TEC MÜLLER - Deutsche Müllerschule Braunschweig

Die Seite wird erstellt Aurel Jakob
 
WEITER LESEN
TEC MÜLLER - Deutsche Müllerschule Braunschweig
2016 / 2017

              TEC
              DAS MAGAZIN DES
              FÖRDERVEREINS DER
              DEUTSCHEN MÜLLERSCHULE E. V.

                                             MÜLLER
                                             Ein Beruf mit Biss

              VIVE LA
              FRANCE
              Deutsch-
              französische
              Freundschaft
              Seite 13

              IN DER
              HÖHLE DES
              LÖWEN
              Braunschweig apart
              Seite 16
TEC MÜLLER - Deutsche Müllerschule Braunschweig
Edi
                         Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

                         Liebe Freunde der Deutschen Müllerschule,

                         Sie haben die erste Ausgabe des Magazins MTEC in den
                         Händen und bemerken, dass der Auftritt der Deutschen

tor
                         Müllerschule Braunschweig neu gestaltet ist. Alter Wein
                         in neuen Schläuchen?

                         Das Kuratorium des Vereins zur Förderung der Deut-
                         schen Müllerschule Braunschweig hat sich in den letzten
                         Jahren viele Gedanken um die Ausrichtung der Schule
                         gemacht. Was sind unsere Zielgruppen? Welche Anfor-
                         derungen werden an die Ausbildung gestellt? Wie kann
                         die Attraktivität gesteigert werden?

ial
                         Wir haben zwei Zielgruppen definiert: zum einen die Be-
                         triebe, die im Wandel zu Industrie 4.0 in einem starken
                         Wettbewerb stehen. Sie werden nur zukunftsfähig blei-
                         ben, wenn sie die Wünsche und Erwartungen ihrer Kun-
                         den verstehen und erfüllen können. Dazu brauchen sie
                         gut ausgebildete und hoch motivierte Mitarbeiter, die ge-
                         wohnt sind, Herausforderungen zu meistern. Die Deut-
                         sche Müllerschule ist auf drei Bereiche ausgerichtet: die
                         Müllerei, die Mischfutterindustrie inklusive Agrarhandel
                         und den Anlagenbau. Die optimale Ausbildung für diese
                         Bereiche ist und bleibt die DMSB.

                         Eine weitere Zielgruppe sind unsere Studierenden. Mit
                         einer zielgenauen und an die Anforderungen des heuti-
                         gen und zukünftigen Berufsalltags angepassten Ausbil-
                         dung sind die Chancen am Arbeitsmarkt gewaltig. Diese
                         Ausbildung bietet die Möglichkeit, Führungspositionen
                         in der Wirtschaft zu bekleiden. Wissensvermittlung und
                         Lernen sollen mit Freude geschehen. Dazu sind Metho-
                         den moderner Wissensvermittlung und ein gutes techni-
                         sches Equipment erforderlich.

                         Der Förderverein unterstützt die Schule und die Studie-
                         renden mit Rat und Tat sowie finanziell. Eine Gruppe aus
                         Berufseinsteigern, „alten Hasen“ und Führungskräften
                         aus der Wirtschaft hilft den Lehrkräften bei ihrer perma-
                         nenten Aktualisierung der Lehrinhalte. Zusätzlich wird
                         der Kontakt der Lehrkräfte und der Wirtschaft durch Ge-
                         spräche und Praktikumswochen verstärkt.

                         Sie sehen, es tut sich was an der Deutschen Müllerschu-
                         le. Wir laden Sie zum Mitmachen ein. Als Betriebe kön-
                         nen Sie die Fachkompetenz Ihrer Mitarbeiter mit einem
                         Studium erweitern und mit den gut ausgebildeten Mitar-
                         beitern besser im Markt bestehen. Als Student der DMSB
                         haben Sie die besten Chancen auf einen anspruchsvollen
                         und gut bezahlten Arbeitsplatz, an dem Sie mithelfen,
                         über 80 Millionen Deutsche mit gesunden und sicheren
                         Lebensmitteln zu versorgen.

                         Glück zu
                         Franz Engelke
                         Vorsitzender des Kuratoriums des Fördervereins der
                         Deutschen Müllerschule Braunschweig e. V.

2 I   MTEC 2016 / 2017
TEC MÜLLER - Deutsche Müllerschule Braunschweig
Inhaltsverzeichnis    I

PANORAMA
Müller – ein Beruf
mit Biss                       4

Quer gefragt                   7

ZOOM                                            ACTION
Das wahre Leben                8               Studieren in
                                                Braunschweig              16
Aus der Praxis                10
                                                Tipps für Studenten       18
Vive la France:
Deutsch-französische                            „Glück zu“                20
Freundschaft                  13

ANTRIEB                                         SCHLUSS-
Was tun!                                        PUNKT
Der Förderverein              22
                                                Das war´s:
                                                Abschlussfeier 2016       24
                                                Projektarbeiten           26

                                                Brazil                   27

IN EIGENER SACHE
Events und Termine                        28
Leidenschaftlich neugierig                29
Warum braucht eine Schule ein Magazin?    30
Impressum                                 31

                                                                          MTEC 2016 / 2017   I 3
TEC MÜLLER - Deutsche Müllerschule Braunschweig
I   Panorama

               MÜ
               LL
               ER
               EIN BERUF
               MIT BISS
TEC MÜLLER - Deutsche Müllerschule Braunschweig
Panorama     I

   Wer bei Müller nur an Mehl denkt, verpasst eine ganze Menge.
   Tatsächlich öffnet dieser Beruf viele Türen – nicht nur in der
   Lebensmittelindustrie.

„Im Grunde genommen kann            Produktionsplanung als auch
ein Müller überall dort einge-      die -prozesse sind längst elek-
setzt werden, wo zerkleinert,       tronisch gesteuert. Viele dieser
geschält, getrennt, sor­t iert,     Tätigkeiten fallen aber nicht nur
gemischt und dosiert wird“,         in Getreidemühlen an.
um­reißt Georg Böttcher, päda-                                          gegessen wird, finden Müller Arbeit. Sie sind
gogischer Leiter der DMSB, das      Gemahlen wird vieles                unersetzlich bei der Herstellung von Grund-
Aufgabengebiet dieses Berufs.       Blicken wir auf den Frühstücks­     nahrungsmitteln.
                                    tisch: Hier stehen Kaffee, Tee,
Damit kann er natürlich in sei-     Kakao, Haferflocken, Müsli und      Technisches Verständnis gefragt
ner „Heimat“, der Getreidemüh-      natürlich Brötchen. Mehl befin-     Wer sich an der Deutschen Müllerschule
le, bleiben. Circa 550 davon gibt   det sich nur im Brot, aber der      in Braunschweig zum staatlich geprüften
es in Deutschland. Jedes Jahr       Müller kann bei der Produkti-       Techniker für Mühlenbau, Getreide- und
vermahlen sie rund acht Mil-        on aller Lebensmittel nützlich      Futtermitteltechnik weiterbildet, dem ste-
lionen Tonnen Getreide. Deut-       sein. Seine Fähigkeiten sind        hen sogar noch viele andere Türen offen.
sche lieben Backwaren: Fast         auch in Kaffee­röstereien, zur      Hier werden gelernte Müller, Anlagenbauer,
70 Kilogramm isst jeder im Jahr,    Produktion von Haferflocken         technische Zeichner und andere für höhere
96 Prozent greifen mindestens       und Cornflakes sowie bei der        Aufgaben weitergebildet: Sie lernen, ganze
einmal am Tag in die Brot- oder     Verarbeitung von Kakaobohnen        Anlagen und Prozesse zu planen, Projekte
Brötchentüte.                       gefragt. Insbesondere Spezia-       und Mitarbeiter zu führen, Budgets zu ver-
                                    listen für den Anlagenbau, die      walten und sind so auch jenseits der Mühle
Den rund 6000 Beschäftigten in      Mahlwerke und Sortierstatio-        einsetzbar. Viele Absolventen finden im Anla-
der Müllerei kann das nur recht     nen planen können, sind flexi-      genbau eine neue Position, andere in der Le-
sein, denn sie haben deshalb ei-    bel und universell ausgebildet.     bensmittel- oder Futtermitteltechnik. „Wir
nen krisenfesten Job. Tagtäglich    Weitere Betätigungsfelder ent-      vermitteln Fachwissen im Anlagenbau und
produzieren sie 24 Standard-        decken wir mittags, wenn Reis       der Müllerei, aber auch sehr viel darüber hi-
mehle plus unzählige Spezial-       und Pasta auf den Tisch kom-        naus. Unsere Studierenden bereiten sich auf
mischungen. Zu ihren Aufgaben       men. Der Reis wird in einer Reis-   Führungsaufgaben vor und sind nach dem
gehören die Qualitätsprüfung        mühle geschält, geschliffen und     Besuch der DMSB für viele Branchen quali-
des Getreides und des Endpro-       poliert, die Pasta besteht aus      fiziert“, erzählt Georg Böttcher.
dukts Mehl, der Mahlprozess,        Hartweizengrieß und damit es
die Mischung, die Verpackung        nicht zu fade schmeckt, nutzen      Schon während des Studiums lernen die an-
       und die Verladung sowie      wir Gewürze und Kräuter. Auch       gehenden Techniker nicht nur Getreidemüh-
       kaufmännische      Tätig­    die kommen aus Mühlen, denn         len kennen. In Exkursionen zu Zuckerfabri-
       keiten. Neben der La-        sie werden bei der Herstellung      ken, Mälzereien oder Anlagenbauern machen
bor- kommt sehr viel Compu-         gemahlen und gemischt. Selbst       sie schon früh Erfahrungen über den Teller-
terarbeit hinzu, denn sowohl die    das Schnitzel hat einen Bezug       rand hinaus. Ehemalige DMSBler leiten heute
                                    zur Müllerei: Schweine und an-      natürlich Mühlen und Mischfutterbetriebe,
                                    dere Nutztiere werden mit Fut-      aber auch Unternehmen im Anlagenbau,
                                    termitteln versorgt, für deren      der Förder- oder Recyclingtechnik.       
                                    Herstellung wiederum Müller
                                    zuständig sind. Fazit: Solange

