FORUM 36 Informationen aus und um den Förderverein - Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e.V.

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FORUM 36 Informationen aus und um den Förderverein - Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e.V.
FORUM 36
Informationen aus und um den Förderverein

                                            Ricarda, 13 Jahre
FORUM 36 Informationen aus und um den Förderverein - Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e.V.
INHALT

MUT. HILFE. HOFFNUNG.
                                                                            Grußwort Herr Hofmann .............................................................................................. Seite               4-5

                                                                            Aus d em Förd er vere in
                                                                            Corona – die große Herausforderung ...................................................................... Seite                            6
                                                                            Die Krebstherapie konnte nicht warten ................................................................. Seite                            7-9
                                                                            Gutes tun und Freude machen Rückmeldung einer betroffenen Familie...................... Seite                                              9
                                                                            Alltag auf Station in Zeiten von Corona Interview.................................................. Seite 10 - 12

                   Sie möchten mithelfen?                                   Aktueller Stand der Entwicklungen Corona............................................................ Seite
                                                                            Die schwierige Geburt des Neuen Elternhauses 10 Jahre Elternhaus..................... Seite 14 - 16
                                                                                                                                                                                                                      13

Erfahren Sie in diesem FORUM, wie vielfältig Sie uns unterstützen können.   Ein kurzer Rückblick Historie des Fördervereins.......................................................... Seite                           17

                       Förderverein Seite 30 – Stiftung Seite 42.           Zusätzliche Hürden vermeiden Der Sozialfonds........................................................ Seite                                18
                                                                            Projektschwerpunkte 2019 Projekt Transparenz........................................................ Seite                                19
                                                                            Mama, muss ich heute nicht hier schlafen? Erfahrungsbericht............................... Seite 20 - 23
                                                                            Die Mutmacherin Mentorenprojekt.............................................................................. Seite 24 - 25
                                                                            Das erste Erinnerungsbuch-Projekt Schreibtherapie.................................................Seite 26 - 27
                                                                            Woran erkenne ich seriöse Spendenwerbung ......................................................... Seite 28 - 29
                                                                            Kein Tag ist wie der andere Kerstin Brüssel stellt sich vor.......................................... Seite                               29
                                                                            Viele Möglichkeiten zu helfen und zu unterstützen ............................................. Seite 30 - 31
                                                                            Mithelfen durch Pfandspenden ................................................................................ Seite                       32
                                                                            Der Förderverein ist mein Herzensprojekt
                                                                            Mein Engagement für den Förderverein........................................................................... Seite                     33
                                                                            Buchtipps für betroffene Kinder, Eltern und Interessierte................................................ Seite 34 - 35
                                                                            Ihr Feedback Noch Fragen?........................................................................................ Seite                   35

                                                                            Aus der Kinderklinik
                                                                            Etwas Abwechslung trotz Corona Kreative Aktionen in der Klinik............................... Seite 36 - 39

                                                                            Aus der Stiftung
                                                                            Neueste Forschung gibt krebskranken Kindern Hof fnung .................................... Seite                                          40
                                                                            Gute Stif tungsarbeit ist heutzutage schwierig .................................................... Seite                                 41
                                                                            Stif tung des Fördervereins für krebkranke Kinder Tübingen ............................... Seite                                          42

                                                                            Projekte

                                                                    „
                                                                            Kreative Ideen Mut – Hilfe – Hoffnung: grandiose Spendenaktionen ............................ Seite 43 - 49

     „
                                                                            Wir sagen Danke Ideen und Aktionen, die helfen ......................................................... Seite 50 - 51

         GEMEINSAM GEGEN KREBS BEI KINDERN.                                 Informationen
                                                                            Kontakt ........................................................................................................................ Seite    52
                                                                            Impressum ................................................................................................................... Seite       52

                                                                            Wir bedanken uns ganz herzlich für Ihre Mitarbeit und Zusendung von Beiträgen zum Forum.
                                                                            Haben Sie aktuelle interessante Beiträge? Dann senden Sie diese bitte an Merle Klose.
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    Grußwort von Herrn Hofmann

            Für die Eltern bedeuten diese, durch Corona bedingten, aktuellen
            Entwicklungen und Maßnahmen noch mehr Sorgen und noch mehr
            Ängste. Mehr Sorgen, dass es ein weiteres Problem gibt, um das
            es sich zu kümmern gilt. Sie hadern auch mehr mit der Situation,
            in der sie sich befinden. Die Verunsicherung nimmt zu, weil fast

                                                                                                                        “
            täglich neue Infos und Verhaltensanweisungen angeordnet werden,
            die Auswirkungen auf den Alltag der betroffenen Familien haben,
            hier in der Klinik und auch zu Hause … Eva Vöhringer, Erzieherin auf Station 14, vgl. S. XX

                                    Liebe Mitglieder, liebe Spender, liebe Freunde des Fördervereins,

                                    diese Aussagen von Frau Vöhringer beschreiben schlaglichtartig die schwierige Situation, in      Das bisherige Problem bestand für viele dieser „Langzeitüberlebenden“ darin, dass sie nicht wussten, an wen sie sich in diesem Falle
                                    der sich die krebskranken Kinder und deren Familien in diesen Coronazeiten befanden und          wenden können. Die Hausärzte sind mit dieser schwierigen Situation oft überfordert, und diese Patienten sind in der Regel im Erwach-
                                    noch befinden. Die an sich schon schwere und in höchstem Maße belastende Situation, in der       senenalter, so dass die Kinderklinik, in der sie ursprünglich behandelt wurden, eigentlich nicht mehr zuständig ist; daraus ergab und ergibt
                                    sich die Familien mit einem krebskranken Kind befinden, wird durch Corona nochmals er-           sich für diese Langzeitüberlebenden oft eine schwierige Odyssee auf der Suche nach der richtigen ärztlichen Hilfe. Unser neues Projekt
                                    schwert. Man mag sich nicht vorstellen, welche Ängste, Sorgen und Szenarien diese Familien       „Survivor-Sprechstunde“ soll die Nachsorge neu strukturieren und deutlich verbessern und dadurch die Transition erwachsener
                                    belasten.                                                                                        Patienten in eine kompetente Versorgung erleichtern. Dazu wird es in der Tübinger Klinik eine regelmäßige Survivor-Sprechstunde zur
                                                                                                                                     Betreuung Langzeitüberlebender geben. Damit wird die Nachsorge deutlich verbessert, weil diese Patienten zu einem spezialisierten Arzt
Anton Hofmann                       Und dennoch müssen die betroffenen Familien auch diese schwierige Situation meistern.            in die Sprechstunde kommen, der auch ständig Kontakt zu festen klinischen Ansprechpartnern für Aspekte der Langzeitfolgen (Kardio-
                                    Und es ist immer wieder beeindruckend, wie stark und souverän die krebskranken Kinder und        logen, Endokrinologen, Internisten, Orthopäden) hat. Dieses Angebot soll nicht nur für Patienten in Tübingen, sondern für Patienten aus
                                    deren Familien mit dieser Situation umgehen.                                                     ganz Baden-Württemberg zur Verfügung stehen. Deshalb wird dieses Projekt nicht nur vom Tübinger Förderverein, sondern auch von den
                                                                                                                                     anderen Vereinen der ARGE (Arbeitsgemeinschaft Baden-Württembergischer Förderkreise krebskranker Kinder e. V.), in dem der Tübinger
                                    Hervorzuheben ist auch, wie professionell und gleichzeitig sensibel alle Mitarbeiterinnen und    Förderverein seit diesem Jahr wieder Mitglied ist, unterstützt. Da dieses Projekt bisher von den Krankenkassen nicht finanziert wird,
                                    Mitarbeiter der Klinik diese Situation handhaben und den krebskranken Kindern und Jugend-        übernimmt der Tübinger Förderverein für das erste Jahr die Finanzierung dieses Projekts. Für die Folgejahre soll dann, bis zu einer
                                    lichen weiterhin die bestmögliche Therapie gewährleisten.                                        hoffentlich stattfindenden Kostenübernahme durch die Krankenkasse, dieses Projekt finanziell von allen ARGE-Mitgliedern getragen
                                                                                                                                     werden. Mit diesem neuen Angebot können wir auch den Langzeitüberlebenden – getreu unserem Motto – mehr Mut, Hilfe und
                                    Aber auch die Arbeit des Fördervereins ist durch Corona in ganz hohem Maße belastet worden       Hoffnung geben. In einer der nächsten Ausgaben wird von der Klinik ein ausführlicher Bericht über dieses Projekt erscheinen.
                                    (vgl. Bericht S. 6), und wir sind vor viele Herausforderungen gestellt worden. Auch jetzt noch
                                    erreichen uns immer wieder neue Regelungen und Richtlinien.                                      Ich wünsche Ihnen alles Gute, danke Ihnen für Ihre Unterstützung unserer Arbeit, wünsche Ihnen,
                                                                                                                                     dass Sie gesund bleiben und grüße Sie herzlich,
                                    Trotz all dieser oder gerade wegen dieser Einschränkungen ist doch immer wieder deutlich
                                    geworden, wie wichtig die Aufgaben des Fördervereins sind. Und wir sind froh, dass jetzt auch    Herzlichst Ihr
                                    in der Klinik wieder viele unserer Unterstützungsangebote stattfinden können. Unendlich
                                    dankbar sind wir auch allen Spendern und Unterstützern des Fördervereins, dass sie uns
                                    auch in der Zeit, als unser Engagement zurückgefahren werden musste und in der Öffent-
                                    lichkeit kaum mehr sichtbar war, weiterhin finanziell und ideell unterstützt haben.

