Gesundheit und Wohlergehen - Jahresgruß 2018 MISSIONSPROKURA
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Jahresgruß 2018 1
Vorneweg
2 Grußwort von Generaloberin Sr. Elisabeth Halbmann
Aus dem Leben der Schwestern
4 Internationalisierung auf Augenhöhe
7 Das Leben und Wirken der Barmherzigen
Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul in Mbinga
10 Statement der Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul
in Nekemte, Äthiopien
Partnerschaften und Projekte
12 30 Jahre Partnerschaft mit der Gehörlosenschule
St. Vincent / Ruhuwiko
15 Stand der Projekte in Tansania
Zeit der Erfahrungen
20 Drei Länder. Zwei Kontinente. Eine Gemeinschaft.
»Wir sind niemals am Ziel, 22 Ankommen in Tansania
sondern immer auf dem Weg.« 23 Eindrücke von meinem Besuch in Untermarchtal
25 „Hey, Sista…“
Vinzenz von Paul (1581 – 1660)
Aus Untermarchtal und Tansania
31 Missionsbegegnungstag 2018
33 Gesundheit und Wohlergehen – Schicksal, Leistung oder Luxus?
Impressum:
36 Zum Tod von Sr. Wema
Herausgeber: Missionsprokura der
Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul in Untermarchtal e.V.
Ausblick
Margarita-Linder-Straße 8
37 Schlusswort von Missionsprokuratorin Sr. Anna-Luisa Kotz
89617 Untermarchtal
Tel.: (0 73 93) 30-163
Fax: (0 73 93) 30- 561
www.missionsprokura.org
missionsprokura@untermarchtal.de
Verantwortlich: Sr. Anna-Luisa Kotz (Missionsprokuratorin)
Gestaltung: raumzeit3 Stuttgart | Judith Schenten2 3
Sehr geehrte Freundinnen und Freunde der Mission, Ich wünsche Ihnen von Herzen ein gnadenreiches, frohes und friedvolles Weihnachts-
fest und Gottes reichen Segen für das Neue Jahr 2019. Im Gebet sind wir miteinander
für unsere Gemeinschaft stand das Jahr 2018 unter dem Thema: verbunden.
„Nehmt Neuland unter den Pflug“.
Mit frohen Grüßen aus Untermarchtal,
Dieses Wort des Propheten Hosea hat uns begleitet, motiviert, herausgefordert und im-
Sr. Elisabeth Halbmann, Generaloberin
mer wieder ermutigt, es in den unterschiedlichen Dimensionen und Bezügen unseres
Alltags lebendig werden zu lassen.
Ja, wir haben wirklich begonnen, Neuland unter den Pflug zu nehmen, persönlich, ge-
meinschaftlich, in Deutschland, Tansania und Äthiopien.
Mit der Errichtung der Sub-Region Nekemte in Äthiopien am 27. Juli dieses Jahres
hat nun das Vinzentinische Charisma mit unseren zwölf äthiopischen Schwestern eine
Zukunftsperspektive in einem der ärmsten Länder dieser Welt. Zum Mitbeten
Wir als Gemeinschaft und Sie als Freundinnen und Freunde der Mission sind vom Pro-
Komm, Heiliger Geist, und schau selbst nach dem Rechten
pheten Hosea eingeladen, unser Lebens- und Glaubensfeld zu pflügen, zu lüften, zu be-
in unserer ungerechten Welt.
lüften, zu lockern, zu wenden, damit das Wehen des hl. Geistes das Feld beatmen kann.
Lass deinen Funken springen und sprenge mit ihm
Wir sind eingeladen, uns für die Liebe Gottes zu öffnen und uns von ihr berühren zu
all unsre Mauern,
lassen.
die immer noch trennen
Wir sind eingeladen, Samenkörner der Liebe, der Gerechtigkeit, des Friedens, der Hoff-
Ost und West und Nord und Süd und Schwarz und Weiß
nung und der Freude in die aufgerissenen Furchen unseres Denkens und Fühlens zu
und Jung und Alt und Arm und Reich.
streuen.
Lass werden Gerechtigkeit.
Wir sind eingeladen, unser Herz weit zu machen und uns von der Not vieler Menschen
an den Rändern und in Grenzsituationen berühren zu lassen wie der hl. Vinzenz und die
Komm, Heiliger Geist, und heile unsere friedlose Welt.
hl. Luise, und nicht zuletzt von der bedrängenden Sorge um unsere Erde und Gottes
Stifte sie an zu neuer Nähe.
ganze Schöpfung:
Mach unsere krummen Seelen gerade.
„Sät als eure Saat Gerechtigkeit aus, so werdet ihr ernten, wie es der göttlichen Liebe
Schenk ihnen ihre
entspricht. Nehmt Neuland unter den Pflug! Es ist Zeit, den Herrn zu suchen; dann wird
Ruhe nicht,
er kommen und euch mit Heil überschütten.“ Hosea 10,12
damit sie nicht aufhören zu suchen,
Wenn wir jetzt wieder Weihnachten feiern, dann feiern wir den Gott, der selber Neu- sich selbst und die Schwester und den Bruder
land unter den Pflug genommen hat. Aus Liebe zum Menschen und der ganzen Schöp- und dich dreieiniger Gott.
fung ist er selber Mensch geworden und hat alles mit uns geteilt. Diese Liebe ist es, die Und langsam lass wachsen Frieden.
uns motiviert und zum Teilen, Mitsein, zu Einsatz und Hingabe für die benachteiligten
und am Rande stehenden Menschen befähigt. Komm, Heiliger Geist,
Ich danke Ihnen sehr herzlich für jede Unterstützung, materiell, ideell und besonders und blase die alten Gedanken aus unserem vertrockneten Denken.
im Gebet, die das Wort des Propheten Hosea Wirklichkeit werden lässt – in Äthiopien, Reiß uns aus unserer sicheren Spur.
Tansania und Deutschland. Treib uns an zu ganz neuem Handeln.
Ich danke Ihnen für Ihr Engagement und Ihr Vertrauen. Gib uns neue Gedanken, neue Worte, neue Taten.
Mach uns neu und mit uns deine ganze Schöpfung.
Nehmen wir, wie Gott selber, „Neuland unter den Pflug“ für Gerechtigkeit, Frieden und
Bewahrung der Schöpfung und werden wir liebende Menschen.
So kann sich an uns das Geheimnis der Weihnacht erfüllen. (Quelle unbekannt)4 Aus dem Leben der Schwestern Aus dem Leben der Schwestern 5
auf dieses „Abenteuer“ eingelassen, den vielfältige Art und Weise umzusetzen, un-
Schritt gewagt und unser vinzentinisches abhängig in welchem Land die Schwester
Charisma nach Tansania getragen. lebt und arbeitet. Die deutsche Schwes-
ter Rosalie im Hospiz in Spaichingen, Sr.
Missionarischer Impuls und
Veronika aus Tansania im Konvent der
vinzentinisches Charisma
Postulantinnen in Addis Abeba in Äthiopi-
Die Idee, das vinzentinische Charisma,
en oder Sr. Martina in der Buchhaltung in
den „Armen und Kranken menschgewor-
Tansania, alle sind wir verbunden durch
dene Gottesgüte zu sein“ (Vinzenz von
unsere gemeinsame Berufung und unser
Paul), neben Tansania auch in Äthiopien
Gebet für die Menschen, zu denen wir
zu verwirklichen, wurde zum Ausgangs-
uns gesandt wissen.
