Freude herrscht! Paris Air Show - ORIS-Fly-in - Cockpit - Magazin
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Das Schweizer Luftfahrt-Magazin Nr. 8/August 2013 CHF 8.20 / € 5.50
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Paris Air Show
Freude herrscht!
General Aviation History Military Aviation
ORIS-Fly-in Der Angriff auf Patrouille de France
Ambri Niederweningen feierte JubiläumAerospace
Multifunktionschronograf aus Titan
Exklusives SuperQuartz™-Werk
Offiziell Chronometer-zertifiziert
Wasserdicht bis 100 m
YOUR FLIGHT IS OUR MISSION™Cockpit 08 2013 Editorial 3
Take-off
Liebe Leserinnen und Leser
Wie schreibt man eigentlich ein Edito- Wenn Sie jetzt noch weiterlesen mögen – es gibt auch die Ernst-
rial? Gibt es Vorgaben, einen Raster oder haftigkeit. Den Unfall in San Francisco als Beispiel. Bei aller Tra-
gar ein Handbuch «How to do»? gik, dieser Erstunfall einer Triple Seven zeigt eines auf: Moderne
Nichts von alledem. Zumindest nicht Maschinen sind viel sicherer, als es die Vorgängermodelle waren.
was das Cockpit-Editorial betrifft. Am Der technische Fortschritt (nicht nur im Flugzeugbau) macht es
Anfang steht das nackte Chaos. Tausend möglich. Es ist wohl davon auszugehen, dass ein ähnlicher Vorfall
Themen, Ideen, Wünsche und Kritik aus vor 20 Jahren oder mehr in einem Feuerball geendet hätte – ohne
dem Vollen. Alle Punkte werden nieder- Chance, dem Inferno zu entkommen.
geschrieben, es wird gefeilt, diskutiert Schweizer Luftwaffe. In einer Pressemeldung vom 20. Juni wird
und verworfen. Bin ich heute gut drauf? Folgendes mitgeteilt: «Dem als Displaypilot F/A-18 vorgesehenen
Dann ist das auch an dieser Stelle so zu Berufsmilitärpiloten ist es bis zum Abschluss der Einführung/Aus-
lesen. Schlecht drauf? Der Leser wird es merken. Das letzte Wort bildung nicht gelungen, die besonderen Herausforderungen eines
ist beim Chefredaktor; das allerletzte hat – wer ahnt es nicht – eine Flugvorführprogramms in der geforderten, höchsten Qualität zu
Frau: «Das kannst du nicht, das darfst du nicht und jenes wird nicht beherrschen. Daher haben er und die zuständigen Vorgesetzten der
verstanden.» Luftwaffe gemeinsam beschlossen, ihn von dieser Aufgabe zu ent-
Mehr aus dem abwechslungsreichen Redaktionsalltag erfahren binden. Der Entscheid betrifft ausdrücklich nicht seine Stellung
Sie im «Report» auf Seite 52. Karin Münger hat «ihren Chef durch- als F/A-18-Staffelpilot. Die Präsentation der F/A-18 (Swiss Hornet
schaut». Sie hat das allerletzte Wort. Oder genauer: Sie nimmt es Display) an Flugschauen/Flugvorführungen wird daher vorläufig
sich. ausgesetzt. Über den weiteren Saisonverlauf des F/A-18-Hornet-Dis-
Die Automarke des Chefredaktors würde ihn nicht interessie- play wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.»
ren, hat uns ein Leser kürzlich informiert (siehe Editorial Cockpit Safety first – in der Fliegerei gibt es keine Toleranz. Das ist wichtig
07/2013). Nun ist uns – unbeabsichtigt – ein Product placement und richtig. Und doch berührt mich diese Mitteilung sehr. Hinter
passiert, das weitere Reaktionen zur Folge haben kann.Unsere Re- den trockenen Buchstaben steht ein Mensch und ausgezeichneter
daktions-Kaffemaschine ist mit auf dem Bild ... (für Leser, die sich Pilot. Eine kleine Tragödie. Ich wünsche B. viel Kraft und Befriedi-
jedoch wirklich für die Autos des CRs interessieren, in alphabeti- gung in seinem Staffel-Job!
scher Form aufgezählt: Audi, Porsche, Toyota, und VW). «Stopp!» Andererseits: Zu oft habe ich bei Airshows schon (offensichtlich)
interveniert das allerletzte Wort, «hier schweifst du ab». überforderte Piloten beobachtet, die nicht aus dem Verkehr gezo-
Zurück zur Entstehung des Editorials: Nach der Niederschreibe- gen wurden – und in der Konsequenz leider auch mehrere Unfälle
Pflicht kommt die vermeintliche Kür. Doch – es steht nur eine einzi- mit fatalem Ausgang miterlebt.
ge Seite zur Verfügung! Also, streichen, kürzen, ändern! Ein Prozess Wir sind am Schluss dieses Editorials. Und das allerletzte Wort
der schmerzt. Ein Galeerenjob. Die schönste Formulierung in den hatte nur wirklich Kleinigkeiten zu beanstanden. Im Grundsatz
Papierkorb. Das Dankeschön an meine Kollegen vertagt. Den Tritt stimmt es (sie) mir zu.
ans Schienbein einer missbeliebigen Person (das gibt es) durchge-
strichen – das allerletzte Wort will es so. Ihr Max Ungricht
Der Zeiger springt auf 23 Uhr 59. Noch eine Minute bis zum Abga-
betermin. Nichts ist gut, die Sätze stehen schräg, das Thema mag
niemanden interessieren, die Verzweiflung nagt. Heureka! – der
rettende Einfall. Kein Mensch wird um Mitternacht mein Mail
und den angehängten Text noch lesen. Eine Galgenfrist also bis
(mindestens) sieben Uhr. Darum weiter im Text, der vorhande-
ne Zigarettenvorrat neigt sich zu Ende – die Verzweiflung beim
Schreiberling steigt. Und das allerletzte Wort geniesst (wahr-
scheinlich) den verdienten Schlaf.
Zum Haareraufen. Verzweiflung. Schiere Not. Die unumgängli-
che Frage an die eigene, zwischenzeitlich leicht depressive Person:
«Weshalb wurde (zumindest) dieses eine Editorial nicht an Karin
delegiert?» Eine überflüssige Frage – weil sie nicht will. Das aller-
letzte Wort hat gesprochen.
Foto: Sven Zbinden
Liebe Leserinnen und Leser. Was oben beschrieben, ist nicht ganz
falsch. Aber auch nicht ganz richtig. Manchmal gibt es Abende wie
diesen, an denen keine «Tausende Themen, Ideen, Wünsche und
Kritik aus dem Vollen» sprudeln. Sie haben es schon bemerkt. Ich
hoffe, Sie verzeihen. Zumindest sind schon einmal 2979 Zeichen ORIS-Fly-in Ambri: der Vampire Trainer HB-RVJ beim Start. Siehe Be-
geschafft ... richt auf Seite 32.Cockpit 08 2013 Inhalt 5
Military Aviation Helicopter Military Aviation
6
6 Die Patrouille de France 36 Data Sheet:
feierte ihren Geburtstag! AS.350B3e Ecureuil
Die Patrouille de France
9 JSF: «Dominieren, überleben 37 Swiss Helicopter AG – feierte ihren Geburtstag
– oder sterben ...?» Helikopter-Zuwachs auf der
11 Saab beginnt mit dem Bau Basis Gruyères
des ersten Gripen E 38 Swiss Helicopter Association
– Die Info-Seite
Civil Aviation
14 Paris Air Show: History
Freude herrscht! 40 Fliegerangriff auf Nieder-
19 Flughafen Wien – es geht weningen (1944)
verhalten aufwärts 42 Wasserflugbasis
21 Swiss AviationTraining – Der Zürichhorn (2)
Weg ins Airline-Cockpit (24) 45 Travel Air: Ein Bijou kommt
22 Erstflug des Airbus A350 in die Schweiz Civil Aviation
14
25 Your Captain speaking ...
«Mission spéciale» Report Paris Air Show:
26 Horizon Swiss Flight Aca- 52 Die Cockpit-Redaktion am Freude herrscht!
demy – «Die Crews sind das Puls des Flughafenalltags
Aushängeschild!»
