Gänsehaut- VHS Velbert/Heiligenhaus
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Heiligenhauser Seniorenzeitung · Nr. 102 · Juni 2020
Herausgeber: Volkshochschule Velbert / Heiligenhaus
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Bitte mi
Gänsehaut-
Momente
Stationen eines Lebens · Geborgenheit · Wiedersehen in der
Deutschen Bahn · Der Schrei der Freiheit · Denn erstens
kommt es anders und zweitens · Glück mal zwei ·
Gänsehaut für die Seele · Ein wohltuendes Gänsehautgefühl ·
Die alte Bauernkate · Buchvorstellung · TermineDas Rundum-Konzept für eine umfassende Pflegeversorgung.
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Beratung und KostenklärungHeiligenhauser Seniorenzeitung Nr. 102 · Juni 2020 Herausgeber: Volkshochschule Velbert / Heiligenhaus
Gänsehaut-Momente
Liebe Leserin und lieber Leser, wie bei mir, beim Lesen des Artikels von Jörg
Potthaus. Plötzlich war meine Lebenspha-
im Januar begannen wir mit der se mit Mikis Theodorakis und Griechenland
Redaktionsarbeit. Die Corona wieder sehr lebendig.
Pandemie war noch weit ent-
fernt... Bei Redaktionsschluss So wie überhaupt Musik, Liebe, Freundschaft
Ende April sind wir mittendrin in einer nie ge- und Familie immer wieder Situationen mit
kannten Krise, die uns wahrlich laufend Gän- Gänsehaut hervorrufen und sehr wichtige
sehaut verursacht. Stationen in unserem Lebens sind und waren.
Wir sind verunsichert, ängstlich, hilflos oder Und hier fiel mir bei allen Artikeln auch ein
entdecken neue Solidarität und Werte. tröstlicher Spruch von Jean Paul ein, den ich
aus Jugendjahren kannte:
Das Leben rückt wieder in den Vordergrund.
Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus
Unsere Redaktion übt das Home Office und dem wir nicht vertrieben werden können.
will Sie trotz allem unterhalten. Und die Ar-
tikel zeigen, wieviel Reichtum auch in unserer
Erinnerung liegt, in ganz besonderen Momen-
ten. Ein Schatz, der uns auch in aktuellen Nö- Die Redaktion wünscht Ihnen Gesundheit,
ten helfen kann. Entweder, weil sie überwun- Energien und gute Erinnerungen.
den sind – so wie in den beiden Artikeln von
Ihre
Marianne Fleischer - oder auch noch einmal
Ursula Schwarze
nach Jahrzehnten Glücksgefühle auslösen, so
Stationen eines Lebens Glück mal zwei
Marianne Fleischer.............................................................................. 2 Armin Merta....................................................................................... 12
Geborgenheit Gänsehaut für die Seele
Ute Moll............................................................................................... 4 Martina Müller................................................................................... 14
Wiedersehen in der Deutschen Bahn Ein wohltuendes Gänsehautgefühl
Dagmar Haarhaus............................................................................... 6 Lore Loock......................................................................................... 16
Der Schrei der Freiheit Die alte Bauernkate
Jörg Potthaus....................................................................................... 8 Helga Licher...................................................................................... 18
Denn erstens kommt es anders und zweitens Literatur und die Gänsehaut
Rosemarie Koch................................................................................. 11 Ruth Ortlinghaus................................................................................ 20
Buchtipp:
Eric-Emmanuel Schmitt: „Oskar und die Dame in Rosa“ ............... 21
1Wir Älteren – Gänsehaut-Momente
Die Orgelpfeifen, 1 Jahr vor der Flucht
ten Züge der nach Deutschland, nach Dres-
Stationen eines Lebens den fahren sollte. Alle wußten, dass es eine
Marianne Fleischer der letzten Möglichkeiten sein würde vor der
heranrückenden Front zu fliehen. Meine Mutter
hatte jedem von uns „Älteren“ ein jüngeres Ge-
Schicksalsmomente schwisterkind anvertraut, da sie fürchtete, sich
in dem Gedränge nicht um alle kümmern zu
A
ls ich in den letzten Tagen immer wieder können. Mir hatte sie meine Schwester Monika
Bilder über das Kriegsende im Fernse- an die Hand gegeben (9 Jahre alt).
hen sah, hatte ich eines Nachts einen
Traum, den ich schon sehr lange nicht mehr Der Zug kam. Er hielt, die Türen öffneten
hatte. Ich lief mit meinen zwei Enkelinnen an sich und dann passierte etwas, was ich nicht
der Hand auf einem Bahnsteig an einem Zug erwartet hatte. Die Menschen stürzten sich
entlang, konnte ihn aber nicht erreichen. Die schreiend auf die Stufen vor den Zugtüren,
Lokomotive stieß einen stürmten durch die Türen, stießen alle zur Sei-
te die ihnen im Weg waren, Fenster wurden
schrillen Pfiff aus und ich erwachte schweiß- geöffnet, Gepäckstücke in den Flur geworfen.
gebadet. Die Ursache für diesen Traum war Meine Mutter, die meinen jüngsten Bruder auf
ein schreckliches Erlebnis auf unserer Flucht dem Arm trug, wurde in den Zug hinein ge-
aus Oberschlesien in den letzten Kriegstagen schoben. Wir wurden zur Seite gestoßen und
1945. Damals stand meine Mutter mit uns fünf erreichten die Treppen nicht. Meine Brüder
Kindern auf einem Bahnhof in der damaligen schafften es durch Fenster in den Zug zu klet-
Tschechoslowakei und wartete mit uns und tern. Wir Mädchen schafften es nicht. Monika
vielen hundert Menschen auf einen der letz- und ich liefen verzweifelt am Zug entlang in der
2Wir Älteren – Gänsehaut-Momente
Hoffnung noch irgendwo reinzukommen. Die
Menschen hingen aber bereits in Trauben auf
den Trittbrettern. Wir waren schon fast an der
Lokomotive angekommen. Sie stieß zunächst
grauen, dann weißen Dampf aus dem Schorn-
stein aus.
Ein Heizer schaute aus dem Fenster der
Heizungskabine und sah uns allein schreiend
auf dem Bahnsteig stehen. Er sprang aus der
Lok, rannte auf uns zu, nahm jede von uns auf
einen Arm, rannte zurück, schob uns die Stu-
fen hoch, schlug die Kabinentür hinter uns zu Bereit zur großen Reise
und setzte uns auf ein paar Säcke neben einen
Haufen schwarz glänzender Steinkohle. Ein unvergeßlicher Augenblick
M
Die Lokomotive stieß einen schrillen Pfiff aus itte März 1959. Mein Mann und ich
und ratterte los. Der Heizer öffnete eine Klappe stehen ganz vorn an der Reling des
des Heizungskessels, aus dem eine Höllenglut italienischen Passagierschiffes „Ame-
herausschlug, warf zwei Schaufeln Kohle in rigo Vespucci“. Wir befinden uns mitten auf
den Schlund und schloß die Klappe wieder. dem Atlantik, um uns herum nur Wasser, kein
Land in Sicht! Wir haben Genua und das Mit-
Wir glaubten uns in der Hölle, so groß war telmeer hinter uns gelassen, die Straße von Gi-
die Hitze. Bald aber wurde uns bewusst, daß braltar passiert, haben einen kurzen Zwischen-
wir im fahrenden Zug saßen. Es war warm stopp in Teneriffa gemacht und sind jetzt weit
nach der Eiseskälte auf dem Bahnsteig, wir draußen auf dem Meer. Das Wasser ist ganz
waren gerettet! Der Heizer reichte uns lächelnd ruhig, ab und zu hört man eine kleine Welle an
einen Becher Tee aus seiner Thermoskanne. den Rumpf des Schiffes schlagen. Die Moto-
Er hatte uns das Leben gerettet! Wir wären auf ren machen ein leises Hintergrundgeräusch.