punkt der Neugründung in der Diözese
Nekemte. Vierzig Jahre nach dem Auf- Gesellschaftliche Entwicklung und
bruch nach Tansania vollzog sich dieser Globalisierung
Anfang auf ganz andere Weise. Junge In der Phase des Suchens nach einer
Aus dem Leben der Schwestern äthiopische Frauen kamen nach Mbinga sinnvollen und nachhaltigen Struktur be-
in Tansania, um dort die Ordensausbil- schäftigten uns auch immer wieder die
dung, das Noviziat, zu machen. Zur Ab- Geschehnisse in Kirche und Welt. Eine
legung der Gelübde gehen sie zurück in der Haltungen, die unser Ordensgründer
die Heimat und beginnen dort mit dem den Schwestern nahegelegt hat, war,
Aufbau der Gemeinschaft. Ein gelebtes mit „grenzenlosem Gottvertrauen und
Beispiel der Solidarität und des Selbst- nüchternem Realismus in die Zukunft“ zu
bewusstseins der afrikanischen Kirche. gehen. Er will, dass wir die Zeichen der
Nicht deutsche Schwestern kamen als Zeit erkennen und aus dem Evangelium
Internationalisierung auf Augenhöhe Missionarinnen nach Äthiopien, sondern heraus eine Antwort für die Menschen
tansanische Schwestern leben mit den „an den Rändern“ geben. Die Gescheh-
Sr. Anna-Luisa
jungen äthiopischen Schwestern. Ihren nisse um uns herum waren gerade in den
vinzentinischen Auftrag versuchen die letzten Jahren und Jahrzehnten geprägt
Partnerschaft auf Augenhöhe ist seit Gerade in der Reflexion dieser Erfahrun-
äthiopischen Schwestern zur Zeit selbst von der zunehmenden Globalisierung und
vielen Jahren eines unserer Ziele in gen wurde uns immer deutlicher, dass wir
aufzubauen. Ausgangspunkt ist hier die den Erfahrungen von Kirche als Weltkir-
der Zusammenarbeit zwischen uns, den diese strukturellen Bedingungen durch-
Erfahrung, dass einheimische Schwes- che – einer Kirche, die bereit ist, an die
Barmherzigen Schwestern vom hl. Vin- brechen wollen hin zu einer Gemein-
tern oft sehr konkret und nachhaltig Ränder zu gehen. Gleichzeitig traten im
zenz von Paul in Untermarchtal und unse- schaft, in der Christus das Haupt ist, durch
Projekte beginnen und ihre Hilfestellung Rahmen der sogenannten „Flüchtlings-
ren Mitschwestern in Tansania und seit den der ganze Leib zusammengefügt und
für die einheimische Bevölkerung einen krise“ aber auch deutlicher als vorher
wenigen Jahren auch in Äthiopien. Und gefestigt wird, wie Paulus im Brief an die
lebensnahen Wirkungsgrad erreichen die Ängste vor dem Fremden verbunden
doch haben wir erlebt, wie schwierig und Epheser schreibt. Jeder „trägt mit der
kann. mit den Tendenzen zur Abschottung auf.
herausfordernd gerade die Umsetzung Kraft, die ihm zugemessen ist. So wächst
Heute fühlen wir uns deshalb herausge-
dieses Zieles ist, wie gesellschaftliche, der Leib und wird in Liebe aufgebaut“. Stärker als in den 1960er Jahren des
fordert, eine Art „Gegen-Kultur“ aufzu-
strukturelle und finanzielle Rahmenbe- (Eph 4,16) Mit dieser Vision, das hat uns ersten Aufbruchs leben inzwischen alle
bauen und zu leben, eine Gemeinschaft,
dingungen und die Vergangenheit uns der Blick in die Geschichte und die Ge- Schwestern der Gemeinschaft in dem
die wie „ein Leib zusammengefügt und
immer wieder in „alte“ oder fast schon spräche mit den „Pionierinnen“ gezeigt, Bewusstsein, den missionarischen Im-
gefestigt“ wird (Eph 4,16).
„koloniale“ Muster zurückwerfen. hat sich die Gemeinschaft vor 60 Jahren puls des vinzentinischen Charismas auf6 Aus dem Leben der Schwestern Aus dem Leben der Schwestern 7
Ungleichzeitigkeit in der demografi- In unserem Suchen und Ringen wurde Barmherzige Schwestern vom hl. Vinzenz
schen Entwicklung der Gemeinschaften dabei klar, dass eine kirchenrechtliche von Paul in Mbinga, Tansania
Unsere Herausforderungen sind vielfäl- Struktur, in der die Gemeinschaften in Bericht von Sr. Janeth
tig. Alle in der partnerschaftlichen Zu- den drei Ländern als finanziell selbst-
sammenarbeit Tätigen kennen sie. Die ständige Provinzen mit einer eigenen Am 8. Dezember 2017 übernahm ich das uns die oberste Leitung im Mutterhaus in
sprachlichen und kulturellen Hürden sind Provinzleitung und einem verbindenden, Amt von Sr. Zeituni Kapinga, der ersten Untermarchtal durch Beratungen und in
hoch, Verständigung ist eine tägliche He- vernetzenden und steuernden Generalat afrikanischen Schwester, die die Kon- finanziellen Angelegenheiten.
rausforderung. Hinzu kommen die unter- für uns eine passende Struktur sein kann. gregation der Barmherzigen Schwestern
Berufungen
schiedlichen demografischen Entwick- Wir hoffen, dass diese Struktur die jewei- vom Heiligen Vinzenz von Paul in Mbinga,
Wir danken Gott für das Geschenk der
lungen der Ordensgemeinschaft hinzu. lige Provinz in ihrer Eigenverantwortung Tansania, leitete.
Berufungen in unserer Kongregation.
Nachdem die kleine äthiopische Gemein- stärkt und uns hilft, das Ziel der Begeg-
Um offen zu sein, die Umstände waren Viele Mädchen schließen sich unserer
schaft in der Diasporasituation der katho- nung auf Augenhöhe immer mehr zu ver-
nicht gut für mich seit dem Beginn des Kongregation an. Die Zahl der Schwes-
lischen Kirche Äthiopiens langsam aber wirklichen.
Wahlprozesses, als ich zum ersten Mal tern bleibt steigend Jahr für Jahr, dies
kontinuierlich wächst, werden in der tan-
Ein weiter und ungewisser Weg liegt vor sah, dass mein Name unter den Kandida- hilft uns, die Kraft für unseren Vinzentini-
sanischen Gemeinschaft jährlich fünf bis
uns, aber wir sind überzeugt, dass es der tinnen für den Posten der Regionaloberin schen Dienst an den Armen zu verstärken.
acht junge Frauen aufgenommen. Zahlen,
Weg ist, auf den Gott uns als Gemein- genannt wurde. Von diesem Moment an Derzeit sind wir 241 Profess-Schwestern
von denen wir in Deutschland weit ent-
schaft geführt hat und er uns zum Leben fühlte ich mich wie in einem Gefängnis, im Alter zwischen 75 und 78 Jahren. Die
fernt sind. Auch für diese Situation muss
führt und unser Charisma auf diese Wei- manchmal hatte ich das Gefühl, als ob meisten dieser Schwestern arbeiten in
dringend eine passende kirchenrechtli-
se an vielen Orten zum Blühen kommt. da ein Messer ist, das in mein Herz sticht. verschiedenen Konventen, ein paar be-
che Struktur gefunden werden.
Manchmal hatte ich das Gefühl, dass ich suchen Schulen und Colleges.
ins Grab hineinschaue, ich fand über-
Vinzentinisches Charisma
haupt keine Ruhe, war schlaflos und mein
Das Charisma unserer Kongregation ist
Blutdruck war die meiste Zeit hoch. Ich
der Dienst an den Armen, bzw. Jesus
betrachtete alle Schwestern wie wenn
Christus im Antlitz der Armen und Leiden-
sie Menschen seien, die mir nichts Gutes
den zu begegnen. Die Schwestern gehen
wollten. Als ich den ersten Tag in meinem
ihrer Berufung in den folgenden Berei-
Büro war, wusste ich nicht einmal, was
chen, in denen sie diesen Menschen be-
ich tun oder womit ich beginnen sollte.
gegnen, nach:
Als ich den Raum und die Schwestern sah,
kämpfte ich die meiste Zeit mit den Trä-
• Kindergarten
nen, besonders wenn ich alleine war. Ich
• Grundschule und Schule für Menschen
hatte das Gefühl, dass Gott mich verlas-
mit Behinderungen
sen hat. Doch als ich weitermachte merk-
• Internate für Mädchen und Kinder
te ich, wie da ein Licht in meinen Geist
• Waisenhäuser
trat und ich versuchte, die Situation so zu
• Berufliche Bildung
akzeptieren, wie sie ist; und ich verstand,
• Secondary School
dass ich nicht alleine in diesem Boot bin.
• College zur Ausbildung von Lehrerinnen
Gott ist immer bei mir, die Schwestern
• Katechese
und andere Menschen, die es gut meinen
• Formation
mit unserer Kongregation, versuchen mir
• Soziale Arbeit
zu helfen in diesem Kampf. Überdies hilft
Schwestern beim Ausfüllen von Formularen • Jugendarbeit8 Aus dem Leben der Schwestern Aus dem Leben der Schwestern 9
• Dispensaries, Health Centres, Kran- Moment sind dies insbesondere: Mangel an landwirtschaftlichen Nutzge- sodass sich für die Menschen durch un-
kenhäuser und Hausbesuche räten: Wir wünschen uns – und planen –, terschiedliche Dienste etwas zum Guten
Haus für alte und kranke Schwestern:
• Projekte, um ein kleines Einkommen zu die landwirtschaftliche Arbeit zu verbes- wendet, wie die Gesundheitsversorgung,
Die Gemeinschaft ist aus dem Anfangs-
generieren sern, damit die Produktion wächst. Am Bildung, geistliche Dienste und anderes
stadium herausgewachsen ins Erwach-
• Kochen, Landwirtschaft und Tierwirt- stärksten sind wir in der Landwirtschaft mehr. Wir danken dem Mutterhaus in Un-
senendasein und Älterwerden. Eine
schaft durch schlechte Methoden des Acker- termarchtal für die ideelle und materielle
ganze Reihe von Schwestern leiden un-
• Verwaltungstätigkeiten in der Gemein- baus und veraltete oder mangelhafte Unterstützung unserer Arbeit.
ter verschiedenen Krankheiten und bei
schaft und in der Diözese. technische Ausstattung eingeschränkt.
einigen gibt es es altersbedingte Kompli- Ein ganz besonderer Dank gilt Schwester
Der überwiegende Teil der Arbeit wird
Die meisten Einrichtungen gehören der kationen. Sie benötigen eine besondere Zeituni Kapinga für ihre Arbeit und Groß-
von Hand durchgeführt.