                                                                                                 MTEC 2016 / 2017   I 5
TEC MÜLLER - Deutsche Müllerschule Braunschweig
I   Panorama

  Georg Böttcher: „Ein Abschluss an der DMSB ist eine Arbeitsga-
  rantie. Es liegt allein beim Absolventen, etwas aus sich zu machen
  – die besten Voraussetzungen dafür geben wir ihm mit.“

  Mehr als nur Lebensmittel:
  In der Nahrungsmittelindustrie sind Müller also nicht nur in Getrei-
  demühlen gefragt. Damit nicht genug: Ein klassisches und womög-
  lich sogar größeres Einsatzfeld ist die Futtermittelindustrie. Speziell
  für sie bietet die DMSB den Erwerb des Futtermittelzertifikats an, das
  fast alle Schüler „mitnehmen“. In den nächsten Ausgaben der MTEC
  werden wir diese und andere exotische Einsatzmöglichkeiten – wie
  zum Beispiel das Recycling – vorstellen. Müllern ist
  eben mehr als nur mahlen. Freuen Sie sich auf
  viele Facetten eines spannenden Berufs.

                                                                            Millers usually produce flour. But their trai-
                                                                            ning in milling, sorting, and charging quali-
                                                                            fies them for many other tasks in the food
                                                                            industry and even beyond. After attending
                                                                            the DMSB, they are also in a position to build,
                                                                            operate and manage mills. This training
                                                                            opens doors everywhere.

6 I   MTEC 2016 / 2017
TEC MÜLLER - Deutsche Müllerschule Braunschweig
Panorama      I

Quer gefragt
Herr Böttcher, für welche Positionen qualifizieren sich
die Absolventen der DMSB?
Studierende der DMSB absolvieren eine Weiterbildung
für leitende Positionen in vielen Branchen. Nicht nur in
den Bereichen der verschiedenen Müllereisparten, son-
dern überall dort, wo:                                      Interview mit Georg Böttcher,
                                                            pädagogischer Leiter der DMSB
›   gefördert, sortiert und aufbereitet,
›   zerkleinert, granuliert und pelletiert,
›   getrennt, dosiert und gemischt wird.

Das heißt, in allen Bereichen der Lebensmittelproduk-
tion, der Schüttgut- und Lagertechnik, der chemischen
Industrie und im Recycling sowie dem entsprechenden
Anlagenbau finden unsere Absolventen interessante Ar-
beitsplätze.

Können nur ausgebildete Müller an der Müllerschule
studieren?
Nein, da wir unsere Studierenden auch im Bereich der
Anlagenplanung qualifizieren, sind auch z. B. metallver-
arbeitende Berufe, Mechatroniker und technische Zeich-
ner mögliche Zugangsberufe für unseren Schwerpunkt
„müllereibezogener Anlagenbau“. Auf der anderen Seite
bieten wir aber auch den vor- und nachgelagerten Bran-
chen der Müllerei die Möglichkeit, sich an der DMSB
weiterzubilden. So könnten sich auch z. B. Bäcker oder
Landwirte bewerben – schließlich stellen Müller aus
dem Getreide der Landwirte auch hochwertige Futter-
mittel für deren Tiere her.

Was sind aus Ihrer Sicht die Hauptargumente für die
Weiterbildung?
Zum einen natürlich die Aufstiegsmöglichkeiten, die eine
Weiterbildung nun einmal bietet. An der DMSB insbe-
sondere aber die Vielfätigkeit der Branche und die Breite
der vermittelten Inhalte, was dazu führt, dass Absolven-
ten der DMSB nicht nur Prozesse steuern, sondern auch
selbst diese Anlagen planen und letztlich auch erfolg-
reich führen können. Viele Absolventen sind später als
Betriebsleiter oder Projektplaner tätig.

                                                                               MTEC 2016 / 2017   I 7
TEC MÜLLER - Deutsche Müllerschule Braunschweig
I   Zoom

  MTEC hat den Studenten Maro Bauer einen Tag lang
  begleitet. Herausgekommen ist eine Reportage aus dem
  Leben von einem, der auszog, das Müllerhandwerk zu studieren.

  DAS WAHRE LEBEN

                                                                                                                                                           lanung
                                                                                                                                                  Mühlenp
                                                                                                                            n S tu n de steht              a schinen.
                                                                                                                         te                       nn die M
                                                                                                              In der ers
                                                                                            08:00                  . Erst da
                                                                                                                             s Gebä   u d e , d a

                                                                            etter                    m P rogramm
                                                                  c  hönem W                au f d e
                                                                                                                  3D.
                                                         g – bei s                                     h alles in
                                                Studienta                                   Natürlic
                                    es in den
                           Auf geht
             07:30              m Fahrra
                                         d.
                     ten mit de
             am liebs

  Studierende der DMSB verbinden das Notwendige mit dem Angeneh-
  men, kleine Lerngruppen, kurze Wege und neben der Müllerschule
  das zweite Zentrum: Das Verbindungshaus des Vereins „Glück zu“.
  So lassen sich Leben und Lernen wunderbar verbinden und aus der
  Studien- wird ganz schnell die Grillgruppe. Wir haben Maro Bauer
  einen Tag begleitet und sind der Frage auf den Grund gegangen: Was
  treibt ein DMSBler eigentlich den lieben langen Tag?

                                                                                      15:00        Weiter geht es im Schullabor: Die
                                                                                                                                      Analyse der
                                                                                    verschiedenen Rohstoffe gehört
                                                                                                                     natürlich zur Technikeraus-
                                                                                    bildung dazu, damit die Qualität der
                                                                                                                         Mehle und Futtermittel
                                                                                    stimmt. Dank des Fördervereins
                                                                                                                     sind die Labore hervorragend
                                                                                    ausgestattet.

8 I   MTEC 2016 / 2017
TEC MÜLLER - Deutsche Müllerschule Braunschweig
Zoom      I

                                                                                                                                                                   auch
                                                                                                                                                       Leerer B
                                                                                                                                        13:20                : Die
                                                                                                                            xis: Für            nicht gern
                                                                                                      ö rd e rn  in der Pra            studiert           n is ieren
                                                                                    Dosieren
                                                                                               und F                        chenden              ng org a
                                                                                                                                       Versorgu
                                                                   12:05                 technik s
                                                                                                    te  h e n d ie entspre
                                                                                                                           robieren              ierende s
                                                                                                                                                            elbst mit
                                                            nn:                 aschinen                          sse ausp              wir Stud                halten
                                                  ißt es da            a c h M                       ie  P ro z e
                                                                                                                                                   Kiosk. So
                                 u n te rricht he                 das F
                                                                                       denen w
                                                                                                ir d
                                                                                                                                        unserem
                           ys ik                                             ereit, an                                                                         mittags-
  10:20           Im Ph
                           interakti
                                        ven Tech
                                                 nologie          Geräte b
                                                                              ieren kön
                                                                                        ne n .                                           wir auch
                                                                                                                                                   die Nach
                M it d e r                         rbinden.        und train                                                                       durch.
 An die Ta
           fel!
                            n d W  h iteboard ve                                                                                         stunden
                       pu
          ich Lapto
 lassen s              gestern!
           iben  w a r
  Abschre

 19:00       Nach dem Unterricht treffen wir
im Verbandshaus zum Lernen. Gem
                                             uns                                20:20         Grill an beim „Glück zu“! Zusamme
                                einsam fällt das leichter!                                                                       n grillen,
                                                                               Bier trinken und den Abend an der
                                                                                                                  Oker genießen, gehört zum
                                                                               Lebensgefühl dazu.

