Giovanni Girolamo Kapsperger - Abendmusiken in der Predigerkirche

Giovanni Girolamo Kapsperger - Abendmusiken in der Predigerkirche
Abendmusiken
in der Predigerkirche



Giovanni Girolamo
Kapsperger

Soprano: Maria Cristina Kiehr,
Jessica Jans, Julia Kirchner
Alto: Kai Wessel
Tenore: Sören Richter
Basso: Peter Zimpel
Flauto: Katharina Bopp, Liane Ehlich
Sordellina: Goffredo degli Esposti
Violino: Amandine Beyer, Regula Keller
Lirone: Brigitte Gasser
Viola da gamba: Brian Franklin
Violone: Fred Uhlig
Gitarra: Maria Ferré
Cetra nova: Martin Mallaun
Arpa: Masako Art
Tiorba: Julian Behr
Organo: Jörg-Andreas Bötticher

Sonntag 8. Dezember 2019, 17 Uhr
Predigerkirche Basel
Eintritt frei, Kollekte
Giovanni Girolamo Kapsperger - Abendmusiken in der Predigerkirche
Giovanni Girolamo Kapsperger                     Kapspergers sind die Wappen Kapsperger
(um 1580 – 1651)                                 und Rossi zusammengeführt.

                                                 Um 1605 zieht die Familie nach Rom.
Geboren in Venedig als Sohn des Adeligen         Kapsperger kann sich hervorragend
Wilhelm Kapsberger, hoher Offizier               etablieren, wird Mitglied der Accademia degli
(Colonello) in Habsburgischen Diensten.          Imperfetti, erhält Aufträge der Accademia
Zur Ausbildung Giovannis ist nichts              degli Umoristi, verkehrt mit den Bentivoglio,
überliefert. Er entwickelt sich früh zu einem    Farnese und weiteren einflussreichen
herausragenden Chitarrone-Spieler; schon         Familien. Als Virtuose auf Theorbe, Laute
1604 lässt er sein Libro primo di Intavolatura   und Gitarre ist er gefragt; seine Produktivität
di Chitarone ... verlegen, das erste in Druck    und Innovationskraft als Komponist in
erschienene Werk für Theorbe als Solo-           nahezu allen Genres machen Eindruck.
instrument überhaupt.                            Publikationen, in dichter Folge:
Prominent auf dem Titelblatt das Wappen der      1608 Libro primo de Madrigali ...
Kapsperger. Der „Nobile Alemano“ editiert        1610 Libro primo di villanelle ...
auch nicht selbst, sondern überlässt diesen      1611 Libro primo d’intavolatura di lauto ...
Teil seinen Förderern.                           1612 Libro primo di arie passeggiate a una
                                                 voce, con l’intavolatura del chitarone ...
Kapsperger heiratet die aus Neapel               1612 Libro primo di motetti passeggiati a
stammende Girolama de Rossi; das                 una voce ...
erste Kind wird 1604 in Neapel getauft.          Bis zum Libro quarto d’intavolatura
Girolama ist ebenfalls eine Adelige; auf den     di chitarone (1640) insgesamt über 40
Titelblättern nachfolgender Publikationen        Veröffentlichungen.
Giovanni Girolamo Kapsperger - Abendmusiken in der Predigerkirche
1623 wird Maffeo Barberini (1568–1644)          diesen ordentlich anzupassen, dabei soweit
als Urban VIII zum Papst gewählt. Schon         wie möglich die Affektiertheit und die
1624 publiziert Kapsperger eine Vertonung       Verdorbenheiten des Gesangs fliehend,
dessen lateinische Gedichte: Poematia et        die jene modernen Musiker und Sänger so
Carmina composita a Maffeo Barberino ...        häufig praktizieren ... Er hatte oft die Ehre,
Im gleichen Jahr tritt er in die Dienste        seine Kompositionen im Zimmer Seiner
des Kardinals und Papstneffen Francesco         Heiligkeit singen zu lassen ... Er spielt auch
Barberini (1597–1679); später werden            ausgezeichnet die Theorbe, auf der er als der
Girolamo Frescobaldi (1583–1643),               erste Meister, den wir in Rom haben, gilt.“
Domenico Mazzocchi (1592–1665) und
weitere erstrangige Musiker an den Hof des      Das positive Urteil Donis über Kapsperger
begeisterten Mäzens verpflichtet.               verkehrt sich in De praestantia musicae
                                                veteris (1647) allerdings in ein äusserst
Der Gelehrte und Musiktheoretiker Giovanni      negatives; vermutlich gab es einen Streit.
Battista Doni (1595–1647) arbeitet ebenfalls    Die negative Beschreibung wurde in der
für die Barberini; 1626 sendet er seinem        Musikwissenschaft erstaunlich lange
Kollegen Marin Mersenne (1588–1648) in          weitergereicht und erst in letzter Zeit
Paris Kapspergers Poematia et Carmina und       korrigiert.
berichtet über ihn:                             Spätestens nach dem Abgang der Barberini
„wahrhaftig ein gelehrter Mann in seiner        aus Rom (1644/46) sinkt auch der Stern
Profession ... zudem ein sehr höflicher         Kapspergers; Freude wird ihm die
Mensch, wortgewandt und liebenswürdig           Zusammenarbeit mit Athanasius Kircher
... der, was die Musik betrifft die Macht der   (1602–80) bereitet haben, der in seiner
Worte zu beachten und seine Modulationen        Musurgia Universalis (1650) viele
                                                Kompositionen Kapspergers als beispielhaft
                                                anführt.
                                                AJB

                                                Literatur:
                                                Anne Marie Dragosits: Giovanni Girolamo Kapsperger
                                                (ca. 1581 – 1651): Betrachtungen zu seinem Leben und
                                                Umfeld, seiner Vokalmusik und seinem praktischen
                                                Material zum Basso continuo-Spiel.
                                                Diss. Leiden, 2012 (online verfügbar)




                                                Leo Allatius (um 1586–1669), Bibliothekar
                                                der Biblioteca Vaticana:
                                                LEONIS ALLATII APES URBANAE, siue
                                                De viris illustribus, qui ab Anno MDCXXX.
                                                per totum MDCXXXII. Romae adfuerunt ...
                                                Romae 1633

                                                In Anspielung auf das bienengeschmückte
                                                Wappen Urbans VIII: Die „Bienen Urbans“,
                                                verdiente Männer Roms in den Jahren 1630-32.
                                                Als einziger Musiker (!) ist Kapsperger erwähnt
                                                (S. 159-60), mit einer ausführlichen Werkliste.
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Claude Mellan (1598–1688) nach
Giovanni Lorenzo Bernini (1598–1680):
VRBANVS VIII BARBERINVS PONT. MAX.
(Porträt in den POEMATA Barberinis:
MAPHAEI S. R. E. CARD. BARBERINI
nunc URBANI PP. VIII POEMATA ...
Romae 1631)

>
Von Kapsperger in Musik gesetzte
Gedichte Barberinis:
POEMATIA ET CARMINA Composita à
MAFFAEO BARBERINO olim S. R. E. Card.
Nunc autem VRBANO OCTAVO P. O. M.
Musicis modis aptata à
Jo. Hieronymo Kapsperger / Nobili Germano.
Volumen Primum ... Romae 1624

