Initiativ - Ökumenische Initiative eine Welt
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initiativ
november 2016
rundbrief 147
Flüchten und ankommen
in einer partnerschaftlichen Welt
Mitte August ging das Bild des fünfjährigen Omar durch die Weltpres-
se. Der Junge sitzt, von Staub überzogen und mit blutverschmiertem
Gesicht, im Krankenwagen in der syrischen Stadt Aleppo und scheint
nicht ganz zu begreifen, wie ihm geschieht. Während das Motiv bei uns
für schockierte Reaktionen sorgte, wunderte sich der Kameramann:
„Das ist keine Ausnahme. [...] Dieses Kind repräsentiert Millionen von
Kindern in Syrischen Städten“ (Interview im Guardian, 18.08.2016).
Mit Bildern wie diesem im Rücken machen sich Menschen auf den
Weg nach Europa. Genau zwei Jahre nach dem letzten Initiativ zu die-
sem Thema fragen wir nicht nach der Flucht, sondern nach der Ankunft.
Im Beitrag „Vom Wir und Ihr einst und heute“ betrachtet unsere Gast-
autorin die Konzepte der Integration bzw. der Assimilation näher. In
einem Essay untersuchen wir die historische Entwicklung der europä-
ischen Werte. Anschließend lassen wir geflüchtete Menschen in unserer
Textcollage zu Wort kommen.
In der Mitte dieser Ausgabe finden Sie den zweiten Teil unserer
40-Jahre-Jubiläumsreihe. Hier setzen wir uns u.a. mit dem Begriff der
Ökumene auseinander, den die ÖIEW seit Jahrzehnten im Namen trägt.
Die Erd-Charta Seiten widmen sich in zwei Beiträgen der schulischen
Mitweltbildung – in der Theorie des vergangenen Vertiefungsseminars
und am praktischen Beispiel des zur Erd-Charta Schule ernannten Gym-
nasiums Marianum. Selbstverständlich finden Sie dort auch die Chronik
der vergangenen Monate und die Vorschau auf kommende Seminare. Im
März beginnt übrigens wieder eine MultiplikatorInnen-Ausbildung, wir
freuen uns auf Sie! Informationen zur Anmeldung gibt es auf Seite 11.
Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen
Die initiativ-Redaktioninitiativ 147 Im Blickpunkt: Flüchten und ankommen in einer partnerschaftlichen Welt Vom ‚Wir’ und ‚Ihr’ einst und heute 3 Von der Bedrohung europäischer Werte 4 Darf ich vorstellen? 7 Aus der Initiative Blick in die ÖIEWerkstatt 8 Einladung zur Silvester- und Frühjahrstagung 9 Rothenburg auf dem Weg zur Fair-Trade-Stadt 10 Spendenbarometer Die Erd-Charta Seiten Werden Sie Erd-Charta BotschafterIn! 11 Veranstaltungshinweise 12 Beilage: 40 Jahre ÖIEW 13 Die Erd-Charta Seiten In Schnöggersburg wird Krieg trainiert 17 Es braucht einen Paradigmenwechsel. Die Erd-Charta hilft. 18 Erster internationaler Erd-Charta Tag 20 Rückschau Ausstellung „Schrei der Erde“ 21 Die Hegge auf dem Weg zum Erd-Charta Bildungshaus Vertiefungsseminar „Erd-Charta in der Schule“ 22 Chronik: Mai bis September 2016 24 Das Marianum wird Erd-Charta Schule 26 Hoffnungsgeschichte: Hilfe im Härtefall Rezept für eine bessere Welt: MitTEILung 27 Impressum 23
Im Blickpunkt: Ankommen in einer partnerschaftlichen Welt 2/3
„Die Zukunft hat eine lange Vergangenheit”
– Vom ‚Wir’ und ‚Ihr’ einst und heute
Ein Gastbeitrag von Rebekka Denz, promovierte Judaistin
Jüngst erwartete Angela Merkel „von den Türkisch- den Organisationen die Basis entzog.
stämmigen, die schon lange in Deutschland leben, Doch zurück ins Heute: In der (jüdischen) Ge-
ein hohes Maß an Loyalität zu unserem Land. Dafür schichtswissenschaft herrscht eine Begriffsvielfalt,
versuchen wir, für ihre Anliegen ein offenes Ohr um das Ankommen von Minderheiten in der Mehr-
zu haben und sie zu verstehen. Und dafür halten heitsgesellschaft zu fassen. So wird von Akkultu-
wir auch engen Kontakt mit den Migrantenverbän- ration einer sozialen Gruppe gesprochen, um das
den.” Das Nachdenken über ‚Wir’ und ‚Ihr’, über Phänomen der Bewahrung des Eigenen bei zeitglei-
die einen und die anderen, über Minderheiten in ei- chem Wandel durch die Verbindung mit Elementen
ner Mehrheitsgesellschaft – als Historikerin der jü- des Anderen zu beschreiben. Die Offenheit der
dischen Geschichte ist das mein täglich Brot. ‚Anderen’, also der Mehrheitsbevölkerung, wird
Der Blick zurück in die europäisch-jüdische Ge- beim Prozess der Akkulturation vorausgesetzt.
schichte um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhun- Abgelöst hat dieser den Terminus der Assimilation,
dert zeigt gewisse Traditionslinien bei derlei Re- dem das Moment des Beidseitigen fehlt. Der zuletzt
flexionen auf. Der 1897 in Wilna (heute Vilnius, genannte wird gemeinhin als vollständiges Aufge-
Litauen) gegründete „Allgemeine jüdische Arbei- hen einer Minderheit in einer Mehrheitskultur ver-
terbund von Litauen, Polen und Russland” (Bund) standen. Gleichwohl werden beide Worte mitunter
entwickelte die Idee der „Doyikeyt“. Dieser jid- – unreflektiert? – synonym verwendet. Wiederum
dische Begriff lässt sich als ‚Hier-Sein’ übersetzen wird der in die zeitgenössische mediale Diskussion
und drückt aus, dass Heimat das Land ist, in dem eingebrachte soziologische Begriff der Integration
man lebt. Vielfalt statt Gleichmacherei war die Pa- in der (jüdischen) Geschichtswissenschaft weitge-
role. Jede Volksgruppe im multiethnischen Osteur- hend ausgespart.
opa sollte sich im Rahmen einer national-kulturellen Das in Deutschland augenfällige Formulie-
Autonomie entfalten können. Auch in Deutschland rungstowuhabohu von ‚unseren türkischen Mit-
lebten Jüdinnen und Juden eine deutsch-jüdische bürgerinnen und Mitbürgern’, ‚Menschen mit Mi-
Bindestrichidentität. In seinem nationalen Kontext grationshintergrund’, ‚Menschen/Deutschen mit
entwickelte der seit 1893 bestehende „Centralver- ,türkischen Wurzeln’ oder in Merkelschen Worten
ein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens” (C. gesprochen ‚Türkischstämmigen’ versinnbildlicht
V.) entwickelte neue Konzepte des Selbstverständ- den Zwiespalt der Mehrheitsgesellschaft: Leben wir
nisses. Allein am Namen dieser in der Zwischen- nun in einem Einwanderungsland oder nicht? Ist
kriegszeit größten deutsch-jüdischen Organisation der Islam oder sind Musliminnen und Muslime ein
lässt sich die doppelte Zugehörigkeit seiner Mit- Teil Deutschlands? Sprechen wir von Flüchtlingen,
glieder – oder um die Worte Merkels aufzugreifen: Geflüchteten oder besser von Migranten/innen?
doppelte Loyalität – ablesen. Die vom Bund und C. „Die Zukunft hat eine lange Vergangenheit” lautet
V. entworfenen Konzepte scheiterten schlussen- ein rabbinisches Sprichwort. Es trifft ebenfalls auf
dlich an der nationalsozialistischen und stalinisti- die wenig austarierte mediale und wissenschaftliche
schen Gewaltherrschaft, die beide auf ihre Weise Diskussion um das Themenfeld Migration zu – und
auf die Trennung in ‚Wir’ und ‚Ihr’, auf die Segre- damit das Selbstverständnis der heterogenen deut-
gation abzielten sowie durch den Massenmord bei- schen Gesellschaft.