dem Bahnsteig bei dem eisigen Schneetreiben Ab und zu leuchtet ein kleines Schaumkrön-
sicher erfroren. chen im Licht des Mondes auf, der vom mit
Mitreisende aus dem Zug hatten das Ret- Tausenden von Sternen übersäten Abend-
tungsmanöver beobachtet und gaben die himmel auf uns herableuchtet. Es ist noch der
Nachricht im Zug weiter: „Die Mädchen sind Sternenhimmel den wir kennen, der Himmel
drin im Zug“. Diese Nachricht erreichte auch der nördlichen Halbkugel. Wir entdecken den
unsere Mutter, die sich große Sorgen gemacht „Großen Wagen“ und den „Polarstern“. Bald
hatte. Erst Stunden später, als die Lokomoti- wird der südliche Sternenhimmel über uns zu
ve Wasser tanken und Kohle bunkern mußte, sehen sein mit dem „Kreuz des Südens“ und
konnten wir zu unserer Mutter umsteigen. fremden Sternenbildern. Am Horizont ist noch
Wenn ich heute im Fernsehen Bilder von ein heller Streifen des Abendhimmels zu se-
Kindern in Flüchtlingslagern sehe, wünsche hen, um uns her aber nur Wasser. Zum ersten
ich ihnen von Herzen, auch Menschen zu be- Mal sehen wir, dass die Erde rund ist.
gegnen, die ihnen einen Kanister mit Trinkwas- Es sieht so aus, als befänden wir uns auf
ser bringen, oder eine warme Decke und ein dem höchsten Punkt einer Kugel und es geht
wenig Wärme! nach allen Seiten abwärts. Ich sehe zum ers-
ten Mal in meinem Leben bewusst, daß die
Erde eine Kugel ist. Wir kommen uns vor wie
3Wir Älteren – Gänsehaut-Momente
die einzigen Menschen auf der Welt – nur wir
zwei und unsere kleine Familie. Unsere beiden
kleinen Söhne liegen fest eingepackt in ihren
Schlafsäcken in der Kabine, bewacht von einer
netten Zimmer-Stewardess und unser kleiner
blinder Passagier ruht sicher unter meinem
Herzen.
Wir haben alles hinter uns gelassen, unsere
Wohnung aufgelöst, die Sachen die wir mit-
nehmen durften in Kartons gepackt und mit
einem Frachtschiff vorausgeschickt. Wir sind
auf dem Weg in ein fremdes Land, auf der an-
deren Halbkugel, mit fremden Menschen, einer
fremden Sprache in einer Wüsten-Oasenstadt
auf 2300 m Höhe. Freunde von uns haben uns
gebeten beim Aufbau einer Begegnungsschu-
le zu helfen. Sie selbst leben dort bereits seit
einem Jahr mit Kindern, die das Klima gut ver-
tragen. Wir haben uns entschlossen den Neu-
Anfang zu wagen. Wir wollen alles hinter uns
lassen was wir erlebt haben: ich, nach einer lie-
bevoll umhegten Kindheit in einer Großfamilie,
die Flucht aus Oberschlesien und die spätere
Flucht aus der DDR, mein Mann den Krieg, er
wurde bereits mit 18 Jahren Soldat und ver-
brachte dann drei Jahre in Kriegsgefangen-
schaft in Frankreich. Wir sind voller Erwartung
und Vorfreude auf unser „Neues Leben“! Wir Geborgenheit
kommen uns vor wie die ersten Menschen auf Ute Moll
Entdeckerfahrt. Fünf Jahre liegen vor uns – pa-
W
radiesisch schöne Jahre – wie wir im Nachhi-
enn ich in meine Gefühlswelt tauche
nein feststellen werden, Jahre, die uns verän-
und erlebte Gefühle erinnern möch-
dern werden. Es tut uns gut, unsere Heimat
te, brauche ich sehr viel Ruhe, um
Deutschland auch mal aus der Ferne zu sehen
in diese tiefen inneren Räume zu gelangen.
und als „Ausländer“ in einem fremden Land zu
Diesmal mit dem Auftrag, nach “Gänsehaut-
leben!
Momenten“ zu suchen.
Den Moment auf dem Schiff, aber Hand in
Es kam ein ganzes Gewirr gelebten Lebens
Hand mit meinem Mann – allein auf dem Meer
und prägender gravierender Momente zum
– habe ich nie vergessen. Es war einer der
Vorschein, Schaudergeschichten und Glücks-
schönsten Augenblicke meines Lebens!
gefühle. Ich entschied mich für Glücksgefühle.
Es war in der Vorweihnachtszeit, und ich
erlebte in meinem Umfeld, bei Freunden, Be-
kannten und Nachbarn, wie sie immer weniger
Zeit zum Verabreden hatten, immer geschäf-
tiger wurden. Manchmal begegnete mir auch
4Wir Älteren – Gänsehaut-Momente
Hektik mit Fragen wie: „Was soll ich schenken, gelegt. Wir lernten uns gnadenlos von unserer
was soll ich kochen und backen, was soll ich an Schattenseite kennen und abstoßen.
den Feiertagen anziehen?“ Meine eigenen Fra-
Heute weiß ich, dass wir überempfindlich
gen waren: „Soll ich selbst einladen oder lieber
und uns durch überhöhte Erwartungshaltun-
warten, ob ich eingeladen werde?“ Diese Fra-
gen in einen neuen Kennenlernprozeß hinein-
gen belasteten mich, obwohl die beschriebe-
manövriert hatten.
ne Hektik bei mir abwesend war. Stattdessen
nahm die Vorstellung von mir Besitz, alle seien Jede erlebte auch an diesem Ort und in die-
an den Festtagen in ihren „heilen“ Familien und ser Konstellation ihre gefürchtete Einsamkeit,
Beziehungen eingetaucht, ohne mich. Diese bis wir begriffen, dass Weihnachten eigentlich
Vorstellung, als Horror empfunden, obwohl das Fest der Liebe ist und wir uns darin üben
mein Kopf noch die Fantasie hatte, dass ich können, andere zu lieben und nicht nur selbst
auch auf Singlereisen gehen könnte, brachte geliebt werden wollen. Fast hätten wir uns
mir schon gar keine Adventsstimmung. durch unser egoistisches Verhalten den Sinn
von Weihnachten und das Auftanken auf die-
Lange Rede, kurzer Sinn, meine Freundin
ser schönen Insel verpasst.
Katharina war in einer ähnlichen Gefühlsverfas-
sung, und wir verabredeten eine Weihnachts- Jede von uns nahm sich und ihre überzo-
reise zur Nordseeinsel Norderney. genen Vorstellungen zurück und wir tausch-
ten unsere Gefühlssituation aus. Von nun an
Eine ansprechende Wohnung war schnell
konnten wir liebevoller miteinander umgehen
gebucht und eine kleine, aber andersartige
und Wanderungen und Inselerlebnisse mitei-
Vorfreude stellte sich bei mir ein. Andersartig
nander teilen. Gemeinsam besuchten wir die
auch deshalb, weil wir beide uns zwar etliche
Inselkirchen, und meine Freundin begleitete
Jahre kannten, aber noch nie zusammen in
mich gerne auf der Suche zu der Kirche mei-
einer Ferienwohnung gelebt hatten, und wir
ner Kindheit, in der ich so oft mit meiner Familie
wussten, dass wir im Alter sehr eigenwillig und
hineingegangen war, um am Gottesdienst teil-
speziell geworden waren. Es war also schon
zunehmen.
ein Abenteuer.