Diözese und einige wenige gehören der Betreuung und Fürsorge und ihren Prob- mütigkeit, mit der sie die Kongregation 12
Kongregation der Barmherzigen Schwes- lemen angemessene Räumlichkeiten. Wir Knappe Mittel für Soziale Arbeit: Das Vin- Jahre lang geleitet hat. Ich verstehe gut,
tern vom hl. Vinzenz von Paul in Mbinga. tun uns schwer, eine solch angemessen zentinische Charisma besteht darin, den dass das nicht leicht für sie war. Trotz der
Fast alle unserer Einrichtungen sind Infrastruktur für die alten und kranken Armen zu dienen. Doch manchmal fehlen Probleme, denen sie sich stellen musste,
unselbstständige Einrichtungen. Im Mo- Schwestern zu schaffen. uns Mittel, um ihnen zu helfen, besonders hat sie die Kongregation in ihrer Infra-
ment gehen wir unserer vinzentinischen wenn es um Bedürfnisse geht, die mit fi- struktur und in manch anderer Hinsicht
Verwaltungsgebäude: Seit ihrer Grün-
Sendung in vier Diözesen nach, in der nanziellen Dingen zusammenhängen. wachsen lassen.
dung hat die Region Mbinga keinen Trakt
Diözese Mbinga, der Erzdiözese Dar es Obwohl wir uns darum bemühen, diesen
für Verwaltungsaufgaben. Da wir zahlen- Mit der Fürsprache des Heiligen Vinzenz
Salaam, der Erzdiözese Songea und der Menschen zu helfen, ist es aufgrund des
mäßig und strukturell wachsen, erkennen und der Heiligen Luise beten wir, dass
Diözese Njombe. Geldmangels manchmal schwierig, sie
wir eine Notwendigkeit darin, Büros für unsere Gemeinschaft wachse, um den
ihren Bedürfnissen entsprechend unter-
Spirituelles Leben der Schwestern verschiedene Bereiche zu unterhalten. Armen zu dienen mit Liebe, Demut und
stützen zu können.
Die Schwestern werden darin bestärkt, Vertrauen auf Gott.
Unzureichende Wasserversorgung des
gemeinsamen Gebetszeiten, Anbetung, Schwesternunterhalt: Als oberste Leitung
Regionalhauses und der naheliegenden
persönlicher Schriftlesung, Rosenkranz, der Schwestern hier habe ich zusammen
Einrichtungen: Aufgrund der wachsen-
Eucharistiefeier, Beichte und monatli- mit dem Regionalrat die Verantwortung,
den Personenzahl im Regionalhaus, so-
chen Konferenzen nachzukommen. Die sicherzustellen, dass die Grundbedürfnis-
wie der Haushaltungsschule St. Monica,
Schwestern gehen ebenfalls einmal se aller Schwestern einigermaßen erfüllt
Nazareth College und Mbinga Kindergar-
pro Jahr in Exerzitien und die Juniorats- werden. Die Schwestern brauchen Essen,
ten besteht die Notwendigkeit, zusätzli-
Schwestern besuchen zweimal pro Jahr medizinische Behandlungen, Kleidung,
che Wasserquellen für diese Einrichtun-
Seminare. Im nächsten Jahr planen wir, Bildung, Möglichkeiten zur Erholung und
gen zu erschließen. Das Wasser, das wir
auch für die Professschwestern eine anderes. Da wir keine großen Projekte
derzeit zur Verfügung haben, reicht für
weiterlaufende geistlich-spirituelle For- haben, die uns Geld für die Gemeinschaft
den Hausgebrauch und den zusätzlichen
mation anzubieten. und die Soziale Arbeit einbringen, sind
Unterhalt nicht aus.
wir manchmal mit der Frage konfrontiert,
Noch nicht abgeschlossene Projekte: wie wir einen guten Dienst für die Armen
Herausforderungen Wir haben viele laufende Projekte wie und auch für die Schwestern selbst leis-
Trotz der verschiedenen Erfolge, die wir in den Bau des Krankenhauses in Kihaha, ten können.
unserer Kongregation haben, sehen wir das Waisenhaus St. Katharina, Mkenda,
Wir danken Gott in den Werken unse-
uns ebenso verschiedenen Herausforde- St. Vincent Health Center und weitere. All
rer Missionarinnen in Untermarchtal
rungen entgegen. Die meisten dieser He- diese Projekte benötigen noch finanzielle
für das Geschenk der Kongregation und
rausforderungen haben mit finanziellen Unterstützung, damit sie abgeschlossen
der Stationen, die sie aufgebaut haben, Sr. Janeth
Zwängen und Begrenzungen zu tun. Im werden können.10 Aus dem Leben der Schwestern Aus dem Leben der Schwestern 11
mit den einfachen Menschen und fähig, die wahre Religion bei den Armen gefun-
Statement der Schwestern vom hl. Vinzenz von ihnen evangelisiert zu werden. den wird. Dass sie es sind, die uns evan-
von Paul in Nekemte, Äthiopien gelisieren.
Sr. Sara 3. Sanftmut: sie erzeugt in uns Friede und
befähigt uns, liebenswürdig und geduldig Charisma ist ein geistliches Amt. Es hat
Geistliches Leben mit anderen zu sein, vor allem mit den Ar- viel damit zu tun, den Willen Gottes zu
Wir Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul vertiefen mit all dem Glauben, den Gott in men. tun und auf den Heiligen Geist zu hören.
in Nekemte haben drei Konvente, und sein Herz gelegt hatte. Deshalb hat alles, Wir denken, wir sollten etwas für die Ar-
4. Entsagung: sie vereint uns mit dem
da wir an unterschiedlichen Orten sind, was Vinzenz uns sagt, die Einfachheit un- men tun. Das Vinzentinische Charisma zu
leidenden Christus und befreit uns von
sehen unsere Tage unterschiedlich aus, seres Alltags und die alles durchdingende leben bedeutet, im Sinne der Seligprei-
Eigennutz. Die Entsagung macht uns ver-
aber die Struktur unseres spirituellen Le- Stärke des Wortes Gottes. Durch unsere sungen zu lieben und sich verdient zu
fügbar für die Armen trotz aller Schwie-
bens ist die gleiche. Wir haben die Feier erbarmende und aufopferungsvolle Liebe machen. Wir können nicht immer helfen.
rigkeiten und Hindernisse in der Mission.
der Heiligen Messe, gemeinsames Stun- möchten wir die Botschaft des Evangeli- Aber wir können immer unterstützen.
dengebet, Meditation, Bibelteilen, Refle- ums allen bringen, denen wir begegnen. 5. Leidenschaft für das Evangelium: sie
Unser bestmögliches Wirken besteht da-
xion, geistliche Lesung, Rosenkranz, etc., Wir möchten durch unser geweihtes Le- gibt uns Kraft, das Reich Gottes voranzu-
rin, ein Lächeln auf einem gebrochenen
was es in den täglichen Ablauf zu integ- ben Zeugnis für Gott und das Evangelium bringen und weckt affektive und effektive
Herzen zu sehen und sich an den Schrit-
rieren gilt. ablegen. Begeisterung für die Evangelisierung der
ten zu freuen, die diese Menschen tun.
Armen.
Normalerweise gibt es zweimal in der Die Gemeinschaft der Barmherzigen Das ist die Belohnung, die Gott uns zuteil-
Woche eine gemeinsame Betstunde Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul in Der Heilige Vinzenz bestand darauf, dass werden lässt.
(Aussetzung des Allerheiligsten und An- Nekemte erklärt, stets im Sinne der Wor-
betung) sowie die monatliche Besinnung, te des Evangeliums zu leben und zu ar-
die jeder Konvent für sich organisiert. beiten. Sie definieren Wesentliches des
Geistes Jesu.