öiew-rundbrief nr. 147Im Blickpunkt: Ankommen in einer partnerschaftlichen Welt
Von der Bedrohung europäischer Werte
- oder: Die Gefahren lauern ganz woanders
Ein Appell, die Blickrichtung zu wechseln von Bernhard Möller
Die Fotos zu diesem Beitrag wurden uns
freundlicherweise von „Starring Aachen“ zur
Verfügung gestellt. Die von Studierenden
getragene Initiative bringt BürgerInnen mit
geflüchteten Menschen zusammen.
www.starringaachen.org
Asylbewerber, Migranten, Flüchtlinge. Sie sind Humanistisches Denken als Basis, Rationalität, Sä-
schon bei uns, stehen noch vor der Tür oder ertrin- kularität, Rechtsstaatlichkeit, Demokratieber und
ken im Mittelmeer - und wir, wir sorgen uns um die über allem die Menschenrechte. Sie alle spiegeln
europäischen Werte, haben Angst vor der Krimina- eine jahrhundertelange Entwicklung und Traditi-
lität arbeitsloser jugendlicher Migranten, während on Europas wider, wurden vorbereitet in den Wis-
Flüchtlinge auch hier Angst haben müssen, wenn senschaften und im Humanismus der Neuzeit, in
ihre Unterkünfte abgefackelt werden. der Französischen Revolution blutig proklamiert
als „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, ertrotzt
Werte entwickeln sich und erkämpft gegen kirchliche und weltliche Ob-
rigkeiten. In Deutschland fanden sie ihren Nieder-
Was sind diese „europäischen Werte“? Die Hit- schlag in den Grundrechten des Grundgesetzes. Sie
liste, worin Europas Bürger am besten die Werte wiederholen sich in der Charta der Grundrechte der
Europas repräsentiert sahen, führten 2010 in dem Europäischen Union vom 12. Dezember 2007. So
von der Europäischen Kommission in Auftrag ge- sind nmitten von Geschichte, Traditionen, Milieus
gebenen Eurobarometer „Menschenrechte“, „De- und persönlicher Sozialisation objektive Rechtsgü-
mokratie“ (mit je 38 %) und „Frieden“ ( 35 %) an. ter entstanden, die wiederum subjektive Wertschät-
Darauf folgten „Rechtsstaatlichkeit“ (25%), „Soli- zungen stabilisieren.
darität“ (20%) sowie „Respekt gegenüber anderen Doch haben weder Europa noch der globale
Kulturen“ (18%). Eine Momentaufnahme subjek- Norden einen Alleinvertretungsanspruch für die-
tiver Bürgerbewertungen. Der Verein „teamfrei- se Werte: Um Demokratie wird weltweit gerungen.
heit.info“ aus Österreich skizziert eine Hierarchie, Durch den Inder Gandhi haben wir die Möglich-
in der europäische Werte aufeinander aufbauen: keit gewaltfreien Widerstands kennen gelernt. Die
initiativ november 20164/5
Menschenrechte wurden 1948 nach dem Ende des mit parlamentarischer Entscheidung sehr sub-
Zweiten Weltkriegs durch die Vereinten Nationen til umgangen. Klar, die Grundrechte sind in unser
proklamiert und 1966 durch den Internationalen Rechtssystem einschließlich internationaler Kon-
Pakt über bürgerliche und politische Rechte und ventionen und Verträge eingebunden, finden Gren-
den Internationalen Pakt über wirtschaftliche, sozi- zen durch Rechte anderer, beeinflussen Staat und
ale und kulturelle Rechte präzisiert. 1976 traten die- Gesellschaft wie sie auch von diesen beeinflusst und
se in Kraft, nachdem sie von der geforderten Anzahl verändert werden. Allein die Achtung der Men-
von 35 Mitgliedsstaaten ratifiziert waren. Mittler- schenwürde in Art. 1 GG ist von jeglicher Verän-
weile von 164 Staaten ratifiziert, sind sie weltweiter derung ausgenommen. Dabei sagen Modifikationen
Standard geworden, der die Unterzeichnerstaaten und Veränderungen viel aus über verborgene Werte
verpflichtet, sie zunehmend umzusetzen. unserer Gesellschaft und Politik.
Rolle rückwärts
Auf Dauer gesichert ist dieser weltweite Standard
gleichwohl nicht, auch nicht in Europa. Am deut-
lichsten wird dies derzeit in der Asyl- und Flücht-
lingspolitik, in der wieder (besser: immer noch) na-
tionale Lösungen, Abschottung und Patriotismus
verfochten werden - ein Anachronismus in Zeiten
der Globalisierung -, ganz gleich, ob durch Le Pen,
Orbán, Kaszy ski oder die AfD. Sie emotionali-
sieren vergangene Werte und können der weltwei- Für die Aktion „Foto Dialoge“ haben geflüchtete Menschen
den Ort ihrer Ankunft fotografisch festgehalten.
ten Migration nicht gerecht werden. Diese wollen
sie sogar verhindern und sich des Asylrechts gleich Zwar heißt es in Art. 16a, Abs. 1 GG weiterhin
mit entledigen. Dies wirkt ansteckend, wenn etwa „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht“, doch zei-
Seehofer und die CSU Obergrenzen für Flücht- gen die Restriktionen in Abs. 2 bis 5, wie durch-
linge fordern. Mit Obergrenzen würde, wie zuvor löchert das Asylrecht ist und wie deutsche und
schon der Kölner Kardinal Woelki sagte, der Boden europäische Politik die Verantwortung an die EU-
des Grundgesetzes verlassen (s. Rheinische Post, Außengrenzen (Dublin III) und in Drittstaaten
12.09.16). Deren Dilemma kennen wir aus der Ge- abgeschoben hat. Dabei scheut sie sich nicht, sich
schichte, als 1938 die Konferenz von Évian Ober- zum Komplizen von Diktatoren wie in Eritrea und
grenzen für jüdische Flüchtlinge festlegen wollte Sudan zu machen, um Menschen von einer Flucht
und scheiterte. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte nach Europa abzuhalten, obwohl deren Bürger ge-
sich stattdessen die Idee persönlicher Schutz- nau vor diesen Diktaturen fliehen. Vielleicht, viel-
rechte für Flüchtlinge durch und führte zur Genfer leicht hätte Angela Merkels visionärer Alleingang
Flüchtlingskonvention, die eine UN-Sonderkonfe- unter dem Credo „Wir schaffen das“ etwas ver-
renz 1951 in Genf verabschiedete und 1954 in Kraft ändern können. Er hat bürgerschaftliches Enga-
trat. gement herausgekitzelt, aber auf ein Sperren der
Fluchtwege vor den Außengrenzen der EU nicht
Aus übler Trickkiste verzichtet und ist am Beharrungsvermögen wohlsi-
tuierter Sofa-Mentalität europäischer Politiker und
Unsere Werte und Grundrechte werden nicht al- Bürger gescheitert. Solidarität sieht anders aus. Wir
lein von AfD, Front National und Co. hintertrie- lügen uns mit unseren europäischen Werten in die
ben, sondern zuweilen im politischen Alltag und eigene Tasche.
