichend auf-       Schuljahr eine Klasse als Klassen­
war das umso wohltuender, als ich den Einstieg in den         geräumt hat, erhält eine gelbe Karte.     lehrperson begleiten zu dürfen.
Schuldienst als sehr fordernd erlebte. Ich unterrichte hier   Auch wird der Klassenlehrperson           Das wird mir ermöglichen, noch mehr
zwei Fächer auf drei Stufen mit neuen Lehrmitteln und gut     gemeldet, wenn zum Beispiel das           zu einem Teil dieses lebendigen Schul-
gefüllten Klassen, was viel Vorbereitungsaufwand mit sich     Bordbuch nicht sauber nachgeführt         ­organismus zu werden.»
bringt. Natürlich arbeitete ich auch am Kollegi Stans mit     ist. Auch am Kollegi Stans diskutier-
projektartigen Einzelaufträgen – hier in Immensee ist diese   ten wir, wie man die Zimmerordnung        EMANUELA EPP,
Lernform als selbst organisiertes Lernen (SOL) jedoch         und die Lernstrategie der Schüler/        FRANZÖSISCH- UND
institutionalisiert und fix im Stundenplan verankert. Das     -innen verbessern könnte – hier           ITALIENISCHLEHRERIN
war für uns Romanisten zu Beginn eine Herausforderung,        habe ich aber konkrete Instrumente        IN EINEM 75 %-PENSUM

Gymnasium Immensee                                            AUFGEZEICHNET VON DC / FOTOS: MB                                   NEWS      11
Das Leben nach dem Holocaust

Die zweite Generation
MICHAL AREND , geboren 1949, entstammt einer
säkularisierten jüdischen Familie aus Prag. Im Gegensatz
zu den meisten Verwandten überlebten seine Eltern die
Nazi-Konzentrationslager. 1968, nach der Niederschla-
gung des Prager Frühlings, emigrierte die Familie in die
Schweiz. Bis zu seiner Pensionierung wirkte Arend als
Dozent für Soziologie und Statistik an der Hochschule
für Technik in Rapperswil.

Nach einer Einführung über die Brutalitäten und Verbre-
chen des Holocaust gibt Arend in Wort und Bild Einblick
in seine Familiengeschichte. Die Verwandten, 1933 noch
stolze Bürger in Prag, die sich die kommenden Schrecken
nicht vorstellen konnten. Seine vier Grosseltern, die
bereits im polnischen Getto oder dann in Auschwitz ihr
Leben verloren. Das Bild seiner Mutter mit 19, zur Zeit der
Deportation, und ihre zerstörte Jugend. «Unsere Eltern
sind dann Nummern geworden…» – Aber sie gehörten
zu den wenigen, die den Holocaust überlebten und nach
dem Zweiten Weltkrieg eine Familie gründen konnten,
in der eine absolute Harmonie herrschte und die brutalen
Erinnerungen und Erfahrungen verdrängt und tabuisiert
wurden.

Und was sind die Auswirkungen dieses Verhaltens?
80 bis 90 % der Angehörigen der zweiten Generation
tragen die Traumata der Eltern weiter. «Auf den Kindern
liegen bereits vor ihrer Geburt riesige emotionale Lasten»,
sie nehmen die physischen und seelischen Probleme der
Vorfahren mit sich. Dabei ist es üblich, wenn auch nicht
hilfreich, dass meist eine «conspiracy of silence» herrscht
und die persönlichen Holocaust-Erfahrungen kaum an die        MICHAL AREND (L.) UND SEIN FREUND PETER SCHEINER,
kommenden Generationen weitergegeben werden.                  BEIDE SÖHNE VON HOLOCAUST-ÜBERLEBENDEN.
Auch Arends Eltern sprachen kaum über Auschwitz.
Die grösste wahrnehmbare Angst sei jene gewesen, dass
ihren Kindern auch etwas derart Schlimmes zustossen           Arend ist es wichtig, immer wieder       erlebten Flüchtlinge, die später an die
könnte. Deshalb verschleierten sie in der Tschechoslowa­      Querverbindungen in die heutige Zeit     Türen der Schweiz klopften, oft viel
kei ihre jüdische Herkunft und legten grössten Wert auf       zu ziehen. Unter uns leben Menschen,     Widerstand und Ablehnung. Arend
eine Assimilierung und Sozialisierung ihrer Kinder im lo­-    die durch die verbrecherischen Ereig­-   beendet das Referat mit dem Appell,
kalen Milieu. – Der Maturand Mateo stellt in der folgenden    nisse im Ex-Jugoslawien der Neunzi-      dass eine Welt mit multiethnischer
Diskussion dazu fest: «Mir war bisher nicht bewusst, was      gerjahre gezeichnet sind. Die zuneh­-    und multireligiöser Zukunft für ihn
für einen Einfluss der Holocaust auf die Nachkommen von       menden Spannungen und der Um-            die einzig denkbare sei.
Überlebenden hat. Arend scheint es auch heute teilweise       gang mit Minderheiten heute geben
noch schwerzufallen, über die Ereignisse zu sprechen.         zu denken. Und während er und seine      PETER LEUMANN, INTERNAT,
Von der einen oder anderen humorvollen Anmerkung lässt        Familie 1968 noch mit offenen Armen      GESCHICHTE, PETER.LEUMANN@
er sich aber dennoch nicht abhalten.»                         in der Schweiz empfangen wurden,         GYMNASIUM-IMMENSEE.CH

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Seit vielen Jahren findet am Gymnasium Immensee der Holocaust-Gedenktag statt, organisiert vom
letztes Jahr pensionierten Beat Sidler. Am 22. 2. 2018 war nun erstmals kein Überlebender eines
Konzentrationslagers mehr präsent. Dennoch berührte der Anlass mit zwei Referaten und Diskussion.