                                                                                                                                             MTEC 2016 / 2017        I 9
TEC MÜLLER - Deutsche Müllerschule Braunschweig
I   Zoom

  EINE                                                                             Frank Hentschel

  SCHARFE
  SACHE
   Was Frank Hentschel sich in den Kopf setzt, zieht er auch   kleiner Ausschnitt aus seiner persönlichen Weltkarte.
   durch. Schon bei der Suche nach einem Ausbildungs-          Der Grund ist einfach: „Gewürze werden heute nicht mehr
   platz war das so: Nach einem Praktikum in einer Was-        ungereinigt und roh verschickt, sondern vor Ort verar-
   ser-Rückschüttmühle im Sauerland wollte er unbedingt        beitet. Das bedeutet natürlich, dass beim Erzeuger eine
   dort das Müllerwesen lernen – und setzte sich durch.        entsprechende Verarbeitung aufgebaut werden muss.“
   „Diese Mühle war in ihrer Art                                                        Die Produktion muss den Roh-
   sehr exotisch. Es handelt sich                                                       materialien und der Mischung
   um eine Wasserturbinenmühle                                                          angepasst werden. Hentschel
   mit nur einem Mahlwerk, in das                                                       nennt ein Beispiel: „Bei Currys
   über ein Rückführsystem Mehle                                                        mischen wir erst die Rohstoffe,
   bis zum gewünschten Mahlgrad                                                         mahlen sie zusammen und mi-
   immer wieder zurückgeschüttet                                                        schen anschließend ein weiteres
   werden“, erinnert sich Frank                                                         Mal, um ein homogenes Endpro-
   Hentschel. Nach einigen Wan-                                                         dukt zu bekommen. “
   derjahren als Geselle, in denen
   er in einer Gewürzmühle, einer                                                      Anspruchsvoll sind auch die Roh-
   Weizenmühle und bei einem                                                           stoffe. „Ingwer zum Beispiel ist
   Maschinenbauer arbeitete, ging                                                      eine Wurzel. Beim Wachstum im
   er an die Müllerschule, um dort                                                     Erdreich können Steinchen oder
   Meister und Techniker zu werden.                                                    andere feste Partikel einwach-
                                                                                       sen, die das Mahlwerk beschä-
   Dort hörte er sich Mitte der                                                        digen und die Qualität des Pro-
   neunziger Jahre einen Vortrag                                                       dukts beeinträchtigen können.
   der Firma Fuchs über Gewürze                                                        Ebenfalls trickreich ist Zimt.
   an – er hatte hier bereits vorher                                                   Hierbei handelt es sich um eine
   gearbeitet. Aus dem Kontakt                                                         Rinde und auch sie kann Fremd-
   ergab sich ein Vorstellungs-                                                        körper enthalten. Bei der Verar-
   gespräch und schließlich eine                                                       beitung beider Gewürze müssen
   Anstellung: Direkt nach dem                                                         wir den Mahlprozess anpassen
   Abschluss ging Hentschel in                                                         und besonders gut aufpassen.“
   die USA, um in Baltimore das
   US-Geschäft zu führen. Nach                                                          Sein Spezialwissen hat Frank
   einiger Zeit wechselte er zu                                                         Hentschel 2016 in ein eigenes
   McCormick, dem Weltmarkt-                                                            Unternehmen eingebracht. Er
   führer für Gewürze. „Gewürzmühlen sind etwas ganz           plant nun weltweit Mühlenbetriebe – Neubauten, Um-
   Besonderes und nur wenige Menschen auf der Welt ken-        bauten und Modernisierungen. „Ich konzentriere mich
   nen sich damit so gut aus wie ich“, sagt Hentschel ganz     jetzt auf Projektarbeiten im Mühlenwesen“, erzählt er.
   selbstverständlich.                                         Seine Spezialität ist natürlich: die Gewürzmühle.

   Sein Beruf hat ihn schon um den ganzen Globus geführt:
   Australien, Indien, die Türkei und Dubai sind nur ein

10 I   MTEC 2016 / 2017
Zoom       I

                                                                                                                     ERMÖGLICHT
                                                                                           Johannes Decker

RICHTUNGSWECHSEL
Ohne den WDR wäre Johannes Decker wohl nie zur
Müllerei gekommen. „Über die WDR 2–Lehrstellenak-
tion habe ich von einem freien Ausbildungsplatz zum
Müller in Gelsenkirchen erfahren“, erinnert sich der
ehemalige DMSBler. Da war er gerade auf der Suche
nach einem handwerklichen Beruf mit technischem
Hintergrund, bei dem auch Themen wie Qualitäts-
management und Kundenbetreuung eine Rolle spie-
len. „Da erschien mir der Müllerberuf perfekt – und
in der Praxis hat sich diese Entscheidung dann auch
bewährt.“

Nach zwei Gesellenjahren wollte Johannes Decker
sich weiterentwickeln, den Horizont erweitern und
sich fit für Führungsaufgaben machen. „Auf dem
Schnuppertag der Müllerschule habe ich mich dann
weiter informiert und wertvolle Gespräche mit Schü-
lern und Lehrern geführt. Durch diese Informationen
aus erster Hand wurde die ganze Ausbildung trans-
parent und hat mich wirklich überzeugt.“ Am Ende
hat er alle Abschlüsse mitgenommen, die die Schule
anbietet: u. a. Anlagenbau, Verfahrenstechnik, Meis-
terprüfung und Futtermittelzertifikat.

„Ich wollte mir möglichst viele Möglichkeiten eröff-    Diese Karriere hat ihm erst die Müllerschule ermöglicht,
nen“, begründet er seinen Lernweg. „Und am Ende hat     denn mit der Ausbildung allein hätte er den Wechsel zum
sich genau das auch ausgezahlt, denn ich bin nach der   Anlagenbau nicht geschafft. Auch heute hält er Kontakt
Schule von der Müllerei in den Anlagenbau gewech-       nach Braunschweig, zum Beispiel als Mitglied im För-
selt.“ Nach einigen Stationen arbeitet Johannes De-     derverein und im Vorstand des Stammtischs Lippe-NRW
cker heute in der agritec GmbH, wo er Anlagen zur Ge-   des Verbandes „Glück zu“. „Das Netzwerk aus der Mül-
treidelagerung, Reinigung und Gesunderhaltung plant     lerschule ist mir wichtig und ich bringe mich da auch
und baut. Diese stehen direkt auf dem Hof von land-     gerne mit ein“, erklärt Decker. Als Arbeitgeber profitiert
wirtschaftlichen Betrieben. „Im Grunde sind wir der     er jetzt auch in einem anderen Sinn von der Schule: „Ich
Generalunternehmer, die eigentlichen Bautätigkeiten     stelle natürlich gerne Absolventen der DMSB ein, denn
vergeben wir dann an Subunternehmer.“ In einigen Jah-   da weiß ich, dass sie die nötigen Fähigkeiten mitbrin-
ren wird er das Unternehmen übernehmen, Mit-Gesell-     gen.“ Auch aus einem jüngeren Jahrgang fing ein Tech-
schafter und Geschäftsführer ist er schon heute.        niker der DMSB bei ihm an.

                                                                                                             MTEC 2016 / 2017     I 11
I   Zoom

                                                                                                   Alexander Schnelle
                                                                                                   Bühler Group

   „Dasselbe Herz
           schlägt in der Brust“

   Alexander Schnelle stammt aus einer Mül-
   lerfamilie. Für ihn stand immer fest, dass er
   als dritte Generation das Familienerbe an-
   tritt, eine Müllerlehre macht und danach die
   DMSB besucht wie sein Vater vor ihm. Doch
   dann kam es anders. Zwei Jahre nach seinem
   Abschluss an der Braunschweiger Techniker-
   schule erhielt der heimische Mühlenbetrieb
   ein attraktives Übernahmeangebot. Familie
   Schnelle war sich einig. Sie verkauften und
   Sohn Alexander orientierte sich neu.