Regelmässige
Mittelposter Rubriken
28 Boeing 787-8 Dreamliner 3 Take-off
Foto: Marcel Tuccimei 12 Inside
39 Heli-Focus
General Aviation 45 Vor 25 Jahren
30 AIRPOWER-13: Eine Firmen- 48 HB-Register
präsentation mit Flugshow?
50 Gallery
32 ORIS-Fly-in Ambri: Hunter- General Aviation
grollen in der Leventina 54 Letzte Seite: Events, Wettbe-
32 ORIS-Fly-in Ambri: Hunter-
werb, Vorschau, Full stop
34 Klassikwelt Bodensee: Die
fliegenden Bullen in Hoch- grollen in der Leventina
form
Titelbild: Airbus A350XWB (MSN001). Foto: Airbus
History
Cockpit – 54. Jahrgang
Herausgeber
Jordi AG – das Medienhaus
Verlag «Cockpit»
Postfach 96, 3123 Belp
Abonnementspreise
Inlandabo jährlich CHF 87.–
Jugendabo für Schüler und
Studenten (mit Ausweis):
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Schnupperabo (für 3 Monate):
Redaktions-Mitarbeiter
Peter Aegerter, Jean-Luc Altherr,
Daniel Bader, Werner Baier,
Joël Bessard, Jürgen Gassebner,
Markus Herzig, Walter Hodel,
Rolf Müller, Samuel Sommer,
40 Fliegerangriff auf Nieder-
weningen (1944)
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Fax: +41 31 819 38 54 Einzelverkaufspreis: CHF 8.20 Stapfer, Anton E. Wettstein
www.cockpit.aero inkl. Porto und MwSt. Bitte Texte und Fotos nur
Verlagsleitung: Roger Schenk Auslandabo steuerfrei, Porto nach vorheriger Absprache
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am Ende des Vormonates. Auflage TopDesk-Design, Hangweg 20,
6000 Exemplare CH-3125 Toffen
Unsere Partner 11 775 Leser (gemäss Umfrage
«Cockpit» ist Verbandsorgan Telefon: +41 (0)31 964 04 42
2008) E-Mail:
der Swiss Helicopter Association
(SHA) sowie Partner der AOPA Notariell beglaubigt 2012 e.schenk@topdesk-design.ch
Schweiz Total verkaufte Auflage: Layout: Elisabeth Schenk
4677 Exemplare Layoutkonzept/Druck/Vertrieb
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Ursula Seifried Jordi Stv. Chefredaktor: Thomas Strässle
Aemmenmattstr. 22, 3123 Belp Koordination: Karin Münger
Telefon +41 31 818 01 27
E-Mail: abo@cockpit.aero6 Military Aviation Cockpit 08 2013
Jubiläum
60 Jahre
Patrouille
de France
Ende Mai feierte die Patrouille de
France in Salon-de-Provence ihren
60. Geburtstag. Die Wurzeln des
Teams gehen aber bereits auf die
Vorkriegszeit zurück. Unsere Mit-
arbeiter Kees Otten und Wim Das
besuchten den Event im Süden
Frankreichs.
E
inen Geburtstag feiern heisst Ge- Den geschichtsträchtigen Namen «Patrouil-
schenke empfangen. So war denn le de France» wurde am 17. Mai 1953 von
für die wettergeplagten Europäer der Major Delachenal zum ersten Mal verwen-
unerwartete Sonnenschein ein besonderes det, dem damaligen Kommandanten des
Geschenk. Aber die wahren und unvergess- 3e escadre de chasse und späteren Chef der
lichen Geschenke trugen andere Namen: französischen Luftwaffe.
Frecce Tricolore, Patrouille Suisse, Red Ar- Unserer Generation noch bekannt sind die
rows und Patrouille Aguila. Ein Fest unter Einsätze der PdF mit dem Fouga CM-170 Ma-
Freunden. gister (ab 1963). Mit zunächst sechs dieser
Trainingsflugzeuge und zuletzt neun Ma-
Jet-Zeitalter schinen endete die Ära 1980. Seit 1981 sind
Nach dem Zweiten Weltkrieg trat die fran- Alphajets der Arbeitsplatz der Patrouille-de-
zösische Luftwaffe im In- und Ausland France-Piloten; im ersten Jahr bestand die
mit unterschiedlich zusammengesetzten Staffel aus sieben, ein Jahr später bereits aus
Teams auf, dazu zählte auch die Formati- acht Flugzeugen. Diese Zusammensetzung
on von Pierre Delachenal, die aus vier Re- wird nach Aussagen der Verantwortlichen
public F-84G Thunderjet bestand. Dies war auf längere Zeit so bleiben.
der eigentliche Beginn des Jet-Zeitalters für
die nachmalige Patrouille de France. Andere Best team, best location
(französische) Typen wie die Dassault MD- In einem Gespräch mit Cockpit erklärte
Lieutenant-colonel Bruno Bezier, Komman- 450 Ouragan oder Dassault Mystère IV A Lieutenant-colonel Bruno Bézier, der Kom-
dant des Teams. kamen ebenfalls zum Einsatz. mandant der Staffel, wie seine Leute für die7
Oben: Ist ebenfalls «ein militärischer Kern-
auftrag Frankreichs» – die Kunstflug-National-
mannschaft (Extra 330).
Mitte: Geburtstagsgeschenk aus Grossbritan-
Die Patrouille de France feierte den runden nien – die Red Arrows.
Geburtstag vor eigenem Publikum.
Unten: Geburtstagsgeschenk aus der Schweiz
– die Patrouille Suisse.
prestigeträchtigen Sitze in einem Patrouil-
le-de-France-Flugzeug ausgewählt werden:
«Wir suchen nach Piloten, welche die Ba-
lance zwischen Risiko und Spektakel be-
herrschen. Die Piloten werden aus den
Kampfstaffeln der Luftwaffe rekrutiert und
müssen bereit sein, die französische Luft-
fahrt zu repräsentieren. Das Team spricht
mit den Anwärtern – die Gründe ihrer Mo-
tivation werden hinterfragt. Für uns sind
der Charakter und der Wille zur Teambe-
reitschaft äusserst wichtig.» Und Bézier fügt
bei: «Wir sind das beste Team der Welt»,
und fügt schmunzelnd hinzu «... das werden
ihnen aber wahrscheinlich auch die Kom-
Fotos: Kees Otten & Wim Das
mandanten der anderen Teams so sagen ...».
Anwärter für die PdF müssen mindestens
1500 Flugstunden auf Jets vorweisen kön-
nen. Das Team ist auf der Base Aérienne
701 in Salon-de-Provence stationiert. Bé-
zier: «Best team, best location.» Salon-de-
Seit über 30 Jahren ist der Alphajet das Arbeitstier der Patrouille de France. Provence ist in der Tat gut geeignet als �8 Military Aviation Cockpit 08 2013
Team-Standort: In dieser Gegend Frank-
reichs gibt es wenig Luftverkehr und das
Wetter spielt auch meistens mit.
Die BA 701 beherbergt die Ecole de l’air mit
einer hervorragenden Infrastruktur. Bézier:
«Und unser Team ist diesen jungen Leuten
Vorbild und Motivation.» Vorbild zum Bei-
spiel bezüglich Professionalität und Kon-
zentration. «In unserem Programm gibt es
absolut keinen Raum für Individualität und
Fehler», fügt er hinzu. Und: «Unser Team
besteht aus acht Flugzeugen. Entweder alle
acht – oder keine Show!»
Oben: Grosszügige
Im Jahr 2010 führt erstmals eine Frau das
Infrastruktur – die BA
Team als Leader an: Virginie Guyot, eine Mi- 701 in Salon-de-Pro-
rage-F-1-CR-Pilotin, war (und ist) weltweit vence.
die einzige Pilotin, die einen so prestige-
trächtigen Job ausführen durfte. Links: Geburtstags-
geschenk aus Italien
– die Frecce Tricolore.