Judentum in Europa heute
DR. SIMON ERLANGER leitet seit             bende strandeten in Lagern für
2004 das Institut für Jüdisch-Christ­      «displaced persons». Die Armee und
liche Forschung (IJCF) an der Univer-      die Verwaltung der USA kümmerten
sität Luzern. Er ist in der jüdischen      sich am besten um sie, weshalb sich
Gemeinde in Basel geboren und auf-         viele für die Auswanderung in die
gewachsen. Nach seinen umfangrei-          USA entschieden. Noch mehr bauten
chen Studien arbeitete er als Journalist   sich im neu gegründeten Staat Israel
und war drei Jahre lang Mitarbeiter der    eine neue Heimat auf.
Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.
                                           Nach dem Zweiten Weltkrieg und
Zu Beginn seiner Ausführungen              während der Aufarbeitung des
betont Erlanger, dass er nicht in seiner   Holo­caust trat der Antisemitismus
Rolle als Jude vor den Schülern/-innen     fast gar nicht in Erscheinung. Mit
stehe, sondern als Historiker und          der zunehmenden internationalen
Journalist. «Die aktuelle Lage ist gar     Thematisierung des Nahostkonflikts,
nicht lustig!», stellt er fest und zeigt   mit den Wirtschaftskrisen nach den
anhand diverser Videoaufnahmen             Boom-Jahren und aktuell mit dem
von fremdenfeindlichen und antise-         verstärkten Wiederauftreten von
mitischen Demonstrationen aus der          Populismus und Nationalismus feiert
jüngsten Vergangenheit, was er damit       der antisemitische (delegitimierende)
meint. «Jude, Jude, feiges Schwein,        Diskurs leider ein irritierendes Come-
komm heraus und kämpf allein!»             back.
Solch grässliche Sprechchöre sind
derzeit bei Demonstrationen in             Fast überall in Europa müssen
Deutschland zu hören. Auch Angriffe        jüdische Einrichtungen von Sicher-
auf Synagogen – zum Beispiel in Paris      heitskräften geschützt werden. Auch
– treten wieder auf.                       in der Schweiz sind kaum jüdische
                                           Versammlungen ohne Polizeischutz
Erlanger erklärt die Geschichte und        möglich. In Frankreich haben sich
die Problematik des antijudaistischen      bereits öfters tödliche Vorfälle ereig-
Delegitimierungsdiskurses, der bis         net. Viele Juden in Europa fühlen sich
weit in das europäische Mittelalter        bedroht und angefeindet. Deshalb          DER HISTORIKER UND JOURNALIST
zurückreicht. Es handelt sich dabei um     wandern gegenwärtig wieder beson-         DR. SIMON ERLANGER.
die Überzeugung, dass das Christen­        ders viele Juden nach Israel aus.
tum das Judentum ersetzt habe und
                                    Auf eine Frage aus dem Publikum
letztlich eliminieren müsse. Das Juden-                                              reagieren? Dialog, Treffen, Erziehung,
tum habe keine Existenzberechtigung nach der Zahl und Heftigkeit der                 Bildung: Das seien die unverzicht­
mehr.                               Übergriffe in der Schweiz hält Erlan-            baren Ansätze. Erlanger plädiert klar
                                    ger fest, dass es im internationalen             für die öffentliche Debatte über das
Aus den Vernichtungslagern befreite Vergleich wenige seien, und dass                 Problem. Denn nur die öffentliche
Juden wurden in Europa meistens     die meisten Vorfälle privat und hinter           Debatte kann das hervorrufen, was
nicht mit offenen Armen empfangen.  den Kulissen geregelt würden.                    jetzt das Wichtigste ist: Solidarität.
Zum Beispiel wurden in Polen 1946,  Es bleibe aber eine Tatsache, dass
das heisst nach Kriegsende, über    auch in der Schweiz wieder eindeutig             PASCAL KÜNG, GESCHICHTE,
2 500 Juden im Rahmen von Pogromen rassistisches Gedankengut straffrei               PASCAL.KUENG@
umgebracht. Viele Holocaust­überle­ geäussert werde. Wie soll man darauf             GYMNASIUM-IMMENSEE.CH

Gymnasium Immensee                                                                                                            NEWS   13
Thema: Universität/Hochschule ja – aber wohin?

                                                      KEEGAN JORNOT (L.)
                                                      MIT EINEM STUDIEN-
                                                      KOLLEGEN AN DER
                                                      ETH-ZÜRICH.

14   THEMA: UNIVERSITÄT/HOCHSCHULE JA – ABER WOHIN?                        Dialog Juli 2018
Ehemalige berichten über die Erfahrungen an «ihrer» Universität bzw.
                     Hochschule. Wir wollten von ihnen wissen, warum sie sich für eine be-
                     stimmte Hochschule entschieden haben. Welche Erwartungen wurden
                     erfüllt, welche nicht? Wie haben sie Schwierigkeiten gemeistert?

                     Vollgepackt
                     mit Vorlesungen
                     und Übungen
                     VON KEEGAN JORNOT, MATURA 2015
                     MASCHINENINGENIEURWISSENSCHAFTEN, ETH ZÜRICH
                     KEEGAN.JORNOT@BLUEWIN.CH