                                    In diesem Zusammenhang möchte ich Sie auch noch kurz über unser neuestes Projekt infor-
                                    mieren. Wenn krebskranke Kinder als geheilt entlassen worden sind, kann es dennoch sein,         Anton Hofmann
                                    dass nach vielen Jahren gesundheitliche Spätfolgen auftreten.                                    Vorsitzender Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e. V.

4      F O R U M 36                                                                                                                  Sie möchten uns unterstützen? Dann freuen wir uns über Ihren Anruf: Merle Klose 0 70 71 / 94 68 - 17                      F O R U M 36         5
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Aus dem Förderverein                                                                                                                           Aus dem Förderverein

    CORONA –                                                                                                                                       DIE KREBSTHERAPIE
    DIE GROSSE HERAUSFORDERUNG                                                                                                                     KONNTE NICHT WARTEN

    Als die ersten Nachrichten über das neuartige Virus aus China kamen, hat niemand voraussehen können, welche
    Auswirkungen die daraus entstehende Pandemie auf unser aller Leben haben würde. Aber schon kurze Zeit später
    wurde das gesamte öffentliche und private Leben auf den Kopf gestellt.

    Natürlich blieben auch die Kinderklinik und der Förderverein nicht     Zu Beginn der Pandemie führte Frau Klose ein Interview mit Frau
    von den Auswirkungen verschont, im Gegenteil, sie waren ganz be-       Vöhringer, der Erzieherin auf Station 14, und mit Mitgliedern des
    sonders davon betroffen, weil krebskranke Kinder immunsuppri-          Psychosozialen Dienstes. Dieses Interview beschreibt ausführlich
    miert sind und deshalb ganz besonders intensiv vor einer möglichen     und intensiv den Alltag in der Klinik zu Beginn der Pandemie (S. 10).
    Ansteckung geschützt werden mussten. Das hatte ganz viele Aus-
    wirkungen auf die Arbeit in der Klinik, auf die Situation im Eltern-   In dem Bericht „Aktueller Stand der Entwicklungen“ (S. 13) soll
    und Familienhaus und auf unsere zahlreichen Unterstützungs-            schlaglichtartig beschrieben werden, wie momentan die Situation         Seit über 38 Jahren kümmert sich der Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e. V. um an Krebs erkrankte
    projekte.                                                              in der Kinderklinik und beim Förderverein ist.
                                                                                                                                                   Kinder und deren Familien. Viel haben der Verein und seine Mitglieder in dieser Zeit erlebt – aber die Entwicklungen
                                                                                                                                                   im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stellten auch den Verein vor eine ganz neue Herausforderung.

    Auf diese ganz besondere und herausfordernde Situation wollen          In der Kinderklinik fanden während der Pandemie viele kreative
    wir in den folgenden drei Berichten eingehen.                          Aktionen für die Kinder in den Patientenzimmern statt, über die         Die Therapie der an Krebs erkrankten Kinder, die zur Hochrisiko-        Chemotherapie, Stammzelltransplantation, Nachsorge: all das

                                                                           wir Sie auf Seite 37 informieren möchten.                               gruppe gehören, musste weitergehen, die Eltern brauchten auch           konnte nicht einfach auf Eis gelegt und auf einen späteren Zeitpunkt

    Zunächst schildern wir in dem Artikel „Die Krebstherapie konnte                                                                                während all der einschränkenden Maßnahmen einen Ort, wo sie             verschoben werden“, so Anton Hofmann, Vorsitzender und Ge-

    nicht warten“ (S. 7) rückblickend, welche Auswirkungen die Pan-                                                                                während der Krebstherapie des Kindes wohnen konnten, und um             schäftsführer des Fördervereins.

    demie auf die Klinik und den Förderverein hatte.                                                                                               dies zu ermöglichen und die Angebote des Fördervereins weiterzu-
                                                                                                                                                   führen, brauchte es vor allem eines: Spendengelder. All dies war seit   Wie sah der Alltag des Fördervereins und der Alltag
                                                                                                                                                   der Corona-Pandemie jedoch schwieriger geworden, v. a. wegen            auf Station nun eigentlich während Corona aus?
                                                                                                                                                   des Rückgangs von Firmenspenden.
                                                                                                                                                                                                                           „Natürlich war das oberste Prinzip, dass die krebskranken Kinder
                                                                                                                                                   Normalerweise, d. h. vor der Corona-Pandemie, hat der Förderver-        vor Ansteckung geschützt werden mussten, denn für diese
                                                                                                                                                   ein für krebskranke Kinder Tübingen ein großes Unterstützungs-          immunsupprimierten Kinder wäre eine Ansteckung mit dem Virus
                                                                                                                                                   angebot für krebskranke Kinder und deren Familien. Zwei Häuser          absolut lebensbedrohend gewesen“, sagt Hofmann. Zuallererst
                                                                                                                                                   in Tübingen, die Übernachtungsmöglichkeiten für Eltern bieten, die      mussten daher die ohnehin schon strengen Hygienestandards ver-
                                                                                                                                                   nicht aus der direkten Umgebung kommen, zahlreiche Angebote für         schärft werden. In der Kinderklinik wurden die Kontakte unterein-
                                                                                                                                                   die Kinder auf den Krebsstationen der Tübinger Kinderklinik ( Kunst-    ander und mit Besuchern auf das Notwendigste reduziert. Nur
                                                                                                                                                   therapie, Musiktherapie, Kochen auf Station, Elterngruppen, Frei-       noch eine definierte Person durfte das Kind seit Corona in die Klinik
                                                                                                                                                   zeiten u. v. m.), viele Angebote für die Geschwisterkinder, Eltern      begleiten bzw. es besuchen. Geschwisterkinder, Großeltern durf-
                                                                                                                                                   und Großeltern der betroffenen Kinder und wichtige Nachsorge-           ten die Klinik lange Zeit gar nicht mehr betreten.
                                                                                                                                                   angebote. Seit Corona war all dies nur noch sehr eingeschränkt
                                                                                                                                                   möglich, obwohl die Krebstherapie der kleinen Patienten weiter-         Nach wie vor konnten betroffene Eltern, während ihre Kinder in der
                                                                                                                                                   gehen musste.                                                           Klinik behandelt wurden, in den Häusern des Vereins übernachten,
                                                                                                                                                                                                                           und die Mitarbeiter des Fördervereins taten alles, damit die be-
                                                                                                                                                   „Die Corona-Epidemie nahm keine Rücksicht auf krebskranke               troffenen Eltern in dieser schwierigen und belastenden Situation
                                                                                                                                                   Kinder. Die Erkrankungsrate blieb immer gleich, die krebs-              eine sichere Heimat auf Zeit fanden. Besucher wie Spender, Ehren-
                                                                                                                                                   kranken Kinder mussten in der Kinderklinik behandelt werden.            amtliche oder der Vorstand durften auch beim Förderverein lange             →

6       F O R U M 36                                                                                                                               Sie möchten uns unterstützen? Dann freuen wir uns über Ihren Anruf: Merle Klose 0 70 71 / 94 68 - 17                         F O R U M 36       7
FORUM 36 Informationen aus und um den Förderverein - Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e.V.
Die Krebstherapie konnte nicht warten                                                                                                                                                             Rückmeldung einer betroffenen Familie

                                                                                                                                                                                                       GUTES TUN
                                                                                                                                                                                                       UND FREUDE MACHEN