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ber 120 STCs weltweit!
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Der erste britische F-35B (BK01). Im Mai 2012 voll-
zog die Cameron-Regierung einen viel kritisierten
Schwenk von F-35A und -C auf nur F-35B. Grund: Die
Finanzen erlaubten nur das Umrüsten eines Trägers.
Dominieren, überleben – oder
sterben ...?
Kontroversen um die Luftkampf- beziehungsweise
Überlebensfähigkeit des F-35 JSF
Die auch an dieser Stelle schon mehrmals behandelten
finanziellen beziehungsweise strukturbedingten Prob-
leme und technischen Verzögerungen im bisher teu-
ersten und umfangreichsten Kampfflugzeugprogramm
werden – ausgehend von Australien – seit Jahren von
leidenschaftlichen Debatten um die künftige Kampf-
Fotos: LM
stärke der Hauptstütze westlicher Luftmacht begleitet.
Am 19. Oktober 2012 wurde eine AIM-120-AMRAAM-Lenkwaffe erst-
mals von AF01 ausgeklinkt, im Juni 2013 erfolgte der erste scharfe
Schuss. Kritiker bemängeln, dass vier interne Lenkwaffen zu wenig sind.
U
nser Mitarbeiter Georg Mader hat sich in negative wie po- Szenarien diversen Su-30/35, T-50, J-20, J-31 oder selbst Rafales oder
sitive Einschätzungen um die Qualität des JSF vertieft und Typhoons gegenüberstehen.
mit Protagonisten beider Sichtweisen gesprochen.
Neben den nach wie vor geplanten 2443 F-35 für die drei US-Teil- Kann nicht reinkurven, davonsteigen oder flüchten ...?
streitkräfte – alle drei Versionen sind seit 22. Juni zur Truppenein- Zu den umtriebigsten Protagonisten des vorhergesagten Scheiterns
führung nach Eglin AFB ausgeliefert worden – sollen Lockheeds gehört der australische Elektronik- und Kommunikatonsingeni-
Programmpartner England, Italien, Niederlande, Türkei, Kanada, eur Dr. Carl Kopp. Seine umfangreiche Website (www.ausairpow-
Australien, Dänemark und Norwegen den JSF einführen. Selbst er.net) ist eine einzige technische Anklage an eine kapitale Fehl-
wenn das bei manchen davon noch «wackelt», gibt es zudem mit entscheidung Canberras, sich auf den JaBo F-35 festzulegen statt
Israel und Japan Exportkunden, die ihre ersten Stealth-Fighter ab doch zu versuchen, F-22 zu bekommen (welche der US-Kongress
2016 erhalten sollen. Dazu später eventuell auch Singapur oder aber bislang nicht zum Export freigab). Carlos «Think Tank» hat
Südkorea. Alle genannten Länder sind luftwaffenseitig nicht ir- zu allen zeitgenössischen russischen und chinesischen Systemen
gendwer, ihre «Ecken» teils keineswegs so friedlich wie Europa. (auch Boden-Luft-Abwehr) eine Unmenge von Daten und Tabellen
Gut möglich also, dass sich künftig F-35-Piloten irgendwo auf un- aufbereitet. Mit seiner inzwischen auch in den USA respektive bei
serer absehbar unruhigen Welt in – heute rein hypothetischen – Lockheed «berüchtigten» Medien-Präsenz und seinem Wider- �10 Military Aviation Cockpit 08 2013
Die «berüchtigte» Folie den klassischen Luftkampf-Kategorien, in
aus dem Kriegsspiel denen diese Leute ‹feststecken›, gegen die
des US Think Tanks kommenden Plattformen unserer Gegner
RAND provozierte eine
wenig Chancen hätten, deswegen kommt ja
australische Zeitung zur
Schlagzeile «F-35 wie nun die 5. Generation!» Durch deren kleine
Baby-Robben abge- Radarsignatur, Helmen mit hohem Schiel-/
schlachtet!» Typhoon Schusswinkel sowie der totalen Situations-
und Rafale werden hier übersicht der hochintegralen elektro-opti-
Grafik: RAND
als deutlich stärker ein- schen und EloKa-Sensoren sowie durch den
gestuft. Netzwerk-Verbund via Datenlink werde es
kaum mehr zu klassischen Luftkampfsze-
hall in vielen Foren hat der oft als «Nerd» Schub-Gewichtsratio als auch Flächenbe- narios im oder am Sichtbereich kommen.
(= Spinner) bezichtigte Analytiker aus Perth lastung unterlegenen JSF zuschrieb: «Can’t Der erste Schuss oder die erste Salve über
es aber doch zu Anhörungen vor dem Vertei- turn, can’t climb, can’t run ...». 2013 wurden den Horizont, das werde der bestimmende
digungsausschuss im Parlament gebracht, Parameter für gehaltene Kurven nochmals Faktor sein. F-35-Testpilot John Beesley erin-
wo er den Abgeordneten die kinetische Un- um ein halbes G sowie für Beschleunigung nert dazu gern an das mit 40 000 Pfund (177
terlegenheit und die nur vier internen Waf- (vom Mach 0,8 auf 1,2) um bis zu 43 Sek. kN) stärkste je verbaute Fighter-Triebwerk
fen aufzuzeigen versuchte, mit denen der aufgeweicht ... F-135: «Die werden sich noch wundern, wie
F-35 sich künftig moderner Luftgegner kon- agil das Ding ist!»
frontiert sehen werde. Die 5. Generation kämpft ganz anders Wohl durchaus glaubhaft, dass das alles so
Noch immer aber zitieren zum Beispiel Der Autor hat in Darwin dazu den RAAF sein wird. Dennoch müssen etliche jener
auch Eurofighter-Leute gerne Kopp. Dazu Air-Marshal Geoff Brown, in Jeddah den angekündigten Funktionen noch ausgetes-
auf einer Folie aus einer pazifischen US- heutigen Chef des US Air Combat Com- tet und «robuster» werden. So zum Beispiel
Kriegsspielsimulation von 2008, in wel- mand Gen. Mike Hostage sowie in Eglin der genannte Helm. Künftigen F-35-Crews
cher der bald danach «entfernte» RAND- Lockheeds Larry Lawson befragt. Die sind bleibt zu wünschen: «Möge der Datalink
Analyst J. Stillion das Überwältigen der froh, dass «Lockheed den F-35 nicht für immer mit euch sein ...».
US-Maschinen durch neue russisch/chi- Kopp oder Stillion entwickelt hat. Logisch,
nesische Plattformen auch dem sowohl in dass heutige Flugzeuge der 4. Generation in Georg Mader
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Saab baut erste Vorserien
version des Gripen E
Foto: Saab, Stefan Kalm
Gripen E/F Demonstrator
Saab hat mit der Montage des Gripen E begonnen. Zuerst wird der vordere Rumpf der
ersten Vorserienversion (Testflugzeug 39-8) konstruiert.
N
ach einem kurzen und intensiven Saab. «Nach jahrelangen Investitionen in und der Schweiz während über 250 Stun-
Entwicklungsprozess beginnt die Forschung und Entwicklung können wir den in der Luft.
