"Mixed Methods Research - Erkenntnistheorie, Methodologie und Methodik" - Prof. Dr. Stefan König - PH Weingarten

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"Mixed Methods Research - Erkenntnistheorie, Methodologie und Methodik" - Prof. Dr. Stefan König - PH Weingarten
Prof. Dr. Stefan König

                                          „Mixed Methods Research
                                          – Erkenntnistheorie,
                                          Methodologie und
                                          Methodik“

                                        Impulsvortrag beim dvs-Nachwuchs-
                                        Workshop am 16.09.2019 in Berlin
Berlin, den12.11.2007
Balingen,   16.09.2019                                                  Folie 1
                         Prof. Dr. S. König
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Prof. Dr. Stefan König

                                          „Mixed Methods Research
                                          – Erkenntnistheorie,
                                          Methodologie und
                                          Methodik“

                                        Impulsvortrag beim dvs-Nachwuchs-
                                        Workshop am 16.09.2019 in Berlin
Berlin, den12.11.2007
Balingen,   16.09.2019                                                  Folie 2
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Vorbemerkungen

              Das Thema „Mixed Methods Research“ (MMR) …
                – … ist alles andere als neu, wurde sie doch bereits 1959 von
                  Campbell und Fiske mit einer ersten Idee (Triangulation)
                  umgesetzt,
                – … durchläuft eine steigende Publikationsfrequenz in den Sozial-
                  und Verhaltenswissenschaften und
                – … erfährt eine zunehmende Organisation (MMIRA), aber
                – … polarisiert in verschiedenen „scientific communities“.

              Ziel des heutigen Vortrags ist deshalb, …
                – … verschiedene Ordnungs- und Qualitätskriterien vorzustellen,
                – … anhand zweier Studien mögliche Potenziale aufzuzeigen und
                – … Möglichkeiten und Grenzen einer MMR zu beleuchten.

Berlin, den 16.09.2019                  Prof. Dr. S. König                     Folie 3
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Agenda

          Was ist und was will MMR? Einige
          grundsätzliche Informationen zu MMR

                    Zwei Beispiele einer MMR

                         Qualitätskriterien einer MMR

                             Zusammenfassung & Diskussion

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Was ist und was will MMR?
     Einige grundsätzliche Informationen zu MMR

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Wo steht MMR im Kontext der sozial- und
        verhaltenswissenschaftlicher Forschung?
                                                                Beschreiben (ordnen),
  Theorie-                            Subsumptiv              erklären und vorhersagen
  prüfend                Experiment                           gesellschaftl. Wirklichkeit

Daten = Zahlen

      Quantitativ                                                    Qualitativ

                                                                   Daten = Worte

       Nachvollziehen
                                                                        Theorie-
      gesellschaftlicher              Rekonstruktiv
        Wirklichkeit                                                 entwickelnd
Berlin, den 16.09.2019                   Prof. Dr. S. König                         Folie 6
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Definition MMR

              Current definition of MMR:
               – “MMR is the type of research in which a researcher or a team of
                 researchers combines elements of qualitative and
                 quantitative research approaches (e. g., use of qualitative and
                 quantitative viewpoints, data collection, analysis, inference
                 technique) for the broad purpose of breadth and depth of
                 understanding and corroboration”.
              Type of research:
               – “A mixed methods study would involve mixing within a single
                 study; a mixed method program would involve mixing within a
                 program of research and the mixing might occur across a closely
                 related set of studies”.

                                               From: Johnson, Onwuegbuzie & Turner (2007)

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Methods-Strands Matrix

         Design Type       Monostrand Designs                  Multistrand Designs
       Monomethod        Monomethod monostrand             Monomethod multistrand
       designs           designs                           designs
                          Traditional QUAN designs         Parallel designs
                          Traditional QUAL designs         Sequential designs

       Mixed             Quasi-mixed monostrand            Mixed methods multistrand
       methods           designs                           designs
       designs            Monostrand conversion            Parallel mixed designs
                          design                            Sequential mixed designs
                                                            Conversion mixed designs

                                                           From: Teddlie & Tashakkori (2009)
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Was MMR nicht ist …

           … eine theoriefreie Aneinanderreihung
           verschiedener Teilstudien,

           … ein belangloses Neben- oder Hintereinander
           mehrerer Teilstudien,

           … Ergebnisse, die nicht „gemixt“ werden sowie

           … ein „anything goes“.