→   Zeit nicht mehr ins Elternhaus und Familienhaus. Als die Infektions-                                                                           Wenn Sie den Verein in dieser schwieri-
    zahlen im Juni zurückgingen, wurden auch die Zutritts- und Be-                                                                                 gen Zeit mit einer Spende unterstützen
    suchsregelungen im Elternhaus wieder etwas gelockert, so dass –                                                                                möchten, können Sie dies über unsere
    unter Einhaltung strenger Hygienestandards – zumindest wieder                                                                                  Spendenkonten oder über die Home-
    Spendenübergaben stattfinden konnten.                                                                                                          page des Vereins online tun:
                                                                                                                                                   www.krebskranke-kinder-tuebingen.de
    Ganz besonders schmerzlich für den Förderverein und für die
    betroffenen Familien war, dass fast alle Unterstützungsmaßnahmen                                                                                                           Jetzt
    des Fördervereins, die für die betroffenen Familien ganz wichtig
    gewesen wären, ausfallen mussten. Von März bis Juli gab es in der
                                                                                                                                                                     •       spenden +
                                                                                                                                                                               helfen                   Letzte Woche kam das aktuelle FORUM wieder ins Haus geflattert, und obwohl die
                                                                                                                                                                                                        Krebserkrankung meines Sohnes mittlerweile schon zwei Jahre zurückliegt, berührt
    Klinik keine Musik-, Kunst- und Schreibtherapie mehr, die Mentoren,    Die Ärzte und Ärztinnen, die Pfleger/innen, das ganze Stationsteam                                                           mich die Zeitschrift jedes Mal aufs neue, und die Erinnerungen an diese sehr
    die sonst die Kinder besuchten, konnten ihre wichtige Aufgabe          und die Mitarbeiter/innen des Fördervereins waren natürlich für                                                              schwere Zeit kommen zurück – besonders wenn ich das ein oder andere Gesicht
    nicht mehr ausüben, die Entspannungsangebote und die regel-
                                                                                                                                                   Helfen Sie uns zu helfen!
                                                                           diese betroffenen Menschen immer ansprechbar und gaben sich                                                                  wiedererkenne.
    mäßigen Kaffeetreffen für die betroffenen Eltern auf Station mus-      unter diesen erschwerten Bedingungen die größte Mühe, diesen            Unsere Spendenkonten:
    sten wegen Corona ausfallen.                                           betroffenen Menschen in ihrer äußerst belastenden Situation wei-        Kreissparkasse Tübingen                              Als ich den Beitrag las, dass es die Möglichkeit des mobilen Wunschbaumes gibt,
                                                                           terhin zu helfen. Und das ist ihnen im Rahmen der Möglichkeiten         IBAN: DE10 6415 0020 0000 1260 63                    dachte ich mir, dass wäre für uns eine tolle Möglichkeit, Gutes zu tun und anderen
    „Auch das regelmäßige Frühstück und Abendessen konnten in              auch gelungen, und alle Eltern haben immer Verständnis für diese        BIC: SOLADES1TUB                                     Kindern eine Freude zu machen. Wir haben uns bewusst für Fußbälle entschieden,
    unseren Häusern nicht mehr stattfinden. Noch tragischer war,           schwierige Situation gezeigt.                                                                                                da es für Jannik in der Therapiezeit DAS war, was ihm am meisten gefehlt hat: das
                                                                                                                                                   VR Bank Tübingen eG
    dass alle Freizeiten, die für betroffene Familien immer einen ganz                                                                                                                                  Fußballspielen mit den Freunden. Ebenso legen wir noch ein Buch dazu – schön
                                                                                                                                                   IBAN: DE26 6406 1854 0027 9460 02
    hohen Stellenwert haben, ausfallen mussten. Ebenso galt dies für       „Wir hoffen sehr, dass die Lockerungen weiter zunehmen und dass                                                              und kindgerecht geschrieben.
                                                                                                                                                   BIC: GENODES1STW
    alle Angebote für Geschwister und für trauernde Familien“, so          das Virus irgendwann in naher Zukunft bald verschwinden wird,
    Hofmann.                                                               damit wir den krebskranken Kindern und ihren Familien bald wieder                                                            Ich möchte Ihnen und Ihrem Team, besonders auch Frau Teufel Neff, nochmal
                                                                           alle Unterstützungsmaßnahmen zukommen lassen können“, so                                                                     „Danke“ sagen für die wunderbare Betreuung – auch jetzt, nach dieser schweren Zeit.
    Eva Vöhringer, Erzieherin auf der kinderonkologischen Station 14       Hofmann.
    der Tübinger Kinderklinik, spielt, bastelt und beschäftigt sich in                                                                             Wie geht es weiter                                   Meine Tochter Melina ist immer ganz begeistert von den Geschwistertagen und den
    ihrer täglichen Arbeit mit den kleinen Patienten, vor allem in der     Besondere Sorgen bereitet Hofmann aber die Entwicklung der              beim Förderverein?                                   tollen Aktionen. Ein herzliches Dankeschön, dass Sie immer an uns denken und wir
    vielen freien Zeit zwischen den Untersuchungen und Behandlungen.       Spendengelder. Die Arbeit des Fördervereins wird ausschließ-                                                                 schon so viele tolle Angebote Ihrerseits wahrnehmen konnten.
                                                                                                                                                   Über Änderungen all unserer Corona-
    Seit Corona musste sie viele ihrer Angebote für die Kinder „neu        lich durch Spenden finanziert, durch Spenden von Privatleuten,          Maßnahmen und Updates zu Veran-
    erfinden“ und besuchte die Kinder nun einzeln auf ihren Stations-      Gruppen, Institutionen und in hohem Maße auch von Spenden                                                                    Im Sommer habe ich das erste Mal die Ferienwohnung des Fördervereins am
                                                                                                                                                   staltungen halten wir Sie auf unserer
    zimmern. Dabei spürte sie auch den erhöhten Stresslevel der Eltern.    durch Firmen. „Auch wenn die Bedrohung durch den Corona-                                                                     Bodensee gebucht und freue mich schon sehr auf den Urlaub mit den Kindern, der
                                                                                                                                                   Webseite immer auf dem Laufenden:
                                                                           Virus hoffentlich irgendwann ein Ende hat, gehen wir davon aus,         www.krebskranke-kinder-tuebingen.de                  uns dank Ihrer Unterstützung ermöglicht wird.
    „Ich würde sagen, dass die Anspannung bei allen höher war,             dass wir die Auswirkungen des Shutdowns spendentechnisch noch
    sowohl bei den Eltern als auch bei den Mitarbeitern. Bei den Eltern    lange spüren werden“, so Hofmann.                                                                                            Wir wünschen Ihnen und Ihrem gesamten Team, besonders jetzt in dieser außer-
                                                                                                                                                                             Aktuelle
    war bis zur Corona-Pandemie nur ihr eigener Kosmos ver-
    dreht, jetzt war die ganze Welt auf den Kopf gestellt. Corona          Der Förderverein hofft daher inständig, dass sich die wirtschaftliche
                                                                                                                                                                     •        Infor-
                                                                                                                                                                             mationen
                                                                                                                                                                                                        gewöhnlichen Zeit, alles erdenklich Gute, vor allem Gesundheit.

    bedeutete für sie noch mehr Stress. Gleichzeitig fielen so viele       Lage schnell wieder bessert, damit auch gemeinnützige Vereine                                                                Vielen Dank für alles!
    Hilfsangebote weg, die durch Klinik und Förderverein normalerweise     wieder genügend finanzielle Unterstützung für ihre Arbeit erfahren.                                                          Liebe Grüße
    ermöglicht werden, was das Ganze doppelt schwer machte. Dazu
    kam noch, dass die Geschwister, Großeltern und Verwandte wegen
                                                                                                                                                                                                        Carolin Smeykal mit Jannik und Melina
    der Hygienemaßnahmen auch nicht mehr entlastend einspringen
    konnten und durften“, so Vöhringer.

8       F O R U M 36                                                                                                                               Sie möchten uns unterstützen? Dann freuen wir uns über Ihren Anruf: Merle Klose 0 70 71 / 94 68 - 17                   F O R U M 36        9
FORUM 36 Informationen aus und um den Förderverein - Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e.V.
Aus dem Förderverein