   „Das Unternehmen Bühler fand ich immer
   interessant und ich wusste aus meiner Zeit
   an der DMSB, dass dort gerne ehemalige
   DMSBler eingestellt werden. Also habe ich
   eine Initiativbewerbung abgeschickt und bin
   genommen worden“, erzählt Schnelle. Das
   war 2009. Heute leitet er den Bereich Ge-                                                              Walzenstuhlboden von Bühler
   treidemüllerei in den Regionen Deutschland      und damit für unsere Kunden war entschei-
   und Teilen Osteuropas für den Weltmarkt-        dend. Ich kenne das tägliche Geschäft und
   führer unter den Mühlenbauern. „65 Prozent      die Prioritäten unserer Kunden aus eigener
   des Getreides weltweit werden auf Bühler-       Erfahrung und kann dafür sorgen, dass sie
   Mühlen vermahlen“, berichtet Schnelle           den Ausnahmezustand Anlagenbau mög-
   stolz. Der Mühlenbau ist die Keimzelle des      lichst komfortabel erleben.“
   150 Jahre alten Konzerns und bis heute das
   Kerngeschäft.                                   Sein Netzwerk aus der DMSB begegnet ihm
                                                   heute tagtäglich: als Lieferant, Kunde oder
   Ohne die Abschlüsse bei der DMSB wäre           Wettbewerber. Die Mühlenbranche ist fami-
   diese Karriere nicht möglich gewesen. Zum       liär und trifft sich immer und überall – eine
   einen fachlich, denn neben der Müllerei hat     gute Vernetzung ist da Grundvoraussetzung
   Schnelle dort auch den Abschluss im Anla-       für erfolgreiche Geschäfte. „Ehemalige Mül-
   genbau gemacht, was ihm den Wechsel zu          lerschüler kennen sich oder jemanden aus
   Bühler überhaupt erst ermöglichte. Zum an-      dem gleichen Jahrgang. Mit einem ande-
   deren haben erst die tiefen Einblicke in das    ren Müllerschüler hat man sofort eine ge-
   Mühlenwesen und die Kontakte in alle Be-        meinsame Basis. Gewissermaßen schlägt
   reiche ihn für die Befindlichkeiten der Bran-   dasselbe Herz in der Brust“, beschreibt
   che sensibilisiert und ihn so erfolgreich ge-   Schnelle dieses besondere Netzwerk. In
   macht. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass    Braunschweig erwerben die Absolventen
   ich einmal für den ganzen Bereich verant-       eben mehr als „nur“ ihre Abschlüsse.
   wortlich sein könnte“, bemerkt er. „Das Ge-
   fühl und Verständnis für die Müllerbranche

12 I   MTEC 2016 / 2017
Vive
                                                                                                        Zoom   I

                         la F                                                        ra
                                                                                      n
Deutsch-fra
Freundschaf
            nzösische                                                                 ce
            t                                    Vor z
                                                ihr f
                                                        ehn
                                                      ranz
                                                             Jahr
                                                                   en h
                                               gekn        ösisc         abe
                                                     üpft.        h es P n die deu
                                                                         enda
                                              Aust
                                                   au
                                                            Seitd
                                                                   em h        nt er tsche DM
                                             bei d sch zwis              at si
                                                                               ch ei
                                                                                     ste K
                                                                                           onta
                                                                                                    SB u
                                                                                                         nd
                                                   em n           chen               n          k te
                                            Aust         eben            d             re
                                                  ausc          dem en Schul gelmäßi
                                                        h nic          f             e             g
                                                              ht zu achliche n entwic er
                                                                     kurz         n au           ke lt,
                                                                           kom          ch de
                                                                                 mt.          r kul
                                                                                                    ture
                                                                                                         lle

         Wo sonst könnten angehende Mühlentechni-
         ker besser in die Kunst eingeweiht werden,
         perfekte Baguettes und Croissants zu ba-
         cken? Natürlich in Frankreich! Ganz genau
         in Surgères, einem kleinen Ort in der Nähe       sische Version der deutschen DMSB: die
         von La Rochelle im Département Charen-           Ecole National Supérieure de Meunerie et
         te-Maritime. Dort befindet sich die franzö-      des Industries Céréalières, kurz ENSMIC.
                                                          „Die französischen Kollegen haben uns zwei
                                                          Dinge voraus: eine richtige Schulmühle und
                                                          eine vollständig ausgestattete Bäckerei“,
                                                          berichtet Dipl.-Ing. Uwe Schulz, der an 

                                                                                             Hafen von
                                                                                             La Rochelle

                                                                                          MTEC 2016 / 2017     I 13
I   Zoom

   der DMSB unter anderem Maschinentech-               sammeln. Beim Gegenbesuch profitieren
   nik und Automation unterrichtet. Beides             die französischen Schüler von der virtuellen
   nutzen die deutschen Besucher natürlich             Mühle und der hervorragenden technischen
   gerne für praktische Übungen.                       Laborausstattung in Braunschweig.

   Eigene Mühle und Labore                             Ausflüge zu Unternehmen
   Für die Ausbildung an der ENSMIC ist die            „Natürlich bleiben wir aber nicht die ganze
   Schulmühle sehr wichtig: Ihre Schüler               Woche in den Schulräumen“, erklärt Georg
   kommen direkt vom Lycée, dem Gymnasi-               Böttcher, pädagogischer Leiter der DMSB.
   um, und haben noch keine praktische Aus-            Er und Uwe Schulz haben die Kooperation
   bildung wie die Studierenden der DMSB. Sie          von Anfang an gefördert und bislang jeden
   müssen aber in beiden Ausbildungsjahren             Austausch begleitet. „Wir haben immer ein
   mehrere mehrwöchige Praktika in einem               umfangreiches Programm, auf dem natür-
   Betrieb absolvieren.                                lich viele Mühlenbesuche stehen, aber auch
                                                       kulturelle Besichtigungen und gemeinsame
   Außerdem verfügt die ENSMIC über gut aus-           Abende mit den französischen Studieren-
   gestattete Labore für Chemie und Mikro-             den.“ Schließlich soll neben dem fachlichen
   biologie. Da die Schule seit 2007 im selben         auch der gesellige Austausch stehen. Bei
   Gebäudekomplex wie die École Nationale              der Kommunikation profitieren die deut-
   d’Industrie Laitière et des Industries Agro-        schen Studierenden davon, dass drei der
   alimentaires (ENILIA) liegt, deren Schwer-          französischen Lehrer Deutsch sprechen und
   punkte Molkerei und Fischerei sind, ist die         ein deutscher Kollege Französisch – unter-
   Ausstattung für Lebensmitteltechnik aus-            einander spricht man vorwiegend Englisch.
   gezeichnet. „Ein weiterer Pluspunkt sind die
   Sensoriklabore, in denen in Einzelkabinen           Wenn die ENSMIC in Deutschland zu Gast ist,
   mit unterschiedlichen Lichtfarben gearbeitet        werden neben dem Unterricht natürlich auch
   werden kann“, berichtet Uwe Schulz. Auch            Mühlen besichtigt. Punkten kann die DMSB
   hier können die DMSBler neue Erfahrungen            aber auch mit ihren guten Verbindungen zur

                           Die Voraussetzung für ein
                           gelungenes Backergebnis
                           ist die genaue Einhaltung
                          der Rezeptur – auch in der
                          Bäckerei der französichen
                                       Müllerschule.

14 I   MTEC 2016 / 2017
Zoom    I

                             Internationalen Forschungsgemeinschaft
                             Futtermitteltechnik (IFF) in Braunschweig
                             Thune und zum Institut für Tierernährung
                             des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI), eben-
                             falls in Braunschweig. „Wir fahren mit ihnen
                             aber auch gerne nach Hamburg zum Getrei-
                             dehafen oder zu einem unserer großen An-
                             lagenbauer wie Amandus Kahl oder Bühler.“

                             Ab dem kommenden Schuljahr sollen die
                             fachlichen Elemente der Austauschwoche
                             fest im Lehrplan verankert werden, damit sie
                             optimal in die Technikerausbildung einge-
                             bunden sind. „Nach so vielen Jahren wissen
                             wir sehr genau, was vermittelt wird. Jetzt
                             wollen wir in der Vor- und Nachbereitung
                             noch besser werden“, verspricht Georg Bött-
                             cher. Beim Faktor Spaß ist kaum noch Po-
                             tenzial nach oben: Das gemeinsame Backen,
                             die Rundfahrten durch La Rochelle, Kicken
                             und Boulen mit den französischen Kollegen –
                             das alles macht diese Fahrten ohnehin zu
                             den Höhepunkten der Studienzeit.

                                Franco-German friendship: for ten years
                                the German DMSB and the French École
                                National Supérieure de Meunerie et des
                                Industries Céréalières (ESNMIC) have
                                fostered an active student exchange pro-
                                gram that benefits both partners.

                                In Surgères near La Rochelle on France’s
                                southern Atlantic shore, German stu-
                                dents get the opportunity to use the
                                French school’s mill and bakery. Where
                                else is the best place to bake baguettes?
                                Another advantage of the ESNMIC are
                                its laboratories: they have a chemical,
                                a molecular and a sensory laboratory
                                where they can put theory into practice.
                                Furthermore the students get the oppor-
                                tunity to visit French milling companies
                                and can absorb the local milling culture.
  Auf gemeinsamen Ver-
anstaltungen bekommen           On the other hand, the French guests can
 die deutschen und fran-        have a look at the DMSB virtual mill and
 zösischen Studierenden         visit German milling machine manufac-
   nicht nur Fachwissen,        turers. Next year the content of this ex-
 sondern auch kulturelle        change program will even be an integral
     Einblicke vermittelt.      part of the curriculum.

                                                      MTEC 2016 / 2017   I 15
I   Action

                   In der
                Höhle des

                                  e n
                           ö w
                          L                                         Die schöne
                                                                    Unbekannte
                                                                    im Norden:
                                                                  Braunschweig
                                                                überrascht mit
                                                                    viel Natur,
                                                                    Kultur und
                                                                        tollen
                                                                     Angeboten.