Begeistert vom Meer, Strand und dem klei-
nen Inselort gingen wir froh gestimmt durch Volkshochschule
die weihnachtlich geschmückten Straßen, lie- Velbert / Heiligenhaus
ßen es uns in einem originellen Speiserestau-
rant schmecken und bezogen danach unsere
Wohnung, die bei der Ankunft einen modernen
Aktuelles finden Sie
und pfiffigen Eindruck gemacht hatte.
im Programmheft, unserer
Im Rückblick fing genau zu diesem Zeit- Homepage und auf unserer
punkt die Herausforderung eines abenteuer- Facebook-Seite
lichen Miteinanders mit einem Schlafzimmer
und einem kombinierten Wohnzimmer mit
Schlafcouch und Einbauküche an. Jede von
uns hatte andere Gewohnheiten, Vorstellun-
gen und Erwartungen an diese besonderen www.vhs-vh.de
Tage. Über Küchennutzung und Tagesgestal- info@vhs-vh.de
tung fingen wir nun an zu streiten. Die erhofften 02051 94 96 0
weihnachtlichen Gefühle waren erst mal auf Eis
5Wir Älteren – Gänsehaut-Momente
Wiedersehen in der
Deutschen Bahn
Dagmar Haarhaus
I
m Juni 2013 wanderte ich mit meiner Freun-
din auf der letzten Etappe des Jakobswegs
von Astorga nach Santiago de Compostela.
Mittags ruhten wir aus, manchmal nur in der
Natur, und stärkten uns mit Müsliriegeln und
Wasser. Aber es gab auch hin und wieder eine
Gastwirtschaft am Weg, wo wir uns stärken
konnten. Um die restlichen Kilometer weiter-
hin gut durchzustehen, verzichteten wir auf ein
üppiges Mittagessen, bevorzugten lieber eine
Diese römisch katholische Kirche Stella Ma- Käseplatte und tranken dazu ein kleines Bier.
ris ist 1931 erbaut worden im Stil der neuen So auch am vorletzten Tag unserer Wande-
Sachlichkeit. Seit 2006 ist sie restauriert und rung. In fast fußläufiger Nähe zum Endpunkt
durch Flüchtlinge und Tourismus ein beliebtes waren wir voller Vorfreude und genehmigten
und gut besuchtes Gotteshaus. Wir gingen uns eine etwas längere Pause. Wir bestellten
auf die Empore, um die beeindruckende Taufe das Übliche. Die Käseplatte, das Brot, dazu
eines polnischen Kindes genauestens mitzu- Bier, dämpften unser Hungergefühl. Am Tisch
bekommen. Der Pastor hielt nach der Tauf- gegenüber saß eine Wanderin, die uns durch
zeremonie das noch gewickelte Kind für alle ihre knallgelbe Sonnenbrille auffiel, mit großen
sichtbar in die Höhe und sagte: das ist Martha. Gläsern.
Es war ein berührender Moment.
Wir grüßten gegenseitig und tauschten ein
Die Akustik des Kirchengebäudes war ein- Lächeln. Kurze Zeit später zahlte sie und kam
fach wunderbar. Wir sangen etliche Lieder mit an unseren Tisch. Wir baten sie, Platz zu neh-
und genossen die feierliche Stimmung. Am men. Noch ahnte ich nicht, was sich aus die-
Ende des Gottesdienstes erschallte das Lied ser Begegnung für mich entwickeln würde.
aus meiner Kindheit: „Meerstern ich Dich grü-
ße, oh Maria hilf. Maria hilf uns allen aus unserer Unsere Wanderin stellte sich mit Namen
tiefen Not.“ Meine Freundin und ich fassten un- Awilda vor, ein gebräuchlicher Vorname in
sere Hände und wir sangen aus „voller Brust“ Puerto-Rico. Lange Jahre hatte sie als Opern-
mit. Ich bekam eine Gänsehaut und fühlte mich sängerin in Deutschland gelebt, war aber
durch die wieder belebte Erinnerung und durch nach ihrer Scheidung nach Seattle gezogen.
die wieder erlangte Nähe zu meiner Freundin Dort heiratete sie erneut einen deutschen,
wunderbar geborgen. Wir konnten uns wieder sehr bekannten Klaviervirtuosen mit Vorna-
herzlich umarmen und eine festliche Stimmung men Hartwig. Wir waren fasziniert von ihrer
erleben. Persönlichkeit, mussten aber leider das Ge-
spräch beenden, um unser Tagesziel zu er-
reichen. Versäumt hatte ich, nach ihrer Ad-
resse zu fragen, so dass ein weiterer Kontakt
nicht gegeben war. Aber irgendwie bekam
ich diese Begegnung nicht aus dem Kopf.
6Wir Älteren – Gänsehaut-Momente
Wir erreichten Santiago de Compostela zwei
Tage später und gönnten uns am Ankunftstag
ein
köstliches Abendessen, im ersten Haus am
Platze, dem „Parador Reis Catolicos“. Wir hat-
ten die Wander-Etappe gut geschafft. Das war
der erste Gänsehautmoment, ein weiterer soll-
te folgen.
Die letzten Stunden bis zur Heimreise ver-
brachten wir in der Stadt in einem Straßenca-
fe. Und wie aus heiterem Himmel sahen wir
Awilda mit schnellem Schritt auf unseren Tisch
zusteuern. Wir begrüßten uns herzlich. Da sie
auf dem Weg zur Kathedrale war, hatten wir
gerade noch Zeit, unsere Adressen auszu-
tauschen. Nach der Verabschiedung steckte
ich voller Freude den Zettel in meine Tasche.
Kaum war ich wieder zu Hause, bekam ich
elektronische Post aus Seattle. Das war wie-
der ein Gänsehautmoment, der sich zu einem
jahrelangen Schriftwechsel entwickelte, wobei
Awilda mir auf Englisch schrieb und ich auf mich, als endlich der Zug angekündigt wurde.
Deutsch antwortete. Nun sind sieben Jahre Awilda hatte mich schon beim Einfahren auf
vergangen und ein Ordner füllte sich mit un- dem Bahnsteig entdeckt, und kaum hatte ich
serem Email-Schriftverkehr. Obwohl ich des den Wagen betreten, kam mir Awilda bereits
öfteren nach Seattle eingeladen wurde, hatte entgegen. Wir fielen uns in die Arme, und die
ich bisher nicht den Mut, die Reise anzutreten, ersten Freudentränen benetzten unsere Wan-
da ich unter Flugangst leide. gen. Sie nahm mich an die Hand und führte
mich zu ihrem Sitzplatz, wo Hartwig schon auf
Aber das Schicksal meinte es gut mit uns. mich wartete. Wir kannten uns nur vom Telefon
Während einer gerade zu Ende gegangenen oder dem Email-Austausch. Aber es war eine
kleinen Europareise des Ehepaares wurde mir so herzliche Begrüßung, dass überhaupt keine
vorher berichtet, dass man von Hamburg aus Fremdheit aufkam. Nach Ankunft in Koblenz
mit dem Zug nach Koblenz reisen wollte. Diese erreichten wir kurze Zeit später das Hotel, in
Gelegenheit des Wiedersehens wollte ich mir dem wir unsere Zimmer gebucht hatten. Nicht
nicht entgehen lassen. So konnte ich in Erfah- lange blieben wir dort, sondern feierten unser
rung bringen, an welchem Tag und um welche Wiedersehen ein wenig in der Hotelhalle, bevor
Uhrzeit der Zug in Wuppertal hielt und in wel- wir dann zum Abendessen aufbrachen.