                     ICH WAR SCHON IMMER der Mei-           eigentlich selbst zusammengestellt,       sehr grossen Sportangebot inklusive
                     nung, dass Zürich die Stadt ist, die   im Basisjahr ist dieser jedoch fast zu    Gratisbenutzung aller Sportanlagen
                     uns Schweizern die Möglichkeit gibt,   100 % vorgegeben und vollgepackt          in Zürich. Auch gibt es etliche Fach-
                     Grossstadtluft zu schnuppern. Auch     mit Vorlesungen und Übungen.              vereine und Kommissionen, die rund
                     ist sie die Heimat der Eidgenössi-                                               um die Uhr Events planen und auch
                     schen Technischen Hochschule der       Wem jetzt das Wort Basisjahr nichts       für eine lockere Abwechslung sorgen.
                     Schweiz, wo ich Maschineningeni-       sagt, eine Erklärung: Studienbeginn       In einigen Departementen gibt’s
                     eurwissenschaften, auch bekannt als    ist im September, ab Weihnachten          pro Tag einen Gratiskaffee, und als
                     Maschinenbau, studiere                 hat man acht Wochen vorlesungsfreie       Maschinenbau-Student/-in kann man
                                                            Zeit (quasi Ferien im 1. Jahr), Ende      zusätzlich sogar noch ein Gratisbier
                     In Zürich eine Wohnung zu finden,      Februar beginnt das Frühlingssemes-       geniessen.
                     ist eine Herausforderung. Finanziell   ter und dann Ende Mai die Lernphase.
                     besteht oft eine Hürde, aber auch      Diese dauert neun Wochen, also den        Geeignet ist diese Hochschule für
                     der Wohnraum in Zürich ist knapp.      gesamten Sommer, gefolgt von einer        dich, wenn du bereit bist, deinen
                     Da helfen Seiten wie juwo.ch oder      vier Wochen langen Prüfungssession,       Alltag der Hochschule anzupassen
                     woko.ch, die einiges besser sind als   in der die Basisprüfungen absolviert      und auch am Wochenende einen Tag
                     die herkömmlichen Immobilien-Platt-    werden. Es wird also das ganze Jahr       für Analysis zu investieren.
                     formen wie immoscout.ch. Die beste     auf Prüfungen hingearbeitet, die von
                     Chance, eine günstige Wohnung an       Beginn an elf Monate in der Zukunft       Eher nicht geeignet ist die ETH für
                     guter Lage zu finden, hat man natür-   liegen. Natürlich gilt: Wer im Semester   dich, wenn du Wert darauf legst, im
                     lich mit Mund-zu-Mund-Propaganda       fleissig ist, hat eine angenehmere        Sommer einen Auslandaufenthalt zu
                     und «Offline»-Inseraten. Im Notfall    Lernphase. Nach bestandener Basis-        machen, oder du auch mal als Mann
                     genügt auch ein Vorort.                prüfung sind die Prüfungen jeweils        bei der Toilette nicht anstehen willst.
                                                            halbjährlich, jedoch ändert sich nichts
                     Die ETH ist eine grosse Hochschule     an der Lernphase, die bleibt.             Für Fragen und Tipps und Tricks, oder
                     mit zwei Hochschulgeländen. Je nach                                              falls ihr mal eine Vorlesung (auch in
                     Studiengang ist man öfters auf dem     Freizeit kommt natürlich auch nicht       anderen Studiengängen) besuchen
                     Höngg oder halt im Zentrum, wie bei    zu kurz. Als Student/-in in Zürich ist    wollt, könnt ihr mich jederzeit unter
                     Maschinenbau. Der Stundenplan wird     man Mitglied beim ASVZ mit einem          jornotk@ethz.ch erreichen.

Gymnasium Immensee                                                               THEMA: UNIVERSITÄT/HOCHSCHULE JA – ABER WOHIN?           15
Thema: Universität/Hochschule ja – aber wohin?

                Überschaubare                                                                      Meine Erwartungen wurden mehr-
                                                                                                   heitlich erfüllt. Die Universität
                                                                                                   St. Gallen ist auf Wirtschafts- und

                und familiäre                                                                      Rechtswissenschaften spezialisiert,
                                                                                                   was im Studienalltag stark spürbar
                                                                                                   wird. Viele namhafte Unternehmen

                Atmosphäre
                                                                                                   bemühen sich sehr um die Studieren­
                                                                                                   den und Absolventen/-innen der Uni­-
                                                                                                   versität, und auch viele Dozenten/
                                                                                                   -innen arbeiten nebenbei als Anwälte/
                                                                                                   -innen oder in der Privatwirtschaft.
                                                                                                   Da die Uni mit rund 8 000 Studieren­
                VON NORA WALKER, MATURA 2015                                                       den vergleichsweise klein ist und
                INTERNATIONAL AFFAIRS, UNIVERSITÄT ST. GALLEN                                      sich zudem alles auf einen Campus
                NORA.WALKER6@HOTMAIL.COM                                                           zentriert, herrscht eine überschau­
                                                                                                   bare und familiäre Atmosphäre.
                                                                                                   Durch die obligatorische Startwoche
                IM ANSCHLUSS ans Gymi begann ich          Bachelor-Studiengang anbietet. Von       zum Studienbeginn und den über-
                nach einem Zwischenjahr 2016 an           der wirtschaftlichen Ausrichtung und     schaubaren Campus fällt es einfach,
                der Universität St. Gallen (HSG) Inter-   dem starken Praxisbezug versprach        neue Leute kennenzulernen und
                national Affairs zu studieren.            ich mir gute Chancen für den späteren    sich immer wieder über den Weg zu
                                                          Einstieg in die Arbeitswelt. Am Be-      laufen. Ausserdem ist das Studium
                Für die Uni St. Gallen habe ich mich      suchstag hatte ich den Eindruck, dass    sehr breit aufgebaut, die Auswahl an
                aus mehreren Gründen entschieden:         der Studienablauf gut organisiert ist.   Nebenfächern ist gross und vielfältig.
                Nebst der Universität Genf ist sie        Ausserdem hat man sich um mich als
                die einzige Universität der Schweiz,      Person bemüht und mich nicht nur         Wer also ein breites Interesse an
                die Internationale Beziehungen als        wie eine blosse Nummer behandelt.        interdisziplinären wirtschaftlichen,

                Nur nicht verzweifeln…!
                VON QUINTEN GROENVELD, MATURA 2014                                                 nicht ideal bedient. Weiter sind die
                GEOGRAFIE UND COMPUTERWISSENSCHAFTEN, UNIVERSITÄT ZÜRICH                           Module theoretischer ausgerichtet
                QUINTEN@SWITZERLAND.NET                                                            als an Fachhochschulen. Wenn du vor
                                                                                                   allem an praxisorientierten Gruppen-
                                                                                                   arbeiten interessiert bist, wird dich
                ICH STUDIERE Geografie und                Die Universität Zürich ist extrem        der Alltag an der Universität Zürich
                Computerwissenschaften im                 gross. Oft sind Studierende in höheren   nicht vom Hocker hauen.
                4.  Semester. Für die Universität         Semestern für euch zuständig und
                Zürich habe ich mich entschieden,         können einige Hilfestellungen geben.     Positiv an der Universität Zürich ist,
                da hier das Angebot an Neben­             Jedoch sind die naturwissenschaftli-     dass sie dir vielseitige Möglichkeiten
                fächern sehr umfangreich ist.             chen Studiengänge sehr gross, und        gibt, deinen Wissensdurst zu stillen,
                Es lohnt sich deshalb, schon vorher       darum wird Einzelarbeit und selbst-      sei es mit Freifächern oder fakulta­
                auf der Website nach geeigneten           ständiges Lernen vorausgesetzt.          tiven Vorlesungen. An einer der
                Kombinationen von Haupt- und              Wer persönliche Hilfe braucht, um das    grössten Universitäten der Schweiz
                Nebenfächern zu recherchieren.            Studium zu managen, wird hier also       sind kompetente Fachkräfte, Dozen-