                              Wie ist es eigentlich in Braun-   Heinrich der Löwe hat Braun-
                              schweig? Wer noch nie dort        schweig die Burg Dankwardero-
                              war, dem fällt zu dieser Frage    de mit dem schönen Burgplatz
                              vermutlich sehr wenig ein, denn   und dem Dom hinterlassen – und
                              weltbekannt ist die zweitgröß-    den Löwen im Stadtwappen, der
                              te Stadt Niedersachsens nicht     auch zum Spitznamen „Löwen-
                              gerade. Schade, denn sie hat      stadt“ verhalf. Auch wenn die
                              viel zu bieten: über 1000 Jah-    Bomben des zweiten Weltkriegs
                              re Stadtgeschichte, die überall   viel zerstört haben, sieht man
                              durchblitzen, spannende Arbeit-   dem Stadtbild Braunschweigs
                              geber im Umland, Ausbildung       die historische Herkunft noch
                              der Spitzenklasse und einen ho-   an. Prägend sind auch die Al-
                              hen Freizeitwert.                 leen und die Oker, die das Stadt-

16 I   MTEC 2016 / 2017
Action      I

zentrum komplett umfließt und       Open Air“, die legendären Blauhaus-Parties, der studentische
grüne Oasen schafft.                Filmwettbewerb „durchgedreht24“ und der „Battle of the year“,
                                    die Weltmeisterschaft im Breakdance.
Auf die 250.000 Einwohner kom-
men über 20.000 Studierende,        Nicht nur das Freizeitangebot ist spannend
die der Stadt ihren Stempel         Die Technische Universität ist mit über 260 Jahren die ältes-
aufdrücken. Angebote für junge      te ihrer Art. Sie zählt bei den Hochschulrankings regelmäßig
Menschen gibt es in Fülle: Knei-    zu den Top Ten. In 71 Studiengängen lernen hier fast 20.000
pen, Cafés und Clubs locken mit     Studierende. Besonders bekannt ist die TU für ihre Ausbil-
moderaten Preisen. Wer Mün-         dung in Maschinenbau, Architektur, E-Technik, Informatik und
chen, Düsseldorf oder Hamburg       Bauingenieurwesen. Bekannte Unternehmen im Umland wie
gewohnt ist, wird sich wundern,     Volkswagen, Intel oder Siemens bieten Studierenden prakti-
wie günstig ein durchgefeiertes     sche Erfahrungen. Zahlreiche Forschungseinrichtungen ko-
Wochenende sein kann. Hinzu         operieren außerdem mit der Universität.
kommen Sommerfeste wie das
Sport-Sommerfest der Techni-        Im Vergleich ist Braunschweig zum Leben und Wohnen noch
schen Hochschule oder das Fest      erschwinglich. In der überschaubaren Stadt können die meis-
der Hochschule für Bildende         ten Wege mit dem Fahrrad erledigt werden, denn die Radwege
Künste.                             sind gut ausgebaut. Braunschweig hat die Vorzüge einer großen
                                    Stadt, sich aber den Charme einer kleinen erhalten. Und wer
Mit viel Musik und Wein bege-       unbedingt Großstadt braucht: Der ICE benötigt zwei Stunden bis
hen die Braunschweiger das          Hamburg oder Berlin. Aber dort gibt es eben keinen Löwen.
Magnifest im namensgebenden
Stadtteil. Auf dem Burgplatz fin-
det jedes Jahr einer der schöns-
ten Weihnachtsmärkte Nord-
deutschlands statt. Hier treffen
sich zum ersten Advent ehema-
lige DMSBler nach dem jährli-
chen Fachseminar. Livemusik
bieten das Burgplatz Open Air
und „Klassik im Park“. Kultur-
begeisterte können außerdem
das internationale Festival „The-
aterformen“ und das „Filmfest
Braunschweig“ besuchen. Wei-
tere Events sind das „Raffteich

                                    Viele Ehemalige verbinden mit Braunschweig die schönsten Jahre ihres Lebens.

                                       Brunswick: more than 1000 years of history
                                       have left their mark on this charming city.
                                       Besides cultural gems like Dankwarderode
                                       Castle and St. Blasii Cathedral, Brunswick
                                       also springs a suprise with its modern infra-
                                       structure, great shopping opportunities and
                                       the green banks of the River Oker. Cultural
                                       attractions also make the city a great place
                                       to live.

                                                                                            MTEC 2016 / 2017       I 17
I   Action

   Ohne Moos nix los
   Für das Studium an der Müllerschule fallen keine Gebühren an. Ein     Auch mithilfe eines Studienkredits können Studierende
   Dach über dem Kopf, Essen und Freizeitaktivitäten kosten allerdings   die Fortbildungszeit finanziell überbrücken. Der Zugang
   Geld – und zwar im Durchschnitt circa 800 Euro monatlich. Zu die-     zu einem solchen Kredit sowie die Konditionen variie-
   sem Ergebnis kam die 20. Sozialerhebung des Deutschen Studen-         ren allerdings stark je nach Anbieter. Bei manchen Stu­
   tenwerks im Jahr 2012. Wie kommt man also an das Geld für den         dienkrediten ist die fortdauernde Zahlung auch an Leis-
   eigenen Lebensunterhalt und eine Wohnung?                             tungsnachweise gebunden. Online-Vergleichsrechner
                                                                         helfen bei der Auswahl, aber oft steckt der Teufel im Detail:
   Nicht verzagen, es gibt verschiedene Möglichkeiten: beispielswei-     Ist die Zinshöhe über den Kreditzeitraum fest oder varia-
   se das sogenannte „Aufstiegs-BAföG“, früher bekannt als „Meis-        bel? Wann genau ist die Rückzahlung fällig? Diese Fragen
   ter-BAföG“. Dieses kann man in Niedersachsen bei der Investitions-    sollten in einer ausführlichen Beratung geklärt werden.
   und Förderbank Niedersachsen in Hannover beantragen. Wenn ihr
   die Bedingungen erfüllt, gibt es vom Staat einen Zuschuss und ein     Weitere Infos
   zinsgünstiges Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)       Nebenjobs:
   als Unterstützung – möglich sind bis zu 15.000 Euro insgesamt. Das    www.jobs.meinestadt.de/braunschweig
   Aufstiegs-BAföG gilt einkommensunabhängig für Lehrgangs- und          www.jobmensa.de
   Prüfungsgebühren. Teilnehmer an Vollzeitmaßnahmen – wie dem
   Studium an der DMSB – erhalten für Lebenshaltungskosten zudem         BAföG:
   einen monatlichen Beitrag bis zu 768 Euro, davon maximal 333 Euro     www.meister-bafoeg.info
   Zuschuss. Hier wird eigenes Einkommen allerdings angerechnet. Je      (inkl. Download Antragsunterlagen)
   nachdem kommt auch das reguläre (Schüler-)BAföG infrage – hierbei     www.bafög.de
   ist die Förderung jedoch meist abhängig vom Einkommen der Eltern
   und erfolgt nur bis zu einem Alter von 30 Jahren bei Ausbildungs-     Studienkredite:
   beginn. Der BAföG-Höchstbetrag liegt seit August dieses Jahres bei    www.check24.de/kredit/studentenkredit
   735 Euro monatlich. Davon muss später nur die Hälfte zinslos zu-       www.financescout24.de/kredit/studienkredit
   rückgezahlt werden.                                                    www.kfw.de

   My home is my castle
                                                     Alle Studierenden, die nicht aus Braunschweig oder Umgebung kommen,
                                                     stehen nach ihrer Studiumsanmeldung vor der Frage: „Wie komme ich an
                                                     eine Studentenbude?“ Wie in anderen Studentenstädten ist günstiger Wohn-
                                                     raum in Braunschweig rar, eine frühzeitige Suche daher empfehlenswert.
                                                     Erste Anlaufstation: Das Sekretariat der DMSB. Hier liegt eine Liste mit Ver-
                                                     mietern aus, die regelmäßig an Studierende der Deutschen Müllerschule
                                                     vermieten. Auch die Verbindung „Glück zu“ bietet elf möblierte Zimmer für
                                                     ihre Mitglieder an – mehr zur Verbindung erfahrt ihr auf Seite 20.