öiew-rundbrief nr. 147Im Blickpunkt: Ankommen in einer partnerschaftlichen Welt
Rechte genau an der ausbeuterischen neoliberalen
Geld regiert die Welt Handels- und Wirtschaftspolitik und international
tätigen Konzernen. Dies geht weit über schlechte
Nach Art. 2, Abs. 1 des Internationalen Paktes über Arbeitsbedingungen und die Zahlung „nicht ange-
wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte ver- messener Löhne“ - so der Begriff des Internationa-
pflichtet sich jeder Vertragsstaat, deren volle Ver- len Paktes der UN - hinaus. Durch Billigimporte
wirklichung „nach und nach“ mit allen geeigneten subventionierter Landwirtschaftsprodukte verar-
Mitteln, auch durch internationale Hilfe und Zu- men Kleinbauern; bei Investitionen zur Daseins-
sammenarbeit, zu erreichen. Die Notwendigkeit, vorsorge werden durch Privatisierung die Men-
Wirtschafts- und Handelspolitik in die Verantwor- schenrechte auf Bildung, Gesundheit und Wasser
tung für die Menschenrechte einzubeziehen, ist er- gefährdet; für Palmölplantagen wird Land geraubt
kannt, zumindest auf dem Papier, so in den 1976 und internationaler Bergbau ohne ökologische Auf-
verabschiedeten Leitsätzen der OECD für verant- lagen verknappt und verschmutzt natürliche Le-
wortliches Unternehmerverhalten, seit 2009 in den bensgrundlagen; gewerkschaftliche Aktivitäten in
EU-Menschenrechts-Klauseln bilateraler Handels- den Betrieben werden behindert. Wer sich wehrt,
verträge, in denLeitlinien des UN-Menschenrechts- wird bedroht, gegebenenfalls verschleppt und er-
rats für Wirtschaft und Menschenrechte von 2011. mordet.
Allerdings fehlen die ju-
ristischen Elemente für Die Blickrichtung ändern
Klagen gegen Menschen-
rechtsverletzungen und Nicht Asylbewerber und Flüchtlinge bedrohen un-
für Sanktionen. Men- sere Werte. Das tun wir selbst, wenn unsere Wer-
schenrechtliche Folgeab- te und Ideale nicht der Realität entsprechen. Wir
schätzungen sind bei werden um unsere Werte, die spätestens seit 1948
Handels- und Investiti- nicht mehr unsere allein sind, kämpfen müssen. Da-
onsabkommen nicht vor- bei zeichnen sich vier Handlungsfelder als notwen-
gesehen. Während aber dig ab:
multinationale Unterneh- • Eine Politik, die die Menschenrechte wirklich in
Die Ausstellung können Sie bis zum 13.11. in Aachen besuchen.
Details: starringaachen.org/projekte/fotoprojekt/ men vor einem privat- den Mittelpunkt ihrer Agenda stellt.
rechtlichen internationalen Schiedsgericht klagen • Eine weltweite zivilgesellschaftliche Vernet-
und Schadensersatz fordern können, auch dann, zung gegenüber Politik und Konzernen
wenn die Gewinnaussichten auf Grund staatlicher • Ein beharrlicher Dialog bei uns vor Ort in der
Regulierungen geschmälert werden, findet sich in Begegnung mit Menschen anderer Kulturen
keinem EU-Abkommen eine Klausel, die Spielräu- • Ein offensives Eintreten für den attraktiven
me für staatliche Maßnahmen zur Gewährleistung Wert von Menschenrechten und
und zum Schutz der Menschenrechte garantiert. • solidarischen Lösungen.
Auch für Opfer von Menschenrechtsverletzungen
im Wirtschaftssektor bestehen keine adäquaten
Zum Weiterlesen:
Möglichkeiten der Klage. Auch bei TTIP fehlen die
Bildungsarbeit in Berliner Schulen
Hinweise, dass sich an diesem Ungleichgewicht et- zum Thema Flucht und Erd-Charta:
was grundlegend ändert. gemeinsamgrenzenueberwinden.wordpress.com/
Derweil sich hier bei uns über billigen Konsum Bildungsmaterialien zu Flucht und Asyl:
allzu unreflektiert in den Segnungen der Globalisie- www.globaleslernen.de
rung eingerichtet wird, scheitert der Internationa- Lernmaterial für Kinder ab Klasse 3:
kindernothilfe.de, Suche „Flucht und Migration“
le Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle
initiativ november 20166/7
Darf ich vorstellen?
Wir haben mit acht Geflüchteten über Ihre Vorstellung vom Ankommen gesprochen.
Eine Textcollage von Fabian Bethge
Darf ich vorstellen?
Ich komme aus dem Krieg.
Mein Name bedeutet Mond, Glück und „was gut für dich ist“.
Aber eigentlich komme ich aus Syrien, aus Nigeria oder Irak.
Ich musste fliehen, vor einem Jahr, vor zwei Jahren oder vor sechs.
Meine Eltern sind nicht glücklich, weil wir nicht zusammen sind. Ich wünschte sie wären hier,
sie fehlen.
Zu Hause war ich arm und ich war reich.
Als Kind wollte ich wie Robin Hood sein, wie Zorro. Sie halfen den Armen.
Meine Eltern wollten, dass ich Arzt werde, aber dafür hatten wir das Geld nicht.
Ich war wohlhabend, aber auf der Flucht wurde mir alles geraubt, was ich bei mir hatte.
Astronaut wollte ich werden als Kind, mit ihrer Entschlossenheit für die gefahrvolle Reise.
Angst hatte ich immer als Frau im Iran. Im kalten Deutschland brauche ich einen Kamin
und einen Wachhund. Mein Mann müsste nachkommen dürfen.
Aber wo waren die Staaten alle zwischen 2011 und 2014?
Da haben sie die Revolution gegen Assad allein gelassen.
Europäische Armeen im Irak haben die Grundlage für die Radikalisierung einiger Menschen gelegt.
Heute habe ich mit meinen Eltern telefoniert, aber nur eine Minute,
dann kreiste ein Flugzeug und sie mussten sich in Sicherheit bringen.
Wir brauchen die neue Generation, die erst das Ganze wieder gut machen kann.
Wir müssen die Gesetze so machen, dass große Unternehmen wie Rüstungskonzerne
die Träume der Menschen nicht mehr zerstören.
Meine Eltern sind tot, aber ich will für meine Kinder, was sie auch für mich wollten.
In Sicherheit aufwachsen, nicht immer nur gehorchen,
dass sie Vorbilder sind, etwas Solides, was zu ihrer Berufung passt. Dann wird man glücklich.
Wir wollen dass sie ganz früh schwimmen lernt und reiten,
dass sie gut zu Nachbarn ist und dass sie Schach lernt, das ist gut für den Kopf,
damit sie clever und klug wird!
Ich wünsche ihnen ein besseres Leben. Dafür muss ich mich anstrengen.
Ich brauche eine berufliche Chance – ich möchte vorankommen und mein Leben neu gestalten.
Ich brauche ein Asyl für mindestens 5 Jahre, damit ich arbeiten kann.
Wenn du Europa sagst,
denke ich an einen Platz, wo ich Frieden habe, mit Gleichberechtigung für alle.
An schöne üppige Landschaften, offene Türen und Gastfreundschaft.
Die Gesellschaft anerkennt mich, obwohl ich von ferne komme.
Ich will hier in Deutschland bleiben. Und ich lerne mehr und mehr Deutsch,
vor allem mit Hilfe einer alten Dame, die jede Woche einmal zu uns kommt.
Die Collage besteht aus wörtlichen Zitaten aus mehreren Interviews mit Geflüchteten.
Interviews:
öiew-rundbrief nr. 147Aus der Initiative
Blick in die ÖIEWerkstatt
„Es ist stockdunkel. Gerade habe ich vom stände zu schaffen, zu festigen und zu vergrößern“
Einlassteam die letzten Hinweise bekom- („Masse und Macht“).
men. ‚Gehen Sie hinein in den Tunnel, las- Was hat dieses Erlebnis mit der ÖIEW und der
sen Sie sich ein auf das, was kommt. Am Erd-Charta zu tun? Noch Tage später beziehen sich
Ende bekommen Sie Ihre Sachen wieder die Gespräche der Beteiligten darauf – und wer-
und können zu den weiteren Performances den inhaltlich. „Ich könnte immer noch die ganze
des Theaterfestivals. Viel Spaß.‘ Ich gehe Welt umarmen“, erzählt eine Performerin. „Noch
in Richtung der Geräusche. Schräge Lau- nie hatte ich so sehr das Gefühl, nicht nur zu ge-
te, von menschlichen Kehlen gemacht, ben, sondern alles und mehr zurück zu bekommen.
und dann sind da plötzlich Arme, Beine, Durch diese ganz direkte, körperliche im-Moment-
Berührungen von allen Seiten. Von fremden Men- Reaktion des ‚Publikums‘ auf das, was wir taten.