16   THEMA: UNIVERSITÄT/HOCHSCHULE JA – ABER WOHIN?                                                                        Dialog Juli 2018
Studieren am
                                                           Röstigraben
rechtlichen und politischen Frage-
stellungen hat, ist an der Uni St. Gal-
len richtig. Es ist nicht notwendig,
zu Beginn bereits genau zu wissen,                         VON RAPHAEL DUMMERMUTH, MATURA 2015
in welche Richtung es im und nach                          RECHTSWISSENSCHAFTEN, UNIVERSITÄT FRIBOURG
dem Studium gehen soll, da man                             RAPHAEL.DUMMERMUTH@BLUEWIN.CH
während des Assessmentjahrs
Einsicht in verschiedene Disziplinen
bekommt und sich erst am Ende de-                          «FRIBOURG/FREIBURG» heisst der              Gerade für Abgänger des Gymnasi-
finitiv für einen Major entscheiden                        Bahnhof meiner Universitätsstadt            ums Immensee, einer sehr familiären,
muss. Es ist jedoch hilfreich, eine                        offiziell. Und das ist nicht das Einzige,   vergleichsweise kleinen Schule, ist
gewisse Arbeitsbereitschaft und die                        was einem hier, auf halbem Weg              Fribourg meiner Meinung nach ideal:
Bereitwilligkeit, auch in Gruppen zu                       zwischen Bern und Lausanne, exotisch        Auch hier kommt bald ein familiäres
arbeiten, mitzubringen, da von der                         vorkommt: Die überwiegend fran-             Gefühl auf, soweit das an einer Uni
Uni viel verlangt und insbesondere                         zösischsprachigen Einwohner, etwa           möglich ist. Man hat schnelleren und
im Assessmentjahr grosser Druck                            30 000 an der Zahl, werden während          engeren Kontakt mit den Professoren/
auf die Studierenden ausgeübt wird.                        des Semesters ergänzt durch mehr als        -innen und Dozenten/-innen als an-
Dementsprechend sind viele Studie-                         10 000 Studierende der Uni und der          derswo, man kennt sich bald einmal
rende an der Uni sehr ambitioniert                         Fachhochschulen. Studierende stellen        in den Kursen und kann je nachdem
und engagiert.                                             also eigentlich alleine einen Viertel       auch Freundschaften mit Studieren­
                                                           der Stadtbevölkerung. Entsprechend          den aus der französischen oder
Abschliessend zum Klischee des                             jung und unternehmungslustig kommt          italienischen Schweiz schliessen, was
Porsche fahrenden HSG-Studenten                            einem die Stadt vor. In kaum einer          anderswo sehr viel schwieriger ist.
namens Maximilian: Es gibt ihn in                          Universitätsstadt ist der Wohnraum
einigen Variationen. Die Mehrheit                          so günstig wie in Fribourg, auch die        Die Qualität der Ausbildung leidet un-
der Leute erlebe ich persönlich je-                        Preise für Essen und Trinken sind hier      ter der geringen Grösse der Uni jedoch
doch als sehr normal und hilfsbereit.                      deutlich tiefer.                            keineswegs: Der Ökonomieprofessor
                                                                                                       Rainer Eichenberger oder der Straf-
                                                           10 % der Studierenden kommen aus            rechtler Marcel Alexander Niggli sind
                                                           dem Tessin, Deutschschweizer und            nur zwei Beispiele von renommierten
                                                           Frankophone halten sich etwa die            Professoren; Joseph Deiss war vor sei-
                                                           Waage. Man ist jeden Tag mit allen          ner Wahl in den Bundesrat ebenfalls
ten/-innen und Professoren/-innen angestellt, die gut      Landessprachen der Schweiz konfron-         Professor an der Uni Fribourg.
über ihr Fachgebiet Bescheid wissen und dir die Materie    tiert. Und als Bonus lernt man ganz
verständlich näherbringen können.                          nebenbei Französisch, ohne sich dafür       Mein Entscheid für Freiburg vor drei
                                                           wieder mit Sprachkursen herumzu-            Jahren war ein Bauchentscheid. Mir
Mein Studium findet grösstenteils am Uni-Campus            schlagen: In den Läden, im Ausgang          gefiel die Altstadt mit der gotischen
«Irchel» statt. Mit dem schönen Irchel-Park, dem grossen   und auf der Strasse spricht man Fran-       Kathedrale, die Aussicht auf die Vor­
Sportangebot und der neuen Bar ist deine Freizeit dort     zösisch. In Fribourg ist es so einfach      alpen, das französische Flair und die
gut gefüllt, was vor allem am Anfang des Semesters ei-     wie nirgendwo sonst, zweisprachig           vielen Restaurants und Cafés. Ausser-
ne wichtige Rolle spielen wird, denn später im Semester    zu studieren. Je nach Fakultät kann         dem hat sich die Universität Fribourg
werden die Schulbücher in den Vordergrund rücken.          man, oft sogar jedes Semester wieder        im Fach, das ich studieren wollte, in
                                                           neu, wählen, welche Fächer man auf          den letzten Jahren einen ausgezeich-
Für deine ersten Wochen an der Uni gebe ich dir den        Deutsch und welche auf Französisch          neten Ruf aufgebaut.
Rat, nicht zu verzweifeln. Die neue Lernsituation, mit     besuchen möchte. Die juristische
der du konfrontiert wirst, ist anspruchsvoll. Such dir     Fakultät, an der ich Rechtswissen-          Im Rückblick muss ich sagen, dass ich
einige Freunde, mit denen du lernen kannst und die dir     schaften im Bachelorjahr studiere, gibt     auch mit einem lang abgewogenen
helfen, an Abgabetermine oder spezielle Anlässe zu         es hier praktisch zweimal: Jedes Fach       Kopfentscheid mit grosser Wahr-
denken. Dies wird dir die ersten Wochen vereinfachen.      wird sowohl auf Deutsch als auch auf        scheinlichkeit zum gleichen Ergebnis
Plan dir für die ersten Vorlesungen genug Zeit ein, um     Französisch angeboten.                      gekommen wäre.
die Räume zu suchen, denn der Campus ist gross, und
die Orientierung ist am Anfang oft etwas schwierig.

