Hat Fleisch den Menschen schlau gemacht?
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Suisseporcs Information 6/2020
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Martina Müller, HAFL und SUISAG
«So eine Sauerei / 1»
Hat Fleisch den Menschen
schlau gemacht?
Vor 6 Mio. Jahren hingen wir noch in den Bäumen, vor 4 Mio. Jahren stell- gar dazu beigetragen haben, dass grosse
ten wir uns auf die Hinterbeine und vor 2 Mio. Jahren sind wir auf den Raubtiere wie Säbelzahnkatzen und riesen-
hafte Marder mit der Zeit ausgestorben
Geschmack von Fleisch gekommen. Was hat uns das gebracht? sind, während unsere Vorfahren offensicht-
lich erfolgreicher waren, denn wir existie-
Vor ca. 6 Mio. Jahren, das globale Klima Backenzähne und einen gewaltigen Kau- ren ja noch immer und treiben das Arten-
veränderte sich gerade dramatisch, gebar apparat. Dass sie eingefleischte Vegetarier sterben weiter voran.
eine Äffin zwei Mädchen. In Ostafrika, wo waren, kann aber bezweifelt werden. Das
die beiden Mädchen geboren wurden, Klima wurde in diesem Zeitraum wiederum Weniger Darm, mehr Gehirn
zogen sich die dichten Wälder zurück und kühler, trockener, die Savanne breitetet sich Die ersten Belege, dass sich eine Gruppe
offene Graslandebenen breiteten sich aus. weiter aus und nahrhafte pflanzliche Nah- von Vormenschen regelmässig von Fleisch
Das eine Mädchen blieb im Wald und rung, im Speziellen Früchte, waren immer ernährt hat, finden sich in Kenia und sind
wurde zur Urahnin der Schimpansen, das schwieriger zu finden. Untersuchungen wei- rund 2 Mio. Jahre alt. Das fällt in die Zeit, in
andere Mädchen aber zog aus und be- sen darauf hin, dass der Südaffe Gras oder der sich aus einer Gattung des Australopi-
gann, einen neuen Lebensraum zu erkun- Grasfresser gefressen hat. Oder beides. Die thecus die ersten Vertreter der Gattung
den. Dieses Mädchen ist unsere Vorfahrin. Grasfresser, die mutmasslich vertilgt wur- Homo entwickelten. Homo sind u.a. grösser,
Vor gut 4 Mio. Jahren geschah Erstaun- den, waren nicht unbedingt Säugetiere, haben längere Beine und mehr Hirn. Archäo-
liches: Die Nachfahren des ausgewander- sondern können auch Insekten wie Heu- logische Befunde zeigen, dass in dem Zeit-
ten Mädchens bewegten sich auf zwei schrecken oder Maden gewesen sein. Ver- abschnitt, in dem sich Hinweise zum Ver-
statt auf vier Beinen vorwärts. Warum sie mutlich war sein Speisezettel sehr breit, zehr von tierischen Produkten häufen, die
sich aufgerichtet haben, ist nicht klar. Gut was ihm in der rauen Umgebung der afri- Zähne und der Darm kleiner wurden wäh-
möglich, dass sie sich auf die Hinterbeine kanischen Savanne einen deutlichen Über- rend Körper und Gehirn anwuchsen. Die
stellten, um über die hohen Gräser nach lebensvorteil verschaffte. Australopithecinen hatten im Durchschnitt
Futter zu spähen oder um Feinde zu beein- ein Gehirnvolumen von 450 cm3, die ersten
drucken. Sicher ist, dass durch den Klima- Erstes Fleischerwerkzeug Vertreter des Homo erectus vor ca. 1.8 Mio.