Jährlich gehen die Schwestern eine Wo-
che in Exerzitien, die von einem Spiritual Insbesondere fünf Eigenschaften werden
oder dem Bischof entweder gemeinsam die Tugenden Jesu genannt. Diese Tugen-
für die ganze Gemeinschaft oder zusam- den haben missionarischen Charakter
men mit anderen Gemeinschaften abge- und sind die Quelle der Haltung, die Jesus
halten wird. Die Schwestern sind dazu seinem Vater und den Armen gegenüber
angehalten und werden ermutigt, regel- einnimmt. Sie helfen uns, ebenfalls echte
mäßig spirituelle Begleitung zu erhalten. Verkünderinnen des Evangeliums an die
Armen zu werden.
Vinzentinisches Charisma
Das Charisma der Barmherzigen Schwes- Die fünf Tugenden sind:
tern vom Heiligen Vinzenz von Paul in
1. Einfachheit: dies führt zu Reinheit der
Nekemte zeichnet sich durch die Liebe zu
Absichten und zu einer Treue in unseren
Christus und Christi Liebe zu den Armen
Worten und Taten; es befähigt uns vor
aus. Die zwei grundlegenden Weisungen
Gott und den Armen erkennbar zu sein.
des Hl. Vinzenz sind das Evangelium und
das Leben. Er wollte von allen, die ihm 2. Demut: sie macht uns zu denjenigen,
nachfolgen, dass sie das ganze Evan- die sich auf Gott stützen und offen sind für
gelium in ihr ganzes Leben hineinbrin- seine Gnade. Das ermöglicht uns, mit den
gen und er wurde nicht müde, beides zu Armen zu leben und solidarisch zu sein
Die äthiopischen Schwestern in Nekemete12 Partnerschaften und Projekte Partnerschaften und Projekte 13
persönlichen Begegnungen und Gesprä- tometrie und Audiologie und unterstützt
chen. Angefangen hat dies vor vielen bereits vielfältige Projekte in verschiede-
Jahren durch die enge Verbundenheit nen Ländern. Bei der Begegnung in der
zwischen den damaligen Schulleiterin- Hochschule standen die Wünsche von
nen Schwester Michaela und Schwester Schwester Ernesta, die technische Bera-
Zeituni. 2014 erfuhr dies eine Neubele- tung und die Planung eines Audiometrie-
bung durch den von Diakon Arnold initi- raums im Mittelpunkt. Frau Prof. Limber-
ierten und von der Diözese unterstützten ger bot ihre Hilfe an, kümmerte sich um
Besuch aus Ruhuwiko von acht Schüle- kostenlose Hörgeräte der Firma Phonak
rinnen und Schülern und der Schulleitung und gab ein neuartiges Material zur einfa-
(Schwester Ernesta, Mr. Lucius). Das er- cheren Herstellung von Ohrpassstücken
lebte Miteinander in gemeinsamen Ge- mit. Eine Woche später durften wir zwei
sprächen, gegenseitigem Kennenlernen Kolleginnen und einen Kollegen (Mrs.
und gemeinsamen Erlebnissen brachte Yolanda, Sister Amani, Mr. Ibrahim) in St.
Veränderung und Herzlichkeit und vie- Josef begrüßen. Im Vordergrund standen
le weitere Begegnungen von und nach auch hier die persönlichen Begegnungen
Tansania. 2016 durfte ich – gemeinsam und das gegenseitige Kennenlernen. Die
Partnerschaften und Projekte mit der Gehörlosenseelsorge und der Di- Kollegen hatten ein Mammut-Programm
özese – die Schule und das wunderbare vor sich.
Land kennen lernen. Dank des großen
Alle Mitarbeiter und Schüler wollten sie
persönlichen Engagements von Diakon
kennenlernen – mehr von der Partner-
Herbert Baumgarten fahren Jahr für Jahr
schule erfahren. Übernachtet wurde im
Hörgeschädigte und Hörende – darunter
30 Jahre Partnerschaft mit der Gehörlosenschule auch immer wieder Kolleginnen und Kol-
Internat und während der Schulzeit wa-
St. Vincent / Ruhuwiko legen – nach Ruhuwiko. Das persönliche
ren die Schüler der „Verselbständigungs-
Schulleiterin Andrea Schott gruppe“ (Kl.11-13) herzliche Gastgeber.
Netzwerk weitet sich aus und damit auch
Die 13er luden zu einem gemeinsamen
das Wissen um-, von- und miteinander.
In diesem Jahr feierte St. Josef, SBBZ Lehrerinnen und Lehrern der Gehörlosen- Frühstück und einer englischsprachigen
Hören und Kommunikation, zwei Jubilä- schule in Ruhuwiko/Tansania. Zu unserem Jubiläum war es uns daher Schul- und Stadtführung ein. Aber auch
en – 150jähriges Bestehen und 30 Jahre eine Herzensangelegenheit, Kollegen die Grundschüler hatten sich Fragen auf
30 Jahre Partnerschaft ist eine große
Partnerschaft mit der Gehörlosenschule aus Ruhuwiko an unseren Feierlichkei- Englisch überlegt und freuten sich sehr,
Ehre und Bereicherung – 30 Jahre Part-
St. Vincent. ten teilhaben zu lassen. Die Schulleiterin dass Mrs. Yolanda und Mr. Ibrahim an
nerschaft birgt aber auch geschichtliche
Schwester Ernesta kam zur Eröffnung ihrem Ausflug teilnahmen. Die beiden
Als Jubiläumsmotto wählten die Schüle- Risiken. Gute Absichten und der dringen-
der Kunstausstellung unserer Schülerin- konnten sich vor Gesprächsteilnehmern
rinnen und Schüler von St. Josef „Einfach den Wunsch zu helfen, ließen manchmal
nen und Schüler im Gmünder Rathaus kaum retten und kamen erschöpft, aber
dazugeHÖREN“. die Augenhöhe vermissen. Die eigene
und freute sich über die gelungene Aus- fröhlich zurück an die Schule. Neben ei-
Fachlichkeit stand manchmal dem Un-
Ausgrenzungserfahrungen und Fremd- stellung und das Engagement der Schü- nem audiologischen Praktikum in unse-
wissen der dortigen Bedürfnisse im Weg.
heit überwinden, offen sein für Neues, ler und Kollegen. Der Erlös des Verkaufs rer Beratungsstelle nahmen Schwester
Die Mentalität der „Gebenden“ und der
Vielfalt schätzen, aufeinander in Augen- der Kunstwerke ging selbstverständlich Amani, Mrs. Yolanda und Mr. Ibrahim an
„Nehmenden“ erschwerte den Weg zum
höhe zugehen und miteinander und von- nach Ruhuwiko. Im Anschluss an die einem Training bei Hörgeräte Stertz teil
„Miteinander“ und „Voneinander“.
einander lernen war ihr Wunsch für sich Vernissage ging es gemeinsam zu Frau (Herstellen von Ohrpassstücken, Einstel-
und für das partnerschaftliche Miteinan- Der Schlüssel zur Weiterentwicklung Prof. Dr. Limberger in die Hochschule len von Hörgeräten). Viel Freizeit blieb da
der mit den Schülerinnen und Schülern, liegt unserer Überzeugung nach in den Aalen. Sie leitet dort die Abteilungen Op- nicht mehr übrig. Doch wir hoffen, dass14 Partnerschaften und Projekte Partnerschaften und Projekte 15
die gemeinsamen Feste, die kleinen Aus- zu etwas ganz Besonderem. „Einfach da- Stand der Projekte in Tansania
flüge, der Stadtbummel und die vielen zugeHÖREN“ wurde für alle erleb- und Bericht von Florian Hecke
Begegnungen unseren Gästen Spaß ge- spürbar. Unser Dank geht hier auch an
macht haben. die Münstergemeinde und Herrn Dekan Jahr für Jahr erreichen uns aus der Regi- ziehen, gab es deswegen schon seit ein
Kloker. Im Rahmen des Konzertes konn- on Mbinga, Tansania, neue Projektideen paar Jahren. Letztes Jahr hatten wir dann
Highlights des Besuchs waren aber ganz
ten sich unsere Gäste kurz vorstellen und unserer Schwestern. Immer gibt es etwas – auch dank einer Großspende – die not-
bestimmt das Gospelkonzert zugunsten
über ihren Wunsch (Bau eines Audiomet- zu reparieren, zu erweitern, zu beschaffen wendigen Mittel zusammen und konnten
unserer Partnerschule im Münster von
rieraumes) berichten. Auch aufgrund der oder aufzubauen. Die einzelnen Vorschlä- mit dem Bau beginnen. Anfang Septem-
Schwäbisch Gmünd und unsere Jubi-
großen Spendenbereitschaft der Gmün- ge werden zwischen Regionalleitung und ber wurde das neue Gebäude, welches
läumsfeierlichkeiten (Festakt und Tag
der Bürgerinnen und Bürger war schnell Missionsprokura diskutiert, abgestimmt sich in unmittelbarer Nähe zum Internat
der offenen Tür). Am Vorabend des Kon-
klar – der Audiometrieraum kann gebaut und anschließend vor Ort umgesetzt. St. Loreto befindet, feierlich eingeweiht.