schen. In Dunkelheit. Mal leicht, mal kräftig… Und nötig dazu war nur dieser kleine Sprung über
Mein Atem geht schneller. Bis ich merke: die Be- die normale Distanzschwelle. Und dass wir es ge-
rührungen sind achtsam, respektvoll. Und plötzlich schafft haben, eine Umgebung des Vertrauens zu
geht es. Ich kann loslassen, mich der unsichtbaren generieren. Das heißt, zur Weltrettung müssen wir
Menge wie einer Meereswelle überlassen, werde jetzt ‚nur‘ alle Menschen in solche Tunnel krie-
getragen, weitergespült, bin Treibgut in der Bran- gen?!“ - Wenn die Lösung nur so einfach wäre.
dung, Wasser im Wasser, Mensch unter Menschen.“ Aber vielleicht ist darin wirklich ein utopischer Ge-
So der Bericht einer Besucherin des danke enthalten. Wären wir alle „nackt“ und wür-
„studioNAXOS“-Festivals im September. „Zu- den diese Nähe öfter zulassen, würden wir unsere
schauerin“ wäre der falsche Ausdruck. Weder und die Verletzlichkeit der Anderen vielleicht öfter
schaut hier jemand, und schon gar nicht „zu“. Alle, wahrnehmen und spüren. Und den Wert jedes Le-
Performende wie Besuchende, sind – „Mit-Füh- bens stärker respektieren. Und wieder eine andere
lende“? Die Gespräche im Anschluss zeigen, dass Überlegung dazu lautete: „Vielleicht geht es darum,
es nicht bei der körperlichen Ebene bleibt. Die Teil- statt die Welt zu verändern, die Welt zu berühren,
nehmenden sind auch emotional berührt, geistig so dass Menschen Menschen sein können?“
angeregt, kommen ins Gespräch. Als ob sich alle ir- Gerade in einer Zeit, in der Politik und Medien
gendwie kennten. die Angst erst erzeugen und schüren, die dann die
STORGE – der Titel der beschriebenen Perfor- Angst-Reaktions-Wahlspirale in Gang setzt, ist es
mance - bezieht sich auf eine Form von ursprüng- so wichtig, auf eine ganzheitliche Bildung zu set-
licher Liebe, mit der im antiken Griechenland die zen, die konstruktive Argumente mit einer po-
Beziehung zwischen engen Familienangehörigen sitiven emotionalen Rückversicherung wie dem
bezeichnet wurde. Sie ist gekennzeichnet durch be- Erleben von Vertrauen, Offenheit, Zuversicht, Ge-
sondere Fürsorge und Verständnis. Dieses eine Mal meinschaft, Solidarität, Liebe…kombiniert. Hohe
hat Elias Canetti nicht Recht: „Auf einem bestimm- Zeit für die Erd-Charta Bildungsarbeit und die Se-
ten, sicheren Platze steht der Mensch und hält sich minarangebote der ÖIEW!
alles, was ihm in die Nähe kommt, mit wirkungs- Sehen wir uns bei der Erd-Charta Botschafter-
vollen Rechtsgebärden vom Leibe. Alles Leben, wie Innen-Ausbildung 2017 (S. 11) oder auf der Früh-
er es kennt, ist auf Distanzen angelegt, das Haus, in jahrstagung „fühlt! Berührt in die Eine Welt“ (s.
dem er seinen Besitz und sich verschließt, die Stel- nächste Seite)?
lung, die er bekleidet (…) – alle dienen dazu, Ab- Ihre Anja Becker, Geschäftsführende Referentin
initiativ november 20168/9
Heilend umgehen mit der Erde und mit uns selbst
Noch letzte Plätze frei! Silvesterfreizeit der ÖIEW
vom 28. Dezember 2016 bis 1. Januar 2017 auf Burg Bodenstein
„Heilend umgehen mit der Erde und mit uns selbst gesellschaftlichen und weltweiten Trans-
…und dabei Gesellschaft und Weltgemeinschaft formation. Zentral dabei wird sein, dass
mitgestalten…“ lautet der Titel der diesjährigen wir uns diesen Themen nicht nur theo-
Jahres(w)endtagung.Familien, Alleinreisende, retisch, sondern auch durch praktische
Paare sind herzlich eingeladen, die letzten Tage des Übungen nähern.
Jahres in stimmungsvollem Ambiente auf Burg Bo- Das ÖIEW-Treffen ist Teil der Silve-
denstein in Thüringen zu verbringen - mit Kinder- ster-Burgfreizeit für Einzelne und Fami-
betreuung, Kreativprogramm, Genuss für Leib und lien mit Kindern. Für letztere bietet die
Seele und einem tollen Silvesterfest. Burg je nach Altersstufe eine Betreuung
Für die Erde arbeiten, ohne verrückt zu werden mit eigenem Programm an. Foto: Pixabay / Public Domain
nennt Joanna Macy den Themenhorizont, den wir Kosten: 210 Euro (inkl. Vollpension, Festbuffet
uns dabei näher ansehen wollen. Themen wie Trau- und Programm), für Kinder je nach Alter deutlich
ma-Integration, Stressforschung und Selbstfürsor- weniger. Weitere Informationen in der Geschäfts-
ge spielen alle eine Rolle im Horizont der großen stelle und unter www.erdcharta.de.
Buchtipp: Der leise Atem der Zukunft
„Wer bin ich?“ Die ewig aktuelle, Um darauf eine Antwort zu ge- Nach Dr. Natalie Knapp, Philoso-
sich immer wieder neu stellende ben, entwickelt Weber seine „ero- phin und Schriftstellerin
Grundfrage des Menschseins er- tische Ökologie“. Mit ihrer Hilfe
forscht Andreas Weber ganz all- können wir in eine neuartige, of- Andreas Weber:
tagsnah und lebenspraktisch im fene Beziehung zur Natur, zu un- Lebendigkeit. Eine erotische Ökolo-
Hinblick auf unsere Lebendigkeit. seren Mitmenschen und uns selbst gie. Kösel-Verlag, 2014, 19,99 €
Worin besteht sie? eintreten. http://oeiew.de/Lesenswert
„fühlt!“: ÖIEW-Frühjahrstagung 2017
Von einer Kultur des Nehmens zu einer Kultur der Gabe
Mit vielen schönen Ideen und Anknüpfungspunk- werden wir verschiedene praktische Stationen auf-
ten hat uns unsere Jubiläumstagung zu 40 Jahren bauen (Natur-Kunst, Klangräume, Berührungsrei-
ÖIEW im Mai beflügelt. Bei der kommenden Früh- he etc.), um das Thema ganzheitlich zu erkunden.
jahrstagung machen wir weiter mit der spannenden Für die Vorbereitung der Tagung in Germete freu-
Verbindung Berühren – Fühlen - Geben. In die- en wir uns über weitere Mitwirkende, bitte gern in
ser Tagung wollen wir in Fühlung gehen: mit dem der Geschäftsstelle melden! Anja Becker
weitreichenden Thema der Natur- und Weltbilder,
die zu enkel(un)tauglichen Entwicklungen führen. „fühlt!“ Berührt in die Eine Welt.
Mit der Frage nach Lebendigkeit‚ in-Beziehung- Eine Frühjahrstagung, die in Fühlung geht und
Sein und wann Wandel möglich ist. Und mit all un- Natur- und Weltbilder für eine zukunftsfähige
Weltgesellschaft erkundet.
seren Sinnen. Für den Einstieg ins Thema haben wir
5.-7. Mai 2016, Germete / www.erdcharta.de.