wandel die Distanzen zwischen den Bäu- Die Südaffen liefen bereits geschickt als Jahren 850 cm3, während der heutige
men, wo sie Schutz und Futter fanden, Zweibeiner durch die Gegend und die nun Mensch im Mittel 1300 cm3 Gehirn herum-
immer grösser wurden. Der zweibeinige freien Hände eröffnen bis dahin unge- schleppt. Wissenschaftler sehen einen Zu-
Gang brauchte im Vergleich zur «äffi- ahnte Möglichkeiten. Zum Beispiel konn- sammenhang zwischen dem Verzehr von
schen» Fortbewegung weniger Energie. ten sie einen Stein in die Hand nehmen, tierischen Produkten und der Vergrösse-
Nehmen wir nun die Zeitmaschine, reisen Knochen knacken, Fleisch abschaben und rung des Gehirns. Gehirne und Verdauungs
3 Mio. Jahre zurück und besuchen unseren die Beute zum Lagerplatz tragen. Die bis- systeme brauchen sehr viel Energie. Tierische
ältesten Verwandten, der sich bereits von her ältesten Knochen mit solchen Bearbei- Produkte wie Fleisch, Fett, Knochenmark
den anderen Menschenaffen unterscheidet: tungsspuren wurden in Äthiopien gefunden und Hirn liefern neben wertvollen Nähr-
den «Südaffen» (lat. Australopithecus). Was und werden auf 2.6 Mio. Jahre geschätzt. stoffen wie Eisen, B-Vitaminen und lebens-
es zu essen gäbe, würden uns diese Süd Etwa um diese Zeit herum gibt es auch die notwendigen Fettsäuren auch jede Menge
affen zum Znacht einladen, ist auch unter ersten sichtbaren Anhäufungen von Stein- Energie. Dadurch, dass immer mehr tierische
Gelehrten umstritten. Jedenfalls hatten sie werkzeugen. Das stützt die Hypothese,
ein Gebiss zum Nüsseknacken: enorme dass die ersten Werkzeuge, die von unse-
ren Vorfahren geschaffen wurden, in erster
Linie für die Gewinnung von Knochenmark
und Fleisch genutzt wurden. Ob unsere
Ahnen vor 2.5 Mio. Jahren an Aas knab-
berten oder bereits selbst jagten, lässt sich
nicht sagen. Doch das eine schliesst das
andere nicht aus. Es gibt Hinweise, dass sie
Raubtieren gezielt die Beute geklaut und
Ernährung spielt bei der Evolution eine die Raubtiere gar mit Dornenzweigen und
grosse Rolle. Steinwürfen von angefressenen Kadavern Entfernter Verwandter: Australopithecus
La nutrition joue un rôle majeur dans l’évolution. vertrieben haben. Dieses als Kleptopara Un parent éloigné: Australopithecus
©franzzz/rf123 sitismus bezeichnete Verhalten könnte so- ©Camilo Maranchón GarcÃa/rf123Suisseporcs Information 6/2020
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Produkte gegessen wurden und so Energie starben. Denn eine exzessive Proteinauf- konsum geschuldet sein. Sonst würden
immer besser verfügbar war, brauchte es nahme, z.B. durch viel mageres Fleisch, Löwen auch Auto fahren. Vieles in der Ent-
nicht mehr ein so grosses Verdauungsorgan. kann gefährlich werden, weil die Leber nur wicklung vom Affen zum heutigen moder-
Die Energie, die früher für die Verdauung eine begrenzte Kapazität hat, den aus dem nen Menschen dürfte dem Zufall zu ver-
von Wurzeln und Blätter gebraucht wurde, Protein verstoffwechselten Stickstoff abzu- danken sein und bleibt spekulativ. Von Vor-
konnte nun im Gehirn investiert werden, bauen. Wissenschaftler schätzen den maxi- teil war sicherlich die ursprünglich zum
so eine gängige These. malen nicht-schädlichen Muskelfleisch Klettern entwickelte Greifhand. Ein weite-
Oft wird dem «Fleisch» eine Hauptrolle verzehr eines Homo erectus auf 800 und rer stimulierender Faktor dürften auch Mu-
in der Entwicklung des Gehirns zugespro- eines Homo sapiens auf 925 g/Tag. tationen im Genom gewesen sein, die u.a.
chen. Doch nicht weniger wichtig war das dazu führten, dass für das Hirn wichtige
Fett der Beutetiere. Es lieferte nicht nur Viel Fleisch = viel schlau? Fettsäuren effizienter produziert werden
hochkonzentrierte Energie und lebenswich- Dass der Mensch Auto fährt, Häuser baut konnten.