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… sondern MMR

               … erhebt und analysiert zur Beantwortung einer
               Forschungsfrage qualitative und quantitative Daten,
               … verwendet überzeugende und schlüssige (qual und quan)
               Methoden,
               … integriert Daten (z. B. verschmelzen, verbinden,
               einbetten),
               … implementiert spezifische MM-Designs, die gleichzeitige
               oder sequentielle Integration der Methoden (mit gleichem
               oder ungleichem Gewicht) vorsieht,
               … begründet sich durch Triangulation, Erklärung,
               Vertiefung, Ergänzung, … der Daten (rationales) und
               … ist erkenntnistheoretische fundiert.
                                                         From: Creswell (2010)

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Grundverständnis
                                           (Quelle: Teddlie & Tashakkori, 2009)

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QUAL-MM-QUAN Continuum

                         QUAL       MIXED                      QUAN

                                                                                        Postpositivsim
   Constructivism

                          A     B      C                 D E

                                Pragmatism
                                                          From: Teddlie & Tashakkori, (2009)

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Drei unterschiedliche Strömungen einer MMR

           MMR mit quantitativem Schwerpunkt
             • Postpositivistisches Erkenntnisinteresse
             • Qualitative Ansätze als „benefit“ im Sinne einer Vertiefung o. ä.
           MMR mit qualitativem Schwerpunkt
             • Konstruktivistisches Erkenntnisinteresse
             • Quantitative Ansätze als „benefit“ im Sinne einer Ordnung oder
               Strukturierung
           MMR mit „equal status“
             • „Dialectical pluralism“ als Erkenntnisinteresse (Johnson, 2017)
             • Qual + quan erhöhen die Einsicht in Forschungsfragen nur in
               Kombination

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1. Zwischenfazit

              Der Mixed Methods Approach wird als drittes Paradigma für die
              Sozial- und Verhaltenswissenschaften bezeichnet (vgl.
              Denscombe, 2008; Johnson & Onwuegbuzie, 2004).
              Mit Bezug auf die beiden klassischen Paradigmen, die als
              konstruktivistisch bzw. postpositivistisch bezeichnet werden, spricht
              die einschlägige Literatur von Pragmatismus, neuerdings von
              „dialectical pluralism“.
              MMR zeichnet sich durch drei Strömungen aus:
               – Quantitative-dominated MMR
               – Qualitative-dominated MMR
               – Equal-status MMR
              Mixed Methods Research ist von
              Multimethod Research abzugrenzen.

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Mixed Methods Research:
                              Zwei Beispiele

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Basic Designs

              „Basic designs (Creswell, 2015b, S. 63) sind dadurch
              charakterisiert, dass sie die zentralen Untersuchungs-
              prinzipien repräsentieren und aus diesem Grund mehr
              oder weniger jedem MMD inhärent sind. Typischerweise
              werden unter diesem Etikett parallele und sequentielle
              Designs unterschieden, wobei die letzteren zusätzlich in
              explorative und explanative Ansätze unterteilt werden.
              Je nach Ansatz werden auch conversion designs, also
              Studien, bei denen die eine Datensorte in die jeweils
              andere transformiert (vgl. hierzu Kuckartz, 2014), zur
              Gruppe der grundlegenden Designs dazugezählt“.

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Advanced Designs

              „Advanced designs sind sensu Creswell (2015b, S. 63)
              Untersuchungspläne, bei denen zu den grundlegenden
              Strukturen weitere Elemente hinzukommen. Derzeit hoch
              im Kurs stehen experimentelle Designs, Mehrebenen-
              Designs und ‚social justice designs‘, wobei letztere darauf
              abzielen, übergreifende gesellschaftliche
              Gerechtigkeitsthemen in MMDs einzubauen.
              Prinzipiell sind diesen advanced designs keine Grenzen
              gesetzt, auch wenn sie sich selbstverständlich an den
              Standards der sozialwissenschaftlichen Forschung
              anlehnen müssen“.

Berlin, den 16.09.2019              Prof. Dr. S. König               Folie 18
Basic vs. Advanced Designs in MMR
        (Creswell, 2015)

            Basic designs are the “core designs                        Advanced designs are designs in
           underlying all mixed methods studies”                       which “something is added to the
                  (Creswell, 2015, p. 35)                            basic design” (Creswell, 2015, p. 42).