chem Wagen die Sitzplätze reserviert waren
Nach der Rückkehr ins Hotel wollte Hartwig
Bei meinem Kartenkauf konnte ich im ruhen, während Awilda und ich noch sehr lan-
gleichen Wagen auch einen Sitzplatz be- ge in meinem Zimmer gesessen haben. Wir
kommen und ich musste nur pünktlich am konnten es kaum fassen, dass sieben Jahre
Bahnsteig stehen, damit das Wiedersehen vergangen waren, als wir uns auf dem Jakobs-
stattfinden konnte. Die Uhrzeiger schlichen weg begegneten. Mein mitgebrachtes Album
dahin, und die Aufregung wollte sich nicht sorgte für Momente der Erinnerung. Größer
legen. Der Gänsehautmoment übermannte aber war das Erstaunen darüber, dass wir
7Wir Älteren – Gänsehaut-Momente
uns während der gesamten Jahre nicht aus darauf folgenden politischen Erschütterungen
den Augen verloren haben. Geholfen haben dazu geführt hatten, dass die seit sieben Jah-
der rege Email-Verkehr und lange Telefonge- ren in Griechenland regierende faschistische
spräche. Dabei haben wir viel Privates ausge- Militärjunta gestürzt worden war. Das Geburts-
tauscht, und ich glaube, dieses hat geholfen, land der Demokratie, seit sieben Jahren von
dass wir das Gefühl hatten, uns erst kürzlich KZ-ähnlichen Straflagern, Foltergefängnissen
getroffen zu haben. und Zensur aller Lebensbereiche überzogen,
konnte endlich wieder aufatmen. Es gab be-
Nach dem Frühstück, am nächsten Morgen,
reits eine Übergangsregierung, die ersten
hatten wir noch etwas Zeit zur angeregten Un-
freien Wahlen seit den Jahren der Dunkelheit
terhaltung, bevor dann der Abschied nahte.
standen kurz bevor.
Vielleicht werde ich doch einmal meine
Den Tag über hatten wir uns durch Athen
Flugangst überwinden können, um Awil-
treiben lassen, waren auf der Akropolis, hat-
da und Hartwig in Seattle zu besuchen.
ten im Altstadtviertel Plaka gut gegessen und
Das wäre dann auch wieder ein Gänsehaut-
getrunken. Die Aufbruchsstimmung der Men-
moment.
schen, ihre Erleichterung, ihre Freude über das
Ende der Diktatur waren mit Händen greifbar,
und als wir dem Kellner zur neu gewonnenen
Der Schrei der Freiheit Freiheit, der „Eleftheria“, gratulierten, ging un-
sere ganze Rechnung aufs Haus.
Jörg Potthaus
Wir schlenderten weiter durch die Gassen,
1
viele davon mit roten Nelken bekränzt (si-
0. Oktober 1974. Vor zwei Tagen über cherlich als Reminiszenz an die vor wenigen
die damals noch gesamtjugoslawische Monaten erfolgreiche „Nelken-Revolution“ in
Grenze gekommen, hatte ich, zusam- Portugal) und ließen uns von den fröhlichen
men mit zwei Freunden, am Morgen Athen er- Menschenmassen mittreiben.
reicht. Wie sich das damals gehörte, waren wir
den ganzen weiten Weg, u.a. über die Balkan- Seit einiger Zeit schon war uns aufgefallen,
route und den als „Todespiste“ berühmt-be- dass an jeder verfügbaren freien Wand, jedem
rüchtigten Autoput in einem unverwüstlichen Bauzaun, jeder Telefonzelle oder Litfaßsäu-
VW-Bulli gekommen, Campingausrüstung in- le eine Vielzahl von immer gleichen Flugblät-
klusive. Dass es so spät in der Jahreszeit ge- tern angebracht war, offenbar ziemlich primitiv
worden war, hatte mit der seit dem Sommer durch Matrizen gekurbelt und mit einem Klecks
anhaltenden Zypern-Krise zu tun, die fast zu Leim hastig und meist schief fixiert, allerdings
einem Krieg zwischen den NATO-Partnern für uns unlesbar, da in griechischer Schrift.
Griechenland und Türkei geführt hatte. Einige Wir fragten einen jungen Mann, der Englisch
Monate intensiver politischer und militärischer sprach, nach dem Inhalt. Seine Antwort warf
Unruhen, die eine solche Reise als wenig sinn- uns um: Heute noch würde Mikis Theodorakis,
voll erscheinen ließen, lagen nun hinter uns. der berühmteste Grieche, aus seinem Pariser
Jetzt war die griechische Grenze wieder offen Exil heimkehren und, das war die eigentliche
und wir konnten endlich in das Land unserer, Sensation, gleich am Abend im Karaiskakis-
wenn auch auf typisch deutsche Weise ver- Stadion von Piräus sein erstes Konzert nach
klärten Sehnsucht hinein. Das einzig Positive der langjährigen Verfolgung geben.
an der Besetzung eines Teils Zyperns durch
die türkische Armee (die das Land übrigens
bis heute spaltet) war die Tatsache, dass die
8Wir Älteren – Gänsehaut-Momente
Mikis Theodorakis zurück – wir konnten es Der Militärputsch von 1967 brachte ihm er-
kaum fassen! Die Stimme des demokratischen neut Haft und zahlreiche Torturen ein, seine
Griechenlands, und das seit Jahrzehnten Musik wurde in ganz Griechenland verboten.
schon. Erst eine internationale Kampagne von Künst-
lern und Politikern brachte ihm die Freilassung.
1925 geboren, kämpfte er - als Kreter hatte
Von seinem Pariser Exil aus gab er, zusammen
er die Sehnsucht nach Freiheit ohnehin ganz
mit seinem Orchester und der ebenfalls exilier-
tief verinnerlicht - bereits als junger Mann ge-
ten Sängerin Maria Farantouri, weltweit über
gen die italienischen und deutschen Invasoren,
1000 Konzerte, um auf das Schicksal seiner
was diese ihm mit Haft, Prügel und brutaler
Heimat aufmerksam zu machen. Und nun also,
Folter vergolten. Nach dem Zweiten Weltkrieg
an diesem 10. Oktober 1974, die Rückkehr in
ereilte ihn das gleiche Schicksal noch einmal,
die griechische Heimat!
als er von seinen monarchisch und nationalis-
tisch gesinnten Landsleuten auf der KZ-Insel Da ich selbst kurz einmal als Student auf
Makronissos inhaftiert und so brutal misshan- einer seiner Europa-Tourneen als Hilfsarbeiter
delt wurde, dass er nur wie durch ein Wunder (Kabel- und Mikroträger) für ihn tätig gewe-
überlebte. sen war und eine Anzahl seiner charismati-
schen Konzerte miterlebt hatte, fiel es mir nicht
Nach seiner Freilassung avancierte er schnell
schwer, meine Freunde dazu zu bringen, den
zum berühmtesten Komponisten Griechen-
Bulli auf einem öffentlichen Parkplatz stehen zu
lands, dazu schrieb und sang er, dirigierte ein
lassen und sich mit mir mittels Bus und Stra-
eigenes Orchester, engagierte sich politisch
ßenbahn Richtung Piräus aufzumachen.
auf der Linken. Weltruhm erlangte er, als er die
Musik für den Film „Alexis Sorbas“ mit der be- Während der Fahrt waren die Straßen
rühmten Tanzszene am Schluss schrieb. schwarz vor Menschen, die, als wir das alte
Karaiskakis-Stadion erreicht hatten, zu einer
9Wir Älteren – Gänsehaut-Momente
unübersehbaren Menge angeschwollen wa- diesem ewig langgedehnten Laut, einem Laut,
ren. Und obwohl die Fußballarena „nur“ 60.000 wie ich ihn weder auf Rockkonzerten noch bei
Zuschauer fasste, kamen wir irgendwie rein, Fußballspielen jemals zuvor und auch nachher
mussten uns auf eine heillos überfüllte Stehtri- nie mehr wieder gehört habe. Ein alles überla-
büne quetschen und darauf gefasst sein, eini- gernder Aufschrei voller sich entladender Wut,
ge Stunden so verbringen zu müssen. aber auch einer unglaublichen Bereitschaft für
Neues, noch nie Dagewesenes, vielleicht der
Aber damals ging das noch, unsere Körper
Augenblick, in dem die Utopie wahr wurde,
waren mit Anfang 20 noch hinreichend intakt.