Konstruktion des Gripen E mit der unseren Kunden heute einzigartige Mög-
Fertigung und der Montage sämtlicher Be- lichkeiten für den Know-how- und Tech- Vereinbarung steht – Bestellung steht
standteile des Rumpfes; das ist der grösste nologietransfer anbieten, indem wir sie noch aus
und der am meisten Zeit beanspruchende zur Mitarbeit am Gripen-E-Programm ein- Am 24. August 2012 schlossen die schwedi-
Teil der Flugzeugzelle. Danach werden die laden. Dieses wird weiterhin die techno- sche Verteidigungs- und Sicherheitsexport-
einzelnen Komponenten zum kompletten logische Entwicklung vorantreiben und agentur (FXM) und ihr Schweizer Pendant
Flugzeug zusammengebaut. Anschliessend Arbeitsplätze schaffen – in Schweden und armasuisse eine Rahmenvereinbarung über
wird die Verkabelung durchgeführt sowie in anderen Ländern.» die Beschaffung von 22 Gripen E durch die
die Systeme und andere Ausrüstungen Dank der Implementierung von intelligen- Schweiz ab. Gemäss dieser Vereinbarung
werden eingebaut. Gegenwärtig sind über tem Design und innovativen technischen sollen die Kampfjets zwischen 2018 und
1000 Saab-Mitarbeiter ausschliesslich mit Lösungen verfügt der Gripen E über stark 2021 geliefert werden.
der Entwicklung und Produktion des Gri- reduzierte Produktions- und Betriebskos- Am 15. Februar 2013 unterzeichnete Saab
pen E beschäftigt. ten. Das Testflugzeug 39-8 wird die erste eine Vereinbarung mit der schwedischen
«Die jetzige Phase bedeutet einen Tech- komplette Vorserienversion des Gripen E Behörde für Verteidigungsmaterial (FMV)
nologiesprung für Saab und die globale sein und soll zur Demonstration neuer Aus- über die Entwicklung und Modifikation
Luftfahrt-Industrie. Wir können die Kons- rüstungen und Fähigkeiten eingesetzt wer- von 60 Gripen E für Schweden im Zeitraum
truktion des modernsten Kampfflugzeu- den. Die technologischen Neuerungen, die 2013–2026 sowie einen möglichen Produk-
ges mitentwickeln. Das Resultat ist ein den Gripen E auszeichnen, wurden im Rah- tionsauftrag für den neuen Gripen E durch
Kampfflugzeug mit noch höheren Fähig- men des Gripen-Demonstrator-Programms die Schweiz.
keiten und günstigeren Lebenszyklus- erprobt. Dabei war das Gripen-E/F-Demo-
Kosten», erklärt Lennart Sindahl, Leiter Flugzeug seit 2008 in mehreren Ländern
des Geschäftsbereichs Aeronautics von wie Schweden, Grossbritannien, Indien Max Ungricht/pd12 Military Aviation Cockpit 08 2013
Inside
PC-7 TEAM Backstage
Blick hinter die Kulissen
Während von «Patrouille Suisse Backstage» bereits
Fotos: Urs Mattle/Swiss Air Force
die zweite Auflage im Handel aufliegt, ist das Buch
«PC-7 TEAM Backstage» erschienen. Wiederum por-
trätieren die Autoren und Fotografen Urs Mattle und
Katsuhiko Tokunaga einen bekannten Formations-
kunstflugverband der Schweizer Luftwaffe.
Start zum Displayprogramm 2012 in der Formation «Flying Diamond»
aus der Sicht des rechten Flügelmannes (Turbo 6) Hptm Marc «Ebi»
Eberhart.
D
as Erstlingswerk «Patrouille Suisse
Backstage» entstand aus der Idee von
Urs Mattle. Nach dessen Erscheinen
im Jahr 2010 meldete sich Ernst Frei von
den Super Constellation Flyers und wollte
ebenfalls ein solches Buch. Das Buch «Super
Constellation Backstage» von Ernst Frei, Urs
Mattle und Katsuhiko Tokunaga erschien im
gleichen Layout beim Schweizer AS Verlag. 2013 2011 2010
Nach den Erfolgen der ersten zwei Bücher Die Bücher der Backstage-Reihe sind beim Patrouille Suisse Fanclub (www.patrouillesuisse.ch)
wollte der Verlag nun selber ein drittes veröf- oder im Buchhandel erhältlich.
fentlichen. Sie fragten wiederum Urs Mattle
an, der dem Verlag sofort ein Buch über das fotografierte die Formation des PC-7 TEAMs vor im Buch abgebildet sind. Abgerundet wird
PC-7 TEAM vorschlug. Und dieses Buch ist verschiedenen Kulissen. das Buch durch ein paar spektakuläre Bilder
nun am 27. April erschienen. des weltberühmten japanischen Fotografen
Keine Sonderflüge Katsuhiko Tokunaga, die jedoch mit zwei Aus-
Wetterpech und -glück Damit waren die Weichen gestellt und Matt- nahmen vor 2012 entstanden. Oft verwende-
Es war geplant, dass wie beim ersten Buch der le begleitete das Team während der gesam- te Mattle ein 14- oder 16-Millimeter-Objektiv,
Schweizer Urs Mattle die Bodenaufnahmen ten Saison 2012 als Fotograf. Er flog jeweils also ein sogenanntes Fischauge. Damit konnte
und der Japaner Katsuhiko Tokunaga die Flug- in den Trainings bei einem Piloten mit und er die gesamte Formation und nicht nur einen
aufnahmen machen sollte. Doch das Wetter fotografierte direkt aus der Formation. Am Ausschnitt ins Bild kriegen. Eine der grössten
veränderte den Verlauf der Planung bereits am Vorführtag selber fotografierte er das Team Herausforderungen bei den Aufnahmen war
zweiten Tag. Das PC-7 TEAM plante während vom Boden aus. Bei den Überflügen sass er in die Handhabung der Kamera bei den teilwei-
des Trainingskurses einen Überflug von Locar- der zehnten PC-7, der Reservemaschine, die se hohen G-Belastungen. Und der grösste Teil
no nach Dübendorf. Zwei Berufsbordfotografen jeweils vom Kommandanten pilotiert wird. der Arbeit fiel für Mattle durch die Nachbear-
der Luftwaffe sollten dabei aus einem Pilatus Für das Buch «PC-7 TEAM Backstage» wur- beitung der Aufnahmen an. Doch das Ergeb-
Porter und einer Pilatus PC-9 Luftaufnahmen den keine speziellen Fotoflüge organisiert. nis lässt sich sehen. Ein interessanter Blick in
machen. Doch dieser Einsatz musste wegen des Alle Bilder entstanden auf 22 Flügen wäh- das Leben der Piloten des PC-7 TEAMs von der
schlechten Wetters in der Deutschschweiz ab- rend den regulären Trainings- und während Einsatzbesprechung (Briefing) bis zum Feier-
gesagt werden. So entschied der Kommandant Überflügen. Bei den offiziellen Flugvorfüh- abendbier nach einer gelungenen Vorführung.
Oberst Werner Hoffmann, dass Mattle nicht mit rungen hingegen sind in der Regel keine Fo- Spektakuläre Flugbilder und ein Blick hinter
dem Zug, sondern als Fotograf in seinem Pilatus tografen im Flugzeug zugelassen, doch dafür die Kulissen wie zum Beispiel in die Werkstatt
PC-7 Turbo Trainer in die Deutschschweiz rei- schoss Mattle spannende Bilder der Vorfüh- runden das gelungene Werk ab.
sen sollte. Der rund 75 Minuten dauernde Über- rung aus der Sicht der Zuschauer.
flug war schliesslich der beste Fotoflug des Jah- Walter Hodel
res. Bei perfektem Fotowetter in der Südschweiz Bilderflut
und in den Alpen entstanden viele der Bilder, So entstanden schliesslich über 5500 Bilder Weitere Informationen zum Buch: http://mattle.
die nun im neuen Buch bestaunt werden kön- aus der Luft und vom Boden. Nach einer ers- net/pc7-backstage/und spezielle Informationen
nen. Ohne Vorbereitung flog Mattle in der zehn- ten Selektion blieben noch immer 2800 Bil- für Fotografen (EXIF-Daten der Bilder im Buch)
ten Maschine, pilotiert von Hoffmann, mit und der übrig, von denen schliesslich rund 100 http://mattle.net/pc7-backstage/photos/Unsere Technologie würde auch
Leonardo da Vinci begeistern.
Pilatus PC-12 NG. Für Menschen mit Visionen.