>
Ottavio Leoni (1578–1630):
Kardinal Francesco Barberini, 1624
Auf dem Brief monogrammiert:
Al M. Ill.ris. Sig. / Il Card. Barberini /
(Otta)vio Leoni
131,5 x 94 cm; Auktion Wien, Dorotheum, 2017
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Anton van Dyck (1599–1641):                        in Italien, 1627–32 in Antwerpen. Der mit
Porträt eines Chitarrone-Spielers, 1622–32         raffiniertem understatement Porträtierte dürfte am
128.7 x 101 cm; Museo Nacional del Prado           ehesten ein Amateur sein, der sich tatsächlich auf
                                                   seinem Instrument hören lassen konnte. Weniger
Van Dyck, einer der renommiertesten Porträtisten   wahrscheinlich: Ein erfolgreicher Berufsmusiker,
seiner Zeit, arbeitet in den Jahren 1621–27        der sich ein so teures Porträt leisten konnte.
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Weihnachten feiern im Vatikan                   verspeisen, um die Weihnachtsbotschaft
vor 390 Jahren –                                mit allen Sinnen aufzunehmen.1
Giovanni Girolamo Kapsperger,
«I Pastori di Bettelemme»                  Aber noch vor dem Festessen ist es Brauch,
                                           ein «virtuoso divertimento di Musica, con
                                           una Cantata volgare sopra la Natività del
Wohl am Vorweihnachtsabend 1629,           Bambino Gesù» zu hören, wie es Antonio
im Anschluss an die Vesper in der          Adami 1711 in seinen Osservazioni per
Sixtinischen Kapelle im Vatikan, ziehen    ben regolare i coro de i cantori della
die versammelten Kardinäle mitsamt         Cappella Pontifica festhält. 1629 stammte
ihrem Oberhirten, Papst Urban VIII. (alias die «Cantata volgare» von Giovanni
Maffeo Barberini), in einen von Kerzen     Girolamo Kapsperger (um 1580–1651),
festlich beleuchteten Saal im Palazzo      der sich eine hervorragende Stellung als
Apostolico. Dort war ihnen eine prächtig   Musiker und musikalischer Organisator
geschmückte Tafel bereitet, deren Schmuck am Papsthof der Barberini erworben
auf das Weihnachtsfest, also die Feier der hatte. Nur wenige Tage später legte er das
Geburt Jesu, Bezug nahm: Sogenannte        Werk in gedruckter Form vor: I pastori
«trionfi di tavola», das sind aus Marzipan di Bettelemme nella nascita di n. s. Giesu
und Zuckerguss gefertigte und von          Christo, Dialogo posto in musica (Rom:
renommierten Künstlern gestaltete kleine   Paolo Masotti 1630). Gewidmet ist es dem
Figuren, stellen Szenen aus der Geburt     einflussreichen Papstneffen Francesco
Jesu dar. Das raffinierte theologisch-
ikonologische Konzept der Festtafel wird   1 Carolyn Gianturco, «Cantate Spirituali e Morali,
an die Kardinäle als «libretto» verteilt.  with a Description of the Papal Sacred Cantata
Diese schriftliche Weihnachtsbotschaft     Tradition for Christmas 1676-1740», in: Music
können sie mit nach Hause nehmen –         & Letters 73/1 (1992), 1-31, 4; Hans Joachim
die köstlichen «trionfi» aber werden sie   Marx, «Römische Weihnachtsoratorien aus der
                                           ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts», in: Archiv für
während des anschliessenden Festessens
                                                Musikwissenschaft 49/3 (1992), 163-199, 164.




                                                                               Pierre Paul Sevin
                                                                               (1650-1710):
                                                                               Bankett mit
                                                                               „Trionfi di tavola“,
                                                                               angerichtet für
                                                                               Kardinal Leopold
                                                                               de Medici, 1667.
                                                                               Nationalmuseum
                                                                               Stockholm
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Barberini, aus dessen Schatulle Kapsperger     auf diesen Papst stünde: Eingeleitet
bis zur dramatischen Flucht der Barberini      durch einen «Testo», hier die Stimme des
nach dem Tode Urbans VIII. 1644                Dichters, werden im Vatikan segensreiche
einträgliche Zahlungen erhielt. (Nur in        Jahre für den glorreichen Urban
Klammern sei vermerkt, dass die Widmung        angekündigt («in Vaticano prosperi gl’Anni
von Kapspergers Sohn, dem 19-jährigen          al glorioso URBANO») – «Viva viva Età
Filippo Bonifacio, verfasst wurde, der         felice»!
sich hier geschickt der wohlwollenden
Aufmerksamkeit des mächtigen Kardinals         Theologisch steht die Zweiteilung für
empfiehlt.) Auch der Textdichter war erste     Zustand der Welt vor und nach der
Wahl, handelte es sich hier um Giulio          Geburt Christi bzw. der Wiederkunft des
Rospigliosi (1600–1669), der später als        Messias, und die eingeschobene Huldigung
Clemens IX. sogar selbst Papst werden          an Papst Urban rückt ihn ins Zentrum
sollte.                                        dieser Botschaft, wobei seine Herrschaft
                                               antikisierend als eine Rückkehr des
Kapspergers I pastori di Bettelemme            Goldenen Zeitalters beschrieben wird.
entsprechen genau den Erwartungen              Es ist anzunehmen, dass Papst Urban bei
an eine solche «Cantata volgare sopra          der Aufführung 1639 anwesend war und
la Natività del Bambino Gesù» (die             sich entsprechend geschmeichelt fühlen
Bezeichnung «Dialogo» im Druck weist           durfte …
auf den dialogischen Charakter und
damit das einige Jahre später in Rom           Musikalisch wählte Kapsperger eine
entstehende Oratorium hin, das gleichfalls     Vertonung in einer abwechslungsreichen
als «Dialogo» bezeichnet wurde). Wie der       Folge von Rezitativen und verschieden
Titel deutlich macht, steht die Hirtenszene    stark besetzten Chören, jeweils vom Inhalt
der Weihnachtsgeschichte im Zentrum, die       und Struktur der Sprache bestimmt. Ist
im Lukas-Evangelium erzählt wird (Lukas        er heute vor allem als Komponist für
2, 8–20). Dabei teilt Giulio Rospigliosi die   Laute und Chitarrone bekannt und in
Geschichte in zwei Abschnitte: Zu Beginn       Konzerten zu hören, schätzten ihn seine
wird die Szene mit den Hirten auf dem          Zeitgenossen als äusserst vielseitigen
Felde geschildert, die das Kommen des          Musiker in eigentlich allen seinerzeit
Sohnes Gottes herbeisehnen, bis ihnen der      gängigen Gattungen. Hier zeigt er seine
Engel mit der Verkündigung der Frohen          Kunstfertigkeit in Vokalgattungen mit der
Botschaft erscheint. Der zweite Abschnitt      musikalischen Gestaltung eines poetisch
– im Druck mit «Natale», also ‘Geburt’         anspruchsvollen Textes. So wird etwa die
bzw. ‘Weihnachten’ überschrieben – gilt        Eingangsszene mit der langen Reflexion
der Szene an der Krippe, die abgeschlossen     des Hirten, der auf eine himmlische
wird mit drei Engeln, die das Jesuskind in     Botschaft hofft, durch eine rhetorisch-
den Schlaf singen (im Druck überschrieben      deklamatorische Vokalline unterstützt.
mit «Gl’angeli intorno al presepio»).          Die insgesamt dreimal wiederholte,
Wir wären aber nicht in Rom während der        eindringliche Bitte «Manda, manda Signor
prächtigen und machtvollen Herrschaft          l’eterno Figlio» schliesst diesen Abschnitt
des Barberini-Papstes Urban VIII.,             ab und bereitet die Ankunft der anderen
wenn in der Mitte zwischen den beiden          Hirten vor, die als homophon gesetzter
Weihnachtsszenen nicht noch ein Loblied        Chor in einem beschwingten Dreiertakt
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eine pastorale Idylle besingen. Der erste
Hirte ruft sie zur Besinnung, so dass sie
Umkehr geloben und mit einer Bitte um
Erbarmen enden: «Habbi di noi pietà».
Die anschliessende Verkündigung der
frohen Botschaft durch einen Engel bietet
einen plötzlichen Affektwechsel. Und in
dieser Art geht es bis zum abschliessenden
Wiegenlied der Engel an der Krippe
«Dormi Figlio Vago Giglio» weiter.