                          Convergent
                                                                              Intervention
                           design:
                                                                                 design
                         QUAL + QUAN

                          Explanatory
                           sequential                                           Multilevel
                            design:                                              design
                         QUAN qual Gewichtung kann
                                          auch anders
                                          gelagert sein
                          Exploratory   (Creswell, 2009)
                          sequential                                           Multistage
                           design:                                              design
                         QUAL quan
Berlin, den 16.09.2019                          Prof. Dr. S. König                                     Folie 19
Crossover Mixed Analyses (1)

              „Seit wenigen Jahren werden sogenannte crossover mixed
              analyses als ein erfolgversprechender Bereich für die weitere
              Entwicklung der MMR gesehen. Sie sind dadurch
              charakterisiert, dass ein qualitativer oder quantitativer
              Datensatz durch die zusätzliche Anwendung von
              Auswertungsverfahren, die im Normalfall mit dem jeweils
              anderen Paradigma in Zusammenhang gebracht wird,
              analysiert werden, um dadurch einen höheren Grad der
              Datenintegration zu erreichen als dies gewöhnlich der Fall sein
              kann; zu diesem Zweck sind zusätzliche Daten notwendig, die
              durch Datentransformation (vgl. hierzu Kuckartz, 2014) oder
              aber durch weitere Erhebungen (u. a. Schoonenboom, 2016)
              bereitgestellt werden können“.

Berlin, den 16.09.2019                Prof. Dr. S. König                 Folie 20
Crossover Mixed Analyses (2)

   Within-tradition Analysis              Between-tradition Analysis
         Quantitative Analyse von               Qualitative Analyse von
         quantitativen Daten                    quantitativen Daten
                     +/                                    oder
         Qualitative Analyse von                Quantitative Analyse von
         qualitativen Daten                     qualitativen Daten
                     =>                                     =>
         Datenintegration or Meta-              Höheres Maß an
         inference                              Datenintegration

     Noncrossover Mixed Analysis           Crossover Mixed Analysis

Berlin, den 16.09.2019          Prof. Dr. S. König                         Folie 21
Beispiel 1: „Ehrenamt im Sport“
                         – Eine QUAL  quan-Studie –

Berlin, den 16.09.2019               Prof. Dr. S. König    Folie 23
Forschungsprojekt

              Mit Blick auf aktuelle Studien, aber auch auf Jahresberichte von
              Verbänden und Vereinen, zeigen sich folgende Probleme:
                – Es fehlen Ehrenamtliche für „Dauertätigkeiten“.
                – Demgegenüber scheinen sich Menschen in zeitlich begrenzten Projekten
                  durchaus zu engagieren.
                – Insbesondere aber fehlen junge Leute (< 35) im Ehrenamt.
              Hieraus ergeben sich folgende Fragestellungen für die Thematik der
              Engagement-Förderung:
                – Was sind die Motive für Menschen, sich ehrenamtlich zu engagieren?
                – Ist ehrenamtliche Tätigkeit noch mit Familie, Beruf oder Ausbildung zu
                  vereinbaren?
                – Was sind die Gründe für junge Leute, sich nicht mehr zu engagieren?
                – Sind Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen zu beobachten?

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Informationen zur Studie

                    Design: Mixed Methods Conversion (Teddlie
                    & Tashakkori, 2009)

                    Stichprobe: Purposive Sampling
                    (Johnson & Christensen, 2014)

                    Datenerhebung: Halbstrukturierte
                    Leitfadeninterviews (Mayring, 2016)

                    Datenanalyse QUAL: Qualitative
                    Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2016)

                    Datenanalyse quan: Homogenitätsanalyse/
                    Korrespondenzanalyse (Bühl, 2012)

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Studiendesign

                                 Qualitativer Teil              Quantitativer Teil

          Datenerhebung         Halbstrukturierte Interviews

          Datenanalyse          Qualitative Inhaltsanalyse
                                    (Kuckartz, 2014)

          Datentransformation                                   Kategorien => Variablen (1 =
                                                                genannt, 2 = nicht genannt)

          Datenanalyse                                         Nicht-parametrische Verfahren

          Ergebnisse                    Kategorien             Crossover: Optische Muster &
                                                                   Strukturen ( GTM)
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Kategoriensystem

                    Konkreter Anstoß zum Ehrenamt

                    Motivation zum Ehrenamt

                    Notwendige Kompetenzen für das
                    Ehrenamt

                    Fehlende Jugendliche – Gründe

                    Fehlende Jugendliche – Lösungen

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Quantifizieren – was ist das?