Andreas Weber angefragt. Während der zwei Tage
öiew-rundbrief nr. 147Die Erd-Charta-Seiten
Rothenburg auf dem Weg zur Fair-Trade-Stadt
Die Erd-Charta Gruppe Rothenburg gibt einen Einblick in ihre Arbeit
Derzeit bündelt sich die Arbeit der Regionalgruppe 2. Alleenerhalt und Verkehrssicherheit
in zwei Projekten: Das Energiewendebündnis Rothenburg hatte sich
1. Fair-Trade-Stadt Rothenburg in der Vergangenheit in einer Petition für den Er-
In Diskussionen über die Ursachen weltweiter Mi- halt von Straßenbäumen eingesetzt und mit Un-
gration wurde uns die Wichtigkeit klar, in Rothen- terstützung des MdB Josef Göppel in Absprache
burg das Bewusstsein für fair gehandelte Produkte mit den Behörden vor Ort Bäume nachgepflanzt.
zu stärken. Es gibt einen Weltladen und verschie- Ziel ist es, Verkehrssicherheit und den Erhalt von
dene Läden mit regionalen und biologisch er- Alleen und Baumreihen nicht als sich gegensei-
zeugten Produkten. Kontakte zu anderen Fair-Tra- tig ausschließende Faktoren zu sehen, sondern lö-
de-Städten, zu deren sungsorientiert sich für beide Belange einzusetzen.
UnterstützerInnen Geplant ist eine durch das Energiewendebündnis
und zu Organisati- organisierte Wanderung auf einem Baumpfad und
onen der Fair-Trade ein Vortrag mit Bildern alter Bäume in der Stadt
Bewegung wurden und im Umland, ergänzt durch Gedichte, um auf
aufgenommen und diesem Wege Bewusstsein für die Schönheit alter
die Prinzipien in der Bäume zu stärken und sie somit zu schützen.
Gruppe diskutiert. Christine Birmann
Leuchtendes Vorbild: Die Fair-Trade-Stadt München bezieht für ihre
Schulen nur fair produzierte Bälle. Foto: Christine Birmann
Das Spendenbarometer:
Bitte um Weihnachtsspende
Wie unser Spendenbarometer zeigt, fehlen der ÖIEW
zur Finanzierung der vielfältigen Aktivitäten dieses Jah-
res noch 32.043 Euro. Es ist sehr wichtig, dass wir das
schaffen! Es ist uns zwar gelungen, wesentliche staatli-
che und kirchliche Zuschüsse zur Finanzierung unserer
Arbeit zu bekommen – gerade weil auch die Zuschuss- Bedarf
geber unsere Bildungsarbeit sehr förderungswürdig se-
hen. Dennoch sind und bleiben Spenden für uns als € 32.043
„Basis-Initiative“ das zentrale und wichtigste Finanzie-
rungs-Instrument – und ohne Eigenanteile erhalten wir
Spenden
die Zuschüsse nicht! Jeder hier gespendete Euro ver-
€51.557
vielfältigt sich – durch Zuschüsse und durch das viele
ehrenamtliche Engagement!
Vor diesem Hintergrund bitten wir besonders herzlich
um wohlwollende Beachtung des beiliegenden Spen-
denbriefs und um Ihre großzügige Spende. Danke!
initiativ november 201610 / 11
Werden Sie Erd-Charta BotschafterIn!
Die Erd-Charta Koordination Deutschland bietet am 10.-12. März
und 19.-21. Mai 2017 die nächste MultiplikatorInnen-Ausbildung an!
Die Ausbildung richtet sich an alle, die Lust auf Termine
politische Veränderungen und entsprechende Bil- 10. bis 12. März und 19. bis 21. Mai 2017,
dungsarbeit haben. An den zwei zusammenhän- jeweils Freitag 18 Uhr bis Sonntag, 14 Uhr.
genden Wochenenden setzten Sie sich mit der Ort
Erd-Charta, einer globalen Ethik für nachhaltige Zukunftswerkstatt Ökumene in Warburg-Germete
Entwicklung, auseinander. Die Ausbildung befä- (Bahnhof Warburg, Westf.)
higt, die Erd-Charta selbst weiter zu geben, in einer Teilnahmebeitrag
Erd-Charta Gruppe aktiv zu sein, einen Workshop 120 Euro (erm. 80 Euro) für beide Wochenenden,
durchzuführen, mit der Jugendgruppe spielerisch inkl. Praxishandbuch, Bio-Essen und Übernachtung.
die Erd-Charta zu erschließen, regionale Projekte Veranstalterin
Ökumenische Initiative Eine Welt e.V.
zu verwirklichen, an der Uni oder auf einem Kon-
/Erd-Charta Koordination Deutschland
gress einen Vortrag zu halten... - je nach Lust und
Anmeldung www.erdcharta.de
Interesse der Teilnehmenden!
Zum Bundestagswahlkampf: für eine solidarische globale Gesellschaft
Das Netzwerk Friedenssteuer tung für eine solidarische glo- stellen zentrale ökonomische,
lädt anlässlich des Bundestags- bale Gesellschaft“ und darum, ökologische, diplomatische, frie-
wahlkampfs 2017 zu einer Kam- die „Sustainable Development denssichernde Forderungen an
pagne vieler Organisationen Goals“, zu denen sich Deutsch- alle Parteien, die die Politik in
der Friedens-, Öko- und Men- land verpflichtet hat, wirklich der Legislaturperiode 2017-2021
schrechtsbewegung. Es geht um umzusetzen. gestalten wollen.“
„Deutschlands Mitverantwor- „Wir mischen uns ein! Wir www.netzwerk-friedenssteuer.de
öiew-rundbrief nr. 147Die Erd-Charta-Seiten
Veranstaltungshinweise
Besuchen Sie gern unseren laufend aktualisierten Kalender
unter erdcharta.de/aktivitaeten/veranstaltungen/
Seminar: „Eine Welt als Chance - fliehen und
ankommen in einer partnerschaftlichen Welt“
Die Ökumenische Initiative Eine Welt und Misereor laden zu einem Workshop ein.
11.-13.11., Zukunftswerkstatt Ökumene, Warburg-Germete
Der Workshop beginnt am Freitag, 11.11., um 18.00 Probleme, sondern auch über die Chancen miteinander
Uhr mit dem Abendessen. Der Vortrag um 19.30 Uhr ins Gespräch zu kommen, die der Zuzug von Migran-
mit Matthias Lanzendörfer von Misereor zum Thema tInnen unserem Land und möglicherweise auch deren
„Flucht und Migration - Warum sind so viele Menschen Heimatländern bieten.
unterwegs?“ ist eine öffentliche Veranstaltung.
Wer sich von ängstlicher Sorge lähmen lässt, erliegt leicht Weitere Informationen zum Programm:
der Verführung derer, die Ängste schüren, statt sie zu www.erdcharta.de oder info@oeiew.de
überwinden. Deshalb laden wir ein, nicht nur über die
initiativ november 201612 / 13
40 Jahre Ökumenische Initiative Eine Welt
– der Jubiläums-Einleger
Liebe Leserinnen und Leser, liebe Aktive! Stolz präsentieren wir was für uns besondere Qualitäten, Ziele und Wege der ÖIEW
Ihnen den zweiten Jubiläums-Einleger. Mit einer Erklärung für das und der Erd-Charta Bildungsarbeit sind – eignet sich wunderbar
„ökumenisch“ im Namen der Initiative. Mit einem Innenteil, für als Poster! Dazu gibt es auf der Rückseite eine Momentaufnahme
den der Vorstand bei einem Wochenendtreffen gesammelt hat, dessen, was uns im Vorstand derzeit beschäftigt.
Warum ÖKUMENISCH ?