   Gymnasium Immensee                                                           THEMA: UNIVERSITÄT/HOCHSCHULE JA – ABER WOHIN?           17
Thema: Universität/Hochschule ja – aber wohin?

                   Sehr vielseitige                                                                In Bern findet man bei Problemen
                                                                                                   und Fragen immer ein offenes Ohr.
                                                                                                   Die Leute versuchen, einem best-

                   Universität                                                                     möglich zu helfen. Ein Vorteil ist
                                                                                                   zudem die Nähe der Universitätsge-
                                                                                                   bäude zum Bahnhof. Man kann also
                                                                                                   gut nach Bern pendeln, auch wenn
                                                                                                   es fürs Studium sicher nicht immer
                                                                                                   ideal ist. Als grösste Stärke sehe
                   VON VIRGINIA KOEPFLI, MATURA 2014                                               ich das gute Berufsumfeld in der
                   GESCHICHTE UND ISLAMWISSENSCHAFTEN, UNIVERSITÄT BERN                            Hauptstadt für Praktika und andere
                   VIRGINIA.KOEPFLI@BLUEWIN.CH                                                     erste Berufserfahrungen. Ausserdem
                                                                                                   schätze ich an Bern sehr das breite
                                                                                                   Kulturangebot.
                   ICH STUDIERE NUN im 6. Semester          Auf den ersten Blick mutet sie eher
                   an der Universität Bern. Davor stu-      klein an, doch die einzelnen Gebäude   Auf der Negativseite stehen viel-
                   dierte ich ein Jahr in Genf Internati-   und Fakultäten sind auf das ganze      leicht die Mietpreise für Wohnungen,
                   onale Beziehungen. Aus beruflichen       Länggassequartier verteilt. Die Fa-    die in den beliebten Quartieren der
                   Gründen wechselte ich nach Bern.         kultäten, mit denen ich bisher zu      Stadt Bern doch relativ hoch sind.
                   Es war also eine Art Zufall, dass es     tun hatte, sind meist sehr familiär,   So verschlägt es viele Studierende in
                   mich nach Bern verschlug. Meine Er-      ausser vielleicht die grossen Lehr-    die Aussenquartiere. Einen anderen
                   wartungen waren dementsprechend          gänge wie der sozialwissenschaft-      Nachteil sehe ich darin, dass bei
                   klein. Doch die Universität Bern         liche Studiengang oder Recht im        gewissen kleinen Fakultäten wie zum
                   entpuppte sich als sehr vielseitig.      ersten Jahr.                           Beispiel den Islamwissenschaften

UNIVERSITÄT
BERN.
FOTO:
VIRGINIA KOEPFLI

18      THEMA: UNIVERSITÄT/HOCHSCHULE JA – ABER WOHIN?                                                                    Dialog Juli 2018
Seminare
                                         auf Wunsch
das Angebot doch deutlich kleiner ist
als zum Beispiel in Zürich. Der letzte
Schwachpunkt liegt für mich darin,
dass die Gebäude der Uni sehr ver-       VON NICO JOLLER, MATURA 2014
streut sind und es keinen zentralen      GESCHICHTE UND PHILOSOPHIE, UNIVERSITÄT LUZERN
Ort gibt, wo viel läuft.                 NICOJOLLER@HOTMAIL.COM

Als guten Tipp kann ich mit auf den
Weg geben, schon vor dem Besuchs-        MEINE WAHL für die Universität            Als negativ empfinde ich die unein-
tag die Fakultäten anzuschauen           Luzern lässt sich vor allem mit dem       heitliche Kommunikation. Die Univer-
und dann jeweils auch die Studi-         morgendlichen Weg von 15 Minuten          sität, die Fakultät und die Lehrkräfte
enprogramme zu studieren. Diese          Busfahrt von Tür zu Tür erklären.         machen oftmals unterschiedliche An-
unterscheiden sich stark zwischen        Da ich mich schon früh für Politik        gaben betreffend Leistungsnachweise,
verschiedenen Universitäten. So          interessierte, wählte ich, ohne           Anzahl Fehlzeiten, Präsenzpflichten
kann man zum Beispiel in Bern nicht      grössere Informationen einzuholen,        etc. Ausserdem kämpft die Universität
einzeln Soziologie studieren, sondern    diesen Studiengang. Nun sah ich in        mit Platzproblemen. Seit der Eröff-
nur allgemein Sozial- und Wirtschafts-   den ersten Wochen schon, dass mei-        nung der Wirtschaftsfakultät sind die
wissenschaften. Bei Fragen sind die      ne Erwartungen mit der Wirklichkeit       Bibliothek und die Mensa bezüglich
Studienberatungen an der Universität     nicht übereinstimmten. Mein Umsat-        Sitz- und Arbeitsplätzen an ihrer
Bern sehr kompetent. Aber man kann       teln auf Geschichte und Philosophie       Kapazitätsgrenze angelangt.
da halt nur hin, wenn man schon          war die perfekte Lösung.                  Probleme gibt’s auch beim Stunden-
weiss, was man studieren will, oder                                                plan. Dieser muss selber gestaltet
sich zwischen zwei bis drei Studien-     Die Universität an sich gefällt mir       werden. Oft kollidieren spannende
gängen entscheiden muss.                 sehr gut. Anliegen werden explizit        Veranstaltungen miteinander, oder es
                                         aufgenommen und oft umgesetzt.            entstehen grössere Lücken. Wer aber
                                         So können Studierende Wünsche für         flexibel ist und grössere Zwischen­
                                         Seminarthemen anbringen. Als positiv      pausen mit Lernen oder Sport füllt,
                                         empfinde ich auch den persönlichen        kann diese Freiheit sogar geniessen.
                                         Umgang mit den Professoren/-innen,
                                         Dozierenden und Studierenden.             Ich empfehle, mit den Kommilitonen/
                                         Wenn man die familiäre Atmosphäre,        -innen zu reden und diese zu fragen.
                                         die man am Gymi sehr geschätzt hat,       So bekommst du wertvolle Tipps, wie
                                         nicht missen möchte, ist die Universi-    du administrativ und studienbedingt
                                         tät Luzern sehr zu empfehlen. Dies ist    Vorteile erlangst und dir das Studium
                                         natürlich fakultätsabhängig. Bei uns      erleichterst. Halt die Ohren und Augen
                                         im Geschichts- und Philosophiestudi-      nach beruflichen Angeboten neben
                                         um bewegt sich die Zahl der Zuhörer       dem Studium offen. Eine Teilzeitarbeit
                                         im Rahmen von 20 bis 80. Falls man        macht sich nicht nur gut in deinem CV
                                         Hilfe benötigt, muss man diese selber     und bringt dir Geld ein, sondern bietet
                                         organisieren und sich vor allem auch      dir auch eine Abwechslung zum
                                         bei Studienbeginn sehr selbstständig      Studienalltag. Geniesse aber auch die
                                         über alles informieren. Gleichwohl        vielen Angebote der Fachschaften im
                                         sind die Lehrkräfte immer bereit,         Bereich der Freizeitgestaltung. Es wer-
                                         Fragen zu beantworten und zu hel-         den sehr viele Aktivitäten angeboten.
                                         fen. Auch schätze ich, dass alles unter   Von einem Party-Boot im Sommer über
                                         einem Dach ist. Alle Räumlichkeiten       Beer-Pong-Turniere und Pub Crawls
                                         befinden sich im selben Gebäude,          bis zu Brauereibesichtigungen ist für
                                         inklusive einer superleckeren Mensa       eine ausreichende Abwechslung zum
                                         mit sensationell tiefen Preisen.          Studienalltag gesorgt.