hier an diesem Ort, am 10. Oktober 1974, in
Mitten auf dem Fußballfeld stand eine hastig diesem Schrei, dem Schrei der Freiheit.
zusammengezimmerte Holzbühne, beleuch-
Als Theodorakis die ersten Liedverse an-
tet von funzeligem Flutlicht und umrahmt von
stimmte, „Was du einmal gewesen bist, wirst
wenig Vertrauen erweckenden Boxentürmen,
du wieder sein“, ging der Schrei über in einen
auf der Bühne die Mikros und die Instrumente,
orkanartigen Jubel, ich bekam einen Stoß von
alles auf die Schnelle improvisiert. Die Span-
hinten, fand mich dann eine Reihe von Stufen
nung stieg ins Unermessliche. Wo sonst die
unterhalb meines Stehplatzes wieder. Meine
Anfeuerungsrufe der Fans von Olympiakos
Freunde hatte ich völlig aus den Augen ver-
Piräus zu vernehmen waren, dominierten jetzt
loren. Ich verfolgte das Konzert wie in Trance
die Sprechchöre der Zuschauer, die sehn-
bis zum Ende. Zum Schluss sangen der kre-
lichst auf das Erscheinen ihres Idols warteten:
tische Riese und das ganze Stadion gemein-
„Übergebt die Junta dem Volk! Nieder mit der
sam „Weine nicht um das Griechentum“, die
Diktatur! Es lebe die Demokratie!“. Und mitten
Grundmauern der alten Sportstätte wankten,
hinein in diese Kakophonie, die kurz vor ihrem
und irgendwann zog mich der Menschenstrom
ekstatischen Höhepunkt stand, richteten sich
auf die Straßen, spülte mich auf magische
große Scheinwerfer auf den Kabinenausgang,
Weise bis zurück in die Athener Innenstadt und
aus dem sonst vor jedem Spiel die Fußballer
wundersamer Weise fand ich sogar unseren
herausmarschierten. Für einen kurzen Augen-
Bulli wieder.
blick herrschte eine gespenstische Stille. Dann
kam als erster ein Mann die Treppe aus den Die Freunde kamen erst lange Zeit später,
Stadion-Katakomben hochgestiegen: zwei schweißüberströmt, sprachlos, erschüttert
Meter groß, die Schultern ganz leicht nach vorn und glücklich wie ich selbst. Den Schrei der
gebeugt, der Kopf bedeckt von einer wilden, Freiheit an jenem Oktoberabend in Piräus, ich
lockigen Mähne, bekleidet mit einem einfachen habe ihn nicht vergessen, bis heute nicht und
Leinenanzug ganz in Schwarz. Der Mann hob ich werde ihn bis zum Ende meines Lebens
die Hand und winkte. nicht vergessen.
Ein Gänsehaut-Moment, der Gänsehaut- Und jedes Mal, wenn ich Bilder aus dem Sta-
Moment? Viel mehr! Das Blut schien mir in den dion sehe, alte Videos, You-tube-Ausschnitte
Adern einzufrieren, aber im gleichen Moment oder das damals mitgeschnittene Konzert auf
begann es auch unbändig zu kochen und heiß den Plattenteller lege, ist er wieder da, der
zu brodeln, beides! Dieser Schrei, als Theo- Schrei – und im gleichen Moment die Gänse-
dorakis mit seiner Band und den Sängern aus haut, die sich über meinen ganzen Körper legt.
dem Stadiontunnel kam! Zehntausende Men-
Im Juli 2020 wird Theodorakis, inzwischen
schen schrien, als fiele eine tausendjährige
sehr krank, aber ungebrochen und so Gott will,
Sklaverei von ihnen ab, dabei waren es nur sie-
95. Chronia Pola, Mikis!
ben Jahre gewesen, aber sieben sehr schlim-
me Jahre – und von denen befreiten sie sich mit
10Wir Älteren – Gänsehaut-Momente
Denn erstens kommt es
anders und zweitens …
Rosemarie Koch
S
chon mehrfach habe ich in meinen Ar-
tikeln darüber geschrieben, dass Musik
in unserer Familie eine wichtige Rolle
spielte. Sowohl als Musiker mit eigenem Ins-
trument, als auch als Zuhörer bei Konzerten
oder Medien, wie Schallplatten, Radio, Fern-
sehen usw.
Einen großen Anteil an unserem musischen irgendwo eine Melodie erklang, sangen wir
Interesse hatte mein Vater, Jahrgang 1926. einfach so mit. Die Musik beeinflusste unsere
NUR DER NAME IST NEU
Auf alten Fotos ist er schon als Kind im Alter Stimmung erheblich.
von 8 Jahren mit einem Akkordeon zu sehen.
ObwohlSeit mehr
er nie als 40 Jahren
Musikunterricht gehörte
hatte, spieltedas Im vorigen Jahr
er Architekturbüro Frankverstarb mein Vater
Engelhardt zu denim Alter
bekannten
alles, was Adressen
er hörte und was ihmnicht von fast 93
nur in der Region
gefiel. undJahren.
standInfür
denArchitektur
letzten Monaten
und war
er wird
gesundheitlich
auch sonicht mehr Denn
in der Lage,
die an
Nachumfassende
Ende des 2. Bauherrenbetreuung.
Weltkrieges und seinerDasFeiern und
bleiben!
Aktivitäten
RückkehrMitarbeiter, die Ihnen
aus russischer in ihrer bisherigen
Gefangenschaft bes- ses Funktion als Ansprechpartner zur Hau-
außerhalb seines
teilzunehmen. Aber Musik hören und mit-
serte erVerfügung standen,mit
sein Einkommen bleiben Ihnen erhalten und
zwei Freunden, sind auch in Zukunft ein Garant
zusingen bereitete ihm bis zum Schluss großes
einem für Kontinuität, Kundenorientierung
Schlagzeuger, einem Gitarristen und und Qualität. Für Sie besteht also weiterhin
Vergnügen. Auch die Besuche seiner Enkelin
seinem umfassende
Akkordeon, Bauherrenbetreuung
an Wochenenden in rund Lo- um die Architektur.
erfreuten ihn sehr, besonders wenn sie auf
kalen und bei Feiern auf. Eine weitere Leiden- dem Akkordeon spielte.
schaft gehörte den Schallplatten, von denen er
im Laufe seines Lebens eine stattliche Samm- Durch die körperliche Einschränkung meines
lung zusammentrug. Vaters hatte meine Mutter ebenfalls auf Besu-
che bei Feiern und Treffen verzichtet.
So wuchsen wir, meine Geschwister und
ich, schon von klein auf in einem musikalischen Ich wusste, dass sie auch gerne Musik, un-
Elternhaus auf. Die Texte zu den Melodien lern- ter anderem von den Don Kosaken, hörte. Also
ten wir so nebenbei beim Zuhören, und wenn besorgte ich Karten für ein Konzert, das im
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11Wir Älteren – Gänsehaut-Momente
Oktober in Essen stattfinden sollte. Wir freuten rend der Trauerrede über einige Begebenheiten
uns beide, seit langer Zeit wieder einmal etwas aus dem Leben meiner Mutter sogar lächeln.
gemeinsam zu unternehmen. Noch dazu ein
Einige Tage später fand das Konzert der Don
Konzert zu besuchen. Leider kam es anders.