Zum eingangs erwähnten «virtuoso
divertimento di Musica» gehörte aber
noch mehr. In der gedruckten Partitur
der I pastori di Bettelemme findet sich
neben der Linie für den bezifferten
Basso continuo nur zwei Hinweise auf
zusätzliche Musik und Instrumente: Zum
einen in einigen dreistimmigen Takten
zu Beginn, die «Sinfonia» betitelt sind;
das ist als eine Art Platzhalter für eine
etwas grösser besetzte Instrumentalmusik
zu verstehen. In Kapspergers bereits
1615 publizierten Sinfonie beschreibt er,
wie durch Instrumentierung mit «Lauto,
Chitarrone, Cimbalo, Arpa, & suoi
simili» die Begleitung angereichert und
mit «Violino, Cornetto, & suoi simili»
die Oberstimmen besetzt werden können
und damit eine mehrchörige Aufführung
möglich wird. In der Basler Aufführung
kommt im Continuo auch ein Salterio zum
Einsatz, das ist ein Hackbrett, das sowohl
mit Schlegeln geschlagen oder aber mit
den Fingern gezupft wird. Noch bis weit
ins 18. Jahrhundert hinein war es beliebtes
Instrument der höheren Stände und wurde
an den Fürstenschulen unterrichtet.

Zum anderen sind in der Partitur fünf
Takte mit einer nicht näher ausgeführten      Surdelinam Neapolitanam, aus:
                                              Marin Mersenne: Harmonicorum Libri ... Paris 1636
Basslinie am Ende des Gesangs des ersten
Hirten abgedruckt, die mit «Sordellina»       Joueur de Sourdeline: Radierung ca. 1630 (Charles
                                              David), nach dem Porträt durch Claude Vignon
überschrieben sind. Gemeint ist damit der     ca. 1620: François Langlois (1588–1647),
Einsatz einer Sackpfeife, die in Hinblick     Kunsthändler und virtuoser Spieler des Instruments.
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auf das Stichwort «un sonno di pastori        beschreibt auch Pietro Della Valle
accenti» (der Klang der Hirtenstimmen)        1640, indem dieser den Subtilitäten des
im Text ertönt. Schon in jener Zeit kamen     Kontrapunkts tausend Anmutigkeiten von
die Hirten mit ihren ‘Arbeitsinstrumenten’    Trillern, Strascini, Synkopen, Tremoli,
zur Weihnachtszeit in die Städte, um          listige Wechsel zwischen leise und laut und
sich mit ihrem Spiel ein Zubrot zu            ähnliche Galanterien hinzuzufügen wusste
verdienen. Dieser ‘Strassenlärm’ wurde in     («che alle sottigliezze de contrappunti
Weihnachtskantaten und -messen integriert,    hanno saputo aggiunger ne’ loro suoni
wie eine Reihe von Werken des 17.             mille grazie di trilli, strascichi, di sincope,
Jahrhunderts belegen. Aussergewöhnlich an     di tremoli, di finte di piano e di forte e di
Kapspergers Einsatz ist alleine der Name      simile altri galanterie da quelli dell’età
«Sordellina», der eine stark verfeinerte      passate poco praticate»; Della musica
und mit einem Klappenmechanismus              dell’età nostra [gedruckt 1763]).
versehene Sackpfeife bezeichnet (die
robusteren Instrumente hiessen Zampogna       Zum anderen erklingen Solomotetten
oder Piva). Glücklicherweise hat sich ein     Kapspergers, die schon im Druck mit
umfangreiches Manuskript des adligen          Verzierungen («passegiata») notiert
Spielers Giovanni Lorenzo Baldano (1576–      sind. Dies erinnert auch daran, dass zu
1660) aus der Zeit um 1600 erhalten, das      Kapspergers musikalischen Aktivitäten die
Musik für diese ‘Salon-Sackpfeife’ in         Betreuung von «putti» gehörte, also von
Tabulaturnotation enthält und aus dem         Knaben mit vielversprechenden Stimmen
die Basler Aufführung schöpft. Zugleich       und musikalischen Fähigkeiten, in deren
laden die «Sinfonia» wie dieser kurze         Ausbildung man investierte. Man darf
«Sordellina»-Einschub dazu ein, noch          sich vorstellen, dass auch die Gesänge der
weitere Musik in die kurze Weihnachts-        Hirten und Engel ganz selbstverständlich in
Kantate zu integrieren, wie dies seinerzeit   ähnlicher Weise ausgeziert wurden, wurden
sicher auch praktiziert wurde.                sie doch unter den besten Sängern des
                                              Papsthofes ausgewählt.
Hierzu wurden zum einen passende Stücke       Zu hören ist schliesslich eines der
für Chitarrone ausgewählt, neben einer        berührendsten Wiegenlieder, Tarquinio
«Piva» (also auf die bereits genannte         Merulas «Canzonetta spirituale sopra la
Sackpfeife anspielend) oder Kapspergers       nanna». Maria singt das Jesukind über
heute vielleicht bekanntestes Stück, den      ein ostinates Bassmodell mit einem
«Canari». Basierend auf einem vielleicht      Pendeln zwischen nur zwei Tönen im
von den Kanarischen Inseln stammenden         Halbtonabstand in den Schlaf («Fa la nina
Tanz – oder aber auch von einem               nina na») und sie denkt dabei über sein
höfischen Maskenfest, bei der die Tänzer      künftiges Leiden und grausames Schicksal
als ‘Wilde’ verkleidet waren – entfaltet      nach. Nicht nur die «trionfi» zerschmelzen
sich ein virtuoses Spiel über einer aus nur   sozusagen auf der Zunge …
drei Tönen bestehenden Bassfigur. Zu
hören ist auch seine «Toccata 7ma», die       Martin Kirnbauer
sich den instrumentalen Toccatas seines
                                              >
Kollegen Girolamo Frescobaldis am
                                              Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571–1610):
Papsthof ebenbürtig zeigt. Die besondere      Adoratio Pastorum, um 1609
Kunstfertigkeit von Kapspergers Musik         314 x 211 cm, Museo Regionale, Messina
Giovanni Girolamo Kapsperger - Abendmusiken in der Predigerkirche
Sinfonia prima à 4
con due Bassi

Aus: LIBRO PRIMO DI SINFONIE A QUATTRO
Con il Basso continuo.
Del Signor Gio. Girolamo Kapsperger / Nobile Alemano …
Roma 1615


I Pastori di Bettelemme
Nella Nascita di N. S. Giesu Christo
Dialogo posto in Musica dal Sig. Gio. Girolamo Kapsperger
Nobile Alemano. / All Illustrissimo & Reverendissimo Signore
Il Sig. Cardinale FRANCESCO BARBERINO …
Roma 1630

Libretto: Giulio Rospigliosi / Clemens IX (1600–1669)
Besetzung: CCCATB, Flauto I/II, Sordellina, Violino I/I, Continuo



Primo Pastore                                       Erster Hirte
Vaghi lumi del cielo, ardenti stelle,               Schöne Lichter des Himmels,
ch’in sì placida notte                              strahlende Sterne in friedlicher Nacht,
sete con fiamme tremolanti e belle                  mit wandelnden, schönen Lichtern
fregio e tesor della notturna veste;                Schmuck und Schatz des Gewandes
voi, del tempio celeste                             der Nacht, des Himmelstempels
luminose facelle,                                   helle Fackeln auf leuchtender
per lucido sentiero                                 Strasse: zu euch hinauf
costà su richiamate il mio pensiero.                richte ich meine Gedanken.