tige Fettsäuren, sondern verhinderte, dass und Atome spaltet, kann aber nicht nur Auffällig ist aber auch, dass Menschen
unsere Ahnen an einer «Proteinvergiftung» der besseren Nahrung bzw. dem Fleisch- hochsoziale kooperative Wesen sind. Un-
sere Vorfahren haben irgendwann gemerkt,
Wichtige Ereignisse in der Entwicklung des Menschen
dass die Gruppe einige Vorteile bietet. Die
Événements importants dans le domaine de l’évolution humaine
POLITIK / POLITIQUE
Urmenschen, die sich zu Gruppen zusam-
Jahre vor unserer Zeit / Des années avant notre époque mengetan haben, um zu jagen, hatten nicht
0 nur grösseres Jagdglück, sondern wohl auch
10’000 besseren Schutz davor, selbst zur Beute zu
Beginn Sesshaftigkeit, Ackerbau werden. Für eine gute Zusammenarbeit
Début de la sédentarité, agriculture auf der Jagd mussten Fähigkeit wie Kom-
munikation und räumliches Vorstellungs-
L’homme moderne (Homo sapiens)
Moderner Mensch (homo sapiens)
vermögen entwickelt werden. Aber nicht
20’000
40’000
nur für die Jagd waren Kommunikation
Néandertaliens (Homo neanderthalensis)
Neanderthaler (homo neanderthalensis)
Erste Höhlenmalereien
und gegenseitige Unterstützung wichtig.
Premières peintures rupestres
Auch bei der Aufzucht der Jungen waren
steinzeitliche Eltern auf Hilfe von anderen
200’000 Gruppenmitgliedern angewiesen. Das Ge-
300’000 hirn des Australopithecus afarensis hatte
zwar noch viel Ähnlichkeit mit einem Schim-
Der moderne Mensch (Homo sapiens)
pansengehirn, Wachstum und Entwicklung
L’homme moderne (Homo sapiens)
dieses Gehirns dauerte aber vergleichs-
weise lange – so wie beim modernen Men-
400’000 schen. Kleine Südaffen brauchten also be-
800’000 reits lange elterliche Fürsorge. Die Babies
Kontrolle über das Feuer, Kochtätigkeit der Vormenschen lernten – um sich die Auf-
Homo erectus
Homo erectus
Contrôle du feu, activité culinaire merksamkeit und Fürsorge verschiedener
Gruppenmitglieder zu sichern – die Gesichts-
1.8 Mio. ausdrücke und Gefühle anderer zu deuten.
Erste Frühmenschen wandern nach Europa Daraus entwickelten sich die einzigartigen
Les premiers humains migrent vers l’Europe menschlichen Fähigkeiten zur Empathie
und Kooperation. Diese Fähigkeiten sind
2 Mio. nicht nur für die Jagd essenziell, sondern
Regemässiger Fleischkonsum auch, um Wissen weiterzugeben, Werk-
Divers préhumains ressemblant à des singes
Consommation régulière de viande zeuge zu verbessern oder kulturelle Identi-
Diverse affenähnliche Vormenschen
täten zu entwickeln. Bei den Dmanisi-Men-
Südaffe (Australopithecus)
2.2 Mio. schen, sie lebten vor ca. 1.8 Mio. Jahren im
Australopithèque
2.5 Mio. heutigen Georgien, geht man davon aus,
Werkzeuge für die Tierknochenbearbeitung dass sie bereits eine Art Sozialstruktur hat-
Outils pour le traitement des os d’animaux ten und sich um Alte und Behinderte ge-
kümmert haben. Man hat beispielsweise den
4 Mio. Schädel eines alten Mannes ohne Zähne
gefunden. Ohne Hilfe seiner Sippe hätte er
Aufrechter Gang
kaum so lange überlebt (Reye 2013).
Marche debout
Erste Währung: Fleisch
6 Mio. Der Prozess der Menschwerdung ging
Absplittung vom Schimpansen weiter, indem bewachte Feuerstellen ent
Séparation du chimpanzé standen, welche die Beute vor Raubtieren
beschützten und an denen gekocht wur-Suisseporcs Information 6/2020
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de. Das Kochen von Fleisch, Wurzeln und unserer Zeit) genau zu rekonstruieren. Des- mehr schwere körperliche Arbeit; es lebten
Samen machte die Nährstoffe besser ver- halb greift man auch auf Beobachtungen mehr Menschen und Tiere auf kleinem
fügbar und nahm dem Darm weiter Arbeit von heutigen «Jäger-Sammler-Gemeinschaf- Raum, Abfälle, Mist und Fäkalien haben
ab. Die gewonnene Energie kam vermutlich ten» zurück, die in Australien, Afrika oder sich angesammelt und so bildeten sich
wiederum der Gehirnentwicklung zugute. Südamerika unter Bedingungen leben, von prima Brutstätten für Krankheiten.