Leonardo da Vinci war seiner Zeit weit voraus. Wie er glauben wir an die Kraft von Visionen und besitzen die Kompetenz in Entwicklung
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PC-12_Cockpit_185x277_100613.indd 1 6/10/13 2:28 PM14 Civil Aviation Cockpit 08 2013
Paris Air Show
Freude herrscht
Foto: Thomas Strässle
Die 50. Ausgabe des Pariser Aérosalons war gekennzeichnet von einer wahren Bestellflut bei den beiden
grossen Flugzeughersteller Airbus und Boeing, aber auch die Turboprops befinden sich im Hoch. Boeing
lancierte die grösste Version des Dreamliners, während Embraer ein Modernisierungsprogramm für seine
bestehende E-Jet-Familie ankündigte, das Bombardier kaum Freude bereiten dürfte. Heimlicher Star war
jedoch der A350XWB, der sich gegen Ende der Show dem Publikum zeigte.
D
ie Jubiläumsausgabe der weltweit in der Nacht wähnte. Gewaltige Wassermas- kommen, um ihre Produkte anzubieten, 150
grössten Luftfahrtmesse in Le Bour- sen prasselten auf das Ausstellungsgelän- Flugzeuge konnten am Boden und in der
get begann mit lautem Getöse. Al- de nieder, Blitz und Donner wüteten über Luft bestaunt werden.
lerdings war die Geräuschkulisse zunächst der französischen Hauptstadt. Auch wenn
nicht kommerzieller Natur, indem die gros- das schlechte Wetter fast bis zum Schluss Endlich wieder eine A380-Bestellung
sen Hersteller neue Bestelleingänge ver- ständiger Begleiter des diesjährigen Aéro- Die grossen Töne der Industrie liessen in
kündeten, sondern sie hatte eine meteoro- salons blieb, liessen sich rund 315 000 Be- der Folge aber nicht lange auf sich warten.
logische Ursache. Am Vormittag des ersten sucher nicht davon abhalten, sich über die So gab Platzhirsch Airbus Aufträge für 446
Messetags braute sich ein mächtiges Gewit- neusten Entwicklungen der verschiedenen Flugzeuge im Gesamtwert von 68,7 Milli-
ter zusammen, um elf Uhr morgens war der Sparten der Luftfahrt zu informieren. Etwa arden Dollar bekannt, davon 241 Festbe-
Himmel so schwarz, dass man sich mitten 2200 Aussteller aus 44 Ländern waren ge- stellungen und 225 Kaufverpflichtungen.15
Foto: Airbus
Foto: Thomas Strässle
Links: Hersteller aus Ost und West brachten ihre Flaggschiffe nach Paris, wovon zahlreiche im
Flying Display zu bestaunen waren.
Oben: Gegen Ende der Woche stattete der A350XWB, der wenige Tage zuvor seinen Jungfern-
flug absolviert hatte, dem Aérosalon in einem kurzen Überflug einen Besuch ab.
Unten: Immer wieder faszinierend – der erste für British Airways bestimmte A380 bot täglich
eine eindrückliche Flugshow.
Den Löwenanteil heimste die A320-Familie Corporation, die eine Absichtserklärung für dieses Muster in Le Bourget um 69 Einhei-
ein: Vom Goldesel im Airbus-Stall konnte den Kauf von 20 Maschinen unterzeichnete ten zu und lag am Ende der Veranstaltung
der europäische Hersteller 371 Stück ver- und damit zum ersten Mal auf eigenes Ri- bei 678 Flugzeugen. Unterdessen hat auch
kaufen, 88 davon noch in der traditionel- siko in den Markt für A380-Leases eintritt. SAS acht -900 bestellt, die ab 2018 zur Flot-
len Triebwerkversion, aber mit «Sharklets». Bisher hatte Doric, die ihre neuen Gross- te stossen und geleaste A340-300 ersetzen.
Als grösste Kunden traten Easyjet und Luft- raummaschinen zwischen 2016 und 2021 Mit diesen Bestellungen hat das neue Air-
hansa mit Bestellungen für je 100 Flugzeu- übernehmen will, ihren Kunden lediglich bus-Flaggschiff einen weiteren Vertrauens-
ge in Erscheinung: Die Briten orderten 100 Finanzierungshilfen für dieses Flugzeug- beweis vonseiten der Fluggesellschaften
A320neo und 35 A320ceo, von denen ein muster gewährt. erhalten. Airbus-Chef Fabrice Brégier or-
grosser Teil für die Erneuerung der Flotte tet das Gravitationszentrum des Markts für
vorgesehen ist, während sich der Kranich A350 gut auf Kurs dieses Muster bei den grösseren Versionen
für je 35 A320neo und A321neo sowie 30 Und dann war natürlich auch der A350XWB -900 und -1000 und will ihnen eine entspre-
A320ceo entschied. in aller Munde, obwohl der neue Langstre- chend hohe Priorität bei der Produktion ein-
Aber auch im Segment der Langstrecken- cken-Twin physisch zunächst nicht anwe- räumen. Vor allem auch der gegenüber dem
jets durfte sich Airbus über grosse Verkaufs- send war. Mit den Festbestellungen von Ausgangsmuster -900 um sieben Meter ge-
erfolge freuen. So traf endlich wieder eine Air France/KLM (25 A350-900), Singapore streckte A350-1000 habe eine grosse Zukunft
Order für den A380 ein – zum ersten Mal in Airlines (30) und United Airlines (10 A350- vor sich und werde nicht nur gegen Boeings
diesem Jahr. Absender des Auftrags war die 1000) sowie der Absichtserklärung von Sri Dreamliner, sondern auch eine allfällige Boe-
deutsche Leasinggesellschaft Doric Lease Lankan (4 A350-900) nahm das Backlog für ing 777X bestehen, erklärte er in einem �16 Civil Aviation Cockpit 08 2013
Interview mit einem amerikanischen Fach- Faszination A380 ses Flugzeugtyps, die Boeing 787-10. Die-
magazin. Das Design für den -1000 ist mitt- Neben den Buchhaltern kamen in Paris trotz se wird gegenüber der Basisversion -8 um
lerweile eingefroren, die Endmontage soll in des misslichen Wetters natürlich auch die rund elf Meter gestreckt, bietet Platz für 300
der zweiten Hälfte 2015 beginnen. Zuschauer auf ihre Kosten. Im Static Dis- bis 330 Passagiere und soll über eine ma-
Zeitlich näher bei der Gegenwart liegt der play präsentierte Airbus je einen zur Auslie- ximale Reichweite von 12 964 Kilometern
Beginn der Serienfertigung des -900, die ferung stehenden, mit «Sharklets» versehe- verfügen. Endmontage und Flugtests be-
Ende dieses Jahres beginnen soll. Ab Ende nen A320 in den neuen Farben von Air New ginnen voraussichtlich im Jahr 2017, wäh-
2014 will Airbus die Produktion auf drei Zealand und TAM sowie einen A320-Ver- rend die Erstauslieferung ein Jahr später
Maschinen pro Monat hochfahren, danach suchsträger von Honeywell und Safran, der geplant ist. Mit 102 Festbestellungen und
sollen innerhalb von vier Jahren nach der etwas abseits der spektakulären Flugvorfüh- Kaufverpflichtungen von fünf Kunden darf
Auslieferung des ersten Exemplars an Qa- rungen das Rollen am Boden ohne Einsatz das grösste Mitglied der Dreamliner-Familie
tar Airways in der zweiten Jahreshälfte 2014 der Triebwerke, aber mit Hilfe von Elektro- mit einem ansprechenden Auftragspolster
zehn Flugzeuge pro Monat vom Band rol- motoren demonstrierte (siehe Kasten). Hö- an den Start gehen. Zu den Kunden, welche
len. Gerüchten, Airbus werde die kleinste hepunkt aus Airbus-Sicht waren die atembe- die 787-10 fix geordert haben, zählen Singa-
Variante -800 wegen ausbleibender Bestell- raubenden Überflüge des ersten, für British pore Airlines (30 Stück) und United Airlines
eingänge und Kaufverzichten möglicher- Airways vorgesehenen A380. Auch wenn (20), während GECAS (10), Air Lease Cor-
weise fallen lassen, trat der Airbus-Chef mittlerweile über 100 Exemplare des Airbus- poration (30) und IAG um British Airways
entschieden entgegen. Dieses Modell wer- Riesen ausgeliefert worden sind, staunt man und Iberia (12) jeweils Commitments un-
de gebaut, weil man bei Airbus seit jeher immer noch über dessen Wendigkeit! terzeichneten. Auffallend ist, dass vorläufig
dem Familiengedanken verpflichtet sei. Für keine der grossen Fluggesellschaften aus der
den A350-800 liegen nach dem Rückzug von Grösster Dreamliner lanciert Golfregion zu den Interessenten für dieses
Tunisair lediglich 89 Bestellungen vor. Konkurrent Boeing stand seinem europäi- Muster zählt. Für Emirates und Co. dürfte
Am drittletzten Tag der Veranstaltung er- schen Rivalen in nichts nach. Die Ameri- die 787-10 zu klein und zu spät verfügbar
wies der A350 dann dem Publikum in An- kaner präsentierten in der statischen Aus- sein. Mit dem Launch einer modernisierten
wesenheit von Präsident François Hollande stellung eine Boeing 787-8 von Qatar und Boeing 777, der 777X, wartete der amerika-
mit einem kurzen Überflug doch noch seine flogen täglich einen Dreamliner in den nische Hersteller in Paris dagegen noch zu.