     ALLTAG AUF STATION
     IN ZEITEN VON CORONA

                                                                                                                                                             Das Spielzimmer war lange Zeit komplett geschlossen. Spielsachen       Der Kontakt der Patienten untereinander ist ebenfalls sehr redu-
                                                                                                                                                             durften zwar von mir ausgegeben werden, aber bei der Rückgabe          ziert. Das Zimmer darf eigentlich nur noch zur Mobilisation ver-
                                                                                                                                                             mussten wir sie komplett reinigen und desinfizieren. Bücher kön-       lassen werden. Dann natürlich noch mehr Hygienevorkehrungen
                                                                                                                                                             nen deshalb z. B. auch nicht mehr ausgegeben werden, weil diese        als sonst schon. Alle tragen immer Mundschutzmasken und ge-
                                                                                                                                                             schlecht zu reinigen sind. Inzwischen ist das Spielzimmer zwar         gebenenfalls Schutzkleidung.
                                                                                                                                                             geöffnet, aber darf nur einzeln von den Kindern genutzt werden.
                                                                                                                                                             Nachdem ein Kind gespielt hat, müssen wir wieder alles (jedes          PSD: Das ist auch ein Punkt, der lange Zeit sehr problematisch
                                                                                                                                                             Einzelteil) desinfizieren. Das ist schon ein richtiger Zeitfresser.    war – das Erhalten von ausreichend Schutzkleidung und Desin-
                                                                                                                                                                                                                                    fektionsmitteln. Zu Beginn der Pandemie mussten wir die Schutz-
                                                                                                                                                             Ansonsten war lange Zeit einfach sehr wenig los auf Station. Die       kleidung länger tragen, als wir eigentlich sollten, weil es logistische
                          Das Team des                                                                                                                       Kunsttherapeutin, der Musiktherapeut, die Mentoren und die             Probleme mit Nachlieferungen gab. Die Apotheken waren leer
           Psychosozialen Dienst (PSD):
                                                                                                                                                             Clowns durften nicht mehr kommen, die Klinikschule fand am An-         gekauft, in der Kinderklinik und im übrigen Klinikum wurden sogar
       Natasha Krüger, Manuel Schlösser,
                  Dorothee Mundle und                                                                                                                        fang nur per Mailkontakt statt. Seit Juli nimmt alles aber wieder      Schutzkleidung und Desinfektionsmittel geklaut.
               Thomas Bäumer (v. l. n. r.)                                                                                                                   etwas mehr Fahrt auf.                                                  Ansonsten werden die Behandlungen und Therapien in der Kinder-
                                                                                                                                                                                                                                    onkologie wie geplant durchgeführt.
                                                                                                                                                             PSD: Wie Eva schon gesagt hat, fallen einfach viele Begegnungs-
                                                                                                                                                             möglichkeiten weg. Neben der Elternküche war dazu ja auch das          Die Eltern haben insgesamt mehr Gesprächsbedarf, ganz grund-
     Uns alle hält Corona aktuell in Atem. Auch den Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e. V. und die Tübinger
                                                                                                                                                             einmal wöchentlich stattfindende Kochen auf Station eine ideale        sätzlich zur allgemeinen Situation und auch, weil sich allmählich
     Kinderklinik. Vor allem ganz zu Beginn der Pandemie waren die Einschränkungen für alle enorm.
                                                                                                                                                             Gelegenheit oder der alle 14 Tage stattfindende Elternkaffee mit       der Lagerkoller einstellt.
                                                                                                                                                             den Ehrenamtlichen des Fördervereins. Dies alles fällt derzeit weg.
     Merle Klose vom Tübinger Förderverein hat zu Beginn der Pandemie mit Eva Vöhringer, Erzieherin auf Station 14,
                                                                                                                                                             Auch die Entspannungsangebote für die Eltern und Patienten dürfen      Merle Klose: Welche Herausforderungen
     und mit dem Psychosozialen Dienst der Tübinger Kinderonkologie über den Alltag auf Station in Zeiten von Corona
     gesprochen.                                                                                                                                             nicht mehr stattfinden. Alle Gruppenangebote, wie z. B. Gruppen-       und Schwierigkeiten bringt das für die Familien
                                                                                                                                                             musiktherapie, die Kreativwerkstatt oder das gemeinsame Spielen        und auch für die Mitarbeiter mit?
                                                                                                                                                             im Spielzimmer entfallen, weshalb die Kinder in ihren Zimmern nun      PSD: Für die Eltern bedeuten diese ganzen aktuellen Entwicklungen
     Merle Klose: Liebe Eva, lieber PSD, wie hat Corona den                       Liegt ein Corona-Verdacht vor, wird dieser Patient auf eine andere
                                                                                                                                                             noch isolierter und damit noch mehr mit ihrer Krankheit konfrontiert   und die Maßnahmen noch mehr Sorgen und dadurch noch mehr
     Alltag auf Station verändert?                                                Station verlegt.
                                                                                                                                                             sind.                                                                  Ängste. Mehr Sorgen, dass es ein weiteres Problem gibt, um das
     Eva Vöhringer: Nun, das fängt schon mit dem Einlass in die Klinik
                                                                                                                                                                                                                                    es sich zu kümmern gilt. Sie hadern auch mehr mit der Situation, in
     an. Es sind aktuell zwei Zugänge der Kinderklinik offen, die aller-          Die Elternküche, die sonst ein Ort der Begegnung war, ist nun so
                                                                                                                                                             Gleichzeitig freuen sich manche Kinder, dass sie jetzt nicht mehr      der sie sich befinden. Die Verunsicherung nimmt auch zu, weil fast
     dings von Securities bewacht werden. Herein kommt nur Personal,              gut wie geschlossen. Sie darf nur noch einzeln betreten werden,
                                                                                                                                                             die einzigen sind, die mit Mundschutz herumlaufen. Da fallen die       täglich neue Infos und Verhaltensanweisungen angeordnet werden,
     das aktuell dringend benötigt wird. Man muss sich entsprechend               um sich einen Kaffee zu kochen, den Kühlschrank, die Mikrowelle
                                                                                                                                                             Kinder jetzt deutlich weniger auf. Auch ihre Altersgenossen sind       die Auswirkungen auf den Alltag der betroffenen Familien haben,
     dienstlich ausweisen. Von den Eltern unserer Kinder auf Station darf         oder den Backofen zu benutzen. Speisen am Herd dürfen dort
                                                                                                                                                             jetzt isoliert …                                                       hier in der Klinik und auch zu Hause. Trotzdem muss man sagen,
     immer nur ein Elternteil gleichzeitig als Begleitperson mit in die Klinik,   nicht mehr zubereitet werden.
                                                                                                                                                                                                                                    dass sowohl die Patienten als auch die Eltern diese Situation wirk-
     sonst niemand, d. h. keine Geschwisterkinder, keine Großeltern,
                                                                                                                                                             Merle Klose: Welche besonderen Maßnahmen wurden                        lich gut meistern und die Atmosphäre auf Station insgesamt ruhig
     keine Besucher. Tauschen mit einer anderen Person darf die Be-               Da auch alle Kioske in der Klinik geschlossen sind und auch das
                                                                                                                                                             und werden getroffen, um die Kinder und Familien und                   und verständnisvoll ist.
     gleitperson nur einmal am Tag, wobei ein Wechsel an sich eher                Casino-Konferenzzentrum keine Gästeversorgung mehr ermög-
                                                                                                                                                             natürlich auch die Mitarbeiter zu schützen?
     nicht erwünscht ist. Getauscht werden muss direkt bei der Security.          licht, versorgt die Klinik nun die Begleitpersonen mit, d. h. die Eltern
                                                                                                                                                             Eva Vöhringer: Einer der Hauptpunkte ist, dass die Kontakte mini-      Eva Vöhringer: Ich würde auch sagen, dass die Anspannung bei
                                                                                  erhalten ebenfalls Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Das ist
                                                                                                                                                             miert wurden. Wie gesagt: keine Besucher mehr auf Station, nicht       allen höher ist, sowohl bei den Eltern als auch bei den Mitarbeitern.
     Die Patienten sind immer noch zu zweit auf den Zimmern, allerdings           auf alle Fälle eine Erleichterung, für die Pflege jedoch eine zusätz-
                                                                                                                                                             mehr Personal als unbedingt notwendig.                                 Bei den Eltern war bis zur Corona-Pandemie nur ihr eigener Kos-
     natürlich nur die Patienten, die keine Corona-Infektion haben. Wir           liche Belastung. Die Schankanlage darf aus Hygienegründen nur
                                                                                                                                                                                                                                    mos verdreht, jetzt ist die ganze Welt auf den Kopf gestellt.
     hatten zwar Verdachtsfälle, aber die stellten sich als negativ heraus.       noch durch Personal bedient werden, so dass wir den Kindern und
                                                                                  Eltern Wasserflaschen abfüllen müssen.                                                                                                                                                                                           →

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FORUM 36 Informationen aus und um den Förderverein - Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e.V.
Alltag auf Station in Zeiten von Corona                                                                                                                                                                            Corona

                                                                                                                                                                                                                         AKTUELLER STAND
                                                                                                                                                                                                                         DER ENTWICKLUNGEN
                                                                                                                                                                                                                         Das Corona-Virus verbreitet sich erneut stärker, viel wird in der Presse über eine zweite Welle der Corona-Pandemie
                                                                                                                                                                                                                         gesprochen. Auch der Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen beobachtet diese Entwicklungen mit

                                                                                                                                                                        Clowns im Dienst e. V. / Fotograf_Patrick Hipp
                                                                                                                                                                                                                         Besorgnis.