Der frühste deutliche Hinweis auf kontrol- denen Experten annehmen, dass sie dem Eine Ernährungsform als ideal zu be-
liertes Feuer und damit vielleicht auch den Leben in der Steinzeit sehr nahekommen. zeichnen, weil Menschen damit über eine
Beginn der Kochkultur wird auf ungefähr Es wird geschätzt, dass bei diesen Gesell- lange Zeit überlebt haben, ist vermutlich
790’000 Jahre datiert. Diese Feuerstellen schaften 60% der Energie aus tierischen nicht ganz korrekt. Man kann aber sicher
waren vielleicht die Initialzündung für Ver- Produkten (Insekten, Honig, Fleisch, Milch) sagen, dass diese Ernährungsform nicht
wandt- und Sippschaft, kulturelle Über- stammt. Allerdings gibt es, abhängig von ganz falsch gewesen ist, weil sie das Über-
mittlung und Entwicklung von Sprache. lokalen Begebenheiten und Jahreszeiten leben und die Fortpflanzung garantiert hat.
Die Sprache wurde nötig, um sich auf der starke Unterschiede: Der Anteil der Nah-
Jagd abzusprechen und dann das Fleisch rung, der vom Tier stammt, variiert zwi- Fazit
aufzuteilen, so die eine Hypothese. Auch schen 10 und 100%. Für alle Völker sind Viel spricht dafür, dass die Evolution zum
wird angenommen, dass die Sprache bei aber die vom Tier stammenden Lebens- modernen Menschen ohne Fleisch, Fett
der Fellpflege oder parallel mit den koordi- mittel von Bedeutung. In diesen Gemein- und andere tierische Nahrungsmittel nicht
nativen Fähigkeiten sich entwickelt hat. schaften ist die Fruchtbarkeit tief. Man fin- so verlaufen wäre. Das Bedürfnis nach
Auch das Handwerk entwickelte sich det kaum Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Fleisch ist nach wie vor sehr gross – selbst
weiter. Ausgrabungen in Israel zeigen, dass andere sogenannte Wohlstandskrankhei- Vegetarier und Veganer kaufen täuschend
die Frühmenschen, die vor 400’000 Jahren ten. Dafür sind andere Krankheiten, die mit echte Fleischimitate.
auf diesem Gebiet lebten, viel Grosswild Mangelernährung zusammenhängen, zu Ein entscheidender Überlebensvorteil
gejagt haben und beim Zerlegen der Beute beobachten. der Homo war und ist vermutlich, dass sie
noch wenig effizient und spezialisiert wa- Als die Jäger und Sammler vor ca. sich nicht auf eine bestimmte Ernährungs-
ren. Vor ca. 200’000 Jahren ändert sich das 10’000 Jahren langsam sesshaft wurden weise spezialisiert haben – also Allesfresser
Bild: die Spuren auf den Knochen wurden und anfingen Getreide zu kultivieren, ver- sind und deshalb ganz unterschiedliche
regelmässiger und zeigten weniger Variati- änderte sich die Ernährung. Es wurde deut- ökologische Nischen besetzen können:
onen. Für die Wissenschaftler ein Zeichen, lich weniger Fleisch gegessen, dafür mehr Von Grönland über den Himalaya bis in die
dass es bereits so etwas wie spezialisierte Getreide. In diesem Zeitraum lässt sich eine Sahara leben und überleben Menschen mit
«Metzger» gegeben haben muss. Verschlechterung der Gesundheit beob- mehr oder weniger Fleisch. Der überaus
Fleisch war möglicherweise die erste achten: schlechtere Zahngesundheit, Eisen erfolgreichen Anpassung und Vermehrung
Währung und wurde gegen Werkzeuge, Kin- mangel, mehr Infektionen und Osteopo- des modernen Menschen ist zu verdanken,
derbetreuung, Sex, Informationen etc. ge- rose. Das ist für einige Ernährungswissen- dass heutzutage aus rein ökologischen
tauscht. Was den Wert und die Wertschät- schaftler der Beweis, dass die Jäger- und Gründen eine Reduktion des Fleischver-
zung dieses Lebensmittels unterstreicht. Sammler viel gesünder leb(t)en, und sie zehrs angezeigt erscheint. Mit beispiels-
propagieren die Steinzeitdiät: Viel Fleisch, weise Insekten als Fleischalternative könn-
KultUr Eier und Beeren zu essen und wenig leicht- ten wir wieder «zurück zu den Wurzeln». z
Reisen wir mit der Zeitmaschine nur verdauliche Kohlenhydrate wie Mehl und
200’000 Jahre zurück, würden wir Men- Zucker. Man sollte aber beachten, dass Weitere Themen in der Artikelserie
schen treffen, die aussehen wie wir – nach sich bei der Umstellung von der Jäger- und «So eine Sauerei»:
gut zwei Monaten in Corona-Quarantäne Sammlergesellschaft auf die sesshafte Ge- ›D ie Wertschätzung des Schweins in ver-
ohne Coiffeur-Besuch. Die ersten fossilen sellschaft nicht nur die Ernährung geän- schiedenen Kulturen und Religionen
Funde von diesen modernen Menschen dert hat sondern die ganze Lebensweise: › E rhöht Schweinefleisch den Cholesterin-
(Homo sapiens) sind bereits um die 300’000 Die sesshaften Menschen verrichteten viel spiegel und führt so zum Herzinfarkt?