                                                     Was Wohnen in Braunschweig so kostet? Laut Braunschweiger Mietspiegel
                                                     2016 zwischen 6,48 und 8,08 Euro kalt pro Quadratmeter – abhängig von Bau-
                                                     jahr, Größe, Lage und Ausstattung der Wohnung. Für ein Apartment mit
                                                     30 Quadratmetern, Baujahr 1970, in Innenstadtlage ohne besondere Aus-
                                                     stattungsmerkmale, würde man rund 202,50 Euro monatlich zahlen. Hinzu
                                                     kommen dann noch die Nebenkosten. Aus einer Erhebung des Online-Por-
                                                     tals studenten-wg.de ging hervor, dass WG-Zimmer mit einer Durchschnitts-
                                                     größe von 18,7 Quadratmetern in Braunschweig für durchschnittlich 289 Euro
                                                     inklusive Nebenkosten angeboten werden. Das ergibt einen Quadratmeter-
                                                     preis von 15,45 Euro warm. Somit liegt Braunschweig noch nahe am bun-
                                                     desweiten Durchschnitt für studentische Mietkosten: Diese betragen laut der
                                                         20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks 298 Euro inklusive
                                                              Nebenkosten.
                                                                                                         Hier werdet ihr fündig:
                                                                                                            www.wg-gesucht.de
                                                                                                                www.immo38.de
                                                                                            www.braunschweig.homecompany.de

18 I   MTEC 2016 / 2017
G
                                                                                                             Action     I

                                         E I
            H W                                                                                            US
                                                                                                              S EN

          C
                                                                                                         A
                                                                                                      DR
        S
       N T                                                                                     UN
                                                                                                 D

   A U  G                                                                             INN
                                                                                          EN

 R
B EWE
                                                                               DR

 B

Der gesunde Geist lebt (und lernt)
bekanntlich in einem gesunden
Körper. Forscher der Sahlgrenska-
Akademie (Universität Göteborg)        Der Vereinsmensch hat die Qual der Wahl.
haben den Zusammenhang von kör-        Zum Glück gibt es im Internet eine Daten-
perlicher Fitness mit einem erhöh-     bank, in der alle Braunschweiger Vereine
ten Intelligenzquotienten sogar be-    und ihre Angebote aufgelistet sind.
wiesen. Fitness bedeutet nicht nur
Kraft und Ausdauer, sondern auch
gute Herz- und Lungenkapazitäten,
die dem Gehirn viel Sauerstoff zu-     Der Leistungssportler: Etwa 20 Braun-
führen. Also: lernen und bewegen!      schweiger Mannschaften spielen auf Bun-
Braunschweig hat dazu eine Men-        des­liganiveau. Neben dem bekannten Fuß-
ge zu bieten – da kommt jeder in       ballclub sind darunter auch weniger pro-
Schwung.                               minente Sportarten wie American Football,
                                       Basketball, Golf, Hockey, Judo, Tanzsport,
Der Naturbursche: Braunschweig         Schießsport und Volleyball.
ist von der Oker umgeben, meh-
rere Seen laden zum Baden ein.         Der Abenteurer kommt natürlich auch nicht
Kein Wunder also, dass hier Was-       zu kurz. Wem Kanufahren noch zu langweilig
sersportarten wie Schwimmen und        ist, der kann ja den Hochseilgarten auspro-
Kanufahren besonders beliebt sind.     bieren oder beim Bouldern (ungesichertes
Auch das Wohnheim der Studen-          Klettern auf Fallhöhe) die Armmuskeln an-
tenverbindung „Glück zu“ liegt di-     spannen.
rekt am Fluss und verfügt über ein
eigenes Bootshaus. Großartig aus-      Oder doch lieber Minigolf – draußen oder (!)
gebaut ist auch das Wegenetz für       drinnen? Beachvolleyball? Standardtanzen
Radfahrer und Läufer.                  oder Latein? Wer in Braunschweig nur auf
                                       dem Sofa sitzen bleibt, ist auf jeden Fall
Ein Braunschweiger Highlight in der    selbst schuld!
Kategorie „Umsonst und draußen“
ist die Discgolfanlage im Bürger-
park. Hier wird mit dem Frisbee Golf
gespielt, Ziele sind tiefhängende
Körbe, die an Basketball erinnern.
Neun Bahnen sind für Anfänger ge-
eignet, 15 für Fortgeschrittene. Die
Anlage wird auch für Turniere ge-
nutzt.

                                                                                                     MTEC 2016 / 2017   I 19
I   Action

                          AUS TRADITION
                                                    Die Verbindung „Glück zu“ bietet Studie-
                                                    renden während ihrer Zeit an der DMSB
                                                    die Möglichkeit, über den Tellerrand zu
                                                    blicken und Teil einer festen Gemeinschaft
                                                    zu werden.

                   GL
                                       Er gehört fest zur Deutschen Müllerschule: der Verein
                                       „Glück zu“. Bereits wenige Tage nach Semesterbeginn
                                       lernen Studienanfänger die Verbindung der aktiven
                                       Studierenden der DMSB kennen. Zumindest der Name

                   Ü
                                       dürfte davor schon bekannt sein, denn er ist ein alther-
                                       gebrachter Gruß aus der Müllerei: Mit „Glück zu“ be-
                                       grüßten Wandergesellen auf der Suche nach Arbeit den
                                       nächsten Müller und trugen damit das Glück von einer
                                       Mühle zur anderen weiter.

                                       So wie der Name des Vereins der Müllertradition verbun-
                                       den ist, so gehören „Glück zu“und die DMSB zusammen:
                                       Die Verbindung wurde schon im Jahr 1885 aus der Taufe
                                       gehoben, vier Jahre nach Gründung der damaligen Han-
                                       delsschule für Müller. „Seinerzeit wurden an der Müller-
                                       schule mehrere Vereine gegründet. Man wollte etwas zu-

                   CK
                                       sammen unternehmen, und das nicht nur während des
                                       Studiums, sondern auch darüber hinaus“, erklärt Micha-
                                       el Kammann die Ursprünge. Er hat selbst an der DMSB
                                       studiert und ist Präsident des gleichnamigen Verbandes
                                       „Glück zu“, einem weltweiten Netzwerk von 750 ehema-
                                       ligen Müllerschülern.

                   Z
                                       Der Verband unterstützt die aktuellen Studierenden, die
                                       sogenannten Aktivitas. So halten Absolventen beispiels-
                                       weise regelmäßig Vorträge zu diversen Themen. „Es ist
                                       seit jeher einer der Grundgedanken des Vereins ‚Glück
                                       zu‘, auch mal über den Tellerrand zu blicken“, erläutert
                                       Kammann. Hinzu kommen Seminare, Ausflüge und tra-
                                       ditionelle Veranstaltungen. Auch der Spaß kommt nicht
                                       zu kurz, gemeinsam grillen und feiern gehören dazu. Das
                                       Zentrum aller Aktivitäten ist das Verbindungshaus in der
                                       Maschstraße, das auch elf Zimmer zur Miete anbietet.

                   U
                           “Glück zu” is the traditional greeting of millers in Germany. It has
                           also been the name of the milling students’ fraternity since 1885.
                           Initiated to bring students together outside the academic curric-
                           ulum, it has been an essential social hub for DMSB students as
                           well as alumni. It’s the ideal place to get in touch with companies
                           and milling industry and plant engineering experts. Members can
                           rent a cheap room in the fraternity’s residence. Last but not least,
                           they can work and live together, have a lot of fun and enjoy their
                           student life.

20 I   MTEC 2016 / 2017
Action   I

VERBUNDEN

 Grundsätzlich kann jeder, der an der DMSB studiert, der        sind sie Burschen und somit offiziell „Glück zuer“. Die
 Verbindung beitreten. Michael Kammann stellt jedoch            Männer sind in der Überzahl, aber auch Frauen gehö-
 klar: „Wir haben zwar keine formalen Aufnahmekriteri-          ren der Verbindung an – hier ist jede und jeder will-
 en, aber es passt nicht jeder zu uns und wir passen auch       kommen, der sich einbringen möchte.
 nicht zu jedem.“ Grundvoraussetzung ist, die Werte und
 Prinzipien des „Glück zu“ zu teilen sowie Zeit mit ande-       „Im Anschluss an die aktive Zeit tritt man dann dem
 ren Mitgliedern verbringen zu wollen. Darüber hinaus           Verband bei und gibt den folgenden Generationen et-
 gilt bei einigen, sogenannten hochoffiziellen Anlässen         was von dem zurück, was man selbst erhalten hat“,
 ein entsprechender Dresscode.                                  fasst Michael Kammann zusammen. So erhalten sich
                                                                die Ehemaligen ein Stück Studien-
 Deshalb gibt es eine Probezeit: In den drei Monaten            zeit und pflegen ein Netzwerk mit
 lernen die „Füchse“ die Verbindung näher kennen.               begabten Nachwuchskräften – eine
 Anschließend können sie entscheiden, ob sie bleiben            Win-win-Situation für alle.
 wollen. „Das gleiche gilt für den Verein, denn wir wün-
 schen uns ein lebenslanges Miteinander“, erläutert
 Michael Kammann. Am Ende der Fuchsenzeit erhalten                                    Michael Kammann,
 die neuen Mitglieder das grün-weiß-rote Band. Damit                   Präsident des Verbands „Glück zu“

 Gemeinsam lernen, gemeinsam feiern – beim „Glück zu“ können die Studierenden viel mitnehmen, auch über die DMSB-Zeit hinaus.

                                                                                                                    MTEC 2016 / 2017     I 21
I   Antrieb

                          WAS TUN!
                          Für viele Ehemalige der DMSB war die Technikerausbildung der Startschuss für die
                          Karriere – und die Zeit in Braunschweig etwas ganz Besonderes. Da gibt es viele gute
                          Gründe, sich später zu revanchieren und einzubringen.