                                                                                                                                                                                                                         Jeden Tag aufs Neue überlegen wir, welche Maßnahmen aktuell not-       sich im Haus aufhalten, ehrenamtliche Mitarbeiter und Spender
                                                                                                                                                                                                                         wendig und sinnvoll sind und wie wir auch kurzfristig mit möglichen    dürfen das Elternhaus und Familienhaus betreten, allerdings nur
                                                                                                                                                                                                                         Einschränkungen umgehen können. All dies hat natürlich in erster       unter Einhaltung strenger Hygienestandards (Begrenzung auf be-
                                                                                                                                                                                                                         Linie Auswirkungen auf die krebskranken Kinder und ihre Familien.      stimmte Personenanzahl, Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes,
                                                                                                                                                                                                                                                                                                1,5 Meter Abstand einhalten).
                                                                                                                                                                                                                         Was bedeutet dies aktuell für die Familien
                                                                                                                                                                                                                         in der Kinderklinik?                                                   UPDATE: Überblick über die kommenden Veranstaltungen
     Eva Vöhringer vor Station 14                                                                                                                                                                                        In der Klinik werden Besuche und Kontakte auf das Minimum              Leider müssen wir nach wie vor viele unserer Veranstaltungen ab-
                                                                                                                                                                                                                         reduziert. Aus diesem Grund darf immer nur ein Elternteil das Kind     sagen. Wir versuchen aber, für möglichst viele Veranstaltungen
                                                                                                                                                                                                                         begleiten. Einmal am Tag dürfen sich die Elternteile abwechseln/       Ersatztermine zu finden.
→    Corona bedeutet für sie noch mehr Stress. Gleichzeitig fallen so viele   Wenn möglich wird versucht, Kontrolltermine zu verschieben, was
                                                                                                                                                                                                                         tauschen. Inzwischen darf auch ein Großelternteil auf Station
     Hilfsangebote weg, die durch Klinik und Förderverein normaler-           aber bei den Ärzten auch die Sorge weckt, dass dadurch nicht mehr
                                                                                                                                                                                                                         kommen, aber auch dies nur im Austausch, nicht zusätzlich zum          Bis auf Weiteres abgesagt:
     weise ermöglicht werden, was das Ganze doppelt schwer macht.             adäquat reagiert werden kann. Pausen der Pflegekräfte dürfen nur
                                                                                                                                                                                                                         Elternteil. Es darf immer nur eine Besuchsperson pro krankem           • Wöchentliches Frühstück im Elternhaus
                                                                              noch mit zwei Personen gleichzeitig gemacht werden, was wieder-
                                                                                                                                                                                                                         Kind auf Station sein. Es wird empfohlen, wenn möglich, eher           • Wöchentliches Abendessen im Elternhaus
     PSD: Ja, das stimmt. Und für die Familien kommt noch hinzu,              um den Austausch unter den Kollegen erschwert. Die Gemein-
                                                                                                                                                                                                                         seltener zu wechseln. Geschwisterkinder dürfen nicht als Besuch        • Angebot der Geschwisterkinderbetreuung in unseren Häusern
     dass sie auch Hilfsmöglichkeiten „von daheim“ nicht mehr nutzen          schaft, die gerade jetzt stabilisierend wirken würde, fehlt dadurch.
                                                                                                                                                                                                                         em-pfangen werden. Die Kinder und Familien sind angehalten, die        • 14-tägiges Elternkaffee auf Station
     können. Die Großeltern können nicht mehr so einfach entlastend
                                                                                                                                                                                                                         Stationszimmer so wenig wie möglich zu verlassen. Alle Gruppen-        • Mentorenbesuche
     einspringen, andere Familien/Nachbarn sollen gemieden werden.            Merle Klose: Wie versucht ihr, trotzdem Alltag und
                                                                                                                                                                                                                         angebote z. B. im Spielzimmer oder in der Küche entfallen. In der
     Die Geschwisterkinder dürfen nicht mehr auf Station. Da müssen           Unterstützung für die Kinder und Familien herzustellen?
                                                                                                                                                                                                                         Küche darf nur kurz etwas herausgeholt werden; es dürfen keine         Über Änderungen und Updates können Sie sich jederzeit über
     erst einmal Ersatzbetreuungsmöglichkeiten gefunden werden.               Es heißt ja so oft, die Not mache erfinderisch …
                                                                                                                                                                                                                         Speisen mehr zubereitet werden. Angebote des Fördervereins wie         unsere Webseite: www.krebskranke-kinder-tuebingen.de oder
                                                                              Eva Vöhringer: Die Clowns bringen uns gerade immer Post für
                                                                                                                                                                                                                         das Mentorenprogramm oder Elternkaffee dürfen ebenfalls nicht          über unsere Social Media Kanäle auf dem Laufenden halten.
     Eva Vöhringer: Beim Personal muss auch einiges „neu erfunden“            jedes Kind mit Sammelkarten, Rätseln usw. Die Kinder können dann
                                                                                                                                                                                                                         stattfinden. Seit dem 10. August dürfen alle therapeutischen
     werden. Wir müssen schauen, dass wir Anweisungen, die wir er-            antworten. Unsere Kunsttherapeutin Kathrin hat schon Malbücher
                                                                                                                                                                                                                         Angebote für die Kinder und Familien (Entspannungstherapie,            Entwicklung des Spendenaufkommens.
     halten, konkret auf Station umsetzen. Und zwar möglichst schnell.        an die Kinder geschickt.
                                                                                                                                                                                                                         Kunst- und Musiktherapie, ...) wieder stattfinden.                     Wir wurden in den vergangenen Wochen auch oft gefragt, wie es
     Und die Anweisungen können sich schonmal stündlich ändern.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                mit unserem Spendenaufkommen in diesen Zeiten aussieht, doch
     Dies bedeutet für uns viel Umstrukturierungsarbeit, mehr Hygiene-        PSD: Alle sind hoch motiviert in dieser Krise, ÄrztInnen, Pflege,
                                                                                                                                                                                                                         Auf Station 16 gilt: wenn ein Elternteil neu auf Station kommt, muss   es ist für uns momentan noch ganz schwierig, abzuschätzen, wie
     Aufwand und viel Einzelbetreuung, da die Gruppenangebote nicht           unser Chef, Prof. Handgretinger, ist immer da und ansprechbar,
                                                                                                                                                                                                                         vorher ein COVID-Abstrich erfolgen. Bis zum Ergebnis des Tests         sich diese Lage auf unsere Spenden auswirkt. Sicher müssen wir
     mehr stattfinden dürfen. Dies ist ein höherer Aufwand und führt          das gesamte Stationsteam und natürlich auch wir. Alle geben sich
                                                                                                                                                                                                                         muss im Patientenzimmer auch ein Mundschutz getragen werden.           mit Spendeneinbußen rechnen, da so viele Firmen, Vereine und
     leider dazu, dass wir nicht mehr allen so gerecht werden können,         größte Mühe, um gemeinsam diese schwierige Zeit zu meistern.
                                                                                                                                                                                                                         Wenn die Eltern zwischendurch nur im Elternhaus oder Familien-         Institutionen durch diese Krise um ihr eigenes Fortbestehen
     wie wir es gerne würden. Für mich konkret bedeutet es auch, dass
                                                                                                                                                                                                                         haus sind, muss kein Kontrollabstrich erfolgen. Nur dann, wenn         kämpfen müssen. Genaue Zahlen werden wir aber erst zu Beginn
     ich noch etwas kreativer werden muss im Zimmer der Patienten.
                                                                                                                                                                                                                         das Elternteil wieder längere Zeit zu Hause war.                       des neuen Jahres nennen können, denn die Vorweihnachtszeit ist
     Man braucht mehr Ideen in diesem kleinen Raum, während vorher            Merle Klose: Vielen Dank für die Einblicke,
                                                                                                                                                                                                                                                                                                immer die „Hauptspendenzeit“.
     so viel auch außerhalb möglich war, um die Langeweile und Frus-          liebe Eva, Dorothee, Thomas, Natasha und Manu.
                                                                                                                                                                                                                         Was bedeutet dies aktuell für den Förderverein?
     tration der Patienten aufzufangen.
                                                                                                                                                                                                                         Als Förderverein für krebskranke Kinder ist es unsere oberste Prio-    Aber eines wissen wir: Dass wir weiterhin alles tun werden, um die
                                                                                                                                                                                                                         rität, die krebskranken Kinder und deren bei uns während der           Kinder und Familien, die aufgrund einer Krebserkrankung in einer
     PSD: Auch die Visiten finden jetzt personell sehr reduziert statt.
                                                                                                                                                                                                                         klinischen Therapie lebenden Familien zu schützen und ihnen ein        enorm belastenden Situation sind, so gut wie möglich zu entlasten,
     Informationen laufen jetzt über E-Mails, was wiederum den Infor-
                                                                                                                                                                                                                         sicheres Zuhause auf Zeit zu bieten. Wir versuchen daher nach wie      ihnen Rückhalt zu geben und für sie da zu sein.
     mationsfluss erschwert und den Aufwand für die MitarbeiterInnen          Dieses Interview ist eine Darstellung der Situation auf Station zu Beginn der Pandemie.
                                                                              Bitte beachten Sie, dass sich seit dem Interview vermutlich viele der Maßnahmen schon                                                      vor, den Personenverkehr in unseren Häusern auf das Minimum zu         Wenn Sie uns dabei helfen möchten: wir sind dankbar für jede
     erhöht.                                                                  wieder geändert haben.
                                                                                                                                                                                                                         reduzieren. Eltern krebskranker Kinder und unsere Mitarbeiter dürfen   Spende!