Jahre alt. Vor rund 40’000 Jahren ge- ›W ie fett ist und macht Schweinfleisch?
schieht Spektakuläres: Die Menschen be- ›V erursacht Schweinefleisch Gicht?
tätigen sich nun künstlerisch: Die älteste ›B ekommt man vom Schweinefleisch Krebs?
bekannte gemalte Jagdszene, ein Felsbild in ›K önnen Parasiten im Schweinefleisch für
einer Höhle auf Sulawesi, zeigt eine Gruppe die Menschen gefährlich werden?
von Menschen mit Tierköpfen, die mit ›W as alles im Schwein steckt
Speeren Schweine und Zwergbüffel jagen. ›T ierwohl und Ethik in der Schweinehaltung
Diese Darstellung mit den Mischwesen ›D as Schwein in der Sprache und Literatur
Mensch-Tier spricht dafür, dass die Men- Welche Fragen haben Sie zum Schweine-
schen, die diese Malerei erschaffen haben, fleisch? Mit welchen Aussagen werden Sie
bereits eine Vorstellung von übernatürlichen als Schweinehalter*in konfrontiert? Mel-
Kräften und Wesen hatten und möglicher- den Sie sich unter schwein@suisag.ch. Wir
weise bereits eine Art Religion ausübten. werden Ihre Fragen und Hinweise bearbei-
Das Bedürfnis nach Fleisch ist beim Homo ten und möglichst in die Artikel einfliessen
Die Steinzeit-Diät noch immer gross.
lassen.
Es ist nicht möglich, die Ernährung in der Le besoin de viande reste encore important
Altsteinzeit (2.5 Mio. bis 10’000 Jahre vor pour les Homo. ©Proviande Quellenangaben sind bei der Autorin erhältlich.Suisseporcs Information 6/2020
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«Le porc, toute une histoire 1» Une grande partie de l’évolution du singe à
La viande a-t-elle rendu l’homme intelligent? l’homme moderne aujourd’hui pourrait être
due au hasard et reste spéculative. La main
Il y a 6 millions d’années, nous étions en- saient déjà eux-mêmes. Mais l’un n’exclut de préhension, développée à l’origine pour
core accrochés dans les arbres, il y a 4 mil- pas l’autre. Il semblerait qu’ils aient volé la l’escalade, était certainement un avantage.