zerts wurde die Technik aufgebaut und
werden. Hierbei sind wir auf ein Netzwerk an Bei den mittlerweile 20 Kindern war die
die Schwestern von St. Josef „schoben
Partnern im In- und Ausland angewiesen Überraschung und Freude über dieses
Nachtwache“. Schwester Adelheid und Ein Wochenende später folgte der „Fest-
– und nicht zuletzt auf Ihre Spende. Auch große und schöne Haus riesig. Die Kosten
das ganze Küchen- und Hauswirtschaft- akt“ und der „Tag der offenen Tür“. Für
im Jahr 2018 konnten so wieder zahlrei- beliefen sich auf etwa 100.000 Euro. Auch
steam bauten einen Grill- und Getränke- unsere Besucher eine anstrengende aber
che Projekte begonnen, weitergeführt bei Waisenhäusern macht der tansani-
pavillon, Feuerschalen, Stehtische und auch erlebnisreiche Zeit. Jetzt hatten
oder abgeschlossen werden. sche Staat mittlerweile viele Vorgaben,
Sitzgarnituren auf. Am Kirchenschmuck auch unsere Ehrengäste, Eltern und ehe-
sodass Pläne und Kostenschätzungen
hatten die Schwestern bereits wochen- maligen Schüler die Möglichkeit, mehr Besonders glücklich sind wir über den
mehrfach angepasst werden mussten.
lang gearbeitet. Der Gospelchor Choco- über St. Vincent in Ruhuwiko zu erfahren. Abschluss der Bauarbeiten am neuen
Nach und nach sollen weitere Gebäude
late, die Schülerinnen und Schüler von Besonderes Interesse hatten natürlich Waisenhaus St. Katharina in Lusonga,
auf dem Grundstück in Lusonga entste-
St. Josef unter der Leitung von Frau Kern auch die zehn Familien, deren Kinder im am Stadtrand von Mbinga. Schon lange
hen, darunter ein Speisesaal mit Küche
(Gebärden) und Frau Minich (Gesang), nächsten Jahr am Schüleraustausch teil- Zeit war das alte Häuschen, in dem sich
sowie ein Schwesternhaus.
Herbert Baumgarten und sein Gebär- nehmen. Der Abschied fiel schwer und das Waisenhaus befand, zu klein gewor-
denchor „Singende Hände Ostalb“ und wurde entsprechend gefeiert. Unsere drei den und es war für die Kinder, Schwes- Kurz bevor ich mit dem Schreiben dieses
eine Band veranstalteten ein einmaliges Gäste wurden zu Freunden und hinterlie- tern und Mitarbeiter eine große Heraus- Artikels begann, erhielten wir auch aus
Konzert im ausverkauften Münster. Kaum ßen uns ein großes Paket Herzlichkeit, forderung, dort zu leben und zu arbeiten. Mkenda, ganz im Süden Tansanias, nahe
einen hielt es auf der Bank. Es wurde mit- Wärme und Glaubenskraft. Asante sana! Am alten Standort mitten in der Stadt gab der Grenze zu Mosambik, gute Neuigkei-
gefeiert, mitgesungen und mitgerockt. Die es weder die Möglichkeit mit den Kindern ten. Sr. Bona, die dort für den Bau der
Mungu aubariki urafiki wetu!
Kombination von exzellenter Gospelmusik draußen zu spielen, noch konnte ein klei- Vorschule verantwortlich ist, hat mitge-
und Gebärdenchören machte das Konzert (Gott segne unsere Freundschaft) ner Selbstversorgergarten angelegt wer- teilt, dass die Vorschule Mkenda fertig-
den. Pläne in ein neues Gebäude umzu- gestellt ist und nun die Kinder kommen
können. Mit den Bauarbeiten war Mitte
2017 begonnen worden. Im Jahresgruß
2017 haben wir von den zahlreichen Pro-
blemen berichtet, mit denen Sr. Bona täg-
lich konfrontiert war. Neben hohen Trans-
portkosten für Baumaterial aus der weit
entfernten Stadt Songea, bereiteten vor
allem das fehlende Wasser und der san-
dige Untergrund Probleme. Mittlerweile
konnten diese Schwierigkeiten überwun-
Das neue Waisenhaus St. Katharina ist fertig16 Partnerschaften und Projekte Partnerschaften und Projekte 17
den werden und auch die Kosten sind im uns über die Bewilligung von über 40.000 Ruf bei den Menschen der Umgebung er- Untersuchungstrakt, Mutter-Kind-Abtei-
Plan geblieben – kaum zu glauben! Euro von der italienischen Bischofskon- arbeitet und wir sind glücklich, sie in ih- lung) weitergebaut. Zur Fertigstellung
ferenz für den Neubau gefreut – „honge- ren Bemühungen unterstützen zu können. fehlen uns noch gut 300.000 Euro. Gleich-
ra sana“ (herzlichen Glückwunsch)! Die zeitig beginnen wir mit dem Fundraising
Neben diesen Neubau- und Instandhal-
Bauarbeiten gingen unter den aufmerk-
tungsprojekten gilt unser besonderes
samen Augen von Sr. Aurelia zügig voran
Augenmerk seit Jahren dem Fuhrpark der
und konnten mittlerweile abgeschlossen
Schwestern. Fahrzeuge müssen fortlau-
werden. So erfüllt das Nazareth College
fend repariert oder ersetzt werden, damit
Vorschule Mkenda
auch zukünftig die staatlichen Auflagen
die Schwestern ihren Auftrag erfüllen
und bietet den Studentinnen gute Ausbil-
können. Auch die Kosten für Diesel und
Nun gilt es zu überlegen, welches Gebäu- dungsmöglichkeiten.
Versicherungen stellen einen größeren
de als nächstes an diesem entlegenen
Neben diesen größeren Bauprojekten Posten im Haushalt der Gemeinschaft
Fleckchen Erde errichtet werden soll.
wurden auch kleinere Vorhaben zum dar. Dieses Jahr haben wir den Toyota für den zweiten Bauabschnitt. Dieser
Die Schwestern benötigen ein vernünfti-
Abschluss gebracht. Dazu gehört die Landcruiser der Schule St. Vinzenz für umfasst das OP-Gebäude sowie die Ent-
ges Schwesternhaus und auch eine Dis-
neue Wasserversorgung von Lunduma- Menschen mit Hörschädigung in Ruhu- bindungsstation und wird uns weitere
pensary (Krankenstation) soll in Mkenda
to. Lundumato befindet sich im Bergland wiko grundlegend repariert und der neue 200.000 Euro kosten. Derzeit erstellen die
entstehen.
zwischen Mbinga und dem Nyassasee. Landcruiser für das Regionalhaus Mbin- Schwestern in Tansania eine Inventarliste
Erstaunt waren wir über plötzliche Bauar- Besonders in der Regenzeit ist die Sta- ga wurde geliefert. Die Schwestern sind mit benötigten Geräten und der Erstaus-
beiten auf dem Grundstück des Nazareth tion nur schwer zu erreichen, da hierzu für diese ganz konkrete Unterstützung stattung an Medikamenten. Die Kosten
College in Mbinga. Dort werden seit vie- mehrere Bergrücken und Täler über- und ihrer täglichen Arbeit sehr dankbar. Auch hierfür werden sicher auch im sechsstel-
len Jahren Lehrerinnen für Grundschulen durchquert werden müssen. Seit kurzem in den kommenden Jahren wird uns das ligen Eurobereich liegen. Abschließend
ausgebildet. Vor zwei Jahren wurde die ist die neue Asphaltstraße zwischen Thema Fahrzeuge begleiten. Als nächstes erfolgt dann der dritte Bauabschnitt mit
Schule, die als Internat geführt wird, zum Lundumato und Mbinga fertiggestellt, den allgemeinen Abteilungen, Labor, Kü-
„Diploma college“ aufgewertet und die was eine große Erleichterung darstellt. che etc. Sie sehen also – dieses Projekt
Ausbildungsdauer von zwei auf drei Jah- Zeitgleich hatten die Schwestern aber wird uns noch einige Jahre begleiten und
re verlängert. Deswegen wurde ein neu- mit Wasserproblemen zu kämpfen. Das gleichzeitig können die Menschen in und
er Klassenraum für das Nazareth College Wasser reichte nicht für Schwestern- um Mbinga es kaum erwarten, dass das
und Pfarrhaus, Kindergarten und Kran- neue Krankenhaus in Betrieb geht. Die
kenstation. Im April dieses Jahres konn- Nachfrage nach fachgerechter medizini-
ten wir, mit finanzieller Unterstützung aus scher Versorgung ist auch aufgrund der
Uznach, Schweiz, einen Betrag von 6.000 steigenden Bevölkerungszahl sehr groß.