Altri da voi ben sente                              Andere mögen sich
in sì tranquilla pace                               in süssem Frieden
con silentio loquace                                mit beredtem Schweigen
persuadersi il sonno;                               dem Schlummer hingeben;
ma le mie cure in me dormir non ponno.              meine Sorgen lassen mir keine Ruh.
Dal vostro lume ardente                             Von eurem hellen Scheine
sento svegliarmi a contemplar quel lume             fühle ich mich gerufen, jenes Licht zu
onde la luce avete;                                 betrachten, von dem ihr euer Licht habt;
mover mi sento a desiar quel nume                   zu jener Gottheit fühle ich mich hingezogen,
dalla cui man potente                               von deren mächtiger Hand das Gold
formossi l’oro onde sì ricche sete.                 geschaffen wurde, an dem ihr so reich seid.

Nume chiaro e sovrano, e quando fia,                Helle, allerhöchste Gottheit, wann, ach
quando fia che quest’ ombra, e quest’orrore         wann wird es geschehen, dass diese
illuminato fia                                      schreckliche Finsternis erleuchtet wird
dal suo vivo splendore?                             durch deinen hellen Glanz?
O Dio, se pur verace,                           O Gott, wann endlich können wir
se stabil è pur sempre ogni promessa            ein Zeichen erwarten,
che deriva dal cielo,                           das vom Himmel kommt.
Deh! squarcia omai dell’atre nubi il velo       Siehe, da reißt der Schleier der dunklen
e su la terra oppressa                          Wolken auf, herab auf die Erde; bedrängt
da mortali caligini e funeste                   von Tod und verhängnisvollem Dunkel
scenda raggio celeste.                          kommt ein Strahl vom Himmel herab.
Volgi, ah volgi, o gran Padre, al cieco mondo   Ach wende, himmlischer Vater, das Auge
di tua clemenza il ciglio!                      deiner Barmherzigkeit der dunklen Welt zu.
Manda, manda, Signor, l’eterno Figlio!          Herr, sende uns deinen ewigen Sohn!

Mira sepolta in grave obblio e profondo         Sieh doch, begraben in tiefem Vergessen
omai giacere ogn’ alma                          liegen die Seelen,
e privo d’ogni aita,                            jeder Hilfe beraubt.
scarso d’ogni virtude                           Kraftlos irrt dein auserwähltes Volk,
il popol tuo diletto,                           wie ein armes Lämmlein,
qual semplice agnelletto                        das den Weg verloren hat,
che la strada ha smarrita                       hilflos umher,
cinto da fere insidïose e crude                 bedrängt von arglistigen
errar senza consiglio.                          und grausamen wilden Tieren.
Manda, manda, Signor, l’eterno Figlio!          Herr, sende uns deinen ewigen Sohn!

So ben io che non merta                         Ich weiß wohl, dass die Erde
cotanto onor la terra;                          solche Ehre nicht verdient.
so che la strada al tuo favor si serra,         Ich weiß, dass der Weg zu deiner Gnade
ove all’umane colpe è solo aperta.              verschlossen ist, der einzig und allein
Ma se a prego mortale,                          menschlicher Sündenschuld offensteht.
Padre e Signor, celesti gratie hai pronte,      Aber wenn Du, Vater und Herr, himmlische
aprasi omai di tua clemenza il fonte;           Gnaden bereit hältst, dann öffne jetzt die
vaglia la tua pietade,                          Quelle deiner Barmherzigkeit. Lass walten,
oh Dio, vaglia il tuo zelo,                     o Gott, dein Erbarmen, lass walten deinen
sì che poscia dal cielo                         Eifer, dass ich nicht für immer aus dem
me non divida un sempiterno esilio;             Himmel verbannt bleibe.
manda, manda, Signor, l’eterno Figlio!          Sende, Herr, deinen ewigen Sohn!

Ah! s’innalzasti avante il popol tuo            Ach, du hast doch schon dein Volk mit
con tante gratie e tante,                       unerschöpflicher Gnade erhoben;
nostri difetti or di tua gratia adempi.         mache unsere Verfehlungen durch deine
E vedrai tosto i popoli devoti                  Gnade wieder gut. Bald wirst Du die
offrirti i voti e consecrarti i tempi.          frommen Völker dir Gelübde leisten und
                                                Tempel weihen sehen.

Improvisation:
Sordellina, Continuo
Ma parmi udire un suono                              Aber mir ist, als hörte ich
di pastorali accenti                                 Hirtenstimmen, die in sternklarer Nacht
che per l’ombre serene                               sich wunderbar mit dem Klang von
dolce si accorda a boscarecce avene.                 Hirtenflöten vereinen.

Coro dei pastori                                     Chor der Hirten
Il ciel propitio / a nostre voglie                   Der Himmel, gefällig unseren Wünschen,
in lungo ospitio / qui pace accoglie.                heißt hier den Frieden willkommen.
Né l’alme accendono / brame che offendono            Keine Gelüste entflammen die Seele, dass
dell’altrui seno / il bel sereno.                    sie betrüben der Anderen Herz.

Se qui non sorgono / i marmi industri,               Hier ragt kein kunstvoller Marmor empor,
tetti si scorgono / d’erbe palustri.                 nur Dächer aus Schilf wirst du erblicken.
Cristallo amabile / è l’onda instabile;              Kristallen die rasche Welle, aus Gras das
son l’erbe il letto, / le fronde il tetto.           Bett, aus Laub ein Dach.

Qui non sospirasi / beltà fallace,                   Nein, hier begehrt man nicht trügerische
ma solo ammirasi / splendor verace.                  Schönheit, bewundert nur Echtes.
E il ciglio allettano / fiumi che affrettano         Das Auge locken Flüsse, die eilig ziehen
tra verdi piante / il piede errante.                 zwischen Büschen ihre unstete Bahn.

Le selve apprestano / delitie immense                Wälder bieten Wonnen ohne Zahl, reiche
e il cibo prestano / gli orti alle mense.            Speise schenken die Gärten zum Mahl.
E noi confortano / rivi che portano                  Den Durst stillen Bäche, die gemächlich
con passo lento / tranquillo argento.                führen ihr Silber dahin.

D’albergo povero / nell’umil sede                    In ärmlicher Hütte, bescheidenem Quartier,
hanno ricovero, / amore e sede.                      finden Zuflucht Liebe und Treue.
Frode non provasi / qui dove trovasi                 Kein Betrug, nur Eintracht; mit einer
un sol tenore / tra il volto, e il core.             Stimme sprechen Miene und Herz.

Se i dì sen fuggono / con presti vanni,              Wenn die Tage fliehen auf schnellen
e se distruggono / i più verdi anni,                 Schwingen, wenn verglüht sind die
quel tempo vivesi, / che solo ascrivesi              Jugendjahre, ist die Zeit gekommen,
nei boschi ombrosi / a bei riposi.                   in schattigen Wäldern sich auszuruhen.


Giovanni Lorenzo Baldano
(1576–1660)

Fantasia pastorale
Bergamasca
Aus: Libro per scriver l‘intavolatura per sonare sopra le sordelline
Manuskript, Savona 1600
Biblioteca del Seminario Vescovile di Savona
Primo Pastore                               Erster Hirte
Altre cure, compagni, altri concenti        Für andere Sorgen, Gefährten, für andere
per cagion più devota il tempo chiede;      Liederaus frommerem Anlass ist es Zeit.
meco più tosto alla superna sede            Mit mir richtet lieber zum Himmelsthron
volgete i preghi ardenti,                   eure Gebete, dass endlich der Herr
onde si muova al fine                       aus Himmelshöhen naht,
dalle stellanti rote il Re sovrano          die Erde glücklich zu machen.
a far beato il mondo.                       Wisset, nicht mehr fern kann der
Sapete pur che lungi esser non puote        freudenreiche Tag sein, an dem ein so
di sì bramato effetto il dì giocondo.       sehnlicher Wunsch in Erfüllung geht.