lions d’années, nous nous tenions sur nos proie de prédateurs et ont même éloignés Pour une bonne coopération lors de la chasse,
pattes arrière et il y a 2 millions d’années, ceux-ci avec des branches épineuses et des il fallait développer des compétences telles
nous avons pris goût à la viande. Où cela jets de pierres des carcasses entamées. Ce que la communication et la capacité de repré-
nous a-t-il menés? comportement, connu sous le nom de clép- sentation spatiale. Mais la communication
toparasitisme, a peut-être même contribué et le soutien mutuel n’étaient pas seulement
Il y a environ 6 millions d’années, le climat à l’extinction de grands prédateurs tels que importants pour la chasse. Les parents de
mondial vient de changer de manière spec- les machaïrodontes et les martres géantes au l’âge de pierre étaient également dépendants
taculaire, une femelle singe a donné nais- fil du temps, alors que nos ancêtres avaient de l’aide des autres membres du groupe pour
sance à deux filles. En Afrique de l’Est, où manifestement plus de succès, puisque nous l’éducation de leurs enfants. Les bébés des
les deux filles sont nées, les forêts denses existons toujours et continuons de provoquer préhumains ont appris – pour s’assurer l’at-
ont reculé et les plaines herbeuses se sont l’extinction des espèces. tention et les soins des différents membres
POLITIK / POLITIQUE
étendues. Une fille est restée dans la forêt du groupe – à interpréter les expressions
et est devenue l’ancêtre des chimpanzés, Moins d’intestin, plus de cerveau faciales et les sentiments des autres. C’est à
mais l’autre fille a déménagé et a commencé Les premières preuves de la consommation partir de là que se sont développées les ca-
à explorer un nouvel habitat. Cette fille est régulière de viande par un groupe de pré- pacités humaines uniques d’empathie et de
notre ancêtre. humains se trouvent au Kenya et datent coopération. Ces compétences sont essen-
Des choses étonnantes se sont produites il d’environ 2 millions d’années. Cela remonte tielles non seulement pour la chasse, mais
y a bien 4 millions d’années: les descendants à l’époque où les premiers représentants aussi pour la transmission des connaissances,
de la jeune fille immigrée avançaient sur deux du genre Homo ont émergé d’un genre l’amélioration des outils ou le développe-
jambes au lieu de quatre. La raison pour la- d’Australopithèque. ment des identités culturelles.
quelle ils se sont levés n’est pas claire. Il est Les Homo sont entre autres plus grands,
tout à fait possible qu’ils se soient tenus sur ont des jambes plus longues et davantage Première monnaie: la viande
leurs pattes arrières pour regarder par-des- de cerveau. Les premières preuves évidentes d’un feu con
sus les hautes herbes pour se nourrir ou pour Les découvertes archéologiques montrent trôlé et donc peut-être le début de la culture
impressionner leurs ennemis. La marche à que pendant la période où il y avait de plus culinaire remontent à environ 790 000 ans.
deux jambes a nécessité moins d’énergie en plus de signes de consommation de pro- Ces foyers ont peut-être été l’amorçage de la
que la locomotion «singe». duits animaux, les dents et les intestins sont parenté et de la notion de clan, de la trans-
Prenons maintenant la machine à remonter devenus plus petits tandis que le corps et le mission culturelle et du développement de la
le temps, voyageons 3 millions d’années en cerveau se développaient. Les scientifiques langue. Une hypothèse est que le langage
arrière et rendons visite à notre plus vieux voient un lien entre la consommation de pro- est devenu nécessaire pour communiquer
parent, qui s’est déjà différencié des autres duits animaux et l’augmentation du cerveau. pendant la chasse et ensuite pour diviser la
hominidés: l’australopithèque. Ce qu’il y On attribue souvent à la «viande» un rôle viande.
aurait à manger, si ces australopithèques majeur dans le développement du cerveau. L’artisanat a également continué à se déve-
nous invitaient à dîner, est également con Mais le gras de la proie n’était pas moins lopper. Des fouilles en Israël montrent que
troversé parmi les universitaires. En tout cas, important. Non seulement il a fourni une les premiers humains qui vivaient dans cette
ils avaient une dentition destinée à casser énergie hautement concentrée et des acides région il y a 400 000 ans chassaient beau-
des noix: d’énormes molaires et un redou- gras essentiels, mais il a également empê- coup de gros gibier et n’étaient pas très ef-
table appareil masticateur. Mais il est dou- ché nos ancêtres de mourir d’une «intoxica- ficaces et spécialisés dans le découpage des
teux qu’ils aient été des végétariens confir- tion aux protéines». Un apport excessif de proies. Il y a environ 200 000 ans, l’image a
més. Le climat est redevenu plus frais et plus protéines, par exemple en mangeant beau- changé: les traces sur les os sont devenues
sec pendant cette période, la savane s’est coup de viande maigre, peut être dangereux plus régulières et ont montré moins de va-
étendue davantage et les aliments végé- car le foie n’a qu’une capacité limitée à dé- riations. Pour les scientifiques, c’est le signe
taux nutritifs, en particulier les fruits, sont composer l’azote métabolisé de la protéine. qu’il devait déjà y avoir quelque chose
devenus de plus en plus difficiles à trouver. Les scientifiques estiment la consommation comme des «bouchers» spécialisés.