              Definition: Quantifizieren bezeichnet einen Prozess, bei dem
              verbalen Kategorien oder visuellen Darstellungen numerische
              Werte (Zahlen) zugeordnet werden (Sandelowski et al., 2009).
              Ziel: Das Quantifizieren von qualitativen Daten kann dazu
              dienen, vorliegende Ergebnisse besser, vertiefter oder
              differenzierter zu verstehen (Vogl, 2017).
              Problem: Solche Vorgänge sind nicht grundsätzlich
              transparent bzw. unstrittig (Love et al., 2005, p. 87).
               Konsequenz: Klare Regeln und Standardisierung des
                             Prozesses.

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2. Zwischenfazit

              Im Rahmen eines inhaltsanalytischen Vorgehens konnte
              verschiedene Themen zur Problematik „Ehrenamt“ herausgearbeitet
              werden. Aufgrund deren Differenziertheit lag eine relativ
              unübersichtliche Ergebnislage vor.

              Eine Strukturierung dieser Kategorienvielfalt war durch den Einsatz
              quantitativer, nicht-parametrischer Verfahren möglich.

              Der spezifische Crossover-Ansatz besteht also darin, qualitative
              Kategorien durch Hinzunahme quantitativer Berechnungen zu
              strukturieren und Muster bzw. Unterschiede herauszuarbeiten.

              Eine vertiefte und strukturierte Sichtweise des Problems wird auf
              diese Weise möglich.

Berlin, den 16.09.2019                  Prof. Dr. S. König                        Folie 30
Beispiel 2: „Training im Schulsport“
                           – Eine QUAN + qual-Studie –

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Forschungsprojekt

              Forschungskontext: Analyse trainingswissenschaftlicher
              Prozesse im Rahmen sportdidaktischer Forschung
              Forschungsfrage: „Führen intentionale und implizite
              Krafttrainingsprogramme im Sportunterricht zu
              messbaren Effekten bei Schüler*innen?“
              Methode:
               – Datenerhebung mit sportmotorischen Tests
                 (6 Krafttests) zu 3 MZP
               – Aufbereitung der Daten und Berechnen eines
                 Gesamtscores mittels z-Transformation
               – Deskriptive und inferenzstatistische Auswertung

Berlin, den
  Berlin,   16.09.2019
          den 16.09.2019           Prof. Dr. S. König            Folie 32
Informationen zur Studie

              Leitfrage: Können im Schulsport Trainingseffekte generiert und
              gruppenspezifisch modelliert bzw. beschrieben und erklärt werden?
              Methode
               – Sportmotorische Tests (Kraft) zu drei MZPs mit n = 149
                  SchülerInnen der Sekundarstufe
               – 1. Auswertung mit einer Varianzanalyse mit Messwiederholung
                  zum Vergleich von Trainingsmethoden
               – 2. Auswertung mit einem linearen Regressionsmodell auf 3
                  Ebenen und der Software HLM 7.1 (Raudenbush, 2011) zur
                  Vorhersage von Effekten
               – Ergebnis: Geschlecht und Methode (explizit vs. implizit) in einem
                  reziproken Verhältnis
              Interpretation durch statistische Koeffizienten nicht möglich
              Crossover: „Varianzaufklärung“ durch Leitfadeninterviews
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Drei-Ebenen-Modell: Modellierung

           Level 3             Groups                        Group characteristics

                                                              Robust individual
           Level 2            Individuali
                                                               characteristics

           Level 1       P0       P0                    ….        Pn

          Level 3: Groups (Snijders & Bosker, 2010, p. 247)
          Level 2: Robust individual characteristics (Singer &
                    Willett, 2003, pp. 57–63)
          Level 1: Measurement points (Luke, 2004, pp. 62–64)
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Drei-Ebenen-Modell: Ergebnisse
                                                         Standard                     Approx.
 Fixed Effect                      Coefficient                           t-ratio                    p-value
                                                             error                        d.f.
 For INTRCPT1, π0 (Wert von Individuum i zum Zeitpunkt 0 [baseline])
   For INTRCPT2, β00 (Durchschnittliches Eingangsniveau für Level 2 = 0 [weiblich])
          INTRCPT3, γ000            -1.423216            0.203483        -6.994                 4    0.002
           METHODE, γ001             0.495575            0.290333         1.707                 4    0.163
   For GESCHLEC, β01 ( Unterschied bzgl. Eingangsniveau zwischen Geschlecht )
          INTRCPT3, γ010             1.076207            0.134735         7.988            137
Varianzkomponenten auf Ebene 2 und 3