Secondo Pastore                             Zweiter Hirte
Felice tè che innalzi                       Glücklich, der du deine Wünsche
a così alto oggetto i tuoi desiri           so erhabenem Gegenstand weihst,
e con devoto affetto                        und mit frommem Sinn in Tränen
tra pianti e tra sospiri                    und Seufzern deine Stunden
l’ore te ne trapassi,                       verbringst, dir keinen Schlaf gönnst
e con sonni interrotti                      und den nächtlichen Himmel erforschst,
vai misurando i passi                       und in Hoffnung
delle tacite notti, e stai di speme         und frommer Erwartung
e di pietade impresso,                      jenem Heil harrst,
aspettando quel ben che n’è promesso.       das uns versprochen wurde.

Quarto Pastore                              Vierter Hirte
Consola pur la mente,                       Tröste nur dein Herz,
ché ben presto fia pago                     denn sehr bald wird unser aller Wunsch
nostro comun desio,                         erfüllt, und wir werden, wenn der Himmel
e in terra mirarem, se il ciel non mente,   nicht lügt, des ewigen Vaters lebendiges
del Padre eterno una spirante imago.        Abbild auf Erden erblicken.
Sento, ah sento ben io,                     Ich spüre, ach, auch ich spüre, vom
sento del cielo infuso in fra le vene       Himmel in meine Adern gegossen,neuen
novello spirto di verace speme.             Geist gewisser Hoffnung.

Terzo Pastore                               Dritter Hirte
Allor sì che godrassi                       Ja, nun werden Ruhe
una tranquilla pace:                        und Frieden sich ausbreiten;
ogni belva rapace                           Raubtiere werden
volgerà lunge i passi                       ihre Schritte weg von der
dal gregge mansueto.                        zahmen Herde wenden.

Quinto Pastore                              Fünfter Hirte
Anzi dall’alme a cui l’insidie or rende     Mehr noch, nach furchtbaren Anschlägen
entro alle notti d’Acheronte orrende        auf die Seelen wird der Höllenlöwe in den
sen fuggirà deluso                          finsteren Abgrund fliehen, besiegt und
il leone infernal vinto e confuso.          verwirrt.
Primo Pastore                             Erster Hirte
Ma quale offerta, e quale                 Aber welche Gabe,
atto di reverenza                         welchen Beweis der Ergebenheit
in Dio farem quando a innalzar ne venga   können wir Gott bieten, wenn er
con l’alta sua presenza?                  allerhöchst gegenwärtig wird?

Quinto Pastore                            Fünfter Hirte
Io da miei pigri affetti                  Ich will mich aus meiner
veloce sorgerò.                           Herzensträgheit aufraffen.

Secondo Pastore                           Zweiter Hirte
Io de’ vani difetti                       Ich will den Staub eitler
la polve scoterò.                         Zornesanwandlungen abschütteln.

Quarto Pastore                            Vierter Hirte
Io de’ lascivi ardori                     Ich will das Kleid der unzüchtigen
le vesti deporrò.                         Leidenschaften ablegen.

Terzo Pastore                             Dritter Hirte
Io de’ miei lunghi errori                 ich will das Joch meiner langen
il giogo romperò.                         Irrwege im Glauben zerbrechen.

a5                                        a5
Abbi di noi pietà,                        Hab Erbarmen mit uns,
de’ cieli eterno Re;                      des Himmelreiches ewiger Herrscher,
vaglia la nostra fé                       stärke unseren Glauben,
che fede in te sol ha;                    dass er vertrauen nur in dich setzt;
abbi di noi pietà.                        Hab Erbarmen mit uns.

Deh! venga omai quel dì                   Ach, dass jetzt anbreche jener Tag,
che Dio nascer dovrà                      an dem Gott Mensch werden soll,
e il cielo s’aprirà                       und der Himmel sich öffnet,
che già mai non s’apri;                   der sich noch nie geöffnet hat;
deh! venga omai quel dì.                  Ach, dass jetzt komme der Tag.

Abbi di noi pietà …                       Hab Erbarmen mit uns …
Canario
Aus: LIBRO QUARTO
D‘INTAVOLATURA DI CHITARONE
Del Signore / Gio: Girolamo Kapsperger
Nobile Alemano ...
Roma 1640




Angelo                                      Engel
Scherzate, gioite, / godete, pastori!       Kommt, jubelt, freut euch, ihr Hirten!
I vani timori / dall’alma bandite!          Verbannt die Angst aus euren Herzen!
Annuntio giocondo                           Ich verkündige den freudenreichen Tag,
di pace v’apporto;                          Frieden bringe ich euch;
prendete conforto,                          schöpfet Trost,
ché nato è Cristo a dar salute al mondo.    denn geboren ist Christus, der Heilsbringer.

Sopra rigido fieno,                         Auf hartem Stroh,
sotto povero tetto                          unter ärmlichem Dach
celeste pargoletto                          liegt das himmlische Kind,
alla sua madre in seno,                     auf seiner Mutter Schoß,
in mezzo a vili e semplici animali,         inmitten gemeiner und geringer Tiere,
stassi fra rozze fasce avvolto e stretto.   in grobe Windeln gewickelt.

O felici mortali,                           O glückliche Sterbliche, für euch
per voi cangiò con rozza paglia il cielo,   tauschte er den Himmel gegen Stroh,
scherzo d’orrido gelo;                      himmlisches Glück gegen bittere Kälte.
per voi vagisce infante                     Um euretwillen wimmert
chi vibre dalle stelle                      als kleines Kind, der vom Himmel
il fulmine tonante.                         Blitz und Donner schleudert.
Giace per sol levarvi                       Er liegt dort, um euch zu erhöhen;
e sfoga in pianto acerbo i suoi dolori,     weinend lässt er seinen Schmerzen freien
e sospira e si affanna                      Lauf, seufzt und trägt sein Schicksal,
per dar cagione a voi d’eterno riso.        um euch ewige Freude zu bereiten.

Su, su dunque, pastori,                     Darum, auf, ihr Hirten,
a quell’umil capanna                        auf zu jener ärmlichen Hütte,
ch’è fatta un paradiso                      die zum Paradies geworden ist.
colà per l’ombre liete                      Dorthin, durch fröhliches, helles
omai senza dimora il piè movete.            Dunkel brecht ohne Säumen auf;
Breve sarà la strada.                       kurz wird der Weg sein.
Vada, su dunque, vada,                      Es mache sich auf den Weg und eile, wer
vada chi veder vuole                        im Schoße der Morgendämmerung, mitten
in grembo all’alba a mezza notte il sole.   in der Nacht, die Sonne schauen möchte.
Toccata 7
Aus: LIBRO QUARTO
D‘INTAVOLATURA DI CHITARONE
Del Signore / Gio: Girolamo Kapsperger
Nobile Alemano ...
Roma 1640




Hodie Christus natus est
Aus: Modulatus sacri
Diminutis voculis concinnati …
Del Signore Gio: Girolamo Kapsperger
Nobile Alemano ...
volumen secundum
Roma 1630

Cantus, Continuo
Text: Antiphon / Lukas 2, 11 und 14



Hodie Christus natus est, Noe!
Hodie Salvator apparuit, Noe!
Hodie in terra canunt angeli,
laetantur archangeli.
Hodie exsultant iusti, dicentes:
Gloria in excelsis Deo.
Alleluia!

Heut ist uns Christus geboren, Noe!
Heut ist der Erlöser erschienen, Noe!
Heut singen auf Erden die Engel,
es freuen sich die Erzengel.
Heut jauchzen die Gerechten und sagen:
Ehre sei Gott in der Höhe.
Halleluja!
Primo Pastore                               Erster Hirte
Sarà dunque pur vero                        Es ist also wahr,
ciò ch’a noi ne rivela                      was der himmlische Bote
celeste messaggero?                         uns verkündet.
O noi felici, o fortunato il mondo!         O wir Glücklichen, o glückliche Welt!