maximale de viande musculaire non nocive La viande a probablement été la première
Premier outil de boucherie d’un Homo erectus à 800 et d’un Homo monnaie et a été échangée contre des outils,
Les australopithèques se déplaçaient déjà sapiens à 925 g/jour. des services de garde d’enfants, du sexe, des
habilement en tant que bipèdes et les mains informations, etc. Ce qui souligne la valeur
désormais libres leur ont ouvert des possibi- Très carnivore = très intelligent? et l’appréciation de cette nourriture.
lités jusqu’alors insoupçonnées. Par exemple, Le fait que les gens conduisent des voitures,
ils pouvaient ramasser une pierre, casser construisent des maisons et maîtrise la fission Le régime de l’âge de pierre
des os, détacher la viande et transporter le atomique ne peut pas être uniquement dû Lorsque les chasseurs et les cueilleurs se sont
butin jusqu’au campement. Il est impossible à une meilleure alimentation ou à une meil- lentement installés il y a environ 10 000 ans
de dire s’il y a 2,5 millions d’années nos an- leure consommation de viande. Sinon, les et ont commencé à cultiver des céréales, le
cêtres ont mangé des charognes ou chas- lions conduiraient également des voitures. régime alimentaire a changé. La viandeSuisseporcs Information 6/2020
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était consommée en moindre quantité, les mentation n’était pas entièrement mauvaise
Autres sujets dans la série d’articles
céréales en plus grande quantité. car elle garantissait la survie et la reproduc-
«Le porc, toute une histoire»:
Pendant cette période, la santé s’est dété- tion.
› L’appréciation du porc dans les différentes
riorée: détérioration de la santé dentaire,
cultures et religions
carence en fer, augmentation des infections Résumé
› Le porc augmente-t-il le taux de cholestérol
et de l’ostéoporose. Il s’agit de la preuve que Beaucoup de choses suggèrent que l’évolu-
et, par conséquent, entraîne-t-il des crises
les chasseurs et les cueilleurs viv(ai)ent tion vers l’homme moderne n’aurait pas eu cardiaques?
beaucoup plus sainement selon certains lieu de la même manière sans la viande, la
› Quel est le taux de graisse de la viande de
nutritionnistes qui propagent le régime de graisse et les autres aliments d’origine ani- porc et celle-ci fait-elle grossir?
l’âge de pierre: manger beaucoup de viande, male. Le besoin de viande est encore très › La viande de porc provoque-t-elle la goutte?
d’œufs et de baies et moins de glucides faci- important – même les végétariens et les vé-
› La viande de porc provoque-t-elle le cancer?
lement digestibles comme la farine et le sucre. gétaliens achètent de la viande d’imitation,
› Les parasites présents dans la viande de
Il convient toutefois de noter que lors du trompeusement réelle. porc peuvent-ils devenir dangereux pour
passage de la société de chasseurs et cueil- Un avantage de survie décisif de l’Homo était l’homme?
leurs à la société sédentaire, non seulement et est probablement encore le fait qu’il ne › Ce que l’on trouve dans le porc
le régime alimentaire a changé mais aussi s’est pas spécialisé dans une certaine alimen- › Bien-être animal et éthique en détention
tout le mode de vie: les sédentaires effec- tation – c’est-à-dire qu’il est omnivore et porcine
tuaient des travaux physiques beaucoup plus peut donc occuper des niches écologiques › Le porc dans la langue et la littérature
lourds; davantage de personnes et d’animaux très différentes: du Groenland à l’Himalaya
vivaient dans un espace réduit, les déchets, en passant par le Sahara, les gens vivent et Quelles sont vos questions sur la viande de
le fumier et les excréments s’accumulaient survivent avec plus ou moins de viande. Grâce porc? Quelles sont les déclarations auxquelles
et constituaient ainsi d’excellents foyers de à l’adaptation et à la reproduction extrême- vous êtes confronté en tant qu’éleveuse/éle-
maladies. veur de porcs? Veuillez nous contacter à
ment réussies de l’homme moderne, une
l’adresse suivante: schwein@suisag.ch. Nous
Il n’est probablement pas tout à fait correct réduction de la consommation de viande
traiterons vos questions et commentaires et, si
de qualifier une forme d’alimentation d’idéale semble aujourd’hui justifiée pour des raisons
possible, nous les intégrerons dans les articles.
parce que les gens ont survécu avec pendant purement écologiques. Avec les insectes
longtemps. Cependant, on peut dire sans comme alternative à la viande, par exemple, Les références sont disponibles auprès de l’au-
risque de se tromper que cette forme d’ali- nous pourrions «revenir aux sources». y teure.Sie können auch lesen