Kosaken in Essen statt, welches ich gemein-
Sie erkrankte im September so schwer, dass
sam mit meiner Tochter besuchte. An diesem
ihre Kräfte nicht mehr zur Gesundung aus-
Abend hatten wir beide eine Gänsehaut.
reichten. Sie starb wenige Tage vor dem Be-
such des geplanten Konzertes.
Ich entschloss mich, ihre Trauerfeier mit ei-
nem bekannten Lied „Die Abendglocken“, ge- Glück mal zwei
sungen vom Chor der Don Kosaken, beginnen Armin Merta
zu lassen. Die tiefen Glockenschläge zu Be-
I
ginn, die dunklen Bassstimmen der Don Ko-
saken erzeugten auf meinen Armen eine Gän- ch glaube, ich bin ein wenig nahe am Was-
sehaut, die langsam bis zu den Haarspitzen ser gebaut. Das macht sich bemerkbar,
kroch. Gefühlt standen meine Haare zu Berge. wenn ich ganz überraschend etwas Wun-
derbares erlebe oder erzählt bekomme. Auch
Ich sah zu dem Bild meiner Mutter am Al- besonders gut ausgehende Filme, bei denen
tar. Sie lächelte mich an, und ich glaubte, ihre ich mit den Personen „leide“, die einfach ein
Hand auf meiner Hand zu spüren. Ich versank Happy-End verdient haben, lassen ab und zu
in den Gesang des russischen Chores. die Augen feucht werden.
Obwohl ich kein Wort des Textes verstand, Vereinzelt gab es das auch bei Schülerinnen,
die Sprache war mir fremd, ging eine tiefe Ver- die ihre gesamte Schulzeit bei mir der Note 2
trautheit von diesem Lied aus. Meine Trauer standen, aber bei der Abiturprüfung notenmä-
wich einer inneren Ruhe, und ich konnte wäh- ßig plötzlich stark daneben lagen. Sie mussten
ins Mündliche. Ich versetzte mich als Prüfer in
12Wir Älteren – Gänsehaut-Momente
die Seele und in die Gedanken dieser jungen zelten und lachten sogar und nahmen es nicht
Menschen und bereitete natürlich den Richt- ernst. Es war ja der 1.April. Den Scherz fanden
linien entsprechende Prüfungsaufgaben vor, wir sehr gelungen. Ich weiß nicht mehr, wie
von denen ich annahm, dass sie diesen Teilbe- sich unsere Tochter nun gefühlt haben muss.
reich des Stoffs so beherrschten, dass sie das Sie zeigte uns ein Ultraschallbild. Auch zu dem
Abitur einfach bestehen mussten. Die feucht Zeitpunkt glaubten wir noch an einen April-
gewordenen Augen ließ ich mir danach mög- scherz. Aber dann zückte sie als Beweis ihren
lichst nicht anmerken. frischen Mutterpass. Nun erst erkannten wir,
dass wir wirklich Großeltern werden sollten.
Im Frühling 2007 kam für meine Frau und
Jetzt brach es in uns durch. Tränen der Freude
mich etwas hoch Emotionales auf uns zu. Es
vermischten sich mit dem Glückwunsch an die
ging hier nicht nur um die Tatsache, sondern
Tochter und den Gedanken, in etwa sechs Mo-
um die Art und Weise, wie uns zwei Glücksbot-
naten ein Enkelkind zu bekommen. Ich habe in
schaften hintereinander überbracht wurden.
dem Moment aber nicht geprüft, ob sich bei
Es war am 1.April. Unsere Tochter besuchte uns auch Gänsehaut bildete, vermutlich schon.
uns. Wir kamen ins Gespräch. Worüber wir da
Etwas später kam unser Sohn mit seiner da-
redeten – wahrscheinlich gerade etwas über
maligen Verlobten zu uns. Dass die Beiden im
unsere Erlebnisse der letzten Zeit – weiß ich
Mai heiraten wollten, wussten wir schon einige
nicht mehr. Dafür aber blieb uns der folgende
Monate. Unser Sohn hatte von der Schwan-
Dialog im Gedächtnis. Unsere Tochter teilte
gerschaft seiner Schwester erfahren. Die Bei-
uns mit, dass wir im Herbst Großeltern werden
den gratulierten uns zu dem bevorstehenden
sollten. Ich kann mir vorstellen, dass andere
Ereignis im Herbst. Wir bedankten uns bei ih-
Eltern nun sofort gejubelt hätten. Wir schmun-
nen, dass sie so mit uns fühlten und uns dieses
Johanniter bieten Hausnotruf
mit kontaktloser Installation
Hilfe auf Knopfdruck auch während der Corona-Pandemie
Bis ins hohe Alter selbstständig in den eigenen vier Wänden leben und sich dabei sicher fühlen – das wünschen sich
viele Menschen. Der Hausnotruf kann dafür ein wichtiger Baustein sein. Auch während der aktuellen Corona-Pandemie
möchten die Johanniter dieses Angebot Interessenten ermöglichen.
Daher ist es ab sofort möglich, den Hausnotruf ohne persönlichen Kontakt zu bestellen und zu installieren. Klaus
Domhan, Leiter Soziale Dienste der Johanniter im Kreisverband Mettmann, klärt auf: „Auspacken, an die Steckdose
anschließen und mit einem Knopfdruck in Betrieb nehmen. Fertig“. Neue Gerätetypen mit der sogenannten Plug-and-
Play-Technologie ermöglichen es, den neuen Kunden das Gerät per Post oder als verpacktes Gerät vor die Wohnungs-
oder Haustür auszuliefern und es ihn selbst einschalten zu lassen. Im Paket wird eine Schnellstartanleitung mitgeliefert.
„Benötigen die Kunden zusätzliche Hilfe, stehen ihnen telefonisch Ansprechpartner zur Verfügung, die sie dabei
unterstützen“, so Domhan weiter.
Weitere Informationen finden Sie unter 02102 70070-80 oder im Internet unter www.johanniter.de/hausnotruf.
Johanniter-Unfall-Hilfe e. V.
Kreisverband Mettmann, Kölner Str. 16, 40885 Ratingen, Tel. 02102 70070-80
hausnotruf.mettmann@johanniter.de, www.johanniter.de/mettmann
13Wir Älteren – Gänsehaut-Momente
Glück gönnten. Wir kamen nicht auf die Idee, Natürlich nahmen wir nun regen Anteil an
die Beiden zu fragen, ob sie da ein wenig nei- Tochter und Schwiegertochter (sie hatte inzwi-
disch wären. Es war einfach wunderbar, sich schen geheiratet). Da die erste Enkelin etwas
auf dieses bevorstehende glückliche Ereignis früher kam als geplant, die zweite etwas spä-
gemeinsam zu freuen. ter, lagen die Geburtstage dann genau 4 Wo-
chen auseinander, wieder Momente mit Gän-
Nun überreichte uns unser Sohn eine pas-
sehaut und voller Glück.
sendes Ultraschallbild mit der Aufschrift „Hallo
Oma! Hallo Opa!“. Wir fanden das sehr origi-
nell und freuten uns sehr darüber. Den wahren
Grund für diese Karte mit dem Foto erahnten Gänsehaut für die Seele
wir im ersten Moment nicht. Aber jetzt durften
wir ihn erfahren. Das war nicht irgendeine Ultra-
Martina Müller
schallaufnahme. Es war das Foto von unserer
zukünftigen 2.Enkelin. Wir wissen nicht mehr,
bei welcher Nachricht von der bevorstehenden
Gänsehautmomente – wie verschie-
Geburt einer Enkelin wir mehr Gänsehaut be- den die Auslöser sein können!