Quarto Pastore                              Vierter Hirte
O ciel, ben sopra noi                       O Himmel, hoch über uns,
oggi tue gratie piovi,                      heute lässt du deine Gnade herab;
e con esempi fortunati e novi               auf ganz neue Weise fallen Tau,
rugiada, ambrosia e manna                   Ambrosia und Manna
stilla una vil capanna.                     auf eine ärmliche Hütte herab.

Terzo Pastore                               Dritter Hirte
A noi veder fiorita                         Uns ist vergönnt,
la gran verga di Gesse è dato in sorte.     das Reis Jesse erblühen zu sehen.

Quinto Pastore                              Fünfter Hirte
Oggi nasce alla vita                        Heute erwacht zum Leben
la vita accinta a superar la morte.         das Leben, das den Tod überwindet.

Terzo Pastore                               Dritter Hirte
Tra l’ombre intatto e puro                  Mitten im Dunkel, unversehrt und rein
nello speco è produtto                      ist heute in der Höhle aus jungfräulichem
oggi del ventre virginale il frutto.        Schoß die Frucht hervorgegangen.

Secondo Pastore                             Zweiter Hirte
Nasce nell’ antro oscuro                    Geboren ist in dunkler Höhle,
ricco del proprio lampo                     erleuchtet vom eigenen licht
il giglio delle valli, il fior del campo.   die Lilie im Tale, die Blume auf dem Felde.

Quinto Pastore                              Fünfter Hirte
Su, su dunque, pastori                      Drum auf, ihr Hirten,
colà volgiamo il piede                      wenden wir den Schritt dorthin,
ove alla notte algente                      wo in eisiger Nacht
quel Dio tremarsi vede                      der Gott vor Kälte zittert,
che fa tremar gl’abissi,                    der den Abgrund der Hölle erzittern
e lacrimar dolente                          macht und vor Schmerz weint,
l’allegrezza del cielo,                     der die Freude des Himmels ist,
e il sempiterno sol tremar di gelo.         wo die ewige Sonne zittert vor Kälte.
Natale                                      Weihnachten
a2&a5
O Re del cielo, / nasci pur oggi            O König des Himmels, heute geboren
tra questi poggi, / sotto aspro gelo;       zwischen diesen Hügeln, bei bitterer Kälte.
né premi il seno / di ricco letto,          Du bettest den Leib nicht im weichen Bett;
ma rozzo fieno / ti da ricetto.             nur grobes Heu bietet dir Schutz.

a2
Nell’aspro orrore / d’oscura notte,         Bei bitterer Kälte, in finsterster Nacht,
tra fosche grotte / giaci, o Signore.       in dunkler Höhle liegst du da, Herr.
Anzi a te manca, / qui dove alloggi,        An dieser Stätte hast du nichts, wohin du
ove la stanca / fronte si appoggi.          dein müdes Haupt betten könntest.

a2
Così ne insegni / scala di pene             So weist du uns den steilen Weg,
per cui si viene / a gl’alti regni,         der zum Reich Gottes führt.
e con tue fasce / porti felici,             Liegend in Windeln bringst du dem neuen
or ch’ei rinasce, / all’anno auspici.       Jahr, das jetzt beginnt, Heil und Segen.

a2
Febo giocondo / di vera luce                Den freudebringenden Phöbus des wahren
che il dì ne adduce / te chiama il mondo,   Lichtes, der den Tag uns führt, nennt
però ch’ogni ombra / d’antichi errori       dich die Welt. Weil alle Finsternis der
fugge e si sgombra / de’ tuoi splendori.    Sündennacht schwindet und vor deinem
                                            Glanz weicht.
a2&a5
Te riverente / la terra onora,              Dir erweist Preis und Ehre die Erde;
te nato adora, / o Re potente,              Dich, neugeborenen, betet sie an, mächtiger
e in fasce avvinto / te desta, o Figlio,    König. Den in Windeln gewickelten,
qualora è vinto / dal sonno il ciglio.      dich weckt sie auf, wo der Schlaf dich
                                            übermannt hat.



Piva
Aus: LIBRO QUARTO
D‘INTAVOLATURA DI CHITARONE
Del Signore Gio: Girolamo Kapsperger
Nobile Alemano …
Roma 1640
Laudate Dominum
Aus: Modulatus sacri
Diminutis voculis concinnati …
Roma 1630
Text: Psalm 150



Laudate Dominum in sanctis eius,           Lobet den Herrn in seinem Heiligthum /
Laudate eum in firmamento virtutis eius.   Lobet jn in der Feste seiner Macht.
Laudate eum in virtutibus eius,            Lobet jn in seinen Thatten /
Laudate eum secundum multitudinem          Lobet jn in seiner grossen Herrligkeit.
magnitudinis eius.
Laudate eum in sono tubae,                 Lobet jn mit Posaunen /
Laudate eum in psalterio et cithara.       Lobet jn mit Psalter vnd Harffen.
Laudate eum in tympano et choro,           Lobet jn mit Paucken vnd Reigen /
Laudate eum in chordis et organo.          Lobet jn mit Seiten vnd Pfeiffen.
Laudate eum in cymbalis bene sonantibus,   Lobet jn mit hellen Cymbeln /
Laudate eum in cymbalis iubilationis.      Lobet jn mit wolklingenden Cymbeln.
Omnis spiritus laudet Dominum!             Alles was Odem hat / Lobe den Herrn




Testo                                      Erzähler
Così lieto cantava                         Das trug sich einst zu als frohe Botschaft,
da semplici pastor felice stuolo           auf dem Feld armer Hirten, vor den Mauern
dell’umil Bettelem pressi alle mura.       des bescheidenen Bethlehem.
Or da noi dunque in sì beata notte,        Hier und heute aber möge man in so
notte del chiaro dì vie più lucente,       gesegneter Nacht, die heller leuchtet als der
in cui prodigamente                        Tag, in der der Himmel seine Gnadengaben
piove sue gratie il cielo,                 verschwenderisch herabregnen lässt, im
con armonia gioconda                       einträchtigen Jubel
del Tebro in su la sponda                  Tiber aufwärts und der tatkräftigen Gunst
prendansi lieti auspici;                   des freundlichen Himmels
e con destro favor di cieli amici          für diese hohe Krone edler Helden
a quest’alta corona                        günstige Vorzeichen erblicken.
di generosi eroi
Febo con dolce sorte,                      Im Glanz des heiteren Tagesanbruchs
con sereno splendor da’ liti eoi           möge Phöbus für eine glückliche Zukunft
torni dell’anno a disserrar le porte;      die Tore des neuen Jahres öffnen.
E qui si ascolti in tanto                  Und hier höre man jetzt den Vatikan
annuntiar festoso il Vaticano              feierlich verkünden segensreiche Jahre für
prosperi gl’anni al glorïoso Urbano.       den glorreichen Urbanus.
Salomone Rossi
(1570 – ca. 1630)

Sonata quarta sopra l’aria di Ruggiero
Aus: IL TERZO LIBRO de varie Sonate,
Sinfonie, Gagliarde, Brandi, e Corrente …
di Salamon Rossi Hebreo ... Opera Duodecima …
Venetia, 1623



Viva, viva età felice!                          Lebe, lebe glückliches Zeitalter!
  Della terra il gran Pastore                     Des großen Hirten der Erde,
di cui sente                                    dessen hohe Verdienste
gl’alti pregi e n’ha stupore                    der Okzident mit staunender
l’occidente                                     Bewunderung vernimmt
fino l’indica pendice:                          bis zum äußersten Indien.
Viva, viva età felice!                          Lebe, lebe glückliches Zeitalter!
  Lieto il Tebro eterna pace                      Froh genieße der Tiber
gode a piè del grande Urbano                    ewigen Frieden zu Füssen des großen
mentre scopre                                   Urban, dessen geweihte
che la sacra invitta mano                       siegreiche Hand
con mill’opre                                   mit tausend Taten
all’oblio la guerra indice:                     den Krieg auf immer verbannt.
Viva, viva età felice!                          Lebe, lebe glückliches Zeitalter!
  Col suo scettro ogni virtude                    Unter seinem Zepter
stabilito ha saldo impero                       hat Tugend
or ch’in terra                                  ihre Herrschaft gefestigt,
ad Astrea largo il sentiero                     jetzt, wo seine Hand
ne disserra                                     siegreich der Gerechtigkeit
la sua man trionfatrice:                        auf Erden Bahn bricht:
Viva, viva età felice!                          Lebe, lebe glückliches Zeitalter!