   Gymnasium Immensee                                         THEMA: UNIVERSITÄT/HOCHSCHULE JA – ABER WOHIN?          19
Blocktage 4.–6. 4. 2018

PROGRAMM             Zuckerwatte
1. Klassen
ZIRKUS –
                     für alle!
GEMEINSAME
AUFFÜHRUNG MIT
CIRCUS LUNA
>>> 20               Den individuellen Stärken und       NACH einer intensiven Probenzeit wurde die Zirkusshow
                     Fähigkeiten eine Manege bieten      am Freitagabend vor breitem Publikum aufgeführt. Dabei
                     war das Ziel der Blocktage.         durften die Zuckerwatte und das Popcorn natürlich nicht
2. Klassen           Die Erstklässler/-innen erlebten    fehlen.
MASSENMEDIEN         drei farbenfrohe Zirkustage         Begleitet und gestaltet wurden die Zirkustage von vielen
>>> 21               und vertieften ihre Kenntnisse      zirkusbegeisterten Fachlehrpersonen der 1. Klassen. Pro-
                     in verschiedenen Ateliers           fessionelle Unterstützung erhielten wir vom Zirkus Luna
                     (Musik, Clownerei, Minitrampolin,   (www.circusluna.ch) und von unserem ehemaligen Schüler
3. Klassen           Jonglage, Balance, Trapez, Fakir,   Samuel Arnold (Matura 2015).
AVIATIK              Zauberei).                          TEXT: CARINA WIRTHENSOHN, ENGLISCH / FOTOS: MB
>>> 23

4. Klassen
SCHULFREI,
KOMPENSATION
SOZIALPRAKTKUM/
SPRACH-
AUFENTHALT

Klassen 5a und 5b
SCHULE DER
ZUKUNFT
>>> 24

Klasse 5c
REISE NACH GENF
>>> 27

6. Klassen
INDIVIDUELLE
MATURA-
VORBEREITUNG
>>> 27

20       BLOCKTAGE                                                                                 Dialog Juli 2018
Im Rahmen
       des Workshops
       «Phonesmart»
       machten sich
       die 2. Klassen
       Gedanken über
       die Nutzung von
       Smartphone
       und Co.

       WÄHREND DES
       WORKSHOPS
       «PHONESMART»
       FÜR EINMAL
       ERLAUBT:
       HANDYS IM
       KLASSENZIMMER.

DIE SITUATION ist eigentlich

                                                             Das Smartphone
grotesk: Da sitzen die Jugendlichen
mit ihren Smartphones und machen
nichts anderes, als grenzenlos zu
kommunizieren – und gleichzeitig
schotten sich manche ab und ver­
lieren den Bezug zum Alltag.
«Wie viel Zeit verbringt ihr pro Tag
                                                             ist kein Spielzeug
am Handy?», möchte Patrick Grüter,
Workshopleiter des Swisscom-
Bildungsangebotes «Phonesmart»
wissen. Er kennt die Antwort schon:      Trotzdem wird klar: Das Smartphone ist eine gute Sache,      ihr zweifelhafte Inhalte erhaltet,
Dreieinhalb Stunden sind es im           darf die Freizeit jedoch nicht dominieren.                   macht einen Printscreen und
wissenschaftlich erhobenen Durch-                                                                     speichert diesen als Beweis», rät
schnitt. Die offiziellen Empfehlungen    RISIKEN IM UMGANG MIT DEM SMARTPHONE                         Patrick Grüter. Ein anderes Problem
legen eine tägliche Bildschirmzeit                                                                    sind die Datenspuren, die wir alle
von Anzahl Schuljahr multipliziert mit   Eine Rolle im Umgang mit dem Handy spielen auch die          hinterlassen. Eigentlich ist bekannt,
zehn nahe. Das sind für die Zweit-       Inhalte, die konsumiert werden. Handelt es sich um           dass die Internetriesen daraus Per-
klässler/-innen also 80 Minuten pro      Wissensfilme auf Youtube oder zweifelhafte Fotos und         sönlichkeitsprofile erstellen und mit
Tag. Die zentrale Frage beim Umgang      Videos?                                                      diesen Handel treiben. Trotzdem re-
mit Smartphones ist: Wie finde ich       Grüter macht auf einige Risiken im Umgang mit dem Handy agieren viele darauf mit aufreizender
den Knopf, um das Ding nach Ge-          aufmerksam. Personen, die persönlichkeitsverletzende         Sorglosigkeit im Stile von «Was soll’s?
brauch wieder mal abzuschalten und       Bilder hochladen, machen sich strafbar. Was ist «persön­     Ich habe nichts zu verbergen». Eine
nicht daran hängenzubleiben? Aus         lichkeitsverletzend»? Wann besteht die Pflicht, die foto­    gefährliche Haltung, warnt Grüter.
dem Schülerpublikum kommen gute          grafierte Person vor der Veröffentlichung eines Bildes um    Das Fazit des Workshops? «Das
Tipps wie «Wecker statt Handy»           Erlaubnis zu fragen? Da per WhatsApp gesendete Fotos         Smartphone mehr schätzen», sagt
oder «Handy abgeben». Was aber,          sofort auf der Fotodok des Empfängers gespeichert wer­       eine Schülerin. Ein anderer Schüler
wenn gerade dann im Klassenchat          den, stehen diese sofort für die Weiterverbreitung zur       fasst sich kurz: «Das Smartphone ist
eine Verabredung gepostet wird           Ver­fügung. Grüter weist deshalb die Schüler/-innen an, ihre kein Spielzeug.»
oder die Kollegin das Date von heute     Fotodok von zweifelhaften Bildern zu entrümpeln. Die Ru- TEXT: DC
Abend absagt? Da ist guter Rat teuer.    he im Raum deutet an, dass es einiges zu tun gibt. «Wenn     FOTO: MB