Referenz. Es handelte sich dabei erst um den Farben von Air India vor. Zudem erfolgte Für Erleichterung sorgte im Segment der
dritten Flug von MSN001. der Startschuss für die längste Version die- sehr grossen Verkehrsflugzeuge Korean Air,
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die sich für den Kauf von weiteren fünf Boe- Die britische Odys-
ing 747-8I verpflichtete. Bekanntlich hatte sey Airlines hat zehn
Boeing für den Jumbo unlängst eine Verrin- CS100 bestellt und
gerung der Herstellungsrate von zwei Flug- will damit von Lon-
don-City aus ope-
zeugen pro Monat auf 1,75 bekannt geben
rieren.
müssen. Die Asiaten bestellten zudem sechs
777-300ER, ebenso wie Qatar Airways (9).
737MAX früher verfügbar
Foto: Bombardier
Auch zum Brot-und-Butter-Produkt, der
Boeing 737, gab Boeing Neuigkeiten be-
kannt. So ist der Zeitpunkt der Erstauslie-
ferung der Boeing 737MAX 8 an Southwest Die modernisierte
Airlines vom vierten auf das dritte Quar- Version der E-Jet-Fa-
tal 2017 vorverschoben worden. Der Grund milie von Embraer
dafür sei, dass man Risikotechnologien aus besteht nur noch aus
drei Mitgliedern, das
dem Programm genommen habe, erklärte
grösste unter ihnen,
Scott Fancher, Leiter der Entwicklungspro-
der E-195-E2, soll bis
gramme der Verkehrsflugzeugsparte. Joe zu 132 Passagiere
Ozimek, Marketingleiter der MAX-Familie, befördern können.
pries die Vorzüge der modernisierten 737
in den höchsten Tönen: «Eine 737MAX 8
verbraucht acht Prozent weniger Treibstoff
Foto: Embraer
pro Sitz als ein A320neo, ist um neun Pro-
zent leichter und bietet erst noch zwölf Sitze
mehr. Dazu ersetzen wir im Cockpit die bis-
herigen sechs kleineren Bildschirme durch Mit der mexikani-
vier grosse, die wir vom Dreamliner über- schen Interjet hat die
nehmen.» Insgesamt konnte Boeing in Paris erste «westliche»
Bestellungen und Verpflichtungen für 117 Airline einen Superjet
100 übernommen.
MAX-Flugzeuge verbuchen, aber auch die
737NG erfreut sich anhaltender Beliebtheit,
wie die von einer Kaufverpflichtung in eine
Festbestellung umgewandelte Megaorder
Foto: Thomas Strässle
von Ryanair für 175 737-800 eindrücklich
belegt. Unter dem Strich verkaufte Boeing
in Paris 442 Flugzeuge mit einem Wert von
mehr als 66 Milliarden Dollar und lag damit
praktisch gleichauf mit Airbus. Der Dreamliner ist
zurück: Boeing führte
Brasilianische Konkurrenz für CSeries eine Boeing 787-8
Im Schatten der beiden Grossen des Zivilflug- in den Farben von
Air India täglich im
zeugbaus schlug Embraer etwas leisere, aber
Flug vor.
nicht weniger bedeutsame Töne an. Die Süd-
amerikaner lancierten nämlich ein allseits
erwartetes Modernisierungsprogramm für
Foto: Thomas Strässle
ihre erfolgreiche E-Jet-Familie. Es trägt den
Namen «E2» und besteht im Gegensatz zur
ersten Generation der Regionaljetfamilie
nur noch aus drei Mitgliedern: dem E175-
E2, dem E190-E2 sowie dem E195-E2. Mit Kleiner Verkaufs-
88 Plätzen bietet das kleinste Modell etwas erfolg für Bombar-
mehr Platz als der bisherige E-175, das mittel- dier: Arik Air aus Ni-
grosse behält die Sitzkapazität seines Vorgän- geria bestellte drei
CRJ1000, von der in
gers E-190 (bis zu 106), während der grösste
Le Bourget ein Exem-
E195-E2 bis zu 132 Passagieren Platz bietet
plar von Garuda zu
und damit zum direkten Konkurrenten für sehen war.
die CSeries avanciert. Die Flugzeuge erhal-
ten einen überarbeiteten Flügel, eine Fly-by-
Foto: Thomas Strässle
wire-Flugsteuerung der vierten Generation,
verbesserte Avionikkomponenten sowie vor
allem neue Triebwerke mit Untersetzungs-
getriebe. Das PW1700G für den kleine- �18 Civil Aviation Cockpit 08 2013
ren E175-E2 und das PW1900G für die beiden grösseren Muster brin- Auto-mobiles Verkehrsflugzeug
gen laut Hersteller eine Verbesserung der Verbrauchswerte und eine Der hohe Treibstoff-
Reduktion des Schadstoffausstosses und des Lärms, die im zweistel- preis und die nega-
ligen Bereich liegen. Als erstes Muster soll der E190-E2 in der ersten tiven Auswirkungen
Hälfte 2018 in Dienst gehen, gefolgt vom E190-E2 im Jahr 2019 und auf die Umwelt sind
dem E175-E2 ein Jahr später. Die Entwicklungskosten beziffert Em- in der zivilen Luft-
braer auf 1,7 Milliarden Dollar. Auch die ersten Verkäufe konnte der fahrtindustrie ein
Hersteller bereits vermelden: SkyWest orderte gleich 100 E175-E2 Dauerthema. Kein
fest und sicherte sich ebenso viele Kaufrechte, während ILFC Ab- Wunder, macht man
sichtserklärungen für je 25 E190-E2 und E195-E2 (plus ebenso viele sich immer wie-
Optionen für jedes der beiden Muster) abgab. Zudem liegen Embraer der Gedanken, wie
weitere Letters of Intent für 65 Maschinen von Kunden aus Afrika,
Fotos: Thomas Strässle
dem Problem beizu-
Asien, Europa und Lateinamerika vor. kommen ist. Damit
Verkehrsflugzeuge
Lufthansa: vorläufig keine weitere CSeries-Bestellung während des Rollens
Etwas weniger Grund zur Euphorie hatte Bombardier. Zwar konn- Sprit sparen können,
ten die Kanadier mit Arik Air wieder einmal einen neuen Kunden haben Honeywell
für den CRJ1000 gewinnen, von dem der nigerianische Carrier drei und Safran ein Joint-
Stück fest bestellt hat. Die afrikanische Airline bestellte zudem vier venture gegründet
Q400NextGen, ebenso wie Horizon Air aus Seattle, die drei Exemp- und das EGTS (Elec-
lare des schnellen Turboprops bestellte und damit Optionen in Fest- tric Green Taxiing System) entwickelt. Das System beruht auf einem
bestellungen umwandelte. Aber weitere Bestellungen für die CSeries an den äusseren Rädern des Hauptfahrwerks angebrachten Elekt-
blieben aus, auch wenn Bombardier mit Odyssey Airlines einen bis romotor, der von der APU angetrieben wird und es dem Flugzeug
anhin nicht öffentlich genannten Kunden als Abnehmer von zehn erlaubt, mit abgeschalteten Triebwerken vorwärts und rückwärts zu
CS100 publik machte. Bei Odyssey handelt es sich um eine Neugrün- rollen und Kurven zu fahren. Nach einer zweimonatigen Versuchs-
dung, die beabsichtigt, Geschäftsreisende mit knappen zeitlichen phase, in deren Verlauf das Flugzeug rund 160 Kilometer am Boden