Euro für dieses Projekt überweisen. Da-
In der Missionsstation Ruhuwiko, einem
mit ist die Wasserversorgung der Station werden ein neues Auto für Maguu und
Vorort von Songea, wird derzeit ein Raum
auch für künftige Jahre sichergestellt. ein Traktor für Mkenda benötigt. Die Kos-
für Hörgeräteanpassung eingerichtet.
ten für einen Toyota Landcruiser belaufen
Mikalanga ist eine Station im Matengo- Die Grundschule St. Vinzenz in Ruhuwi-
sich auf circa 30.000 Euro, für Traktoren
Der fertige Klassenraum Hochland unweit von Maguu. Mit einer ko ist für Schülerinnen und Schüler mit
rechnen wir im Schnitt mit 40.000 Euro.
Spende aus Schwäbisch Hall/Hessental Hörschädigung geöffnet. Sr. Marietha
benötigt. Sr. Aurelia hatte dazu bereits ist es uns gelungen, die Photovoltaik- Weiterhin im Bau befindet sich das Kran- hat sich während eines Deutschlandauf-
vor zwei Jahren zahlreiche Projektan- anlage der Krankenstation Mikalanga kenhaus Kihaha. Derzeit wird an den fenthalts in Schwäbisch Gmünd einige
träge verschickt und um Unterstützung instand zu setzen. Sr. Julia und ihr Team fünf Gebäuden des ersten Bauabschnitts Fertigkeiten zur Hörgeräteanpassung
gebeten. Gemeinsam mit ihr haben wir haben sich über die Jahre einen guten (Verwaltung, HIV-Trakt, Beratungs- und angeeignet. Was nun noch fehlt, ist ein18 Partnerschaften und Projekte Partnerschaften und Projekte 19
schallisolierter Raum, in dem Hörtests ge- Exerzitienhaus arbeiten oder in der Sozi- werden. Die Kosten für dieses Gebäude Center (10.000 Euro). Maguu ist die älteste
macht und Hörgeräte angepasst werden alarbeit tätig sind. Auch ein Arbeiterhaus liegen bei 7.000 Euro. Die einzige Einnah- Station der Schwestern in Tansania und
können. Bei diesem Projekt haben wir für die Angestellten des Hauses soll ent- mequelle der Dispensary, der Verkauf von entsprechend hoch ist der Renovierungs-
großzügige Unterstützung, auch in Form stehen. Wir gehen davon aus, dies zumin- Medikamenten, reicht dazu nicht aus, bedarf. Nachdem im letzten Jahr das
von Hörgeräten, aus Schwäbisch Gmünd, dest teilweise aus erwirtschafteten Mit- sodass Sr. Julia auf Unterstützung ange- Schwesternhaus saniert wurde, stehen
Aalen und Recklinghausen erfahren. Sr. teln des Seminar- und Exerzitienhauses wiesen ist. Wir hoffen sehr, dass wir den nun Schritt für Schritt die Einrichtungen
Ernesta und Sr. Lea setzen das Projekt leisten zu können. Vor zwei Jahren hat Geldbetrag im neuen Jahr zusammenbe- der Schwestern in Maguu auf dem Plan.
vor Ort um und die Handwerker sind ge- der staatliche Stromkonzern TANESCO kommen, damit die Krankenstation un-
Liebe Spender, liebe Freunde
rade dabei, den Raum mit Dämmmatten die Stromleitung bis Mbamba Bay ge- terbrechungsfrei weitergeführt werden
der Mission,
auszukleiden. legt, nun ist mit den Arbeiten an der Stra- kann.
wie Sie sehen, gehen uns auch im neuen
ße zwischen Mbinga und Mbamba Bay
Neben den Projekten, die dieses Jahr ab- Zu guter Letzt stehen auch in Maguu Ar- Jahr die Projekte nicht aus und es ist viel
begonnen worden. Sie soll asphaltiert
geschlossen werden konnten und denje- Kleines wie Großes dabei, das unterstüt-
werden. Wir hoffen, dass dadurch eine
nigen, die derzeit in der Umsetzung sind, zenswert ist. Ich möchte mich an dieser
steigende Anzahl an Gästen den Weg an
haben wir auch für das Jahr 2019 wieder Stelle im Namen der gesamten Prokura
den Strand des Nyassa Sees und in das
einige Projektanfragen aus Tansania er- und auch unserer Schwestern vor Ort
Gästehaus der Schwestern findet.
halten. Zunächst soll das Schwestern- ganz herzlich bei Ihnen allen für die Ver-
haus in Ruhuwiko saniert werden. Es In Ligunga, einer Missionsstation ganz bundenheit und Unterstützung bedanken,
stammt aus dem Jahr 1988 und besonders im Süden, stehen Renovierungen des In- ohne die wir keinen Fortschritt erzielen
das Dach und einige Wände sind repara- ternats (10.000 Euro), der Haushaltungs- könnten.
turbedürftig. Die Kosten hierfür belaufen schule (4.000 Euro) und des Kindergar-
Wir alle hoffen auch im kommenden Jahr
tens (6.000 Euro) an. Der sandige Boden
wieder auf Ihre Spende, Ihr Engagement
in diesem Gebiet führt immer wieder zu
Sekundarschule St. Luise in Maguu
und auf Ihre Verbundenheit. Sollten Sie
Rissen in den Wänden der Gebäude und
sich für ein Projekt interessieren, treten
auch Dächer müssen von Zeit zu Zeit aus-
beiten an verschiedenen Gebäuden an, Sie gerne mit unserem Team in der Missi-
gebessert werden.
unter anderem an der Sekundarschu- onsprokura in Kontakt.
Für die Schule St. Vincent Ruhuwiko steht le St. Luise (15.000 Euro) und am Health
im kommenden Jahr, sobald der Raum für
Hörgeräteanpassung fertiggestellt ist,
ebenfalls eine Renovierung an. Beson-
Nach 30 Jahren sanierungsbedürftig ders die Wände müssen neu verputzt und
gestrichen werden. Hinzu kommt das ma-
sich auf 28.000 Euro. Der Projektantrag ist rode Dach, das erneuert werden soll. Die
eingereicht und so hoffen wir auf einen Kosten hierfür berechnen wir auf circa
positiven Bescheid und die Bewilligung 30.000 Euro.
der Gelder in den kommenden Wochen.
Wie bereits erwähnt, wurde dieses Jahr
In Mbamba Bay am Nyassa See, wo in eine neue Solaranlage auf der Dispensa-
den letzten Jahren das Seminar- und Ex- ry in Mikalanga installiert. Doch für die
erzitienhaus entstanden ist, soll jetzt ein Krankenstation gibt es neue Auflagen der
Schwesternhaus für vier Schwestern Regierung. So muss für die Dispensary
errichtet werden, die im Seminar- und Mikalanga ein neuer Laborraum gebaut20 Zeit der Erfahrungen Zeit der Erfahrungen 21
gerührt.“, sagt sie. Neben einfachen Hüt- nigt, „...bis ich merke, dass ich mehr im
ten aus Stöcken, Stoff und ein bisschen Hier und Jetzt lebe.“, erzählt sie. Zurück
Blech stehen große Hotels und Büroge- in Deutschland bleiben die Fragen, „Wie
bäude, von Mauern und Stacheldraht kann ich glauben, dass Gott mit und in
umzäunt. Die Lebenschancen vieler jun- den Armen ist? Wieso lässt er es zu, dass
ger Menschen – wo liegen sie? Auch die seine geliebten Menschen teilweise so
tansanischen Schwestern sind berührt arm leben? Er, der gnädige Gott!“ Ihre ei-
und fragen „Wo soll man da anfangen, gene Berufung wird hinterfragt. Der Sinn
vinzentinsch zu wirken?“. muss sich wieder neu erschließen. Annä-
herungen einer Antwort findet sie in der
Die äthiopischen Schwestern geben eine
inhaltlichen Weiterarbeit zusammen mit
Antwort: im Kleinen. Für einzelne Men-
Sr. Anna-Luisa und Sr. Sylvia Maria aus
schen da sein, sich in kleinen Projekten
Stuttgart. Die inhaltlichen Ergebnisse der
einsetzen und Netzwerke bauen.