                 0.81
                                                                         GESCHLEC = 1,METHODE = 0
                                                                         GESCHLEC = 1,METHODE = 1
                                                                         GESCHLEC = 2,METHODE = 0
                 0.48                                                    GESCHLEC = 2,METHODE = 1
      K R A FT

                 0.15

                 -0.18                                                 Geschlecht:
                                                                       1 = weiblich
                                                                       2 = männlich
                                                                       Methode
                 -0.50
                         0   0.50   1.00               1.50     2.00   0 = intentional
                                    ZEIT                               1 = implizit

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Kategorienbaum
                                         1. Ordnung        2. Ordnung

                                                           Schulsport

                                       Relevante Ziele
                                                             Außer-
                                                           schulischer
                                                              Sport

                                                             positiv
                         Trainings-
                                            Intensität
                          methode
                                                             negativ

                                                             Spaß

                                          Attraktivität

                                                           Langeweile

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3. Zwischenfazit

              Im Rahmen eines Mehrebenen-Regressionsmodells konnten
              unterschiedliche Trainingseffekte bei Mädchen und Jungen
              vorhergesagt werden, was auf die jeweils eingesetzte Trainings-
              methode zurückzuführen war.

              Eine Erklärung dieser Varianzen war nur durch den Einsatz
              qualitativer Verfahren möglich.

              Der spezifische Mixed Methods Ansatz besteht also darin, dass
              quantitative Daten durch Hinzunahme qualitativer Kategorien, die
              durch einen zusätzlichen Untersuchungsstrang herausgearbeitet
              wurden, erklärt und damit verstanden werden können.

              Eine präzisere, vertiefte und detailliertere Sichtweise des Problems
              wird auf diese Weise möglich.

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Qualitätskriterien in der MMR

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Qualitätskriterien in der MMR

              Primäre Dimensionen (7)
              – Purpose
              – Theoretical drive
              – Timing
              – Point of interface
              – Typological vs. constructed design
              – Planned vs. emergent design
              – Complexity

Berlin, den 16.09.2019          Prof. Dr. S. König   Folie 40
Timing (Creswell & Plano Clark, 2011, p. 81)

              ‚Timing‘ (auch ‚implementation‘ oder ‚sequence‘ genannt)
              bezieht sich auf das zeitliche Verhältnis der qualitativen
              und quantitativen Komponenten in einer Studie.
              Zu beachten ist, dass der Begriff sich häufig zunächst auf
              die Zeitpunkte bezieht, zu denen Daten erhoben werden.
              Entscheidend ist aber vielmehr, in welcher Reihenfolge
              Forschende die Daten innerhalb ihrer Studie nutzen.
              Optionen bzw. Schreibweise:
               – Concurrent timing: qual + quan
               – Sequential timing:     (a) qual  quan
                                        (b) quan  qual

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Weighting (Creswell & Plano Clark, 2011, p. 81)

              ‚Weighting‘ bezieht sich auf das „Gewicht“ bzw. die
              relative Bedeutung einer qualitativen oder quantitativen
              Teilstudie bei der Beantwortung der Forschungsfrage.
              Morgan (1998) bezeichnet dies auch als ‚priority
              decision‘, da es um die Entscheidung geht, welche
              Methode die größere Bedeutung erhält.
              Optionen:         MMD
                                                      ACHTUNG:
                                                                   Das „Gewicht“ einer
                                                                   Teilstudie wird durch
                          Equal          Unequal                   eine entsprechende
                          weight          weight
                                                                   Schreibweise
                                                                   ausgedrückt,
                               Quantitative         Qualitative    z. B. QUAL vs. qual
                                emphasis            emphasis

Berlin, den 16.09.2019                        Prof. Dr. S. König                           Folie 42
Mixing

              ‚Mixing‘ bezieht sich auf die dritte prozedurale
              Überlegung eines MMD, nämlich die Frage, wie die
              Datensets zusammengebracht werden:
              Creswell & Plano Clark (2011) nennen drei
              übergeordnete Strategien:
                – Merging (‚verschmelzen‘): Die Datensätze werden integriert,
                  indem sie während der Auswertung oder Interpretation integriert
                  werden.
                – Embedding (‚einbetten‘): Ein Datensatz wird in den anderen
                  eingebettet, z. B. bei Experimentaldesigns.
                – Connecting from data analysis to data collection: Die Analyse
                  eines Datensatzes führt zur Datenerhebung der anderen
                  Datensorte.