                          „Die Deutsche Müllerschule Braunschweig           schulische Ausbildung ideal ergänzt.“ Nicht
                          ist eine Herzensangelegenheit.“ Diesen            wenige Absolventen haben auf diesem Weg
                          Satz bestätigten die Kuratoriumsmitglieder        nach dem Abschluss ihre neue Stelle gefun-
                          des Fördervereins DMSB e. V. wie aus einem        den und geben heute als Alumni diese Erfah-
                          Mund. Daher erstaunt es wenig, wieviel En-        rung dankbar weiter. Oft sind sie selbst oder
                          gagement die Förderer in ihre Alma Mater          ihre Unternehmen dann Fördermitglieder.
                          stecken. Denn die Aktivitäten des Vereins
                          gehen weit über finanzielle Hilfen hinaus.        Ein Netzwerk für das ganze Leben
                                                                            Und ganz uneigennützig ist das Engagement
                          „Natürlich beteiligen wir uns an den Schul-       natürlich auch nicht: Denn wo könnte man
                          kosten, finanzieren Gastdozenten oder hel-        besser neue Mitarbeiter akquirieren, als un-
                          fen bei Anschaffungen“, erklärt Andreas           ter den Absolventen der DMSB? Durch eine
                          Kastenmüller, Geschäftsfüher der Ing. Ste-        Mitgliedschaft im Förderverein reißt der
                          fan Kastenmüller GmbH in Martinsried.             Kontakt nicht ab, regelmäßige Treffen, etwa
                          „Aber ich denke, die wichtigste Förderung         bei der Projektvorstellung oder der Absol-
                          des Müllernachwuchses liegt im Austausch.         ventenverabschiedung, erleichtern die Kom-
                          Wir sind die Schnittstelle zwischen Wirt-         munikation. „Wir alle haben schon zu Studi-
                          schaft und DMSB, unsere Mitglieder halten         enzeiten erlebt, wie fruchtbar der Austausch
                          Vorträge am Schnuppertag oder bei Veran-          mit der Branche dank Förderverein und
                          staltungen des „Glück zu“. So können wir ei-      Verbindung ist. Wie stark sich das Netzwerk
                          nen Einblick in die Arbeitswelt bieten, die die   auszahlt, merkt man dann ganz schnell im

22 I   MTEC 2016 / 2017
Antrieb    I

      „Vor über 50 Jahren hat unsere Familie auf-
      grund unserer über Generationen erworbenen
      Branchenkenntnisse in der Müllerei die ersten
      Anlagen konzipiert und geliefert. Genau wie
      mein Vater und viele unserer Mitarbeiter habe
      ich die Müllerschule absolviert und davon stark
      profitiert. Wir sind der DMSB eng verbunden
      und suchen aktiv den Kontakt mit den heutigen
      Studierenden – sie sollen genauso viel aus ihrer
      Weiterbildung ziehen können wie wir damals.”

                               ANDREAS KASTENMÜLLER

Job, denn im Mühlenumfeld haben ehemali-      100 Unternehmen, Verbände und Privatper-
ge DMSBler sofort eine gemeinsame Basis.      sonen beigetreten – mit steigender Tendenz.
Davon profitieren wir alle ganz enorm. Und    Ohne den Förderverein wäre die Ausstat-
natürlich möchte man das auch zurück-         tung der DMSB deutlich ärmer. Das fängt
beziehungsweise weitergeben“, begrün-         bei Lehrmitteln wie der Multifunktionstafel
det Andreas Kastenmüller seine Mitarbeit      oder Computern an und hört bei der virtuel-
im Verein.                                    len Lehrmühle auf. Solche Investitionen sind
                                              aus den Mitteln des öffentlichen Haushalts
Breiter Förderkreis                           nicht möglich, für eine zeitgemäße Fortbil-
Förderer kommen nicht nur aus dem Müh-        dung aber unentbehrlich.
lenwesen, sondern auch aus den Bereichen
müllereibezogener Anlagenbau, Mischfut-       „Ohne den Förderverein könnte die DMSB
terherstellung, der Zulieferindustrie oder    viele Dinge nicht anbieten“, erklärt Andreas
Dienstleistungen. Dabei muss das Förder-      Kastenmüller. „Wir bemühen uns, die Ausbil-
mitglied keine natürliche Person sein, auch   dung und den Lehralltag so gut wie möglich
Unternehmen und Verbände sind willkom-        zu unterstützen, damit die Absolventen die
mene Sponsoren. Inzwischen sind über          beste Grundlage für die Praxis erhalten.“

Die wichtigsten Aufgaben                                                 An affair of the heart – speaking of the
                                                                         DMSB, members of its booster club have
des Fördervereins                                                        an emotional attachment. Promoting
                                                                         the DMSB is more than donating mon-
› Beteiligung an den Schulkosten                                         ey: most members join in the school’s
                                                                         activities, give lectures or offer practical
› Schnittstelle zwischen DMSB und Wirtschaft                             assignments for final dissertations. In
› Kostenübernahme für Gastdozenten und Seminare                          addition to individuals’ involvement, the
                                                                         booster club sponsors teaching aids and
› Beratung und Mitgestaltung von Lehrinhalten                            tools for the DMSB.
› Finanzielle Unterstützung bei Anschaffungen für die DMSB
› Finanzielle Unterstützung bei Marketingmaßnahmen

                                                                                                MTEC 2016 / 2017    I 23
I   Schlusspunkt

            DAS
            WAR´
             DER ABSCHLUSSJAHRGANG

           2016
             STELLT SICH VOR.

                                                                                 Michael Kammann, Kuratoriumsmit-
                                                                                 glied des Fördervereins und Mitglied
                                                                                 des Verbandes „Glück zu“ betont,
                                                                                 dass nicht von ungefähr die besten
                                                                                 Abschlüsse von aktiven Präsidiums-
                                                                                 mitgliedern erworben wurden – die
                                                                                 gleichzeitig viel durch die Präsidiums-
                                                                                 arbeit mitgenommen haben.
             Alle Jahre heißt es: Abschied nehmen und die Zeugnisse empfan-
             gen! 15 stolze Absolventen erhielten ihre Zeugnisse und Meister-
             briefe. Einige werden in Braunschweig bleiben, viele aber tragen
             ihr Wissen in fernere Gefilde. Viele Gäste haben mit den stolzen,
             frischgebackenen Mühlentechnikern ihren Abschluss gefeiert – bei
             der Zeugnisübergabe und bei zünftigen Feierlichkeiten im „Glück
             zu“-Verbindungshaus.

24 I   MTEC 2016 / 2017
Schlusspunkt              I

      „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ –
      Studentensprecher Stefan Zitzmann
      wurde zum Abschluss ganz philoso-
      phisch und zitierte Sokrates.

                                           Franz Engelke, Vorsitzender
                                           des Kuratoriums, stellte
                                           die Studierenden gleich
                                           zu Beginn seiner Rede vor
                                           die Wahl: „Ich kann mich
                                           kurz oder lang fassen – je
                                           nachdem, ob Sie Mitglied im
                                           Förderverein werden!“

                                                   Ihre letzte Amtshandlung
                                                   war für Bürgermeisterin
                                                   Friederike Harlfinger eine
                                                   Herzensangelegenheit. Sie
                                                   betonte die Bedeutung der
                                                   DMSB und des Müllerei­
                                                   wesens für die Stadt
                                                   Braunschweig.

Bester Abschluss 1,0

                                                            Hintere Reihe v. l. n. r.:
                                                            Birger Witt, Patrick
                                                            Kleinwort, Christian
                                                            Faccin, Hendrik Stärk
                                                            Mittlere Reihe v. l. n.   r.:
                                                            Andre Reinecke, Michael
                                                            Kurre, Augustinus Ober-
                                                            meier, Robert Schreiter,
                                                            Marcel Santos Cabral,
                                                            Sven Oliver Obertreis,
                                                            Arne Tobegen
                                                            Vorne v. l.   n.   r.:
                                                            Georg Böttcher, Gabriele
                                                            Lühr, Thomas Wübbel-
                                                            mann, Marcel Drewel,
                                                            Theresa Rogl, Stefan
                                                            Zitzmann, Uwe Schulz,
                                                            Sabine Meyer

                                                                MTEC 2016 / 2017            I 25
I     Schlusspunkt

                                                      PROJEKT-
                                                      ARBEITEN
                                                      Lehre trifft Praxis: Das gehört bei den Projektarbeiten zum Abschluss der Technikerfortbil-
                                                      dung absolut dazu. Die Aufgabenstellungen kommen aus Unternehmen, Ergebnisse müssen
                                                      die Absolventen im Team erarbeiten. Neben einem Lösungsvorschlag gehört auch die Prä-
                                                      sentation dazu, die nicht nur vor einer Expertenkommission, sondern vor großem Publikum
                                                      gehalten wird. Eine große Herausforderung, die für das Arbeitsleben schult.