Gymnasium Immensee                                                                                                        BLOCKTAGE       21
Blocktage 4.–6. 4. 2018

                                                            EIN TEIL DER KLASSE 2B IM REGIONAL-
                                                            RESSORT DER LZ MIT HUGO BISCHOF.

Kein normaler Achtstundentag
Die Zweitklässler/-innen besuchten
am Donnerstag die Redaktion der
«Luzerner Zeitung» (LZ).                                    weder ein Fotograf losgeschickt, um        Stadt und der Agglomeration Luzern
                                                            spezifisch einen Bericht mit Bildern       betreut. Viele Fragen wurden im
WELCHE MENSCHEN stecken eigentlich hinter den               zu versorgen, oder es wird ein Bild        Ressort Regionalteil gestellt. Der
aufbereiteten News, die wir täglich konsumieren? Wie        aus einer Datenbank ausgewählt.            Journalist Hugo Bischof erläuterte
gelangen Journalisten/-innen zu ihrem Material wie inter-   Letzteres sei oft aber ein genauso         dort auf spannende Art und Weise,
essanten Geschichten oder guten Bildern? Diesen Fragen      zeitintensiver Prozess wie das Los­        wie er beim Recherchieren von neuen
gingen die Schüler/-innen der beiden zweiten Klassen        schicken des Mitarbeiters, so die Bild­-   Geschichten vorgeht und worauf er
während einer rund zweistündigen Führung durch die          redakteurin Lene Horn. Bereits an          beim Erstellen des Berichts achten
LZ-Räumlichkeiten an der Maihofstrasse in Luzern nach.      dieser ersten Station wurde klar, dass     muss. Nach einem kurzen Zwischen-
                                                            es im Journalismus keinen normalen         stopp auf der Sportredaktion, wo der
Nach einem kurzen Einführungsfilm, in dem die verschie­     Achtstundentag gibt, was grossen           Redaktor allerdings noch auf einge-
denen Tätigkeitsbereiche der LZ-Mediengruppe vorge-         Eindruck hinterliess.                      hende Nachrichten warten musste,
stellt wurden, hatten die Schüler/-innen auf dem Rund-                                                 ging es schliesslich ins Korrektorat.
gang durch die Redaktion die Möglichkeit, Journalisten/-    Weiter lernten die Schüler/-innen die      Hier gab Peter Vonwil eine Einfüh-
innen direkt bei der Arbeit zu besuchen.                    Online-Redaktion kennen, welche            rung in einige Fallstricke des Korrek-
                                                            die Website der «Luzerner Zeitung»,        turlesens.
So erfuhren sie auf der Bildredaktion, was hinter der       deren Facebook-Auftritt sowie die          TEXT: SANDRA SACHER, DEUTSCH
Bebilderung eines Zeitungsberichts steckt. Es wird ent-     Infobildschirme in den Bussen der          FOTO: MB

22     BLOCKTAGE                                                                                                               Dialog Juli 2018
Achtung, Raketeeeee
Blick hinter die
TV-Kulissen
Nachdem die Zweitklässler/-innen im Rahmen der Block-
tage selber Radiobeiträge gestaltet hatten, konnten sie
am Freitagnachmittag die verschiedenen SRF-Fernseh-
­studios am Leutschenbach in Zürich kennenlernen.

WIE SEHEN die einzelnen Studios            eller Dokumente ein knapper und
aus? Welche optischen Tricks lassen        informativer Nachrichtenbeitrag?
relativ kleine Räume gross wirken?         Diese und viele weitere Geheimnis-
Wie wird in bodenständiger Schreiner­      se wurden gelüftet und spannende
arbeit der Glamour von «Glanz und          Fragen beantwortet. Zwei Antworten
Gloria» ins Studio gezaubert? Wie          seien verraten: Wenn die Moderatoren