In der Alltagssprache bezeichnet Ökumene die Zusammenarbeit Christen und Kirchen wie die Mitverantwortung für die vom Men-
von Christen unterschiedlicher Kirchen. Verständlicherweise ist schen bewohnte Welt... Wir sehen uns als Teil der Einen Welt mit
deshalb für viele UnterzeichnerInnen der Erd-Charta, für manche ihrer Vielfalt pflanzlichen und tierischen Lebens. Und wir sehen
Erd-Charta BotschafterIn sowie für TeilneherInnen unserer Semi- uns als Teil der einen Menschheit, die alle Völker, Kulturen und Re-
nare, Workshops und Tagungen „ökumenisch“ ein ausschließlich ligionen umfasst. Diese beiden Aspekte bezeichnet auch das grie-
kirchlich und christlich geprägter Begriff. Das erklärt, warum wir chische Wort ‚Ökumene‘.“
immer wieder gefragt werden, weshalb die Koordinationsstelle „Ökumenisch“ geht in unserem Verständnis damit weit über die
der deutschen Erd-Charta Arbeit sich Ökumenische Initiative Eine Zusammenarbeit christlicher Konfessionen und Kirchen hinaus. Es
Welt und nicht einfach Erd-Charta Initiative nennt. geht um die Zusammenarbeit aller Religionen und aller nicht reli-
Die Geschichte der ÖIEW ist älter als die der Erd-Charta. Und giös gebundenen Menschen, so, wie auch die Erd-Charta ein für
die Gründungsmitglieder der Initiative waren in ihrer großen alle Menschen gültiger Text sein möchte. Dass sich der Initiative
Mehrheit Mitglieder einer christlichen Kirche. Sie verstanden aller- viele humanistisch geprägte, nicht kirchlich oder religiös gebun-
dings Ökumene auf zweifache Weise: zum einen als Einheit und dene, oder einer anderen Religion zugehörige Menschen ange-
Zusammenarbeit der Christen und christlichen Kirchen. Zum an- schlossen haben, zeigt, dass die von Anfang an gewünschte Weite
dern jedoch in der griechischen Grundbedeutung (η‘ οϊκουμενη in der Arbeit der Initiative erkennbar ist. Verwurzelt ist die Initiati-
‚das Bewohnte‘), das „die ganze bewohnte Welt“ (soweit sie da- ve in der weltweiten ökumenischen, umwelt-, entwicklungspoli-
mals bekannt war) in der griechisch-römischen Antike bezeich- tischen und friedenspolitischen Basisbewegung und im konziliaren
nete. Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.
Im Gründungsaufruf der ÖIEW 1976 heißt es: „Für uns umfasst
ökumenisches Leben ebenso sehr die Bemühung um Einheit der Paulander Hausmann und Barbara Ruthardt-Horneber
öiew-rundbrief nr. 147Wir kartieren die ÖIEW
Was ist uns in der Initiative wichtig? Ein Brainstorming des ÖIEW-Vorstandes
Die ÖIEW als Lernbewegung Schöpfung
Wir kennen die Lösung (noch) nicht, aber wir machen uns auf den Weg, bewahren
wir probieren etwas aus und sind flexibel,
wir gewinnen eine neue Sicht,
wir lassen uns durch Fehlschläge nicht entmutigen,
wir lernen aus Fehlern, Biodiversität
wir brauchen Gesprächspartner als Korrektiv und/oder Bestätigung, erhalten
auch wenn es zunächst als unmöglich gilt,
wir lassen uns nicht entmutigen, weil es aussichtslos erscheint,
wir haben gelernt, gegen der Strom zu schwimmen, vielfältiges Vielfalt
denn nur tote Fische schwimmen mit dem Strom,
Engagement
wir sind wagemutig,
wir kapitulieren nicht so rasch, zwischen
sondern sind ausdauernd und beharrlich, eingebunden in ein Großem Wandel und
wir wissen, auch wir haben die Weisheit lebendiges Beziehungsnetz Großer Transformation
nicht mit Löffeln gefressen,
wir bleiben bescheiden,
wir ermutigen andere
und werden umgekehrt eigener Haushalt und
von anderen ermutigt. ganzer bewohnter Freundschaft
Paulander Hausmann Planet Erde Begegnungsräume
schaffen
berührt sein -
berührbar sein
Beziehungen auf
drürfen
Augenhöhe
auf der Suche Gemeinschaft
leben
sinnlich - kreatives
Erleben und Gestalten
Träumen und
Würdigen Feiern
geteilte Werte
offen sein
das Einfache
genießen
Lebenslust und
Theater Lebensliebe
Antenne für neue
Impulse sein
wertschätzen, was
kommt
Raum zum
Experimentieren
kreativ seinUrsachen suchen,
bennenen und
beseitigen
Großen Wandel global denken
sichtbarmachen
die Eine Welt
zusammendenken
ganzheitlich
Nord-Süd-Dialog
Ressourcen Ursachen von
wertschätzen Flüchtlingsströmen
untersuchen Mehrgenerationen-
politisch und dialog fördern
zivilgesellschaftlich
„und“
handlungsfähig sein
statt
Zukunftswerkstatt Methoden der
„entweder oder“
Evaluation finden
sich gegenseitig
ertüchtigen Netzwerk nach bewegliche
außen Strukturen, die
Selbstwirksamkeit
auch klei-
erleben lassen
ne Schritte Beispiele
Mitte suchen
zählen der Ermutigung
lebe so, dass du
Hoffnungs- gefragt wirst
geschichten
Erfahrungen gemeinsam
voneinander Visionen suchen
teilen
lernen
Jesus könnte auch
Tanzen gesagt haben:
Seid Sand, nicht
das Öl im Getriebe
Antenne für neue wieder einmal der Welt
Impulse sein die Bergpredigt
lesen
Qi Gong beides: Harmonie
Bibelauslegung
in der Spiritualität,
gemeinsame Kontroverse in der
Transzendenz Stille Diskussion
und Immanenz gemeinsam Kraft-
quellen suchenEIN-Klang und Diversität im Großen Wandel
Barbara Ruthardt-Horneber berichtet vom derzeitigen Vorstands-Diskurs
Die beiden vorangehenden Seiten entstammen einem Vorstands- bis 2030) – einen neuen Fokus für weiträumigere Netzwerk-
Brainstorming Ende September. Um Impulse von Festtagung und Zusammenarbeit in der Großen Transformation setzen?
Mitgliederversammlung aufzunehmen und unsere Planungen im • Wir suchen weiter, wie wir in unseren vielfältigen spirituellen
Übergang in ein neues Jahrzehnt ÖIEW nicht nur vom „Alltagsge- und biografischen Ausprägungen neue gemeinsame Ritua-
schäft“ bestimmen zu lassen, haben wir fünf Vorstandsmitglieder le und Wege finden können, um die „Tiefenebenen“ unseres
uns in Wethen für ein Wochenende getroffen. Vor dem Hinter- Verbundenseins zu feiern und die verschiedenen Sprachwel-
grund der Kontroversen um spirituelle Formen und Sprachen (sie- ten für einander zu „übersetzen“.
he Jubiläums-Einleger 1) erzählten wir uns gegenseitig die je eigene In die kommenden Planungen nehmen wir die folgenden Fragen
spirituelle Biografie und „spielten“ im Anschluss daran mit Bildern und Impulse mit:
zu den Qualitäten, die für uns die Zugehörigkeit zur ÖIEW kenn- 1. Was braucht es für die Unterstützung und Weiterqualifikati-
zeichnen (wer uns näher kennt, kann vielleicht sogar manches in- on des aktiven ÖIEW/EC-BotschafterInnen-Netzes? Wie be-
dividuell zuordnen?!). kommen sie Ermutigung, Begleitung in ihren Aktionen und
Im Betrachten unserer Stichwort-Sammlung wurde deutlich: wie können sie diese im Netzwerk der Initiative abrufen? Wie
• Wir sind vor allem LERN-BEWEGUNG (hoffentlich auch im können wir in diesem Sinn unsere Strukturen flexibilisieren
Sinn von „lernende Bewegung“!) und unser Schwerpunkt lag und weiterentwickeln, damit sich die „Außenfühler“ unseres
und liegt auf Bildungsarbeit mit der Erd-Charta, nicht so sehr Netzwerks vervielfachen können? Welche Aufgaben und Ak-
auf gemeinsamen direkten Aktionen. tivitäten sind in der inhaltlichen Vertiefung effektiver in kleinen
• Außenvernetzung und eigene politische Intervention nehmen dezentralen Arbeitsgruppen weiterzuführen oder können
weniger Raum in unserem gemeinsamen Handeln ein als dies über punktuelle organisatorische Honorartätigkeit umgesetzt
unser innerer Anspruch ist! Vernetzung mit Aktionsgruppen, werden, damit wir die geringe hauptamtlich-professionelle
NGOs und den großen Klimabündnissen, Netzwerken, zi- Personalpräsenz möglichst für ihre „qualitativen Koordina-
vilgesellschaftlichen Lobbygruppen für Frieden, Gerechtigkeit tions-Aufgaben“ frei halten?
und Erhaltung unserer Lebensgrundlagen leben wir in Form 2. Wir planen für Anfang 2017 eine „kleine Zukunftswerkstatt“
von Mitgliedschaft und in der Synergie mit unserer inhaltlichen zur Perspektivenklärung für die nächsten Jahre, die wir durch
Bildungsarbeit und den je persönlichen Mitgliedschaften und einen professionellen Moderator begleiten lassen wollen.