Workshops werden gemeinsam reflek-
Der zweite Blick, im Augenblick tiert und es wird weitergearbeitet.
Nach einer Woche geht die Reise wei-
ter nach Tansania. Die Fahrt quer durch
Zeit der Erfahrungen das Land zeigt eine sehr vielfältige und
schöne Landschaft. Auf den ersten Blick
gleicht vieles der europäischen Land-
schaft. „Auf den zweiten Blick entdecke
ich spannende Bäume, Pflanzen und
Drei Länder. Zwei Kontinente. Tiere. Die riesigen Affenbrotbäume und
Eine Gemeinschaft. die Elefanten gefallen mir besonders.“
Reiseimpressionen von Sr. Hanna Maria berichtet Sr. Hanna Maria. Das, was zu- Einheit
erst aussieht wie ein Rapsfeld, entpuppt Einige Monate später kommen Sr. Janeth
Im Februar 2018 heißt es auf nach Afrika! Gemeinsam unterwegs, Glauben teilen,
sich in Wirklichkeit als eine Teefarm. Das und Sr. Ernesta nach Deutschland zum
Mit großer Vorfreude und viel Respekt Betroffenheit teilen
scheinbare Durcheinander in der Be- Treffen der Kapitularinnen mit anschlie-
vor der Aufgabe. Mit gemischten Gefüh- Beten in englischer Sprache. Für alle
pflanzung von beispielsweise Kaffee und ßender Wallfahrt auf Vinzenz‘ Spuren. Lei-
len und doch bereit für das Abenteuer. So eine fremde Sprache und doch so verbin-
Bananenstauden erweist sich als Not- der fehlen Sr. Sara und Sr. Martha aus Äthi-
macht sich Sr. Hanna Maria zusammen dend. Jeden Abend wird das Magnifikat
wendigkeit zum Überleben der Pflanzen, opien, die kein Visum bekommen haben.
mit Sr. Anna-Luisa auf ihre erste Reise zu gebetet. Dort heißt es „Die Hungernden
denn Kaffee braucht Schatten. Es gibt
den äthiopischen und tansanischen Mit- beschenkt er [Gott] mit seinen Gaben und Wieder verbringen die Schwestern eine
viel zu Lernen. Nicht nur in der Flora und
schwestern. lässt die Reichen leer ausgehen.“ (Lk, 1, wertvolle, fruchtbringende gemeinsame
Fauna.
53) Dieser Vers wird für Sr. Hanna Maria Zeit. Die kulturellen Unterschiede in den
Auch Sr. Janeth und Sr. Ernesta aus
eine innere Herausforderung. Sie kann es Die Tage vergehen wie im Flug und doch drei Ländern sind groß, die Armut sehr
Mbinga/Ruhuwiko sowie Sr. Sara und
nach dem Erlebten kaum noch mitbeten. ist es „eine gefühlte Ewigkeit“. Es wer- verschieden und doch gibt es eine Sache,
Sr. Martha aus Nekemte kommen zum
Der Glaube an den barmherzigen, helfen- den Stationen besucht und in Workshops die die Gemeinschaft über zwei Konti-
gemeinsamen Treffen nach Addis Abeba:
den Gott war ins Wanken geraten. weitergearbeitet. Die Schwestern und nente hinweg eint: die Begeisterung, das
Die ersten Schritte gemeinsamer Konsti-
die Kinder erobern Sr. Hanna Marias vinzentinische Charisma zu leben. Ange-
tutionen und gleichzeitig ein besonderer „Die schlimme Armut, das erbärmliche
Herz. Die Zeit läuft scheinbar langsamer fangen im Kleinen, im Alltäglichen für die
Moment in der Geschichte der Gemein- Leben vieler Leute auf den Straßen in
als in Deutschland, irgendwie entschleu- Menschen und für Gott.
schaft. Addis hat mich getroffen und zu Tränen22 Zeit der Erfahrungen Zeit der Erfahrungen 23
Ankommen in Tansania Eindrücke von meinem Besuch in Untermarchtal
Isabel Kopp, Sarah Denz und Jana Hölz Father Binoy
Am 27. August 2018 war es so weit. Am die uns herzlich empfingen. Mit dem Auto Im Dezember 2018 werde ich zehn Jah- rend meines einmonatigen Aufenthalts
Montagabend startete unser Flieger in ging es dann noch ein kurzes Stück in den re Priester sein, die ich vollständig als in Untermarchtal und der Besuche bei
Richtung Dar es Salaam los. Nach etwas Vorort Ruhuwiko. Hier leben wir vorerst Priester in der Mission in Tansania ver- verschiedenen Konventen fühlte ich mich
nervenaufreibenden Sicherheitskontrol- im Gästehaus St. Martin und werden für- bracht habe. Sieben Jahre nachdem ich niemals an einem fremden Ort sondern zu
len und einer Zwischenlandung in Dubai, sorglich umsorgt. So gab es in der Nacht nach Mbinga kam, um Seelsorger der Hause im wahren Mutterhaus.
kamen wir am Dienstagmittag gut in Dar noch ein üppiges Abendessen für uns. Vinzentinischen Schwestern zu werden,
Treffen mit den älteren Schwestern
es Salaam an. Von dort brachte uns Fah- sollte ich nun mehr über ihr Mutterhaus
Gleich am Montag darauf begann unser Die Begegnung mit den älteren Missi-
rer Joseph sicher zu unserer Unterkunft erfahren. Hierzu wurde ich eingeladen,
Sprachkurs. Mwalimu Ray und Mwalimu onarinnen war emotional wirklich sehr
bei den Benediktinern. Auf der Fahrt lern- Untermachtal im Mai zu besuchen. Ich
Mpepo unterrichten uns auf Englisch je- berührend für mich. Alle hatten ihre jün-
ten wir schon die ersten Wörter in der war so glücklich über die Möglichkeit,
den Tag zwei Stunden Kiswahili. Dabei geren Jahre in der Mission in Tansania
Landessprache Kiswahili von ihm. Bei Untermachtal, wovon ich schon so viel
lernen wir viel und haben großen Spaß. verbracht. Für sie sind die Erinnerungen
den Brüdern wurden wir für die nächsten gehört hatte, einmal zu sehen. An dieser
Oft kommt es wegen falscher Ausspra- an ihr vergangenes Leben die Erinnerun-
zwei Tage gut aufgenommen. Am Don- Stelle versuche ich mich nun auf einige
che und Sprachmissverständnissen zu gen an die Mission in Tansania. Ich be-
nerstagmorgen traten wir die 17-stündige Eindrücke von meinem Besuch in Unter-
langanhaltendem Lachen. Wir freuen uns merkte die Freudentränen in den Augen
Busfahrt nach Songea an. Jetzt könnte marchtal zu besinnen. Es war ebenso das
jedes Mal wieder, etwas Neues beige- einiger der Missionarinnen, als sie die
man ja denken, dass eine solche Busfahrt erste Mal, dass ich überhaupt nach Euro-
bracht zu bekommen und heißen es auch Tansanischen Schwestern sahen, die mit
stinklangweilig ist, aber das war sie nicht. pa gereist bin.
willkommen, wenn unsere Lehrer länger mir mitgekommen waren. Alle von ihnen
Im Gegenteil – es war sehr interessant,
als die geplante Stunde bei uns sind. Sehr Untermarchtal, das „Mutterhaus“ waren ganz begierig darauf, Neuigkeiten
die verschiedenen Landschaften und die
interessant ist der zusätzliche kulturelle Mein erster Eindruck von Untermarch- aus Tansania und von den Menschen, für
unterschiedlichen Dörfer aus dem Fenster
Austausch mit Insiderwissen. tal ist, dass ich es wirklich als das Mut- die sie sich in Mbinga eingesetzt haben,
zu sehen. Aber auch im Bus wurden wir
terhaus erlebt habe. Da es mein erster zu hören. Sie sind so glücklich zu erfah-
gut unterhalten. Trotz unserer fehlenden Nebenbei begleiten wir Sr. Ernesta in den
Besuch war, war ich für die meisten ren, dass die guten Werke, die sie als
Sprachkenntnis konnten wir die afrikani- Kirchenchor. Dort wird gerade für das be-
Schwestern in Untermarchtal ein Frem- Missionarinnen begannen, nun sehr gut
schen Musikvideos genießen und auch vorstehende Shooting ihrer Musik-DVD
der. Jedoch von dem Augenblick an, als von den Tansanischen Schwestern wei-
den Filmen meist folgen. Vielleicht ent- geübt. Einmal da, durften wir sofort mit-
ich den Schwestern vorgestellt und ge- tergeführt werden.