kamen. Auf jeden Fall brachen bei uns emotio- Es können Momente der Freude, des Glücks
nal wieder alle Dämme. Beide Geburten waren und der Anteilnahme sein. Aber auch Momen-
im Herbst zu erwarten und dann noch fast zur te der Kälte, der Angst oder der Erregung. Ein
gleichen Zeit. Das haute uns einfach um. politisches Ereignis kann Gänsehaut verursa-
chen, denke ich an die Öffnung der Berliner
Mauer im November 1989. Dieser Abend war
hochemotional. Tausende Ostberliner zogen
14Wir Älteren – Gänsehaut-Momente
zu den Grenzübergängen und verlangten die kau“. Ich fragte meine Tochter, ob sie mit mir
sofortige Maueröffnung. Und Stunden später in das Ballett gehen würde. Sie war erst nicht
dann die Bilder von den jubelnden Menschen- so begeistert. Als ich ihr erzählte, dass wir vor
mengen, die in den Westen strömten. Jahrzehnten schon einmal zusammen in dieser
Ballett Vorführung waren, war sie sofort einver-
Ein Musikstück kann uns so stark berühren
standen mich zu begleiten. Doch so kurz vor
und verzaubern, dass es Gänsehaut hervor-
Weihnachten dachte ich nicht mehr daran die
ruft. Zwischenmenschliche Kontakte können
Karten zu besorgen.
uns im Negativen wie im Positiven berühren.
Es kam der 1. Weihnachtstag. Am 1. Weih-
Wie schön ist es zu erfahren, wenn die eige-
nachtstag kommen meine Kinder mit ihren Fa-
nen Kinder Eltern werden. Wie schön ist es, als
milien immer zu mir. Wir Erwachsenen wich-
Oma die Enkelkinder im Arm zu haben und das
teln, das heißt, jeder zieht im Vorfeld einen
neue Leben mitzuerleben.
Zettel und beschenkt ein Familienmitglied. Ich
Ich bin ein sehr positiver Mensch und ver- bekam eine tolle große Brotbackform und ei-
binde Gänsehautmomente mit gravierend nen Roman von einem meiner Lieblingsschrift-
schönen Erlebnissen. So erlebte ich an Weih- steller. Doch da lag noch ein Umschlag für
nachten des letzten Jahres einen besonderen mich, er war von meiner Tochter. Ich öffnete
Gänsehautmoment. Vor über 30 Jahren ging den Umschlag und darin war ein Gutschein:
meine Tochter zum Ballettunterricht. Sie ging „Schwanensee“.
noch zur Grundschule. Ich schenkte ihr zu
„Danke Mama, dass Du immer für uns da
Weihnachten eine Karte für die Ballettauffüh-
bist. Du bist die beste Mama der Welt“. Ja, das
rung „Schwanensee“. Wir waren beide begeis-
war ein überwältigender Gänsehautmoment.
tert.
Einige Tage vor Weihnachten des letzten
Jahres entdeckte ich im Spielplan des Ratin-
ger Kulturkalenders die Veranstaltung „Schwa-
nensee, Klassisches russisches Ballett Mos-
Niederbergischer Trinkgenuss
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15Wir Älteren – Gänsehaut-Momente
Nachdem der letzte Satz gesprochen war,
Ein wohltuendes blieb es auf den Kirchenbänken zuerst ganz
Gänsehautgefühl still, dann aber setzte ein unglaublicher Ap-
plaus ein. Die Zuschauer, oder besser gesagt
Lore Loock die „Zuhörer“, waren anscheinend mit unserer
Darbietung sehr zufrieden.
E
s ist doch sonderbar, wie sich gefühlvoll Auf einmal kam er wieder zurück, dieser
Lebenssituationen wiederholen können. kurze Augenblick von damals. Dieses unbe-
Und weil mir so etwas mal passiert ist, schreibliche Gefühl, das ich in meiner Schul-
möchte ich erzählen, was ich in unserer der- zeit, vor mehr als sechzig Jahren, schon einmal
zeitigen Theatergruppe erlebt habe. Während erleben durfte, so einen Applaus, der nur we-
der Adventszeit wollten wir eine szenische Le- nige Minuten dauerte, den ich schon gänzlich
sung in Langenberg aufführen. Dazu haben vergessen hatte, der war auf einmal wieder da.
wir die bekannte „Weihnachtsgeschichte“ von Wie sich doch die Zeiten verändert haben,
Charles Dickens ausgesucht. Eine Geschichte, dachte ich. Heutzutage ist es ganz üblich,
die einem gerade zur Weihnachtszeit ans Herz dass in einem Gotteshaus kulturelle Veranstal-
geht. tungen stattfinden. Die Künstler, welcher Art
Die „Alte Kirche“ mit ihrem schönen Ambien- auch immer, bekommen für ihre Darbietungen
te war genau der richtige Ort, dieses Werk in natürlich die verdienten Beifallsäußerungen.
Szene zu setzen. In unserem Fall ohne Kostü- Aber damals war in einer Kirche so eine Be-
me, nur mit der Stimme und dem Mienenspiel. geisterung unvorstellbar. Und nun durfte ich
meine Gefühlswallung von damals ein zweites
Mal erleben.
16informiert
Neu: Psychosomatische Behandlungssettings
am Helios Klinikum in Niederberg
Psychosomatische Erkrankungen (körperlich nicht werden können, denn somatische Behandlungsansätze
begründbare Beschwerden) spielen heutzutage eine helfen in diesem Zusammenhang oft nicht und können
immer größere Rolle. Jedoch sind diese Erkrankun- unter Umständen sogar schaden.
gen mit seelischer Ursache heute aufgrund etablierter
In einem diagnostischen Vorgespräch, wird das jewei-
Methoden und Behandlungssettings gut behandelbar
lige, auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmte,
und gesellschaftlich deutlich mehr akzeptiert. Ab sofort
Behandlungssetting geklärt. Zu unterscheiden gilt es
bietet das Helios Klinikum Niederberg in der etablierten
grundlegend zwischen ambulanten, (teil-)stationären
psychiatrischen Abteilung ein eigenständiges psychoso-
und rehabilitativen Behandlungen sowie zwischen psy-
matisches-psychotherapeutisches Setting zur Behand-
chiatrischen und psychosomatischen Settings.
lung dieser Erkrankungen an.
Psychosomatik bezeichnet in der Medizin eine ganz-
heitliche Betrachtungsweise des Patienten (körper-
lich-seelische Wechselwirkungen). Klassisch werden
die psychischen Ursachen im Rahmen von vermeintlich
körperlichen Erkrankungen unter Berücksichtigung
der sozialen Lebensbedingungen und der individuellen
Lebensgeschichte betrachtet.
Als ein Teilgebiet der Medizin beschäftigt sich die Psy-
chosomatik also mit den Wechselwirkungen zwischen
psychologischen, biologischen und auch sozialen Bedin-
gungen von Erkrankungen. Ist das seelische Befinden
erheblich gestört, kann sich die Störung durch körperli-
che Beschwerden äußern. Umgekehrt kann eine kör-
perliche Erkrankung einen Menschen auch seelisch aus
dem Gleichgewicht bringen. Psychosomatische Medizin
und Psychotherapie umfassen die Erkennung, Behand-
lung und Rückfallvorbeugung von Krankheiten, an deren
Verursachung psychosoziale und psychosomatische
Faktoren eine Hauptrolle spielen.