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     1991 - 2020 Rückblick von Prof. H.-W. Stahl

     DIE SCHWIERIGE GEBURT
     DES NEUEN ELTERNHAUSES                                                                                                                          JAHRE
                                                                                                                                                      ELTERN
                                                                                                                                                       HAUS
     Das Elternhaus in der Frondsbergstraße 51 ist in diesem Jahr 10 Jahre alt geworden. Gebührend feiern konnten wir
                                                                                                                                                                                                                     1              4
     dieses Jubiläum coronabedingt leider nicht. Gerne möchten wir dies aber nächstes Jahr mit Ihnen allen nachholen.
     Wenn man das heutige Elternhaus sieht, kann man sich nicht mehr vorstellen, wie schwer seine Geburtsstunde
     doch war.

     Der Verein war damals in einer sehr problematischen Situation,         Es wurde eine sehr arbeitsreiche Zeit: die Verhandlungen mit der
     denn es war klar geworden, dass das alte Elternhaus in der             Diözese, die Suche nach einem guten Architekten und nach
     Justinus-Kerner-Straße viel zu wenig Zimmer hatte und auch nicht       Verkaufsmöglichkeiten eines Grundstücksteiles und des alten
     mehr den notwendigen hygienischen Anforderungen entsprach.             Elternhauses. Auf Basis der Neubau-Pläne von Herrn Görlich, dem
     Also musste ein neues Konzept her. Doch wie sollte diese aus-          Architekten, kalkulierte ich Baukosten in Höhe von 2,6 Mio. €. Das
     sehen? Umbau oder Neubau?                                              war für uns ein Riesenbetrag. Wie genau sollten wir das stemmen?
                                                                            Um die anstehenden Entscheidungen transparenter zu machen,
     Das Schwierigste dabei war die Suche nach einem bebaubaren             stellte ich einen detaillierten Finanzplan auf, dem der Vorstand des
     Grundstück in Kliniknähe. Es gab einfach keines. Ich kann mich         Vereins schließlich nach langen und teils heftigen Aussprachen zu-         2                                                                             5
     noch genau an die Vereins-Weihnachtsfeier 2007 erinnern. Der           stimmte. Dieser Plan wurde dann einer außerordentlichen Mitglie-
     ganze Vorstand und vor allem die damalige Vorsitzende, Frau            derversammlung am 13.8.2008 vorgelegt und von ihr genehmigt.
     Hoffmann, ließen die Köpfe hängen, weil keine Lösung in Sicht war.     Daraufhin konnte am 14.8. das Grundstück von der Diözese ge-
     Mit dem Klinikumsvorstand wurde lange und sehr intensiv über           kauft werden. Wie sich später herausstellte, hatten wir dabei
     fünf verschiedene und von uns bereits genau ausgearbeitete Mo-         großes Glück. 14 Tage später wäre ein Verkauf wegen neuer Pla-
     delle für einen Neubau innerhalb des Klinik-Geländes diskutiert.       nungen der Diözese nicht mehr möglich gewesen.
     Jedoch nichts funktionierte. Alle im Vorstand waren tief betroffen.
     Was sollte aus dem Verein werden?                                      Nachdem das wichtige Grundstück in absolut idealer Lage direkt
                                                                            neben der Klinik gekauft war, konzentrierten wir uns auf den Bau
     Kurze Zeit später kam jedoch von Herrn Rau vom Psychosozialen          mit allen notwendigen Detail-Planungen. Den Bauantrag genehmigt
     Dienst die wichtige Information: ein katholisches Gemeindezentrum      zu bekommen, war ein schwieriger Akt, da die Nachbarn große
     mit Kirche, direkt an die Klinik angrenzend, sollte verkauft werden.   Bedenken gegen einen Neubau hatten. Sie fürchteten vor allem
     Und jetzt wurde es für den Vorstand spannend. Was würde ein            Lärmbelästigungen und Verschattungen. In einigen Sitzungen, ge-            3                                                                                                                                          6
     Neubau auf diesem Grundstück kosten, und wie sollte man alles          meinsam mit dem Baubürgermeister und den Nachbarn, wurden
     finanzieren? Der Beginn von vielen Gesprächen, Überlegungen            die Bedenken ausgeräumt, u. a. mit Verschattungs-Simulationen
     und Vorstandssitzungen.                                                am 3D-Modell. Schließlich erhielt der Verein die Genehmigung für
                                                                            den Neubau, allerdings mit einigen Auflagen versehen. Als General-
     Da ich selbst in Rottenburg wohne, nahm ich 2008 im Auftrag des        unternehmer für den Bau wurde dann die Fa. Rommel gewonnen.
     Vorstands Verhandlungen mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart           Ein feierlicher Spatenstich fand dann am 6.11.09 statt, untermalt
     auf, um eine Preisvorstellung zu erfahren. Frau Hoffmann meinte,       vom Kinderchor der Kreuzerfeldschule Rottenburg, geleitet von
     sie stünde einem Neubau nur mit Magenschmerzen gegenüber,              Frau Birgit Kugler.
     weil sie sich in Finanzierungen nicht auskennen würde. Das war
     wiederum für mich kein Problem. Ich beruhigte sie: „Frau Hoffmann      Die Bagger und Lastwagen rollten, man konnte die Konturen des
     wir schaffen das! Wirklich. Verlassen Sie sich darauf.“                neuen Elternhauses langsam wachsen sehen.

                                                                                                                                                   1 / Das alte Elternhaus, 2 / Abriss des kath. Gemeindezentrums, 3 / Spatenstich, 4 + 5 / Das neue Elternhaus entsteht, 6 / Einweihungsfeier.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                           →

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FORUM 36 Informationen aus und um den Förderverein - Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e.V.
Die schwierige Geburt des Neuen Elternhauses                                                                                              Historie des Fördervereins

     10JAHRE
         ELTERN
                                                                                                                                                 EIN KURZER RÜCKBLICK

                                                                                                                                                 1981 erste Schritte
                                                                                                                                                 Prof. Niethammer, der damalige Leiter der Kinderhämatologie und
                                                                                                                                                                                                                        2010
                                                                                                                                                                                                                        Das neue Elternhaus, das José-Carreras-Haus in der Frondsberg-

          HAUS                                                                                                                                   -onkologie, regt an, Elternabende für Eltern krebskranker Kinder
                                                                                                                                                 durchzuführen. Beim ersten Elternabend sind sich die 26 anwe-
                                                                                                                                                                                                                        straße 51 mit 12 Zimmern für die betroffenen Familien wird eröffnet.

                                                                                                                                                 senden Eltern klar darüber, dass ein eingetragener Förderverein        Einführung einer jährlichen Campingfreizeit für krebskranke Kinder.
→    Für den Vereinsvorstand bestand die wichtige Frage darin, ob der                                                                            zweckmäßiger wäre als eine reine Elterngruppe.
     von der Mitgliederversammlung genehmigte Kostenrahmen trotz
                                                                                1                                                                                                                                       2013 Herr Anton Hofmann wird zum ersten Vorsitzenden gewählt.
     aller Planänderungen einzuhalten war.                                                                                                       1982 Im Mai 1982 findet die Gründungsversammlung statt.
                                                                                                                                                                                                                        2015 Das Familienhaus des Fördervereins mit zusätzlichen 7 Zim-
     Frau Hoffmann aktivierte ihre guten Kontakte zur José Carreras-                                                                             1984 Eine Wohnung im Nonnenhaus wird angemietet, so dass es            mern wird eröffnet.
     Stiftung und fragte nach finanzieller Unterstützung an. Dazu war                                                                            endlich zuverlässige Übernachtungsmöglichkeiten für die Eltern gibt.
     ein sehr genauer 30seitiger Antrag nötig, den ich erstellte. Er führte                                                                                                                                             2016 Der Förderverein kümmert sich ab jetzt noch intensiver um
     schließlich zu einer Geldzuwendung von 500.000 €. Das war eine                                                                              1987 Da die Wohnung im Nonnenhaus zu klein wird, wird das              die Geschwister krebskranker Kinder: Einführung von Geschwister-
     riesige Erleichterung. Ohne diese Unterstützung wäre das Projekt                                                                            erste Elternhaus am 10. Oktober eröffnet und erhält den Namen          tagen und Kliniktagen für die Geschwister.
     finanziell sicherlich nicht so stabil gelaufen. Deshalb trägt das                                                                           Mildred Scheel-Haus.
     Elternhaus auch den Namen José Carreras-Haus.                                                                                                                                                                      Weitere neue Projekte: Mentorenprogramm, Mutperlen, Entspan-
                                                                                                                                                 1989 Der Förderverein engagiert eine Kunsttherapeutin.                 nungstherapien für die Patienten und Eltern, Musiktherapie …
     In der intensiven Zeit der Baubetreuung war vor allem Frau Hoff-
     mann gefordert und unermüdlich im Einsatz. Nur wenige Teile                                                                                 1991 - 1992 Bau des Geschwisterhauses. Das Geschwisterhaus             2017 Einführung von Angeboten für die Großeltern krebskranker
     konnten andere Vorstandsmitglieder abnehmen. Schließlich half              2                                                                erhält den Namen Reinhold Beitlich-Haus und wird für eine sym-         Kinder.
     uns noch das Immobilienbüro Zickler bei dem Verkauf des alten                                                                               bolische Miete an den Geschwisterhausverein für dessen Arbeit für
     Elternhauses und eines Teils des neuen Grundstücks.                                                                                         Geschwister kranker Kinder vermietet.                                  Erste schreibtherapeutische Angebote für betroffene Familien.