Prima a 2 & poi a 6
Le sfere placide                                Freundlich mögen die Sphären
per lui si rotino;                              sich drehen nach seinem Wunsch;
scintilli puro il giorno.                       hell strahle der Tag.
Per lui di Nestore                              Mit ihm mögen die Tage
i dì ritornino                                  Nestors wiederkehren
tranquilli d’ogn’intorno.                       und dem Erdkreis Frieden schenken.
Lucidi sorghino,                                Strahlend mögen aufgehen,
limpidi splendino,                              hell mögen leuchten,
corrino placidi suoi giorni.                    friedlich mögen verlaufen seine Tage.
Pubblico giubilo                                Freude herrsche allerorten
godasi e stabile                                und das Goldene Zeitalter
l’aureo secolo ritorni.                         kehre für immer zurück.
Giovanni Lorenzo Baldano

Pastorale
Aus: Libro per scriver l‘intavolatura …
Savona 1600




Ave sanctissima Maria
Aus: LIBRO PRIMO /
Di Motteti Passeggiati à una voce
Del Sig. Gio: Girolamo Kapsperger /
Nobile Alemano ...
Roma 1612
Ex. Library of Congress

Canto, Continuo



Ave sanctissima Maria
Mater Dei, porta paradisi,
Domina mundi,
pura singularis tu es Virgo.
Tu concepisti Jesum
sine peccato,
Tu peperisti Creatorem
et Salvatorem mundi
in quo non dubito.
Libera me ab omni malo
et ora pro peccatis meis.


Sei gegrüsst, heiligste Maria,
Mutter Gottes, Tor zum Paradiese,
Herrscherin der Welt,
Du bist die einzige reine Jungfrau.
Du hast Jesus
ohne Sünden gezeugt,
Du hast den Schöpfer geboren
und den Heiland der Welt,
daran zweifle ich nicht.
Befreie mich von allem Bösen
Und bitte für meine Sünden.
Gl’angeli intorno al Presepio                Die Engel um die Krippe versammelt

Angelo Primo                                 Erster Engel
Felici voi mortali,                          Glückliche Sterbliche
poi ch’alla terra in grembo                  Heute fällt in den Schoß der Erde
oggi piove di gratie un largo nembo.         ein reichlicher Gnadenregen.
Oggi per voi riveste                         Heute nimmt um euretwillen
spoglie caduche e frali                      der himmlische Herrscher
il Regnator celeste.                         einen hinfälligen, gebrechlichen Leib an.
Per voi povero e nudo                        Um euretwillen liegt er arm und nackt,
sotto mendico tetto                          unter erbärmlichem Dach,
giace umile e negletto,                      niedrig und unbeachtet, seine glanzvolle
ché sue pompe sprezza                        Herrlichkeit verleugnend, zu zeigen, dass
per mostrar ch’a voi diede ogni ricchezza.   er euch allen Reichtum geschenkt hat.

Angelo Secondo                               Zweiter Engel
A voi, mentr’egli nasce,                     Mit seiner Geburt verkündet er euch
la pace annuntia con sereno volto,           Frieden, mit heiterem Antlitz.
e le candide fasce                           Und die weißen Windeln,
entro a cui sta ravvolto                     in die er gehüllt ist,
son di pace insegne,                         sind Zeichen des Friedens.
e quei veli per voi vele saranno.            Die Tücher werden euch zu Segeln,
Onde tra fosche, orribili procelle           damit jede Seele durch finstere schreckliche
di periglioso affanno                        Stürme
rapportando la palma                         voller Gefahr und Angst
si riconduca ogn’alma                        doch siegreich in den Hafen
al porto delle stelle.                       der Sterne zurückkehrt.

Angelo Terzo                                 Dritter Engel
Né prender volle sol vita mortale,           Er wollte nicht nur sterbliches Leben
ma per voi sia che mora.                     annehmen, sondern er wird für euch
E non è meraviglia                           sterben. Und es verwundert nicht,
se dall’umide ciglia                         wenn er aus feuchten Augen
or versa amaro pianto, et or sospira.        bald bittere Tränen vergießt und bald
Or quasi reo si mira                         seufzt; bald sich als verurteilten betrachtet:
dalle fasce legato,                          In den Windeln gefesselt, vom Schlaf
dal sonno imprigionato.                      gefangen.

Poi che per vostra sorte                     Denn kaum ist er um euretwillen geboren,
ei nato a pena è condannato a morte.         ist er schon zum Tod verurteilt.
Dunque, o spirti canori,                     Drum, ihr melodischen Geister, sei jeder
meco di voi ciascun rivolto sia              von euch aufgefordert, mit mir gemeinsam
con celeste armonia                          in himmlischer Harmonie ihn in seinen
a consolare in parte i suoi dolori.          Schmerzen zu trösten.
È nume potente          Eine machtvolle Gottheit,
quel Figlio gentile     dieser edle Sohn,
che pianger si sente.   den man weinen hört.
È grande nel cielo      Er ist groß im Himmel,
chi mostrasi umile      der sich so niedrig zeigt
sott’orrido gelo.       in grausamer Kälte.

Già l’alta sua mano     Mit erhobener Hand
mostrò più d’un segno   hat er mehr als nur ein Zeichen
d’impero sovrano.       seiner Allmacht gegeben.
Per giuste vendette     Hat in höchstem Zorn
dall’alto suo sdegno    Pfeile gerechter Vergeltung
già piover saette.      regnen lassen.

Or segni d’amore        Jetzt aber will der Schöpfer
di porgere intende      Zeichen seiner Liebe
il sommo Fattore.       uns senden.
Amore verace            Wahrhafte Liebe steigt
dal cielo discende      mit der Fackel des Friedens
con placida face.       vom Himmel hernieder.

Discende senz’ali       Ohne Flügel zwar,
però, che star vuole    ihr Sterblichen, steigt er herab,
nel mondo, o mortali.   der auf der Erde wohnen will.
Or mentre i vagiti      Jetzt, wo er in seinen
diffonde e si duole,    Schmerzen leidet,
al sonno s’inviti.      möge er Schlaf finden.
Tarquinio Merula (1595 – 1665)

Hor ch‘è tempo di dormire
Canzonetta spirituale sopra la nanna

Aus: CURTIO PRECIPITATO
Et altri Capricii Composti in diversi modi
vaghi e leggiadri à voce sola.
Libro secondo. Opera XIII /
DEL CAVALIER TARQUINIO MERULA …
Venetia 1638
Ex. Christ Church, Oxford

Canto, Continuo
Text: Anonym




Hor ch‘è tempo di dormire,                   Nun, da Zeit zum Schlafen ist,
dormi, Figlio, e non vagire,                 schlaf mein Sohn und weine nicht,
perché tempo ancor verrà                     denn die Zeit wird kommen,
che vagir bisognerà.                         da man noch wird weinen müssen.
Deh! ben mio, deh! cor mio,                  Ach, mein Liebes, ach, mein Herz,
fa la ninna ninna na.                        sing das ninna, ninna, na.