Ressourcen ab London-City zu anderen Finanz- und Handelsmetro- zurückgelegt hatte, wurde die neue Technologie in Le Bourget an
polen zu befördern. Kanadische Medien berichten, es könnte sich einem A320 vorgeführt. Das etwa 300 Kilo schwere EGTS soll die
dabei um Ziele an der amerikanischen Ostküste und im Mittleren Blockfuel-Kosten durchschnittlich um vier Prozent reduzieren, was
Osten handeln. Adam Scott, der junge CEO von Odyssey, meinte in einer Einsparung von 200 000 bis 250 000 Dollar pro Flugzeug und
Paris, die CS100 sei für den Betrieb von kurzen Pisten geeignet und Jahr entspricht. Beim Versuchsträger geschieht die Steuerung noch
ermögliche neue Märkte ab dem Londoner Stadtflughafen. in der Kabine mittels eines Joysticks. Zu den Herausforderungen der
Ein ähnliches Einsatzspektrum will auch die kanadische Porter Zukunft gehören die Frage, wie sich das System vom Cockpit aus
Airlines abdecken, mit dem Unterschied allerdings, dass deren Aus- steuern lässt, sowie der Anspruch, die Manövrierbarkeit auch bei
gangsflughafen, der Toronto City Airport, noch nicht für den Jetbe- voller Zuladung zu gewährleisten und Bedenken der Hersteller be-
trieb freigegeben ist. Wenn es so weit ist, will Porter Städtepaare, züglich Sicherheit zu zerstreuen. Honeywell und Safran wollen das
die innerhalb einer Flugzeit von zweieinhalb Stunden liegen, mit- EGTS nächstes Jahr zertifizieren, sodass es ab 2016 auf Flugzeugen
einander verbinden und etwa von Toronto nach Vancouver, Los der neusten Generation eingebaut werden kann. Es gibt auch Über-
Angeles und Miami fliegen. legungen, das System dereinst als Retrofit anzubieten. Laut Honey-
Ob Swiss ihre erste CS100 tatsächlich erst Anfang 2015 überneh- well-Chef Tim Mahoney sind rund 50 Airlines am EGTS interessiert,
men wird, wollte Nico Buchholz, verantwortlich für Flugzeugein- darunter Air France. ts
käufe bei der Lufthansa-Gruppe, gegenüber COCKPIT weder de-
mentieren noch bestätigen: «Die Entscheidung, wann das erste
Flugzeug übernommen wird, liegt bei Swiss, nicht bei Lufthansa. Billigfluglinie Interjet, einen wichtigen Meilenstein vollziehen. Die
Es ist eines der Privilegien des Erstkunden, das Flugzeug dann zu Marktprognose des Herstellerkonsortiums United Aircraft Corpo-
übernehmen, wenn er es braucht.» Konfrontiert mit der Tatsache, ration (UAC), zu dem auch Suchoi gehört, geht für den Superjet von
dass sich im CSeries-Mock-up, das in Le Bourget ausgestellt war, einem Bedarf von 800 Flugzeugen aus. Laut dem Chef von UAC,
unter anderem Piloten von Eurowings und Brussels Airlines das Mikhaïl Pogosyan, ist geplant, die Produktionsrate ab Juli auf drei
Cockpit vorführen liessen, und dadurch Spekulationen zu mög- Flugzeuge monatlich zu erhöhen, 2014 sollen sogar eineinhalbmal
lichen weiteren CSeries-Bestellungen durch den Lufthansa-Kon- so viele Superjets pro Monat vom Band rollen wie im laufenden
zern genährt wurden, meinte Buchholz: «Eine Entscheidung für Jahr. Bis Ende dieses Jahres erwartet Pogosyan 26 Auslieferungen,
zusätzliche neue Flugzeuge mit weniger als 150 Sitzen wird dieses 2014 sollen es bereits 40 Superjets sein.
Jahr nicht mehr fallen. Für die andern Konzerngesellschaften ist Frohlocken durfte schliesslich auch der Turboprophersteller ATR,
der Handlungsbedarf in diesem Segment derzeit noch nicht gross. der den diesjährigen Aérosalon als den besten seiner Geschichte
Lufthansa CityLine beispielsweise fliegt im Moment den CRJ und bezeichnete und 173 Bestellungen, davon 83 feste, erhielt. Allein
den Embraer 190, bei Austrian und Germanwings haben wir ja die das dänische Leasingunternehmen Nordic Aviation Capital (NAC)
A319 in der Flotte. Wenn es aber so weit ist und wir die 737 Classic erteilte Aufträge für 90 Flugzeuge der -600-Familie, wovon 35 fixe
und ältere A319 ersetzen müssen, kommen beide Modelle, sowohl Orders für 30 ATR 72-600 und fünf 42-600 sind. Gemäss NAC-Chef
die CS100 als auch die CS300, infrage.» Martin Møller besteht vor allem in Asien sowie Süd- und Mittel-
amerika eine hohe Nachfrage nach Turboprops.
Premiere für den Superjet
Die russischen Flugzeughersteller konnten mit der Übergabe des
ersten Superjet 100 an einen westlichen Kunden, die mexikanische Thomas Strässle19
Flughafen Wien
«Durch
wachsen
optimis
Foto: G. Mader
tisch ...» Auf dem halbrunden Zentralgebäude der Terminalerweiterung Check-in 3 gibts in Wien nach
vielen Jahren nun wieder eine von aussen zugängliche Besucherterrasse.
Am Flughafen Wien hat sich in den letzten Jahren viel getan. Nach den Wirrnissen um den letzten Endes zur
Lufthansa-Tochter mutierten Homecarrier AUA, einem jahrelangen Verfahren um die dritte Piste sowie kriti-
sche Bauskandal-Rechnungshofberichte gibt es neue Gesichter und – verhalten – aufwärts weisende Zahlen.
ern sollte sich – aus heutiger Sicht – etwa auf Kundenzufriedenheits-Awards wohl weni-
Foto: VIA
dem Niveau von 2012 entwickeln, man peile ger. Zwar sind die Österreicher notorische
zirka 65 Millionen an. Die Nettoverschuldung «Raunzer», aber der Autor hat bisher kei-
sollte deutlich sinken und unter dem 2,9-fa- nen Reisenden getroffen, der das ehemals
chen Ebitda, also unter 680 Millionen liegen. Skylink getaufte Synonym für Fehlpla-
Als Investitionsbedarf für 2013 werden etwa nung positiv sieht. Der Flughafen hat ver-
115 Millionen Euro angegeben. sus die Kritik gemischte Gefühle; zwar gibt
Jener offizielle Jahresausblick erscheint Mag. Jäger zu, dass «wenn wir es jetzt neu
nach Bekanntgabe des 1. Quartals 2013 als planen könnten, wir sicher vieles anders
ziemlich ambitioniert. Der Umsatz konn- machen würden», verweist aber auf den
te darin zwar um 4,9 % auf 145,9 Millionen einwandfrei funktionierenden Check-in-
gesteigert werden, ein langer Winter (bis Prozess oder fast keine Wartezeiten bei den
Anfang April), ein deutlicher Einbruch bei Sicherheitskontrollen mehr oder deutlich
den Passagierzahlen sowie die Abschrei- grössere Shopping- respektive viel mehr
Der Autor lernte den Tiroler Mag. Julian Jäger bungen für das Check-in 3 lassen die Ge- Sitzflächen.