                                                                                                 «Aviatik» war das Thema der 3. Klassen während der Blocktage, wozu auch ein Raketenstart gehörte.
kommen die Moderatoren/-innen zu           sich scheinbar spontan im Raum be-
ihrem perfekten Outfit? Wie wissen         wegen, steuern sie in Wirklichkeit mit
sie, wo genau sie stehen müssen?           winzigen Klebern markierte Punkte
Wie wird bei Talksendungen das Pub-        an, wo die perfekte Beleuchtung ihrer
likum rekrutiert? Wie gelingt es, in der   Gesichter gewährleistet ist. Und ein
Arena alle Parteien gleichermassen         kleiner, für uns Zuschauer unsicht-
zu Wort kommen zu lassen, wenn die         barer Kopfhörer erlaubt es ihnen, bei
Wogen der politischen Leidenschaft         hitzigen Debatten auf die Sekunde
hochgehen? Wo in Washington befin-         genau darüber informiert zu sein,
det sich Korrespondent Peter Düggeli       wer wie lange gesprochen hat. So
tatsächlich, wenn während seiner           kann präzise und dennoch wie bei­                                                                                                                         FOTO UNTEN: Noé (l.) fertigt mit
Reportage im Hintergrund das Weisse        läufig dafür gesorgt werden, dass                                                                                                                         Unterstützung von Simon Bachmann,
Haus zu sehen ist? Wie entsteht aus        alle Beteiligten zu Wort kommen.                                                                                                                          Sport- und Mathematiklehrer, aus
Hunderten von Stunden audiovisu-           TEXT: TITO SCHUMACHER, 2. KL. / FOTO: MB                                                                                                                  PET-Flaschen eine Wasserrakete an.
                                                                                                                                                                                                     FOTO MITTE: Diese wird von
                                                                                                                                                                                                     Alexander auf einer Rampe in Position
                                                                                                                                                                                                     gebracht. Christopher erzeugt mit
                                                                                                                                                                                                     einer Velopumpe möglichst viel Druck
                                                                                                                                                                                                     in der Flasche.
                                                                                                                                                                                                     FOTO OBEN: Gestartet wird die
                                                                                                                                                                                                     Rakete mit einem Schnurmechanis-
                                                                                                                                                                                                     mus. Noé (auf dem Bild nicht sichtbar)
                                                                                                                                                                                                     zieht an der Schnur, die links weggeht.
                                                                                                                                                                                                     Das Wasser in der PET-Flasche und
                                                                                                                                                                                                     der grosse Luftdruck bewirken einen
                                                                                                                                                                                                     starken Rückstoss (Rückstossprinzip).
                                                                                                                                                                                                     Die Rakete schiesst in die Luft und
                                                                                                                                                                                                     fliegt über 20 Meter hoch vom Fuss-
                                                                                                                                                                                                     ballfeld aufs Schulhausdach.
                                                                                                                                                                                                     TEXT UND FOTOS MITTE, OBEN: SIMON
                                                                                                                                                                                                     BACHMANN, SPORT UND MATHEMATIK
DIE KLASSE 2B IM «ARENA»-STUDIO.                                                                                                                                                                     FOTO UNTEN: MB

Gymnasium Immensee                                                                                                                                                                                                      BLOCKTAGE       23
Blocktage 4.–6. 4. 2018

Schule neu gedacht
In den Klassen     ES GING UM NICHTS ANDERES , als radikal das Undenk­
5a und 5b          bare zu denken, die Mauer, die einst «Pink Floyd» mit
setzten sich die   «Another Brick in the Wall» aufgestellt hatte, nieder­
Schüler/-innen     zureissen und auf deren Trümmern eine neue, eine
mit der «Schule    blühende, sprich: eine utopische Schule zu erschaffen.
der Zukunft»       So geriet schon der erste Input zur Kropfleerete: In einem
auseinander, wo    bereits über 1,2 Millionen Mal angeschauten Beitrag auf
weit mehr ge-      Youtube kritisiert der Astrophysiker und Hochschullehrer
schah, als nette   Harald Lesch unser Schulsystem. Er spricht sich für um­-
Reportagen         fassende Reformen aus, die wieder die Bildung ins
mit zahmen         Zentrum stellen, und zwar Bildung im Sinne von Selbst-
Empfehlungen       bildung – sich tatsächlich mit der Welt befassen und Lust
zu schreiben.      am Lernen entwickeln mit dem Ziel, echte Fähigkeiten
                   und nicht lediglich Kompetenzen herauszubilden. Lesch
                   erntete Zuspruch vonseiten der Fünftklässler/-innen.

                   ABER WIE EIN GEGENMODELL ENTWICKELN?

                   In einem ersten Schritt besuchten die Teilnehmenden
                   zwei Workshops, in welchen sie vier Schulen mit unter-
                   schiedlichen pädagogischen Idealen kennenlernten.
                   Am extremsten war wohl der Gegensatz zwischen einer
                   Reformschule, an der die Kinder selber entscheiden,
                   ob und wann sie lernen wollen, und einer katholischen
                   Schule, an der mehrstündiges Auswendiglernen zum
                   Alltag gehört.

                   In anschliessenden Ateliers leisteten die Teilnehmenden
                   Denkarbeit und versuchten, neue Konzepte zu ent­
                   wickeln, durch die unser Bildungssystem verbessert
                   werden könnte. Angeboten wurden Ateliers wie bei-
                   spielsweise: Braucht es neue Schulfächer? Wie kreiert
                   man Lust am lebenslangen Lernen?                             bringt, fordert. Ein Lehrplan, der Diversität, Neugierde und
                                                                                Kreativität kultiviert, statt sie unterdrückt.
                   Die Ergebnisse der Ateliers nahmen die Gruppen
                   schliesslich in ihre eigene Projektarbeit mit. Vorgegeben    SCHULE ALS ECHTE VORBEREITUNG FÜRS LEBEN
                   war, eine Reportage mit einer Fachperson zu einem der
                   behandelten Unterthemen zu verfassen. Vor und wäh-           Das Resultat der intensiven Blocktage waren Reportagen,
                   rend der Recherchearbeit wurde in zwei Inputs philoso-       die zwar weder die Schule noch die Welt in ihren Grund-
                   phisch nochmals tüchtig eingeheizt. Der deutsche Philo-      festen erschüttern. Sie zeigen aber in interessanter Weise
                   soph Richard David Precht warnte davor, dass die Schule      einige Aspekte auf, in denen sich unser Schulsystem ver-
                   noch immer in der Industrialisierung stecken geblieben       ändern könnte, sodass es einerseits «kindgerechter» und
                   sei und die Kinder und Jugendlichen nicht mehr auf die       andererseits zu einer echten Vorbereitung für das Leben
                   Welt vorbereite, die uns erwarten wird. Ähnlich tönte die    in einer hochtechnologisierten Gesellschaft wird.
                   Kritik des britischen Bildungsforschers Ken Robinson,
                   der einen breit gefächerten Lehrplan, der die verschiede-    TEXT: DC UND FLAVIO CARRERA,
                   nen Talente der Kinder und Jugendlichen zum Vorschein        PHILOSOPHIE UND ABENDSPORT

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