Kontakten und Aktivitäten. Können wir – z.B. anhand der po- Mit welchen Ideen dazu könnt Ihr/ können Sie als LeserInnen, Mit-
litischen Umsetzung der SDGs (Sustainable Development UnterzeichnerInnen, Mitglieder diesen Prozess anregen? Wir freu-
Goals / die globalen nachhaltigen Entwicklungsziele der UN en uns auf Rückmeldungen Eurer/ Ihrer Gedanken!
Ihre Impressionen des ÖIEW-Jubiläums? Wir freuen uns über Beiträge!
Habt ihr/haben Sie Lust, an unserer Jubiläums-Dokumentation mitzuwirken? Wir freuen uns über Beiträge aus 40 Jahren ÖI.Die Erd-Charta Seiten 16 / 17
In Schnöggersburg wird Krieg trainiert
Militärische Übungsstadt entsteht im Naturschutzgebiet bei Magdeburg –
Protestierende Bürgerinitiative bekommt den Aachener Friedenspreis
Anlässlich der Verleihung des Aachener Friedens-
preises war Bernd Luge von der BürgerInitiative
Offene Heide im September beim Vitopia-Projekt
in Magdeburg zu Gast, um die Geschichte der Bür-
gerInitiative vorzustellen.
Kurz nach der Wende war die Zeit des Wettrü-
stens erst seit kurzem vorbei. Auch in der Col-
bitz-Letzlinger Heide sind Atomwaffen stationiert
gewesen. 1991 beschloss der Landtag Sachsen-An-
halts die friedliche Nutzung der Heide. Ungeach-
tet dessen stimmte der Bundestag 1993 für eine mi-
Ein Blick ins Naturschutzgebiet Colbitz-Letzlinger Heide: Die Übungsstadt Schnöggersburg entsteht
litärische Weiternutzung. Infolgedessen wurden mit Wohn-, Geschäftshäusern, Kaufhaus, Bank mit Hubschrauberlandeplatz, Verwaltungsgebäuden,
70.000 Unterschriften für die friedliche Nutzung Polizei/Gefängnis, Rathaus, Schule, Botschaft, Museum, Sakralbau und Friedhof. Foto: privat
gesammelt und die BürgerInitiative (BI) gegründet. BI Offene Heide für ihr großes Durchhaltevermö-
Bei den monatlich stattfindenden Friedenswegen gen verliehen. In über 20 Jahren haben sie 280 Frie-
nahmen anfangs hunderte Menschen teil. 1994 be- denswege durchgeführt – das sind Protestwande-
zog die Bundeswehr ihre Stellung in der Heide. In rungen in und um die Heide, die eine Länge von 3
einem zähen Ringen wurde 1997 mit der Landesre- bis 5 km haben. Durch den Bau der Übungsstadt
gierung der ‚Heidekompromiss‘ ausgehandelt: Eine Schnöggersburg hat der Protest gegen die militä-
weitere militärische Nutzung des Nordteils und rische Nutzung wieder deutlich zugenommen. Als
die Überführung des Südteils der Heide zur zivilen Ausdruck des Protests findet seit vier Jahren das
Nutzung bis 2006. Allerdings wurde dieser im Jahr „WAR STARTS HERE“-Camp statt.
2003 von der nachfolgenden Landesregierung wie- Die Atomare Abrüstung zwischen Ost und West
der aufgekündigt. Seitdem wird die gesamte Heide ist entscheidend voran gebracht worden von Michail
militärisch genutzt und darf von Zivilisten nicht be- Gorbatschow, einem Mitglied der ersten Erd-Char-
treten werden. ta Kommission. Die Erd-Charta ist eine Vision für
Auf dem Gebiet der Heide befindet sich das mo- ein friedliches Zusammenleben weltweit, die mehr
dernste Gefechtsübungszentrum Europas. Hier als nur den Aspekt Frieden betrachtet. Auch die BI
werden jährlich 25.000 Soldaten von Bundeswehr Offene Heide setzt sich neben der Friedensarbeit
und NATO- Bündnispartnern auf Auslandseinsät- für den Umweltschutz ein und fordert die Stärkung
ze vorbereitet. Zudem wird gerade die größte mili- der lokaler Wirtschaft durch eine nachhaltige und
tärischen Übungsstadt Europas gebaut - mitten im friedliche Nutzung der Heide. Joris Spindler
Naturschutzgebiet. Über 500 Häuser werden er-
richtet. Hinzu kommt eine U-Bahn, Kanalisation
wird verlegt und ein künstlicher Fluss geschaffen. Zum Weiterlesen:
Zivile Bebauung wäre in einem solchen Gebiet un- www.aachener-friedenspreis.de
denkbar, aber nach militärischem Recht bedarf es www.war-starts-here.camp
nicht einmal einer Umweltverträglichkeitsprüfung. www.offeneheide.de
Der diesjährige Aachener Friedenpreis wurde der
öiew-rundbrief nr. 147Die Erd-Charta-Seiten
Es braucht einen Paradigmenwechsel.
Die Erd-Charta hilft dabei.
Diskussionsanstoß zum Thema „Die SDG und die Erd-Charta“
Die vor einem Jahr von den UN- und Produktionsmuster, also bei Gerade die Erd-Charta, die die
Staaten beschlossenen globalen der wirklichen Transformation. Betonung auf die positive Vi-
Nachhaltigkeitsziele (Sustaina- Dass die Transformation zu sion, aber auch auf die Hinter-
ble Development Goals = SDG) einer nachhaltigen Gesellschaft gründe des Handelns, die Pa-
machten erstmalig „politisch- eine große Aufgabe ist, das steht radigmen, die vorherrschenden
offiziell“ klar, dass ‚sich entwi- auch in den SDG. Doch ihre Werte, die das Handeln beein-
ckeln‘ nicht nur eine Sache der Entstehung auf den umkämpf- flussen, legt, kann hier weiterhel-
anderen ist, der armen Länder, ten Feldern der Interessenspoli- fen in Richtung einer wirklichen
in der Regel „des Südens“. Son- tik führte auch dazu, dass gleich- Transformation. Die Erd-Charta
dern dass auch Deutschland ein zeitig die Hebel, die die Weichen Nachhaltigkeitsbildung ist eine
Entwicklungsland ist, wenn es in Richtung mehr Nachhaltigkeit ganzheitliche Bildung, die auch
darum geht, sich zu einem zu- am Stärksten umlegen könnten, methodisch den ganzen Men-
kunftsfähig wirtschaftenden nicht gestellt wurden. So steht schen ansprechen möchte, um
Staat zu mausern. Nun ist nach- zum Thema Wachstum unhin- zu einem Bewusstseinswandel zu
haltige Entwicklung in Deutsch- terfragt da, dass das weiter stei- kommen. Die Gestaltungskom-
land nicht ganz neu – seit vielen gen soll. petenz, also zu lernen, wie wir
Jahren ist es ein Thema der Poli- Bei solchen Widersprüchen ist gemeinschaftlich die Zukünfte
tik – unter allerdings bedeutend die Bildung für Nachhaltigkeit, gestalten können, in denen wir
mächtigeren anderen Themen. und besonders die Werte-basier- leben wollen, ist eine der wich-
Das Ergebnis der bisherigen Be- te Erd-Charta Bildung gefragt, tigsten Elemente, die wir bei der
strebungen ist, zusammen ge- um hier kritisch und deutlich zu Ausbildung unserer Erd-Char-
fasst: wo wir schon immer gut werden. Und zu reflektieren, an ta BotschafterInnen und in den
waren, geht es gut voran: beim welchen gesellschaftlichen Hin- Erd-Charta Workshops vermit-
Sparen, Produzieren und Lernen tergrundeinstellungen das immer teln möchten. Zu den Gestal-
(Adolf Kloke-Lesch, Frankfurter noch währende „weiter-so“ liegt. tungskompetenzen zählt übri-
Rundschau). Aber wo wir kaum gens auch: „mit anderen aktiv
weiter kommen: Bei der Ände- werden können“…
rung unserer Konsum-
15 Jahre Erd-Charta
Koordination in Deutschland
In diesem Jahr feiern wir nicht nur das 40jährige Jubiläum der ÖIEW.