     Dann war es endlich soweit! Am 26.11.2010, drei Jahre nach der                                                                              1993 - 1996 Erste Patientenfreizeit sowie erste Wochenendfreizeit      2018 Der Förderverein richtet in Kooperation mit der Kinderklinik
     denkwürdigen Weihnachtsfeier, fand die Einweihung des neuen                                                                                 für trauernde Geschwister.                                             eine Sprechstunde für ergänzende Therapiemaßnahmen in der Tü-
     Elternhauses mit vielen geladenen Gästen statt. Eine schöne Feier                                                                                                                                                  binger Kinderklinik ein.
     am Ende einer großen Kraftanstrengung für den Verein.                                                                                       1997 Frau Christine Hoffmann wird zur Vorsitzenden des Förder-
                                                                                                                                                 vereins gewählt.                                                       2019 Die vom Förderverein finanzierte Pilotstudie „Mentale Stärke“
     Das ursprünglich von ganz wenigen Vorstandsmitgliedern be-                                                                                                                                                         startet in der Tübinger Kinderklinik. Sie soll den krebskranken Kin-
     fürchtete finanzielle Fiasko trat nicht ein. Die tatsächlichen Bau-                                                                         Die erste Ausgabe der Mitgliederzeitschrift FORUM wird an die          dern bzw. Jugendlichen ermöglichen, nach ihrem Klinikaufenthalt
     kosten überschritten die Vorkalkulation nur um 40.000 €. Bei Ge-                                                                            Mitglieder verteilt.                                                   mit Mut und Selbstbewusstsein ins Leben zurückzukehren.
                                                                              1 / Das neue Elternhaus in der Frondsbergstraße 51
     samtkosten von 2,6 Mio. € ein wirklich zu verschmerzender Betrag.        2 / Wohnzimmer des Elternhauses
     Es war eine riesige Leistung aller Beteiligten! Außerdem mussten                                                                            Die erste Freizeit für trauernde Familien findet statt.                Der Förderverein unterstützt in diesem Jahr maßgeblich die Krebs-
     wir nur ca. 200.000 € Kredit bei der uns unterstützenden Volksbank                                                                                                                                                 forschung.
     Nagold aufnehmen, der natürlich zwischenzeitlich schon längst                                                                               1998 Gründung der Stiftung des Fördervereins, erster Vorsitzender
     zurückbezahlt wurde.                                                                                                                        Herr Prof. Dr. Hans-Werner Stahl.                                      2020 Gründung einer Vätergruppe.
                                                                              10 Jahre Elternhaus-Jubiläum
     Nun steht unser schönes Elternhaus, das jetzt auch die Ge-                                                                                  1999 Erster Gedenkgottesdienst für trauernde Familien in der Tü-       Start der Survivor-Sprechstunde, einer Sprechstunde für Menschen,
     schäftsstelle unserer Stiftung beheimatet, im gleichen Glanz vor         Unser jährliches Sommerfest musste dieses Jahr coronabedingt       binger Stiftskirche.                                                   die im Kindesalter an Krebs erkrankt waren und auch als Erwach-
     uns wie vor zehn Jahren. Es ist nach wie vor sehr schön, hat eine        leider entfallen. Bitte merken Sie sich doch den Termin für 2021                                                                          sener noch mit Langzeitfolgen zu kämpfen haben.
     ganz besondere Atmosphäre und bietet unseren in großer Not be-           schon vor: das 10 Jahre Elternhaus-Jubiläum findet                 2005 Erste Segelfreizeit für krebskranke Jugendliche, die ab jetzt
     findlichen Eltern wirklich eine Heimat auf Zeit.                         am Samstag, 13. September 2021 statt.                              jährlich angeboten wird.
                                                                              Wir würden uns über Ihr Kommen sehr freuen!
     Prof. Dr. Hans-Werner Stahl

16        F O R U M 36                                                                                                                           Sie möchten uns unterstützen? Dann freuen wir uns über Ihren Anruf: Merle Klose 0 70 71 / 94 68 - 17                     F O R U M 36         17
FORUM 36 Informationen aus und um den Förderverein - Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e.V.
Der Sozialfonds                                                                                                                             Projekt Transparenz

     ZUSÄTZLICHE HÜRDEN                                                                                                                          PROJEKTSCHWERPUNKTE 2019
     VERMEIDEN
                                                                                                                                                 Der Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e. V. ist ein gemeinnütziger und mildtätiger Verein, der nicht nur
                                                                                                                                                 der öffentlichen Hand, sondern auch seinen Spendern und Mitgliedern zu Rechenschaft verpflichtet ist. Wir legen
                                                                                                                                                 größten Wert auf Transparenz und möchten, dass Sie als Spender, Mitglied, Partner oder Unterstützer jederzeit
                                                                                                                                                 wissen, wohin die gespendeten Gelder fließen und wie unsere verschiedenen Projekte vorangehen.

     Erkrankt ein Kind an Krebs, stellt dies den Alltag der betroffenen Familie auf den Kopf. Es folgt ein langer Be-                            Über unsere Arbeit und Projektfortschritte informieren wir Sie ganzjährig in unserem Newsletter, dem FORUM, auf unserer Webseite oder
     handlungsweg in der Klinik, viele Besuche in derselben, verschiedene Behandlungen wie Chemotherapie,                                        bei Facebook und Instagram. In der nachfolgenden Grafik sehen Sie, in welche Projekte Ihre Spenden 2019 geflossen sind.
     Bestrahlung, Operation, Stammzelltransplantation …

                                                                                                                                                            470.266 €    Verbesserung der medizinischen Betreuung
     In unserem Elternhaus und Familienhaus übernachten Familien,         Sie sind eine betroffene Familie
     deren krebskrankes Kind in der Kinderklinik behandelt wird. Nicht    und möchten mehr über den Sozialfonds erfahren?                                   285.298 €    Elternhaus und Familienhaus
     selten muss ein Elternteil wegen dieser Erkrankung seine Berufs-     Leider können wir nicht allen Familien, die mit einem krebskranken
     tätigkeit aufgeben, um das Kind während der Behandlung zu be-        Kind in Tübingen in Behandlung sind, Leistungen aus unserem                       616.297 €    Förderung der Forschung, Geräteausstattung Klinik
     gleiten. Die dadurch bedingte Trennung von zu Hause, vom Ehe-        Sozialfonds zukommen lassen. Nur die krankheitsbedingte finan-
     partner, von den anderen Kindern und dem Alltag zerrt an den         zielle Notlage bzw. die akute Bedürftigkeit entscheiden, ob einmalig              108.655 €    Psychosoziale Beratung und Betreuung
     Nerven der Eltern und erfordert ein hohes Maß an Management          eine Zuwendung aus dem Sozialfonds in Frage kommt.
     und Flexibilität der Familie.                                                                                                                           40.231 €    Ergänzende Angebote für krebskranke Kinder und deren Familien
                                                                          Einen Antrag für den Sozialfonds können die Eltern in Absprache mit
     Viele Eltern geraten an die Grenzen ihrer Kräfte und auch an die     dem sie betreuenden psychosozialen Mitarbeiter der Tübinger                        12.309 €    Gruppenveranstaltungen für Familien
     Grenzen ihrer finanziellen Möglichkeiten.                            Kinderonkologie bei uns stellen. Sie erhalten kurzfristig Rück-
                                                                          meldung.                                                                           16.832 €    Angebote für Trauernde
     Für diese in Not geratenen Familien gibt es unseren Sozial-
     fonds. Der Sozialfonds ist ein „Spendentopf“ für Familien, aus dem                                                                                      67.699 €    Kunst-, Musik- und Schreibtherapie
     einmalige, finanzielle Zuwendungen geschöpft werden können,
     bevor zusätzliche Hürden für die Betroffenen entstehen.                                                                                                 11.429 €    Unterstützung Stationen
                                                                          Sie möchten unseren Sozialfonds mit einer Spende
                                                                          unterstützen?
     Beispielhafte Leistungen aus dem Sozialfonds:                                                                                                            17.975 €   Sonstige Förderleistungen
                                                                          Dann geben Sie bei Ihrer Überweisung einfach im Verwendungs-
     → Besuchsfahrten zur Klinik, z. B. Bustickets, Parkgebühren          zweck „Sozialfonds“ an, und wir führen Ihre Spende zweckgebun-
                                                                                                                                                             33.490 €    Sozialfonds
     → Zuschuss zum Lebensunterhalt                                       den dem Sozialfonds zu.

        während der Therapie des Kindes                                                                                                          0                 100                  200                 300                  400                    500               600        650
                                                                                                               Jetzt
     → Taschengeld während der Reha für die Familie