Chiudi quei lumi divini                      Schließ die göttlich schönen Augen,
come fan gl‘altri bambini,                   Wie es auch die anderen Kinder tun,
perché tosto oscuro velo                     denn bald wird ein dunkles Schweißtuch
priverà di lume il cielo.                    schon das Licht dem Himmel rauben.
Deh! ben mio …                               Ach, mein Liebes . . .

Ovver prendi questo latte                    Sauge diese Milch
dalle mie mammelle intatte,                  aus meinen reinen Brüsten,
perché ministro crudele                      wo ein grausamer Diener
ti prepara aceto e fiele.                    schon Galle und Essig dir bereitet.
Deh! ben mio …                               Ach, mein Liebes . . .

Amor mio, sia questo petto                   Diese Brust sei dir, mein Lieb
or per te morbido letto                      ein sanftes, weiches Bett
pria che rendi ad alta voce                  eh mit lauter Stimme dem Vater
l‘alma al Padre su la croce.                 du am Kreuz die Seele zurückgibst.
Deh! ben mio …                               Ach, mein Liebes . . .
Posa or queste membra belle,       Ruhe aus die schönen Glieder,
vezzosette e tenerelle,            anmutig und zart,
perché poi ferri e catene          denn Eisen und Ketten
gli daran acerbe pene.             werden ihnen herbe Pein zufügen.
Deh! ben mio …                     Ach, mein Liebes . .

Queste mani e questi piedi         Diese Hände, diese Füsse,
che con gusto e gaudio vedi,       so schön anzusehen,
ahimè! com‘in vari modi            ach, wie in ganz andrer Weise
passeran acuti chiodi!             durchbohren sie spitze Nägel.

Questa faccia gratiosa,            Dieses holde Angesicht,
rubiconda or più che rosa,         rot nun anstatt rosig, wird beschmutzt
sputi e schiaffi sporcheranno      durch Schlag und Spucken
con tormento e grand‘affanno.      ganz mit Qual und grossem Leid.

Ah! con quanto tuo dolore,         Ach, mit wie viel Schmerzen werden,
sola speme del mio core,           einzige Hoffnung meines Herzens,
questo capo e questi crini         dieses Haupt und dieses Haar
passeran acuti spini!              bald durchbohren spitze Dornen.

Ah! ch‘in questo divin petto,      Ach, in diese Gottesbrust,
amor mio dolce e diletto,          mein süsses, teures Lieb,
vi farà piaga mortale              stösst die todbringende Wunde
empia lancia e disleale!           treulos die verruchte Lanze.

Dormi dunque, Figlio mio,          Schlafe denn, mein Sohn, ach schlafe,
dormi pur, Redentor mio,           schlafe doch, du mein Erlöser,
perché poi con lieto viso          denn mit frohem Antlitz
ci vedrem in paradiso.             sehen wir uns im Paradiese.

Or che dorme la mia vita,          Nunmehr, da mein Leben schläft,
del mio cor gioia compita,         meines Herzens ganze Freude,
taccia ognun con puro zelo,        schweig mit reinem Eifer jeder
taccian sin la terra e il cielo.   sollen auch Erde und Himmel schweigen.

E fra tanto io che farò?           Was werde ich indessen tun?
Il mio ben contemplerò:            Ich werde mein Lieb betrachten,
ne starò col capo chino            mit gesenktem Haupt verharren,
sin che dorme il mio bambino.      so lange mein Kind schläft.
Dormi, Figlio
Dormi, Figlio, / vago giglio,       Schlafe, Sohn, schöne Lilie,
d’ogni core / dolce ardore.         jedes Herzens süße Wonne.
China il ciglio: / Dormi, Figlio.   Schließe die Augen, schlafe, Sohn.

Alto Nume, / c‘hai per piume        Erhabene Gottheit, statt Daunen
d‘antro vile / paglia umile,        hast Du in einer Höhle bescheidenes Stroh.
su quel letto / pargoletto          Auf diesem Bett, mein Kind,
china il ciglio: / dormi, Figlio.   schliesse die Augen, schlafe, Sohn.

Chiudi omai / i tuoi rai,           Schließe jetzt deine Augen,
ché son dardi / i tuoi sguardi,     denn Pfeile sind deine Blicke,
son faville / tue pupille.          Funken deine Pupillen.
China il ciglio: / dormi, Figlio.   Schließe die Augen, schlafe, Sohn.

Mosso al canto / frena il pianto    Hör auf zu weinen, gewiegt vom Gesang,
che sul volto, / gode sciolto.      trockne die Tränen in deinem Antlitz.
Germe santo, / frena il pianto.     Heiliger Spross, hör auf zu weinen,
Mosso al canto / frena il pianto.   gewiegt vom Gesang, hör auf zu weinen.

Mansueto / sonno lieto              Sanfter, heiterer Schlummer
al suo duolo / spieghi il volo.     breite sich aus über seinen Schmerz.
China il ciglio: / dormi, Figlio.   Schließe die Augen, schlafe, Sohn.
Mosso al canto / frena il pianto.   hör auf zu weinen, bewegt vom Gesang,

Se del sonno / che sia donno        Wenn du fürchtest, dass der Schlummer
hai timore, / vegli il core,        ein Geschenk sei, möge das Herz wachen,
dorma il ciglio. / Dolce Figlio,    das Auge schlafen. Lieber Sohn,
mosso al canto / frena il pianto.   hör auf zu weinen, bewegt vom Gesang.




                                    Eintrag Kapspergers im Album Amicorum
                                    des Michael Bode aus Hamburg
                                    Den Haag, Koninklijke Bibliotheek, 135 J 25

                                    Arbeit ist die höchste Tugend.
                                    Dem Hochverehrten Herrn
                                    Michael Bode bekundete hiermit
                                    Freundschaft, am 12. März 1638,
                                    Jo: Hieronymus Kapsperger
Der Eintritt zu den Konzerten ist frei –
wir bitten um eine angemessene Kollekte

Die Christkatholische Kirchgemeinde Basel stellt den inspirierenden Raum zur Verfügung.
Grosszügige Unterstützung bieten private Gönner, Bernhard Fleig Orgelbau,
die Sulger-Stiftung, der Swisslos-Fonds Basel-Stadt, die Scheidegger-Thommen Stiftung,
die GGG Basel, die Willy A. und Hedwig Bachofen-Henn-Stiftung, die Irma Merk Stiftung,
sowie weitere Stiftungen, die nicht namentlich genannt werden wollen.
Um das Projekt erfolgreich fortsetzen zu können, werden nach wie vor Gönner gesucht.
Sie sind herzlich eingeladen, sich zu beteiligen!

Organisation
Albert Jan Becking, Jörg-Andreas Bötticher, Katharina Bopp,
Brian Franklin, Regula Keller, Frithjof Smith


Weitere Informationen
www.abendmusiken-basel.ch
Katharina Bopp / Albert Jan Becking,
Spalentorweg 39, 4051 Basel
061 274 19 55 / info@abendmusiken-basel.ch

Bankverbindung
Abendmusiken in der Predigerkirche,
Bündnerstrasse 51, 4055 Basel
Basler Kantonalbank: IBAN: CH 28 0077 0253 3098 9200 1
Spenden an die Abendmusiken in der Predigerkirche
sind von der Steuer absetzbar.




Nächstes Konzert:                             Programm Kapsperger: Jörg-Andreas Bötticher
                                              Einführungstext: Martin Kirnbauer
                                              Dokumentation, Gestaltung: Albert Jan Becking
Hieronymus Praetorius                         Musikalische Leitung: Jörg-Andreas Bötticher

Sonntag 12. Januar 2020,                      Dank an Michael Dücker für die Edition
                                              und Ideen zum Programm, sowie an
17 Uhr, Predigerkirche Basel                  Flavio Ferri-Benedetti für Korrekturen
                                              und Beratung.
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