Sondern auch das 15jährige Jubiläum in ihrer Aufgabe als deutsche
Koordination der internationalen Erd-Charta Initiative.
Im nächsten Initiativ wird es hierzu noch Blitzlichter und
Nachlesenswertes aus dem Erzählcafe und darum herum der
Festtagung zum Jubiläum geben.
initiativ november 201618 / 19
Die ÖIEW im Partnernetzwerk
Kulturelle Bildung
des Weltaktionsprogramms
2015 fiel der Startschuss für das Förderung nachhaltiger Ent-
UNESCO-Weltaktionspro- wicklung erwerben, unter ande-
gramm Bildung für nachhaltige rem durch Bildung für nachhal-
Entwicklung. Das fünfjährige tige Entwicklung und nachhaltige
Programm zielt darauf ab, lang- Lebensweisen, Menschenrechte,
fristig eine systemische Verän- Geschlechtergleichstellung, eine
derung des Bildungssystems zu Kultur des Friedens und der Ge-
bewirken. Es leistet einen we- waltlosigkeit, Weltbürgerschaft
sentlichen Beitrag zur Agenda und die Wertschätzung kultureller
2030, die im September 2015 von Vielfalt und des Beitrags der Kul-
den Vereinten Nationen verab- tur zu nachhaltiger Entwicklung.
schiedet wurde und die 17 Ziele In der BRD hat das Bildungs-
Aus dem Ahmedabad nachhaltiger Entwicklung – die ministerium eine Nationale
Plan of Action der SDG – umfasst. Ziel 4 spricht Plattform und begleitende Gre-
dortigen BNE-Konferenz es aus: „Bis 2030 sicherstellen, mien zur Umsetzung des WAP
(Januar 2016): dass alle Lernenden die notwen- eingerichtet. Dazu gibt es Part-
„Es braucht eine digen Kenntnisse und Qualifi- nernetzwerke, die Akteuere un-
kontinuierliche Ausweitung und
kationen zur Förderung nach- tereinander vernetzen und Im-
dringende Verstärkung einer
neuen, sozial gerechteren und haltiger Entwicklung erwerben, pulsgeber für die Umsetzung vor
nachhaltigen Weltordnung, die unter anderem durch Bildung Ort sind. Die ÖIEW als deutsche
durch konkrete Maßnahmen, für nachhaltige Entwicklung Erd-Charta Koordination ist im
Prozesse und Systeme
und nachhaltige Lebensweisen.“ Partnernetzwerk Kulturelle Bil-
charakterisiert ist, die aktiv
zum Wohlbefinden aller (www.bne-portal.de). dung und Kulturpolitik. Denn
Menschen und alles Lebens Earth Charter International hier sehen wir viele Schnittstel-
auf der Erde beitragen. (…) gehört zu den internationalen len, beide sind im Querschnitts-
Bildung ist ein Motor des
Schlüsselorganisationen bei den bereich aller Bildungsbereiche
Wandels, um die erfolgreiche
Umsetzung der nachhaltigen Beratungen des Weltaktions- bedeutsam. Denn nachhaltige
Entwicklungsziele (SDG) programms. Die Nähe von Erd- Entwicklung kann ohne die Di-
in formalen, non-formalen, Charta Prinzipien gerade in den mension Kultur nicht sinnvoll
informellen und lebenslangen
Bildungsparagraphen der SDG gedacht werden; viele Themen
Lernkontexten zu ermöglichen
und alle Menschen wird deutlich, wenn man sich die und Inhalte eines Lebensstils-
einzubinden.“ Unterpunkte anschaut: 4.7 Bis und Bewusstseinswandels sind
www.bne-portal.de/sites/default/ 2030 sicherstellen, dass alle Ler- genuin kulturelle Themen. www.
files/ahmedabad_plan_of_ nenden die notwendigen Kennt- bne-portal.de/partnernetzwerke
action_german_0.pdf
nisse und Qualifikationen zur Anja Becker
öiew-rundbrief nr. 147Die Erd-Charta-Seiten
29.06.2016: Erster Internationaler Erd-Charta Tag
Die Erd-Charta wird 16 – wir geben zwei Eindrücke vom Festtag
Am 29. Juni 2000 wurde die Erd-Charta ratifiziert. Zu
diesem Anlass wurde 2016 der erste Internationale Erd-
Charta Tag gefeiert. Auch deutschlandweit gab es Akti-
onen, die an das Jahresleitbild „Eine Kultur des Friedens“
(Punkt 16 der Erd-Charta) angelehnt waren. Es wurden
Freunde zum Picknick im Park im Rahmen der Erd-Char-
ta eingeladen, Bäume gepflanzt, in Schulen über diesen
Tag gesprochen, gemeinsam der Film „Tomorrow - Die
Welt ist voller Lösungen“ geschaut und mit der Erd-Char-
ta verbunden oder während der Arbeit eine Erd-Charta
Pause mit den KollegInnen gemacht. Im Folgenden le-
sen Sie Eindrücke zum ersten Internationalen Erd-Char-
ta Tag.
Besuch auf dem Erd-Charta Hof „Vauß-Hof“
Marius und Anja Pötting nehmen den Ausspruch
ernst: „Wir haben die Erde von unseren Eltern
nicht geerbt, sondern von unseren Kindern nur ge-
liehen.“ Als wir uns anlässlich des internationalen
Erd-Charta Tages von den Leitgedanken der Hof-
bewohnerInnen erzählen lassen, staunen wir, wie
viele Projekte hier nach Erd-Charta Prinzipien um-
gesetzt werden. Nicht nur wirtschaften die Pöt-
tings auf dem Hof nach Bioland-Kriterien, bezie-
Erd-Charta Tag im Sonderpädagogischen För- hen Energie und Wärme aus regenerativen Quellen
derzentrum II in Bad Windsheim und bauen ökologisch und umweltschonend. Son-
„Schon am Tag vor dem Jubiläum hatten wir die dern sie betrachten noch sehr viel mehr ganzheit-
Erd-Charta für Kinder nochmals gelesen, bespro- lich. Vor kurzem kam ein solidarisches-Landwirt-
chen, was am 29. Juni 2000 geschah und das Lied: schafts-Projekt hinzu. Und mit der Hof-eigenen
„Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig!“ ge- Umweltbildung wird auch schon ganz kleinen
sungen. Menschen das Denken in Kreisläufen nahe gebracht
Die Kinder hatten als Hausaufgabe bekommen, et- – und genauso sie selbst in ihrem Entfaltungs- und
was in die Schule mitzubringen, was ihnen „heilig“, Bildungswunsch komplett ernst genommen. „Ir-
nämlich wichtig und wertvoll ist. gendwann haben wir die Eltern von unseren Bau-
Diese Dinge haben wir gemeinsam auf unserem ernhof-Geburtstagsnachmittagen weggeschickt“,
Erd-Charta “Bild“ ausgelegt. Es fanden sich Bilder erzählt Anja Pötting. „Sie fanden viel besser als ihre
mit Tieren, Pflanzen, Tannenzapfen, gemalte Bilder Eltern heraus, wie man sich zwischen den Tieren
der Erdkugel mit Wasser und Fischen, Wind,... die bewegt.“
Sonne, ein Bleistift zum Schreiben und Malen, ... Die Pöttings haben bereits vor einiger Zeit die
Es war eine sehr schöne Zeit, die wir da gemeinsam Erd-Charta unterzeichnet und erhalten nun, zum
mit der Erd-Charta verbracht haben und noch ver- 16. Ratifizierungsgeburtstag, ihre offizielle Unter-
bringen werden!“ Christine Birmann zeichnungsurkunde. Anja Becker
initiativ november 2016Sie können auch lesen