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Theorizing (Creswell, 2009, p. 208)

              Eine weitere Überlegung bei der Konstruktion eines
              MMDs bezieht sich auf die theoretische Perspektive, die
              eine Studie leitet.
              Egal, ob es sich um eine sozial- bzw. verhaltens-
              wissenschaftliche Theorie oder eine andere theoretische
              Perspektive handelt, ist diese auch in einer MMS explizit
              darzustellen.
              Insofern sollte die Theorie zu Beginn skizziert und
              dargestellt werden und bei der Dateninterpretation wieder
              Bezug auf sie genommen werden.
              MMR sieht allerdings auch eine Theorientriangulation
              vor!
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Zentrale Gütekriterien

         Anspruch an einen methodischen Rigor (Bryman, 2014).
         Die in monomethodischen Studien geforderte Transparenz in den
          Bereichen der Stichprobenziehung sowie der Datenerhebung, der
          Datenaufbereitung und -analyse gilt in gleichem Maße für eine MMR
          (Wisdom, 2012).
         Auch in der MMR ist eine konsequente Theorie-Empirie-
          Vernetzung zu leisten und zu begründen (Teddlie & Tashakkori,
          2009).
         Als ein sehr zentraler Anspruch in der MMR ist die Begründung
          (rationale) für die Notwendigkeit des jeweiligen Vorgehens zu sehen
          (u. a. Bryman, 2014; Greene, 2007).
         Ebenfalls von Bedeutung ist der Anspruch der Integration, welcher
          eine separate Darstellung einzelner Teilstudien, also ein belangloses
          Neben- oder Nacheinander, verbietet (O‘Cathain et al., 2007).

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Zentrale Gütekriterien

         Anspruch an einen methodischen Rigor (Bryman, 2014).
         Die in monomethodischen Studien geforderte Transparenz in den
          Bereichen der Stichprobenziehung sowie der Datenerhebung, der
          Datenaufbereitung und -analyse gilt in gleichem Maße für eine MMR
          (Wisdom, 2012).
         Auch in der MMR ist eine konsequente Theorie-Empirie-
          Vernetzung zu leisten und zu begründen (Teddlie & Tashakkori,
          2009).
         Als ein sehr zentraler Anspruch in der MMR ist die Begründung
          (rationale) für die Notwendigkeit des jeweiligen Vorgehens zu sehen
          (u. a. Bryman, 2014; Greene, 2007).
         Ebenfalls von Bedeutung ist der Anspruch der Integration, welcher
          eine separate Darstellung einzelner Teilstudien, also ein belangloses
          Neben- oder Nacheinander, verbietet (O‘Cathain et al., 2007).

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Zusammenfassung und Bewertung

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Zusammenfassung: Take away messages

              Die MMR gilt als drittes Paradigma in den Sozial-,
              Verhaltens- und Gesellschaftswissenschaften.
              Mit Bezug auf die beiden klassischen Paradigmen, die
              als konstruktivistisch bzw. postpositivistisch bezeichnet
              werden, spricht die einschlägige Literatur diesbezüglich
              und aktuell von „dialectical pluralism“.
              Die MMR hat sich zu einem sehr variablen
              Forschungsansatz (Designs, Datenerhebung &
              -auswertung) entwickelt.
              Die MMR verbreitet sich seit 10 Jahren auch zunehmend
              institutionell (MMIRA, JMMR, IJMRA, …)

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SWOT-Analyse (1)

              Strengths                             Weaknesses
         Forschung in den Sozial-              Großer Aufwand
         wissenschaften hat häufig             Generalisten-Spezialisten-
         komplexe Fragestellungen              Problem
         => kein                               Erkenntnistheoretische
         Methodenmonismus                      Grundlage noch nicht
         Schwächen und „blinde                 ausgereift
         Flecken“ eines Zugangs
         werden ausgeglichen

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SWOT-Analyse (2)

                     Opportunities                          Threats
         Phänomene können                            „Überinklusivität“
         besser, vertiefter, …                       (Sandelowski, 2016)
         verstanden werden.                          „Theory for everything
         Verknüpfung von                             [anything goes]“, d. h.
         Perspektiven (Blick durch                   keine trennscharfe
         verschiedene Brillen) sind                  Abgrenzung von anderen
         möglich.                                    Paradigmen.

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„Mapping the field“ of MMR (Creswell, 2009)

Berlin, den 16.09.2019   Prof. Dr. S. König      Folie 55
Herzlichen Dank für
             Ihre Aufmerksamkeit.

             www.ph-weingarten.de

Weingarten,
Berlin, den 16.09.2019
             den 07. JUli 2009   Prof. Dr. S. König   Folie 56
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