Insbesondere körperliche Beschwerden, die eine see-
lische Ursache haben, finden sich potentiell in allen
medizinischen Bereichen. Es ist sehr wichtig, psychoso-
matische Erkrankungen zu erkennen, damit sie krank-
heits- und fachgerecht psychotherapeutisch behandelt
Diagnostisches Vorgespräch
jetzt auch per Videosprechstunde möglich
Vor dem Hintergrund des sich aktuell noch immer aus- Smartphone oder einen Laptop mit Kamera) und eine
breitenden Sars-CoV-2 Virus haben Patienten vielerorts Internetverbindung sowie die Krankenkassenkarte oder
Bedenken und möchten den Besuch medizinischer den Personalausweis bei privater Krankenversicherung.
Einrichtungen gerne vermeiden. Daher bietet das Helios
Die Terminvergabe und Einzelheiten zur Videosprech-
Klinikum Niederberg seinen Patienten ab sofort auch
stunde können Ihre Patienten wie gewohnt telefonisch
die Durchführung des Vorgespräches für die Psychoso-
über das Sekretariat der Psychosomatik unter der Tele-
matik per Videosprechstunde an.
fonnummer: (02051) 982 – 1650 erfragen oder online
Man braucht lediglich ein Endgerät mit Frontkamera über den Button „Videosprechstunde“ auf der Startseite
und Anzeigedisplay (wie zum Beispiel ein Tablet, ein der Homepage einen Termin vereinbaren.Wir Älteren – Gänsehaut-Momente
Um das Ereignis zu erzählen, muss ich al- mung konnten wir das Lob der Zuhörer noch
lerdings bis in die fünfziger Jahre zurück ge- gar nicht fassen. Darauf bat uns unser Lehrer
hen. Wir Schulmädchen hielten uns damals in noch das Lied „Heidschi – Bumbeidschi“ als
einem Schullandheim im Hunsrück auf, als wir Zugabe zu singen, was ja eigentlich mehr zu
mit unserem Rektor, der uns betreute, eine Ta- uns Kindern passte.
gestour nach Trier unternahmen.
Nachdem uns zuerst nur einige der Kir-
Dieser Rektor, zur damaligen Zeit ein außer- chenbesucher zaghaften Applaus schenkten,
gewöhnlicher Pädagoge, war auch gleichzei- stimmten nach und nach alle anderen mit ein.
tig unser Musiklehrer. Wir liebten ihn, weil wir Wir kleinen Sängerinnen hatten zuerst das
als Teenager durch ihn die üblichen Volkslieder Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, oder
professionell und stimmungsvoll singen konn- sogar Verbotenes, denn so etwas kannten wir
ten. Durch ihn wurden wir nicht nur zum bes- nicht. Wie versteinert und irritiert, zuletzt aber
ten Chor der Schule, sondern er erweckte in glücklich standen wir da, weil es in einer Kirche
uns auch das Interesse an klassischer Musik. zu der damaligen Zeit nicht üblich war, weltli-
Wohl deshalb kam er auch auf die wagemutige che Lieder zu singen oder sogar zu klatschen,
Idee, mit uns „Schulmädchen“, die einstudierte
Mit einem „wohligen Gänsehaut-Gefühl“ ver-
Partie des Gefangenenchors aus Verdis Oper
ließen wir die Liebfrauenkirche und hatten mit
„Nabucco“ in der Trierer Liebfrauenkirche zu
vielen Besichtigungen von historischen Bau-
singen.
denkmälern, noch einen vergnüglichen Tag in
Ganz zaghaft stimmten wir an: Trier.
„Flieg Gedanke, getragen von Sehnsucht...... Ich hätte nie gedacht, dass ein so weit zu-
rück liegendes Ereignis sich wiederholen konn-
lass dich nieder in jenen Gefilden.
te.
o die Freiheit wir glücklich einst erlebten,
W
wo die Heimat uns‘rer Seele ist.“
Als diese Zeilen gesungen waren merkten Die alte Bauernkate
wir, dass die Besucher der Kirche auf uns auf-
merksam wurden. Einer nach dem Anderen
Helga Licher
trat näher an uns heran.
E
s war ein Tag wie jeder andere. Es regne-
Dadurch mutiger geworden sangen wir, zwi- te in Strömen, und Hinnerks Stimmung
schen den Kirchenbänken stehend, weiter: war alles andere als gut. Wie immer hat-
„Unser letztes Gebet gilt dir und mir …. te er das Vieh versorgt und Holz für den alten
Ofen hergerichtet. Das trübe Licht der alten
Teure Heimat leb wohl. Straßenlaterne schien durch die geschlosse-
Teure Heimat leb wohl.“ nen Vorhänge und warf lange Schatten auf die
Bretter des Holzfußbodens.
Als der letzte Ton verklungen war, standen
alle Menschen, die sich in der Kirche befanden, „Du solltest dich umziehen Hinnerk, die
nun vor uns und lobten: „Das habt ihr wun- Christmesse fängt gleich an.“ Die Bäuerin band
derschön gesungen. Danke“. Auch wir selbst ihre Schürze ab und schob den Stuten in den
wurden von einem wundersamen, ja hier in Backofen. Sie legte noch einige Holzscheite
dieser Kirche konnte man wahrhaftig sagen, nach und schaute zu ihrem Mann hinüber. Hin-
von einem „heiligen Gänsehautgefühl“ über- nerk seufzte, schob die Zeitung beiseite und
schüttet. Gefangengenommen in dieser Stim- erhob sich.
18Wir Älteren – Gänsehaut-Momente
Er warf seiner Frau einen mürrischen Blick „Komm Hinnerk“, sagte Meta leicht gereizt
zu, während er hinüber in die Schlafkammer „Die Messe beginnt gleich.“
ging. Meta verstand den Bauern nicht mehr.
Er war zu einem Griesgram geworden, der oft Doch Hinnerk stand stumm da und starrte
missgelaunt war. Vor einigen Jahren hatte er zum Wald hinüber. Endlich drehte er sich um
sich heftig mit seinem Bruder gestritten, aber und sah seine Frau nachdenklich an.
Hinnerk war nun mal ein Hitzkopf. Der Bauer „Geh schon vor“, sagte er leise „ich komme
war inzwischen aus der Schlafkammer gekom- nach. Ich habe noch etwas zu erledigen.“
men, setzte sich auf die Ofenbank und zog
seine Stiefel an. Die Bäuerin nahm die Hand- Der Bauer steckte seine Hände tief in die Ta-
tasche von der Garderobe und öffnete die schen seines Mantels und zog den Hut in die
schwere Dielentür. Stirn. Schnellen Schrittes ging er auf den Wald
zu. Er spürte den kalten Wind nicht, der ihm
Stumm gingen sie neben einander her. Auf die Tränen in die Augen trieb. Sein Blick war
dem Kopfsteinpflaster hatten sich große Pfüt- starr auf einen unsichtbaren Punkt in der Ferne
zen gebildet. Noch immer war der Himmel ne- gerichtet. Erst als plötzlich vor ihm eine sch-
belverhangen, und kein einziger Stern war zu male Brücke aus dem Nichts auftauchte, blieb
sehen. Nur langsam schob sich der Mond hin- er stehen. Unsicher betrat er die knarrenden
ter einer Wolke hervor und erhellte mit seinem Holzbohlen, die unter seinem Gewicht leicht
milden Schein die dunkle Nacht. Es war schon schwankten. Das morsche Geländer ächzte
spät, als Hinnerk und seine Frau schließlich bei jedem seiner Schritte. Er war diesen Weg
den schmalen Kiesweg zur Kapelle hinauf schon oft gegangen, aber an eine Brücke,
schritten. Plötzlich blieb der Bauer stehen und konnte er sich nicht erinnern. Kein Mensch
schaute zum Wald hinüber. war weit und breit zu sehen, auch die heller-
leuchtete Kirche mit ihren kupfernen Türmen
19Sie können auch lesen