                                                                         r un d                              Planung
                                                    c h re g   all age                                                  einer Ge
                                    l age    mit Ho                                                                                treidesil
                                                                                                                                               oanlage
                          Abs ackan                                                                         Marcel
              g einer                                                                                                  Drewel
  P l anun            r l a dun g                                                                           C hris tia         (21, Mü
                                                                                                                                       ller)
           s a c k ve                                                                                                  n Fucc
  L  o s e
                                                                                                           Tho ma             ia (33,
                                        erin)              er)                                                                         I T-Sys te
                                 , Müll               hanik                                                          s Wübb
                                                                                                                            elmann                melekt
                  a R  o g l (22        n w er k m ec                                                                                 (2 5, Mülle
                                                                                                                                                         ronike
                                                                                                                                                               r)
       There
                s                2, Fei                                                                    Namen,                                 r)
                         r re (2                                                                                     Alte
                 el Ku
                                                                                                                        r und Au
             h a                      er)
           c                  , Müll
         i                                                                                                                         sbildung
       M
               e r  W itt (23                                                                             Do mteic
        Bir g                        sbildun
                                              g                                                                      hmühle
                                    Au                                                                                          M. &M.
                       r und                                                                                                             Drewel,
         Nam  en, Alte                                                                                   Patenun
                                                                                                                 te                                Vlotho
                                                                                                                     rnehmen
                                C hile
                   s A g rotop,
                sa
          Empre                                                                                         Problem
                                                                                                                  stellung
                         hmen                                                                           ›	Erhöhun         (i n Stichw
                  nterne                                                                                                               orten):
           Patenu                                                                                                    g der La
                                                        orten):                                            min. 400           gerkapa
                                             Stichw                   tzgese
                                                                             tz            25 kg)
                                                                                                                                      zität um
                 b le m  stellu   n g  ( in
                                                     A r b e itsschu        o n 5 0 kg auf             ›	Planung 0 Tonnen
            Pr o                               im                       ts v                                        auf vorge
                                  derung                        gewich                                 ›	Anbindun            gebener
                    s e tzesän                   in zelsack                                                         g an das           Fläche
            ›	 G e
                            ierung
                                       d  e s E
                                                        eiten
                                                                                                                              bestehen
                                                                                                                                        de Syste
                 (Reduz            g e r m   öglichk                                                  Problem                                     m
                             eL  a                                                                             lösung (i
              › Gering Verladezeiten                                                                 ›	Planung          n Stichw
                                                                                                                                   orten):
                        g  e
               › Lan alnot                                                                              Annahm
                                                                                                                   von sech
                                                                                                                             s  Rundsta
                › Person                                          n):
                                                                                                                                         h
                                                                                                    ›	Begrenzue und Lagerkapazität lsilos mit separater
                                                       hworte
                                    u n g   (in Stic                                                ›	Reversib   ng der S               von ca. 4
                                                                                                                                                   600 Tonn
                 Proble
                            mlö   s                            anlage                                                      ilodurch
                                                                                                                                    messer a                en
                                          is c h e Absack            llager
                                                                                                                ler TKF z
                                                                                                                          u m                 u f m ax. 9 Me
                          ll a utomat                   H o chrega           ng
                                                                                                      System z
                                                                                                                u den ge
                                                                                                                               Fördern
                                                                                                                                        in und au            ter
                  ›   V o                  tisch   e s                erladu                                             planten                   s dem alt
                           lb  automa                    o s esackv                                                               neuen Sil                   en
                   ›  H  a
                                   tomatis
                                                ch  e L                                                                                      ozellen
                   ›   Halbau

                                                                        e
                                           Planung einer PET-Food-Anlag
                                                                                                                               ler)
                                                                                                   ler), Hendrik Stärk (22, Mül
                                                ick Klei nwo rt (25, Müller), Arne Tobegen (23, Mül
                                           Patr

                                           Namen, Alter und Ausbildung

                                            PetCom, Minden

                                            Patenunternehmen

                                                                            ):
                                            Problemstellung (in Stichworten
                                                                                       s Werk voll ausgelastet)
                                            › Kapazitätserweiterung durch Neubau (alte
                                             Problemlösung (in Stichworten):
                                             ›	Erstellung eines Angebotsengineerings und Mischlinie sowie der Verladung
                                             ›	Planung der Annahme, Dosierung, Mahl- ermittel
                                             ›	Auslegung sämtlicher Maschinen und FördMaschinenpark
                                             ›	Gebäude- und Aufstellungsvorschlag für
                                                                           rlag en
                                             ›	Fertige Ausschreibungsunte

26 I    MTEC 2016 / 2017
Schlusspunkt     I

                                                                                      go
                                                e Tri
                                              d
                                       a g em
                                     o
                               d e M
                             l
                     c i ona
             t e rna
           n
   r s o I
Cu

                                                                                                                      Lernenden dort
                                                                                                              integriert zu sein.“ Und
                                                                                                 natürlich lerne er in diesem Umfeld
                                                                                     auch selbst dazu.

                                                            Sein Teil, in dem physikalisch/technische Grundlagen, die Auslegung von
                                                     Maschinen und die Automatisierung die Schwerpunkte sind, ist Bestandteil des
                                                     fünfwöchigen „Curso Internacional de Moagem de Trigo“. Seit 2012 organisiert
                                                     Professor Dermânio Tadeu diese Ausbildung an der FAG, an dem Kollegen aus
                                                     Frankreich (ENSMIC, siehe auch den Bericht zum Schüleraustausch auf den
                                                     Seiten 13 bis 15), Italien und Deutschland mitwirken. Ziel des Kurses ist es, Mit-
Es ist Juli, die DMSB hat Ferien. Doch ein           arbeitern aus brasilianischen Mühlen das aktuelle Fachwissen zu vermitteln.
Lehrer steht trotzdem an der Tafel: Uwe              Häufig sind diese nur angelernt, weil eine spezielle Ausbildung fehlt.
Schulz, Lehrer für Mathematik, Physik,
Maschinentechnik und Automation. Aber                Hoch motivierte Teilnehmer
seine Klasse ist nicht in Braunschweig –             Die Teilnehmerzahl liegt jährlich bei etwa 20. „Sie kommen aus ganz Brasilien
Uwe Schulz unterrichtet in Brasilien.                und sind hoch motiviert“, berichtet der deutsche Lehrer. „Sie wollen möglichst
                                                     viel Wissen erlangen, um ihr berufliches Fortkommen zu sichern. Auch in Bra-
Bereits zum vierten Mal unterstützt er die           silien sind Müllerei-Spezialisten trotz der zurzeit recht hohen Arbeitslosigkeit
südamerikanischen Kollegen im Rahmen                 stark gefragt.“ Die Kursteilneher danken es: Im abschließenden Feedback be-
einer Kooperation zwischen der Deutschen             scheinigen sie, trotz hoher Informationsdichte in kurzer Zeit viel dazu gelernt zu
Müllerschule Braunschweig und der FAG                haben und das Erlernte künftig auch anwenden zu können.
Centro Universitario, Cascavel, Parana, Bra-
silien, mit einem einwöchigen Kurs für Mit-          Uwe Schulz berichtet über freundschaftliche Kontakte zwischen ihm und brasi-
arbeiter brasilianischer Mühlen.                     lianischen Kollegen sowie ehemaligen Kursteilnehmern, die zur weiteren Ver-
                                                     tiefung der guten Kontakte zwischen Braunschweig und Cascavel führen. Davon
Wertschätzung und Spaß                               profitiert auch die DMSB. Nach einem Gasthörer, der Anfang 2016 die Schule für
Nach seiner Motivation gefragt, antwortet            einige Wochen besuchte, sind nun zwei junge Männer aus Brasilien für das Tech-
er: „Ich spüre dort eine große Wertschätzung         niker-Studium in Braunschweig.
meiner Arbeit, sowohl von der Leitung der
Universität und den Kollegen als auch von
den Kursteilnehmern. Es macht mir Spaß,
mein Wissen weiterzugeben und mit jungen
Menschen umzugehen. Natürlich ist es auch
spannend, in die Gruppe von Lehrenden und

                                                        Centro Universitário Fundação Assis Gurgacz (FAG)

                                                        Die FAG ist eine private Hochschule, die Studienmöglichkeiten sowohl
                                                        im technisch/wissenschaftlichen und medizinischen Bereich als auch
                                                        im schulisch-berufsorientierten Bereich vorwiegend berufsbegleitend in
                                                        Abendform anbietet. Der „Curso Nacional de Moagem de Trigo“ wird von
V. l. n. r.: Uwe Schulz (DMSB), Jaqueline Gurgacz       Professor Tadeu und Kollegen dort angeboten und ist die Basis für den
Ferreira (Leiterin der FAG Universität), Professor      Besuch des internationalen Kurses.
Dermânio Tadeu (FAG Universität)

                                                                                                                   MTEC 2016 / 2017   I 27
Sie können auch lesen