(41) als umgänglichen Manager kennen, mit winne aber ziemlich einbrechen. Das Ebit- All das stimmt, kann aber – und das wird
dem offen gesprochen werden kann. da lag nach drei Monaten nur 4,3 % unter auch nicht bestritten – nicht darüber hin-
Vorjahr, beim Ebit wurde mit 18,1 Millio- weghelfen, dass in manchen Bereichen wie
P
arallel zu den Umbauten alter Schal- nen jedoch schon um 40,5 % weniger als zum Beispiel rund um die Wartebereiche
terhallen schlagen sich nach wie vor im Vorjahr erzielt. Drastisch weggebro- der Gates einfach zu wenig Platz ist. Es gibt
nötige Adaptierungen des im Juni chen ist somit der Gewinn im ersten Quar- ebenso nicht ausreichend genug Lifte zwi-
2012 eröffneten und nun fast 750 Millionen tal 2013, welcher nur noch bei 9,5 Millio- schen den nach Ankunft, Abflug und Trans-
Euro teuren Check-in-3-Terminals ebenso nen (Vorjahr: 21,6 Mio.) liegt. fer getrennten Geschossen, die Rolltreppen
negativ nieder, wie zu kleiner Langstrecken- Die Passagier- und Frachtdaten entwickeln sind viel zu eng dimensioniert. Weiter sind
anteil. Cockpit-Mitarbeiter Georg Mader sich dieses Jahr auch negativ. Vom Januar bis Toiletten auf anderer Ebene als der Abflug,
hat sich in Schwechat umgesehen und mit April sanken die Passagierzahlen um 2,6 % sehr wenig Platz zwischen den Spitzen der
einem der beiden CEOs gesprochen. auf 6,21 Millionen und als Folge der Sparbe- Gepäcksbänder und der Ankunftshallen-
Nach Einschätzung von Julian Jäger (42), des mühungen bei vielen Fluglinien (AUA, Air wand, «suboptimale» Verbindung, sprich
seit September 2011 gemeinsam mit Günther Berlin, Lufthansa usw.) sanken die Flugbe- lange Wege vom Altbestand zum neuen
Ofner tätigen Vorsitzenden der Geschäftslei- wegungen um satte 6,9 % auf 71 511. Eben- Terminal sowie zu den Parkhäusern. Julian
tung, erwartet die Flughafen Wien AG für das so ging der Luftfrachtanteil um 7,5 % auf Jäger sagt, man werde gewisse Dinge noch
Jahr 2013 ein Passagier-Plus von 1 bis 2 %, ei- 81 414 Tonnen zurück. Trotzdem wurde ein ändern können, bei anderen Bereichen gehe
nen Rückgang bei den Bewegungen von –1,5 knapp «schwarzes» Zwischenergebnis für das aus baulichen und planerischen Grün-
bis –2,5 % und eine gleichbleibende Entwick- ein schwieriges Quartal erreicht; Wien hofft den für die nächsten Jahre nicht.
lung beim Höchstabfluggewicht (MTOW). auf die Sommerreisezeit beziehungsweise Was die sich wohl noch Jahre hinziehenden
Vor diesem Hintergrund bewertet man die Wiens Faktor als «verlässliches Tourismus- rechtlichen «Nachbeben» – wie zum Bei-
Geschäftsaussichten für 2013 als grundsätz- ziel» und als boomende Kongressstadt ... spiel wegen illegaler Absprachen oder der
lich optimistisch. Man erwartet eine Steige- sogenannten Planer-Haftpflicht – des Sky-
rung des Umsatzes auf 625 Millionen und eine Sorgenkind Check-in 3 link-Debakels betrifft, hat der Flughafen,
deutliche Steigerung beim Ebitda auf zirka Architekturpreise mag der schwarze Ter- teils in Schlichtungsverfahren, bisher zir-
230 Millionen Euro. Das Ergebnis nach Steu- minalquader vielleicht einmal gewinnen, ka 25 Millionen Euro zurückerhalten, �20 Civil Aviation Cockpit 08 2013
Links: Der Blick im der nahen Schwechater OMV-Ölraffinerie
Check-in 3 nach Os- bisher gleich nach dem Start in Richtung 29
ten, auf der unteren obligaten Steigflugkurve nach links, zumin-
Ebene erfolgen alle
dest für Turboprop-Flugzeuge. Dies würde
Ankünfte. Dort «ver-
schmelzen» Ankom- startlärmgeplagte Gebiete südlich Wiens
mende, Abholer und entlasten.
Fahrtendienste.
Achilles-Ferse Langstrecke
Unten: Bis 2005
Mit einem Langstrecken-Anteil von nur
lief für die mögliche
dritte Wiener Piste 6,5 % rangiert Wien am unteren Ende Eu-
Foto: G. Mader
das grösste Umwelt- ropas, dessen Durchschnitt liegt bei 15 %.
mediationsverfahren Diesbezüglich wird seitens des Flughafens
Europas. hervorgehoben, dass «uns mit dem neu-
en AUA-Chef Jan Albrecht nichts Besseres
hätte passieren können». Als ehemaliger
Star-Alliance-CEO wirke er unterstützend,
um den einen oder anderen Carrier nach
Wien zu bekommen, beziehungsweise wie
er selbst sagt, «Wien wieder auf die Weltkar-
te zu bringen ...».
Offenbar erfolgreich. Denn ab 2. Septem-
ber wird EVA-Air, die kürzlich in jene welt-
weit grösste Airline-Allianz aufgenommen
wurde, die Frequenzen zwischen Taipeh
und Wien – via Bangkok – auf vier Flüge
pro Woche aufstocken. Gleichzeitig wird
Grafik: VIA
auch Thai Airways – ebenfalls in der Star-
Alliance – Wien neu ins Streckennetz auf-
nehmen. 2014 könnte ein weiterer Alli-
mehrere Verfahren gegen ehemalige Auf- aber, dass es für den Standort Wien ein ganz anz-Partner eine Verbindung nach Wien
tragnehmer sind aber noch hängig. wesentlicher Wettbewerbsvorteil ist, wenn aufnehmen, mit Ethiopian Airlines gibt es
man 3680 m Pistenkapazität auf den Markt erste Gespräche. Die heimische AUA – je-
Dritte Piste «werfen» kann. Daher ist die Freude über der neue Langstrecken-Carrier bedeutet für
Im Gegensatz zu fast allen Flughäfen Eu- den erstinstanzlich positiven UVP-Bescheid die Lufthansa-Tochter zusätzliche Transfer-
ropas ist Wien tatsächlich platzmässig in (Umweltverträglichkeits-Prüfung) gross. Es Passagiere – fliegt selbst im dritten Versuch
der Lage, eine dritte Start- und Landebahn ist aber noch zu früh, um mit Austrocon- seit Ende Juni neuerlich fünf Mal die Woche
– sie ist planerisch bereits als 11R/29L mit trol über die technischen Details wie Mi- nach Chicago, 70 % der US-Passagiere wol-
2400 m Länge parallel südlich zum «alten» krowellen-Landesysteme oder den in der len von dort über Wien nach Osteuropa und
Runway 11/29 festgelegt – überhaupt an- Mediation von Fluglärm-Bürgerinitiativen bestätigen damit laut AUA die traditionelle
zudenken beziehungsweise planen zu kön- geforderten «gekurvten» Anflug ins Detail Rolle Wiens als Ost-Hub. Für 2014 sind New-
nen, sollte man eine neue Piste denn auch zu gehen. Wiewohl man aber darauf hin- ark, Schanghai, Osaka und Hongkong am
brauchen. Dies ist die Linie des Flughafens. weist, jene Verfahren grundsätzlich reali- Radar. Weiter hört man von Johannesburg
Wie sicher deren Realisierung ist, will Jäger sieren zu wollen. oder San Francisco.
nicht in Prozenten ausdrücken. Man baue Derzeit prüft die österreichische Flugsiche-
sie nur, wenn sie notwendig sei. Man glaubt rung übrigens die Aufweichung der wegen Georg Mader
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