     → Kostenübernahme einer Perücke
                                                                                                     •       spenden +
                                                                                                               helfen                            Ein großer Schwerpunkt im Jahr 2019 war       Ein zweiter Schwerpunkt war die Verbes-        Ein wesentlicher Schwerpunkt unserer Ar-
                                                                                                                                                 die Förderung der Krebsforschung und die      serung der medizinischen Betreuung. Dies       beit lag 2019 weiterhin in der Bereitstellung
     → Finanzierung einer Haushaltshilfe                                                                                                         Unterstützung der Geräteausstattung der       beinhaltet nicht nur die Finanzierung von      von Übernachtungsmöglichkeiten in unse-
                                                                          Vielen Dank für Ihre Unterstützung!                                                                                  Ärzte- und Pflegepersonal, sondern auch        rem Elternhaus und Familienhaus sowie in
     → Erfüllung eines letzten Wunsches für das Kind                                                                                             Kinderklinik Tübingen. Von den 616,3 TEUR
                                                                                                                                                 flossen 410 TEUR in die Forschung und         die Sprechstunde für Ergänzende Therapien      der psychosozialen Begleitung und Bera-
     → Zuschuss zu den Beerdigungskosten
                                                                                                                                                 206 TEUR in die Verbesserung der medizi-      für die Eltern sowie palliative Angebote.      tung der Familien.
        im Falle des Todes des Kindes
                                                                                                                                                 nische Geräteausstattung der Klinik.

                                                                                                                                                  Die Corona-Pandemie hat auch für den Förderverein viele Einschränkungen mit sich gebracht. Eine Konsequenz ist die sehr spät statt-
                                                                                                                                                  findende Mitgliederversammlung im Oktober dieses Jahres. Da hier u. a. auch der Jahresabschluss verabschiedet wird, können wir
                                                                                                                                                  vorher keine weitergehenden Informationen daraus publizieren. Sie sollen als interessierte Leser aber zumindest erfahren, in welchen
                                                                                                                                                  Projektschwerpunkten wir uns engagiert haben.

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Erfahrungsbericht

     MAMA, MUSS ICH
     HEUTE NICHT HIER SCHLAFEN?

     Das waren die Worte, die Christian sagte, als er mit drei Jahren zur Routineuntersuchung U7a bei unserem                                      Das Team der onkologischen Station war für uns da. Es tat medi-       Nicht immer war die Stimmung gut, wenn wir kamen. Am schlim-
     Kinderarzt war. Geduldig, aber sehr wach- und schweigsam hat er die Untersuchung über sich ergehen lassen. Erst                               zinisch und menschlich alles, damit wir lernten, mit der Therapie     msten war der Infusionsturm, von Christian „Piepseturm“ genannt,
     als der Kinderarzt sagte: „so, Christian, du bist fertig und darfst jetzt heimgehen“, erwachte er aus seiner Passivität.                      umzugehen. Das Spielzimmer, Kochen mit Eva, Musik mit Patrick         der Vater und Sohn ihre Bewegungsfreiheit nahm. Christian war
     Seine Erleichterung war spürbar, und wenn ich es rückblickend betrachte, war sie das auch bei mir.                                            und vieles mehr ließen für Christian die Tage kürzer werden und       mal wilder, mal anhänglicher, mal lustloser oder hungriger, als wir
                                                                                                                                                   waren auch Entspannungen für uns. Für mich und die Babys stand        ihn eigentlich kannten. Aber die Ärzte beruhigten uns, das würde
     Zehn Monate lag unser letzter Besuch beim Kinderarzt zurück.           Es war kurz nach 17 Uhr, als uns nach einigem Suchen Dr. Michaelis     jetzt ein Zimmer im Elternhaus bereit, und der Psychosoziale Dienst   wieder vergehen, wenn die Therapie vorbei sei.
     Christian war seit Tagen schlapp, fiebrig und blass. Es war Freitag,   in Empfang nahm. Einfühlsam musste er unsere schlimmste Be-            nahm uns den Papierkram ab. Das hat die organisatorischen Sor-
     der 13.Juli 2018, und eigentlich wollten wir mit Christans Oma ihren   fürchtung bestätigen: „Das Blutbild zeigt recht deutlich eine Leu-     gen geschmälert, und wir konnten uns ganz auf Christian konzen-       So waren Sorgen und Ängste um Christian unsere ständigen Be-
     Geburtstag feiern. Da ich zu diesem Zeitpunkt in der 36. Schwan-       kämie. Am Montag beginnt mit der Rückenmarkpunktion die                trieren. Unsere Familien und unsere Freunde waren in unglaublichem    gleiter, aber wenn er mit den Zwillingen spielte oder lachte, waren
     gerschaftswoche mit Zwillingen war, entschied ich mich, zum            Chemotherapie. Wir haben ein Zimmer für Sie auf der Station, und       Maß für uns da, jeder auf seine Weise, jeder unterstützte uns, wo     sie auch mal vergessen, und wir waren einfach nur eine Familie.
     Kinderarzt zu gehen, auch wenn es mehr nach einem Infekt               falls bei Ihnen die Wehen einsetzen, bringen wir Sie runter in die     er konnte – mit Worten oder Taten.
     aussah. Der Kinderarzt schaute Christian an, er war ihm zu blass,      Frauenklink, die sind ebenfalls informiert. Alles weitere machen wir                                                                         Nach Weihnachten musste Christian dann, völlig ungeplant, krank
     und so schickte er uns zur Kontrolle des CRP-Wertes und des            dann die kommenden Tage.“                                              Nach fast drei Wochen Krankenhaus durften wir erstmals nach           wieder in die Klinik und musste dort isoliert werden. Das warf uns
     Blutbildes ins Kreiskrankenhaus. Zum Glück war Sebastian, mein                                                                                Hause. Wir, das waren inzwischen Christian, seine vier Tage alten     völlig aus der Bahn, denn bis dahin hatte Christian nach Zeitplan
     Mann, schon zu Hause, und wir machten uns direkt auf den Weg.          So groß der Schock für uns war, merkten wir doch auch, dass alles      Geschwister Ella und Jonathan und wir Eltern. Unser Leben sah         behandelt werden können. Viele Untersuchungen folgten dann, um
                                                                            daran gesetzt wurde, dass es Christian besser geht. Am Abend           anders aus, als wir uns das vorgestellt hatten, aber Tag für Tag      herauszufinden, warum er sich nicht erholte. Die Ängste waren un-
     Nach der Eingangsuntersuchung wurde, unter Christians Protest,         noch kamen die Großeltern und Geschwister und brachten uns             fanden wir mehr unseren Rhythmus. Mein Mann übernahm die              beschreiblich groß, dazu kam noch die andauernde Isolation.
     Blut für das Blutbild genommen. Zur Besprechung kam die Ober-          alles Nötige, um Christian und uns die ersten Tage zu erleichtern.     Verantwortung für die ambulante und stationäre Behandlung von
     ärztin mit, und ihre Worte ließen für uns eine Welt zusammen-          Wenn auch sehr zögerlich, begann Christian doch die Situation zu       Christian, und ich organisierte mich mit den Zwillingen um sie        Wie wir das, vor allem mein Mann, überstanden haben? Zusammen-
     brechen: „Christians HB-Wert liegt nur noch bei 3,8 (normal ist        akzeptieren, dass er im Krankenhaus bleiben, Eingriffe und Medizin     herum. Waren sie daheim, versuchten wir die Zeit zu genießen und      halten, hoffen und schwer in Worte zu fassende Gefühle zulassen.
     zwischen 10 - 12), was viele Ursachen haben könnte, allerdings         über sich ergehen lassen und fremde Menschen an sich ranzu-            Normalität zu haben, waren sie stationär in Tübingen, kamen wir       Dann kam die Entwarnung: Christians Körper fing wieder an, sich
     haben wir Zellen im Blut gefunden, die da so nicht hingehören.         lassen musste. Wir waren bei ihm, machten ihm Mut, und uns war         drei zu Besuch – meist mit einem Teil der Großeltern, die die         zu erholen, zwar langsam, aber es ging aufwärts. Er begann wieder
     Alles deutet auf ein bestimmtes Krankheitsbild hin, da wir aber        klar, dass es nur diesen Weg gibt, auch wenn er nicht immer schön      Zwillinge zwischen dem Stillen betreuten. So hatte Christian dann     zu spielen und war nicht mehr ganz so teilnahmslos, und er fing
     keine Spezialisten sind, bitten wir Sie, direkt mit Christian nach     sein würde. Nur die Gesundung Christians zählte, und ich denke,        auch Mama-Zeit und Sebastian, wenn es ging, auch mal eine Ver-        wieder an zu laufen und zu lachen. Das ließ uns hoffen.
     Tübingen in die Kinderklinik zu fahren“.                               diese Einstellung von uns hat er gespürt.                              schnaufpause.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                    →

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