standen dabei auch unsere eigenen Ge- tanzen. Die Tanzschritte sind zwar Neu-
sagt wurde, dass ich von Mbinga komme,
schichten im Kopf? land für uns, trotzdem sind wir mit viel Teilnahme am Generalkapitel der
konnte ich die Wärme der Liebe und die
Freude dabei. Während der restlichen Schwestern
22:30 Uhr Ankunft in Songea. Dort erwar- Vertrautheit von allen spüren. Ich spürte
Zeit gehen wir mit den Schwestern in die Die Möglichkeit, am Generalkapitel der
teten uns bereits zwei Vinzentinerinnen, unmittelbar, dass die Schwestern in Mbin-
Kirche und spielen mit den Kindern. Da- Schwestern in Untermarchtal teilzu-
ga nicht irgendjemand sind, die weit weg
bei zeigten sie uns die ersten Gebärden. nehmen, half mir dabei, viele der Unter-
leben, sondern dass sie ihre Schwestern
Demnächst geht es für Sarah und Isabel marchtaler Schwestern zu sehen und
und Mitglieder ihrer Familie sind.
weiter nach Mbinga zu ihren Einsatzstel- die Sorgen und Herausforderungen der
len St. Loreto und St. Katharina. Jana Da ich kein Deutsch konnte, verstand ich Kongregation und Untermarchtal zu ver-
bleibt in Ruhuwiko in der Gehörosenschu- viele ihrer Wörter nicht, aber aus ihren lä- stehen. Während der Zusammenkunft
le St. Vincent. chelnden Gesichtern und in ihrer mütterli- realisierte ich, dass die Schwestern in
chen und schwesterlichen Sorge konnte Mbinga und die Schwestern in Unter-
Wir freuen uns auf das kommende Jahr
ich ihre aufrichtige Liebe zu mir und den marchtal vollkommen unterschiedlichen
bei den Vinzentinerinnen.
Schwestern in Tansania spüren. Wäh- Arten der Herausforderungen entgegen-24 Zeit der Erfahrungen Zeit der Erfahrungen 25
sehen. Beispielsweise besteht in Tansa- Die Schönheit Europas
nia aufgrund der steigenden Anzahl von In meinem einmonatigen Aufenthalt in
„Hey, Sista…“
neuen Schwestern die dringende Not- Untermarchtal und in meiner kurzen Rei- Äthiopienreise Heiko Sigg
wendigkeit, die Institutionen und die Inf- se zu verschiedenen Orten in Deutsch-
rastruktur auszubauen. Auf der anderen land konnte ich selbst die Schönheit Eu- „Hey, Sista…“ tönt es durch die geöffne- enrand, und wir beschleunigen wieder.
Seite besteht in Deutschland die Heraus- ropas erleben, von der ich schon viel von te Fensterscheibe unseres Pick-Ups, als Nicht weit von hier, die nächste Stadt, sie
forderung darin, die Institutionen und die anderen gehört hatte. In Untermarchtal wir uns bereits im Hochland von Nekemte sieht wieder aus wie die vorherige. Keine
Verwaltung zu restrukturieren, da sich die war ich beeindruckt, wie schön Flüsse, befinden. Der kleine Junge streckt uns an Chance für mich irgendwo ein Straßen-
Anzahl der neuen Schwestern drastisch Berge und Felder gepflegt sind. Es war so einem dieser unendlich groß erscheinen- schild zu erblicken, worauf der Name
reduziert. erfrischend für Geist, Körper und Seele, den Schlaglöchern, derentwegen wir un- ersichtlich wäre. Überall dasselbe Bild:
die schöne Natur zu sehen. Ich dachte sere Fahrt mal wieder verlangsamen, ein geschäftiges Treiben der Menschen, die
Ich war sehr froh und beeindruckt, zu
mir, dass einer der Gründe, weswegen Huhn entgegen. Er hält es an den Füßen vermutlich zu einem Markt gehen, um ir-
sehen, dass die meisten der Schwes-
Deutschland viele große Philosophen, hoch. Das Huhn, von den immer kehren- gendetwas dort zu verkaufen oder von ei-
tern bereit sind, die Veränderungen zu
Theologen und andere Intellektuelle her- den Wiederholungen dieser Prozedur nem Markt kommen. Tiere, meist Ziegen,
akzeptieren und sich den neuen Situa-
vorbrachte, ist ihre Verbundenheit mit eher müde wirkend, lässt auch diese Kühe oder Hunde queren mehr oder we-
tionen und Herausforderungen, denen
der Natur. Ich war sehr beeindruckt, dass scheinbar gelassen über sich ergehen.
Untermarchtal derzeit entgegensieht, zu
sogar im gegenwärtigen industriellen Mir kommt es so vor, als hätte ich genau
stellen. Dies spricht sehr für ihre Vinzen-
und technologischen Wachstum die Na- dieses Huhn bereits Dutzende Male auf
tinische Spiritualität und den missionari-
tur dennoch so schön erhalten wird. Ich unserer Fahrt von Addis über Ambo nach
schen Charakter der Kongregation.
konnte für mich auch erkennen, wie in- Nekemte am Straßenrand erblickt.
Pilgerreise nach Frankreich dustrielles und technologisches Wachs-
Nach über sechs Stunden Fahrt, gerade
Die Pilgerreise mit den Schwestern nach tum sehr gut genutzt werden kann, um
erwacht aus einem Sekunden- oder Mi-
Frankreich war eine spirituell außer- Mensch und Natur zu dienen. Die gut er-
nutenschlaf – so genau weiß man das
ordentlich bereichernde Erfahrung für haltenen traditionellen und historischen
auf diesen Fahrten nie – frage ich mich,
mich. Seit ich mich der Gemeinschaft Gebäude und Kirchen können ein starkes
wie viele dieser Jungen ich hier am Stra-
angeschlossen habe, habe ich viel über Gefühl für Geschichtlichkeit hervorrufen.
ßenrand sehe? …hier an der Hauptstra-
den heiligen Vinzenz gelesen und gelehrt.
Ich bewundere die sehr disziplinierte, ße! Wie viele gibt es noch abseits dieser
Daher war es ein wunderbares Erlebnis
systematische und fleißige Natur der Straßen, im Hinterland dieses riesigen Sr. Sara
für mich, die Vinzentinischen Gedenkorte
Deutschen. Als jemand, der den normalen Landes?
in Frankreich zu besuchen.
indischen und tansanischen Lebensstil niger aufmerksam die staubige Straße.
„Hey, Sista…“ Sr. Sara schaut uns fra-
Unter anderem besuchten wir: Pouy, wo gewohnt ist, war es sehr überraschend Einige von ihnen verweilen lässig in der
gend an, deutet mit beiden Händen das
Vinzenz geboren wurde, Buglose, eine zu sehen, dass während der Arbeitszeit Mitte der Straße, so dass die Fahrzeuge
Lenkrad umgreifend zum rechten Stra-
berühmte Marianische Pilgerstätte nahe praktisch keine Menschen auf den Stra- mal mehr oder weniger knapp an ihnen
ßenrand. Gegrillte Maiskolben werden
von St. Vinzenz´ Dorf, Dax, die Stadt, in ßen sind! Als ich das zu den Schwestern vorbei fahren.
am Straßenrand von ein paar jungen
der Vinzenz studierte und Sr. Margueri- sagte, lachten sie laut auf und fuhren
Frauen angeboten. Ein kurzes Kopfschüt- Für mich ist in diesem scheinbaren Chaos
te Rutan arbeitete und den Märyrertod mit mir zu den Städten und Stadtzent-
teln von mir. Sr. Anna-Luisa, auf der nun nicht mehr an Schlaf zu denken. Ich
starb, Périgeux, wo Vinzenz als Priester ren, wo die Menschen ihrer jeweiligen
Rückbank zwischen Bananen, Rucksä- sollte mich auf das Wesentliche konzen-
ordiniert wurde, Chatillon,
ˆ die Gemeinde Arbeit und auch Freizeitbeschäftigungen
cken und Sechserpack-PET-Wasser- trieren, wie Sr. Anna-Luisa: Ausruhen,
in der Vinzenz arbeitete und wo er die ers- nachgehen! Außerdem habe ich bei allen
flaschen, schläft. Also, auch kein Mais- Kräfte sammeln für unsere Aufgabe, die
te Caritasbruderschaft aufbaute. Zudem Konventen, die ich besucht habe, die ver-
kolben für sie. Eine kurze Antwort von uns hier in den nächsten Tagen bevor-
besuchten wir auch Lourdes, wo ich mich schiedenen Sorten Kuchen und Eiscreme
Sr. Sara zu einer der Frauen am Straß- steht.
ebenfalls spirituell sehr berührt fühlte. sehr genossen!Sie können auch lesen